0 Bihubofstraße 25 N derusprecher Aab. dune dee Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Spedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Pernsprethet 20h. 13„Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 0 55 Mongemegtepreig mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ 2 wirtschaftliche Beilage“ 5 monatlich 3300.— Mk. einschl. Bringerlohn. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von ien dae Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt sur die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mk., auswärts 80.— Mk. die Reklamemillimeterzeile 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen der Rabakt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. HDiurch die Post bezog. 38800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120— Mk Nr. 39 0 Gießen, Donnerstag, den 19. April 1923 18. Jahrgang N 0 Pollsbegehren nach Siedlungsland. Vom Parteivorstand wird uns geschrieben: Der Reichsbund für Siedlung und Pachtung, eine Or⸗ Iganisation von Bodenreformern hat beim Reichsminister des Innern einen Gesetzentwurf eingereicht, der die Beschaffung don Siedlungsland fordert. Gleichzeitig hat der Reichs⸗ bund das Zulassungs⸗ und Eintragungsverfahren für einen olksentscheid über den Gesetzentwurf beantragt. Da sich Antrag auf mehr als 5000 Unterschriften von Reichs⸗ lagswählern stützt, muß der Reichsminister des Innern ihm inach dem Gesetz über den Volksentscheid vom 27. Juni 1921 112 Nunmehr hat der Antragsteller, also der Reichs⸗ bund für Siedlung und Pachtung, vorschriftsmäßige Ein ⸗ t agungslisten zu beschaffen und die Gemeindebehörden ntüssen den Reichstagswählern Gelegenheit geben, sich in die disten eigenhändig einzutragen. Für die Eintragung ist vom feichsminister des Innern eine zwölftägige Frist, vom April bis 1. Mai, festgesetzt worden. Wenn in dieser at ein Zehntel der Reichstagswähler sich in die Listen ein⸗ rägt und damit ein Volksbegehren stellt, muß der Reichs⸗ minister des Innern den vom Reichsbund eingereichten Ge⸗ Isetzentwurf dem Reichstage vorlegen. Nimmt der Reichstag, und später der Reichsrat, den Entwurf unverändert an, so ter damit Gesetz geworden. Verändert der Reichstag aber Gesetzentwurf, so kommt es zum Volksentscheid. Die deichstagswähler stimmen dann darüber ab, ob der ur⸗ üngliche oder der vom Reichstag veränderte Entwurf [Gesetz werden soll. Der ursprüngliche Entwurf wird nur dann Gesetz wenn die Mehrheit der Reichstagwähler an der Abstimmung teilgenommen und die Mehrheit der Ab⸗ imme sich dafür erklärt hat. Andernfalls bleibt es ei dem vom Reichstag abgeänderten Gesetz. Der vort Neichsbund für Siedlung und Pachtung vor⸗ l Gesetzentwurf über die Beschaffung von Siedlungs⸗ nd hat folgenden Wortlaut: 8 1. Zu einer Ackernahrung im Sinne des 8 1 des mille Keichssiedlungsgesetzes vom 11. August 1919(RGBl. . S. 1429) gehören bei Bodenklasse I 50 Morgen, bei Boden⸗ 5 Haasse II 60 Morgen, bei Bodenklasse III 70 Morgen, bei int Bodenklasse IV 80 Morgen, bei Bodenklasse V 100 Morgen, bei Bodenklasse VI 120 Morgen, bei Bodenklasse VII 160 Morgen, bei Bodenklasse J III und noch geringerer en 1§ 2. Wer an Land. Wiesen und Wald mehr als zwei dt A- dane Aternahrungen beftgt i weruflchket ein deitel — der die zweite Ackernahrung übersteigenden Fläche an Entschädigung abzutreten. 8 3. Die Lander haben diese von den Großgrund⸗ befitzern übernommenen Flächen bis zum Anfang einer Bodenklasse 200 Morgen. das Land, in welchem sich der Grundbesitz befindet, ohne 14 4 arb 5 Malt Ackernahrung an solche Familien in Erbpacht zu vergeben, 1 die noch kein Land oder noch keine volle Ackernahrung be⸗ onialy sitzen. § 4. Die Höhe der Erbpacht beträgt 5 Prozent des Hhauel Wertes des Grundstückes im Jahre 1914. Die Einziehung Wursty,* der Erbpacht erfolgt durch die Verwaltungsbehörden. 0 85. Soweit auf Grund des§ 2 Waldflächen an die — Länder abgetreten werden, sind sie zur Gewährleistung einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung vom Staate zu verwalten. 8 6. Solange keine Familien auf Uebertragung der Grundflächen antragen, kann das Land die Grundflächen in größerem Umfange an die bisherigen Besitzer oder an andere Landwirte in Zeitpacht zur Bewirtschaftung über⸗ Alassen. Die Zeitpacht ist in solchen Fällen nach§ 4 zu berechnen. 8 „Dieser Gesetzentwurf ist ohne vorherige Fühlungnahme . mit den politischen Parteien ausgearbeitet und eingereicht 9 worden. Auf seinen Inhalt und seine Formulierung hat 0, Giese gad ameere Fertet keinen Emig gebaut. die Organisa. 2e, tion des Volksbegehrens ist ebenfalls nur vom Reichsbund ffür Siedlung und Pachtung in Angriff genommen worden, anscheinend ohne Kenntnis der dafür erforderlichen großen el und Kräfte, sodaß es fraglich ist, ob das Volksbe⸗ gehren überhaupt zustande kommt. Gelangt der Entwurf laber an den Reichstag, so wird unsere Partei ihn durch entsprechende Anträge in sozialistischem Sinne umzugestalten versuchen. f Der Entwurf geht lediglich don dem Siedlerverlangen nach Land aus und will nicht nur Großbetriebe, sondern ausgesprochenen d muß aber die landwirt⸗ arf der land- he Ertrage für Indus'riebezirke Der Lösung entgegen? 9 Stresemanns Ruhrprogramm. Für eine größere Aktivität. Der Reichstag setzte am Dienstag die außenpolitische Debatte fort. Ihr Verlauf berechtigt zu der Feststellung, daß die Vernunft langsam aber sicher ihren Weg geht und daß bild die Zeit kommt, in der auch die bürgerlichen Parteien den Weg für den richtigen halten, den die Sozialdemokratie im Interesse der Abwehr heute gehen will. Das Ereignis des Tages war die Rede Stresemanns. Sie bot nicht die angekündigten Ueberraschungen, aber auch der Gegner muß anerkennen, daß sie geschickt formuliert, staatsmännisch abgefaßt war. Stresemanns Hinweis, im wesentlichen 5 mit der Erklärung des Außenministers einverstanden zu sein, hinderte ihn nicht daran, einen Gedanken aufzugreifen, den bereits tags zuvor unser Genosse Herma Müller in die Debatte geworfen hatte. Auch Stresemann besaß den Mut, der Cuno und Rosenberg fehlt, zu erklären, daß eine Verhandlungs möglichkeit in der Kombination zwischen dem letzten deutschen Vorschlag für Paris und dem Vorschlag des amerikanischen Staatssekretärs Hughes durch⸗ aus besteht. Mit dieser Aeußerung offenbarte der Führer der Volls⸗ partei gleichzeitig seine grund sätzlich e Uebereinstimmung mit der von der Reichstags fraktion der Sozialdemokratie aus Anlaß der veränderten politischen Verhältnisse seit 14 Tagen mit Entschiedenheit geforderten Politik. Leider dachte Stresemann den geäußerten Ge⸗ danken nicht zu Ende, wie es Miiller tat, indem er von der Reichs⸗ regierung ein konkretes Angebot an die Ententemächte forderte. Der Fraktionsredner der Volkspartei selbst wünschte Aktipftät, er⸗ klärte, daß der Sinn dieser Aktivität der sein muß. den Weg für internationale Abmachungen frei zu machen, gab seiner Ueberein⸗ stimmung mit dem von Hermann Müller geäußerten praktischen Bei⸗ spiel Ausdruck, ohne aber zu fordern, daß die Regierung den vor ihm von der Sozialdemokratie gewiesenen Weg durch einen schriftlich fixierten Vorschlag an die Entente geht. Entgegen den Erklärungen des Zentrumsflührers Marx in der Montagssitzung verzichtete Strese⸗ mann aber auch auf die Feststellung, daß im Augenblick ein Angebot überhaupt nicht möglich sei. Vielleicht umging er die an sich logische Schlußfolgerung und ließ die Möglichkeit, sie zu verwirklichen, offen, um zumächst das Echo seiner als Vertreter einer Regierungspartei gemachten Aeußerungen abzuwarten, vor allem aber, um die Regie⸗ rung, die 24 Stunden vorher erklären ließ, daß sie unter den ge⸗ gebenen Verhältnissen im Augenblick kein Angebot machen könne, nicht direkt zu desavouieren, vielleicht auch, um der Regierung die eigentliche Initiative zu überlassen. Daß das letztere bald der Fall sein wird, möchten wir stark bezweifeln. Die Uebereinstinnmung zwischen dem Führer der Volkspartei und uns, daß Deutschland mit einem Angebot nicht warten kann, bis eine internationale Finanz⸗ kommission unsere Leistungsfähigkeit geprüft hat, dürfte sich, nach der Rede des Außenministers zu schließen, vorläufig nicht auf die Regierung ausdehnen. Gerade deshalb wäre es notwendig gewesen, daß Stresemann über seine Aeußerungen hinaus, die ihm auf der Rechten und innerhalb seiner Fraktion sicherlich manchen Vorwurf einbringen werden, positiv das gefordert hätte, was auch die Sozial⸗ demokratie wünscht: ein schriftliches Angebot an die Entente. Die sachlichen Argumente Stresemann, die den Zweck hatten, die so stark auseinanderstrebenden Völker der Verständigung näher zu führen, kann auch die Sozialdemokratie im allgemeinen unter⸗ schreiben. dustriellen Partei Deutschlands nicht in das Geschrei von der gemin⸗ derten deutschen Leistungs fähigkeit als Ausgangspunkt eines Angebots einstimmte, sondern gerade in Bezug auf Deutschlands zukünftige Wirtschaft einen starken Optimismus durchblicken ließ. Daß er bei diesen Ausführungen nicht die Zustimmung Helfferichs fand, sondern dessen Kopfschütteln hervorrief, bleibt verständlich. Auch die Sozial⸗ demokratie hat immer die Auffassung vertreten, daß die deutsche Leistungsfähigkeit die Grundlage zur Lösung des Reparationspro⸗ blems bilden muß und nicht von dem ausgegangen werden darf, was die Alliierten benötigen. Bedauernswert bleibt nur, daß der Führer der Volkspartei so spät den elementaren Wahrheiten offen Aus⸗ druck gab, wie es gestern geschah. Während der Regierungszeit des Kabinetts Wirth haben wir oft ein verständnisreiches Wort der Volkspartei vermißt. Wäre damals die Vernunft so fortgeschritten, wie es heute in der Volkspartei den Anschein erweckt, dann wäre uns vielleicht manchs erspart geblieben. Stresemann hat sich schon oft mit guten Gedanken getragen. Als er versuchte, für sie zur Verwirklichung die Zustimmung seiner Fraktion zu erlangen, wurde er schmählich im Stiche gelassen. Diese Gefahr besteht auch heute noch. Dem„Staat, wie er ist“ zu dienen, liefern, wenn nicht die Volksernährung völlig vom Auslande abhängig werden soll. lediglich wegen des Verlangens nach Siedlungsland, inten- siv und gut wirtschaftende landwirtschaftliche Mittel- und Großbetriebe in kleine Ackernahrungen zerschlagen, die keine nennenswerten Ueberschüsse für die allgemeine Volkser⸗ nahrung liefern. In diesem Sinne ist der Gesetzentwurf des Reichsbundes umzugestalten. Die Reichstagsfraktion der Vereinigten Sozialdemokra⸗ tischen Partei Deutschlands hat bereits aus eigener Initia⸗ tive die Frage der Bodenreform in Fluß gebracht. Sie hat durch eine Kommission eine Entschließung ausarbeiten lassen, in der die Reichsregierung aufgefordert wird, die in der Reichsverfassung verheißene Reform der Bodenver⸗ teilung durchzuführen. Die Fraktion hat ferner einen Gesetz⸗ entwurf in Vorbereitung, nach dem eine planmäßige Ent⸗ eignung des Großgrundbesitzes über 750 Hektar zum Zwecke rationeller Bewirtschaftung durchgeführt und ein Teil des enteigneten Bodens sofort für Siedlungszwecke zur Ver⸗ 0 Vor allem ist begrüßenswert, daß der Führer der in⸗ Wir können daher nicht schematisch, wird Herr Quaatz sicher nicht seine Zustimmung geben. Bald wird sich Gelegenheit bieten, durch die Tat zu zeigen, daß die Volks⸗ partei im Ernst hinter ihrem Führer steht. Ist das der Fall, dann dürfte die Rede Stresemanns neben den geschickten Erklärungen unseres Genossen Hermann Müller zu einer Klärung der außen⸗ für den ersten deutschen positiven Schritt zu Verhandlungen wäre gefunden. Auch ein Herr Cuno und Rosenberg vermag sich dieser Mehrheit nicht zu widersetz erntete, sprach Abg. Leicht von der Bayerischen Volkspartei. Die vom Abg. Müller verlangte gesteigerte Aktivität der Regierung ist auch der Wunsch seiner Partei, wenn sie so verstanden wird, daß wir als Handelnde erscheinen und nicht als Leidtragende bei einem nicht zuftimmen. Es bleibe mur übrig, den passiven Widerstand mit ungeschwächter Kraft fortzusetzen. Die Strömungen von rechts und links, mögen sie auch aus München kommen, lehne seine Partei in bestimmtester Form und ganze entschieden ab.— Der Kommu⸗ nist Stöcker sührt aus: Den Ruhrkonflikt kann nur die Arbeiter⸗ klasse lösen. Es ist eine Verleumdung, zu behaupten, kommunistische Führer hätten mit französischen Generälen verhandelt. Wir ver⸗ langen die Verschärfung des Abwehrkampfes an der Ruhr.— Nach⸗ dem dann noch der Deutsch⸗Hannoveraner Alpers sich scharf gegen die rheinischen Separatisten gewendet hatte, beschloß der Abg. Gräfe von der Deutschvölkischen Gruppe die Reihe der ersten Redner. Die Wiederholung von Angeboten sei zwecklos. Frankreich misse davon überzeugt werden, daß das deutsche Volk sich nicht ver⸗ nichten läßt. Was tut die Reichsregierung gegen die unerhörten Störungen der Reichseinheit durch die Regierungen von Preußen, Sachsen und Thüringen?(Zuruf links: Und Bayern?) Die Außen⸗ politik fordere, daß die Reichsregierung gegen Severing und seine Kollegen in den übrigen Ländern vorgeht.— Die Debatte über die außenpolitische Lage wird am Mittwoch fortgesetzt werden, da eine zweite Rednerreihe zu Worte kommen Die Mehrheit des Reichstags gegen die Entschlußschwäche der Cuno⸗ Regierung. Die Berliner Morgenpresse ist sich im allgemeinen einig darüber, daß Stresemann in seiner gestrigen Reichstagsrede in wesentlichen Punkten ungefähr das Gegenteil zum Ausdruck ge⸗ bracht hat, was Rosenberg erklärte. Der Vorwärts stellt fest, daß zahlreiche Berührungspunkte ergeben und daß sich Stresemann in seinen sachlichen Ausführungen nicht Rosenberg, sondern Müller näherte. 5 0 N „Man gewann den Eindruck“, so sagt der Vorwärts,„daß die Regierung den ganzen Reichstag, abgesehen von den Deutsch⸗ sich entschließt, nach dem sozialistischen Vorschlag zu handeln und mit einem klaren Vorschlag zur Lösung der Reparationskrise her⸗ borzutreten.“ 5 8 5 Auch hier möchten wir bezweifeln, daß die Regierung die Ent⸗ schlußkraft ausbringt. Anscheinend auf Geheiß des auswärtigen Amtes wird die Havasmeldung lber einen vorläufigen französisch⸗belgischen Reparationsplan, der als Endsumme 50 Milliarden vorsah, in der Berliner Morgen⸗ presse fast durchweg übergangen. Nur der Vorwärts widmet diesem Plan eine längere Betrachtung. Ihm scheint der franzö⸗ sische Vorschlag nicht so zu sein, daß man von deutscher Seite die Diskusston über ihn sofort ablehnen müßte. U. a. schreibt er: Die genannte Gesamtsumme von 50 Milliarden Mark ernie⸗ dringt sich zunächst um etwa 3 Milliarden Mark, die von deutscher Seite seit Mai 1921 gezahlt worden sind. Blieben also noch 47 Millarden. Sollte England, wozu es unter Umständen bereit zu sein scheint, auf seine 22 Proz. verzichten, so kämen weiere 11 Mil⸗ liarden in Fortfall und es blieben noch 36 Milliarden. Wir wür⸗ den damit und vielleicht auch auf dem Wege der Verhandlung der Summe näherkommen, die auch von der deutschen Regierung für möglich gehalten wird... Der deutschen Regierung, sollte man glauben, sei durch die Reichstagsdebatte und die jüngsten Er⸗ eignisse Lichter genug aufgesteckt worden. Möge sie sich den Vor⸗ wurf ersparen, daß sie trotzdem blindlings ins Ungewisse ge⸗ tappt sei. 5 fügung gestellt werden soll. Damit wird sowohl dem berech⸗ tigten Verlangen nach Bexeitstellung von Siedlungsland, wie der Notwendigkeit entsprochen, die landwirtschaftliche Produktion im Interesse der Volksernährung weiter zu steigern. Bei dieser Sachlage— die für unsere Partei die Mög⸗ lichkeit offen läßt, im Reichstag Anträge zur Umgestaltung des vom Reichsbund für Siedlung und Pachtung eingereich⸗ len Gesetzentwurfes im Sinne unserer eigenen Entschließung und unseres eigenen Gesetzentwurfes zu stellen— liegt trotz der betonten Mängel des Entwurfs für unsere Partei kein Grund vor, gegen das eingeleitete Volksbegehren Stellung zu nehmen. Andererseits kann es nicht Aufgabe unserer Parteiorganisation sein, die Sache des Reichsbundes für Siedlung und Pachtung zur ihrigen zu machen. Deshalb können wir unseren Parteigenossen auch nicht empfehlen, sich durch Einzeichnung in die Eintragungslisten an dem einge⸗ leiteten Volksbegehren zu beteiligen. —— politischen Lage beigetragen haben: eine starke Reichstagsmehrheit etzen. Nach Stresemann, der lebhaften Beifall, auch auf den Tribünen, Diktat. Der Forderung nach einem neuen Angebot können wir aber soll. Für die Sozialdemokratie spricht Genosse Breitscheid. Die . über die Kriegsschuldfrage werden himausgeschoben we 1 1 5 5— sich zwischen Stresemanns Rede und der Rede des Genossen Müller nationalen und den Kommunisten hinter sich haben wird, wenn sie 3 — ———————— 25. A Deutschdemokratisches Vertrauensvotum für die Reichsregierung. Die deutschdemokratische Reichstagsfraktion hielt am Dienstag mittag vor dem Zusammeuntritt des Plenums eine Fraktions⸗ sitzung ab, in der man sich mit der Rede des Neichsaußenministers beschäftigte. Die Fraktion war überwiegend der Auffassung, daß in der Rede ein sormelles Angebot der deutschen Regierung zu sehen sei. Die Erfüllbarkeit des Angebotes hängt nach der Auf⸗ fassung der Fraktion selbstverständlich von der Erlangung einer internationalen Anleihe ab. Die Fraktion sprach der Reichs⸗ regierung ihr rückhaltloses Vertrauen aus. * laufen konnte. Englands Unzufriedenheit mit Rosenberg. Ebensowenig wie in Belgien und Frankreich hat die Rede des deutschen Außenmimisters in England Zufriedenheit hervor⸗ Daily Telegraph bringt eine wahrscheinlich offiziöse Notiz folgenden Inhalts: Das neue deutsche Angebot stellt einen wesentlichen Fortschritt gegenüber den früheren deutschen Vor⸗ schlägen dar, ist aber nicht aus reichend, um Frankreich zu be⸗ ftiedigen oder es den anderen allilerten Regierungen zu ermög⸗ li dag Angebot zu umerstützen. Sehr bedauerlich ist, daß politische Quertreibereien den Kanzler und seine Regicrung daran gehindert haben, elne Ziffer von etwa 40 Milliarden Goldmark zu nenen, die als Verhandlungsbasis nicht ohne weiteres von det Hand gewiesen worden wäre. Dieser Eindruck den man in London bezüglich der Verhandlunasbasis hatte, war der erste Inhalt des Rates, den man von London aus in Berlin erteilt hat, anscheinend aber mit geringer Wirkung. Poincaré würde es gern sehen, wenn die englische Regierung jetzt weitgehende Schritte unternehmen würde, um einen starken Druck auf Deutschland auszuüben. Morning Posc bemerkt in ihrem Leitartikel, der deutsche Außen⸗ minister bringe keine Gacantien, die Frankreich veranlassen Tönnten, sich aus dem Ruhrgebiet zurückzuziehen. Der Bericht⸗ erstatter der Times in Berlin, der sehr gute Beziehungen zum eng⸗ lischen Botschafter Lord d Abernon, dem Uleberbringer des vor⸗ erwähnten englischen Nates unterhält, schreib die Rede Rosen⸗ bergs hätte jederzalt seit Weihnachten gehalten werden können. Sei bringe die Dinge keinen zollbreit vorwärts. Daß es schwer ist. in Anbetracht der Verhältnisse den Entente⸗ mächten ein Angebot zu machen, das als genügend anerkannt wird, ist sicher. Immerhin aber hat die Debatte im Reichstag be⸗ wiesen daß auch die deutschen Parteien mit der Erklärung der Megierung nicht ganz einverstanden waren. Im Ausland sollte man deshalb nicht vergessen daß die Abgeordneten Müller⸗Franken und Stresemaunn als Führer großer Parteien sich in ihren Reden ie Aufgabe stellten, einen vosittven Weg zu Verhandlungen zu igen. Wenn im Auslande im Ernst der Verständigungswille dann können die Reden 0 ö m. wie es sonst üblich ist. Falls in Frankresch Bedarf besteht, bieten sie die Basis zur Einleitung von Verhandlungen. 5 Auffällig ist, daß der Reichsaußenminister auf die offizielle englische Forderung, nicht nur ein fixiertes Angebot zu machen. sondern positiv 40 Milliarden Goldmark anzubieten, nicht im geringsten eingegangen ist. Dadurch kann man wahrhastig nicht den Eindruck des deutschen Verständigungswillens erwecken. Die Drucksteigerung. Abbruch der Bezichungen zum Reichskommissar Die Interalliierte Rheinlandkommission in Koblenz hat soeben dan. deutschen Neichstommissar für die besetzten Gebiele mitgeteilt, daß sie mit dem Mittwoch seine Tätigkeit und die seiner Behörde im etzten Gebiet als beendet betrachte und seine sowie seiner Behörde Abreise aus dem besetzten Gebiet erwarte. Wie eine Pariser Abendzeitung mitteilt, hat die Rheinland⸗ 0 sion ihren Beschluß auf Antrag des französischen Vertreters 7 gleichzeitigen Kommissionsvorsitzenden Tirard gefaßt. Die Bot⸗ schafterkonferenz habe sich mit der Sache noch nicht befaßt. Deutschlauds Protest. Halbamttlich wird aus Berlin mitgeteilt: Dem Reichs kommissar die besetzten rheinischen Gebiete, Fürsten Harzfeldt⸗Wildenburg, st gestern vom Präsidenten der Interalliierten Rheinlandkommission eine Note übergeben worden des Inhalts, daß die Aufrechterhaltung eines Reichskommissariats für die besetzten Gebiete die Autorität der Mheinlandkommission und die Ausführung ihrer Verordnungen be⸗ einträchtige und daß daher die Mission des Reichskommissars für beendet betrachtet werden müsse. Fürst Hatzfeldt hat sofort Einspruch erhoben unter dem Hinweis darauf, daß das Argument für seine Ernennung nicht von der Interalliferten Rheinlandkommission, son⸗ dern von der Botschafterkonferenz erteilt worden sei und daß er dem⸗ gemäß der Rheinlandkommission nicht das Recht zuerkennen könne, der genannten beiden seine Mission für beendet zu erklären. Die Vollendung der Rheinland⸗Diktatur. Die Rheinlandkommission hat dem Reichskommissar für die be⸗ setzten rheinischen Gebiete mitgeteilt, daß sie beschlossen habe, die im Artikel 18 der Ordonnanz 3 in der Fassung der Ordonnanz 12 vor⸗ gesehenen Sondervollmachten bis zum 30. Juni 1923 vorbehaltlich weiterer Verlängerung zu übergeben: 1. ihren Oberdelegierten in den Bezirken Bonn, Koblenz, Rheinhessen. Trier, Wiesbaden, 2. allen Bezirks⸗ und Kreisdelegierten in der belgischen Besatzungszone. Weiter hat die Rheinlandkommission mitgeteilt, daß die komman⸗ dierenden Generäle der Armeen berechtigt sejen, bei einem allgemein hervortretenden Bedürfnis den Anschlag der Kurse des Dollars, des Sterlings und des französischen und belgischen Franken durch die Banken in Gemäßheit des Artikels 20 der Verordnung 2 in Ver⸗ bindung mit der Verordnung 31 anzuordnen. Die Organisation des Zwanges. Wie der Korrespondent der Liberte aus Düsseldorf meldet, fanden am Dienstag früh zwei Beratungen statt, an denen Mit⸗ glieder der französischen und belgischen Regierung und die Spitzen der interalliierten Okkupationsarmee teilnahmen. Es wurde hauptsächlich über die Armeebestände und über die Verteilung der⸗ selben im besetzten Gebiet verhandelt. Der französische Finanz⸗ minister Delasteyrie hatten eine Besprechung mit den französischen und belgischen Finanzsachverständigen, wobei Frage der Hohlensteuer und die Bewilligung der Aussuhrgenehmigungen er⸗ örtert wurden. Für Mittwoch ist eine neue Konferenz einberufen, in der nur technische Fragen der Eisenbahnregie und die Ver⸗ teilung der Einnahmen und Ausgaben zur Sprache kommen sollen. Man erwartet auch den belgischen Eisenbahnminister Le Neujean. Nach einer weiteren Meldung aus Düsseldorf hat der dort mit dem französischen Arbeitsminister Le Trocquer eingetroffene Finanzminister Delasteyrie mit General Degoutte und der Fi⸗ nanzkomission über das neue Finanzregime verhandelt, das den Besatzungsmächten gestatten soll, im Falle der Weigerung der Zahlung der Kohlensteuer in den Betrieben nicht nur Waren, son⸗ dern auch Maschinen zu beschlagnahmen. Der Minister der be⸗ freiten Gebiete Reibel wird sich ebenfalls nach dem Ruhrgebiet be⸗ geben, um die Holzlager zu besichtigen, die beschlagnahmt und nach Nordfrankreich abgesandt werden sollen. Die Verkehrslage im Nührgebiet. Ueber die Verkehrslage im Ruhrgebiet ist folgendes zu be⸗ richten: Von den 206 Bahnhöfen des Ruhrgebietes 7 im a Len 170 von den Einbruchstruppen besetzt. Auf 60 von diesen ruht der deutsche Betrieb, während die übrigen besetzten Bahnhöfe noch immer im deutschen Betrieb sind. Von den 60 den deutschen Be⸗ triebsleitungen unterstehenden Bahnhöfen werden 44 im mäßigen Zugver ehr von den Gegnern befahren, 10 liegen still. Auf 6 Bahn⸗ —— ist der Betrieb infolge der Besetzung angrenzender Strecken ahmgelegt. Wie Verschärfung der Verkehrskontrolle. Gleichzeitig mit der Verordnung über den Kohlenverkehr ist eine französische Bestimmung über den Autoverkehr eingegangen, die den gesamten Autpverkehr den Franzosen ausliefern will. Es dürfen nach dieser Bestimmung von den französischen Posten be⸗ schlagnahmt werden alle Fahrzeuge außer großen Lastwagen, wenn ste nicht einen Passierschein non französischer Seite, oder einen englischen, bei dem das Visum des Generalstabs der Rhein- armee oder der französischen Mission bei der britischen Armee nicht fehlt, aufzuweisen haben. Die beschlagnahmten 8 gen werden zu der zuständigen Beschlagnahmekommission gebracht, wo man end⸗ gültig über sie entscheidet. Die Verordnung läßt also den Verkehr von großen Lastwagen innerhalb des besetzten Gebietes noch frei. Die Kautionen, die die Franzosen beim Ueberschreiten der Be⸗ satzungsgrenze neuerdings von den Besitzern der Kraftfahrzeuge und Fahrräder sordern, betragen bei Rädern bis zu 300 000 Mk., bei Automobilen bis zu einer Million. Neuer Protest gegen die Massenausweisungen. Die Reichsregierung hat den Regierungen in London, Paris und Brütssel im Anschluß an die bereits früher den dortigen Re⸗ gierungen mitgeteilten Namen von Beamten, die mit ihren Fa⸗ milien aus dem besetzten Gebiet ausgswiesen worden sind, in einer Note eine weitere Liste von zahlreichen Ausweisungsfällen über⸗ reichen lassen, die von der Interalliierten Rheinlandkommisssion angeordnet worden sind. Die neue Liste umfaßt 833 Personen. Die deutsche Regierung legt auch gegen diese Massenausweisung von deutschen Beamten durch die Interalltierte Rheinlandkommisston Verwahrung ein. Der Reichskommissar für die besetzten rheini⸗ schen Gebiete hat der Interalliierten Rheinlandkommission eine Abschrift dieser Note überreicht. 4 7 7 Attentate gegen fran ösisch⸗belgische Nini Der Pariser Intransigeant meldet aus Düsseldors: Nacht wurde nicht weit vom Aachener Bahnh fernt ein Attentat auf den belgischen Mini verü übt Schienensträng schaffen machten.* J. 1 e, e ae Gleichzeitig find dem J 9.00 ver a 1 Bautben Wurden uu wal ven Püfeddef auf den e ae Erploston gebracht. Dieses Attentat follie dem Zug gelten zn en f, sich der französische Arbeitsminister Le Troquer befand. Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Am Morgen des zweiten Tages erhob sich ein heftiger Wind, das Meer war sehr bewegt; gegen Mittag hatte sich der Wind in einen Sturm verwandelt und ehe die Nacht hereinbrach, erhoben sich die Wellen haushoch. Ein wahrer Wolkenbruch ergoß sich, den ein Orkan begleitete. Zwei Tage und zwei Nächte wütete dieses Unwetter immer heftiger sowohl zu Land als auch zur See. Die Gendarmen verließen ihren Posten nicht und wechselten fluchend und brummend in regelmäßigen Zwischenräumen ab. In dem Aufruhr dieser stürmischen Nächte hätte Rohan vielleicht flüchten können; aber er versuchte es gar nicht, denn wo in aller Welt sollte er ein nur annähernd sicheres Versteck finden. Vom Dunkel der Nacht geschützt, wagte er zweimal den gefährlichen Aufstieg in jene Nische, wo er damals von Grallon und den anderen Häschern entdeckt worden war. Das erste Mal vergebens; das zweite Mal ließ dieselbe uner⸗ schrockene Hand dasselbe Proviantkörbchen, Schwarzbrot und kräftigen Käse enthaltend, hinabgleiten, so daß er die nächsten Tage vor dem Hungertode geschützt war. Auf den Sturm folgte eine Reihe ruhiger Tage und heller Mondscheinnächte. Die Belagerer versuchten gar nicht mehr, zu ihm zu gelangen; sie schienen tatsächlich die Absicht zu haben, ihn auszuhungern. In der fünften Nacht machten sie eine wichtige Entdeckung. Als die am obersten Felsen patroutllierende Wache ihre Runde antrat, bemerkte sie eine dunkle, fast auf den Boden kriechende Gestalt sich langsam fortbewegen. So oft der Mond aus den Wolken trat, lag sie ganz flach auf dem Boden; kaum hatte er sich aber wieder verkrochen, da erhob sich die Gestalt und lief, so rasch sie Einer der beherzten Gendarmen folgte ihr auf allen vieren. Er blieb stehen, wenn sie sich niederkauerte und lief ihr nach, wenn sie lief. Endlich überwand er mit größter Willenskraft seine abergläubische Furcht, faßte sich ein Herz, nachdem er sich zuvor bekreuzigt, sprang vor, hielt die Gestalt an und fand, daß sie aus Fleisch und Blut sei. Auf seinen Pfiff eilten Kameraden mit Blendlaternen herbei und siehe da: sie leuchteten in das Antlitz der Mutter 76 Gwenfern, die am ganzen Leibe bebend vor ihnen stand. Sie konfiszierten ein Körbchen mit Lebensmitteln und ein dickes Hansseil. Es schnitt den Leuten ins Herz, die Alte jammern zu hören und ihr verstörtes Gesicht zu sehen. Einige hätten sie auch am liebsten unbehelligt laufen lassen, aber die brutaleren wollten nichts davon wissen und trieben die Arme mit ihren Bajonettspitzen in ihre Hütte zurück, die von dieser Stunde an von Spionen umzingelt wurde. Kein Mensch konnte mehr das Dorf verlassen und sich unbeobachtet den Klippen nähern. * „Er wird Hungers sterben!“ „Er wird nicht sterben, Mutter!“ „Jede Hoffnung ist verloren, ihm helfen zu können. Fluch über Pipriac und die ganze Häscherbande!“ 50„Laß uns beten, Mutter, daß Gott uns aus der Not elfe!“ „Wie kann ich beten, da Gott uns verlassen hat! und der Kaiser sind gegen uns. sterben, muß Hungers sterben!“ Die alte Gwenfern und Marcelle saßen allein in der Hütte. Sie hielten sich innig umschlungen und weinten bitterlich, denn der letzte Versuch der armen Mutter, ihrem Sohne Lebensmittel zuzuschmuggeln, war gescheitert und schon der Gedanke, daß er nun vergebens auf Hülfe warte, zerriß ihr das kummervolle Herz. Was sie ihm bisher zu⸗ führen gekonnt, hatte kaum genügt, Leib und Seele zusam⸗ menzuhalten— was sollte nun aus ihm werden? Seit mehr als dreißig Stunden hatte er keinen Bissen Brot zu sehen bekommen; dazu die Finsternis, die Kälte und die voll- ständige Einsamkeit in der Grotte; es war rein um den Verstand zu verlieren! N Die Angst und die Aufrögungen der letzten Monate waren an der armen Frau nicht spurlos vorbeigegangen. Noch viel hagerer und abgezehrteih als sonst, ein Skelett, das nur durch die aufopfernde Mutferliebe aufrecht erhalten wurde, beobachtete sie den Lauf der 3 Die sich immer haufiger blaufärbenden Lippen deuteten auf ein rasch fort schreitendes Herzleiben. In jenen einsamen Stunden bildete Gott Mein armes Kind muß 242 5. I Politische Uebersicht. Schutz gegen Entlassungswill kü 8 Verbesserung des Betriebs rätegesetzes, 0 al Das Betriebsrätegesetz hat den willkürlichen Enlle 0 10 gen von Arbeitern und Angestellten einen Riegel da 40 5 schoben. Die Unternehmer können nicht mehr, wie 1 pen Arbeiter auf die Straße setzen, einzig aus dem Gr al die diese— und es waren meist die tüchtigsten Kräfte 57 be Rechte und die ihrer Kollegen verteidigten. Der§ Jide die Betriebsrätegesetzes bestimmt u. a., daß der Arbeitgeger 50 f falls die Entlassung als zu Unrecht erkannt wird, zu u ut schädigung verpflichtet ist, wenn er die Wiedereinste it g. verweigert. Diese Entschädigungspflicht wird nach de 8 zahl der Jahre bemessen, die der Entlassene beschäftig e ble sowie nach der wirtschaftlichen Lage des Arbeitnehme 8 wie der Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers und darf für jh Für Jahr bis zu einem Zwölftel des letzten Jahresarbeitz elite dienstes, jedoch nicht über sechs Zwölftel betragen. flit n. Gestützt auf die Geldentwertung und durch schleppung des Verfahrens wie der Hinauszögerung 10 be Zahlung der Entschädigung, haben es die Unternehm lun 0 standen, den Sinn dieser Schutzbestimmungen völlig au bit höhlen. Im Einperständnis mit der Reichsregier 0 un nunmehr eine Aenderung des§ 87 ausgearbeitet wolhen S für die bereits eine feste Reichstagsmehrheit vorhand nl die folgenden Wortlaut hat: N ec n I 2 ist zwischen Satz 2 und 3 folgender e 9 eh ee Bestandteile des Jahre 45 sind mit einem Betrag in Ansatz zu bringen, 0 d der we e e Lohn⸗ oder Gehal 115 rufs en 90 60 a sg ute Jeg 2 in migen„Nene 1 15 der Zahlung der Entschädigung in Verzug, so hat er dem A. lite * den durch die Geldentwertung entstehenden El mc zu etzen.“ 0 7. Damit wird es künftig den Unternehmern unmd 1 feh gemacht, die willkürlich Entlassenen um den im Gese litet! gelegten Entschädigungsanspruch zu bringen. 5 17 8„ Ein Bekenutnis zur deutschen Nepublf 1980 Bei einer Festvorstellung zugunsten des Oberhess Ahne Hilfsbundes hielt der Reichstagstbgeordnete v. Kar do c ni der der Deutschen Volkspartei angehört, eine Ansp rz! der er auch den Abwehrkampf am Rhein erörterte und nil gegen den in manchen Kreisen gehegten Gedanken der se wm waffneten Abwehr wandte.„Das wäre, f ir Redner, heller Wahnsinn. Ein solches Begst wah würde unser Vaterland in einen Haufen von Schu Trümmern verwandeln. Der neue deutsche Staat, die! sche Republik, besteht jetzt die Feuerprobe. 0 Staat stärken und zu schützen, ihn zu einem Hort des n Dull nalen Gedankens zu machen, ist die Forderung der Lmas und die Pflicht eines jeden unserer Volksgenossen.“ 1 Sehr schön! Aber noch schöner wäre es, wen mm en v. Kardorff, der immerhin ein weißer Rabe ö edeche ganze Partei, d. h. die Deutsche Volkspartei Aa dieser Staatsauffassung bekehren könnte! 1 4 0 Marcelle, die mit kindlicher Liebe und mehr als kim er 85 Pflicht ihr treu zur Seite stand, ihren einzigen Trost. 2 * 1— Es ist Zeit, daß wir wieder nach unserem Flüchshing sehen. Die grausame letzte Versuchung, die den sti Wen unt Willen zu brechen vermag, ist an ihn herangetreten: Hue re quälender Hunger nagt in seinem Magen. Verganzene E Nacht hat er die letzte Brotkruste gegessen und heute war ihm en 2 kein neuer Proviant zugesteckt woeden. Unten am Stand Aut het gab es wohl Schellfische genug aber er wagte es nicht, ihn,.] ih aufzusuchen. Er mußte wie eine Ratte in der Falle qu. 255 ten. Wenn er wenigstens noch etwas Hauttang zum hab ⸗ 5 bern gehabt hatte, aber auch das nicht— nichts als das! 4 00 fe Wasser, welches von den Wänden herabrieselte. Was aun. i den der, wenn er mit wilder Verzweiflung seine Blicke üer? sunder weite Meer schweifen ließ, wo eine Reihe von Fischerbale 1 0 wie eine ungeheuere schwarze Seeschlange dahinglitt? dach freudig hatte er sich vor nicht zu langer Zeit dem Fish 10 angeschlossen und nun war all das verloren, die Wel t ihn ein verschlossenes Paradies] Ach, wie gerne wollte ern U Kreuz tragen, wenn er nur seinen nagenden Hunger s 1 800 könnte! Bald wurde ihm vor Schwäche schwarz vor den a cn Augen, dann wieder kroch er zur Mündung des„schrahen un Loches“ und starrte verzweiflungsvoll in die Tiese, al ah, d ihm von dort Rettung kommen sollte. 1 N „Rohan! Rohan!“ 1 805 Herr im Himmel, ist's ein Traum, ist's Wirklich dn Etwas Schwarzes gleitet dort unten. Es ist zu finster, a es deutlich zu erkennen, aber was er jetzt hört, daßs Auen Ruderschläge, sie kommen immer näher. N dum „Rohan!, Rohan! lebst Du, bist Du oben?“ f Das ist Wirklichkeit, das ist Marcelles süße S f Ja, ein winziges Boot hält dicht unter dem Altar und let sich. von der auf. und niedersteigenden Flut getra⸗ 0 rhythmischen Bewegungen. Eine männliche und eine liche Gestalt sitzen darin. Die weibliche erhebt sich flüstert:„Nohan, um der Barmherzigkeit willen, gi ein Lebenszeichen, wenn Du oben bist! Ich bin's, Mu 5 2 S ger, Aber sprich leise, denn wir werden bewacht.“ (Fortsetzuna solat“ — Unternehme 0 gen völlig 0 eichstegienn deurbeitet wi elt vorhaut 1 u Republs des Oberheis te v. Kar dit eine Anspra erörterte un Bedanten de wäre, fg: solches Ve n von Schul! he Stat, dh probe. Die em Hort dez n derung der e stsgenossen“ te es, wenn zer Rabe ish olksparth n det 1 auttang bull 15 als dall, ieslte.% 11. Die Erzielung von Preisstillstand und Preisabbau und 1 demit die Besserung des Realeinkommens ist wertvoller als Das ist das werden kann und bei andauerndem wesentlichen Preisrück⸗ dagegen aber den Achtstundentag preiszugeben wobei ihr überlassen bleibt, den Preisabbau zu fordern und nach ihren Kräften ununterbrochene Karawane geht es egit 5 5 Lohnabban und Preisabbau. jede Vermehrung des nominalen Papiermarkeinkommens.“ Ergebnis der Vesprechungen uber die Gehälter und Löhne der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reiches und damit der Grund. weshalb von einer Teue⸗ rungsaktion in der bisherigen Weise Abstand genommen wurde. Wer wollte bestreiten, daß dies durchaus rich iste 79 8 Uns scheint jedoch, als erfahre diese Theorie eine falsche dung. Die Auffassung der Arbe itnehmer geht dahin, daß, sobald die Preise der Lebensmittel herabge hen, auf weitere Teuerungszulagen verzichtet gang auch eine entsprechende Lohnkürzung in Kauf genom- men werden muß. Natürlich unter Berücksichtigung der allzu weit zurückgebliebenen Löhne. Die Unternehmer vertraten von vornherein den Standpunkt, daß er st die Löhne gekürzt werden müssen, bevor die Pieise herabgesetzt werden könnten. Die Steigerung der Lebensmittelpreise war nicht die Folge, sondern die Ursache der nominellen Steigerung der Papiermarklöhne. Logischerweise müßten also zuer st die Preise zurückgehen bevor die Löhne zurück⸗ gehen. Dabei wäre allerdings nicht zu vermeiden, daß in der Uebergangszeit ein Teil der früheren Unternehmer⸗ gewinne aus den Differenzen zwischen hohen Preisen und niedrigen Löhnen zurückgegeben werden müßten. Da dann die Unternehmer bestrebt sein würden, die Uebergang 8. zeit möglichst abzukürzen, um möglichst wenig zuzulegen, könnten wir sicher sein, daß der Preis abbau ganz b e st i mimt und so weit als möglich eintreten würde. Alein das Unternehmertum will das Risiko von vornherein auf die Arbeitnehmer abwälzen und wehrt sich mit allen Mitteln gegen die„Zumutung“, im Interesse der Gefundung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch nur das mindeste Opfer zu bringen. Der Arbeitnehmerschaft wird jedoch zugemutet, während der Uebergangszeit ihre kärg⸗ liche Lebenshaltung noch weiter einzuschränken, außerdem zu fördern, der dann aber weit langsamer und weniger nach⸗ haltig vor sich geht, weil ein ganz besonderes Interesse für die Unternehmer nach vorgängigem Lohnabbau nicht mehr vorliegt. Es wäre noch mehr zu diesem Thema zu sagen, doch stehen wir bereits vor der Tatsache, daß der 1 Unterneh merstandpunkt die stärkere Macht auf seiner Seite hat, weitere Lohnzulagen nicht mehr oder doch in kaum nennenswertem Maße erfolgen. Wir erwarten nun wenigstens den verheißenen Preis⸗ stillstand und Preisabbau und müssen das Unter ⸗ nehmertum samt der Re gierung ersuchen, nun⸗ mehr mindestens die gleichen Anstrengungen zur Preis ⸗ kürzung zu machen, wie sie bisher zur Lohnkürzung machen. Denn eine längere Uebergangszeit ist für die Ar⸗ beitnehmerschaft uner träglich. Der Belastungsprobe ihres Existenzminimums darf nicht gar zu viel zugemutet werden. Al so Preisabbaul K* . 5. Frankfurter Messe. Vielleicht war das Wetter der Messe günstiger als strahlender 0 nschein, der in den weiten Hallen immer eine drückende Schwülle erzeugt, die auch dem rührigsten Kaufmann und dem aus⸗ dauernsten Messebummler die Kräfte lähmt. Am ersten Tage schon war ein starker Besuch zu verzeichnen und die große Schau deutschen Gewerbefleißes und deutschen Kunstgewerbes fand eine gerechte Würdigung. Die alte Zahl der Aussteller ist wieder erschienen, neue haben sich zu ihnen gesellt, die Frankfurter Messestadt hat sich aber⸗ mals geweitet und greift mit ihren Polypenarmen immer weiter um sich. Die gewaltigen Hallen sind gefüllt. Tausende von Kaufleuten Fan„Leber“ erhielt in der westräumfgen Halle„Schuß und e 7 erregt. aus ganz Deutschland und auch aus dem Auslande sind Gäste Frank⸗ furts. Den alten Messebauten sind neue zugefligt worden. Die Aus⸗ nach Wiesbaden und darüber hinaus zu worden, Personen zusammen⸗ Rhein. Doch die Zahl Bruchteil des Stromes 1 h 155 Griesheim ieren. uß, 1555 Roisende, die Gegend von er weiter und nach dem Rhein will, der sucht auff einem der vielen Laftautos unterzukommen. Für 2000 Mark nimmt forkkommen umd strebt nach seinem Ziel. Drollige Bilder kann man wenn der weibliche Teil und unten nachhelfen, denn nicht zu vorhanden, um einigermaßen bequem, auf das Auto gelangen zu können. Auf hoch beladenen Autos sieht man dann die Passagiere flach auf den Bauche liegen, damit sie auf der Landstraße nicht mit den Kesten der Bäume in Berührung kommen. Daß eine solche Fahrt angenehm und bequem wäre, wird niemand behaupten wollen, doch der Volkemund sagt ja schon:„Besser schlecht gefahren wie gen be 0 Während so die Autos die Hauptmasse der Reisenden be⸗ em sieht man auf der Landstraße alle nir denkbaren Vehikel vom einfachen Fuhrwerk bis zum Fahrrad uchlger im Dienste der 5 Personenbesörderung. Die Straße uhnmelt seh. und wie eine 210 0% üben. eim Leiterchen ein Heim, in dem sich Frankfurt als Metropole der Leder⸗ industrie für den Rhein⸗ und Maingau glanzvoll vorstellt. Wenn bisher die Gruppe Textilwaren auf der Messe vorherrschend war, so macht jetzt ihm das Leder stark den Rang streitig. Die öster⸗ reichischen Lederwaren fanden in, der neuen„Wiener Halle“ eine eigene Halle. Ueberhaupt hat sich die Zahl der Wiener Aussteller erheblich gegen früher vermehrt. Alle Geschäftszweige sind wie unmer reich und gut beschickt. Landwirtschaftliche Maschinen er⸗ regen-das besondere Interesse der Messebesucher. Ausgezeichnet hat das Kunstgewerbe ausgestellt. Ueherall drängt sich Stand an Stand, jeder reich mit deutschen Erzeugnissen jeder Art gefüllt; ein Lebens⸗ willen der deutschen Industrie und des Handels. Im„Römer wurde am Sonntag mittag die in Verbindung mit der Internationalen Kunstmesse stehende Frankfurter Kunstmesse durch einen kurzen Akt im Bürgersaal eröffnet. Nach der Be⸗ grüßung durch Direktor Sutter sprach Regierungspräsident Genosse Haenisch seine Genugtuung darüber aus daß es auch diesesmal wieder gelungen ist. in die Messe eine Kunstmesse organisch einzugliedern. Die Ausstellung zeige im erster Linie hessische Kunst und hessisches Volkstum; sie sei damit eine Heimatunsbausstellung. Die Wurzel der Kunst müsse aber im Mutterboden des heimatlichen Volkstums stecken. Bei aller Begersterung br das Weltbürgertum, für die Weltkunst, für die Welkliteratur dürfe man die Pflege der Liebe zum Heimatlichen, zur Landsmannschaft nicht ver⸗ gessen. Frankfurt erwelse sich durch die Messe und durch die Kunst⸗ messe aufs neue als ein Eckpfeiler und als ein Limes zum Schutze unserer nationalen und kulturelle Eigenart. Frankfurt zeige sich von neuem als ein Hort des deutschen Volkstums. Die deutsche Westmark dürse nie Mur französischen Ostmark werden und der Rhein müsse Deutschlands heiligster Strom bleiben. Das deutsche Volkstum mlisse erhalten bleiben nicht nur dem eigenen Lande zum Heil, sondern der ganzen Welt zum Nutzen. Das deutsche Volkstum wird nicht vernichtet werden und wenn die Welt voll Teufel wär! Der Leiter der Ausstellung Dr. Löbbecke, gab hierauf einen Ueber⸗ blick über die aus gestellten Gegenstände. So fand inmitten der internationalen Messe die Hessische Kunst eine Heimstätte. Was in diesem reichen alten Kulturlande Staat, die Städte und die Fürstenhäuser an Kunstschätzen sammelten, davon sind aus⸗ gezeichnete Proben zu einer Schau vereinigt, die starkeg Aussehen Im Mittelpunkt der Schau stehen wundervolle m⸗ lungen des Grafen von Erbach: Waffen, Büchkunst, Elsenbein⸗ schnitzerei. Die hessischen Städte zeigen eine Fülle ihrer prächtigsten Ansichten. oberhessische Vauernkunst feiert hier Triumphe, Bilder aus dem Leen der Alt⸗Gießener Universität. Offenbacher Lederer zeugnisse und tausend andere Dinge, die gebührend bestaunt werden. Nur schade. daß die chein⸗ hessischen Landschaften in diesem Kranze fehlen. Die„Hessische Kunst“ darf als die bisher beste Veranstaltung der Kunstmesse bezeichnet werden. Gießen und Umgebung. Vorbereitungen zur Maifeier. Näher rückt der Maitag heran, der für den Weltfeiertag der Arbeit auf dem Pariser Kongresse im Jahre 1889 fest⸗ gesetzt wurde. 33 Jahre sind seit der ersten Maifeier im Jahre 1890 vergangen, eine Zeitspanne, die man allgemein als ein Menschenalter zu bezeichnen pflegt. Seit dieser langen Zeit hat sich vieles in Deutschland— in der ganzen Welt— umgestaltet, es sind Dinge Wirklichkeit geworden, die man damals nicht für möglich gehalten. Wer damals, bei der ersten Maifeier, als das Sozialistengesetz noch herrschte, gesagt hätte, daß wir 33 Johre später die deutsche Republik und eine demokratische Verfassung wie die heutige hätten— den hätte man sicher für einen kompletten Narren erklärt! Zwar gab es auch Genossen, die optimistischer dachten und die den Sieg des Sozialismus in eine nahe Zu⸗ kunft verlegten. Wer aber die Zahl unserer Wahlstimmen und gar erst die Zahl unserer organisierten Parteimitglieder im Anfang der neunziger Jahre näher ansah, mußte zu der Erkenntnis kommen, daß noch lange und harte Arbeit not⸗ wendig war, um die Bahn für unsere Bewegung freizu⸗ machen. Und heute ist die Arbeit noch nicht vollendet! Welche Massen von Arbeitern stehen heute noch unserer Bewegung fern! Zur Stärkung unserer Reihen soll auch die Maifeier beitragen, die wir trotz aller mißlichen Zeitumstände ihres Auch viele Möbelwagen sieht man des Weges ziehen, die das Gut Ausgewiesener nach dem unbesetzten Gebiet bringen. Wehe, wenn dann an der Grenze die Papiere des Transportes nicht ganz in Ordnung sind, dann reißen unbarmherzige Marolkanerhände alles aus dem Wagen heraus und werfen es auf die Straße und in den Straßengraben, um zu sehen, ob nicht etwas Unerlaubtes mitge⸗ nommen wird. Wie die Sachen dann wieder in den Wagen kommen, das überlassen sie dem Fuhrmann und den Zuschauern, die an der Grenze immer in großer Zahl als Neugierige stehen, denn zu sehen gibt es hier den ganzen Tag etwas. Von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr ist der Verkehr Über die Grenze bei Griesheim frei, bei Nacht ist er verboten. Im allge⸗ meinen geht es an der Grenzsperre bei Griesheim schnell. Ein fran⸗ zöstscher Unteroffizier kontrolliert nur die Pässe und ist zufrieden, wenn er das„Bildchen“ sicht. Doch von Zeit zu Zeit wird auch mal eine Stichprobe gemacht dann müssen alle Passagiere mit ihrem Ge⸗ päck heraus aus dem Auto und alles wird durchsuckt, selbst in die Taschen der Leute schaut das französssche Auge. Von Höchst aus fährt auch die Bahn nach Wiesbaden, und der Franzmann ift bereit, seine deutschen Gäste unsonst mitzunehmen. Doch diese Ehre tut ihm kein Deutscher an. Nicht nur, daß der Betrieb unregelmäßig, unsicher und gefährlich ist, nein, jeder der mit einem solchen Zuge führe, liefe auch Gefahr, von der erbosten Bevölke nung verpritgelt zu werden, die absolut jede Gemeinschaft mit den Franzosen ablehnt. Den Ar⸗ beitern hatte man freie Hin⸗ und Rückfahrt zur und von der Arbeits⸗ stätte versprochen, doch keiner ließ sich bewegen, davon Gebrauch zu machen, jeder zahlte lieber die 6000 bis 8000 Mark Wochenabonne⸗ ment für das Auto, obwohl die Beförderung damit wahrlich kein Vergniigen ist. Ueberall am Rhein, wo man hinkommt, kann man es hören, der Franzose hat es in den vier Jahren der Besetzung nirgends ver⸗ standen, sich Sympathien zu erwerben, und wo das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen einigermaßen erträglich war, auch da hat es der Franzose durch seine zynische Brutalität und Rück⸗ sichtslosigkeit dahingebracht, daß auh der gutmütigste Rheinländer in ihm nur noch den Feind sieht. Wiesbaden ist eine ruhige, man kann fast sagen eine tote Stadt geworden. Es dominirt dort die französische Uniform, und während noch voriges Jahr in den Nachmittagsstunden auf der Wilhelmstraße ein reges internationales Leben flutete, sieht man heute nur noch franzöfische Militärs mit ihrem Anhang flanieren. In der Wil⸗ helmstraße befindet sich auch eine französische Lesehalle für Deutsche, in der sich aber Deutsche nicht blicken lassen. Das Schau⸗ mgehängt, um die sich kein Mensch Zweckes und ihrer Bedeutung wurdtg gestäasten müssen. Sie soll erhabend, begeisternd für unsere Sache wirken, den Sinn für die Wohlfohrt der Gesamtheit, für kulturelle Hebung des Volkes weclen und befestigen. Einfach, doch eindrucksvoll, ohne Gepränge muß die Maifeier sein, dabei soll, wo irgend es möglich ist, etwas Gutes und Künst⸗ lerisches geboten werden. 5 Die Steuererklärungen zur Vermögensstener, Zwangs auleihe und Einkommensteuer. Die diesmaligen Steuererklärungen zur Ein⸗ kommensteuer, Zwangsanleihe und Vermögenssteuer sind für den, Steuerpflichtigen von besonderer Wichtigkeit. Es ist nämlich eine be⸗ sondere Neuerung getroffen die bisher nicht bestanden hat. Ein jeder Steuerpflichtiger muß bis zum 30. April seine Steuererklärung abgegeben und bis zu diesem Termin auch seine Steuer bezahlt und die Zwangsanleihe gezeichnet haben. Versäumt er den genannten Termin, so muß er hohe Zuschläge bezahlen, die, wenn die Zahlung erst Anfang August ersolgt, höher sind als die Steuer, die schon Anfang Mai 15 Prozent betragen. Außerdem ist auf richtige Ab⸗ gabe der Steuererklärung besonders zu achten; denn auch bei späterer höherer Veranlagung sind Zuschläge zu zahlen, sofern nicht Strafen eintreten.— Die Steuerformulare werden demnächst zur Ausgabe gelangen. — Eisenbahnverkehr auf der Strecke Gießen⸗Coblenz. Durch Militarisierung der Strecke Diez⸗Friedrichssegen und der Strecke Diez⸗Hohenstein sind diese Linen gesperrt. Die Züge verkehren daher von Gießen nur bis Limburg. Der Verkehr von Limburg nach dem Rhein wird über Siershahn⸗Sayn aufrechterhalten. — Woyhltätigkeitsvorstellung im Stadttheater. Nächsten Diens⸗ tag, 24. April findet zugunsten der Alters versorgungs⸗ und Unter⸗ stlitzungskassen der Genossenschaft deutscher Bühnen⸗Angehö riger eine Vorstellung im Stedttheater statt. Zur Aufführung gelangt die Tra⸗ gödie von Karl Schönherr:„Glaube und Heimat“ unter 1 von Adolf Teleky. Die Eintrittspreise sind aus dem Inserat er. 5 — Strafkammer Gießen. Sitzung vom 13. April. Kr. Alsfeld, war im Januar l. Is. mit. einem ge⸗ Rovier der Oberförsterei Strebendorf vorn einem Förster betroffen worden. Seine Entschuldigung, daß er aur zwecks Vornahme von Schießversuchen in den Wald gegang⸗en sei, fand bei Gericht keinen Glauben, zumal er erst nach dreimaligem Anruf des Försters die Waffe niederlegte. Das Gericht ewachtet nach dem Verhalten des Angellagten sowie der Beschaffenheift der Wafse als zweifelsfrei festgestellt, daß er im Begriff war, zu wildern. Jagdfrevels in einheitlichem Zusampaentreffen mit 1. 1919, gegen Waffen⸗ Monaten und von Storndorf, ladenen Karabiner im erkannt hatte. Im Gegenfatz zu der Vorimsten erachtete das Bericht nicht für hinreichend nachzuweisen, hüten zum Preise von 200 se erlangt Rechtmäßigkeit des Besitzes der hegen mußte, zumral nach Aussage dess vernommenen Sachverständigen Damenhlite nichts Auffallendes bot. kennen gelernt hatte, i Absicht, in Großkarben einen früheren rend der Ange S. fanden sich Fleischvorrzüte und Wäschestücke vor, 90 Nacht in Großkarben in verschiedenen Hofreiten, zum Teil gestohlen waren. Das Schöffengericht Vilbel hatte S. als rückfälligen Dieb umter Versagung mildernder Umstände ver⸗ urteilt. Die Strafssammer kam bez. der Strafhöhe— 2 Jahre Zuchthaus— zu demselben Ergebnis, jedoch aus dem Gesichts⸗ punkte der Hehlerei im Rückfalle, die ste nach Lage der Sache, der Persönlichkeit des Angeklagten und nach seinen dirrchaus unglaub⸗ würdigen Angaben, die größtenteils direkt durch die Beweisaufnahme widerlegt wurden, für erwiesen erachtet. Außerdem wurden S. die blirgerlichen Ehrenvechte für 5 Jahre aberkannt. Verworfense Berufung. Eine weitere Berufung eines Angeklagten gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gießen wurde kostenpflichtig verworfen, da er trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht Herrn darüber spreechen, der mir aber sagte,„was, da aus hängt, das weiß ich nicht, da bleibt kein Wiesbadener stehen“. Mit dem Neu⸗ aufbau des vor] einiger Zeit abgebrannten Wiesbadener Stadt⸗ theaters ist noch) nicht begonnen. Die kahlen rauchgeschwärzten Mauern ragen in die Luft und zeugen noch von gewesener Schön⸗ heit. In Wiesbarden ansässige Ausländer, besonders Holländer, haben namhafte Beträge zum Wiederaufbau gestiftet, und man hofft, daß das Gebäude bie zum Herbst im alten Glanze wieder erstehen werde. Während früher durch den Rheingau ein starker Bahnverkehr sich abwickelte, liegen heute die Bahnhöfe tot und still. Ueberall sieht man ein paar Marokkaner, die gelangweilt den Bahnhof be⸗ wachen, da am ganzen Tag gewöhnlich nur 2 kleine Züge durch⸗ rollen, die weder Passagjere bring em. noch welche aufnehmen können, da niemand fahren will. Es werden keine Signale gezogen, keine Barrieren geschlossen, keine Weichen gestellt und anscheinend auch nur das eine Gleis zum Fahren benutzt, denn das andere ist schon vollständig 7 5 wie überhaupt alles in einem wlisten Zustand ist, daß wohl auch nach Beilegung des jetzigen Konfliktes Wochen vergehen werden bis der volle Betrieb wieder richtig funktionieren kann. An den Schienen hergehen darf miemand, er läuft sonst Gefahr sofort niedergeschossen zu werden.— 5 Ueber 10 Wochen dauert nun schon dieser„Kriegszustand“, bei dem ein wehrloses Volk einem bis an die Zähne bewaffneten Feind gegenübersteht, der vor keinem Mittel der Einschlichterung, vor keinem Unrecht und vor keiner Brutalttät zurückschreckt, um die Men⸗ schen gefügig zu machen. Das alles hat aber nur bewirkt, daß das Volk am Rhein nur noch fester zusammensteht und auf keinen Fall und unter keiner Bedingung gewillt ist, sich den fremden Eindring⸗ lingen zu beugen. Vom unbesetzten Deutschland ist man„drüben“ so gut wie ganz abgeschnitten, denn es kommen keine Zeitungen hinüber, und das, was die wenigen im besetzten Gebiet noch erscheinenden Zeitungen bringen, ist von den Franzosen zensiert oder gar oft der Abdruck er⸗ zwungen worden. Aber trotz all dieser fast unglaublichen Zustände, die übrigens erst seit dem Ruhrkonflikt diese Zuspitzung erfahren haben, hat die rheinische Bevölkerung ihre Fröhlichkeit und ihve Leichtlebigkeit noch nicht verloren. Man lacht und singt, trinkt seinen Wein und ist guten Muts wie immer, und daß dem so ist, liegt gum guten Teil an dem vorzliglichen 2ter, den man überall bekommt, von dem so recht gilt, was ich in diesen Tagen in einem Kelterhause des Rheingaues las: a „Was ist Wein? Sonnenschein! Den die Reben fingen ein. Trinke Wein! Sonnenschein senster hat man voll„Befehle“! e ebensowenig wie um die„Berichtigungen deutscher Falsch⸗ cle“, die dort aushängen. Ich wollte mit einem Wiesbadener Wird in's Herz Dir dringen ein! N 67 Mit Waffen im Walde betroffen. Der Maurer P. Sit. 1 1 9 1 1 N 5 167 e 1 0 serschrenen war und sertens der Stansanwalkschast die vorsorglich eingelegte Berufung zurückgenommen wurde. * Großen⸗Buseck. In unferer Partejiversammlung am ö wucden nach Erledigung des Kassenberichts folgende Ge⸗ nossen in den Vorstaud gewählt: 1. Vors.: Mattern, Wilh.; 2. Vors.: Vagmer, h.; Schriftführer! Pfeiffer, K.: Kassterer: Gg. Diehl: Beisitzer: W. Schwalb, W. Wagner; Revisoren: Dörr, E. und Otto Weiß. Es ist somit fast der ganze Vorstand durch andere Genossen ersetzt worden, und zwar aus dem Grunde, um den Wirkungs⸗ und Agitationskreis zu erweitern, welcher seither nur einzelne Personen umschloß.— Zur Maifeier wunde eine Einladung des Unter⸗ bezürksschriscführers Pfeiffer verlesen und beschlossen, sich vollzählig an der Maifeier zu beteiligen.— Weiter erstattete Gen. Herber ber Versammlung über die Tätigkeit der Gemeinderäte Bericht.— — in dieser Versammlung wurde schlfeßlich die überaus große Wohnungsnot besprochen. Mit Staunen mußte man hören, wie sich unser Herr Bürgermeister so ins Werk gelegt hat, damit einige Genossen, welche gebaut haben, beinahe in den Besitz der Bau⸗ schüsse gekommen wären, sodaß sie nach einem ganzen Jahr noch icht im Besitze des durch die Geldentwertung geringen Betrages, sses mum vorgezogen haben, auf diesen zu verzichten. Es sei deshalb dermit darauf hingewiesen, daß es den Genossen und Einwohnern, welche dieses Jahr auch bauen und Zuschüsse haben wollen, nicht geht. Was die Wo ge sonst anbetrifft, so ist mit den :„Auf dem Amte sitzt ein Mann, der sich nicht mehr helfen amn“, alles gesagt.— Damn wurde die diesjährige, ungerechte Holz⸗ verteilung besprochen. Was sich hier die Mehrheit im Gemeinderate geleistet hat, spottet jeder Beschreibung; während man dem dicken Bauer 8 Meter Holz zuteilte, erhielt der Arbeiter und kleine Bauer mur 2 bis 3 Meter Hartholz. dem hier mit zweierloi Maß gemessen? Oder besteht vielleicht ein 1 welches davon zeugt, wie unsere Gegner frei von Politik urteilen, wovon Gecmer ein Ziel zu setzen? Zu Haufe sind sie geblieben!!! Den soßialtdemokratischen Gemeinderäten kann mam keinerlei Schuld geben, denn flkuf Gemeinderäte sind keine sieben und sieben sind mehr wie fünf. Alsco, die Schuld daran liegt bei denen, die bei den letzten Wahlen so sauunselig waren und es nicht für nötig hielten, ihre Stumme mik“ in die e zu werfen und das waren in der — bebe an e ele eee auch ste sich endlich ermannen und heraustreten, daß auch sie sagen, daß sie Sozialisten sind und sich wicht mehr verstecken hinter dem Rücken derer, die treu und ceboch für die Parte kämpfen, denn 10 können nicht so viel wie fünfzig arbeiten. Nur dann kann unsere Sache zum Ziele führen; mir S einzelne zugreift, mir einen Parteigenossen, nur einen eser wirbt, dann muß e vorwärts gehen. „ Grünberg. Am vergange nen Sonntag fand hier im Lokale von Repp Witwe die Unterbezirkskonferenz für den 6. Unter⸗ bezirk statt. Auf der Tagesordnung standen die Gegenstände Mal⸗ seier und Vorstandswahl. Nach eingehender Aussprache wurde be⸗ schlossen, die Maifeier für sämtliche Orte des Unterbezirks am Sonntag, den 29. April in Grünberg abzuhalten. Die Maifeier indet im Lokale bei Witwe Beltrug statt. deber die Art und Ver⸗ taltung wird sich der neugewählte Bezirfsvorstand in einer am ten Sonntag um 1% Uhr stattfindenden Sitzung beschüftigen. In den Vorstand wurden folgende Genossen ghwählt: Wilh. Böcher, Saasen, 1. Vorsitzender, Otto Dörr, Grünberg 2. Vorsitzender, Heinrich Becker, Lumda, Kassierer und Karl Rahn, Grünberg, Schriftflührer. Des weiteren sollen noch die Vorsitzenden der dbrkgen Ortswereine des Unterbezirks zu der Vorslandsfttzungen eingeladen werden. Sehr beklagt muß noch werden, daß einige Ortsvereine des Unterbezirks nicht vertreten waren. Es wird er⸗ wartet daß dieselben in Zukunft mehr Interesse bekunden. Kreis Wetzlar. r. Atzbach. Einen recht schönen Unterhaltungsabend veran⸗ staltete unser Arbeiter⸗Gesangverein„Harmonie“ in Verbindung mit dem Bruderverein, dem Arbeiter⸗Gesangverein„Lahngruß Naunheim“, am vergangenen Samstagabend im Saalbau Tasch. Gutgewählte Chöre von Uthmann, Silcher Mozart usw. wurden exakt und stimmungsvoll vorgetragen. Mächtig und voll Rhythmus klang das„Völkerfrühlingslied“ durch den Saal, von stürmischen Beifall der Gäste aufgenommen. Eine kurze markante Ansprache des Genossen Weber, schloß mit einem Hoch auf die geeinte Sozial⸗ demokratie und die neu erstarkende Internationale und löste starken Beifall aus. Auch 2 Chöre vom gemischten Chor des Vereins Harmonie vorgetragen, fanden Anklang. Unserem Dirigenten K. Bernhard volle Anerkennung seiner Arbeit und besten Dank.— Auch der Humor kam vortrefflich zur Geltung durch einige vecht schöne Theateraufführungen„Mann bleibt Mann“,„Die Pferde⸗ kur“ und„Nanke vor Gericht“.— Wahre Lachsalven lösten diese, von den Spielern gut eingeübten Stücke aus. Auch dem„Lahng ruß Naunheim“ für die Verschönerung unsres Abends vielen Dank. Möge es dem Arbeiter⸗Gesangverein„Harmonie“ Atzbach vergönnt sein, noch recht oft solche Abende veranstalten zu können. Werben wir stets neue Mitglieder für unsre große Sache, für die Partei und den Arbeiter⸗Sängerbund. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 16. April. Frankfurter Viehmarkt. Auftrieb: 212 Ochsen. 71 Bullen, 954 Färsen und Kühe. 428 Käl⸗ ber 83 Schase, 1205 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen 170 000 bis 300 000 Mk., Fäcsen und Kühe, vollfleischige. 260 000 bis 300 00 Mk., mäßig genährte 160 000 bis 250 000 Mk., gering genährte 80 000 bis 150 000 Mk., Bullen 180 000 bis 240 000 Mk. Kälber, feinster Qualiät 260 000 bis 300 000 Mk., mittlere Qualität 22 000 bis 250 000 Mk ringerer Qualität 170 000 bis 200 000 Mk. 210 000 Mark; Schweine unter 80 Kilo 280 000 bis 310 000 Mark, on 80—100 Kilo 320 000 bis 340 000, über 100 Kilo 320 000 bis 340 000 Mack. Der Handel vollzog sich langsam. In Rindern und Schweinen verblieb etwas Ueberstand. Frankfurt a. M., 16. April. Vom französischen Zug überfahren. Der französische Frühpersonenzug von Wies⸗ baden nach Höchst a. M. überfuhr heute früh 8 Uhr an einem Bahnübergange das Einspännerfuhrwerk des Philipp Felte aus Hochheim a. M. Der Fuhrmann wurde lebensgefährlich verletzt, der Wagen völlig zertrümmert das Pferd getötet. Der Fuhrmann wurde von der Lokomotive noch 150 Meter weiter geschleift und danm von der deutschen Zivilbevölkerung geborgen. Der Zug setzte nach Beseitigung der Wagentrümmer seine Fahrt fort. Die Fran⸗ zosen kümmerten sich nicht im mindesten um den Schwerverletzten, sie verlangten im Gegenteil von den Deutschen die sofortige Be⸗ seitigung der Wagentrümmer von den Schienen, ein Ansinnen, das glatt abgelehnt wurde. Darmstadt, 16. April. Aufsehen erregende Ent⸗ hüllungen machte vor der Staatsanwaltschaft der Kraft⸗ wagensührer L. von hier, die die Indizien gegen Kriminalinspektor hr. Weber bedeutend verstärken Zur Vernehmung geladen, gab L. an, Krim.⸗Insp. W., einen Herrn und eine Frau am 9. April 1922 in die Gegend von Rohrbrunn im Spessart gefahren zu haben. Die Frau, eine angebliche französische Spionin, wurde dort ausgesetzt und die Herren fuhren, nachdem sie sich einige Zeit im Dickicht aufgehalten hatten, allein zurück. Als die Leiche 4 Tage später gefunden wurde, hat Weber eine Anfrage von Aschaffenburg unbe⸗ antwortet gelassen und erst ein halbes Jahr später die Ausschrei⸗ bung als„vermißt“ durch Hoffmann veranlaßt. Die Leiche wurde als die der Hoffmann erst jetzt ermittelt, nachdem sich Verwandte aus der Pfalz erkundigten und die Zentralstelle Berlin auf die seinerzett aufgefundene Leiche bei Aschaffenburg hinwies. Weber ist 46 Jahre und stammt aus Gelnhaar bei Büdingen in Ober⸗ hessen. Er hat bei den 29er Dragonern gedient und war mit seinem Regimentskameraden Hofmann gut befreundet. Er(Weber) wurde vor 6 Monaten wegen seines Lebenswandels, der mit seiner Stellung nicht in Einklang zu bringen war, von seiner Stellung suspendiert.— Begreiflicherweise wird die Angelegenheit auch mit der Ermordung des Wachtmeisters Günther dahier in Verbindung gebracht, für die ebenfalls schwere Vermutungen vor⸗ Schafe 170 000 bis liegen.— Nis der Untersuchung wurde Staatsanwalt Dr. ge betraut. Kriminelkommissar Daniel, einer der besten hesf Kriminalisten, ist mit der Untersuchungskommission heute v tag nach der Zellenstrafanstalt Butzbach abgereist, wohin W. Hoffmann wegen dem Verdachte der Durchsteche reien wurden.. Ein blutiges Drama. f 1 belbt e f niche a fil N U. würde i ift zei in setzte war es bereits zu spät. Denn imzwisßen war aus Bonn die Nachricht on dem Drama eingetroffen. ce Ein Absturz von der Wilhelmshöhe. 13 da Der 50jährige Rechnungsrat Otto Vaupel stürzte infolge rache Schwindelanfalles von dem P u der Wilhelmshöhe b etwa 15 Meter im die Tiefe ab. Er war auf der Stelle— Ein schweres Fliegerunglück. Nr. Anläßlich der bei der Eröffnung des Flughafens auf Tempelhofer Feld von der Verkehrsdeputation der Stadt 8— veranstalteten Probeflüge ereignete sich auf dem Tempelhofer ein schwerer Unglücksfall. Gegen 17½ Uhr erhob sich das Flu 0 D 28 der Aero Lloyd A.⸗G., besetzt mit mehreren Herren des liner Magistrats unter Führung des Piloten Noak, zu einem flug. Nachdem der Flug verlaufen war, stürzte das Flugz es zur Landung niedergehen wollte, plötzlich jäh herab, Hilfe zur Stelle war, war es außerordentlich schwierig, die schm⸗ verletzten Insassen des Flugzeuges unter den Trümmern ständig zerstörten Apparates herauszuholen. Allem Anschein liegt die Ursache des Unglücksdarin, daß der Flugapparat Abflug in die Kurve stürzte. Wie mitgeteilt wird, ist einer der unglückten, Oberbetriebsrat bei der Straßenbahn Artur Merz seinen Verletzungen bereits erlegen. Auch der Verkehrsamtsdiresg Vogt fand den Tod. Stadtverordneter Paul Boetzer und der dg Die zeugführer Noak wurden schwer verletzt. 1 100 fe Raubmord in Berlin. Vor mehreren Tagen wurde in ein ih be Geschäft in der Motzstraße die dort tätige Verkäuferin Dittier 6 erinordet aufgefunden Geldbeträge dsw. waren geraubt worn, i Jetzt ist der Mörder in der Person des 40 jährigen, aus Zela ab sch Thüringen gebürtigen Kaufmannes Karl Häusler der sich sest iitsetz Jahr und Tag arbeitslos in Berlin aufhielt, am Sonntag ut ichen ermittelt und verhaftet worden; er legte bereits eim Gesih n nis ab. 1 1 4 Amen, 0 a 3 1 ie Lokale Parteinachrichten. N 1 Unterbezirk Grünberg. N uur Am„den 22. April, nachmittags 1 Uhr, finde abe de Grünberg im Lokal Wwe Repp eine Vorstandssitzung des Un 1 i bezürks statt. Tagesordnung:„Unsere Bezirksmaiseier.“ 1 Alle Vorstandsmitglieder und Vorsitzende der Orteveue 1 müssen vertreten sein. Der Unterbezirks den nä Versammlungskalender. 4 65 Gießen. Frauengruppe der Verein. Soz. part um An Donnerstag, den 19. April, abends 8% Uhr Frauenversang⸗ 115 lung mit Vortrag des Genossen Rechtsanwalts Homberger luer. Frauen als Schöffen und Geschworene“ und sonstiger wich deb d Tagesordnung. Erscheinen aller Genossinnen wird erwartet. i len Altenbuseck. Wahlverein. Sonntag, den 22. April, u kel. 4 mittags 3 Uhr im Vereinslokale Mitglieder⸗Versammlung. Tag kerung ordnung: Kassenbericht, Maifeier usw. Um pünktliches und voll Al liges Erscheinen der Genossen, auch der Gemeinderatsmitglie de J wird gebeten. 6 4 Lang⸗Göns. Wahl verein. Samstag den 21 A hall . abends 8½ Ühe Mitglieder⸗Versammlung bei Hebbel. ordnung: Maifeier. 1— Dollarkurs schwankend. Mittwoch mittag 12 Uhr: 23000 fl 23500 Mark. J für jedes halbe Kills B. Für das Verwiegen von Kartoffeln, Oost und sonstigen Markigegenständen: 8) für Kartoffeln in Mengen bis zu 10 Kilo 5.— „jede weitere angefangene 5 Kilos 5.— b)„ Obst und sonstige Markigegen⸗ stände in Mengen bis zu 25 Kilo. 20.— für jede weitere angefangene 10 Kilo 10.— 5.— Mk. 3. Lieferung v Daß Standgeld beträgt: ) filr jeden Tag u. jeden in Benutzung genommenen laufenden Meter Platz 50.— b) für den Verkauf von Marktgegen⸗ ständen vom Wagen aus: für jeden . und jeden bespannten bau, Geräteschuppen, Oswaldsgarten, Wohnung, Lagergebäude Steinstraße 2. Weißbinder⸗ und ustreicherarbeiten: Erweiterungs⸗ bau, Geräteschuppen, Oswaldsgarten, Wohnung Lagergebäude Steinstraße aus Kunststeinen: Erweiterungsbau, Geräteschuppen, Oswalds garten. 4. Glaserar beiten: Erweiterungs bau, Geräteschuppen, 8 2. Oswaldgarten. Die Verdingungsunterlagen liegen bei uns zur Ein⸗ sicht offen und sind Angesote rechtzeitig abzugeben.— Zuschlagsfrist 3 Wochen. 8 Gießen, den 16. April 1923. Stadtbanamt Gießen. on Treppenstufen und Fensterbän ken Unser seltheriger Laden A Neuen weg 4 wurde mit unserem Laden Selters weg 79a zusammengelegt 0 Färberei Braubach& Fischer. 3.8 Hius — q 79 f 5 3 5 C ͤ ͤ Cc 4 5 25715 ö soltio, 0 5 Sthürdliche Bekannkmachungen b n uidi eil Bekanntmachung. aue Betr.: Aenderung der Ortssatzung über den Markt⸗ 0 ch d tarif der Stadt Gießen vom 8. Februar 1921. won Auf Beschluß der Stadtverordneten⸗Versammlung g 8 1 1 1 70 3 05 1 205 e 75 8 3. fil ausschusses und mit Geuehmigung des Hesssischen e Aol em. 5 2 J 8 N Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft im Ei nver⸗ 0 8 ehmen mit dem Ministerium des Junern vom de 5* 3 40 1 9 1 77 ee fe A. 20 führe wird auf a* M guten Grund des 8 1 r hessischen Ausführungsverord⸗ 185 3 2 5 duc en nung zur Gewerbeordnung in Verbindung mit Art. 15 1 Die kürzlich, gelegen F b und 199 der Städteordnung die Ortssatzung über den Arbeitsvergebung. 7 1 11 5 5 0 n 1 Markttarif der Stadt Gießen vom 8. Februar 1921 Die nachstehenden Arbeiten sollen e 5 solkez, hinsichtlich der Gebührensätze wie folgt geändert: Mittwoch, 25. April d. Irs., vorm. 10 Uhr 55 3 Trlücberabun lun der 5* öffentlich vergeben werden. 95 2 J 7 einsi 4. Für das Verwiegen von Butter: 1. Herstellung v Zementdielenwänden: Erweiterungs⸗⸗ Geschäftsverlegung. 15 1 eingetroffen. 9 0 Soweit der eingegange Vorrat reicht, werden Gegenstände zu den bekannten Preisen abge geben,.— Zur Besichtig ohne Kaufswang wird Haus⸗ u. wichen, Neustadt 56. Braubach. zagen von weniger als 2 Meter Länge 100 Mk., für jeden bespannten Wagen von mehr als 2 Meter Länge 200 Mt. 98 8. Zum Ausbau von 2 Doppel⸗Wohnhäusern soll en 8 g enerhöhung tritt mit dem Tage ihrer] nachstehende Arbeiten auf dem Sudmissionswege ver⸗ vorzeigen können. ft. Diese Gebühr Verkündung in Kaft. Gießen, den 16. April 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Kling spor. geben werden: . s Bedingungen Gestorbene. 17. April. Moses Weil, Privatmann, 85 Jahre alt, Kaiser⸗Allee&. erdigung: 19. April, 3 Uhr nachm. meisterei einzuren Vergebung von Bauarbeiten. eingesehen werden Wieseck, den 17. April 1923. Bürgermeisterti. Schomber. Weißbinderarbeiten Schreinerarbeiten Schlosserarbeiten Installations arbeiten Eleltrische Anlagen können auf hiesiger Bürgermeisterei chen. A Sinige Bekanntmachung. Aeuaalerin Jenl chaiselongus Ortsan ässige Personen, die in Bad Nauheim die 5 10 bester Wubfaß 10 Kurmittel gebrauchen wollen, ohne dort Wohnung zu nnter ene nehmen, erhalten nur dann Bäder verabfolgt, wenn sie on Polsterm eln 1 eine von hier ausgestellte Ausweiskarte im Badehaus 1 N Liebigstraße 98 sowie alle Repara- 77785 na 5 N 1 erfolgt im Stadt ⸗Ituren an solchen l dle 90 0 e ee e e s f a* werden ausgeführt iub] S. dleste) Vorstedung W Der Oberbürgermeister: Keller. Sec, Ae W — Franz Bock] Pas Konzer. 8 P · 1 Li · · Liebigstr. 93. 106 Anf. 7 Ubr. ende. 8 2 Die Angebote sind verschlossen bis zum Montag,* 2 l.] Tenntaa, ben 22. n den 23. April, vorm. 10 Uhr auf 23 Bürger- Ar 1 1 Srd Ur Krätzurgan l Der kühne San 1* ffäll. milb,. unf. 3½ Ubr. Ende 6 l 0 emen Sean nee 1— 1. 0 Buchhandlg. Oberhess. Volksztg. I Au be. f 7 0 0 Ende 9%. ö 0