Redaktion: Gießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2008. bethesst Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Ewedition: gießen Bahnhofstraße 23 Jerusprecher 2008. Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 780.— M. einschl. Bringerlohn. 15 die Post bezogen 780.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 80.— Mt 1 Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Verantwortlicher Redakteur: F. Vet! rs. Für den Inseratenteil verantwortlich: N. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sär lich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. 5. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Naum sokal 10.— Mt, auswärts 15.— Vet., die Reklamemillimeterzeile 50.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. g Nr. 15 Gießen, Freitag, den 19. Jan uar 1923 1 18. Jahrgang Fortsetzung des Vormarsches oder Stillstand? Nach den in Berlin an den zuständigen Stellen einge⸗ troffenen Nachrichten haben am Mittwoch morgen die Franzosen ihren militärischen Vormarsch von Dortmund und Essen aus fortgesetzt. In den beiden Städten herrscht Ruhe, auch im übrigen neu besetzten Gebiet sind keine Zwischenfälle i geworden. Die Vormarschbewegung der französisch⸗ elgischen Truppen geht über Mettmann in Richtung Kupferdreh, jedoch sind Schwelm und Elberfeld noch nicht besetzt. In nördlicher Richtung bewegt sich der Vormarsch von Dortmund aus in Richtung auf Asseln; Unna ist jedoch noch nicht besetzt, auch Hagen ist noch frei, hingegen ist Herdeke gestern abend noch von einer kleinen Abteilung be⸗ setzt worden. Der für den Güterverkehr wichtige Verschiebe⸗ bahnhof Vorhalle bei Hagen ist zeitweise von kleinen fran⸗ zösischen Truppenabteilungen besetzt. Eine andere Meldung aus Düsseldorf besagt: Mit der Erreichung der Mittwoch⸗Linie ist die militärische Aktion, wie General Degoutte Pressevertretern erklärte, vorerst be— endet. Er glaube nicht, daß die Besetzung weitergehe, da aus Paris neue Instruktionen nicht vorliegen. Der Reichskohlenkommissar erneuert sein N ö Verbot. Vom deutschen Reichskohlenkommissar traf Anweisung in Essen ein: Anter Bezug auf die Besprechung der französischen In⸗ dustriellen⸗Ruhrkommission mit den Zechenbesitzern verbiete ich mit Rücksicht auf den französisch⸗belgischen Einbruch hier— mit ausdrücklich die Lieferung von Kohlen und Koks an Frankreich und Belgien, auch für den Fall der Bevor— schussung oder Bezahlung durch diefe Staaten.“ gez. Stutz. Beseitigung der Kohlenstenerlisten durch die f deutschen Behörden? „Sicheren Nachrichten Pariser Blätter aus dem Ruhrgebiet zu⸗ folge haben nach dem Vorbilde des Kohlensyndikats die deutschen Behörden alle Belege und Akten über die Erhebung der Kohlen⸗ teuer aus den Zollämtern fortschaffen lassen. Petit Parisien meldet hierzu, eine Prüfung diefer verschwundenen Kohlensteuer⸗ eerhebungslisten hätte zweifellos den Umfang der Kohlenförderung im Ruhrbecken enthüllt. Gegen alle Einschüchterungsversuche. 1 Die Antwort der Zechenvertreter. 1 Die am Mittwoch bei der Versammlung in Düsseldorf ganwesenden Vertreter der Zechen des Ruhrreviers haben 6 gestern der Besatzungsbehörde folgende Erklärung ab⸗ jedem Zechenvertreter unter⸗ folgende gegeben, die übrigens von Zeichnet ist: a 13„Der Herr Reichskohlenkommissar hat unter Androhung von Gefängnisstrafen den ausdrücklichen Befehl an alle Zechen des Ruhrgebiets erteilt, keinerlei Brennstoffe an Frankreich und Belgien zu liefern. Ich kann daher den von Herrn Coste erteilten Befehlen nicht nachkommen. Ich bin mir bewußt, daß ich bei die⸗ ser Haltung mich vollkommen in Einklang mit den Bestimmungen des Wassenstillstandsabkommen, des Versailler Friedensvertrages, dves Rheinlandsabkommens und aller ergänzenden Bestimmungen sowie der Haager Landkriegsordnung und mit den Regeln des Völkerrechts befinde, wie sie in allen Kulturstaaten anerkannt sind. Der Befehl meiner zuständigen Behörde schafft für die Zechen⸗ vertreter einen Fall von höherer Gewalt, bei dem auch noch nach Frankreichs Recht jede persönliche Verantwortung ausgeschlossen t. Er ist als Eingriff von höherer Hand für mich absolut bin⸗ dend. Niemand kann gezwungen werden, gegen sein Vaterland zu vandeln und eine ehrlofe Handlung zu begehen. Die Anforderung, ie an mich gestellt wird, schafft für mich einen moralischen Zwang. her auch nach französischem Recht jede Verantwortung meinerseits uusschließt. Zusammenfassend stelle ich sest und erlläre hierbei auf das bestimmteste, zu einer Handlung gegen mein Vaterland und zu einer ehrlosen Handlung lasse ich mich nicht zwingen.“ Auf die von der Besatzungsbehörde ausgesprochenen serschärften Drohungen war bis Donnerstag noch nichts beiter erfolgt. Verhaftungen sind noch nicht vorgenommen orden. Andererseits bleibt der Versand von Reparations⸗ zohle nach Frankreich und Belgien eingestellt. Die Verkehrs⸗ und Betriebslage bleibt normal. „„Die Verkehrs⸗ und Betriebslage bei der Eisenbahn ist vollstän⸗ lig normal. Im Laufe des gestrigen Tages ist die übliche Anzahl Hagen angefordert und gestellt worden. Züge mit Reparationskohle und nicht herausgegangen. Die anderen Kohlen sind normal beför⸗ tert worden. Auch heute ist die normale Anzahl Wagen angefordert worden, sie wird auch gestellt werden. Die gestern angekllndigten ontrollmaßnahmen der Besatzungsbehörde sind nicht durchgeführt, sendern nach lurzer Zeit wieder aufgehoben worden. Das vergebliche Liebeswerben um die Arbeiter Die Besatzungsbehörbe läßt in ihrem Bestreben, die Arbeiter ies Ruhrgebiets für sich zu gewinnen, trotz den Mißerfolgen nicht tuch, Donnerstag nachmittag fand wiederum eine Aussprache mit den Begzirksleitungen der Essenbahnerverbände statt. Oberft Simon keuklärte den Vertretern der Eisenbahnerverbände, daß sie nicht kommen seien, um Eroberungen zu machen, sondern daß sie nur ut Friedensvertrag dle beutschen Verpflichtungen einzutreiben Poincarés Kohlen ⸗Naubkrieg. hätten. Der Arbeiterschaft würde in ihren Vestrebungen jedenfalls nichts von der Besatzungsbehörde in den Weg gelegt werden. Im Gegenteil, was der Arbeiterschaft in Deutschland vorenthalten werde, würde die Besatzungsbehörde ihr zukommen lassen. Oberst Simon äußerte dann noch den Wunsch, daß die Arheiterschaft der Besatzungsbehörde Vertrauen engegenbringen solle. Alle Wünsche und Veschwerden der Arbeiter würden wohlwollend geprüft und nach Möglichkeit zugunsten der Arbeiter geregelt. Die Arbeiter⸗ vertreter protestierten zunächst gegen die Besetzung, die sie als Rechtsbruch und Vergewaltigung bezeichneten. Sie stellten dem Oberst die Frage, ob die deutschen Gesetze von der französischen Behörde im Ruhrgebiet respektiert würden. Im übrigen erklärten sie, daß sie nur die deutschen Behörden als Vermittler in Arbeiter- fragen anerkennen würden. Oberst Simon erklärte darauf, daß die Besatzungsbehörde die deutschen Gesetze respektiere und selbst⸗ verständlich immer nur in Gemeinschaft mit den Arbeitern und der Eisenbahnverwaltung verhandeln würde. Grundsatz sei aller⸗ dings, daß die Eisenbahn rolle und nicht zum Erliegen gebracht werde. Daraufhin erklärten die Vertreter der Eisenbahnerver⸗ bände, daß sie zur Besatzungsbehörde kein Vertrauen hätten. Das Wohlwollen sei übrigens schon durch die Tatsache widerlegt, daß durch die Vesetzung des Ruhrgebiets eine Steigerung der Lebens⸗ haltung für die deutschen Arbeiter um 50 Prozent eingetreten sei. Die Arbeitervertreter wiederholten noch einmal, daß sie kein Ver⸗ trauen zur Besatzungsbehörde hätten und daß sie am allerliebsten mit ihr nicht in Verührung kämen. Für Verhandlungen käme ebenfalls nur die deutsche Eisenbahnverwaltung in Frage. Reichskredit an die Zechen. Wie das Berliner Tageblatt meldet, haben in Berlin zwischen den Vertretern der Zechen und Regierungsstellen Verhandlungen stattgefunden über die Frage, wie die Mittel für die Lohnzahlungen der Bergarbeiter im Ruhrgebiet auf⸗ gebracht werden sollen, wenn diese sich weigern, für die Franzosen Kohlen zu fördern. Wahrscheinlich wird die Re⸗ gierung in diesem Falle einen großen Kredit einräumen. Von privater Seite wird auch der Gedanke einer großen Nationalspende für die Bergarbeiter lebhaft erörtert. Der englische Kohlenkredit durch Stinnes abgeschlossen. Der B. Z. Korrespondent erfährt an maßgebender Stelle, daß es Stinnes gelungen sei, von einer Gruppe Londoner Banken einen Kredit von 2 Mill. Pfund Sterling zu erhalten zum Ankauf von 1½ Millionen Tonnen Kohlen. „Ruhrfranken“ und Zollabsperrung. Ueber die Frage eines„lokalen Geldes“, in Form eines Ruhrfrankens und die Errichtung einer Zollinie schwebten in Paris Erwägungen, doch bestehen nach englischen Mel⸗ dungen gegen diese Zollabsperrung des Ruhrgebietes vom unbesetzten Deutschland nicht nur auf englischer, sondern auch auf belgischer Seite Bedenken. Die amtlichen fran⸗ zösischen Stellen erklären, die Regierung der Vereinigten Staaten habe der französischen Regierung mitgeteilt, daß das Gerücht, der amerikanische Delegierte Boyden werde einen amerikanischen Plan zur Lösung der Reparations— frage vorlegen, jeder Begründung entbehrt. Kundgebung der Reichsregierung gegen Poincaré. Im Auschluß an die Reichskanzlerrede vom 13. Januar, die sich mit den von Poincaré in seiner Kammerrede vom 11. Januar gegen Deutschland vorgebrachten Vorwürfen be⸗ faßte, wird jetzt in einer umfangreichen amtlichen Kund— gebung, die heute Donnerstag in den Morgenblättern zum Abdruck gelangte, noch einmal der französische Minister⸗ präsident an Hand einwandfreien Tatsachenmaterials wider⸗ legt. Die von Poincaré erhobene Beschuldigung, das Kohlen— syndikat habe auf Anstiftung oder mit Hilfe der deutschen Regierung auch sein Aktenmaterial nach Hamburg mitge— nommen, erledigt sich durch den Hinweis auf die einfache Tatsache, daß das Essener Kohlensyndikat ein Privatunter— nehmen und daß es selbstverständlich ist, daß ein Privat- unternehmen beim Verlassen seines Sitzes auch seine Regi— stratur und sein Aktenmaterial mitnimmt. Amtliche Ein— wirkung oder Hilfe hat dabei nicht stattgefunden. Eine Warnung an die Besatzungsbehörden. Der Regierungspräsident von Disseldorf hat an den Dele— gierten für die deutsche Zivilverwaltung, General Denviere einen Brief folgenden Inhalts gerichtet:„Zunächst teile ich mit, daß die zu der gestrigen Sitzung in Düsseldorf geladenen Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in eine äußerst starke Erregung versetzt worden sind durch die Behandlung, die ihnen gestern zu- teil geworden ist. Sle haben dieser Entrüstung mir gegenüber den stärksten Ausdruck gegeben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die mich nach der Sitzung aufgesucht haben, haben mir ihren sesten Willen ausgesprochen, niemals wieder zu persönlichen Verhand- lungen vor der französischen Besatzungsbehörde zu erscheinen. Ich gebe hiervon Henntnis, weil ich verpflichtet bin, der Besatzungs— behörde alle Elemente mitzuteilen, die eine erhebliche Beunruhi— gung in der Bevöllerung hervorgerufen haben. Ich fasse diese, meine Aufgabe dahin auf, daß ich auch solche beunruhigende Elemente mitzuteilen habe, die nach Ansicht der Arbestgeber und Arbeitnehmer durch das eigene Vorgehen der Besatzungsbehörde hervorgerufen worden sind, welche jedes Verständnis für die Be⸗ deutung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Ruhrgebietes ver⸗ missen lassen. Ich habe das dringende Ersuchen auszusprechen, in Zukunft jede Requisition von Lebens⸗ und Futtermitteln aus den städtischen und ländlichen Bezirken des gesamten besetzten Ge⸗ biets, nicht nur des gegenwärtigen neubesetzten Gebiets, zu unter⸗ lassen. Schließlich habe ich noch mit aller Schärse davor zu warnen, irgendwelche weitere Maßnahmen zu ergreisen, die eine Abschnürung des Ruhrgebiets von dem unbesetzten Deutschland herbeiführen könnten. Die Einrichtung einer Zollinie würde zur Folge haben, daß ebenso wie bei der Verhängung der Sankionen des Jahres 1921 und in weit größerem Maße wegen der weit schwieriger liegenden Verhältnisse im Ruhrgebiet eine vollkom⸗ mene Verwirrung und Stockung der Verkehrsmittel, namentlich der Eisenbahnen, herbeigeführt werden würde. Nennenswerte Vorräte an Kartoffeln für die arbeitende Bevölkerung in dem Industriebezirk sind nicht vorhanden. Ich warne deshalb ein⸗ dringlichst vor allen Abschnürungsmaßnahmen im Verkehrs⸗ wesen.“ Mussolini beteiligt an Sanktionen. Die französische, die belgische und die italienische Re⸗ gierung haben den Befehl zur sofortigen Ausbeutung der Domanialforsten am linken Rheinufer erteilt als Sanktion für die am 16 Januar durch die Reparationskommission festgestellten deutschen Verfehlungen bei den Solzliefe⸗ rungen. Neue Sanktionen? Von französischer Seite wird mitgeteilt, daß als eine der an⸗ gedrohten Sanktionen in der kommenden Nacht eine große Anzahl leere Eisenbahnwaggons beschlagnahmt werden sollen. Weiter sollen leere Schlepplähne, die sich auf dem Rhein und dem Rhein⸗ Herne⸗Kanal befinden, ebenfalls beschlagnahmt werden. Verschleierte Requisitionen? Zur Versorgung der belgischen Besatzung mit Bettzeug wird bis zum 1. Mai 1923 die Beschaffung größerer Mengen Matratzen, Bettsaken und Wolldeken im Gesauntbetrage von 2% Milliarden Mark gefordert. Es werden fast 40 000 Matratzen, für die Unteroffiziere besonders feine mit Wollfüllung versehene, 100 000 Bettlaken, über 60 000 Decken und sonstiges Zubehör verlangt. Die angeforde ze Stlickzahl der einzelnen Gegenstände ist so groß, daß auf den Kopf Kopf der belgischen Besatzung im Rheinland mehr als 2 Matratzen, 4 Bettlaken und 3 wollene Decken entfallen würden. Man kann frei⸗ lich auch annchmen, daß es sich um eine verschleierte Requisition für die Truppen des neu besetzten Gebiets handelt. Politische Uebersicht. Die deutsche Ernährungslage. Luther vor den Gewerkschaftsführern. Der Reichsernährungsminister die Vertreter der Gewerkschaften aller Richtungen zu einer Besprechung über die augenblickliche Ernährungslage und die beabsichtigten Maßnahmen der Regierung zur Sicherung der Volksernährung. Der Minister teilte mit, daß u. a. eine wesentliche Einschränkung des Konsums an Fleisch, Eiern. und Milch in den Gastwirtschaften, eine Beschränkung der Schokolade- und der Kuchenherstellung geplant sei. Mit Hilfe des bereits beschafften Auslandsgetreides und des noch eingehenden Umlagegetreides dürfte die Brotversorgung bis Ende Juni oder Mitte Juli ge⸗ sichert sein. Im Gegensatz zu der befriedigenden Kartoffel- ernte sei die Fettversorgung schwierig, weil man hier vom Bezug aus dem Ausland abhängig sei. Der Fleisch⸗ verbrauch, der im Jahre 1921 seinen tiefsten Stand erreicht hatte, ist in jüngster Zeit wieder in sehr bedeutendem Maße gesunken. Die Regierung ist bemüht, die Einfuhr von Gefrierfleisch in erhöhtem Maße vorzubereiten. Beim Einmarsch in das Ruhrgebiet seien, wie Dr. Luther ausführte, die Franzosen äußerst erstaunt gewesen über die geringen Vorräte an Lebensmitteln, die im Ruhr- gebiet aufgespeichert sind. Daraus geht hervor, daß die französische Regierung über die wirtschaftliche und materielle Lage des deutschen Volkes vollkommen ununterrichtet sei. Die Regicrung wird alles tun, um die Weiterversorgung des Ruhrgebietes nach Kräften sicherzustellen. Der Reichs- ernährungsminister ist der Ansicht, daß die deutschen Zuckervorräte so ausreichend sind, daß eine Zwangs- bewirtschaftung nicht in Frage kommt. Für Kartoffeln und andere wichtige Lebensmittel wird die Regierung die Eisen⸗ bahnfrachten bis zur Halfte ermäßigen. Andererseits wird daran gedacht, die Zahl der Fleischgerichte in den Restaurants einzuschränken, den Verbrauch von Milch in den Cafés und Restaurants zu untersagen, Eier nur zu den Mittagsmahl⸗ zeiten reichen zu lassen; auch sollen Maßnahmen gegen über— große Verwendung von Mehl zum Kuchenbacken beschlossen werden. 6 Die Gewerkschaften verlangten besondere Maßnahmen für Fleisch und Milch, doch lehnte der Reichsernährungs⸗ minister eine Zwangswirtschaft gegenwärtig ab. Wahr- scheinlich wird man zu durchgreifenden Maßnahmen sich erst entschließen, wenn's wieder zu spät ist. Wie damals im Kriegel! empfing am Mittwoch. Die Juͤstände in der Neichsw e. ö Der Reichstagsuntersuchungsausschuß für die Reichswehr setzte am Mittwoch an Hand der inzwischen eingetroffenen Akten seine Be⸗ ratungen über die Vorgänge auf der Marineschule in Mürwik fort. . Der Ausschuß vertrat nach Prilfung der Berichte die Ansicht, daß tatsächlich gegen rechts nicht mit der Schärfe vorgegangen würde, die man gegen links beliebte. Man mußte sogar den Eindruck gewinnen, daß gegen rechts mit großer Zurückhaltung und Duldung verfahren würde. Aus diesen Umständen könne man sich auch erklären, daß die staatsfeindlichen Lieder nicht auszurvtten sind. Reichswehr⸗ minister Dr. Geßler erklärte, er verfolge eine klare Linie und gehe it gleicher Schärfe gegen rechts und links vor. Staatsfeindliche Ge⸗ 4 5 die sich im Absingen des Löwenfeld⸗ und Ehrhardt⸗Liedes außere, würde stets unnachsichtlich mit Verabschiedung und Entlassung geahndet. Die noch vorliegenden unerledigten Einzelfälle über Mür⸗ wik wurden dem Berichterstatter zur eingehenden Prüfung über⸗ wiesen. In der nächsten Sitzung wird darüber Bericht erstattet 0 0 RNeeichsschulgesetz und Landesstenergesetz. 1 Der Bildungsausschuß des Reichstags vertagte die Entscheidung über das Reichs schulgesetz bis zum Erlaß des Landessteuergesetzes, da liber die Verteilung der Mehrkosten, die den Ländern und Ge⸗ meinden durch dieses Gesetz entstehen, die nach dem Beschluß des Reichsrats zu zwei Dritteln vom Reich erstattet werden sollen, keine Einigung erzielt werden konnte. 5 Der Kampf um das Arbeitszeitgesetz. In der Vollsitzung des Reichswirtschaftsrates am Mittwoch wurde von Arbeitgeberstelle beantragt, die Beratung des Arbeits⸗ zeitgesetzes, die für Donnerstag vorgesehen war, in Anbetracht der N allgemein politischen Lage zu vertagen, da eine Einigung zwischen 5 Arbeimehmer⸗ und Arbeitgebergruppe des Reichswirtschafts rates über das Arheitszeitgesetz noch nicht erzielt ist. Die Arbeitnehmer⸗ vertreter aller Richtungen widersprechen der Vertagung; eine mög⸗ lichft schnelle Verabschiedung des Arbeitszeitgesetzes sei gerade im Hinblick auf die Vorgänge im Ruhrgebiet durchaus wünschenswert. Da das Richsarbeitsministerium sich mit einer Verschjebung der Be⸗ ratung um zwei bis drei Wochen einverstanden erklärte, sprach sich schließlich doch die Mehrheit des Reichswirtschaftsrates dafür aus, das Arbeitszeitgesetz nochmals dem Sozialpolitischen Ausschuß zu überweisen, damit dort eine Einigung zustandekomme. 2 Die Vergewaltigung des Memellandes. Die neue Regierung. Der litauische Freischärler Simonaitis ist als Militär⸗ diktator in Memel eingetroffen. Die neue Regierung macht sich im Hotel Berliner Hof breit. Das Gebiet ist in vier Militärbezirke eingeteilt worden. Auf den öffentlichen Ge⸗ bäuden wehen die lettischen Fahnen. Die litauischen Banden hatten bei Memel 3 Tote und mehrere Verwundete, die Franzosen 1 Toten, 1 Schwer⸗ und einen Leichtverletzten. Im Memeler Winterhafen traf ein polnisches Kanonenboot ein, auf dem sich der französische Oberst Trousson befinden sollte. Dieses polnische Schiff lein ehemaliger deutscher Minensucher) ist gestern vormittag wieder abgefahren. Die Memeler Rundschau, das erst vor kurzem ge⸗ gründete Blatt des memelländischen Deutschtums, ist bis zum 20. Februar verboten worden. 5 Der Protest des Ententekommissars. Der Oberkommissar Petisne veröffentlicht folgende Proklamation:„Einwohner des Memelgebietes! Ich protestiere noch einmal feierlich im Namen der Alliierten gegen das blutige Attentat auf das Memelgebiet. Ich er⸗ kläre ausdrücklich, daß die alliierten Mächte noch immer die Absicht haben, ihre Autorität über das Gebiet auszuüben.“ Die Botschafterkonferenz der Entente ist am Mittwoch nach⸗ mittag zur Beratung der Memelfrage zusammengetreten. * 4 Ungünstiger Stand der englisch⸗amerikauischen Schulden verhandlung. Die englisch⸗amerikanischen Verhandlungen wegen der Konsolidierung der Kriegsschulden sind auf einem kritischen Punkt angelangt. Eine Reutermeldung aus Washington U eee eee besägt, daß die Besprechüngen auf nächsten Donnerskag hätten vertagt werden müssen, da sich zwischen der englischen und amerikanischen Kommission eine Einigung nicht habe erzielen lassen. Anderseits meldet der Times⸗Korrespondent aus Washington, daß der englische Schatzkanzler Baldwin sich nach London begeben wolle, um weitere Instruktionen dort vom Kabinett entgegenzunehmen. Es wird streng ver⸗ mieden, von einem endgültigen Scheitern der Verhand- lungen zu sprechen. Der Korrespondent erklärt aber, daß jeder weitere Fortschritt in den Verhandlungen unmöglich sei, da bisher von beiden Seiten das größtmöglichste Ent⸗ gegenkommen bewiesen worden wäre. Deutscher Reichstag. Die Bochumer Bluttat.— Notgesetz gegen die Not. Berlin, 17. Januar 1923. Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest Präsident Lo ebe ein Telegramm des Salzburger Landtages, der seine Trauer über „die neuerliche wider alles Recht erfolgte Vergewaltigung Deutschlands durch die unter nichtigen und heuchlerischen Vorwänden ver⸗ anlaßte französische Besetzung des Ruhrgebiets“ zun Ausdruck bringt. Der Präsident knüpft an die Verlesung dieses Telegramms folgende Worte: Inzwischen hat die militärische Unterjochung des Ruhrbeckens das erste Menschenleben gefordert und die schwere Verwundung weiterer Landsleute herbefgeflihrt. Das Singen von Liedern, die die Eroberer als gegen sich betrachtet haben, gensigten den fremden Soldaten, in die Menschenmenge hineinzuschießen und ihre Hände mit dem Blute des Unschuldigen zu beflecken Das aber kommt auf das Haupt der Männer in Paris(Lebh. Zu⸗ stimmung), die dieses militärische Unternehmen gegen ein wehr⸗ loses, unbewaffnetes Volk begonnen haben. Ich wiederhole bluti⸗ gen Herzens meine Mahnung an die Landsleute im Ruhrgebiet, wir wiederholen aber auch unsere Warnung an die Gewalthaber, die sehen müssen, daß, wenn sie hier nicht bald Halt gebieten, sie einem furchtbaren Ende entgegentreiben, daß die täglich erweiterte Besetzung die Repgratjonen nicht größer macht, aber Haß und Er⸗ bilterung ins Riesengroße steigert.[Lebh. Beifall.— Die Mit⸗ glieder hatten diese Worte stehend angehört.) N 5 Auf die Tagesordnung wird noch folgender Initiativantrag etr. ein Ermächtigungsgesetz ge setzt: § 1. Die Reichsregierung wird ermächtigt, mit Zustimmung des Reichsrats diejenigen gesetzlichen Maßnahmen anzuordnen, bie sich zur Abwendung der aus der wirtschaftlichen und sozialen Not für die Allgemeinheit drohenden Gesahren als notwendig erweisen. Die Verordnungen der Reichsregierungen sind dem Reichsrat unverzüglich zur Kenntnis zu bringen und auf dessen Verlangen außer Kraft zu setzen. S 2. Das Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft. Es werden dann kleine Anfragen erledigt, unter denen sich eine der deutschnationalen Fraktion be⸗ findet, die wegen der Aeußerung des Vorsitzenden im Scheide⸗ mann⸗Prozeß anfragt. Senatspräsident Dr. Schmidt hatte be⸗ kanntlich zu dem Angeklagten Oehlschläger gesagt:„Muß denn immer gelogen werden? Lügen und Quengeln mag deutschvölkisch sein, niemals aber war es deutsche Art.“— Ein Regierungsver⸗ veter teilte mit, daß der genaue Wortlaut nicht festzustellen set, dem Sinne nach aber sei die Aeußerung des Vorsitzenden dahin gegangen, daß die auf Unterdrückung der Wahrheit ausgehende Art der Verteidiger des Angeklagten vielleicht den Anschauungen entsprechen möge, die diese im Laufe der Verhandlung zur Recht⸗ fertigung seines Verhaltens als deutschvölkisch ausgegeben habe, daß dieses Verhalten aber mit wirklich deutscher Art nichts zu tun e. In zwei Lesungen wird der von allen Parteien eingebrachte Gesetzentwurf über Festsetzung der Drtslöhne 5 und des durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienstes landwirtk⸗ schaftlicher Arbeiter erledigt. Es werden in Zukunft die Ortslöhne gleichzeitig im ganzen Reiche für Zeiträume sestgesetzt, die der Ar⸗ beitsminister bestimmt. Das gleiche gilt für die Festsetzung der durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienste. Es folgt dann die Beratung des sozialdemokratischen An⸗ trages auf Einsetzung eines 21gliedrigen Untersuchungsausschusses, der untersuchen soll, rr Wee Derr. knwiewelt Produzenten Größ und Kleinbanel die Warenprelf unbegründet erhöht Abg. 3 Soz.) begründet den Antrag damit, daß g. Jäckel(Soz.) begründet de rag, tit, roduktions⸗ und 5 e für deutsch Waren nicht ent sernt so gestiegen sind, daß die Anpassung ihrer Preise an den Weltmarktpreis gerechtfertigt wäre. hörten Preissteigerungen die Gewinnsucht der 9 Bildung des Unt Hammer(Dtn.) begrüßt es, da :„Die Regierung win Warenpreise der Pr. zenten, Groß⸗ und Kleinhändler mit allen Mitteln entgeg uc f der Antrag nach Htezer Debatte, in der n dieser Fassung wird der Antrag nach kurzer e, in d Abg. Bey(8 Vp.) und Frau Dr. Beumer(Dem.) Antrag zustimmen, während ihn Abg. Koenen(Komm.) und Abg, Wegmann(wild) ablehnen, angenommen. 5 Es folgt dann die 5 . Beratung des Ermächtigungsgesetzes. Abg. Dittmann(Soz.) erklärt, die Unterschrift der sozial⸗ demokratischen Fraktion könne nur durch einen Irrtum des Reichs⸗ tagsbureaus unter den Inttiativantrag gekommen sein. Die so demokratische Fraktion habe ihre Zustimmung dazu nicht geg weil sie sich dagegen wende, daß der Reichstag in dieser kritischen Situation auseinandergehe. 1 Abg. Höllein(Ko.) protestiert gegen den Antrag, der eine umverhüllte Diktatur des Kapitalismus hinaus wolle und Wiederholung des Ausnahmegesetzes von 1914 bedeute. 14 Abg. Ledebour(Wild) lehnt das Ermächtigungsgesetz ab, unter dem die Regierung alles tun könne, was ihr beliebe. ö Abg. v. Gnerard(3tr.): Wir haben den Antrag gest weil wir wünschen, daß in der schwierigen politischen Lage der gierung die notwendigen Mittel an die Hand gegeben werden, schnell Maßnahmen ergreifen zu können. Da von den Sozialdt kraten Widerfpruch erhoben ist, beantrage ich Ueberweisung an Rechtsausschuß und Anberaumung der nächsten Sitzung des nums spätestens am Donnerstag nächster Woche. Vor der Abstimumng über diesen Antrag bezweifelt Abg. L boum die Beschlußfähigkeit des Hauses.— Das Bureau stellt Beschlußunfähigkeit fest und Vizeprässdent Dr. Rieser setzt die Sitzung auf Domerskag, den 25. Jamnar, nachmittags 2 Uhr der Maßgabe an, daß der Reichstag erforderlichenfalls auch. einberufen werden kann. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitz steht die erste Lesung des Reichs haus halts für 1923. 2 m. Pessen und Nachbargebie Gießen und Umgebung. — Geschichtskalender. 19. Januar. e. 177 Nationalversammlung. Wachsende Verelendung. Der Einmarsch Frankreichs ins Ruhrrevier ist nich allein politisch zu bewerten. Mit ihm stehen in engstem Zu sammenhang die schwersten wirtschaftlichen und sozialen Er⸗ schütterungen, die unser zermürbtes und gequältes Volk be drohen: weiterer Währungsverfall, Arbeitslosigkeit, Teue. rung und damit Elend, Kraͤnkheit und Siechtum. Der Dollar hat nach kurzem Stillstand einen wei Anlauf genommen und steigt unverdrossen. Und da weiten Kreisen schon bisher nicht mehr möglich war, sich auch nur leidlich mit Lebensmitteln zu versorgen, fügt jeder weitere Verfall der Mark zu den Hunderttausenden von Darbenden weitere Zehntausende hinzu. Eine vierköpfig Der Deserteur. Noman von Robert Buchanan. Die Füße des Voglers sind nackt. Diesen Umstand be— nützen die Vögel, um mit ihren Schnäbeln nach Gefallen daran zu picken; er antwortet ihnen mit frischem Lachen. Er kennt keine Gefahr. Es ist geradezu aufregend, ihn sich in dieser gähnenden Leere bewegen zu sehen, die brennende Sonne zu seinen Haupten, das flimmernde Meer zu seinen Füßen. Er ist barhaupt⸗ dichtes, goldig schimmerndes Haar wallt ihm bis zur Schulter hinab, seine Augen haben, selbst wenn sie wie jetzt vor Freude blitzen, den seltsamen, schwärme— rischen Blick des Königs der Tiere. Rohan hat die Gestalt eines Herkules, denn ist er nicht ein Gwenfern?. Seit Menschengedenken stehen alle Gwenferns sechs Fuß hoch in ihren„Sabots“. Sein Löwenkopf sitzt auf mächtigen Schultern. Das dunkelblaue Hemd, dessen offener Kragen den kräftigen Hals frei läßt, die kurzen, an den Knien mit scharlachroten Bändern abgebundenen Beinkleider, die bunte, um die Hüften geschlungene Schärpe— alles trägt nur dazu bei, seine jugendlich⸗männliche Schönheit zu heben. Getreu seinem Berufe, hat er ein erdgraues Netz, das bereits mit Vogeleiern gefüllt ist, von seinem Gürtel herabhängen. „Rohan, Rohan!“ ruft ihm das Mädchen abermals zu. „Ich komme, Marcelle!“ Mit atemloser Spannung beobachtet das Mädchen die affenartige Geschmeidigkeit, mit der er sich am Seil empor— arbeitet. In wenigen Augenblicken hat er den vorstehenden Gipfel des Felsens erreicht, umschlingt das Horn mit Händen und Knien und schwingt sich auf den grünen Rasen— dicht 8 an die Seite des Mädchens. Er ist für die ihn umgebende 11 Naturschönheit blind und sieht nur das liebliche, dunkle 1 Mädchenantlitz und die leuchtenden Augen, die sich liebevoll . in die seinen versenken. „Warum bist Du nur so waghalsig, Rohan?“ lispelt sie in ihrem weichen bretonischen Dialekt.„Wie, wenn das Seil risse, der Knoten nachgäbe oder Dich ein Schwindel er⸗ faßte? Gildas und Hoäl sagen beide, daß Du töricht bist, denn die St. Gurlans⸗Spitze sei für einen Menschen nicht zu Zweites Kapitel. Rohan und Marcella. An Orten umherzukriechen, die vor ihm noch kein mensch⸗ licher Fuß betreten, Klippen zu erklettern, auf denen man selbst Ziegen und Schafe nur selten sieht geheime Verstecke zu erforschen, die sonst nur Habichten. Raben und schwarzen Bussarden bekannt sind, das bildete die Freude und das Ver⸗ gnügen Rohans— eine Leidenschaft, die er mit den be⸗ flügelten, schwimmenden und kletternden Geschöpfen teilte. Er schwamm wie ein Fisch, kletterte wie eine Gemse und seine Freude wäre eine vollkommene gewesen, wenn er auch noch Klippenkletterer, aber keiner kann sich solch kühler, über alle Angst erhabener Waghalsigkeit rühmen wie Rohan Gwenfern, der Mutige. Fast noch ein Kind, hütete er Schafe und Ziegen zwischen den unwirtlichen Klippen, und die ein⸗ samen Höhlen wiederhallten von den Klängen seiner kleinen Schalmei. Allmählich machte er sich mit jedem Winkel dieser zerklüfeten, furchtbaren Küste bekannt, so daß er, als er zum Jüngling herangewachsen war und seine Kameraden auf ihren Fischzügen weit draußen in der offenen See begleitete, sich seine leidenschaftliche Liebe für die Klippen und Riffe bewahrte. Während andere Burschen in ihrer freien Zeit am Strande herumlungerten, sich in den Wirtshäusern güt⸗ lich taten oder vor der Haustüre ihre Netze flickten, drang Rohan, mit einer brennenden Fackel in der Hand, wie ein Gespenst in stockfinstere Höhlen, wo die Robben ihre Jungen säugen, oder er schwamm nackt zu„Gurlans Nadel“ hinaus. So wuchs in ihm Tag um Tag Jahr um Jahr jene fürchterliche, zähe Liebe fürs Meer. Liebt der Ackersmann nicht auch sein Feld, der Matrose das Schiff, auf dem er die Welt umsegelt? Rohan liebte das Meer mit einer unver⸗ gleichlich tieferen Leidenschaft, und es ist keine Ueber- treibung, zu behaupten, daß er sich elend gefühlt haben würde, wenn er auch nur einige Meilen landeinwärts hätte leben müssen. An dieser wilden Küste ist allerlei unheimlicher und schauerlicher Aberglaube heimisch. Groteske und schreckliche erklimmen!“ Legenden gehen von Mund zu Mund, darunter eine, welche etwas mehr als eine bloße Legende ist. Sie erzählt von d Gefahren und Leiden während eines heftigen Seestu und wie in einer Sommernacht der Fischer Raoul Gwenfet sein goldhaariges Söhnchen mit auf den großen Ji nahm. In jener Nacht erhob sich eine heftige, den armen Fischern und Schiffern Tod und Verderben bringende Windsbraut. Sie blies aus vollen Backen und trieb di Fischerboote wie Nußschalen vor sich her auf den berghoh Wellen. Die entsetzten Insassen brüllten in ihrer Angst Verzweiflung, und endlich, als alle Hoffnung verloren f. kniete die Mannschaft dieses Fahrzeugs Seite an Seite der tiefen Dunkelheit nieder und betete inbrünstig zu Unf Lieben Frau von der Sicherheit. Nicht minder inbri als alle anderen betete das Knäblein. Inmitten der tie Dunkelheit des brausenden und stürmischen Meeres leu ein heller Schein, der für einen Augenblick die um das 2 tosenden Gewässer beruhigte. Das unschuldige Kindlein Bord— und nur dieses allein— sah inmitten des ge nisvollen hellen Scheins und über den Gewässern schwe ganz deutlich dis Gesicht und die Gestalt der Mutter Gott Sei dem wie immer, der Sturm hörte auf und die Flotte war gerettet. Als es zu dämmern begann 8 Fischer des Bootes sich von ihrem Schreck einigermaßen holt hatten, bemerkten sie, daß ein Mann an Bord 0 Das Kind rief nach seinem Vater, aber er antwortete denn der Aermste war in der tiefen Dunkelheit von Sturzwelle weggewaschen worden. Um den verlore Vater jammernd, erzählte das Kind, was es in der Stu des Gebets über den Wassern gesehen habe. Dann war die vaterlose Waise verzweifelnd in die Arme der Mut und hatte seither keinen anderen Vater mehr als das gewaltige, grausame und doch so herrliche Meer! Die Mutter, jetzt eine arme Witwe, wohnte äußersten Ende des Dorfes in einem Steinhäuschen, wi unter der Höhlung einer Klippe stand. Ihr Sohn immer schöner und schöner, je mehr er sich dem Man näherte. Von seinem Gesichte ging ein Leuchten at seine Mutter insgeheim der himmlischen Erscheinn schrieb. N 129 (Fortsetzung folgt.) „5 —— 0 1 Familie benötigt für ihren normalen Bedarf an Nahrungs⸗ mitteln jährlich mindestens 800 000 Mk.; für ihren Bedarf an Fett allein etwa 250 000 Mk.— berechnet nach den amt. lichen Preisunterlagen und einem Dollarstande von 10 000 Mark. Wer unter uns verfügt über ein solches Einkommen? Und wer, der darüber verfügt, kann neben der Nahrung auch noch die Kosten für Bekleidung und Behausung tragen? Drei Viertel unseres Volkes sind heute schon unterernährt, mehr noch werden es demnächst sein. Es mehren sich die Meldungen über Selbstmorde aus Verzweiflung und Hunger. Es mehren sich die Berichte über schwere Erkrankungen an Skorbut, über schwere nervöse Erschöpfungserscheinungen infolge der Unterernährung. 1 Groß ist die Not vor allem der Kinder. Neugeborene werden in Papier gewickelt in die Säuglingsfürsorgestellen gebracht. Denn eine Windel oder ein Hemdchen kosten 800 bis 1000 Mk., ein Einschlagetuch 12004000 Mk., ein Jäckchen 12001800 Mk. Heute noch, und heute schon kann es das Doppelte kosten. Und während die Säuglingssterb⸗ lichkeit während des Krieges bedeutend abgenommen hatte, ist sie seit Mitte 1922 infolge der Unteternährung der stilcenden Mütter und der für viele nicht mehr erschwinglichen Milclpreise wieder gestiegen. Der sechste Teil der Säuglingsheime und die Hälfte der Krippen sind der finanziellen Schwierigkeiten wegen geschlossen. Skrophu⸗ lose, Drüsenerkrankungen, Rachitis haben unter den Schul⸗ kindern erschreckend zugenommen. Knochenerkrankungen, Hornhautgeschwüre, selbst das furchtbare Hungerödem sind keine Seltenheit mehr. Die von den Schulärzten gemeldeten Ziffern über Unterernährung gehen bereits über 50 v. H. durchschnittlich hinaus.„Es ist tragisch, als deutsches Kind geboren zu sein,“ schrieb unlängst der ganz unsentimentale Herausgeber der Daily News, Gardiner„denn es ist in eine Hungerwelt hineingeboren und in ein hartes Leben“. Die schlechte Ernährung, die Wohnungsnot hat die Zahl der Todesfälle an Lungenentzündungen im ersten Quartal 1922 auf 17785 hinaufgetrieben gegenüber 14549 Todesfällen im ersten Quartal 1921. Welche Ernte wird der Tod in diesem ersten Quartal 1923 halten?! Die Rettung aber kommt uns heute weder ays der Zurücknahme der französischen Truppen hinter den Rhein noch aus einem langfristigen Moratorium oder aus inter⸗ nationalen Anleihen oder aus der Produktionssteigerung und ähnlichen Maßnahmen wirtschaftlicher Art allein. Die Rettung kann heute noch kommen aus der Erweckung des Willens der Menschheit, Deutschland zu helfen, alles andere ergibt sich daraus von selbst. Wir aber, wir 60 Millionen zermürbter Menschen, zu einem gemeinsamen Schicksal zusammengedrängt, müssen diesen Willen stärken durch Einmütigkeit in der Abwehr neuer und unerhörter Vergewaltigungen. Mit Bajonetten ist auf die Dauer niemand zu gesteigerter Arbeitsleistung a zwingen. Wir sind keine Knechte. Nur cin freies Volk kann wirkliche Werte schaffen und ein freies Deutschland wird freiwillig leisten, was Gewalt und Zwang niemals von ihm erpressen werden. ö — Zum Nachdenken. Ilseichverbrauch. Nach den Berechnungen des Preußischen Sta⸗ uschen 5 ergibt sich folgender Fleischverbrauch(in Kilo⸗ 1913 1921 Rinder. 4842 608 500 325 604 800 2 J ee 76 061 120 58 421 592 Schweide 1125 084 650 613 097 520 Schafe. 29387 26 23427364 Zuscammen 1693 141 496 1029 551 276 Danach ist der Fleischverbrauch, soweit im Inland geschlachtete Tiere in Frage kommen, von 1913 bis 1921 auf 60,81 Prozent des Verbrauches von 1913 zurückgegangen. Setzt man, um für den Ver⸗ bauch an Inkandsfleisch die Kopfquote zu erhalten, die Einwohner⸗ zahlen für 1913 und 1921(nach dem jetzigen Gebietsumfange) mit 36% bezw. 36,1 Millionen ein, so entfällt auf den Kopf der Bevöl⸗ kerung ohne Unterschied von Alter und Geschlecht ein Jahresverbrauch won 46,15 Kilogramm für 1913 und von 28,52 Kilogramm für 1921, also ein Rückgang von 100 auf 61,95. 0 Löhne. Vor dem Kriege verdiente ein Schriftsetzer 36 bis 40 Mark wöchentlich. Das waren 8 ½ bis 9½ Dollars. Im Januar 1922 verdsente derselbe Arbeiter nur noch drei Dollars; im Dezember 1922 aber nicht ganz 2 Dollars. Seit Januar 1923 sind die Setzerlöhne etwas gestiegen, sodaß ein Setzer gegenwärtig etwa 2 Dollars in der Woche verdient. Resultat: Ein Setzer verdient zu Anfang des Jahres 1923 etwa den vierten Teil des Lohnes, den er 1914 erhalten hat. — Wahlverein Gießen. Auf die heute abend im Saale des Gewerkschaftshauses stattfindende Generalver⸗ sammlung werden die Parteigenossen nochmals auf⸗ merksam gemacht. Wie aus der mehrfach bekannt gegebenen Tagesordnung hervorgeht, stehen eine Reihe für die Partei⸗ organisation wichtiger Gegenstände zur Beratung und Be— schlußfassung, die die Anwesenheit aller Parteigenossen wünschenswert erscheinen lassen. —„Die schwarze Schmach.“ Dieses Thema stand zur Erörte⸗ rung einer öffentlichen Versammlung, die von der„Liga für deutsche Kultur“ am Dienstag abend in den Saal des Café Leib einberufen worden war. Man hatte dazu alle Parteien eingeladen, der Saol war gut besetzt. Ueber den Verlauf der Versammlung geht uns folgender Bericht zu: Nach kurzen einleitenden Warten des Vorsitzenden sprach als Referent des Abends der Mlnchener Schriftsteller Heinrich Dist ler. Wie elektrische Schläge zuckten von seinen Lippen Fragen, die zu beantworten wir uns vor uns selbst scheuen: Anklagen, die wir so oft unausgesprochen nur mit der Seele zu erheben wagten; Schilderungen voll Jommer, Not, Elend, Bitterkeit, 5 Atemlos lauschende Zuhörerschaft im Sgale! Nur das sastische Gehirn von Franzosen ist imstande, all das auszuklitgeln, was da den Hörern in Ohren und wir zweifeln nicht, auch in die Herzen geschrieen wurde Ausgeklügelt, ausgeführt von den„Ske⸗ 2 erduldet von unseren Brüdern am Rhein! Nicht im Krieg, ndern im Frieden— denn wir befinden uns mit Frankreich trotz allem im Frieden! Solcher Friede?! Wie lange noch?! Schon über vier Jahre erduldet! Weltfricden?„Weltfriedhof!“ sogt der Mllnchener Kardinalerzbischof Faulhaber! Es ist nicht so schlimm, meinen Nörgler?!„Kommt herüber zu uns und saht es euch an!“ sagt ber Sozialdemokrat Sollmann! Ducken, schlucken, nicht mucken! Erschlitternde Einzelheiten entrollte Distler von Ueberfällen auf heim⸗ kehrende Arbester,„lein Alter, kein Ort, keine Stunde, kein Ge⸗ schlecht, kein Stand ist sicher!“ Er erzählte von Entrechtung und Knechtung durch„Sleger“ und„Siegerinnen“, die allesamt am besten mit dem Titel„Bewaffnete Schmarotzer!“ belegt würden. Was ist Hohn und zu tun? Was soll, kann, darf, muß getan werden? Heute gibt es nur Eines: In voller Einigkeit ein einziger Schrei an die Welt, ein Schrei so laut, daß, wenn Menschenohr ihm nicht hört, des deutschen Herrgotts Ohr ihn sicherlich vernimmt! Aber auch ein stetes Ein⸗ gedenken und Mitfühlen des Schicksals unserer rheini chen Brüder, ein Einspringen für sie, soweit es heute noch möglich ist und ein Warten! In der darauffolgenden freien Aussprache beleiligten sich die Vertreter der verschiedenen politischen Parteien und zwar sprachen Herr Heß für die Kommunistische Partei, Fer Prof. Krausmüller für die Deutsche Volkspartei, Herr Kresschulrat Fischer für die Demokratische Partei und Herr Prof. Srhard für die Deutschnatio⸗ nale Volkspartei. Sic glle erkannten den hohen Ernst der Stunde an und boten in ihren Ausführungen das seltene Bild vollster Ein⸗ miitigkeit. Die An führungen dieser verschiedenen Redner gipfelten alle in dem einen Satz, daß unser Volk in dieser Schicksalspritfung zusontmenstehen mlisse wie ein Mann, wenn es nicht unreltbar ver⸗ loren sein will. Am Schlusse der Versammlung wurde eine Reso⸗ lution an die Reich regierung, die derselben vollste Unterstützung in allen notwendigen Abwehrmaßnahmen zusicherte, einstimmig ange⸗ nommen. Wir wünschen, daß dieser Geist der Einmütigkeit tief in unserem Volke Wurzel fassen möge, dann wird sich auch unser gutes Recht durchsetzen. — Einen Unterhaltungsabend planen die Gewerkschaften Gießens zu Samstag, 3. Februar auf der Liebigshöhe. Mehrere Künstler vom Stadttheater werden dabei mitwirken. Es ist be⸗ en gute, ernste und heitere Dichtungen zum Vortrag zu ringen. — Ein angenehmer Hauswirt. In Grünberg erhielt dieser Tage ein dortiger Einwolzner von dem Hausbesitzer, bei dem er zur Miete wohnt, folgenden Schreibebrief: 5 Fern, Teile Ihnen mit, daß Sie sich bis 1. Jebruar 1923 einen Zähler fürs Licht beschafsen müssen, wenn nicht, so lasse ich die Leitung in Ihrer Wohnung abschneiden, ferner beträgt das Auf⸗ stellen eines Handwagens im Hofe pro Monat 20 Mark vom 1. Januar 1923, für Lagern von Holz in der Scheuer 50 Mark und die Bohnenstangen über Winter 10 Mk. Das Betreten des Kellers kann nur noch in meinem Bgisein mittags von 12—1 Uhr geschehen. Das Betreten des Fruchtbodens kann auch nur noch von 12 bis 1 Uhr in meinem Betsein ge⸗ schehen. Das Trocknen von Wäsche auf dem Boden be⸗ trägt jemals 100 Mk. Die Benutzung des Waschkessels kann nur gegen Bezahlung von 100 Mk. für jedesmal, für die Abnutzung geschehen und für Schäden, die an demselben entstehen, sind vor dem Gebrauch 5000 Mk. bei mir zu hinterlegen, die nach dem Gebrauch bei schadlosem Besund wieder von mir zurückgegeben werden. Hirtmann Koch. Der Herr Koch hat noch eine ganze Reihe Dinge vergessen, ats denen sich noch Geld herausschlagen läßt. Zum Beispiel könnte er für jedesmalige Benutzung der Treppe, des Schornsteins, auch des Abtritts einen Tribut erheben und noch für manches andere noch. Auch für das Hinausschauen zum Fenster könnte er einen Tarif festsetzen. Es gibt doch allerhand Leute! — Unfall, Unfallverhütung und Unfallentschädigung. Der 8. Vortrag brachte als Abschluß der einzelne Körperorgane treffenden Unfälle, die durch solche in gewerblichen Betrieben her⸗ vorgerufenen Schüdigungen der männlichen und weiblichen Ge⸗ schlochtsorgane. Alsdann folgte eine Besprechung von Unfällen, die den gesamten Organismus mehr oder weniger in Mitleiden⸗ schaft ziehen und fängere oder kürzere Zert anhaltende Bewußt⸗ losigkeit mit sich bringen Es wurden die Symptome gekennzeichnet, welche die durch Schreck. Aufregung, Schmerz. Blutverlust und Aufenthalt in schbecht gelsifteten und überfüllten Räumen hervor⸗ gerufene Ohnmacht die Berührung von Starckstromleitungen, die Einwirkung des Blitzes auf den Körper, sowie der in schwüler Luft und infolge starfer Wärmestrahlung aus Kesselfeuerungen in Gießereien, Hochösen⸗ und Glashütten⸗Betrieben gelegentlich zu beobachtende Hitzschlag mit sich bringen. Dann folgte gine Ueber⸗ sicht über Wesen Ursachen und Anzeichen der bei direkter oder in⸗ direkter Einwirkung äußerer Gewalt auf den Kopf sich einstellen⸗ den Gehirnerschlütterung. bei der man eine leichte und schwere Form zu unterscheiden hat. In allen diesen Fällen wurde auch der dabei erforderlichen ersten Hilfeleistungen gecacht, die an Licht⸗ bildern vorgeführt wurden. Nächster Vortrag: Dienstag, den 23. Januar 8½ Uhr im großen Hörsaale der Universität. — Das Reichswehr⸗Kommando fitr den Behrkreis V gibt folgendes bekannt: Mit Rücksicht auf die ernste Lage, die die frauzösisch⸗belgischen Gewaltmaßnahmen am Niederrhein für unser ganzes Vaterland geschaffen haben, verbiete ich daß im Laufe des Monats Januar von Angehörigen der Division Tanzvergnügungen in öffentlichen oder dem Reiche gehörigen Räumen veranstaltet werden. Ich erwarte weiterhin, daß die Offiziere Unteroffiziere und Mamnschasten ebenso wie die Veamten und Angestellten des Wehrkreises V sich in der nächstliegenden Zeit auch in der Teil⸗ nahme an anderweitjoen Tanzvergnügungen oder öffentlichen Lust⸗ barkeften diefenige Zurückhaltung auferlegen, die der Trauer und dem Ingrimm über die neue schwere Mißhandlung des deutschen Volkes angemessen ist. — Konzertverein Gießen. Nächsten Sonntag. 21. Januar. nachmittags 5 Uhr viertes Konzert in der Neuen Aula von Dr. Rosenthal und Ilfe Helling⸗Rosenthal, welche Lleder und Duette von Cornelius. Vrahms, Wolff. Strauß und Göhler zur Aufführung bringen. Musikfreunde werden auf dieses Konzert besonders aufmerksam gemacht. — Die Freie Turnerschaft Gießen hält morgen. Samstag, abends 8% Uhr im Gewerkschaftshaus ihre Generalversammlung ab. Die Mitglieder werden nochmals besonders darauf hinge⸗ wiesen. — Neue Erhöhung der Strompreise in Sicht. Vom städtischen Elektrizitätswerk werden wir ersucht darauf hinzuweisen. daß infolge der außerurdentlichen Kohlenpreissteigerung und Frachten⸗ erhöhung die Strompreise im Monat Januar nicht unerheblich erhöht werden müssen. Die Erhöhung wird am Ende eines jeden Monats bekanntgegeben. — Kälte in Aussicht. Nach den Berichten der Wettenwarten steht uns eine Frostpe viode bevor, die starke Kälte bringen wird. Bei den unerschwinglichen Kohlenpreisen bedeutet das ein wahres Unglück. Bisher hatten wir uns über den Winter nicht zu be⸗ klagen; hoffentlich hält die Kälte nicht lange an! — Watzenborn⸗Steinberg. Am Montag, den 15. ds. Mts. fand hier eine Gemeinderats ⸗Sitzung statt. halts⸗ und Lohnerhöhnngen von Gemeind.⸗Angestellten und Arbeitern, wurde auch beschlossen, sttr alle Ortsangehörigen, ab 1. Febr. 1923 Holz für Särge zum Selbstkostenpreis aus dem Gemeindewald zu liesern. Ferner wurde auch beschlossen, die hiesige Jagd welche eine vorzügliche Hasenjagd ist, neu zu verpachten und auszuschreiben. hm. — Rödgen. Gemeinderatssitzung vom Samstag, den 13. Jan. Anwesend waren Bürgermeister Kraushaar. Beigeordneter Stein und die Gemeinderäte W Valsex 10., W. Balser 11., Ph. Balser 5., Hahn, Llickel, Sei Schwalb Wagner Zimmermann. Als erster wum mar die Wahl eines Kontrolleurs vor⸗ Schwalb und Seigg als Stellver— Gewählt Adolf Hahn 1. und Jakob Schmitt 2.— Die Schulresuigung wurde wieder an Witwe Heinrich Balser vergeben.— Das Instandhalten der Wasserleitung wurde an W. Becker 2. für den geforderten wurden Betrag vergeben.— Die Wiege⸗ Gebühren bei der Ge⸗ meindewage wurden für Kleinvieh auf 30.— Mark und Großdvieh auf 60.— Mark erhöht.—. Das Reinigen des Bauhauses wurde an Eckhard für 1200 Mark vergeben.— Für das Reinigen der Flutgräben wurden nachträglich noch zwei Mark für den laufen⸗ den Meter an Heinrich Valser 6. bewilligt.— Zum Schlusse kam noch eine schriftliche Eingabe eines Wohnungsuͤchenden zur Be— sprechung. Diefer hatte dem Gemeinderat mehrere Wohnungen im Neben Ges. Dorfe schriftlsch mitgetellt. Auf Anfrage des Gemeinbe rats vichel und Balser 5., was denn geschehen sollte, wurde bestimmt es sollten zwei Mitglieder die betressenden Wohnungen besichtigen und sollten dann dem Gemeinderat Bericht darüber erstatten. Da⸗ zu wurden Llickel und Balser 5. bestimmt. Als letzter Punkt wurbe der Beschaffung von Ziegeln für das Umdecken der Gemeinde⸗ Gebäude einstimmia zugestimmt— Für die nächste Sitzung kommt. die Leichen⸗Vestattung als erster Punkt auf die Tagesordnung. Kreis Wetzlar. Eine große sozialdemokratische Protestkundgebung fand am Montag abend im Saale des„Schsitzengarten“ in Wetzlar statt. Oberbürgermeister Granzin⸗ Offenbach der erst für einen Vortraa über„Sogzlaldemokratische Kommunal⸗ politik“ am gleichen Tage vorgesehen war, sprach über die Folgen der Besetzung des Ruhrgebiets, durch welche die ganze deusche Wirtschaft auf das Empfindlichste gestört wird. Wefteres Elend und schlimmeres hrinat dieter Raub zug für die deutsche Arbeiter⸗ schaft mit sich, denn sicher ist damit zu rechnen daß Arbeitslosigkeit in größtem Umfange eintritt. Granzin erblickte nur in dem inter⸗ nationalen Zufammenschluß der Al beiterschaft das einzige Mittel zur Rettung aus dem Elend. Nur dadurch könne auch der Völkerfriede gesichert werden. Von der Ver sammlung wurde folgende Nesolution einstimmig beschlossen: „Die hier versammelte Vereinigte Soziald⸗mokfatische Partei Wetzlars erblickt in dem völker rechtswidrigen Einmarsch der Franzosen in das Ruhrgebiet ein neues Glied in der Kette imperialistisched Naubpolitik wie sie von den kapftaltstischen Siegerstaaten betrieben wird. Sie bekämpft die Unterdrückung und Ausbeutung in jeder Form, richte sie sich genen ein Volk, eine Klasse, tei. Ge⸗ schlecht oder Rasse Dabei wendet sie sich aber scharf gegen die nattonalistische Krieashetze wie sie von den Reaktionären be⸗ trieben wird zum Schaden unseres Volles. 3 Diesem nationalistischen Taumel sctzen wir die Idee der Völkerversöhnung, dem raubgierigen Imperjalismus die Idee des Sozialismus entgegen. Nur eine wahrhafte demokratische und fozialistische Politik getragen von der sozialistischen Arbeiterklasse kann der Welt den so notwendigen Frieden geben und einen wirklichen Völker⸗ frühling herbeiführen Dem gesamten internationalen Proletariat rufen wir zu: Haltet die Augen auf daß nichl eine Drachensaat aufgeht, die Euch und Eure Kinder verschlingt und dabei Europa dem Unter⸗ gang preisgibt.“ Die Versammlung war so stark besucht, daß viele keinen Einlaß mehr finden konnten. Von Nah und Fern. Frankfurt a. M., 14. Jan. Wucher und Schleichhandel blühen wie nie zuvor, fast noch schlimmer, als kurz nach dem Kriegs⸗ ende. Im Laufe voriger Woche bearbeitete die Wucherpolizei 57 Wucherfälle und 62 Anzeigen wegen Schleichhandels. Trotz scharfer Bestrafungen nehmen Wucher und Schleichhandel immer mehr zu. Frankfurt a. M., 15. Jan. Salvarsanschieber. Die Schutzpolizei kam größeren Salvarsanschiebungen auf die Spur und verhaftete in der Angelegenheit den Eisendahnbetriebssekretär Albert Jahn, den Fabrikanten Emil Glück aus Bad Homburg v. d. H. und die hier wohnende Chefrau Elifabeth Hildebrandt geb. Molitor. Frankfurt a. M., 16. Jan. Ein Verbrecherpaar. Die Kriminalpolizei verhaftete den 25fährigen Metzger Albert Hecken aus Essen und den 29jährigen Händler Johann Ahr aus Differken wegen begangener Einbrüche. Die Verbrecher gestanden bereits mehr als 20 schwere Einbrüche in allen süddeutschen Städten ein. Ihre Spezialität war die, daß sie die Rolläden anbohrten, diese hochschoben und dann durch das Eindrücken der Fensterscheiben Zu⸗ tritt zu den Wohnräumen erlangten. Bei ihrer Festnahme waren die beiden im Besttz von gestohlenen Sachen im Werte von mehr als 3½ Millionen Mark. In der Hauptsache waren es Pelze und Silbersachen. Frankfurt a. M., 16. Jan. Die Löhne der städtischen Arbeiter. Wegen der Mehrforderungen der städtischen Ar⸗ beiter fanden in Mainz Verhandlungen statt, bei denen es aber zu keiner Einigung kam. Die Arbeiter verlangen eine Erhöhung des Stundenlohnes um 100 Mark, eine Forderung, die den Stadt⸗ säckel um jährlich mehrere Milliarden neubelasten würde. Die Lohnverhandlungen wurden auf nächsten Donnerstag vertagt. Franifurt a. M., 16. Jan. Der Mehlpreis. Im Ein⸗ klang mit dem rasenden Aufstieg des Dollarkurses klettert auch der Mehlpreis in die Höhe. Während am Montag der Doppelzentner Weizenmehl noch 74000 Mark ab Mfihle kostete, ist sein Preis bis heute mittag schon auf 80 00082 000 Mark gestiegen. Heute vor einem Jahr bezahlte man für die gleiche Menge 1150 Mark. Frankfurt a. M., 10. Jan. Immer neue Einbrüche. Aus der Villa eines Bankiers in Sachsenhausen stahlen Einbrecher in der letzten Nacht fast die gesamten Silbersachen im Werte von etwa 10—12 Millionen Mark.— Ein Versuch von Einbrechern, die Villa eines anderen Bankiers im Westend auszuplündern, scheiterte. Frankfurt a. M., 16. Jan. Verschlechterung des Ar⸗ beiksmarktes. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich fortgesetzt. Die Zahl der angemeldeten Arbeitslosen auf dem Arbeitsamt wächst zusehends. Im Gegensaßs hierzu steht die Ver⸗ ringerung der Arbeitsmöglichkeit, da die Zahl der zur Anmeldung kommenden ofsenen Stellen stetig geringer wird. Gegenwärtig be⸗ ziehen nahezu 2000 Personen Arbeitslosenunterstützung gegen 655 um die gleiche Zeit des Vormonats. Frankfurt a. M., 16. Jan. Ein 50⸗Millionendieb⸗ stahl. Es waren zweifellos Leute vom Fach, die in der Nacht zum Montag im die Gesellschaftsräume eines an der Bockenheimer Land⸗ straße wohnenden Bankier eindrangen und hier das geamte Silber⸗ geschirr im Werte von mehr als 50 Millionen Mark stahlen, daneben aber auch die erreichbaren Iuwelen mitnahmen. Der leichten Arden der Diebe kam der Umstand zu statten, daß die Fußböden mit dicken Teppichen belegt waren, wodurch der Schall außerordentlich abge⸗ dämpft wurde.— Unter den Augen einer im Nachbarhause ein⸗ quartierten Sicherheitswache schlugen Samstag nachmittag zwei ver⸗ wegene Diebe in der Eschersheimer Landstraße die Fensterscheiben einer Wohnung ein und stahlen aus den Räumen für etwa J Mil⸗ lionen Mark Kleider und Schmucksachen. Als die beiden Diebe später mit zwei Koffern aus dem Hause kamen, wurden sie zwar von den Bewachumgsmannschaften gesehen, diese aber unterließen es, die Leute anzuhalten. Frankfurt a. M., 17. Januar. Frankfurter Getreide⸗ börfe. tBei außerordentlich rasch steigenden Preisen, die im Einklang mit der Markentwertung stehen wurden heute bezahlt Roggen Mk. 50 000 für je 100 Kilo Meisen Mk 60 90065 000. bis 55 000, Gerste—— Hafer(inkänd scher) Mk. 34 000—40 000. Mais(La Plata und Mixed!—— Weizenmehl(südd.) Mk. 90 000 93 000 Mk. 75 00080 000, Kleie Mk. 20 000 28 000. Frankfurt a. M., 17 Jennar. Die Höhe der Diebes⸗ frechheit. Fuhr da am Dienstag mittag vor dem Laden der Nassauischen Möbelvertriebsgesellschaft ein Möbelwagen vor. Die Jnfassen öffneten kurzerhand dle Tliren— es sei bemerkt daß es Mittagspause war— und holten aus dem Laden vor allem Unb⸗ likum ein ganzes vollständlges Hervenzimmer heraus. luden es auf den Wagen und führen davon. Als das Personal später die Räume betrat, mußte es die Entdeckung machen, daß das deste Herrenzimmed im Werte don eing 1 Millionen Mark glatt ge. stohlen wroden war Von den, stemalen Dieben die an scheinend mit einem in der Firma angestellten jungen Mann unter einer Decke stockten fehlt bis fest jede Spur. Auch der Verbleib der Möbel ist bisher unbekaunt. Frankfurt a. M. 17 Jauuar. Der Hauptausschuß dos Nassauischen bis Roggenmehl bis Städte- Nassauischer trie? am tag. Städtetages sämtlich an Typhus. Pocken oder Cholera erkrankt waren, während 0 reiche „ pidemie auf dem Lande zu verhindern. att Geschäftliche Rundschau mit Dauerfahrplan Darmstädter u. Nationalbank Handels-und Gewerbebank . Janet I Vochhefm d. M. zu öfter Tag den, in Per im der Hauptsache über innerwirtschaftliche Fragen verhandelt werden soll. Die Verhandlungen sind nicht öffentlich. Frankfurt a. M., 17. Januar. Ein zweiter Nachtrags⸗ etat. Dem kürzlich vorgelegten 6 Milliarden⸗Nachtrag wird in den nächsten Tagen ein wefterer folgen. dessen Ziffern sich aber auch in ähnlicher Höhe bewegen werden. Ueber die Deckung der darin geforderten Summen zerbrechen sich alle Stadträte die Frankfurt a. M., 16. Jan. Das Glücksspiel. Weil sie die von Glücksspielen duldeten, setzte der Polizeipräsident für zahlreiche Wirtschaftsinhaber die Dauer der Polizeistunde auf 10 Uhr herab. Auerbach a. B., 16. Jan. Explosion. Bei der Reparatur eines Motors in der Villa Ritsert explodierte plötzlich die Ma⸗ schine. Durch die umherfliegenden Trümmer wurden dem Haufe schwere Beschädigungen zugefügt. So ging das Dach fast vollständig in Trümmer. Heppenheim(Bergstr.), 17. Jan. Ein Riesennußbaum⸗ im Garten der Heil⸗ und Pflegeanstalt ist nach achttägiger Arbeit glücklich zu Fall gebracht. Der etwa 4 Meter hohe Stamm liegt bereits auf der Straße und sind mit der Aufarbeitung des übrigen Holzes noch zahlreiche Arbeiter beschäftigt. Der Umfang des Stammes beträgt über 5 Meter. Diese einzige, anscheinend ge⸗ sunde Nußbaumholzmasse hat allein einen Wert von mehr als einer Million. Außerdem aber sind noch mehrere Aeste vorhanden, die sonst starke Nußbaumstämme in Schatten stellen. Dazu kommen noch viele Kubikmeter Brennholz. Das ganze Holz dieses Riesen⸗ baumes hat ohne Zweifel einen Wert von einigen Millionen. Man darf deshalb auf die Versteigerung sehr gespannt sein. 15 Tödlicher Unfall. a Beim Holzfällen im Dörnigheimer Wald stürzte der 17 jährige Arbeiter Karl Schäfer von einem Baum ab und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß an seinem Aufkommen ge⸗ azweifelt wird. Nichts ist mehr sicher. Als am Montag morgen in Sossenheim ein Einwohner er⸗ wachte, mußte er zu seiner Verwunderung die Entdeckung machen, daß Diebe in der Nacht das große Hoftor ausgehängt und gestohlen hatten. Schrecklicher Tod. In Aschaffenburg geriet der 20jährige Arbeiter Adam Schäfer beim Richten von Papier in der Weißpapierfabrik mit den Händen in das Walzwerk. Er wurde von den Walzen in das Getriebe hineingezogen und vollständig zerdrückt. 5 Millionenunterschlagung. In Fürth i. B. sind nach Unterschlagung von 2600 000 Mk., die für die 3. Eskadron der Fahrabteilung 7 in Erlangen be⸗ stimmt waren, der Obergefreite Friedrich Fell und der Ober⸗ fahrer Adolf Künzel flüchtig gegangen. Ein unheimlicher Gast auf einem Passagierdampfer. Aus Athen wird gemeldet. daß dort auf einem Auswanderer⸗ er, der aus Samsun zurückkehrte, von 1609, Passagieren, die der Ueberfahrt nicht weniger als 35 gestorben sind und ins Meer versenkt werden mußten. Unmittelbar nach der Ankunft im Pyräus starben weitere 25 Passagiere. Der griechische Gesund⸗ heitsminister hat angeordnet daß die Leichen sofort in dem Heiz⸗ kessel des Schisses verbrannt werden. Den Ueberlebenden ist das Betreten des Landes verboten worden. Es sollen sehr umfang⸗ Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung der 1 75 75 Lokale Parteinachrichten. 6. Agitationsbezirk Gießen⸗Alsfeld⸗Lauterbach. An die Ortsvereine und Gemeindevertreter in Kreife Lauterbach! N Am Sonntag den 21 Januar, nachmittags 1½ Uhr, findet in Lauterbach im Lokale Zum Johannesberg“ eine Geemindevertreter⸗Konferenz mit folgender Tagesordnuna statt: 5 1. 2) Die Selbstverwaltung der Gemeinden im Rahmen der heutigen Gesetzaebung 5 b) Tätigkeit. Rechte und Pflichten der Gemeindevertretung. Referent: Bürgermeister Wal z⸗ Lauterbach. An dieser Konferenz müssen alle von unserer Partei gewählten Gemeindevertreter sowie auch die Vorsitzenden der Ortsvereine 95 1 vertreten 55 weil noch wichtige interne rteifragen besprochen den sollen. 5 Die Gemeindeverkreter⸗Kurse im Kreise Gießen und Alsfeld nebmen wegen jetziger Verhinderung einiger Referenten Anfang Februar ihre Fortsetzung. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Verhandlung vom 11. Jamtar 1923. Für ihre Erklärung über Annahme oder Ablehnung der Schieds⸗ sprliche in den nachstehenden Sachen erhielten die Streitteile eine Woche Frist. Die Fittingsfabrik Bänninger G. m. b. H. in Gießen hatte eine Anzahl Arbeiter auf eine bestimmte Zeit eingestellt und diese vorübergehende Einstellung mehrmals erneuert. Der Deutsche Metallarbeiterverband beantragte, die wiederholte Ver⸗ pflichtung der Arbeiter als„vorübergehend eingestellt“ für ungültig zu erklären. Der Schlichtungsausschuß erklärte jedoch, nur im etwa⸗ igen einzelnen Streitfall wegen Entlassung eines Arbeiters, der die Erneuerung des„vorübergehenden“ Arbeitsverhältnisses verweigere, lasse sich entscheiden, ob das Arbeitsverhältnis, trotz den wiederholten Reversen, die es für ein vorübergehendes erklären, ein dauerndes geworden ist und die Reverse eine Umgehung von Arbeiterschutzbe⸗ stimmungen sind.— Den Streifall desselben Verbandes mit der optischen Werkstätte Franke u. Co. in Gießen, ob zwei Glas⸗ vorschleifer ungelernte oder angelernte Arbeiter im Sinne der Lohn⸗ abkommen der Metallindustrie sind, verwies der Schlichtungsausschuß auf den Rechtsweg. 1 Den Mitgliedern der Gießener Schlossermeisterver⸗ einigung beantragte der Metallarbeiterverband die Zahlung von Aufwandsentschädigungen an die Lehrlinge aufzugeben. Der Schlich⸗ tungsausschuß beschränkte sich darauf, im Anschluß an die wieder⸗ holten Ersuchen der Handwerkskammer an die Beteiligten die Zah⸗ lung von Lehrlingsvergüttungen zu Händen der gesetzlichen Vertreter der Lehrlinge zu empfehlen und folgende Sätze dafür für angemessen zu erklären: im ersten Lehrjahre wöchentlich Mk. 500, im zweiten Mk. 700, im dritten Mk. 900, und im vierten Mk. 1200. Für die Betriebe, die der freien Vereinigung der Spengler⸗ und Installateurmeister in Gießen angehören, erllärte er die jeweiligen, Tariflöhne der Metallindustrie fiir maßgebend. 0 Dem Einspruch zweier Gesellen der kunstgewerblichen Werkstätte Graefe u. Co. gegen Kündigung zur Verminderung der Arbeiter⸗ zahl gab der Schlichtungsausschuß nicht statt, denn die Eigenart des kunstgewerblichen Betriebes erlaubte keine weitere Arbeitsstreckung. 0 13 a gegeniiber hem Betriebsobmann dus bem g g* 79 Verhandlung vom 12. Januar 1923. 1 Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband und der Vere⸗ band weiblicher Handels⸗ und Bureauangestellten erstrebten den! schluß eines neuen Tarifvertrages mit dem Verein Friedberger Kau leute. Unmittelbare en kamen nicht zustande. Be Schlichtungstermin fehlte der Antragsgegner imentschuldigt. De Vorsitzende nahm ihn deshalb in eine Gelostrafe. Der Schl. A. zunächst den Parteien auf, innerhalb 14 Tagen in Verhandlungen miteinander einzutreten. 5 e Der Verband der Gemeinde⸗ und Staatsarbeiter beantragt die Einführung der Bestimmungen des Reichsmanteltarif⸗ vertrages für die Gemeindearbeiter bei der Stadt Alsfeld. Der Reichsmanteltarifvertrag ist aber für die Gemeinden Oberhesse i verbindlich. Der Schl.⸗A. bestätigte, daß die Alsfelder meindearbeiter darunter fallen. 5 1 Dasselbe stellte er fest bezüglich eines Arbeiters der Gemeinde Großen⸗Buseck. Für dessen Entlohnung erklärte er das Lol F des Verbandes der n 0 Staatsarbeiter mit den Hess. Nass. Wirtschaftsverband für maßgebend. 45 1 In einer landwirtschaftlichen Lohnstreitsache einigten sich die Streitteile nach Verhandlung. ö. 8 Lohnverhandlungen für das Zigarrengewerbe. Die zentralen Lohnverhandlungen, welche am 4. Jannar in Eisenach stattfanden, scheiterten deshalb, weil es die Zigarren⸗ 0 fabrikanten ablehnten, auf der Grundlage der vom Deutschen Tabakarbeiterverband aufgestellten Lohnforderung zu verhandeln. 1 Daraufhin wurde das Reichsarbeitsministerium angerufen, um di 0 Lohnstreitsache beizulegen, dieses betrachtet diese Angelegenheit als minderwichtig und lehnt eine Verhandlung ab, obwohl bisher stets bei derartigen Streitsachen die Schlichtungsstelle bei dem R. A. M. entschieden hat. a f Die Verhandlungen finden nunmehr am Freitag, den 19. Jan. vor dem Schlichtungsausschuß für Groß⸗Berlin statt. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 23 000 Mark. Versammlungskalender Rödgen. Wahlverein. Sonntag, den 21. Januar, nach⸗ mittags 3 Uhr Generalversammlung bei Wirt Wagner. Tages⸗ 5 Jahresabschluß. Vorstandswahl usw. Mitgliedsbücher mitbringen. 0 a 5 Lich. Sozialdem. Wahlverein. Samstag, 20. Dezember, abends 8 Uhr, im Lokale Albach, Bahnhofstraße, Generalversamm⸗ lung. Wegen wichtiger Tagesordnung wird zahlreiches Erscheinen erwartet. 1 Gießen. Arbeiter⸗Jugend. Sonntag, 21. Januar, abends 8 Uhr Generalversammlung im Gewerkschaftshause. Pünktliches scheinen wird gewünscht. Gießen. Freie Turnerschaft. Samstag, 20. Januar, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshaus: Generalversammlung. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. 5 Gelesene Nummern der Oberhessischen Volkszeitung werden nicht fortgeworfen, sondern an Freunde, Bekannte und Nachbarn behufs Gewinnung neuer Abonnenten weiter ⸗ 6 Banscen, industrie Pianos Zweigstelle Giessen, Plockstr. 13 Kapital und Reserve: e 1200 000 000 Mk. 5 f Bankmässige Geschäfte aller Art D 7 5¹⁸ 8 ber oss 05 Kommanditgesellschaft auf Aktien Zweigniederlassung Giessen Johannesstrasse 1 Ruf 126, 174. 177 Ellgel, Pianos, Harmoniums Auvust Förster Bahnhofstrasse 65 b Spielwaren arte gegeben. 3 8 1. Nutovertrieb u. Reparaturwerkstätte Roppler& faber Allgemeines S e, enen, dee en gone dne een M. elnhausen 4— 562 7 e e ee e( h Weir n, Spezialität: Rarosserien 5 Di ö D 126 W752 62 7s 8 700 W91330 175 ee eee, e erich denz U D 823 Sa 324 W712 112 1200 e Heinrich Schäfer, marktstr. 20 955 N 8 1 0 2 2 3 9 6 Sfüche Pfeifen Schirme] W= Wochentags. Sa= Samstags. D D-Zug. E Eilzug. Die Zeiten von 60 Uhr abends bis 552 Uhr morgens sind in den Minutenziffern unterstrichen Gigarren, Gigaretten, Tahakel Hessischer Bankverein„„„FFFFFͤͤFGTTTTTT 5 1:: f Aktiengesellschaft Gasthaus Gambrinus, Wieseck B. Löwenstein, Wieseck Siegfried Haas 1 1 Filiale Giessen Besitzer Heinrich Braun Manana, Wäsche und Herrenstosle Papiergrosshandlung 1 5 = Bahnhofstrasse, Ecke Westanlage Butzbach Wilen fa as, Wieseck Seltersweg 68. 1 5 g— 2 5 2 sch- urstwaren a 9 Mitteldeutsche Eraditpank es bre eren are ee 1 ce ee deere Leistungstähiges Haus für Kleiderstoffe, Baumwoll. waren, Damen- und Herren-Konfektion, Wäsche- Ausstattungen filiale blessen, Jubannesstrasse 17 Giessen E. G. m. b. I. Giessen 5 Carl Chambrè, Lich 14 Karat Trauringe 8 Karat Cet ruck, Ens f dualittssache für lndusttie and Handel Weisslerstr. 25 Grosse Auswahl Weisslerstr. 25 barklabrik Gebrüder bäb 1 Aktiengesellschasft& Giessen Telephon Nr. 1469 u. 217I. 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