ebaltlon: Gießen ahuhoffraße 25 stusptecher 2ald. berhessische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes. der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 7 Expedition: Gießen Bahuboffraße 23 Fernsprecher 2008. die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden r Be deri in Giehed. Frau und„Lan Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt Verantwortlicher Redakteur; F. Vetterz. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(5 mm 1 deren Raum lokal i i Mt. auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile bpirischaftliche Beilage beträgt monatlich 3300.— Mek. einschl. Bringerlohn. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. 900.— Mk. Ben größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ 5 Post bezog. 3300.— Nr. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120— Mk Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabatt gewährt— teen n bis 6 Ubr e 5 Gießen, Dienstag, den 17. April 1923 18. Jahrgang 2 — Tau li N00 5 Lenlschuatipnule Presige- litt. der Der zweitatige Meinungsaustausch der belgischen und nzösischen Minister in Paris wuß den Eindruck erwecken, 5 sich die verantwortlichen Leiter der französischen und zelgischen Politik mit ihrer Abenteuerpolitik im Ruhrgebiet 1 licht befriedigt fühlen. Während gerade Herr Poincars aus 0 restigerücksichten in der ihm nahestehenden Presse immer eigen der n pieder erklären ließ, daß Frankreich nur zu Verhandlungen bereit sei, wenn Deuischland kapituliert, hat er sich unter em Druck der belgischen Regierung in dem über die Freitag⸗ 17 hung veröffentlichten Communiqué zu der indirekten Auf. en. borderung, Vorschlͤge zu machen, an Deutschland entschließen Damit ist von vornherein der Vorwand erledigt, ahn und Frankreich hat auch die a indirektem Wege das Verlangen nach deutschen Vorschlägen röntgen p estellt, sodaß Deutschland nur einem Wunsche dieser Re⸗ rsten und Ir ierungen nachkommt. wenn es sich zu einem Anerbieten auf⸗ mm im Fete safft. Auffällig kleibt daß weder die eine noch die andere * egierung die Aufforderunz mit bestimmten Bedingungen nit 66 knüpfte. Zwar bekräftigt das letzte Communiqus der lgischen und franzöfischen Regierung über die Pariser amstagsitzung zum Schluß die Entschließung von Brüss e! kahin, daß Frankreich und Belgien die Räumung des Ruhr- kebictes und der auf dem iachten Rheinufer neubesetzten Habiete nicht on einfachen Vertznechungen abhängig machen, ndern sie nach Maßgabe der Eꝛfüs ung der deutschen Repa⸗ nlionsverpflichtungen durchöhren werden. In Anden acht ae ker innerpolitschen Ver kältnisse Frankreichs, insbesondere ber Belgiens, kann diele Fassang kaum als Bedingung ge⸗ Knee wertet werden. Sicherlich bardelt es sich hier lediglich um u dne Beruhigungspille für die französische öffentliche eimung, die seit dem Tage des Zuhrabenteuers so manche * sinttäuschung erlebte so oft abbauen mußte, und insbesondere eshalb der Beruhigung dringend bedurfte, nachdem die 5 bariser Presse den Bericht über die Freitagsitzung als Kapi⸗ ku mation Frankreichs gegenüber Deutschland ausgelegt hatte. 1 Leider ist nach der Einstellung der Herren Cuno und kosenberg nicht damit zu rechnen, daß schon in den lllernächsten Tagen ein offizieller Vorschlag an die gesamt⸗Entente gerichtet wird. Liest man die neuerdings ton der deutschen Regierung zur Widerlegung der fran⸗ sischen Behauptung daß Deutschland während der Pariser konferenz nicht in der Lage war, ein schriftliches Angebot zu machen, herausgegebenen Instruktionen an Bergmann, die, fuß nenn sie auch von wenig diplomatischem Geschick, so aber 3 koch von dem Willen zur endgültigen Verständigung zeugen, Ml. bann kann man die jetzige Haltung des Reichskanzlers und — zes Reichsaußenministers kaum verstehen. Damals handelten e vernunftgemäß, während in der Zwischenzeit diese Ver⸗ agel Funft bei ihnen verloren gegangen zu sein scheint. Warum sst heute nicht möglich, wozu die Regierung damals bereit Brot har? Warum ist es ein Ding der Unmöglichkeit, jetzt ein Angebot zu machen. das unter Berücksichtigung der ge ⸗ fden in 2 minderten deutschen Leistungsfähigkeit im Rahmen der letzten L zeutschen Pläne gehalten ist? Wenn Cuno und Rosenberg be ierfür die Begriffe fehlen, dann tragen hierzu im wesent⸗ 11 lichen die innerpolitischen Verhältnisse bei. Die Furcht vor el ee. 5 5. 10 n ben Deutschnationalen, die Angst, daß ihnen von dieser Seite ian hen ie Freundschaft gekündigt werden könnte, führt dazu, daß 25. April 5 ie verantwortlichen Männer des Reiches neben der passiven 4 kesistenz auch passive Politik üben. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn die ede des Reichsaußenministers so, wie sie bisher vorbereitet st, im Inland und Ausland in mancher Hinsicht enttäuschen nuß. Rosenberg beabsichtigt, in den Mittelpunkt seiner lusführungen den letzten deutschen Vorschlag für die Pariser Konferenz zu stellen, um an Hand dieses Vorschlages Deutsch⸗ daands Verständigungsbereitschaft und seinen guten Willen fur Erfüllung der Reparationsverpflichtungen zu beweisen. Ferner will er sich erneut und hauptsächlich auf den Boden deer von dem amerikanischen Staatssekretär Hughes vorge⸗ chlagenen Lösungs möglichkeit stellen, also wiederholen, daß Leutschland bereit ist, seine Leistungsfähigkeit durch ein mten pationales Finanzkomitee feststellen zu lassen. Schönere Worte der Verständigungsbereitschaft im anderen Zu⸗ ammenhang sollen natürlich nicht fehlen, obwohl die Re⸗ sierung aus der Vergangenheit schlußfolgern sollte, daß cchöne Worte ohne positive Vorschläge uns dem Ziele, das KFiuhrgebiet von den französisch⸗belgischen Truppen zu ent⸗ eetzen, kaum näher bringen und daß schöne Phrasen von von inem großen Teil des deutschen Volkes, insbesondere Die Pariser Konferenz. Verschärfung des Besetzungsterrors. Die belgisch⸗französische Konferenz ist am Samstag zu Ende ge⸗ gangen. Ueber ihr Ergebnis wurde am gleichen Tage noch folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: 2 Die franzöfischen und belgischen Minister sind am Vormittag aufs neue zusammengetreten. Sie haben die gemeinsamen Weisungen vorbereitet, die an ihre Oberkommissare in den Rheinlanden und an General Degoutte ergehen sollen, und die die in den neubesetzten Ge⸗ bieten eingeführte Zentralverrechnung und deren Kontrolle, die Ver⸗ wendung des Ertrages der Geldbußen und Beschlagnahmungen usw. betreffen. Es ist beschlossen worden, daß die verschiedenen Waren und Produkte, die in den besetzten Gebieten beschlagnahmt worden sind, um die von den beiden Regierungen oder ihren Staats⸗ angehörigen gemachten Bestellungen von Sachlieferungen zu becken, diefen direkt zur Verfügung gestellt werden sollen. Der Ueberschuß der beschlagnahmten Waren und Produkte wird von den französischen und belgischen Behörden verkauft werden. Der Ertrag dieser Ver⸗ käufe wird der Verrechnungskasse der Pfänder überwiesen und der nach Begleichung der verschiedenen Besetzungs⸗ und Betriebskosten überschießende Betrag(2) wird der Reparationskommission über⸗ mittelt werden. Die beiden Regierungen haben ihre Entschließungen von Brüssel dahin bekräftigt, daß sie die Näumung des Ruhrgebiets und der auf dem rechten Rheinufer neubesetzten Gebiete nicht von einfachen Versprechungen abhängig machen, sondern daß sie sie nach Maßgabe der Erfüllung der deut⸗ schen Reparationsverpflichtungen durchführen werden. Nach der übereinstimmenden Auffassung aller Parteien Deutsch⸗ lands können Verhandlungen nicht anders geführt werden als zu dem Ziel, die Räumung der neubesetzten Gebiete zu erreichen. Das ver⸗ tragsmäßige Pfand für die Erfüllung der Reparationsverpflichtungen ist bezeichnet; die neubesetzten Gebiete klare Rechtsstandpunkt, den jede tragen, so wären alle Verhandlungen zum Scheitern verurteilt, und das Schicksal Eiropas, in Anarchie zu verfallen, wäre damit besiegelt. Die Dünkirchener Rede Poincarés. Nuhrräumung nur nach Maßgabe der Zahlungen. Poincaré hat am Sonntag in Dünkirchen bei der Enthüllung eines Kriegerdenkmals seine mit großer Spannung erwartete Rede gehalten. Er hat dabei u. a. ausgeführt: Kann England nach dem großen Kriege, in dem es an der Seite Frankreichs gestanden hat, darüber erstaunt sein, daß wir un⸗ serseits unsere Grenze gegen neue Vergewaltigung verteidigen, eine Nation, deren Imperialismus nicht zu bestreiten ist, daran ne verstete Invasions vorbereitungen zu treffen? Wieso ollen wir nicht das Recht haben, in Uebereinstimmung mit un⸗ seren Verbündeten Maßnahmen gegen Gefahren zu treffen, die viel ernster sind und viel wahrscheinlicher als diejenigen, von denen sich England mehrmals bedroht fühlte? Wir haben den größten Stoß erhalten die größte Zahl an Toten gehabt, die größ⸗ materiellen Verlust erlitten. Ist es da erstaunlich, daß wir nach den erlittenen Martern, nach den erduldeten Opfern auf unsere Reparationsansprüche nicht verzichten, noch auf eine Herabsetzung derselben eingehen können? Weil Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist und weil es nichts unternahm, um ihnen nachzukommen, weil wir selbst nahezu 100 Milliarden für das Deutsche Reich vor⸗ schießen mußten, haben wir Kraft des Vertrages nach einer von der Reparationskommission regelrecht gefaßten Entschließung die Pfänder ergriffen und die Sanktionen zur Anwendung gebracht. Drei Jahre haben wir uns geduldet und diese Geduld hat uns auf die Dauer nur Enttäuschungen und Verdruß gebracht. Wir sind nicht bereit, neue Verzögerungen Deutschlands hinzunehmen und ohne Garantien die geforderten Fristen zu bewilligen, die darauf hinauslaufen, daß wir uns Deutschlands Gnade ausliefern. Wir sind in das Rußrgebiet gegangen und die Besetzung dieser reichen Kohlen⸗ und Industriegegend hat es uns ermöglicht, Fest⸗ stellungen zu machen. Zunächst haben wir mühelos die Ueber⸗ zeugung gewonnen, daß Deutschland uns die Kohlen hätten liefern können, die es uns verweigert, da es das Reich jetzt versteht, ohne die Ruhrkohlen auszukommen. Weiterhin haben wir Bewetise da⸗ für, daß Deutschland imstande war, uns in fremden Devisen zu bezahlen, denn, augenblicklich verwendet es einen großen Teil die⸗ EEFECCCCC ³·wdꝛ dada Schwindende Verständigungsaussichten! ser Devisen zur Bezahlung im Ausland und drittens konnten wir an Ort und Stelle militärische Geheimorganisationen, wie seiner⸗ zeit in Oberschlesien in harmloser Weise als Schutzpolizei be⸗ zeichnet, ermitteln und unschädlich machen, und dann sind wir zu der Ueberzeugung gekommen: Hätten wir Deutschland ein zwei⸗ jähriges Moratorium ohne Garantien bewilligt, so hätte das Reich nach Ablauf der Frist auf unsere Zahlungsforderung mit einer Herausforderung geantwortet. Die Pfänder, die Deutschland uns nicht geben wollte und einige unserer Verbündete für unmöglich hielten, erschienen uns als unentbehrlich. Wir sind an die Ruhr gegangen und wir haben Beweise, daß wir uns nicht täuuschten. Wir halten die Pfänder und wir werden sie nicht ganz einfach preisgeben. Hier wiederholte Poincaré die bereits in den Presse⸗ communiquees mitgeteilte Absicht, daß die Franzosen und i sich aus dem neubesetzten Gebiet nach den jeweils erfolgenden Zahlungen zurückziehen werden. Wenn Frankreich seinen Ent⸗ 05 in jeder Weise zum Ausdruck bringe und der Welt verkünde. aß es den Vertrag und die Friedensbedingungen respektiert wissen will, so setze sich Frankreich in den Augen der Welt nicht herab, in Gegenteil, es ist in den Augen derer gestiegen, die für Redlichkeit und Entschlossenheit sind, sogar diejenigen unserer eng⸗ lischen und amerikanischen Freunde, welche über die Zulässigkeit unserer Aktion nicht unserer Meinung waren, konnten nicht um⸗ hin, unsere Motive zu billigen und die Berechtigung unserer An⸗ sprüche zuzugeben. Der augenscheinlich in England und den Ver⸗ einigten Staaten zu unseren Gunsten eingetretene Meinungsum⸗ schwung, für den einer Ihrer hervorragendsten Vertreter, Loucheur (Dünkirchen gehört zum Wahlkreis Loucheurs), erst dieser Tage Beweise erbrachte, rührt zum größten Teil davon her. Auch di⸗ Vorwürfe einer Handvoll irregeleiteter Franzosen werden uns nicht von dem gesteckten Ziel abbringen. Böswillige führen, wie ich vernehme, die Lebensmittelverteuerung auch auf die Ruhr⸗ besetzung zurück. Das ist arger Sophismus. Als ob die Teuerung nicht von unserer wirtschaftlichen und sinanziellen Lage, die Zahlungsverfehlungen Deutschland verschuldet ist, Schließlich sehe ich Gelegenheits⸗Pessimisten, denen es Vergnügen macht, die Zwischenfälle zu übertreiben und durch unvorsichtige Uebertreibungen das Deutsche Reich im Widerstand zu ftärken. Ist es möglich, daß es in Frankreich wirklich solche Leute gibt? Zweifel stellen sie eine nicht beachtenswerte Minderheit dar. Sand in seiner Gesamtheit ist entschlossen, das Werk zu vollenden und es wird vollendet und vergeblich erwartet Deutschland auch nur ein minntenlanges Nachgeben unsererseits. 5 5 Eines also steht nach dieser neuesten Rede des franzõ sischen Mimisterprästdenten fest: das nationalistische Deutschland, das auf seinen Pariser Agitator für Sonntag bestimmte Hoffnungen gesetzt hatte, muß bitter enttäuscht sein. Kein neuer Gedanke findet sich in der ganzen Rede. Neben Falschheiten, die bereits mehrfach von dent⸗ scher Seite widerlegt worden sind, möchte man fast sagen, daß sie im Vergleich zu anderen Reden etwas fachlicher geworden ist. Falsch ist insbesonde re, daß die Schutzpolizei eine militärische Verschwörer⸗ organisation darstelle. Herr Poincars darf überzeugt sein, daß die von dem preußischen Minister des Innern organisierte Polfzeimacht mindestens zur Hälfte aus ehrlichen Republikanern besteht. Auch seine Angaben darüber, daß Deutschland die Kohlen hätte liefern können, die es verweigerte, beruhen nicht auf Tatsachen. Deutschland hat in Wirklichkeit die Kohlen geliefert, die es liefern mußte. Seine Ware wurde aber von französischen Kontrolleuren fortgesetzt be⸗ mängelt und noch an der deutsch⸗Helgischen Grenze oder anderen Stationen zurückgewiesen. Wir haben ein gutes Anrecht, zu be⸗ haupten, und dafür kann der Beweis erbracht werden, daß Frankreich sustematisch die deutsche Kohlenlieferungen sabotiert hat, um einen Vorwand zu Gewaltmaßnahmen gegen Deutschland zu haben. Bis heute sind die bekannten Mitteilungen des Populgir vom Juli 1922, nach denen Poincars maßgebenden Pariser Journalisten mitgeteilt hat, daß ihm Verschulden lieber sind als Reparationen, um so an⸗ nexionistische Ziele verwirklichen zu können, nicht widerrufen. In einem hat Poine ne sicherlich recht, daß sich langsam ein Um⸗ schwung in der Weltmeinung zugunsten Frankreichs herausbilde. Es ist nicht zu bestreiten, daß die Welt die gegenwärtige volitische Situation mehr vom Gesckäftsstandvunkt aus betrachtet Die fran⸗ zösischen Schandtaten im Westen Deutschlands werden langsam ver⸗ gessen, nachdem die französische Regierumg verstanden hat, eine An⸗ näherung mit den übrigen allfierten Mächten zu vollziehen und es ihr überlassen bleibt den Eindruck der Verständigungsbereitschaft im wahren Sinne des Wortes zu erwecken. Wenn das möglich sein komtte, dann trägt die deutsche Pressepolitik ebenso dazu hei, wie die passive Resistenz der verantwortlichen Politiker. Es ist eine Mimite gutem Wege zu einer aktiven Politik, wenn er den Mut be⸗ sitzen würde, zwischen den Hauptpunkten seiner Rede eine Kombination zu finden und gleichzeitig erklären würde, daß die deutsche Regierung bereit ist, diese Kombination, in ihren Einzelheiten genau erörtert, den Ententemächten zu über⸗ reichen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion war nie der Auffassung, daß sich die Reichsregierung entweder auf den Vorschlag des amerikanischen Staatssekretärs Hughes als Grundlage ihrer Politik stellen muß, oder zu einem eigenen Angebot entschließt. Die maßgebenden Führer der Fraktion, die mit Cuno und Rosenberg mehrfach über die Frage der Außenpolitik verhandelten, haben verschiedentlich darauf hin⸗ gewiesen, daß eine Kombination zwischen einem eigenen Angebot im Rahmen der letzten Vorschläge und den Plänen des Staatssekretärs Hughes durchaus möglich ist. Mit dem Verlangen, einen deutschen Vorschlag an die Entente zu machen, haben sie jedoch nie die Forderung verknüpft, gleich- zeitig durch ein internationales Finanzkomitee unsere Leistungsfähigkeit feststellen zu lassen. An sich ist eine Kom⸗ ber en der Ruhr kämpfenden Arbeiterschaft nicht als aktive bolitik angesehen werden. Zweifellos wäre Rosenbera auf bination zwischen einem eigenen Angebot und dem Vorschlag N Hughes ganz erklärlich! Deutschland kann selbst bei der vor⸗ sichtigsten Abschätzung seiner Leistungsfähigkeit die fran⸗ zösische Regierung nicht befriedigen. Auch bei dem besten Angebot wird in Frankreich ein Sturm der Entrüstung los⸗ gehen, der sich jedoch als sinnlos kennzeichnet. wenn die Reichsregierung in einem eigenen Angebot gleichzeitig klipp und klar sagt: Darüber hinaus sind wir bereit, Deutschlands Leistungsfähigkeit von einem internationalen Finanzkomitee prüfen und feststellen zu lassen. Da die Reichsregierung sich weder zu einem vositiven Vorschlag bereit erklären will, noch die notwendige Kom⸗ bination aufzunehmen gedenkt sondern sich lediglich noch⸗ mals auf den Vorschlag von Hughes stellt, so ist es Pflicht der Fraktionsredner, nachzuholen. was durch deutschnatio⸗ nale Prestigepolitik versäumt wird. Die Fraktionsredner der Sozialdemokratie dürften das nicht unterlassen. Statt der Regierung, die hierzu verpflichtet wäre, bahnen sie da⸗ mit— trotz der Prestigepolitik der Herren Helfferich und Hergt— den Weg zur Völkerverständigung. Sollte dieser Weg nicht betreten werden, dann kann es zweifellos nur eines geben: Fortsetzung der passiven Abwehr! vor Zwölf. Noch kann gerettet werden, was zum Schaden des ge⸗ samten deutschen Volkes bisher versäumt wurde. Frankreich nicht„feindlich“. Note nach Berlin. 1 ir erfahre die französische Regierung der Re e N lassen, in der einige Stellen der Rede, die der Reichskanzler anläßlich der Trauerfeier für die Essener Opfer gehalten hat, beanstandet werden. Ueber die Beantwortung der Note ist im Kabinett ein Beschluß bis zum Augenblick noch nicht k. Die Note beschwert sich besonders darüber, daß der Kanzler von „feindlichen“ Truppen gesprochen habe und weist darauf hin, daß die östsche Regierung diesen Ausdruck Deutschland gegenüber nicht ö— Das ist ja eben das Unerträgliche, daß zwar Frank⸗ reich jede Feindseligteit gegenüber Deutschland mit Worten leugnet, ß aber seine Ruhrtaten— man denke nur an Essen und an die senwertreibungen— die eines Heeres im Feindesland sind. Die Nuhrbergleute für Verständigungsbereit⸗ schaft und passive Abwehr. Am 13. und 14. April tagte in der Eisenhütte zu Bielefeld die Meichskonfereng des——ů—— und der Bezirksleiter des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands, um zu der wirtschaftlichen Entwicklung und den aus der Besetzung des Ruhrgebietes sich er⸗ gebenden Fragen Stellung zu nehmen. Der Verbands vorsitzende Husemann gab einleitend, nachdem er mit ehrenden Worten der jüngst verstorbenen Verbandskameraden gedacht hatte, einen umfassenden Ueberblick über die geschaffene Lage, indem er dabei die Notwendigkeit der weiteren Abwehr des franzö sisch⸗belgischen Rechtsbuches an r und Rhein unterstrich. Der Antrieb zu der Besetzung ist, 5 8 Redner hervorhob, in wirtschaftlichen Interessenkonflirten r Völker zu suchen, weshalb auch 5 nur mit wirtschaftlichen Mitteln eine Lösung des Konfliktes seflihrt werden lönne. Darauf hinzuweisen, sei Pflicht der garbeiter, welche ja einen großen Teil der Laft des Abwehr⸗ neben anderen Schichten der Bevölkerung tragen. davor, nüchterne wirtschaftliche Erwägungen durch gefühls⸗ a Betrachtungen übertönen zu lassen, im Gegenteil soll man in mehr als bisher solchen nüchternen Erwägungen Raum geben. Auch wir Deutsche hätten ein Interesse, alles zu tun, daß eine baldige und durchführbare Negelung des Reparationsproblems wird. wozu er hoffe, daß sich die leistungswilligen und igen Kräfte umseres Volkes zu aufbauender Arbeit zu⸗ nfinden mögen, denn wir seien bei diesem Kampfe nur auf sere eigene Kraft ange wiesen. a N Die ausgedehnte Aussprache ergab die volle Zustimmung der Konferenz zu den Leitgedanken der Berichterstatter. Nach Erledigung organssatorischer und knappschaftlicher Ange⸗ kegenheiten, von denen der Saarstreik besonders erwähnenswert ist zu welchem die Konferenz durch Annahme eines Extrabeitrages Höhe eines zweimaligen Wochenbeitrages ihre stärksten Sympathien ir die um ihre Lebenshaltung so schwer kämpfenden Saarkameroden ausdrücke, wurde die nachstehende Resolution einstimmig ange⸗ en. „Die am 13. und 14. April 1923 in Bielefeld tagende Reichs⸗ konferenz des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands ftellt sich einmütig und der Haltung des Verbandsvorstandes zustimmendd, E. den rassiven Abwehrkampf der Beuölkerung an Ruhr und hein und bekundet den ungebrochenen Willen, fremder Willkür und brutaler Gewaltanwendung sich nicht zu beugen. Von der Auffassung ausgehend. daß die heute zwischen den Völkern stehenden Fragen nur nach sachlich wirtschastlichen Grundsätzen und nicht nolitsch⸗mistärisch gelöst werden können verurteilt die Kon⸗ serenz mit dem Gefühl tiessten Abscheues den Ueberfall französi⸗ ber und belgischer Truppen auf eine sizebliche, arbeitsame Be⸗ völkerung: sie weist daher auck ebenso weit seden Gedanken von ich durch Abkehr von den bisher erfolgreich angewendeten Ab⸗ wehrmitteln die grausame Gefahr einer blutigen Auseinander⸗ setzung beroufzubeschwören Um den jahrelang gequälien Völkern Europas den Frieden wieder zu gehen erachtet es die Konferenz der Bergarbeiter für eine heilige Pflicht der Regierungen, keine Gelechenheit zur An⸗ ahnung einer friedlichen Verständigung ungenutzt vorübergehen zu lassen. Sie glaubt daß die Mitwelt und die Geschichte der Regierung welche als erste diesen Weg sucht und beschreitet, diese Tat nicht als ein Eingeständnis der Schwäche sondern als Zeug⸗ Der Deserteur. 1 Roman von Robert Buchanan. „Und wer zum Teufel sagt Dir denn, daß er kein Geist ist?“ fuhr Pipriac den Fischer an.„Du bist ein Esel, geh' mir aus den Augen! Wenn wir wenigstens eine iter hätten!“ Dann brüllte er wieder mit der ganzen Kraft seiner Lunge hinauf:„Deserteur! Nummer Eins! Rohan Gwenfern!“ 5 Kein Ton, kein Laut kommt von oben. Die Dorfleute wechseln spöttische Blicke, Marcelle betet inbrünstig. Pipriac speit Feuer und Flammen! Ihn, den Vertreter des Kaisers, wagt ein einfacher unbewaffneter Fischer, der wie ein Fuchs in seinem Bau kauert, ein elender Deserteur, ein Chouan, ein Feigling, der sich vor dem Kanonendonner fürchtet, an „der Nase herumzuführen! Für den Sohn seines Freundes wohnt nicht ein Funke von Mitleid mehr in seinem Herzen. Gnade seiner Seele, wenn er jetzt in seine Hände gerät] Mit blutunterlaufenen Augen, heiser vor Zorn und Wut, kom⸗ mandiert er seinen Leuten:„ Donnerwetter noch einmal! Seid Ihr alle nichts als elende Waschlappen? Hat keiner den Mut einer Fliege? Andre, Pierre, Bertram, Hosl, wagt keiner hinaufzukletterne Wären nicht meine Beine so klapprig und mein Kopf so schwindlig, ich wollte Euch schon zeigen, was der alte Pipriac kann! Ihr Schurken, Ihr fei⸗ gen Memmen!“ Durch diese Worte angefeuert, streift Pierre seine Schuhe ab, nimmt das Bajonett zwischen die Zähne und versucht, hinonzuklettern. Die Wand ist wohl steil und schlückfrig, aber sie bietet doch einige Vorsprünge für Hände und Füße. Von allen Anwesenden neugierig beobachtet, gelingt es Pierre, langsam emporzuklimmen, doch gar bald gleitet sein Fuß ab und er fällt mit einem Schrei zu Boden. Zum Glück war er noch nicht hoch gekommen, so daß er nur eine leichte Quetschung davontrug. Jetzt meldete sich André, ein dunkel äugiger, entschlossen aussehender Kerl mit sehnigen Händen und Beinen. Das Bajonett im Munde, klettert er geschickt wie eine Katze, empor. Er hat schon die größere Hälfte des Weges zurückgelegt, da ertönt plötzlich aus dem Munde eines Zuschauers ein erschrockener Warnungsruf. Alles starrt in die Höhe, auch André. Gerade über seinem Kopfe sieht man zwei ausgestreckte Hände und diese Hände schwingen ein 1 Husemann riesiges Felsstück— ein leichenblasses, aber zum Aeußersten — nis innerer Stärke und kiefer Einsicht deuten wird. 1 Die Bergleute wissen, daß der Weg zum Frieden über schwerste Opfer an Hab und Gul aller Teile unseres verarmten Volkes führt, wie auch sie durch wiederholte Uebe rarbeit das ehrliche Ersüllnngshestreben Deutschlands tatkräftig unterstützt haben. In der Erkenntnis, daß es nach Jahren harter. aber eter Arbeit aller Volksgenossen möglich sein wird Lasten ous em verlorenen dc abzutragen, deren Schwere nicht durch einseitiges Diktat, sondern durch gleichberechtigte Verhandlungen bestimmt ist wendet sich die Konferenz an die deutsche Regierung mit dem Ersuchen, ihren Plan zur Lösung der Reparationsfrage zur internationalen Erörterung zu stellen.“ Der Auftakt zu den neuen Zwangsmaßnahmen. Drei französische Minister im Ruhrgebiet.. Wie der Intranstgeant meldet, treffen heute Montag drei französische Neinsster im Ruorgedlet ein, nämlich der Minister für öffentliche Arbelten, der Finanz⸗ und der Kriegsminister. Ihre Reise wird mit den bei der französisch⸗belgischen Ministerkonferenz gefaßten Beschlüssen in Zasammenhang gebracht. Besetzung von Gewerkschaftshäusern. In Herne besetzten französische Truppen das Gewerkschafts⸗ haus, das evangelische und das katholische Vereinshaus. Die Beute der Franzosen. Von den besetzten Schächten sind nach den Bahnhöfen abgerollt worden: am 10. April acht Züge, am 11. April neun Züge und am 12. April 15 Züge mit insgesamt 480 Waggons Brennstoff. Stete Ausdehnung der Okkupation in Mannheim. inigen Tagen ist auch das Lagerhaus bes badischen ane dhe, hee in das besetzte Gebiet ein⸗ bezogen worden. Zurückweisung der falschen Mülheimer Banknoten. Der Versuch, in Mülheim an der Ruhr von den französischen Truppen beschlagnahmte Druckformulare als giiltige Banknoten in den Verkehr zu setzen, ist gestern von den Franzosen in Köln gemacht worden Die Banque Belge hat dort 400 Mtll. in solchen Scheinen der Reichsbankhauptstelle mit dem Ersuchen um Gut⸗ schrift des Betrages vorgelegt. Selbstverständlich wurde die Gutschrift abgelehnt. Die vorgelegten Stücke sind im Wege der Durchlochung unbrauchbar gemacht worden. Politische Uebersicht. Ungebetene Gäste. Deutsche Monarchisten im Ausland. Den eifrigen Bemühungen deutscher Monarchistenkreise, die deutsche Republik im Auslande zu diskreditieren, reiht sich nun ein neuer Versuch an, die deutsche monarchistische Propa⸗ gandga auch nach Finnland zu übertragen. Wie uns aus Helfingfors gemeldet wird, ist dort vor einigen Tagen eine Gruppe deutscher Monarchisten mit dem Grafen v. d. Goltz an der Spitze eingetroffen und zwar mit der Absicht, eine großzügige monarchistische Agitation in Finnland zu ent⸗ falten. Dieser Besuch, der von keiner offiziellen Seite ver⸗ anlaßt wurde hat begreiflicherweise in den Volksmassen heftige Erregung und Empörung ausgelöst. Das Zentral- organ der finnischen Sozialdemokratie Suomen Sosialdemo⸗ kraatti protestiert in schärfster Weise gegen den Besuch der deutschen Monarchisten, insbesondere gegen den des Grafen b. d. Goltz, der als Leiter der deutschen„Strafexpeditionen“ im Jahre 1918 bei dem finnischen Volke in schlimmstem Rufe steht und als Verkörperung der blutigen deutschen Reaktion gilt. f f Der Protest der finnischen Sozialdemokratie, dem sich auch breite Krise des Kleinbauerntums un dder demokrati⸗ schen Bürgerschaft anschließen, verdient in Deutschland leb⸗ hafte Beachtung. Ist es denn wirklich notwendig, daß zu einer Zeit, wo Deutschland um seine Existenz ringt, die Sympathien für die deutschen Republik durch die Propa⸗ gandareisen abgetakelter Generäle verringert werden? entschlossenes Antlitz neigt sich hinab— Gwenferns. Jetzt wäre es leicht, den Deserteur niederzuknallen— aber was geschähe mit André? Der in der Luft schwebende Stein würde ihn zu Brei zermalmen. Er wartet diese Mög⸗ lichkeit gar nicht ab, sondern trachtet, so rasch als möglich wieder festen Boden zu erreichen. Noch ehe dies der Fall, sind Arme und Gesicht oben im Trichter verschwunden. Pipriac flucht und zetert. Salve auf Salve wird hinaufge⸗ feuert, ohne das gewünschte Ziel zu treffen. Die an den Felswänden abprallenden Kugeln sallen mit dumpfem Ge⸗ rausch zur Erde. Die Klippen widerhallen von dem Flinten⸗ geknatter. Die Kathedrale ist von dem unzufriedenen Ge⸗ das Antlitz Rohan murre der Dorfleute und den Verwünschungen der Gen— darmen erfüllt. Dann werden wieder einige vergebliche Kletterpersuche gemacht, Schüsse hinaufgefeuert— kurz: eine regelrechte Belagerung ist im Zuge, wird aber mit Sonnen- untergang von der neuerlich in die Kathedrale dringenden Flut unterbrochen. Den ganzen Tag hatte es— kleine Unterbrechungen ausgenommen— geregnet: Zuschauer und Gendarmen sind bis auf die Haut durchnäßt. Mit Ein⸗ tritt der Flut ziehen sich die Belagerer und auch die Dorfbe⸗ wohner schleunigst aus der Kathedrale zurück. Eine Frauen⸗ gestalt jedoch zögert, schleicht bis dicht an den„Altar“ hinan, richtet ihre brennenden Augen nach oben und ruft angst⸗ voll:„Rohan! Bist Du oben, Rohan?“ Keine Antwort! Sehnsüchtig streckt sie die Arme empor, Heiße Tränen rieseln ihre bleichen Wangen hinab. „Um der Barmherzigkeit willen, gib mir ein Lebens. zeichen! Ich bin's, Marcelle!“ Wieder keine Antwort. Traurig wendet nun auch sie ihre Schritte dem Ausgange zu, sie muß schon knietief durchs Wasser waten. Rohan liegt mit klopfendem Herzen auf seinem Lager. Wohl hat er die flehende Stimme gehört, das bleiche, ver⸗ zweifelnde Antlitz gesehen, aber nicht gewagt zu antworten. Marcelles süßes Gesicht hat seine Seele noch tiefer erschüt⸗ tert als die grimmigen, entschlossenen Gesichter seiner Ver folger. Die Aufregungen des Tages machten ihn auch gegen sein Liebchen mißtrauisch. Konnte er denn wissen, ob sie sich nicht on die Seite seiner Feinde gestellt? In dumpfer Ver⸗ zweiflung blickte er ibr nach: als sie seinen Blicken ent⸗ Demokratische Steuerscheu. den Beratungen des Steuerausschusses des Reichstags wie* seinerzeit berichtet haben, der demokratische A battgegeben, eien im Gange befindliche 8 estre fahl und 8. statt der Fusion die Bildung einer Inken gemeinschaft. Infolge des Widerstandes der Regierung und der instruktiven Vorsicht aller anderen bürgerli Mitgl Steuerausschusses blieb dieser Vorstoß erfolglos. Die kur danach erfolgte Veröffentlichung über die Bildung einer In emeinschaft zwischen der Deutschen Petrolemn⸗A.⸗G. und de Rldgerswerken A.-G. schaffte Klarheit welches 0 8 Fischer mit seinem besonderen gemeint hat. Berliner Börsen⸗Courier(Nr. 100) hätte nach geltendem R Abgabe der sich fusionjerenden Gesellschaften an das R den Kurswerten vom 7. Februar 8,1 Milliarden betragen ischen ist die Angelegenheit in ein helles Licht gerückt word 0 N08 Bericht der Frankfurter Zeitung(Nr. 270) über die Ge versammlung der Rütgerswerke wurde bet den Wahlen zr sichts rat als e für Ser n 9 N der Schaaf gruppe Dr. Hermann Fischer⸗Köln gewähl⸗ f Herr Dr. Fischer⸗Köln ist daher jetzt Zofaches mitglied. f Seutschvölkische Verhöhnung des Staatz gerichtshofes. taatsge ri um Schutze der Republik gegen die 9 ea 0 Ergebnis, daß die Organe verpflichtet sind, nach treffen der c e e. Die Münchener Neuf auch respekttert werden. Dagegen fährt achter fort, maßgebende 5 ü beschi„ ohne daß die bayerische Regienmg 0 an cr 8. de 6 Staatswissenschaftlicher Kursus der Zenn stelle zur Förderung der Voltsbildung u Jugendpflege in Hessen. 9 Ein Teilnehmer an dem Kursus schreibt uns:. Es wird in unserem Vaterlande von niemand bezweifelt, 0 die heutige staatsbürgerliche Bildung und Erziehung unseres Mlle noch immer unzulänglich ist. Gewiß wurde z Abstellung e Uebelstandes schon recht rwolles geleistet, besonders ide Schulen, den polttischen Parteien, werkschaften um u Behörden sind auch gegenwärtig eifrig dabei, durch die verschiede Veranstaltungen eine fruchtbare Mitarbeit des Volkes bei den zen lichen Angelegenheiten sicherzustellen, innerhalb aller Volkssch h die polttische Bildung auszubreiten. In diesem Zusammerhen möge an eine der jüngsten Verfügungen des Hessisch. Landesbilbn amtes erinnert sein die die Abhaltung von staatsbürgerlichem Ua richt in den höheren Schulen fordert. Aus dem Volke heraus mi aber auch freiwillige Helfer kommen, welche die außerorden ih dankbare Aufgabe übernehmen, unsere Generatson in das Versti des öffentlichen Lebens einzuführen. f 15* Zur Zeit ist man in unserem Lande auf dem besten Wege i Helfer heranzubilden. dyn Woche a des Freiburger Uninersitätsprofessars Dr. tantorowiez in Damen ein Kurs statt, in dem weft über 100 hessische Volksbildner, dhe, Juristen, Gewerks„ Jugendführer usw. aus allen Af unseres Landes zusammenkamen, um einen Einblick zu bekomma die wissensmäßigen Grundlagen des staatsbürgerlichen Lebens Gegenwart und seine Technik, seine geschriebenen Voraussetupzen, in die Programme der politischen Parteten und in das vielfach her, zweigte Leben des Staates und seiner Arbeit. 1 schwunden, rang sich ein markerschütterndes Schluchzen au seiner gepreßten Brust. Das waren nicht Tränen des mers, nicht Tränen des Selbstbedauerns, sondern e Tränen der sehnsüchtigen, verzweifelnden Liebe. Mare U Anblick hatet ihm alle in Erinnerung gerufen, was erz verlieren im Begriffe stand: seine Liebe, sein Eheglück, ie über alles geschätzte, ungebundene Freiheit, ja selbst a Leben.„Marcelle, Marcelle!“ schrie er verzweifelt auf as Echo in der Grotte wiederholte diesen süßen Namen und Rohan fiel gebrochen auf sein Lager zurück.* Er blieb die ganze Nacht hindurch unbehelligt, aber er wußte nur zu gut, daß die Kathedrale von allen Seiten he wacht war. Er hätte sich übrigens in keinem Falle seinem Versteck gerührt, das ihm den sichersten Zufluß bot, auch wenn sein angeschwollener Fuß ihm keine Schmerzen bereitet hätte wie er sie jetzt empsand. d vor sich hinbrütend, ohne Licht zu machen, ruhte er stun lang auf seinem Lager. Er hörte, wie die Wildtauben Nester aufsuchten, sah, wie die Fledermäuse zur Grotte ein- und herausflatterten, fühlte, wie allerlei Getier seinen Körper kroch, aber er rührte sich nicht. Erst um ternacht, als der Mond mit seinen kalten Strahlen Kathedrale überflutete und die Flut sich gänzlich ver ah hatte erhob er sich schwerfällig, um Vorbereitungen 5 seine belagerte Feste zu treffen. Auf dem Boden der i lagen unzählige größere und kleinere losgelöste Felssihh diese schleppte er sorgfältig zur Oeffnung des„Trichseh um damit nötigenfalls seinen Feinden einen Denkzelte geben. Es war keine leichte Arbeit, denn manche der Sie waren so schwer, daß sie genügt hätten, um einen Ole das Lebenslicht auszublasen. Er gönnte sich erst Ruhe die Oeffnung ganz verbarrikadiert war; dann warf er fl erschöpst, mit blutenden Händen, auf seine Spreu und le sank in einen tiefen Schlaf, aus dem er spät am Moe durch lebhaftes Stimmengewirr erweckt wurde. schrocken sprang er auf und horchte: eine befehls haben Stimme rief ihn beim Namen. Bis zur Oeffnung 1 Ischwarzen Loches“ kriechend, von dem Steinhaufen tei geschützt, blickte er vorsichtig in die Tiefe und sah inen eine Menge uniformierter und bewaffneter Leute, die un stattlichen altlichen Herrn umringten, in welchem er n Bürgermeister von St. Gurlott erkannte.. (Garnebung folgt) . 2 2 — — f ö 8 — 1 n n 1 A 2 E 1 . r , , „ 2 3 — 2 Ants dem reichen Inhalt der von Prof. Kantorowic⸗ lt. ge banm nur einsges hier angedeutet werden. Als e Ideale der Menschen, Klassen und Völker lassen sich nicht wi lich als richti er falsch erweisen, sondern Feten n Gegensätzen der Weltanschauung. Das Zusammenleben ist — den e Durchsetzung derselben ohne Achtun 2 Rechten, rn ritterlicher Geistestanwf 3 el erüct. f. a 88 8 de dn ung Nusse N 776 N 1 5 Vim an do perstandenen Grundsätze des alten wie des pale Testa⸗ men e Liebe allein würde die Welt in ein Chaos Gerechtig⸗ 1 ber die Rassenfrage sagte r folgendes: Alle Völker . een sind aus niesen„Rassen“ gemischt, d. h. aus Gesamt⸗ bhuts verwandter Menschen, die eine eigentümliche Verbindung Eblicher Törperlücher Eigenschaften gemein haben. Das deutsche Boll n wie 10 5 We Aae n ene 3 oder 5 en: sogenannte 1 1 e„ schädli schmal⸗ gesichtig helläumig. hellfarbig, hellhaarig) ist derben nate selten ihnen vorhanden Die Juden sind weder eine Rasse, noch ein Teil einer eigenen Rasse, sie haben dieselben Rassebestanbteile wie 8 Deuischen. Zum Beispiel müssen die hellhaartgen Juden nordisches R. ste habem aber außerdem auch asiatische umd afrikanische im sich. Die deulschen Juden bilden einen deutschen echenfo wie die französischen Juden einen framzösischen i buen aber einen„Grenzstamm“, wie z B. die Alemanen, 1 Baden zum deutschen Volk, in Elsaß zum französischen Volk, g e zum eldgenässischen Volk gehören und gehören barrch gleiches Stammesbhewußtsein national zusammen⸗ Deeutscher Reichstag. 1 .. 8 2 1 Berlin, 14. April. 10 Der Reichstag beendete am Samstag die zweite 1 12 5 des Haushalts des Reichs verkehrsministeriums. Neichsminister Groener antwortete auf die erste Reihe der der Zen artei„Sein Vortrag war außerordentlich schwach. Er bildung kte den Eisenbahnern für ihre Aushalten am Rhein und an der 0 r und versprach, daß in der Fürsarge für die Opfer des Ab⸗ n. 3 5 möglich geschetzen solle. Es sei alle Aussicht ms: ö„ 5 90 d bezweisd das Jahr 1922 im Petrieb der Reichsbahn ohne Fehlbetrag hung unserts teßen. Die Ruhraktion habe das leider unmöglich ge⸗ r Wosellun Nach wie vor werde es aber das Beskreben der Reichsbahn besonders Im Sinne der Reichsverfassung mindestens die Selbstkosten schasten um Betriebes zu decken. Der Minister wandte sich dann ö ic die ver die Ueberempfindlichkeit in Bayern, wo gewisse Kreise bei olkes bes den Oebensäuße rung eines Reichsministeriums bösen Willen aller Bo 90 voraus setzen. sem Nach einem Zwischenspiel des deutschvöllischen Abg. Wulle, isch derrn Groener sehr zu Unrecht für einen verkappten Sozial⸗ sbürgerlichen zu halten scheint, hielt unser Genosse Breunig eine Lolke hen indlich in den Etat eindringende Rede. Er verlangte, daß die die aßewi Gang befindliche Modernisterung der Eisenbahn⸗Werkstätten in das Veh sesetzt werde. Die ebesehlsmäßige Entlassung von Arbeitern und Angestellten te iu kostspieligen Betriebsschwierigkeiten. Es müsse bei Ent⸗ mit großer Vorsicht operiert werden. Die Betriebs⸗ 3 Beamtenräte seien durch aus bemüht, das Unternehmen in die 0 n bringen. Die Merkmale der Personalpolttik müßten Ge⸗ g it, Klarheit, Ruhe und Stetigkeit sein. Das Geschrei vieler 4 et Politiker nach einem Tarifabbau set unehrlich. Die tlichkeit der Reichsbahn sei abhängig von der Preispolitik Schwerindustrie, die das Material ungemessen verteure. Man gegen die Preisdiktatur der Kartelle und Truste „Hinter dem Gezeter des deutschmationglen Redners über nalüberfluß verberge sich nur die Sehnsucht nach der Ab⸗ schaffung des Achtstundentages. Eingehend wies Genosse Breunig nach, daß in den Lohn⸗ und Gehaltsverhältusssen der Eisenbahn⸗ arbeiter und ⸗Angestellten vielfach Mißverhältnisse mit den Ein⸗ kommensummen in der vergleichbaren Industrie vorhanden seien. Auch müßten die Betriebs⸗ und Verkehrsbeamten im Außendienst anders eingestuft werden. Die Spannung zwischen den Lohn⸗ und unteren Gehaltsklassen und den höheren Gehältern sei höher als 970 in elner Zeit rechtfertigen könne, wo die breiten Schichten des Meichsbahnpersonals unter dem Existenzminimum arbeiteten. Ge⸗ nosse Breunig erklärte, der beste Dank an die Eisenbahner sei ge⸗ rechte Behandlung, ausreichende Besoldung und Respektierung ihrer berechtigten Wünsche. eee ee Die Ausfprache setzte sich dann noch bis in die späten Abend⸗ i, ja felbs. erzweifelt abb süßen Neasses. belebt, mem sed beöhaftigke eh aber meist mit technischen Neben⸗ U alen 170 N Unter den vom Reichstag angenommenen Entschließungen be⸗ einem d 1 findet sich eine, die diegieichsregierung ersucht, die Freifahrt fürͤKin⸗ ersten gufluke der bis zum 6, Lebensjahre, die Kinderfahrkarten vom 10. bis 12. ihm leine 0 Lebensjahre auszudehnen und. t 5 110 er Staditheater Gießen. Aiden. Deer küpne Schwimmer. Schwank un diktem von Franz Arnold b zur Gale Emst Bach. Spielleitung: Oskar Feigel. a eee, e gegen Fiege latter dice din dun mode ae. gerlei 1 kicks in geschickter Weise zur lustigsten Situationskomik zusammen⸗ cht. Ert un ellt, wurden durch flotteste Spielleitung noch wirkungsvoller ge⸗ ten Stolle, altet und durch die diesmal besonders gute, weil kaum übertriebene nlich belle ber unübertreffbare Mimik Rudolf Golls, der als„kühner 0 unge, 1 mmer“ in dem Lachtränenmeer der Bühne und der Zuschauer arenen 77 mm, als„Schwank“, wie die Autoren das Stückchen richtiger⸗ Soden 0 0 d bescheidenerweise bezeichnen, durchaus genießbar gemacht. oggelöste 0% Ein 50 jähriger Witwer, natürlich reich, mit einer toiährgen des„Ain perliebte sich am Starnberger See, wo er zur 90 0 Defliele, in ein schönes, blutjunges, natürlich gleichfalls reich u, inen. der e. ebendort mit seiner Mutter weilte und zur n Er⸗ manhe de* weit in den See hinausschwamm. Am Sfeande aber lag, m. einen. Sonnenbäder nehmend gemütlich,„Otto Hüberlein“, Bürger einen 1 erst fe größeren, natllrlich preußsschen Provinzstadt, und verfolgte mit dem ch 91 K echer die Künste seiner Angebeteten. Eines Tages sseht er diese dann 0 10. mit den Wellen ringen und hört sie(jedenfalls auch e Spreu durch den e denn sie war gur weft vom Land eusfernt!) ät a aum Hife rufen. Als leidenschaftlicher Nichtschwimmer und Rheuma⸗ 0 ub“ tiker ist es ihm unmöglich selbst hinguszuschwimmen, der Zufall führt ihm, der verzweifelt Nettung bunschen(„aver Kraxentrager“— man„de „ der sich so vortrefflich zu„Versprechungen“ eignet!) zu, der gegen einen braunen 5 stürgzt und ihm die Verunglü 50 5 Aus f 1 7 t hre nd Dankbarkelt erklärte sie, aus ihrer Ohnmacht ermachend, 11 b Heryr e sie für ihren Lebensretter hält, daß sie setzt ul en Weben erhöre und feine Braut sei. Der lustige Fünsaiger 971— sucht, einen bayerischen Bamern⸗ ö beachte den„komischen“ Lappen(damals 1000 Mk.) sosort in die ckte ohnmächtig in den Schoß legt. Gießen und umgebung. Ergänzung des Reich ssiedlungsgesetzes. Einleitung eines Volksbegehrens. Zum ersten Mal soll von Artikel 73 der Reichsver⸗ fassung Gebrauch gemacht werden, der bestimmt, daß„ein Volksentscheid herbeizuführen ist, wenn ein Zehntel der Stimmberechtigten das Begehren nach Vorlegung eines Ge⸗ setzentwurfes stellt.“ Dem Volksbegehren muß nach dem⸗ selben Artikel ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf zugrunde liegen. Erklärt sich ein Zehntel der Stimmberechtigten für diesen Gesetzentwurf, so ist er von der Regierung unter Darlegung ihrer Stellungnahme(ob dafür oder dagegen) dem Reichstag zu unterbreiten. Nimmt dieser den Entwurf unverändert an, so wird er ohne weiteres Gesetz, lehnt er ihn ab, so erfolgt Volks entscheid, d. h. Abstimmung der Wähler. Wie im einzelnen beim Volksbegehren und Volks- entscheid zu verfahren ist, ist durch besonderes Reichsgesetz vom 27. Juni 1922 sowie durch die Reichsabstimmungsord⸗ nung vom 1. Dezember 1921 geregelt. Der Antrag, das Eintragungsverfahren über das Volksbegehren zu eröffnen, ist gestellt von dem Vorsitzenden des Vereins hessischer Landbewerber, Justizobersekretär Walther in Büdingen, und Weinbergbesitzer Hoeft in Gr.⸗Ammensleben für die Siedlungsvereinigungen. Der von den Antragstellern gleichzeitig eingereichte Ge⸗ setzentwurf bezweckt eine Abänderung des Reichssiedlungsgesetzes, die es ermöglichen soll, daß Grundstücke in weit größerem Umfang vom Großgrundbesitz abgetrennt und den Landbewerbern zuge⸗ teilt werden, als es nach den Bestimmungen des Reichssied⸗ lungsgesetzes zurzeit zulässig. Wie bekannt, liegt die Grenze, bei welcher Grundbesitz gegen Entscheidung enteignet werden kann, bei 400 Morgen. Berücksichtigt man die süd⸗ und westdeutschen Verhältnisse und im besonderen die von Hessen so war es von vornherein klar, daß der zur Ab⸗ tretung bezw. Enteignung zugelassene Grundbesitz auch nicht im entferntesten zur Befriedigung des Landhungers hin⸗ reichte, daß also die Siedlungsgesetzgebung ihren Haupt⸗ zweck erfehlt hatte. Ein weiterer Fehler war der, daß bei Enteignung eine„angemessene Entschädigung“ zu zahlen ist, was bei den heutigen Verhältnissen eine gewaltige Ver⸗ teuerung des zugeteilten Landes zur Folge hat. Diesen beiden Uebeln will der von den Antragstellern vorgelegte Gesetzentwurt abhelfen, und zwar, wie gleich ge⸗ sagt werden kann, in radikalster Weise. Wir haben ihn in unserer Nr 83 vom 12. April zum Abdruck gebracht. Da dieser Entwurf die gleichzeitige Unterschrift von mehr als 500 Stimmberechtigten gefunden hatte, so wurde vom Reichsministerium des Innern das sogenannte„Ein⸗ tragungsverfahren“ zugelassen, d. h. der A b st im mung durch die Wählerschaft unterworfen. Als Frist ist für diese Abstimmung, wie kürzlich bereits mitgeteilt, die Zeit vom 18. April bis 1. Mai fest⸗ gesetzt worden. Zum Abstimmungsleiter für Hessen ist vom Staats- ministerium Ministerjalrat Bornemann bestellt. Nach Bekanntmachung des Kreisamts Gießen sind die Stimmbezirke für die Landgemeinden dieselben wie bei der letzten Reichstagswahl. Die Bildung der Stimmbezirke für die Stadt Gießen bleibt dem Oberbürgermeister überlassen. Es wird nicht mit Stiimzetteln abgestimmt, sondern die Wahlberechtigten, die für den Gesetzentwurf stimmen wollen, tragen ihren Namen in vorgedruckte, von den An⸗ tragstellern gelieferte Listen ein. i Tag und Tagesstunden, an denen die Ein⸗ 'tragungen in diese Listen stattfinden, werden durch die Ge⸗ meindebehörden in ortsüblicher Weise bekanntge⸗ geben werden. 0 Wir behalten uns vor, auf Inhalt und Bedeutung des Gesetzentwurfs demnächst näher einzugehen, lenken aber schon heute die Ausmerksamkeit vn serer Leser, besonders auf dem Lande auf den Entwurf und die bevorstehende Abstimmung. — Rückgang des Fleischsverbrauchs. Vor einiger Zeit wiesen wir an der Zahl der Schlach⸗ tungen im Gießener Schlachthof nach, wie stark der Rück⸗ gang des Fleischverbrauches in unserer Stadt sein muß. Ein Gleiches stellt die Statistik iber den Verbrauch im ganzen Reiche fest. Im Bereich der neuen Reichsgrenzen kamen noch dem Schlachtgewicht der beschaupflichtigen Schlachtungen *— e eee e Nee eee, p eee schwummt— in eitel Lust und Wonne und wagt nicht, durch Auf⸗ klärung des wahren Sachverhaltes sein unerwartetes Glück von sich zu sto ßen. Den Tag vor der Hochzeit und den Hochzeitstag selhst zeigen uns die Schwankdichter m auf den Brettern. Wie der„kühne Schwim⸗ mer“ im Zimmer schwimmen lernt, wie er sich zur Trauung putzt, wie er die Rettungsmedaille erhält, wie er schließlich entlarvt wird, das muß mam gefohen haben, in all seiner Tollheit und Torheit. Nudolf Golls haben wir schon gedacht, ebenso Oskar Feigels Spielleitung. Der letztere messterte auch den„aver Kraxentrager“ in löstlicher Urwüchfigkeit und bestem bayerischem Dialekt. Gisa [Iven gab des„klihnen Schwimmers“ Töchterlein natürlich und ansprechend. Luise Schubert⸗Jüngling war eine flotte und leber wandte lustige Witwe, Karla Keller, deren dankbares und liebreigendes Kind des„kühnen Schwimmers“ Braut. Hans Fro m⸗ mann stellte wie immer einen ganz besonders schneidigen Kavalier tar(„Ingenieur Fritz Neubauer), Richard Hellborn wirkte durch lobenswerte Natsirlichkeit und Einsgchheit in den drastischsten Situgtionen lebenswahr. Paul Schuberts gewaltige Stumme sproch aus dem tadelfrei gespfelten„Baumeister Eggebrecht“: und Karl Vol ck den„Professor Wernicke“ ausgezeichnet mimte, wird d bezweifeln wollen; solche Rollen sind ihm„auf den Leib ehen.“ Hermann Stichel war köstlich als„Lohndiener Kräh⸗ hahn(J)“ Heinz Bechstein ein waschechter“„Bademeister Hum⸗ mel“, Luise Rammel als„Wirtschafterin“ und Else Engel als niedliches„Stubemnädchen“ des„kühnen Schwimmers“, trugen er⸗ heblich zu dem abgerundeten Spiel bei. Ein harmlos Austiger, frohes Lachen erzeugender Abend. Zum Ausklang der Spiel zeit durchaus am Platze. Der„kühne Schwimmer“ wird immer vor vollen Häusern Klünste zeigen; wir gratulieren der Theaterkasse!— seine LA. im Jahre 1913 in den Verbrauch 23 878 871 Doppelzentner, dagegen im Jahre 1922 nur 13 760 807 Doppelzentner. Gegenüber dem Jahre 1913 e t sich somit im Jahre 1922 insgesamt ein Ausfall von 10 109 064 Doppelzentner oder 42 v. H. der Fleischmengen, die in der Vorkriegs ⸗ zeit zur Verfügung standen. Der Gesamtfleisch⸗ verbrauch aus Einfuhrüberschuß, beschaupflichtigen und anderen Schlachtungen betrug in Preußen auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1921 nur noch 33,1 Kilogramm gegen 490 Kilogramm im Jahre 1913 und weist damit eine Ah ⸗ nahme um 159 Kilogramm oder 22,5 v. H. auf. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Anteil des Fleischverbrauchs auf dem Lande gegen die Zeit vor dem Kriege wesentlich gestiegen ist. In den Städten mit überwiegend Arbeiter bevölkerung dürfte demnach der Fleischverbrauch auf weniger als die Hälfte gesunken sein. 1 22 Auch der Verbrauch an Mehl ist wesentlich zurückge⸗ gangen. Vor dem Kriege standen an Brotgetreide 10,3 Millionen Tonnen Roggen und etwa 6,5 Millionen Tonnen Weizen und Spelz zur Verfügung. Im Jahre 1921 aber waren nur 6,3 Millionen Tonnen Roggen und 4,8 Mil⸗ lionen Tonnen Weizen und Spelz nach den statistischen Er⸗ mittelungen verfügbar. Das deutsche Volk verbrauchte also 27 b. H., über ein Viertel weniger als in 1913/14, des wich ⸗ tigsten Nahrungsmittels, des Brotes. Noch ungünstiger ist das Bild bei Kartoffeln, deren Verbrauch von 1913 auf 192½2 sogar um 51 v. H. zurückgegangen ist. 5 Die Folge dieser Verarmung ist, daß das deutsche Volk selbst einfache Genußmittel kaum noch kaufen kann. So ist der Verbrauch an Koffee, an Bier und ähnlichen Genuß ⸗ mitteln ganz erheblich gesunken. Und gerade jetzt öffnet man die Bahn dem freien Brotwucher, der die Preise noch erheblich höher treiben wird, so daß sich die Möglichkeit ausreichender Ernährung noch weiter vermindert. So treibt die kapitalistische Wirt⸗ schaft immer deutlicher und schärfer zur Verelendung der Masse des schaffenden Volkes. Es ist höchste Zeit, daß sich die Arbeiterklasse in einem einzigen Willen gur Durchsetzung des Sozialismus eint! Zur Nichterhebung der Napitalertragssteuer. Bekanntmachung Vom Finanzamt Gießen wird uns zu der N im Inseratenteil der heutigen Nummer geschrieben: 5 „Der zunchmenden Geldentwertung ist das Aufkommen an Kapitalertragsteuer gegenüber dem der sonstigen direkten Steuern nicht gefolgt. Auch besindet sich das Kapftaldermögen. i sondere festverzinsliche Wertpapiere zum großen Teil in Händen leistungsschwacher Kreise denen die Kapftalertragsteuer größten⸗ teils wieder erstattet werden mußte. Das sehr verwickelte Ber⸗ fahren erforderte einen Aufwand an Zeit und Arbeitskräften der nuit der Zeit außer Verhälmis zu dem Ertrag der Steuer siand. Das Geldentwertungsgesen hat daher von der einstweiligen Er⸗ hebung der Kapftalertransteuer Abstand genommen. Anträge auf Erstattung nach§ 44 des Eink.⸗St.⸗G. tun⸗ lichst noch vor dem 1. Juni l. J. beim Finanzamt zu stellen. Die im März 1920 zugleich mit der und der Körperschaftssteuer eingeführt Die Kapitalertraasteuer ist. Reichseinkommensteuer worden. Sie beruhte wie wir dazu noch bemerken wollen auf de damals richtigen Erwägung daß das Einkommen aus Kapitalver⸗ mögen als fundsertes Einkommen vorausbelastet werden könn ö Infolge der Entwickelung der wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschland ist die Bedeutung des Kapitaldinkommens hinter dem sonstigen Einkommen immer mehr zurückgetreten. Das zeigt 22 Statiftik. Das zeigt auch das Aufkommen an Kapftalertrag⸗ sseuern das im Gegensatz zu den sonstigen direkten Steuern der Geldentwertung nicht defolat ist. Zudem befindet sich das Kauital⸗ vermögen, insbesondere festverzinsliche Wertpapiere, zum großen Teil in Händen leistungsschwacher Kreise, denen die Kapitalertrag⸗ steuer zum Teil gang erstattet zum Teil auf die Einkommen⸗ steuer angerechnet werden mußte. Die Grenzen, bis zu denen die Erstatung und die Aurechnung zuläfsig waren, mußte naturgemäß immer weiter gezogen werden. Das Gesetz ist aber nicht formell aufgehoben. Der Reschsminister der Finanzen ist vielmehr er⸗ mächtigt, es mit Zustimmung des Reschsrats wieder in Kraft zu setzen, sobald die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten. Nach dem Geldentwertungsgesetz vom 20. März 1923 wird von den Be⸗ trägen aus Kapitalvermögen, die nach dem 3. April 1923 fällig werden die Kapitelertragsteuer bis auf wefteres nicht erhoben. Die Aprilzinsen sind also noch kapitalertragsteuerpflichkig. Bei den Dividenden bleibt die zehnprozentige Vorausbelastung voll be⸗ stehen. Im Interesse der Vereinfachung des Steuerapparates wer⸗ den diese 10 Prozent aber nicht mehr als selbständige Kapital⸗ ertragsteuer erhoben. Während der Dauer der Nichterhebung der Kapitalertragsteuer erhöht sich nach dem borermähnten Gesetz bei den Erwerbsgesellschaften die nach dem Körperschastssteuergesetz auf die verteilten Gewinnanteise zu entrichtende Steuer um zehn Prozent,. Sie beträgt somjt bat den nach dem 3. April 1929 fällig werdenden Dividenden usw nicht mehr 15, sondern 25 Prozent. Diese Eskhung qült jedoch nicht ür G m b., die nach dem S 3 9955 des Rapitalertragsteuergesetzes von der Kapitalertrag⸗ sre't sino.. — Ueber das Verderben von Lebensmitteln und beren richtige Aufbewahrung im Haushalte gibt das Frankfurter Stadtgesund⸗ heitsamt folgende beachtenswerte Winke: Das Verderben von Lebensmitteln kann 155 viele Ursachen haben, nämlich Einwirkung von Luft, Licht, Wasserdampf oder Wasser, Wachtum von Bakterien oder Schimmelpilzen, Entwicklung tierischer Parasiten, wie Milben, Larven, Käfer und anderes mehr. Die richtige wee er⸗ einzelnen Lebensmittel muß deshalb darauf bedach sein diese derbursachen so viel wie möglich auszuschließen. Me le werden gern von tierischen Parasiten, wie Milben, kleinen Spinnentieren, die etwa ein Millimeter groß werden, von Larven, den Würmern der Mehlmotte oder des Mehlkäfers, befallen. Alle diese tierischen Lebewesen lieben Licht und Luft nicht. Daraus ergibt sich, daß man Mehle nicht dunkel, sondern in hellen und luftigen Räumen aufheben soll. Mehle werden bei ungeeigneter Lagerung häuftg bitter oder mufftg. Das rührt von gewissen Umsetzungen her, welche besonders schnell verlaufen, wenn die Mehle feucht sind der warm gelagert werden. Die Aufbewahrungsräume für Mehle sollen also ferner trocken und nicht zu warm sein. Butter und Margarine enthalten etwa 16 bis 18 Prozent Wasser. Dadurch sind die meistens erheblich kürzere Zeit haltbar als andere Jette, wie Schmalz, Kokosfett, Rindersett, die nicht wasserhaltig sind, Auch bei den Fetten bewirkt Wärme schnelle Zersetzung Die AKufbewahrungsräume sollen deshalb kühl sein. Im Gegensatz zu den Mehlen sollen sie aber dunkel gehalten werden, denn das Licht hat ebenfalls auf Fette einen zersetzenden Einfluß. Steht eine Butter z. B. nur 1 bis 2 Stunden im Sonnenlicht, so hat sie einen vollkommen talgigen Geschmack angenommen. Auch das ge⸗ wöhnliche Tageslicht bewirkt schon ähnliche Zersetzungen, wenn es längere Zeit einwirkt. Frisches Fleisch und Wurst lasse man nicht längere Zeit in Papier liegen, sondern packe sie gleich aus. Die Fäuluiserreger wachsen nämlich unter Bildung einer schmierigen Schicht umsomehr, je weniger Luft ihnen geboten wird. Efsig hebe man nicht verdiinnt auf, sondern nur in unverdsinntem Zustande. In verdünntem Essig bilden sich nämlich leicht kleine Würmer, die Essigälchen, aus, welche das Gennsanittel verderben und ekelhaft machen können. — Die Tragödie des armen Mädchens. Unter dieser Ueber⸗ schrift behandelten wir vor etwa 5 Wochen den hier in Gießen vor dem Schwurgericht verhandelten Fall gegen ein Dienstmädchen aus Schweickartshausen, das sich wegen Kindestötung zu verantworten hatte und verurteilt wurde. Die Angeklagte behauptete glaubhaft, ß ihr Dienstherr, der Bauer Reutzel, der Vater des getöteten des sei. Dieser, der übrigens vorher auch wegen Beihilfe in Untersuchung gezogen worden war, hatte das Mädchen in skan⸗ dalöser Weise behandelt. Nach dessen Angabe sollte er es zur Tötung des Kindes verleitet haben.— Dieser Tage erhielten wir nun eine Zuschrift von einer Apothekenbesitzerin in Recklinghausen, Der unser Artikel zur Kenntnis gekommen ist, in welcher sich die Dame erbietet, das Mädchen zu unterstützen und eventl. später aufzunehmen und wir werden um nähere Angaben ersucht. Das edle, menschenfreundliche Vorhaben der Dame verdient gewiß die hö Anerkennung; wir halten es selbstverständlich für unsere „dazu beizutragen, daß dem unglücklichen Mädchen geholfen wuerde. — Sonntagsruhe im Friseurgewerbe. Die Barbier⸗ und iseurgeschäfte haben jetzt völlige Sonntags ruhe eingeführt, nur Oster⸗, Pfingst⸗ und Weihnachtstage darf gearbeitet werden. ese vom Kreisamt erlassene Anordnung ist auf Antrag von mehr zwel Dritteln der beteiligten Gewerbetreibenden erlassen n. — Sonderausgabe von Brot. Diese Woche werden auf die sarke 1 der Brotkarte 1900 Gramm Brot oder die ent⸗ Mehlmenge ausgegeben.— Auf die im gestrigen Blatte ent Bekanntmachung wird aufmerksam gemacht. — Großen⸗Buseck. Der einige Zeit vermißte aber wieder rvückgekehrte Ballh. Schmidt von Großen⸗Buseck ist am Freitag plötzlich gestorben. Die Todesursache konnte noch nicht aufge⸗ kürt werden, die Angehörigen vermuten Gelbsucht. Schmidt war Lage rhalter beim Landwirtschaftlichen Konsumverein. .. Nieder⸗Bessingen. Ein starkes Stückchen. Am Sonntag, den 8. April war hier seit langer Zeit wieder einmal Sesegottesdienst. Er wurde von unserem Organisten, Herrn Lehrer Graulich abgehalten. Zwischen Predigt und Schlußlied habe er, wie er sagte, den wenigen Kirchenbesuchern ein paar Worte mitzu⸗ teilen. Er führte dann ungefähr aus: Der alte Gemeinderat hatte mir im November des vergangenen Jahres für das Orgelspielen N halben Werte meines Friedensgehaltes zugesprochen. wollte also für die Hälfte des Friedenspreises die Orgel spielen und die kirchlichen Lieder auch zu Weihnachten efnüben. Der neue inderat hat mir das Holz gestrichen. Wenn die Sache diese ö„d. h. im Laufe derselben, nicht geregelt wird, steht die Orgel bis Sonntag still.— Bemerkt muß dabei werden, daß für Sonn⸗ tag, 15. April, hier Konftrmation angesetzt war. Also es war bamtt Streik angekündigt.— Der Erfolg der Sache: Am 10. April war Gemeinderatssitzung. Erster Punkt: Organistenbesoldung. Als es zur Neuabstimmung gehen sollte, verließen drei unserer Genossen zum Protest die Sitzung. Der letzte Gemeinderat wurde dann durch den Polizeidiener geholt und so war man beschlußfähig, der Anzahl nach. Man sprach das Holz erneut 15 Unserer Ansicht nach ist dieser Beschluß nicht rechtskräftig, weil der Schwager des Graulich mitstimmte, bezw. zur Beschlußfähigkeit verhalf, weil dann ein anderer Gemeinderat früher erklärte: Er könne nicht gegen Graulich stimmen, da ihm derfelbe im Kriege viel Gefälligkeit er⸗ aptesen habe.(Der Mann brauchte damals nicht zu den Preußen.) 8 nun weiter geschieht, mag die Zeit lehren. Vielleicht hört man bald Antwort auf unsere diesbezügliche Eingabe an das Kreisamt Gießen.(Anm. d. Redakt. Eigentlich ift die Bezahlung des Or⸗ ganisten 91 der Kirche, nicht der politischen Gemeinde, es sei enn, daß diese durch frühere Verträge diese Leistungen über⸗ nommen hat. Im Uebrigen wird man dem Lehrer das Recht nicht nenen können, für seine Arbeit angemessene Entschädigung zu sangen. Kreis Friedberg⸗ Büdingen. Butzbach. Innerhalb des Butzbacher Gemeinderats besteht ein stärkerer Gegensatz zwischen Soztaldemokratie und den gnern als anderwärts. Woran es liegt, ist leicht zu sagen: Hier findet sich unter den Geistesgrößen der deutschnationale Professor Dr. Ferdinand Werner, der gern alles nach seinem Gutdünken er⸗ lebdigt wissen will. So ist es in diesem Jahre seit dem Zusammen⸗ tritt des neuen Gemeinderats noch in keiner einzigen Sitzung sach⸗ lich und ruhig zuggangen. Unsere Parteigenossen nmußten auch schon einen Streik in den Ausschüssen durchführen, um auf Grund ihrer Stärke dort mitarbeiten zu können, nachdem zuerst die Bürger⸗ lichen es ablehnten, uns auf Grund unseres Stärkeverhältnisses Sitze und Stimmen in den Ausschüssen zu gewähren. Nun dieser Kumpf beendet ist, suchen sie auf andere Art uns Knsippel zwischen die Beine zu werfen. So ist es in letzter Zeit vorgekommen, daß ste zweimal hintereinander den Sitzungssaal verließen und auf folche Art die Beschlußfassung über Punkte der Tagesordnung ver⸗ hinderten, die ihnen nicht paßten. In der letzten Sitzung aus denn Grunde, weil der Antrag„Austritt der Stadt aus dem Marburger Verband“ auf der Tagesordnung stand, wobei die Löhne der städtischen Arbeiter kritisch uner die Lupe genommen wurden. Als darauf von Seiten der betreffenden Arbeiter einige Zwischen⸗ rufe aus dem Zuhörerraum gemacht wurden, verbaten es sich die Bürgerlichen, und als dennoch nochmals Zwischenrufe erfolgten, verließen sie wieder demonstrativ den Saal. Nun ist es ja falsch, immerfort durch Zwischenrufe eine geregelte Beratung unmöglich au machen, aber wenn sich die Herren so fehr darüber aufvegen, so müssen sie auch weglaufen, wenn aus ihren Anhängerkreisen da⸗ wir wetten zehn gegen eins, das haben die Bilrgerlichen nicht ge⸗ hört. Am stärksten aber muß man sich darüber wundern, daß der von den Beamten und Angestellten gewählte Vertreter, der ja be⸗ kanntlich unpolitisch gewählt ist, mit wegläuft. Ueberhaupt ist dieser Vertreter so rechts gerichtet, daß er sogar gegen den damals von unserer Fraktion eingebrachten Antrag auf Rationierung des Brennholzes stimmte, worüber sich ja seine eigenen Wähler nicht mit einverstanden erklären konnten. Mit diesem Weglaufen hat man auch diesmal wieder den Antrag eines Arbeiters um Ge⸗ währung eines Bauplatzes sowie Bauzuschusses verhindert, so daß der betr. Arbeiter vielleicht dadurch Hunderttausende von Mark mehr aufwenden muß. Aber das ist die bürgerliche Moral; alles für sich, für andere nichts. Kleine Nachrichten. Bestrafte Mogelei bei Verrechnung von Zeugengebühren. Aus Limburg berichtet der Nass. Bote: Das Limburger Schöffen⸗ gericht verhängte jünast eine empfindliche Strafe gegen einen Zeu⸗ gen, der gegenüber einem Obersekretär des Landgerichts bei Er⸗ hebung der Zeugengebühren angab, 3. Klasse gefahren zu sein, wäh⸗ rend er sin Wirklichkeit die 4. Wagenklasse benutzt hatte. Der Ange⸗ klagte, ein begüterter Mann von auswärts, ist geständig. Der Amts⸗ anwalt beantragte eine Geldstrafe von 50 000 Mark. Das Gericht ging über diesen Antrag hinaus und erkannte auf eine Geldstrafe von„100 000 Mark“. Der Angeklagte, der den Justizfiskus un „380 Mark“ betrogen hatte, erklärte auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die Strafe annehmen wollte:„Ich bitte die Sache gleich be⸗ zahlen zu dürfen“, was allgemeines Erstaunen und zugleich Heiter⸗ keit hervorrief.— Wenn der Mann bei seinen sonstigen Geschäften immer so seinen Vorteil wahrzunehmen weiß, ist es ja kein Wunder, wenn er über reichliche Barmittel verfügt! Im Bade verbrüht. Aus Mannheim wird ber Fr. tg. fol⸗ gender Unfall berichtet, den man kaum für möglich halten sollte. Im dortigen Krankenhause war einem 20jährigen Dienstmädchen ein Sitzb nd verordnet worden. Die mit der Verabreichung des Bades betraute Krankenschwester öffnete den Wasserhahn, während die Patientin in der Wanne fsaß, entfernte sich dann und vergaß nach⸗ zusehen. Die Patientin, eime starke Person, hätte, als die Temperatur bedrohlich wurde, sich erheben können; sie glaubte aber, es müsse so sein, imd erlitt derartige Verbrühungen, daß sie daran starb. Gegen die Kramkenschwester ist ein gerichtliches Verfahren eingeleitet Zum Tode verurteilt. Wegen Raubmords verurteilte das Volks⸗ gericht Mlinchen II den zwanzigjährigen Kaufmann Erich Imen⸗ ö aus Dlisseldorf zum Tode, den 22jährigen Angestellten Julius Kaske, ebenfalls aus Düsseldorf, wegen Verbrechens des bsonders schweren Raubes zu lebenslänglicher Zuchthusstrafe. Die beiden hatten am 26. Februar v. N. den 27 Jahre alten Kaufmann Reinhold Daum von Marienberg bei einem Ausflug von Garmisch nach Mittenwald mit Prügeln totgeschlagen und beraubt. Bankräuber. In dem Bankgeschäft Sternfeld und Tiefenthal in Köln überftelen am Donnerstag zwei Leute die Geschäftsinhaber, müt denen sie sich vorher etwa eine halbe Stunde unterhalten hatten, plötzlich mit Browningpistolen und zwangen sie, den Geldschrank zu öffnen. Während einer der Täter mit der Pistole die Bankinhaber im Schach hielt, durchschnitt der andere die Telephonleitung und durchwühlte den Geldschrank. Den Tätern fielen etwa fünf ⸗ zehn Millionen Mark und eine Brieftasche mit 52 000 Mark in die Hände. Nachdem sich einer der Täter mit dem geraubten Gelde entfernt hatte, folgte ihm der andere mach einigen Mirutten. Beide sind unerkannt entkommen. a Die Güter des Reichspräsidenten. 1 Emem Genossen erzählte der Bahnhofswirt in Vollratsruhe von dem„Grumdbesitz des Reichspräsidenten“. Da unser Genosse diese Erzählung als Fabel bezeichnete, ohne daß der Widerpart sich hätte fiberzeugen lassen, machte man schließlich eine Wette um 10 000 Mark. Unfer Genosse war sich seiner Sache ja sicher und schrieb also an den Reichspräsidenten. Von dort kam denn auch alsbald folgende „Im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten bestätige ich er⸗ gebenst den Eingang Ihrer geehrten Anfrage vom 16. ds. Mts. Alle Behauptungen und Gerüchte über angeblichen Grundͤbesitz des Herrn Reichspräsidenten gehören, wie bereits mehrfach fest⸗ gestellt, in das Reich der Fabel. Der Herr Reichspräsident ist weder unmittelbarer noch mittelbarer Besitzer von Grundstücken oder Glitern. Der Herr Reichspräsident ermächtigt Sie, von vorstehender Feststellung Gebrauch zu machen - Im Auftrage: Dr. Doetzel.“ Als dies Schreiben vorlag, gabs bei der Gegenpartei lange Gesichter, vor allem deshalb, weil es jetzt hieß: zahlen. Und das schmerzt. Unser Genosse stiftete einen erheblichen Teil für den Pressesonds und wartet nun darauf, ob nicht wieder mal jemand — der„Güter“ des Reichspräsidenten eine kleine Wette machen Neuerdings wird ja auch vom evangelischen Sonntagsblättchen behauptet, Fritz Ebert sei mit seiner ganzen Familie zum katholischen Glauben übergetreten. Vielleicht macht auch darauf einmal einer Parteinachrichten. Die Mainzer Volkszeitung. er Parteiblatt, das mehrere Wochen lang von den Frangosen ey 1 war, ist am Samstag zum ersten Male wieder erschienen. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegn Schlichtungsausschuß der Provinz Oberh in Sießen. Sitzung vom 17 4 Den Angestelltengewer aften 1 beitgebervereinigungen des Gießener Ei schlug der Schlichtungsausschuß durch Schiedsfpruch vor, für Marz die Tarifgehaltssätze und Lehrlingsvergütungen um 10 zent zu erhöhen, die Zulagen der verheirateten und alleinstehe Angestellten aber mit den Februarsätzen bestehen zu lassen. Monatsgehalt des Angestellten über 28 Jahren der unteresten 5 ohne Zul kommt hiernach auf Mk. 201 300.—. Die Nheinische referent enn ee ca soll in ihren Baugebieten Alsfeld und Lauterbach 1 3 23 an den Stundenlohn der Monteure über 24 Jahren von hältnis erhöhen, die Auslösung der Verheirateten von Mk. 1400— 1125.— airf Mk. 1300.— und die übrigen Löhne in demselben je Kalendertag auf Mk. 1600.— und die der Ledigen von 1050.— auf Mk. 1200.—. g. Arbeiter der Fabrik landwirtschaflicher Ma en A stein in Lich erhoben Einspruch gegen Arbeit Einhaltung der Ankündigungsfrist gemäß 8 12 1 ordnung vom 12. 2 1920 eingeführt worden war. Schlich tungsausschuß erklärte, daß die Lohnklürzun bei den Arbetten die nicht mit der sofortigen Kürzung einverstunden waren, en vom Ablauf der Ankündigungsfrist im Sinne der genannten stimgung menge ist. n en 3 Sachen erhielten die Streitteile Erklärung ad abi eines Arbeiters der Eisenstein Luse und Ilsdorf bei Weickartshain nach§ 84 des 5 setzes gab der Schlichtungsaus schuß nicht statt. Sitzung vom 13. April. 4 n 2 Antragssachen gegen die Baugeschäfte Fischer in Buber, 5 Bezirk Mali, und Stamm in Bad⸗Nauheim erklärte zu Schlichtungsausschuß, daß vor der Entlasfung der Arbeitnehmer de Versuch der Arbeitsstreckung hätte semacht werden follen und 0 Antragsteller wieder einzustellen seien. Es wurde— daß es sich in diesen Fällen nicht um Erledigung von Dam handelt, die einem drin Wohnbedürfnis hätten abhesse sollen, sodaß Arbeitsstreckung zulässtg und zumutbar erschien. In Sachen des Verkehrsbundes gegen die Verein der Gießener Kohlenhändglfer schlug der 8 ausschuß als Vergleich für die in der Lohnregelung url bltebene Gruppo der Arbeitnehmer mit Wirkung vom 26. 8. einen Juschlag von 10 Prozent vor, der auch für die Arrords Genucdei l. e,, age der debe mit Wirkung 0 19. 3. 23 mit Mk. 1390.— in Vorschlag gebracht. f ohn Ful! den Arbeitgeberverband für die Kreise Als feld 0 ee e Schlitz, wu ch die durch Vereingen 5 vom 27. 2. 23 festgelegten 2 und e ee 1. N 15 4% wee eure nere weten Ea arne n weitere Sachen wurhen bunch Werstüntseme erlebe Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen Nr. 20 vom 13. April enthält: Kreistagswahlen.— 9 verdienst land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter.— Ortslohn. Festsetzung ber Getreidepreise für das fechste Sechstel der 1 ernte 1922.— Erhebung der Kurtare und der Budegelder zu daß Frilhjahrhsversammlung der Fleischbeschauer g Sonntags ruhe im ö in der Stadt Gießen.— Schafräude in Eberstadt.— nigung der Straßen und Bürgersteige und die des mülls in der Stadt Gießen. Versammlungskalender. 5 Gießen. Frauengruppe der Verein Soz. Parke Donnerstag, den 19. April, abends 8 ½ Uhr Frauen versamm lung mit Vortrag des Genossen Rechtsanwalts Homberger hen „Frauen als Schöffen und Geschworene“ und sonstiger wichtsge“ Tagesordnung. Erscheinen aller Genossinnen wird erwartet. ö Dollarstand unverändert: 21 150 Mk. f . 7 wischen gerufen wird, was bei einem vorher erledigten Punkte eine Wette. on seiten eines MWeißbindermeisters und Architekten geschah. Aber 5 Sehürdliche Bekaunkmachungen! Bekanntmachung. g Zucker⸗Ausgabe für Austalten usw. Der März⸗Zucker wird in der Zeit vom 14. bis 21. April 1923 durch die Firma Import- und Handels- gesellschaft Benner, Krumm und Sauer, Bleichstraße 4, aus 5 ur Ausgabe gelangt nur Grießraffinade zum Preis don Mk. 1300.— für das Pfund. 0 15 Gießen, den 13. April 1923. Der Oberbürgermeister(Lebens mittelamt). Bekanntmachung. Nach Artikel 1 8 6 des Gesetzes über die Berlck⸗ 20 as der Geldentwertung in den Steuergesetzen vom 20. März 1953(Reichs gesetzblatt 1 Seite 198) wird von den Erträgen aus Kapitalvermögen, die nach dem 3. Kpril 1923 fällig werden, die Kapitalertragsteuer bis auf weiteres nicht erhoben. Die Aprilzinsen sind noch kapitalertragsteuerpflichtig, insbesondere wid also der Aprilkupon noch gekürzt. Während der Dauer der Nichterhebung der Kapital⸗ ertragsteuer erhöht sich nach Artikel 1 8 2 des Gesetzes bei den Erwerbsgesellschaften die nach§ 11 Abs. 2 des Körperschaftssteuergesetzes auf die verteilten Gewinn⸗ anteile zu entrichtende Steuer um 10 v. H. Sie beträgt somit bei den nach dem 3. Ap eil 1923 fällig werdenden Dividenden usw. nicht mehr 15, sondern 25 v. d. Die Erhöhung auf 25 v. H. gilt jedoch nicht 15 e 5 ee Haftung der im iffer apütalertragsteuergesetzes bezeich⸗ 3 osteuergesetz zel Gießen, den 14. April 1923. 10. 5 Die Finanzämter Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen. Auf Beschluß der Stadtverordneten⸗Versammlung vom 15. März 1923 und mit Genehmigung des Hessischen Ministeriums des Innern sind die Gebühren fur Ver⸗ wiegungen auf den städtistten Lastwagen erhöht worden Die erhöhten Gebühren werden vom 23. Mär; 1953 erhoben und betragen 10 Mk. für einen Zentner Nettogewicht. Die Mindestgebühr für eine Wiegung be⸗ trägt 80 Mk. Für Verwiegungen außerhalb der festge setzten Dienststunden ist die doppelte Wiegegebühr zu bezahlen.. Gießen, den 13. April 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Kreunzien. Wir ind lunsend Küuftr Altmetallen agückstände), Alteisen, Gußbruch, Spannen, esseln, Maschinen, Werkzeugen, alten Werken und Betriebseiurimtungen aller 5 Art, auch zum Selbstabbruch. 1 Nass. Metallverwertungs. gesellschast m. b. H., Herborn (Diutreis). 101 Aitiert für die Oberhesssche Volkszeite Geschäftsverlegung. Unser seltheriger Laden Meuenweg 4 wurde mit unserem Laden Seltersweg 79a zusammengelegt fürberei Braubach& Fischer. oOlsH DON. les Linn und dle, as 2 25 2 Tea Hier ub. J Ss Die Hungersnot Ukrainischen sozialdemokr. Arbeiterpartei. Die Schrift enthält eine Reihe ergreifender, Stadttheal 24. Vorstellung. Mittwoch⸗Abonnemem Don Juan u. Anfang 7 Donnerstag, 19. Außer Abonnemem utscheine gültig Die 1. Dollarprinzessn Anf. 7 Uhr Ende 9“ 10— Freitaa, den 20. 2 Soeben erschienen: in der Ukraine veröffentlicht vom Zentralkomitee der Preis 320.— Mk. Kulturgewissen der Welt erschütternder zahlt die höchsten Preise baren Zustände. a B.(letzte) Abe K Zufall Buchhandlung Oberhess. Volkszeitung Das Konzer Wolfen gsf. 1 ¼ lia 7 ur. ende, 0 4 J