Kedaktion: Gießen Bleahnhosstraße 23 dernsprecher 200b. Organ für die Jnteressen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Spedition: Sießen Bahnhoffraße 25 Fetusprecher 200g. Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. ö Der Abonnementspreis mit den Beilagen, Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ ö wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 780.— Yet. einschl. Bringerlohn. N Durch die Post bezogen 780.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 80.— Mt. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 10.— Mt, au⸗wärts 15.— Mk, die Retlamemillimeterzeile 50.— Mt. Ben größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 13 Gießen, Mittwoch, den 17. Januar 1923 13. Jahrgang 71 Keine Ueberschichten mehr. (Eigener Drahtb.) Wie unser Sonderkorrespondent erfährt, verweigern die Bergarbeiter anläßlich der Besetzung des Ruhrgebietes ab heute die Ueberschichten zu verfahren. Diese Weigerung erstreckt sich nur auf das neu besetzte Ge⸗ biet. Die Bergarbeiter haben eigenhändige Anschläge an ihre Kollegen in den Gruben gerichtet, in denen aufgefordert wird, keine Ueberschichten mehr zu verfahren. Weiterer Vormarsch. Besetzung von Bochum. (Eig. Drahtb.) Die bisher erlebten irtschaftlichen Mißersolge suchen die Franzosen und Belgier jetzt durch neue militarische Maßnahmen auszumerzen. Man scheint sich das in Paris sehr einfach vorzustellen und ist anscheinend der Auffassung, daß durch die Besetzung neuer Gebietsteile und die vorständige Abschnürung des gesamten Industrie⸗ gebietes von Deutschland sowohl die deutsche Arbeiterschaft wie die Unternehmer und Behörden, vor allem die Re- gierung in Berlin, den französisch-belgischen Ansprüchen ge⸗ gig machen werden. Die staatlichen Zechen bei Buer, esterholt, Bergmannsglück und Scholven fallen seit Sams- tag ebenfalls in das besetzte Gebiet. Inzwischen werden neue Truppenbewegungen gemeldet, die darauf schließen lassen, daß man im Begriff ist, in erster Linie die stark mit Bergwerken versehenen Gebiete zu besetzen. Um 12 Uhr mittags standen die französischen Truppen unmittelbar vor Bochum, das eine Stunde später besetzt wurd Bottrop war bereits besetzt. Alle Anzeichen lassen heute darauf schließen, daß man unter dem Vorwand der Nichterfüllung von Reparationslasten, wie sie von der Regierung in Bezug auf Belgien und Frankreich ausgesprochen wurden, bis nach Dortmund und Hamm marschiert. Besetzung von Wanne. Die Franzosen vor Hagen. ö Die Stadt Wanne ist nunmehr von 1300 französischen Soldaten und 30 Offizieren besetzt worden. Der für das ge⸗ samte Industriegebiet ungemein wichtige Industriehafen von Wanne ist von den Okkupationstruppen beschlagnahmt worden. Die Franzosen haben Montag nachmittag gegen 4 Uhr Vorhalle, einen Vorort von Hagen besetzt. Französische Truppen sind in Witten und Wanne eingerückt. Durch Ge⸗ velsberg kamen vormittags französische Patrouillen, die in der Richtung von Recklinghausen weiterzogen. Fortsetzung des Vormarsches. Nach einer Essener Meldung aus Düsseldorf ist der Vor⸗ marsch am Montag weitergegangen. In Recklinghausen sind Transportzüge eingelaufen. Aus der Anordnung ist zu entnehmen, daß der Vormarsch bis in die Linie Hamm⸗ Bielefeld fortgesetzt werden soll. Der Proteststreik in Essen. (Eig. Drahtb.) Die große Stadt der Arbeit, die das neubesetzte Gebiet bildet, ist am Montag vormittag 11 Uhr auf eine halbe Stunde verstummt. Das war der hestige Protest der Arbeit gegen bie sranzösisch⸗belgische Gewaltpolitik. Viele Hunderte von Arbeitern legten Schlägel und Eisen weg, Dampsmaschinen ver⸗ sagten den Dienst, das Rädersausen, das als ewige Alltagsmusik über den ganzen Bezirk 1 setzte aus. In Essen, Oberhausen, Gelsenkirchen und wie alle die nauhaften Zentralen des Ruhr⸗ ebietes heißen, rasselten die Zalousien vor den Verkaufsläden herab. Diese stumme Geste mußte von den Gewaltigen gesehen werden, die heute über dem größeren Teil des Ruhrgebietes herr⸗ schen. Sie ist von wuchtigerer Wirkung gewesen, als laute De⸗ monstrationen auf der Straße es sein können. Durch Vermittlung des Arbeiterrats der Firma Krupp hatten wir Gelegenheit, den halbstündigen Generalstreik in diesem größten Werk des Westens zu beobachten. Tort wird von 53 000 Arbeitern jeden Tag eine Fülle von Maschinen und Werkzeugen von der zartesten Sonde des Chirurgen bis zur Lolomotive und zum Riesenbagger geliefert. Im Walzwerk strömten von 11 uhr die Arbeiter von allen Seiten herbei. Knochige, verarbeitete Männer und Jüngere ver⸗ sammelten sich. Der Vorsitzende des Arbeiterrats im blauen Kittel betonte: wir sind Deutsche und werden Deusche bleiben trotz der französischen Basonelne und des Franken. Einig zu⸗ sammenstehen ist jetzt die Parole. Die riesenhafte Lokomotivwerkstatt von Krupp, eine der größten Deutschlands, aus der monatlich 30 bis 93 Lokomollven 1 Were hen, 1 am Vor mitlag von tausend fleißigen Ham⸗ imerschlägen und dem Surren der Transmissionen. Punkt 11 Uhr sstockte der sinnverwirrende Rythmus ber Arbeit, die gigantische Palle verstümmte. Die Tausende versammelten sich, um noch⸗ chlossen und entschlossen ihren Protest gegen die Gewalt mals g Zeche„Salzer“ ist alles vorbereitet. Auf bas wird das ganze Werk stillgelegt. Nur die Wasser⸗ tterführung bleibt im Betrieb. Unter Tag und Der Kampf um die Kohlen. Keine Lieferung gegen Bezahlung.— Neue Zwangsmaßnahmen. über Tag steht die Belegschaft mit verschränkten Armen an ihren Arbeitsstälten. Kein Schlag geschieht. In einer großen Betriebs⸗ abteilung hält ein bekannter Arbeilerführer eine kurze Ansprache. Es herrscht unter den Arbeitern eine entschlossene Stimmung. Vor 11 Uhr erschien im Direktionszimmer der Verwaltung der Vertreter des französischen Ortskommandanten und verlangte den Betriebsrat zu sprechen. Erst nach Veendigung des Streiks wurde dem französischen Militär eine Aussprache zugesagt. Aus den anderen Teilen des Industriegebietes wird ebenfalls gemeldet, daß der Parole der Gewerkschaften eifrigst Folge ge⸗ leistet wurde. In allen größeren Städten wurden die Läden in der angegebenen Zeit geschlossen. die Sirenen pfiffen und die Glocken läuteten. Zn Bochum wurden von der Arbeiterschaft auf den Straßen fämtliche Fuhrwerke und Automobile ange⸗ halten. In Duisburg. Im Gebiete des Brückenkopfes Duisburg ist Arbeitsruhe ver⸗ boten. Ebenso wurde das Anlassen der Fabriksirenen und Glocken⸗ läuten„für immer“ untersagt. Trotzdem ertönten die Sirenen Punkt 11 Uhr. Ueberall wurde abgestoppt. Duisburg lag still. Es war ein überwältigender Anblick, als die Kräne, Elevatoren und Kipper plötzlich mit hartem Ruck ihre Arbeit einstellten und beladen oder unbeladen überall ihre Last in der Luft schweben ließen. Die Geschäfte waren zum großen Teil geschlossen. Auch der Straßenbahnbetrieb ruhte. Auf den Straßen war Sonntags⸗ ver lehr. Nationalistischer Unfug in Bochum. Die ersten Schüsse im Ruhrrevier.— Ein Toter. (Eig. Drahtber.) Im Verlauf der nationalistischen Demonstration, die Montag Abend nur eine Stunde dauerte, kam es vor der Realschule zu einem Zusammenstoß mit den neu eingerückten Besatzungstruppen. Ein Haufen junger Burschen, die als Mitglieder des Bismarckbundes bezeichnet werden, versammelten sich vor der Realschule und sangen: „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen!“ Die Franzosen gaben eine Salve von 25 Schuß ab. Ein Mann blieb tot auf dem Platze, ein anderer wurde verletzt. Vor einer Berlehrsstörung? Nach den in Berlin vorliegenden Meldungen ist für die nächsten Tage mit einer ernsthaften Störung des Verkehrs im Ruhrgebiet zu rechnen. Infolge des Befehls der Reichs— regierung, wonach keine Reparationskohle an Frankreich und Belgien geliefert werden dürfen, stauen sich die Wagen auf den hauptsächlichsten Verlade- und Verschiebebahnhöfen der⸗ art, daß ihre Verstopfung und damit die völlige Desorgani⸗ sierung des Verkehrs unvermeidlich ist. Das Stei en des Dollars. Zu der neuen, durch die Vorgänge im Ruhrgebiet veran⸗ laßten starken Entwertung der Mark schreibt der Vorwärts noch u. a.: „Die ungeheure Verelendung großer Massen der Bevöl- kerung, die neben Lohn⸗ und Gehaltsempfängern vor allem die Erwerbsunfähigen, die Rentner und die freien Berufe getroffen hat, haben bisher weder die Industrie, noch den Handel, noch die Landwirtschaft zu irgendwelcher Rücksicht⸗ nahme bei der Preisgestaltung veranlaßt. Wenn der Dollar stieg, stiegen auch die Preise und behaupteten ihren Hoch— stand, ja, gingen noch darüber hinaus, wenn sich eine rück— läufige Bewegung in den Devisenkursen zeigte. Der Dollar ist nun in den letzten Tagen, veranlaßt durch die außenpoli— tische Entwicklung aufs neue erheblich gestiegen. Ein starkes Anziehen aller Preise ist bereits erfolgt. Jetzt ist also die Stunde gekommen, wo die Wirtschaftsstände beweisen können, daß sie auch zu Opfern bereit sind.“ Neue Verordnungen und ungeheure Preis⸗ steigerung. Der kommandierende General der Essener Truppen hat einen Befehl erlassen, nach dem auch für das neubesetzte Gebiet die Preis⸗ schilder und Wucherverordnungen,, wie für das altbesetzte Gebiet, zu gelten haben. Hiernach muß der Einzelhandel Preisschilder in den Schaufenstern anbringen und beim Verkauf an Besatzungstruppen die Luxus⸗ bezw. Weinsteuer in Abzug bringen. Die Vertreter des Essener Einzelhandels haben gestern eine Konferenz abgehalten, ohne jedoch zu einem Beschluß hinsichtlich dieser Verordnung zu kommen. Auch auf dem bisher unbesetzten Gebiet hat der Vormarsch der Franzosen in bezug auf die Preisbildung tiefgreifende Wirkung aus⸗ gellbt. Für fast alle täglichen Bedarfsartikel ist eine Preissteigerung von 50— 60 Prozent sestzustellen. Eine Tasse Kaffee kostet z. B. in fast allen Orten schon 200 Mark. ie Einsteuung der Ablieferung. Der Bergbauliche Verein hat heute vormittag folgendes Telegramm des Reichskohleukommissars erhalten: „Unter Bezugnahme auf die Besprechungen der französi— schen Ingenieurkommission mit den Zechenbesitzern verbiete ich nach dem französisch-belgischen Einbruch in das Ruhr— vevier hiermit ausdrücklich die Lieferung von Kohle und Koks nach Frankreich und Belgien auch für den Fall einer vorschußweißen Bezahlung.“ Wie bekannt, hatten die Zechenvertreter die Lieferung von Kohle gegen Zahlung davon abhängig gemacht, daß nicht ein Verbot des Reichskohlenkommissars erfolge. Heute vormittag sollten die Verhandlungen weiter gehen. Neues Kohlensyudikat. Neues Zahlungs⸗ mittel. Die Vossische Zeitung soll aus amtlichen Pariser Stellen am Montag die Bestätigung erhalten haben, daß die Gründung eines autonomen Kohlensyndikats und die Schaffung eines neuen Zahlungs⸗ mittels für das Ruhrgebiet geplant wird, doch würden die in Aus⸗ sicht genommenen Maßregeln einstweilen streng geheim gehalten. Androhung von Zwangsmaßnahmen. Die Meldung aus Essen, daß der dortige Kohlenkom⸗ missar den Bergwerksbesitzern die Lieferung von Kohlen und Koks gegen Barzahlung an Frankreich und Belgien verboten hat, hat in Paris beträchtliches Aufsehen erregt. Man nimmt an, daß dadurch eine völlig neue Lage geschaffen ist, die bereits Veranlassung gab zu einer längeren Konferenz im Quai de Orsay. Ministerprösident Poincars unterhielt sich längere Zeit mit dem Finanzminister, dem Minister für öffentlichen Arbeiten und dem Vorsitzenden der Re⸗ parationskommission, Barthou über den Wechsel, der heute in der Haltung der deutschen Industriellen aus dem Ruhr⸗ gebiet zu Tage getreten ist. Es waren bestimmte Nachrichten von der technischen französischen Ruhrkommission einge⸗ troffen, die bestätigen, daß die deutschen Kohlenlieferungen nach Frankreich auf Grund einer Weisung der Reichs⸗ regierung unterbleiben. Der Ministerpräsident und seine Kollegen berieten daraufhin die unverzüglich zu ergreifen⸗ den Maßnahmen. Es wurde beschlossen, daß, wenn die Berg⸗ werksbesitzer ihre Haltung nicht ändern, zu Requisitionen ge⸗ schritten werden müsse, um Kohlenmengen zu verschaffen, die die Alliierten auf Grund der Reparationen zu bean⸗ spruchen zu können glauben. Die französischen Minister vertraten die Ansicht, daß die Angelegenheit nicht mehr allein von Herrn Le'Trocquer und dem General Degoutte geregelt werden könnte. Für heute sind neue Besprechungen zwischen Poincaré und den Ministern vorgesehen worden. Der Direktor der Bergwerke im französischen Ministerium für öffentliche Arbeiten, Gullarme, ist nach Essen abgereist, um an den Besprechungen zwischen den französischen Technikern und den deutschen Bergwerksbesitzern teilzunehmen. Ebenso befindet sich der französische Sachverstandige Tannery seit mehreren Tagen im Ruhrgebiet zur Festsetzung der Kohlen⸗ steuer. Andererseits wird sich, wie der Temps gestern abend mitteilte, auch die Reparationskommission in ihrer heutigen Sitzung mit der neugeschaffenen Lage beschäftigen. Neues vom Tage. Memel von litauischen Banden besetzt. Um ½1 Uhr kam am Montag ein Trupp von etwa 30 Litauern mit Gewehren und Maschinengewehren über die große Brücke in das Zentrum der Stadt Memel. Die Truppen begaben sich zur Börsenbrücke, die aufgezogen war und schlossen die Brücke, um den Haupttrupp der Freischärler herüber zu lassen. Auch die französische Präfektur ist von den Litauern besetzt worden. Es soll dort eine weiße Fahne gehißt worden sein. Das Schießen hat zurzeit aufgehört. Hierzu meldet die Frkft. Ztg.: Der Telephonverkehr Berlin-Memel ist seit 6 Uhr abends unterbrochen. Die letzte Meldung von dort um 4.15 Uhr lautet: Nachdem es den litauischen Putschisten gelungen war, von der nahezu unbe⸗ schützten Seite über die Dange in die Stadt einzudringen, entwickelten sich um die von einem schwachen Posten besetzte Präfektur Kämpfe, bei denen die französischen Truppen heftigen Widerstand leisteten, schließlich aber vor der Ueber⸗ macht kapitulieren mußten. Die Franzosen hatten bei diesen Kämpfen zwei Tote. Der französische Oberkommissar be⸗ findet sich, von den Aufständischen bewacht, in der Präfektur. Die französischen Truppen haben sich in der Kaserne ver⸗ barrikadiert. Die Litauer konzentrierten in den Nachmittags- stunden ihre Kräfte, darunter auch Berittene, im nördlichen Teil von Memel und sind anscheinend entschlossen, gegen die Kaserne vorzugehen. Das Treiben der Hitler⸗Bande. Zu dem Treiben der Nationalsozialisten in Bayern und der Hetze ihres Führers Hitler gegen die„Novemberver— brecher“, ausgerechnet in dem Augenblick, in dem die Fran- zosen ihren Vormarsch ins Ruhrgebiet antreten, schreibt heute morgen das Berliner Tageblatt zur Kennzeichnung der politischen Gefahr, die aus Bayern droht: „Wichtiger aber ist die Frage, ob es bei den Worten bleiben wird, ober ob die Führer der Nationalsozialisten sich jetzt zu Taten gedrängt sehen, nachdem sie solche ihren An- J bandetn so lange versprochen haben, daß diese mit ihrem N 2 e ———— Frankreich dag mit den Erhöhungen der Beamtenbezüge. Abfall drohen, wenn sie sich jetzt wieder enttäuscht sehen. Auf den 20. Januar haben die Nationalsozialisten Münchens eine Fahnenweihe angesetzt. Es gehen uns aus München Nachrichten zu, denen zufolge es bei der Fahnenweihe nicht bleiben soll, diese vielmehr den äußeren Anlaß zu einer großen Aktion der Nationalsozialisten bilden wird. Putsche, die auf ein bestimmtes Datum angesetzt sind, treffen gewöhn⸗ lich nicht ein. Man sollte auch meinen, daß es den bayerischen Rechtsradikalen im Augenblick an einer zugkräftigen Parole fehlt da sie gegenwärtig weder an der Regierung Cuno, noch am Kabinett Kmilling viel aussetzen können. Anderer- sseits aber handelt es sich um eine Bewegung, deren Verlauf von Regeln politischer Vernunft nicht geleitet wird. Inner⸗ politische Unruhen im gegenwärtigen Moment würde, wie keiner Betonung bedarf, nicht nur eine Gefahr, sondern die Katastrophe bedeuten. Von den feindlichen Brüdern. Die Deutschnationalen Mecklenburg⸗Schwerins hatten den zur deutschvölkischen Freiheitspartei übergetretenen ichstagsabgeordneten von Graefe⸗Goldebee wegen dieses Schrittes zur Niederlegung seines Reichstagsmandats auf⸗ gefordert. Herr von Graefe hat jedoch dieses Ansuchen ab⸗ gelehnt. Kommunistenverhaftung im Elsaß. Der elsässische Kommunist Karl Huber, der mit Cachin in Essen weilte und am Freitag abend in einer Protestver⸗ sammlung gegen die Besetzung des Ruhrgebiets gesprochen 055 ist am Sonntag verhaftet und nach Paris verbracht worden. Die englische Besatzung am Rhein. Ein Teil der deutschen Presse, auch v. Gerlach in der Welt am Montag, fordert von der britischen Regierung die Jurückziehung der britischen Truppen aus dem Kölner Brückenkopf. Wir geben zu, daß eine solche Maßnahme als große Geste recht schön wirken würde. Nach einigen Tagen aber würde sie vermutlich vergessen sein. Jedenfalls hätte der Abmarsch der Briten aus Köln schwerlich eine nach⸗ haltige Wirkung auf die französische Politik. Was aber würde aus dem Kölner Gebiet, wenn die britische Besatzung es verlassen hätte? Nach dem Friedensvertrag braucht Köln erst im Jahre 1925 geräumt zu werden, und zwar unter der Voraus setzung, daß Deutschland seinie Verpflichtungen er⸗ füllt hat. Die Franzosen würden also zweifellos das Necht 11 sich in Anspruch nehmen, Köln durch ihre Truppen zu In Köln gibt es außer dem Redakteur der von 5 finanzierten Rheinischen Republik sicher niemanden, der diesen Zustand wünschte. Solange das wichtige Kölner Handels- und Industriegebiet den Fran⸗ esen nicht preisgegeben ist, besteht ein für die französische ik unüberwindliches Bollwerk inmitten der französischen iheinfront. Solange werden auch Absonderungsputsche, die mit französischer Hilfe vielleicht wieder kommen werden, nur schwer über das ganze Rheinland auszudehnen sein. Solange die Franzosen nicht in Köln sind, kann ihnen das Rheinland nicht gehören. Gewiß möchten die Kölner, wie alle Rheinländer, gern von jeder Besatzung befreit sein. So⸗ ee aber nur die traurige Wahl zwischen den Be⸗ ngstruppen der Ententestaaten haben, ist jedem Rhein⸗ iet die britische Besatzung aus politischen und rein mensch⸗ Erwägungen lieber als französische oder belgische. Die deutschen Zeitungen, die immer wieder die Briten aus Köln fortlocken wollen, tun der deutschen Sache einen sehr schlechten Dienst. Die Sozialdemokratie des Kölner Ge⸗ bietes hat in diesem Sinne mehr als einmal ihre Auffassung auch britischen Politilern gegenüber kundgetan. Haushaltsausst uß und Veamlenbezüge. Der Haushaltsausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Mon⸗ . 5 0 Gen. Bender wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß es seit der letzten Neuregelung der Beamtenbeziige schon wieder so weit gekommen sei, daß die Teuerungszuschläge bereits das Dreiumdeinhalbfache des Grund⸗ gehalts betragen. Dieser unerträgliche Zustand müsse durch eine schleunige Neuregelung der Grundgehälter beseitigt werden. Bei der Beratung des Verordnungsentwurfs über die Echöhung der Teuerungszuschüsse und der Einkommensgrenzen im Gesetz über Teuerungsmaßnahmen für Militärrentner erklärte Gen. Jäcker, daß der Entwurf der Teuerung Rech mug trage. Die im Gesetz vorge⸗ sehenen, im August 1922 gezahlten Teuerungszuschüsse würden auf 15⸗ bis 20 fache, bei den Vollwaisen auf das 24fache erhöht. Die neuen Sätze würden noch durch den zuständigen Reichstagsausschuß um 1 Milliarde Mark pro Monat erhöht. Der Haushaltscusschuß stimmte dem Gesetzentwurf zu. Deutscher Reichstag. Der Reichstag erledigte am Montag in seiner 287. Sitzung im Eilzugstempo einige Gesetzentwürfe ohne jede Aussprache. Die Rechtsschutzverträge mit Oesterreich und der Tschechoslowakei und ein vorläufiges Uebereinkommen mit Finnland über Fragen des Han⸗ delsverkehrs wurden in allen drei Lesungen genehmigt. Debattelos wurden der 9. und 10. Nachtragsct at, die die neuen Besoldungser⸗ höhungen enthalten, verabschiedet. Der Gesetzentwurf, der die Er⸗ klärung der allgemeinen Verbindlichkeit von Tarifverträgen verein⸗ facht und beschleunigt, wird in erster und zweiter Lesfung angenom⸗ men, desgl. die Novelle zum Weingesetz. Der Gesetzentwurf über die Rücklagen bei den Berufsgenossenschaften wurde auf Antrag des Genossen Hoch dem Soziolpolitischen Ausscheuß überwiesen.— Um 743 Uhr vertagte sich das Haus auf Dienstag 2 Uhr. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Geschichts kalender. 17. Januar. 1318 Erwin von Steinbach Baumeister des Straßburger Münsters. gestorben. 5 1641 Der schwedische General Hans Banner erscheint vor Regens⸗ burg, wo gerade der Kalser Jerdinand III. Reichstag hält. 1706 Benjamin Franklin in Boston geboren. g 1793 Ludwig XVI. von Fraukreich wird von der Nativnalver⸗ sammlung zum Tode verurteilt. 1909 Blutige Wahl vechtsdemonstration in Dresden. — Nationaler Trauertag. Für den vergangenen Sonntag hatte die Reichs⸗ regierung angeordnete, daß er als Trauertag gelten sollte, anläßlich des Einbruchs der Franzosen in das deutsche Ge⸗ hiet. Die öffentlichen Gebäude waren halbmast beflaggt, lärmende Lustbarkeiten verboten. Damit sollte gegen den unverschämten Rechts⸗ und Vertragsbruch, den die Fran⸗ zosen gegen uns verübten, protestiert werden. Der Protest ist gewiß am Platze; jeden gerecht Denkenden, welcher Nation er immer angehören mag, muß der freche Raubzug gegen ein wehrloses Volk empören. Erst recht jeden Deut⸗ schen zu welcher Partei er sich immer zählen mag. Auch wir protestieren; nicht nur das, sondern unsere Partei wird im Bunde mit den Genossen aller Länder dem Vorgehen der Franzosen nach Kröften entgegenzuwirken suchen. Diese Gelegenheit wird aber ven einem Teil der rechts⸗ stehenden Presse und von nationalistischen Phraseuren be⸗ nutzt, Kriegshetzereien schlimmster Sorte zu treiben. Sie können ja vorläufig weiter nichts anrichten, denn wir sind erstens entwassnet und zweitens hat die übergroße Mehrheit des Volkes die Nase vom letzten Krieg noch voll genug. Aber das Volk wird durch die Hetze vergiftet, die sich mehr gegen die Republik als gegen die Franzosen richtet. Man höre, was z. B. die Hamburger Nachrichten dieser Tage von sich gaben: „Es ist wundervoll, jetzt unter den Arbeitern der Stadt herumzuhorchen und mit ihnen Gespräche anzu⸗ knüpfen. Es ist eine reine Mobilmachung; eine Stimmung, ähnlich wie die vom August 1914, da das Volk aufstand und der Sturm losbrach. Die„reaktionärsten Zornesausbrüche werden mit voller Zustimmung aufge⸗ nommen; die Wut gegen den eitlen Gallierhäuptling kennt keine Grenzen. Und das heißt uns hoffen! In dieser Stunde reichen sich alle Deutschen die Hand; jeder Parteigedanke erblaßt. Der Feind sieht bei uns in diefer Frage keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. Wohlan: die Hände hoch zum Rütlischwur!“ So sucht man auch die Arbeiter aufzustacheln. Nicht nur in der Presse, sondern in: Wirtshaus, der Eisenbahn oder sonstigen öffentlichen Orten. Diese törichten und un⸗ verantwortlichen Hetzreden werden auch von anderer Seite gebührend gekennzeichnet. i So hat die Liga„Junge Republik“ in Gemeinschaft mit dem Aktionsausschuß„Nie wieder Krieg“ und dem „Friedensbund der Kriegsteilnehmer“ einen Aufruf zur Besonnenheit und gegen den von Frankreich be— gangenen„neuesten und ärgsten Frevel einer größenwahn⸗ * sinnig gewordenen Clique von Intriganten und Gamaschen⸗ rr Mitteln 815 000 Mark bewilligt. knöpfen“ herausgegeben. Es wird in ihm bedauert, daf „bei uns gewisse nattonalistische Rlemente die gerechte 1 einmütige Empörung des deutschen Volkes durch eine zügel. lose Agitation zu mißleiten versuchen, die letzten Endes nur den engeren Parteiinteressen der lautesten Schreier dient und im Kern sich mehr gegen die deutsche Republik als geg die eklatante Rechts⸗ und Vertragsverletzung der franz schen Regierungspolitik wendet... Wir brauchen in diesen Schicksalstagen keine Aufstachelung der Affekte, wir haben die heilige Pflicht, kühlen Kopf zu wahren gegenüber allen Alarmgerüchten und inhaltlosen propagandistischen Phrasen wenn wir auch weiterhin eine Politik betreiben wollen, die das Chaos nicht vergrößern, sondern überwinden soll.“ Im Gießener Stadttheater wurde aus Anl. des Tages„Tell“ aufgeführt. Das war eine anerkennens werte, ganz bedeutende Leistung unserer Bühne und d Künstler, die nur zwei Tage Zeit hatten, das Stück einzu studieren. Trotzdem gelang es recht gut, von einigen kleine entschuldbaren Mängeln abgesehen. Von Direktor Stein⸗ goetter wurde ein von ihm selber verfaßter Prolog vor- getragen, in dem der Protest gegen die Gewalttat um Aus⸗ druck gebracht wird. Das Theater war überfü 45 viele konnten keinen Einlaß mehr erhalten. Mit stürmischem fast möchten wir sagen lär mendem Beifall wurde das Stück i mehrfach bei offener Szene begleitet. Einmal tobte der Bei. fall schon los, ehe noch der Akt zu Ende war, der Vorhang fiel, mußte jedoch wieder hochgehen, um den Akt zu Ende zu führen. Alle mitwirkende Künstler taten ihr Bestes. 8 0 Daß der übermaßige Beifall der herrlichen Dichtung galt, möchten wir in Zweifel ziehen. Bei vielen der meist jungen Besucher lag ihm offenbar so eine„Kriegsbegeiste⸗ rung“ zugrunde. Vernünftige Arbeiter werden sich davon richt anstecken lassen. 3 —— Wohlfahrtsfürsorge in Gießen. m Anschluß an den Artikel in unserm gestrigen Blatte noch 25 Galgen über die von der Stadt gepflegte Fürsorge aus dem Berichte des Wohlsahrtsamts mitgeteilt: Die städtische zelpersonen und deten sich 39 Einzelpersonen un lingen aus Oberschlestien und und drei Familien zu verzeichnen. Di.. setzten Gebiete setzen sich zusammen aus 39 Familien. 5 2 5 Sämtliche Flüchtlinge wurden mit Geld teils laufend, teils einmalig unterstützt. 12 In. 318 Fällen wurden Kleider, Wäsche und Ausstattung gegenstände ausgegeben. Verpflegung und Unterkunft wurde 9 Flüchtlingen gewährt. Außerdem erstreckte sich die Fürsorge in 203 Fällen auf Arbeits⸗ und Wohnungsvermittlung. 1 Sozialrentnerfürsorge. In der Zeit vom 1. Januar 1922 bis 31. Dezember 1922 wurden in der Sozialrentnerfürsorge 30 Personen unterstützt. Der der Wohlfahrtskasse zur Last fallende Kostenanteil betrug 317 245.— Mark.„ Für die Rentner der Sozialversicherung hatte das Reich K November für außerordentliche Notstandsmaßnahmen 505 566.— Mark zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, daß Staat und Gemeinde ein Fünftel zuschießen. Der Zuschuß der Stadt be 9 hiernach 50 566.— Mark. Es standen somit zur Verfügung 606 679.— Mart. Hieraus erhielt jeder Sozialrentner, sofern er in der laufenden FJürforge steht bezw. stand, zur Beschaffung Winterbedarf für sich und für jede zu seinem Haushalt 67er unversorgte Person einen Gutschein über 400 Mark, den er bet hiesigen Geschäften in Zahlung geben konnte. Jexner erhielt aus diesen Mitteln jeder Soziglrentner 14 Zentner Brennholz(10 Zentner zu 37 Mk. und 4 Zentner zu 45 Mk.) unentgeltlich, sowie 2 Zentner Braunkohlenbriketts. Auch erhielt jeder in Fürsorge stehende Sozialrentner im August ½ Pfund. Margarine unentgelt⸗ lich. Bei der Mehlverteilung wurden 310 Sozialrentner mit rund 400 Portionen S 20 Zentner Mebl berilicksichtigt. 1 Kleinrentnerfürsorge. An 37 Kleinrentner(25 Einzelperso⸗ nen und 12 Ehepaare) sind auf Grund der Richtlinien des! 8. und Landes in diesem Jahre an Darlehen 299 865.50 Mk. und an Beihilfen 300 918.— Mk. ausbezahlt worden. f Bei den Darlehen besteht ein Rückgriffsan laß des Empfüngers. Die Beihilsen sind gewährt unter Ve auf Rückzahlung aus dem Nachlaß. 8 f Außerdem wurden seitens der Stadt abgegeben: g Im Aug. 22 an 210 Kleinrentner je 10 Ztr. Brennholz zu je 37 „ Nov. 22 an 156 Kleinrentner je 4 Ztr. Brk.⸗Brik. zu je 20% „ Dez. 22 an 100 Kleinrentner je 2 Itr Brk.⸗Brik. zu je 110 Dez. 22 an 335 Kleinr. 436 Port. Mehl je 5 Pfd. 2180 3 Winter⸗Notstaudshilfe. Die Stadt Gießen hat aus eigen Hiervon sind 13500 Mk. aun 1 Die Sängerin. 10 Novelle von Wilhelm Hauff. Der Direktor befahl dem Lakai, den Gerichtsdienern zu rufen, sie sollen den Gefangenen heraufbringen; der Kranke sank mehr und mehr zusamnien, sein Auge schien still zu stehen, es hatte nur eine Richtung, nach der Sängerin, aber auch jetzt noch schien Wut und Ingrimm daraus hervorzu⸗ blitzen.„Schepperl“, sprach er wieder,„du hast mich un⸗ glücklich gemacht, zugrunde gerichtet, darum verdientest du den Tod; du hast deinen Vater zugrunde gerichtet, sie haben ihn auf die Galeere geschickt, weil er dich mir um Geld ver- kauft hat; er lat mich beschworen, dich umzubringen; es tut mir leid, daß ich gezittert habe. Verflucht seien diese Hände, die nicht einmal mehr sicher stoßen konnten!“ Seine greu— lichen Verwünschungen, die er über sich und Giuseppa aus⸗ stieß, wurden durch eine neue Erscheinung unterbrochen. Zwei Gerichtsdiener brachten einen Mann in türkischer Kleidung; es war der unglückliche Ali Pascha von Janina— der Turban dedeckte das jammervolle Haupt des Kom— merzienrats Bolnau. Alle erstaunten über den Anblick, besonders schien der Kapellmeisser sehr betreten, er erblaßte und errötete und wandte sein Gesicht ab.„Monsieur de Planto“, sprach der Direktor,„lennen Sie diesen Mann?“ Der Kranke hatte die Augen geschlossen; er riß sie mühsam auf und sagte:„Gehet zu allen Teufeln, ich kenne ihn nicht.“ Der Türke sah die Umstehenden mit kummervoller Miene an.„Ich wußte wohl, daß es so kommen werde“, sprach er mit weinerlichem Tone,„es hat mir schon lange ge⸗ ahnet. Aber Mademoiselle Bianetti, wie konnten Sie doch einen unschuldigen Mann so ins Unglück bringen?“ „Was ist es denn mit diesem Herrn?“ fragte die Sängerin.„Ich kenne ihn nicht. Herr Direklor, was hat denn dieser getan?“ „Signora“, sprach der Direkter mit tiefem Ernst, den Gerichten gilt keine Nachsicht oder irgend eine Scho⸗ nung, Sie müssen diesen Herrn kennen; es ist der Kom⸗ merzienrat Volnau. Ihr eigenes Kammermädchen hat ein gestanden, daß Sie bei dem Mord seinen Namen ausge- rufen haben.“ g „Freilich!“ klagte der Pascha—„meinen Namen ge— nannt unter so verfänglichen Umständen!“ Die Sängerin erstaunte, eine tiefe Röte flog über ihr schönes Gesicht, sie ergriff in großer Vewegung den Kapell⸗ meister bei der Hand;„Carlo“, rief sie,„jetzt gilt es zu sprechen, ich kann es nicht verschweigen: ja, Herr Direktor, ich werden diesen teuren Namen genannt haben, aber ich meinte nicht jenen Herrn, sondern—“ „vor „Mich!“ rief der Kapellmeister und trat hervor.„Ich heiße, wenn es mein lieber Vater dort erlaubt, Karl Bolnau!“ „Karl! Musikant! Amerikaner!“ rief der Türke und um⸗ armte ihn.„Das ist das erste gescheite Wort in deinem Leben, du hast mich aus mich aus einem großen Jammer be⸗ freit.“ 5 „Wenn sich die Sache so verhält“, sagte der Direktor,„so sind Sie frei, und wir haben in dieser Sache nur mit gegen⸗ wärtigem Herrn Chevalier de Planto zu tun.“ Er wandte sich um zu dem Bette; dort stand der Arzt und hielt die Hand des Mörders in der seinigen; er legte sie ernst und ruhig auf die Decke und drückte ihm die starren Augen zu.„Direktor“, sagte er,„der macht es jetzt mit einem höberen Richter aus.“ Man verstand ihn; sie gingen aus dem Gemach des furchtbaren Toten und traten drüben bei dem Kapellmeister, dem glücklichen, wiedergefundenen Sohne des Pascha einz die Sängerin verbarg ihr Gesicht an der Brust des Ge liebten, ihre Tränen strömten heftig, aber es waren d letzten, die sie ihrem unglücklichen Schicksal weinte; denn der Pascha ging lächelnd um das schöne Paar, er schien an einem großen Entschluß zu arbeiten; er besprach sich heimlich dem Medizinalrat und trat von diesem zu seinem Sohn u der Sängerin.„Liebste Mademoiselle“, sprach er,„ich habe Ihretwegen vieles ausgestanden, Sie haben meinen Rare so verfänglich genannt, daß ich Sie bitte, ihn mit. Ihrigen zu vertauschen. Sie haben gestern meinen Teller mit Punsch verschmäht— werden Sie mich wieder zurücl stoßen, wenn ich Ihnen gegenwärtigen Herrn Karl Bo meinen musikalischen Sohn, präsentiere, mit der Bitte, zu ehelichen?“ 0 1 Sie sagte nicht nein; sie küßte mit Freudentränen be. Hand, der Kapellmeister schloß sie mit Ertzücken in seine Arme und schien diesmal sein erhabenes Pathos ganz ver- gessen zu haben. Der Kommerzienrat aber faßte des Dok⸗ tors Hand:„Lange, sage Er, hätte ich denken können, es so kommen würde, als Er mir den Schrecken in alle der jagte, als ich die Scheiben des Palajs zählte, un mir sagte: Ihr letztes Wort war Bolnau!“ „Nun! was will Er weiter!“ antwortete der Mediz rat lächelnd.„Es war doch gut, daß ich es Ihm dan sagte; wer weiß es, ob alles so gekommen wäre ohne letzte Wort der Sängerin.“ 5 Ende. 3 1 pen auf den N 9 10 ahr„ — ——— — een — Zwecke der Sonderfürsorge für die Kapitale und So stalrentner ab⸗ ezweigt worden. Der Rest von 680 000 ark hat zur a nien Pursurge für alle übrigen Minderbemittelten gehslen«. er⸗ nen haben je 400 Mark erhalten. Bei Familien des Namittenmstglles als besondere Person gerechnet. Genn glich, wurden diese Beträge als Darlehen abgegeben, das in manallichen Raten bis zum 1. Mai 1923 zurückzuzahlen ist. Die beguuftigen ae und Kriegshinterbliekenen, zusammen 870 Personen, haben den Betrag aber unter Verzicht auf Rücker⸗ stattung erhalten. Es sind 332 000 Mk. mit rund 34 800 Mk. ohne Nülckerstattungspflicht ausgegeben worden. Sammel⸗ und Verufsvocmundschaft. Am 31. Dezember 1922 waren 571 laufende Fälle vorhanden. Hiervon betrefsen das Stadtgebiet 536 und das Land(Amtsgerichts bezirk Gießen) 35 Vormund⸗ bezw. Pflegeschaften. 285 gehören dem männlichen und 286 dem weiblichen Geschlocht an. An Zugängen waren im Jahre 1922 83 Vormundschaften(43 männlich, 40 weiblich) und 20 Pfleg⸗ schaften(12 männlich, 8 weiblich). zu verzeichnen. In Abgang kamen 46 Fälle. Das Msindelvermögen besteht aus Wertpapieren im Nennwert von 54 100 Mk. und 776 893 Mk. an Spareinlagen. An Renten und Unterhaltsbeiträgen wurden im Monat Dezember 1922 rund 150 000 Mark ausgegeben. — Fraueuversammlung. Am kommenden Donnerstag abend 8½ Uhr findet im Gewerkschaftshaus eine Frauenversammlung der Vereinigten Sozialdem kratischen Partei statt mit Neuwahl der Leitung. Außerdem gibt Genossin Lorenz Bericht über die in Offenbach staltgefundene Sitzung des Landes⸗Arbeiterwohlfahrts⸗ Ausschusses und wird in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung recht guter Besuch erwartet. Die Mitglieder des Arbeiterwohl⸗ fahrtsausschusses werden ebenfalls hierzu eingeladen. — Wahlverein Gießen. Nächsten Freitag. 19. Januar hält der sozialdemokratische Wahlverein seine diesjährige General⸗ verfammlung im Saale des Gewerkschaftshauses ab. Auf der Tagesordnung stehen: Geschäftsberichte, Vorstands⸗ und Kom⸗ missionswahlen und anderes. Es wird erwartet, daß die Partei⸗ genossen sich zahlreich zu dieser Versammlung einfinden. — Vereinigung für Feuerbestattung Gießen. Am 1. Februar ds. Js. abends 8 Uhr hält der Feuerbestattungsverein seine dies⸗ jährige Generalversammlung im Kaufmännischen Ver⸗ einshause, Nordanlage 15 ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Jahres⸗ und Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Vor⸗ trag des Herrn Kreisarztes Dr. Schippert. — Stadttheater Gießen. Die ursprünglich für vergangenen Sonntag vorgesebenen beiden Vorstellungen nachmittags„Der letzte Walzer“ ung abends Se laus“ werden am kommenden Sonntag nachgeholt. Die für den letzten Walzer mit dem Datum„14. Januar“ ausgegebenen Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit Sonntag. den 21. Januar, nachmittags. Für die Abendvorstellung„Doktor Klaus“ werden neue Eintrittskarten ausgegeben.— In Vorbereitung sleht neben den schon angelündig⸗ ten Werken Ibsens John Gabriel Borkmann“. Der Touristenverein„Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Gießen veranstaltete am 12 Januar im Gewerkschaftshaus für seine Mit⸗ glieder und Freunde des Arbeiterwandersports einen Licht⸗ bildervortrag. Genasse Mund führte die Anwesenden im Geist an den Rhein und von da durch die Pfalz. hierbei eine große Zahl wohlgelungener sarbenphotographischer Aufnahmen zeigend. In sesselnder Weise machte der Vortragende die An⸗ wesenden mit Land und Leuten bebennt und zeigte z. B. an der Errichtung der Naturfreundehäuser der Ortsgruppen Ludwügs⸗ hasen(250 Betten), Karlsruhe u. a. was fester Wille der Arbeiter⸗ wanderer bei der Schaffung von Schutzhütten und Ferieuhejmen zu leisten vermag. Der zweite Teil des Abends brachte Natur⸗ aufnahmen aus Oberbavern. Sal zbammergut und führte zum Schluß die schönsten Punkte aus dem Harz vor Augen. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden für seine Darbietungen. . Wiesek, Der Gemeinderat hatte in seiner letzten Sitzung am Freitag eine tief in das Gemeindeleben eingreifende Behandlung von Fragen zu erledigen, die unser Gemeindeparlament bis zur Mitternachtsstunde beschäftigte, und die hoffentlich dazu bei⸗ tragen, über die Schwierigkeiten der jetzigen Zeitläufte hinwegzu⸗ kommen. Zunächst wurde eine Polizeiverordnung beschloffen, die es verbietet, Gänse, Enten und Hühner auf den Straßen und Plätzen der Gemeinde umherlaufen zu lassen. Zuwiderhandlungen awerden in Zukunft im ersten Fall mit 20 Mk., im zweiten mit 30, im dritten mit 50, in jedem weiteren Falle mit 100 Mark Strafe für jedes Tier geahndet Zu dieser Maßregel war der Gemeinderat gezwungen, weil der Schaden, den die auffliegenden Gänse an den Lichtleitungen vecursachen sehr groß ist, ebenfalls der Schaden, der durch Gänse, Enten und Hühner auf Feldern und Wiesen verursacht wird. Alle Verwarnungen und Ermahnungen halfen bisher nichts. Um um vor allem die Gänsezucht nicht zu unterbinden, wird es Aufgabe sein, Mittel und Wege zu finden, dies zu ermöglichen.— Der nüchste Punkt betraf das Bestattungswesen. Hierzu war von Jer sozialdemokrat. Fraktion dex Antrag gestellt, das Bestattungs⸗ wesen vollständig auf ie Gemeinde zu übernehmen. Dieser Antrag wurde angenommen, und zwar mit Wirkung vom 1. Januar 1923 ab. Die Gemeinde läßt immer eine Anzahl Särge einfacher Aufmachung auf Vorrat herstellen. Der betreffende Schreiner hat das Einlegen der Leichen zu besorgen. Das Verbringen der Leichen vom Trauer⸗ hause nach dem Friedhofe und das Herstellen der Gräber geschieht bereits auf Kosten der Gemeinde, notwendig ist nur noch, den bis⸗ herigen Zuschuß der Gemeinde für die Leichenfrau in eine zeitge⸗ mäße Bezahlung umzuwandeln. Diese Frage und die für das ganze Unternehmen notwendige Deckungsfrage wurde dem Finanzaus schuß zur Ausarbeitung überwiesen.— Nach einem Aufruf in der Presse ist das vom Heilstättenverein gegründete Lupusheim in Gießen in schwerer finanzieller Bedrängnis. Der Gemeinderat bewilligte hier⸗ für 6000 Mark.— Die Entschädigung des Wiegemeisters wird auf jährlich 6000 Mk. festgesetzt.— Das Wartegeld der Hebammen wurde in der vom Kreisamt vorgeschlagenen Höhe bewilligt.— Die unwiderrufliche Aunstellung von Gemeindebeamten wird aus prinzi⸗ pellen Gründen aßgelehnt.— Des Gesuch des Stenographennereius um loberlassung eines Schulsaales und dasjenige von Anwohnern der Kirchstraße um Anbringung einer Straßenlampe werden zurück⸗ gestellt.— Die Fällung einer Anzahl nicht mehr ertragsfähiger alter Wirnbärane auf der Hohl wird genehmigt.— Die Hundesteuer der Gemeinde wird auf 400 Mk. festgesetzt, sodaß mit der Landessteuer zusammen 900 Mk. pro Hund zu bezahlen sind. Der mehrfache Hunde⸗ besitz wird um den ebenso vielfachen Betrag erhöht. Die Anschaffung einer Lundemarde auf Kosten der Hundebesitzer, zur Auffindung der Steuerdrisckeberger wird baschlossen.— Zum Schluß wsinscht die so staldemokrat. Frolsson die Einberufung einer außerordenklichen Sitzung des Gemeinderats zu einer Trauerkundgebung und zum Protest gegen den von den Franzosen begangenen Vertrags⸗ und CCC AAA Oase Sori Meer,. iel dmg geshen, 4 in alter beuährter Güte! I geeignet für alle Arten von Wäsche. Allesnce rter steller; MARKET A iB. SUss took, qu der i ,²ÿ9ο˙ν˖ẽj⅛unENHO(Hees Weosc r D Sleich, Sog Friedenspruch. Rektor Dr. Rein soll ein entsprechendes kurzes Referat halten, dem wird zugestimmt. Protestlundgebung des Gemeinberats in Wieseck gegen die fran⸗ zösischen Genglttaten ün Ruhrgebiet. Aus Wieseck wird uns be⸗ richtet: Zu eine feierlichen Kundgebung vareinigte sich am vergangenen Sonntag nachmittag 2 Uhr der hiesige Gemeinderat, um gegen die neuesten Gewalttaten der Franzosen zu protestieren. Reltor Dr. Rein erinnert einleitend an den Ernst der Stunde, die über das fernere Schiclfal unseres Vaterlaubes entscheideat und nahm diese Gelegenheit wahr, den Dank an die Männer auszusprechen, die in Deutschkands schwerster Zeit, im Chaos des Zusammenbruchs, den Mut und die Craft ausbrachten, die Leitung des Reichs in die Hand zu nehmen. Das gleiche gilt von denen, die am 29. Juni 1919 blutenden Herzens ihren Namen unter den Schandvertrag von Ver⸗ sailles setzen mußten. Nach diesem Abschnitt folgte eine Reihe Konferenzen, die uns zu denken gaben. In Spaa stand uns die Entente noch in geschlossener Phalanx gegenüber, bei den folgenden Konferenzen zeigte sich ein Riß nach dem and ren. Heute kann man sagen: Die„Entente cord'ale“ Aft innerlich gebrochen.“ orgiht sich daraus für uns? England und Amerika tun nichts u. f sie wollen nur im eigensten Interesse nicht den Untergang e dent schen Volkes. Was will dagegen Frankreich? Es will nicht die ihm durch den„Friedens“ ⸗vertrag zugesprochenen Milliarden, es will Deutschland auf dem Punkt haben, um Frankreich zu ersten Macht Europas werden zu lassen, es will den alten Traum aus träumen: Der Rhein ist die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Was ergibt sich hieraus flir uns? Mag der eine links oder rechts stohen, hier müssen wir als Brüder eee alle Parteigegensätze haben zu schweigen, treu und wahr haben wir hinter der Regierung zu stehen.— Am Schlusse seiner von tiefem Ernst vorgetragenen Ausslihrungen empfahl der Redner die Unterschrift und Absendung folgender Resolution, welcher der vollzählig versammelte Gemeinde⸗ vat nachkam: Wieseck, den 14. Jamtar 1923. An das Hessische Gesamtministerium zu Darmstadt. Der zu einer Trauertagung einberufene Gemeinderat zu Wieseck(Kreis Gießen) erhebt feierlichst Einspruch gegen die im Ruhrgebiet an uns begangene neue Vergewaltigung. Abermals hat man die Hoheitsrechte eines freien Volkes mit Füßen getreten. Wieder hat Gewalt über Vernunft und Recht obgesiegt. das Zentral⸗ gebiet der deutschen Wirtschaft soll verfklabt werden. Ohne Rück⸗ sicht auf Parteien und Ansichten stellen wir uns in dieser ernsten Stunde geschlossen hinter die Regierungen unseres Landes und Reiches mit dem Ausdruck unseres absoluten Vertrauens. Der Bürgermeister und der Gemeinderat zu Wieseck. — Heuchelheim. Endlich ist es gelungen, auch in Heuchelheim den idealen Gedanken einer Volkhochschule zu verwirklichen. Zu diesem Zweck fand am Mittwoch den 10. Januar im Lokale von Karl Volkmann eine öffentliche Versammlung statt, in welcher es der er⸗ schjenene Redner, Herr Dr. Werner, von der Volkshochschule Gießen, in seinem äußerst lehrreichen Vortrage vorzüglich verstand, Zweck und Ziel der Volkshochschule in allgemeinverständlicher Weise darzu⸗ legen. Frei von konsessioneller und politischer Richtung, soll sie jedem Intereffierten eine breitere, umfassendere Weltanschauung bringen, und allen vom Treiben des Alltags Erschlafften die höchsten Güter des Lebens kennen lernen.— In der anschließenden Aussprache er⸗ gab sich, daß in dieser Bewegung allem Anschein nach ein lang be⸗ standenes Bedürfnis Befriedigung gefunden hat, wovon etwa 50 ab⸗ gegebene Beitrittserklärungen zeugen. Nach der Versammlung fand die Gründung und Organisation des„Volkshochschulvereins Heuchel⸗ heim“ statt. In liebenswürdiger Weise haben sich aus unserer hie⸗ sigen Lehrorschaft verschiedene Herren bereit gefunden, uns ihr »Wissen zur Verffigung zu stellen, sodaß es möglich war, als Beginn für die diesjährige Vortragsreihe Donnerstag, den 18. Januar 1923 festzulegen. Herr Rektor Schmidt beginnt mit„Geschichte von Heuchel⸗ heim.“ Es folgen„Wirtschafts⸗Geographie“ von Herrn Lehrer Sang und„Kulturgeschichte“ von Herrn Lehrer Reidt. Je nach Bedürfnis der Interessenten können auch noch andere Sachen gegeben werden. n. — Watzenborn⸗Steinberg. Am Sonntag. den 14. ds. Mts. fand bier eine Mitgliederversammlung der Vereinigten Sozial⸗ demokratischen Partei statt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: Regelung des Beitrages stand die Versammlung einmütig auf dem Standpunkt, daß der Partei auch sernerhin die Mittel nicht ver⸗ sagt werden dürften, und stimmte der neuen Beitragsregelung des Landes⸗Vorstandes zu. Unter Punkt 2 wurde die Stellung⸗ nahme der Fraktion zur Regierungsbildung in Hessen von einzel⸗ nen Genossen scharf kritisiert. Dieselben waren der Ansicht, daß durch Einbeziehung der Deutschen Volkspartei in die Regierung der Einfluß unserer Partei wesentlich geändert würde und traten für den Austritt umserer Partei aus der hessischen Regierung ein. Grundfätzlich stimmten alle Genossen gegen eine Erweiterung der Regierung nach rechts. andererseits waren gber auch einige Genossen der Ansicht, daß man Parteivorstand und Führern mehr Vertrauen in solch schwierigen Situationen entgegenbringen müsse da dieselben von einflußreicher und maßgebender Stellung aus, die Sachlage besser beurteilen könnten. Unter Punkt Verschiedenes wurden noch einige örtliche Angelegenheiten besprochen, worauf der Vorsitzende in schon vorgerückter Stunde die an Betefligung und Diskussionen rege verlaufene Versammluna schloß. hm. Kreis Wetzlar. s. Odenhausen a. d. Lahn Bei der Sammlung zur Winter⸗ nothilse sind hier kaum 12000— zwölftausend— Mark einge⸗ gangen. Wenar die vielen Frommen in unserem Orte den Bihel⸗ worten von Nächstenliebe und Mildtätigkeit Veachtung schenken würden, hätte weit mehr zusommenkommen müssen. Allein da scheimen viele wichts für die Aermsten unseres Volkes übrig zu haben. Doch es gilt auch heute noch das Wort von denen, die in Schafspelzen einhergehen innen aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Werken sollt ihr sie erkennen! Westerwald und Unterlahn. — Vom Zuge totgefahren. Im Bahnhöfe von Herborn wurde am Freitag früb auf dem Gleise der 37 Jahre alte Bremser Paul Peil, in Dillenbura stationiert, tot aufgefunden. Der bedauernswerte Manm war in zwei Teile zerfahren und muß der Tod sosort eingetreten sein. Wie und wann das Unglück geschehen, kaum niemand sagen. Die Familie des Verunglückten, welcher aus Burg stammt. wohnt in Butzbach. Von Nah und Fern. Frankfurt a. M., 15. Januar. Frankfurter Getrelde⸗ börse. Bei weiter steigenden Preisen wurden heute bezahlt für je 100 Kilo Weizen Mk. 46 00048 000, Roggen Mk. 40 000—42 000, Gerste Mr. 3500037 000, Hafer, inländischer Mk. 28 000—33 000, ausländischer Mk. 4400048 000, Mais(La Plata und Mixed) 272722 ᷣͤ b Innaenes Nlemale esel Nur d OH SSKURAIl Mk. 44 000—4% 000, Weizenmehl, fsüsßd.. mehl Mk. 56 00059 000, Kleie Mk. 19/ 50%, Erbsen Mk. 65 600— 75 000, Biertreber Mk. 25 00027 6%.— Als Zeichen der Trauer um die neue VBebrückung des deutschen Volkes ruhten an der Getreidebörse heute mittag sämtliche Geschüfte zwischen 11 und 11% Uhr. Frankfurt a. M., 15. Jan, Für 100 Millionen Wechsel gefälscht. Die Kriminalpolizei verhaftete den Schweizer Staatz⸗ angehörigen Karl Gruber, der zum Nachteil einer Züricher Firma Wochselfälschungen in Höhe von 50 000 Schweizer Franken— heute etwa 100 Millionen Mark— verübt hat. Gruber hat sich bei einem bekannten Frankfurter Villenbesitzer monatelang unangemeldet auf⸗ gehalten. Die Ermordung eines Amerilaners macht in Berlin großes Aufsehen. Der Ermordete der allerlei Valutageschäfte gemacht hatte, heißt Nowak. Er wurde tot, anscheinend vertziftet im seinem Hotelzimmer aufgefunden. Fahndungen nach allen Ni sofort eingeleitet Ein Chemiler des Polizeipräsidiums hat mit ziemlicher Sicherheit festgastellt, daß das zur Ermordung Nowalz bnutzte Betäubungsmittel aus einem Gemisch von- TDetrachlorid und Patschuli⸗Parfüm bestand. Ein chemischer„ verständiger stellte an allen Stellen in den Wohnungen der Aus⸗ länder und in deren Kleiderschränken den gleichen Geruch fest. Von dem Grubenunglück auf der Donnersmarckgrube in Ober⸗ schlesien berichtet der Vorwärts: Das Unglück auf der Abwehr⸗ grube ereiguete sich auf der 280 Meter⸗Sohle in der Förderstreck des Hugo⸗Flözes durch Entzündung eines Benzobbehälters einer Grubenlokomotive. Hierbef geriet die Zimmerung der strecke in Brand. Die entstehenden Rauchschwaden und Bra zogen mit den frischen Wettern nach dem Arbeitsort und über⸗ raschbten die dort tätigen Bergleute. Von der 48 Mann Belegschaft konnten sich nur 2 durch eilige Flucht retten, während die übrigen 46 Mann darunter ein Oberhäuer giftigen Gasen zum Opfer sielen. 9 von den Verunglückten sind ledig, 87 ver- heiratet. Die Lösch⸗ beziehungsweise Aufräumungsarbeiten iin von einer Rettungskolonne sofort in Angriff geno worden. Mn versucht durch starke Bewässerung des Brandes Herr zu wer⸗ den, ohne größere Abdämmunasarbeiten vornehmen zu müssen, die eine Bergung der Verunglückten vor Wochen unmöglich m würde. Durch die Vernichtung der Zimmerung ist das Flöz teil⸗ weise zusammengebrochen. Die Rettungsarbeiten werden dadurch sehr erschwert. Trotzdem hofft man, an die Verunglückten ge⸗ langen und sie bergen zu können. Es ist aber kaum damit zu 0 auch nur einen vom ihnen lebend zutage bringen zu önnen. 77 0%, Roggen Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsuerkündigungsblatt für den Kreis Gießen usm. Nr. 4 vom 12. Januar 1923 enthält: Wahlen zum Provinzialtag.— Gebühren für amtstierärztliche Dienstverrichtungen.— Prüfungen im Jahre 1923.— Erneuerung der Viehhandelserlaubniskarten für das Jahr 1923.— Höchstpreise für Mehl und Brot.— Maß und Gewichtspolizei und die Durchführung der Nacheichung in der Stadt Gießen. Wahlen zum Provinzialtag. Der Provinzialausschuß hat feft⸗ gestellt. daß nach der Wabl vom 19. November folgende Personen als Mitglicber des Provinzialtags gewählt sind: 1. Dr. Albert Aaxon. Rechtsanwalt. Gießen. 2. Adam Becker, Gastwirt Groß⸗ Felda. 3. Karl Breidenbach. Oekonomierat, Dorheim. 4. Theodor Cellarius, Landwürt, Scholten. Hainrich Christ. Landwirt und Mühlenbesitzer Holzmühle bei Lollar. 6. Konrad Philipp Diehl, Landwirt und Bürgermeister Hochweisel. 7. Valentin Dillemuth, Maurer, Hainchen 8 Wilhelm Fenchel, Landwirt. Ober⸗Högern. 9. Dr. Paul Gisevius. Universtäts⸗Professor, Gießen. 10. Dr. b. c. Wilhelm Grünewald. Justiazrat Gießen. 11. Heinrich Häuser, Parteisekretär, Gießen. 12 Otto Hauck, Baurat. Friedberg 13. Karl Haupt, Angestellter Gießen. 14. Dr. Georg von Helmolt, Rechtsanwalt. Friedberg. 15 Karl Hesse Otterbach. 16. Friedri Jost. Bürgermeister. Bermutshain. 17. Alfred Kiel jr. schaftsbeamter, Gießen. 18 Heinrich Kipper 8. Weißbindermeister, Ober⸗Seemen. Stadtver⸗ ordneter Bad⸗Nauheim. 20. Bildingen. 21. Paul Heinrich Korell. Eudorf. 22. ö merzienrat. Friedberg. 23. Heinrich Laud 5 a 24. Anton Lux Landtagsab geordneter, Nieder⸗Florstadt. 25. G. Landwirt, Grund⸗Schwalheim. 26. Ludwig N Landgerichtsdirektor. Gießen 27. Martin Reck Krankenkassen⸗ boamter, Vilbel. 28 Georg Mepp. Buchdrucker, Schotten. 29. Karl Roemheld. Geh. Justizrat. Oberamtsrichter, Nidda. 30. Theodor Schröder. Rechtsanwalt. Friedberg. 31. Otto Schneider 1. Land⸗ wirt, Utphe. 32. Karl Schwalb Landwirt. Großen⸗Buseck. 33. Friedrich Wilhelm Wesenbach 4., Bürgermeister, im. 34. Ludwig Wollrab. Gärtner, Alsfeld. 35. Heinrich Zinn, Maurermeister. Landenhausen. Gegen die Gültigkeit der Wahlen sind keine Beanstandungen erhoben worden. Der obige Beschluß des Proviuzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 6. ds. Mes. liegt gemäß Art. 60 und 62 des Gefetzes über die Wahlen der Stadtverordneten und Ge⸗ meinderatsmitglieder sowie der Mitglieder der Kreis⸗ und Pro⸗ vinzialtage vom 19. August 1922 vom 13. bis einschließlich 28. ds. Mts auf der Provinzialdirektion Oberhessen. Gießen Ostanlage 33, offen. Während der Offenlegungsfrist können von den Stimm⸗ berechtigten gegen den Beschluß bei dem Provinzialdirektor Ein⸗ wendungen schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Versammlungskalender Lollar. Sozialdemokratischer Wahlverein. Nen Donnerstag, den 18. Januar, abends 8 Uhr, in der alten Schule, findet die Mitglieder⸗Versammlung statt. Tages⸗ ordnung wird in der Verfammlung bekanntgegeben. Alles erscheinen. Wieseck. G.⸗V„Sängerkranz“. abends 8% Uhr Gesangstunde.— Samstag, 8% Uhr Generalversammlung. Gießen. Frauengruppe der Vereinigt. Soziald. Parter. Donnerstag, den 18. Januar, abends 824 Uhr im Gewerkschafts⸗ haus Fraltenversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Ge⸗ nossin Lorenz von der Sitzung des Landes⸗Arbefterwohlfahrts⸗ ausschusses in Offenbach. 2. Neuwahl der Leitung. Pünktlich und zahlreich erscheinen. Rödgen. Wahlverein. Sonntag, den 21. Januar, nach⸗ mittags 13 Uhr Generalpersammlung bei Wirt Wagner. Tages⸗ ordnung: Jahresabschluß. Vorstandswahl usw. Mitgliedsbücher mitbringen. Der Dollar zeigt rapide Steigerung. Gestern mittag 12 Uhr wurden ca. 16 500 Mark notiert. Giessener Konzert-Verein Sonntag. den 21. Januar, nachmittags 5 Uhr vlertes Konzert i. d. Neuen Universitäts-Aula Fr Aogenchalu Heede ing Nosu Lieder u. Duette von Cornesius, Brahms, Wolft, Strauss und Göhler. Eintrittskarten Mk. 200.—, 180... 150. M 1. dei Ernst Chalsier und abends an der Kasse, Studen- tenkarten Mk.(0— nur im Vorverkaut beim Haus- Donnerstag, 18. Jan., 20. Jan., abends verwalter der Universität. Auf die Abonnements lieren die Abonnementskarten ihre Gültigkeit * Parteigeuos eul Agitiert für die Oberhessische Volkszeitung!l w Meustadt 6 8 ahn e lad Manufakturwaren, Wäsche Herren- u. Damen- Garderobe Frankĩurter Strasse 19, am Bahnübergang Lina Bernard, Bismarckstr. 6 HManufakturwaren Nr. 1 Carl Frensdorf, Gießen Nr. 1 Herren- Bekleidung Hotels, Restaurants, Cafés Hotel Schütz, le Linnlar Haus eraten Ranges Telephon 104— Bahnhoistrasze 52 Neustadts Bahnhof- strasse 2 e 2 2 3 LUDWIG STERN, Gießen Bahnhoi⸗- strasse 25 Grösste Auswahl in Kleider- Stoffen, 8 Stoffen, sowie in allen Billige Preise! Manufakturwaren Reelle Bedienung! Bahnhofs-Hotel Lenz Neu renoviert! Zentralheizung Am Bahnhof Telephon 151 N 2 2 egerboff E Soslar, Freuzplatz Kleiderstoffe, Seidenstoffe Damen- und Kinder- Konfektion 2 Th. Brüe i Th. 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