chaten: Gießen Bahnhofstraße 25 Fetusprecher 2005. dalle Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Expedition: Gießen g Bahuhoffraße 23 ö Jerusprecher 2008 i i b. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Honnementz reis mit den Beilagen,Das Blatt der Frau und, Land⸗ wirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 3300.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezog. 8300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120—Mt Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mk, auswärts 80.— Mt., die Reklamemillim i 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird e en · der Rabalt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 1 ö 1 Nr. 110 Gießen, Mittwoch, den 16. Mai 1923 18. Jahrgang N* Lohnpolitik u. Preispolitik. Prosit und Volksinteresse. Als die Regierung im Februar die Markstützungsaktion nternahm, forderte sie von der Wirtschaft und von der Ar⸗ iterschaft unterstützende Hilfsmaßnahmen: jene sollten die Preise abbauen, diese keine weiteren Lohnerhöhungen for⸗ Daß die Stabilisierung des Lohnniveaus nur ertrag⸗ sei, wenn tatsächlich ein merkbarer Abbau der reise erfolgen würde, gab die Regierung zu, aber sie stellte dieses Ziel ihrer Markstützungsaktion mit aller Be⸗ immtheit in Aussicht, wenn es nicht von der Lohnseite her verhindert würde. N Am 6. März erließ die Regierung die bekannte Kund⸗ gebung, in der sie„mit allem Nachdruck“ betonte, daß sie den u sbeschrittenen Weg— Markstützung und Preisabbau—„ent⸗ scchlossen weiter verfolgen“ werde. Es sollten aber auch„alle an der Regelung der Lohnverhältnisse Beteiligten daraus ie richtige Lehre ziehen“. Dieser eindeutigen Aufforderung m die Arbeitgebr hätte es nun allerdings gar nicht bedurft, enn die mit der Ruhraktion sich schnell ausbreitende Wirtschaftskrise gab dem Unternehmertum beim Lohnkampf ohnedies alle Trümpfe in die Hand, und es rauchte nicht erst ermahnt zu werden, davon skrupellosen brauch zu machen. Immerhin geftattete die Parole der Regierung den Ar⸗ itgebervertretern, nunmehr für lauteren Patriotismus auszugeben, was alle Welt sonst als schnöde Gewinnsucht und sozialen Unverstand angesehen haben würde. Fortan erschienen sie bei allen Lohnverhandlungen in der Rolle des leidenschaftlichen Vaterlandsfreundes, dem die Gebote der Regierung oberstes und heiligstes Gesetz sind. Sie bestritten ielfach gar nicht die soziale Berechtigung der Arbeiter⸗ orderungen, goben zu, daß in der voraufgegangenen Zeit der Preishausse die Löhne nicht mitgekommen seien, und daß immer noch, trotz der Markstützung, eine Aufwärts⸗ egung der Lebenshaltungskosten zu beobachten sei. Aber Ran darf der Regierung um keinen Preis in en Rücken fallen! Triumphierend konnte die Arbeit⸗ geberzentrale verkünden, daß es mit tatkräftiger Unter⸗ stützung der Regierung, die auch nicht unterlassen habe, den nachgeordneten sozialen Behörden entsprechende Anweisun⸗ gen zu geben, gelungen sei, das Lohnniveau des Februar im März und im April zu„hstabilisieren“. Wie aber sah es derweilen auf dem Gebiet der Preise aus? Daß die Preise, soweit sie überhaupt Miene dazu machten, auch nicht entfernt den erwarteten Rückgang zeigten, daß die Lebenshaltungskosten statt des versprochenen Rückganges vielmehr im März eine Steigerung um fast 10 Prozent gegenüber dem Februar aufwiesen und Ende April gegenüber dem Märzniveau eine noch größere Steige⸗ 5 ist hinreichend bekannt. Wie aber stellten sich die maß⸗ gebenden Unternehmer vertretungen dazu? aben sie sich der Preiswelle ebenso tapfer und patriotisch begeistert entgegengeworfen, wie sie sich auf die Löhne stürzten? Man findet darüber in der wirtschaftlichen Fach⸗ presse der Unternehmer interessante Aufklärungen, die den bei den Lohnverhandlungen so ostentativ zur Schau ge⸗ tragenen Patriotismus erst in die richtige Beleuchtung rücken. Nachstehend einige Proben aus der Holzwirt⸗ sschaft, die ein ganz besonders geeignetes Objekt für den Preisabbau darstellt. Nach den bon der gegenwärtigen Re⸗ gierung herausgegebenen Richtlinien über die Preisbildung soll für die Inlandserzeugnisse ein Preis berechtigt sein, der der inneren Entwertung der Mark entspricht. Das l Inlandsprodukt Holz, bei dessen Gewinnung auch i unterm Mikroskop nicht eine Spur ausländischer Pro- duktionskosten zu entdecken wäre. hat aber nicht nur die äußere Geldentwertung aufgeholt, sondern der Holzpreis sist, in Gold gerechnet, bis auf das Zwei⸗ und Dreifache der Vorkriegszeit gestiegen. Wenn also überhaupt von der Preisabbauparole eine Wirkung zu erwarten war, dann mußte sie sich beim Holz zeigen, dessen Preis weit über die Hälfte hätte sinken müssen. 5 Nun haben die Merktberichte tatsächlich einen Preis- ückgang von etwa 20 bis 30 Prozent gemeldet. Das war ber keineswegs eine von den Interessenten gewollte irkung der Regierungsaktion, sondern nur das zwangs⸗ läufige Ergebnis einer verheerenden Krise, die e über die holzverarbeitende Industrie hereinbrach nd die Holzverkäufe fast ganz zum Stillstand brachte. Es handelte sich also bei den Marktberichten nur um verhältnis⸗ äßig wenige Notverkäufe, und es wäre ganz ver. ehlt, daraus Schlüsse auf den gegenwärtigen Preisstand iehen zu wollen. Und nun soll gezeigt werden, welche mpfhaften Anstrengungen das Hauptorgan des Holz⸗ handels, der in Berlin erscheinende 0 . 1 7 910 Holzmarkt, machte,! Sachwerte als Garantien. Das neue deutsche Angebot. Die Noten der englischen und der italienischen Re⸗ gierung unterscheiden sich in ihrem wesentlichen Inhalt kaum. Auch ihre Form hat vieles Uebereinstimmende, das der französischen Regierung Rechnung trägt und von ihr gebührend anerkannt wird. In Deutschland gibt es jedoch gewisse Kreise, die insbesondere an dem Ton der englischen Note Anstoß nehmen. Auf uns trifft das nicht zu. Ein Land, das den Krieg verloren hat, muß leider vieles in Kauf nehmen und sich manche Rücksichtslosigkeit gefallen lassen. Insofern verzichten wir darauf, uns mit der negativen Seite der Noten näher zu befassen. Deutschlands Situation erfordert Verhandlungen, wenn wir schließlich nicht alles verlieren wollen, und deshalb scheint es besser, die Blicke auf die Zukunft zu richten, statt über Dinge zu reden, die doch nicht mehr geändert werden können und die bei dem Verhältnis der Alliierten untereinander verständ⸗ lich sind. f Das Positive an der englischen Note ist die Mit⸗ teilung, daß Lord Eurzon bereit ist, unter gewissen Voraus⸗ setzungen bei den übrigen Alliierten für eine Lösung der Reparationsfrage und damit der Lösung des Ruhrkonflikts zu intervenieren. Wenn er diese Interventionsabsicht an bestimmte Bedingungen knüpft, dann ist das zu verstehen. Dagegen wünscht die englische Note andererseits, daß alle unwesentlichen strittigen Punkte in der neuen deutschen Antwort ausgeschaltet werden. Da sich die Note weder mit der Räumungsfrage, noch mit der Angelegenheit der passiven Resistenz, ebensowenig aber mit der Sicherheitsfrage befaßt, bleibt anzunehmen, daß diese Punkte von England ols vor⸗ läufig unwesentlich betrachtet werden. Eine derartige Auf⸗ fassung von der Taktik, deren sich Deutschland befleißigen soll, scheint uns nicht ganz unberechtigt. Es ist sicher besser, die Räumung des Ruhrgebiets und die rein politischen Fragen erst am Verhandlungstisch zu erörtern und nicht in einem Notenwechsel fortgesetzt zur Debatte zu stellen. Solange das geschieht, dürfte der schriftliche Ge- dankenaustausch nur schwer, vor allem aber langsam, zu einem Ergebnis führen, dem schließlich Verhandlungen folgen. 0 Fest steht jedenfalls, daß keine der alliierten Mächte unser letztes Angebot als ausreichend für eine Verhandlungsbasis hält. Verhandeln aber wollen wir und bestimmt auch England und Italien. Deutschland ist der schuldende Teil, und es hat deshalb auch die Pflicht, jetzt weitere Schritte zur Lösung zu machen, ganz abgesehen da⸗ von, daß unsere Gläubiger bestimmte Schritte erwarten. Das Versäumte muß al so nachgeholt werden. Wir müssen ein neues Angebot an die alliierten Regierungen richten und uns hierbei in erster Linie von dem Gedanken leiten lassen: Wie ist die Ruhr auf schnellstem Wege zu befreien? Sicherlich ist es für eine Regierung nicht leicht, ein erhöhtes Angebot zu machen, nachdem sie sich bereits auf 30 Mil⸗ liarden festgelegt hat. Aber wir sind der Auffassung, daß es im Augenblick viel mehr auf die Garantieleistun ⸗ gen Deutschlands für die notwendigen Anleihen ankommt, als auf eine direkte zahlenmäßige Erhöhung unseres letzten Angebots. 73 N Von der Garantiefrage hängt jetzt alles ab. Ihre Regelung wird zu Schlußfolgerungen über das be · rechtigen, was Deutschland zu leisten vermag und anbieten kann. Zunächst muß deshalb besonders klargestellt werden: Wer soll in Zukunft die Reparationen zahlen? Der Verfuch der Vorjahre, unsere Nachkriegsverpflichtungen durch die Notenpresse zu erledigen, hat zum Zusammenbruch — um eine wirkliche Senkung der überhohen Holzpreise zu verhindern. 3 Am 8. März druckte der Holzmarkt die Regierungs⸗ kundgebung ab, die den Preisabbau und die Ablehnung weiterer Lohnerhöhungen fordert. Schon am 14. März läßt er sich wie folgt vernehmen: g „Man glaubt begreiflicherweise nicht recht an einen ernstlichen Rückgang der Holzpreise, weil man es gerade für sich nicht gerne glaubt. Man munkelt hin und her, ohne zu einem klaren Schluß zu kommen. Hier kann nur eiserne Ruhe und Kaltblütigkeit helfen, niemals aber Hast und Ueberstür zung, die nur geeignet wären, den ganzen Markt gründlich zu verderben.“ Mit banger Sorge sah der Holzmarkt, daß der Holz- handel unter dem Druck der Krise sich hier und da verleiten ließ, seine Preise herabzusetzen. Darum wiederholt er seine Mahnung am 16. März: f „Der zur Zeit wirklich traurigen Situation gegenüber kann man doch mit Befriedigung feststellen, daß die Holz⸗ wirtschaft so gesund dasteht, wie wohl noch nie zuvor. Pflicht für alle, die nicht durch zwingende Verbindlichkeiten zu überstürzten Ver⸗ käufen genötigt sind, ist jetzt, die Ruhe zu bewahren, die Ware zu behalten, die wirk⸗ lich kau sendmal besser ünd begeh rens werter als die Papiermark ist! Unendlich viele sind in der Lage, nach diesem Rezept zu verfahren, ganz Glückliche können sogar die Zeit des Preisrück⸗ ganges zum Zukauf von Ware benutzen, die von dringend Geldbedürftigen verkauft werden muß, und sie entlasten durch ihre Aufnahmebereitschaft zugleich den beun⸗ ruhigten Markt.“ J Man bcachte das ausgezeichnete Rezept für die Stützung zwar nicht der Mark, aber der Preise: wo sich eine Preis⸗ verbilligung zeigt, soll der Holzhandel selber die angebotenen Vestände auflaufen, damit um Himmelswillen nicht die Konsumenten in den Besitz billigeren Holzes kommen. Gott sei Dank ist die Holzwirtschaft gesund genug, um sich das leisten zu können! Das Rezept hat offenbar auch ge⸗ holfen, denn am 20. März schreibt das Blatt mit einem tiefen Aufatmen: „Unsere Mahnung in Nr. 65 hat eine überraschend schnelle und sehr durchgreifende Beachtung gefunden. Am Freitag erschien unser Artikel. am Sonntag und Montag war das Bild in Angebot und Nachfrage schon wie umge⸗ wandelt.“ 5 Leider zeigen sich in der ehrsamen Standesgenossen⸗ schaft des Holzhandels immer noch einige räudige Schafe, denen das Gefühl dafür abgeht was in dieser Zeit die Ehre des Standes verlangt. Ihnen redet der Holzmarkt am 21. März nochmals ins Gewissen: 1 „Wen die bittere Not zum Verkaufen zwingt, der ver⸗ kaufe in Gottes Namen. Zu Angstverkäufen jedoch liegt absolut keine Veranlassung vor! Wer nur aus Furcht, er könnte später etwa weniger für seine Ware bekommen, zum Verkaufe eilt, der versündigt sich am Ganzen, denn er reißt voreilig das wankende Preisgebilde mit ein.“ Am 27. März wiederholt er den eindringlichen Appell an die„Standesehre“: 5 0 „So wie die Dinge heute nun einmal liegen, bleibt nur eines übrig: mit äußerster Ruhe die Klärung der Lage ab⸗ warten, den Nacken steif halten und auf keinen Fall die Zahl jener Werke, die infolge pekuniärer Sorgen ver⸗ kaufen müssen, durch übereilte Angstangebote vermehren helfen! Noch einmal: Wer nur aus Angst, die Preise könnten noch mehr fallen, anbietet, fällt dem eigenen Stand in den Rücken! Nur jetzt keine Uebereilung oder gar Ueber⸗ stürzung!“ Das ist die Begleitmusik zur Markstützungs⸗ und Preisabbauaktion der Regierung! An der Ruhr wird um das Schicksal Deutschlands gekämpft. Auch der Holzmarkt gerät darüber in innere Bewegung und — rechnet welches Geschäft dabei wohl für den Holzhandel herauskommen kann. Das Ergebnis dieses Nachdenkens ist keineswegs unbefriedigend, wie er am 19. April verkündet: „Wenn auch das wirtschaftliche Leben im besetzten Ge⸗ biete aufs schwerste geschwächt worden ist, der Holzverbrauch dort vielleicht beträchtlich geringer gewesen sein mag, eins steht fest: der Verbrauch ist von den dort vorhandenen Vor- räten gegangen, diese konnten durch neue Zufuhren nicht er⸗ setzt werden, und sowie einmal diese Ab ⸗ schnürung des besetzten Gebietes aufhört, wird dieses wie ein Magnet alle verfüg⸗ baren Partien heranziehen. Tritt dieser Augenblick ein und er muß kommen—, dann haben wir eine Nachfrage nach Holz zu gewärtigen, die vielleicht größer und vor allen Dingen gesünder ist als irgend eine zuvor.“ g Nun mag der Ruhrkampf enden wie er will die Holz⸗ wirtschaft ist gesund und sie wird durch diesen Kampf noch gesunder werden. Diese tröstliche Aussicht wird den Holz⸗ händlern die seelischen Kräfte geben, um dem Ansturm gegen das„wankende Preisgebilde“ nicht nur weiterhin mit Er⸗ folg zu widerstehen, sondern— man wird nicht lange darauf zit warten brauchen— zur Gegenoffensive überzugehen. . 3 2 lkszeitung . — unserer Ffnanzwirtschaft geführt, zu einer Enteig⸗ nung der Mittelschichten des deutschen Volkes, aber andererseits auch zur Erhaltung und Stärkung des Sachwertbesitzes. Daß die Schichten, die auf Kosten des Volkes seit 1914 zunächst zum Kriegsgewinnler, dann zum Nevolutionsgewinnler, später zum Reparations⸗ gewinnler wurden und inzwischen sinnlose Inflations⸗ gewinne einstecken, nun endlich einmal nicht nur garan- tieren, sondern auch zahlen, verlangen das In- und Ausland. Das Ausland steslt diese Forderung, weil es sieht, daß nur die Sachwertbesitzer den allein zahlungs⸗ fähigen Kreis darstellen. Das Inland in seinen aller breitesten Schichten erhebt aber diese Forderung, weil es die Praxis satt hat, sich unter patriotischen Phrasen weit über die äußere Last hinaus von seinen Sachwerten ent⸗ eignen zu lassen. Die Art, wie gerade hier die Herren Helfferich, Keinath und Fischer⸗Köln in trauter Einheits⸗ front jede Zahlungsleistung vom Besitz fernhalten und alles uf die Massen abgewälzt haben, ist nicht geeignet, im Ausland Vertrauen und im Inland Zuversicht zu er⸗ 5 Langsam beginnt man nun endlich auch in der⸗ bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft das ehemals so verhaßte Wort„Erfassung der Sachwerte“ wenigstens stotternd aus⸗ zusprechen. Maßgebende Regierungskreise sollen sich in⸗ tzwischen ebenfalls darüber klar geworden sein, daß wir in der Tat ohne die . Sachwerte als Garantieleistung nicht weiterkommen und daß eine gesetzliche Festlegung zu diesem Zweck nicht nur unbedingt notwendig, sondern viel⸗ leicht auch erzwungen werden muß. Daß es dem gegenwärtigen Reichskanzler als Vertrauter der Wirtschaft nicht leicht fällt, einen derartigen Schritt zu tun, von dem alles abhängt und der schließlich die Grund- lage für die ziffernmäßige Angabe unserer Gesamtleistung bildet, ist verständlich. Schon munkelt man von einem ücktritt der Regierung, obwohl sich auch die Ar- beitsgemeinschast einig darüber ist, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Regierungskrise vermieden werden muß. Das ist auch unsere Auffassung! Die Regierung, die uns bis hierher geführt hat, die Re⸗ ierung der„diskontfähigen Wirtschaft“, ist gewissermaßen verpflichtet, ihr ungenügendes erstes Angebot zu ergänzen und die notwendigen Verhandlungen zu führen. Ihr Rück tritt könnte nur als Flucht vor der Verantwortung gedeutet werden.. Sie müssen. Dias Reichskabinett wird sich erst im Laufe des Diens⸗ tags mit der englischen und italienischen Note befassen. Die raktionen des Reichstags haben bereits Montag zum Teil zu der Lage Stellung genommen. Die sozialdemo⸗ kratische Fraktion tagte bis in die späten Abendstunden und ist der Auffassung, daß möglichst bald eine Antwort an die alliierten Mächte erteilt werden muß. Anläßlich der dritten Lesung des Etats des Auswärtigen, die am Mitt⸗ woch vorgenommen werden soll, wird die Fraktion Gelegen- heit nehmen, durch den Genossen Hermann Müller vor aller Oeffentlichkeit erneut ihren Standpunkt klar zu legen. Wie verlautet, beabsichtigen auch die bürgerlichen Parteien in diesem Sinne zu verfahren. Ob ein Mitglied der Regierung, entweder der Reichskanzler oder Reichs⸗ außenminister, sich befähigt fühlt, in dieser Situation öffent⸗ lich zu den Dingen Stellung zu nehmen, erscheint augen⸗ blich noch sehr fraglich. Viel eher ist an Ueberraschungen zu denken. Schon hat der Reichsaußenminister bekannten Persönlichkeiten gegenüber erklärt, daß er wohl bereit ist, in einem neuen deutschen Angebot eine nähere Präzision der Garantiefrage vorzunehmen, aber nicht in der Lage wäre, zahlenmäßig ein höheres Angebot zu machen. Die Flucht Das Hamburger Hamburg, 15. Mai.(Eigener Drahtbericht. Ueber die hier vorgenommenen Verhaftungen deutsch⸗ völkischer Desperados erfahren wir noch folgende: Entdeckt wurden eine erstaunliche Menge von Plänen, Karten, ein überaus belastender Schriftwechsel über eine von langer Hand vorbereitete, sich über Pommern, Mecklen⸗ burg und Schleswig⸗Holstein erstreckende Verschwörung gegen die Republik, der eine große Anzahl von Waffenlagern dienen sollte, an der sich auch diesmal offenbar wieder Offiziere der Reichswehr, mindestens als Mitwisser beteiligt zu haben scheinen. Nach den beschlagnahmten Notizen bestehen umfangreiche Waffenlager in den verschiedensten Städten Nordwestdeutschlands, nach denen zum Teil noch gesucht wird, während erhebliche Waffenmengen schon beschlagnahmt sind. Bezeichnenderweise reden sich die Verhafteten damit heraus, daß diese Läger angeblich für die Reichswehr bestimmt seien, während in Wirklichkeit in den geheimen Depots die Waffen so zusammengestellt sind, wie sie zur Armierung der geheimen örtlichen Verbände not⸗ wendig sind. Hierzu kommen besonders in Betracht, der s. Zt. im Rathenauprozeß erwähnte„Niedersächsische Bund“ und der„Heimatbund für Norddeutschland“, beides zwei Stellen der alten biederen Orgesch, die nach wie vor lebt und gedeiht. Die Leitung der Verbände lag in den Händen des Herrn Sieveking und dessen Adjudanten Mosich. Militärischer Führer war der General a. D. Hellfritz und neben ihm Oberleutnant a. D. Hassenstein. Das merkwürdigste ist die Finanzierung dieser mit großem Eifer betriebenen Verschwörung. Nach dem aufgestellten Verschwörernest. Etat müssen Millionen und Aber mi 5 die aus den Kreisen des f 41 Hamburger Großkapitals stammen sollen, dauernd dafür ausgeworfen werher. ganze Krieg im Dunkel, den eine kleine mac 0 Clique zu führen sucht, die in ihre reaktionäre verrannt ist, wird nur möglich, weil es verbrech gibt, die solche Desperados unterhalten. Es allem darauf au, öffentlich einmal diese Kreise damit sie sich vor dem öffentlichen Gericht zu haben. f 14 Die schwerindustrielle Stinnes'sche Telunion m unter der Stichmarke„Eine aufgebauschte Putsche für Hamburg: Wie die hiesige amtliche Pressestelle eil spricht die von Berliner Blättern verbreitete Nachsicht bei der Aufdeckung eines anttrepublikanischen Pußsche Hamburg⸗Altona zahlreiche Waffenlager beschlagna viele Verhaftungen erfolgt seien, in dieser Form Tatsachen. Den Meldungen lag anscheinend folgen gang zu Grunde: Im Anschluß an die Aufhebun Roßbach⸗Versammlung in Altona war festgef N daß sich in Hamburg⸗Altona eine Zentrale für ein O sation nach dem Muster der bayerischen sogen. vater u Verbände befand. Eine Anzahl von wurde beschlagnahmt. Es wurden ferner aufgefunden, durch die die Besetzung Hamburgs dur Unruhen vorbereitet wurde. Einige inaktive O ein aktiver Offizier sind in die eee ver von der Polizei festgenommen, r inzwischen auf freien Fuß gesetzt wurden. vor der Verantwortung beseelt in der gegen · wärtigen Regierung neben Herrn Rosenberg auch die anderen Minister, zu denen. insbesondere der Reichswirt⸗ schaftsminister Becker gehört. Er hat seinen Auftraggebern manchen Vorteil seit dem 9. November gebracht, aber dennoch sind sie nicht mit ihm zufrieden. Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir die Behauptung aufstellen, daß man innerhalb der deutschen Wirtschaftskreise mit Herrn Becker ebenso unzufriedn ist, wie es bei der Sozialdemokratie seit Anbeginn seiner Tätigkeit der Fall ist. Trotzdem wird diese Regierung den Verhandlungsfaden weiter spinnen müssen. Die Sozialdemokratie dürfte nichts unternehmen, was der gegenwärtigen Regierung den ersehnten Abgang leicht machen würde. Herr Cuno und seine Minister sollen an ihren Früchten sterben. Konferenz der Rheinlandvertreter. Der Reichskanzler wird am Dienstag Vertreter aller Par⸗ teien aus dem Rheinlande und den neubesetztenchebieten empfangen, um von ihnen einen Bericht über die allgemeine und wirtschaftliche Lage in den besetzten Gebieten entgegenzunehmen. Dieser Schritt ist auf eine Aktion des Zentrums, insbesondere des rheintschen Zentrums zurückzuführen. Für die Sozialdemokratte nimmt der Genosse Sollmann an dieser Besprechung teil. 5 Für ein enges Zusammenarbeiten. Die Mehrzahl der Berliner Blätter, mit Ausnahme einiger rechtsradtkaler Organe, bringt bei Besprechung der englischen und italienischen Antwort⸗Note die Erwartung zum Ausdruck, daß die Regierung Cuno jetzt ein neues, besser sormuliertes Angebot macht. Die Vossische Zeitung verbindet diese Erwartung mit dem Verlangen nach einem engen Zusammenarbeiten des Kabinetts mit den parlamentarischen Partelen. Soweit wir unterrichtet sind, sind sich die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft und die Sozialdemo⸗ kratie darüber einig, daß die neue Antwort nur nach Kenntnis⸗ nahme durch die Parteien an die alliierten Mächte geschickt werden kann, was besser schon bei der Abfassung der ersten Note geschehen wäre. Pariser Pressestimmen. Die Antwortnoten Italiens und Englands bilde ührlicher Besprechungen, u. a en Tonart dieser Noten Kern ig, daß die n, die so Zustimmueg Uung der Berlin um jeden Preis daß 5 r solang Hinzu n 2 Der Deserteur. 5 Roman von Robert Buchanan. Einunddreißigstes Kapitel. Schwarze Wolken. In Kromlaix sah man einen furchtbar bösen Winter entgegen. Die Ueberschwemmung hatte noch schlimmere Folgen nach sich gezogen, als man anfangs gefürchtet, denn gar viele Bewohner waren von der Flut in ihren Betten überrascht worden, noch mehr verloren ihr Leben unter den Trümmern der einstürzenden Häuser, man vermißte viele Frauen und Kinder, deren Leichen man nicht gefunden, weil sie ins offene Meer gespült worden waren. Der Ueber⸗ schwemmung folgte eine furchtbare Hungersnot, denn die für den kommenden Winter bereits eingeheimsten Kornfrüchte und andere Vorräte sowohl, als auch das meiste Vieh und Geflügel waren den Fluten zum Opfer gefallen. Und um das Maß des Elends noch voller zu machen, wurde eine neue Konskription ausgeschrieben. Der unersättliche Kaiser ver⸗ langte abermals 300 000 Mann, von welchen das kleine Kromlaix auch wieder seine Kräftigsten und Tüchtigsten zu liefern hatte. Das arme Fifchervolk jammerte, daß Gott und die Menschen sich gegen sie verschworen hätten. Als Korporal Derval sein Häuschen wieder beziehen wollte, fand er, daß ein Teil der Mauern unterwaschen und das halbe Dach abgerissen war, so daß, wenn Marcelle noch eine halbe Stunde länger darin verweilt hätte, man sie eben- falls zu den vielen Verunglückten hätte zählen müssen. Es dauerte bis nach Neujahr, ehe das Haus wieder in wohn⸗ lichen Zustand versetzt war. Für Korporal Derval begannen mit der Invasion von 1814 böse Zeiten. . Die Große Armee wurde von den rächenden Nationen wie eine Schar hungriger Wölfe über die Grenze getrieben. Viele Jahre hindurch hatte Frankreich Legionen ausgeschickt, um fremde Länder zu erobern und sich mit fremdent Gut zu mästen; nun nahte die Stunde der Vergeltung. Bonaparte mußte Hals über Kopf fliehen, sein Stern war im Sinken. In den entfernteren Teilen des Landes erhoben sich die An- geheime und offene Zusammenkünfte der Bourbonen, man sprach sogar schon offen in den Straßen von einer Absetzung Napoleons. Abbe Jacpuilt entfaltete in der Vendee eine rege Tätigkeit, Durras in der Touraimne. Das Volk zitterte vor einer Kosaken⸗ und Ulaneninvasion, die man allgemein voraussagte. Selbst in dem abseits gelegenen Kromlaix sprach man vor den lodernden Kaminen von nichts anderem mehr als von Blücher und dem gefürchteten Wellington. Die Stunde kam, da Napoleon seinen Kaiserthron noch retten konnte, wenn er in den Vertrag von Chatillon einge⸗ willigt hätte; aber von dem Glauben an seine Unüberwind- lichkeit überwältigt, ein Opfer seiner heftigen Leidenschaften, ließ er sich die günstige Gelegenheit entschlüpfen. Oester⸗ reich, Rußland, Preußen und das mächtige England ver⸗ pflichteten sich durch den Vertrag vom Marz 1814, eine Armee von 150 000 Mann aufrechtzuerhalten, bis Frank- reich ouf seine alten Grenzen reduziert sein werde, und die „Krämer“ Englands schossen vier Millionen Pfund zu Kriegszwecken zusammen. Napoleon vertraute trotz alledem noch immer seinem glücklichen Stern und bestand für Frank⸗ reich auf den neuen Reichsgrenzen. So marschierte er denn nach Soissons auf Blücher los und der letzte Akt des Feld- zuges begann. Der fürchterliche Winter ging seinem Ende entgegen, der Frühling zog ins Land und küßte die Natur wach, aber Frankreich stand noch immer im Zeichen des Schwertes. * Was war mittlerweile mit dem Helden unserer Er- zählung geschehen? Rohan Gwenfern schien nach seinem heldenmütigen Rettungswerk in der Allerseelennacht wie vom Erdboden verschwunden. Alle Nachforschungen blieben er⸗ folglos. In der strengen Winterkälte und den heftigen Stürmen konnte er sich unmöglich in seinem bisherigen Ver- steck aufhalten. Daß er unter den Lebenden weile, wußte Marcelle aus verschiedenen Quellen— aber wo, davon hatte keiner seiner Verwandten eine Ahnung. Sie dankte Gott, der ihn bislang gnädig beschützt hatte und der ihm seine unbegreifliche Auflehnung gegen den guten Kaiser in An⸗ betracht seines letzten menschenfreundlichen Werkes gewiß hänger. der Weißen Lilie“ In alten Schlössern gab es verzeihen werde. Ach, wenn nur kein Blut an seinen Händen seinen außergewöhnlichen Mannesmut bewiesen Meister Arfoll und andere böse Ratgeber ihm nich verwirrt hätten, er würde seine Tapferkeit nun duch s 5 Sie kannte e. handeln auf offenem Schlachtfelde bewährt haben!. noch immer nicht fassen, wie Rohan so töricht hall können, denn ihr ethisches Verständnis war naturgemäß ganl unentwickelt. Für sie war der Gedanke, daß der sehleg gra“ sam und ein Hohn auf die moderne Kultur sei, 7 n verständlich wie irgend ein philosophisches Prollam eins Spinoza oder Kant. Ihr Enthusiasmus für Napoleon hatte troh ler rigen Ereignisse des letzten Jahres keine Einbußt erl wenn er auch zeitweilig durch mächtigere Gefühle 1 ö worden war. Sie gehörte zu jenen Frauen, die feindet; daher artete, als der Stern des Kaiserz gu begann, ihre Bewunderung für ihn fast in den g Fanatismus aus wie bei ihrem Onkel Ewen. i qualen durchgemacht hatte, wollte er durchaus nit z daß es um den„kleinen Korporal“ schlecht stehe. Nacht las er die Berichte vom Kriegsschauplatz und zugunsten seines Herrn und Meisters aus. Er zes gegen die Gegner desselben, namentlich gegen die Engländer“ und prophezeite ihnen ein böses Ende 4 Stimme verhallte wie die des Predigers in der Af in Kromlaix gab's, wie wir bereits früher erwäßsst viele Legitimisten, die es jetzt wagten, ihre Stimm f den alten Korporal zu erheben, der so lange die fe Meinung beherrscht hatte. Wenn er seine bekam den über den„Kaiser“ losließ, erzählten andere dinge vom„König“. Er mußte täglich die seh 1 Sachen über Napoleon anhören; und eines Abel sich am Strande erging, sah er die ganze Berge Freudenfeuer auflodern, die zu Ehren des in Jule deten Herzogs von Berri angezündet waren. (Jortsetzung folat.] fle un fester an ihre Grundsätze klammern, je mehr man bdiese an Obigl 1 Alte den ganzen Winter hindurch heimlich furchthe ö Ser — R sr SS SSS S S. S SS „ Im Pournal ag St. Bree, wie der Temps festsellt daß London und dom besser daran getan hätten, sich Taffen. Es erübrigt sich, daraiff hinzuwelfen, daß der kom-[ sich berarlsge Dinge abgespielt haben follben, dann wären sie ge. munistische Spitzel aus unserer Partei ausgeschlossen wird. eignet, quch den letzten Rest des Vertrauens zu diesem Kabimett 0 II als Urheber der verfehlten deutschen Vorschläge zu bekennen. fei 1 fi 5 di l kei 9 n zu beseitigen. Ich habe die Empfindung, daß die Regierung kein N 1 Föunten diese beiden Lünder nur Wege einschlagen: ent⸗ Die Polen in Danzi eines Gewissen hat und daß wir auch heute nicht alles erfahren wmpeber zugeben, daß sie sich in ihrem ll an den guten Willen 2 0 Die Regierung weit von dem Zufammenarbeiten der in sen weh i. 4* hätten, oder aber von dem Mißerfolg so weit 5 ee. 4 5 dae en e— 0 N i 5 A e ine mol e n Danzig ind uns von parteigenössischer Seite[in tese aufgelösten, Kampforganlsaomen urten. 0 mien N Fr auzösische Rechts kunsistücke. noch folgendes aus Danzig geschrieben: 5 1 1 1 der e 5 ee 5 1 e J. N delt 9 Die Regierung in Danzig wird seit Bestehen des Freistagtes von Republik ist in Gefahr Was gedenke die e ee e erbreh 0 Im Oeuvre Robert de Jouvenal, ohne auf den Tatbe⸗ einem Bülrgerblock gebildet, in dem die Deutschnationalen eine aus⸗ Beseitigung oder zur Abwehr, dieser Gefahr zu tun? An 1 0% stand des Krupp⸗Prozesses einzugehen, fest, daf die vom Kriegs- schlaggebende Rolle spielen. Die Danziger Sogialdemokratie steht verbrecherischen Treiben der Organssation„Heinz“ sind nach „. in Werden verhängten Skrafen lengesetlich selen, da das zu diesem Block in schärsster Oppofttlon. Wo berechtigte De⸗ ricllichen Jestslellaugen ble Abga. Wulle, und Graefe direkt be⸗. Keie 1 sche Strafgesetz, das in diesem Falle auch für die Militä-⸗ schwerden Polens vorlagen, hat die Sozialdemokratie stets verlangt, teiligt. Pat die Reichskriminalpolizei die Reichsregierung nicht 1 zu 1 richte bindend sei, nur Gesängnisstrafen von sechs Tagen bis zu daß solchen Mißständen abgeholfen werde. Danzig ist 3. B. den von diesem Treiben in Kenntnis gesetzt? Die Reichs regterung. 0 Jahren kenne darüber hinaus nur Zuchthausstrafen bis zu politlschen Zollgesetzen unterstellt; jedoch liegt die Verwaltung muß alle Kralt aufwenden. um dem fascistischen Treiben in Tln, sahren bezw. Zwangsarbeit.„Selbst wenn die Tat die Todes⸗ des Zollwesens auf Danziger Gebiet in Händen der Danziger Re⸗ Bayern ein Ende zu machen. Gegen den Oberbürgermeister Dr. Alunig strafe verdient hätte, hätte ste den Richtern das Recht nicht gegeben, gierung. Polen erhebt nun die Forderung, daß alle Vorschriften Luppe in Nürnberg ist ein Verfahren eingeleitet worden, weil „ ß e en Perrn Ster lu de. lere e 1 ö ö N„ad. nach französischem er Danziger verwaltung führt werden, auch wenn ste Halb, gegen Herrn Hitler tut die bayerische Regi chts. ba 5 N durchaus ungesetzlich. nach Ansicht des Danziger Senats den zwischen Dänzig und Polen Jede Reichsregierung hat ihre Eristenzberechiigung verloren, die a Nat 5 5— abgeschlossenen Verträgen widersprechen. Ebenso verlangt Polen gegen diese Zustände nicht einschreitet. chen h liti ein Bestätigungsrecht für die leitenden Zollbeamten. Diesem gegen Reichsminister des Innern Dr. Oeser hat auf Grund der bes g ou E Ueber t. die Selbständigkeit Danzigs verstoßenden Verlangen Polens wurde Graefschen Andeutungen sosort mit dem Reichskanzler Rücksprache cl ö ser ah 9— N leider von Danziger Seite dadurch Vorschub geleistet, daß in dem] genommen umd ist von biesem ermächtig worden, zu erklären, daß Jann. einer deutschnattonalen Leitung unterstehenden Danziger Zoll⸗ es Roßbach allerdings gelungen ist, zum Reichskanzler„vorzu⸗ a N 9 utsch g unterstehe ziger 3 1 i 1 f end fle Das Staatsinteresse: Erfassung der Sachwerte. wesen eine thrichte militärische Spielerei eingermsen ile In ein. Fung. en be eu kenne en edis Naeh ene d. 1 5 5 N 5 elnen Fä ind auch Danziger lizeiorgane ge lnische] Jugend durch Turnerschaften unterbrettet. Diese haben den ufheb 8 11 1 3 Fällen sind auch Danziger Polizeiorgane gegen polnisch 5 5 ö fegen In einem Leitartikel der volksparteilichen Zeit nimmt Veranstaltungen und Einrichtungen in kleinlich⸗schikanbser Weise Reichskanzler, der weder den Namen, noch die politische Sauberkelt eien der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Stresemann, vorgegangen. Die Danziger Sozialdemokratie hat sich stets in des Herrn Roßbach damals gekannt hat, veranlaßt, das ach le füt ede Stellung zu der Frage„Politik und Wirtschaft“ und le g scharfer Weise gegen diese für Danzig höchst schädliche Politik aus⸗ abzubrechen und Erkundigungen einzuziehen. Danach hat es der en. bat 5 ß die führenden WI t N 5 aesp geen Reichskanzler abgelehnt, Roßbach noch einmal zu empfangen Mlt f ar, da 855 rtschaftskreise sich in den Dienst Polens Verlangen geht aber weniger auf die Abstellung wirk- Graefe hat der Relchskanzler wiederholt gesprochen, um ihn vor des Staatsgedankens stellen müssen, um von Deutschland weiteres Unheil abzuwenden. Stresemann verlangt u. a., daß wir nicht nur der Frage der Sicherheiten gegenüber Frankreich ruhig und leidenschaftslos gegenüberstehen, sondern daß ein Teil der Substanz der Wirtschaft geopfert wird, wenn es gilt, die Möglichkeit einer Verständigung zu schaffen. Gegenüber den Schreiern, die jede Erfassung der Sachwerte als sozialistische Mache hinstellen und sie zu einem Parteigeschäft erniedrigen wollen, findet er folgende treffende Worte: „Man stelle es dabei doch nicht so hin, als wenn die einer Garantte der Wirtschaft sozial istischen e sprüche. Wenn das soztalistische Gedankengänge sind, so sind es solche, von denen Spengler in seinem Buch„Preußentum und So⸗ glalismars“ gesprochen hat. Damm waren auch die Staatsmänner Alten Preußen Sozjalisten, die die Kriegsentschädigung am teich nach dem Tilsiter Frieden mit der Besteuerung der da⸗ maligen Sachwerte auszugleichen sich bemühten. Die heutige Situ⸗ ation erinnert in manchem an die Zeit, die Preußen damals durch⸗ Auch nach dem Frieden von Tilsit gab es Ratgeber, te meinten, man könne auf Schlesten verzichten, wenn man nur in der Kriegsentschädigung auf französssches Entgegenkommen rechnen könnte. Auch für uns muß die Politik vor der Wirtschaft stehen. Für die Freiheit von Rheim, Ruhr und Saar dilrfen wirtschaftliche Opfer, wenn sie überhaupt zu leisten sind, nicht zu hoch sein. Die Grenze ist da, wo das alte wahre Wort eintritt:„Ultra posse nemo kbenetur“. Aber bis zu dieser Möglichkeit müssen noch Deutschlands Krüfte angestrengt werden, und sie werden umsomehr hergeben, je eher wir endgültige feste polltische und wertschaftliche Verhältmisse geschaffen haben.“ Er schließt seinen Artikel mit folgenden Wendungen: i muß das von allen an der deutschen Wirtschaft getragen werden. Wir 1 1 0 Depssenpolitik Wirtschaft aufen. Wirtschaft ens wenn sie es versteht, sich in dlesem Sinne als höchste Kraftquelle des s zu bewähren, die in einer entscheidenden f. de 8 für unsere Zukunft eingesetzt wird, um 8 zu und Frfß Tatsächlich ist die Frage Lasten die brennendste Frage der nächsten Politik. undenkbar, daß das Bürgertum hier ausweichen kann wie bisher. Zu begrüßen ist, daß ein so weit rechtsstehender Führer wie Stresemann den Mut findet, die Notwendigkeit des Staates trotz aller Anfeindungen im eigenen Lager so klar und deutlich zu kennzeichnen. Seiner mahnenden Stimme wird sich eine Regierung nicht verschließen dürfen, die Weitsicht genug aufbringt, um nicht die Ereignisse über sich hinwegschreiten zu lassen., f 95 Kommunistische Spitzelwirtschaft. „Heute, wo Leben und Existenz von Millionen von der Einheits⸗ front der Proletarier abhängt, heut hat der einstige Kämpfer gegen die Kapp⸗Rebellen, der jetzige Sekretär der SB. nichts anderes zu tun, als Spitzel auszubilden und in die andere, in die zuwer⸗ lässigere Arbeiterpartei, zu entsenden.“ Diesen Satz konnte man in der Ausgabe der Elberselder Roten Tribüne vom 5. Mat ds. Js. lesen. Der einstige Kämpfer gegen die Kapp⸗Pebellen ist der Genosse Christmann⸗Elberseld, der früher zur USD. gehörte und seit der Vereinigung der beiden Parteien wieder in vordester Linke im Wuppertal den Kampf für die Partei führt. Mit dem Vorwurf, daß der Genosse Christmann Spitzel ausbildet, um sie in„die zuver⸗ lässigere Arbeiterpartei“, worunter selbstverständlich die KPD. zu wverstehen ist, entsendet, hat es folgendes auf sich: Seit Monaten wußte die Leitung unseres Barmer Wahlver⸗ eins, daß ein Bezirksführer der SPD. als Spitzel bei der KPD. tätig sein mußte. Zirkulare der Partei, die nur flir Bezirksführer bestimmt waren, tauchten, gelegentlich in den Spalten der Roten Tribüne auf. Bie Bezirksführer mußten sich auch in ihrer März⸗ sitzung mit dieser Geschichte beschäftigen. Festgestellt wurde, daß fämtliche anwesenden Bezirksführer— nur Liner fehlte— im Besitz des letzten Zirkulars waren, das wieder in dem Kom⸗ munistenblatt abgedruckt wurde. Jetzt wurde, um den Spitzel zu entlarven, ein„streng vertrauliches“ Rundschrelben an die Bezirks⸗ leiter der Ortsgruppe Barmen verfaßt, in dem davon gesprochen wurde, daß„der vor drei Monaten unternammene Versuch des Ein⸗ dringens in die KPD. durch zwel zuwerlässige Genossen zu einem der Aufbringung größerer verhältnismäßig guten Erfolg geführt“ habe und daß es nunmehr Pflicht aller Bezirkssüührer sei, mindestens einen zuverlässigen Ge⸗ nossen auszusuchen, der„ausgesprochener Gegner der KPD.“ sein müsse, um ihn als Spitzel in der KPD. zu verwenden. Dieses Rundschreiben wurde in nur zwei Exemplaren hergestellt. kam in die Aktenmappe des Bezirksvereins und das andere an den verdächtigen Bezirksführer Gustar Riepelsiep in Barmen. „ bund und seinen Kommissar in Es ist Eins Nach⸗ licher oder angeblicher Mißstände hinaus, sondern es hat nur das eine Ziel im Auge, die Unabhängigkeit und Selbständigkeit Danzigs mehr und mehr zu untergraben. Die polnischen Poli⸗ tiker können es noch immer nicht verschmerzen, daß diese deutsche Stadt beim Versailler Frieden nicht Polen einverleibt, sondern auf Betreiben Englands zu einem kleinen Freistaat gemacht wurde. Wie dreist die polnischen Imperialisten in ihren Eroberungsplänen sind, bewies der polnische Abgeordnete im Danziger Volkstag, Dr. Kubacz, der sich offen für die Annexion Danzigs und Ostpreußens durch Polen aussprach. Der diplomatische Vertreter Polens in Danzig, Pluczinski, ein Führer der reakttonären Nationaldemo⸗ kraten, verlangte in einer Erklärung am 4. Maj eine baldige Re⸗ vision des staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen Danzig und Polen. In schärfster Weise sprach er sich dabei gegen den Völker⸗ Danzig aus. So erklärte er einen großen Teil der Differenzen zwischen Danzig und Polen, die bis⸗ her durch den Oberkommissar bezw. durch den Völkerbund selbst geschlichtet wurden, für innere Angelegenheiten Polens, über die nur die gesetzgebenden Körperschaften Polens zu entscheiden hätten. Das ist ein unverhüllter Kampfruf gegen den Völkerbund und seinen Oberkommissar in Danzig. a Die Danziger Sozialdemokratie hat sich seinerzeit gegen die Loslösung Danzigs vom Deutschen Reich ausgesprochen und für die Danziger das von der Entente während des Weltkrieges so laut verklindete Selbstbestimmungsrecht der Völker verlangt. So sehr ste jetzt für eine wirtschaftliche Verständigung mit Polen tst und so energisch sie alle deutschnationalen Allüren in der Danziger Außen⸗ politik bekämpft, so sehr verteidigt sie aber auch die Selbst⸗ ständigkeit und Unabhängigkeit Danzigs. Deutscher Reichstag. i Berlin, 14. Mai. Bie Joriseeume der Reichstagsaussprache über die deutschnativo⸗ male Interpellation wegen der Auflösung der Deutschvölkischen Frei⸗ 11 brachte mancherlei Ueberraschungen. Abg. v. Guerard Ztr.) billigte zwar das Verhalten der Reichsregierung und hatte auch gegen die preußische Regierung nichts einzuwenden, aber er wundert sich, daß Scheidemann von links her keine Gefahr mehr sehe. Gegen die proletarischen Hundertschaften in Sachsen und Thil ringen müsse ebenso vorgegangen werden, wie gegen die Hitlergarden in Bayern. Allerdings müsse man bedauern, daß die bayerische Re⸗ gierung anscheinend gegen rechts machtlos fel. 0— 0 Rede des Demokraten Koch war auf dieselben Töne ge⸗ stimm Von den Kommunisten ist eine Entschließung eingegangen, das bayerische Staatsministerium aufzufordern, ihre Verordnung vom 10. Mai aufzuheben und den Reichspräsidenten zu ersuchen, sämtl iche Organisationen aufzulösen, die am 1. Mai in Bayern den Vaterländi⸗ schen Verbänden angeschlossen waren. Abg. v. Graefe(Dischvölk.): Die Regierung Cuno war lange, bevor Herr Severing seinen Erlaß gegen uns wagte, darüber genau informiert, daß wir unsere Ziele nur auf legalem Wege verfolgen. Wir haben darllber mit der Regierung eingehende Besprechungen ge⸗ habt. Ich frage die Regierung, wie sie es fertig bringen kann, zu dulden, daß Herr Severing so gegen unschuldige Männer vorgehen ronnte. Statt eine derart langweilige Debatte zu führen, sollte man für Recht und Gerechtigkeit eintreten. RNeichsjustizminister Dr. Heinze lehnt es ab, auf die Angriffe des Abg. Graefe einzugehen, da er als Justizminister dem Unter⸗ suchungsrichter nicht in den Arm fallen oder in ein schwebendes Ver⸗ fahren eingreifen könne. Reichsminister des Innern, Dr. Oeser legt entschiedensten Pro⸗ test ein gegen die Angriffe, die Abg. Graefe gegen die Reichsregierung gerichtet hat. Es sei ihm, dem Minister, nicht bekannt, daß die Deutschvölkische Freiheitspartei mit der Reschs regierung verhandelt habe, und er habe Grund zu der Annahme, daß es den übrigen Reschsstellen ebenso gehe. Die bekannte Roßbach⸗Versammlung in Wannsee habe dazu gedient, die Reichswehr von der Notwendigkeit der Neutralität in dem entscheldenden Kampfe, der sich aus der für den 31. März bevorstehenden Auflösung der nationalen Verbände entwickeln würde, zu überzeugen. Darum habe Roßbach die Reichs⸗ wehroffiziere eingeladen, denen er nach den Aussagen von Reichs⸗ wehroffizieren erklärt hat, daß Reichskangler Cuno und General Sceckt von diesen Dingen unterrichtet wurden.„Beide Herren ver⸗ hielten sich unseren Plänen gegenüber kühl und interesselos“, so sagte Roßbach zu den Offizieren.(Rufe bei den Soz.:„Schlimm genug, wenn sie nichts dagegen unternommen haben!“) General v. Seeckt habe, so führte der Minister weiter aus, erklärt, Roßbach nie empfangen zu haben. Von einer Pleite des preußischen Minssters des Innern zu sprechen, liege kein Anlaß vor, da der Staatsgerichts⸗ hof seine Maßnahmen bestätigt habe. Die Reglerungen in Sachsen und Thüringen hätten zugesagt, ihre Selbstschutzorgansatlonen in dem Moment zu beseitigen, in dem auch die drohende Gefahr aus Bayern beseitigt werde. Abg. Ledebour(USoz.) beantragt Unterbrechung der Redner⸗ liste, damit Herr v. Graefe deutlicher seine bisher nur angedeuteten Beschuldigungen gegen die Regierung erläutern könne.— Der An⸗ trag wird angenommen. Abg. v. Graefe(Deutschvölk.) erklärt, sich von niemandem das Maß seiner Ausführungen vorschreiben zu lassen. Ueber die ange⸗ deuteten Dinge habe er in nichtöffentlicher Sitzung vor dem Staats⸗ gerichtshof der Regierung vollkommen reinen Wein eingeschenkt. Unchlugheiten zu warnen. Graefe bat den Reichskanzler, ihm eine Unterredung mit General v. Seeckt zu verschaffen. Der chs⸗ kanzler hat in Aussicht gestellt, in eine Würdigung dieses Ver⸗ langens einzutreten, ist aber schließlich daaw gekommen, es abzu⸗ lehnen, Graefe bei v. Seekt zu empfehlen. Diese Entscheidung habe der Staatssekretär der Reichskanzlei im Auftrage des Reichskanz⸗ lers Herrn v. Graefe eum Er, der Minister, sei vom Reichskanzler ausdrücklich ermächtigt worden, ie der Reichskanzler über die Organisation der Deutschvölkischen Frei⸗ heitspartei erst anläßlich der Verhandlung vor dem Staatsge⸗ richtshof Näheres erfahren habe. Nach einer bedeutungslosen Rede des Deutschnationalen La⸗ warrenz wurde über die vorliegenden Entschließungen abe= stimmt, wobei sich ein nicht ganz bedeutungsloses Zwischenspiel er ⸗ eignete. Die Deutschnatlonalen verlangten in einer Entschließung die Aufhebung des Staatsgerichtshofes. Zum allgemeinen Er⸗ staunen stimmte dafür auch ein Teil der Deutschen Volkspartei. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der überwiegenden Mehr⸗ heit des Hauses abgelehnt. Als nun ein Kompromißantrag der bürgerlichen Mittelparteien zur Abstimmung kam, der eine Revi⸗ slon des Republikschutzgesetzes in dem Sinne 1 1 5 daß Par⸗ teien nicht mehr aufgelöst werden können, rächte sich ein Tell des Zentrums und der Demokraten flir die Rechtsschhwenkung eines Teiles der Deutschen Volkspartet dadurch, daß ste nicht mehr für ihren eigenen Antrag stimmte. Infolgedessen blieb der Antrag auf Revision des Republikschutzgesetzes in der Minderheit. Nächste Stziung: Dienstag 11 Uhr. Hessischer Landtag. 7 8 f Darmstadt, 14. Mai. Präsident Ade lung eröffnete die Sitzung gegen 9.45 Uhr. Nach Beantwortung einer kleinen Anfrage der Frau Abg. Roth. (Komm.) über die Preise für das, der Gemeinde Sprendlingen für, die Minderbemittelten gelieferte Hol 3 durch den Landesforstmeister Weber wurde die Beratung des Voranschlages beim Kap. Ministerium des Innern fortgestzt. In der wm folgenden allgemeinen Aussprache bestritt Abg. Ebner(Komm.) dem Haus das Recht, Protestkundgebungen wegen des französischen Vorgehens im besetzten Gebiet zu veran⸗ stalten, weil die deutschen Mllitaristen in Frankreich und Belgien ähnlich gehaust hätten.(Die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien verlassen geschlossen den Saal.) DenEntrüstungsrummel machten die Kommunmisten nicht mit. Dann polernisierte der Redner gegen die völkischen Organisationen und betonte, daß die Kommunisten keine er⸗ anlassung hätten, den Klassenkampf zu verdecken. Die Bildung kom⸗ mumistischer Hundertschaften sei die Folge der Bildung von Hundert⸗ schaften dutrch die Rechte. In Sachsen bestllnden die proletarischen ee bereits und auch in Hessen seien Ansätze dazu vor⸗ handen. Abg. Hofmann⸗Seligenstadt(Ztr.) dankte dem Minister für dessen zielbewußte Tätigkeit. Redner beschäftigte sich danm mit Einzel⸗ heitem des Etats, wobei er verschiedene Wünsche des Zentrums vor⸗ bruchte. Mit scharfen Worten wandte sich Abg. Kindt(D. Natl.) gegen den Kommunisten Ebner, verteidigte die Regiments⸗ feiern und versuchte, den Beweis zu erbringen, daß der Deutsch⸗ völkische Schutz⸗ und Trutzbund nur mit legalen Mitteln seine Ziele zu erreichen trachte. Er werde dem Abg. Widmann nicht ver⸗ gessen, daß er gesagt habe, ihm sein eine soziale Monarchie lieber, als eine scharfmacherische Republik. Dem Berufsbeamtesttum habe gerade jetzt Deutschland viel zu verdanken. Er kenne viele National⸗ sozialisten, die vaterlandstrente, tüchtige Menschen sejen. Die Frage der Staatsform sei eine Sonntagsarbeit und wir hätten noch so viel Alltagsarbeit zu verrichten. 1 Dr. Osann(D. VPpt.) sprach eingehend über die finanziellen Sorgen ber Gemeinden und fragt, wie sich die Staatsregierung die Abhilfe vorstelle. Abg. Widmann(Soz.) erklärte seinen Ausspruch von der soztalen Monarchie und wandte sich dann Steuerfragen zu. Leider mülsse gesagt werden, daß in weiten Kreisen des Volkes gar keine In⸗ teresse für die Bedlürfnisse des Staates vorhanden sei. Abg. Werner(D. Ntl.) polemistert gegen die Gesetze zum Schutze der Republik. In der Folge entspann sich dann eine Debatte zwischen dem Red⸗ ner und dem Minister des Innern, v. Brentano, welcher betonte, daß er die Gesetze nicht einseitig gegen rechts handhabe, die National⸗ sozjaltstische Bewegung aber für staatsgefährlich halte. Schließlich wurde das Kapitel gegen die kommunistischen und deutschnationalen Stimmen bewilligt und ein Antrag auf Auf⸗ hebung des Verbots der Regimentsfesern gegen die Stimmen der Rechten abgelehnt. Debatelos passieren nach der Pause die Kapitel 28 bis 31 und 34. Beim Kapitel Landeswaisenanstalten wünschte Frau Roth (Komm.) Ausbildung der Waisenkinder gemäß ihrer Veranlagung. Das Kapltel wurde genewhmigt, wie auch die Kapitel 36 und 37. Der Zuschuß am die Kirchen rief den Abg. Ebner wiederum auf den Plan, der Trennung von Staat und Kirche forderte. Abg. Kaul(Soz.) verlangt, die Kirchen möchten ihre Steuern so erhöhen, daß sie ihre Ausgaben selbst bestreiten könnten. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten fand das Kapitel Annahme. Debattelos wurden dem sich die KPD. drei Wochen lang über öieses Zirkular ben Kopf Wenn die Regierung darauf antworten wolle, so wisse sie, was er dann die Kapitel 39 und 40 bewilligt. Beim Kapitel 41 wünschten die der! n, die vermutlichen Spitzel aber nicht, gefunden hatte, er⸗ 5 E 1 5 5 5 ee,. 5 ‚. gust— 0 an e Eine länger. eßlich bei i i aul kapitalistischer Bürgermekber 9 Abg. Henke(Soz.: Abg. v. Graese hat nicht den Mut ge⸗ Eime, längere Debatte entspann sich schließlich beim Kapitel Heil⸗ und Pflegeanstalten. An ihr beteiligten sich die Abg. Ebner(Komm.), Kindt(D. Nlt.), Hardt(Soz.), Wünzer(D. Vpt.), Widmann(Soz.), Knoll(Ztr.) und der Minister des Innern, sowie Abg. Delp(Soz.). Damit schloß die Beratung. Das Kapitel fand Annahme. Nächste Sitzung: Dienstag, vormittags 9 Uhr. Spitzelvermittler!“ in der Roten Tribüne. Damkt war bewiesen, J 8 beweisen war, nämlich: daß sich die KPD. charakterloser Gesellen bedient, um in den Reihen ber anderen Arbeiterpartei, der SPD. zu splonieren, also durch Parteigenossen die eigene Partei bespiteln zu lassen. Damit hat die KD. ihre Gemeinheft und Miederträchtigkeit sebost entlarvt, und wir können das Urteil über ie zuwerläsfigere Arbeiterpartei“ getrost unsern Lesern über⸗ habt, der Regierung vorzuhalten, was sie mit ihm verhandelte. Mit der Antwort der Regierung können wir uns nicht zufrieden geben. Entweder haben zwischen den völkischen Organssationen und der Regierung Beziehungen bestanden, oder Herr v. Graefe hat gelogen. Meine Freunde haben seit der letzten Note schon ohnehin en großes Be ten mehr zu Herrn Cuno, aber weun! Nach wie vor Zu Pfingsten können Sie sich noch bei mir preis wert mit Schuhwaren eindecken. s u I 1 eb. 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Mai, abends 8 Uhr im„Postkeller“, Wagengasse 9, öffentliche eamtenversammlung — agesordnug: 1) Demokratisierung der Verwaltung des Beamten⸗ rätegesetzes und die Gehaltspolitik der Reichsregierung. 2) Diskussion. Referent: Reichstagsabgeordneter Oberpostsekretär Hoffmann⸗Berlin Hierzu sind alle Reichs⸗, Staats⸗ und Kommunalbeamte und⸗Beamtinnen freundlichst eingeladen. Der Vorstand. J. A.: Kurt Moosdorf Der Eintritt ist frei! 204 Jesus mt bald niedere Oeffentl. Vortrag: Mittwoch, den 16. Mai, abends 8½ Uhr im Sinasaal der Oberrealschule. Eintritt frei! Redner 5. Beck. Eintritt frei! Verreise am 19. Mai Dr. Steinreich Vertreter sind die Herren: Dr. Meyerhof. Dr. Ploch. Dr. Schlffer. 299 Kersesiherauneft Die ordentl. Mitgliedet⸗Yersaumlung 8 Freitag, den 25. Mai d. Is., nachmittags 6 Uhr im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. ö statt, zu deren zahlreichem Besuch ich hierni einlade. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Bericht über die Einnahmen und Außgaben für 1922 und Entlastung des Rechnen, 3. Fesisetzung der Mitglieder⸗Beiträge ud des 1. für neueintretende Misslieder Ur 4. 15 5 Ausschußmitglieder für 1058 6 5. Auhäge von Mitgliedern. Der Vorsitzende: K* Oberbürgermister. NN 1 ung: intrttende N luder fir 1 Oberbürgen * Gießen, Mittwoch, den 16. Mai 1923. 5 Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 110 Sießen und Umgebung. 2 * Stßzialismus und sozialdemokratische Partei. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Verwirk⸗ ichung des Sozialismus ist die Vertiefung der sozialistischen kenntnis in jedem Einzelnen unserer Anhängerschaft. Sozialist nennen, heißt noch lange nicht Sozialist sein; die Mitgliedschaft der Partei besitzen macht noch lange nicht den sozialistischen Menschen; ebensowenig wie das allsonntägliche Kirchenlaufen den wahren Christen aus⸗ macht. Sozialist sein heißt sich für die Sache des Sozialis⸗ mus ganz hingeben, heißt Opfer bringen, Kämpfer und Mitarbeiter sein am Werk einer Kulturgemeinschaft, in der eigne„Ich“ und persönlicher Vorteil zurücktreten müssen zum Wohle der Gemeinschaft für eine höhere, ine bessere Lebensgestaltung. 8 Sozialismus ist Lebensgestaltung, aber nicht Lebens⸗ gestaltung für den Einzelnen, sondern für die Gemeinschaft des Volksganzen. Es muß in Zukunft unsere Aufgabe sein, er Masse unserer Anhänger immer stärker zum Bewußt⸗ sein zu bringen, daß unsere weltgeschichtliche Aufgabe nur dann verwirklicht werden kann, wenn jeder Einzelne bei seinem Tun und Handeln sich von dem Grundgedanken un⸗ seres Zieles, der Gemeinsämkeit und des Gemeinsinns, eiten läßt. Jeder Einzelne muß es als seine Pflicht be⸗ trachten, an diesem Werk mitzuarbeiten, an sich selbst, an dem sozialistischen Menschen. f Der Schwerpunkt der sozialistischen Arbeit der Partei in der Vergangenheit lag auf agitatorischem Gebiet, mit dem Ziel, Massen bei den Wahlen zu gewinnen. Das starke Hervorheben unserer Forderungen und sozialistischen Wirt⸗ schoftsziele gab dem Sozialismus weitester Kreise seiner Anhängerschaft ein stark materialistisches Gepräge. Gewiß ist für uns als politische Partei die Gewinnung der Masse zr Eroberung der politischen Macht, erst recht im demokra⸗ tischen Staate, ein unbedingt erstrebenswertes Ziel. Der Zusammenschluß der losen Massen in der politischen Partei, in Gewerkschaften und Genossenschaften war und ist not⸗ wendig, um der politischen Entrechtung, wirtschaftlichen echtung und Ausbeutung durch die alten Machthaber und Kapitalismus einen Machtfaktor entgegen stellen zu können. Aber trotz aller dieser wirtschaftlichen und politi⸗ stische Auffassung der Dinge hinaus. Wer sich als Sozialist bekennt oder zur Partei kommt wegen persönlicher materieller Vorteile, mit dem können wir keine Sozialisierung und auch keine sozialistische Gesellschaftsordnung gestalten. Wer der rtei den Rücken kehrt, weil er bei irgend einem Siedlungs⸗ rfohren einige Furchen Ackerland weniger wie sein Nach⸗ bar oder sein Arbeitskollege erhalten hat, mit dem ist eine sozialistische Lebensgestaltung nicht möglich. Sozialismus ist uns mehr als ein Mittel zur Erlangung persönlicher Vor⸗ teile. Sozialismus ist uns etwas Höheres, ist uns Lebens⸗ Faltung und Lebensform zu einer höheren Kulturgemein⸗ schaft. Unsere Partei hat deshalb nicht nur die Aufgabe, eine rein agitatorische Tätigkeit zur Gewinnung neuer Mit⸗ glieder zu entfalten, sondern unsere Bewegung ist auch be⸗ rufen, den„sozialistischen Menschen“ zu bilden und zu er⸗ ziehen, der sich als solcher erweist durch einen starken Ge⸗ meinschaftssinn. Deshalb sind bei der Agitation für die Partei, in den Mitaliederversammlungen und bei der Bil⸗ dungsarbeit unsere kulturellen Bestrebungen und Ziele mehr in den Vordergrund zu stellen. Alle unsere Bestrebungen und Ziele zur Verwirklichung unserer Ideen sind nichts, wenn wir nicht bestrebt find, sozialistische Anhänger, Sozia⸗ listen im wahren Sinne des Wortes zu gewinnen und zu erziehen. Unser Bestreben muß es daher sein, Wissen und Bildung in die Massen zu tragen, mit einem Wort, den kulturellen Aufstieg zu fördern und zu beschleunigen. Klar wollen wir uns jedoch darüber sein, daß der Aufstieg zu der Höhe einer besseren Gesellschaftsordnung nur in hartem Kampfe errungen werden kann. Zu diesem Kampfe brauchen wir aber Mitkämpfer von Willensstärke und Ueberzeugungs⸗ treue. N h. h. 15 Notwendigkeiten müssen wir über die mater iali⸗ — Jn dem Beleidigungsprozeß des Studienrats Dr. Lenz gegen den Redakteur unseres Blattes, der vom Schöffengericht zu 100 000 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, verkündete gestern die Strafkammer Gießen als Be⸗ rufungsinstanz folgendes Urteil: g Die Berufung wird verworfen. Es bleibt bei der vom Schöffengericht erkannten Geldstrafe von 100 000 Mark. 5 Auf die Begründung, die sich im allgemeinen in den⸗ selben Bahnen bewegt wie die der Vorinstanz, kommen wir noch ausführlich zurück. „ Beamten⸗Versammlung. Auf die morgen, Donnerstag, im „Postkeller“ stattfindende öffentliche Versammlung, in der Reichs⸗ kagsabg. Hofmann sprechen wird, sei nochmals hingewiesen. Wie bereits mitgeteilt, wird der Redner über„Demokratisierung der Ver⸗ waltung und die Gehaltspolitik der Reichsregierung“ reden. Alle de und Gemeindebeamten werden zu diefer Versammlung ein⸗ geladen. — Das„simple Schöffengericht“.“) Herr Rechtsanwalt Fischer veröffentlicht im Gießener Anzeiger eine Aufklärung zu dessen Bericht über den Prozeß Lenz⸗Vetters, deren Schlußsatz folgendermaßen lautet: Maeben den mehrjährigen systematischen Beleidigungen und Beschimpfungen des Dr. Lenz(gemeint ist: in der des Urteils der 1 der Belauntgabe Se., Dieser 5 1 Re daf tion. 5 . N 5 75. 5 Oberhessischen Volkszeitung) gehörten auch die neuerlichen Angriffe gegen ihn... und das„simple Schöffengericht“ in den Zusammenhang der Erörterung, durch welche Strafe der Strafzweck erreicht werden könne.“ Aus dem Juristendeutsch übersetzt, heißt es: Die früheren Beschimpfungen des Dr. Lenz und die neuerlichen Angriffe auf ihn und das Schöffengericht rechtsertigen eine strenge Bestrafung der Oberhessischen Volkszeitung.— Ueber die Behauptung, die Volkszeitung hätte Jahre hindurch systematisch den hiesigen Antisemitenführer beschimpft und beleidigt, haben wir uns schon öfters und noch vorgestern ausgesprochen. Herr Lenz oder sein Rechtsanwalt scheinen an einer Art Verfolgungswahn zu leiden Es ist schon o, wie wir einmal gesagt haben(dem Sinne nach): Herr Lenz sucht die Splitter im Auge des anderen, erkennt aber nicht die Balken im eigenen Auge. Schließen wir die Debatte! Um die Person des Herrn Lenz war es uns nie zu tun, ober wohl um die von ihm vertretene Sache, jenen Antisemitis⸗ mus, den sogar ein früherer deutscher Kaiser als die Schmach des Jahrhunderts bezeichnet hat. Was uns heute interessiert, ist das Zitat des Herrn Rechtsanwalts Fischer vom„simplen Schöffengericht“. In dem Zusammenhang, wie er es gebraucht, soll es zweifels⸗ ohne als Beispiel eines beleidigenden Angriffs auf das Schöffengericht wirken. Und das war wohl seine Absicht. Aber er reißt es zu diesem Zwecke aus dem Zusammenhangfe in dem es in unserer Zeitung stand. Wir haben, das stellen wir zur Steuer der Wahrheit ausdrücklich noch einmal fest, seinerzeit in einem Artikel das strenge Urteil des Gießener Schöffengerichts(100 000 Mark wegen Beleidigung eines antisemitischen Oberlehrers, weil von ihm fälschlich behaup⸗ tet war, er sei„diszipliniert“ worden während er tatsächlich nur„im Interesse des Dienstes versetzt“ worden war) in Gegensatz gestellt zu der Tatsache, daß es infolge von Ver⸗ säumnissen einer Oberstaatsanwaltschaft nicht gelungen war, einen gelehrten Verfasser von schmählichen Verleumdungen gegen den Reichspräsidenten, den jetzigen Professor Jung in Marburg, vor Gericht zu ziehen, Aeußerungen, die von einem anderen Gericht als so schwere Beleidigungen gewer⸗ tet wurden, daß ein sie nachdruckender Redakteur eines Lokalblättchens dafür 2 Jahre Gefängnis erhielt. Diese Tatsachen hatten wir inhaltlich und wörtlich großen Zeitun⸗ gen, dem Vorwärts und der Frankfurter Zeitung, entnom⸗ men. Wir schlossen unsere Betrachtungen mit den Worten: „Da griff doch das simple Schöffengericht anders zu. Die Herren Generalstaatsanwälte dagegen...“ Was bedeutet das für jedermann, der deutsch verstehen kann und will? Nichts anderes als: Ein ganz einfaches Gericht hat in einem Beleidigungsfalle(Lappalie⸗Bagatelle) schnell und streng be⸗ straft. Die hohe Staatsanwaltschaft hat es dagegen unter⸗ lassen, irgend etwas zu tun, was die Verjährung in einem Beleidigungsfalle(Gemeinheiten) gegen Dr. Jung, dessen Aufenthalt damals nicht bekannt war, unterbrochen hätte. Was suggeriert oder insunuiert Herr Rechtsanwalt Fischer dem Leser des Gieß. Anz., der unsere Ausführungen nicht gelesen oder vergessen hat? Wir hätten das Schöffengericht angegriffen, d. h. durch das Wort„simpel“ beleidigt. Denn, so sagt sich der ununterrichtete oder vergeßliche Leser, „simpel“ heißt doch„schwachsinnig“,„blöde“. Ach nein, Herr Rechtsanwalt: wir sind nicht so„simpel“, daß wir eine so„simple“ Sache nicht verstünden, nämlich erstens, daß unser Schöffengericht nicht schwachsinnig, sondern streng ge⸗ wesen ist, allzu streng, meinen wir, weil es wohl zu scharf⸗ sinnig war, d. h. zu viel in dem harmlosen Ausdruck diszip⸗ liniert gemaßregelt sah, und sodann, daß wir ein Schöffen⸗ gericht, selbst wenn wir es für blöde hielten, doch nicht blöde nennen dürften. Ihnen aber, Herr Rechtsanwalt, der Sie (gleich uns), wie Sie im Gießener Anzeiger schreiben, nach wie vor auf Angriffe nicht so reagieren, daß Sie wie Ihr Klient immer gleich zum Kadi laufen, möchten wir doch zum Schluß mit aller Deutlichkeit sagen, wofür wir Ihr Ver⸗ fahren gegen uns, was wir soeben dargestellt haben, in Wirklichkeit halten: für eine leichtfertige Verunglimpfung mit der Absicht eines höheren„Strafzwecks“, um es auch juristisch zu formulieren. 8 Zum Schlusse noch ein Wort zu Ihrem, offenbar dem⸗ selben Strafzweck dienenden Hinweis darauf, daß wir das Urteil des Schöffengerichtes mit den Sprüchen französischer Kriegsgerichte verglichen hätten. Haben Sie wirklich nicht gemerkt, was wir getan haben, und warum wir es getan haben? Weil wir— vergleichen Sie den Schluß unserer Wochenschau— in tiefem Ernste und in echter Vaterlands⸗ liebe die Gerechtigkeit als die Grundlage der Staaten, also auch unseres Staates, auffassen, die zu zerstören staatsge⸗ fährlich ist, weil wir also das Recht für die unentbehrlichste Stütze des Staates halten und es mit Trauer empfinden, daß der Glaube an das Recht in weiten Kreisen Schaden nimmt, deshalb haben wir zu unserem aufrichtigen Be⸗ dauern feststellen müssen, daß eine 100 000-Mark⸗Strafe für eine Bagatell⸗Beleidigung an die sattsam und schmerzlich be⸗ kannten Sprüche französischer Militärgerichte erinnert. Wo⸗ bei wir Ihnen, Herr Rechtsanwalt, und allen anderen be⸗ griffsstutzigen Lesern unserer Worre unseretwegen gern die Selbsiperständlichkeit bescheinigen. daß der Vergleich zwischen Schöf- ngericht und Kriegsgericht natürlich nicht weiter geht, als er ausgesprochen worden ist,„imlich, daß die von ersterem aus gesprochene Geldstrafe dem letzteren, leider, alle Ehre ge⸗ macht hätte, daß aber auch nach unserer Ueberzeugung ein deutsches Schöffengericht immerhin ein wirkliches Gericht ist, und bleibt, als welches wir mit allen guten Deutschen ein französisches sogenanntes Militärgericht nie anerkennen können. — Arbeitsmarktbericht für den Monat März 1923. Das Landesamt für Arbeitsnachweis berichtet: Immer deutlicher zeigen sich die arbeitsmarktpolitischen Folgewirkungen der verschiedenen Faktoren, die nun schon seit geraumer Zeit unsere deutsche Volkswirtschaft in ent⸗ scheidender Weise beeinflussen. Noch tiefgreifender und um⸗ fassender als die politischen Vorgönge an Rhein und Ruhr, das industrielle und kommerzielle Leben in Deutschland in Mitleidenschaft zu ziehen vermochten, setzt sich langsam aber unaufhaltsam die allgemeine wirt⸗ schaftliche Krise, die das Ausland vielfach bereits überwunden hat, nun auch im deutschen Wirtschaftsleben durch. Es gibt heute in Deutschland nach dem Urteil Sach⸗ verständiger noch kaum ein Industrieerzeugnis, das nicht den Weltmarktpreis erreicht bezw. überschritten hätte. Diese finanzielle Belastung der Produktion hat ihre Ur⸗ sachen in der gegenüber der Vorkriegszeit so sehr ge⸗ schmälerten Bezugsbasis für die Rohstoffsicherstellung, in der steuerlichen Ausnutzung unserer heimischen Kohlenförderung und vor allem auch in den Kalkulationsmethoden für die 5 Fertigfabrikate, an die sich die Produzenten während der letzten Jahre der Scheinblüte, als zwischen innerem und äußerem Markwert noch eine recht beachtenswerte Spanne bestand, gewöhnt haben. Ferner schafft in der gegenwärtigen Zeit, in der auf jede Verschlechterung der Mark fast un⸗ mittelbar auch das gesamte Preisniveau im Inlande reagiert und Lohnforderungen sofort auslöst, eine Erhöhung des Dollarstandes zeitlich nur sehr kurze und rasch vor ⸗ übergehende Exportmöglichkeiten. Diese Verhältnisse prägen sich naturgemäß auch in der Entwicklung des Arbeitsmarktes aus. In der Metallindu⸗ strie des Bezirkes hat besonders Kassel unter umfangreichen Entlassungen der dortigen Lokomotiven⸗ und Waggonbau⸗ fabriken zu leiden. Die Eisenhütten und Gießereien der Dillgegend sind zu erheblichen Betriebseinschränkungen gezwungen. Sie arbeiten seit langer Zeit auf Lager, die bereits gegenwärtig überfüllt sind; da es sich meist um mittlere Betriebe mit beschränktem Kapital handelt, ist die Aufrechterhaltung der Produktion nur noch eine Frage der Zeit. Weniger zu Entlassungen, dagegen zu zahlenmäßig sehr ausgedehnten Arbeitszeiteinschränkungen— es kom men ungefähr 40 000 Kurzarbeiter in Frage— mußte im Frankfurter Gebiet geschritten werden. Im Bau ⸗ gewerbe sowie in allen berwandten Berufsgruppen haben sich gegenwärtig zu Beginn der Bausaison gerade die ent⸗ gegengesetzten Verhältnisse eingestellt, wie in der gleichen Zeit des Vorjahres; überall ist ein reichliches Ueberangebot von Arbeitskräften vorhanden. Das Landesarbeitsamt ist z. Zt. im Begriff, mit der Nassauischen Siedelungsgenossenschaft unter Nutzbarmachung der produk⸗ tiven Erwerbslosenfürsorge zunächst im besetzten und un⸗ besetzten Teile des Regierungsbezirks Wiesbaden die Bau ⸗ stoffherstellung und damit eine Erleichterung der Arbeitsmarktlage im Baugewerbe zu fördern und im An⸗ schluß daran die Wohnungsherstellung, namentlich den Kleinwohnungsbau auf dem Lande zum Teile auf dem Wege der Selbstbilfe bezw. durch die Trägerschaft kom⸗ munaler Körperschaften in die Wege zu leiten. Das Gleiche ist auch für Hessen und für den Regierungsbezirk Kassel in Aussicht genommen. In den übrigen Industrien ist der Beschäftigungsgrad ebenfalls sehr minimal geworden. Ganz besonders aber ist der besetzte Teil des Tätigkeitsbereiches des Landes⸗ arbeitsamtes, vor allem Wiesbaden. Mainz und die Provinz Rheinhessen, durch die zollpolitische Abschnürung in wirt⸗ schaftlicher Hinsicht in Mitleidenschaft gezogen. Unter den größten finanziellen Opfern und Schwierigkeiten werden dort die Unternehmungen weitergeführt. Während das un⸗ besetzte Deutschland noch verhältnismäßig günstig mit Kohlen eingedeckt ist, herrscht im besetzten Gebiet der empfindlichste Mangel an diesen betriebsnotwendigen Brennstoffen. f — Noch kein Sommer. Die sogenannten„Eisheiligen“ machten sich dieses Jahr wiederum bemerkbar, wenn sie auch nicht gerade mit Frost aufwarteten. Nach zwei warmen Tagen in voriger mußte man die letzten Tage wieder einheizen. Und das bei diesen Kohlenpreisen! Aber endlich wird doch die Sonne wärmer scheinen! — Kunstverein. Die ordentliche Mitglieder⸗Versamm⸗ lung des Kunsttvereins findet am Freitag, 25. Mai, nachmittags 6 Uhr im Stadthaus, Bergstraße 20 statt. Die Tagesordnung ist aus der Behanntmachung im heutigen Blatte ersichtlich, auf die wir hier hinweisen wollen. — Leihgestern. Je mehr er hat, je mehr er will—— Die Preistreiberei in landwirtschaftlichen Produkten über⸗ steigt alle Grenzen. Man macht vielfach die Beobachtung, daß gerade die wohlhabensten Bauern die höchsten Preise fordern. Hier wollte vorige Woche eine Frau ein Paar junge, wenige Tage alte Gänschen kaufen. Durchschnittlicher Preis für diese Tierchen ist ungefähr 4000 bis 4500 Mark und das ist gewiß Geld genug für solche Dinger, die nicht größer wie Schwarzamseln sind. Als der Besitzer von der ihm bekannten Frau nach dem Preis gefragt wurde, meinte der Mann, es werde das Gänschen gleich einem Pfund Butter gerechnet, er wolle aber nicht soviel nehmen und das Stück für 7500 Mark lassen! Der Käuferin war das denn doch zu toll und sie schüttete die bereits in einem Korbe untergebrachten Tierchen dem Bauern wieder vor die Füße mit dem Bemerken, daß er sie für den Preis verkaufen solle an wen er wolle.— Derselbe Bauer denkt aber ganz anders, wenn er anderen etwas bezahlen soll. Von einem Eisenbahner mit zahlreicher Familie hatte er einen Acker gepachtet, wofür er bis jetzt den Friedenspreis von 23 Mark bezahlt hatte. Als der Verpächter einen höheren Preis forderte, der noch lange nicht der Geldentwertung entsprach war ihm das zuviel. Schließlich schenkte ihm, des Streites müde, der Eisenbahner die ganze Pacht, womit er hoffentlich zu⸗ frieden gestellt ist. ö — Lollar. Keine Einbildung. In der in der Samstags⸗ nummer unseres Blattes enthaltenen Notiz von hier mit der Stich⸗ marke„Einbildung“ wird uns eine andere Darstellung der Tatsachen gegeben, die dem erwühnten Artikel zugrunde liegen, dieser bedarf „„ — 2 3** 2 —— Naher einer Richkigstellung. Enlschieden bestrettet der Beamke, erklärt zu haben, daß er nicht mit einem Arbekter das Holz teilen wolle, eine derartige Aeußerung würde gar nicht seinen Ansichten entsprechen. Er habe niemals einen abfälligen Ausdruck in Bezug auf Arbeiter gebraucht, wisse jeden Arbeiter zu schätzen und dünke sich nicht mehr. Bezüglich der Holzverteilung habe er bei der Bürgermeisterei nur den Wunsch ausgesprochen, daß er mit einem seiner Geschwister oder Verwandten zusammen eingeteilt werde, weil darm der Transport gemeinsam erfolgen und sich vorteilhafter gestalten könne. Alles an⸗ dere, was darüber verbreitet werde, sei müßige Rederei verschie⸗ dener Leute. Strafkammer Gießen. Sitzung vom 11. Mai. 9005 Der tro seinee Jugend wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Wbdersteng bestraste„Gelegenheftsarbeiter“ K. B. aus Vilbel verfolgte Berufung gegen eim Urteil des Schöffengerichts Vilbel, durch das er wegen Bedrohung, Nötigungsversuch. Beleidigung und Widerstandes zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte auf einer Bahnfahrt einen friedlich in der Ecke sitzendem Reisenden der nichts aufreizendes an sich hatte, als daß r das im Feld verdiente Band des eisernen Kreuzes trug, deshalb ohne jede Veranlassung in der gemeinsten Wesse angerempelt be⸗ leidigt, bedroht und zur Ablegung des Ehrenzeichens zu nötigen ö„schließlich dem Bahnbeamtan, der seine Personalien fest⸗ stellem wollte, Widerstand geleistet. Er behauptete, er wisse von der Sache nichts, man solle sie ihm bewessen. Nachdem dieser Wunsch durch die Beweisaufnahme erfüllt worden war, wurde die Strafe um zwel Wochen erhöht. 2 Elm hiesiger Kaufmann der wegen Nahrungsmittel vergehens klagt war, weil er Linsen verkauft hatte, die mit kleinen asern behaftet waren, mußte freigesprochen werden, nachdem fest⸗ gestellt worden war. daß der Refsende, der ihm die Linsen ver⸗ st hatte, den mit bloßem Auge schwer zu bemerkenden Käfer⸗ besat arglistsg verschwiegem hatte. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht bezeichneten den Reisenden als den schuldigen Teil; die Staatsanwaltschaft wird die Folgerung daraus zu ziehen Wegen Belesdigung des Landwirtschaftsrates Dr. Schad aus N waven zwei Landwirte von Eckartshausen vom Schöffen⸗ gericht Altenstadt zu Geldstrasen von je 5000 Mark verurteilt wor⸗ den. Auf die Berufung der Staatsamwaltschaft warden die Strafen auf 20 000 und 50 000 Mark erhöht. Drei Arbeiter aus Schitzer Gegend waren wegen Mißhandlung— sie hatten einen sahrer aus einer benachbarten Ortschaft der einem Mädchen N Dorfes den Hof au machen wagte, in der Dunkelheft vom ö gerissen und mit einer Lakte verprügelt— vom Schöffen⸗ gerscht zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auf ö Berufung wurde die Strafe des einen auf zwei, die des wen auf einen Monat herabgesetzt, der dritte wurde mangels —1 2 1 f ochen wurde auch ein An⸗ m T gleichen Grunde freigesproch geklagter von der Anklage der Fahnenflucht, der Unterschlagung und des Be Die Sache lag fast vier Jahoe zurück, und es konnte mamentlich micht nachgewiesen werden, daß er damals ord⸗ mwungsmäßig Soldat geworden war. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 14. Mai. Das Frankfurter„Fürsten⸗ eck“. Der Bund tätiger Altstadtfreunde erwarb mit Hilfe eines Secbgieen Kunstfreundes das spätgotische Haus„Fürsteneck“ in der Altstadt und wird es nach völliger Wiederherstellung der Stadt zum 1 machen. Der jetzt im Kunstgewerbemuseum aufbe⸗ wahrte Renaissance⸗Saal mit der berühmten Stuckdecke, die aus dem Fürsteneck stammen, sollen dann wieder an ihren alten Platz verbracht werden. Das Haus wird sodann musealen Zwecken dienstbar gemacht werden. Die Besitzer der Nachbarhäufer vom Roseneck bis Fürsteneck haben sich verpflichtet, ihre Gebäude gleich⸗ 0 erneuern zu lassen, sodaß um das„Jürsteneck“ später ein ab⸗ geschlossenes Stadtbild entsteht, das an Schönheit seinesgleichen suchen dürfte. Für das Höschen im Haus Wannebach stiftete der Bund tätiger Altstadtfreunde ein reizvolles Brünnchen. Frankfurt a. M., 14. Mai. An den Pranger! Das Polizeiprästdlum gibt die erste Liste der Personen bekannt, die ohne zwingende Gründe die von den Franzosen geführten Züge in den letzten Tagen benutzt haben. Es handelt sich um 31 Personen aus dem besetzten und unbesetzten Gebiet. Ferner werden die Namen von 6 Personen öffentlich bekannt gegeben, die für die mit den Franzosenzügen ankommenden Reisenden Gepäckträgerdienste ver⸗ sehen.— Um die Fahrgäste der Franzosenzlige vor den deutschen Poltzeibeamten zu„schützen“, hat die Vesatzungsbehörde die Grenz⸗ sperre zwischen Frankfurt und Griesheim um 200 Meter zurückge⸗ legt.— Daß Geld nicht stinkt, auch wenn es von Franzosenzug⸗ relsenden stammt, beweisen die Automobildroschkenbesitzer, dle jetzt vor dem Bahnhof Griesheim regelmäßig halten und die Reisenden e recht hohe Gebühren von hier in das unbesetzte Gebiet bringen. Die Franzosen, die sonst sehr rigoros gegen die Kraft⸗ wagen vorgehen, lassen diese ihre Helfersbelfer natürlich unge⸗ schoren und leisten ihnen allen Vorschub. —— 5 Fran f ei wei tei, isen wurden bezahlt für je börse i weiter steigenden. 15 4 dos e gloggen leie Mk. 68 000— 73 000. Erbsen Mk. 190 000—220 000, Heu Mk. 60 000— 70 000, Stroß Mk. 56 000—60 000, Biertreber Mk. 80 000 bis 82 000. 955 1 Frankfurt a. M., 14. Mal. Frankfurter Viehmarkt. Auftrieb: 64 Ochsen 37 Bullen. 661 Färsen und Kühe. 350 Kälber, 26 Schase und 1465 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen, vollfleischig Mk. 390 000 bits 410 000, junge fleischsge Mk, 330 000—380 000. mäßig genährte Mk. 280 000—320 000: Bullen, vollfleischige Mk. 340 000 bis 400 000, vollfleischige jüngere Mk 2890 000.330 000 Färsen und Kühe voll ausgewachsene Färsen Mk. 360 000—420 000, voll ausgewachsene Kübe Mk 350 000—400 000, wenig gut genährte Färsen Mk. 300 600—350 000. ältere Kühe Mk. 290 000—340 000, magere Ksiihe und Färsen Mk. 180 000—280 000: Kälber feinster Qualität Mk. 410 000—460 000, mittlerer Qualität Mk. 350 000 bis 440 000, geringerer Qualität Mk. 280 000—340 000: Schafe Mk. 250 000— 280 000; Schweine unter 80 Kilo Mk. 400 000—440 000, von 80—100 Kilo Mk 440 000 460 000, von 100—150 Kilo Mk. 450 000.470 000. Der Markt wurde bei lebhaftem Handel ge⸗ räumt. Wegen der Pfingstfeiertage findet nächste Woche der Haupt⸗ markt am Mittwoch den 23. Mai statt. Frankfurt a. M., 14. Mai. Einen otelgesuchten Gau⸗ ner gefunden. Der vielfach vorbestrafte Alexander Reuter aus Potsdam stahl aus den Zimmern eines hiesigen ersten Hotels den Gästen Schmucksachen und Goldgegenstände, wo er nur irgend Gelegenheit dazu sand. Durch die Schutzpolizei wurde er am Sonn⸗ tag überrascht und festgenommen. Es handelt sich bet Reuter um einen viel gesuchten internationalen Gauner. 5 Frankfurt a. M., 14. Mali. Schon wieder ein Spiel⸗ klub. Frau Antoinette Hennemann unterhielt in ihrer Wohnung, Moselstraße 23, monatelang einen Spielsalon, in dem sich allnächt⸗ lich eine Gesellschast von allerhand mehr oder minder zweifelhaften Personen einfand, die um hohe Einsätze„dippelte“. Am Sonntag abend hob die Polizei das Spielernest aus. Dudenhofen, 15. Mail. Unglücksfall. Gestern Mittag um 3 Uhr wurde der Landwirt Philipp Ludwig Hartmann von hier beim Stämmeverladen an der Bahn von einem Stamm erschlagen. Wie das Unglück geschah und ob irgend wen ein Verschulden trifft, konnten wir nicht erfahren. Darmstadt, 14. Mai. Wie gemeldet wird, ist der Regierung Ge⸗ legenheit geboten, das Haus des Fürsten Erbach⸗Schönberg in Darm⸗ stadt, Heidelbergerstr. 22, zu einem Preise von 188 000 Gulden zu er⸗ werben, das dem Staatsprästdenten als Wohnung zur Verfügung ge⸗ stellt werden soll. Nierstein, 14. Mai. Auf der Straße nach Oppenheim wurde ein französischer Posten erschossen. Ueber die umliegenden Gemeinden wurde Nachtsperre verhängt und die 3 Söhne des ermordeten Kreis⸗ veterinärarztes Gerhardt verhaftet. „Liebe bricht die stärksten Riegel!“ Ein Großindustrieller, der in Berlin am Stadtpark Schöneberg wohnt, hatte, durch die allgemeine Unsicherheit veranlaßt, die Ein⸗ gänge zu seiner Wohnung mit den allermodernften technischen Sicher⸗ heits einrichtungen versehen lassen, sodaß sie eher Festungstoren als gewöhnlichen Wohnungstülren glichen. Jetzt dachte er gegen jeden Einbruchsversuch vollkommen geschützt zu sein. Ein bekannter Ein⸗ brechertrick aber machte alle seine Vorkehrungen umwirksam. Bei der Familie dienten seit einiger Zeit zwei junge Mädchen, die Geschwister Lotte und Else Berg aus Mecklenburg. Beide blieben allein in der Wohnumg, als die Familie am Sonntagnachmittag in vollem Vertrauen auf die Sicherungsmaßnahmen eine Ausfahrt unternahm. Bei ihrer Rückkehr fand die Frmilie die Wohnung aus⸗ geplündert. Die Behältnisse waren zum Teil mit den richtigen Schlüsseln geöffnet, zum Teil erbrochen. Für 150 Millionen Mark Tafel silber, Wäsche, Pelze, Kleidungsstücke usw. waren gestohlen. An den Eingangstitren war keine Spur irgendeiner Beschädigung zu finden. Kriminalkommissar Gennat, der Leiter des zuständigen De⸗ zernats, und seine Beamten übersahen alsbald die Luge und nahmen Lotte Berg und ihre Schwester ins Gebet. Lottchen hatte vor einige Sonntagen auf einem Tanzvergnügen einen jungen Mann kennen gelernt, der sich ihr als Kurt Haase vorstellte. Dieser hatte sie am Sonntag wieder abgeholt und als Kavalier ihre Handtasche getragen, die auch das Bund mit allen Kunstschlüsseln enthtelt. Auch ihre Schwester Else war ausgegangen. Sie hatte von einer Freumdin Elisabeth Böhmer eine Theaterkarte erhalten und mit ihr das Theater besucht. Elisabeth Böhmer, die nun auch vernommen wurde, gestand, daß auch sie seit kurzer Zeit einen Freund hatte. Er hatte ihr beide Billets geschenkt, weil er, wie er sagte, am Sonntagabend zufällig keine Zeit hatte, selbst mit ihr das Theater zu besuchen. Dieser unbekannte Freund, dessen Namen ste nicht einmal weiß, war ohne Zweifel der Spießgeselle des„Kurt Haase“, der ihm, während er mit dem harmlosen Lottchen fleißig tanzte, die Kunstschlüssel zu⸗ gesteckt hatte, sodaß er bequem aufschließen und die Wohnung aus⸗ rdunen Lonnte. Von ber großen Bente ist noch keine Shu e Auf die Ergreifung der Täter und die Hegechefeefe stohlenen Gutes ist eine Belohnung von 10 Millionen auß esetzt Eine Episode aus einem russischen Luxus lola N Einen interessanten Einblick in das Leben der vaftriel russischen Intelligenz in Berlin gewährte eine Verhandlung dem Schöffengericht Charlattenburg. Unter der An 0 der suchten Bestechung hatte sich der ukrainische Rechtsanwall Dr. Persitzky, einer der bekanntesten und angesehensten Nalare s Odessa, verantworten. 3 1 Ne seiner Heimat Vertriebene ist jetzt hier als stand der russtschen Delegation vom Roten Kreuz tät geklagte war täglicher Stammgast des bekannten russische rats„Medwid“(Bär) in der Bayreuther Ktraße, fen melpunkt zahlreicher wohlhabender russischer Flüchtlinge. D. Leitung des Restaurants lag ausschließlich in den Hände kuf Intellektueller: Geschäftsleiter waren zwei 1 9 anwälte aus Odessa, Oberkellner ein Adliger aus dem Bg Küchenchef ein Mitglied der russischen Aristokratie. Partier und der Garderobjer waren russtsche Akademiker Im ber. gangenen Jahre mußte sich das Reftaurant auf Grund einer Au, zeige eines Tages um die Mittagszeit, als das Lokal vel besegg war, den Besuch einer Kommission gefallen lassen. Im hinteren Korridor wurden auf langen Tafeln stehend zahlreiche Portsone Schlagsahne, deren Herstellung bekanntlich verboten funden und beschlagnahmt, obwohl die Geschäftsleitung dale als harmlose Ereme bezeichnete. Unter den Gästen verussachte daz Erscheinen der Beamten eine furchtbare Aufregung, wel man au eine polizeiliche Paßkontrolle glaubte, die offenbar ein keil der Gäste zu scheuen guten Grund hatte. umdrängte die Je, amten, lief hin und her und versuchte, den Ausgang zul erreichen, In dieser Aufregung wurde plötzlich dem Zollsekretär frschbaum von hinten ein Tausendmarkschein in die Hand gedrückt. Er dr sich auf der Stelle um und sah den Angeklagten Persskr 0. weglich vor sich stehen. Persitzky wurde dann verhaffeiff die Ver. beidigung hielt aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen eine vn. suchte Bestechung nicht für vorliegend. Das Schöffengesseh 90 sich den Ausführungen der Verteidigung an und erkannt auf 75 sprechung des Angeklagten auf Kosten der Staatskase. Gegen dieses Urteil hat die Staatsanwaltschaft Berufung einissegt, Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterben ung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Sitzung vom 11. Mai. In der Lohnstreitsache des Verbandes der Maler und Weh. binder in Gießen gegen die Vereinigung der Maler⸗ And 0 G² bindermeister und die Bauhütte in Gießen schlug Shlichtungs⸗ ausschuß durch Schiedsspruch als Stundenlohn der selbstül hig; hilfen über 20 Jahren mit Wirkung vom 5. Mai 1923 M 1500— ab 12. Mal Mk. 1600.— und ab 19. Mai bis 1. Jum Mf. 179. vor. Die Übrigen Löhne sind in demselben Verhältnis n erhöhen, tung de teson, die Sache zunächst vor Tarifamt u bringe, für nicht 11 und erklärte sich daher für zuständg umsonh Als auch ein Tarifamt bisher nicht tätig gewesen ist. Zu Lohne. kung sclost wunde durch Schiedsspruch den Narteien u Erl von 20 Prozent von der laufenden Die Quarzit werk in Treis a. Oda. sollen von der laufenden Lohmwoche an gemäß Vors im Schiedsspruch als Spitzenlohn Mk. zahlen und e übrigen Löhne in demselben Verhältnit erhöhm, Erllärungsfrist in besden Sachen: 17. Nat 1 In einem Streit zwischen dem Verband der enn tar, ter und den Gailschen Tonwerken in Gießet über ee Stellungnahme der Firma zu den Betriebsratssitzunng gab dan Schlichtungsantsschuß seine Ansicht dahin kund:„Eine müse Erledigung der Betriebs ratssitzungen, an denen der Arbeig. zunehmen berechtigt ist, wird mr dann gewährleistet, n Sinme der 88 14 Abs. 2 und 20, falls er nicht persönlich ber anwohnt, er sich durch einen mit genügender Vertretm ö versehenen Bevollmächtigten vertreten läßt. Hierbei ist arforbeissch daß die Tagesordnung rechtzeitig und ausreichend belummtgehebel worden ist.“ 1 Sitzung vom 12. Mai. Für die Metallindustrie des Lahngebisets un Oberhessens vereinbarten der Deutsche Metallarbe⸗ d und der Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen folgen: 1. Der Schiedsspruch vom 25. 4. 1929 wird außer gesett Statt dessen werden auf die bisherigen Löhne vom 1—15. Nn 20 Prozent und vom 16.—31. Mai 29 Prozent Zulage gerahlt. Her, nach ergibt sich als Spitzenlohn der gelernten Arbeiter Mk. ö“ bezw. Mk. 1750. 5 Mark und mehr in der letzten Stelle Herden au 10 Marb nach oben, weniger als 5 Mark auf Null nah unten ah. gerundet. Bei der Ausrechnung der Zuschläge für die Zeit ron Der Geist von 1848. Aussprüche bekannter Parlamentarier der damaligen Zeit. Mit der bevorstehenden Frankfurter Erinnerungsfeier an die erste deutsche Nationalversammlung werden alle die Gestalten wieder lebendig, die im Jahre 1848 in der Paulskirche ihre Stimme erhoben, um, begeistert von einer großen Idee, voller Hoffnungen für die Zukunft ein einiges, freiheitlich gerichtetes Deutschland zu schaffen. Blieb auch der äußere Erfolg aus vielen Gründen aus, U wird doch jedermann, der sich mit der Geschichte dieses ersten deutschen Parlaments beschäftigt, immer wieder erstaunt sein über die Fülle der ausgezeichneten Gedanken, die das Niveau der Ver⸗ sammlung bestimmten. Wir veröffentlichen daher im Folgenden einige Lesefrüchte aus den Parlamentsverhandlungen der da⸗ maligen Zeit, die am besten in ihren Geist einführen und zugleich interessante Parallen zur Gegenwart eröffnen. Abgeordneter Venedey(Köln):„In diesem gegenwärtigen Augenblick kommt wieder eine neue Dynastie an die Herrschaft. Es ist die Dynastie des Volkes, sie wird künfig herrschen. Denn es ist die Zeit gekommen, wo sich der Volksgeist als solcher, die Selbst⸗ herrschaft der Nation, durchringen will. Deshalb glaube ich auch, Sie mißverstehen den Gedanken„Rechtsboden“, wenn Sie ihn nicht sogleich in die Revolution hineinlegen...“ 0 Prästident Heinrich von Gagern(Darmstadt) erkärte in einer seiner Ansprachen:„Wir sollen schaffen eine Verfassung für Deutschland, für das gesamte Reich. Der Beruf und die Vollmacht, zu dieser Schaffung, sie liegen in der Souveränität der Nation Wenn mancher Zweifel besteht und Ansichten auseinandergehen, über die Forderung der Einheit ist kein Zweifel, es ist die For⸗ derung der ganzen Nation. Die Einheit will sie, die Einheit wird sir haben, sie befestigen; sie allein wird schützen vor allen Schwierig⸗ keiten, die von außen kommen mögen, die im Innern drohen..“ Wilhelm Jordan(Berlin):„Wir müssessn uns hier drinnen erfüllen mit dem Geiste, der jetzt nur draußen, aber ungeordnet und wild braust; wir müssen ihn zu uns hereinnehmen, um ihn 7 beruhigen, und in wirklichen Schöpsungen zum Frieden und der klarheit bringen. Von diesem Geist müssen Sie sich durch⸗ dringen lassen, wenn es endlich vorwärts gehen soll, wenn Sie nicht wollen, daß er draußen sich selbst überlassen und aufgeregt, hier drinnen keine Anerkennung finden, unser Vaterland ulcht an den Rand, sondern mitten hinein in den Abgrund des etherbens stürze. Dieser Geist, dies Bewußtsesn, zu dem wir uu. erheben müssen, er ist kein anderer als der Gel, als das Bervußztein der Revolution. 4 . Adolf von Trützscher(Seesen:„Sie meinen, es sei nur eine Nesormbewegung oder eine kleine Reyolution, welche keinen anderen Zweck hätte, als dem Volk gewisse Rechte zu erkämpfen und einzelne Beschränkungen wegzureißen. Das ist nach meiner innigsten Ueberzeugung ein Irrtum. Es ist eine große Bewegung, in der wir uns befinden, und ihr Ziel ist kein anderes, als große Grund⸗ sätze zur Geltung zu bringen, die in jeder Menschenbrust liegen, die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit...“ Den Beschluß mag ein Wort von Hermann von Becke⸗ rath(Crefeld) machen:„Nun soll das Wort die Tat, die Dichtung Leben werden, ein anderer hoher Dom muß sich erheben, ein starker, fester Bau politischer Formen, ichs age muß sich erheben, denn nach meiner innigsten Ueberzeugung kann nur ein solcher starker politischer Bau unsere Freiheit begründen, unser nationales Dasein vor dem Untergange bewahren. Alle Blicke sind auf uns, die Bauleute gerichtet...“ — Wilhelm Schäfer zur deutschen Judenfrage. In einem jüngst bei Georg Müller, München, er⸗ schtenenen Buche Der Deutsche Gott äußert sich Wilhelm 1 äfer auch in sehr drastischer Weise zur Judenfrage in Deutsch⸗ Der bekannte rheinische Erzähler und Kulturphilosoph, dessen Rasseechtheit und dessen Vaterlandsliebe wohl in allen Lagern außer Zweifel stehen dürften, vollzieht aus tiefstem Abscheu eine Ab⸗ rechnung mit dem Gassen⸗Antisemitismus, wie sie sich gründlicher und ernsthafter nicht denken läßt. Ein um die Wahrung deutschen Volkstums schier überängstlich Besorgter geht da, mit richtigem Verständnis aller historischen Zusammenhänge, alle Möglichkeiten einer angeblichen Judengefahr durch und gelangt zu dem keinen kühl Besonnenen über raschenden Resultat, daß für die 99 Prozent deutschen Volkstunms, von dem ihm gegenüberstehenden einen Prozent semi⸗ tiscen NVolkstums nichts zu eden sei. 5 er spricht dabei nur. geistig⸗kulturrellen Einflüssen denn ihrs w jedem Gebildeten i. Srsahdsatz, daß sich die das moderne Leben gestaltenden Wirtschafts ze verzweifelt wenig um Rasse⸗ theorien kümmern. Die Bilanz im Geistigen aber ergibt, nachdem der Deutsche als der ewige Fremdling unter den Weltvölkern dem jüdischen Ahasver wehmlitig zugenickt fast noch ein Guthaben zugunsten des Judentums, denn nach ausdrücklicher Feststellung der unglaublichen Verwüstung, die die Indolenz unseres Spießbürger⸗ tums am kostbarsten geistigen Erbe der Nation zuwege gebracht hat, fährt er wörtlich fort:„In jüdischen Häusern, mehr als sonst, hängen gute Bilder, in jüdischen Häusern, mehr als sonst, wird gute Musik gemacht, in jüdischen Häusern, mehr als sonst, werden gute Bücher gelesen. Was einmal den Ruhm der Rahel ausmachte, unde Lehen, stil in jüdischen Häusern. Gegenwärtig ist die Pflege das geistigen Lebens in Deutschsand, d. h. der Widerhall dessen, um un sich unt und Wissenschaft bemühen, zu einem beträchtlichen Teil 11 füdischen Händen, so daß es manchmals aussieht, als wollte das deutsche Aal diesen ihm unwichtigen Teil seines Daseins den Juden sbexlassen, Schäfer nennt dies einen für uns Deutsche ebenso beschämenden wie für die Juden rühmlichen Zustand. Sein Deutschsinm, desen Reinerhaltung Schäfer nicht von den Methoden der ee un! Hundezüchter, sondern von geistiger, kultureller Selbstbewährung e hofft, findet sich mit dem altgläubigen Ghetto⸗Juden un mit ben modernen Zionisten ohne Angst, ja— entsetzlich zu sagen— in ahl, N licher Gesinnungsgegnerschaft und kampfesfroher Achtung Jogar m dem internationalistisch eingestellten, den Wert national alhegrenzies Volkstums leugnenden Juden ab. Nur hier haben“ wir, so richtig Wilhelm Schäfers Oamdgebarl von den erst noch zu verwirklichenden nationalen Votedingungen eines jeden künftigen Internationalismus ist, den Eiunund l heben, daß der Autor einseitig dem Judentum eine Vemmittle im Völkerleben zuweist, die es in diesem Maße woll inte gehch hat, denn in all den Jahrzehnten, da uns Deutschen ein welthürgel liches Hervortreten und Einwirken noch innerlich und lhorlich nal, lich war haben sich um Rahmen sozialistischer, demokrabsher, full, niger, liberaler Anschauungen in dieser vermittelnden und gleichenden Richtung kaum mehr Deutsche semitischer all„a 15 Herkunft betätigt. Auch der jener welthürgerlich gerichsten 10 von Aufklärungsjuden einseitig zugeschriebene Intel 11 und Materialismus, in dem Schäfer mit Recht ein Hemms deussche Kulturentfaltung erblickt, scheint uns nicht aus der uu ihn Quelle des Rassemäßigen, sondern aus viel verwickelteren und w 5 greifenden geschichtlichen Notwendigkeiten abzuleiten zu 5* stehen wir letzten Endes immer wieder vor dem ungesinhen ee Niederschlag der ungesunden kapitalistischen Wirtsch aftteise. 110 Rafsethorte, die die geschchtlicen Gewordenhelten, Bol ente Völkerbezsehungen, zugunsten der romantischen Vorstellim 1 ö schichtslosen völkischen Ur⸗ und Noturzustandes in den erg drängt, kann mur ausgemachter und unheilbarer Halbgesl cheit der bequeme Universalschlüssel zu allen möglichen Lebe 41 scheinen, deren Verständnis sich nur minder schematisch Dalkenden jenen Schwarmgeistern nach ernster Arbeit erschließt. 0 Sein echt deutsches Beharren auf dem nationalen geschichtlicher Erkenntnis wird nun auch wohl Wilhelm Ef davor bewahren, ans Hakenkreuz geschlagen oder zum je „Judenknecht“ verlästert zu werden. N 1 . N 1. ͤ SDS ee Se er S oer ee ichtitechg chessen 4 Naler de e m Gießen a 58 bi 31. Mai ist von den nischen r erhöhen sich in demselben Verhältnis und mit der⸗ Hungen wie unter 1. Dollar auf 20 000 Mark stand, machte es für die Organisationen liche Not und Elend versinken lassen wollten, um Lohnverhandlun⸗ Löhne der Bergarbeiter hätten seither 40 Prozent Über der amtlich Lohnerhöhungen notwendig. Ih Hoppelt abgerundet wird. 2. Die Arbeiterinnen erhalten 75 P der Awelehne Her Grape und. Alterzlafsse, asgeruntel wie unter Ziffer 1. 9. Die Löhne der Wetzlarer ischen und mecha⸗ ö dung wie unter 1. 4. Die Sozialzulagen werden den ganzen Monat un 25 Prozent erhöht, mit denselben. — Lohnverhandlungen im Bergbau. Das Anziehen der Preise um etwa 40 Prozent seit dem der N ber Bergarbeiter Deutschlands dringend notwendig, wenn ihr Mitglieder nicht weiter als es schon jetzt der Fall 12 in wiltsghaft⸗ gen in der Arbeitsgemeinschaft der Fachgruppe Bergbau nachzu⸗ fue Da seit März keinerlei Lohnerhöhungen bei den W itern eingetreten sind und andere Berufe seit dieser Zeit Lohner⸗ höhungen bekommen haben, sollte jeder vernünftig Denkende glau⸗ ben, die geforderten Lohnerhöhungen seien wenigstens einigermaßen lend von der Fachgruppe Bergbau behandelt worden. Aber, Kameraden und Leser dieser Zeitung, wenn ihr mit mir in dem Gedankben des letzten Satzes einig seid, so muß bch euch verraten, daß ihr furchbar daneben gehauen habt. Ein Vertreter der Arbeit- geber stellte bei den Lohnverhandlungen die Behauptung auf, die ermittelten Reichsindexzifser gestanden, infelgedessen seien keine N 0 r seid nach der Auffassung der Ar⸗ beitgeber unverschämt, ihr stellt Lohnforderungen, wo es euch so 22 geht, daß ihr euren Kindern kaum ein Hemd auf den Leib aufen könnt und den armen Arbeitgebern geht es so schlecht, daß sie ihre Leibriemen jeden Tag wetter schnallen müssen und Autos kaufen können, die Hunderte von Millionen Mark kosten. Bei dieser Haltung der Arbeltgeber konnte es natürlich zu keiner Einigung kommen und es mußten mit Hilfe der betreffenden Regterungs⸗ stellen: Reichsarbeitsministersum und Reichswirtschaftsministerium, Schiedssprüche gefällt werden. Nun sollten wir Bergarbeiter aber glauben, daß wir zu unserm Recht kämen und die Regierung Cuno würde den Arbeitgebern sagen, daß es in Deutschland heute eine Abwehrfront gäbe gegen die Franzosen, woran die Bergarbeiter in ganz Deutschland einen großen Anteil hätten. Aber wir sind wieder um eine Hoffnung ärmer geworden, wenn wir geglaubt haben, daß be Regierung Cuno mit dem Reichswirtschaftsminister Dr. Becker⸗ Hessen die Arboftgeber eines Besseren belehrt hätte. Das Reichs⸗ arbeitsmintsterium, das unter dem Einfluß des Reichswirtschafts⸗ ministeriums Dr. Becker⸗Hessen steht, fällte Schiedsspriüche, die allen Bergarbeitern in ganz Deutschland ganze 10 Prozent Lohnerhöhun⸗ gen zusprachen. Ja, Kameraden, das ist ein Schlag ins Gesicht der Bergarbetter und eine Verhöhnung. Aus allen diesen Gründen wurde die Reichslohnkommission auf Sonntag, den 6. Mat nach Bleleseld einberufen, um Stellung zu nehmen zu diesen unerhörten Vorgängen. Die Berichterstattung gab der Kamerad Schmidt vom Vorstand. Alle anwesenden freie Organtsatlonen waren darüber einig, daß die Bergarbeiter sich dieses nicht bieten lassen können. Die Schiedsfprüche wurden ohne Dis kusston einstunmig abgelehnt. Der Vorstand wurde beauftragt, sofort neue Lohnperhandlungen einzuleiten und den betreffenden Herren zu zeigen, daß wir nicht mit uns spielen lassen wie die Katze mit der Maus. So sieht die Aprinlöhnen auszugehen, sodaß nicht Einheitsfront der Arbeitgeber aus! Wer als Arbetter aus diesen 8 Vorgängen nichts lernt, und in der Zukunft immer noch nicht weiß, t. wo er hingehört, der genießt mein herzlichstes Beileid! Eine„Gewerkschaft“ gegen den Achtstundentag. Der xiühmlichst bekannte Deutschnationale Handlungsgehilfen⸗ verband(Do.) schreibt in Nr. 6 der von ihm herausgegebenen Deutschen Handelswacht: „Wir anerkennen die Notwendigkeit, mit dem starren Prinzip des Achtstundentages zu brechen. Nichts hat ihm mehr geschadet, als seine ursprünglich beabsichtigte, teilweise auch tatsächlich durchgeführte unterschiedslose Amvendung ohne Rücksicht auf den Grad der Inanspruchnahme des einzelnen Arbeitnehmers und auf die Wirtschaft selbst.“ ..„Wenn also das deutsche Unternehmertum gegen den unterschdieslosen schematischen Achtstundenarbeitstag, der im Prinzip keine Ausnahme gestattet, 40 Fehde zieht, so können auch wir die Berechtigung eines solchen Kampfes bis zu einem gewissen Grade anerkennen.“ Der Do. sollte wissen, daß das Unternehmerschlagwort vom schematischen Achtstundenarbeitstag in Wirklichkeit eine Waffe der Unternehmer gegen den Achtstundentag Überhaupt darstellt. Der DV., der vorgibt, Handlungsgehilfentnteressen zu ver⸗ treten, sollte auch wissen, daß die Unternehmer der Meinung sind, die Verkäufer und Verkäuferinnen, die nicht dauernd Kundschaft be⸗ dienen, befänden sich nur in Arbeitsbereitschaft, und ihr Achtstunden⸗ tag bedeute die schematische Ampendung des Prinzips. Die Angestellten werden erkennen, daß der Kampf des DH. gegen den schematischen Achtstundentag flir die Angestellten gußer⸗ ordentlich gefährlich ist. Auch die Arbeiter müssen noch mehr als bisher erkennen, daß der Dh. und der mit ihm eng alltierte Ver⸗ band der weiblichen Handels⸗ und Vureanangestellten nie ganz ver⸗ bergen können, daß sie Bundesgenossen der Unternehmer sind. Wirtschaft, Handel, Soziales. Die Notenpresse in beschleunigter Tätigkeit. Während die Hüter der deutschen Reichsfinanzen die öffentliche Meinung zu beschwichtigen suchen, indem sie darauf hinweisen, daß im Laufe des Monats April verhälntsmäßig weniger neue Reichs⸗ schulden eingegangen worden sind als im März, hat die Reichsbank die Tätigkeit ihrer Notenpresse bereits wieder beschleunigen milssen. Fast eine halbe Billion, genau 449,9 Milliarden Mark neuer Bank⸗ noten wurden in der letzten Woche des April in den Verkehr gesetzt, also wesentlich mehr als n den vorangegangenen Wochem. Der ge⸗ samte Banknotemunlauf ist damit auf 6,5 Billionen Mark ange⸗ wachsen. Nachdem die Reichsbank Mitte April rund 85 Millionen Goldmark aus ihrem Goldbestand gegen Devisen hat verpfänden müssen hat die Reichsbank in der letzten Aprilwoche keine neuen De⸗ visenkrebite gegen Gold aufgenommen, aber die notwendigen Vor⸗ bevectungen getroffen, um im Notfalle wieder derartige Kredite er⸗ halten zu können. Sie hat weitere 52,5 Millionen Goldmark bet ausländischen Notenbanken hinterlegt und somit außer den bereits verpfändeten Teilen ihres Goldbestandes noch 217,2 Millionen Gold⸗ markdepots im Ausland. Es ist also nicht viel weniger als ein Drittel ihrer ganzen Goldreserve, die die Notenbank des Deutschen Reiches für derartige Zwecke abgezweigt hat. Nachdem so die sach⸗ lichen Vorbereitungen für weitere Interventionsverkäufe am De⸗ visemmarkt getroffen sind, die aber mur einen Teil der Stützungs⸗ akbion darstellen, ist dringend zu wiünschen, daß die von der Sozjal⸗ demokratie geforderten Maßnahmen auf Unterbindung der Deylsen⸗ spekulation energischer in Angriff genommen werden, als das bisher Die neue Devisenordnung stellt darin noch lange keine Lokale Parteinachrichten. An bie Ortsvereine im 6. Agitationsbezirk! Werte Parxteigenossen! Der Vorstand der Vereinigten Sozialdem. Partei beruft hiermit unse ve diesjährige ordentliche Agitations⸗Bezirkskonferenz fübr die Kreise Gießen⸗Alsfeld⸗Lauterbach auf Sonntag, den 10. Juni, vormittags 9 Uhr nach Gleßen(öGewerkschaftshaus) mit folgender vorläufiger Tagesordnung ein: 9 8 1. a) Bericht des Agitations⸗Bezirks⸗Vorstandes. Referent: Ge⸗ nosse Moosdorf. b) Jahres⸗ und Geschäftsbericht. Referent: Gen. Häuser. c) Bericht der Preßkommisston. 2. Die Sozialdemokratie im hessischen Landtage. Referenten: die Genossen Abg. Kiel und Mann. 3. Beratung eingegangener Anträge. 4. Wahl des Agitations⸗Bezirksvorstandes und der Preß⸗ kommission. Die Ortsvereine werden ersucht, zu vorstehender Tagesordnung Stellung zu nehmen und Delegierte zu bestimmen. Die Mitgliedschasten können nach 8 9 des Statuts bis zu 25 Mit⸗ glieder 2, und auf je weitere 50 Mitglieder einen Delegierten mehr entsenden. ö Anträge sind bis spätestens zum 4. Juni an das Partei⸗ sekretariat Gießen, Hammstraße 10 einzusenden. Mandatsformulare gehen den Ortsvereinen zu, diese sind zur Konferenz mitzubringen und dienen als Ausweis für die Delegierten. Es ist unbedingte Pflicht aller Ortsvereine, zu dieser Konferenz Vertreter zu entsenden. Mit Parteigruß! Der Vorstand der Vereinigten Sozialdem. Partei des 6. Agit.⸗Bezirks Kurt Moosdorf. Alfred Kiel. J. A.: H. Häuser. * 1 0 NB. Den Ortsvereinen hiermit zur Kenntnis, daß wieder Partei⸗Abzeichen eingetroffen sind und durch das Sekretariat bezogen werden können. 5 Dollarstand Dienstag mittag 12 Uhr: ca. 43 000 Mk. Geschäftliches. 5 gein Leidender versäume den Verlreter der Bandagenfabrik Otto Brandner in Karlsruhe i. B. zu besuchen, der am Freitag, den 18. Mai, im Gasthaus Pfälzer Hof, mit Mustern zu sprechen ist. Auskunft kostenlos. Nüheres die in heutiger Nummer enthaltene Anzeige über „Bruchleidende“. 2 Dr 6 e sass0l- af Geöffnet ununterbrochen von 8—6 Uhr. TC 23 75755 erKauf biess RP r FCC an Selters 7 . 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