Redaktion: Gießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2008. 9 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 1 5 7 5 1 Cwpebition: Sießen Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008. ie Oberh. Volkszeitung erscheint seden Werktag vormittag in Gießen * Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ virtschaftliche Beilage“ 3 monatlich 780.— Pet. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 780.— ek. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 30.— Mt Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile( mm breit) oder deren Naum lokal 10.— Mt, auswärts 15.— Mk., die Rektlamemillim ö 50— Mk. Ben größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entspre der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Gießen, Dienstag, den 16. Januar 1923 . 18. Jahrgang Der Beschluß. Der deutsche Reichstag nahm nach einer Erklärung der 3 Reichsregierung durch den Reichskanzler Dr. Cuno und den 1 Erklärungen der verschiedenen Parteien in namentlicher Ab⸗ . stimmung mit 283 gegen 12 Stimmen bei 6 Stimmenthaltun⸗ gen folgenden Antrag Marx(Ztr.) an: Der Reichstug erhebt gegen den Rechts⸗ und Ver⸗ tragsbruch durch die gewaltsame Besetzung des Ruhr- gebiets feierlichen Proteft. Der Reichstag wird die Re⸗ gierung bei der Anwendung jeder zur entschlossenen Ab⸗ wehr dieses Gewaltaktes zweckdienenden Maßnahmen mit allen Kräften umerftützen. f f Das von den Kommunisten beantragte Mißtrauens⸗ botum gegen den Reichskanzler wurde abgelehnt. Das deutsche Kohlenbecken ist mit Krieg überzogen. Alle Vernichtungsmittel, die ein modernes Heer aufbringen kann, wurden zusammengezogen, um die„friedliche“ Mission Poin⸗ 0 carés zu unterstiüitzen. Kein deutscher Soldat darf in dieser nach dem Friedensvertrag neutralen Zone weilen. Kein militärischer Widerstand war zu erwarten. Und trotzdem werden— dem klaren Wortlaut des Vertrages von Versailles und den Bestimmungen des Völkerrechts zuwider— die ar⸗ beitsamen Bewohner des wirtschaftlich wichtigsten Teils des deutschen Landes mit Rossen. Mann und Wagen überflutet. Trotzdem etabliert sich der französische General als kriegsmäßiger Herrscher eines waffenlosen, fried⸗ lichen Gebietes. Trot dem erläßt er Verordnungen und Drohungen, die ganz an die— um mit Herrn Reynaud zu reden—„veralteten abscheulichen Methoden“ von früher er⸗ innern. Ein durch vier lange Kriegs⸗ und Hungerjahre zermürbtes Volk, das durch vier weitere Jahre des Darbens und der Verelendung noch mehr in seiner Widerstandsfähigkeit be⸗ „schrönkt worden ist. könnte nicht der brutalen Gewalt mit gleicher Gewalt begegnen, selbst wenn es wollte und nicht entwaffnet ware. Aber es kann und muß sein Recht be⸗ tonen, das verletzt worden ist. Es muß um so lauter und entschlossener Widerspruch gegen den Vertragsbruch erheben, je mehr es sich vor Augen hält, daß der kriegerische Ueberfall f sich gegen das republikanische Staatswesen richtet, das aus dem Zusammenbruch des alten Systems erwachsen ist. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das als Grund⸗ lage des Friedens dienen sollte, wird heute aufs rücksichts⸗ lofeste verletzt, wenn es sich um das deutsche Volk handelt. Das ist die Lage, die am Samstag im Reichstag zu beleuchten war. Im Reichstag, der heute der Träger der staatlichen Souveränität ist. Eine einmütige Kund⸗ gebung gegen Friedensbruch und Rechtsverletzung, gegen die militaristischen und annexionistischen Bestrebungen, die an der Ruhr mit brutaler Offenheit sich zeigen, erscheint als das von selbst Gegebene. Indessen klafft auch im Reichstag der Riß, der durch das ganze Volk geht. Selbst der kriege⸗ cische Angriff auf deutsches Gebiet kann nicht aus der Welt schaffen, daß an der Protestkundgebung des Reichstages Parteien beteiligt sind, die bis in die jüngste Zeit den Glaubenssatz vertreten haben, daß allein die Macht Recht schaffe. Die noch zu der Zeit Annerionspläne schmiedeten, als der miltärische Zusammenbruch Deutschlands schon mit Händen zu greifen war. Ansprache des Prüsidenten und des Reichskanzlers. Berlin, 13. Januar. a Auf den Türmen des Reichstagsgebäudes wehen die Flaggen halbstock. Auf der Regierungsbank hat das gesamte Kabinett Platz genommen. Das Haus und sämtliche Tribünen sind außerordentlich stark besetzt. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung mit folgenden Worten: Ich eröffne die Sitzung des Reichstages, die Stellung nehmen soll zu dem empörenden militärischen Gewaltakt, der unserm Lande und unserm Volke in diesen Tagen widerfährt. Ohne den Verhandlun⸗ gen dieses Hauses vorzugreifen, möchte ich mir ein Wort erlauben, an die Landsleute an der Ruhr.(Die Abgeordneten er⸗ heben sich, mit Ausnahme der Kommunisten, von ihren Plätzen.) Ich möchte ihnen zurufen: Haltet Euch so, daß an dem Tage. an dem die Jremherrschaft von Euch genommen wird, Ihr vor Euch selbst bestehen könnt und daß Eure Kinder von Euch bekennen können, unsere Väler haben mit Festigkeit und Treue, mit Stolz und Würde aufrechl⸗ gestanden, als dieser Schlag geführt wurde. Sie haben weder durch unwürdige Liebedienerei und Unterwürfigkeit, noch durch Unbeson⸗ nenheit den Namen unseres Volkes geschändet. Haltet Euch so, daß Ihr, wenn auch äußerlich geknechtet, Euch innerlich frei ins Auge sehen könnt. Vor ber Welt werden wir diesem Gewallstreich voll Trauer gegenüberstehen, vor der Geschichte aber weisen wir darauf hin, daß hier ein Streich geführt wird gegen den Frieden des Landes, gegen bie Freiheit und gegen das Recht seiner Bewohner, der seinen Stachel in sich trügt nicht nur gegen uns, sondern gegen Der Protest des Rei alle, die eine ruhige Entwicklung wollen, und der die verhängnis⸗ vollsten Folgen für den allgemeinen Frieden haben muß.(Sehr richtig!) Wenn ich als deutscher Volksvertreter ein Recht hätte, zum französischen Volke zu sprechen, würde ich sagen: Prüft selbst ob der Weg, den Eure Machthaber einschlagen, der ist, der Euch zu Eurem Rechte, zu Euern Ansprüchen, zu Frieden und Ruhe führen kann. Prüft selbst, ob er nicht vielmehr Erbitterung, Haß und Wut wecken muß und auch das Unvermögen zur Erfüllung anderer An⸗ sprüche. Ihr und wir, Eure Nachkommen und die unsrigen werden an den furchtbaren Jolgen zu tragen haben, die dieser Drachensaat entsprießt.(Sehr wahr!) Deshalb macht es rückgängig, das Un⸗ recht, das Ihr an uns verübt, mit all dem andern der letzten Jahre, ehe es uns und Euch verschlingt.(Lebhafter Beifall im ganzen Hause.) Der Präsident gedenkt dann des am 7. Januar verstorbenen Abgeordnesen Weigand(SD.) und der Opfer des oberschlesi⸗ schen Grubenunglücks.(Die Abgeordneten haben sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben.) Das Haus tritt sodann in die Tagesordnung ein, dessen ein⸗ ziger Punkt die Entgegennahme einer Regierungserklärung ist. Das Wort erhält Reichskanzler Dr. Cuno: Der Reichskanzler schildert die aus der Presse bekannten diplomatischen und militärischen Vor⸗ bereitungen der Aktion gegen das Ruhrgebiet, den Einmarsch der französischen und belgischen Truppen und fährt dann fort: Die Maßnahmen der französischen Regierung werden gestützt auf den Vertrag von Versailles, der vor genau 3 Jahren zu den Zweck ratifiziert wurde, an die Stelle des Krieges einen festen, gerechten und dauerhaften Frieden treten zu lassen. Sie werden gestützt auf den Vertrag, in welchem als wesentlich be⸗ zeichnet wird, bestimmte Verpflichtungen zu übernehmen, nicht zum Krieg zu schreiten, die Vorschriften des inter⸗ nationalen Rechts genau zu beobachten, Gerechtigkeit herrschen zu lassen und alle Vertragspflichten und gegenseitigen Beziehungen der Völker peinlich zu beachten. Sie werden gestützt auf den Ver⸗ trag, aus dem dieses große Programm der Versöhnung, der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker abgeleitet wurde, welches 1918 verheißen und von Deutschland durch die Erllärung vom 3. Oktober 1918 als Grun kage der Verträge über den Waffenstillstand angenommen wurde. So schwer die Lasten sind, die wir mit dem Vertrag übernommen haben, Deu schland doch das Recht geblieben, die ihm auferlegten Lelistungen nach seinen Hilfs⸗ mit“een und seiner Lerstenas fähigkeit zu messen, weiter das unverbreck iche Recht ven der Repia⸗ tionskommission hinsichtlich der Zahlungs⸗ fähigkeit gehört zu werden. Obwohl dieses Recht Deutschlands im Laufe der letzten Jahre nicht ausreichend be⸗ achtet wurde, hat das deutsche Volk sich ehrlich bemüht, bis zur Grenze seiner Leistungs fähigkeit ehrlich und auf⸗ richtig der wirtschaftlichen Reparation zu dienen. Wir haben das deutsche Eigentum, den Ertrag der Arbeit von Generationen hin- gegeben, alles Leistungen, die fast größer waren, als es die Rück⸗ sicht auf die eigene Wirtschaft gestattete.(Sehr wahr!) Arbeit⸗ geber und Arbeitnehmer waren sich einig in dem dringenden Wunsch, ihre Kraft an den Wiedergufbau der zerstörten Gebiete setzen zu können; aber gerade auf die Annahme solcher Arbeit hatten wir zu warten. Immer wieder wurden uns andere Lasten auferlegt, bis zum Verfall unserer Wirtschaft, den wir heute or unsern Augen sehen. Ich frage die Welt, ob jemals ein Volk mehr geleistet hat und mehr hat leisten können, das durch die Absperrung vom Weltverkehr, durch die Verluste des Krieges, durch Hunger und Entbehrungen aller Art entnervt und entkräftet ward? Ich frage: wie kann Herr Poincaré erklären, er könne nicht mehr auf die falschen Versprechungen Deutschlands zählen und sich nicht dadurch täuschen lassen? Wie kann er der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß Deutschland keinerlei An- strengungen machen werde, seine Verpflichtungen ohne Zwang zu erfüllen? Deutschland War ben ihn, in einer flir Frankreich günstigen Weise das Repara⸗ tionsproblem zu lösen, nachdem durch das Urteil aller Sachverständigen und auch durch die Reparatignskommission die gegenwärtige Zablungsunfähigkeit Deutschlands festgestellt war. (Sehr richtig!) Das Programm stellt sich vom Standpunkt des Vertragsgegners aus gesehen unter drei Gesichtspunkten dar. Finanziell handelt es sich darum, Frankreich sofort greif— bare Mittel zu verschaffen. Wirtschaftlich wurde davon aus⸗ gogangen, daß die deutsche und französische Wirtschaft in wichtigen Beziehungen auf einander angewiesen sind, und es sollten Wege gesucht werden, ohne Zerstörung des deutschen Wirtschaftslebens einen Ausgleich mit Frankreich zu finden. Politisch stehen wir der Tatsache gegenüber, daß Frankreich die Unentbehrlichkeit seiner Stellung am Rhein immer wieder mit der Behauptung kriegerischer Absichten Deutschlands begründet. Unter diesen Ge— sichtspunkten setzte die Aktion des Kabinetts ein. Der Kanzler kommt dann auf die Vorschläge der deutschen Re⸗ gierung an die Londoner und Pariser Konferenz zu sprechen. Von den letzteren sagte er: Nach grfindlicher Prüfung des deut⸗ schen Wirtschaftlebens und nach dem Urteil aller Sachver— ständigen konnten wir aus eigener Kraft nicht alle finan⸗ ziellen Ansprüche Frankreichs befriedigen. Wir haben aber erklärt, bereit zu sein, eine feste Summe als erste Rate zu bieten, die auf dem Weltmarkt durch eine Anleihe garantiert wird. Wir verpflichteten uns weiter, bis zu einer be— stimmten Grenze Anleihen nach Maßgabe des Bedsirfnisses aufzu⸗ so ist bringen. Auf einen ähnlichen Gedanken des englischen Vor— schlages soll Herr Poincaré in seiner Kammerrede erwidert haben, er habe keine Lust, internationale Bankiers als Schieds- richter über die Rechte Frankreichs anzuerkennen. Aber welche an- dere und bessere Maßgabe gibt es für die Abschätzung der wirt⸗ schaftlichen und finanziellen Kraft, als den Kredit? Ich habe ferner erklärt, daß die deutsche Wirtschaft bereit wäre, die deutsche chstags. Regierung bei der Durchführung ihres Vorschlages zu unter⸗ stützen. Nach der wirtschaftlichen Seite haben wir angeboten eine Kommission von Vertretern der Industrie⸗ und Bankwelt, die mit französischen Vertretern im Einvernehmen mit Frankreich und seinen Alliierten über eine wirtschastliche Verständigung verhan⸗ deln sollte.(Rufe bei den Komwunisten: Sic werden sich noch ver⸗ ständigen!— Sürmischer Widerspruch rechts. Rufe wie:„Raus mit den Lumpen!“ nerden zu den Bänken der Kommunisten ge⸗ rufen.) Um politische Hemmnisse einec rein wirtschaftlichen Re⸗ gelung zu beseisigen, boten wir Frankreich durch Vermittlung einer dritten Macht einen durch Volksabstimmung gesicherten Friedenspakt an Auch diesen Vorschlag hat Herr Poincaré abgelehnt.(Hört, hört!) Was die Auslegung des§ 18 anlangt, so haben wir für unsere Rechtsauffassung gerade in diesem Punkte das wertvolle Zeugnis des Herrn Barthou, der in dem amtlichen Bericht des franzö⸗ sischen Kammerausschusses über den Versailler Vertrag ausdrücklich sagte, daß bei Nichterfüllung der Reparationsverpflichtungen vorge⸗ sehene Maßnahmen von den Alliierten in gemeinsamem Ei stãnd⸗ nis getroffen werden sollen.(Hört, hört!) Man solle annehmen, daß Herr Barthou als Vorsitzender der Reparationskommission keinen andern Standpunkt einnimmt, als den, den er als Bericht⸗ erstatter des Parlaments geäußert hat.(Sehr richtig!) Nach der Besetzung von Frankfurt a. M. hat die französische Regierung der britischen wiederholt die Zusage gegeben, bei allen imnteralliierten Fragen der Ausführung des Vertrages von Verfsailles nur in Ueber⸗ einstimmung mit ihren Alliierten zu handeln. Aber selbst, wenn alle diefe Voraussetzungen so klar gegeben wären, wie sie in Wirklichkeil fehlen, so würde doch nie und nimmer die Maßnahme einer politischen Besetzung und einer militäri⸗ schen Aktion zulässig sein.(Sehr richtig!) Als man das Schlußprotokoll über den Vertrag austauschte, ist von Herrn Clemen⸗ ceau ausdrücklich anerkannt worden, daß nach der Inkraftsetzung des Vertrages die Anwendung von Sicherungsmitteln, wie sie der Krieg mit sich bringt, ihr Ende gefunden habe. Es steht also fest: Recht und Vertrag sind mit dem Einmarsch der Truppen in das Ruhrgebiet gebrochen worden. 0 ö Es ist bitter wenig, was wir der Gewalttat äußerlich entoegen⸗ setzen können. Was wir ihr innerlich entgegensetzen können und müssen, ist mehr: Wille und Entschluß! Ich richte keinen Appell an die Welt, den ich weiß, daß über den Geschicken der Nationen harte Interessenfragen walten. Zunächst stehen wir allein. Wirt⸗ bei Wiederherstellung des Rechts wieder bereit sein werden, ver⸗ sprechen, ohne grundsätzliche Umstellung Frankreichs, keinen Erfolg. Es handelt sich für unseren wichtigsten Gläubiger nicht um Reparationen, es handelt sich um jenes alte Ziel, das seit mehr als 400 Jahren Frank- reichs Politik eigen ist. Das ist die Politik Ludwigs XIV. und Napoleons I., die nicht minder deutlich die anderen Gewalthaber Frankreichs bis auf den heutigen Tage betrieben haben, jene Politik. deren Ziel es ist, das Deutsche Reich und seine Existenz zu ver⸗ nichten. Es ist jene Politik, in deren Dienst im Februar 1917 er⸗ klärt wurde, daß die linksrheinischen Gebiete von Deutschland ganz abgetrennt und„befreit“ werden sollen. Der Unterschied ist mir der, daß man früher von Reunion sprach und heute von Reparationen. Aber zum Siege führen konnte Frank⸗ reich seine Politik nur dann, wenn das deutsche Volk an sich selbst versagte. Auf die Haltung des deutschen Volkes kommt es an. Es ist nicht einer unter uns, der sich von dem ge⸗ meinsamen Leidensgefühl auszuschließen vermöchte. der nichts aufs tiefste erschüttert wäre in dem Glauben an Menschheit Das ist der tätige Wille des Ueberwindens.(Beifall.) Dazu gehört in unserer Lage Besonnenheit und Sammlung aller Seelenkräfte. Jeder falsche Schritt jedes einzelnen aus Unüber⸗ legtheit oder aus Mangel an Selöostbeherrschung kann die schlimmste Folge für die Gesamtheit werden. Um die Not und die schweren Zeiten, die kommen werden, zu überstehen, zu überwinden. ist not⸗ g, daß jeder bereit ist, sein Letztes herzugeben zur festesten Einigung aller Schichten unseres Volkes. Zu innigster Gemeinschaft mit den Staaten, zur Weckung aller tiefen, offenen und verschütteten, sittlichen und religiösen Kräfte ruft uns die Stunde.(Lebhafter Beifall.) Der Weg des deut⸗ schen Volkes führt durch Tiefen, aber er ist nicht zu Ende. Stolz bekennen wir uns ungebrochen zur Lösung der uns gestellten Auf⸗ gaben für die Menschheit, fühlen wir uns als Träger eines Rechtes, das nicht stirbt. Unrecht, Not. Entehrung unser Schicksal heute, Freiheit und Leben das Ziel, Einigkeit der Weg. (Stürmischer Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Aussprache und Abstimmung. Stresemann(D.) protestiert im Namen sämtl icher bürgerlichen Parteien gegen den frevelhasten Völker⸗ rechtsbruch, der zur Besetzung deutschen Landes durch die franzö⸗ sische Militärmacht geführt hat. Die angebliche absichtliche Ver⸗ fehlung Deutschlands ist nur eln Vorwand für die unerhörte Ver⸗ letzung deutscher Souveränität. Wir sehen in diesem Vorwand nichts anderes als den brutalen Versuch, die Ausführung längst gehegter französischer Ziele. Frankreich hofft durch dauernde Ve⸗ setzung von deutschem Boden, durch unsere wirtschaftliche Erdros⸗ selung die deutsche Einheit zu zerreißen. Das wird ihm nicht ge⸗ lingen. Die Einheit des Resches haben wir uns aus dem Kriege gerettet.— Redner billigt das Vorgehen der Regierung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß vom deutschen Volke nationale Würde, Ernst und Vesonnenheit bewahrt werde. Abg. Müller⸗Franken(Soz.): Der Reichskanzler hat Protest gegen die militärssche Besetzung des Ruhrgebiets eingelegt. Die Sozjaldemokratische Partei hat alle imperialistischen Abenteuer lederzeit bekämpft. auch wenn sie von deutscher Seite ausgingen.(Zuruf rechts: Und schaftliche Reparationsverhandlungen, zu denen wir bereit waren und und Recht. Es gibt aber ein Höheres als die Versenkung in das Leid. f 5 i 1 N 5 2 von den Konumunisten?) Redner erinnert an das chrnesische nteuer, das uns Eisenbahnen und andere Schätze einbringen te.(Der Redner wird fortgesetzt von rechts und links unter⸗ 5 wochen.) Wir haben ein Recht, gehört ut werden, wenn wir gegen 5 3 Einb in friedl deutsches Land protestieren, und wir 1 A e Belgien, das sich die Sympathien der n Welt errungen hatte, sich dem Verfahren Frankreichs t. 2812 e sind keine Wünschelruten, die anzeigen, wo Milliarden im Boden liegen. r ine Völkerverständigung, die von der Großindustrie ein Sr der abgeschlossen wird und die also auf' den ücken der Arbeiterschaft abgeschoben würde, lehnen wir ab. Der 55 den Frankreich eingeschlagen hat, wird seine Finanzen nicht ern. 2 len daß mit den Milliarden, die der französische Mili⸗ rides* das zerstörte Gebiet wieder aufgebaut werden könn te.. 2 Der Einmarch ist eber ersolgt, weil man in Paris weiß, daß euer vorbei ist. Die Bevöllerung des besetzten Gebietes wird Lockmigen standhalten, bis der Tag der Befreiung schlägt, wie es die belgische Bevölkerung getan hat. Wir werden unseren ganzen dem Augenblick, wo es zu einer verständigen Lösung der Repa⸗ 5. auch die Zeit für militaristische Aben⸗ allen ruf der Reichs vegierung, der zur Besonnenheit, Einheit und Selbst⸗ — auffordert. Aber notwendig ist, daß die Regierung die Führung übernimmt. 8 5 3 Die neue Lage ist eine der schwierigsten, die wir seit Ende des Krieges habens Zu dem vielen Elend kann sich noch mit Leich⸗ gkeit Arbeitslosigkeit in der Industrie gesellen und in den allernächsten Tagen bekommen wir eine Verdoppe⸗ ung des Brotpreises. Gegenüber der anhaltenden Teue⸗ g haben in der letzten Zeit die Unternehmerverbände Schwie⸗ rigkeiten gemacht bei den Lohnausgleichen, die nötig sind, um den Ar eitern das Weiterleben zu ermöglichen. Die Arbeiter sind die betten, die sich in dieser Zeit zu Lohnbewegungen drängen. Ihr! nteresse liegt vielmehr an einer Stabilisierung der Mark. Eine Notgemeinschaft, wie sie verlangt wird, setzt voraus, daß nicht die einen die Nutznießer der Not der andern werden. Daher 221 bei den Maßnahmen, die aus politischen Gründen getrofsen sind, geprüft werden, daß ie sich nicht wirtschaftlich auswirken. 5 Die deutsche Sozialdemokratie war sich von jeher darüber klar, daß sie von keinem Militarismus, auch nicht vom franzöfischen, etwas Gutes zu erwarten hat. Durch die Anwendung brutaler Gewalt werden wesentliche Beträge nicht zu erreichen sein, sondern nur durch wirtschaftliche Verständigung.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) 1 8 Gäfe(Otschv. Freiheitspartei) fordert den sofortigen völligen Abbruch der diplomatischen Beziehungen, die Ausweisung aller eparations⸗ und Kontrollkommissionen, die Aufhebung des Ver⸗ ts nationaler Organisationen und Amnestie für alle unter dem susnahmegesetz zum Schutz der Republik Verurteilten. 5 Frölich(Komm.) bestrettet dem Bürgertum, das von jeher 0 Gewaltpolitik getrieben hat, das Recht zur Entrüstung. Der weck der Pesetzung sei die Zusammenschweißung eines rheinisch⸗ 1 M ee Trusts unter dem Schutz der franzö⸗ Drei⸗Männer⸗Fraktion habe sppechen lassen, nicht Ledebour als — Vertreter der„ das Wort abschneiden.— Der Schlußantrag gegen die Linke angenommen. Prüsident Löbe fügt der Abstimmung über die Entschließung u: Der Reichstag hat Famust gesprochen. Ich glaube, das deutsche wird dieser Abstimmung zustimmen. te Sitzung Montag, 2 Uhr. Eine Unstimmigkeit bei der Abstimmung. Bei der Abstimmung über den Antrag Marx kam es szu einem Zwischenfall. Ein Teil unserer Fraktion stimmte entsprechend dem Fraktionsbeschluß für diesen Antrag, ein kleiner Teil gab blaue Enthaltungsstimmzettel ab. Ein dritter Teil entfernte sich, ohne abgestimmt zu haben, aus dem Saal. Ausdehnung der Auch Dortmund und Barmen sollen besetz! werden. Journal erklärt: Wegen des Verhaltens des Kohlen⸗ syndikats würde die militärische Besetzung bis in die Richtung von Dortmund und Barmen ausgedehnt. Es sei sogar wahr⸗ scheinlich, daß auch diese zwei Städte besetzt werden. Ein weiteres Element, das zugunsten Frankreichs benutzt werden könne, findet das Blatt in der möglichen Ersetzung der deut⸗ schen Währung in eine andere. Die französische Finanzver⸗ waltung studiere augenblicklich die Frage der Ausgabe eines neuen Geldes, das man wahrscheinlich Taler nennen werde und dessen Kaufkraft zwar nicht die des französischen Franken erreiche, aber doch die der deutschen Mark wesentlich über⸗ steigen werde. Kombiniert mit der Einrichtung von Lebens⸗ mittelverkaufen werde diese Maßnahme eine wesentliche Ver⸗ besserung der materiellen Lage der Arbeiter herbeiführen, aus der die sranzüsische Sache nur Nutzen ziehen könne. Auf alle Fälle stehe jetzt schon fest, daß die notwendigen Maß⸗ nahmen, die man ergriffen habe, nicht nur eine starke moralische Wirkung ausüben, sondern auch ein äußeres Er⸗ Ergebnis zeigen werden. g a Wie wir schon am Samstag meldeten, haben die Ar⸗ beiter diese Begünstigungsmaßiahme entschieden dankend abgelehnt.. Neuer Kriegsrat in Paris. Am Sonniag ist in Paris ein neuer Kriegsrat unter dem Vorsitz Poincarés abgehalten worden, der die Aus⸗ dehnung der Besetzung auf das ganze Industriegebiet be⸗ schlossen hat. 5 Nach einer vom Journal veröffentlichten Kartenskizze, so wird der Frkft. Ztg. von ihrem Korrespondenten gemeldet, würde die Grenze des neuen Okkupationsgebietes von Duis⸗ burg am Nordrande von Barmen und Elberfeld vorbei über Hattingen bis zum Westrande von Dortmund und von da über Lünen nach der Lippe verlaufen, die dann bis Wesel die Nordgrenze des französischen Besetzungsgebietes bilden soll. Nach dem gleichen Blatte wäre es nicht ausgeschlossen, daß die beiden Städte Dortmund und Barmen, die nach dem ursprünglichen Plane außerhalb des französischen Macht⸗ bereiches bleiben sollten, in die Okkupationszone einbezogen werden. Die Blätter veröffentlichen lange von den amt⸗ lichen Stellen inspirierte Auslassungen, in denen die neuen Gewaltmaßnahmen mit der von der deutschen Regierung angeordneten passiven Resistenz begründet werden. Die wahre Absicht. Dagegen gewinnt die Ansicht immer mehr Gewißheit, daß die Besetzung des ganzen Industriegebietes von Anfang an die Absicht der Franzosen war. Nur aus militärischen Gründen ist der Vor⸗ marsch in zwei Teilen zerlegt worden, für die sich die Gründe leicht finden ließen. Die wahre Absicht der französischen Politik: Loslösung des be⸗ setzten Gebietes aus dem Wirtschaftsverband des Reiches und An⸗ gliederung an Frankreich, tritt in den Maßnahmen der französischen Regierung von Tag zu Tag deutlicher in die Erscheinung Herr Poincaré hat zunächst versucht, so wird der Frkft. Ztg. aus Paris Zu diesem Zwischenfall war es auf folgende Weise ge⸗ kommen: Die Fraktion hatte in ihrer Vormittagssitzung über den Vorschlag zu entscheiden, nach dem am Schluß der Debatte eine Erklärung angenommen werden sollte, die gegen die Ruhrbesetzung protestiert und der Regierung Unterstützung in ihrer Abwehraktion verspricht. Ein erheblicher Teil der Fraktion vertrat mit Entschiedenheit den Standpunkt, daß überhaupt keine, wie immer abgefaßte Er⸗ klärung, gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien ange⸗ nommen werden dürfe. In dieser Abstimmung wurde zu⸗ Novelle von Wilhelm Hauff. Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß diese drei Per⸗ onen die Sängerin, der Doktor und der Direktor waren; sie kamen, um den Chevalier de Planto eines Mordversuchs anzuklagen. Der Direktor und der Medizinalrat traten ein; der Kranke saß noch ebenso im Bette, wie ihn der Doktor in der Nacht gesehen; nur schienen beim Tageslicht seine Züge moch krasser, der Ausdruck seiner Augen, die schon zu er— starren anfingen, noch schauerlicher. Er sah bald den Doktor, bald den Direktor mit seelenlosen Blicken an, dann schien er nachzusinnen, was hier in seinem Zimmer vorgehe, denn der Referendarins Pfälle, ein kurzer, junger Mann mit roten Wangen und kleinen Aeuglein, hatte sich einen Tisch zurecht gestellt, einen Stoß Papier vor sich hingelegt und hielt eine lange Schwanenfeder in der Rechten. um zu protokollieren. „Bete, was wollen diese Herren?“ rief der Kranke mit ischwacher Stimme dem kleinen Lakai zu.„Du weißt ja, ich nehme keine Besuche an.“ Der Direktor trat dicht vor ihn hin, sah ihn fest an und sagte mit Nachdruck:„Chevalier de Planto!“ „Qui vive?“ schrie der Kranke und fuhr mit der Rechten an die Schlafmütze, als wolle er militärisch salutieren. „Mein Herr, Sie sind der Chevalier de Planto?“ fuhr jener fort. g Die grauen Augen fingen an zu glänzen, er warf stechende Blicke auf den Direktor und den Referendar, schüttelte mit höhnischer Miene den Kopf und antwortete: „Der Chevalier ist längst tot.“ „So? Wer sind denn Sie? Antworten Sie, ich frage im Namen des Königs.“ Der Kranke lachte:„Ich nenne mich Lorier; Bete, gib 5 dem Herrn meine Passe!“ „Ist nicht nötig; kennen Sie dies Tuch, mein Herr?“ b„Was werde ich es nicht kennen, Sie haben es da von meinem Stuhl weggenommen; wozu diese Fragen, wozu diese Szenen? Sie genieren mich, mein Herr!“ „Belieben Sie auf Ihre linke Hand zu schauen,“ sagte der Direktor;„dort halten Sie ja Ihr Tuch; dieses hier fand sich im Hause einer gewissen Ginseppa Bianetti.“ Der Kranke warf einen wütenden Blick auf die Männer; er ballle seine Faust und knirschte mit den Zähnen; er schwieg hartnäckig, obgleich der Direktor seine Fragen wiederholte. Dieser gab jetzt dem Doktor einen Wink; er ging hinaus und erschien bald darauf mit der Sängerin, dem Kapellmeister Boloni und dem„ schen Gesandten in dem Zimmer. „Herr Varon von Martinon,“ wandte sich der Direktor zu diesem,„erkennen Sie dieesn Mann für denselben, den Sie in Paris als Chevalier de Planto kannten?“ „Ich erkenne ihn für denselben,“ antwortete der Baron, „und wiederhole meine Aussagen über ihn, die ich früher zu Protokoll gab.“ „Giuseppa Bianetti! erkennen Sie ihn für denselben, der Sie aus dem Hause Ihres Stiefvaters führte, in sein Haus nach Paris brachte, für denselben, den Sie eines Mordversuchs beschuldigen?“ Die Sängerin bebte bei dem Anblick des fürchterlichen Mannes; sie wollte antworten, aber er selbst ersparte ihr jedes Geständnis. Er richtete sich höher auf, seine wollene Mütze schien spitziger aufzustehen, seine Arme waren steif, er schien sie mit Mühe zu bewegen, aber seine Finger krallten sich krampfhaft auf und zu; seine Stimme schlich sich nur noch leise und heiser aus der Brust herauf, selbst sein Lachen und seine Flüche wurden beinahe zum Geflüster. „Kommst du, mich zu besuchen, Schepperl?“ sagte er.„Das ist schön von dir. Nicht wahr, du weidest dich recht an meinem Anblick? Es ist mir wahrhaftig leid, daß ich dich nicht besser getroffen, ich hätte dir dadurch den Schmerz erspart, deinen Oheim vor seiner Abreise von diesen deutschen Tieren ver⸗ höhnt zu sehen.“ „Was brauchen wir weiter Zeugnis?“ unterbrach ihn der Direktor.„Herr Referendarius Pfälle, schreiben Sie einen Verhaftungsbefehl gegen.. 1 „Was tun Sie?“ rief der Doktor,„sehen Sie denn nicht, daß ihm der Tod schon am Herzen ist? Er treibt es keine Viertelstunde mehr. Eilen Sie, wenn Sie noch etwas zu fragen haben.“(Schluß folgt.) e. l gemeldet, dieses Ziel auf dem Wege seiner. 4 den 4 51 1 Neparations komm n er entschlossen Widerstand Belgiens und Italsens gestoßen ist. schein en: i ein, feine Nelltit gang in die Form von Canan einigen kausend Als weitere zanttionen für die Nichtlieferung— das Journal Ster Holz und zwei Millionen Tonnen„ Ruhrgebiet und die die Einfüheung einer neuen Bährung ation des gesan⸗ Schaffung einer an to Organisa g ängig von ten Inbustriegebietes 5— damit völlig unabhängig von Berlin gelacht werden soll. Weiterer Vormarsch. 4 Gelsenkirchen und Hattingen eingerr di Ne Im Laufe des Sonntags zogen die e 5 1 und die Vororte von Buer besebt hatten, ihre 55„ Die Franzosen besetten weiter sämtliche Orzschasen enn von Hattingen, sodaß dieser bedeutsame ee 50 v 1 wie Gelsenkirchen eingekreist ist. Eine völlige! 0 4 e a Gelsenkirchen, Bochum und Hattingen ist noch 5 0 1 a Im Landkreise Essen sind die dortigen Truppen 1 en Truppen verstärkt worden. In der Bürgermeisterei 55 0 9, berg, einer Ortschaft, die fast nur aus Bergleuten beste hen ö liegen etwa 7000 Franzosen nebst 4 Stäben. J Sonttag abend 7 Uhr and in Linden Dablh een zösischer Truppen ausgeladen. Von 1 7 wurden gestern nachmittag in Buer weitere 40⁰ Bef 7 zuösischer Truppen ausgeladen. Von einer Besetzung Bochums, über die gerüchtweise verlautet, ist bisher an zu⸗ ständiger Stelle nichts bekannt. f Zur Lage im Ruhrgebiet. Die Zechenherren verhandeln mit der Koutroll⸗ 5 kommission. 4 Aus Essen wird gemeldet: Der Präsident der Inter⸗ alliierten Kontrollkommission hat den Vorsitzenden des Berg⸗ bauvereins ersucht, etwa 15 bis 20 Direktoren der be⸗ deutendsten Gruben des neubesetzten Gebietes zu einer Be⸗ sprechung im Gebäude des rheinisch-westfälischen Kohlen⸗ syndikats einzuladen. Die geladenen Herren haben der Auf. forderung Folge geleistet. Die Verhandlung begann kurz nach 10 Uhr. Eine weitere Meldung aus Essen lautet: In den Ver⸗ handlungen, die Samstag vormittag zwischen der französi⸗ sschen Ingenieurkommission und den Vertretern des Ruhr⸗ bergbaues stattfand, wurde eine Verein barung er⸗ 9 zielt, wonach einzelne Ruhrzechen die Brennstoff- N lieferungen nach Frankreich und Belgien wieder aufnehmen. Für diese Lieferungen würden die Regierungen dieser beiden Länder vorschußweise Zahlung leisten. In den Bezirken Trier und Köln dauern nach Zeitungsmeldungen die Truppenbewegungen an. Freitag wurden im Bezirk Essen 9 Militärzüge mit Truppen und Verpflegung gefahren. Es wurden 20000. W̃ agen für Kohlen gestellt. Die Kohlenzüge für Italien fahren 0 weiter. ö gemeinsamen Erklärung zuzustimmen, falls die Zustimmu 9 durch ihren Inhalt gerechtfertigt sei. Es wurde dann weite ö beschlossen, eine Abänderung des Entwurfs zu verlangen in dem Sinne, daß nicht jeder Aktion der Regierung, sondern nur„zweckdienlichen Maßnahmen“ Unterstützung 1 versprochen werde. Die bürgerlichen Parteien erklärten sich damit einverstanden und so entstand der Antrag Marx und Genossen. a 0 Unmittelbar vor der namentlichen Abstimmung über, den Antrag Marx war dann aber ein Teil der Fraktions⸗ mitglieder darüber in große Erregung geraten, daß nach dem deutschvölkischen Gräfe nicht auch Ledebour noch zu Worte kam, der sich gemeldet hatte, aber durch den Beschluß der bürgerlichen Parteien am Reden gehindert wurde. Das mag viel mehr Fraktionsmitglieder veranlaßt haben, den Saal zu verlassen, als es sonst der Fall gewesen wäre. Unter denen, die sich aus dem Saal entfernten, befinden sich auch Genossen, die in der Fraktion für den Antrag Marx einge⸗ treten waren. * Der Protest im Reich. In Berlin 4 hatte die Sozialdemokratie ihre Anhänger zu 15 über das Gebiet von ganz Groß-Berlin verteilten Versammlungen eingeladen, die in geschlossenen Räumen oder in den Gärten großer Brauereien stattfanden. Redner, wie Bernstein, Crispien, Hilferding, Hertz, Löffler u. a. hielten kurze An⸗ sprachen, in denen zunachst die Gründe auseinandergesetzt wurden, weshalb wir nicht mit den bürgerlichen Parteien gemeinsame Kundgebungen veranstalteten. Die Kommunisten hatten fünf Protestversammlungen einberufen, nach deren Schluß die Teilnehmer nach dem Andreasplatz zogen. Dabei kam es unterwegs zu einigen kleineren Zwischenfällen mit Deutschvölkischen. Auch wu einige Häuserfassaden erklettert und schwarz⸗weiß⸗r Fahnen heruntergeholt, die unter dem Absingen der Int nationale und den Rufen„Nieder mit der Reaktion“ brannt wurden. Auf dem Königsplatz hatten die bürgerlichen P ihre Anhänger aufgeboten, die in einer Zahl, die zwi 300 000 und 500 000 liegen mag, zusammengekommen So groß die Menge war, man konnte ohne weiteres h finden, daß sie nicht die Bevölkerung Groß⸗Berl stellte. Vertreten waren sehr viele Jugendliche, vor auch die Couleurstudenten. Zur Einleitung der bürg Kundgebung spielte eine Kapelle auf der Rampe des tages das Niederländische Dankgebet. Große suchten nach Schluß, dom Brandenburger Tor e französischen Botschaft vorzudringen, was starken Absperrung nicht gelang. über bewegten sich jedoch im In ——— E — —— doch, die Menge auseinanderzutreiben, * Menschenmassen, von denen sich in der vierten Abendstunde 23000 von den Hotels Belevue und Saxonia am Pots- damerplatz, in denen Mitglieder der Militär-Kontroll- Kommission und der Entente-Kommission untergebracht sind, ansammelten und einzudringen versuchten. Da und dort wurden auch Ausländer belästigt. aber der Polizei gelang es ohne daß es zu größeren Zwischenfallen gelommen wäre. Auch einige deukschvölkische Heißsporne, die einem Mitglied der Entente- Kommission nachgestürzt waren, wurden rasch wieder aus dem Hotel herausbefördert. In Franlfurt 5 tegte die Franfurter Bevölberung in wuchtiger Weise Einspruch gegen die Vergewaltigung des Ruhrgebietes ein. Den Reigen der Veranstaltungen eröffneten die städtischen Körperschaften mit einer Sitzung im Bürgersaal, in der der Oberbürgermeister Voigt und Stadtverordnetenvorsteher Hopf in schärfsten Worten gegen die fran⸗ zösische Raubpolttik sprachen. In einer dem Reichspräsidenten Ebert und dem tapferen Oberbürgermeister Dr. Luther in Essen liber⸗ mittelten Ensschließung gelobte die Stadt Frankfurt dem Ruhrgebiet und seinen Volksgenossen Treue um Treue bis zum Letzten.— Um die Mittagsstunde versammelten sich im Riesenbau des Schumann⸗ theaters ungezählte Tausende zu einer gewaltigen Kundgebung, in der Vertreter der bürgerlichen Parteien die Massen zum Protest gegen die französische Gewaltpolitik begeisterten. Der Zudrang zu der Versammlung war so groß, daß auf dem Bahnhofsplatze weitere Kundgebungen abgehalten werden mußten. Die Veranstaltung im Schumanntheater gewann dadurch noch besondere Bedeutung, daß an ihr viele Hunderte von Volksgenossen aus dem besetzten Gebiet, denen bekanntlich jede Willensäußerung verboten wurde, teilnahmen. Die in Frankfurt ansässigen Grenzlandsmannschaften nahmen an der Kundgebung geschlossen teil, ebenso die stagtlichen und städtischen Behörden. Eine Entschließung, bis zum Aeußersten für deutsches Recht und deutsche Freiheit einzustekhen, wurde angenommen. Die Abend⸗ stunde sah im Schumanntheater eine zweite Protestversammlung, die Republikanischen Führerbund einberufen war und an der die vereinigte sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften teil⸗ nahmen. Auch diese Kimdgebung war sehr stark besucht und wandte ich mit aller Schärfe gegen die Politik Frankresch,— die nur wei⸗ teres Unheil der Welt bringen müsse.— Auch sonst prägte ssch der nationale Trauer⸗ und Trutztag in zahlreichen Veranstaltungen mancherlei Art aus. 1 München. In der von den vaterländischen Verbänden auf dem Münchner Königsplatz veranstalteten Demonstration sprach der als Führer der nationalen Bewegung in Mlinchen belannte Sanitätsrat Dr. Pittinger. Dann sprach der durch seine Tätigkeit an der Front im Weltkriege bekannte Pater Dr. Mayer, der die großen Volksmassen einen feierlichen Schwur mit erhobener Hand ablegen ließ, das Kriegsbeil der inneren Zerwürfnis zu begraben, die Not und das Elend der bedürftigten Volksgenossen zu lindern und nie und nimmer das Vaterland zu verlassen, sondern ihm treu zu bleiben, auch bis in den Tod. 5 Der Deutsche Gewerlschaftsbund, der Allgemeine Freie Ange⸗ stelltenbund und der Allgemeine Deutsche Beamtenbund hatten im stindlkeller eine Versammlung abgehalten. Von dort bewegte sich ein großer Zug mit schwarz⸗rxot⸗goldenen und roten Fahnen durch die inmmere Stadt zum Odeon. Teilnehmer der dortigen Kundgebung griffen die Fahnenträger des Zuges an, nud es kam zu Schlägereien, bei einige Personen leicht verletzt wurden. Von der Feldherrn⸗ Palle zogen einige tausend Menschen mit schwarz⸗weiß⸗roten Fahnen — das Hotel„Vier Jahreszeiten“, wo die Mitglieder der Entente⸗ mmissionen untergebracht sind, und demonstrierten mit dem Ab⸗ singen von Kriegsliedern, Pfiffen und Pfui⸗Rufen! Ein starkes Auf⸗ gebot von blauer und grsiner Polizei sicherte das Gebäude. Eine ähn⸗ liche Demonstration fand vor dem franzöfischen Konsulat statt. Verbot der Trauerkundgebungen im besetzten Gebiek. Die Rheinlandkommission hat die Anordnung der Reichsregierung über die Feier des Trauersonntages als eine Anwendung bezeichnet, wie sie im besetzten Gebiet nur it ihrer Zustimmung in Kraft treten konnte. Oeffentliche Versammlungen, halbmast Flaggen, Glockenläuten und der Hinweis von der Kanzel ist verboten. Protest der englischen Arbeiter. Die englischen Arbeiter protestieren in der energischsten Weise gegen das Vorgehen Frankreichs im Ruhrgebiet. Der nationale Rat der Gewerkschaften und Arbeiterorganisa— tionen Großbritanniens hat ein Manifest veröffentlicht, das formell jede Verantwortung für die französische Politik gegenüber Deutschlands ablehnt. Dieses Manifest verurteilt in schärfsten Worten das Vorgehen Frankreichs im Ruhr— gebiet und fordert die englische Regierung auf, sich von jedem Zusammenarbeiten mit den französischen Truppen fernzuhalten und formell zu erklären, daß sie die Politik der französischen Regierung nicht billigt. Ferner wird die eng— lische Regierung in dem Manifest aufgefordert, alles zu tun, um die Zurückziehung aller Besatzungsarmeen aus dem Rheinland zu sichern und die Reparationsfrage in ihrer Gesamtheit dem Völkerbunde zu unterbreiten. Der be— kannte englische Arbeiterführer Toma hat außerdem in einer Versammlung von Stratford eine Rede gehalten, in der er erklärte, daß es angesichts der Ereignisse an der Ruhr besser gewesen wäre, wenn Europa den Krieg nicht geführt hätte. Er führte weiter in seiner Rede aus, Frankreich begeht einen Staditheater Giessen. Am Freitag abend ging die im Sommer bereits vom Bad⸗ Nauheimer Ensemble schon einmal aufgeführte Komödse von Dario Niecodemi„Scampolo“(Gassenmädel) wieder über unsere Blihne. Auf das Stlick selbst und seine Werte haben wir in unserer Besprechung im vergangenen Jahre hingewiesen, sodaß wir heute nur auf die Darstellung näher eingehen werden. Unter ber sicheren Leitung von Adolf Teleky wurde ganz vortrefflich gespielt, Als Scampolo trat Gisa Joeu zum ersten Male in führender Rolle hervor. Wir hatten Geelgenheit, in der jungen Künstlerin ein großes Talent für naiye Rollen zu entdecken. Sie gab dieses muntere und doch sensible Kind sehr verständnis⸗ und temperamentvoll. Ebenso hatte Georg Heding die Rolle des Tito Fandti vortrefflich ausgearbeitet. Er gestaltete den Ingenieur mit jener Güte und Herzlichleit, die diese Figur so sympathisch werden lassen. Die Franeg hätte von Kitty Franke nicht typischer gegeben werden können. Auch Oskar Feige und Karla Keller als Carlo und Emilia Benini boten ausgezeichnete Leistungen. Das Publikum n den Darstellern durch reiche Blumenspenden und riesigen eisall. 1. großen Irrtum, wenn es sich einbildet, daß die Engländer nicht auch schwer unter den Wirkungen des Krieges gelitten haben. Frankreich spricht von den zerstörten Gebieten, wir jedoch können unsere 1½ Millionen Arbeitslose vorzeigen. Es wäre ein Jrrsinn, sich darüber zu streiten, welches Land mehr Opfer gebracht hat. Man müsse vielmehr den augen- blicklichen Stand der Dinge prüfen. Das Vorgehen der französischen Regierung ist für Deutschland entmoralisierend und behindert außerdem diejenigen in Deutschland, die loyal handeln wollen. Die französische Politik wird sicher fehlschlagen, denn sie ist ein Hohn auf den gesunden Men— schenverstand. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Geschichtskalen der. 16. Januar. 1844 Paul Singer in Berlin geboren. 1901 Der Maler Arnold Böcklin in Fiesole gestorben. 1906 Eröffnung der Marokkolonferenz in Algeekras. f 1011 Deputierter Jaurées bringt in der französischen Kammer einen Ankrag auf Errichtung eines Schiedsgerichts für internationale Streitigkeiten ein. 1912 Großer Brand en Osaka(Japan). 3000 Obdachlose. Wohlfahrtsfürsorge in Gießen. Ein uns zugegangener Bezicht über die Armenpflege und Fürsorge für Notleidende oder Hilflose gibt einen lehr⸗ reichen Einblick in die sehr erheblichen Aufwendungen, die in dieser Beziehung von der Stadt gemacht werden, laßt aber zugleich erkennen, wie groß die Not und die Zahl der Hilfsbedürftigen ist. Wieviel menschliches Leid umschließen diese hier angegebenen Ziffern, aus denen wir ferner ent nehmen können, wie zahlreich die Kinder sind, denen eine fröhliche und sonnige Jugend im Elternhause versagt blieb. Der Bericht verzeichnet in der offenen Armen⸗ pflege 28687 Unterstützungsfälle, in denen 1432 612 Mark aufgewendet wurden. In der geschlossenen Armen⸗ pflege verursachte die Verpflegung von 253 Erwachsenen an 5175 Pflegetagen in den Kliniken einen Kostenaufwand von 266093 Mark und für 116 Kinder mußten an 2136 Pflege- tagen 65 676 Mark bezahlt werden. Hier handelt es sich um Stadtarme. Für 421 erwachsene, ortsfremde Personen, die an 8772 Tagen in den Kliniken verpflegt wurden, mußte die Stadt 603 242 Mark aufwenden. 82 ortsfremde Kinder wurden an 1821 Tagen verpflegt, was 69 183 Mark Kosten verursachte.— Die Herbergs: pflege wurde von 1568 Personen in Anspruch genommen, wofür 23 536 Mark aufgewendet wurden.— Ferner leistete die Wohlfahrtskasse Zuschüsse zur Irrenpflege für 39 stadtarme Pfleglinge 218 570 Mark und für 16 ortsfremde 166 140 Mark.— In der Provinzial-Siechenanstalt sind auf Kosten der Wohlfahrtskasse 36 Gebrechliche untergebracht, was einen Kostenaufwand von 365757 Mark erfordert, außer- dem leistet die Plockische Stiftung für 3 Pfründner 17 800 Mark.— In sonstigen Anstalten waren 1 Erwachsener und 11 Kinder untergebracht, wofür die Wohlfahrtskasse 89 361 Mark aufzubringen hatte. Sehr umfangreich ist die Kinderpflege. Für 690 in Gießen untergebrachte Kinder leistete das Wohl- fahrtsamt einen Pflegekostenbeitrag von 112 765 Mark. Auswärts waren 107 Kinder untergebracht, wofür ein Bei— trag von 443 115 Mark erforderlich wurde. An Fürsorgezöglingen waren untergebracht 83 Knaben und 48 Mädchen, zusammen 131, davon 84 in Familienpflege und 47 in Anstalten. Der Zuschuß der Wohlfahrtskasse zu den Unterbringungskosten beläuft sich auf rund 120 000.— Mark. Die übrigen Kosten wurden von der Kreiskasse und anderweitig bestritten. Im Säuglingsheim waren untergebracht 344 Kinder, davon waren 223 hessische und 121 nichthessische Staatsangehörige. Die Aufwendungen der Wohlfahrts- kasse belaufen sich auf rund 931 754.— Mark. Im städtischen Kinderheim waren 142 Kinder aufgenommen mit einem Kostenaufwand von 170 000.— Mk. Der städtische Volkskindergarten wurde monatlich im Durchschnitt von 70 Kindern besucht. Der Zuschuß der Wohlfahrtskasse betrug rund Mk. 450 000.—. Kinderhilfswoche. Die Einnahmen setzten sich zusammen aus Spenden der Bürgerschaft, Kirchenkollekten, Erträgnissen aus Sammlungen, öffentlichen Darbietungen usw. Sie betrugen abzüglich der Werbungskosten und Ver; öffentlichungen in der Gießener Presse Mk. 66 694.02 und wurden größtenteils zur Beschaffung von Kinderschuhen verwandt. ö Quäkerspeisung. Im Kalenderjahr 1922 war die Küche an 24 Wochen mit 144 Speisetagen im Betrieb. Abgegeben wurden an Schulkinder 50 400 Portionen und an werdende und stillende Mütter 7200 Portionen, zusammen 57 600 Portionen. Gespeist wurden täglich durchschnittlich 950 Kinder. Hiervon gehörten 300 den Volks- und 50 den höheren Schulen an. An den gleichen Tagen nahmen 50 stillende und werdende Mütter an den Speisungen teil. Von den Quäkern wurde kondensierte Milch, Kakao, Reis, Bohnen und Fett geliefert. Hierzu stellte das Deutsche Reich das erforderliche Mehl und den Zucker zur Verfügung. Die Zubereitung der Speisen geschah in der Küche der Gast- wirtschaft„zum Löwen“. Die Stadt, Küchenzutaten stellte die 7 77 „5 Die hessische Negierungskrise. Aus der sozaildemokratischen Landtagsfraktion wirb geschrieben: In einer Zeit der schwersten außenpolitischen Not lastet furcht⸗ bar die Verantwortung auf den Personen, in deren Hände bie Staatsgeschicke ruhen. Noch größer aber ist die Verantwortung in einem Land, das zu einem Tru besetzt und bei allen außenpoli⸗ tischen Aktionen mittel- und unmitelbar in Mitleidenschaft gezogen ist. Angesichts dieser Tatsachen muß die Frage aufgeworfen werben, hätte die hessische Regierungskrise, die schon vier Wochen baue rt, nicht vermieden, oder mindestens rasch beigelegt werden önnen? Die Fraktion der Vereinigten Sozialdemokratischen Partet war sich der schweren Verantwortung stets bewußt, sie hat alles versucht, um dit alte Koalition zu erhalten, sie ist dem demokratischen Jinanzministe r bis zum äußersten entgegengekommen, um ihn zur Wiederaufnahme seines Amtes zu bewegen. Außer anderen Zugeständnissen war die sogialdemokratische Fraktion bereit, dem Finanzminister Henrich offigtell das Vertrauen auszusprechen. Aber alles vergebens. Die Demokraten blieben bei ihrer ab⸗ lehnenden Haltung. Im übrigen aber war die Haltung der demo⸗ kratischen Fraktion nicht immer klar. Auch ihr Vorschlag, der den Rücktritt des ganzen Kabinetts und eine Neubildung der Regie rung durch die seitherigen Koalitionsparteien verlangte, hätte an der Sttuatlon kaum etwas geändert, denn die Fraktionen hätten die⸗ selben Minister wieder präsentiert und die gleichen Schwierig⸗ keiten wären wieder aufgetreten. Das Zentrum beharrte auf seiner Forderung: Hereinnahme der Deutschen Volkspartei in die Regie⸗ rung. Die sozialdemokratische Fraktikon verlangte bie Er⸗ haltung der seitherigen Koalition, denn nur dadurch glaubte sie ein⸗ rasche und reibungslose Beendigung der Arise herbeiführen zu können. Die Demokraten waren nun das Zünglein an der Wage. In ihrer Hand lag es, den Forderungen des Zentrums oder denen der Sozialdemokraten zum Siege zu verhelfen. Durch die Erklärung der Demokraten, nicht in die alte Regierung zurückzukehren, aber in einer großen Koalition mitzuarbeiten, hatten sich die Demokraten gegen die Sozialdemokraten entschieden. a Nun stand unsere Fraktion vor der schwierigen Frage: ent⸗ weder aus der Regierung ausscheiden oder in eine Koalition mit der Deulschen Volkspartei einzutreten. Der Landesausschuß hatte der Fraktion freie Hand gelassen, ihr aber gewissermaßen die Richtung dadurch rorgeschrieben, daß er sich für ein Verbleiben in der Regie⸗ rung in den gegenwärtigen Verhältnissen aussprach Die sozialdemo⸗ kratische Fraktion stand nun vor einer der schwersten und ernstesten Entscheidungen, die sie je zu treffen hatte. Das„Für und Wider“ mußte gewissenhaft abgewogen werden. Die außen⸗ und innen⸗ politische Lage, die Fortsetzung der sozialen Entwicklung, der Be⸗ schluß des Landesausschusses und andere Momente bestimmten die Mehrheit der Fraktion dazu, dem Genossen Ulrich die Genehmigung zu geben, mit einer außerhalb der seitherigen Koalitionsparteien stehenden Persönlichkeit zur Uebernahme des Finanzmeimisteriums Fühlung zu nehmen. Eine Minderheit konnte diesem Beschluß, der in seiner Auswirkung eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei bedeuten kann, nicht beitreten. Sie betrachtete die Volkspartei als eine Arbeitgeberpartei und erklärte daraus auch die gefühlsmäßige Abneigung gegen diese Partei. Dem wurde entgegengehalten, daß auch im Zentrum und bei den Demokraten ebenso rigorose Arbeitgeber säßen, wie in der Deutschen Volkspartei. Em längeres Hinausziehen der Krise ist für unser Land nicht mehr länger zu ertragen. Wie sich die weiteren Verhandlungen ge⸗ stalten werden, kann nicht vorausgesehen werden. Ob eine große Koalition mit Demokraten, oder eine kleine ohne Demokraten, oder eine andere Konstellation der Regierungsparteien zustande kommt, wird davon abhängen, wie sich die einzelnen Parteien nun zu der neuen Situation stellen. „ — Wiederaufnahme der Quäkerspeisung. Vom städt. Wohlfahrtsamt ward uns mitgeteilt: Am 10. Jan. haben die Quäkerspeisungen nach langerer Pause wieder be⸗ gonnen. Nach den im Spätsommer und Herbst vorliegenden Nachrichten mußte mit einer sehr erheblichen Einschränkung der Speisungen gerechnet werden. Man hatte deshalb die Speisungen in der ersten Hälfte des Winters ganz einge⸗ stellt, um in der zweiten Hälfte möglichst viel tun zu können. Denn die größere Not mußte und muß für diese Zeit er ⸗ wartet werden. Man glaubte so nach Weihnachten etwa 400 Kinder speisen zu können, wahrend bei Beginn im Januar 1921 800 Kinder und Mütter gespeist worden waren. Die neue Not, die über unser Volk hereingebrochen ist, hat aber auch in Amerika die so oft bewährte Liebestätigkeit wieder auf den Plan gerufen. Neue Sammlungen haben bedeutende Ergebnisse gezeitigt. Insbesondere sind es unsere deutsch⸗ amerikanischen Stammesbrüder, die die alte Heimat nicht pergessen haben. So kann nicht nur von einer Einschränkung der Speisung abgesehen werden, sondern sie kann sogar über das anfängliche Maß hinaus erstreckt werden. Zunächst werden 834 Speiseportionen ausgegeben, und zwar an je 250 Kinder der Stadtknabenschule und der Stadtmädchen⸗ schule. an 200 in der Bezirksschule, an 50 in der Oberreal- schule und an 70 werdende und stillende Mütter im„Löwen“. Die gereichten Mahlzeiten sind dieselben wie früher. Nach etwa zwei Wochen wird die Zahl der Speiseplätze auf 1200 erhöht. Die weiteren Speiseplätze verteilen sich auf das Gymnasium und das Realgymnasium mit je 60, auf die höhere und erweiterte Mädchenschule mit 80, auf die Ober⸗ realschule mit weiteren 70, insgesamt 120 Plätze, ferner auf 115 noch nicht schulpflichtige Kinder, die im Löwen gespeist werden. Der Unterschied zwischen der Zahl der Speise⸗ portionen und der der Gespeisten beruht darauf, daß Mütter vergrößerte, Kleinkinder verkleinerte Speiseportionen er- halten. Die Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen und die Kleinkinder hatten früher wegen Einschränkung der Speisungen ausgeschaltet werden müssen, sehr zum Leid wesen der ärztlichen und pädagogischen Sachverständigen. und es bot sich jetzt die Gelegenheit, diese bedauerliche Ein⸗ schränkung wieder rückgängig zu machen. Nach Erweiterung der Speisungen auf 1200 werden die Mahlzeiten auf Grund neuer Vorschriften für das ganze Reich in anderer Form gewährt. Man gibt sogenannte Trinkrationen, bestehend aus einem halben Liter Kakao oder Milch chergestellt aus Hüchsenmilch) und einem Brötchen in der bisherigen Größe. Der Preis für eine Mahlzeit beträgt fünf Mark. Hierzu kommen woch Vergütungen für Aufbewahrung und Reinigung der Geschirre durch die Schuldiener, wo dies von den Schulen übernommen worden ist. Trotz dieser Ellern— beiträge und obwohl die Lebensmittel geschenkt werden, enk⸗ enthült Eidotter uud Eiweiss. Verwenden Sie es zu Mehlspeisen, Suppen. Klössen. Kuchen, Kraukenkest usw.! Fei den teuren Elerpreisen sparen Sie dadureh vicht pur, sondern sie erhöhen auch Wesentlich den Nührwert der Speisen. Wvolia- iwelespnl vergibt teste Eiergebsee Lactewerk Act- Ges, Horehhesm b. Wosrm ichen doch für Frachten, Arbeitslöhne, Feuerung, Backlohn für die Brötchen und dergl. der Stadt Gießen noch sehr er⸗ bebliche Unkosten, die sich z. 38t. auf etwa 100 000.— Mark monatlich belaufen, sodaß also auf ein Kind und eine Mahl- it rund vier Mark entfallen. Aber diese Opfer werden nicht vergebens gebracht sein. Es ist sehr an der Zeit, wieder an unsere Kinder zu denken. Die Unterernährung nimmt in beängstigendem Maße zu und nähert sich wieder den schlimmen Zeiten nach Kriegsende. — Amerikanische Nothilfe. Durch Vermittlung des chen Zentralausschusses für die Auslandshilfe gingen dem Wohlfahrtsamt der Stadt Gießen Mk. 300 000.— aus einer Sammlung der New⸗Norker Staatszeitung zu. Ferner hat durch Vermittlung der Darmstädter und Nattonalbank, Zweigniederlassung Gießen der„Germania Kegelclub“ in Detroit Michigan sich für ein Jahr verpflichtet, monatlich 10 Dollar zu senden. — Amtliche Personal⸗Nachrichten. Ernannt wurden: der ö ichtsrat Eugen Funk, in Gießen, der Landgerichts rat Grnst Cramer in Gießen. der Amtsgerichtsrat Jakob Keller im Gießen der Amtsgerichts nat Burkhard Thurn in Lauterbach zu Mitgliedern der Landgerichtsrat Hans Küchler in Gießen, Amtsgerichtsrat Frang Gros in Gießen, der Oberamts richter Ernst Hofmeyer in Albenstadt, der Amtsgerichts rat Karl Muhl in Nidda zu stellvertretenden Mitgliedern der Diszi⸗ plinarkammer bei dem Landgericht Provinz Ober⸗ der Landgerichtibtrektor Dr. Ferdinand Stein in der Landgerichtsdtrektor Geh. Justigrat August Karl Rummel in nichter Dr. Ernst Brill in Schotten zu Mitgliedern, der Land⸗ gerichtsprästdent Heinrich 5 Herrmann Welcker in Darmstadt, der Landgerichts⸗ 1 or Frieden reich in Ne hart in Ülrichstein zu stell vertretenden Mitgliedern des Disalplinarhofs dei dem Oberlandesgericht. alle für die Zeit bis um 31. Dezember 1924. Wirkliches Schutzmittel 1 7 Maul- und Alauenfeuche in Sicht? Das Bestreben der Wissenschaft ist bekannthich seit langem dahin gerichtet, den Erreger der Maul⸗ und Klauesiseuche zu fin⸗ den der in imefren Viehställen so ungeheruren en ve ˖ Ein ganz bestimmter Erfolg war diesen Forschungen bisher leider moch nicht beschieden, es scheint jedoch, als ob das ersehnte Ziel jetzt erreicht worden ist: Geheimrat Titze vom Reichsgesundheitsamt hat in der Oeffentlichkeit bekanntgegeben, daß es ihm gelungen set, den der Seuche zu entdecken. Titze hat das ultravistöle Virus der Maul⸗ und Klauenseuche bis zur vierten Generation fortgesetzt. Doppelt erfreulich ist es unter diesen Umständen, daß auch andere Gelehrte, z. B. Prof. Pfeiler vom Veterinär⸗Institut der Universität Jena, sich mit dem gleichen Problem befaßt haben. Pfeiler darf sich sogar rühmen, über Titze hinausgekommen zu sein und das Kulturvirus der Maul⸗ und Klauenseuche bereits bis gur 141. Generation zu züchten. Damit ift die grundlegende Ar⸗ beit abgeschlossen, zumal mit dem fortgesetzten Kulturvirus die Er⸗ zeugung der Maul⸗ und Klauenseuche bei Versuchstieren gelungen ist. Jetzt kommt es in der Hauptsache darauf an, die gefundenen Ergebnisse praktisch zu verwerten und Schutz gegen die Maul⸗ und Klawenseuche qu en. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß die Landwirte mit höchster Dankbarkeit eine wissenschaftliche Tat begrüßen, die vor einem der gefährlichsten und tückischsten Feinde der Wirtschaft Schutz zu bieten geeignet ist. 0— Versammlung des Mietervereins. Am Donnerstag abend findet in der Turnhalle der Oberrealschule eine Mitgliederver- sammlung des Mietervereins statt, in der vermutlich über die ge⸗ setzliche Miete usw. gesprochen werden wird. Wir weisen auf die Anzeige hin. — Brennholzversteigerung. Am Freitag kommt im Stadt⸗ walde am alten Schisfenberger Weg, 4. Schneise, um 9% Uhr vor⸗ mittags und um 11½ Uhr gegenüber der Heil⸗ und Pflegeanstalt Kiefernreisig zur Versteigerung. Siehe Bekanntmachung. — Amtstage des Kreisamts. Mit Rücksicht auf die großen Kosten, welche der Bevölkerung bei Reisen nach Gießen entstehen, wird das Kreisamt am 26. Januar 1923, vormittags 9 Uhr be⸗ ginnend, auf dem Rathaus zu Grünberg und am 2. Februar, vormittags 9½ Uhr beginnend, auf dem Rathaus zu Hungen Amtstage abhalten. Die Einwohner derjenigen Gemeinden des Kreises, welche zu den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Hom⸗ berg und Laubach gehören, können auf dem Amtstage in Grün⸗ berg vorsprechen, diejenigen aus Gemeinden, welche zu den Amts⸗ gerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda gehören, auf dem Amts⸗ tage in Hungen. — Ernst Höpfner gestorben. Ein langjähriges und treues Mitglied unserer Partei, der Buchdrucker Ernst Höpfner, ist am Samstag früh verschieden. Vor vielen Jahren schlug er seine Heimstätte in Gießen auf und erwarb sich in den Kreisen seiner Kollegen und Parteifreunde, überhaupt allen die ihn kannten, Vertrauen und Wertschätzung. All⸗ werden ihm ein gutes Au- denken bewahren. Er hat nur ein Alter von 62 Jahren erreicht. 5 erfolgt heute nachmittag 4 Uhr auf dem neuen ebhofe. — Zum Protest gegen die französische Gewaltpolitik im Ruhr⸗ gebiet hatten auch in unserer Stadt am Sonntag die öffentlichen Gebäude halbmast geflaggt.— Im Stadtheater waren die vorher zur Aufführung vorgesehenen Operetten abgesetzt worden, dafür wurde Schillers„Tell“ gegeben. Direktor Steingoetter 5 die Vorstellung mit einem wirkungsvoll vorgetragenen log ein. — Vom Stadttheater wird uns mitgeteilt, daß die für bie gestrige Sonntagsnachmittagsvorstellung gelösten Karten Gültig⸗ keit behalten für Sonntag den 21. wo diese Vorstellung„Der letzte Walzer“ nachgeholt wird. Wisch. Pfaff; 0 5 h. Heinr. Möckel, Heinr. Haas: Wohnungskommission: Johs Reitschmidt, Johs Sommer 7. Gg. W. Möckel. Karl Kolmer, Lud w. g 4. Landwirtischaftl. Kommüssion: Hanack, Johs. Philipp,. Karl Häuser 5. Erwerbslosen⸗ Unterstützung⸗Kommission: Ludw. Haas. Christoph Häuser, Balth. Rentschmidt Kloß, Gg. Buß: Lebensmittel- kommission: Ernst Ruckelshausen Gg. W. Möckel, Reineck, 9. dt; Kriegsfürforgekomm.: K. Becher. Reinech, Och. Burger 5. Anng Harnisch, geb. Pitz: Wasserkom⸗ mission: Gg. 5 Möckel. Hamak Karl Kolmer, Karl Häuser; Kommisston beim Mieteinigungsamt: seitens der Vermieter: Karl Jumg 1. und Ludw. Häuser, seiteng der Mieter: Balth. Häuser 4. und Och Burger 7.; Baukommisstion: Gg. W. Möckel W. Pfaff, Johs. Neitschmidt; Armenkommission: Ludw Haas. Hch. Möckel Reineck Johs. Reitschmidt; Schul⸗ vorstand: Gg. W Möckel. Hch. Haas, Hch. Buvger 5. Georg Burger 2.— Nach Erledigung von Wohnungsangelegenheiten und Zuweisung von Wohnungen an Wohnungsfuchende wurden noch einige kleinere Sachen erlediat.— Den Genossen und Bürgern. welche Interesse an der Gemeindeverwaltung haben ist zu empfehlen. den öffentlichen Gemeinderatssitzungen beiguwoßnen, damit irrtümliche Kritiken vermieden werden. Kreis Wetzlar. X. Krofdorf. In der letzten Zeix sind in unserem Orte mehrere Einbruchdiebstähle verübt worden wobei von den Dieben Fleisch, Wurst und fonstige Lebensmittel erbeutet wurden. Natltrlich erfolgten die Raubzlige bei Nacht, wobei offenbar mit größter Vorsicht und Gewandtheit vorgegangen worden ist, denn die Bestohlenen haben nichts wahrgenommen. Man vermutet, daß ortskundige Leute baßbei beteiligt waren. Klirzlich ist auch Wäsche gestohlen worden, ohne daß man den Tätern auf die Spur kam. Marburg⸗stirchhain. Eine sparsame Wirtschaft. Unter dieser Ueberschrift wird dem Casseler Parteiblatt geschrieben: Die Kreise leiden nicht minder unter der Finanznot, als die Kommunen. Man sollte daher denken, daß sie bestrebt sind, allenthalben auf sparsamsten Betrieb zu sehen, selbst wenn hierdurch einmal der bisherige Geschäftsgang etwas um⸗ gemodelt werden müßte. Im Kreise Marburg scheint eine solche Politik zeitgemäßiger Einspawung noch nicht notwendig zu sein. Es ist verwunderlich, da gerade dieser Kreis nicht gerade die steuer⸗ kräftigste Büürgerschaft aufweist. Auf Grund eines Provinzialgesetzes sind z. B. einzelne Kreise und Städte zum Betrieb einer Wander⸗ erbeftsstätte gerdtigt. Auch Marburg hat eine solche aülfzu⸗ die als Station zwischen Frankfurt umd Cassel sogar recht gut eingerichtet ist. Sie kann mehr als 80 Wandernde r zbearbeitungswe ufw. In früheren Jahren besaß die Anstalt beinahe eine Art Mono⸗ i zversorgung Infolge Geschick für den Holzbandel besaß. gestorben ist hat diese Monopol⸗ stellung aufgehört. Die Anstalt besteht weiter. ab wohl die cle lg it d wei oder drei Kolonisten überwintern fünf Personen beträgt. Zwei oder drei n e. einigen Bauern und Unternehmern zuliebe eine unrentable Einrich⸗ tung aufrecht zu erhalten, kann den Stenerzahlern nicht zugemutet werden 4 Von Nah und Fern. 2 in den Höchster Farbwerken. Am Mittwoch morgen, um 7.20 Uhr explodierte im Anklinraum der Höchster Fan e ein Reduzierapparat. Die Exploston war weithim sichtbar, da eine viesige Stichflamme die Fabrikgegend taghell erleuchtete. Es wurden ein Arbeiter schwer und drei leicht verletzt. Auch ein vorübergehender Passant erlitt leichtere Verletzungen. Alle fünf Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Sämtliche Fensterscheiben waren infolge der Explosion aus den Fenstern herausgesprungen Die Fabrikfeuer⸗ wehr griff sofort nach der e e„ Sechs Personen an Alkoholvergiftung g den von Fässern auf dem Glogauer Bahnhof tranken mehrere Arbeiter von den darin befindlichen Resten, die offenbar Methylalkohol ent⸗ hielten. Sie zogen sich dabei schwere Vergiftungen zu. Fünf Männer ee ee, Nacht zum Freitag hat der D⸗Zug 76 Altong—Basel in Freden (Leine), Strecke Hannover— Göttingen, das Haltesigenal überfahren und ist mit glücklicherweise stark verminderter Geschwindigkeit auf eine Rangierabteilung vom Güterzug 8337 gestoßen. f Lokomotiven sind entgleist und stark beschädigt. Der Poftwagen und der Schlafwagen haben durch Eindrücken der Stirnwände Be⸗ 5 erfahren. Anscheinend schwere innere Verletzungen ben erlitten der Lokomotivführer des D- Zuges und der Schlaf⸗ wagenschaffner. Beide find 75 threr Heimat, ersterer nach Göttingen, letzterer nach Altona, befördert worden. Eine Retsende üst in einem D⸗Zugwagen leicht verletzt worden, gefahren. es Grubenunglück in Oberschlesien— 45 Tote. Aus Auf der Abwehrgrube der sich am 10. Jam, abends gegen 8 Uhr in 280 Meter Sohle in der Förder⸗ Benzolbehälters Die Zimmerung in der Opfer. bezw. Aufräumungsarbeiten wurden von sofort in Angriff genommen. Man versuchte, durch starke Be⸗ wässerung des Brandes Herr zu werden ohne größere Abdäm⸗ mumgsarbeiten vornehmen ut müssen, was die Bergung der Ver⸗ unglückten vor Wochen unmöglich machen würde. Durch Ver⸗ nichtung der Zimmerung brach das Flöz teilweise 3 Die Rettungsarbeiten wurden dadurch sehr erschwert. ist kaum da⸗ mit zu rechmen auch nur einen der Verunglückten lebend zutage bringen zu können. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 11 200 Mark. Geschäftliches. — Besonders ausgiebig und wohlschmeckend werden Maggi's Suppen, wenn man sie nach dem Garkochen noch auf der Herdseite im geschlossenen Kochtopf selbst oder in der gut zugedeckten, warm⸗ gestellten Suppenschüssel eine Weile ziehen läßt. Fleischbrühe zubereitete Suppen. Pilz und andere beliebte Sorten. Man achte auf den Namen MA l und die gel MAG Suppen ersparen Suppenfleisch Nur mit Wasser nach Anweisung gekocht, schmecken sie ebenso Kräftig, wie mit selbstgemachter Eiernudein, Eiersternchen, Erbs, Erbs mit Speck, Ochsenschwanz, 1 5 e ZT 3 14 81 brote Packung. 1 * Nachruf. Unsere Mitglieder setzen wir hiermit in 3 Kenntnis, daß unser lieber Parteigenosse 6 Ernst Höpfner Buchdrucker im Alter von 62 Jahren am Samstag morgen verstorben ist. 5 in stiller, aber treuer und opserbereiter Genosse scheidet mit ihm aus unseren Reihen. 25 er Jorlland der Jereinigten do. Parte 1176(Ortsverein Gießen) Die Beerdigung findet heute Dienstag 10 nachm. 4 Uhr auf dem neuen Friedhofe statt. Oden 8 Partei-Literatur empfiehlt Buchhandlg. Oberhess. Volksztg. nabenokralsche Patti Ortsverein Gießen. Freitag, den 19. Januar, abends 3 ½ Uhr im Saale 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Preßkommission. 3. Festsetzung der Beiträge für Januar. 4. Bildungsprogramm. 5. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller Parteigenossinnen und Parteigenossen, in dieser Ver⸗ fammlung zu erscheinen. des Gewerkschaftshauses: fliche General Persammlung. Tagesordnung: Mark vlat 14, Mittwoch S — 6 bis 7½ Ubr. Delianntmachung. Bei der auf Freitag, den 19. Jannar 1923 anberaumten, vorm. 9¼ uhr am Alten Schiffen ⸗ berger Weg, 4. Schneise beginnenden städtischen Breun⸗ holzversteigerung kommen weiter aus Abt. 62(an der Licherstraße, gegenüber der Heil- und Pflegeanstalt) 1— 1 um 11 ½¼ Uhr. 8 20 Kiefernwellen(Stammreifig 1. Durchforstung). Gießen, den 13. Januar 1923. 3 10 Mieterverein. Die Vorst än de: J. A.: Moosdorf. J. A.: Maier. 1177 Ich suche zum 1. März ein „Madchen für Küche und Haus. Frau Rechtsanwalt Komberger Plockstraße 9, 2. fei Donnerstag, den 13. Januar, abends 3 uhr, in der Turnhalle der Oberrealschul⸗ Singang Bis marckstraße Tiigeder⸗ Jeranmlung Um unsern Mitgliedern Aufklärungen zu geben, ist allseitiger Besuch dringend geboten. 1178 Der Vorstand. Flaschen-Ankaufstelle H. Schneider, Neuen weg 6 Kaufe zu den höchst en Preisen. 9 1 5 J Eisenbahnunglück zwischen Kassel und Hannover. In der aber weiter⸗ FLASCHEN aller Art Bestell. werd. abgeholt