1 . 1 Fernsprecher 2008. Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Monnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 9 bundes, Genosse Ther dor Leipart, war von der französischen„Con⸗ 1 1 das führung kommen ließ. Gegenüber der in weiten Kreisen des 1 1 französischen Volkes vertretenen Meinung, daß Deutschland die übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllen will, weist Genosse Gebieten eine militärische Besatzung von 70 000 Anfang Dezember des letzten Jahres 140 000 Personen der a TFrontrollkommissionen, für die Deutschland im Maffenstilistandes unterhielt Theinischen Gebiet Militärflugplätze in einer Größe von 1 120 Ha. beschlagnahmt. zielen internationalen Konferenzen hin, die seit dem stheiterten an diesem Widerstande die Bemühungen der männer und der Finanzleute. Alte Gewalt, jene brutale Gewalt, welche das deutsche Volk und be— pbders die deutsche Arbeiterschaft im Ruhrgebiet jetzt in Deuts nspruchte die deutsche Armee 3800 Ha. Die Besatzungsarmee hat Politik diese von jedermann vorauszusehende Wirkung mit gehuktin: Bießen Beahnhofsraße 23 ethessische Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Eppebitien: Gießen Bahnhofsraße 23 Ferusprecher 2008. Durch die Post bezogen 1800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50.— Mk 1370.— Mek. einschl. Bringerlohn. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. 1 1 60 A Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. erlag Druck: ffenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile( mm breit) oder deren Raum lokal 20.— Mt. auswärts 30.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 100.— Nek. Ber größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 3 e e Nr. 36 Gießen, Dienstag, den 13. Februar 1923 18. Jahrgang „Nutzlose Aussaugung“. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts⸗ ede ration Generaie du Travail“ zu deren letzten Gewerkschafts⸗ kongreß eingeladen, konnte die Reise aber nicht antreten, da ihm Visum durch die französische Regierung verweigert wurde. In Januar ds. Is. datierten Brief an den französi⸗ 78 einem vom 31. schen Gewerkschaftsbund wünscht Genosse Leipart den Verhand⸗ fungen einen guten Erfolg und erwartet, daß der Kongreß„einen Schritt auf dem Wege der Völkerversöhnung bedeuten würde“. Leipart erinnert daran, daß in gemeinsamen Verhandlungen der Ffranzösischen und deutschen Gewerkschaften über den Wiederaufbau der vom Kriege zerstörten Gebiete erzielt wurde, daß die deutschen Gewerkschaften eine Verständigung eingehende Vorschläge r Behebung der Zerstörung des Kriegsgebietes unterbreitet ben, daß die französtsche Regierung diese aber nicht zur Aus⸗ Leipart auf die ungeheuren Lasten allein der Besatzung hin. Deutschland hatte vor dem Kriege in den W rheinischen bersonen, denen inter⸗ alliierten Besatzungsarmeen gegenüberstanden. Vom Inkraft⸗ treten des Friedensvertrages an bis zum 30. April 1922 hat Deutschland für die Besatzungsarmee insgesamt 3 000 410 000 Woldmark zahlen müssen. Dazu kommen noch die Leistungen für Unterkunft, Bauten, Verpflegung, Heizung, Beleuchtung und Transport, die sich für das Jahr 1922 auf 25 Milliarden Papier⸗ mark stellen, und die hohen Kosten der Interallijerten Rheinland⸗ kommission, die nach dem Abkommen Deutschlands mit den Alli⸗ lerten aus vier Personen bestehen soll, tatsächlich aber 1300 Per⸗ sonen umfaßt Außerdem bestehen aber noch zahllose militärische 5 letzten Jahre 9,4 Milliarden Mark aufzuwenden hatte. Bis zum Abschluß des die deutsche Armee im besetzten noch 1303 Ha. auf Kosten ie Besatzungstruppen haben dazu und Uebungsplätzen be⸗ chlands vern endet. An Schieß⸗ zu demselben Zweck noch 3210 Ha. weiteres fruchtbares Gelände Hierdurch ist die Ernährungslage der deutschen Bevölkerung natürlich weiter wesentlich verschlechtert worden. In zahlreichen Orten des besetzten Gebietes ist es überhaupt nicht mehr möglich, den Kindern Schulunterricht zu erteilen weil die Schulen von den Besatzungstruppen für militärische Zwecke und fur Unterbringung der Familienangehörigen der Truppen be⸗ schlagnahmt wurden. Alle diese Angaben und Bemerkungen be⸗ 0 1157 sich lediglich auf das alte besetzte Gebiet ohne das Ruhr⸗ ßebiet. Mit Recht stellt Leipart fest, daß man längst einen großen Seil der zerstörten Gebiete wieder hätte herstellen können, wenn lian die vielen Milliarden nicht für die Besatzungstruppen und die Kontrollkommissionen hätte hergeben müssen.„Auch darüber“, s% fährt er fort,„dürfte kein Zweifel bestehen, wie sehr diese nutz⸗ sose Verschwendung neuen Haß und neue Völkerverhetzung hervor⸗ ufen, ohne daß den wirklich Geschädigten in den zerstörten Ge⸗ ieten etwas genutzt wird... Wer ernsthaft den Frieden unter zen Völkern anstrebt, darf seine Hand nicht dazu bieten, diese (utzlose Aussaugung des deutschen Volkes zum Schaden der wirk⸗ chen Reparationsleistungen noch länger sortzusetzen.“ Ueber die Folgen der Ruhrbesetzung, die angeblich erfolgte pegen der widerspenstigen Haltung Deutschlands in der Repara⸗ sonsfrage, wird gesagt, daß die neue Besetzung mit ihren unge⸗ leuren Lasten es dem deutschen Volke gänzlich unmöglich machen wird, die übernommenen Verpflichtungen in Zukunft zu erfüllen. „Und es ist in Deutschland nur eine Stimme, daß die französische Ab⸗ scht herbeiführen will.“ Leipart weist zum Beweise dafür, daß serankreich keine friedliche Lösung wollte, auf den Verlauf der Friedens⸗ Immer leistete Frankreich Widerstand, immer Staats⸗ „Ueber die Vernunft triumphierte schluß stattfanden. ihrem Facken verspürt.“ 1 1 08 Ruhrgebiet liefern. Bert der Minderleistungen 2,5 Millionen Goldmark, fsĩahre in Ausführung des Versailler deutende Aufwendungen in Papiermarl gemacht, larden für abgelieferte dosten der Interalltierten Kommission, 12,9 Milliarden für Resti⸗ tetionen, Substitutionen sendeln, denn die französische Politik ist direkt darauf gerichtet, die Die geringen Verfehlungen in der Lieserung on Holz und Kohle mußten den Vorwand für den Einbruch in Bei den Holzlieferungen betrug der bei den Insgesamt im Werte Kohlenlieferungen rund 21,5 Millionen Goldmark. lat Deutschland also im Jahre 1922 Sachlieferungen don 24 Millionen Goldmark weniger geleistet; das sind 15 Proz. der Gesamtleistung. Im Jahre 1922 wurden an Bar⸗ und Sach⸗ leferungen sowie im Ausgleichsverfahren zusammen 605,7 Mil⸗ lonen Goldmark gezahlt. Außerdene hat Deutschland im selben Vertrages noch sehr be⸗ 3. B. 12,9 Mil⸗ Vinnenschiffe, 9,4 Milliarden für die u. dergl, 15/ Milliarden für andere iinere Ausgaben aus Anlaß des Vertrages von Versailles. znankreich hatte ferner das Recht, nach dem Moratorium vom 21. Pärz 1921, mo die deutschen Sachlieferungen auf 1450 Millionen Coldmark festgesetht waren, für 930 Milltonen Sachlieferungen zu erdern. Leipart fragt:„Warum tat es dies nicht, sondern ver⸗ seeifte sich auf die angeblichen Verfehlungen bet Holz und Kohle?“ Und er gibt darauf folgende Antwort:„Weil Frankreich die Sach⸗ eferungen von Anfang an systematisch sabotiert hat, und zwar lotz der Abkommen von Wiesbaden und Berlin, die große Er⸗ llächterungen für den Bezug von wertvollen Materialien und Ma⸗ inen für die zerstörten Gebiete gewährten!“ Zum Schluß gibt er Gewerlschastsführer die Auffassung wieder, die in Deutsch⸗ umd über die französische Politik herrscht: Für das offizielle kapi⸗ sollstische Frankreich kann es sich gar nicht um deutsche Wieder⸗ tmachungen, nicht um den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete güebergutmachungen und den Wiederaufbau der verstörten Ge⸗ ete Nordfrankreichs zu verhindern. Poincarés Imperialismuskoller im Wachsen. Deutschen Ministern wird deutsches Land gesperrt! Das W. T. B. hat am Samstag abend folgenden Be⸗ richt der französischen Havasagentur verbreitet: 1 Pnincaré hatic heute morgen von 10—12 Uhr mit dem belgischen Außenminister eine Besprechung, der außerdem der belgische Gesandte, der Kriegsminister, der Arbeits⸗ minister, der Finanzminister und der Minister für die be⸗ sreiten Gebiete beiwehnten. Nach Schluß dieser Sitzung wurde folgende Note veröffentlicht, welche der deutschen Regierung übergeben werden soll: Die belgische und die französische Regierung haben sestgestellt, daß der Besuch des Reichskanzlers Cuno im Ruhrgebiet und seine dort ausgeübte Aktion einzig und allein den Zweck gehabt hat, gefährliche Erregungen, be⸗ sonders unter den Großindustriellen, Angestellten und Staatsbeamten hervorzurufen. Unter diesen Bedingungen sehen sich die französische und belgische Regierung, welche im Interesse der Bevölkerung stets bestrebt sind, Wirren zu vermeiden, die einen blutigen Verlauf haben könnten, genötigt, der Reichsregierung und den Regierungen der Länder mitzuteilen, daß die Reichsminister und die Minister der Länder nicht mehr ermächtigt werden, das Ruhrgebiet zu betreten. Diese Verfügung, die wirklich den Gipfel tollster Un⸗ verfrorenheit eines wahnsinnig gewordenen Imperialismus darstellt, wird von denjenigen Mächten erlassen, die friedens⸗ brecherisch und vertragswidrig Teile des wehrlosen Deutsch⸗ lands besetzt haben und denen die blutigen Taten von Reck— linghausen, die Massenverhaftungen und Ausweisungen, die Anwendung aller Kriegsmittel und der Reitpeitsche gegen ein friedliches, unbewasfnetes Volk zur Last fallen. Nichts ist darüber bekannt, daß Dr. Cuno etwa dazu aufgefordert hätte, der Gewalt mit Gewalt zu begegnen; das Gegenteil steht fest. Wenn jetzt Frankreich und Belgien den deutschen Ministern verbieten, ein bestimmtes, deutsches Gebiet zu be⸗ treten, so zeigen sie der Welt damit lediglich, daß sie, wie der Vorwärts treffend bemerkt, dieses Gebiet als— Département de la Ruhr betrachten. Man sollte es sich in Berlin wirklich einmal überlegen, ob es sich nicht empfiehlt, die Probe aufs Exempel zu machen und einen deutschen Reichsminister, der in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes das trotz allem immer noch deutsche Ruhrgebiet betritt, durch die französischen Gewalthaber ver— haften zu lassen. Wir glauben immer noch, daß man auch den französischen Größenwahn am ehesten töten wird, wenn man ihn vor aller Welt lächerlich machen läßt. Noch leine deutsche Antwort. Auf die französische Note, die den Ministern des Reiches und der Länder das Recht absprechen will, fernerhin das Ruhrgebiet zu betreten, ist von deutscher Seite eine Antwort noch nicht ge— geben worden. Wie die Fr. Ztg. erfuhr, wird erst im Laufe des Montag eine Sondersitzung des Reichskabinetts darüber Beschluß fassen, in welcher Form die neue unerhörte französische Anmaßung ihre Zurückweisung finden soll. Die Erdrosselung der deutschen Wirtschaft Ausfuhrverbot für den tsche Industrie⸗Erzeugnisse. Den deutschen Geschäftsträgern in Paris und Brüssel wurden am Sonntag morgen folgende Noten überreicht: „Infolge der von der deutschen Regierung ihren Be⸗ amten im Ruhrgebiet erteilten Befehle und den Wirren aller Art, welche die deutsche Regierung dort anzuregen versucht hat, hat die belgische und die französische Regierung be— schlossen, vom 15. Februar ab den Export aller metallurgi⸗ schen und anderen im besetzten Gebiet hergestellten Fabrikate nach dem unbesetzten Deutschland zu verbieten.“ Diese Note mit ihrer heuchlerischen Begründung kündet eine weitere Maßregel des Sanktionsprogramms an, die Minister Le Troqueur und General Weygand vor 10 Tagen in Brüssel festgesezt haben und die etappenweise durchgeführt EECCCCCCCCCCCCCCCCCGPPPGoPcPGPGPGPGcGGPPPPoGPPoccGococcccccccccccccc Da die französische Regierung ihr Volk absichtlich nicht von den ungeheueren Leistungen unterrichtet, die Deutschland während der Zeit seit dem Waffenstillstand geleistet hat, kann man diesen Schritt des Genossen Leipart nur begrüßen Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die französtschen Gewerkschaften nicht ver⸗ säumen werden, den Inhalt dieses Briefes und die Auffassung der deutschen Gewerkschaften über die Politik Frankreichs ihren Mit⸗ gliedern bekannt zu geben. werden soll. Durch diese neue, tiefeinschneidende Wirt⸗ schaftsmaßnahme erhält der deutsch⸗sranzösische Wirtschafts⸗ kampf eine noch bedeutend schärfere Note. An der Nuhr gehts um den Achtstundentag. Der ehemalige Finanzminister des Kabinetts Millerand und noch heute besondere Vertrauensmann dieses politischen Geschäfts⸗ führers der französischen Schwerindustrie, Francois Marsal, hat auf einem Bankett des amerikanischen Klubs in Paris eine Rede gehalten, in der er im Hinblick auf die Besetzung des Ruhrge⸗ biets u. a. sagte, er spreche nicht in amtlicher Eigenschaft, er könne aber so viel sagen, daß das französische Volk von Deutschland nur die zur Verzinsung und Tilgung des von ihm auf Reparationskonto vorgeschossenen Kapitals er⸗ forderliche Summe verlange. Deutschland könne sich darüber, wenn es wolle, leicht mit Frankreich verständigen. Wenn das deutsche Kapital seinen Anteil an den Reparationen tragen könne, so dürfe man allerdings sagen, daß auch die deutsche Ardeit den ihrigen tragen könne und müsse. Wenn man sämtliche Stunden, die der Krieg gedauert habe, zusammenzählen würde, würde es genügen, wenn man für jede von ihnen von den deut⸗ schen Arbeitern eine Ueberstunde zum Ausgleich verlange und alles wäre rasch liquidiert. Möglichkeiten dazu seien gegeben. Man müsse aus der gegenwärtigen Lage heraus, sonst werde man nicht zum Weltfrieden kommen. Solange die deutsch⸗französische Frage nicht geregelt sei, werde es offenkundig keinen Frieden in Europa geben, wie alle anderen Völker seien auch die Vereinigten Staaten friedensbedürftig. Sie müßten also daran mitarbeiten. De goutte bei Poincaré. General Degoutte ist am Sonntag in Paris ange⸗ kommen, um mit Poincaré über die Lage im Ruhrgebiet zu sprechen. Dem Intransigeant zufolge soll sich diese Unter⸗ redung vor allem auf die durch die belgisch⸗französischen Verhandlungen notwendig geioordenen praktischen Maß ⸗ nahmen beziehen. Ueber die Beratungen, die die belgische und die fran⸗ zösische Regierung miteinander hatten, ist keinerlei offizieller Bericht und keine beglaubigte Meldung verbreitet worden, sodaß man die vorliegenden Zeitungsstimmen nur als Mut⸗ maßungen aufzufassen hat. Die Frage eines einheitlichen Kommandos im Ruhrgebiet scheint nur eine vorläufige Lösung gefunden zu haben, indem die Belgier auf die Ein⸗ setzung eines belgischen Kommissars verzichten. Das Ober⸗ kommando bleibt in den Händen des Generals Degoutte. Dem Journal zufolge dürften sich die Verhandlungen der beiden verbündeten Regierungen, da der französische Finanz⸗ minister Delasteyrie an ihnen teilnahnt, auch auf die Frage der Einführung einer neuen Währung für das Ruhrgebiet bezogen haben. Die französische Regierung hat dieses Projekt bisher hinausgeschoben, da sie der Ansicht war, daß man in einer derartigen Maßnahme eine Tendenz, das rheinisch-westfälische Gebiet dauernd von Deutschland zu trennen, erblicken würde Sie scheint sich aber jetzt der belgischen Auffassung genähert zu haben, die für die Schaffung einer neuen Währung ist. Todesstrafe für„Saboteure“? Wie der Intransigeant wissen will, soll in Pariser Gewalt⸗ haberkreisen ernstlich mit dem Gedanken gespielt worden se in, künftig„Sabotageakte“, womit die legitime Weigerung deutscher Beamter, den Befehlen der französischen Besatzungsbehörden zu gehorchen, mit dem Tode zu bestrafen. Hierin spiegelt sich die ganze Ohnmacht der Franzosen wieder, die passive blutlose Ab- wehr Deutschlands zu überwinden. Deshalb versucht man es auf anderem Wege. Man möchte gern Unruhen im besetzten Gebiet provozieren, um einen Vorwand für die Verhängung des Kriegsrechts zu haben und auf dieser Grundlage dann mit Erschießungen gegen Beamte und Arbeiter vorgehen zu können. Die„friedlichen“ Maßnahmen. Am Samstag früh 6 Uhr erschienen vor den Zechen Helene und Amalie Autos mit 6 französischen Offizieren und 20 Sol⸗ daten. Die Zechentore wurden besetzt. Der Direktor, Berg⸗ assessor Beißer, wurde in seiner Wohnung festgenommen und nach Essen-Bredeney gebracht. Das Hörder Volksblatt ist wegen eines Artikels, der angeb⸗ lich gegen die Würde der Besatzungstruppen gerichtet sein soll, auf 8 Tage verboten worden. Dem verhafteten Zechen- Generaldirektor Hoppstädter ließ man kaum Zeit, sich anzukleiden. Seiner Frau, welche nach dem Ort der Unterbringung fragte, setzte man als Antwort eine Gewehr⸗ mündung vor den Kopf. Die Belegschaft streikt 24 Stunden zum Protest. Der trotz schwerer Krankheit ausgewiesene Regierungsdirektor Stemminger-Pfalz ist gestorben. Den Oberbürgermeister von Oberhausen, Dr. Havenstein, fesselte man bei der Verhaftung und entsesselte ihn erst auf den Protest aller Beamten. Der bei den Wiesbadener Kundgebungen von hinten auf 185 Flucht Angeschossene ist durch Kopfschuß lebensgefährlich verletzt. Verhaftet wurde der Bergmann August Gras in Brechten, als er zum Begräbnis seines von einem französischen Posten er- schossenen Kameraden Hauser wollte. * kozeitung ö f N f g g b 1 N e r 1 Deutschen Eisenbahnerverbandes und Kartellvorsitzenden des ADG B., Gen. Bode, verhaftet. Der nder e Reckmann in Arenberg wurde ohne Angabe von Gründen in seiner Wohnung verhaftet. Eine Aufforderung zu Kohlenlieferungen oder irgendeine Vorladun ist an ihn zuwor nicht ergangen. Reckmann wurde in einem geschlossenen Auto nach unbekanntem e e d g 5 uf der Hauptkasse der Reichsbahndirektion in Trier wurden ertreter des ausgewiesenen Direkttonspräsidenten aufge⸗ fordert, bei Oeffnung des Geldschrankes behilflich zu sein, wa sie ablehnten. In ihrem Veisein wurde hierauf der Geldschrank mit Brechwerkzeugen geöffnet und fünf Millionen Mark fortge⸗ mmen. 9 Redakteur Fischer von der Recklinghäauser Allgemeinen Zeitung ist Samstag vom Kriegsgericht zu sechs Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt worden wegen eines Artikels, der in der Reck⸗ linghäuser Allgemeinen Zeitung erschienen ist und angeblich eine Beleidigung der französischen Armee enthalten haben foll. Infolge der durch militärische Anordnungen erfolgten Ver⸗ kehrsstockung werden für 22 000 Säuglinge in Essen täglich nur Liter Milch geliefert. f. In Recklinghansen wurde ein älterer Berginvalide, der auf dem Wege zu seiner Wohnung war, von den Franzosen mit der Reitpeitsche und dem Gewehrkolben so übel zugerichtet, daß er lutüberströmt zusammenbrach. Als sich die Anwohner der Straße um den Mißhandelten bemühen wollten und versuchten, ihn in einen Hausflur zu tragen, wurden sie mit vorgehaltenem Bajonett unter Androhungen daran gehindert. Hänisch aus Wiesbaden ausgewiesen. Genosse Haenisch, der vor kurzem neuer nannte Regierungspräsi⸗ dent von Wiesbaden, gegen dessen Amtsantritt die Rheinlandkommis⸗ sion bekanntlich ein vorläufiges Veto eingelegt hatte, hatte sich dieser Tage im Auftrag des preußischen Ministers des Innern nach Wies⸗ baden begeben, um als Kommissar der preußischen Regierung sich über wirtschaftliche und polilische Fragen zu unterrichten. Am Sams tag wurde er aus einer Besprechung mit Landräten und Bürgermeistern des Regierungsbezirks Wiesbaden zum Oberdelegierten der Rhein⸗ landkommission gebeten, der ihn nach dem Zweck seiner Anwesenheit 1 und ihn ehreuwörtlich verpflichten wollte, noch vor Mitternacht s besetzte Gebiet zu verlassen. Da Haenisch dieses Ansinnen ab⸗ lehnte, wurde shm eröffnet, daß seine Anwesenheit in Wiesbaden einen Versloß gegen eine Verordnung der Rheinlandkommission dar⸗ telle. Daraufhin wurde er ins französische Polizeikommissariat ge⸗ und dort einer eingehenden Vernehmung und Durchsuchung unterzogen. Von den Schriftstücken, die er bei sich trug, wurden Ab⸗ schristen gemacht und auch das Gepäck in seiner Wohnung durchsucht. Wegen 10 50 wurden Herrn Hänssch seine Papiere surück⸗ egeben und bald darauf wurde er in einem französischen Militär⸗ utomobil an die Grenze des besetzien Gebiets gebracht. Die Ruhrhilfe. ADB wird uns geschrieben: Der paritätische Verwal⸗ tungs rat für die Nuhrhilse“ ist gebildet worden. Er setzt sich auf e zusammen aus je einem Vertreter der Verbände, die den uf unterzeichnet haben, auf Arbeitnehmerseste aus einer entsprechenden An, Vertretern der Gewerkschaften, sodaß der Ver⸗ walhumgs rat aus je 15 Arbeitgebern und 15 Arbeitnehmervertretern besteht. Der Verwaltumgsrat hat einen geschäftsführenden Vorstand aus je 5 Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewählt, und zwar auf Arbeitgeberseite die Herren Dr. Habersbrunner, Dr. Soet⸗ beer, Prof. Dade, Keinath und Vernstein, auf Arbeitnehmerseite die Herren Adolf Cohen, Georg Schmidt, Bothe, Otze und Lewin. Dem geschäftsführenden Vorstand stehen zur Erledigung der 0 Geschäfte die Geschäftsführer der Zentralarbeitsgemein⸗ 0 der industriellen und gewerblichen Arbeitnehmer und Arbeit⸗ Deutschlands sowie ein Bankfachverständiger zur Seite. Die schüftsstelle der„Nuhrhilfe“ sst S. W. 48, Wilhelm⸗ straße 180 II. Der geschäftsfüchrende Vorstand hat sosort seine Tätig⸗ keit aufgenommen. Die Organisation und die Mittel der„Ruhrhilfe“ sollen im weitesten Masse zur Linderung der durch die Besetzung und beutschen Gebietes an Rhein und Ruhr sowohl im be⸗ 99 im Reichsgebiet entstehenden wirtschaftlichen Not Um diesen Zweck möglichst reibumgslos und ohne Gegeneinander⸗ arbeiten mit der Sammlung„Volksopfer“ und den Hilfsmafmahmen der Regierung zur Linderung der Not zu erreich em, nehmen Ver⸗ treter der Regierung mit beratender Stimme an den Verhandlungen des geschäftsführenden Vorstandes teil. Außerdem wird eine engere Verbindung zwischen dem Verwaltungsausschuß des„Deutschen Volksopfer“ und dem geschäftsführenden Vorstand der„Rührhilfe“ Wiesbaßen haben die Franzosen den Tekrest bes U Fcdurch hergeffelft, Faß eite gegenseftge Berfrelmg in den ten Körperschaften stattfindet. Es sind Anregungen ergangen, diese Verbind ng 25 A. zu gestalten. Ob diese verwirklicht werden können, steht jedoch dahin. Politische Uebersicht. Abrüstung und Völkerbund. In Genf tagt seit Freitag der gemischte Abrüstungs⸗ ausschuß des Völkerbundes; er berät über die Voraus- setzungen für eine Einschränkung der Rüstungen. Den Vor⸗ sitz führt der Franzose Viviani. 1 Dem Ausschuß wurde ein Vorschlag Lord Cecil über den gegenseitigen Garantievertrag vorgelegt. Dessen Hauptpunkte sind folgende: Wenn eine der vertrags⸗ schließenden Parteien angegriffen wird, müssen alle n zu deren Schutze Maßnahmen ergveifen, vorausgesetzt, daß der ange⸗ griffene Teil seine Militärmacht nach Maßgabe des Vertrages redugtert hat. Wenn eines der vertragschließenden Länder seine Rüstungen berschreitet, so kann der Rat alle Rechte des be⸗ treffenden Landes an dem Vorteil des Vertrages fuspendieren und fernerhim die Anwendung wirtschastlicher Strafmaßnahmen empfehlen. Im Falle ein militärischer Angriff erfolgt, hat der Rat im Laufe von 4 Tagen zu entscheiden, wer der angreifende Teil ist. Im allgemeinen wird der Staat, der das Gebiet eines anderen Staates verletzt, als der Angreifer zu betrachten sein, Die Unterstützung, die dem angegriffenen Lande von den anderen ver⸗ tragschließenden Mächten zuteil wird, besteht erstens in einer wirtschaftlichen und finanziellen Blockade des Angreifers, und zweitens in einer militärischen Unterstützung unter einem gemein⸗ samen Oberkommando. Die Kosten der militärischen Operation müssen von dem angreifenden Lande getragen werden. In dem vorliegenden Entwurf soll nichts enthalten sein, was den Be⸗ stimmungen des Versailler Vertrages und den anderen nach dem Kriege abgeschlossenen Friedensverträgen widerspricht. Der Tagung des Ausschusses kommt schon jetzt vor ihrer Beendigung eine historische Bedeutung zu durch die Ent⸗ hüllung der abrüstungsfeindlichen Tendenz Frankreichs, die Pipiani mit einer alle Anwesenden erschreckenden Deutlich⸗ keit zum Ausdruck brachte. Vipiani wollte bei der Bergtung des Lord Cecilschen Garantieplanes überhaupt nichts von Abrüstung hören. Er widersetzte sich allen Vorschlägen, so⸗ gac der Beratung dieses Planes, dessen praktische Durch- führung doch für heute und morgen noch gar nicht in Frage komme, sodaß ihn schließlich einer der Teilnehmer fragte, ob denn Frankreich auch in aller Zukunft nicht an Abrüstung denken wolle. Immer wieder berief sich Viviani auf seine Verantwortlichkeit als Vertreter eines großen Landes, das in seiner Existenz durch die Abrüstung bedroht wäre und daß infolge dieser Bedrohung keinerlei Abrüstungsmaß⸗ nahmen praktisch erörtert werden könnten. 8 Polen und Litauen. Von unserem Warschauer Korrespondenten wird unß ge⸗ schrieben: Der Konflikt an der Ruhr und die Memelfrage haben in den letzten Wochen die öffentliche Meinung in Polen in starke Auf⸗ regung versetzt. Gegenwärtig macht sich eine gewisse Beruhigung bemerkbar. In der Ruhrfrage hat die Polnische Regierung wie⸗ derholt sestgestellt, daß zu einem Eingreifen für sie gar kein An⸗ laß vorliege. Wegen der Besetzung Memels hat Polen zwar energisch beim Botschafterrat protestiert, aber auf darüber hinaus —* Schritte zunächst verzichtet. In beiden Angelegenheiten droht daher keine aktuelle Gefahr. Dagegen hat sich das Verhältnis Polens zu Litauen aus an⸗ deren Grfinden neuerdings zugespitzt. Der Völkerbund hat in Paris beschlossen, den sogenannten neutralen Streifen zwischen Polen und Litauen durch eine Demaxkationslinte zu ersetzen. Der wichtigste Teil dieses neutralen Streffens liegt zwischen dem von Polen gewaltsam annektierten Gebiet von Wilna und Litauen. Litauen hat den Verlstst von Wilna noch lange nicht verschmergt. Einer Aufteilung des neutralen Streisens ist es daher schon des⸗ wegen abgeneigt, weil es damit gewissermaßen den endgültigen Verlust von Wilna zugestehen würde. Außerdem ist Litauen mit der vom Völkerbund angeordneten Demarkationslinie nicht ein⸗ Skrzynski hat vor dem polnischen 10 am 6. Febr. 1 Polen werde unter 8 en Um ihn en Tei St 1 0 85 Wie er 5 bildet also einen kritischen Tag für k krrbfer erwähnt, auf des oder Ostgalizien gekommen ist— seine östlichen Gebiete der Entente gegenüber keinen Der Steuerausschuß des Reichstags beriet am Sa ag die Bestimmungen über die Berücksichtigung der Geldent⸗ wertung bei der Zahlung. Der Regierungsentwurf will beschleunigte Zahlung durch die Einführung von Verzugs⸗ zinsen in Höhe von 10 Prozent pro Monat erreichen, ver⸗ zichtet aber darauf, die steuerliche Bevorzugung der Ver- anlagungspflichtigen durch die späte Zahlung irgendwis auszugleichen. Von den bürgerlichen Parteien wur gegen die Regierungsvorlage⸗ insbesondere über die der Verzugszinsen, starke Bedenken geltend gemacht. äußerten sie die Auffassung, daß ein Umbau des ganzen E komensteuersystems dringend erforderlich sei. Positive Vo schläge aber lagen von ihrer Seite nicht vor. Nur die Soz demokratie hatte einen Antrag eingebracht, der an Stelle 5 des Jahres 1922, sofern der Steuerpflichtige nicht dem Lohn und Gehaltsabzuge unterliegt bezw. soweit nicht Vorc ö zahlung entrichtet sind, soll der Steuerbetrag mit dem durch. schnittlichen Goldzollaufschlag des Jahres 1922 multipliziert werden. Dieser Antrag wurde vom Genossen Hertz eingehend be⸗ gründet. Der Vorschlag der Regierung sei zwar eine besserung des gegenwärtigen Zustandes. lasse aber immer die Möglichkeit offen, daß der säumige Zahler die Vorteile der Geldentwertung zunutze mache. Den zahl; reichen Fehlern der Steuergesetzgebung der letzten Zeit dürft jetzt nicht noch ein neuer hinzugefügt werden. Die Last der Geldentwertung müsse ausschließlich auf dem Steuer⸗ pflichtigen ruhen. Jede andere Regelung führe zur Ver⸗ schärfung des Steuerunrechts, das zu beseitigen ja auch die e 1 angebliche Absicht der bürgerlichen Parteien sei. Man m deshalb auch, über die Regierungsvorlage hinausgeh den Vorteilen, den die Steuerpflichtigen unberechtigt aus verspäteten Zahlung und aus der Geldentwertung d Jahres 1922 gewonnen haben, durch eine Anrechnung Geldentwertung bei der Zahlung wieder gutmachen. eine solche Milderung des Steuerunrechts würde es Sozialdemokratie sehr schwer gemacht werden, dem Gesetze ihre Zustimmung zu geben. 2 Die Darlegungen des Genossen Hertz riefen eine ein⸗ gehende Diskussion hervor. Fast alle bürgerlichen Rednch äußerten ihre Uebereinstimung mit dem Grundgedanken, machten aber die stärksten Bedenken gegen den vorge⸗ — 1 Der Deserteur. 1 Roman von Robert Buchanan. „Das wird für Kromlaix wieder ein trauriger Tag wer⸗ den,“ meinte eine andere.„Das letzte Mal wurde unser Kiarik genommen und er ist noch nicht heimgekehrt.“ „Aber er lebt doch noch,“ mischte sich eine Greisin ein, „während meine beiden Söhne, Jannick und Gillarm, ohne Priestersegen oder Freundesgebet in fremder Erde ver— scharrt wurden.“ Sie seufzte schwer auf und Tränen rieselten ihr über das runzelige Gesicht. „Die Nachricht von einer neuen Konskription ist leider nur zu wahr,“ bemerkte jetzt ein lahmes junges Mädchen namens Joan,„aber die Zeit steht noch nicht fest; es kann auch noch ein oder zwei Jahre dauern, denn es heißt, daß der Kaiser noch keine bestünmten Entschlüsse gefaßt hat. Da Mutter wegen meiner Brüder ängstlich ist, fragte sie heute den Pfarrer und er sagte ihr, die Listen hätten nicht viel zu bedeuten; die Leute würden vielleicht noch lange nicht einberufen werden; auch könne Frieden geschlossen werden und diesfalls brauche niemand zu marschieren.“ „Es ist unbegreiflich, warum der Kaiser nicht Frieden macht. Ist er nicht der Herrscher? Als solchem müßte es ihm leicht fallen, Frieden zu schaffen.“ Jeanne Penvenn lachte wild auf. „Der Teufel“ und alles ist gesagt. Frieden?“ „Schweigen Sie!“ rief Marcelle. die Geduld verlierend. „Sie haben nicht das Recht, so zu sprechen. Und was Ihre auf dem Schlachtfelde gefallenen Söhne betrifft, so ist ihnen jetzt wohler als einst im Wirtshaus, wo sie zu raufen und zu fluchen pflegten. Es sind die Engländer, die den Kaiser verhindern, Frieden zu machen. Mein Onkel, der Korporal, sagt, daß der Raiser sich gern Ruhe gönnen würde, wenn die Engländer es zuließen, die alle Könige mit Gold erkauft haden. Die Wespen von Preußen und Engländern, die den aiser umsummen, können ihm nichts anhaben, aber sie können ihn belastigen und am Friedensschluß verhindern.“ Einige stimmten Marcelle bei, während andere heftig „Der Kaiser?! Sage Macht der Teufel je widersprachen; das richtete sich nach dem Einsatz, den jede Mutter oder Schwester im Kriegsspiel hatte. „Wozu stellt der Sergeant die Listen so eilig zu⸗ sammen?“ fragte eine junge Frau.„Wenn die Losung gar nicht oder nach Jahr und Tag stattfinden soll, warum diese Eile mit den Vorbereitungen? Mir ist es ganz klar— offenbar führt der Kaiser wieder etwas neues im Schilde und wir werden gewiß noch vor der Ernte erfahren: was.“ Ein allgemeines Seufzen folgte dieser unangenehmen Weissagung. Ein sehr altes Weib das eben mit ihrem Krug an einer Krücke heranhumpelte„Mutter Goron“ ge- nannt, sah die Sprecherin mit einem seltsamen Blick an. „Komme, was kommen muß,“ nahm Joan wieder das Wort.„Wenigstens bleibt uns der eine Trost, daß der Kaiser nicht alle braucht, und es steht bei Gott, wessen Name aus der Urne gezogen wird und wessen nicht.“ „Auch kann man der Heiligen Jungfrau eine Kerze opfern,“ warf eine junge Mutter ein deren Kinder noch ganz klein waren und die bei der Konskription nicht einmal für ihren Mann zu fürchten brauchte, der in Neufundland dem Stockfischfang oblag. „Als unser armer Antonin im Herbst starb, war ich trostlos,“ sagte ein hübsches Mädchen. das den Krug der Mutter Goron gefüllt hatte.„Aber jetzt ist es mir lieber, daß der liebe Gott ihn genommen als die Konfkription.“ „Wir unserseits sind sicher!“ rief Joan.„Ich habe nur einen Bruder, und einzige Söhne von Witwen nimmt der Kaiser nicht.“ Diese Aeußerung verdroß Marcelle.„Da ist es doch besser,“ bemerkte sie, höhnisch lachend,„drei diensttaugliche Brüder zu haben wie ich, von denen kein einziger ein Feig⸗ ling ist. Mindestens einer von ihnen wird dem Kaiser dienen. Schade, daß ich kein Mann bin und daher nicht mit- marschieren darf!“ Einige Mädchen stimmten ihr lebhaft zu; wie leicht ist es, mutig zu sein, wenn man weiß, daß man nichts zu ver⸗ lieren hat!“ 5 „Du irrst Dich, Joan,“ fuhr Marcelle sort,„diesmal werden auch die einzigen Söhne nicht verschont. Jeder taug⸗ liche Mann steht auf den Listen: wenn der Kaiser will, muß jeder gehen, nur die Blinden und Blöden nicht! Vive l'Empereur!“ Keine einzige Stimme wiederholte diesen Ausruf, alle die Kaiser Versammelten warfen feindselige Blicke auf 2 2 1 8— anbeterin. Die alte Goron stöhnte schmerzlich auf, da zu Marcelle hin, faßte sie beim Arm und schrie:„Das ist falsch, Mädchen!“ ö „Was ist falsch, Mutter Goron!“ 1 „Daß auch die einzigen Söhne gezogen werden. Der Sergeant behauptet es zwar aber es kann nicht richtig sein. Mein Gott, es kann nicht wahr sein! Der Sergeant sagt, daß niemand befreit wird, aber ich kann es unmöglich glauben. Ich habe mit dem Sergeant gesprochen; er meinte, der Kaiser brauche Tausende, ja Millionen Soldaten, um die frechen Deutschen zu züchtigen. Das ist ja ganz in der Ordnung, aber meinen Jungen soll er nicht haben. Ich habe für den Kaiser gebetet, damit er siege, und ich werde auch weiter für ihn beten, so lange er mir meinen So läßt: meine anderen sind tot und ich habe nur noch den Jean.“ 1 „Fürchten Sie nichts. Mutter Goron]!“ sagte Marcelle ergriffen.„Der Sergeant weiß all dies und wird Ihren Jean„ die Liste setzen; ja, selbst wenn sein Name gezogen würde, wird der gute Sergeant es nicht zu n, daß Ihr Jean miimarschle sa 5. weng „Mein Fluch treffe alle!“ schrie die Greisin verzweifelt. „Mein Jean ist groß und kräftig, und die Großen u Kräftigen werden stets gezogen. Man betrügt bei Ziehung und nimmt immer die besten. Der Kaiser wieder in den Krieg, aber meinen Jean wird er nicht kommen! So wahr es einen Gott im Himmel gibt, mei Jungen wird er nicht bekommen!“ 2 Mareelle warf einen mitleidigen Blick auf die hrer Sinne kaum mehr mächtige Greisin, hob ihren Krug auf den l um 755 Run Hause Als sie in die Dorfstraße ein, gen wollte, trat aus dem Schatten or: „Marcelle!“ flüsterte er zärtlich. 5 en 3 —— Rohan?“ b 1 in heißer Kuß in der stillen Mondscheinnacht und Rohan wollte der Geliebten den Wasserkrug 4— aber sie gab es durchaus nicht zu; so schritt er denn neben ihr her, „Du warst heute lange beim Brunnen.“ „Ja, es gab viel zu hören.“ (Fortsetzung folgt.) — ———— 0 7 — — selagenen Weg geltend. Die Debatte endete mit der Ueber- weisung dieses Teils der Regierungsvorlage und des sozial⸗ demokratischen Antrages an einen Unterausschuß. * Engrisfe auf das thüringische Kabinett. Der Sturz der sozialdemokratischen Thüringer Regierung ist abermals mißlungen. In einer zehnstündigen Sitzung des Landtages stand der Antrag der Rechtsparteien zur Aussprache, durch welchen dem Minister Herrmann(Verkehe) und dem Volksbildungsminister Greil das Vertrauen entzogen werden sollte. Die deutschnationale Volkspartei und der Landbund begründeten den Antrag. Die Kom⸗ munisten enthielten sich der Abstimmung. 2 Die Erhöhung der Wohnungsbauabgabe. Der Wohnungsausschuß des Reichstages hat am Sams- tag die Entscheidung über die Höhe der Wohnungsbauabgabe gefällt. Sie beträgt das Dreißigfache der Friedenmiete. Ein Beitrag von 40 Mark pro Kopf der Bevölkerung soll davon an den Ausgleichsfonds abge⸗ liefert werden. 1 Der zweck der kommunistischen, Einheitsfront“ Ueber die„Hauptprobleme des 4. komumnistischen Weltkon⸗ gresses“ bringt die Berliner Rote Fahne in ihrer Beilage„Taktit und Orgnisation“(Nr. 45 vom 23. Dezember 1922) einen Artikel, e e einen Abschnitt über die„Einheitsfront“ enthält. Dort ißt es u. a.: 5„Das törichte Gerede mancher Genossen, daß wir„wirklich“ bie e„wollen müssen“ ist ein Abgleiten der Linie auf eine sehr schiefe Ebene. Wir wollen„wirklich“ die Einheitsfront, das heißt, wir wollen wirklich kämpfen. Aber wir wissen, daß die (Kämpfe nur„wirklich“ geführt werden können, wenn es uns ge⸗ Klingt, die Massen der Arbeiter hinter die Kommnmnistische Partei 12 bekommen, und daß die Revolution nur siegen kann, wenn an der Spitze der Massen eine Kommunistische Partei steht und nicht eine Koalition der Sozialdemokratischen und der Kommunistischen Partei. In dieser Unklarheit über die„wirkliche Einheitsfront“ 1. en sich die Gefahren der Taktik ab: Die Verwischung des gesichtes der Kommimistischen Partei, das Zurücktreten des End⸗ zieles, die Passivität, die glaubt, Kämpfe seien nur möglich, wenn der„große Bruder“ mitmacht, während es gerade umgekehrt richig ist und schließlich als äußerste Konsequenz eine Auffassung: die Einheitspartei als Form der Einheitsfront.“ 0 Damit ist die kommunistische Heuchelei von der Einheitsfront vollends entlarvt Sie wollen gar nicht gemeinsam mit der Sozigl⸗ demokratie und den Gewerkschaften kämpfen, sondern sie wollen ledig⸗ lich veorsuchen, beiden die Arbeitermassen abspenstig zu machen. Innerpolitisches. Der Skandal der Steuerkurse. Die Zwangsanleihe, die schon bei ihrer ersten Beratung unter tätigen Mithilfe des jetzigen Reichswirtschaftsminister Becker⸗ essen als Steuer außerordentlich entwertet worden ist, hat be⸗ kanntlich durch die Ausführungsbestimmungen vom 22. Dezember eine erneute Berschlechterung erfahren. Festgestellt wurde 71 91 daß die Aktienbesitzer nur zu einem Elftel ihres tat⸗ n Vermögens veranlagt werden. Man hat die Durch⸗ schnittskurse früherer Jahre herangeholt, um nur einen möglichst niedrigen Veranlagungskurs zu finden Durch die neuere Entwicklung hat sich dieses Veranlagungs⸗ verfahren gegenüber den Aktionären zu einem regelrechten Steuerskandal ausgewachsen. Schwindelhaft werden die Aktienkurse in die Höhe getrieben, niemand denkt dargn, die Zwangsanleihe ein zuzahlen, ehe nicht die Mark noch mehr ent⸗ wertet ist. Die tatsächliche Belastung des Aktienbesitzes durch die Zwangsanleihe geht aus solgender Gegenftberstellung hervor, in der, wir die jetzt amtlich sestgesetzten Steuerkurse mit den letzten Börsenkursen einiger Papiere vergleichen. Steuerlurs Letzter Börsenkurs 5 Hapag 561 86 000 0 Deutsch⸗Luxemburg 1862 33 000 0 Mannesmann 1396 100 000 0 Deutsche Bank 512 34 000 Schuckert 960 58 000 Zellstoff Waldhoff 755 34 000 Durchschnitt 1209 77 000 — Die Aktienbesizer werden also noch nicht einmal ein Sechzigstel ihres gegenwärtigen Vermögens veranlagen. Ge⸗ zahlt wird auch davon nur ein Bruchteil Das ist das sichtbare Opfer des Vesitzes“, das in der Zwangsgnleihe seinen Ausdruck finden sollte! Die Arbeitslosigkeit in Deutschland. Die Arbeitslosenstatistik der Arbeiterfachverbände weist nach dem Reichsarbeitsblatt für den Dezember eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit nach. Von 6,5 Millionen durch die Erhebung am Stichtage erfaßten Mitgliedern wurden 182 935(im Vormonat 120 271 als arbeitslos gezählt. Demnach stellt sich die Arbeits⸗ losenziffer für den Berichtsmonat auf 2,8(gegen 2,0 im Vor⸗ John Gabriel Borkman. monat). Bie Kurzarbettsstatistik der Arbeitersachverbände zeigt eben⸗ alls eine weitere Zunahme der e e e An ber erichterstattung waren 37 Verbände mit 5,6 Mill. durch die Er⸗ hebung erfaßten Mitgliedern beteiligt. Von diesen arbeiteten 402 711(8,7 v. H.] mit verkürzter Arbeitszeit(im Vormonat 7,5 v. H.). Bei Trennung der Gaschlechter ergibt sich für Männer eine Kurzarbeitszisfer von 5,1, bei Frauen eine solche von 18,6. „Die Stalsstik der unterstützten Erwerbslosen meldet staxke Er⸗ höhung der Zahlen der Unterstlitzungsempfänger. Am 1. Januar wurden aus Mitieln der öffentlichen Erwerbslosenfürsorge unter⸗ stlitzt 82 427 Vollornerbslose(im Vormonat 42 860— Zunahme 92 v. H.). Davon waren 68 920 Männer(im Vormonat 34426 — Zunahme 100 p. H.) und 13507 Frauen(im Vormonat 8431 — Zunahme 60 v. H.]. Außerdem wurden 101335 mitunterstützte Famtlienangehörige Vollerwerbsloser gezählt(sog, Zuschlags⸗ empfänger). Den Zufammenbruch der Wohnungsbautätigkeit behandelt die neueste Rummer der Sozialen Bauwirtschaft. In einem Artikel: „Rettet den Wohnungsbau“ und in mehreren anderen Artikeln weist sie auf die ungeheuren Gefohren hin, die der deutschen Volkswirtschaft und besonders den deutschen Mietern aus dem Zusammenbruch der Wohnungsbautätigkeit drohen. Sie zeigt die notwendigen Maßnahmen zur Verbillfgung des Bauens und erinnert die Regierung, den Reichs⸗ tag und die Parteien an die gewaltige Verantwortung, die sie mit einer weiteren Hinauszögerung entscheidender Maßnahmen gegenüber den wohmmgslosen Mietern und Siedlern, aber auch gegenüber der Arbeiferschaft und ber ganzen deutschen Volkswirtschaft übernehmen. Schon heute sind mossenhaft Bauarbeiter arbeitslos, weil der Bau⸗ stoffwucher die VBaukosten auf eine wahnfinnige Höhe treibt, und weil keine Mittel zur Fortfsihrung des gemeinnützigen Kleinwohnungs⸗ baues mehr vorhanden sind. Während die Lohnausgaben für eine Wohnung von 70 Quadratmeter Wohnfläche von Juli 1914 bis zum 1. Januar 1923 um das 645fache stiegen, kletterten in der gleichen Zeit die Baustoffpreise um das 20öh0fache in die Höhe. Kein Wunder, daß die Wohnuagsbautätigkeit allmählich zum Stilliegen kommt, die Zahl der Wohnungslosen immer mehr anschwillt und die Kleingärt⸗ ner, Siedler und Bodenreformer vergebens auf die Weiterführung des Heimstättenbaues und der Siedlungstätigkeit warten. Es ist höchste Zeit, daß hier praktische Maßnahmen ergriffen werden. Sonst 15 3 Katastrophe auf dem Bau- und Wohnungsmarkt unaus⸗ eiblich. Gießen und Umgebung. Die Verhandlungen über die 1 eines KNreisver⸗ bandes zur Verwaltung und Verwendung der Wohnungsbau- abgabe im Kreistag.(Vergl. den Bericht über die Kreistagssitzung in voriger Nummer.) Mit derselben Angelegenheit hatte sich schon ber frühere Kreistag am 3. August 1922 zu befassen gehabt. Auf Grund von Artikel 8 des hessischen Ausführungsgesetzes zum Reichsgesetz über die Wahnungsbauabgabe können die Gemein⸗ den, denen die Verpflichtung zur Erhebung der Zuschläge obliegt, sich zu Verbänden(Kreisverbänden) zusammenschließen. Die Mehrheit der oberhesssischen Gemeinden machte von dieser Zentrali⸗ sierung Gebrauch und schloß sich zu Kreisverbänden zusammen. Auch im Kreise Gießen sollte der Zusammenschluß erfolgen, aber der Antrag des Kreisantes, der die Zustimmung des Kreisaus⸗ schusses gefunden hatte, wurde vom damaligen Kreistag am 3. August 1922 mit 1 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Die Mehrheit wurbe durch die deutschnatlonalen und bauernbündlerischen Mit⸗ glieder gebifdet. Verwaltung und Kreisausschuß waren einig, dem neuen Kreistag die Angelegenheit zur nochmgligen Behandlung und Beschlußsassung vorzulegen. In der dem Antrag beigegebenen Begründung war darauf hingewiesen, daß ein Teil der während des vergangenen Jahres im Kreis begonnenen Wohnungsneubauten nur unter erheblichen Schwierigkeiten zu Ende geführt werden konnte und eine ganze Reihe von Bauherren wegen der katastrophalen Teuerung nicht mehr imstande war, die angefangenen Wohnungen unter Dach und Fach zu bringen. Wenn da die Gemeinden infolge des ablehnen⸗ den Kreistagsbeschlusses lediglich auf die Zuschläge im Gemeinde⸗ bezirk angewiesen waren, konnten sie nichts Nennenswertes mehr zur finanziellen Unterstützung der Bauherren unternehmen. Außerdem gen ährte das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft wegen des Nichtzustandekommens des Kreiswohnungsperbandes Landesbeihilfedarlehen nur noch im Rahmen des kapitalisierten Betrage der in der betr. Gemeinde aufgebrachten Wohnungsbau⸗ abgabe. Soll daher die Wohnungsbaupolitik, die im kommenden Rechnungsjahr durch eine wesentlich erhöhte Wohnungsbauabgabe (das Fünfzehnfache des bisherigen Betrages. Die Red.)] gestützt werden soll, nicht gänzlich Schiffbruch erleiden, so ist es unbe⸗ dingt erforderlich, daß die Gemeinden unter Zurückstellung ihrer Sonderinteressen eine Art Notgemeinschaft bilden, daß die Erträge der Wohnungsbaugbgabe nicht zwecklos und verzettelt, in den ein⸗ zelnen Gemeindekassen gufgespeichert, sondern in die Kreiskasse als Verbondskasso abgeliefert wenden, um zwecks Aufnahme von Bank⸗ guthaben, Veschaffung von Baumgteviglien im großen, Verzinsung und Tilgung gewährter Darlehen und bergl. rationell und vollständig ausgenußt werden können. In der Anssprache, an der sich auch ein Vertreter des Ministe⸗ riums für Arbeit und Wirtschaft, Ministerlalrat Klumpp betei⸗ ligte, wurde die Angelegenheit nach mancher Richtung hin geklärt. Die Bauernbündler hielten aber an ihrem Widerstand gegen das g Projekt fest. Das Mitglied Bilrgermeister Müller⸗Bellersheim wandte sich als erster Rechner scharf arf gegen die Vorlage. Das Land könne die großen Abgaben nicht tragen, die Landwirte seien wirt⸗ schaftlich nicht so gut gestellt, wie man annehme: zur Begründung Stabitheater Gießen. Schauspiel in 4 Akten von Henrik Ibsen. Unormeßlich war sein Gieren nach höchsten irdeschen Gütern, nach Geld und Gold das ihn zum Beherrscher— oder wie er sich ein redete: Wohltäter— seiney Mitmenschen machen sollte. Fast war er am Ziele der Bankbirektor John Gabriel Borkman, da stürzten ahn Gerechtigkeit und der Neid cines„Freundes“ in die Tiefe und stießon ihn aus der Gemeinsehaft der ehrlichen Arbeit. Daß er Millionen ihm anvertrauter Gelder für seine ehrgeizigen Pläne— wohl in der selbstbewußten Hoffnung ihres Gelingens— unterschlagen und geonfert hatte, büßte er mit mehrjährigem Ge⸗ fängnis. Und weitere 8 Jahre saß er bereits in seinem sres⸗ 0 mlligen Kerker auf dem Gute seiner Schwägerin. Villeicht hätte er hier ein neues Leben beginnen können, wenn er eine Lebusge⸗ flährtin zur Scite gehabt hätte die ihn und feine gewalcgen Pläne verstand. Aber die eine die es vermochte, halle er auch selnem EChcgeiz seinem Geld⸗ und Maͤchthunger geopfert indem ex jenes 1 ihn zärtlich und stark liebende Madchen seinem einflußreichen Freunde„abtrat“. Statt ihrer heiratete er die kalte, starre Schwester der Geliebin die ihn jet meidet verachtet und„für tot erklärt“, Die ihm selbst die Liebe des eingigen Sohnes zu entziehen bracht. Auch jetzt noch hält Vorkman sich aufrecht durch seine Men scheuve kachtung und Lebensluige. Unrecht ist ihm geschehen, ist 0 sester Glaube nur einige Tage hätie man ihm Zeit lassen sollen dann wäre er Herrscher und keiner auch nur um einen Pfennig geschädigt gewesen. Die Menschen würden ihr Unxracht an John Gabriel Borkman noch elnsohen, ihn um Verzeihung bitten 1 und wieder zur Mitarbeit abholen. Acht lauge Jahre wartet er schon auf diesen letzten und großen Sieg; und wenn es an seiner Türe klopft bann nimmt er die Haltung des ehemaligen Bank⸗ direktors und Meußchenherrschers Vorkman an, der Viltstellern mmübig Audienz gewährt. Rur die ge⸗ vy fserse Geliebte erscheint, um sich Borkmaus Sohn zu holen. Um diefen, kommt e zum Kämpfe. Die Mutter hat ihn dazu Aiusze rsehen, die Schande des Vaters nicht zu tilgen; ihre Schwester Aber sie kommen nicht. will daß er den aussterbenden Namen ihrer Familfe annehme und fortführe, und der Vater höfft mit den frischen Kräften des Jüng⸗ lings neue Taten volldeingen zu können. Doch der junge Bork⸗ nia kümmert sich nicht um Eltern⸗ und Tanlenliehe. nicht um 0 d Gut und Namen und Ehre, sondern zieht ebenso goistisch und rücksichtslas wie sein Vater, nur weniger gefährlich — mit einem um viele Jahre älterem Weibe, von der er schwerlich Gutes lernen mag in die weite Welt 8. John Gabriel aber verläßt in derselbeen Nacht am Arme der von unhahlbarer Krankheit tödlich bedrohten Jugendgeliebten sein Hes. Im beschnesten Walde dort. wp er einst auf sonniger Höhe im Sommer seines Lebens an ihrer Seite saß und den Blick über and und Meer schweifen ließ in ungebändigtem Tatendrang. sinkt er nieder und haucht sein Leben aus. Ueber seiner Leiche ver⸗ föhnen sich die Schwostern. Der„grose Tag“, den wir 8 bei der Aufführung am Stabttheater Gießen(9. Februar) erhofften und den nach seitheri Erfahrungen Spielleitung, und Personal verspeach, ten wir leider nich erleben. Die hiesige Darstellung litt an zablreicken, großenteils unnötigen und leicht abänderlichen Miingeln, deren jonng nicht nur im Interesse des Publikums und des Thoaters a stanstalt, sondern auch in demjenigen gercde unserer besten und welversprechenden Künstler liegt. Als sich der Vorhang hoh lag die vom Dichter gewollte düstre Stimmung über der Szene, doch halb zeigte sich, daß Auguste Marks(als Borlmans Frau Gunhild) und Rose Rubner, auf deren Spiel in„absen“ wir uns besonders gefreut hatten, der abr die Rolle per Ella Rentheim Fra Borkmaus Ind llingsschwester, übertragen war, ihre Nollon hätten tauschen ilitissen, damit jede der an uh für sich ihr höchstes bietenden Künstlerinnen dicsenge Rolle hätte darstellen dlrsen und meistern können, zu der beide wie geschafsen sind. Rose Rub ner als Frau Borkman wäre ein Ereignis für Gießen und ein sester Punkt sür Ton und Tempo eines echten Jbsen⸗Abends gewesen. Karl Juhnke versagte der Gestalt. die ex verkörperte, das grausig⸗ geuiale das einem Borkmau auf seinem Leidenswege nicht ver⸗ loren gegangen, sondern. wenn auch verzerrt, verblieben ist. Das wies er auf bie Zwangsbewirtschaftung hin! dle Gemeinden mit Wald könnten sich selber helfen. Gemeinden in der Nähe Gießens, wie Wieseck, Heuchelheim leisteten nichts flir die Allgemeinheit, sie hätten also auch keinen Anspruch auf Unterstützung durch die Allgemeinheit. Das Wohnungsbauelend könne nur durch Selbsthilse behoben werden. Mitglied Fenchel(Bbd.) sah vor allem in der Bildung des Kreis⸗ verbandes einen Eingriff in das Selhstverwaltungs recht der Gemeine den. Im übrigen waren seine Ausführungen etwas dunkel. Mitglied Bommersheim(Bbb.) bemängelte besonders die hohe Abgabe, 75 vom Hundert des Brandkassewertes sei zu hoch. Von der Linken trat Mitglied Homberger(Soz.) den Ausfführungen des ersten Redners scharf entgegen und verwies die Behauptung von einer Not lage der Landwirtschaft in das Reich der Märchen. Mital. Benne (Soz.) betonte gegenüber den Agrariern die große Wohnungsnot in den Orten mit Arbeiterbevölkerung, der unbedingt abgeholfen wer⸗ den mlisse. Auch der Umstand, daß das Baugewerbe ein Schlüssel⸗ gewerbe sei, von dem sopfel andere Gewerbe abhängig seien, ver⸗ lange verstärkte Bautätigkeit. Dem Argument der Agrarier, daß die Industrieorte um Gießen kein Recht auf Hilfe hätten, begegnete der Vorsitzende mit dem Hinweis, daß durch die Abwanderung vom flachen Lande nach den Städten die kleineren Orte auf dem Lande entlastet worden seien, es sei daher kein Unrecht, wenn sis mm zum Ausgleich zur Mithilfe herangezogen würden. Die bei den bauernbündlerischen Rednern(die voksparteilichen Mitglieder hüllten sich in Schweigen) zutage getretenen Mißverständ⸗ nisse in Bezug auf den eigentlichen Zweck des Zusammenschlusses ver⸗ anlaßten die bauamtlichen Sachverständigen, Ministerialrat Klumpp und einen Vertreter des Gießener Bauamtes, noch im einzelnen zu Zweck darzulegen und die praktische Ausgestaltung im einzelnen zu erläutern. Auf die Selbfthilfe soll selbstverständlich nicht verzichtet, sie soll im Gegenteil gefördert werden; sie hat manches Gute schon jetzt geleistet, aber im wesentlichen mehr, wo die Verhältnisse günfstig lagen, wie in Offenbach. Beim inneren Ausbau der Häuser versagt gewöhnlich die Selbsthilse, falls nicht die betr. Handwerker die Bau⸗ herren sind. Auch beim Selbstbauen müssen in der Regel 50 Prozent der Kosten durch Geldhilfe besckafft werden. Hier soll dann der Kreis⸗ verband eingreifen, dessen Aufgabe in solchen Unterstützungen, aber weiter auch im Austausch von Materialien, rechtzeitiger Beschafufng von solchen, Herstellung von Baunormen, kurz in der Orgaussation der gesamten Bautätigkeit im Kreise bestehen foll, Nicht beabsichtigt ist, aus den Mitteln der Verbandsbasse etwa Häuser zu bauen, die von den Gemeinden aufgebrachten Abgaben können ihnen auch ruhig zur Verwaltung überlassen werden, sie müssen nur der ge„ dem zu begründenden Kreiswohnungsverband, jederzeit zur Ver⸗ fügung stehen, da manchmal zur Beschaffung von Baumaterialjen usw. sofort zugegriffen werden müsse. Auch der Staat wird die Bau⸗ tätigkeit mit allen Mitteln zu fördern suchen, jedem Ktreis soll ein Waggon Zement und das Holz zur Verfügung gestellt werden. In den Kreisen,, in denen der Zusammenschluß der Gemeinden bereits erfolgt ist, hat er segensreich gewirkt. Man hätte nun annehmen müssen, daß nach diesen Aufklärungen, die keinen Zweifel ließen, daß es sich hier um ein vom ideellen wie rein praktischen Standpunkt aus gemeinnütziges Werk handle, auch die Rechte, Deutschnationale, Bauernbündler und Deutschvolkspartei⸗ ler, die doch sonst immer die Notwendigkeit des Zurücktretens der parteipolitischen Interessen hinter dem Wohle der Gesamthest pre⸗ digen, ihren Widerstand aufgeben und für die Vorlage stimmen wlirde. Aber die nachfolgende geheime Abstimmung bewies, daß alle diese„nationalen“ Herrschaften ihre Sonderinteressen allen anderen Rücksichten voranstellen, daß also mit ihnen eine wirklich gemein⸗ nützige, dem Wohl aller Schichten und Glieder dienende Kulturpolitik nicht zu machen ist, denn die Rechte stimmte geschlossen mit„nein“, sodaß sich Stümmengleichheit ergab leinschließlich der Stimme des Vorsitzenden, das Mitglied Landgerichtsrat Schudt fehlte bis zuletzt), nämlich 15 gegen 15 Stimmen der Linken, sodaß schlie lich nur die, Stimme des Vorsitzenden, der natürlich mit„ja“ ftimmte, die An⸗ nahme der Vorlage ermöglichte. Die Kreisverwaltung hat also nur mit Unterstützung der ge⸗ samten Linken die Sicherung eines für die Allgemeinheit hochwich⸗ tigen Unternehmens durchseßen können, deshalb werden bei den nächsten Wahlen für die Selbstverwaltungskörper diese Herr⸗ schaften ihre Stimme für— die Rechte abgeben! — Der Provinzialtag der Propinz Oberhessen trat am Samstag vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Sie war nicht von langer Dauer. Es war auch nur die Wahl des Provinzial⸗Ausschusses vorzunehmen und außerdem ein Beschluß bezüglich einer Anleihe zu fassen. Provinzialdirektor Matthias führte den Vorsitz. Er verlas die eingegangenen Wahlvorschläge, nach dem Gesetz muß auch hier die Wahl nach dem Verhältnissystem erfolgen. Nur zwei Wahl⸗ vorschläge waren eingereicht, derjenige der Sozialdemokratischen und Demokratischen Partei und der des Bauernbundes und Deutschnatio⸗ nalen. Bei der Wahl erhielt letzterer 16 Stimmen, ersterer 14 Stim⸗ men. Auf jeden Wahlvorschlag entfallen demnach vier Mitglieder und vier Ersatzmänner. Danach sind gewählt: vom Wahlvorschlag des Vauernbundes usw.: 1. Hch. Brauer in Ober⸗Ofleiden, 2. Dr. von Helmolt in Nieder⸗Wöllstadt, 3. Otto Schneider, Landwirt in Utphe, 5 4. Ludw. Neuenhagen, Landgerichts rat in Gießen. Ersatzleute: 5 1. Karl Hesse, Landwirt in Otterbach, 2. C. Römheld, Nest ee iin 3. Paul Gisevius, essor in Gießen, 4. Friedrich Freitag, Fabrikant in Butzbach. grotosk⸗düstere, dem Zuschauer begreiflich zu machen, zugleich Empfindungen des Mitleides in Schwingung zu setzen, blieb dem Künstler bei der Erstaufführung versagt, Hans Frommann als Vorkmans Sohn Erhard und Kitty Franke als dessen Ge⸗ liebte Fanny Wilton boten einheitlich gegossene und durchgeführte Gestalten, nur fiel dem Verichterstatter alsbald eine Eigenheit beider Darsleller— namentlich des weiblichen— auf die auch in den Wandelgängen während der Pause erörtert wurde: starke Anklänge an Tonfall und Aussprache des Deutschen durch Rüssen, die unsere Sprache zwar restlos beherrschen, den Mutterlaut aber nicht verbergen können. 1 Karl Vol ck und glse Engel boten in den anspruchslosen Rollen des Hilfsschreibers Wilhelm Foldal und seiner ochter Frieba richtig aufgefaßte tadelsfrei gespielte und wirkungsvolle Gestalten. Erwäßnen wir noch das nur wenig Worte sprechende „Stubenmädcken bei Frau Borkman“(Gisa Iven), das sich dezent der Handlung anpaßte so wäre nur noch der Spielleitung zu gedenken. die so ganz im Gegensatz, zu allem was uns schon an hervorragender Ausstattung und Inszenjerung geboten wurde, leider etwas enttäuschte. 8 Inwieweit die Spfelleitung für die Rollenbesetzung verant- wortlich ist, entzieht sich unfecer Kenntnis. Dex äußere Rahmen kanm wirkungsvoller gestaltet werden, auch die Zimmer müssen an, die Gespenster der Vergangenheit erinnern und die Dämonen des künftigen Schicksals ahnen lassen. Vorzüglich war das Bild des fahlen Winterwaldes im letzten Akt, duster⸗feierlich vom Mond- schein bewacht. Daß der Veleuchtungsapparat für den„Mond- schein“ und der ihn bodjenende Beamte fast in der Mitte der Bühne stand, nur kaum verdeckt war und zum mindesten die Er- scheinung einer Fee, wenn nicht gar der Frau Venus aus dem. Hörselberge selbst versprach ist ein Mißgeschick, das nur dei„Lieb⸗ haber“-Bühnen verzeihlich wäre. Wir sind füberzeugt, daß die angedeutete der Rollen und eine sorafältigere Regie uns das nachste Mal einen vollendeten„Ibsen“ bescheren wird Wollen und Lönnen unferer Künftler würden es verbürgen und— verdienen! Bt. Vectauschung Vom Wahlvorschlag der soziald. und demokr. Partei: 1. Bernhard Rechthien, Bürgermeister in Vilbel, 2. Dr. Aaron, Rechtsanwalt in Gießen, 3. Bruno Wittig, Beigeordneter in Butzbach, 4. Heinrich Langsdorf, Bankier in Friedberg. Ersatzleute: 8 er, Kanzleiassistent in Gießen, 2 Heinrich Kling, Beigeordneter in N i leihe von 40 Millionen Mark aufzunehmen gedenke. Diese Summe At die Versiche rungsanstalt für Angestellte in Berlin bereit, herzu⸗ geben, wenn die Provinz die Bürgscheft übernimmt. Redner erfucht den Provpinzialtag, dem Provinzial⸗Ausschuß die Ermächtigung dazu zu erteilen. Es sei notwendig, die Wasserkräfte möglichst zur Strom⸗ Erzeugung iszunutzen und diese dadurch auf erforderlicher Höhe zu halten. Gegen den Vorschlag des Vorsitzenden erhebt sich kein Wider⸗ spruch, somit ist die beantragte Ermüchtignng erteilt.— Die Sitzung — — Das Noigeld der Provinz Oberhessen sollte bis Ende dieses Monats eingezogen werben. Weil aber noch immer Mangel an Zah⸗ kungsmitteln herrscht, ist die diesbezügliche Bkanntmachung des Pro⸗ vinzialdirettors jedoch aufgehoben und die Umlaufzeit der Scheine bis auf weiteres verlängert worden. Ueber die Vernichtung der Sozialdemokratie bebattierten vorige Woche mehrere ehrenwerte Bürger in einer in der Nähe des Bahnhofes gelegenen Wirtschaft. Anscheinend waren es wie man uns mitteilt, Mitglieder des Kreistages, die vermutlich an dessan Sitzung teilgenommen hatten. Mit Entschiedenheit verkündete eimer der Herren das Programm:„Erst müssen alle die sozialdemo⸗ kratischen Einrichtungen beseitigt werden, dann ift auch die Idee vernichtet.“ So oder ähnlich drückte er sich aus. Der Mann ereiferte sich umsonst. Von sozialdemokratischen Einrichtungen ift erstens ein⸗ mal herzlich wenig vorhanden. Leider! Da giebts also nicht viel zu beseitigen. Mit Vernichtung von Ideen hats aber auch seine Haken, ganz besonders aber mit der sozialdemokratischen Idee. Zu diesem Zwecke sind schon viele Gewaltige ausgezogen und haben elend Schiff⸗ bruch gelitten. Wir erinnern die erwähnten Herren nur an Bismarck, der vom deutschen Bürgertum wie ein Götze angebetet, über außer⸗ gewöhnliche Machtmittel verfügte und doch kriegte er die Sozial⸗ emokratie nicht unter, die damals nur auf eine geringe Anzahl An⸗ hänger sich stützen konnte. Im Gegenteil, als das Sozialistengesetz mölf Jahre lang gewütet hatte, musterte die Sozialdemokratie 1,4 Millionen Stimmen— viermal so viel als zu Anfang des Schand⸗ gesetzes!— Also mit der Vernichtung ists nicht so leicht! Aber wir wollen den Herren zu Hilfe kommen, ihnen sagen, wie sie ihr Pro⸗ gramm durchführen können. Wenn sie nämlich dafür sorgen, daß alle ihre Klassengenossen ehrlich bestrebt sind, allen Eigennutz abzulegen, in allen Dingen das Interesse der Allgemeinheit über ihr eigenes stellen, kurz dazu mithelfen, daß alle Menschen ein menschenwürdiges Dasein führen, an allem, was die Erde an Kulturwerten bietet, An⸗ teil nehmen zu können, daß Gerechtigkeit, Friede, Freiheit waltet, die allgemeine Wohlfahrt Wirklichkett geworden ist— dann ist auch die Sozialdemokratie verschwunden. Aber begebt Euch rüstig an die Arbeit ihr Herren, wir helfen Euch sogar dabei! N— Bildungsvorträge. Kommenden Donnerstag spricht Lehrer Herm. Schmidt über„Das neue Schulgestz.“ Es ist für jeden wichtig, den Inhalt des Gesetzes kennen zu lernen, deshalb set auf den Vortrag hinge wiesen. — Die Stadtnerorbneten⸗Versammlung hält am Donnerstag eine Sitzung ab, die eine außerordentlich umfangreiche Tages⸗ ordnung aufweist. — Professor Wilhelm Konrad Röntgen f. Ende voriger Woche starb in Mlinchen der berühmte Entdecker der nach ihm genannten Röntgenstrahlen oder X Strahlen, wie er sie zuerst benannt haben wollte, die sich in der Folgezeit als ein Hilfsmittel allerersten Ranges in der modernen Medizin erwiesen und den Namen des Ent⸗ deckers auf dem ganzen Erdball bekannt machten. Röntgen kehrte be⸗ kanmtlich ein Jahrzehnt lang, von 1879—1889, an der Univerfität Gi eß en als Professor der Phyftk und Direktor des Physikalischen Instituts. Die Entdeckung der neuen Strahlen gelang ihm 1895, als er bereits in Würzburg wirkte. Der Gelehrte hat ein Alter von 78 Jahren erreicht. — Vorträge über Unfall, Unfallverhütung und ⸗Entschädigung. Ueber den 10., im Lichtspielhaus der Bahnhofstraße gehaltenen Vor⸗ trag wurde schon in Nr. 32 unseres Blattes berichtet. Der 11. Vor⸗ trag beschäfligte sich mit der Unfallverhütung beim Gebrauche von EEE ˙². Nur echt mit dem Namen MadGGl auf der Leitern sowie bel Transporten. Lichtbilder veranschaulichen die Vor⸗ richtungen, die an Hebezeugen der verschiedensten Art: Kränen, Faß⸗ elevatoren, Fahrstühlen, Bremsbahnen, Schrägaufzügen, Luftseil⸗ bahnen sowie beim Transport von Kippwagen zwecks Vorbeugung von Unfällen anzubringen sind. An Dampfkesseln wurden die Sicher⸗ heitsvorschriften erläutert, durch die Explosionen vermieden werden. Auch führte der Vortragende einen Versuch über das Leistenfrostsche Phänomen aus, das in Dampfkesseln bei zu niedrigem Wasserstand durch Ueberhitzung der Kesselwände während des unvorsichtigen Nachfüllens der Kesselspeise Explostonen hervorrufen kann.— Nächster Vortrag: Dienstag, den 13. Febr. abends 8 Uhr im großen Hörsaal der Universität. Die mit dem 11. Vortrag ver⸗ bunden gewesene Ausstellung wicd nochmals wiederholt. — Aus dem Stadttheater wird mitgeteilt: Heute, am Fastnachts⸗ dienstag, findet eine Aufführung des Kindermärchens„Die drei Haulemännerchen statt, auf die besonders hingewiesen wird, da es zum ersten Male ist, daß an diesem Tage eine Kindervorstellung stattfindet.— Während am kommenden Donnerstag Abend vom Stadttheater und seinen Mitgliedern eine besondere Aufführung des Wilhelm Tell zugunsten der Ruhrhilfe stattfindet, die ja schon des Zweckes wegen mit Sicherheit auf ein volles Haus rechnen darf, wird am Samstag, den 17. Febr., nachmittags auf vielseitiges Verlangen nochmals eine Schüler⸗ und Volks vorstellung dieses Werkes gegeben werden, die unbedingt die letzte Aufführung in dieser Spielzeit ist. — Erplosion im Ofen. Als am Samstag früh der Schuhmacher⸗ meister Glitsch am Lindenplatz im Begriff war, seinen Ofen im Laden anzuheizen, erfolgte plötzlich ein heftiger Knall, durch den G. nicht wenig erschreckt wurde. Vermutlich haben sich erplosive Stoffe in den Kohlen befunden. Glitsch wurde erheblich verletzt, Daumen und Zeigefinger der linken Hand wurden abgerissen und andere Finger verletzt. Dem Verletzten wurde auf der Sanitätswache der erste Ver⸗ band angelegt. n. Lollar. Von unserem Wahlverein ist bei der Gemeinde Lollar der OWag auf Verteilung des diesjährigen Brenn⸗ holzes gestellt worden: es würde damit auch dem Aermsten wenigstens 1 Meter garantiert. Wie wir nun hören, wird jetzt schon vor der Gemeinderatssitzung zum Widerstand dagegen aufge⸗ reizt. Es ist den Genossen zu empfehlen, einmal die nächste Ge⸗ meinderatssitzung zu besuchen und anzuhören, was die Herren vor⸗ zubringen haben, die an hohen Holzpreisen interessiert sind. In dieser Hinsicht darf die Arbeiterschaft der Doppelfivma Geißler⸗ Hofmann einige Beachtung schenken; wenn's gegen die Arbeiter geht, hauen die immer in die gleiche Kerbe.— Auch in Mietsange⸗ legenheiten winken den Minderbemittelten von dieser Seite weitere Ueberraschungen. Sie beantragen eine Verdoppelung der jetzt zu zahlenden Mietsätze, die wohl vom 1. 1. 23 berechtigt sind, aber ah 1. 6. 22 vel zu hoch gegriffen waren. Nun noch eine Verdoppelung? Die Herren gehen aufs Ganze und sie können es sich leisten; denn dem Gros der Mitglieder des Mietervereins müssen wir in Punkto Solidarität unser herzliches Beileid aussprechen. Wenn man der Sache dienen will, so muß man eigene egoistische Ziele mal zurück⸗ stellen. Nehmt euch ein Beispiel an den organtsierten Vermietern und— scharwenzelt nicht!— Auch an dieser Stelle machen wir auf unsere Vortrags⸗ abende am Dienstag jeder Wache aufmerksam. Am vorigen Dienstag sprach Herr Lehrer Engel, dessen Ausführungen mit Re⸗ zitationen von Leonhard Frank ausklangen, welche einen guten Eindruck hinterlassen haben werden:„Es ist auch unsere Schuld.“ — Tiesen Denstag politischer Vortrag:„Die Be⸗ setzung des Ruhreviers“ mit Diskussion.— Kommt und helft mit, gestaltet das Parteileben interessant; fördert den Zusammenhalt! — Alten⸗Buseck. Die Diebstähle häufen sich in letzter Zeit auch in den Dörfern. Hier wurden in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche dem hiesigen Landwirt Peter Lepper 11 Hüh⸗ ner gestohlen, von dem Dieb fehlt bis dahin jede Spur.— Ferner wurde vor nicht allzulanger Zeit einer Kriegswitwe die Wäsche, die sie zum Trocknen im Garten aufgehängt hatte, gestohlen; auch in diesem Falle hat sich bisher keine Aufklärung gefunden. Möglichste Vorsicht ift also zu empfehlen, besonders aber ordentliches Ver⸗ schließen der Türen. Alnlere Bezieher werden gebeten, dea Bezugspreis für Monat Februar unseren Austrägern sofort zu übermitteln, damit die Austräger keine doppelten Wege zu machen brauchen. Alnlere Austräger werden gebeten, sofort zu kassieren und die einkasstierten Gelder gleich einzusenden, do infolge der schnellen Geldentwertung für den Verlag ganz erhebliche Verluste eintreten. Verlag der Oberhess. Volksztg. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung Eine Betriebsräte⸗Versammlung f Sonntag Vormittag im Geweerk⸗ für den Bezirk Gießen fand 1 halte einen zahlreichen handelt. Ungeachtet dessen müssen wir angesichts der gl„ gestellte Leute raebiet uns kucz 10 a ö ff 3 u diesem Einb führen, die zu den heutigen Differenzen und 7 Versallleg g baren Bedingungen derAnsicht. 8 5 werden N Man batte die Hoffnung. daß im Laufe der Jahre doch eine Verständigung unter milderen Bedingungen möglich ein werde. In zahlreichen Konserenzen redete pflichtungen Deutschlands die was die Geldentschädigung ee noch nicht endgültig sestaesetzt wurde. Frankreichs Finanzen ver⸗ schlechterten sich mit jedem Jahre mehr, weil man riesige Summen, die aus Deutschland kommen follten, als siche re Posten mit in die Staatseinnahmen eingestellt hatte. Frankreich beschuldigte Deutsch⸗ land der Verfehlungen und versucht sich nun mit Gewalt in Be⸗ sitz von Kohlen usw. au setzen. Wir sind stets für die Erfüllungs⸗ politik eingetreten gegen welche die Helfeuich und Konsorten un⸗ ablässig eiferten. Aber die heutige Regerung Cuno konnte bisher nichts besseres tun.— Nun empört sich ja jeder Rechtdenkender liber den Einbruch der Franzosen ins Ruhrgebiet und, das Wüten des Militarismus, der in allen Ländern von der gleichen Brutali⸗ tät ist. Trotzdem dürfen sich die Arbeiter nicht wationalistisch ein seisen lassen. In dieser Beziehung kann es keine„Einheitsfront“ mit der Kapitalistenklasfe geben. Diese hat in Deutschland jeder⸗ zeit alles gegen die Bestvebungen und Forderungen der Arbetter⸗ schaft getan. Unsere Pflicht ist selbstverständlich, die leidenden Ar⸗ beiter und Genossen im Ruhrgebiet zu unterstützen. Wir müssen in dieser Beziehung alles tun was nur möglich tst und nach den Beschlüssen unserer Organisationsleitungen handeln. Doch wie müssen die Augen offen halten damit nicht das Volk wieder wie 1914 nationalistisch und e aufgehetzt werde. Redner wies eindringlich auf die wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes hin, daß unter der durch die Ruhrbesetzung riesig gewachsenen Teuerung furchtbar leide. Immer meh Geldscheine müssen gedruckt werden— täglich für 125 Milliarden Mark!— wodurch das Geld noch mehr entwertet wird und die Teuerung steigt. Wir müssen alles tun und darauf hinarbeiten, daß es baldigst zur Verstän⸗ digung komme. Ferner gerechte Besteuerung der Besitzenden von des Staates verlangen. Von nationalistischem Rummel muß sich die Arbeiterschaft frei halten.— An das mit Beifall auf⸗ genommene Referat schloß sich eine Diskussion. in der Grttnig, Diez, Herber Hausmann. Ottilie, Müller, Seng und andere das Wort ergriffen. Nach einem Schlußwort Eges wurde folgende Resolution beschlossen: „Die Betriebs räteversammlung am 11. Februar bringt zum Ausdruck, daß sie gewillt ist. die in Not befindlichen Arbefts⸗ genossen im Ruhrgebiet mit allen Mitteln zu unterstützen. Sie lehnt jedoch ab, gemeinsam mit den Unternehmern die Unter⸗ 7 in Erkenntnis heraus daß die Unternehmer der ausgesprochene Feind der Arbeiterklasse ist. Die Versammlung verlangt, daß die ge⸗ sammelten Gelder unter der alleinigen Verwaltung schaft bleibt. Die Gelder sind an das Gewerkschaftskartell Gießen ei die unter der Kontrolle der Arbeiter Oberhessens Kleine Nachrichten. Höchst a. M., 10. Febr. Der neue Bürgermeister. Das 8 14 0 5 Blirgermeister 5 Asch zu öchst als Bürgermesster der ft ie Daue 12 Jahren bestätigt. Ae e e 9 Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: ca. 30 000 Mark. Geschäftliches. Teure Zeit! Fleisch, Gemüte, Kohlen, Gas; alles ist sehr teuer. Doppelt bewähren sich jetzt die beliebten Maggi's Erzeug⸗ nisse, die bei wesentlicher Ersparnis an Brennmaterial und teuren Zutaten eine gute, gesunde Küche sichern. Beim Einkauf achte man aber auf die Kennzeichen der Echtheit, den Namen„Maggi“ und die gelbrote Packung. MAEEI Faischbrüt- Wirte 4 Krofdorl. f ersparen Fleisch u. Fett Nur mit kochendem Wasser übergossen, geben sie feinste Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Sossen aller Art. Ersttlassige, führende 5 97 4 n— 6 einen gut eingeführten Für unsere Agentur Krofdorf suchen wir zum Megane Nablloche für nur 1600 am Bezirks Vertreter]. 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