Oberhe Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. u n Fedbaktion: Gießen Bahnbosstraße 23 Ferusprecher 2008. kitung Frpedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 1 Abonnementspreis mik den Beilagen, Das Blaft der Frau und„Land⸗ swirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 780.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 780.— k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 80.— Mk Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von 1 Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigen preis beträgt für die Millimeterzeile(Z mm breit) oder deren Raum lokal 7— Mt, auswärts 10.— Mt, die Reklamemillimet 30— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entspre N der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. — W Nr. 10 Gießen, Samstag, den 13. Januar 1923 13. Jahrgang Der Empörungsschrei An das deutsche Volk! Ein neuer Gewaltstreich ist auf Deutschland hernieder⸗ gegangen. Mit wohlberechneter Wucht trifft der Schlag der französischen Faust den unbeschützten Lebenspun kt der deutschen Wirtschaft, längst vorhergesehen und doch unerwartet. Vorhergesehen: denn die Pläne und Wünsche der Pariser Machtpolitik sind ohne Scheu auf Gassen und Märkten er⸗ örtert worden. Unerwartet: denn immer blieb die Hoffnung, daß die wirtschaftliche Vernunft des französischen Volkes die politische Begehrlichkeit seiner Machthaber zügeln würde. Hat wirklich der Glaube geherrscht, daß den französischen Nöten durch Zerstörung des deutschen Arbeitszentrums abzu⸗ helfen wäre, so muß die schwerste Entläuschung folgen. Gegen den Rat der Fachmänner aller Welt will Frankreich die Probe machen. Daß es bei dem Versuch scheitern muß, ist unsere Ueberzeugung. Doch uns fehlt die Macht, diese Tat der Verblendung, die sich gegen Deutschland wie gegen die gesamte Wirtschaft richtet, aus eigenen Kräften zu verhindern. Was ge⸗ schehen konnte, um das Unheil abzuwehren, haben wir versucht. Das hereingebrochene Unheil zu lindern und zu beenden, wird unser Denken und Trachten sein. Dabei leiten uns die Würde und das Recht der Nation, mit der wir uns eins fühlen auch in der Kraft des guten Gewissens. Alle Herzen erfüllt die ungeheure Bitterkeit dieser Stunde, wo über weitere Teile unseres Vaterlandes das Schicksal hereinbricht, die Leiden der Fremdherr⸗ schaft ertragen zu müssen. Vermehrte Not für unser sorgen⸗ bedrängtes Volk muß der Einbruch in die Hauptstätten Aunserer Arbeit im Gefolge haben. Umso dringender aber ergeht der Ruf an alle Volksgenossen: Erschwert nicht das Los der am härtesten betroffenen Landsleute. Erfüllet auf⸗ rechten Willens und klaren Kopfes die Forderung des Tages: Keine Handlung darf geschehen, die unsere ge⸗ rechte Sache schädigt. Schwerste Schuld am eigenen Volk würde auf sich laden, wer sich hinreißen ließe, durch eine unüberlegte Tat dem Gegner in die Hand zu arbeiten. Von eiserner Selbstbeherrschung jedes Einzelnen hängen Wohl und Wehe der Gefamtheit ab. Jetzt mehr als je, leuchte uns das Beispiel der Würde und der moralischen Kraft voran, das die Rheinlande in Jahren des Leidens gegeben haben. a Den treuen rheinisch⸗westfälischen Brüdern gilt heute vor allem anderen unser Gruß. Ihr werdet die eichenfeste Fähigkeit bewahren, die euer altes Erbteil ist, und ungebrochen werdet ihr diefen Wetterbraus überdauern, 5 die kein Sturm der Weltgeschichte jemals entwurzelt Ihr seid die Zeugen, wie Frieden und Recht von neuem gebrochen werden. Mit euch erheben wir Protest vor der Welt gegen den Bruch des Vertrages, gegen den schwereren Bruch des sittlichen Rechtes unseres Volkes auf Leben, Bestand und Selbstbestimmung. 10 Eine schwere Zeit hebt an, wohl schwerer noch als die Jahre, die ihr seit dem Krieg durchlebt. Wie lange die Prüfung dauern wird, vermag niemand zu sagen. Nur das wissen wir, daß die Not gesteigert und verlängert wird, wenn Volk und Staat ihr nicht in untrennbarer Einheit be⸗ gegnen. Aber das auch wissen und hoffen wir, daß festes Zusammenstehen des ganzen Volkes sie kürzen wird. Dazu wollen wir uns die Hände reichen und die Herzen stark machen. In Stadt und Land laßt uns den nächsten Sonntag unter all dem äußeren Druck der inneren Erhebung widmen und überall durch alle deutschen Gaue in Haus und Hütte unseres Vaterlandes gedenken, seines Leides und seines Rechtes! Berlin, den 11. Januar 1923. 5 Der Reichspräsident: Ebert. Die Reichsregierung: Dr. Cuno, Reichskanzler, Dr. Geßler, Reichsminister, Dr. Hermes, Reichsminister. Gröner, Reichsminister, Dr. Brauns, Reichsminister, Dr. Heinze, Reichsminister, Dr. v. Nosenberg, Reichs⸗ minister, Oeser, Reichsminister, Dr. Becker, Reichs minister, Stingl, Reichsminister, Albert, Neichsminister, Dr. Luther, 0 Reichsminister. 1 Gegen den Imperialismus! Für die Verständigung der Pölker! Genossen und Genossinnen! Der französische Imperialismus ist mit belgischen Hilfstruppen in das Ruhrgebiet eingedrungen. Er gibt vor, sich dadurch die im Versailler Diktat ihm zugesprochenen Reparationen sichern zu wollen. Die angeblichen deutschen Versehlungen geben der französischen Re⸗ gierung aber nach dem Vertrag nicht das geringste Recht zur An⸗ wendung dieser brutalen Methode der Gewalt. sondern nur das An⸗ recht auf Ersatz der Sachleistung durch Barzahlung. Die deutsche Sozialdemokratie ist seit dem Ende des Krieges stets dafür eingetreten, daß Deutschland zum Wiederaufbau der verwüste⸗ ten Gebiete Frankreichs und Belgiens Material bereitstellt und Zahlungen in den Grenzen seiner Fähigkeit leistet. Die Leistungs⸗ fähigkeit Deutschlands hängt aber ab von der Sicherheit seiner wirt⸗ schaftlichen Betätigung. Militaristische Gewalttaten müssen die wirt⸗ schaftliche Erholung Deutschlands hindern, seinen Kredit zerstören und damit die Grundlage zur Erlangung der notwendigen Anleihen be⸗ seitigen, die die Voraussetzung von wesentlichen Reparationszahlun⸗ gen find. Die Erweiterung des besetzten Gebietes ist unvereinbar mit dem Versailler Vertrag. Sie zeigt, daß auch vier Jahre nach dem Kriesende der franz sische Militarismus, gesolgt von belgischen Hilfstruppen, noch mit den Mit⸗ teln des Krieges arbeitet. Sie zeigt, daß trotz Völkerbund keine Be⸗ fried ung Europas erreicht ist. Die Erweiterung des besetzten Ge⸗ bietes erfordert eine Vermehrung der Ententetruppen. Sie hat zur Folge, daß dem militaristischen Moloch Goldmilljarde über Goldmilliarde geopfert wird, während der Aufbau der verwüsteten Gebiete, der mit diesen Millarden erfolgen könnte, sträflich vernachlässigt wird. Für die Bewohner des Ruhrgebiets bringt die französische Ge⸗ waltpolitik alle die Leiden, die die Bevölkerung des linksrheinischen Gebietes nun seit mehr als vier Jahren der Fremdͤherrschaft kennt. Wir sind überzeugt, daß insbesondere die Arbeiterschaft in dem neu⸗ besetzten Gebiet sich mit derselben Treue zur deutschen Republik bekennen wird, wie das die Arbeiterschaft links des Rheins seit Kriegsende getan hat. Unser Prolest gegen die Gewaltmethoden des französischen Mili⸗ tarismus wird in der Welt draußen umso eher Widerhall finden, wenn die deutsche Bevölkerung besonnen und sest für das Selbst⸗ bestimmungsrecht des deutschen Volkes eintritt. Aus diesem Grunde lehnt die Sozialdemokratische Partei es auch ab, mit Nationalisten, denen es, wie ihre Sprache beweist, nicht um Völkerverständiguag, sondern um Völkerverhetzung zu tun ist, gemeinsam zu demonstrieren. Die Sozialdemokratische Partei wird dies in eigenen Veranstal⸗ tungen tun. Wir rufen die Parteigenossinnen und Parteigenossen im ganzen Reiche auf, am kommenden Sonntag vormittag in Versammlungen gegen die neueste Verletzung des Völkerrechts, gegen jeglichen Im⸗ perialismus für die Befriedung Europas, für die Verständigung der Völker zu demonstrieren. Parteigenossinnen und Parteigenossen. Ihr habt die Pflicht, in diesen Versammlungen in Massen zu erscheinen. Die Verhandlungen der sozialistischen Internationale in Köln haben gezeigt, daß die Ar⸗ beiter auch in den Ländern der Entente gewillt sind, mit aller Kraft gegen die Besetzung des Ruhrgebiets zu protestieren. Je wuchtiger Euer Protest ist; desto mehr wird er diese Aktionen des internatio⸗ nalen Proletariats unterstitzen. Nur durch die Zusammenarbeit der Arbeiter der ganzen Welt wird es gelingen, einen wirklichen Friedenszustand in Europa herzu⸗ stellen und alle militaristischen Gewaltmethoden aus den Völker⸗ beziehungen auszuschalten. Deutsche Arbeiter, Beamte und Ange⸗ stellte, bekundet am Sonntag in den Versammlungen der Sozialdemo⸗ kratischen Partei Euren Willen zur Völkerverständigung und Euren Protest gegen die Erweiterung militaristischer Fremdherrschaft auf deutschem Boden! Berlin, den 11. Januar 1923. Der Vorstand der Verein. Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. eur lands. Der Protest der Gewerkschaften. Die freien Gewerkschaften Deutschlands erheben gegen die Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgi⸗ sche Truppen vor aller Welt den schärfsten Protest. Sie er blicken in dieser Maßnahme einen jeder rechtlichen Grund⸗ lage entbehrenden Gewaltakt und den Ausdruck schlimmster imperialistischer Gewaltpolitik, die von den organisierten deutschen Arbeitnehmern stets be⸗ kämpft worden ist, gleichviel von welcher Seite sie geũbt wurde. a. Die deutsche Wirtschaft erleidet von diefem Gewaltakf eine kastrophal wirkende Erschütterung, unter der in erster Linie die werktätige Bevölkerung Deutschlands zu leiden hat und von der in weiterer Folge die Arbeiter der ganzen Welt auf das schwerste betroffen werden. Die freien Gewerkschaften sind zu diesem Protest um so mehr berechtigt, als sie seit Beendigung des Krieges sich rũck · haltlos für die Wiedergutmachung und den Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Gebiete eingesetzt haben. Alle Angebote der deutschen Gewerkschaften für den Wiederaufbau konnten nicht zur Ausführung gelangen, weil die franz sische Regierung diese Versuche bisher verhindert hat. Die dent⸗ schen Gewerkschaften sind nach wie vor zu einer der Leistungz⸗ fähigkeit der deutschen Wirtschaft entsprechenden Wiedergut⸗ machung bereit. Sie sehen aber in diesem militãrischen Ge⸗ waltakt die Verhinderung, wenn nicht gar die dauernde Zer⸗ schlagung der wirtschaftlichen Voraussetzungen zur Erfüllung dieser Absicht. 5 Die französisch⸗belgische Einmarschnote verpflichtet die deutschen Gewerkschaften unter Androhung scharfer Strafen, allen wie immer gearteten Befehlen der Besatzungsbehörden widerspruchslos Folge zu leisten, sogar sie zu unterstützen. In den schlimmsten Tagen der Reaktion haben die herrschen⸗ den Gewalten an die Gewerkschaften derartig entwürdigende Zumutungen nicht zu stellen gewagt. g Die hier von den Besatzungsmächten aufgestellten Grundsätze widersprechen allen im Völkerbundsvertrag ent⸗ haltenen Sicherungen für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und der damit in untrennbarem Zusammenhang stehenden 5 Koalitionsfreiheit der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaften rufen die Arbeiter, Angestellten und Beamten auf, alles Trennende in ihren Reihen zurückzu⸗ stellen und den ihnen aufgezwungenen Kampf gegen den unersättlichen und kriegerischen Imperialismus geschlossen zu führen. Sie erwarten von der Regierung Maßnahmen, damit die bei der politischen Situation entstehenden wirtschaftlichen Folgen und Opfer nicht von den breiten Massen des Volkes allein oder vorwiegend getragen werden müssen. Sie halten es für selbstverständlich, daß die Verlegung des Kohlen · syndikats nicht zur Aufhebung der gemeinwirtschaftlichen Kohlenbewirtschaftung führt. Die freien Gewerkschaften Deuischlands rufen die Ar; beiter aller Länder auf, ihnen den a Kampf gegen die Verweigerung der fundamenkälsten Grundrechte der Arbeitnehmer und gegen ihre Verelendung nicht allein zu überlassen; denn ihr Kampf ist auch der Kampf der Arbeiterklasse der ganzen Welt. Berlin, den 11. Januar 1923. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Allgemeiner Freier Angestelltenbund(Afa-Bund). Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. — ä abgesehen, verhältnismäßig Die Trikolore über den dentschen Judustrieprolctariern.. Die Fremdherrschaft beginnt. Der Einmarsch in Essen. Der offizielle Vormarsch der französischen Truppen hat Donnerstag morgen 5 Uhr begonnen. In Essen wurden zunächst ringsum die Vororte Sterke⸗ träde, Steele, Bottrop und Kupferdreh besetzt. Um ½11 Uhr begann dann der Einmarsch in die innere Stadt mit Kavallerie und Tanks, denen eine französische Ingenieur⸗ kommission folgte. Die Geschäfte der Stadt waren geschlossen, die Sladtverordneten waren in ihrem Sitzungssaale ver⸗ sammelt. Der Einmarsch wurde auch in den ersten Nachmittags⸗ stunden weiter fortgesetzt. In weitem Bogen zieht sich ein „Truppengürtel um die Stadt. So sind u. a. die Orte Dins⸗ latfen und Vattenscheid besetzt. Da der letztere Ort, der nur wenige Kilometer von Bochum entfernt liegt, in die Aktion der Franzosen einbezogen worden ist, taucht auch der Ge— danke einer Ausdehnung der Besetzung auf Bochum wieder auf. Unmittelbar nach dem Einzug der ersten französischen Truppen in das Zentrum der Stadt Essen wurde das Tele⸗ graphen⸗ und Fernsprechamt von einer Truppenabteilung besetzt und der Fernsprechverkehr auf 20 Minuten gesperrt, dann aber wieder freigegeben. Wie diese Telegraphen⸗ und Postfreiheit aussieht, das geht daraus hervor, daß die deutschen Journalisten Postämter außerhalb Essens aufsuchen mußten, wenn sie Nachrichten nach Berlin aufgeben wollten. Anzahl von Fernsprechleitungen für seine Zwecke in Be⸗ schlag. Das Gebäude des Rheinisch⸗Westfälischen Kohlen⸗ syndikats wurde ebenfalls besetzt. Sowohl das Post-⸗ und das Telegraphenamt wie das Kohlensyndikat wurden mit starken Wachen versehen. Die Mitglieder der Essener Kuxen⸗ börse, die sich nachmittags zur gewohnten Stunde im Vörsen⸗ lokal versammelt hatten, beschlossen als Protestkundgebung agen die Besetzung Essens durch die Franzosen keine Börse abzuhalten. Die Truppen benehmen sich im allgemeinen ruhig. Der Straßenbahnverkehr ist nicht gesperrt. Die Bevölkerung be⸗ mmt sich, von kleineren Aeußerungen nervöser Erbitterung ö ruhig. Es ist erfreulich zu erfreulich zu sehen, wie sich die Bevölkerung zurückhält und keine Antwort gibt, wenn eine Patrouille sich nach dem Weg oder irgend einer Zeche erkundigt und von dem deutschen e dann einer den andern ansieht. Die Verkehrslage Ruhrgebiet ist noch vollkommen in Ordnung. Eine würdige Zurückweisung militaristischen Größenwahns. 9 Ueber die Verhandlungen, die der Oberbürgermeister mit franzöfischen Kommandierenden hatte, erfährt der Sogd. Pꝛessedienst aus Geprächen mit französischen Journal'sten fol⸗ gendes: Der General schickte einen Staatshauptmann zum ber⸗ ürgermeister, um ibm zu sagen, daß er den General or der Tür des Rathauses erwarten solle. Der Oberbürgermeister lehnte dieses Ansinnen ab und ließ dem General sagen, wenn er ihn zu sprechen wünsche, sei er bereit, ihn in seinem Amtszimmer zu empfangen. Schließlich begab sich der Kommandierende an der 0 itze einer feierlichen Eskorte von drei hohen französischen Offf⸗ gieren, 12 Staatsoffizieren, und endlich ebenso viel Subaltern⸗ Offizieren, denen sich der Schwarm der französischen Journalisten ee 5. Zimmer 1 Oberbürgermeisters. Als die Offi⸗ 9 re eingetreten waren, wurde die Tür rasch geschlossen- und die französtschen Presseleute blieben ausgesperrt. Der e fe ber ganze Verlauf der Verhandlung war rein formell und ausge⸗ Aicben eisig. Der franzüsische General eröffnete dem Ober⸗ e daß er im Auftrage seiner Regierung verschiebene N nahmen durchzuführen habe, nämlich die Besetzung der ein⸗ gelnen Gebäude. Wenn diese Maßnahmen durchgeführt seien, werde die Besetzung zum größten Teil wieder aus der Stadt ent⸗ fernt. Er hinterlasse einen Kommissar, der die Führung der wei⸗ teren Angelegenheiten übernehme. Im alten Essen werden 30 (Offiziere und etliche Jurdert Mann verbleiben, in Essen selbst ein General, 30 Offtziere und 300 Mann, der iibrige Teil in der Umgebung. Für diese Militärs wurde sosort die Vereitstellung n Quartieren verlangt. 703 Der Oberbürgermeister entgegnete, daß er sich nur dem mili⸗ stärischen Zwange füge und daß er gleichzeitig namens der Stadt Essen feierlichen Einspruch gegen diese Vergewaltigung der Stadt erhebe. Der General nahm diesen Protest zur Kennlnis und ver⸗ verschwand. Die Maßnahmen der Gewalthaber. Das Nuhrgebiet im Belagerungszustand. . Wie aus Essen gemeldet wird, hat dort General Degoutte einen Anschlag veröffentlicht, in dem es unter anderem eißt: Im Ruhrgebiet, wo zur Vollstreckung des einer Ingenieurmission anvertrauten Mandates französisch⸗ belgische Truppen einmarschiert sind, werden vom Kom— mandierenden General folgende Maßnahmen getroffen, um die Ruhe und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Ve— lagerungszustand ist über das ganze von den belgisch⸗fran⸗ 1 70 85 Truppen besetzte Gebiet verhängt. Die dortigen esetze, besonders die sozialen Gesetze, bleiben in Kraft. Nur haben sie die deutschen Behörden bleiben im Amte. den Befehlen der Besatzungsbehörde Folge zu leisten. Sie haben den Militärbehörden sofort von allen wichtigen Er⸗ eignissen unverzüglich Mitteilung zu machen. Jede Sach⸗ beschädigung wird strengstens bestraft. In dem Bestand der Polizei wird vorläufig keine Aenderung vorgenommen. Alle erben haben sich durch Pässe auszuweisen. Im Prinzip freier Verkehr Tag und Nacht. Der Eisenbahn⸗, Post. und elegraphenverkehr wird aufrechterhalten, von vorüber— gehenden Einschränkungen abgesehen. Jeder Versuch, die Ruhe zu stören oder die Sicherheit der Besatzungstruppen eu gefährden, wird strengstens bestraft. 5 Das französische Kommando nahm eine Das ganze Ruhrgebiet? Nach einer Meldung des Petit Parisien soll die Ueber⸗ siedelung des Kohlensyndikats von Essen nach Hamburg wahr ⸗ scheinlich zur Folg haben, daß nicht nur Essen, sondern das ganze Ruhrgebiet besetzt werde. Das Echo de Paris schreibt, daß durch dieseuebersiedlung die französischenSanktionspläne, wovon dieuleberwachung der ͤKohlenförderung im Ruhrgebiet die erste Etappe sei, schneller durchgeführt werde, als sie ge⸗ plant worden seien.— Abwarten! Richtig scheint zu sein, daß seit Donnerstag abend auch Ober hausen und Gel⸗ senkirchen besetzt sind. Der passive Widerstand. Der deutsche Ammoniakverkoufsverein, sowie der Benzolver⸗ band haben ihre Gebäude in Vochum geräumt und ihren Sitz nach Orten außerhalb des Ruhrgebietes verlegt. Fraunzösische Einladung an die Zechen. Das französische Oberkommando hat für Freitag die Leiter der industriellen Werke zu einer Besprechung nach Düsseldorf eingeladen. Es steht noch nicht fest, ob dieser Einladung Folge geleistet wird. Sollte es geschehen, so könnte es sich für die Zechen⸗ und Hüttenverwaltungen nur darum handeln, die Ausführungen des französischen Ober⸗ kommandierenden entgegenzunehmen, ohne von sich aus zu den etwaigen geäußerten Auffassungen und Wünschen in irgend einer Form Stellung zu nehmen. Die Lieferung der Reparationskohle eingestellt. Wie die Telunion erfährt, ist die Lieferung der Reparationskohle eingestellt worden Amtlich wird gemeldet: Vom Neichskohlenkommissar wird folgende Anweisung erlassen: Nachdem Frankreich und Belgien mit militärischer Macht in das bisher unbesetzte Gebiet einge⸗ drungen sind, ist Deutschland nicht mehr in der Lage, Reparations⸗ kohlen an diese Länder zu liefern. Das deutsche Reich leistet für Kohlen, die an diese Staaten flir Reparationszwecke geliefert oder von ihnen beschlagnahmt werden, keine Zahlung mehr, auch nicht für die Transportkosten solcher Kohlen uuf den Bahnen und Wasserwegen. Soweit die bisher für Reparationszwecke geliefer⸗ ten Kohlen für die Eisenbahnen geeignet sind, sind sie an die Etisenbahnen abzuführen. Elektrizttätskohlen an die Elektrizitätswerke und Hausbrandkohlen dem Hausbrand zuzuführen. Gas⸗, Elektrizitäts⸗ und Hausbrand⸗ kohlen sind in allererster Linie nach Sübdeutschland und in das besetzte Gebiet zu schicken, damit die eingelaufenen Abfuhrwege an⸗ nähernd in ihrem bisherigen Umfang ausgelastet werden. Die Reparationsleistungen an Frankreich eingestellt. Wie der Reichskanzler ankündigte, wird die deutsche Re⸗ gierung an diejenigen Ententeländer, die sich an dem ver⸗ tragswidrigen Gewaltakt im Ruhrgebiet beteiligen, Repa⸗ rationen nicht mehr leisten, da sie sich ihnen gegenüber in dieser Beziehung ebenfalls nicht mehr an den gebrochenen Vertrag gebunden fühlt. Welche Reparationsleistungen im übrigen für die Dauer der Nuhrbesetzung unterbleiben sollen und ob diese Maßnahme auch gegenüber Italien er⸗ griffen werden soll, unterliegt zurzeit noch der Erwägung. Der Protest des Neichsrats. In der Donnerstagssitzung des Reichsrats gab vor Eintritt in die Tagesordnung der Vertreter Preußens, Staatssekretär Gen. Göhre, folgende Erklärung ab, die die Versammlung stehend anhörte: „Der Reichsrat als verfassungsmäßige Vertretung der deut⸗ schen Länder erhebt in Ueberetnstimmung mit der Reichsregterung einmütig Protest gegen die von der französischen und belgischen Regierung durch die Besetzung eines Teiles des Ruhrgebietes an dem deutschen Volke unter Bruch des Vertragessvon Versailles be⸗ gangene Vergewaltigung. Der Reichsrat bezeugt vor der ganzen Welt, daß das deutsche Volk bemüht gewesen ist, die ihm auferleg⸗ ten nach dem Urteil erster wirtschaftlicher Autoritäten der Erde untragbaren Lasten bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit zu erfüllen und daß es dazu auch in Zukunft bereit gewesen wäre. Wenn nunmehr durch einen derartigen Ueberfall auf das wehr⸗ lose deutsche Volk die Wiedergutmachung unmöglich gemacht, der Frieden Guropas erneut gefährdet und das Zusammenleben der Nationen abermals vergiftet wird, so trägt die Schuld daran aus⸗ schließlich die Gewaltpolitik Frankreichs. Gegen eine Politik mit solchen unheilvollen Folgen rust der Reichsrat das Urteil der rechtlich Denkenden aller Länder an. Die bedrängten Volksgenossen am Rhein und Ruhr aber versichert er seiner tätigen Hilfe. Er ist gewiß, daß sie in Besonnenheit und Würde ausharren werden bis zum Tage der Befreiung.“ Ein Protest der Eisenbahner. Beixat und Vorstand des Deutschen Eisenbahner-Verbandes haben in einer Entschließung Protest eingelegt gegen den rechts- widrigen Einmarsch französischer und belgischer Truppen in deut⸗ sches Gebiet. In der Entschließung wird u. a. gesagt: „Der Beirat des Deutschen Eisenbahnerverbandes fordert die durch die Maßnahme der französischen Impexialisten besonders getroffenen Verbandsmitglieder auf, der Machtpolitik gegenüber ihre Ruhe zu bewahren. Als Wehrlose fügen wir uns der Ge⸗ walt, erwartend, daß der Protest, den alle Deutschen an das Ge⸗ wissen der Welt richten, den Unterbrückungen ein Ziel setzt. Die Vertreter aus dem bisher und neubesetzten Gebiet erklären, daß keine Maßnahme freinder Machthaber sie in ihrer Treue zum Deutschtum und zur deutschen Republik wankend machen kann.“ Vorzeitige Meldun en über einen Proteststreik Die Meldungen der bürgerlichen Presse über einen halb⸗ stündigen Protest-Generalstreik, der am Montag im ganzen Reich stattfinden soll, beruhen auf Kombinationen. Die Be⸗ ratungen der Gewerkschaften haben noch zu keinem Ergebnis geführt und werden am Freitag fortgesetzt. Das Vertraueusvotum für Poincaré. In der Donnerstag⸗Sitzung der französischen Kammer gab nach der Rede Poincarés füber die Ruhrbesetzung der Kammer⸗ präsident bekannt, daß drei Interpellationen vorliegen. die sich auf den Abbruch der Pariser Konferenz, die Vesetzung der Ruhr und die Verhaftung der ke unistischen Füheer beziehen. Poin⸗ caré erklärte namens der Regkerung, daß diese die Vertagung der Interpellationsdebatte auf den ersten Freitag im Monat Februar beantrage. U Gaslohlen sind an die Gasanstalten, 5—— 8 Die Verschlebüng an die die Regserung das Verkra votum n en dann von der Kammer mit 478 gege Stimmen angenommen. 0 5 9 5 S b Poincaré die gleiche Erklärung wie an 5 15 2—.— beschloß einstiumig den Mauer. d klärunge incarés. 5 1 35 905 ae Poincarés schresbt heute morgen d Vorwärts: 5 4 „Jetzt, wo die Tricolore in Essen flattert, ist er wieder bort Mae dem kein Millerand und kein karte mehr, en anhaben kann. So wird nach dem„Triumph des 9 15 und der Zivilisation“, der in Vexsailles besiegelt wurde, 12 51 9 ö Europas gekpielt. Das sind die Gesichtspunkte, die 1 r das Sch sal den Ausschlag gegeben haben. Jetzt hat Po Nan 9 seine Fünssechstel⸗Mehrheit in der Kammer des na 1 en Bor erneut erlangt und die Greise des Senats, über deren geistig Qualität man sich in normalen Zeiten in Frankreich 1 g lustig machen konnte, haben in jugendlichem Eifer sogar de schlag der Präsidentenrede beschlossen“ 7278 Die Deutschnationale Deutsche Tageszeitung 5 1 „Man tut Poincaré zu viel Ehre an, wenn man die 2 üge und Ausflüchte, mit denen er um seine 1 F de ernst nimmt. Es muß nur immer auf die wal iele Frankreichs hingewiesen werden, dann erledigen sich Lügen für jeden ernsthaften Menschen in kürzester Zeit von Die französische Kammer gibt sich wieder zu einer 11 Komödie her, was freilich nichts neues ist. Die Heuchelei carés hat ihren Gipfel erreicht, als er es gewagt hat, woe N „geheiligten Friedensvertrag“ zu sprechen, einen Vertrag, den e selbst soeben als einen Fetzen Papier behandelt hat. Dieser H i ür e Deutschen schlechterdings un⸗ punkt der Gemeinheit ist für einen dennen Beige rständlich, entspricht aber offenbar der ischen a bel Befall, der dem Minister⸗Präsidenten ge de.“ 80 England wartet ab. Das Kabinett beschloß, eine abwarten de Haltung beizubehalten, insbesondere die englischen Besatzungstruppen am Rhein nicht zurückzuziehen und auch in den verschiedene 5 Kommissionen vertreten zu bleiben; jedoch wird, wie ich die englische Regierung ihre Abneigung gegen die fra sischen Sanktionen dadurch zum Ausdruck bringen, daß innerhalb der englischen Okkupationszone keinerlei aus Sanktionen herrührende Maßnahmen ausführen läßt, i besondere sich an der Exekutive der Rheinlandkommission soweit nicht beteiligt. 1 Politische Uebersicht. Der Ueberfall auf das Memelland. Eine abgekartete Sache? f Der Gewalttat im Westen schließt sich würdig ein waltstreich im Osten an. An demselben Tage, an dem französischen Truppen in das Ruhrgebiet einfielen, ha 11 1 die Litauer das wehrlose Memelgebiet überfallen. S rücken aus drei Richtungen auf Memel selbst vor. Heydel ist bereits in ihrer Hand. Vor der deutschen Stadt T ö sind sie in unmittelbare Berührung mit deutschem Boden geraten. Die französischen Schutztruppen— das Memel⸗ gebiet steht heute ja unter einem französischen Protekt — haben sich angeblich vor der Stadt Memel einges 8 Widerstand haben sie bisher nicht geleistet. Dagegen ste hen Schifse für sie bereit. Das alles läßt darauf schließen, es sich um eine mit den Franzosen abgekartete Sache handell So sehr wir die litauische Gewalttat bedauern und ve urteilen, helfen können wir dem deutschen Memelgebi nicht. Es gehört nicht mehr zu Deutschland. Eine ne Frage erhebt drohend ihr Haupt: Ist die litauische 2 100 der Auftakt für weitere Vorfälle im Osten? Soll zu ein gegebenen Stunde sich dem Raubzug im Osten ein Angriß auf Ostpreußen angliedern? Die Propaganda Chauvinisten in Polen und Litauen arbeitet seit langer es darauf ankommt, nicht wählerisch. Jauntarrate bezahlen. 755 Nach einer Havas⸗Meldung wird in Kreisen der Lon, doner City erklärt, daß die deutsche Regierung der franzö⸗ sischen Regierung zur Kenntnis gebracht habe, daß sie den am zahlen werde. 2 Zurückberufung des amerikanischen Vertreters 2 Der Vertrag von Lausanne. 1 Der Friedensvertragsentwurf von Lausanne ist nun fertiggestellt und dürfte der türkischen Delegation in weni Tagen vorgelegt werden. In einem Begleikschreiben werden alle Konzessionen genannt, die den Türken gemacht wurden. Es wird festgestellt, daß in diesem Vertrag kein einz Artikel enthalten, zu dem sich die Alliierten nicht weitgeh äußern und ihre Ansicht vertreten konnten. 5 5 22 8 5 Die Türkei beruft weitere Jahresklassen ein. Aus Angora wird gemeldet, daß drei weitere Jahresklassen den Waffen einberufen worden sind. Es heißt in politischen Kre ö daß die Türkei diese Einberufung veranlaßt habe, um in Lausam die Durchführung des Natlonalpaktes unbedingt zu erzwingen. f Von englischer Quelle werden die alliierten Streitkräfte in Türkei einschließlich Tschanaks und Thraziens folgendermaßen gegeben: 8900 Engländer, 6000 Franzosen, 100 Italiener eine gewisse Menge Hilfstruppen. 7 8 Der deutsche Haushaltplan für 1923 Fast 1½ Billion! g Der Voranschlag für den Reichshaushaltsplan für Jahr 1923 wird schatzungsweise die Höhe von 14 Billione Mark erreichen. Der preuzische Haushaltsplan für 1925 5 jetzt dem preußischen Landtag zugegangen. Die Einnak merden auf rund 150 Milliarden veranschlagt, die dauer Ausgaben auf rund 150 Milliarden und die einmaliger 5 gaben auf rund 11 Milliarden, zusammen also 161 in dieser Richtung, und Poincars ist in seinen Mitteln, wenn * 5* 1 Deutschland wird auf den letzten Pfennig die 4 4 15. Januar fälligen Betrag bis auf den letzten Pfennig be⸗ aus der Repko? 12 Senator Reed schlug im Washingtoner Senat die N rückberufung des nicht offiziellen amerikanischen Vertrete der Reparationskommission vor. 3 —— —— rden Mark. Es ist somit ein Defizit von 11 Milliarden vorhanden. Der Haushaltsplan wird zunächst den Staats. rat beschaftigen.* Vergewaltigung durch den Bürgerblock. Die Berliner Stadtverordneten⸗Versammlung wählte mit 114 gegen 101 Stimmen zum Stadtverordneten⸗Vorsteher wiederum den bürgerlichen Kandidaten Dr. Caspari gegen unseren Gen. Dr. Weill. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Geschichts kalender. N 13. Januar. 1782 Erste Aufführung von Schillers„Räuber“ in Mannheim. 1811 Erstürmung Wittenbergs durch die Preußen. 1885 Polizeirat Rumpff in Frankfurt ermordet. 1905 Feierlicher Einzug der Japaner in Port Arthur. 1920 Blutiger Putsch vor dem Reichstage(42 tot, 105 verwundet), Verhängung des Belagerungszustandes. 14. Januar. 1521 Verhängung des Bannes über Luther. 1580 Lukas Cranach der Jüngere in Weimar gestorben. 1810 Hannover wird dem Königreich Westsalen einverleibt. 1858 Attentat Orsinis auf Napoleon III. N. 1874 Philipp Reis, Erfinder des Telephons, in Friedrichsdorf im Taunus gestorben. 1887 Der Reichstag wird infolge seiner ablehnenden Haltung in der Septennatfrage aufgelbst. An das hessische Volk! An das hessische Volk! Frankreich hat Teile des Ruhrgebiets unter Mißachtung des Friedensvertrages besetzt. 9 schwere Rechtsbruch hat die kiesste Empörung und Trauer der ganzen deutschen Bevölkerung ousgeläst. Weitere seindselige Maßnahmen sind zu erwarten. Heute heißt es, durch Ruhe und einmütige Entschlossenheit zu zeigen, daß unser Volk sich nicht willenlos der Willlür beugt und daß es an den endlichen Sieg des Rechts über das Unrecht, der heute nur mit der Kraft. die der guten Sache innewohnt, er⸗ sochten werden kaun, glaubt. 5 Die Gefühle, die uns, besonders auch in Hessen, dem Vor⸗ posten der deutschen Sache im West:e, besccun, sollen wie in den übrigen deutschen Ländern, nach außen dadurch ihren würdigen Ausdruck finden daß der kommen de Soa nt eg. der 14. Januuc. ats nalionaler Trauertag allgemein begangen wird. Za diesem Zwecke wird für das hessische Staatsgebiet solgendes verordnet: Alle staatlichen und kommunalen Dienstgebäude haben am ge⸗ nannten Tage in den Reichs⸗ und Landesfarben Halb ma st zu flaggen. Theateraufführungen, sowie Vorführungen von Lichtdildern und Lichtspielen haben zu unterbleiben, sofern nicht der ernste Charakter der Veranstaltung gewahrt ist. Verboten sind alle öffentlichen Tanzver ⸗ anstaltungen, Bälle und Lustbarkeiten. Die Ver⸗ längerung der Polizeistunde am genannten Tage ist unzulässig. Darmstadt, den 12. Januar 1923. Hessisches Gesamtministerium: Ulrich. von Breutano. Henrich. Raab. — Die Verhandlungen über die Regicrungsbildung. Der Staatspräsident hatte für Donnerstag den Wormser Oberbürgermeister Köhler telegraphisch zu einer Besprechung zwecks Uebernahme des Finanzministeriums zu sich gebeten. Oberbürgermeister Köhler gehört der Deutschen Volkspartei an. In diesem Zusammenhang steht eine für Freitag vor ⸗ mittag einberufene Sitzung der Deutschen Volkspartei. Da inzwischen der Staatspräsident zu einer Minister⸗ präsidentensitzung nach Berlin mußte, dürften die Verhand- lungen erst in der kommenden Woche zu Ende gehen. Die sozialdemokratische Fraktion wird von ihrem Besitzstande dabei nichts hergeben, wie das ja aus ihrer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung hervorgeht. Der Umfang des Stadtgebiets Gießen. Am Ende des vorigen Jahres betrug der Umfang der Gemarkung Gießen 3440 Hektar und knapp 94 Ar. Seit 1913 hat die Gesamtfläche um einige Ar zugenommen. Unsere Stadt ist in der günstigen Lage, über ziemlich um⸗ fangreiches Gelände zu verfügen und was in heutiger Zeit als ein besonders glücklicher Umstand anzusehen ist: daß die Stadt einen verhältnismäßig großen Waldbesitz hat, der ihr jetzt von großem Werte ist. Sie muß ihren Wald schützen und im Interesse ihrer Bewohner eine sorgfältige Pflege angedeihen lassen! Von den 3440 Hektaren der Gemarkung sind reichlich 1254 Waldungen, die sich fast ganz im Besitze der Stadt befinden. Ferner sind in der Gemarkung: 1095 Hektar Ackerfeld und Grabgäcten, 538 Hektar Wiesen, 190 Hektar Straßen, Anlagen usw., 186 Hektar Hofreiten. — Im Besitze der Stadt befinden sich im ganzen 1798 Hektar oder 52 Prozent der ganzen Gemarkungsfläche. Da; von nehmen die Waldungen den größten Teil ein, wie oben bereits bemerkt. Ferner besitzt die Stadt in runden Zahlen: 30 Hektar Hofreiten, 102 Hektar Ackerfeld und Grabgarten, 148 Hektar Wiesen, 16 Hektar Friedhöfe, 48 Hektar Exerzier⸗ plätze 160 Hektar Straßen, Anlagen, Plätze usw., 39 Hektar Flüsse und Bäche.— Dazu kommen noch in auswärtigen Gemarkungen und zwar in Annerod, Gr. Buseck, Rödgen, DQueckborn und Wieseck 118 Hektar städtischen Wald- und Wiesenbesitz. Ueber die Bevölkerungsbewegung in Gießen im vorigen Jahre erhalten wir folgende Mitteilungen. Geburten sind im ganzen 1035 zu verzeichnen, wovon 502 aut das Stadtgebiet, 372 auf die Frauenklinik und 161 auf die Schwesternhäuser entfallen. Von den Neugeborenen waren 515 Knaben und 520 Mädchen. 197 waren unehelich und von diesen waren die Mütter 60 Einheimische und 137 Ortsfremde.— Todesfälle weisen die Aufzeichnungen 727 nach, wovon 342 auf die Stadt und 385 auf die Klinik und die Pflegeanstalten entfallen. 353 von den Verstorbenen waren Ortsfremde. Unter den Todesfällen befinden sich 88 Totgeburten. Dit Wohnungsbauabgabe muß natürlich auch von dem Hausbesitzer bezahlt werden. Im Verhältnis zum Mietwert seiner Wohnung muß er zur Wohnungsbauabgabe herangegogen werden und es geht nicht an, etwa den Mietern allein die Abgabe aufzubürden.— Mieter, welche sich in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen befinden(Arbeits- unfähigkeit, zahlreiche Familie usw.) können beim Woh⸗ nungsamt Erlaß der Bauabgabe beantragen. — Versorgungsgerichte und Reichsversorgungsgericht. Durch weitere Ausführungsbestimmungen des Reichsarbeitsminfsters vom 30. Oktober 1922 ist tber die Zuziehung von Frauen, die in der soztalen Fürsorge erfahren und mit dem Versorgungswesen ver⸗ traut sind, als Beisitzer der Versorgungsgerichte und des Reichs⸗ versorgungsgerichts Besttemmung getroffen. In allen Hinter⸗ Ultebenenangelegenheiten dürfen Frauen mitwirken. Wie bei den Schösfengerichten dürfen jedoch bet den Versorgungsgerichten nicht beide Beisitzer Frauen sein. Der Relchsarbeitsmintster hat ferner angeordnet, daß in den Urteilen der Versorgungsgerichte nicht nur darauf hinzuweisen ist, der Rekurs an das Reichs⸗Versorgungs⸗ gericht sei zulässig, sondern auch angegeben werden muß, inner⸗ halb welcher Frist und bei welcher Stelle er einzulegen ist. — Beamte und Sozialdemokratie. Im Freien Beamten lesen wir:„Bei den sächsischen Landtagswahlen haben die Be⸗ amten wesentlich zum Siege der sozialistischen Parteien über die Reaktion beigetragen. Die Wut der Deutschnationalen hierüber kommt bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck. Schon erste Aussprache im neuen Landtage zeigte den deutschnationglen Redner wieder im alten beamtenfeindlichen Fahrwasser. Besonders den Ausspruch:„Wer im neuen Staat vorwärts kommen will, muß rot abgestempelt sein!“ wird sich die Beamtenschaft merken, denn hier wurde offen ausgesprochen, daß nach Ansicht der Rechts⸗ parteien jeder freiheitliche, sozialdemokratische Beamte ein Stellen⸗ jäger ist. Das ist zumal für die sozialistische Beamtenschaft eine Verdächtigung und Verleumdung, wie ste schlimmer nicht sein kann. Wenn schon die bisherige Kampfesweise der Deutschnatio⸗ nalen den unteren und mittleren Beamten zu der richtigen Er⸗ kenntnis bringen mußte, wie diese Partei über ihn denkt und was 12 mit ihm vorhat, so geben derartige Bekenntnisse auch den letzten deutschnationalen Gefühlen, die etwa ein Beamter noch haben könnte(was jedoch kaum zu erwarten ist!), den verdienten Todes⸗ stoß. Und auch die Art, wie jetzt noch deutschnationale Vorgesetzte mit sozialistischen Beamten verfahren, beleuchtet so recht, wie die Verhällnisse bei einem Sieg der Rechtsparteien geworden wären; daß dieser Sieg nicht kam, dafür ist Arbeiterschaft und Beamten⸗ schaft gleich bemüht gewesen und erfüllt jetzt beide mit größter Befriedigung. Man kann den Herren der Rechten nur raten, mit ihren Worten über die Beamten etwas vorsichtiger zu sein, wenn sie auch in dieser Hinsicht nichts mehr zu verderben haben. Denn der überwiegendste Teil der Beamtenschaft— man kann als Ein⸗ geweihter ruhig von 98 Prozent sprechen— stellt diesen Herren für ihr Verhalten die Quittung aus: Abgewirtschaftet und sür uns endgültig erledigt!“ Für die Beamten in Hessen dürfte das letztere nicht ganz zu⸗ treffen; hier läuft noch ein erheblicher Teil den rechtsstehenden Parteien nach. Sie, die Beamten nämlich, sollten daran denken, wie sie schon in der Vorkriegszeit von diesen Parteien behandelt worden sind. — Unfall. Unfallverhütung und Unfallentschädigung. Der 7. Vortrag beschästigte sich zunächst mit Zerreißungen, Zer⸗ schmeidungen und Verlagerungen von Sehnen als Folge von Un⸗ fällen. Dann wurden die Muskelverknöchemengen gezeigt. die durch Tragen schwerer Lasten entstanden. Uebergehend auf die Organe der Brust⸗ und Bauchhöble erläuterte der Vortragende Bau und Verrichtungen der Lungen und des Herzens und besprach ver⸗ schtedene Fälle, in denen sich nach Einwirkung stumpfer Gewalt auf den Brustkorb Blutspeien und Herzerweiterung einstellte. Nach einer Uebersicht über die Beschaffenheit der Bauchorgane gedachte der Vortragende solcher Unfälle, durch die Quoetschungen des Magens und der Leber Blutanschoppungen unter der Kapsel der letzteren, Gallenblasen verletzungen, Magenblutungen, sowie Zer⸗ reißungen der Leber⸗, Milz⸗ und Bauchspeicheldrüsensubstanz und Darmprisse hervorgerufen werden können. Zum Schluß wurde die Entstehung verschiedener Arten von Unterleibsbrüchen deren Er⸗ kennung und Behandlung vorgeführt. Nächster Vortrag: Diens⸗ tag den 16. Januar abends 8½ Uhr. im großen Hörsal der Universtität. — Zunahme der Feuerbestattungen. In unserer Notiz im Donnerstags⸗Blatte über die Zahl der Feuerbestattungen in Dresden ist ein Druckfehler enthalten. Seit Bestehen des Dresdener Krematoriums(1911) sind dort nicht 1000, sondern zehn⸗ tausend Einäscherungen ausgeführt worden. — Erhöhte Nähgarnpreise. Bei der vorübergehenden Steigerung ber Mark im Dezember hatten die Nähgarnfabrikanten einen kleinen Preisrückgang eintreten lassen. Wie jetzt bekannt wird, ist am 4. Jan. eine Preiserhöhung eingetreten und eine weitere am 8. Januar. Bei der jetzigen sprungweisen Steigerung des Dollars dürfte wohl die Preisbildungskommission ihre Tagungen überhaupt nicht mehr unterbrechen. Vorsicht beim Eintritt ins besetzte Gebiet! Die französische Paßkontrolle an der Grenze des besetzten Gebiets ist auch insofern erheblich verschärft worden, als auf den zwischen Frankfurt und Darmstadt gelegenen Bahnhöfen, einschließlich der von Neu⸗Isen⸗ burg und Vuchschlag, wieder kontrolliert wird. — Die Hausbesitzer und die Vermieter von Woh⸗ nungen werden in einer Bekanntmachung im heutigen Blatte wicgderholt aufgefordert, die Friedensmieten anzugeben. Wir machen auf die Bekanntmachung aufmerksam, die Strafe im Unterlassungsfalle androht. — Diebstähle. Dahier entwendet wurden 3 silberne Becher und ein Topf mit 25 eingelegten Eiern. Vor Ankauf der Becher wird gewarnt. Sachdlenliche Mitteilung nimmt die Kriminal⸗ abteilung entgegen.— Das Fahrrad welches in hiesiger Stadt gefunden wurde, rührt von einem Diebstahl her und konnte dem Eigentümer zugestellt werden. — Wursidiebstahl in Krofdorf. Von polizeilicher Seite wird mitgeteilt: In Krofdorf wurden einem Handwerksmeister ver⸗ schie dene Cervelat⸗ Blut⸗ Leber⸗ und Bratwürste entwendet. Es wird angenommen daß die Diebe die Würste in hiesiger Stadt zum Verkaufe aubleten Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdien⸗ liche Mitteilung nimmt die Kriminalabtellung entgegen. — Holzversteigerung der Stadt Gießen. Nächsten 15., und Freitag, 19. Januar, wird aus den Waldungen der Stadt Gießen Brennholz versteigert. Wir weisen auf die Be⸗ kanntmachung im gestrigen Blatte hin. Zusammenkunft am Montag an der Licherstraße, Waldeingang: am Freitag: Alter Schiffenberger Weg, 4. Schneise. — Der Gießener Konzertverein hält am Sonntag über 8 Tage, am 21. Januar, ein Konzert ab, mit Dr. Rosenthal und Frau aus Leipzig.— Für die Abonnementskonzerte werden Zu⸗ schläge erhoben. — Lollar Zur Beachtung für die Mitglieder der „Allgemeinen Kranken⸗ und Sterbekasse der Me⸗ tallarbeiter“(Hamburg.) Den zahlreichen Mitgliedern der Metallarbeiter⸗Krankenkasse in Lollar und Umgebung sei hier der Nachtrag zum Statut zur Kenntnis gebracht, welcher folgende Aenderungen aufweist: § 7 Absatz 1. Das Beitrittsgeld beträgt für alle Klassen 25 Mk., worin die Kosten fiir Mitgliedsbuch und Satzung eingeschlossen sind. Absatz 2. Für ein verlorenes Mitgliedsbuch sind 50 Mk. und für eine Satzung 10 Mk. zu entrichten. Absatz 4. Die wöchentlichen Beiträge richten sich nach der Höhe des Krankengeldes und betragen in der: 1. Klasse 80 Mk.; 2. Klasse 60 Mk.; 8. Klasse 30 Mk.; 4. Klasse 10 Mk.; 5. Klasse 5 Mk. 0 Absatz 11. Uebergangsbestimmung. Die Mitglieder, die bisher der 4. und 5. Klasse angehörten, treten ohne weiteres in die neue 5. Klasse über, während den Mitgliedern, die bisher der 2. und 3. Klasse an⸗ gehörten, freisteht, in die neue 4. oder 5. Klasse überzutreten. Im übrigen ist jedem Mitalied der Uebertritt in jede beliebige Klasse bis Montag, zum Ablauf von 3 Monaten vom Inkrafttreten diefer Satzung ahne Genehmigung des Vorstandes, auch im Kraukheitsfalle, gestattet. 8 9 Absatz 3. Das Krankengeld beträgt in der 1. Klasse pro Tag 360.— Mk., pro Woche 2160. Mk. 2. Klasse pro Tag 270.— Mk., pro Woche 1620 Mk. 1 Klasse pro Tag 135.— Mk., pro Woche 810 Mk. . Klasse pro Tag 453.— Mk., pro Woche 270 Mk. 5. Klasse pro Tag 22.50 Mk., pro Woche 135 Mk. § 14 Absatz 2. Dasselbe beträgt nach einer Dauer der Mitglieb⸗ schaft von 1 Jahr 2 Jahren 5 Jahren 10 Jahren 15 ren 1. Klasse Mk.: 8 640 10 800 14 400 38085 27000 2. Klasse Mk.: 6480 8 100 10 800 13 5⁰⁰ 16 200 3. Klasse Mk.: 3 240 4050 5 400 6 750 8 100 4. Klasse Mk.: 1080 1350 1800 2250 2700 5. Klasse M.: 540 675 350 90⁰ 11²⁵ 1 n für die Sterbekasse sind folgende Aende rungen zu beachten. § 2. Absatz 7. Fitr ein verlorenes Mitgltebsbuch sind 28 Mk., flir eine Satzung 5 Mk. zu entrichten. § 5. Absatz 1. Das Beitrittsgeld beträgt 25 Mk., der Beitrag monatlich in Klasse 1: 40 Mk., Klasse 2: 25 Mk., Klasse 3: 10 Mk. Absatz 5. Uebergangsbestimmung. Bis zum 31. März 1923 ein⸗ . ist jedem Mitgliede der Uebertritt in eine höhere Klasse et. 8 6. Absatz 1. Stirbt ein Mitglied, so kann ein Sterbegeld ge⸗ währt werden, und zwar von Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 4800 Mk. 3 000 Mk. 1200 Mk. nach 26wöchiger Mitgließschaft 9600 Mk. 6 000 Mk. 2 400 Mk. nach 52wöchiger Mitgliedschaft 15 000 Mk. 9 400 Mk. 3 800 Mk. nach 78wöchiger Mitgl tebschaft Kreis Wetzlar. s. Gleiberg. Am vergangenen Sonntag fand bier im Lokale von Wirt Göbler eine öffentliche Volksversammlung statt, in der Genosse Otto aus Frankfurt über„Volkswirtschaft und politische Lage“ sprach. Seine etwa 1½stündigen Ausführungen wurden von der Versammlung beifällig aufgenommen mit Aus⸗ nahme einiger wenigen unserer Sache abseits stehenden Teil⸗ nehmern. Eine rege Diskussion knüpfte sich an die Ausführungen des Redners, sie wurde im 33 sachlich geführt, bis auf einige unwahre Behauptungen, di. r Kommunisten Haupt aus Gießen vorgebracht, von Otto aber im Schlußwort treffend zurückgewiesen wurden.— Zum Schluß wurde noch betont, daß die Arbeiter sich politisch regsamer zeigen müßten, vor allem sei es Pflicht eines jeden Arbeiters, sich politisch zu organssieren, zum mindesten aber die Parteipresse zu halten. Ersreulicherweise hatten wir auch bei dieser Versammlung einige Neu⸗Aufnahmen zu ver⸗ zeichnen; es ist zu hoffen, daß auch diejenigen bald ihren Eintritt anmelden, die unserer Sache noch fernstehen. 1 Von Nah und Fern. Frankfurt a. M., 10. Jan. Anders überlegt. In einem Nachbarort fand diefer Tage eine Hochzeit statt. Das Brautpaar trat die übliche Hochzeitsreise an. Aber schon nach wenigen Stunden traf die junge Frau wieder zu Dause bei der Mutter ein. Sie war in Frankfurt ihrem Gatten wieder ausgerückt, da es ihr bei ihm nicht mehr geftel.— Das läßt tief blicken. Frankfurt a. M., 10 Jan. Frankfurter Sgibuben chronik. Die drei jugendlichen Arbeiter Friedrich Mohrlock, Friedrich Martinz und Heinrich Leich verltbten in Frankfurt per⸗ schiedene Einbrüche und versuchten die Diebesbeute in burg an den Mann zu bringen. Dabei fielen sie der dortigen Polizei in die Hände die sie verhaftete.— Vor einigen Wochen wurde auf Schloß Adolfseck ein größerer Silberdiebstahl verübt Unter der Vorspiegelung daß ein reicher Amerikaner sich für die Silberwaren interessiere lockee man dem mutmaßlichen Täter tat⸗ sächlich gegen Ueberreichung eines falschen Schecks auf eine größere Bank die Silbersachen heraus und verhaftete ihn. als et an der Bank den Scheck einlösen wollte. Den Rest der gestohlenen Sachen fand man bei dem bier wohnenden Bierbrauer Ludwig Bartel⸗ mann.— Wegen Einbruchdiebstahl nahm die Kriminalpoligei die Arbeiter Leonhard Becher und Peter Koch fest. die in Würzburg für 500 000 Mark Kleidungsstücke gestohlen hatten. f Frankfurt a. M., 11. Jan. Ein Opfer seiner Gut- mütigkeit. Der 16jährige Sohn eines hiesigen Beamten machte auf dem Hauptbahnhof die Bekanntschaft eines jungen Mannes, der ihn zu einer Eisenbahnfahrt einlird. Die Neise ging nach Melsungen. Hier ließ sich der Fremde von dem Frankfurter für eine„Besorgung“ die Uhr, den Schirm, den Mantel und das gesamte Bargeld in Höhe von 5000 Mark geben und hieß ihn in einem Wirtshaus warten. Der Frankfurter mußte auch sehr lange warten. Der Fremde war verschwunden. Auf allgemeine Kosten mußte der junge Mann um eine Erfahrung reicher die Reise in die Heimat antreten. Frankfurt a. M., 11. Jan. Der neue Brotpreis. Die Bäckerinnung fordert wegen der sprunghaft steigenden Mehlpreise eine sofortige Erhöhung des Preises für Markenbrot von 250 Mark auf 490 Mark und für ein kleines Brötchen, das bishet 10 Mark koestete 20 Mark. Die Preise sollen bereits am nächsten Samstag in Kraft treten. Der Magistrat wird sich heute mit der Angelegen⸗ heit beschäftigen. Darmstadt, 11. Jan. Ein großer Menschenauf lau; bildeten sich heute adend auf der Rheinstraße. Dort hatte ein fahrender Muüsikant einem Herren gegenüber über die deurschen Frauen geschimpft, was sofort als Kriegserklärung aufgefaßt wurde. Sofort herbeieilenden älteren Herren ist es schließlich ge⸗ lungen, die Parteien zu zerstreuen und so eine wüste Szene zu verhindern. In der Sandgrube verschüttet. In einer Sandgrube an der Heidelbergerstraße in Darmstadt wurden am Mittwoch zwei Arbeiter von herabstürzenden Sandmassen begraben. Während sich der eine noch zu retten vermochte, gelang es nicht. den anderen, den 20 jährigen Wilhelm Vonderschmidt, sofort von den auf ihm liegenden Sandmassen zu befresen. Nack em dies geschehen, schaffte man den Verunglückten durch die alsbald an der Unglücks⸗ stelle erschienene Rettungswache nach dem Krankenhaus, wo leider nur der Tod konstatiert werden konnte. Babenhausen, 11. Januar. Unglaublich! Aus einem Nach⸗ barorte lieferte eine Frau Milch, die nach dem chemischen Gutachten beinahe 95 Prozent Wasser enthielt.— Einer derartigen Pantscherei gehört Zuchthausstrafe. Kurze Mitteilungen. Die Abfindung des bayerischen Königshauses. Nach ungefahr oͤrei Jahren sind die Verhandlungen zwischen dem früheren bayerischen Königshaus und der bayerischen Staatsreglerung üder die Abfindung des früheren Königshauses zum Woschluß gekommen und der Entwurf der Staatsregierung über das Abfindungsgesetz wird dieser Tage den Fraktionen zugehen. Ueber seinen Inhalt wird vorläufig, bis iich die einzelnen Fraktinren mit der Ausr⸗ legenheit kesaßt haben, Stihsschweigen beobachtet. Dex Süd. Zestungsdieust beuchlet jedoch, daß der Ent purf eine für den Staat wesesitlich git stigere, Regelung vorsteht, als sie das Rechts- gutachten des Abg. Dr. Beyerle(Bayer. Vp.], das die Grund⸗ lage der Verhandlungen bildete, vorgesehen hat. * 1 Parteinachrichten. Genosse Abgeordneter Waigand 7. Nach einer Meldung des Vorwärts aus Bremen it dort der soglaldemokratische Reichstagsabgeordnete Geuosse Ludwig Wai. gand gestorben. Sein Nachfolger im Reichstag wird der preußische Landtagsabgevord nete Bubert in Osnabrück sein. 2 — e.— 7 rr Gem ö Lokale Parteinachrichten. 6. Agitationsbezirk Gießen⸗Alsfeld⸗Lauterbach. An die Ortsvereine und Gemeindevertreter im Kreise Lauterbach! Am den 21 Jannar, nachmittags 1% Uhr, findet in Lauterbach im Lokale Zum Johannesberg“ eine Geemindevertreter⸗Konferenz unt folgender Tagesord statt: . der Gemeinden im Rahmen der n Gesetzgebung b) Tätigkeit. Rechte und Pflichten der Gemeindevertretung. Referent: Bürgermeister Wal z⸗ Lauterbach. ö An dieser Konferenz müssen alle von unserer Partei gewählten einde vertreter sowie auch die Vorsitzenden der Ortsvereine Vertrauensleute vertreten sein, weil noch wichtige interne 8 ragen besprochen werden sollen. a Die Gemeindedertreter⸗Kurse im Kreise Gießen ö Alsfeld nebmen wegen jetziger Verhinderung einiger ö ten Anfang Februar 222 Fortsetzung. An die Vorsitzenden und Kassterer der Ortsvereine! 0 Trotz wiederbolter Aufforderung in Anbetracht der rasenden ö und der fimanziellen Not der Partei, die Ab⸗ e ee bie spätestens zum 10. d. M. zur Erledigung zu bringen, ist eine Anzabl Ortsvereine bis hente noch mit der Ab⸗ . im Rückstande. Wir ersuchen deshalb dringend, die Abrechnung noch bis zum 18. Janmar vor der neuen Portoerhöhung zur Erledigung zu 6 Mit Parteigruß! J. A.: H. Häuser. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 10 400 Mk. Behördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Wir verweisen auf unsere Aufforderung vom 19. nber 1922, wonach alle Vermieter von Wohnungen flichtet sind, bis zum 19. Januar 1923 dem täͤdt. Wohnungsamt, Asterweg 25, anzuzeigen, was ihnen über die Höhe der Friedensmieten der Wohnungen nt ist. In den erstatteten Anzeigen haben die ausbesttzer in vielen Fällen unterlassen, den Friedens⸗ 1 der eigenen Wohnung anzugeben. Auch bei ie N der Jahresrechnung Ohne Hier West Sieicru U α desert Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Neuregelung der Löhne ffir die Holzfällerei im Freistaat Hessen. Am 8. Januar fand in Darmstadt zwischen dem Forstarbeits⸗ amt und den Arbeiterorganisationen Verhandlung statt, die nach⸗ stehendes Resultat ergab: Der Stundenlohn beträgt ab 8. Januar in Gruppe 1 365 Mk., in Gruppe 2 340 Mk. und in Gruppe 3 315 Mark. Die Stücklöhne sind in denselben Prozentsatz ab 8. Januar erhöht worden. Die Tabellen mit den errechneten Stücklohnzahlen für die einzelnen Sortimente werden noch in dieser Woche an die Zahlstellen versandt. Sie können am Sonntag bei den Hilfskas⸗ sierern des Deutschen Bauarbeiterverbandes käuflich erworben werden. Bezirksverband Deutscher Baugewerksbund Frkft a. M. — Sport Freie Turnerschaft Krofdorf. f 0 Werte Turngenossen! Sonntag, den 14. Januar 1923, vormittags 9 Uhr, findet in Krofdorf(Lokal Freund) unsere diesjährige 1. Gruppenturnstunde statt. Turnplan wird dort bekanntgegeben. Vereine, die Keulen besttzen, bringen sich welche mit. Um auch in diesem Jahre ein gutes und einheitliches Arbeiten der Gruppe zu ermöglichen, erwarte ich, daß jeder Verein vertreten ist.— Nun frisch ans Werk im neuen Jahre! Mit freiem Turnergruß! Schleen becker, Gruppenturnwart. Versammlungskalender Gießen. Arbeiter⸗Gesangverein„Eintracht“. Sonntag, den 21. Januar 1923, abends 8 Uhr im Gewerkschafts⸗ haus ordentliche Generalversammlung. Saasen. Wahlverein. Samstag, 13. Januar, abends 8 Uhr. Versammlung bef Gastwirt Schepp am Bahnhof. Vorlage —— in alter bewãhrter Güte! geeignet für alle Arten von Wäsche. Alleiruce ersteller: NMaeNKET 2 61E., Duss siete, cuch ger] οονιαιοοιẽęen„H MKG ie nlers N οο,ẽqQu n r Sieh. klassigen Qualität sich stets gleich bleibt und unübertroffen dasteht. Alten⸗Busecl. Turnverekn. Sonnkag. den 14. Janna nachmittags 3 Uhr. Generalversammlung bei Philipp Einhäuser⸗ Treis a.. Volks verein. Samstag. 13. Januar, abends 8 Uhr: Generalversammlung. * 2. 6 Sonstiges. er ossen ist sehr erforderlich.. Staufenberg. Freie Turnerschaft. Samstag. 18. Januar, 8 5 8 Uhr Mitgliederversammlung. Zahl⸗ reiches Erscheinen erwünscht 5 Lollar. Verein. Sozialdem. Wahlverein. den 16. Januar, abends 8 Uhr, in der alten Schule, findet die Mit⸗ glieder⸗Versammlung statt. Tagesorbming wird in der Verfammlung bekanntgegeben. Alles ersche inen! Arbeiter⸗Sängerbund Rhein⸗ und Maingau. Bezirkswertungssingen 1923. In der gemeinschaftlichen Sitzung mit dem erweiterten Vor⸗ stand des Arbeiter⸗Sängerbundes Rhein⸗ und Maingau, 2. Bez. wurde beschlossen, das Bezirkswertungssingen 14 Tagen. Pfingsten am 3. Juni 1923 abzuhalten. Die Vereine innerhalb des 2. Bezirks werden hiermit darauf angewiesen, ihre lokalen Festlichkeiten dementsprechend einzurichten. J. Hillgärt ner. Geschäftliches. e Zur Erhaltung der Schuhe! Ein ganzes Vermögen kostet etzt ein Paar neue Schuhe, weshalb man sich um so mehr des großen Wertes der Fußbekleidung bewußt wird und größtes Interolse daran hat, die Schuhe vor vorzeitiger Altersschwäche zu bewahren Um dieses zu erreichen, darf man deshalb nicht den ersten besten Schuhputz kaufen, sondern man muß reiflich überlegen, welche Schuhereme die zweckmäßigste ist. Nur solcher Schuhputz, der ge⸗ nügend Fett enthält und in die feinen Poren des Leders eindringt, garantiert die Haltbarkeit desselben und schützt vor dem Ein⸗ dringen von Wasser. Absolute Sicherheit bietet in Bezug auf Zu⸗ sammensetzung das weltbekannte„Nigrin“, welches in seiner erst⸗ Ntemcstswoss rde id Origin ˙ e οι * sen Wohnungen ist die Friedens miete einzutragen. drucke für die Anzeigen werden im Stadthaus, ergstr. 20(Aus kunftsstelle), Stadthaus Gartenstr. 2 Gümmer 9) und im Städt. Wohnungsamt, Asterweg 4 1) ausgegeben. Bei allen nach dem 19. 6 Anzeigen muß Strafantrag ge⸗ Gießen, den 11. Januar 1923. 1 Städt. Wohuungsamt. Bekanntmachung. Auf Beschluß der Stadtverordneten⸗Versammlung 21. Dezember 1922 und mit Genehmigung des sischen Ministeriums des Innern sind die Gebühren Verwiegungen auf den städtischen Lastwagen er⸗ ht worden. Die erhöhten Gebühren werden vom Januar 1923 erhoben und betragen 1 Mk. für einen entner Nettogewicht. Die Mindestgebühr für eine g betrügt 8 Mk Für Verwiegungen außerhalb er festgesezten Dienststunden ist die doppelte Wiege⸗ Verwendet zum Süßen von Kaffee, Kalao, Tee usw. Güßstoff? 8 1 Tablette gensigt für elne Tasse. Süßssoff ist gut, billig und belömmlich. Schachteln mit 100 200 u 300 Tabletten Liga zum Schutze der deutschen Kultur Dienstag, 16. Januar 1923, abends 8 Uhr im Café Leib Protest⸗Versammlung gegen die Greueltaten am Rhein. 7 Vortrag des bekannten Münchener Schriftstellers Heinrich Distler: Die schwarze Schmach Zur Deckung der Unkosten werden 30.— Mk. erhoben. Mitglieder frei. Jugendliche unter 16 Jahren haben keinen Zutritt.— Erhältlich in Rolonsalwaren, Drogennandsungen und Apolheken. g bühr zn bezahlen. Städt. Arbeitsamt Gießen ebigstraße 10 Telephon 2054 Kostenlose Arbeitsvermittlung und Berufsberatung für Geschlecht, u. a. auch für Kriegerwalsen und Kriegsbeschäbigtenkinder. es nnen eingestellt werben: (bei bieten Acbeitgeberes 1 Prodistonsreisender, 1 jüng. 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Fel Mahrstasfee e 80 5 Valuta dem Kaffee zu entsagen, ser Schicksal in bitt'ren Tagen teller: Fritz Blatt, Worms N b bel anwärtigen Arbeltgebern: 3 landwirtschaftliche Dienstmädchen, Dienstmädchen, Hausmädchen, Zimmermädchen, Alleinmädchen, eine Köchin, 1 Stütze. Es suchen Arbeit: 1 Büglerin, Kontoristinnen, 2 Flickerinnen, drei Verkäuferinnen, 1 Haushälterin, einige Lauffrauen, auch für Nachmittagsbeschäftigung, Mädchen für tags⸗ über, Fabrikarbeiterinnen, 1 Waschfran, 1 Kaffeeköchin. Die Berufsberatung und Arbeits⸗Vermitilung füt Musiker findet Dienstag, Donnerstag und Samstag von 10—12 Uhr statt. Nufes Ke in Milch, KHD, Suppen oder Semusen die bestgeel nete, lelcht verdauliche un nenrhette Krankenkost. Die letzte billige Ab Mont Arbeite Achtung! Einkaufsgelegenheit Massen⸗Perkauf Beste Arbeitsschuhe, dreifache Sohlen, Kleider, seldgr. u. Zivilmäntel, felsgr. Litevken und Anzüge, Winterjoppen, Drellanzäze, hosen, felögr. Hosen u. Schuhsohlen K. 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