u Absalr Ferusprether 2008. beschöftigt. deutschen Hedaktion: Gießen Bihubofstraße 23 Organ für die Interessen der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. des werktätigen Volles Expedition: Gießer Bahnhofftraße 23 Fernsprecher 2008 ie Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Dee Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 3300.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezog. 3300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mt Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von 9 Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum sokal 60.— Met, auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 800.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 1 5 Nr. 107 Gießen, Samstag, den 12. Mai 1923 18. Jahrgaug Die polttische Lage in Berlin. Die Haltung der englischen Regierung im Verlauf der letzten Wochen, insbesondere ihre jüngste Erklärung im (UHaterhaus, zeigen, daß man in London aus politischen and wirtschaftlichen Gründen eine Beendigung des Ruhr⸗ konflikts und eine endgültige Lösung des Reparations⸗ problems herbeisehnt. Aehnlich verhält sich auch das italienische Kabinett. Unseres Wissens haben beide Staaten zum mindesten in letzter Zeit nichts unterlassen, um ge⸗ meinsom auf die Regierungen ihrer Verbündeten im Sinne einer schnellen Verständigung einzuwirken. Schon in An⸗ betracht dessen kann kaum noch angezweifelt werden, daß die noch zu erwartenden Antworten aus London und Rom der Wilhelmstraße im Einverständnis mit Poincaré den guten Rat geben, ein erweitertes Angebot an die Gesamt⸗ entente zu richten und in diesem Vorschlage weniger die Räumungsfrage und die Angelegenheit der passiven Resistenz zu: behandeln, sondern die deutsche Leistungsfähig⸗ keit, unsern Zahlungswillen und die notwendigen Garantien hauptsächlich in den Vordergrund zu stellen. Die Art der Räumung des Ruhrgebietes, wie die Erörterung der Frage der passiven Resistenz, scheinen sowohl England wie Italien den notwendigen Verhandlungen überlassen zu wollen. Mit dem Wunsche, die Erörterung der Räumungsfrage und des Verzichts auf den passiven Widerstand Verhand⸗ lungen zu überlassen, könnten wir uns einverstanden er⸗ klären, und wir glauben, hier einer Auffassung mit dem übergroßen Teil der Ruhrbevölkerung zu sein. Die Frage aber ist, ob auch die gegenwärtige Regierung auf Grund ihrer Vergangenheit zu einem derartigen Einver⸗ ständnis sich bereit zeigen kann und ob sie insofern über⸗ haupt in der Lage ist, ein neues Angebot an die Entente zu machen, das diese beiden genannten Fragen im wesentlichen unbehandelt läßt und sich nur mit der Lösung des Repa⸗ kationsvroblems, vom deutschen Gesichtspunkt aus gesehen, Sowohl Cuno wie Rosenberg haben bis⸗ her nach innen und nach außen, ohne viel Mühe den starken Mann gesptelt und sich dadurch bei den Spießbürgern gewisse Sympathien erworben. Diese Sympathien zu behalten war bisher ihre eifrigste Sorge. Bei allen außenpolitischen Handlungen kommt diese Sorge zum Ausdruck. Sie bildet auch den Hauptanlaß da⸗ für, daß die letzte Note nicht vom rein außenpolitischen b aus verfaßt wurde, sondern unter dem Druck der innerpolitischen Verhältnisse zu⸗ stande kam. Will diese Regierung eine neue weitergehende Antroort an die Entente geben, dann wird sie unbedingt mit der bisherigen Talfik brechen müssen, dann muß sie sich darüber klar sein, daß sie auf die Freund⸗ schaft der Deutschnationalen verzichten muß. Der einzige Kummer dieser Partei ist, aus dem Elend des Volkes partei⸗ Regierungskrise? politische Erfolge zu erzielen und nach Möglichkeit den gegenwärtigen Konflikt bis zum Chaos auszudehnen. So⸗ bald die Herren Cuno und Rosenberg sich hierzu nicht mehr hergeben würden, sobald sie also den Versuch machen, durch ein weitgehendes, geschickt ausgearbeitetes Angebot, das jede Zweideutigkeit vermissen läßt, die Basis für Verhandlungen zu bilden, ist es mit der Freundschaft der Deutschnationalen aus. Diese Parteirichtung will keine Ver⸗ handlungen, und sie verwirft deshalb auch jedes positive Angebot, das den Entente⸗ mächten Zugeständnisse macht. Ihr Ziel ist die „Kapitulation der Franzosen“, obwohl sich jeder klardenkende Mensch schlüssig darüber sein muß, daß der„Kapitulation Frankreichs“ eine Niederlage des wirtschaftlich fast er⸗ drosselten Deutschlands voraufgehen muß. Wir befürchten dennoch, daß der ehemalige Geheimrat Cuno als Unter⸗ gebener des Herrn Helfferich, und ebenso der gegenwärtige Außenminister, nicht den Mut aufbringen werden, mit der Partei, die den Namen„deutschnational“ nur als Maske trägt zu brechen und und daß sich dann das bewahrheiten muß. was vorsichtig urteilende Politiker daß der Rücktritt dieser Regierung zur Notwendigkeit wird. Ohne Verzicht auf die deutschnationale Unterstützung gibt es keine Klärung der außenpolitischen Lage, wie sie von der ganzen Welt durch Deutschland erwartet wird— nur gegen diese Parteirichtung ist ein Ausweg aus dem schwierigen Konflikt der Gegenwart möglich. Ohne dringenden Anlaß wird die Sozialdemokratie nichts unternehmen, um eine Krise im gegenwärtigen Augenblick zu fördern. i g Sie wünscht, daß die Regierung, die seit November v. J. die Geschäfte des Deutschen Reiches führt, nach Möglich⸗ keit nicht nur die neue Antwort gibt, sondern auch die notwendigen Verhandlungen einleitet und zu Ende N führt. Ob das gegenwärtige Kabinett dazu imstande ist, oder durch Personenwechsel in einzelnen Ressorts dazu fähig ge⸗ macht werden kann, wird sich bald zeigen. Nach Ankunft der englischen Note beabsichtigt der Reichskanzler im Reichs⸗ tag eine Erklärung über die außenpolitischen Lage abzu⸗ geben. Schon hier dürfte der erste Beweis erbracht werden, ob seine Regierung die Fähigkeiten zur Fortsetzung der Diskussion besitzt, ob sie im Ernst bereit ist, neue positive Vorschläge an die Entente zu richten und in der Tat auch den Willen hat, hierfür die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Die Auffassung, daß diese Vorschläge die den Deutsch⸗ nationalen so verhaßte„Erfassung der Sachwerte“ enthalten müssen, ist inzwischen Gemeingut aller bürgerlichen Parteien des Reichstags geworden. 1 Verhaftung, Zwangsarbeit, Todesstrafe, Mord. Verhängung der Todesstrafse durch ein fran⸗ zösisches Kriegsgericht. Das französische Kriegsgericht verhandelte in seiner Sitzung am Dienstag und Mittwoch gegen den Kaufmann Schlageter⸗Berlin, den Kaufmann Sadowski⸗Essen, den Studenten der Medizin Bäcker, den Schlosser Werner⸗Pots⸗ dam, den Kaufmann Zimmermann, den Zeichner Bisping⸗ Essen und den Kaufmann Kuhlmann. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, im März und April im besetzten Ge⸗ biet zum Schaden der Besatzungstruppen Nachrichten ge⸗ sammelt, verbreitet und nach Berlin übermittelt zu haben. Ferner wurden sie beschuldigt, Anschläge gegen Bahn⸗ anlagen, Sprengungen und dergleichen verübt oder versucht zu haben. Ein weiterer Punkt der Anklage betraf die Er⸗ schießung des Kommunisten und französischen Spitzels Sinder, der angeblich von Sadowski erschossen sein soll. Die Angeklagten haben in der Verhandlung sämtliche ihnen zur Last gelegten Vergehen in Abrede gestellt. Das Kriegs⸗ gericht veruteilte Schlageter zum Tode, Sadowski zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, Bäcker zu 15 Jahren Zwangsarbeit, Werner zu 20 Jahren Zwangsarbeit, Bisping zu 5 Jahren Gefängnis, Kuhlmann zu 7 Jahren Gefäng⸗ nis und Zimmermann zu 10 Jahren Gesängnis. Gegen Sadowski wird außerdem noch wegen Erschießung des Kom⸗ munisten Sinder verhandelt werden. Landrat Zimmermann in Höchst seines Postens 8 enthoben. a Lanbrat Zimmermann in Höchst a. M. ist Mittwoch um 105 35 von den Franzoen seines Postens enthoben worden. Er wird in seiner Wohnung gefangen gehalten. Zimmermann gehört der sozialdemokratischen Partei an. Aus weifungen in Baden. Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Eisenbahnober⸗ inspektor Wirth, der Bruder des früheren Reichskanzlers Wirth, der in Appenweier seinen Wohnsitz hat, ist Mittwoch morgen von den Franzosen aus dem besetzten Gebie von Offenburg ausgewiesen wor⸗ den. Seine Familie muß bis zum nächsten Sonntag das besetzte Ge⸗ biet verlassen. Außerdem wurde noch ausgewiesen der christliche Ge⸗ werkschaftssekretär JTsenmeier. Ferner wurden mehrere Eisen⸗ bahnbeamte früh um 6 Uhr aus ihren Wohnungen geholt, festgenom⸗ men und aus dem besetzten Gebiet von Offenburg ausgewiesen. Ein neuer Mord in Dortmund. Beim Ueberschreiten der Emscherbrücke in Dortmund wurde der Zolldirektor Jeresch erschossen. Eine Zeugin des Vorgangs wurde festgenommen. Der Reichspräsident gegen das Schreckens⸗ urteil von Mainz. Der Reichspräsident hat an den Reichs verkehrsminister folgendes Schreiben gerichtet: „Französische Kriegsgerichte in Mainz haben, wie ich soeben er⸗ fahre, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit 17 Eisenbahnbeamte, Ge⸗ werkschaftsführer und Angestellte des deutschen Eisenbahnerverbandes nach einem summarischen Massenverfahren zu unerhört langen Ge⸗ fängnisstrafen verurteilt, weil sie ihre Untergebenen und Kollegen aufgefordert haben, den deutschen Gesetzen und ihrem Diensteide treu zu bleiben. Auch diese Schreckensurteile sind ein Schlag gegen Wahr⸗ heit und Gerechtigkeit. Dieser Akt wildesten Terrors wird überall Der fremde Militarismus Erbitterung und Verachtung hervorrufen. wird aber auch durch diese Gewaltakte seiner Werkzeuge der Kriegs⸗ gerichte. den Wiserstand der deutschen Eisenbahner nicht brechen, son⸗ voraussagen, dern die Reihen der Abwehrfront noch fester schließen. Ich bitte Sie, Herr Reichsminister, den betroffenen Beamten und Angestellten meine besondere Hochachtung für ihre vorbildliche Vaterlandstreue und ihre mannhafte Haltung auszusprechen.“ 0 Der Dank des Vaterlandes. Als die Sozialdemokratie im Verlauf dieser Woche den An⸗ trag stellte, den im neu- und altbesetzten Gebiet entlassenen Ar⸗ beitern das Recht auf Wiedereinstellung gesetzlich zu sichern, zeigten die bürgerlichen Parteien erneut, daß sie für die Notwendigkeiten der Gegenwart bitterwenig oder nur daun Verständnis haben, wenn es sich um Angehörige ihrer eigenen Schichten handelt. Statt dem Antrag zu folgen, wurde seine sofortige Verwirklichung gegen die Stimmen der Sozialdemokratie abgelehnt. Langsam wird über⸗ haupt der Eindruck allgemein, daß der„Dank“ für irgend eine Heldentat im Ruhrgebiet nur dann Anerkennung findet, wenn es sich um Leute handelt, deren Name— ob mit Recht oder Unrecht— einen Klang hat. Erst in diesen Tagen ist für diese Behauptung wieder ein krasser Beweis geliefert worden. Während in Werden gegen die Direktoren von Krupp und ein Betriebsratsmitglied verhandelt wurde, beging ein anderes französisches Kriegsgericht in Mainz an mehreren Vertretern der Eisenbahner ebenfalls Justizmord. Drei Monate schon schmachten diese Eisenbahner aus Pflichttreue gegenüber ihrem Vaterland hinter Schloß und Riegel; am Montag wurden sie zu insgesamt 79 Jahren Gefängnis verurteilt. Nicht ein Wort der Sympathie vernahm man bisher von der Reichsregierung, die es sich je⸗ doch nicht nehmen ließ, an Herrn Krupp gleich mehrere Kund⸗ gebungen auf telegraphischem Wege zu richten. Auch das halb⸗ amtliche Wolff-Burean hat es bis jetzt nicht für notwendig gehalten, den Justizmord in Mainz zur Kenntnis der Oeffentlichkeit zu bringen. Bei bestraften und mißhandelten bürgerlichen Ver⸗ tretern wird Name, Titel, Beruf, Wohnort, alles was das Herz begehrt, von dieser Instanz sorgsam angegeben, während die Ar⸗ beiter in der Regel nur als Massenobjekt behandelt werden. Mit Dank erkennen wir an, daß wenigstens der Reichspräsi⸗ dent auch der Mainzer Opfer gedacht hat. Wo aber bleibt der Reichskanzler, der sich außer einem Telegramm an Herrn Krupp eine amtliche Kundgebung gegen das Werdener Urteil leistete, die auf Grund ihrer Form im Interesse Deutschlands besser unter⸗ blieben wäre. Die Mainzer Eisenbahner, wie überhaupt alle Ar⸗ beiter, die unter dem Druck der Besatzung leiden, werden zweisel⸗ los auch ohne große Sympathiekundgebungen im Interesse der Allgemeinheit die ihnen auferzwungenen Opfer gern tragen. Aber dennoch ist es unerhört, die Opferbereitschaft der deutschen 12 beiterschaft totzuschweigen, wie es durch die Reichsregierung und durch deren Telegraphenbureau geschehen ist, während man bei Männern aus bürgerlicher Reihe kaum genug Worte zu finden weiß, um ihnen vor dem ganzen Volke Dank und Anerkennung zu⸗ teil werden zu Lassen. a Inzwischen hat die Reichsregierung an alle nicht an der Ruhr⸗ besetzung beteiligten Regierungen eine Note überreichen lassen, die gegen das Werdener Urteil portestiert. Wir haben Verständnis für die Motive, die dazu geführt haben, aber wir sind der Auf⸗ fassung, daß die Regierung sich nichts vergeben, im Gegenteil die Wirkung des Protestes perstärkt hätte, wenn sie gleichzeitig auch mit einem Wort auf den Justizmord in Mainz eingegangen wäre. Aber auch hier scheint ihr die Kennzeichnung des Justizmordes ge⸗ gen deutsche Arbeiter nicht der Mühe wert gewesen zu sein. 5 Politische Uebersicht. Bayerische Notverordnung zum Schutze der Republik. Die bayerische Regierung hat mit Wirkung vom 11. Mai auf Grund des§ 48 der Reichsverfassung eine Notverord⸗ nung erlassen, die den Behörden die rechtliche Möglichkeit geben soll, Mißbrauch des Versammlungswesens, Inan⸗ spruchnahme der Straße zu ordnungsgefährlichen Umzügen, dabei aber auch der in unerwarteter Weise überhand nehmen⸗ den Vergiftung der öffentlichen Meinung durch maßlose Entstellung und Verleumdung und endlich den schmachvollen landesverräterischen Umtrieben wirksam entgegenzutreten. Die Verordnung ist von einem Aufruf der bayerischen Re⸗ gierung an die Bevölkerung begleitet, der gewissermaßen zur Staatstreue auffordert. Vor allem wird in dieser Verord⸗ nung die Machtbefugnis in Bezug auf die Handhabung von Versammlungspolizei, der Plakat⸗ und Flugblätterzensur und die Zensur der periodischen Druckschriften gegeben. Der 8 1 sieht Zuchthausstrafen für alle diejenigen vor, die einer fremden Regierung im besetzten Gebiet Vorschub leisten. Der zweite Teil der Verordnung wendet sich gegen alle Selbstschutzorganisationen, Versammlungen, Aufzüge und dergleichen sind an die behördliche Erlaubnis geknüpft. Der§ 4, der sich mit der Vorzensur beschäftigt, kündigt allen denen, die der Verordnung zuwiderhandeln, schwere Strafen an. In S 5 wird die Verbreitung verleumderischer Be⸗ hauptungen gegen die Staatsregierung oder die Staats- einheit unter schwere Strafe gestellt. Die Verurteilung ist. dem Volksgericht übertragen. In dem Aufruf heißt es am Schluß: Die Erfahrungen des 1. Mai haben gezeigt, daß die Regierung solchen Aus- wüchsen der politischen Kampfesweise entgegentreken muß. Sie ist entschlossen, die erforderlichen Maßnahmen zur Wahrung der staatlichen Autorität und zum Schutze der öffentlichen Ordnung mit allen Mitteln durchzuführen. Bayern! Laßt euch nicht irre machen an der vaterlandischen Haltung eurer Regierung! Alle wahrhaft vaterländischen Kreise müssen sich vertrauensvoll um die ihrer nationalen Pflicht bewußte Regierung scharen und sie in der Abwehr 1 . wehrregiment Nr. 7 durch eidliche Zeugenaussagen der un⸗ aller Angriffe gegen die öffentliche Ordnung unterstützen. Der Aufruf trägt die Unterschrift des gesamten Staats- ministeriums. 75 0 Die nationale Pflicht haben wir bisher in einer Weise sich betätigen sehen, daß wir reichlich mißtrauisch sind und schon eher fürchten müssen, daß die Verordnung streng nach links, aber mit Nachsicht nach rechts angewandt wird. * Bayerische Staatsautorität. Seit Jahr und Tag wird das bayerische Innenministerium von der Münchener Polizeidirektion wöchentlich fast zwei Mal übergangen und betrogen. Das merkt Herr Schweyer. seines Zeichens Innen⸗ minister von Bayern(Kunststück!) nicht. Auch überblickt er in seiner bewundernswerten Blindheit für deutschvölkische Verbrechen das Treiben der Nationalsozialisten, aber dafür hat dieser Mann ein auf⸗ merksames Auge für alles Republikanische— alles das, was dem Schutze dieses Staates dienen könnte. Am Mittwoch beschäftigte sich der Haushaltsausschuß des Bayerischen Landtages mit der Verstaat⸗ lichung der Nürnberger Polizei, die der bayerischen Regierung gerade schon deshalb jetzt angebracht scheint um hier den Einfluß des re⸗ publikanischen Oberbürgermeisters Dr. Luppe auszuschalten. Auläß⸗ lich dieser Beratung erneuerte der bayerische Innenmninister seine Vorwürfe gegen Dr. Luppe und gab die Erklärung ab, daß eine Untersuchung gegen diesen Republikaner im Gange sei. Das„Ver⸗ brechen“, das Dr. Luppe in den Augen des Herrn Dr. Schweyer be⸗ gangen hat, war bekanntlich seine Fürsorge um den Schutz der bayeri⸗ schen„Republik“, die von verbrecherischen Elementen am 1. Mai be⸗ f war. Mit der zu erwartenden Amtsenthebung des Nürnberger Oberbürgermeisters dürfte die Angelegenheit nicht erledigt sein Vielleicht kommt jetzt die Zeit, wo das Problem Bayern seine end⸗ gültige Regelung findet! . Von der Reichswehr. Vor kurzer Zeit fand in Breslau ein Beleidigungs⸗ prozeß statt, in dem ein Hauptmann Fischer vom Reichs⸗ glaublichsten Verhetzung seiner Mannschaften gegen die Republik überführt wurde. Dieser wilhelminische Geistes⸗ held hat es fertig gebracht, vor seiner Kompagnie nicht nur die Reichsfahne als Judenfahne zu beschimpfen, sondern auch schlankweg zu erklären, daß die Reichswehr zu gegebener 1 Schweinebande von sozialdemokratischer Reichs⸗ egierung— worunter er die Regierung Wirth verstand— die Gurgel durchschneiden werde. Den Rathenaumord be⸗ zeichnete er als eine lächerliche Lappalie; von diesem Juden⸗ jungen solle man nicht so viel Aufhebens machen, da man genug von dieser üblen Sorte hätte. Es bedurfte erst dieses Prozesses, in dem der famose Reichswehrhauptmann natür⸗ lich als Kläger auftrat und der beklagte Redakteur wegen Beleidigung zu 2000 Mark Geldstrafe verurteilt wurde, bis endlich der Herr Reichswehrminister Kenntnis don der Hetze in dem Breslauer Truppenteil erhielt und dieser merwürdige Erzieher republikanischer Soldaten vom Dienst suspendiert wurde. 0 Ein königlicher Landrat für 1500 Mark. Den Deutschvölkischen ist erneut Unheil widerfahren. Einer l stolzesten Bannerträger, der berühmte„Königliche Landrat“ Hertzberg ist mit 1500 Mk. Geldstrafe, im Ersatzfalle mit 15 Tagen Haft, bestraft worden, weil er in Artikeln der Deutschen Zeitung und auch sonst öffentlich sich als„Königlicher Landrat“ be⸗ zeichnete, ohne gleichzeitig durch den sselbstverständlichen Zusatz a. D. bekanntzugeben, daß der neue Staat, gottlob, nicht die Ehre und das Vergnügen hat, Herrn Hertzberg unter seinen aktiven Landräten zu zählen. Es war höchste Zeit, daß hier der Staatsan⸗ walt eingriff. Denn das bisherige Verfahren des Herrn Hextzberg war eine Amtsanmaßung im übelsten Sinne. Das Gericht 8 machte Herrn Hertzberg klar, daß er sich wohl als Landrat von . Anrufung des Völkerbundes? Daß England an Deutschland eine besondere Note richten will und sich anscheinend darüber mit Italien ver⸗ ständigt zu einem von beiden Regierungen ausgehenden gleichen Vorgehen, ruft in Frankreich begreiflich Aufregung hervor. In Belgien, das sich ja zu sehr mit Frankreich ver⸗ bunden fühlte, herrscht deshalb nicht geringe Besorgnis, die nach dem Bekanntwerden der Debatte im englischen Unter⸗ haus nur noch begreiflicher wird. Dort hat nämlich Robert Cecil in seiner Rede die sofortige Intervention Englands vorgeschlagen durch Anrufung des Völkerbundes, unbe⸗ kümmert um Frankreichs Stellung hierzu. Seine Rede er⸗ regte die größte Aufmerksamkeit, da er in engen Beziehungen zur Regierung steht. Entscheidend für Cecil, Franf.t Ztg., seine bisherige und die Tatsache der separaten Pariser erl Regierung, welche auch tüm Zweifel erweckt, ob Poincaré über⸗ haupt auf die Regelung der schwebenden Fragen abzielt. Ent⸗ scheldend ist ferner, daß seine Amerikareise ihm gezeigt hat, daß die Amerikaner die Beilegung des Ruhrkonflikts wollen, und Europa des Beharrens in kriegerischer Politik be⸗ schuldigen. Cecil wiünscht auch, daß die gesamte Saarfra ge durch den Bund neu geregelt werde. Er fordert die Re⸗ gierung auf, zu erklären, ob sie die von ihm begehrte Aktivität er⸗ greifen werde. g 5 Die Debatte wurde durch einen von John Simon und Asquith geführten Angriff auf die Regierung eröffnet, wegen des als un⸗ so berichtet der Korrespondent der Reserve aufzugeben, ist der Inhalt Antwort an die Berliner Aus dem englischen Unterh daß die Note an Dentschland schon abgesandt ist. Kenwo heuerlich und ungesetzlich bezeichneten neuen Sgardekrets das Ge⸗ einem hof zu. ö fängnis für die Kritik am Völkerbund androht. Die Regierung sekretärs Hughes zurückzuführen sei. Baldwin antwortete, müsse alles tun, um die Aufhebung des Dekrets zu erreichen. Die ihm nicht bekannt.. 1 Form der gesamten Saarregierung wurde scharf getadel den Völkerbund schwer kompromittiere Der Bund müsse ein französisches Werkzeug zu sein. Auch Cecil stimmt 0 Kritik ein. 1 Das Zwischenspiel bildete ein ernster Appell nal wegen der Gefahr eines Krieges mit Rußland. Die ting gab sofort eine beruhigende Erklärung.. 1 1 Der frühere Minister Fisher griff Cecils Vorschlag wieh er au und betonte, auf Grund einer Reise nach Deutschland, daß d Berliner Regierung nach seiner Kenntnis trotz der Fo N Cunos dringend eine Regelung wünsche. Er verlangte klärung der Regierung, daß England keine Reviston der k Grenzen zugunsten Frankreichs gestatten werde. R Die englisse Autwortuote im Unte Das Mitglied Berteley hat den Premierminister im gefragt, ob der Minister jetzt sagen könne, ob dem Haus Antwort auf die deutsche Note rechtzeitig für die heutige De gestellt werden könne. Baldwin erwiderte: Nein, ich gl. ob die kürzliche Note der deutschen Regierung über die der Regierung der Vereinigten Staaten überreicht britische Regierung beabsichtige, Ansichten über diese N amerikanischen Regierung ebenso wie mit der italienischen euszutauschen. Baldwin erwiderte: Die Antwort auf den der Frage laute bejahend und Zuf den letzten Teil vernei Vereinigten Staaten hätten keinerlei Ansprüche an Deu Reparationen gestellt und es seien keinerlei Anzeichen wesen, daß sie zu Rate zu ziehen etwas anderes als eine Behinderung für sie sein könne. Wedgewood Ben fragte, sache sei, daß der deutsche Vorschlag, die Forderungen de einem Schiedsgerichtshof zu unterbreiten, auf eine Rede e e Königs Gnaden a. D. bezeichnen darf, daß l Bor: gehen eine bewußte Täuschung der Leser und die Anmaßung eines Amtes ist, das er nicht mehr bekleidet. Vielleicht sieht sich der Staatsanwalt in der gleichen Deutschen Zeitung auch einmal den nicht minder berühmten Oberfinanzrat Dr. Bang an, der, so viel wir wissen, sächsischer Oberfinanzrat a. D. ist, sich aber auch noch immer dreist und gottes fürchtig als im Amte befindlicher Königs⸗ vasall bezeichnet.. J 8 3 Zur Lösung der Wohnungsskage in Baden. Das Land Baden mit dem sozialdemokratischen Arbeits⸗ minister Dr. Engler ist auf dem besten Wege, sich auf dem Gebiete des Wohn ungswesens den Namen eines Musterländle wieder zu verdienen. In Baden wurden bereits im Vorjahre 7695 Wohnungen gegen 5351 im Jahre 1921 und nur 5114 im Jahre 1914 erbaut. Diese Ziffer ist in keinem anderen deutschen Lande er ⸗ reicht worden. Im Jahre 1922 wurde für 4500 Woh⸗ nungen ein Zuschuß gezahlt. Die rege Bautätigkeit in Baden ist unbedingt notwendig, denn in den 16 größten Gemeinden des Landes betrug Ende Dezember des vorigen Jahres die Zahl der Wohnungsuchenden 43 680. Für das ganze Land wurde ein Bedarf von 26 500 Wohnungen festgestellt. Baden ist deshalb mit der Wohn ungsbauabgabe weit über die vom Reich vorgeschriebenen Sätze hin ausgegangen. 5 Das Reichsmietegesetz schreibt vor, daß Land und Ge⸗ meinde je das 15fache der Friedensmiete erheben müssen. In Baden wird die Abgabe nach dem Steuerwert erhoben, wobei 7 Prozent vom Steuerwert gleich der ein⸗ aber jedes andere Vor⸗ ö vom 1. Januar vom Hundert des Gebäudesteuerwertes, Juni 1923 für den Monat 20 vom Hundert, vom 1. Juli 1623 bis 31. März 1924 für den Monat 80 vom Hundert. l somit für das Land und die Gemeinden zusammm 54 Prozent, das 77fache der Friedensmiet das 2, 6fache der Reichssatze erhoben. Bei Auswirh 5 Satzes von 30 Prozent pro Monat, wie er vom 1 i gilt, werden die Reichssätze um das 8, fache über und wird das 103 fache der Friedensmiete erhoben. Es entsteht natürlich auch die Frage: Kann, d g samheit, und kann das vor allem die Arbeiters Da ist von dem Haushalt eines verhältnismäßig ge lohnten Arbeiters mit einer entsprechenden i auszugehen. Die Berechnung ergibt, daß der Wo aufwand im Februar 1923, umgerechnet in Arbeits gegen 1914 auf ungefährt ein Fünfzehntel, gegen J. auf ein Drittel bezw. die Hälfte gesunken ist. Es muff möglich sein, die Kosten für die Wohnung in kommen einzukalkulieren; unsere Volkswirtschaft muß tragen. 1 Ohne den schönen Bauerfolg im letzten Jahre wäre nicht möglich gewesen, die Vorlage im Landtag bringen. Der Beweis war erbracht, def d. richtiger Gestaltung der Wohnungs be ab gabe gebaut werden kann. Damit ist auch ö — 94 Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Dreißigstes Kapitel. Marcelles Rettung. Mutter Gwenferns Hütte lag, wie wir bereits wissen, seits vom Dorfe, nahe am Strande, aber von der Buchtung einer Klippe geschützt; ebenso einige andere Fischerhäuschen, die vorläufig von der Ueberschwemmung verschont blieben. Die einzige Gefahr drohte ihnen von der Hochflut, die fast bis zu ihrer Türschwelle gestiegen war. Hinter Mutter Gwenferns Hütte führte ein schmaler Steg auf eine felsige Anhöhe. Hier stand die Witwe, von einigen Nachbarn, hauptsächlich jammernden Frauen und weinenden Kindern, umringt und blickte entsetzt auf das überschwemmte Dorf hinab, das bereits einem großen See glich. Die Leute sprachen angesichts der unabsehbaren Gefahr nur wenig, die Flut stürzte sich wie ein hungriger Tiger erbarmungslos auf ihr Opfer, um es zu vernichten. Die Frauen beteten laut und bekreuzigten sich in einem fort; von Zeit zu Zeit drang von der etwas höher stehenden Männergruppe ein Schreckensruf zu ihnen, wenn die rauschenden Wässer wieder ein Haus mit sich rissen. „Heilige Mutter Gottes! Jetzt ist das Haus des alten Plouét eingestürzt!“ i„Seht, seht. vorhin drang ein Licht aus der kleinen Bude, jetzt ist's stockfinster.“ „Sie schreien dort unten um Hilfe. armen Leuten!“ „Nun ist wieder ein Dach eingestürzt!“ N„Herr des Himmels, erbarme Dich unser! Der Tag des Gerichts scheint über uns hereingebrochen zu sein!“ „Die im Rücken des Dorfes sich erhebenden Anhöhen wimmelten von dunklen Gestalten, viele von ihnen trugen Lichter. Dank den abergläubischen Gebräuchen dieser den Verstorbenen geweihten Nacht, war es den meisten Dorf— bewoßhnern gelungen, wenigstens das nackte Leben zu retten. Viele freilich schienen dem Tode verfallen, denn an eine Rettung aus dem Dorfe war, ehe die Flut sich verlief, absolut nicht zu denken. „Die Flut steigt noch immer,“ bemerkte Mikel Grallon, der in der Männergruppe stand. Er war ziemlich gefaßt, denn sein stattliches Haus erhob sich auf einer kleinen An⸗, höhe, die der Macht des Wassers wohl standhalten würde. .„Sie wird noch mindestens eine Stunde steigen,“ gab ein anderer Fischer zurück. Gott helfe den austauschten, stieg von der Höhe eine Gestalt eilig herab, näherte sich der Gruppe und forschte nach Mikel Grallon, denn es war in der herrschenden Finsternis unmöglich, ein Gesicht deutlich zu erkennen. „Wer frägt nach Mikel Grallon? Hier bin ich!“ „Ich, Gildas Derval! Ach, Mikel, wir sind in Ver⸗ zweiflung! Die ganze Familie ist dert drüben auf dem ist unten im Hause, die heilige Mutter Gottes beschütze sie! Onkel Ewen ist ganz fasfungslos und wir anderen ver⸗ zweifelt. Könnte man sie nicht retten?“ „Das Mädchen ist in Gottes Hand, kein Mensch kann ihr helfen!“ rief ein alter Fischer. 5 Gildas stöhnte schmerzlich, denn er liebte Marcelle auf⸗ richtig. Mutter Gwenfern, die das Gespräch gehört hate tzäherte sich der Gruppe und fragte in ihrer barschen, strengen Weise:„Kann nichts zu ihrer Rettung getan werden? Sind keine Boote da? Kein beherzter Mann?“ „Boote! Man könnte ebenso versuchen, sich in einer Nußschale aufs stürmische Meer zu wagen, wie heute Nacht in einem Boot durch die reißende Flut zu dringen! Und dann haben wir auch keine Boote, sie sind alle dort unten, wo die Vergwasser sich mit der Hochflut mischen,“ erklärte Mikel. 5 „Mein Gott, daß ich vom Schlachtfelde zurückkommen mußte, um eine solche Nacht zu erleben! Ich war immer ein Pechvogel und werde es bis an mein Lebensende bleiben. Meine arme, arme Schwester! Als ich in den Krieg zog, schlang sie mir diese geweihte Münze um den Hals und sie hat mich vor dem Tode bewahrt. Ah, sie ist ein gutes, liebes Geschöpf und muß jetzt furchtbar zugrunde gehen! Ist nie⸗ mand da, der sich ihrer Not annehmen will?!“. „Marcelle Derval ist nicht die einzige, die der heutigen Nacht zum Opfer fallen wird! Gott sei gepriesen, daß ich weder Weib noch Kinder mehr habe, die eines so gräßlichen Todes sterben werden!“ bemerkte ein alter Fischer. Mutter Gwenfern sank auf die Knie, erhob die Arme flehend zum Himmel empor und betete laut für Marcelle. „Wer sagt, daß es keine Boote gibt?“ ertönte eine Stimme aus dem Dunkeln. f „Ich!“ entgegnete Mikel.„Aber wer spricht da?“ Er erfolgte keine Antwort; eine dunkle Gestalt bahnte sich jedoch einen Weg durch die Menge und lenkte die Schritte eilig zum Strande. Sofort riefen einige Stimmen laut:„Bist Du's, Rohan Gwenfern?“ und Rohan antwortete:„Ja! Wer Mut hat, folge mir!“ Während die Männer im Flüstertone ihre Meinungen Berge gerettet, nur meine Schwester Marcelle nicht! Sie. Augenblicks schien niemand über das plötzliche Erscheinen Geaͤchteten erstaunt und niemand außer Grallon dachte a nur einen Augenblick daran, Hand an ihn zu legen. Wie Ek, scheinung des verfolgten und verzweifelten Desertem i mit all den Schrecken der heutigen Nacht im Einklung z stehen. Stillschweigend folgten ihm einige der N Männer an den Strand. Die Flut war bis zur welle seines Häuschens gestiegen. Er blickte eine Weile finnend aufs Wasser, ehe er fragte:„Wo sind alle Flöße?!“ 3 „Flöße! Welches Floß könnte der Macht eine solchen Wassers widerstehen?“ rief Gildas. 1 In diesem Moment stieß Rohans Juß an ein fef heimsen des Tanges benutzt. Ein solches Fahrzeug ließ sich bei ruhigem Meer ganz ohne Gefahr für den Ruderer ver⸗ wenden; aber sich damit in die überschwemmte Dorsstaße wagen, dünkte den Fischern Wahnsinn. Während Ruhon d Floß untersuchte, brach der Mond aus einer dichte hervor und beleuchtete das unter Wasser stehende Dan! war ein furchtbarer Anblick; die schwarze, schumende brausende Flut raste durch die Straßen, die Hänser e fast alle bis zum Dach unter Wasser, Baumstämm Möbelstücke, ersoffenes Geflügel schwammen an! fläche und strebten dem offenen Meere zu. Wie man das Krachen eines einstürzenden Hauses. 1 „Schafft mir schnell eine Stange oder Rudet seren rief Rohan, sich an die Umstehenden wendend Manner liefen davon, um das Verlangte herbei obgleich sie nicht begreifen konnten, was Rohan „Mein Sohn! Mein Sohn, was hast Du vo Mutter Gwenfern seine Hand ergreifend. ö „Marcelle Derval vor dem Ertrinken zu retten“ „Du selbst wirst Deinen Tod dabei finden!“ 1 besorgte Mutter, die im Augenblick vergessen hatte, Sohn nichts zu verlieren habe und der Guilloti sei. Er lachte bitter auf, nahm Gildas ein Ru Hand und sprang auf das Floß das unter seine fast unter Wasser sank. „Komm' zurück! Laß ab von dem tollen flehte die Mutter aber Rohan glitt vom Sttan ruderte mit voller Kraft weiter. Die Männer bien schaudernd gegenseitig an und die Frauen fleht Segen auf das Rettungswerk herab. 0 „Für ihn ist's gleich, ob er so oder so stirbt!“ Mikel Grallon. ö 6 In dem großen Schrecken und der Feierlichkeit des (Fortsetzung folgt.) 1 schwarze Masse, die im Wasser schaukelte. Er bückte! und entdeckte, mehr durch Tasten als durch den Augensche eines jener kleinen, rohgezimmerten Flöße, die man Ein. 2 r 8 Fit 11 Alt . eg gg 5 — — 5 ndert. 8 i uad mieten luswirkrg vom 1. J ache übch erhoben. zann dal de iterschaf hy 81näßig e en Mie, der Wh u Arbeitleh gegen Jul st. Cs 1. ing in d schaft if n Jahre da Landtag cht, nung 0% ist auch 3 che Etshik rallon dh! zu legen. N Deserbent! im Ciflh ge der ble bis dur. ine Welb. e Flöße duct em Fuß al 10 r bild um sich nach Hause zu begeben und gina durch die Meuge neugierig zu sein. Da trat ein Herr mit den Worten auf ihn zu, Inach der Untermainbrücke zu weiter. das ist doch Dieb stahl oder Raub“, ö 1 ber beiden:„Na, dann war ihr eilage zur Oberhessischen Gießen, Samstag, den 12. Mai 1923. olkszeitung Nr. 107 V 5 Gießen und umgebung. Feier zum 75. Jahrestage des Zusammentritts der Natioualversammlung im Jaßre 1848 in Frankfurt. Zur Feier dieses Tages trifft die Stadt Frankfurt 5 große Vorbereitungen. Es werden dazu der Reichspräsident und zahlreiche geladene Gäste erscheinen. Nach dem Plane wird neben der Feier für die geladenen Gäste in der Pauls⸗ kirche auf dem Römerberg eine allgemeine Feier abgehalten werden. Diese Feier wird durch einen Bläserchor vom Turm der Nikolaikirche eingeleitet werden. Vorher haben bereits die einzelnen Vereine und Korporationen Aufstellung auf dem Platze genommen. Nach einem Chorgesang wird vom Balkon des Römers der Reichstagspräsident eine Ansprache halten. Gleichzeitig wird eine alte schwarzerot⸗ goldene Fahne gehißt werden. Nach der Ansprache ist wiederum ein Chorgesang vorgesehen und zum Schluß ein gemeinsamer Gesang des Liedes: Deutschland, Deutschland über alles. Während dieser Feier auf dem Römer soll, wenn es sich als notwendig herausstellt, auf dem Platz an der Paulskirche eine ähnlich geartete Feier abgehalten wer— den. In den Abendstunden ist ein Fackelzug vorgesehen. Im Volksbildungsheim wird am Abend der bekannte Historiter und ehemalige deutsch⸗österreichische Gesandte in Berlin, Ludo Hartmann, sprechen. Beleidigungsprozeß gegen die Ober“ ess. Volkszeitung Ueber die Verhandlung der Beleidigungsklage des Dr. Lenz gegen Vetters vor der Berufungsinstanz haben wir im gestrigen Blatte bereits kurz berichtet. Der Vertreter des Klägers brachte im allgemeinen dieselben Klagegründe vor wie vor dem Schöffengericht. Er fügte nur noch hinzu, daß aus den früheren Artikeln, die sich mit seinem Klienten beschäftigten, das Bestreben herauszulesen sei, diesen von seiner Stellung zu bringen. Weiter warf er sich zum Schützer des Schöffengerichts auf, dessen Ansehen durch eine Reihe Artikel in der Oberh. Volksztg. beeinträchtigt worden sei. Durch diese sei auch der Privatkläger wieder schwer beleidigt worden. Schließlich beantragte der klägerische Vertreter Verwerfung der Berufung.— Vom Verteidiger des Ange⸗ klagten Dr. Aaron wurde dargelegt, daß in den Artikeln Beleidigungen nicht enthalten seien; das in Bezug auf den Kläger gebrauchte Wort„diszipliniert“ sei im Laiensinne zu verstehen, außerdem wurde es vom Beklagten zurückgenom⸗ men. Uebrigens haben auch Akademiker(3. B. Professor Schian) dice Versetzung der Herren Direktor Schnell und Dr. Lenz als„Maßregelung“ angesehen. Weiter wandte ich Redner gegen das vom Schöffengericht ausgesprochene eit entgegenstellte. Wolle man in dem Wort wirklich eine eidigung erblicken, so sei auf eine viel mildere Strafe zu erkennen. Er beantrage in erster Linie Freisprechung.— Zum Schluß wandte sich der Angeklagte Vetters dagegen, doß R.⸗A. Fischer Vorstrafen von wer weiß wie viel Jahren als erschwerend anführen wolle. Im übrigen habe sich Fischer früher anders geäußert. In einem Beleidigungs⸗ prozeß eines antisemitischen Agitators, den Fischer auch ver⸗ treten habe, erklärte dieser auf seinen(Vetters) Hinweis, daß jener Agitator bekanntermaßen stets eine überaus un⸗ anständige Kampfesweise führe, als belanglos. Hier in diesem Falle will er alle möglichen früheren Artikel der Oberh. Volksztg. in Betracht gezogen wissen. Dieser Fall sei für sich allein zu beurteilen; mit den Verhältnissen an der Oberrealschule sich zu befassen, habe sein Blatt ein berech⸗ tigtes Interesse gehabt. Er ersuchte das Gericht um Frei⸗ sprechung.— Das Urteil wird am Dienstag, 15. Mai, 8 Uhr vormittags, verkündet. e dem er Urteile anderer Gerichte in der letzten — 4. 42 95— Antisemitische Nüpeleien. Eine an Zwischenfällen reiche Verhandlung, die jetzt gerade ür Gießen von einigem Juteresse ist, spielte sich vor der Frank⸗ furter Strafkammer ab. Auf der Anklagebank weilten der Londitoreibesitzer und Akademiker Emil Berlemann und der Student Walter Keil. Sie waren vom Schöffengericht zu je zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden und hatten Berufung eingelegt. In einer Septembernacht gegen zwölf Uhr hatten die Angeklagten und noch andere Akademiker in der Schweizerstraße ssich auf dort haltende Droschken gesetzt, um ohne Kutscher los⸗ zufahren. Die Kutscher wollten sich das mit Recht nicht gefallen lassen, es gab einen Wortstreit und es sammelten sich Leute an. Eim unbeteiligter im Nordend wohnender Prokurist am e ohn „Geben Sie Ihren Namen an, Sie sind hier Zeuge gewesen.“ „Wie komme sch dazu,“ erwiderte der Prokurist, der mit dem an⸗ getrunkenen Unbekannten nichts zu tun haben wollte und ging Der Herr, es war B. ging hiter ihm her und mit ihm ging nun Keil, der ingwischen hingu⸗ gekommen war.„Wollen Sie jetzt Ihren Namen sagen, spricht Keil.„Ich weiß nicht was Sie wollen,“ entgegnete der Prokurist, worauf jener schrie:„Das werden Sie merken.“ 9 5 Nun wurde dem Prokurssten der Stock abgenommen und als 2 um dessen Rlickgabe ersuchte erklärte B.:„Stehen Sie auf dem Boden der unbedingten Satfssakt on.“„Geben Sie den Stock, war die Antwort des 1 1 pöbelten von dem man nochmals fosortige Satisfaktion verlangte und ihm 1 1 Amen Handschlag auf die rechte Schläfe versetzte, der sehr derb wor. Als der Prokurist nun darauf bestand, daß sich die beiden Angeklagten aufs Revier mitbegaben, höhnte man ihn: „Da können Sie ja Anzeige machen. Wir bezahlen gerne tausend Mark Geldstrafe Die Hauptsache ist. daß der Jude eines in die Fresse bekommen hat. Gehen Sie doch nach Neu⸗ Jerusalem, da gehören Sie hin“ Es fiel dann später noch das ort Dreckjude und als man auf dem dreizehnten Revier anlangte, 1 schimpften die beiden Mlabemien 191 weite 15 der aner 0 ist d. d so; ja gar kein Jude, entgegnete ihm einer ben e i Nater einer oder ihr Großvater.“ den Stock wieder zu erhalten. Als einer Eutschuldigung bewogen Es gelang dem Prokucisten nun die beiden Angeklagten nicht zu fühlten, erstattete der Prokurist drei e Anzeige. Tage nach dem Vorfall gegen In der Strafkammerverhandlung erklärte B. auf Befragen des Vorsitzenden, warum er denn den Zeugen geschlagen habe:„Er hatte ein solches Ohrfeigengesicht daß ich mich nicht mehr halten konnte.“ Berlemann behauptete water, daß ihn der Pro⸗ kurist durch Ausdrücke wie besofsenes Schwein beleidigt habe, eine Bekundung, die B. bei seiner polizeilichen Vernehmung nicht machte. Der Prokurist bestritt. diese Acußerung getan zu haben, Keil erlaubte sich hier von der Anklagebank:„Unverschämtheit“ zu rufen, was dem Staatsanwalt Veranlassung gab, eine Ord⸗ nungsstrafe gegen K. wegen Ungebühr zu beantragen. Wie in der Verhandlung weiter erwähnt wurde, hatte Keil vor dem Schöffen⸗ gericht zu dent Vorsitzenden gesagt:,„Sie wissen ja. Juden sind Schäblinge am deutschen Vaterland“. Er soll dann noch gesagt haben, daß die Juden überall verhauen werden müßten. Diese letzten Worte will K. nicht gesagt haben, fügte aber hinzu:„Ich bekämpse sie auf andere Weise“. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Wüstner, be⸗ Haupsete, es werde hier Stimmung zu machen versucht. Ein öffentliches Interesse habe hier gar nicht vorgelegen, öffentliche Anklage zu erheben. Dem widersprach der Staatsanwalt, der das Verhalten des Angeklagten als feige charakterisierte. Milde sei nicht am Platze dio Berufung sei zu verwerfen. Das Gericht verurteilte Keil zunächst wegen Ungebühr vor Gericht zu einer Geldstrafe von 10000 Mark und verwarf die Be⸗ rufung der Angeklagten. Ein öffentliches Interesse habe hier wohl vorgelegen, wenn ein harmloser Passant nachts auf der Straße von zwei Leuten überfallen werde. Im flegelhafter und lümmelhafter Weise halben die Angeklagten geschimpst. Ihr Ver⸗ halten sei um so schlimmer, als sie behaupteten, den gebildeten tänden anzugehören. Als das Urteil verkündet war, vief Keil: „Sehr gut“ und lachte spöttisch. Der Staatsanwalt bezeichnete das Verhalten als unglaubliche Unverschämtheit. Keil habe sich lausbubenhaft benommen. Eine sofort zu vollstreckende dreitägige Haftstrafe sej am Platze. Das Gericht beschloß den An⸗ geklagten mit einem Taa Haft zu bestrafen und ließ ihn sogleich abführen. 5 — Amtstage des Kreisamts. Mit Rücksicht auf die großen Kosten, welche der Bevölkerung bei Reisen nach Gießen entstehen, wird das Kreisamt am 25. Mai 1923, vormittags 9½ Uhr beginnend auf dem Rathaus zu Grünberg und am 28. Mai, vormittags 9½ Uhr beginnend, auf dem Rathaus zu Hungen Amtstage abhalten. Die Einwohner derjenigen Gemeinden des Kreises, welche zu den Amts⸗ gerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gehören, können auf dem Amtstage in Grünberg vorsprechen, diejenigen aus Gemein⸗ den, welche zu den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda gehören, auf dem Amtstage in Hungen. — Für erwerbstätige Kriegsbeschädigte ist folgende Mitteilung betressend erhöhter Werbungs kosten beim Steuera b⸗ zug beachtenswert. In einem Erlaß hat der Reichsfinanzminister eine einheitliche Regelung für die Zulassung erhöhter Werbungs⸗ kosten bei erwerbstätigen Kriegsbeschädigten aufgestellt. Im Einver⸗ nehmen mit dem Reichsverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen in Leipzig und mit dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen in Berlin ist bestummt worden, daß den Kriegsbeschädigten auf An⸗ trag eine Erhöhung des gesetzlichen Werbungskostenpauschsatzes nach dem Prozentsatz der Erwerbsbeschränkung zuzubilligen ist. Insbeson⸗ dere wird bei erwerbstätigen, Kriegsblinden im allgemeinen ein be⸗ sonderer Zuschlag zuerkannt werden können. Als Nachweis für die Höhe der Erwerbsbeschränkung dient der Rentenbescheid. Es kön⸗ nen much den nicht im Kriege, sondern aus andern Ursachen beschädig⸗ ten Personen(3. B. Invaliden, Militärrentnern) erhöhte Werbungs⸗ kosten zugebilligt werden, wenn mit Rücksicht auf die Beschädigung erhöhte Aufwendungen bei der auszuübenden Erwerbstätigkeit er⸗ forderlich sind. — Der allgemeine Ausflugstag, den die Hälfte der Be⸗ völkerung zu Spaziergängen in des Waldes Grün benutzt, der Himmelfahrtstag, machte diesmal alle derartigen Pläne gründlichst zunichte. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend regnete es fast unaufhörlich in Strömen, so daß, wer nicht im Besitze eines wasserdichten Gummimantels ist, nicht daran denken konnte, ein paar Schritte in den Wald zu gehen. Zwar wurde nach vorhergegangener Trockenheit der durchdringende Regen von allen Land⸗ und Garten- besitzern freudig begrüßt, denn die Klagen über die Trocken heit wurden schon von allen Seiten laut. Nunmehr dürfte Futtermangel— wenigstens vorläufig— nicht zu befürchten sein. Ob aber die Milch dadurch von dem gegenwärtigen Hungersnotpreise etwas heruntergeht, ist noch sehr fraglich; für die Steigerung gibts stets allerlei Gründe, für Er⸗ mäßigung keinen einzigen. Von vielen kann man das fatalistische Urteil hören: ganz gleich, ob viel oder wenig wächst, wir, die Verbraucher, müssen ja doch alles teuer be⸗ zahlen! Man muß zugeben, daß manches für die Richtigkeit dieser Ansicht spricht.— Hoffentlich entschädigen die bevor⸗ stehenden Feiertage für den verregneten Himmelfahrtstag. — Der Männer⸗Badeverein Gießen hat seine Badcanstalt an der Lahn eröffnet. Frauen und Töchter der Mitglieder sind die Stun⸗ den von 8—11 Uhr vormittags an den Werktagen zur Benutzung der Anstalt eingeräumt. — Stadttheater Gießen. Am nächsten Mittwoch, 16. Mai kommt das Schauspiel von Wilh. Scholz„Der Wettlauf mit dem Schatten“ zur Aufführung. Hierbei werden Trude Tandar, Alfons Pape und Kurt Uhlig vom Staatstheater in Cassel als Gäste auftreten. Auf das Inserat sei aufmerksam gemacht. — 25 Jahre in städtischen Diensten. Der bei der Berufsfeuer⸗ wehr tätige Emil Gernand ist 25 Jahre in städtischen Diensten. Nach einem im Eisenbahndienst erlittenen Unfall wurde G. Turm⸗ wächter und nach Aufhebung dieses Postens wurde er der Berufs⸗ feuerwehr zugeteilt. Nunmehr befindet er sich ein Vierteljahrhundert im Dienste der Stadt. — Treibriemen⸗Diebstahl. In der Nacht vom 5. bis 7. d. Mts. wurden uus einer hiesigen Maschinenfabrik zwei Treibriemen von 10,45 bezw. 8,60 Meter Länge und 10 bezw. 12 Zentimeter Breite entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen. — Trohe. Als eine Seltenheit auf dem Gebiete der Viehzucht ist die Tatsache zu verzeichnen, daß die Ziege des Beigeordneten Rau dieser Tage ihren Besitzer mit vier Zicklein beschenkte, die alle wohlauf sind. Das brave Tier läßt es sich also angelegen sein, den Wohlstand der Landwirtschaft zu fördern: es wird aber schwerlich fertig bringen, daß die Milch billiger wird! Lollar. Einbildung. Wirklich gebildete Leute achten ihre Mit enschen wie sich selber und verfallen besonders nicht in den Dünkel, daß sie besseren„Standes“ seien als andere Sterbliche. Vor kurzem passierte hier ein Vorkommnis, das bei allen Kopfschütteln verursachte, die davon erfuhren. Es war bei Holzverteilung. Die Kommission hatte die Einteilung nach dem Alphabet getroffen, jedes⸗ mal awei Berechtigte hatte sich zwel Raummeter Holz zu teilen. Man wird zugeben müssen, daß kaum gerechter und umparteiischer ver⸗ fahren werden kann. Niemand hatte auch dagegen irgend etwas ein⸗ zuwenden, nur ein Eisenbahner beschwerte sich, weil man ihn— den Beamten— zusammen mit einem Arbeiter das Holz zugeteilt hatte! Wir freuen uns gewiß, wenn sich jemand emporarbeitet; Dünkel und Dicktuerei sind aber in unserer heutigen Zeit weniger noch als früher am Platze. 8 K. n. Nieder⸗Bessingen. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde die kürzlich stattgefundene Ebersubmission nicht genehmigt. Es waren nur 2 Angebote eingegangen, einmal 1450 Mk., das andere Mal 1500 Mk. für das Pfund Lebendgewicht. Den sonstigen Schweine⸗ preisen gegenüber war dieser Preis reichlich knapp. Ein Nauheimer Metzger bot nachträglich am Telephon 2700 Mk. und erhielt den Zuschlag.— Der von der Gemeinde gekaufte neue Eber kostet 740 000 Mark.— Der Bürgermeister erstattete Bericht über seine Erkun⸗ digungen, wegen der in Kündigungsgefahr stehenden Eisenbahn⸗Obli⸗ gationen der Butzbach⸗Licher Eisenbahn. Das hessische Kreisamt Gießen und der Vertrauensmann hatten den Rat gegeben, Eisenbahn⸗ altien zum Nennwert in Tausch zu nehmen. Ob die Firma so zuvor⸗ kommend sein wird, ist eine Frage. Im übrigen ist wegen der Sache eine Eingabe an das hessische M. d. J. gemacht worden. Zu wünschen wäre, wenn sich das M d. J. der Sache mit demselben Erfolge wie bei der Biebertalbahn annehmen würde. Kreis Friedberg⸗Büdingen. dt. Hirzenhain. Unsere diesjährige Maifeier wurde um 1. Mai bei über Erwarten großer Beteiligung von Seiten der Nach⸗ barorte abgehalten. Vom Metallarbeiterverband war die Veran⸗ staltung in die Wege geleitet worden und andere Gewerkschaften schlossen sich an. So gestaltete sich die Feier, besonders der Festzug, zu einer außerordentlich eindrucksvollen Kundgebung. Die Zahl der Teilnehmer wird auf etwa 2000 Personen geschätzt, was für unsere abgelegene Gegend gewiß etwas bedeuten will. Im Zuge, der von Hirzenhain nach Gedern mit einer Musikkapelle an der Spitze mar⸗ schierte, befanden sich drei Wagen, auf welchen verschiedene Berufe und die Arbeit überhaupt symbolisch dargestellt war. In den Orten, die der Zug passierte, löste er Bewunderung aus, von der Arbeiter⸗ schaft, soweit diese nicht selbst mitmarschierte, freudigst begrüßt und uch die Landleute hielten mit ihrer Anerkennung nicht zurück. Auf dem Festplatz in Gedern angekommen, sprach ein Frankfurter Ge⸗ nosse über die Bedeutung des Weltfeiertages in zündenden Worten. Die Arbeiter⸗Gesangvereine aus Gelnhaar und anderen Orten umter⸗ stützten die Feier durch Gesangsvorträge in bester Weise. So nahm die Feier den besten Verlauf und wird allen Teilnhmrn noch lange in Erinnerung bleiben. Hoffentlich sorgt aber auch die Arbeiterschaft dafür, daß unsere Bewegung gestärkt und befestigt wird. Strafkammer Gleßen. N Sitzung vom 8. Mai. Opfer der Spekulation. Das Urteil gegen den Techniker Curt Bikoni von Butzbach und Genossen wurde verkündet und lautete gegen Bikoni wegen Urkundenfälschung in einheitlichem Zu⸗ sammentreffen mit Betrug in 2 Fällen und wegen einfachen Dieb⸗ stahls in Fällen auf 6 Monate 3 Tagen Gefängnis, ab⸗ züglich 1 Monat 3 Tage Haft. Die Mitangeklagten Roth und Diether wurden freigesprochen. Das Gericht hielt in ob⸗ jektiver Hinsicht Roth der Anstiftung zur Urkundenfälschung und Dieter der Urkundenfäschung für überführt, glaubte aber auf Grund der Beweiserhebung bei beiden die Schuldfrage in sub⸗ jektiver Hinsicht verneinen zu missssen, und erkannte deshalb auf Freisprechung. Eine bewegte Wahlversammung. Gelegentlich der letzten Ge⸗ meinderatswahlen hiett der aus Mainz vertriebene Abgeordnete Schildbach in Nieder⸗ Roßbach in einer öffentlichen Ver⸗ sammlung die Rede. Ein Eisenbahnschaffner von Nieder⸗Roßbach machte sich in der Versammung durch fortwährende Zwischenrufe bemerkbar. Hierbei und als er dann zum Gegenwort aufgefordert worden war, machte er zwei Gemeinderatsmitglieder Vorwürfe, dem einen: er habe bei Wohnungszuweisungen in der Gemeinde Schiobungen vorgenommen, dem anderen: er müßte aus dem Ge⸗ meinderat verschwinden, wegen einer gegen ihn anhängig ge⸗ wesenen Voruntersuchung.(Es war gegen diesen Gemeinderat s. 3. ein Strafverfahren eingeleitet wegen eines Mordes, das Verfahren aber dann eingestellt worden.) Die beiden Gemeinderäte machten ihrem Herzen durch kräftige Ausdrücke gegen den Zwischenrufer Luft, wodurch dieser sich beleldigt fühlte. Das Schöffengericht er⸗ kärte— da die Gemeinderäte sich durch die in der Versammliing aufgestellten Behauptungen des Zwischennrufers ebenfalls be⸗ leidigt fühlten, die beiden zwar der Beleidigung schuldig aber für straffrei! Der Zwischenrufer— dem die Kosten auserlegt waren, verfolgte Berufung, die von der Strafkammer unter Billigung der Gründe des ersten Urteils verworfen wurde. „Die Ohrfeige im Backhaus. Ein Landwirt aus Stangen rod war mit einer Frou aus der Gemeinde verfeindet. Geines Tages folgte er dieser in das Backhaus nach und verabfolgte ihr eine Ohrfeige und einen Stoß gegen den Magen, sodaß die Frau mehrere Tage zu Bett liegen mußte halte den Landwirt freigesprochen, weil er den Landwirt der Tat nicht überführt erachtete. Nach einer umfangreichen Beweis⸗ erhebung kam die Straflammer zu der Feststellung, daß die Frau von dem Mann geschlagen worden war, und verurteilte ihn zu 5000 Mark Geldstrafe und zu den nicht unerheblichen Kosten. Wegen„Weidfrevels“ freigesprochen wurde ein Schäfer aus Butzbach. Es wurde nicht für erwiesen angesehen, daß gerade die Schase des Angeklagten die jungen Obstbäume be⸗ nagt haben, da um die gleiche Zeit auch eine Wanderschafherde auf demselben Grundstücke geweidet hatte. Das verschwundene Geld. Giner Frau aus Münster b. Butzbach war aus ihrer Stube ein größerer Geldbetrag ver⸗ schwunden. Anderen Leuten gegenüber stellte sie nun die Behaup⸗ tung auf, ein Arbeiter— der am Abend vorher ihr Geld gebracht hatte— habe das Geld gestohlen. Der Arbeiter erhob wegen Be⸗ leidigung Privatklage und nach dem Urteil der Strafkammer mußte die Frau ihre unwahre Behauptung mit 1000 Mark Geldstrafe Hessischer Landtag. Protest gegen die Schandurteile. Darmstadt, 9. Mai Präsident Adelung eröffnet 9½ Uhr die Sitzung mit fol⸗ gender Ansprache: Meine Damen und Herren! Soeben kommt die Kunde von neuen Schreckensurteilen französischer Mili⸗ tärgerichte im besetzten Gebiet.(Die Abgeordneten, mit Aus⸗ nahme der Kommunisten, erheben sich von den Plätzen.) In Wer⸗ den wurden der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Firma Krupp, mehrere Direktoren und ein Mitglied des Arbeiterbetriebsrats zu Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu 20 Jahren und zu Geld⸗ strafen verurteilt, die etwa den Betrag von 1 Milliarde Mark repräsentieren. Das Urteil soll die Sühne darstellen dafür, daß französische Soldaten 14 wehrlose deutsche Arbeiter töteten. Die Nachricht von dem fürchterlichen, jedem Rechtsempfinden hohn⸗ sprechenden Urteil in Werden wird aber noch überboten, in ihrer Ungeheuerlichkeit durch die Meldung aus Mainz: Das Mainzer französische Militärgericht verurteilte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und nachdem französische Anwälte in ihrer Ver⸗ 1 Das Schöffengericht 1 sesdigung, wie ste ferbft erklärten, behindert worden find Tür verliest der Präsident alle Namen nebst Urteilspruch, wie er in der Presse inzwischen bekannt wurde) Meine Damen und Herren 1 Worte vermögen nicht den Schmerz und die Empörung auszudrücken, die derartige Urteile in unferem Herzen auslösen, und, ich will hofsen, nicht nur in den Herzen jedes Deuschen. Ueberall „wo auch nur ein Funke von Ge⸗ fühl der Gerechligkeit und Menschlichkeit lebt, müssen diese Schand⸗ urteile wie ein blutiger Hohn wirken. Im Namen des französi⸗ schen Volkes wurde diese Urteile von den Militärgerichten ver⸗ kündet. Das französische Volk in seiner Gesamtheit kann fich diese schlimenste Beleidigung seiner nationalen Ehre nicht widerspruchs⸗ los gefallen lassen, wie sie ihm 0 jer durch feine Militärs zugefügt wurde. Kein Volk, das Anspruch darauf macht, Kulturnation ge⸗ nannt zu werden, kann ertragen mit Füßen getreten wird, die in so hoffe ich denn, daß diesses Urt in der ganzen Welt endlich die gefährlichen Spieles, das der fre deutschen Landen spielt. „daß die Gerechtigkeit von jenen seinem Namen Recht sprechen. Und eil bewirkt, daß in Frankreich und Besserung erwachen möge ob des mde Militarismus in den besetzten Denn wurde in der Beratung des Voranschlags fortgefahren. Abg. Reiber(Dem! trat bei Kap. 22 für Ver⸗ des Betriebs der Oberrechnungskammer ein und eim. Staatspräfident Ulrich versprach Prüfung der Angelegenheit, während Abg. Kaul(Soz.) sich den Wünschen des Abg. Reiber anschloß. Gegen den Abban war der deuͤtschnationale Abg. Kindt. Dieses Kapital wurde dann wie auch die Kapitel 2326, erledigt. Beim Kap. 27(Ministerfu m des Innern) berichtete Abg. v. Helmolt(D Vp) über einen Antrag des Abg. Kindt(D. N.), das Verbot der Regimentsfeiern aufzuheben. Es entspann sich eine lebhafte Debatte. in der de r Antragsteller seinen Wunsch ver⸗ deidigte, während der Minlster des Innern das Verbot begründete und betonte, daß das Verbot eine Staatsnotwendigkeit sei. Abg. Widmann(Soz.) sranzösischen Rechtsprechuna und zu sprechen. Er bestritt den gedachte zunächst der Opfer der kam auf die Münchener Vorgänge Nationalsozialisten das Recht, sich Deutsche zu nennen. Deutsche könnten im gegenwärtigen Augen⸗ blick wicht so handeln wie die Münchener Nationalsogialisten. Scharf ging Redner dann mit den Natjonalsozialisten ins Gericht und hob lobend das Verhalten des Nürnberger Oberbürgermeisters hervor dem man in München wolle. Dann trug der Redner einen Hochvercatsprozeß aufhalsen die Wünsche der Sozialdemokratie in Bezug auf die innere Politik vor. Seine Rede klang aus in einem Bekenntnis zum Abwehrkampf an Rhein und Ruhr und in der besonderen Betonung des deutschen Vaterland zu erhalten festen Willens, den Rhein dem Abg. Schian(D. Vp.) lehnte den Vergleich zwischen dem französischen Vorgehen im Rheinland mit dem der Münchener National sozialisten ab Den unglücklichen Opfern ab er dieser französischen Rechtsprechung (pyreche ich im Namen des hessischen Volles unfer herzlichstes tiesstes itgefühl aus und unfere unbegrenzte Hochachtung. Sie leiden für 12 führ Volk und für die Gerechtigkeit. Nach der Pause fragt Abg. Ebner(Komm.) an, ob es richtig sei, daß der Eisenbahnassistent Becker in Bingen in Darmstadt ver⸗ haftet sei. Hierauf erklärt Staatsrat Lorbacher, daß derselbe wegen dringenden Verdachts der Unterschlagung fremder Gelder verhaftet worden sei, mehr könne jedoch zur Zeit darüber nicht gesagt werden. Es wird daum in der Einze Minister des Innern v. Br beratung fortgefahren. entano macht längere Ausführun⸗ cen über sein Ressort und begründete die Auflösung der National⸗ sogialistischen Partei damit, daß diese in Hessen begonnen hatten, Sturmtrupps 1 zu bilden.— Er Ats gegen links anwenden. Widmann(Soz.), D. Schia und Kaul. werde die Gesetze wie gegen rechts sprechen zu der Debatte die Abg. n(D. Vyp.), Dr. Werner(Dull.) Schluß 1 Uhr; nächste Sitzung Montag. 1 Ein Wohltäter im Gerichtssaal. „Ich dieser Tage im Schösfengerichtssaal deß dam 0 berg ab. Auf der Anklagebank saß das 18jährige Dienstmädchen d, unter der Zeschuldigung Die Angeklagte war bei einer älteren Dane ienstherrin Sachen im Werte von deren Wert die Bestohene Die Angeklagte beteuerte Margarete R., in Tränen des Diebstohls. beichäftig, und hate ihrer D damals 4000 bis 3000 Mark entwendet. heute auf anderthalb Millionen schäßzte. 1 unter Schluchzen, daß sie der Verführung zum Opfer gefallen sei, weil sie oft unbeaufsichtigt allein in der Wohnung gewesen sei Im Hinblick auf das reumütige Geständ m 3 auf drei Wochen Gefängnis. bewilligte aber Strafnachlaß unter Buße am die Geschädigte in Als das Urteil verkün⸗ Ausländer und erklärte amit das junge Mädchen cht noch einmal strauchle. Er zog seine Brieftasche und legte die Verbrechew wurde am sden, Münzgasse 8. aufgedeckt. ige Altersxentner Karl Ehefrau öfter der Bedingung. daß sie 400 600 Mark monatlichen Raten von 5000, Mark zahle. det war, erhob sich im Zuhörerraum ein 100 000 Mark auf den Gericht Eine Familientragödie. Ein schweres Samsbag nachmittag in Dre Dort wohnt seit vielen Jahten der 62jähr zer fließen! Kleine Nachrichten. Eine rithresnde Szene spielte Amtsgerichts Schöne⸗ sich zur Zahlung der 100 000 Mark berest. d Stisch. 1 wisser Kriegel zur Frau Man hörte Gepolte fend still. Auf Befras ichmitlag, 7 seiner Frau das O richtigt und stellte fe schlagen und dann Todessturz bei eine wird gemeldet: Anläßli Feuerwehr sollte eine aufgebaute Schiebeleiter erprobt Der Feuerwehrmann die Höhe ragte. l Schlauchleitur der Leiter mit dem Schlußstück einer Da brach die Leiter etwa in de stürzte zuerst auf das Hof. Er erlitt einen anderer Feuerwehrmann kam verletzungen davon. Ueberquerung des Zweß amerikanische Offiziere sind mit Newyork nach San Diego in haben damit zum ersten Male umunterbrochenem Fluge überquert. leit betrug 120 Meilen pro Stunde. Ein Verwandlungs künstler. err Ludwig von und zu Egloffstein⸗ aus der Untersuchungsha durch seine Flucht Dach des Genickbruch un mit einem Armb⸗ Der vielgenannte Freih Oerthel wurde dieser Taz 1 sdonaten— mit einer fängiis hervorgerufenen mehrmonatlichen Unterbrechung— sindet, der Strafbammer des um sich gemeinsam mit der stahls zu verantworten. Die Angeklagte Lehmann ha lünis und war von diesem, in Geldnöten befand, bestz diese angestellt war, hunderttausend Mark zu entwenden und ibm auszuhändigen. einen kleinen Teflausschnitt aus in die Eoloffstein verwickelt Wertpapiere und Steuermarken kasino sogar mit der ame Armen empfangen. Ueber die s erkannte das Geri 902 eine dne Genen mütig abgelehnt worden. viel zu niedrig bezeichnet, sprünglichen Forderung von 40 Prozent Zul und dringend notwendig erachtet. arbeitsministerium wird also no einer Einigung unternehmen müss gebiet und den anderen deutschen K schaftliche Kämpfe ausbrechen sollen. Srrelttrrerten gehabt Fat, Vor 2 Jahren befand dich Nrause vor- übergehend in Strafverbüßung. Während dieser Zeit zog ein ge⸗ Kriegel ist es nun öf ter Cheleuten gekommen. Fran Zeit mehrscch geäußert daß sie fahren und sich scheiden lassen wolle. die Differenzen nach Angaben gewesen zu sein. wurde es auffall erklärte Krause am Sams tam na wohl Krause ein Gespräch mit seiner Verdacht bestehen daß er Die Polizei wurde b mit dem Beil er war. Krause wurde verhaftet und dem r Feuerwehrübung Aus ich einer Uebung der neut konstrulecte, amerikanischen Kontinents in einem Flug. einem Fokker⸗Flugzeug von 27 Stunden geflogen und kanischen Kontinent in Die Durchschnittsgeschwindig⸗ entstanden Treitel beamteachte dste Vertagun berger 1 behauptete. daß bei Hörigbeit vorliege. und bat de Richtung hin zu äußern Diesem und beschloß deshalb die Vertagung. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Der Schiedsspruch von den Bergarbeitern abgelehnt. Der im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch für die Bergarbeiter ist in den Konferenzen, die erbände Ende der vorigen Woche abhielten, fäst ein⸗ Die Zugeständnisse wurden als und ein Festhalten an der ur⸗ anderweit un Schlaf⸗ ters zu Differenzen habe sich in letzter zl in die Sommerfrische lerstag scheinen besonders schwer Krause, der später mit Krieg der Nachbarsleute r und gro gen einer St üschte, blieb der Leben genommen hatte. st, daß Frau Krause us Bett gelegt worden Landgericht zugeführt. Baden⸗Ba den hiesigen freiwilligen einem Kraftwagen werden, die 25 N in Huck stand auf der Spitze na in der Hand. urch und Huck austheaters und dann in d war sofort tot. ruch und Kopf⸗ Kurh den ameri Landgerichts 1 in Berlin vorgeführt, Kontoristin Lehmann wegen tte mit Egloffstein ein als er sich 1920 wieder ein bei der Bank, bei der von mehreren im Werte von 5300 Mark Diese Anklage bildet nur dem Rattenkönig von Anklage⸗ ist. In der Hauptsache handelt es sich bei ihm um Hochstapeleien, denen er zum Toil ein politisches Mäntelchen umgehänat batte. denen die Namen hoher Bea Durch sein sicheres Auf n glückte es dem stets in Huf jahrelang große Raubzüge Kassel gab sich E. als Verbindungso internierten Armee Mackensen aus. Mackensen kannte Egluoffstein, Als er dort abe „werden“ konnte, immt worden, im sowie um Urkundenfälschungen, bei mten und Heerführer treten arenuniform erscheinenden zu unternehmen. ffizier Die Verhältnisse weil er kurz v 0. 99 der Angeklagten L N n Gervichtsarzt, sich nach dieser Antrag gab das Gericht auch ftatt chmals einen Versuch zu en, wenn nicht im Ruhr⸗ ohlengebieten ernste wirt⸗ 72T Krause, der in letzter Zeit mit seiner 57 Jahre alten Stadtthe Gesamtgastspiel des Hessis Am Todestage und in der Sterbestunde Schil längst. versprochene Gastspiel des tler der Landeshauptstadt echnung, weniger diejenigen, die sich im guten Glauben an die Zusage auf Mozarts„Don Juan“ ge⸗ bt auch in der„Provinz“ elche die in allerletzter Minute 8˙¹ Gießener Theater⸗Verein das Landestheaters. Wer lediglich die Küns sehen wollte, kam auf seine R freut und eingestellt hatten. Denn es gi manche Kunst⸗ und Musikfreunde, w als, Exsatz für„Don Juan“ nicht besucht hätten, selbst wenn uns die Gäste als soͤlche schon d in der Tat versöhnte nach der durch fortwährendes Türenklatschen gestörten Ouvertüre, die in die erstklassige Leistung an die deutsche Uebersetzung und Bearbeitung Hermann Levis bot uns die musikalische Leistung Michael Babhlings und Inszenierung Gustav Hartung m Texte von Lorenzo da Ponte eine abgerundete, einwand⸗ einen Genuß verbürgten. Un unserem Hause akustisch ungütr der Künstler. In Anlehnung Mozarts komische Oper mit de musikalisch, gesanglich und darstellerisch freie Aufführung, die durch prächtige Einzelleistungen noch ver⸗ nd, in den mittleren Lagen, auch ge⸗ sanglich, reichte die vom Badischen Landestheater in Karlsruhe ende Kammersängerin Hedy Jracena- Brügelmann viellicht nicht ganz an die Darnistädter Künst⸗ die Kollegin aus Badens Hauptstadt ns Gießenern den Abend überhaupt schönt wurde. Darstellerisch u freundicher Weise aushelf lerinnen heran; indessen hat durch ihr Entgegenkommen u wohl noch beschert. „Figaros Hochzeit“ wurde Male aufgeführt, und zwar wurde die Oper am 14. Sept gesungen. Der heute gefeiert wurde, da zur Beerdigung bei Armen in gemeinsamem' Grabe verscharxt. Büsten und Denkmäler mit Staats⸗Bibliothel in Berlin außer der„Don Juan“⸗Parti „Figaros Hochzeit“ bildet eine Fortsetzung von Rossinis „Barbier von Sevilla“.„Figaro“ ist Kammerdiener eines Grafen der nicht nur Figaros Braut„Susanna“, der Gräfin Zofe, nach⸗ stellt, sondern auch seine Gattin mit Eifersucht plagt, von der er ater Gießen. chen Landestheaters Darmstadt. gebrachte„Hochzeit Figaros ustig erklang, 75 1. Mai 1786 in Wien zum ersten F italienischer Sprache. In Berlin her 1790 zum ersten Male deutsch e Mozart ist jung und im Elend ge⸗ storben. Geboren 1756 in Salzburg, starb er bereits 1791 und n Geld vorhanden war, mit mehreren Heute werden seine goldenem Lorbeer geschmückt. Die besitzt seine handschriftlichn Werke emb tur, die sich in Paris befindet. fürchtet, daß sie in Herzensbrecher, verliebt ist. Auge auf Susanna geworfen, des Schlosses, ist in Figaro Verkleidungen, Intriguen und die merkwürdigsten und komischsten dlung gefördert, rerwickelt und schließ⸗ er eigenen nächtlichen er allerseits, gelobt reuig anna und Figaro in glück⸗ tonprächtigen Ensemble Den Bariton hat der den lers brachte der die Han Graf erkennen muß, daß er mit sein saunna gehalten ha Enthüllungen wird Gattin, die er für Su Rendezvous geschäkert hat, verzeiht auch ewig Treue und macht endlich aus Su. inem freudigen und lte Liebesintrigue. tolo und Antonio, der llen des Musikmeisters„Basilio“ r Tenor gesetzt; Gärtners liches Paar. Mit schließt die verwi Graf, Figaro, Bar Baß zu singen, die kleineren Ro und des Richters„Don Curzio“ sind fit Cherubin, Marzellina sind Träger der Sopranstimmen. und gesanglich dürften Heinrich Hölzlin als Jrkl dals Susannaaen erster Stelle zu nennen Cherubin und glockengleicher zarter Gräfin, Susanna, Tochter„Bärbchen“ Figaro und Fritzi sein und beiden ist Margarethe Alb deren entzückendes Spie Sopran Bewunderung ve wenigen Stimmmtrübungen a Bischoff, dessen stimmstark bereits lobend zu erwähnen Gelengenheit hatten. bis und Heinrich Kuhn, öbus(„Richter“), sangen die Partien der Marzelline tolo in lebhaftem Spiel und mit dezentem Humor. Die kleineren Rollen des Mursikmeisters Gärtners(Julius Welcker) sowie der Bärbchen, des letzteren Ba ß), bewiesen, wie wertvoll es ist, auch, derartige Rollen ersten Kräften anvertrauen zu können. und Eugenie Stefanowa als Bäuerinnen, anderen Bäuerinnen, den Bauern, Gerichtspersonen und Diener zeugten, wie eingespielt und abgerundet ich Balling's Künstlerhand und mit Gustav Hartungs einstem Geschmack Mozarts Kunst in deutschen Landen gegeben werden kann. Wir danken den Darmstädter Güsten und hoffen, daß sie uns vielleicht doch noch einmal auch mit dem„Don Juan“ erfreuen! „Cherubin“, seinen Pagen, Auch„Bartolo“, der Arzt, und„Marzelline“, die Beschließerin Durch Verwechselungen, — einen kleinen hat ein vernarrt. die rdient. Den Grafen sang— von ganz bgesehen— gleichfalls hervorragend e Karlsruher Partnerin Anna aufs von Siegfried), des Aenne Boerckel der unter wieder⸗ * nachricht Parteigenossen!: Am Sonntag, den 13. Maj, nachmi Lokale zum Schwe N 4 e Orte Lollar, Ruttershauf und Treis statt. teisekretär Heuser 3. eichen Ortsvereins ist es, für zahlr eigruß! f ie Unterbezirksleitung. gen, Mainzlar 2. Die politische Lage, Pflicht eines jeden Lollar, 6. Mai 23. 5. Agitationsbezirk Sonntag, den 10. Juni. vo im Saal von Gastwirt Weitzel statt mit folgender vorläufiger unsere diesjährige 2 Geschäftsbericht 102122. Neferent: Genosse A Allgemeine politische Lage. Landesparteitag, Referent: Allgemeine Anträge. Wahl des Agitationsbezi andes Wir ersuchen die Mitgliedschaften zu dieser Tage lung zu nehmen und Anträge bis zum 1. Iumi an d n bis 50 Mitglieder wählen zwei, auf e weiterer Delegierter. e zu dieser wichtigen Ortsvereine ist es, Vertreter zu entsenden. 5 rteigruß 5 5 Josef Rößle Heinrich Schah J. runo Wittig, Sekretär. ß wir eine Jugen der Volksjugend m bedrückenden Gefühl iten, die der Heranwa t offenem Auge in das nderwogende Getriebe de denn Seit an Seste dem Berg eher Jugendbewegung n In der Jugend steckt at, steckt die ue fi ie beste Jugendpflege. e zur Förderung dpflege in Hessen he de Anfragen über die in en Jugendgerichts⸗ ssen, insbesondere aurs dem ganzen Land für Samstag, den 9. und Sonnta Landesiugendtag nach Darmstadt (Saal des Feierabend, Stiftstraße 51) zu berufen. Der Plan der Tagung ist wie folgt festgesetzt: Samstag, nachmittag 4% Uhr: „Das Jugendgerichtsgesetz“. Referent: Herr Abends 8 Uhr: „Das Reichs⸗Zurgendwohlfahrtsgesetz.“ Referent: k ießt sich eine ei vormittag fortges für unsere Jutgend der usw.) statt. ft ellung anzunehmen; ts die Mehrheit von Schwierigke haben, die berei einer Ueberlast so wirr und durcheina zwingen zusammen; tnis besser, kann man utliche Leben muß Sinne ist das ges hindernisstürmender ührenden Geister for ugendbewegung ist Die Zentra bildung und die Führer der 4. den 10. Jun 1 1 die vielleicht am Sonntag Außerdem findet am Son eine Ausstellung Broschüren, Theaterstücke, reit, Material für die Ausst inhaltlich wertvoll und Im Kleinen Haus wird Herr Assessor des Landestheaters nachm. r an Hand von Musterbe Es wird dabei e 0 den die Darmf mschund und Filmgut“ spr nder technischer Film gezeigt:“ Nach einem Spaziergang w auf der Spielwiese ein Zentralstelle zur Förde in Hessen⸗Darmstadt, Mai ds. Js. mitgeteilt w Schiffsnachrichten der Hamburg⸗Amerika⸗ Hamburg⸗Nordamerika. D. Resolute 6. 5. Elbe J zu exwar delphiz. D. Hessen 4. 5. B Bishop Rock pass. D. Hess Clay 6. 5. Lizard pass. D 7. 5. Dover pass. D. Hanf Thuringia 3. 5. ab ten. D. Fürst Bülow Rock pass. Heimr. Dover pass. nach Bre „ Resolute 6. 5. in Hamb New⸗Nork. D. 9 8. 5. in Hamburg. Hambu Toledo 4. 5. in Havanna, Heimr. D. n D. Toledo 5. 5. ab Havana, dan . Ausr. D. Holsatia 7, 5. ab Jam rika. D Rugia 3. 5. ab B. Württemberg 3. 5. ab Coruna, Aust Ausr. D. Rugia 4. 5. ab Monte teigerwald 4. 5. ab Teneriffe D. Galtcia 5. 5. Fernando de Noronha pass.? 5 von La Plata abgegangen Heimr. D. Posei Ausr. D. Altmark 5. 5. Cuxhaven pass. Ausr Ausr. Westküste Südamerika. D. ö D. Spreewald 6. 5. Vlisst Odenwald 5. 5. im Panama⸗Kanal angekommen, Aus f 7. 5. in Rotterdam, Heimr. D. Planet 7. 5. Cur haun! Hamburg⸗Ostasien. M. S. Ermland 4. 5. in K Ermland 6. 5. ab Kobe nach Yokohama, J. 5. in Rangun Heimr. D. Göttingen 8. Nord⸗ und Ostsee⸗Dienst. D. Düsseldorf 4. 5. in H. burg 6. 5. in Hamburg. D. Coblenz 7. 5. ab Rostoc Versammlungskalender Arbeitergesangver ein. 13. Mai, abends 7½ Uhr: Singstunde. eralversammlung. Ersch ieder erforderlich. in Puerto Plata, Ausr. 5. Cuxhaven pass Hamburg⸗Südame video, Heimr. D. berg 4. 5. ab Vigo, riffe, Heimr. D. S Rio de Janeiro, in Hamburg zu erwarten. einen aller aktiv Briefkasten. Lollar. Fr. Turne⸗„Notig lief fü W W rschaft. Notts lief fur die n den wir zur Lösung der Wohnungsftage gehen Die Gemeinwirtschaft kann ihre Aufgabe nur wenn man ihr das gibt, was sie braucht. Das Ar- beitsministerium hat in seiner Vorlage den Nachweis er⸗ bracht, daß wir in der Gemeinwirtschaft mit einem Siebentel dessen, was die freie Wirtschaft ver⸗ langen würde und müßte, dem Hausbesitzer das zur Ver⸗ fügung stellen können, was er für Gebändeunterhaltung, Steuern, Verzinsung usw. benötigt, und daß außerdem noch genügend Geld vorhanden ist für den Woh- e ee Mit der Verabschiedung des Gesetzes ist gleichzeitig für Beschäftigung von Erwerbslosen gesorgt. ach einer Darstellung des Deutschen Bauarbeiterverbandes sind in Baden im Baugewrbe einschließlich der Anstreicher, achdecker, Glaser, Zimmerleute usw. etwa 27000 Arbeiter beschäftigt. Man müßte gemäß dem verminderten Grade er Bautätigkeit dann aber mit mindestens 10 000 Arbeits⸗ sen rechnen, für die bei einer Arbeitslosigkeit von 6 Monaten der Staat mindestens 5200 Millionen Mark Er⸗ rbslosenfürsorge aufzubringen hätte. Da ist schon besser, es wird mit⸗diesem Geld gebaut und produktive Arbeit für Staat und Gesellschaft geleistet. Gewaltige Maidemonstration in Mänchen. 5 Die Mlünchener Partejorganisation hat den ersten Sonntag nach dem 1. Mai benutzt, um eine zweite Demonstration zu veranstalten. Im Tierpark Hellabrunm fand ein Maifest statt, zu welchem die Teilnahmer in geschlossenem Zuge aus der Stadt kamen. Diesmal E auch Frauen und Kinder mitgenommen werden, die am 1. Mai wegen des angedrohten blutigen Ueberfalls durch die Hitler⸗ banden zu Hause geblieben waren. Die Teilnehmerzahl am Feste wird auf über 100 000 geschätzt. Das Ereignis des Tages war die Enthüllung einer Stan⸗ e darte für die Sicherheitsabteilungen(S. A.). Nach dem dus Bericht der Münchener Post waren dazu sämtliche Mitglieder der S. A. einheitlich gekleidet erschienen, an den Mützen eine schwarzrot⸗ 1 goldene Kokarde. Die Standarte wurde von dem Genossen Auer ent einer Ansprache übergeben, in welcher es u. a. hieß: Der heutige Aufmarsch unter den Fahnen der Sozialdemokratie und den Farben der deutschen Republik ist eine Demonstratton daffir, daß Sozialismus und Staat einander nicht aus ⸗ chließen. Die Farben der deutschen Republik sind die ver⸗ fassungsmäßigen Farben der deutschen Nation. Und wer von natio⸗ malenn Gedanken, von nationaler Würde und nationaler Geschlossen⸗ heit spricht, muß Las verfassungsmäßige Symybol der Nation respek⸗ tieren. Wir respektieren dieses Symbol micht nur, wir lieben es, wir wissen, daß es das Symbol derer war, für die die Losung galt:„Das ganze Deutschland soll es sein.“ Wir ehren diese Farben, weil in unserm Herzen beiß die heilige Flamme der Liebe und der Sehrsucht nach einem frei en und einigen Deutschland glüht. Und den Volksgenossen, die meinen, diese Farben nicht lieben zu können, sagen wir, ihr müßt sie respektieren, denn mit ihnen kom⸗ nen wir zu einer sozialen Einigung, die allein das Fundament einer dauernden nationalen Einigung ist. Von den S. A. sagte Auer, aggresswwem Geiste, sondern ein Abwehrinsteument gegen Rebellen, Uncuhestifter und Verbrecher. Verpflichtet wurden nach der Uebergabe die Mannschaften auf den Leitsyruch der Standarte: Keine Gewalt der Willkür! Alle Gewalt dem Recht, Alles Recht dem Volke! Das sei unsre Parole. An dem Feste nahmen Arbeitersportler aller Art teil, die alle hr Bestes ausboten. Die Wirkung des Aufmarsches war auch nach blürgerlichen Zeitungen überwältigend. E Faseisten⸗Attentat. Berlin, 11. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag sind in Lausanne der Beobachter der Sowjetregierung Worowski, er⸗ schossen und der frühere Pressechef der rufsischen Delegation Ahrens, sowie dessen Privatsekretär durch Schußverletzungen schwer verletzt worden. Worowski war bisher der russische Vertreter in Rom. Der Mörder, ein früherer schweizerischer Offizier namens Conradi, der erst am Donnerstag von Zürich eingetroffen ist und sich gleichzeitig mit dem Ermordeten und den Verletzten im Speisesgal des Hotels Cecil aufhielt, hat sich nach der Tat sofort gestellt. Er soll der zaristi⸗ schen russischen Armee früher als Freiwilliger angehört haben. Ins⸗ gesamt hat er sieben Schüsse abgegebn. i Dieser Mord wird sicherlich für die Schweiz noch mangenehme Folgen haben. Er ist zweifellos als fascistisches Attentat zu werten. Bekanntlich war die Sowjetregierung offiziell zu der Laufanner Konferenz diesmal nicht zugelassen. Trotzdem aber blieb die rus⸗ sische Delegation in der Schweiz. Dies rief bei den schweizerischen Fascisten der nationalen Liga Empörung hervor. Schon am 7. Mai gog ein Trupp von 7 Mann in Schwarzhemden vor das Hotel der russischen Delegation, um ihr die Gastfreundschaft aufzukündigen. Am Abend hielten die Faseisten eine geheime Sitzung ab, in der über die „Ausweisung“ Worowskis beraten wurde. Worowski war eine bekannte Persönlichkeit des Sowjetstates. Er hat seit 1917 die russische Regierung in verschiedenen Ländern vertreten. Vorübergehend weilte er auch eine Zeitlang in Berlin. Von hier aus übernahm er die Leitung der Handelsdelegation der Sowjets in Rom. Schon seit Beginn der zweiten Orientlonserenz weilte er in Lausanne. Tschitscherin sollte ihn eigenklich ablösen, kam jedoch nicht dazu, da, wie gesagt, Rußland zu der ossiziellen Konferenz nicht zugelassen wurde. 4 Vor dem Rücktritt des Münchener Polizei⸗ präsidenten. München, 11. Mai. Der Rücktritt des hiesigen Poltzeipräsi⸗ denten Nortz, von dem seit Tagen das Gerücht ging, steht, wie nun⸗ mehr bestätigt wird, unmittelbar bevor. Eine neue französische Note an die Türkei. Paris, 11. Mai. Die französische Regierung hat an die türkische Regierung eine Note gesandt, in der ste die Behauptungen, die Truppenkonzentrationen betreffend, zurückwerst und einige andere Anschuldigungen der türkischen Regierung zu widerlegen versucht. Die Note schließt mit dem Hinweis, daß die türkische ⸗Einschüch⸗ terungspolitik und die verschiedenen letzthin angewandten Manöver geeignet seien, die freundschaftliche Haltung, aus der Frankreich der Türkei gegenüber nicht heraustreten möchte, zu erschweren. sie seien keine Stoßtrupps mit die Untersuchung 7 „ K Deutscher Reichstag. Berlin, 9. Mai. Vor Eintritt in die Tagesordnung protestierte der Reichstags⸗ präsident gegen den Justizmord von Werden. Hierfür fand er auch die Zustimmung derjenigen Parteien des Reichstages, die auch heute noch das Fechenbach-Urteil für berechtigt halten. Finanzetat. Die Redner der bürgerlichen Parteien: Lange⸗Heger⸗ mann(3tr.), Lambach(Din), Dauch(V. Vp.) und Dr. Fischer⸗Köln(Dem.) beschäftigten sich in der Hauptsache in recht oberflächlichen Darlegungen mit dem Zusammenbruch der Stützungs⸗ aktion für die Mark. Bezeichnend war, daß gerade bei diesem Thera die Deutschnationalen nicht Herrn Helfferich, sondern den vollkommen bedeutungslosen Lambach, einen Angestellten des Denutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, als Redner vorschickten. Von den Aus⸗ führungen Dr. Fischers, dieses eifrigsten Verfechters kapitalistjscher Interessen bei der Steuergesetzgebung war ein Hilfeschrei bemerkens⸗ wert. Er erklärte, es sei notwendig, bei den Stenerdebatten in eine andere Atmosphäre zu kommen. Trotzdem lehnte er den Grund⸗ gedanken des sozialdemokratschen Antrages ab, der verlangt, daß die Kosten der Ruhrbesetzung aufgebracht werden durch eine Belastung der hohen Einkommen und der Vermögen. Alle übrigen bürgerlichen Redner taten das gleiche. Sie glaubten, in einem Antrage des Zentrums, der eine Verzehnfachung der künftigen Vorauszahlungen für Einkommen⸗ und Körperschaftssteuer vorsieht, ein wirksames Gegenstück zu dem sözialdemokratischen Antrag gefunden zu haben. Anschließend teilt der Reichsfinanzminister Dr. Hermes mit, daß über die unberechtigten Devisenläufe, die zum Sturze der Mark führten(Stinnes), noch nicht abgeschlossen sei, Abg Hertz entlarvte die von Dr. Fischer⸗Köln nicht ungeschickt eingeleitete Taktik. Er stellte fest, daß der Zentrumsantrag nicht für die Vorauszahlung am 15. Mai, sondern erst für die am 15. Auguft in Frage komme. Er sei also für die Abschwächung der ungeheuren Ungerechtigkeit des jetzigen Steuersystems vollkommen wirkungslos. Als Ersatz für den sozialdemokratischen Antrag käme er deshalb nicht in Betracht, wohl aber als Ergänzung dazu. Der sozialdemokratische Antrag fordere, daß den ungeheuren Opfern an Geld und Gut, an Leben und Gesundheit, die die große Maße der Bevölkerung in ihrem heldenhaften Abwehrkampf im Ruhrgebiet auf sich genommen habe, eine kleine Last der Besitzenden durch Uebernahme der dem Reich ent⸗ standenen Mehrkosten gegensbergestellt wird. Ueber alle Einzelheiten könne man reden, wenn die Regierung den Gesetzentwurf vorlege. Der sozialdemokratische Antrag sei ja nur eine Entschließung, durch die die Regierung zu dem Gesetzentwüurf aufgefordert werde. Wer aber die Entschließung ablehne, der zeige damit seine Gegnerschaft zu dem Grundgedanken und verschärfe die Atmosphäre, in der jetzt die Steuerdebatten geführt werden Die Ablehnung des sozialdemokrati⸗ schen Antrags sei das Zeichen, daß man, wie im Kriege und nach dem Kriege, so auch jetzt die Uebernahme der Lasten dunch den Bae sitz in Aussicht stelle, sie aber in Wirklichkeit nicht zu tragen bereit sei.— Darauf vertagte sich das Haus auf Freitag. 5 Dollarstand Freitag Mittag 12 Uhr: 39 500 Mark. N eee falten E 775 eterswegd e eee hetrach Wir geben uns alle Mühe, trotz enormer Steigerung seitens der Fabrikanten Zu erträg die Bevölkerung von Giessen und Umgegend mit Schuhwaren zu versorgen. Mr führen nur die he sten Fabrikate und ode Bäcksielt au Doerstehering der Mielerbesebabgsppes verkaufen wir zu konkurrenzlos billigen Preisen. 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