W berhessise * eitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes wann da Bahnhofstraße 23 J 3* hae n der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. eitung erscheint jeden Werttag vormittag in Gießen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. is mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mk. auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile beträgt monatlich 3300.— Mek. einschl. Bringerlohn. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gieße 800.— Mk. B 5 Aufträ der Wi i 7 ö k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mt Druck: Verlag Sffen daher Abendblatt G. m. b. 5. Offenbach 5 M. der Raball eee ee Ae 5186 Abr ebendze 1 1 5 Gießen, Donnerstag, den 12. April 1923 13. Jahrgang ü Deeutschlands Totenklage. käte Die Bestattung der Essener Blutopfer. 9 Ausmaße. Diese Demonstration wird nicht nur den Essener, nicht ede f Der letzte Gang. mur dem Ruhrgebiet, nicht nur Deutschland und nicht nur Frankreich U Aus Essen erhalten wir folgenden Bericht: f und Belgien, fondern der ganzen Welt sichtbar geworden sein. Die blutige Karsamstagstragödie, in der vom französischen Als die Franzosen ins Ruhrgebiet einzogen, redeten sie den küintartemus vor der Krupp'schen Gußstahlfabrir 13 Arbeiterleben] Arbeitern mit warmen Schmeichelraden vor daß sie der Arbeiter⸗ opfert wurden, hat am Dienstag mit der Beerdigung dieser schaft nichts Böses, sondern nur Gutes wollten. Heute wissen wir, mer durch die Arbeiterschaft und die Einwohner Essens unter daß die zahlreichen Toten, die vor dem Massenmord der letzten gung von Vertretern des Reiches, der Länder und Behörden 12 Opfer durch französische⸗belgische Waffen inns Leben kamen, ohne 0 Abschluß erfahren. Der ganze Umkreis des Ruhrgebiets, bis Ausnahme dem Stande der Arbeiter angehören. Das weiß die Ar⸗ das linke Rheinufer, bis über Köln hinaus, hatte Vertreter ent⸗ beiterschaft von der Ruhr, und diesem Wissen, daß sie mit berechtigter sindt, um den gefallenen Brüdern die letzte Ehre zu erweisen. Bitternis erfüllt, gab sie, als sie am Dienstag die 12 Kameraden Stadt Essen weren den ganzen Tag über sämtliche zu Grabe trug, stummen, aber beredten Ausdruck. dle der Verkaufsgeschäfte und Gastwertschaften geschlossen. Die Die Totenklage zu Essen war die Anklage der Arbeit gegen die stand 1 Die Vergewaltigung der Freiheit, des Friedens und des Rechts durch ische Riesensabrik mit ihren 50 000 Arbeitern stand still. In den Militarismus der Weststaaten. f anderen Fabriken 1 8 2 tt, das Dröhnen und Stampfen der Maschinen war verstummt. Die Trauerfeier im Reichstag. Zur gleichen Zeit, da in Essen die Arbeiterschaft ihre ruchlos gachen und Posten hatte man im Innern der Gebäude aufgestellt. hingemordeten Kameraden zur ewigen Ruhe bestattete, versammel⸗ nachmittag und abend trafen Deputationen ten sich im Reichstag die Vertreter der gewerkschaftlichen Ver⸗ iger Belegschaften. Gewerkschaften und Parteivereine mit bände, der Länder, der Behörden und der Parlamente in Gegen⸗ en und Fahnen in Essen ein. In den frühen Morgenstunden wart des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers, um ebenfalls bete man in den Straßen einer Fülle von feierlich schwarz⸗ der Opfer zu gedenken. Von den Eckpfetlern des Reichstages leldeten Arbeitern und Arbeiterfrauen, die sich in der Richtung verkündete die auf halbmast gehißte Flagge schwarz⸗rot⸗gold te Krupp sche Gußstahlfabrir zu dichten Strömen vereinigten, Deutschlands Trauer. Die Gedächtnisrede des Kanzlers. u im lregen französischer mengewehre zusammenbrachen, Mit einem Trauermarsch von Beethoven wurde die Feier ein⸗ 8 Auge e ee 1 geleitet. Sodann hielt der Reichskanzler eine Gedächtnisrede, in ze Trauerfahnen hängen e Deiche 0 der u. a. ausführte: vor der Tete Nen fe e„Zu dieser Stunde, die uns in Andacht und Teilnahme hier leren Obelisken von der geweihten Stätte des Todes. Drinnen S i 1 9 1 über fel Pee ichthof, sch Toratiotden a utsche Männer, die aus der Arbe raus, von fran er U 5 1 den De„ dwischen gor⸗ Kugel durchbohrt, ihr Leben lassen mußten. Diese elf un zwel 5 andere deutsche Leben sind am Karsamstag gewaltsam ausgelöscht. 5 Dreizehn Menschen sind hinweggenommen, die in schwerer Arbeit dem letzten Ueberrest der Gefallenen. Die Lampen sind mit ein hartes Brot verzehrt haben. Auch sie hat der eine, einfache Flor verhängt, wur die Kerzen auf hohen Kandelabern und große Gedanke geleitet, nicht der Gewalt mit Gewalt zu be⸗ en in den Händen der Berglknappen, die die gegnen, sondern ihr N 0 ache halten, blinken im ruhigen Licht. Vor den Särgen den waffenlosen Widerstand des Rechts * ein großer Lorbeerkranz des Reichspräsidenten mit breiter, entgegenzusetzen. Sie standen vor den französischen Mordwaffen warzrot⸗goldener Schleife, daneben ein Kranz der Reichsregierung als Träger und Schützer jenes Rechts, das zu einer Macht gewor⸗ inschrift: den ist, weil ein gemeinsamer Wille es trägt. „Den Opfern für Freiheit und Recht! 1 5. ist 1 5 1 47 1 isteri lei i l echt un rbeit auf der einen, Gewalt un nrecht au r an⸗ Reichsarbeitsministeriums, dessen Schleife die Widmung deren Seite. Nichts kann diese geschichtlich klare Scheidung ver⸗ „Den für die Freiheit der Arbeit Gefallenen!“ wischen. Keinem französischen Soldaten ist ein Haar gekrümmt, mer des fügt: uußerdem Kränze der preußif Staats vegierung und anderer Be⸗ aber 50 deutsche Arbeiter liegen in ihrem Blute. Tell rden. Der. einen Kranz t roter Schleife Die Schuld trifft die französischen Machthaber. 21 2 widmet, der die Worte Freiligraths trug: Nicht ein Wort des Bedauerns über diese Vernichtung beutscher 0 f 1 Sie töten den Geist nicht, ihr Brüder!“ Menschenleben habe ich aus dem Munde der amtlichen Vertreter Punkt 3210 Uhr beginnt die Totenfeier zu der der enge Kreis des frauzösischen Volkes vernommen. Aber kein Richterspruch Hinterblieb und der wichtigsten Delegationen, insgesamt gegen Unschuldige wird den Schrei des verbrecherisch vergossenen ee-Lagt buche 1 Men ee ee e Blies dämpfen; kein urteil der Welt über die wahren Schul⸗ 3 ien Requiem die erste äußerlsche digen täuschen und die Tatsache beseitigen. deihe. Dann sprach der Chef der Firma Krupp, Herr von Bohlen Im Namen der Toten frage ich die Völker der Erde: Wie zusbup t 0 Halbach 9 15 10 Totenrede iederum durchtönte der weiche lange noch wollen sie warten, ehe diesem wahnwitzigen und Maas 19 eee Cons den stillen Raum. Da zerriß der grauenvvollen Mißbrauch der Gewalt ein Ende geboten wird? f lende Schrei eines weinenden Mäbchens, das nach ihrem Vater Der Dank und die Treue des gesamten Volkes begleiten die onialw. ie, der mum hinausgetragen werden sollte, die weihevolle Stille teren Toten auf ihrem letzten Gange mit dem heißen Wunsche, 9 1: 5„daß die Hingabe fürs Vaterland ein Segen werden möge ihnen, Von allen Türmen der Stadt tönten die Glocken, als auf den 1 g: hauel en ern der Bergknap die Särge mit den Kamerzden hinaus⸗ ihren Hinterbliebenen und der deutschen Sache, so sollen sie in un⸗ . tragen wurd 12 75 0 urden sie auf die mit Lor⸗ serem Herzen unvergessen bleiben, als deutsche Helden. Mit dem Wurstwal ansgeschrülct 1 0 b den Klängen des gleichen Empfinden gedenken wir aller derer, die ihnen an Rhein .* en 15 7 5 Hunderliansende und Ruhr mit dem Opfer des Lebens, der Gesundheit, der Freiheit E das r 1. In swmmer Er⸗ vorangegangen find. Ihnen allen gilt heute Kiffenheit zogen sie die weite Straße an der Stätte emsiger Arbeit, b 5 unser Dank und unser Gedenken. e das Sterben dieser Männer sah, zu dem Ort der Tränen und Sie alle dürsen gewiß sein, daß wir alles tun werden, um sie zu ur Trauer, dem Ehrenfriedhof, wo unzählige Kriegsopfer der Stadt shutzen und zu stärken im Abwehrstreit und ihnen zu einer baldigen den und zuch Otlo Due ihren letzten Ruheplatz gefunden paben. Befreiung zu verhelfen. viele Kilometer lange Weg zum Friedhof war durch ein Ehren⸗ Verstänbigung boten wir an, g 5 balier der Krupp'schen Arbeiter umsäumt. Geld, Gut und Ertrag der Arbeit langer Jahre, Sicherheit aus 9000 iter mit weißen Armbinden versahen den Ord⸗ freiem Willen zum Frieden. Man hat nicht gehört. Selbst dann en un derbie 1 5 8 b 1 iber 5 f 1 t bekanntlich von den noch, als der Feind im Lande stand haben wir wiederholt er 4* 15 55. 1 75 165 ist 9 das erste ere kala bert 7 0 1 dune e 2 77 11 trati erhandlung bereit sind. Ja, wir haben einen praltischen Weg ge⸗ Aal gewesen, daß ein derartiges demonstrates Massanaufgenn er wiesen, wie das durch den Ruhreinfall sast unentwirrbar gewor⸗ nenschen ohne polizeiliche Mithilfe in voller Ordnung organistert eil dienen e en 1 agen Dei a 0.. 6 schlag des Leiters der amerikanischen Außenpo tik bekannten. Man 517 Länge des Trauerzuges war nicht du. 55 1 hat nicht gehört. Alles ist geschehen, um den Ruhreinmarsch zu 1 Wunen umd Kränzen mußte ian enen feln e vermeiden oder die Dauer des Ruhreinfalls abzukürzen. So wird zaragen werden, die im Trauersug einen Naum von cz auch künftig nichts unterbleiben, was unserem Volke und Lande die Ren 5. ae Freiheit und den ae fetten sloun, 5 f 5 Beamte 455 e Auch heute, am Grabe, sind wir bereit, in freie von jedem n ne 0 1 Zwange freie Verhandlungen einzutreten. in, jeser Beerdigung ab⸗ Aber Freiheit und Frieden müssen gesichert sein, wenn anders er Teilnehmer dieser Beerdigung nicht die Opfer ela egg sein n 1 0. i f und Ruhr beklagen. Die Reparationspflicht muß auf das Ma ö en, hinter der Margaretenhöhe, auf dem des Erfüllbaren zurückgeführt, die Erde, in der wir heute die 0 . a Ehrenfriedhof, b Braven bestatten, muß frei werden, die in der Gefangenschaft un bar ein gemeinsames Grab für die 12 Toten hergerichtet worden. Verbannung Leidenden müssen der Freiheit und Heimat wieder⸗ er 15. Tote war nicht dabei, weil er auf seinen Wunsch bei gegeben und keiner Regelung kann zugestimmt werden, die Rhein u femen Kindern beigesetzt sein wollte.) Ein Meer von Menschen] und Nuhr territorial oder versassungs mäßig antasten. Solange der baute in diese stille Stätte hinein. Eine lange Reihe offizleller] Gegner zu folcher Regelung nicht bereit ist, muß der passive Wider⸗ lebner und die große Anzahl der Führer der Kranzdeputationen[ stand wie bisher fortgesetzt werden. In diesem Kampfe darf es dort, bevor die Toten der Erde übergeben wurden. keine Parlesen und keinen Unterschied der Klassen, aber auch keine 4 ehr als alle Worte bewies dieses Leichenbegräbnis, daß der[Zaghasten und keine Unbesonnenen geben. Alle Kraft der Er⸗ der Abwehr nicht tot ist. Die Ehrung der für die Verteidigung 4 19 5 11 Friedens und bis dahin alle Kraft dem großen Ab⸗ freien f französis edli ngenieur⸗ rkamp 3 i elt burt die balgtsch⸗ e ee e M Pie Toten haben ihre ganze Person eingesetzt fürs Vaterland. fie 1 ri i ine Mani⸗ f f len der diadrawbeler saft 170 aunerbörtem Lassen Sie uns in dieler feierlichen Stunde jebem Einzelnen aus bem Volke in Front und Heimat mit den Klängen der Glocken die Worte zurufen und sie auch befolgen: Und handeln sollst Du so, als hinge von Dir und Deinem Tun allein das Schicksal ab der deutschen Dinge und die Verantwortung wär Dein C Der zweite Satz aus der Beethovenschen VII. Sinfonie schloß die Feier Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Fune begaben sich dann zu den Vertretern des ener Werkes und der Arbeiter und sprachen ihnen nochmals ihr Beileid aus. Der Vertreter der Reichsregierung verhaftet. Als Vertreter der Reichsregierung sollte der Staatssekretär der Reichskanzlei, Dr. Hamm. am Dienstag an den Trauersfeierlichkeiten in Essen teilnehmen. Hamm, der auf vorschriftsmäßigem Paß in Begleitung des früheren Postministers Giesberts und des preußischen Ministerpräsidenten a. D., Stegerwald, reiste, wurde in Scharnhorst, wo die Franzosen anläßlich der Beisetzungsfeierlichkeiten in Essen eine besonders scharfe Kontrolle eingerichtet hatten, nebst seiner Be⸗ gleitung verhaftel. Während Giesberts und Stegerwalb am Diens⸗ tag früh wieder freigelassen wurden, brachte man Hamm nach Castrop. Es verlautet, daß er nach Brebenen transportiert werden soll, um sich dort vor dem Kriegsgericht wegen eines Versuchs der unerlaubten Einreise zu verantworten. Bekanntlich haben die Fran⸗ zosen vor einiger Zeit eine„Verfügung“ erlassen, nach der jedem deutschen Staatsbeamten die Verpflichtung auferlegt wird, vor der Einreise in das Einbruchsgebiet dem französischen Oberkommando e zu machen. Hamm ist diesem Ansinnen nicht nachge⸗ ommen. Bisher hat Hamm persönlich noch keinerlei Mitteilung über seine Verhaftung machen können. Sobald die näheren Einzelheiten über seine Festnahme bekannt sind, beabsichtigt die Reichsregierung, einen scharsen Protest gegen den neuen Willkürakt an die französische Regierung zu richten. ö f a Auch Stinnes vorübergehend verhaftet. Auch Hugo Stinnes ist auf der Fahrt von Berlin am Diens tag früh auf dem Bahnhof Scharnhorst mit seiner Frau von französtschen Truppen utsl dem Schlafwagen herausgeholt und in einen Gepäck⸗ wagen eingesperrt worden. Inzwischen ist aber Herr Stinnes be⸗ reits wieder freigelassen worden und in Dortmund angekammen. Die Trauerfeier im englisch · besetzten Gebiet. Die allgemeine Trauerstunde zun Gedächtnis der 13 Toten in Essen und der übrigen Todesopfer im Ruhrgebiet wurde in Köln und in der ganzen englisch besetzten Zone würde voll durchgeführt. Um 9 uhr begann das Trauergeläut sämtlicher Kirchenglocken. Die Geschäfte schlossen außerdem ihre Läden. Die Straßenbahnen stell⸗ ten ihren Betrieb ein. Auch der Fuhrwerksverkehr auf den Kölner Straßen ruhte vollständig. Die Reichsverkehrsanstalten(Post und Eisenbahn) schlossen 10 Minuten lang den Betrieb. Die Eisenbahn⸗ züge hielten auf der Strecke. Volle Arbeitsruhe herrschte auch auf den Büros der übrigen Reichs⸗ und Staatsbehörden, desgleichen in den Büros der Kommunalen Verwaltungen. Schnell füllten sich die Kölner Kirchen, wo die Besucher stille Einkehr einhielten. 5 Trauerkund ebung des Münchener Stadtrates. Im Münchener Stadtrat kam es heute zu einer großen Kund⸗ gebung gegen die französische Bluttat in Essen. Der 1. Bürger⸗ meister, Genosse Schmidt hielt eine Ansprache, worin er der Hoff⸗ nung Ausdruck gab, daß es dem geschlossenen Widerstand ge⸗ lingen möge, die feindliche Gewaltherrschaft zu brechen, dem deutschen Volke den Frieden und die Freiheit zu sichern und die Kultur vor dem Untergang zu fetten. Die Mitglieder des Stadt⸗ rates hatten sich zum Zeichen des Protestes und der Trauer von ihren Plätzen erhoben. 155 Die Trauer im sächsischen Landtag. In der Dienstags⸗Sitzung des Landtages verlas Prästdent Winkler eine Erklärung, in der er mit scharfen Worten gegen das Essener Blutbad Protest einlegte, und den Hinterbliebenen der Er⸗ mordeten das Mitgefühl des Landtages aussprach Im Anschluß daran verlas der Führer der Kommunisten, Abg. Bötticher, eint Sondererklärung, in der er ebensalls gegen die Bluttat der Fran⸗ zosen Protest einlegte und aussührte, daß er sich mit diesem Pro⸗ test eins fühle mit dem französischen Proletariat, wobei er die er⸗ mordeten Arbeiter als Opfer der nationalistischen Treibereien in Essen bezeichnete, die die Arbeiter vor die Bajonette der Franzusen trieben hätten. Stürmische Pfui⸗ und Protestrufe durchtöntey arauf das Haus. Der 14. Tote in Essen. In der Diensiagnacht ist wieder einer der am Rarsamstag in den Kruppwerken von den französischen Maschinengewehren Schioernerletzten seinen Wunden erlegen. Scharfe französische Note wegen Essen. Wie die Telunion aus Kreisen, die dem Qua de Orsay nahe- stehen, erfährt, hat die französische Regferung am Freitag ver- gangener Woche wegen der Esseuer Vorgänge durch die französische Botschast in Verlin dem Auswärtigen Amt eine Note überreichen lassen, die in besonders scharfer Form gehalten ist. Ueber den In⸗ halt der Note wird in Pariser Kreisen vorläufig noch Still- schweigen bewahrt. Dienstag abend war an Berliner amtlicher Stelle von diesen Note noch nichts bekannt. Taten, Herr Cuno, nicht Worte! Zu der Rede des Reichskanzlers stellt der Temps einige Fragen. U. a. sagt er:„Künden die Worte des Kanzlers annehmbare Vor⸗ schläge an? Lassen sie erkennen, daß die deutsche Regierung auf⸗ hören wird, Haß und Krieg zu predigen?“ 5 Auf die letzte Frage mag Herr Cuno antworten. Die erste Frage dagegen ist für uns von einer bestimmten innerpolilischen Wichtigkeit. Allgemein kammt man jetzt auch in den bürgerlichen Kreisen zu der Erkenntnis, daß gegenwärtig der Augenblick gekom⸗ men ist, in dem die Regierung aktiv in die Politik eingreifen muß und kann. Damit ist nicht gesagt, daß Deutschland ohne weiteres für Frankreich„annehmbare Verschrage machen kann. Wie wir be⸗ flimiat wissen, ist jedoch die Mehrzahl der Reichsminister bereit, einen Schritt zur aktiven Polit zu muchen, während Cuno und Nosen⸗ berg glauben, mit schonen Worten die Verständigungspolitik machen zu können. Diesem Zustand muß durch die Volksvertretung abge⸗ holfen werden. Bonar Law will nicht intervenieren. Auf eine Anfrage in der Dienstagsitzung des 1 ob England noch nicht daran denke, in der 8ü⁰ zu intervenieren, antwortete der parlamentarische Stants⸗ fekretär bes Lußerm imisterünns verneinend. In diesem Augenblick habe eine derartige Intervention keinen nützlichen Zweck. Entweder Vorschläge Deutschlands oder Blockade der Hansastädte. Der Deutschen Allgemeinen Zeitung wird aus Berlin gemeldet: Von sranzösischer, anscheinend sehr gut unterrichteter Seite hören wir, daß an Deutschland in ganz kurzer Zeit eine Aufforderung ge⸗ richtet werden soll, für die Lösung des Reparationsproblemes be⸗ stimmte Vorschläge zu machen. Es heißt sogar, daß diese Forderung einen ultimativen Charakter trage. Ferner wird hinzugefügt, daß, wenn Deutschland dieser Aufforderung nicht nachküme, mit einer Art Blockade der Häfen von Bremen und Hamburg gedroht würde. Es sollen Truppeuversendungen oder unmittelbar militärische Maß⸗ nahmen anscheinend nicht ins Auge gefaßt sein, wohl soll aber durch alliierte Kriegsschiffe auf hoher See die Ein⸗ und Aus fahrten nach beiden Häfen verhindert werden. Belgien ist Nuhr⸗müde. Der französische Minister⸗Prästdent wird am Sonntag in 1 0 also im Belgischen, anläßlich der Einweihung eines engl Kriegsdenkmals eine Rede halten, in der er die„unveränderte tung“ a festzustellen gedenkt. In seiner Begleitung wird sich als Abgeordneter auch Wucheur befinden. Schon daraus ergibt sich, daß es mit den Poincaréschen Feststellungen über die unveränderte Haltung“ nicht sehr weit her sein kann. Im übrigen vor der Einweihung des Kriegsdenkmals in Dünkirchen am ttag eine e der französischen Minister mit dem belgi⸗ Premierminister und dem Außenminister statt. Daß diese der Ruhraktion schon längst genug haben und lieber heute als morgen, die Pfänderpolitik an der Ruhr zu einem vernünftigen Ab— bringen möchten, ist uns aus ganz zuverlässigen Quellen Theunis selbst hat z. B. maßgebenden belgischen Sozia⸗ 2 0 4 erklärt, daß die belgische Regierung schon aus aftlichen Gründen jetzt alles tun werde, um Frankreich ö ebenfalls zu einer schnellen Verständigung zu veranlassen. Auch diese 12505 spricht Warn daß Poincaré am Sonntag den Mund besonders voll nimmt, und die unveränderte Haltung der Regierung in der Tat in dem Sinne proklamieren wird, wie er die französische Politik noch vor wenigen Wochen kennzeichnete. Aber auch der Pariser Temps läßt in seinen Bemerkungen im gestrigen Abendblatt bereits darauf schließen, daß Poincaré in Dünkirchen babs wie der Stier im Porzellanladen wüten wird.„Die zurück⸗ tende Antwort, die Vonar Law im Unterhause gab“, so sagt 155 Blatt,„zeige an, daß der englische Premierminister' für eine kräftige Mitwirkung Englands an der Ruhrpolitik Frankreichs 85 genügende Mehrheit nicht zu erhalten glaube.“ Deshalb dürfe französtsche Volk sich keine Illusionen machen, sondern es e bereit sein, alles zu tun, um einen Erfolg zu sichern. 0 Wirklichkeit handelt es sich hier um eine Beeinflussung der . aus Anlaß der Rede Poincarés, die die Zurück⸗ Bonar Laws berücksichtigen wird. Der Ausweisungswahnsinn. g Französisches Militär räumte am Montag gewaltsam die zweite 2 e ee St Paulien. Dadurch wurden weitere 5 ilien obdachlos.— Den Eifenbahnbeamten von Conz und 4 us— etwa 90— wurde der schriftliche Befehl zum Eintritt in den Dienst der französischen Cisenbahnregie überreicht. Faslg Beamten ern, drohen die Franzosen mit kriegsgericht⸗ f. 9 Neue Eingriffe in den Verkehr? Nach Aeußerungen französischer Offiziere oll in aller Kürze den Personen⸗ und Lastkraftwagenverkehr mit dem besetzten bret die re verhängt werden Dodurch soll die Benutzung raußosen gefahrenen Züge erzwungen, werden. 855 von den fascistischen Organisationen. * Die deutschen Streikbrecher. Der Obmann der 40 Deutschen und Oesterreicher, die vor einigen Tagen in Karlsruße in den e Eisenbahndienst üb'ertraten ber ehemalige Kaufmann Lilienthal aus 1 wurde am Montag vor den Frauzosen verhaftet, wal er die ihm für seine Kolonne aurertrauten Lohngelder 1 hat. In der gleichen UAngeleq teit na ien die Franzosen auch den deu'schen Arbeiter Heitkamp sest. Politische Uebersicht. Das Programm der sächsischen Negierung In der Dienstagssitzung des sächsischen Landtags gab die neue Regierung ihre Programmerklärung ab. Minister⸗ prasident Dr. Zeigner führte u. a. aus: Sachsen sei infolge seiner wirtschaftlichen Struktur unlösbar mit dem Reich ver knüpft; es leide mit dem Reich unter der Besetzung des Ruhrgebietes. Die sächsische Regierung ist mit der Reichs⸗ regierung einig, daß der Abwehrkampf mit aller Kraft fort eführt werden muß. Das Ziel des Abwehrkampfes ist, die Verhandlungsbereitschaft mit der französischen und belgischen Regierung auf vernünftiger Basis herbeizuführen. Diese Politik der Abwehr, des passiven Widerstandes muß klar und eindeutig durch eine aktive Politik positiver Vorschläge ergänzt werden. Eine Verständigung mit Frankreich ist aber ohne große Opfer der besitzenden Klasse nicht denkbar. Um aus der verzweifelten wirtschaftlichen Lage heraus⸗ zukommen, wird die sächsische Regierung alles tun, was ge⸗ eignet ist, die Entwicklung von der Privatwirtschaft zur Ge⸗ meinwirtschaft vorwärtszutreiben. Wir wissen jedoch, daß ein kleines Land wie Sachsen mit seiner eingeschränkten Gesetzgebungsgewalt und bescheidenen Wirtschastskräften in⸗ mitten einer kapitalistischen Welt sozialistische Ziele nicht so verwirklichen kann, wie wir es wünschen. Mit Rücksicht darauf, daß die wirtschaftliche Not bald die Ursache der Kriminalität ist, wird die Regierung dem Landtag ein Aninestiegesetz vorlegen. Weiter wird die Regierung eine Verordnung erlassen, durch die jede Preistreiberei nachdrücklich dadurch bekämpft wird, daß zur Kontrolle der Preisbildung besondere Aus⸗ schüsse bei den Preisprüfungsstellen errichtet werden, die aus Vertretern der Arbeiter und Angestellten bestehen und im Einvernehmen mit den beteiligten Arbeiter⸗ und Ange- stelltenorganisationen berufen werden. Die Regierung wird jedem Versuch, den Achtstundentag anzutasten, entschieden entgegentreten. Bei Schlichtung von Lohnstreitigkeiten wird sie die aufwärtsstrebenden werk⸗ tätigen Volksschichten in allen berechtigten Existenzkämpfen unterstützen. Den in der Oeffentlichkeit geäußerten Wünschen entsprechend wird sie ein Arbeitskammergesetz dem Landtag vorlegen. 5 Dem Einheitsschulgedanken und dem allgemeinen Schul⸗ fortschritt droht eine schwere Gefahr durch den Antrag der bürgerlichen Parteien im Reichstag. Die sächsische Regierung halt diesen Antrag für verfassungswidrig und hat bereits an maßgebender Stelle dagegen Protest eingelegt. b Alle für unseren wirlschaftlichen, sozsalen und kulturellen Wiederaufbau notwendige Arbeit kann nur ge⸗ leistet werden auf dem Boden der Republik. Diese aber ist bedroht, und das Reich hat gegenüber dem Treiben der anti⸗ republikanischen Kreise nicht jene Festigkeit gezeigt, die not⸗ wendig gewesen wäre. Ueber ganz Deutschland haben sich zahlreiche Organisationen verbreitet, die verborgen und offen gegen die Republik hetzen. Mit Bitterkeit haben wir feststellen müssen, daß auch die Reichswehr sich nicht frei⸗ gehalten hat von engen Beziehungen zu diesen reaktionären In dieser Situation kann es der Arbeiterschaft nicht verdacht werden, WN t Schutze ihrer Versammlungen Einrichtum zn und A maßnahmen gegen Ueberfalle ergriffen hat. Auch die blik selbst ist bedroht. Die sachsische Regierung kann ö her den Arbeitervertretern nicht verbieten, nein, sie! 8 dankbar begrüßen, wenn sich die Arbeiter den Orgar 0 Republit zur Verfügung stellen, um im Bedarfsfalle ö der Leitung staatlicher Polizei mit ihrem Leben alle ge tätigen und ungesetzlichen Angriffe gegen die Repub N zuwehren. Das Proletariat ist die stärkste und zuverif Sicherung der Republik. Die Regierung hat zur 9 schaft das feste Vertrauen, daß sich kein Mitglied d nungsdienstes an irgend einer prove katorischen He beteiligt oder sich Erefutivbefugnisse beimißt, die ihn zukommen und die kein Staat einer privaten Organsse überlassen könnte. Davon, daß diese Abwehrorganisah gegen strafrechtliche Bestimmungen verstoßen, kann ga Rede sein, denn der sächsische proletarische Ordnung ist nicht bewaffnet. Damit entfallen alle Argumente. einen Weg gibt es, um diese Abwehrorganisationen flüssig zu machen: das Reich mag endlich eingreifen g die fascistischen Organisationen. Das Reich hat es Hand, diese Abwehrorganisationen gegenstandsloz machen, wenn es dafür sorgt, daß die reaktionären A formationen mit aller Energie zerschlagen werden. haben am 21. März vor dem Landtag den Eid ah sächsische Verfassung geleistet, wir werden ihn halten. betrachten es als unsere Aufgabe, die Republik zu e ** * DN 2 * N 2 — aufzubauen und nicht zu zerstören.— 1 knicht Die vorstehende Programmerklärung enthält zu ber Recht— verschiedene sachliche Angriffe gegen das 9 kunt, 1 Zentralorgan der Volkspartei, die Zeit, fühlt 4 al Ft berufen, den Ministerpräsidenten als„Landesverräte dle d bezeichnen. Sie führt diese Bezeichnung auf Zwischen Fah, einiger Vertreter der Rechtsparteien im sachsischen an ub die zurück, die diese Herren natürlich ohne viel Mut auf 6 a ihrer Immunität leicht machen konnten. Die Zeit ist — wegen der Vezoichnung„Landesverräter“ gerichtlich 10 Ni langen, und wir glauben, doß der sächsische Ministervfff 0 eis Jaht dafür schon Sorge tragen wird. Für uns würde sich d 00 bei f erübrigen, auf die Angelegenheit noch einzugehen, e ibi nicht in diesen Tagen in Berlin das kommunistische. altelhen, verboten worden wäre, das sich gegen Vertreter der alen. regierung und der preußischen Regierung nicht 1 0 1 g it d Verleumdungen hat zuschulden kommen lassen, wie die Cbehesen Der Ausdruck„anilingefärbter Prozentpatriot“ und i al Mraft Bezeichnungen von der Roten Fahne, als Charakteriss Reichs⸗ und preußische Minister u. a. gebraucht, ben 3 höchstens Mitleid über die Geistesverfassung der R dc 1 1 des kommunistischen Zentralorgans zu erwecken. 40 65 jedoch die Bezeichnung„Landesverräter“, wie sie fi rechtsstehende Zeit zu eigen macht. Sie ruft neuen gegen die sächsische Regierung in den Rechtskreisen und ist ein schwerer Verstoß gegen das Gesetz zum Sch ö Republik. Wir fordern deshalb nicht das Verbot der msissen aber aus Gerechtigkeitsgründen die Aufhebu N Verbots der Roten Fahne mit sofortiger Wirkung verlieh Darüber hinaus wird die sächsische Wan wisse 1 sie zu tun hat. Die Thäringer Staatsbank. N Aus Weimar wird uns geschrieben: 0 Am Dienstag, den 10. rtl, wurde die Thüringi bank eröffnet. Sie soll mit den dem Staat zufließe im Rahmen eines neuzeitlichen Bankbetriebes arbeiten, die alten Staatsbanken mit Ausnahme der preußischen in Hauptsache die Aufgabe hatten, die Geldmittel e walten oder aber ihr Notenprivileg zum Zwecke der Schafsun 70 Der Deserteur. 1 Roman von Robert Buchanan. Auf den ersten Blick schien es wirklich unglaublich, daß ein menschliches Wesen von oben oder unten in die Grotte — wenn es dort oben eine Grotte gab— gelangen konnte, ohne eine Leiter oder Seil zu Hilfe zu nehmen. Aber der mit der Oertlichkeit besser vertraute Grallon erklärte, daß ein Aufstieg, obgleich im höchsten Grade beschwerlich und gefährlich, für einen geübten Turner nicht unmöglich sei. In der entferntesten Ecke der Kathedrale, in der nächsten Nähe des sogenannten Altars, sei die Wand hart und trocken und weise hie und da kleine Vorsprünge auf, die für Hände und Füße des Aufsteigenden als Halt dienen konnten. „Ich sage Euch, Ihr Leute, die Sache ist möglich! Man braucht nur Füße und Hände gegen diese Vorsprünge zu stemmen——— „„Wohlan, ich sehe, daß Du ein waghalsiger Bursche bist,“ unterbrach ihn der Sergeant,„und die Sache gründlich weg hast. Zeige uns, wie man's macht und, bei der Seele des Kaisers, wir folgen Dir nach!“ „Ich sage Ihnen, Sergeant, er ist oben,“ beharrte der erschrockene Fischer. „Und ich wiederhole Dir, daß wir Dir folgen wollen, wenn Du uns den Weg zeigst. Zum Teufel, Du glaubst doch nicht, daß der alte Pipriac ein Hasenfuß ist? Vorwärts, mein sauberes Bürschchen, vorwärts!... Was, Du willst Kicht? Na, das wundert mich nicht, denn ich sagte ja schon, daß nur der Teufel das Kunststück fertigbringen kann, dort hinauf zu gelangen. Nichtsdestoweniger,“ fuhr er, zu seinen Leuten gewendet, mit Donnerstimme fort,„wollen wir ver- suchen, den Vogel zu überraschen. Pierre, Du bist ein treff— sicherer Schütze, nimm Dir dort den Kamin zum Ziel. Feuer!“ Der Gendarm erhob seine Flinte und richtete sie auf das schwarze Loch hoch oben. In der nächsten Minute wider- hallte der Schuß tausendfach von den schroffen Granit⸗ wänden, zahllose Möwen und Tauben flatterten, von dem furchtbaren Getöse erschreckt, über den Köpfen der An- wesenden. Einen Moment hatte es den Anschein, als ob all diese Steinkolosse zusammenstürzen und die zwerghaften Ge⸗ stalten unten zermalmen wollten. „Noch einmal!“ kommandierte der Sergeant. Das Getöse wiederholte sich erneute Legionen von Seevögeln flatterten erschreckt umher, aber kein anderes Zeichen ward sichtbar. 1 „Genug der Komödie!“ schrie Pipriac, ganz rot vor Verdruß.„Man hätte glauben können, daß der Himmel ein⸗ stürzt. Ich sage, er ist nicht oben. Gehen wir!“ Die hinaufstarrenden Gendarmen stießen in diesem Augenblick einen Schrei der Ueberraschung aus, denn in der Oeffnung des Kamins erschien ein unförmlicher Kopf, aus welchem zwei große leuchtende Augen verwundert in die Tiefe storrten. Nach genauer Beobachtung stellte es— jedoch heraus, daß es kein menschlicher Kopf, soͤndern der einer Ziege sei, und zwar der der braven Jannedik, die, auf ihre beiden Vorderfüße gestemmt, zu fragen schien, was denn der ungewohnte Lärm da unten zu bedeuten habe. Grallon knirschte vor Wut und stieß die bösesten Verwünschungen gegen das arme Tier aus; Pierre riß sein Gewehr von der Schulter und zielte auf Jannedik, deren letztes Stündlein geschlagen zu haben schien; aber Pipriac schrie den Gen⸗ darmen an, die Ziege der armen Witwe zu schonen; dann wandte er sich voll Hohn an Grallon:„Also das ist Dein Deserteur? Eine armselige Ziege mit Bart und Hörnern! Zum Teufel, sieh' doch, sogar das Tier lacht Dich aus, ich sehe ganz deutlich die weißen Zähne blitzen.“ „Wenn die Vestie dort oben ist kann auch der Besitzer nicht weit entfernt sein,“ antwortete der Fischer zornig. „Wenn ich doch nur eine Leiter hätte, dann würdet Ihr alle schon sehen———. Ich wollte mein Boot, meine Netze, alles, was ich besitze, darauf verwetten, daß der Kerl sich dort oben versteckt; aber er ist zu feige, sich zu zeigen. Was täte die Ziege oben in dem dunkelen Loch, wenn ihr Herr nicht dort wöre? Ich bin nicht vergebens Tag und Nacht auf der Lauer gelegen und weiß hestimmt, daß er oben ist. Wenn er uns diesmal entwischt, ist es nicht meine Schuld, sondern die Ihrige, Sergeant Pipriac!“ Dieser hielt es nicht der Mühe wert, dem fanatischen Fischer zu antworten, sondern kommandierte zum Rückzug. Er und seine Leute hatten fast den Ausgang erreicht, als plötzlich von oben eine feste, klare Stimme sagte:„Ja, Mikel Grallon, ich bin hier!“ Alle blickten vor Ueberraschung starr in die Höhe. In der Mündung des Trichters, des Kamins oder der Grotte — man nenne es, wie man wolle— stand, kerzengerade auf. gerichtet, mit Lerwildertem Haar und Bart, zerfetzter 11 Kleidung, abgezehrt und halb verhungert, der Mann, dem sie fahndeten. Seine hohe Gestalt hob sich in dem Sonnenschein scharf von dem dunklen Hintergrunde 1 daß man ganz deutlich die sich in seinen Zügen auspräah. seelische und physische Qual sehen konnte. Aber aus Augen flammte noch eine andere Leidenschaft— der pl erwachte Haß und die tiefste Verachtung. Und dien heiße Kohlen glühenden Augen bohrten sich in diefe Mikel Grallons. Im ersten Augenblick schien es, Rohan sich auf dan Spion stürzen wolle, doch wäre da dieser ungeheueren Höhe sein sicherer Tod gewesen. G sann sich daher eines Besseren und dlieb keuchend und se sprühend in der schwarzen Mündung stehen, f Grallon unter den Flammenblicken sich vor Angst und n setzen in sich selbst verkroch. Pipriac und seine Leute stinss die Vision wie betäubt an und waren unfähig, ein b hervorzubringen. „Heilige Jungfrau, das ist er wirklich!“ keuchte e der alte Haudegen, nach Atem schnappend; dann rief en festerer Stimme hinauf:„Also dort oben bist Du, ö b Sohne!“ 0 Nohan antwortete nicht dauernd fest auf Mikel gerichtet. „Wir haben lange auf Dich gewartet und freu 70 0 Dich endlich zu Hause zu finden. Was tust Du do so hoch in der Luft? Teufel, es scheint, als ob Du i Vogel fliegen könntest! Sei gescheit, mein Junge, herunter und ergib Dich— im Namen des Kaisers fe ich Dich dazu auf!“ 15 So parlamentierte Pipriac mit verlegener Miene. Gendormen stellten sich in Positur, erhoben ihre ihn auf das Komando ihres Führers loszufeuern. Es war WW. sehr aufregende Szene; aber Rohan strich sich das r Haar aus den Augen, seinem gefährlichen Platz. „Hörst Du mich, Rohan?“ fur Pipriac erregter „Ich werde, wenn Du Dich noch lange besinnst, nicht Worte mehr machen. Du hast das Spiel 9 170 haben Deine letzte Karte abgetrumpft, und Du kannt wenig dabei gewinnen, wenn Du darauf W 1 0 f Vogel in seinem Neste dort oben zu bleiben. Ergib kohan Gwenfern, ergib Dich, damit wir nicht noch wal nütze Zeit verlieren!“ (Fortsetzung folgt.) e 5 bah und hielt seine Aude 8 2. 2 lächelte und rührte sich nicht U 1 11 2 Sachssen dienten der thüringischen Regierung als Vor⸗ „Die in den bisherigen Gebieten Thüringens bestehenden Landesansta die mit eine einzigen Ausnahme keinen neuzeit⸗ lichen benluäßigen Betrieb eingeführt hatten, werden nach und u Draa nach in die Staatsbank üdernommen. Für die Geschäfte der ü e Staatsbank haftet gemäß dem§ 5 des Staatsbank⸗ setzes der Staat mit seinem ganzen Vermögen. Die Thüringi anden untersteht der Aussicht des Paaangete erz Sie 8 7 richtet uit dessen Genehmigung und unter Zustimmung bes Ver⸗ waltungs rates auf der Grundlage der bisherigen Landesanstalten in den wichtigsten Städten Thüringens Zweig⸗ und Nebenstellen, dite der Oberleitung und Oberaussicht des Direktoriums unter⸗ stehen. Neben dem Direktorium, das dem Finanzminister un⸗ mittelba unterstellt ist, besteht ein 13köpfiger Verwaltungsrat, in den alle e des Landes einen Vertreter entsandt haben. Keines seiner Mitglieder darf selbständig ein Bankge⸗ schäf: betreiben oder Miralsed des Vorstandes und Aufsichesroses oder Angestellter eines Geldinstituts sein. Der Verwaltungsrat übt ein Kontrollvecht über die Tätigkeit deg Dicektoriums sowie der Zweig⸗ und Nebenstellen aus. Als Konkurrent der bestehenden ma Puval⸗ oder öffentlichen Institute wird die Staatsbank immer „ pversuchen. in freundschaftlöcher Weise eine gegenseitige Verein⸗ ba zu erreichen. die olle Teile befriedigt. Den Gemeinden seoll in weitgehendstem Maße geholfen werden. Als Gegenleistung 6% Ulrd erwartet, daß sie ihre eigenen und auch die flüssigen Mittel der Staatsbank zuführen. Der Wirtschaft zu be des Instituts, das vom Staate inschaft geschaffen wurde. * Spa be. audige Aufga und von der en.“ 0 a Die staatlichen Braunkohlengruben in Oberhessen. Der Erlös der beiden gegenwärtig zur Zeichnung auf liegenden Anleihen des hessischen Staates ist bekanntlich für die rrichtung neuer Wohnungen und für den weiteren Aus⸗ bau der staatlichen Braunkohlenwerke in Oberhessen be⸗ f Ueber diese Braunkohlengruben teilt das hessische Ministerium der Finanzen folgendes mit: Die dem Staat gehörenden Braunkohlengruben in Oberhessen haben eine Jahresförderung von 200 000 Tonnen netto, die sich noch wesentlich steigern laßt. Hiervon werden zurzeit 54 von dem Elektrizitatswerk Oberhessen in Anspruch geno en und ½ als Rohbraunkohle und Preßsteine ver⸗ kauft. Die Roheinnahme aus diesem Ertrag wird sich für dieses Jahr auf rund 8 Milliarden Mark beziffern und wird auch bei entsprechenden Abschreibungen die Anlagen gelten übrigens als erstklassig und durchaus modern— stets ausreichen, um die Aufwendungen für die Gruben voll zu verzinsen. Dauernder Absatz für nahezu die gesamte Förde⸗ W. 1 rung ist durch einen langjährigen Vertrag mit der Provinz rut 1 10 Oberhessen für deren die ganze Provinz umfassende Licht und Kraftwerke gesichert. N be ö 1 9 Zur Gesundheitspflege in Hessen. uwelen A 1. April 028 trat der Ministerialvrat in der Abzeilung wie se öffentliche Gefundheilspflege im Minlsterum des Innern de d. Valser in den Nuhestand. Es feht wieder einmal ein ruft neue im Ministerium leer. Wer wird kommen und was wird cskbesen! demmen? Wird die öffentüiche Gesundheitspflege in Hessen auch 6 zum Stig weiterhin dahinstechen wie in den langen Jahren vorher, in Verbo 114 Wesentlicheg auf diesem für das allgemeine Volkswohl so Verbot ge“ w Gebiet geschehen ist? Te alten Burreaukraten regieren ie Aufhebuß lecht und recht weiter und die dringenden Forderungen, die die irkung bea, Volkegefundheilsflere zu siellen hat werden von nen gerade so wie friiher überhört. Ist es nicht endlich an der Zeit, daß sich auch in Hessen an Wille ufrafft. die Volksgesundheitspflege mit rung wise, 8 5 wellen Geist zu erfüllen und sie weiter zu entwickeln? Seit fünfzig Jahben ift in der Organisation der össentlichen Gesundbeitspflege nichts geschehen und die Abteilung für öffentliche Gesundhsitspflege imm Ministerium des Innern noch dieselbe Anzahl der Mit⸗ arbester wie im Jahre 1880! Keine Entwicklung, Jondern Stag⸗ nation! Wie lange soll das noch weiter gehen? Das Volkswohl verlangt eine selbständige, von einem Arzt geleitete, Gesundheits⸗ abteilung, die aus der Enge des Verwaltungsapparates des Mimf⸗ feriums des Inne befreit und dem Arbette⸗ und Wirtschafts⸗ i. angegliedert werden muß. damit sie zum Wohle des 5 es arbeiten kann. van. Sonnenaufgang in der Medizin. Die Heilkraft der Sonne ist in der letzten Zeit in der Medizin immer deutlicher erkannt und immer eingehender erforscht worden, Besonders in England wird der Kampf ums Sonnenlicht von einsichtigen Aerzten eifrig geführt, und de denn das rauchgeschwärzte London und die englischen Fobrik⸗ sich in dia städte, deren Luft durch Ruß verunreinigt ist, sind gleichsam schien es, mit einem dichten Mantel bedeckt, der die heilbringende doch wire, Kraft des Lichtes nicht durchläßt. h gewesen.. Einer der Hauptvorkämpfer für den„Sonnenaufgang feuchend 0 in der Medizin“ Dr. C. W. Soleeby hat in Newyork die stehen, f Verwendung der Sonne gegen Tuberkulose und Rachitis or Angst un studiert und macht über die neuesten Forschungen der Ameri⸗ eme Leuk 0 kanet auf diesem Gebiet Mitteilung. Durch energische Maß⸗ unfähig, en nahmen ist die Newyorker Luft von den Unreinigkeiten be⸗ freit worden, nachdem, hauptsächlich auch durch deutsche 900 keuchte orscher, erkannt worden war, daß Tuberkulose und Rachitis „dann 10 5 zu den sogenannten„Krankheiten der Dunkelbeit“ gehören. en bist du JIn den Laboratorien der Columbia-Universität zu Newyork untersucht Dr. Heß seit einigen Jahren die Heilwirkuag des seine Mag Sonnenlichtes und wendet seine Erfahrungen in dem groß⸗ 1 artig ausgestatteten Jüdischen Kinderheim in Newyork an. 0 fe, Die 1 seiner Forschungen, die bereits vielfach nach ⸗ t 12 d, gepri 0 worden sind, lassen sich dahin zusammenfassen, daß ul 0 d 0 Rachisis vernieden und geheilt werden kann durch Ein ⸗ als 1 0 wirkung des Sonnenlichtes. Tiere und Kinder werden nicht len 115 don dieser Krankheit ergriffen, wenn sie sehr viel in der des Sonne find, selbst wenn die mangelhafte Nahrung sonst Ni, Unbedingt die Krankheit hervorrufen würde. Die Zunahme gener 1 f der Erkrankungen an Rachitis steht in Newyork nach ge yoben 1 nauesten Statistiken im umgekehrten Verhaltnis zu der Zu⸗ ern.. nahme der Sonnenwirkung im Laufe des Jahres: je mehr ric 0 5 Sonnenlicht, desto weniger„englische Krankheit» und um: ihre. rt. Aber nicht nur die monatliche Kurve der Rachitis⸗ erkrankungen, sondern auch die des Phosphorgehaltes im ll besinnsl, 1 Blut bei kleinen Kindern entspricht vollkommen den monat; iel pelle 0 lichen Veränderungen in der Stärke des Sonnenlichtes. Es *, gibt im Blut der Kinder eine„Winterebbe“ und eine 110 ark„Sommerflut“ an Phosphaten. Damit ist der enge Zu: 102 10 e zwischen Sonnenlicht und Blutbildung in der 100 10 Kündheft erwiesen, ein Zusammephang, der bei den Er. 5 hsenen nicht in demselben Maße zu bestehen scheint. Es * Staatsmittel auszunutzen. Die Staatsbanken in Braun⸗ Gießen und Umgebung. Fürdie Bed ängten im Ruhrgebiet Es gingen wester bei uns ein: Vom Spieltisch im Hotel Kobel, 3. Rate. 2346.— Mark. Be⸗ reits quittfert 688 514.— Mark. Zusammen 690 860.— Mark. Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. — Ein Volksbegehren soll in nächster Zeit im Reiche zur Ab⸗ stimmung gebracht werden. Es handelt sich um ein von den Sied⸗ lungsverbänden beantragtes Gesetz, das folgenden Wortlaut hat: i 8 eines Gesetzes zur Ergänzung des Reichssiedlungs⸗ gesetzes. f Der Reichstag hat auf Volksbegehren das folgende Gesetz 9 570 mit Zustimmung des Reichsrats hiermit ver⸗ ündet wird: 8 1. Zu einer Ackernahrung im Sinne des S 1 des Reichs⸗ siedlungsgesetzes vom 11. August 1919(Reichsgesetzbl. S. 1429) gehören bei Bodenklasse 1 50 Morgen, bei Bodenklasse II 60 Mor⸗ gen, bei Bodenklasse III 70 Morgen, bei Bodenklasse IV 80 Mor⸗ gen, bei Bodenklasse Y 100 Morgen, bei Bodenklasse VI 120 Morgen, bei Bodenklasse II 160 Morgen, bei achter und noch geringerer Bodenklasse 200 Morgen. 8 Wer an Land, Wiesen und Wald mehr als zwei volle Achernahrungen besitzt, ist verpflichtet, ein Drittel der die zweite Ackernahrung übersteigenden Fläche an das Land, in welchem der Grundbesitz sich befindet, ohne Entschädigung abzutreten. § 3. Die Länder haben diese von den Großg rundbesttzern übernommenen Flächen bis zum Umfang einer Ackernahrung an ssolche Familien in Erbpacht zu vergeben, die noch kein Land oder noch keine volle Ackernahrung besitzen. 8 § 4. Die Höhe der Erbpacht beträgt flinf Prozent des Wertes der Grundstücke im Jahre 1914. Die Einziehung der Erbpacht erfolgt durch die Verwaltungsbehörden. 8 5. Soweit auf Grund des§ 2 Waldflächen an die Länder abgetreten werden, sind sie zur Gewährleistung einer ordnungs⸗ mäßigen Bewirtschaftung vom Staate zu verwalten. 8 6. Solange keine Familien auf Uebertragung der Grund⸗ flächen antragen, kann das Land die Grundflächen in größerem Umfang an die bisherigen Besitzer oder an andere Landwirte in eitpacht zur Bewirtschaftung überlassen Die Zeitpacht ist in lchen Fällen nach 8 4 zu berechnen. 5 Wer an der Abstimmung teilnehmen will, muß sich bei der Bürgermeisteret seines Wohnortes in aufliegende Listen eintragen lassen. Das muß in der festgesetzten Eintragungsfrist vom 18. April bis 1. Mat einschließlich geschehen. — Bedauernswerte Kriegsopfer. nicht so lange hinter uns Folgen, umter denen 9 für möglich halten. daß es noch Wen g Krieg begeistern. Oder sich begeistern lassen. Augen P. Wälde im dem Frankfurter Kriegsopfern im ibt: Wir in die Baracke 8 des Städtischen Kran⸗ kenhauses. Hier wohnt das end. sind hier untergebracht als Opfer des verflossenen das uns Erfrischuna bringen sollte. Daß di sollen, wirst du micht sofort begreifen, denn kräftig gut genährt sitzem sie vor dir. Ich vede einen von ihnen an. Ei unartikullertes Gurgeln. an hilfloses Stammeln des sonft geistig normalen jungen Menschen ist die Antwort Hirn⸗ verletzung infolge Kopfschusses mit Lähmungen.. Zu allem Un⸗ glück hat der arme gerl jetzt noch eine Grippe. Hilflos deutet er auf seinen Halsumschlag: er hat Halsschmerzen. Ein anderer drückt andauernd ein Tuch an den Mund, aus dem fortwährend Speschel ausfließt, während auch ein Dritter nicht mehr reden Vor einem Messingkäfig sitzt ein Vierter und beobachtet den Donpfaff. Auch er ist einsastia gelähmt infolge Hiruverletzung und schwer⸗ fällig in der Sprache. Ich versuche, ihn aufzuheitern, aber es will mir nicht recht gelingen Was er wohl denken mag? Simmend betvachtet er den Dompfaff. Vielleicht denkt er an das Lied: Wer uns getraut, Der Dompfaff er hat uns getraut. Oder denkt er: Wenn ich zwei Flüglefn hätt' flög ich weit fort von hier, flög ich zu dir? Vielleicht hört er irgendwo ein Weibchen locken?— Ueber einem Vett hängen prächtia gemalte Oelbilder. Der sie gemalt, muß in der Haut, wie ja auch deutsche Forscher bereits zu zeigen suchten, unter dem Einfluß des Sonnenlichtes ein Stoff sich bilden, der in das Blut tritt und es befähigt, die wertvollen Salze der Ernährung festzuhalten, wie es sonst nicht der Fall ist. Man hat diese Heilwirkung des Sonnen⸗ lichtes durch verschiedene Arten künstlichen Lichtes, durch das elektrische Bogenlicht und die Quarzlampe ersetzt, nachdem man erkannt hatte, welche Teile des Sonnenspektrums von hesonderer Heilwirkung sind. Der Kohlenstaub in der Luft wirkt deshalb so ungünstig, weil er gerade diejenigen Strahlen zurückhält, die für die Gesundheit am wichtigsten sind. In den Laboratorien der Columbia-Universität sind auch darüber Untersuchungen angestellt worden, welche Ge⸗ webe den Wert der Lichtstrahlen am wenigsten schädigen, und man hat gefunden, daß weiße Stoffe besser sind als schwarze. Man ist daher dazu übergegangen, eine besondere „Tuberkulosen⸗Kleidung“ herzustellen, die den Lungen- leidenden am wenigsten die heilkräftigen Strahlen der Sonne fernhält. Kohlenstaub. schlechte Wohnungsverhält⸗ nisse, unsere bisherige Kleidung, das gewöhnliche Fenster⸗ glas, das die heilkräftigen Strahlen nicht durchläßt— das sind nach Saleebys Anschauung gefährliche Feinde unserce Gesundheit, die wir bekämpfen miissen, um das große Ge⸗ schenk der Sonne mehr für uns auszunutzen. Ferngespräche aus fahrenden Zügen. Berlin, 11. April. Die Eisenbahnzugtelefonie der Funken⸗ telegraphischen Gesellschaft Huth, über die bisher nur allgemeine Berichte in der Oeffentlichkeit bekannt waren, wurde gestern leitenden Persönlichkeiten des Reichsverkehrs⸗ und Reichspost⸗ ministeriums in der Praxis auf der Strecke Berlin⸗Hamburg vor⸗ geführt. Die Minister mit den Herren dieser Ministerien und der Eisenbahndirektion Altona begaben sich nach Wittenberg und er⸗ warteten den aus Hamburg kommenden mit Eifenbahnzugstele⸗ fonie ausgerüsteten D⸗Zug, mit dem sie nach Berlin zurückkehrten. Zunächst wurde von dem Direktorium der Huth⸗Gesellschaft eine Uebersicht über die Methoden und technischen Einrichtungen der neuen Eisenbahnzugstelesonie gegeben. Danach überzeugten sich die Herren von dem Funktionieren der Einrichtung durch verschtedene Gespräche mit Berlin. Es wurden Gespräche mit dem Reichs⸗ äfidenten, Reichsfinanzminister und Ministerien und anderen zersönlichkesten geführt. Am eindrucksvollsten war die Tatsache, daß man mit jedem Telesonanschluß in Berlin während der Fahrt ebenso verbunden wird, als wenn man sich in Berlin selbst befindet, ja sogar daß der Angerufene nicht einmal bemerkt, daß er mit dem in voller Fahrt befindlichen D-Zug im Gespräch ist Fest rechtsseitig gelähmt und mark Nuts hans. er wird vort Städel schen Kunstinstitut unterrichtet. Die Sehnsucht lieg in den Blumen, die die Leinwand schmiicken. Leise, schlürsende Schritte hiuler mir. Ich dreße mich un. Vor mir steht ein kräs⸗ tiger Maun mit mächtige Brustkasten und schr gittem Ernäh⸗ rungszustand. Er kann sich nur mit Hilfe eines Lausstuhles fort⸗ dewegen, wie ein Kind das seine ersten Gehversuche macht. denn beibe Veine sind gelähmt infolge Hirnverletzung. Ich frage ihn, was er machen würde, wenn fetzt plötzlich, wie es uns in unserer Kindheit so oft erzählt wurde. ein Wunder geschähe. Wenn dec große Zauberer ihn anrührte und seine Veine wären wieder die alten. Er blickte nach der Tür:„Durch die Tür würde ich nicht gehen, die wäte mir zu weit aber hier durchs Fenster würde ich springen!“ Was von dem großen Lebenswillen der Leute zeugt, ist seine Aeußerung, es sei doch wenigstens noch einigermaßen gut abgegangen denn es hätte noch schlimmer kommen können, und er wäre nicht mehr da.— Einem anderen fehlt ein großes Stück Knochen an der Schädeldecke. Schüchtern liegt die behaarte Kopf- haut über dem tiefen Loch. an der der Pulsschlag des Gehirns 41 sehen ist. Und so folgt ern Elendsbild dem anderen Uebera Lähmungen infolge Hirnxerletzung und epileptische Krämpfe.— Du möchtest wieder heraus aus dem Schatten, in die Früh⸗ lingssonze? Hast recht denn ihnen kannst du nicht helfen, den armen Kriegsopfern den schwarzumränderten Bsitenkarten einer hoffontlich überwundenen Zeit. Aber erleichtern kannst du es ihnen, ihr hartes Los Car manche Liebhaberei haben 5 hinubergerettet aus ihrem früheren Leben. Der eine sammelt Briefmarken, ein zweiter malt: an dem ebenfalls gespendeten Dompfaff erfreut sich ein dritter uw. Aber alle dese Dinge kosten dente viel Geld und dies gerade fehlt den armen Menschen Mit Geld könnten sie sich so manches von der Sonne kaufen, die sie jetze so stiefmütterlich behandelt. Freue dich an der me, lieber Leser, aber denke auch an ste die schon so lange hilflos im Schatten sitzen. — Ein beachtenswerter Prozeß wird am 15. Mai vor der Gießener Strafkammer in zweiter Instanz verhandelt werden. Es handelt sich um die Anklage gegen den Chemiker Dr. Robert Markus, jetzt in Berlin, früher in Büdingen, wegen Beleidi⸗ gung des Fürstlich⸗Büdingischen Forstmeisters Hoffmann. Das erstinstanzliche Urteil, das Dr Markus zu der unerhörten Frei⸗ heitsstrafe von einem Monat Gefängnis verurteilt hatte, wurde vom Reichsgericht ausgehoben, um Dr. Markus Gelegenheit zu geben, seinen umfangreichen Wahrheitsbeweis gegen Forstmeister Hoffmann anzutreten. Der Prozeß war eine Folge des„Waldens⸗ berger Arbeitermordes“, worüber bei der ersten Verhandlung ein⸗ gehend berichtet wurde. Von dem Förster oder seinen Leuten war ein ruhig seines Weges gehender Arbeiter namens Guillaumon aus Wächtersbach erschossen worden, weil man letzteren für einen Wilddieb gehalten harte. Dr. M. hatte sich seinerzeit in selbst⸗ losester Weise für die ungllicklichen Eltern des Ermordeten, Zakob Guillaumon, als ihr Bevollmächtigter eingesetzt, die in demselben ihren Ernährer verloren hatten. — Aus den amtlichen Personalnachrichten. Ernannt wurden am 20. Februar 1923: der Studienassessor Dr. Wilhelm Glitsch aus Oppenrod(Kreis Gießen) zum Studienrat an der Höheren Bürger⸗ schulle zu Ober⸗Ingelheim mit Wirkung vom 1. Februar 1923 ab: am 3. April 1923: der Hilfsarbeiter Heinrich Langsdorff in Rockenberg e Strafanstaltsoberwachtmeister am Lamdeszuchthaus — Fahrplan⸗Aenderung. Die zwischen Frankfurt und Hamburg autsgefallenen D⸗Züge 75 u. 76 werden vom Donnerstag, 12. April ab wieder täglich gefahren. D. 75 Gießen ab 11.32 Uhr wird erstmalig am 12. April und D. 76 Gießen ab 8.08 Uhr erst⸗ malig am 13. April verkehren. Ab Sonntag, den 15. April werden die Personen⸗Zlge 773 u. 776 wieder zwischen Frankfurt und Gießer eingelegt. Züge verkehren darnach von diesem Tage ab wieder auf ihrem ganzen Lauf Franksurt⸗Cassel. 773 Gießen⸗Cassel(Gießen ab 12.32 Uhr, 776 nach Frankfurt, Gießen ab 2.45 Uhr). — Kinderwagen gestohlen. Ein dreister Diebstahl wurde am Sonntag mittag nach 1 Uhr am Ludwigsplatz verübt. Aus einem Vorgarten stahl der Dieb einen Kinderwagen mit Ausstattung und fuhr damit nach der Stadt zu. Der Dieb ist nach polizeilicher Mit⸗ teilung etwa 19—20 Jahre alt, 1,65 Meter groß, gesetzte Natur und war werktätig angezogen. Der Kinderwagen ist außen blau lackiert, innen weiß aus geschlagen und hat Niemenfedergestell. Das Verdeck ist dunkelblau und innen weiß. In dem Wagen befand sich ein weißes Federdeckbettchen, ein desgl. Kissen, weißes Bettuch, Gummieinlage und Noßhaarmatratze. Vor Ankauf wird ge⸗ warnt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal⸗Abtei⸗ lung entgegen. — Als ein zuperlässiger Wetterprophet soll sich, wie in einem Parteiblatt mitgeteilt wird, eine abgenutzte elektrische Wotan⸗ Glühlampenbirne erweisen, die an der Spitze mit einer stecknadelkopfgroßen Oeffnung versehen und sodann mit Wasser ge⸗ füllt wird. Nimmt der Luftdruck zu, steht also schönes, trockenes Wetter bevor, so wird die Birne nicht tropfen, während die Schwerkraft des Wassers den feuchte Wisterung begleitenden 51 ringen Druck der atmosphärischen Luft überwindet, se daß die Birne langsam Wassertropfen fallen läßt. Dieser einfache, selbst herstellbare Barometerersatz ist besonders für Landwirte sehr praktisch und in allen Fällen ein sicherer Wetterprophet. br. Wieseck, 10. April. In der Gemeinderatssitzung vom 9. d. M. wurden die vorgelegten Satzungen der Freien Feuer⸗ wehr genehmigt. Ebenso wurde der Neuanschafsung und der Repa⸗ ratur von Feuerwehrgerätschaften zugestunmt, bis auf die Anschaf⸗ fung einer mechanischen Schiebeleiter und der Uniformstücke. Hierzu sollen zunächst Preisangebote eingeholt und dann erneut Vorlage gemacht werden.— Einer Einbürgerung wird zugestimmt.— Die neueröffnete Straße soll, in Anlehnung an den Ge⸗ markungsnamen, Eichenröder Weg heißen.— Karl Schäfer beantragte, mit der Gemeinde einen Geländetausch vorzunech⸗ men, Die fraglichen Objekte wurden durch eine Kommission einge⸗ gesehen, der Gemeinderat sollte nunmehr hierüber beschlie ßen. Dieser sah sich aber vor eine vollendete Tatsache gestellt, da der Bürger⸗ meister inzwischen im Sinne des Antragstellers ohne Gemeinderuts⸗ beschluß verfligt hatte. Die Mehrheft wendet sich gegen eine derartige Praxis und beantragt, das Gesuch abzulehnen. Nach äußerst heftigen Debatte wird die Angelegenheit schließlich bis zur nächsten Sitzung vertagt.— Vor 4 Jahren verkaufte die Gemeinde an eine Rethe Einwohner Bauplätze mit der vertraglichen Bestimmung, daß dieselben, falls sie innerhalb 3 Jahren nicht bebaut sind, an die Ge⸗ meinde zitrückfallen. Voi der größten Anzahl trifft das nunmehr zu. Es wird beschlossen, die Bauplätze, die die Gemeinde jetzt braucht, zurückzukaufen, und mit den derzeitigen Eigentümern in Verhand⸗ lungen zu treten.— Da die Baugenossenschast die Fertigstellung der beiden begonmenen Doppelhäuser einstellen mußte, beschließt der Gemeinderat, den Innenausbau der Häuser ausführen zu lassen und die erforderlichen Arbeiten neu zu vergeben. Die Submittenten sollen derart verpflichtet werden, daß die Häuser am 1. ui d. J. bezugsfertig werden.— Zum Schluß wird die Planie rung des Sportplatzes genehmigt, damit die sesther als facher dienende Wiese noch dieses Jahr der Vewertschasting dür werden kann. 5* 2 Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 9. April. Finem Verbrechen zun Opfer gefallen 2 Vor einigen Wochen verschdand dläglich. wie wir seinerzeit berichtetn, der 24jährige Monteur Heinrich Kieser aus Hausen auf geheimnisvolle Weise. Er batte sich Sonn- tags abends in Gesellschaft von Freunden befunden und wor während dieser Zeit unausgesetzt von einem großen fremden Manne beobachtet worden. Trotz der Warnungen der Freunde, den Heimweg nicht allein anzutreten, ging Kieser in der Tauvas⸗ straße weg. Seitdem ist er verschwunden. Jet dea nden fete Leiche bei Höchst a. M. aus dem Main gebs ceen. Aller Wabr⸗ scheinlichkeit nach ist Kieser einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Die Untersuchung ist nach dieser Richtung in vollem Gange. Frankfurt a. M., 9. April. Verfehltes Leben. Ein Stu⸗ dent von autzerhalb versuchte auf nicht einwandfreie Weise bei einer hiesigen Bank Geld zu erlangen. Als die Sache scheiterte und bei der Polizei zur Anzeige dam, beging der junge Mann Selbstmord durch Erschießen. Frankfurt a. M. 10. April. Französischer Flieger über Frankfurt. Montag abend 6.30 Uhr kreiste ein fran⸗ zösischer Flieger in einer Höhe von 400—600 Metern längere Zeit tber Groß⸗Frankfurter Stadtgebiet. Die Forelle in der Vollmilch. Eine große Ueberraschung gab es bdieser Tage in einer Lehrerfamilie in Bad Homburg. Als die Haus⸗ frau die für die Kinder bestimmte Milch von ihrer Lieferantin aus Vehrheim empfing fand sie in derselben eine muntere, etwa acht Zentimeter lange Forelle umherschwimmen. Die Sache dürfte viel⸗ leicht folgende Aufklärung finden: Die Milchfrau muß täglich an einem forellenreichen Taunusbächlein vorüber. Da nun um diese schöne Frühlingszeit auch die Fischlein un Sonnenglanze spielen und mich gar Sprünge aus den llaren Fluten machen, ist es gar nicht unmöglich, daß auch so ein fürwitziges Forellenbaby zu weit ge⸗ sprungen und in die Milchkanne der Wehrheimerin hüpfte. Die Polizei ist mit ber weiteren Aufklärung des Falles beschäftigt und werd auch ein Gutachten naturwissenschaftlicher Sachverständiger ein⸗ holen ob eine Forelle solche Sprünge machen kann. Die Milchfrau behauptet es Ein aufgeklärter Frauenmorb. Ein bereits im Februar d. J. in Berlin verübter Frauenmord ist mummehr aufgeklärt worden. Ende Februar war an der Müßhlendammbrücke in Berlin ein Paket ait einem menschlichen Rumpf aus dem Wasser gefischt worden. Duoch eime in dem Pabet gefundene Decke war es schließlich gelungen, daß es sich um eine Aufwärterin aus der Blumenstraße in Berlim handelt. Der minmehr verhaftete Mörder, ein 33jähriger Deulschursse namens Just hat vor der Kriminalpolizei gestanden, er die Aufwärtermm auf Veranlassung feiner Geliebten ermordet und beraubt hat. Die gleichfalls verhaftete Geliebte des Mörders leugnet noch einstweilen jede Schuld.: Vaterschaft im somnambulen Zustand. Ein aufsehenerregender prozeß hatte in London John Hugo Russell, der und Erbe des Lord Ampthill, gegen seine Gattin, die Tochter eines Obersten, angestrengt. Der Prozeß drehte sich in der Haupt⸗ um die Vaterschaft des Kindes, das Lady Russell im Oktober zur Welt gebracht hat und als bessen Erzeuger sie ihren Gatten Dieser bestreitet aber die Vaterschaft auf das entschiedenste. ch seiner Gatlin, so ecklärte er vor Gericht, schon lange Betracht kommenden Zeit nicht nähern dürfen. Nicht ein⸗ 4 5 8 5 1484 11715 sie grob, mitunter sogar mit Fufßftritten ab. Demgegenüber gab Russell zwar zu, daß sich ihr Eheleben im großen und ganzen von bem gekränkten Gatten geschilderten Weise abgespielt behauptet jedoch, daß es ihrem Manne eines nachts dennoch sei, feine ehelichen Rechte auszullben. Lord Russell sei näm⸗ ig und sei zur kritischen Zeit in somnambulen Zustande unvermutet in ihr Schlafzimmer gedrungen. Die Folge dieses Be⸗ suches sei das Kind. Anfänglich glaubte der Lord selbst diese Ge⸗ schichte, aber seine Mutter brachte ihm später die Ueberzeugung bei, daß seine Frau ihn betrogen habe. Die Verhandlung hatte auch er⸗ geben, daß die Lady ein sehr ungebundenes Leben führte, mit ihren Freunden auf Bälle ging und auch bei ihnen Sg. e Besitz des ungehenren Vermögens des Hauses Ampthil gekommen spricht von über 30 000 Pfund Sterling(600 000 Goldmark), die von den Prozeßkosten verschlungen wurden. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Lohnabban und Preisabbau. 15 Erzielung von Preisstillstand und Preisabbau und damit die Besserung des Regeleinkommens ist werwoller als jede Ver⸗ mehrung des nominalen Papiermarkeinkommens.“ Das ist das Ergebnis der Besprechungen über die Gehälter und Löhne der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reichs und damit der Grund, weshalb von einer Teuerungsaktion in der bisherigen Weise Abstand genommen wurde. Wer wollte bestreiten, daß dies durchaus richtig ist? Uns scheint jedoch, als erfahre diese Theorie eine falsche An⸗ wendung. Die een der Arbeitnehmer geht dahin, daß, sobald die Preise der Lebensmittel herab⸗ gehen, auf weitere Teuerungszulagen verzichtet werden kann und bei andauerndem wesentlichen Preisrückgang auch eine ent⸗ sprechende Lohnkürzung in Kauf genommen werden muß. Natürlich unter Berücksichtigung der allzu weit zurückgebliebenen Löhne. Die Unternehmer kagegen vertraten von vornherein ben Stand⸗ punkt, daß erst die Löhne gekürzt werden müssen, bevor die Preise herabgesetzt werden könnten. Die Steigerung der Lebensmittelpreise war nicht die Folge, sondern die Ursache der nominellen Steigerung der Papiermark⸗ löhne. Logischerweise müßten also zuerst die Preise zurück⸗ gehen, bevor die Löhne zurückgehen. Dabei wäre allerdings nicht zu vermeiden, daß in der Uebergangszeit ein Teil der früheren Unternehmergewinne aus den Differenzen zwischen hohen Preisen und niedrigen Löhnen zurückgegeben werden müßten. Da dann die Unternehmer bestrebt sein würden, die Uebergangszeit mög⸗ lichst abzukürzen, um möglichst wenig zuzulegen, könnten wir sicher sein, daß der Preisabbau ganz bestimmt und so weit als möglich eintreten würde. Allein das Unternehmertum will das Risiko von vornherein auf die Arbeitnehmer abwälzen und wahrt sich mit allen Mitteln gegen die„Zumutung“, im Interesse der Ge⸗ fundung der wirtschaftlichen Verhältnisse auch nur das mindeste Opfer zu bringen. Der Arbeitnehmerschaft wird jedoch zugemutet, während der Uebergangszeit ihre kärgliche Lebenshaltung noch weiter einzuschränken, außerdem aber den Achtstundentag preiszu⸗ geben, wobei ihr überlassen bleibt, den Preisabbau zu fordern und nach ihren Kräften zu fördern, der dann aber weit langsamer und weniger nachhaltig vor sich geht, weil ein ganz besonderes Interesse für die Unternehemer nach vorgängigem Lohnabbau nicht mehr vorliegt. Es wäre noch mehr zu diesem Thema zu sagen, doch stehen wir bereits vor der Tatsache, daß der Unternehemerstand⸗ punkt die stärkere Macht auf seiner Seite hat, weitere Lohnzulagen nicht mehr oder doch in kaum nennenswertem Maße erfolgen. Wir erwarten nun wenigstens den verheißenen Preisstill⸗ stand und Preisabbau und müssen das Unternehmertum samt der Regierung ersuchen, nunmehr mindestens die gleichen An⸗ strengungen zur Preiskürzung zu machen, wie sie bisher zur Lohn⸗ kürzung machen. Denn eine längere Uebergangszeit ist für die Arbeitnehmerschaft unerträglich. Der Belastungsprobe ihres Existenzminimums darf nicht gar zu viel zugemutet werden. Al so Preisabbau! Lokale Parteinahrichten. An die Ortsvereine im 6. Agitationsbezirk. Werte Genossen! Wiederum naht der 1. Mai, der Wellfeiertag der Arbeit heran. Unsere Aufgabe muß es nun sein für diesen Tag zu rüsten, die Vorbereitungen zu treffen. um die Maifeier überall zu einer machtvollen Kundgebung für die hohen Ziele des muß in jeder Stadt in jedem Ort, ein flammender Protest gegen die Gewalt und Mordtaten des französischen Militarismus. die dieser an den Volksgenossen und Arbeitsbrüdern an Ruhr und Rhein begangen hat, erhoben werden. Aber nicht minder gilt es auch an diesem Tag Front zu machen, gegen die Friedensstörer Hitlergarden und deutsch⸗völkischen Gewaltmenschen und Feinde der Republik im Innern. Was jeden Sozialisten und Gewerkschaftler trotz der schweren Zeit und der brutalen Gewaltmaßnahmen des französischen Mili⸗ tarismug mit Freuden erfüllen muß, ist das Wiedererwachen und Erstarken der Arbeiter⸗Internationale. Der hohe Maigedanke der Völkerversöhnung und Völkerver⸗ brüderung marschiert trotz alledem. Deutsche, französische, englische und belgische Sozialisten haben sich die Hand gereicht und verurtlilen einmütig den völker rechtswidrigen Einbruch des französisch⸗belgi⸗ schen Militarismus ins Ruhrgebiet. Deshalb ist einer der besten Bürgen für den Weltfrieden für Freiheit und Volkswohlfahrt, der Völkerbund der Arbeiterklasse der ganzen Welt. Befestigt diesen Bund am 1. Mai auf's weue. Rüstet zur Maissier! Um die Maffeier auch in den Landorten würdig und eindrucks⸗ voll zu gestalten empfehlen wir, die Maifeier gemeinsam mit den Grwerkschaftsgenossen unterbezirksweise zu veranstalten. Die Vor⸗ stände wollen sich hierbei an dile Arbeiter⸗Gesang, und Turnver⸗ eine, sowie an die Arbeiter⸗Jugend⸗Gruppen wenden, um durch ihre Darbietungen zur Verschönerung der Feier beizutragen. Wo Referenten gewünscht werden ist dieses unter Angabe wo und wann 5 155 stattfindet bis zum 16. April an das Parteisekretariat zu erichten. Trefft die Vorbereitungen, rsstet zur Maifeier! Der Vorstand der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei für die Kreise Gießen, Alsfeld Lauterbach. Zur Beachtung! Mit dem 31. März ist das Geschäfts⸗ fahr für die Partei zu Ende gegangen. Die Abrechnung sollte bis zum 10. April erledigt sein. Um nun dem Jahresabschluß und Bericht fertig stellen zu können, werden die Vorsitzenden und Kassierer dringend gebeten, für umgehende Einsendung der Ab⸗ rechnung und des zugesandten Fragebogens besorgt zu sein. Im besonderen weisen wir noch einmal darauf him, daß neben der Abrechnung an das Landessekretariat ebenfalls eine Ab⸗ rechnung nebst dem Fragebogen an das Partelsekretariat nach Gießen einzusenden ist. J. A.: H. Häuser. Sozialismus und für den Völkerfrieden zu gestalten. Am 1 Mai 2 Sport Freie Spielvereinigung„Hessen⸗Nassau“ Arbeiter⸗Turn⸗ und Sportbund, 9. Kreis, 3. Bezirk. Sonntag, den 29. April, vormittags 8 Uhr, findet in Gie (Gewerkschaftshaus) eine Vereinsvertreter⸗ und Schiedsrichterss statt. Tagesordnung: 1. Unsere Finanzlage. 2. Die Aenderungen d Bundessatzungen. 3. Spielbörse und Verschiedenes. 0 Die Vereine werden aufgefordert, fütr pünktliches Ersche ihrer Vertreter sowie Schiedsrichter Sorge zu tragen. Bei Ni scheinen müssen die Vereine sich die entstehenden Folgen selbst schreiben. Besonders mache ich die neuen Vereine auf diese aufmerksam. Karl Schäfer, Bezirksspielleite, Freie Turnerschaft Wieseck, Fußballabteilung. 1 Sämtliche Anschrifte sind zu richten an: Karl Schäftt Wieseck, Philosophenstraße 20. Sommer⸗Uebungsplan. Turnstunden: Dienstag und Freitag, 7—8 Uhr, für Schill 8½—10 Uhr für Aktive; Donnerstag und Samstag von 6—8 ft Fußballtraining. l. Sonntag, vormittags von 8½.—12 Uhr leichtathletisches Da ning— Nacktturnen. Jeden Mittwoch abend, 9 Uhr, Spielersitzum Der Vereinsturn⸗ u. Sportausschuß. J. A.: Schäfet Arbeiterjugend Lauterbach. Auf Beschluß der Generalversammlung unternahm die Arbesße, nigend Lauterbach an Ostern eine zweitägige Wanderung z Breitenbach am Herzberg. Am ersten Ostertag trafen sich 28 Jugen schierten über Wernges, len, Hattenrode Lauterbach abmarschierte, erwartete. Ein geplantes Zusammen, treffen mit A.⸗J. Hersfeld und den Naturfreunden Alsfelds 1 nicht stattfinden, da Hersfeld nicht eintraf und die Alsfelder 1 verspätet hatten, daß wir zirka 1½ Kilometer von einander u schirten. Den fremden Jugendgenossen aus Husum(Schl.⸗Hosst Chemnitz und Frankfurt a. M., welche die Osterfeiertage dei in verweflten, hatte diese Fahrt sehr gut gefallen. Unsere 1 hat auf dieser rung manches Lehrreiche gesehen und sichersst Nutzen davon gehabt. Der Rlückmarsch erfolgte über Huhnstad Lingelbach, Eisa nach Alsfeld. Von dort aus Bahnfahrt nach Laue bach., wo wir um 10 Uhr ankamen. 0 R. Schopbach, 2 Schriftführet Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen vom 10 April enthält: Preise für Zucker.— Bekanntmachung she die Zulassung des Eintragungsverfahrens für ein Volksbegeh — Baumfrevel.— Fleischbeschau.— Ausstellung von Duplila⸗ arbeitsbüchern. Verteilung des Unterrichts an der Fortbildung schule.— Jahrbuch des Vereins für das Deutschtum im Aus lan —Einkommensteueranteile der Gemeinden für das Ri. 1922.— Inlandslegitimierung ausländischer Arbeiter.— Ausführung de Polizeiverordnung über das Vertilgen der Blutlaus.— Faselwesen.— Dienstnachrichten.— Bekanntmachung des Poliseß amts Gießen. Versammlungskalender. Heuchelheim. Vereinigte Sozialdemokratisch Parte i. Samstag, dn e14. April, abends 8) Uhr Genera versammlung bei Gastwirt Hermann Grailich. Die glieder wollen hierzu pünktlich und vollzählig erscheinen. Großen⸗Buseck. Volksverein. Samstag, abends 8 Uhr Generalversammlung bei Mitglied Koch. Tag ordnung: Rechnungsablage, Vorstandswahl, Maifeier usw. Blk zähliges und pünktliches Erscheinen. g Treis a. Lda. Volks verein. abends 9 Uhr bei Gastwirt Amond Verfammlung. Tagesord mug Abrechnung des 1 Quartals 1922; die diesjährige Maifeier. 58 35 Gemeinde⸗Vertreter. Sämtliche Genossen müssen elle sein. Treis a. da. Freie Turnerschaft. Donnerstag, de 12. April, abends 9 Uhr bei Gastwirt Will Versammlung. 0 0 sämtlicher aktiven. sowie passiven Turner tist sehr g, wüns 1 Furz EURE OFEN NA νfEfHameline Dollarstand unverändert: 21 150 Mk. 2 strahlen Ihre Schuhe in wenigen Sekunden. 8 Schwarz, braun, gelb und welse. Sthördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Infelge Erhöhung des Stallpreises für Vollmilch auf Mk. 580.— und der gestiegene Milchverarbeitungs⸗] gebühren und sonstigen Unkosten tritt auf Grund der Vererdnung über den Verkehr mit Milch v. 10. Upril 1921 zemäß Beschluß der städtischen Lebens mitteldeputation dom 10. April 1923 mit Wirkung vom 11. April 1923 ein Kleinverkaufspreis von Rt. 750.— für das Liter Bellmil h in Kraft. Sieß en, den 10. April 1923. 1126 deschäftsverlegung. ist sparsam im Gebrauen undi billig. arce ste nessretces. MENKEIT A cis, uss Mn Unser seltheriger Laden A MNeuenweg 4 wurde mit unserem Laden und Becufsstörung geheilt werden. Sprechstunden in Gießen Hotel Schwab am Moutaa, von 4 bis 6 Uhr. Dr. med. Hausmann, Speztalarzt für Bruch leiden. 8 l , a ge Gebudetes Skadtthealt Donnerstag, 12. Anf Außer Abonnement Einmalige Aufführung Operettenpreise Gastspiel Trude Tandar, Fräulein im Maschinenschreiben und Stenographie per⸗ den 16. April 1164 79 5 R Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt.) Betanntmachung. Alle Rechnungen über ausgeführte Arbeiten und Lieferungen für das Stadtbauamt in der Zeit vom 1. April 1922 bis 31. März 1923 find bei Meidung der Nichtberüc sichtigung in doppelter us ertigung auf Aktenbsgen unter Beischluß der Bestellscheine spätestens bis zum 1. Mai 1923 an uns einzureichen. Gießen, den 9. April 1923. Ttadtbau amt. Braubach. 3 Ausnahmsweise 85 H. aufe dlese Woche (Männer⸗ und gemischter 84 ell „Bewerbungen bitie zu richten an den Vorsitzenden G. Linkmann, Buß bach, fekt, für Rechtsanwalts⸗ Alfons Pape, Seltersweg 79a wurd. Gesang⸗Derein büre 5 8 gesucht Kurt Uhlig a ee e 1 Harmonie a 7 v. Staatstheater in Raft Färberei Braubach& Fischer. Butz bach schäftsstelle der Oberhess. Der Wettlauf ml Volkszeitung erbeten. dem Schatten Schauspiel in 3 Akten in Wuühelm von Scholz, Anf. 7 Ende geg. 10 Ulk. Freitas, den 13. Al 24. Vorstellung im Freitag⸗Abonnement Der kühne Schwimm Schwank in 3 Akten hor) sucht rhea Motorrad gesucht gegen höchste Bar zahlung. Offert. m. Marke und Preis an H. Knüttel, Frantfurt a. M. Königs⸗ warterstr. 8. Schneider, Neuenweg 6. Griedelerstraße 33 7 von Arnold und Bach 1— 4.* 3 T 2 2 Anf. 7 Ende 9½ U eib. Seil l Bordgauldaselend J. f. ril. Elisabethe Spaar, geb. Büttner 4 n Wie, 60 Jab al. Heng Se 1 1 Dollarprinzessih Beerdigung: 12. April, 3 Uhr nachm. Anf. 3“ Ubr Ende n. ö l Der kühne Schwimmt Anfang 7 Ende 9˙/ U Samstag. den 14. Al — 2 2 80 2 n