4 Kedaktion: Gießen Vihyuhoffraße 23 Ferusprecher 2008. Organ für die Interessen des wer der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 1 lkszeitung ktätigen Volles Crpedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Itrusprecher 2008. Wie Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen er Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ irtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 3000.— Mk einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezog. 3000.— Mk. einschl. Bestellgeld. Eingelnumm. 120.— Mt. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum sokal 60.— Mk. auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 800.— Mk. Ben größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 59 8- g l Gießen, Montag, den 12. März 1923 18. Jahrgang Wochenschau. Unvergessen bleibt das Wort, das Otto Hus in Spaa den hohen Staatsmännern Europas zurief: Die neue Großmacht Arbeit schicke sich an, für den Frieden der Welt zu kämpfen. Heute steht diese Großmacht schon im schärfsten Kampfe. Noch triumphieren die finsteren Ge⸗ walten des Mititarismus und des Imperialismus. Im Ruhrgebiet sind dem Einbruch und der Festsetzung die Ab⸗ schnürung und die Schreckensherrschaft gefolgt. Die Häfen von Mannheim und Karlsruhe, sowie die Eisenbahnwerk- stätten Darmstadts wurden vom Feinde besetzt.„Kriegs- notwendigkeiten“. g Der Reichstag stimmte entrüstet einer großen Protestrede des Reichskanzlers Cuno zu, der die Welt auf das große Unrecht hinwies, das unserem Vater- land angetan wird. Der Kanzler legte überzeugend die Nutzlosigkeit, die Grausamkeit und die Aussichtslosigkeit der belgisch⸗französischen Gewalttaten dar. Wir pflichten ihm ———— ä—————̃ ͥ ů ͤ ͤů bei. Wir erwarten jedoch trotz seiner zweideutigen Rede⸗ wendung gegen das„Verhandlungsgerede“ fest, daß die Regierung sich bereit zeigt, zu gegebener Stunde in Ver⸗ handlungen einzutreten und keine Verhandlungsmöglichkeit zauszuschlagen. Deutschland steht allein in der Welt. Bonar La w hat das Drängen der englischen Arbeiter ⸗ partei auf einen Interventionsschritt zurück⸗ gewiesen mit der Warnung vor einem— Krieg mit dem alliierten Frankreich. So lähmend wirkt die rücksichtslose Aktion des waffengewaltigen Landes. ö Der brutale Nationalismus, die roh⸗gewalt⸗ tätige völkische Ueberhitzung, tobt sich aus, vom vieljährigen Weltkrieg zur Weißglut gesteigert. Vom Westen her ist der ausländische eingerückt mit seinen militärischen Mordwaffen .— 0 grundsätzlicher Richtigkeit gesprochen. 10 Organ des und seinen zivilen Foltern; er terrorisiert anderssprechende Menschen. Aus unserer Mitte antwortet ihm der National- haß mit seinem blindwütigen Maulheldentum, das von seinen „Novemberverrätern“, zugleich Republik und Reichstag ver— nichten möchte. Jetzt gilt es, nach einem Worte unseres Ge— nossen Dr. David, die deytsche Einheit und die deutsche Republik zu retten, die miteinander stehen und fallen. Der neue Staat befindet sich im ernsten Ver- teidigungskampf nach außen und innen, seine zuverlässigste Aampfestruppe ist die deutsche Arbeiterschaft. Ueber die Gesamteinstellung der Sozial- demokratie hat Eduard Bernstein in Berlin mit Er kennzeichnete die schamlose nationalistische Hetze, die sich in der Phrase vom„Durchhalten bis zum Ende“ ergehe. Erkläre doch ein politisches Kind wie Hindenburg„lieber eine Mil- lion Menschen opfern als in Schande leben“. Andererseits ies er die Phrase:„Wir haben kein Vaterland“ scharf zurück.— Gut bemerkt die Bergarbeiterzeitung, das sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes: „Wir haben ein Land mit gemeinsamer Geschichte, Sprache 5 und Kultur, das wir zum Vaterland aller wirklich nützlichen Arbeiter machen wollen.“ Beachtung verdienen dunkle Mitteilungen eines fran⸗ zösischen Gelbbuches. Jedenfalls laufen neben dem Hochgespannten Streite, den die deutsche Bevölkerung an hein, Saar und Ruhr für Einigkeit und Recht und Freiheit gegen französische Tyrannei führt, Interessenkämpfe und ö ö Ausgleichsversuche der beiderseitigen Kapital⸗Mag⸗ aten⸗Gruppen, mit denen das englische Groß- indlertum gewiß am liebsten sich friedlich in den Gewinn heilte. Ein Wettkampf um den Profit in riesenhaften Aus- In 0 9 balis mus sind verschlungen. Wer möchte dem Führer der beutschen Großindustriellenpartei Stresemann im Ernste glauben,„daß in unserer Wirtschaft das merkantile Denken ans Geschäft) ganz zurückgetreten sei hinter dem nationalen Empfinden“? ö g Wer ist Meister in der Stenerungerechtigkeit; finmal in der Verheimlichung von Einkommensteilen und er Vermögensverschiebung ins Ausland, vor allem aber in ber verspäteten Zahlung? Der demokratische Reichstags- aͤbgeordnete Erkelenz berichtet aus England, die Haltung der beutschen Großindustrie in der Steuerpolitik und in ihren dausländischen Unternehmungen wirke fast verheerend für las deutsche Ansehen im Auslande.— Leider ist auch das Jbeschlossene Geldentwertungsgesetz höchstens als torläufiges Notgesetz zu werten. Wurde doch in ihm gegen lie Stimmen der Sozialdemokratie eine weitgehende Schonung des Besitzes von der Mehrheit der nichtsozialisti⸗ shen Fraktionen durchgesetzt. Steuer zahlen sollen eben stets naßen! Die Wege des internationalen Kapi⸗ Poincaré lehnt alle Vermittlung ab. Deutschland soll zu Kreuze kriechen! Der auswärtige Ausschuß der französtischen Kammer nahm am Freitag Darlegungen des Minister⸗Präsidenten über die Lage im Ruhrgebiet entgegen. Nach dem offiziellen Bericht verbreitete sich Poincars zunächst über die Regie der Eisenbahn, dann über die Zahlung der Köhlensteuer, der Wirkung der geplanten und be⸗ reits durchgeführten Zollinle, der Ausweisung von Veamten, über die Beziehungen der französischen Truppen zur Bevölkerung und endlich über die Maßnahmen, die vorbereitet wurden, um Frank⸗ reich in den Besitz großer Mengen Kohlen zu setzen Sodann heißt es in den offiziellen Mitteilungen: „Der Minister⸗Präsident erneuerte die Erklärung, die er be⸗ reits auf der Kammertribüne vor einiger Zeit 9 nämlich, daß die französische Regierung in keinerlei Verhandlungen oder in⸗ direkte Besprechungen einwilligen wird. An dem Tage aber, an dem Deutschland seine Lage begreifen wird, will die französische Regierung bereit sein, die deutsche Regierung anzuhören und- alle offiziellen Vorschläge, die ihr gemacht werden, zu prüfen. Eben⸗ falls wird Frankreich unter keinen Umständen gegen bloße Ver⸗ sprechungen die Sicherheiten und Gargntien aus der Hand geben, die es gezwungen war, zu ergreifen.“ Auch aus anderen Mintsterien der französischen Regierung werden ähnliche Stimmen laut. Man fühlt sich„in der Lage des Stärkeren“ und will ruhig abwarten, bis Deutschland mit Vor⸗ schlägen an die beiden Okkupationsmächte herantritt. Die Mel⸗ dungen, nach denen Frankreich und Belgien bereits ein Verhand⸗ lungsprogramm besitzen, werden als„Phantasie“ bezeichnet. Be- stritten wird dagegen nicht, daß der Außemminister vor wenigen Tagen Sachverständige beauftragt hatte, alle zwischen Frankreich und Deutschland schwebenden Probleme nochmals gründlich durch- zuberaten. Diese Sachverständigen haben für die Lösung der Re- parationsfrage empfohlen,„ein für alle Mal Höhe und Zahl der deutschen Jahresleistungen festzusetzen und diese künftigen Zah⸗ lungen an wirtschaftliche und militärische Pfünder zu knsüpfen.“ Der bekannte französische Journalist Millet behauptet übrigens, daß Deutschland Leistungen in Höhe von 2½ Milliarden Gold⸗ mark machen soll. Es könne als sicher gelten, daß Frankreich in Zukunft nur noch die Ersetzung seiner Wiederaufbaukosten von Deutschland verlangen werde und England nur die Summe von „ zu beanspruchen gedenke, die es an Amerika zu zah⸗ en hat. Ist das französisch⸗englische Eisenbahn⸗ ablommen genehmigt? Der militärische Befehlshaber der englischen Besatzungs— zone, General Godley, hat den Entwurf des Vertrages, der zwischen ihm und dem französischen General Payot über die französisch-belgischen Eisenbahntransporte durch das Kölner Gebiet ausgearbeitet wurde, dem englischen Kriegsmini— sterium überreicht. N In diesem Abkommen wird zunächst die Aenderung der West⸗ grenze des englische Besetzungsgebietes festgekegt, durch welche die doppelgleisige Eisenbahnstrecke Düsseldorf— Düren für die französische und belgische Fahrt freigemacht wird. Zugleich wird darin mitgeteilt, daß den Franzosen und Belgiern täglich 10 Züge nach jeder Richtung durch die Kölner Zone zur Verffigung gestellt werden. Nach einer Londoner Depesche der Vossischen Zeitung soll in London amtlich bekannt gegeben sein, daß England den zwischen den GeneralenGGodley und Payot abgeschlossenen Akkord ratifiziert hat. Man glaube zu wissen, daß die fran— zösische Regierung den Akkord ebenfalls binnen kurzem rati⸗ fizieren wird. Nach einer weiteren Meldung der Voss. Ztg. aus Paris wurde am Quai d'Orsey(französisches Außen- ministerium) am Freitag abend bestätigt, daß die vereinbarte Lösung für die Frage der Benutzung des Kölner Eisenbahn— netzes durch die Franzosen von der englischen Regierung ratifiziert worden ist. Andererseits berichten Kölnische Zeitung und Frank⸗ furter Zeitung übereinstimmend, daß die britische Regierung nicht entschlossen sei, das Bahnahkommen wegen der Kölner Zone zu ratifizieren, wenn von französischer Seite keine Zu— geständnisse wegen der Blockade des britischen Handels ge— macht werden. Die Verwaltung der Gebiete zwischen den Brückenköpfen. Auf eine Nachricht, daß England wegen der Besetzung der Vrückenköpfe mündlich Vorstellungen bei der französischen Regierung erhoben habe, wird bom Quai d'Orsey erklärt: Paris und London verhandeln über die Frage, von welcher Stelle aus die zuletzt besetzten Gebiete zwischen den Brücken— köpfen von Köln, Koblenz und Mainz verwaltet werden sollen. Nach Ansicht der englischen Regierung müßte für diesen Zweck eine neue eigene Kommission geschaffen werden. Pe ontte huft zurück, Auf den energischen Aufruf der Gewerkschaftsverbände an die ihnen angeschlossenen Orgaufsationen, dem Erlaß der Besaßungs⸗ behörden über die Anmeldung von Vereinen und Gesellschaften nicht nachzukommen, hat General Degoutte sich beeilt, den Gewerk⸗ schasten mitzuteilen, daß der Erlaß sich nicht auf Gewerkschaften, sondern nur auf„Kriegervereine“ und„natsonalistische Körper⸗ Mt begiehe. An kompetenter Stelle schenkt man indessen ieser Versicherung keinen Glauben und rechnet damjt, daß in kurzer Zeit die gewerkschaftlichen Organisationen die Wirkung J. des Erxlasses zu spüren haben werden. Der französische Vormarsch im Bergischen Land Im Bergischen Land ist außer Cronenburg auch das ein wenig nördlich gelegene Cronenfeld besetzt worden. Es handelt sich bei der Besetzung der beiden Orte für die Fran zosen augenscheinlich darum, die bisher noch freie Streck Solingen-Elberfeld in die Hand zu bekommen. Das Schreckensregiment. In Pirmaseus ist de Kaufmann Runk von zwei marokkani⸗ schen Soldaten überfallen und ermordet worden. Nach den bis⸗ herigen Feststellungen handelt es sich um einen gemeinen Raub⸗ mord. 0 In Altenessen ist wieder ein Feuerwehrmann von Franzosen ohne jede Veranlassung erschossen worden. In Löttringhausen wurde in der Nacht vom 8. zun 9. März ein Mitglied des Eisenbahner⸗Aktions⸗Ausschusses aus Dortmund⸗ Süd erschossen und sein Begleiter ves taftet. Von dem von den Franzosen besetzten Polizerpräsidium in Essen aus wurde auf einen auf die Straßenbahn wartenden Herrn ohne jeden Anlaß geschossen. Der Schuß durchdrang die Lunge, sodaß der Verletzte in das Krankenhaus gebracht werden mußte. An der gleichen Stelle wurde einem etwa 55jährigen Boten, der einen Verwandten zur Straßenbahn gebracht hatte, von einem fran⸗ zösischen Posten, der einen Paß verlangt hatte, ohne jeden Anlaß ein Faustschlag ins Geficht versetzt, sodaß er hinstürzte. Auf dem Bahnhof Oberhausen sind nach jetzt vorliegenden dienstlichen Berichten schwere Zerstörungen von den Franzosen vor⸗ genommen worden. Die Diensträume bilden ein Bild sinnloser Verwlistung, ebenso die Räume der Güterabfertigung. Auch die Stellwerke haben außerordentlich gelitten. Die Aufenthaltsräume der Beamten und Arbeiter sind ebenfalls vielfach demoliert. In Duisburg⸗Hochfeld und Duisburg⸗ Hauptbahnhof wurden ebenfalls starke Veraubungen und sinnlose Zerstörungen an— dort stehenden Gütern, ferner Beschädigungen der Einrichtunge und der Diensträume, sestgestellt. Am Freitag stand der zweite Bürgermeister von Oberhausen vor dem Kriegsgexicht in Werden und zwar wegen des gleichen Delikts, wegen dessen bereits der Oberbürgermeister Hasenstein zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der zweite Bürgermeister erhielt sechs Monate Gefängnis und sechs Millionen Mark Geld⸗ strase wegen Unterbindung der Lichtzufuhr. Es besteht also letzt die Tatsache, daß für das gleiche Delikt innerhalb 14 Tagen drei verschiedene Urteile gefällt wurden, und zwar erhielt Oberbürger⸗ meister Hasenstein 3 Jahre Gefängnis, sein Stellvertreter 6 Mon. Gefängnis und 6 Millionen Mark Geldstrafe und der Oberbürger⸗ meister Zimmermann aus Buer wegen des gleichen Delikts nur 200 000.— Mark Geldstrafe. In Hengstey wurden aus einem Personenzug deutsche Flug⸗ blätter, die ffir die französische Besatzung bestimmt waren, heraus⸗ geworfen. Aus diesem Grunde erschien bei der Eisenbahnver⸗ waltung ein französischer General und drohte für den Fall einer Wiederholung an, den betreffenden Zug durch Beschießen zum Hal⸗ ten zu bringen, um den Täter festzunehmen. Falls der Täter nicht und wie der Täter verurteilt werden. Sollte das nicht gelingen, dann sei beabsichtigt, aus dem nächsten ankommenden Zuge drei Personen herauszuholen und in der angegebenen Weise zu be⸗ handeln.. Aus Wiesbaden wurden drei sozialdemokratische Parteiführer, Landesrat Witte, Geschäftsflihrer Linde und Parteisekretär Kabelitz ausgewiesen. 0 Politische Uebersicht. Schwere Steuerkämpfe im Reichstage. Die Reichstagsverhandlungen vom Freitag verdienen die Aufmerksamkeit des ganzen Volkes. Der Gegensatz zwischen der Sozialdemokratie, die in dieser Not des Landes den Besitz bis zur Grenze des Möglichen heranziehen will, und zwischen den bürgerlichen Parteien, die auch jetzt noch den Vesitz schonen wollen, prallte hart aufeinander. Est glaubten die bürgerlichen Parteien, wie namentlich aus den Reden des anmaßenden Herrn Helfferich hervorging, unsere Opposition leicht nehmen zu können. Je mehr aber die Stunde vorrückte, je deutlicher die Reden unserer Genossen Soldmann Franken und Dr. Hertz, die unsere Sache ausgezeichnet führten, wurden, umso nervöser gebärdete sich der bürgerliche Block. Allmählich schienen die bürgerlichen Parteien einzusehen, daß es doch eine bedeutende inner- und außenpolitische Gefahr ist, jetzt eine Steuerpolitik der Besitz— begünstigung zu treiben. Herr Helfferich wußte gegen die Anklagen unseres Genossen Soldmann nichts besseres vorzu— bringen, als daß sie auf die Agitation eingestellt sei. Wenn der deutschnationale Führer die Stimmung der Massen im Lande, auch der Arbeiter, Angestellten und Beamten in den bürgerlichen Parteien, kennen würde, müßte er wissen, daß in Steuersachen eine Agitation nicht mehr nötig ist. Zu deut- lich erkennt das arbeitende Volk, wieviel mehr es durch Steuern belastet ist als der Besitz. Unsere Fraktion bean— tragte zu ihren Verbesserungsanträgen namentliche Ab- stimmung. Dreimal mußte namentlich abgestimmt werden, und jedesmal fielen die sozialdemokratischen Anträge mit etwa 187 Stimmen der Bürgerlichen gegen 149 Stimmen den, sozialdemokratischen Parteien, gefunden würde, sollen drei beliebige Personen herausgegriffen 0 sicht stellen, wo sie zum Nutzen der Steuerzahler, aber nicht bei der Lohnsteuer wirke sich ja die Geldentwertung voll zum Niederlage des französischen Imperialismus gerichtet. llichen Parteien, Einsicht zu bekunden. Leider war dieser Diann entwickelte Genosse Dr. Hertz mit großer Sach- von ihrem Grund und Boden. Eingabe des Deutschen Direktoren⸗Bundes an einen sozial⸗ eine neue Sitzung an. Steuerpolitik seiner Partei in dieser Zeit schwül wird. gültige Entscheidung fällt. In der jetzigen Form wird ihm Herzen am nachsten stehen, kunde die unendlichen Schwächen des Gesetzes in der Be⸗ wertung der Vermögen. Er warf den bürgerlichen Parteien vor, daß sie die Geldentwertung nur dort wirklich in Rück⸗ dort, wo sie zum Schaden der Steuerpflichtigen ausschlage. Das gelte selbstverständlich nur für die Besitzsteuern, denn Schaden der Bestenerten aus. Zahlenmäßig wies Genosse Hertz nach, daß die Besitzer von Effekten nur zu etwa einem Zehntel des wahren Wertes ihrer Papiere herangezogen werden. Mit vollem Recht machte er darauf aufmerksam, daß dies gerade eine schwere Benachteiligung der Kleinrentner sei, die als Besitzer festverzinslicher Papiere den vollen Wert ihres Vermögens besteuern müßten. Auch die Landwirte versteuerten nur einen kleinen Bruchteil des wahren Wertes Dr. Hertz verlas u. a. eine demokratischen Abgeordneten, worin sich diese Herren, die doch sicher die Bilanzpraktiken ihrer Aktiengesellschaften kennen, bitter darüber beklagen daß die Gesellschaften etwa zwei Drittel ihrer wirklichen Gewinne nicht versteuern, wo⸗ durch auch die Tantiemen der Direktoren geschmälert wür⸗ den. In wuchtigen Worten erklärte er weiter den betreten dasizenden bürgerlichen Abgeordneten, daß ihre Steuer- politik die Republik untergrabe und den Widerstand Deutsch⸗ lands an der Ruhr schwäche. Die Steuerpolitik der Sozial⸗ demokratie sei auf die Rettung des Reiches und auf die In letzter Stunde ergehe noch einmal der Ruf an die bürger⸗ Appell vorerst vergebens, denn die sozialdemokratischen Ver⸗ schärfungsanträge zu den Bewertungsbestimmungen wurden gleich darauf von ollen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Deshalb verlas Genosse Hermann Müller im Auftrage der sozialdemokratischen Fraktion folgende Erklärung: „Wie im Steuerausschuß, so sind auch hier alle sozialdemo⸗ kratischen Anträge zum Tarif und zur Bewertung von Einkom⸗ men und Vermögen abgelehnt worden. Dadurch ist für den Sachbesitz eine so weitgehende 3 Entlastung— ja teil⸗ vollkommene Steuerfreiheit— beschlossen worden, daß die die politische Verantwortung für diese Beschlüsse t.— Sie muß dies umsomehr, als durch die Ablehnung der beiden letzten sozialdemokratischen Anträge die ausländischen Zahlungs⸗ tel nur mit einem Bruchteil ihres Kurswertes besteuert werden. Das ist eine Begünstigung der Devisenspekulation, eine Gefährdung der Stutzungsakion und somit eine schwere wirtschaf liche und poli⸗ Der Eindruck dieser Kampfansage auf die bürgerlichen Parteien wurde dadurch erhöht, daß die gesamte sozialdemo⸗ kratische Reichstagsfraktion den Saal verließ und damit das Haus beschlußunfähig machte. Da die bürgerlichen Parteien uur knapp 170 Abgeordnete zusammentrommeln konnten, mußle die Bechlußfassung über den Artikel 2 des Gesetzes aus⸗ gesetzt werden. Der Präsident beraunte auf 7 Uhr abends In der Pause standen die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien in Gruppen im Saal zusammen und erörterten auf⸗ geregt die Frage und die etwaigen weiteren Absichten der Sozialdemokratie. Es zeigte sich in diesen Auseinander- setzungen deutlich, daß namentlich im Zentrum doch der eine soder andere Abgeordnete ist, deni es bei der besitzfreundlichen Die bürgerlichen Parteien haben nun noch eins letzte Gelegenheit, einzulenken, bis in der dritten Lesung des Gesetzes die end⸗ die Sozialdemokratie unter keinen Umständen zustimmen. Das ganze Volk wird unsere Halkung verstehen. Wenn wir die besitzenden Klassen stärker zur Steuerzahlung für das not⸗ leidende Reich heranziehen, ist das die nationalste Aufgabe, die man sich denken kann. Wir wollen den Besitzenden ihre patriotischen Reden gern schenken, wenn sie nur patriotisch zahlen. Als um 7 Uhr die neue Sitzung eröffnet wurde, bean⸗ tragten die Kommunisten und die Deutschnationalen Ver⸗ tagung. Als die Vertagung beschlossen war, ergaben sich Schwierigkeiten über die Tagesordnung vom Samstag, so⸗ daß schließlich der Samstag für sitzungsfrei erklärt wurde. Er soll denn Hauptausschuß zur Beratung des Haushalts für Landwirtschaft und Ernährung überlassen bleiben. Um 7 Uhr 40 Minuten wurde eine neue kurze Abend sitzung abgehalten, die in allen drei Lesungen einen Initiativ⸗ antrag verabschiedete über ein Gesetz zur Anlegung gesetzlicher Reserven der Aktiengesellschaften in Dollar⸗Schatzanweisungen des Reiches. Am Montag geht der Kampf weiter. 2. Frankreich Pläne. Was beabsichtigen in Wahrheit die Imperialisten der fran⸗ zösischen Politik und der französischen Industrie mit der militäri⸗ schen Aktion, die sie Poincare und seine Generale im Ruhrge⸗ biet vornehmen lassen? Was Napoleon I, vor hundert Jahren in jenem gewaltigen Ringen zwischen Frankreich und England um die Vorherrschaft der Welt nicht erreicht hat,— der Sieg über die Angelsachsen ist unter Mißachtung des fernen Amerika und des ferneren Japan das letzte und höchste Ziel des kapitalistischen Frankreichs, das mit seinem 700 000 Mann⸗Heer und seinem gewaltigen Luftgeschwader den europäischen Kontinent schon beherrscht. Aber seine großartige Eisenindustrie auf Grund seiner im Boden liegenden ungeheuren Schätze. entbehrt des aus reichenden Kolses zur Herrichtung der Kriegsausstattung. Dieses moderne„Rheingold“ sucht die französische Weltpolitik aun Rhein und an der Ruhr. 0 ausgeplündert werden. Denn ein neues Weltringen bedarf oben notwendig derartige gewaltige materielle Mittel.— Wer glaubt allerdings ernstlich, daß es diesem Frankreich gelingen sollte, die erschöpfte Welt von neuem zu Blut und Mord aufzupeitschen? * Die stillschweigende Welt. Als im Jahre 1914 das starke Oesterreich über das schwache Serbien herfiel, mußte bekanntlich aus Gründen der moralti⸗ schen Entrüstung innerhalb weniger Tage ein Weltkrieg ent⸗ stehen. Vor einigen Wochen ist der milttärisch stärlste Staat Europas, das waffengewaltige Frankreich, über das völlig wehr⸗ lose Deutschland hergefallen, und siehe— es fehlt überhaupt noch auch nur ein zahmer Protest der fremden Regierungen gegen dtese Gewalttat und die Häufungen von Unrecht, sowie die ganze Will⸗ kürherrschaft am Rhein und in Westsalen. Offenbar ist mit all den anderen unabschätzbaren Verlysten an Gut und Blut in dem „Stahlbad“ des Weltkrieges auch die Völkermoral vor die Hunde gegangen! Die Beamtenbesoldung und die Staatsfinanzen. Ueber die Entwicklung der Beamtenbezüge, sowie über den Gesamtaufwand hierfür(einschließlich nicht angestellten Personals Pensionären und Hinterbliebenen) seit 1. April 100 dein Jalkasttreten des nen eunesgesetzes, gibt die Denkschrift zum Staatsvoranschlag 1923 eine eingehende Uebersicht. Dem Staatsvoranschlag liegt der Personalbedarf auf Ende Dezember 1922(bei 232 v. H. Teuerungszulage) zu Grund mit 15,2 Milliarden Mark, wovon 13,6 Milliarden auf das aktive Personal, 0,7 und 0,8 Milliarden Mark auf Ruhegehaltsempfänger und Hinterbliebene entfallen. Gegen⸗ über dem Friedensstand haben sich diese Bezüge auf durch⸗ schnittlich etwa das 350 fache erhöht(3. B. auf das 258fache bei Besoldungsgruppe 12, das 424 fache bei Gruppe 3) gegen⸗ über allerdings einer Steigerung der durchschnittlichen Lebenshaltungskosten auf das 6885fache im Dezember, der Um den Ruhrkoks soll Deutschlano Kleinhandelspreise auf das 1142fache und der Großhand preise und des Dollars auf rund das 1700 fache Ende De ber 1922. Die weiteren Erhöhungen der Beamtenb Januar 1923(Teuerungszulage 395 v. H.) und Fe (942 v. H.), die im Staatsvoranschlag nicht mehr berü tigt werden konnten, führen zu erheblich höheren Ziffern den Jahresbedarf(22,8 bezw. 49,6 Milliarden Mark), mögen aber der sprunghaft steigenden Geldentwertung weniger zu folgen, als die Dezemberbezüge. So stellen fit z. B. nach der Denkschrift die Bezüge der obengenannten B 7 soldungsgruppen im Januar auf das 382—636fache der Friedensbeträge, während die Kosten der Lebenshaltung und Kleinhandelspreise auf das 11001150 fache, die Groß, handelspreise sogar auf das 2181 fache; und der Dollar auf das 4000 fache gestiegen sind. Im Februar betragen die Bezüge der genannten Gruppen das 805—1337fache des Friedens. standes, Kleinhandelspreise und darnach die durchschnittlichen Kosten der Lebenshaltung aber etwa das 2800fache,. Groß⸗ handelspreise und Dollar das vielfache hiervon. Die un⸗ geheuer lich scheinenden Ziffern der Beamtenbezüge bedeuten lediglich eine Aufblähung, verlieren aber bei und trotz 1 Erhöhung an innerer Kaufkraft, d. h. führen zu einer fort. gesetzten Verschlechterung in den Existenzbedingungen der Beamtenschaft gegenüber der Vorkriegszeit. Eine Uebersicht in der Denkschrift weist dies ziffermaßig nach durch Umrech⸗ nung der Bezüge in Goldmark, wobei als Umrechnungsfaktor d. h. als Maß der Geldentwertung nicht etwa der Dollar. stand oder die Großhandelspreise. sondern lediglich die Kosten der Lebenshaltung(die„innere Währung“) ange⸗ nommen wird, und woraus im übrigen auch hervorgeht, daß der Ausfall im Friedenseinkommen mit den Beamtenbezügen steigt. Darnach betrugen die: 5 2 in Woldmaärf. 5 8 8 in Papiermark dauere Wübrwugh 5 8 21 5 Ende für ab Febr. 8 2 das id 5.—* 2 8 2 Dezember Januar(letzte Auf⸗ 3. 80 5.. 8 ee 28 beflerung) S8 88 8.8. 2883 2 8 2 bei Teuetungszulage v. 5.„3[22827 2— 2— 2 5 1 5 2 2— 2 I 5 III 421000 890592 1337220 2807352 1300 1194/1003 65 57 50 VI/ VII 7501257120 1883700 3957720 184016821414 50 45 88 X 3655501611696 2412360 5070576 2350 2154 18110 42 30 1 XII 7950 2034000 8042000 6396000 30002716 2284 38 34 Von besonderer Bedeutung für den Staatsvoranschlag ist allerdings, daß ein erheblicher Teil der Beamtenbezüge vom Reich zu ersetzen ist, von dem im Voranschlag enthal. tenen Gesamtbedarf von 15,2 Milliarden Mark(Stand Ende Dezember 1922) z. B. 10,4 Milliarden Mark. a Ausschuß vermochte sich nicht zu überzeugen, daß der Ausbau d Anstalt sehr dringend sei. Es wurde beschlossen, die Entsch am ein Jahr zu vertagen.— Alsdann beschäftigte sich der 2 noch einmal mit der Errichtung eines Backofens im Arbeitshaus burg. Von einer Seite lag die Aneregung vor, die Beltefe vung Anstalt der Konfum⸗Genossenschaft Darmstadt zu übertragen. Ausschuß beließ es bei seinem früheren Beschluß, da nach einer 9 teilung der Regierung der Backofen schon errichtet ist. Sodann wu 0 die Beratung des Fürsorgegesetzes begonnen. Nach einem einlesten⸗ den Bericht des Referenten wurde Artikel L angenommen. Eine sehr lange Debatte entspann sich über die Frage, ob den Kreisen b Provinzen das Recht zustehen soll, für ihre Beamten besondere sorgekassen einzurichten. Die große Mehrheit des Ausschusses u der Meinung, daß das abzulehnen sei und beschloß, gegen 2 Stimme die Streichung der dahinzielenden Artikel 2a und 69a. Artikel und 3a wurde angenommen. 46 Der Deserteur. 8 Roman von Robert Buchanan. Durch solche Gebete, von jenen gebetet, die- ihrem werden die stärksten und charaktervollsten Männer oft von dem Pfade, den sie sich vorgeschrieben, abgelenkt. Wo Befehle und Drohungen nichts nützten, vermag oft eine Träne, ein liebevolles Wort unseren Willen zu brechen, unsere Entschlüsse zu erschüttern. Das weiche Händchen eines Kindes vermag den gerechtesten Mann der Gerechtigkeit abtrünnig zu machen, den Recht— schaffensten der Rechtschaffenheit. denn Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit sind gleich schwer zu erfüllende Pflichten, während ein Kuß von lieben Munde so süß ist. Wie stark muß der Wille und der Glaube an eine gute Sache sein, wenn ein Mann sich weder durch Bitten noch durch Tränen seiner Lieben in seinem Entschluß erschüttern läßt und den Kampf gegen eine ganze Welt aufnimmt wie Rohan, der einfache Fischer! Marcelle blieb ziemlich lange bei ihrer Tante. (endlich die Hütte verließ, waren ihre Tränen getrocknet und sie eilte mit elastischen Schritten in die Richtung des Dorfes. Der Wind fegte noch immer übers Meer und es goß in Strömen. Fischer zogen ihre Boote höher ans Land, brachten ihre Netze unter Dach und Fach, während einige alte Männer trotz Sturm und Regen vor der Türe standen und besorgte Blicke auf das bleifarbige Meer warfen. Statt in die Hauptstraße des Dorfes einzubiegen, schritt Marcelle über den feuchten Kies hinweg, bis sie die „Caloges“ erreichte, jene Straße, die aus in Häuschen ver— wandelten Booten bestand, welche sich dicht am Strande er— streckten. Die meisten dieser Caloges hatten eiserne Rauch— fänge aufgesetzt, ihre Dächer waren mit schleimigem Moos und Seetang bedeckt, auf welchem junge Zicklein grasten. Fast alle kleinen Türen waren berschlossen. um den heftigen Wind abzuhalten; vor einigen jedoch saßen Männer, gemüt⸗ lich ihr Pfeifchen rauchend. oder eifrig strickende Weiber und spielende Kinder. Dieses untere Dorfende war ausschließ— lich von armen Fischern bewohnt und wurde von den Be— wohnern des oberen Dorfes als auf einer viel niedrigeren sozialen Stufe stehend betrachtet. Marcelle blieb vor einer Steinhütte, die sich gerade über diesen amphibienartigen Wohnstätten erhob, stehen. In Als sie der Türe saß ein junges Mädchen in einem altmodischen Armstuhl und wickelte eifrig Wolle auf, dabei ein fröhliches Liedchen singend. „Ah, willkommen, Marcelle!“ rief sie erfreut. „Gott mit Dir. Genoveoa!“ antwortete Mareelle lächelnd.„Wie geht es Mutter Goron?“ „Du würdest glauben, Jahre jünger geworden ist. Sie singt während der Arbeit, ist rastlos tätig und betet allabendlich für den guten Kaiser, der ihr ihren geliebten Jan gelassen hat,“ entgegnete das junge Mädchen, leicht errötend. Sie sah in ihrem dunklen Leibchen, dem weißen Vorhemdchen, der schneeigen Haube allerliebst aus und jeder Kromlaixer Jüngling hätte, ohne sich zu besinnen, versichert, daß Genoveva zu jenen Mädchen gehöre, mit welchem er gerne vom Abend bis zum Morgen tanzen würde, ohne ihrer überdrüssig zu werden. Die war nicht im Dorfe geboren, sondern in Brest, und hatte, kaum zwei Jahre alt, ihre Eltern verloren. Mutter Goron, eine entfernte Verwandte, nahm sich der Waise an. Sie hatte gerade zu jener Zeit in Brest die Witwenpension nach ihrem im Hospital verstorbenen Gatten zu beheben und brachte die kleine Genoveva mit nach Kromlaix. Sie delte die Kleine wie ihr eigenes Kind und erzog sie mit ihrem einzigen Sohn Jan. „Was für Nachrichten hast Du?“ fragte Genoveva, einen Augenblick in ihrer Arbeit inneholtend. „Gar keine. TanteLuise weiß auch nicht, wo er ist. Er war schon seit einigen Nächten nicht zu Hause und die Arme fängt an, ernstlich besorgt zu sein.“ „Das ist merkwürdig!“ „Er scheint völlig den Verstand verloren zu haben. Ich fange an, zu fürchten, daß er sich in seiner Verzweiflung und seinem Zorn ein Leid angetan hat. Ach, wenn ich nur mit ihm sprechen könnte, Genoveva!“ seufzte Marcelle. Die Mädchen sprochen natürlich von Rohan, vermieden es aber aus Vorsicht, seinen Namen zu nennen. „Gildas muß also bald einrücken?“ „Ja, auch Hoöl.“ „Deiner Mutter bleiben donn noch immer Alain, Jannick und Du. Auch ist Onkel Ewen bei Euch. Aber wie schreckfich für eine arme Mutter, die nur ein einziges Kind hat! Wenn der Kaiser Jan genommen hatte, Mutter wäre ganz bestimmt vor Kummer gestorben.“ „Aber Tante Luise bittet zu Gott. daß ihr Sohn mit⸗ gehen möge.“ „Dann besitzt sie große Selbstoerleugnung. Wenn ich bel daß sie um mindestens zehn. einen einzigen hätte, der in den Krieg ziehen müßte, mein Herz würde darüber brechen.“ „Wenn Du wüßtest, wie sie sich grämt! einen Sohn hätte, der seine Mannespflicht aus Furcht ausübte, ich könnte ihn nie mehr lieben. Genoveva, wie schrecklich es wäre, wenn den guten Kaiset alle seine Kinder verließen, für die er so viel getan. Mann würde ihn niedermetzeln und was geschähe dann mit Frank. reich? Wenn Rohan seine Sinne beisammen hätte, er würde sich nicht verstecken, das kannst Du mir glauben.“ „Vielleicht hat er doch Angst, es wäre kein Wunder, seufzte Genoveva. 1 „Wenn Du recht hättest. würde ich ihn für imm hassen!“ brauste Marcelle heftig auf. Ihre weißen, festen Zähne schlugen förmlich aneinander.„Ich müßte vor Scham sterben! Was ist ein Mann, wenn er nicht das starke Herz eines Mannes besitzt? Er ist nicht mehr als ein Fisch Wasser, der ängstlich davonschlüpft. wenn man die Hand nach ihm ausstreckt. Pfui über einen solchen Mann! Nein, nein. Rohan ist tapfer! Aber ich will Dir sagen, was ie glaube— Meister Arfoll hat ihn verzaubert, er steht seinem Banne!“ Marcelle glaubte wirklich, daß der Wanderlehrer Rohan mit seinen teuflischen Künsten beherrsche. 7 „Was fällt Dir ein! Meister Arfoll ist ein guter Mensch!“ verteidigte ihn Genoveva. „Darüber kannst Du denken, wie Du willst, aber habe meine eigenen Gedanken. Man sagt, er sei früher ein mal Priester gewesen; jetzt ist er kein Freund der Priester, er ist nur mit Vater Rolland befreundet der jedermanns Freund ist. Er weiß allerlei Mittel für kranke Menschen und Tiere, die wie Zauberkraft wirken. Man erzählte mir 55 einmal drüben in St. Gurlott, daß er ein„böses Auge“ abe.“ Genoveva schauderte, denn auch ie war abgläubisch wie hätte sie es in der Umgebung, in der sie aufgewachsen, nicht sein sollen? Als Marcelle sich bekreuzigte, tat sie das ⸗ selbe sagte aber mit sanftem Lächeln:„Das glaube ich von Meister Arfoll nicht! Solche Dinge darfst Du Mutter Goron nicht erzählen. Er leistete ihr vor Jahren einmal einen großen, sehr großen Dienst und sie hölt ihn seither für einen Seiligen, für einen auf Erden wandelnden Engel Gottes Und er hat auch das Gesicht eines guten Menschen.“ Fortsetzung folgt.) Bedenke doch, en U eren bes beendlgte die Beratung des Geseßes betr. Abänderung des Versicherungsgesetzes für gemeindliche Beamte. Nn ausstehenden Artikel wurden in der Fassung der Re⸗ Sie rungs vorlag angenommen. Die Rückwirkung des Gesetzes wurde unstatt von vorgesehen zum 1. April 1922 auf den 1. Oktober 1922 sestgesetzt.— Sodann beschäftigte sich der Ausschuß auf eine Anregung mis seiner Mitte nochmals mit der Angelegenheit des Ankaufs des Jugenheimer Hotels„Krone“ durch den Staat, weil der Eindruck be⸗ stehen konnte, als sei auf die Interessen Jugenheims nicht genügend Rücksicht genommen. In der Aussprache konnten jedoch diese Befürch⸗ lungen restlos zerstreut werden.— Der Aus schuß beschließt, den hes⸗ schen Anteil an dem Main⸗Donau⸗Kanalunternehmen von 3 auf 9 Millionen Mark zu erhöhen und ermächtigt die Regierung, ihren An⸗ neil an der Rhein⸗Neckar⸗Gesellschaft um bis zu 25 Millionen Mark SS„ caß. 511 erhöhen. 0. Der Finanzausschuß des Landtags trat in seiner un Sitzung am Freitag in die Beratung des Staats voran en. schlags für 1923 ein. Die Kapitel des Finanzgesetzes 00 wurden genehmigt. Es kam dabei zum Ausdruck, daß eine tu neue Vorlage zur Grund- und Gewerbesteuer zu erwarten U ei. Der Ausschuß ersucht um baldige Vorlage. Zu Kap. 1, u Forst⸗ und Kameralgüter, ergab sich eine Reihe Fragen, wie an, lber die Holzversteigerungen, Jagdpachten, Pachtpreise für , Staatsgüter, Fahrkosten der Forstmeister usw., die mit der de egierung besprochen werden. Das Kapitel findet in Ein⸗ I nahme und Ausgabe Genehmigung. Zu Kap. 2, Siedlungs⸗ det. wesen, wünscht der Ausschuß eine Aufstellung über den Fort⸗ Un gang der Arbeiten im letzten Jahre. Das Kapitel wird an⸗ um. genommen, ebenso Kap. 3, Kameralgüter unter Forstver⸗ be waltung, Kap. 4, Weingüter, und Kap. 5. Braunkohlenwerke gr Wölfersheim, Kraftwerk Wölfersheim, und wünscht der Aus- U scchuß die Vorlage einer kaufmännischen Bilanz. Zu Kap. 6, h Zad⸗Nauheim, soll mit der Regierung Rücksprache genommen werden über Mittel und Wege, wie das Bad in Zukunft — eentabel erhalten werden kann. Das Kapitel wird ange⸗ nommen, und damit auch Bad Salzhausen, das, wie in rrüheren Jahren, einen Staatszuschuß erforderlich macht. HBaortsetzung Dienstag. —— 2 Gießen und Umgebung. 7 bäuden, die in Eigentum des Reiches, des Landes oder einer son⸗ stigen Körperschaft des öffentlichen Rechtes stehen und entweder öffentlichen Zwecken oder zur Unterrbingung von Beamten usw. zu dienen bestimmt sind, falls die Gebäude bereits vor dem 1. Oktober 1918 in Eigentum der genannten Körperschaften standen; endlich fündet das Reichsmletengesetz keine Anwendung auf die Abgabe von Räumen solcher Gesellschaften und Genossenschaften, die als„gemein⸗ nützig“ anerkannt sind. Wir kommen also zu folgendem Schluß: Sowohl auf Wohnun⸗ gen, süür die das Reichsmietengesetz nicht gilt,(also nach dem 1. Jult 1918 bezugsfertig hergestellte), als auch solche, auf die die Wohnungs⸗ mangelverordnung keine Anwendung findet,(das sind die in Neu⸗ bauten nach dem 1. Oktober 1920 bezugsfertig hergestellten), sind die Mieterschutzbestimmungen anwendhar. Das heißt: Es können in solchen Neubauten oder Einbauten hergerichtete Wohnungen, Läden oder Werkstätten von dem Vermieter nur mit vorheriger Zustim⸗ mung des Mieteinigungsamtes gekündigt werden. Wohl aber kann der Eigentümer von Neubauten, die nach dem 1. Oktober 1920 be⸗ zugsfertig hergestellt sind, seine Wohnungen, Läden oder Werkstätten ohne vorherige Anzeige bei dem Wohnungsamt frei vermieten und auch den Mietpreis frei vereinbaren. Nicht befreit ist er dann meiner Ansicht nach von der ihm nach der Verordnung des Oberbürger⸗ meisters vom 22. Juli 1919 auferlegten Pflicht, den Abschluß des Mietvertrages binnen emer Woche dem städtischen Wohnungsamt an⸗ zuzeigen. Dieses hat dann das Recht, binnen einer Woche noch Eim⸗ gang der Anzeige bei dem Mieteinigungsamt zu beantragen, daß der Mietzins auf eine angemessene Höhe herabgesetzt wird. Das gleiche Recht hat der Mieter bis zum Ablauf zweier Wochen nach Abschluß des Vertrages. Diese Verordnung ist meiner Ansicht nach zweifellos anwendbar, da sie sich auf§ 5 des Mieterschutzgesetzes gründet. Eben⸗ so kann auch späterhin der Mietpreis nur mit vorausgegangener Zu⸗ stimmung des Mieteinigungsamtes erhöht werden. Gleiches, wie das oben ausgeführte, hinsichtlich der Mietpreisbildung gilt auch für die Wohnungen usw., auf welche das Reichsmietengesetz keine Anwendung finden kann(für auf die nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig herge⸗ stellten Räume). Bemerkt sei noch, daß allgemein nach 8 6 b des Mieterschutzge⸗ setzes die Mietzinse für Wohnungen, flir die aus öffentlichen Mitteln Beihilfen zur Abbürdung der Ueberteuerung gewährt worden sind: nicht der Festsetzung durch das Mieteinigungsamt unterliegen. Noch eine letzte Schlußfolgerung möge hier Erwähnung finden: 1. auf Räume, die nach dem 1. Juli 1918, jedoch vor dem 1. Ok⸗ tober 1920 bezugsfertig hergestellt worden sind, findet das Reichs⸗ mietengesetz keine Anwendung, wohl aber die Wohnungsmangelver⸗ ordnung(Verfügungsbeschränkung, Beschlagnahmerecht usw.) 2. Auf Wohnungen und andere Räume in Neubauten, die nach dem 1. Oktober 1920 bezugsfertig hergestellt worden sind, findet weder das Reichsmietengesetz noch die Wohnungsmangel verordnung An⸗ ng. 3. Auf Räume der einen wie der anderen Art aber finden die Mieterschutzbestimmungen Anwendung; es darf bei Wohnräumen, Läden oder Werkstätten die Kündigung oder Mietpreiserhöhung nicht ohne vorausgegangene Genehmi des Mieteinigungsamtes statt⸗ finden, während bei anderen Räumen(Lager⸗, Fabrik⸗, Bureau⸗ u. anderen Räumen) der Mieter unverzüglich nach der vom Verbieter ausgesprochenen Kündigung das Mieteinigungsamt anrufen kann. 0 15 n darf die zwangsweise Räumung einer Wohnung nicht olgen? Auf Grund eines gerichtlichen Urteils oder eines von Gericht oder dem Mieteinigungsamt abgeschlossenen Vergleichs kann der Ge⸗ richtsvollzieher eine Wohnung zwangsweise räumen. Seither bestand eine von dem Oberbürgermeister mit Genehmigung des Reichsarbeits⸗ ministers und des hessischen Arbeits⸗ und Wirtschaftsamts erlassene Bekanntmachung, nach welcher die zwangsweise Räumung einer Woh⸗ nung nicht erfolgen darf, wenn das Wohnungsamt bescheinigt daß der Inhaber der Wohnung bei Durchführung der Räumung wohnungs⸗ los werden würde. Diese Belanntmachung gründete sich auf§ 5a des Mieterschutzgesetzes. Voraussetzung ihrer Anwendbarkeit war also, daß es sich um ein beendigtes Mietverhältnis handelte. Nun gibt es aber auch Fälle, in denen jemand eine Wohnung nicht mietweise innehat; z. B. Werkswohnungen oder Wohnungen bei Verwandten, die einen Mietpreis nicht verlangt haben. Wenn eine solche Wohnung auf Grund eines Räumungsurteils geräumt werden sollte, bestand an sich keine Berechtigung für das Wohnungsamt, die oben erwähnte Bescheimügung für den Wohnungsinhaber auszustellen. Diesem Miß⸗ stand ist nunmehr durch die Bekanntmachumg des Oberbürgermeisters vom 5. März d. J. abgeholfen; diese stützt sich außer auf§ da des Mieterschutzgesetzes auch auf§ 9 des Gesetzes über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel. Es kann also künftig der Inhaber einer Wohnung, bezüglich welcher ein Mietverhältnis nicht besteht, nicht auf die Straße gesetzt werden, wenn er sich vom Wohnungscant die mehrerwähnte Bescheinigung beschafft, zu deren Ausstellung das Amt jetzt befugt ist. Tollarsturz und Warenmarkt. Es war ole weiteres vorauszusehen, daß jede Stabilisierung der Mark Störungen am Warenmarkt herbeiführen würde. himeinkommen! Eine 1. Jurf 1918 bezugsfertig geworden sind, ferner auf Räume in Ge⸗ gewisse Stockung des Absatzes ist nun auch in der Tat zu ver⸗ zeichnen. Das gehr nicht nur aus zahlreichen privaten Mitteilungen hervor, sondern auch aus den Berichten der Preußischen Handels⸗ kammern und des Reichsarbeitsblattes Selbst die Leipziger Messe konnte den Eindruck des besseren Markstandes sehr schlecht verwinden. Die ersten Meßtage standen unter dem Zeichen einer außerorbentlich stiller Nachfrage. Die Einkäufer, die in großer Zahl erschlenen waren, brauchten viel Zeit, um sich überhaupt über die Möglichkeit vorteilhafter Einkäufe zu informieren Obwohl vielfach R relsherabsetzungen vorgenommen wurden, war für die ausländischen Einkäufer, die mit dem Valutageschäft nun einmal zu rechnen gewohnt sind, die Möglichkeit vorteilhafter Einkäufe verhältnismäßig gering, auch sonst zeigte sich wenig Geschäft. Wenn dle Anzeichen nicht trügen, scheint die Zeit der Marktkrife, die noch in sämtlichen Ländern mit einer Stabilisierung der Wäh⸗ rung verbunden war, auch bei uns nicht fern zu fein. So drückend die Gesahr von Arßeitsverkürzungen für weite Teile der Arbeiter⸗ schaft ist, so sehr auch dem Staate daraus die Pflicht erwächst, durch Arbeitsbeschaffung den Wirkungen einer solchen Krise nach Kräften vorzubeugen, man wird sich mit gewissen Störungen ab⸗ finden müssen, zumal man weiß, daß das nur Leiben einer Ueber⸗ gangszeit sind und daß die Stabilistierung der Währung, wenn sie auch auf die Arbeiterschaft zurückwirkt, doch mehr den übelsten Auswüchsen kapitalistischer Spekulation entgegentritt als alle Wuchergesetze. — Offenhaltung der Verkaufsstellen des Handels gewerbes ist am nächsten Sonntage, 18. März, von vormittags 11 Uhr bis nach⸗ mittags 6 Uhr, zugelassen, ebenso in der gleichen Zeit die Beschäf⸗ tigung von Arbeitspersonal— Auf den Sonntag vor Ostern, dem Palmensonntag trifft jedoch diese Annahme nicht zu, da müssen die Läden wie an anderen Sonntagen geschlossen bleiben. g — Viehmarkt in Hungen. Montag, 19. März, 9 Uhr vormit⸗ tags, findet ein Viehmarkt in Hungen statt, zu welchem Tiere aus Zuchtbeständen des Kreises Gießen aufgetrteben werden können, deren Herkunft durch Ursprungszeugnisse nachgewiesen wird. Für Tiere von auswärts muß ein Gesundheitszeugnis eines be⸗ amteten Tierarztes vorgelegt werden. — Zerstörung öffentlicher Einrichtungen. Eine Bekannt⸗ machung des Oberbürgermeisters setzt eine Belohnung von 5000 Mark für denjenigen aus, der die Täter ermittelt, welche die elek⸗ trischen Straßenlompen durch Steinwlirfe usw. zertrümmerten Wir weisen auf die Bekanntmachung hin. — Treiberei bei der Holzversteigerung. In Markwald Dorf⸗ Güll⸗Grüningen fand am 27, Februar Holzversteigerung stott. Bei dieser Gelegenheit war von der„Notlage der Landwietschaft“, von der sogar heute noch in manchem agrarischen Blatte geredet wird, nichts zu spuren. Dort waren Landwirte aus der Wetterau zu⸗ gegen, die die Preise derart in die Höhe trieben daß es den Klein⸗ bauern und Arbeitern unmöglich war, ihren Bedarf zu becken. Die hier erzielten Preise waren für die minderbemittelte Be⸗ völkerung einfach unerschwinglich Zwei Scheite kamen auf 200 000 Mk. 50 Kiefern⸗Wellen bis 130 00 Mk.! Dieses Beispiel sollte den maßgebenden Leuten in ee Warnung dienen, denn wohin sollen die Dinge noch führen? i en Die Notlage der Landwirtschaft wird damit auch illustriert. — Garbenteich. In der Gemeinderatssitzung vom 5. März 1923 wurde dem Organisten 200 000 Mark Gehalt für das vergangene Jahr 1922 bewilligt. Auf Antrag des Ochsenhalters wurde das Pflegegeld auf 1000 Mark den Tag kepgrleg,— Ein Gesuch um Beschaffuna einer Wohnung wurde der Wohnungs⸗ kommisston überwiesen— Der Antrag eines Bürgers um Zu⸗ teilung von 24 Festmeter Bauholz wurde abgelehnt, mit der Be⸗ gründung, daß die Forderung des Zimmermessters. der 12 Fest⸗ meter beschlagenes Bauholz in dem Neubau des Antragstellers ver⸗ arbeitet hat und nun dafür von dem Antragsteller 24 Festmeter unbeschlagenes Bauholz und 90000 Mark verlangt. ungerecht und großer Wucher ist. Kreis Schotten. — Ruppertsburg. In unserer Gemeindevertretung wurde in der am 25. Februar abgehaltenen Sitzung besonders die Wohnungs⸗ frage erörtert. Es lag ein Antrag um Beschaffung einer Woh⸗ nung von einem Fabrikarbeiter vor, der hierbei eine Anzahl Wohnungen aufführte die beschlagnahmt werden könnten. Er führte dabei auch die große Hofreite von Konrad Högy 3. auf, der selbst Mitglied des Gemeinderats ist. Als der Bürgermeister den Antrag und den Namen Högn's verlas fuhr dieser heftig auf und schrie: Ich habe noch drei Schweineställe da kann er Gegen diese Unverschämtheit protestierte sosort das Gemeinderatsmitalied W. Schneidmüller(Soz.) und bez te es als Pflicht eines jeden, das Möglichste zur Abstellung der Woh⸗ nungsnot beizutragen— Die Arbeiterschaft erkennt auch aus diesemm Vorfall, wie notwendig es ist, bei den Gemeindewahlen einzugreifen und dafür zu sorgen daß Leute in die Gemeinde⸗ vertretung gewählt werden. die einigermaßen Verständnis für dle Interessen der Allgemeinheit haben. 1 5 22 22 4 1 Vaterläudische Streilkasse. 12 Es gingen weiter bei uns ein: 8 7 Beamten des Landgerichtsgefängnisses Gießen, 2. Rate, le 000 Mk. Bereits quittiert 342 400 Mk. Zusammen 350 400 Mk. g Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne bat. intgegengenommen. n Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. Mietfragen. nad 5(Von Justizinspektor Schröder.) 1 I. Hat das Mieterschutzgesetz Geltung auch für Neubauten? * Das Neichsgesetz betr. Bekanntmachung zum Schutze der Mieter u eht keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Amvendbarkeit vor. Ex 4 Grund des§ 6 der Bekanntmachung hat das hessische Arbeits⸗ den. schaftsamt am 30. April 1919(Regierungsblatt Seite 261) — gslgendes bestimmt: 1 1. Die Kündigung eines Mietverhältnisses ist nur mit voraus⸗ begangener Zustimmung des Einigungsamtes rechtswirksam. Diese u Fustimmung ist auch dann einzuholen, wenn es sich nur um eine Miet⸗ 7 Freissteigerung handelt W 2. Ein ohne Kündigung ablaufendes Mietverhältnis gilt als auf r unbestimmte Zeit verlängert, wenn der Vermieter nicht vorher die U Bustimuming des Einigungsamtes zu dem Ablauf erwirkt hat. M Auch hierbei ist nicht ausgesprochen, daß Wohnungen in Neu⸗ lauten von irgend welchem Zeitpunkte ab ausgeschlossen seien. 8 Dagegen ist durch Bekanntmachung vom 13. Jantar 1922(im 10 Emtsverkündigungsblatt) die Bestimmung getroffen, daß die(auf rar 1 Frund des§ 9 der Verordnung über Maßnahmen gegen Wohnungs⸗ mangel vom 23. 9. 1918 und 11. 5. 1920) für den Freistaat Hessen. wmrlassenen Anordmugen keine Anwendung finden auf Neubauten, die anch dem 1. Oktober 1920 bezugsfertig hergestellt sind.— Daz heißt: Auÿcz solche Neubauten finden die vom Arbeits⸗ und Wirtschaftsamt in n Darmstadt mit Verordnung vom 1. Februar 1921 erlassenen Bestim⸗ nungen über Maßnahmen gegen Wohnungs mangel(also insbesondere m8 heschränkung der Verflüigungsmacht über Wohnungen, Beschlagnahme⸗ 1 fugnis durch das Wohmugsamt) keine Anwendung. Endlich be⸗ ö dimmt noch das Reich⸗mietengesetz in§ 16, daß die Bestimmungen 1 fsteses Gesetzes keine Anwendung finden auf Neubauten oder durch gen um- oder Einbauten neugeschaffenen Räume, wenn sie nach dem 8 5 2 * Ein Gelehrten⸗Jubiläum. 1 Sein 50 jähriges Jubiläum als Direktor der beandwirtschaftlichen Versuchsstation in Darm⸗ ü abt beging am 7. März der bekannte Agrikulturchemiker und Geh.⸗R. Professor Dr. Paul Wagner. Zugleich N szerte er seinen 80. Geburtstag in voller körperlicher und 7 seistiger Frische. Prof. Wagner hat dieser Austalt deren Leitung ü Besondere Vec⸗ 1 1 2 0 6. aun bel i. ebesf der Methode d + 0 Durch stetige Verbesserung der Mothode der 1 selddüngungsversuche gelang es ihm auch, den Feldolugungsver⸗ 1 Forschung zu machen. serner, die Ergebnisse seiner For⸗ gehn dem Felde und im Laboratorium in leicht verständlichen Schristen oder in meisterhastem Vortrag lem Verständnis der praktischen Landwirte näherzubringen und gun lat dodurch unermeßlich viel für die richtige Verwendung lunstlichen Düngemittel in der Landwirtschaft 1 6 Chrung des Jubflars hatten sich am 7. März zahlre 4 behördliche Vertreter und viele Freunde und Verehrer des 1 0 teenstvollen Forschers und Gelehrten im Jestsaal des Darmstädter n bealgymnasiums eingefunben. U. a. waren vertreten das Reich, an ite hessische Regierung der Landtag und sonstige Behörden. Ver⸗ 175 eber der Stadt Universität, Hochschule, Landwirtschaftskammer, N . deutsche Landwirtschastliche Gesellschaft und zahlreiche landwart⸗ * stliche Vereinigungen. Ein Gesang mit enbeg ö 2 45 720 5 15 mond zahlreiche Reden und Ansprachen den Fubilar ehrten für die ganz bedeutenden unnd in der augen Wolt gterkannten Forscherarbeiten. Ministe valrat Müller⸗Darm⸗ sabt begrüßte die Erschienenen im Namen der Paul Wagner⸗Chrang und des Kuratoriums der Landw. Versuchsstation, warf einen Riick⸗ kick auf den Werdegang der Landw. Vorsuchsstatlon. die im be⸗ senderen Prof, Dr. Wanner zu danken ist. Er erbat das Gnver⸗ faindnis des Jublars eine Stiftung von 200 Millionen Mark als„Paul Wagner⸗Stistung“ benennen zu dürfen. Land⸗ Pͤrtschaft und Industrie haben sie gestiftet. Sie soll zur weiteren zortsetzung der Forschuena im G. Wagners dienen. Präsident hebel überbrachte die Glückwünsche des Reichspräsidenten. und sbberreichte in dessen Namen den Reichsschild mit eren: dus gleiche Geschene, das Gerhar: Hauptmaun erhielt. Er über⸗ brachte ferner die Glücwülnsche der Reichs regserung. der bessi⸗ 1 1 l — N ——— N schen Regierung und des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft. Noch waltere Redner überbrachten Glückwünsche für den Jubilar und ehrten ihn durch Ansprachen. 42 N 21* Politik auf der Bühne.“ 8 Im Deutschen Theater in Berlin geschah es jüngst, daß, als eine Frau in den Schlußbeifall einer Erstaufführung ihre Ableh⸗ nung kundtat, das Publikum sie lynchen wollte;„schneidet ihr die Haare ab“,„werft sie den schwarzen Hunden im Ruhrgebiet vor“ und ähnliche Drohungen mußte sie hören. Hatte sie an deutschestem Nationalgut sich vergangen? Gab man Kleist oder Schiller oder Georg Büchner, den sie verhöhnte? Nein, es ging der große Klassiker„Alt-Heidelberg“ über die Bretter, und jemand, der wohl der Ansicht war, daß eine Bühne von Rang und Tradition des Deutschen Theaters zu schade sei für diesen sich heute mehr denn je in seiner Seichtheit und Rührseligkeit enthüllenden und uns ver⸗ letzenden Anarchronismus(Verstoß gegen den Zeitgeist), trägt dabei Leib und Leben zu Markte. Im Landestheater zu Darmstadt„dichtet“ ein Sänger in ein Couplet einer alten Lortzingoper eine geschmacklose„aktuelle“ Strophe hinein und glaubt so, in einem Augenblick, in dem deutsche Brüder körperlich und seelisch Unsägliches leiden, mit seinem Sing⸗ sang zu den schmerzlichsten Erlebnissen Stellung nehmen zu müssen, deulsches Leid nach Varietsart zu Effekstoff degradieren zu dürsen! Und er wurde nicht ausgepfiffen für seine Gefühlsroheit, sondern Harfenbegleitung stüürmisch gefeiert, und als ihm für die zweite Aufführung eine Wiederholung seines Delikts offenbar verboten war, erfolgt tags darauf eine feierliche Anfrage nach dem Verbleib in einer sich ernst nehmenden Zeitung, die der Intendanz wegen dieser Selbstver⸗ ständlichkeit nicht mehr und nicht weniger als Mangel an na⸗ lio naler Gesinnung vorwirft. Auf der gleichen Bühne gibt man des deutschen Dichters Georg Büchner bezaubernde Dichtung„Leonce und Lena“; der Theater- borichter einer Zeitung golangt zu der erleuchteten Erkenntnis, daß „der einzige Grund zur Wahl dieses Stückes nur der gewesen sein könne, das Königtum lächerlich zu machen,“ und, sich damit offenbar noch nicht genug blamiert wähnend, nennt er 14 Tage später die Dichtung mit„Charleys Tante“ in einem Atem. Eine große Berliner Zeitung erneuert Schillers Ruf nach dem nationalen Theater; begeistert nehmen dies Darm⸗ städter Blätter zum Anlaß, um diesen Ruf zu der Sehnsucht nach *) Der Darmstädter Zeitung entnehmen wir diese beherzigens⸗ werten Ausführungen von Dietrich Distelmann. einer Bühne»ationalistischen Phrasenbelden⸗ tums auszudeuten, auf der vermutlich dann Wildenbruch wichtiger wäre als Shakespeare. g So weit sind wir gekommen! Es geht nicht mehr um Kunst. es geht um Phrase und Geschwätz. Schiller, Goethe, Kleist will man berauben, ihre Worte will man an der Stelle, die Schiller als moralische Anstalt wissen wollte, mißbrauchen wie die Wort⸗ köder einer Wahlversammlung. Sieht denn niemand die unge⸗ heure grausige Gefahr, die sich hier vorbereitet, und die vergiftend in die Massen getragen wird? Haben wir denn noch nicht Kriegs⸗ opfer genug gebracht an Gut und Blut, an deutschen Provinzen und deutschen Existenzen und an deutschem Glück, daß nun auch noch der deutsche Geist geopfert werden soll? Denn darum, und um nicht weniger, geht es! Es sollen Kunstwerke zerrupft und verstümmelt werden— denn was anderes als Verstümmelung ist es, wenn man nicht mehr den Geist des Schöpfers hören will son⸗ dern seine zufälligen Worte auf ihre Anwendbarkeit in der Gegen⸗ wart— es follen sinnlose, kunstwidrige Fanfaren daraus gemacht werden, es sollen wirkliche und echte Dichtungen, unzerstörbare Manifeste deutschen Geistes und deutscher Erfülltheit verunglimpft und, wie der Berliner Fall zeigt, Kitsch und Schmarren als Ursinn von Deutschheit gepriesen und bejubelt werden! Wir sollen stillschweigend zusehen, wie in Opern, die, mögen sie auch nur eine kleine enge Welt schildern und bedeuten, immerhin aus deutschem Sinn und deutschem Atem gezeugt wurden, mit Albernheiten verschandelt werden und dadurch angeblich deutscher werden. Wie weit ist noch von da bis zu dem Punkt, wo auch in „Figaro“ und„Fidelio“„nationale“ Einlagen gemacht werden, weil sie nicht deutsch genug sind! »Unter all den Bosheiten, die uns Frankreich antut, ist diese vielleicht die größte: daß es eine derartige Verwirrung in deutschen Köpfen anrichtet, die nicht mehr unterscheiden kann zwischen Wert und Unwert in der Kunst, zwischen Dichtung und Leitartikel, zwischen Kunststätte und Bierbank. Diefenigen aber, die berufen sind zur Heilung und Wahrung des wahr⸗ haft nationalen Verantwortungsbewußtseins, freveln wider den heiligen Geist, wenn sie der Feinde Zerstörungs⸗ werk am deutschen Geist fördern helfen. Man wende nicht ein daß es um die nieht schade sei, die solcher plumpen Tat zum Opfer fallen; Deutsezland blutet aus zu vielen Wunden, als daß wir selbst Halbtote aufgeben dürften. Sonst bleibt zuletzt nur noch ein Trümmerhaufen. Und was hat dann das Leben noch für einen Sinn! Um was leiden unsere Brüder an Rhein und Ruhr stand⸗ haft alle Qualen der Vergewaltigung, wenn wir dumm und blind das Einzige kampflos aufgeben, was wir noch zu verlieren haben! deutsches, geistiges Gut, verankert in deutschen Herzen, als Erbdte in der Form, in der es uns zu treuen Händen übergeben wurde. ——— r— Raummeter Kiesern⸗ ——̃ Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, 5 Wenn kein Gewerbegericht vorhanden ist. Ein langer Prozeß war es, der aus einer Arbeitsstreitigkeit zwischen der Eisensteingrube„Schaumburg“ bei Faschingen a. L. und einer Anzahl ihrer Arbeiter sich abspielte. Diese wurden von der Grube im Juli 1920 bis zu 3,50 Mark pro Schicht unter dem vereinbarten Tariflohn, der damals 34 Mark pro Schicht betrug, entlohnt. Da die Grube sich hartnäckig weigerte, den zu wenig ge⸗ zahlten Lohn nachzuzahlen, wurde versucht, die Nachzahlung durch den staatlichen Schlichtungsausschuß zu erzwingen. Der Scllich⸗ tungsausschuß hatte die Forderung der Arbeiter als berechtigt an⸗ erkannt und im November 1920 einen dahingehenden Spruch ge⸗ fällt. Seitens der Grube wurde der Schiedsspruch nicht aner⸗ kannt. Die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches mußte daher beim Demobilmachungskommissar beantragt werden. Nach vielem Hin und Her lehnte der Demobilmachungskommissar die Verbinblichkeitserklärung des Schiedsspruches mit einer voll⸗ ständig weltfremden Begründung ab. Da die Auslegung des Tarifvertrages, wie sie von der Grube mit Uebereinstimmung des Lahnarbeitgeberverbandes vorgenommen wurde, der Unternehmer⸗ willlür Tor und Tür öffnete, und die Arbeiter sich den unbe⸗ gründeten Lohnabzug nicht gesallen lassen wollten, so mußten durch das zuständige Amtsgericht in Diez a. d. L. die Nachzahlung des zu wenig gezahlten Lohnes, durch Klage zu erzwingen versucht wer⸗ den. Unterm 14. September 1921 wurde dem Amtsgericht die Klageschrift unterbreitet. Nach vielen hochpeinlichen Zeugenver⸗ nehmungen, Verhandlungen und Terminen, wurde am 25. Sep⸗ tember 1922 das Urteil verkündet. Nach diesem Urteil wurde den Arbeitern nur ein Teil der eingeklagten Summe zugesprochen. Durch das Urteil wurde den Klägern se 41 Mark zugesprochen. Das war eine Lohnsumme für 1% Arbeitsschicht im Juli 1920. Im November 1922 erhielten sie den Betrag ausbezahlt und konnten sich infolge der inzwischen eingetretenen Geldentwertung für diesen Betrag eine sschlechte Zigarre oder eine Zigarette mittlerer Quali⸗ tät kaufen. Da den Klägern nicht die eingeklagte Lohnsumme zu⸗ gesprochen wurde, so mußten sie noch einen Teil der Progeßkosten tragen, die ungefähr 15mal so hoch waren als der ihnen zuge⸗ sp ne Betrag. Beim Vorhandensein eines Gewerbegerichts würde ein derartiger Streit in höchstens zwei Terminen entschie⸗ den. Wenn die Unternehmer aber gegen die Errichtung der Ge⸗ werbege richte Sturm laufen, dann wissen ste warum. „Gelbe Sumpfblume in Oberhessen“. Zu dem an dieser Stelle in Nr. 48 unter dieser Ueberschrift er⸗ schienenen Artikel werden wir um Aufnahme folgender Berich⸗ tigung ersucht: 5 „Die in dem„Gelbe Sumpfpflanze in Oberhessen“ über⸗ schriebenen, in der Oberhessischen Volkszeitung am Dienstag, den 27. Februar 1923 erschienenen Artikel enthaltenen Behauptungen, daß ich an einer Aussprache des Deutschen Arbeiterbundes teil⸗ genommen hätte und für diesen Bund werbe, entspricht nicht den Tatsachen. Fritz Appel, Fahrsteiger.“ * 2 Kleine Nachrichten. Mord und Selbstmord aus verschmähter Liebe. Der Bjährige Hermann Göbig, Geleitsstraße 83 in Offenbach hat seither mit der gleichalterigen Kontoristin Mina Grochowsky, Karl⸗ straße 66 ein Liebesverhältnis unterhalten. Diese wollte in letzter Zett nichts mehr von ihm wissen und löste vor einigen Tagen das Ver⸗ hältnis. Freitag nachmittag nach 5 Uhr erwartete Göbig seine seit⸗ herige Geliebte vor dem Geschäft, in dem sie tätig war und be⸗ gleitete sie in ihre Wohmug. Daselbst war nur die Großmutter des Mädchens anwesend. Während das Paar sich allein in einem Zimmer befand und dort jedenfalls eine kurze Auseinandersetzung hatte, brachte Göbig der Grochowsky mittels einer Browningpistole einen Schuß in die linke Schläfe bei, der den sofortigen Tod herbeiführte. Alsdann richtete er die Waffe gegen sich selbst und traf sich in die rechte Schläfe. Er wurde in bewußtlosem Zustande in das Stadt⸗ krankenhaus eingeliefert, woselbst er Samstag früh ebenfalls verstarb. Frankfurt a. M. 9. März. Verbotene Zeitungen. Die Frankfurter Volkszeitung und die Freie Presse in Höchst a. M. wurden auf je drei Tage für das besetzte Gebiet verboten. Frankfurt a. M., 9. März. Vom Auto getötet. Auf der Eschersheimer Landstraße wurde ein bisher umbekannter Mann in dem Augenblick, als er einem Straßenbahnzuge aus weichen wollte, von einem Kraftwagen überfahren und auf der Stelle getötet. Frankfurt a. M., 9 März. Herabsetzung der Brot⸗ preise. Die Frtinlfurter Bäckerinnung hat die Preise für marken⸗ freies Brot um 200 Mark für das 1200⸗Gramm⸗Brot heruntergesetzt. Es kostet ab heute Frankfurter Weißbrot 1500 Mk., Schlüchterner Brot 1480 Mk., Schwarzbrot 1800 Mk. Königstein i. T., 9. März. Aus der Haft entlassen. Die sechs Bommersheimer Fuhrleute, die bei der Abfuhr von Holz ohne Erlaubnisschein angetroffen und deshalb von den Franzosen verhafte: wurden, hat man wieder aus der Htft entlassen. Auch Pferd und Wagen durften sie mitnehmen. Das Holz jedoch verfiel der Beschlag⸗ nahmung. Cronberg, 9. März. Rückgabe von Bürgschaftsgel⸗ dern. Die französische Besatzungsbehörde hat die den vor Monats⸗ frist verhafteten Bahnhofsvorstehern von Cronberg und Eschborn ab⸗ genommenen Bürgschaftsgelder in Höhe von zweimal 100 000 und zweimal 50 000 Mark wieder zurückerstattet. Darmstadt, 9. März. Behinderung des Zugverkehrs von Frankfurt. Seit gestern vormittag haben die Franzosen das westliche Gleise der Strecke Darmstadt— Frankfurt von der Block⸗ stelle Birnbaum(südlich Arheilgen) bis vor den Personenbahnhof Darmstadt Hauptb. besetzt und verhindern die Streckenrevision. In⸗ folgedessen mußte der Zugverkehr auf diesem Gleise eingestellt wer⸗ den. Da die Strecke Darmstadt— Frankfurt in dem angegebenen Streckenteil jetzt nur noch eingleisig befahren werden kann, erlitten die Züge zunächst erhebliche Verspätungen, doch sind diese durch die umsichtigen Anordnungen der Verkehrsbehörde jetzt behoben. Mainz, 8. März. Verjagte Eisenbahnerfamilien. In Bischofsheim mußten 18 Dienstwohnungen von Eisenbahnern auf französischen Befehl sofort geräumt werden. Mainz, 10. März. Vom Franzosenzug über fah Gestern nachmittag fuhr auf der Strecke Alzey— Mainz an de Kreuzungsstelle der dstraße Mainz Gonsenheim französischem Personal bedienter Zug mit einem deutschen auto zusammen, auf dem sich außer dem Chauffeur noch vier sonen befanden. Zwei Personen sind tot, einer starb nach dr Stunden und zwei liegen verwundet im Krankenhaus. Die Bahn⸗ strecke ist seit einiger Zeit ubefahren, sodaß die Az damit rechnen durften, daß kein Zug kommt. Die Strecke wurde zum erstenmal wieder von französischem Personal befahren; die Straßenübergänge blieben aber offen. 1 Von den Franzosen verurteilter Redakteur. Unser Jing, Redakteur der Mainzer Volkszeitung und Siebte 8 neter in Mainz wurde von dem französischen Militärgericht zu 6 Monaten Gesänamis verurteilt wegen verschiedener in sei Blatte veröfsentlickter Artikel Er hatte aber die Vorsicht gebraucht sich vorher ins unbesetzte Gebiet zu begeben, sodaß er mit französischen Gefänguissen keine Bekanntschaft zu machen braucht. Ibina hat das Amt eines Beigeordneton in der thüringischen Stadt Frankenhausen angenommen. Ein deutsches Bodenresormland. Im Freistaat Anhalt sind seit 1918 durch Staat, Kreis und Gemeinden etwa 200 Millionen Mark für Zwecke des Wohnungsbaues verwendet worden. Wäh⸗ rend vor dem Kriege jährlich rund 800 Wohnungen neu errichtel wurden, sind in den letzten vier Jahren 2900 Wohnungen, zum größten Teil Heimstätten, errichtet worden, ein Prozentsatz, der im ganzen Reich auch nicht annähernd erreicht worden ist. Das kleine Anhalt ist also auf dem besten Wege, ein boden⸗ und wohnung reformerisches Musterland zu werden. 85 a Ein unsinkbares Schiff. Ein neues Schiff, das auch dann noch schwimmfähig sein soll, wenn der ganze n aufgerissen wurde von C. Macdonald erbaut. Diese neue Schiffsform hat nach einem Bericht in Werft, Reederei, Hafen außer einem I= boden noch ein wasserdichtes Zwischendeck, durch das die Luken zu den Unterräumen mit Schächten bis zum Oberdeck hindurchgeführt sind. Außerdem sind zahlreiche Querschotten eingebaut, so daß 12 Laderäume mit je zwei übereinanderliegenden Räumen entstehen. Die Spanten werden im Zwischendeck durchschnitten; di latoren für die Unterräume sind wasserdicht bis oben geführt. Nach den Angaben des Erfinders läßt ein solches Schiff wegen der zahlreichen Luken schneller be- und entladen, als ein gewöhnliches Schiff, und außerdem ist es nicht zum Sinken zu bringen, so die größte Sicherheit dadurch gewährleistet wird Aus den arntlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 20 vom 9. März enthält: Gewährung von Unterstützungen an die Empfänger von Ruhegehal⸗ ten und Hinterbliebenenbezügen der Hessischen Versiche rungsanstalt für gemeindliche Beamte. Schulvorstände.— Beitreibung der Gemeindegefälle für 1922.— Vergnügumgssteuer.— Errichtung einer Sattler⸗ und Tapezierer⸗ Zwangs innung.— Reichsfleischbeschaugesetz.— Viehmarkt in Hungen. Abgang der Landesgestütsbeschäler nach den Deckorten.— Tarif der Kreisabdeckerei Garbenteich.— Nothilfe Hessen.— Dienstnachrichten. eee Watzenborn⸗Steinberg.— Maßnahmen gegen Preis⸗ erei. 50 Paar Herren-R.-Boxstiefel ODoppelsohle) Mk. 55 000 netto 50 Paar Herren-Rahmenarb.(MarkeLeander) Mk. 58 000 netto Diverse Tourenstie fel ö 50 Paar Damenstiefel 50 Paar Damenstiefel. Diverse Halbschuhe(Einzelpaare) ö Diverse Halbschuhe runde und spitze Form(Boxkalf) Auf alle * r e n r E 7 e 1 5. I„ Massen-Schuhverkauf Emanuel& Co., Seltersweg 81 Geöffnet ununterbrochen von 8 bis 6 Uhr Mk. 50 000 netto Mk. 15 000 netto Arbeitsstiefel von. Mk. 28 000 netto] Herren- und Damensandalen . Mk 10 000 netto Frauen-Feldhalbschu ne Mk. 35 000 netto amderen Waren 10 Prozent Rabatt! Neue enorm ermässigte Preise! Bis 50 Prozent des alten Verkaufspreises. Nur solange Vorrat reicht verkaufen wir: Prima Lackhalbschuhe(hochmodern) Mk. 40 000 netto Wildleder(Imitation) entzückende Formen. 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Näheres zu erfragen in der Geschäftsstelle der Oberhessischen Volkszeitung. uche Märchenspiele Die Geschichte einer Mutter (Nach Andersen) Die Prinzessin und ihr Narr (Walter Haase) Donnerstag nachm. 4 Uhr Schülervorstellung Die Zaubergeige(Märchenspiel) KNasperletheater Lieder zur Laute Preise der Plätze Vorverkauf: Ferber'sche Universitäts- Buchhandlung, Seltersweg, Schneider'sche Buchhandlung, Neuen Bäue fig. 15. März 38 Uhr Freitag, den 16. März abends 8 Uhr Hans Sachs⸗Abend Der fahrend Schüler im Paradeis Der gestohlene Schinken Das Kälberbrüten Freitag nachm. 4 Uhr Schülervorstellung Das einfältige Brüderlein (Märchenspiel) Kasperletheater 3 Abende 1500 und 1000 Mk. Der Saal ist aut gebeist. Spiese atholischen Pereinshaus zu Gießen . Eruster Abend Das Kain⸗ und Abelspiel. Es ist ein Schnitter, der heißt Tod (Nach Grimm) Samstag nachm. 4 Uhr Schülervorstellung Der Schweinechirt(Nach Andersen) Rasperletheater Lieder zur Laute „Für 1 Abendaufführung 600 und 400 Mk., für 1 Schülervorstellung 150 Mk., für Der Reineslö findet Verwendung zu Gunsten der Rubrb ilfe under Volksbechschule Gießen. Edelmetall⸗Ankauf! Gold., Silber-, Platin⸗Gegenstände, auch Bruch, Uhren, Brillanten, Holz. braudstifte, Prismenfernaläser sowie künstliche Zähne und Gebisse kanft zu höchst erteichbaten Prtisen Gg. Koch, Gießen Mühlsir. 2, nächst der Bahuhosstr. Gegr. 1894 1325 helmetalsachverständiget. — f.. Partei Literatur empfiehlt nuchhandlg. Oherhess. Volksztt A Automobilisten den die Venti⸗ Bildung und Zusammensetzung der 2 teil schest rege