. . —. 0 Nezoktion: gießen N Bahuhofstraße 23 Fernsprecher 2008. llazeitun Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 2 1 Expedition: Gießen Bahnhofstraße 25 Ferusprecher 2008. 0 Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werttag vormittag in Gi. Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der rau und Ac wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 1370.— Mek. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 1800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50.— Mk 0 5 „ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenseil verantwortlich: R. Slrohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum sokal 20.— Mk, au⸗wärts 30.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 100— Mk. Bei größeren Auftrejgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 35 Gießen, Montag, den 12. Februar 1923 2 1 9 13. Jahrgang Der neue Krieg. Der Kaiser“ Poincaré hat seinen „kleinen Krieg“. Französische Truppen aller Gattun⸗ gen, bis auf die Zähne bewehrt mit Mordwerkzeugen aller Art und modernster Erfindung, mit Tanks und schwerer Artillerie, sind in wehrloses deutsches Land eingebrochen und haben es„erobert“. Für uns, die ruhmreich„Besiegten“, kann diese kriegerische Aktion des raubgierigen französischen Kapitalismus vernichtend werden, trifft sie doch die Haupt⸗ schlagader unseres ganzen wirtschaftlichen Lebens, giert sie doch nach Kohle und Eisen, wenn wir nicht— durchhalten, nicht mit Maschinengewehren und Giftgasen, die hat uns vie Niederlage im Weltkrieg aus den Händen geschlagen, aber mit Einigkeit für Recht und Freiheit! So ist es in Wahrheit ein Kulturkampf, den wir für uns und für die Welt zu führen haben. Als die großen Kanonen gegen Arbeiter Essens aufgefahren wurden, als die ver— derbendrohenden Mündungen iy der Entfernung von wenigen Metern auf Massen unbewaffneter Menschen ge— richtet wurden, da erscholl angesichts dieser grausigen Wahn⸗ szene unermeßliches Gelächter. In der Tat, gelingt es uns, besonnen durchzuhalten, und das wird freilich wegen des bitteren Hungers und wegen der berechtigten Empörung eine unsäglich schwere Leistung sein, dann werden wir damit vielleicht ein unsterbliches Verdienst für uns in das Buch der Geschichte eintragen: Wir werden den Mili⸗ tarismus lächerlich gemacht haben. Und gerade ein fran⸗ zösisches Sprichwort sagt:„Das Lächerliche tötet“. Das gegenwärtige Vorgehen Frankreichs am Rhein und an der Ruhr, die Vergewaltigung der Beamten und deren Familien, die Knebelung der Presse, die Abschnürung Deutschlands von seinen Kohlen, der Einbruch in Baden, dies alles ausgeführt durch Militär und Polizei, deren Tätigkeit in dem bösartigsten Terror gipfelt, zugleich aber unter der widerlichsten juristisch⸗moralischen Beschönigung der Reparation, kurzum dieser abscheuliche Krieg im Scheinfrieden unserer Zeit ist deshalb so besonders traurig, weil er tatsächlich nur die eine Wirkung haben kann, das Verhältnis von Deutschland und Frankreich auf Generationen hinaus zu vergiften, die Hoffnung auf Völker versöhnung auf unabsehbare Zeit zu ver⸗ nichten. Da hören wir nun den ganzen Chorus aller Kriegs- interessenten und aller Spießbürger der Welt mit Genug⸗ tuung feststellen: Mit der Völkerversöhnung ist es nichts; der Friede auf Erden ist ein Traum. Salt! Ihr Real⸗ politiker und Kleingläubigen, wißt ihr denn ein anderes Rettungsmittel in der Todesgefahr der Kulturmenschheit? Und wenn ihr nur immer auf Vergeltung hofft und Rache Predigt, ist da nicht wirklich der Untergang des Abendlandes nahe und unvermeidlich? d 0 Die berüchtigte Rheinlandkommission, die wir Unter⸗ legenen nach dem Versailler Vertrag mit riesigen Kosten unterhalten müssen, hat durch eine ihrer schamlosen Ordonnanzen die Dienste der Spitzel und Verräter der deutschen Justiz entzogen, letztere aber und die deutschen Be— hörden überhaupt mit hohen Gefängnis⸗ und Geldstrafen bedroht, wenn sie Deutschland gegen Verräter und Spitzel! schützen wollen. So ist es denn auch ganz begreiflich, wenn die Kommission die Aufführung des„Wilhelm Tell“ in Koblenz verboten hat. Darin steht ja das gefährliche und todernste Wort:„Nein, eine Grenze hat Tyrannen⸗ macht.“ 1 1 geschwadern, seinen Giftgasbomben ist schaft bedroht England ö Morin kann diese Gewaltpolitik ihre Grenze finden? Durch Englands Einspruch? Wir fürchten: nein. Das stolze England hat Furcht vor Frankreich. Der französische Uebermilitarismus mit seinen 1 afrikanischen . Truppenmassen, seinen weittragenden Ge— schützen, seinen zahlreichen Unterseebooten, seinen Flugzeug⸗ dem benachbarten Handelsvolke jenseits des schmalen Kanals mehr wie un⸗ heimlich, die raffinierte Kriegstechnik modernster Errungen— lebensgefahrlich in seiner Insel⸗ sicherheit. Im Orient triumphiert die gerissene französische Diplomatie über englische Verlegenheiten geegnüber der Türkei. Die Regierungspartei Bonar Laws im englischen Parlament, die aus den konservativen Renten- und Wert— Hapierbesitzern besteht, hat die einzige Sorge, zum Zwecke 0 Ungestörten Zinsengenusses„das Pfund“ stabil zu erhalten, das sofort sinken würde, wenn England in irgend eine kriegerische Verwicklung käme. Also vom offiziellen Eng— land haben wir nichts zu erwarten, mag es ihm noch so un⸗ Hestimmten wirtschaftsimperialistischen Plänen die Hand nach U 5 Hestimmten wirtschaftimperialistischen Plänen die Hand nach dem Lebenszentrum Deutschlands ausstreckt zur Errichtung eines großen Trustes von Eisen 0 pbösischer Führung. Die französischen Industrie⸗ und Kohle unter fran⸗ „Frankreich schlagen.“ Wachsender Terror.— Fest in der Abwehr. Sie werden nicht kuschen. In ihrer neuesten Nummer schreibt die Bergarbeiter zeitung: „Der Wille der Arbeitnehmerschaft, nicht zu kuschen vor den französischen Bajonetten, ist fest und unerschütter⸗ lich. Wie kommen auch gerade wir dazu, den kapitalistisch⸗ militaristischen Lockungen und Versprechungen zu vertrauen, auch wenn sie sich in das Gewand französischer Demokratie hüllen, auch wenn sie uns Hilfe gegen uusere Kapitalisten zusichern? Das Ruhrgebiet ist das Herz Deutschland. Wenn französische Militaristen und Kapitalisten darüber verfügen, wird das Elend des deutschen Volkes größer und größer; in Millionen Hütten wird dann Arbeitslosigkeit und Hunger einkehren, Krankheit und Tod werden noch grausigere Ernte halten, wie sie es jetzt schon unter unserem unter⸗ ernährten Volk tun. Wie kämen wir dazu, dieses Elend zu fördern, um dem französischen Imperialismus seine Ziel zu erleichtern?! Frankreichs Sozialpolitik ist rück⸗ ständiger als die deutsche: Frankreichs Bergleute haben eine dreiviertel Stunde längere Schichtzeit als die deutschen Bergarbeiter: Frankreichs Arbeiterbewegung wird mit brutaler militaristischer Faust niedergehalten. Haben wir Sehnsucht danach, ebenso behandelt zu werden? Wahrscheinlich nicht und auch deshalb haben wir alle Ver⸗ anlassung, an unserem Standpunkt vernünftiger, ent schlossener Abwehr festzuhalten.“ Die Sozialdemokratie in vorderster Kampfstellung. Ein wirtschaftlicher Abwehrplan. Wir sagen nicht zu viel mit der Feststellung, daß die Sozial⸗ demokratie bei der Organisierung der Abwehr des Einfalls ins Ruhrgebiet längst an erster Stelle steht. Ruht im Ruhrgebiet die Last des Kampfes zunächst auf den Schultern der Arheiter und Beamten, so zeigt auch der Blick in die Werkstatt der Parlamente,“ daß unsere Genossen die stärkste Energie in der Abwehr ent⸗ wickeln. So standen die Verhandlungen des Hauptausschusses des Preußischen Landtages vom Freitag, die sich mit dem Ruhreinfall EEA magnaten, die übrigens in dem früheren Minister⸗ Poincaré vorwärts treiben, zielen auf die Erobe⸗ rung der industriellen Vorh errschaft des Kontinents. Freilich das Kind muß zunächst einen anderen Namen haben. Bestrafung der Deutschlands, für Rückstände in Holz: und Kohlen— lieferungen! Daher vorübergehende Beschlagnahmung der linksrheinischen Wälder und der staatlichen Kohlenberg— werke im Ruhrgebiet, und nur weil die böswillige Berliner Regierung Beamte, Arbeiter und Unternehmer zum passiven Widerstand aufhetzt, müssen die 40 französischen Ingenieure durch eine Eskorte von anfangs 60000 Mann beschützt, muß das Ruhrgebiet durch eine ganze Armee vom unbesetzten Deutschland(und was wird schließlich von diesem gefähr⸗ lichen Lande noch unbesetzt bleiben dürfen?) abgesperrt, müssen die widerspenstigen deutschen Beamten ausgewiesen muß gelegentlich zum warnenden Exempel auf das unruhige Volk geschossen werden, kurzum muß Frankreich unter allen Umständen zu seinem verbürgten und garantierten Kohlen— und Holzdeputat kommen, mögen auch darüber(Recht muß Recht bleiben nach dem Versailler Weldfrieden, wie ihn Poincaré auffaßt) Frauen und Kinder des Sechzigmillionen⸗ Bochevolkes an Kälte und Hunger zu Grund gehen. Was können und müssen wir gegenüber diesem Wahn— sinn tun? Die Hitlerbanden sind unter dem famosen Ausnahmezustand der bayerischen Regierung, der sich nur gegen die Sozialdemokratie gerichtet hat, noch wilder geworden, sie betrachten es als die erste Pflicht eines jeden treudeutschen Mannes, zunächst die Republik zu stürzen und die sozialistischen und jüdischen Novemberver— brecher zu beseitigen und dann, wahrscheinlich unter Luden⸗ dorffs Diktatur und glorreicher Führung, die Revanche ernsthaft in die Hand zu nehmen.„Siegreich wollen wir Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode. Deutsche Republikaner, deutsche Sozialisten, seid auf der Hut! Die Gefahr in der Ordnungszelle Bayern wird brennend.— In Königsberg i. Pr. und anderen Orten weit vom Schuß sucht nationalistischer Pöbel und unwissendes Volk, stets aufgehetzt von gut genährten und wohlgekleideten Stehkragenpatrioten, französische Kontroll— offiziere in den Hotels zu lynchen.— Die Ko mmun ist en haben in der heutigen Zeit nichts Wichtigeres zu tun, als sich von dem allrussischem Zentralrat der Gewerkschaften aus Moskau 100 000 Goldrubel, nach deutschem Gelde zwei Milliarden Mark überweisen zu lassen, um den Kampf „gegen die eigene Bourgeoise“, d. h. nach kommunistischer Ansicht gegen die deutschen Gewerkschatfen planmäßig zu führen. ne „Verfehlungen“ und seinen Folgen befaßtzen, vor allem im Banne soztaldemokrati⸗ scher Anregungen und Gedanken. Unter der Initiative des Ge⸗ nossen Osterroth verlangten unsere Genossen vom Landtag, dafür zu sorgen, daß das Staatsministerium den Abwehrkampf gegen den französisch⸗belgischen Ruhreinfall mit aller Kraft unterstützt und den ersten wirtschaftlichen Folgen dieses Einfalls begegnet. In Erwartung größerer Arbeitslosigkeit als Folge des ein⸗ tretenden Kohlenmangels sind größere öffentliche Arbeiten wer⸗ bender Natur vorzubereiten und die zur Durchführung notwendi⸗ gen Kredite bereitzustellen. Alle spekulativen Elemente, die sich ohne legalen wirtschaftlichen Zweck am Devisenhandel beteiligen, sind durch wirksame gessetzgeberische und exekutive Maßnahmen auszuschalten. Zur Wiederbelebung der Sparbetriebes und um die berechtigten Zahlungsmittel den Zwecken der Wirtschaft zuzu⸗ leiten, ist die Ausgabe wertbeständiger Anleihen Die 5 Wucherbekämpfung ist zu verschärfen. Die staatlichen Kreditinstitutionen sind ent⸗ sprechend dem enorm gesteigerten Kreditbedarf aller Wirtschafts⸗ kreise zu modernisieren, zusammenzufassen und zu fundieren. Die infolge der Abtretung wichtiger Rohstoffprovinzen und der Ruhr⸗ besetzung enorm gesteigerte Rohstofseinfuhr, insbesondere die Kohleneinfuhr, ist in öffentlicher sdand zusammenzufassen und die Verteilung nach Maßgabe der größeren oder niederen Lebenswichtigkeit der Betriebe für die Gesamtwertschaft zu organi⸗ sieren. Alle wärmewirtschaftlichen Reformbestrebungen sind nach⸗ drücklichst zu unterstützen. Alle die Brennstoffwirtschaft wesentlich belastenden Lichtreklammen sind einstweilen zu verbieten. Genuß⸗ stätten, die als Schlemmerlokale angesprochen werden können, müssen geschlossen werden. Kleine Gewerbebetriebe mit einem unverhältnismäßig großen Brennstofsverbrauch sind in ähnlicher Weise wie in der zweiten Kriegshälfte bis zum Eintritt einer günstigeren Lage auf dem Brennstoffmarkt zusammenzulegen. In einem zweiten Antrag Osterroth zum Haushalt der Han⸗ dels- und Gewerbeerzwaltung fordern unsere Genossen 5 die Herabsetzung der teilweise beträchtlich über dem Weltmarkt⸗ wreis stehenden Holzpreise, insbesondere für Grubenholz, Bauholz und Holzarten für gewerb⸗ liche Zwecke. Gewerblichen, genossenschaftlichen und gemeinnützigen Unternehmungen, sozveit sie Gewähr dafür bieten, daß sie Preis⸗ vergünstigungen nicht in gewinnsüchtiger bezw. spekulativer Weise t rh Deuce anzustreben. Fürwahr, un ser armes Vaterland ist im tiefstem Elend. Der Barometer steht auf Orkan und Erdbeben. In unsserem feinsten Porzellanladen trampelt ein, Mammutelefant herum, denn die französische gepanzerte Faust ist imstande und gewillt, wenn es nicht gelingen sollte, das Ruhr⸗-Uhrwerk auf französische Zeit umzustellen, es einfach zu zerschmettern. Bei uns aber wollen polttische Narren und Kindsköpfe, Phantasten und Verbrecher unter den Klängen der Wacht am Rhein die allerteuersten Scheiben einschlagen, die dann der deutsche Steuerzahler bezahlen muß. g Was tut uns einzig not? Was ist jetzt wirklich die er ste Bürgerpflicht in diesem Höllengraus von Roheit und Sinnlosigkekit, der seinen gähnenden Rachen öffnet und alles in sein trostloses Chaos zu verschlingen droht? Besonnenheit, Besonnenheit und immer wieder Besonnen⸗ heit bei Regierung und Volk! Besonnene Tat gegen⸗ über jedem Feind, heiße er nun Militarismus oder Kapi⸗ talismus oder Nationalismus! Energische Tat gegenüber der furchtbaren Not im Lande! Es gilt, eine Teuerung zu überstehen, die völlig russisch zu werden droht. Es gilt durch⸗ zusetzen, daß das Vermögen endlich seine Steuern zahlt. „Wir müssen zusammen hungern und frieren!“ Es sei! Aber „wir“ muß nunmehr wirklich heißen: alle Deutschen. Wird das möglich sein? Bange Frage! Aber davon hängt die Geduld des arbeitenden und leidenden Volkes, damit steht oder fällt der ganze passive Widerstand, der unsere einzige Waffe in diesem unerhörten Kriege bildet. Das mögen sich unsere Regierenden und Wohlhabenden gesagt sein lassen: Prasserei, Protzerei, egoistische Preistreiberei sind die ver⸗ ruchten Giftstoffe, die auch den ehrlichsten Willen der zur Verteidigung des gemeinsamen Vaterlandes entschlossenen Massen tödlich lähmen. 5 Besonnenheit der westfälischen Arbeiter und der rheinisch-westfälischen Eisenbahner, die Festigkeit aller Be— amten verdient hohe Bewunderung und warme Anerkennung bei dem gesamten deutschen Volke. Möge sich der Dank für dieses mutige, zähe und ruhige Aushalten gegenüber der brutalen Gewalt in weiterer verstärkter„Ruhrhilfe“ betätigen! Der Generalsekretär des französischen Gewerk⸗ schaftsverbandes Jouhaux ruft uns die brüderliche Mahnung zu:„Die dentschen Bergarbeiter haben sich der Drohung der Bajonette nicht zu beugen!“— Einer, der es wissen mußte, und dessen Stimme wohl auch einsichtige Franzosen hören werden, Napoleon hat gesagt, daß im Kampfe zwischen Ideen und Kanonen die Ideen am Ende stets die stärkeren sind. Der Pazifismus muß zur stärksten Waffe der nationalen Die Verteidigung werden. Syndikate, Kartelle und Monopole f stoßlegende vorzubereiten. der Ruhr irgendwelchen Erfolg haben, so wird man hören, die lustig am Werke sind. Die Kreuzzeitung erhebt in ihrer mißbrauchen, sind Hölzer aus fiskalischen Forsten zu Vorzugs⸗ preisen zu liefern. Durch Vermittlung der Reichsregterung ist bei den übrigen deutschen Gliedstaaten mit Forstbesitz ein gleiches Vorgehen zur Bekämpfung der Preistreiberei auf dem Holzmarkt anzustreben. Der ebenso ungerechtsertigten wie lähmenden Ent⸗ wicklung der Eisen⸗ und Stahlpreise muß mit allen tauglichen Mitteln entgegengewirkt, und die staatliche Kontrolle über die 0 muß auf gesetzgeberischem Weg wirksam verstärkt werben. Im Benehmen mit der Reichs⸗ 1 0 muß das Staatsministerium dafür Sorge tragen, daß bei den Festsetzungen der Kohlen- und Kalipreise die zu erwarten⸗ den Materialpreissteigerungen nicht im voraus abgegolten werden. ie neueste Tolchstoßlegende. Die deutschnationale Presse fährt fort, eine neue Dolch⸗ Sollte, was mit allen Kräften verhindert werden muß, der französische Imperialismus an daß die Sozialdemokraten, also die darbenden kämpfenden Eifenbahner und Bergleute, wieder einmal die Front von hinten erdolcht hätten. Dagegen würden unschuldig sein die Wucherer und Schieber, die Spekulanten und Preistreiber, Freitag⸗Abendausgabe die in der jetzigen Lage geradezu landesverräterische Frage:„Hält die Sozialdemokratie durch?“ und behauptet frech, die Reden der Genossen Her— mann Müller und Sollmann im Hauptausschuß wirkten zermürbend, während diese beiden Genaossen doch nur Maß⸗ nahmen verlangt hoben, die den Hunger bekämpfen und die Abwehrfront stärken müssen. Ganz unzufrieden ist man mit dem Genossen Sollmann, der von den Großindustriellen zur Anfeuerung der Massen ein Bekenntnis zum Achtstundentag verlangt hat. Das nennt die Kreuzzeitung„partei⸗egoistische Ziele“. Sie tut so, als könne sie nicht begreifen, wie wichlig es für die Massen ist, den französischen Lockungen entgegen⸗ halten zu können, daß Deutschland auch sozialpolitisch Frankreich weit überlegen ist. Diese Sorte Rechtsblätter treiben dasselbe Spiel, wie während des Krieges und nach⸗ her: Andere durchhalten zu lassen, um sie nachher dafür zu beschimpfen— aus„partei-egoistischen Zielen“. Deutschland wird nic t fille schweigen. Halbamtlich wird mitgeteilt: Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist angewiesen worden, der franzölischen Regierung eine Note zu überreichen. Mit der Note vom 4. Fabmar hat die französsche Regie rung die Note der deutschen Botschaft vom 31. Januar 1921 zurückgesandt mud zu gleicher Zeit angekündigt, daß sie in Zukunft keine Schreiben mehr entgegennehmen werde, die den Wortlaut oder dem Sinne nach irgend eine Kritik der Feststellung der Reparations⸗ kommission oder der infolge dieser Feststellungen getroffenen Maß⸗ nahmen enthalten. Die deutsche Regierung hat ihre Stellungnahme zu dem Beschluß der Mepavationskommission dioser selbst mitgeseilt und hat keinen Anlaß, sich hierüber noch mit der französischen Re⸗ auseinanderzusetzen. Nur muß sie der sranzösischen Ne⸗ erung das Recht bestreiten, jeden Beschluß als eine authentische Willigung ihros eigenen Standpunktes zu bewerten. Eine solche Be⸗ wertung ist schon deshalb verfehlt, weil eine Kußzlegung der Bestim⸗ mungen des Vertrages von Versailles, auf die die französische Re⸗ gierung ihr Vorgehen stlitzen will, von der Reparationskommission, wenn ilberhaapt, dann nur einstimmig hätte beschlossen werden kön⸗ „ Diese Voraussetzung war bei dem Beschluß vom 28. Jamtar cht gegeben. Abgesehen davon muß die deutsche Regierung fest⸗ stellen, daß die frauzösische Regierung es jetzt ein fir allemal ab⸗ lehnt, deutsche Vorstellungen gegen die von ihr getroffenen oder noch beabfichtigten Maßnahmen auch nur enzubhören. Die französische Negierung erlebt dawach den ein snruch, baß allas, was sie nach ihrem Vel iebigen Ermessen getan hat oder tut, von, Deutschland stillschwei⸗ gend hingenommen werden muß. Die deutsche Regierung lann in diesem Verhalten, das allen Regeln des friedlichen internationasen Verkehrs widerspricht, nur ein Anzeichen daffir sehen, daß sich die französische Regierung im Bewußtsein der Schwäche ihres Rechts⸗ standpunktes der Notwendigkeit zu entziehen würnscht, in eine sach⸗ liche Erörterung des deutschen Vorbringens einzutreten. Die deutsche Regierung kaum und wird sich hierburch nicht hindern lassen, den srangbüschen Masinahmen auch in Zukunft das entgegenzuhalten, was ihr nach Recht und Gerechtigkeit entgegengehalten werden muß. f 5 51 4* Der Deserteur. 5 Roman von Robert Buchanan. Eine Weile hatte Arfoll die Szene mit Interesse beob—⸗ achtet. Endlich wandte er sich lächelnd an Rohan:„Könnte man nicht glauben, die von unseren Frauen so gefürchteten „Kannerez-noz“ dort unten ihre Wasche spülen zu sehen? Sie dürften wohl keine so schönen Jungfrauen sein wie zum Beispiel Deine Base Marcelle.“ „Unter den Wäscherinnen dort unten ist gar manche, die selbst am bellichten Toge sich für eine„Kannerez-moz“ aus. geben könnte, wie zum Beispiel die alte Mutter Barbaik,“ entgegnete Rohan lachend. 5 Meister Arfoll stimmte nicht in das fröhliche Lachen ein, sondern sagte mitleidig:„Die armen alten Mütter mit den müden Gliedern und gebrochenen Herzen, die bald noch gebrochener sein werden! Ach, mein lieber Rohan, es ist sehr angenehm, jung, gesund und hübsch zu sein wie Marcelle, aber unsagbar traurig, so alt und mißachtet zu werden, wie Mutter Varbaik, von der Du sprachst. Hat sie nicht einen Sohn?“ „Ja“ „Einen einzigen?“ „Ja— Jannick. Sie werden ihn vom Sehen kennen, Meister Arfoll; er ist lahm, hat einen großen Höcker und an der rechten Hand sehlen ihm zwei Finger— er ist so zur Welt gekommen.“ „Gott hat sich ihm also sehr gnädig erwiesen.“ „Gnädig?! Wieso?“ „Ja, ihm und seiner Mutter, denn es ist besser, lahm und buckelig zu sein, als Soldat zu werden. Der glückliche Jannick kann nie in den Krieg ziehen und seine alte Mutter kann ihr Kind behalten.“ „Und mein Name steht diesmal, obgleich ich der einzige Sohn einer Witwe bin, ebenfalls auf der Konskriptionsliste und meine Nummer kann gezogen werden?“ fragte Rohan mit vor Erregung heiserer Stimme. „Vielleicht— aber Gott verbüte es!“ „Gott verhüte es! Ach, ich habe es satt, Gottes Namen in einer solchen Verbindung zu hören!“ „Nicht Gott, sondern der Mensch ist des Menschen nach dem e e Keine Intervention der Schweiz. Am Freitag begründete Nationalrat Genosse Grimm im Schweizer Bundesrat eine Interpellation der sozialdemo⸗ kratischen Partei über die Ablehnung des Schweizer Bundes⸗ rats in der Frage der Intervention der Schweiz beim Völkerbund wegen der Ruhraktion. Er erklärte, die Schweiz könne nicht entscheidende Worte mitsprechen, aber sie müsse gegenüber der Ruhrbesetzung die die europäische Wirtschaft und den Weltfrieden in unheilvollster Weise bedrohe, kein Mittel untersucht lassen. Bundesrat Motta erklärte, daß der Bundesrat bereits von sich aus der Frage einer Inter⸗ vention geprüft habe, daß aber die Voraussetzungen für ein Eingreifen fehlten. Prager Vermittelungs versuch„uicht zweckmäßig“. In Beantwortung einer Anfrage des Pariser New⸗Nork Herald erklärte der tschecho⸗floralische Außenminister Dr. Benesch wieder, daß im Augenblick ein Vermittlungsversuch nicht zweck⸗ mäßig wäre, um dann sortzusahren: die Tichecho⸗Slowakei sei der Ansicht, daß es unter den gegenwärtigen Umständen ihre Aufgabe sei, an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung in ihrer unmittelbaren Nackbarschaft mitznwarbeften und zusammen mit den Alliierten die erforberlichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, damit jeden Versuch, die Besetzung des Ruhrgebiets zu N in Mitteteurvza auszunutzen, im Keime erstickt werde. Londoner Verlegenheiten. Der englische Ministerrat beriet gestern abermals über die Lage im Ruhrgebiet. Nach Informationen des Daily Telegraph ist anzunehmen, daß es sich abei in erster Linie um die Frage der Kohlendurchfuhr durch das englische Be⸗ satzungsgebiet handelt. Das Blatt glaubt, daß es unmög⸗ lich sein würde, die Eisenbahnstation Köln für den Kohlen- transport zu benutzen, daß aber möglicherweise den Fran⸗ zosen eine Bahnlinie an der Grenze der englischen Zone zur Verfügung gestellt würde. Es ist nicht leicht, die englische Politik der Nichteinmischung zu vereinbaren mit den Wünschen, den französischen Plänen keine Hindernisse in den Weg zu legen. Aus diesem Grunde und auch aus anderen Gründen sei es auch möglich, daß der heutige Ministerrat sich abermals mit der Frage der Zurückziehung der eng⸗ lischen Truppen zu beschäftigen habe. r Frünzösisch⸗belgische Pläne der Eiseubahuvergewaltiguug. Tie Besprechungen Le Trocq ers mit der belgischen Regierung. Am Freitag nachmittag fand in Brüssel die Kouferenz zwischen dem französischen Arbeitsminister Le Trocquer und den Vertretern der belgischen Regierung statt. Die Kon⸗ ferenz galt in erster Linie dem Zusammenwirken der fran⸗ zösischen und belgischen Eisenbahnverwaltung im Ruhr- gebiet. Nach einer Darstellung des Jutransigeaut hatte Minister Le Troequer hei seinem letzten Besuche in Essen zu⸗ sammen mit General Payol einen Plan entworfen, der nichts geringeres als die Eingliederung des Eisenbahnverkehrs im Ruhrgebiet in den französischen Eisenbahnverkehr mit Ein⸗ beziehung der rheinischen und pfülzischen Eisenbahnen regeln soll. Auf Grund dieses Planes soll der tägliche Verkehr von 6 internativnalen Zügen durch das Ruhrgebiet und 30 Kohlenzügen aus dem Ruhrgebiet nach dem Westen gesichert werden. Der Verkehr würde mit Zuhilfenahme sämtlicher Hauptlinien bewältigt werden und wird den Dienst von 10 000 franzßsischen Eisenbahnern notwendig machen. Die französischen Beamten sollen in ständigem Verkehr mit ihrem Heimatland bleiben. Für ihre Veryroviantierung wird von Frankreich aus gesorgt werden. Man hofft nach der Ein— richtung dieses Verkehrs und mit Zuhilfenahme der Wasser⸗ straßen monatlich 1½ Millionen Tonnen Kohle und Koks befördern zu können. An der Spitze der Dee eee n Organisation soll General Weygand berufen werden. die Kokserzeugung aubetrifft, so rechnet man mit einer 6 lichen Produktion von 7000 Tonnen gegenüber einem Ver. brauch von 12 000 Tonnen. Man hofft auch die letztgenannte Ziffer nach einiger Zeit erreichen zu können. 5 Am Freitag abend ist der belgische Ministerpräsiden Theunis zusammen mit dem französischen Arbeitsminist Le Trocquer nach Paris abgereist. Er wird heute eine Zu sammenkunft mit Poincaré haben. 5 Poincars gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. 3 Der französische Deputierte Buisson hat an Poincars die Anfrage gerichtet, wie sich Frankreich verhalten würde, falls der Völkerbundsrat die Aufnahme Deutschlands in de 1 Völkerbund beschließen sollte. Poincaré hat darauf erwidert, daß Deutschland zu dem Völkerbund nicht zugelassen werd 18 könnte, solange es seine Absicht kund tut, sich den V 15 pflichtungen des Friedensvertrages, dem der Völkerbund selber sein Dasein verdankt, zu entziehen. a Unzufriedenheit mit„Pouce“. Die Ablehnung Poincarés, vor dem Kammerausschuß für Auswärtige Angelegenheiten Austunst über die Ereignisse 0 letzten vier Wochen zu geben, ist ihm in der Oeffentlichkeit bishe nicht gut bekommen. Tardieu der Vater des oppositionelle Vorstoßes, gegen den sranzösischen Mimnisterpꝛäsideuten, dem maß den Spihnamen Pouce gegeben hal, niwnt im Echo Nationg scharf gegen die und ea net lar'sche Vehandluun seines Antrag Stellung. Er wirft Po- rgar' rox allem vor, dan er anläßlich d Konferenz in Cannes nicht mehr und nicht weniger verlangt ha als was der Kammerausschuß heute von ihm fordert. 5 habe Poincaré an Briand nach Cannes tele raphiert:„Der Senatsausschuß ist der Ansicht, daß keine Entscheidung ohne d„ Mitwirlung des Parlaments endgültig werden kann.“—, 8d heute lehne er es ab, dem gleichen an ihn gestellten Ansinnen nach⸗ zukommen. Spöttelnd verweist er darauf, daß Poincars unend⸗ lich viel Zeit hat zu Bankettreden, Denkmalsenthüllungen und Delegationsempfängen, nur nicht zu parlamentarischen Pflichten. Den oppositionellen Gegnern des jetzigen französischen M nisterpräsidenten kommen bei ihrer Kritik, die nicht den sofortige Sturz Poincarés bezweckt, mannigfache Begleitumstände zug Ganz abgesehen davon, daß die Ruhraktion Frankreich bisher nur. Kosten gemacht hat, wird jetzt zugestanden, daß der 1 15 B n. desgenosse der französischen Regierung an der Ruhr, Belgien, die von Frankreich angewandten Methoden im Ruhrgebiet für n⸗ wirkfam“ hält. Man muß vorläufig abwarten, wie sich die 1 Auffafsung auswirkt. Jedenfalls sind die Vorkommnisse in Paris und ihre Begleitumstände aus Belgien gerade nicht angetan, den Optimismus Poincarés zu rechtfertigen. Freude über drei Kohlen züge! Am Donnerstag ist es den Franzosen zum ersten Male g lungen, aus dem Ruhrgebiet drei Kohlenzüge in der Richtung nach Aachen⸗West abzutransportieren. Es handelte sich um. kleine Züge, die höckstens zwei normalen deutschen Kohlenliese⸗ rungszügen entsprachen. Diese drei Züge wurden völlig wild d. h. ohne Fahrplan und ohne jegliches Signal in Abständen v 10 Minuten durchgeführt. Um den Wert dieser Leistung n nahezu eimnonatlicher Besetzung ermessen zu lönnen, empfiehlt folgender Vergleich: Vor dem französisch⸗belgischen Einbruch in das Ruhrgeb hatte Deutschland für den Monat Dezember 1,6 Millionen To Reparationskohle zu liefern. Arbeitstäglich mußten also 64500 Tonnen geliefert werden. Nimmt man, daß davon tä 4500 Tonnen Kohle nach Italien gingen, so blieben nach Fro reich und Belgien täglich rund 60 000 Tonnen abzusahren. Day wurden auf dem Wasserwege ca. 20 000 Tonnen mit der Bahn 40 0 Tonnen abbesördert. Der Abtransport dieser 40 000 Tonnen parationskohle beanspruchte täglich 50 schwer ausgelastete Gi züge. Alle 28 Minuten mußte also ein solcher Güterzug mit Repa⸗ rationskohle über die französische und belgische Grenze rollen, da⸗ mit das Dezembersell erfüllt wurde. Natürlich mußten auch ebenso⸗ viele Leerzüge zurückrollen. 8 Es wird den Franzosen und Belgiern niemals gelingen, auch nur entsernt zu einer Betriebsleistung zu kommen, wie sie die Be wältigung eines solchen Verkehrs erfordert. b. Geißel. Er hat die Welt schön gemacht, die bösen Menschen verderben sie, denn sie kennen Gott nicht.“ „Wer also kennt ihn? Die Kummervollen und Ve⸗ ladenen?“ g „Diejenigen, die ihn lieben, Rohan, indem sie ihre Nebenmenschen lieben, ihnen Gutes tun und geduldig ihr Schicksal ertragen. Freilich, mein Gott ist nicht der Gott der Priester, auch nicht der deines Oheims Ewen und auch nicht der Schlachtengott. Mein Gott ist die Stimme meines eigenen Herzens, der ich stets folge, und sie hat mich noch nie betrogen.“ Rohan sah bewundernd zu seinem Lehrer auf, der ihn durch seine milden Mahnworte jedoch nicht bekehrt hatte. Das heiße Blut der Gwenfern kochte in seinen Adern, der Geist des Zornes und der Empörung war in ihm erwacht und hatte sich seiner bemächtigt. Dieses Naturkind vermochte nicht, seinen elementar ausbrechenden Gefühlen Zwang aufzuerlegen; sie waren mächtiger als der äußere Bildungs- schliff, den ihm sein Lehrer beigebracht hatte.„Lassen Sie uns doch wieder auf die Konskription zurückkommen.— Der Kaiser kann olso jedem erwachsenen Mann gebieten:„Folge mir!“ Und dies sollte wirklich Gottes Wille sein?“ „Nein!“ „Wäre ein Mann im Recht, der dem Kaiser mutig ant⸗ worten würde:„Ich folge Dir nicht, denn Deine Führer— schaft ist verflucht?“ 2 „Es gibt keine Rettung— wen er ruft, der muß ihm folgen!“ „Beantworten Sie mir zuerst die Frage, solcher Mann im Recht oder nicht?“ „Vor Gott jedenfalls.“ „Also hören Sie! Sie sind mein Zeuge, ich schwöre vor Gott—“ dabei erhob der jungg Riese feierlich die beiden Finger der rechten Sand—„wenn ich je unter die Fahnen gerufen werden, wenn je die blutige Hand sich auf meine Schulter legen und der blutige Finger mich vorwärts weisen sollte, dann will ich bis zum letzten Blutstropfen, bis zum letztem Atemzuge widerstehen. Und wenn alle Welt gegen mich sein sollte, ich würde standhaft bleiben. Man kann mich töten, aber man kann mich nicht zwingen, andere zu töten.“. Wie ein Wildbach waren die Worte von Rohans Lippen wäre ein- 3 gesprudelt; jeder Blutstropfen war aus seinem Gesichte ge⸗ wichen und sein ganzer mächtiger Körper zitterte unter dem Einfluß seiner leidenschaftlichen Erregung. Ohne sich dessen bewußt zu sein, machte er, als er sein Gelöbnis beendet hatte, das Kreuzeszeichen, wie um auch Gott zum Zeugen seines Eides anzurufen. 1 Arfoll seufzte schwer auf. Er hatte schon öfter solche Eide und Leidenschaftsausbrüche gehört, aber das Ende war stets das gleiche gewesen— knirschende, verzweifelnde Unter⸗ ordnung unter das unvermeidliche Schicksal. Lehrer und Schüler drückten sich nur noch stumm die Hände, dann ging der letztere ins Haus zurück, während Arfoll den Klippen weg einschlug. 5 1 „Gott verhüte, daß ihn das Los treffe,“ murmelte er. „Jetzt ist er noch ein Lamm, denn er kennt nur die grünen Gefilde seiner Heimat und den Hauch des Friedens; aber er ist auch ein Feuergeist und das erste Blut auf dem Schlachtfelde würde ihn in ein wildes Tier verwandeln.“ 3 Während Lehrer und Schüler dieses ernste Gesp ach führten, ging es drüben am Brunnen recht lebhaft zu. Rings um denselben kauerten einige Frauen mit ihren Kackten Knien auf dem harten Kiesboden, klopften mit Holzschlägeln ihre Wäsche, andere wieder standen plaudernd und lach in Gruppen und tauschten Neuigkeiten aus. Die Luft warm, ab und zu tönte vom Meere herüber das schrille Ge⸗ kreisch einer verspäteten Seemöwe; sogar eine große w ö e e ie sich zum Brunnen und flatterte erschre er denselben hin un Hehe sie i 0 ö 0 d her, ehe sie ihren Weg zu Auch Marcelle stand. mit ihrem Wasserkrug auf dem Kopfe. in einer Gruppe von blaudernden Mädchen. Sie war in diesem Kreise nicht besonders beliebt— teils w 1 ihrer großen Schönheit, teils wegen ihrer Verwandtschast mit dem Exkorporal. Die Mädchen steckten die Köpfe 3 sammen und erzählten sich ihre gegenseitigen Lieb geschichten in flüsterndem, geheimnisvollem Tone. Es ware — 5 Schönheiten dabei, aber keine konnte sich mit Ma 1 me 5 4 3 8 eee hellen Mondschein beleuchtet, glich sie e „O mein Gott!“ seufzte eines der Weiber am Brunne »es ist nur zu wahr, was die kleine Joan sagt; gar mo von uns wird es zu ihrem Leidwesen bald genug erfahre (Fortsetzung solgt.) a — A 1 K K *„442 * 1 dese Keine Rheinschisfahrt. Alle Versuche, die zahlreichen zwischen Bingen und Mainz liegenden Rheindampfer durch Militär in Fahrt zu setzen, sind bisher erfolglos geblieben. In Mainz hat die Besatzungsbehörde einige Schiffszüge zusammengestellt, aber in Fahrt konnten sie noch nicht gesetzt werden, da die Maschinisten fehlen, die sich nach wie vor im Generalstreik befinden. Dieser wirkt sich vor allem auch auf die Schweiz in der empfindlichsten Weise aus. Bisher hat die Rhein- landkommission zu den Forderungen der Rheinschiffer ge— schwiegen. Die Maschinisten und Heizer des Rheins und seiner Nebenflüsse haben aber in ihren Versammlung erneut beschlossen, den Kampf mit unverminderter Energie weiter- zuführen. Der Ueberfall auf Baden. Wie dem Berliner Tageblatt aus Offenburg zuverlässig mitge⸗ teilt wird, war bereits in Kehl durch die Offenherzigkeit einen französischen Ordonnanz bekauntgeworden daß auf den französischen Generalstabskarten der Schwarzwald bis Triberg abgesteckt worden ist. Her sord und Freiburg sind noch immer in Ungewißheit, ob ihnen nicht das gleiche Schicksal winkt wie Offenburg. Merkwürdig ist, daß in den Buchhandlungen von den Franzosen sämtliche Schwarzwald⸗ karten aufgekauft worden sind. Gerüchte gehen um daß die Franzo⸗ sen in Straßburg Landsturm aus hehen. Die Lage hat im besetzten Gebsete von Offenburg— Appenweier eine erhebliche Verschärfung durch strengere Durchführung des Be⸗ lagerungszustandes erfahren. Die Beamtenschaft soll auch hier zum Ungehorsam gegen die deutschen Behörden gezwungen werden. Der Kommandant der Okkupationstruppen verlangt, daß er von Besuchen badischer Minister im besetzten Gebiete amtlich in Kenntnis gesetzt werde! Eine neue Div sion in Essen. Die französische Militärbehörde hat den Einquartierungs⸗ ämtern im Bezirk Essen die Mitteilung zukommen lassen, daß in kürzester Zeit weitere militärische Abteilungen in den Bezirk einrücken werden. Es handelt sich um eine ganze Division. In den letzten Tagen macht sich die Tätigkeit der französischen Flieger über dem Ruhrbezirk besonders be— merkbar, die aus geringer Höhe photographische Aufnahmen der Zechenanlagen und Gruben machen. Die Flugzeuge dienen auch der Flugzettelpropaganda. Die Gewaltiaten der Kulturträger. Der Ueberfall in Wanne. Ueber die 1 in Wanne berichtet das Wolfbureau: se Der D⸗Zug Essen— Hamburg ist in Wanne von den Franzosen siberfallen. Das Zugpersonal gibt darüber folgenden Be icht: Der D.⸗Zug 97 Essen—Hamburg mußte am 8. Februar gegen 8 Uhr 30 Minmten vormittags an der Einfahrt, da sie geschlossen war, halten. Nach etwa 10 Minuten wurde die Einfahrt durch Befehl A freigegeben; der Zug wurde aber abgelenkt und lief auf Bahnsteig 4 anstatt 3 ein. Als wir ausstiegen, kamen etwa 30 bis 40 Franzosen, ausgerüstet mit Gewehren. Brechstangen und Vorhämmern, nom 8 zur Maschine und forderten Lokomotivführer und Heizer zum Verlassen der Maschine auf. Franzosen bestiegen die Maschine. Alsdann wurden die Beamten und alle Reisenden auf⸗ gefordert, den Zug und den Bahnsteig zu verlassen. Auch die übri⸗ gen Bahnsteige wurden gewaltsam geräumt. Zu gleicher Zeit lief auf Bahnsteig 3 ein Personenzug von der entgegengesetzten Richtung (von Langendreer) ein; auch dessen Reisende mußten sofort den Zug verlassen. Insolge des gleichzeitigen Ausweisens der Reisenden aus dem D-Zug und dem Personenzug staute sich die Menge, besonders, da niemand im Augenblick erkennen konnte, was los war. Der Zugführer wollte in Pflichttreue die Türen des Zuges noch schnell schließen, es kam aber ein französischer Offizier und zog ihn mit den Worten„Schnell weg!“ vom Zuge fort. Im gleichen Augenblick schlug ein französischer Soldat den 64jährigen deutschen Zugführer mit dem Gewehrkolben auf den Kopf, sodaß er taumelte; ein Schaffner wollte ihn auffangen; da setzte ein anderer Soldat dem Schaffner das Bajonett auf die Brust mit dem Rufe:„Schnell weg!“ Die Masse der Frauen und Kinder schrie laut auf. Nun zog der Offizier den Revosvper, hielt ihn auf die Menge gerichtet und forderte sie auf, schnell zu gehen. Die Stauung vor und auf der Treppe wurde so stark, daß Kinder, Frauen und Männer auf der Treppe übereinanderfielen und ein Menschenknäuel bildeten. In diesen Knäuel 5 stachen die Franzosen rücksichtslos mit ihren Bajonetlen hinein worauf großes Klagegeschrei und Hilferufe ertönten. Flucht⸗ artig suchte jeder sein Leben zu retten, von den Franzosen bis auß den Bahnhofsvorplatz getrieben. Dort war eine Kavalleriepatroujlle, die die Menge bis weit in die Stadt hinein verfolgte. Vor dem Bahn⸗ of waren drei Maschinengewehre aufgestellt, die auf die flüchtende Menge gerichtet wurden. Irgend ein Widerstand des so plötzlich überfallenen Publikums und der Beamten ist in keiner Weise ersolgt. In 8 bis 10 Minuten waren sämtliche Neisende weit in die Stabt hinein verschwunden. Das Gepäck der Reisenden ist zum größten Teil im Zuge geblieben, ebenso das auf dem Bahnhof ein⸗ und um⸗ zuladende Gepäck. Wieviel Personen perletzt worden sind, ist nicht Nan Der niedergeschlagene Zugführer ist inzwischen bereits gestorben. Das Blutreg' ment von Recklinghausen. Der kommandierende General der 47. französischen Infanterie⸗ dipiston, General Laignelot, übt in Recklinghausen ein Schreckens⸗ regiment aus. Laignelot hat dem zweiten Bürgermeister Dr. Nie⸗ angekündigt, daß er vor keinen Maßnahmen zurückschrecken werde, bis die Bevölkerung auf ihren Knien liege und einem an⸗ bepen Vertreter der deutschen Behörde, der auf die surchtbare Er⸗ regung hinwies, die in der Stadt darüber herrsche, daß fortwährend Tanks die Straßen durchrasseln und die Besatzung mit scharfen Schüssen, Gewehrkolben und Revolbvern die friedliche Bevölkerung systematisch tödlich bedrohe, erklärte er:„Die Bevölkerung ist uns vollständig gleichgültig. Uns geht es gut. Wir haben weiter nichts notwendig. Wenn sich die Bevölkerung nicht meinem Willen beugt, dann werde ich zu immer schärferen Maßnahmen greifen, bis sie mir aus der Hand frißt.“ Obwohl keinerlei Verbot für den Straßen⸗ verkehr besteht, wird wehrlos auf die friedlichen ihres Weges gehen⸗ den Passanten eingeschlagen, eingestochen usw. So wurde gestern, nur um einige Fälle qus den regelmäßigen heraus zugreifen, ein Passant ohne jedwede Veranlassung mit Gewehrkolben niedergeschlagen und mit Fußteitten derart zuge richtet, daß er von der Bevölkerung, die sich nachher seiner annahm, sortgeschafft werden mußte. Am Steintor wurde ein Bergmann von einem französischen Offizier vom Pferde herab derart mit Ohrfeigen mißhandelt, daß der Mann zu Boden fiel. Sich wieder erhebend, griff der Offigier zur Reitpeitsche und schlug auf den Bergmann weiter ein, bis blutige Striemen das Ge⸗ sicht durchzogen. Aehnlich erging es zahllosen anderen Blirgern. Frauen brachen in ohnmächtiger Wut in Tränen aus. Die Vorfälle am vorgestrigen Abend haben alle seitherigen Geschehnisse noch über⸗ boten. Alle Passanten wurden brutal überfallen und rüscksichtslos niedergeschlagen. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht festgestellt. Der Gemüsehändler Bortenstein wurde derart mißhandelt, daß er inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist. Sein ebenfalls des Weges gehender Begleiter wurde mit Dolchstichen ins Gesäß traktiert. Von Münster kommende Reisende die mit der Straßenbahn fuhren und in Recklinghausen ahnungslos ausstiegen, wurden unbarmherzig aus dem Wagen gezerrt und schwer mißhandelt, darunter Frauen und Kinder. Bergarbeiter, die aus dem Münsterland kamen, wurden, ob⸗ wohl sie die Kaffeeflasche auf dem Rücken trugen und als Arbeiter erkenntlich waren, in flürchterlichster Weise rücksichtslos mißhandelt. Während der ganzen Nacht wurde fortgesetzt geschossen. Die Zahl der mißhandelten Frauen bleibt nicht hinter derjenigen der übel zugerichteten Männer zurlick. Studienrat Bitter wurde so verprügelt, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Gestern nach⸗ mittag wurden 30 Seminaristen von französischen Offizieren mit Reitpeitschen und von Mannschaften mit Kolbenschlägen überfallen und blutig geschlagen. Wewehrfalven auf deutsche Waldarbeiter. 5 Aus Oberhausen wird mitgeteilt, daß die französischen Truppen am Block Grafenbusch häufig blindlings gleich ganze Salven in den dortigen Wald hineinfeuern. Durch diese planlose Schießerei wird das Betreten des Waldes verhindert und der Aufenthalt von Waldarbeitern und Aufsichtsbeamten un⸗ möglich gemacht. Der Stellwerksposten an der Strecke Oberhausen— Wedecke bei Oberhausen beschießt deutsche Polizisten, die bei ihren vorgeschriebenen Patrouillenwegen in Schußweite des Postens gelangen. Die neuen Vezüge der öffentlichen Angestellten. Die am Donnerstag abgeschlossenen Verhandlungen zur Neu⸗ regelung der Löhne und Gehälter der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reiches, der Länder und der Gemeinden hatten fol⸗ gendes Ergebnis: Die Stundenlöhne in Ortsklasse A erhöhen sich in Gruppe 1 von 473 Mk auf 835 Mk., II von 461 auf 814 Mk., III von 449 Mk. auf 7903 Mk., IV von 437 Mk. 7 772 Mk., V von 430 Mk. auf 759 Mk., VI von 425 Mk, auf 751 Mk., VII von 420 Mark auf 74 Mk. und in Gruppe VIII von 273 Mk. auf 483 Mark. Der Frauen- und Kinder zuschlag erhöht sich auf 58 Mark pro 5 85 Die Spannung von Ortsklasse zu Ortsklasse beträgt 15 Marl. Entsprechend diesen Lohnerhöhungen wurde der prozentuale Teuerungszuschlag für die Beamten von 489 Prozent auf 942 Pro⸗ zent und der Frauenzuschlag auf 12 000 Mark pro Monat erhöht. Der Hauptausschuß des Reichstages nahm noch am Freitag von den neuen Erhöhungen Kenntnis. Innerpolitisches. und trotz alledem die große Koalition! Damit dem gewaltigen Schicksalslampfe einer großen Nation um ihr Leben und zugleich für die erhabenste Idee auch die Lächerlichkeit eines kleinen Intriguenspiels nicht schle, dauert in Hessen die Re⸗ gierungskrise sort. Der tüchtige demokcatische Finanzminister Henrich hat unter dem Beifall der Sozialdemolralie mit Riicksicht auf die besondere Not des engeren Vaterlandes sein Rücktritis⸗ gesuch zurückgenommen. Die Volkspartei ist wütend. Den be⸗ trübten Lohgerbern sind die Felle weggeschwommen. Es ist die⸗ selbe Partei, die als frühere nationalliberale jahrzehntelang den schärssten Kampf gegen das Zentrum geführt hat. Aber jetzt ist dieses Zentrum ossenbar der Gefangene der Kulturkämpfer, an ihre Forderungen durch geheime Abmachungen gefesselt. So muß das Zentrum weiter protzen! Es will es auf eine Landtagsauf⸗ lösung ankommen lassen, wenn es zu keiner erweiterten Koalition kommt. Das alles, während in der katholischen Hochburg Mainz dex französische Militärsäbel wütet und ihre Bürgermeister, einer nach dem andern, ausgewiesen werden. Kein Wunder, wenn in weiten Kreisen des sozialdemokrotischen Volkes die ernsthafte Frage aufgeworfen wird, ob der Freiherr von Brentano mit seinem deulschnationalen Gehllfen. Staatsrat Dr. Reitz, wirklich in der Regierung des Freistgates Hessen noch erträglich ist. — Steuerfreiheit der Beiträge zur Nothilse. Amtlich wird mitgeteilt: Auf eine Anfrage, ob die Beiträge zur Nothilfe von der Steuer befreit sind, hat der Herr Reichsarbeitsminister sich wie folgt geäußert: Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsmintster der Finanzen teile ich folgendes mit: Es dürfte kein Bedenken dagegen bestehen, daß Beiträge zu der Deutschen Notgemeinschafe zu den Beiträgen im Sinne des 8 15 Absatz 1 Nr. 7 des Einkom⸗ mensteuergesetzes gehören, die von dem Gesamtbetrag der Einkünfte in Abzug zu bringen sind. Ich mache jedoch darauf aufmerksam, daß diese Beiträge nur insoweit abzugsfähig sind, als der Einzel⸗ betrag 200 Mark übersteigt und der Gesamtbetrag dieser Beiträge 1 vom Hundert des Einkommens des Steuerpflichtigen nicht über⸗ teigt.— — Wirksamer Kampf gegen Milchpantscherei. Bei dem unge⸗ heueren Preise der Milch ist es ein ganz gemeines Verbrechen, wenn immer wieder die Milch verwässert und der Konsument für sein teueres Geld auch noch schmählich betrogen wird. Gerichtliche Strafen siheinen nicht viel zu helfen. Vielleicht tut das ein Urtell einer Berliner Strafkammer besser, das am Dienstag gefällt wurde. Die Molkereibesitzersfrau Westphal wurde zu 2000 Mark Geldstrase verurteilt und weiter bestimmt, daß das Urteil im Schaufenster der Angeklagten öffentlich ausgestellt wird.— In ähnlicher Weise müßten diese habgierigen, betrügerischen Menschen überall öffentlich an den Pranger gestellt werden. * Gießen und Umgebung. Der neue Kreistag. Der bereits im November gewählte Kreistag trat erst am letzten Freitag Vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen, die von Oberregierungsrat Welcker geleitet wurbe. Von den 30 ge⸗ wählten Mitgliedern waren 28 erschienen; es fehlten zunächst von der Deutschen Volkspartei Landgerichtsrat Schudt und von ben Demokraten Bürgermeister Krenzien. Auf die politischen Par⸗ telen verteilen sich die 20 Mitglieder in folgender Weise: Vereinigte Sozialdemolratische Partei 12 Deutschnationase und Bauernbund 11 Deutsche Volkspartei 4 Demokraten 2 Kommunisten 1 Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung die Wahl des Kreisausschusses, der bekanntlich aus 6 Mitgliedern be⸗ steht. Es waren 2 Wahlvorschläge eingereicht worden, einer von der Sozialdemokratischen Partei, der auch den Namen eines demo⸗ kratischen Mitgliedes als Ersatzmitglied aufgenommen hatte, und ein zweiter von Deutschnationalen, Bauernbund und Deutsche olkspartei. Da für den ersten Vorschlag außer dem 1 demokrati⸗ schen Kreistagsmitglied auch das kommunistische Mitglied stimmte. so vereinigten sich auf den ersten Wahlvorschlag 14 Stimmen und ebensoviel auf den anderen. Da sich somit eine Aus rechnung der Sitze nach dem Verhältniswahlsystem erübrigte, wurden sogleich die 3 ersten Kandüdaten jedes Wahlvorschlags als gewählt erklärt und ebenso die 3 ersten als Ersatzmitglieder bezeichneten Namen. Der Kreisausschuß ist dennoch für die nächsten 3 Jahre in folgen⸗ der Weise zusammengesetzt: Mitglieder: Ersatzmitglieder: G. Beckmann, Reichtagsabg.(S.) Fr. Germer, Stuhtschreiner(S.) P. Homberger, Rechtsanw.(S.) M. Hüter, Hausfrau(S.) O. Weißgerer, Studienrat(S.) G. Krenzien, Bürgermeister(D.) W. Fenchel, Landwirt(Dn.] Rompf, Landwirt(Du.) Fr. Bommersheim, Löwt.(Du.) Knauß, Staatsanwalt(Du.) G. Lind, Rochtsanwalt,(Bpt.) Schieserstein, Fabrikant(Du.) An die Wahl schloß sich eine Verhandlung über die Vorlage der Kreisverwaltung betr. Bildung eines Kreiswohnungsverbandes zur Verwaltung und Verwendung der Wohnungsbauabgabe. Nach langer Debatte ergab die Abstimmung Stimmengleichheit. Der Vorsitzende stimmte mit ja, sodaß die Vorlage angenommen war. Wir werden einen ausführlichen Bericht über die Verhandlung, deren Gegenstand von größter Wichtigkeit ist, in der nächsten Num⸗ mer bringen. — Bildungsvorträge. Ueberaus zahlreich hatten sich die Hörer zu dem zweiten Vortrage von Prof. Hüter über„Die Entwickelung der Menschheit“ eingefunden, die den Ausführungen des Redners mit gespanntem Interesse folgte. In Fortsetzung des ersten Vor⸗ trags zeigte Redner, wie die Menschheit sich aus dem Zustande des Tierischen und aus der Wildheit heraus entwickelt habe. Im Laufe der Jahrtausende lernten sie die Naturkräfte in ihren Dienst zu stellen. Gewaltiges hat der Mensch seitdem geleistet. Schon vor zweitausend Jahren rühmte der griechische Dichter Sophokles den len Get bes Weenschen, der die Meere beherrsche und hohe ee eee eee Waben ente en Suse ein Gedicht on Sopholles, in dem der menschliche Fortschritt gefesert wird. Bis auf den heutigen Tag sind die Fortschritte noch viel gewaltiger. Und trotzdem können wir noch nicht von einer wahren Kultur sprechen, denn in moralischer Beziehung ist die Menschheit noch weit zursick. Noch heute kämpfen die Völker mit den barbarischsten, raffiniertesten Mitteln gegeneimander und zerstören, was durch die Arbeit von Mil⸗ lionen fleißiger Hände in vielen Johren geschaffen wurde. Wir haben Hochkultur, aber noch keine Vollkultur. Diese zu er⸗ reichen, daran müssen wir alle mitarbeiten und dazu sei im erster Linie notwendig, den Kapitalismus und Militarismus gen. Lebhafter Beffall dankte dem Vortragende. — Jagdpreis und Zeitungsabonnement. Unter dieser Ueber⸗ schrift schreibt man uns: Wir lasen vorgestern, daß Herr Kom⸗ merzbemrat Klingspor die Gemeindejagd in Alten⸗Buseck neuerdings für 1.505 000 Mark als Höchstbietender wieder gepachtet hat. Die Leser wird es sicher interessieren, zu erfahren, daß Herr Klingspor eine gewichtige Stimme im Vorsitz der Gießener Handelskammer hat, die für das neue Jahr das Abonnement der Oberhessischen Volkszeitung, wahrscheinlich aus Sparsaukeits rücksichten, nicht er⸗ neuern zu dürfen glaubte. — Der Gießener Hausfrauenverein und die Hausangestellten. Vor einiger Zeit hatten sich eine erhebliche Anzahl Dienstmädchen zuscunmengeschlossen, um zu versuchen, durch ihre Orgamisation eine Verbesserung ihrer zum großen Teil sehr mißlichen Lohnverhältnisse zu erreichen. Man wurde sich über die zu stellenden Forderungen klar und verhandelte darüber mit dem Hausfrauenoerein. Dieser wurde dann vom Schlichtungsausschuß als Arbeitgeberorganisation erklärt, mit der über die Regelung der Arbeitsbedingungen weiter zu verhandeln sei. Ehe es aber noch dazu kam, beschloß der Haus⸗ frauenverein seine Auflösung, somit konnte eine weitere Rege⸗ lung zunächst nicht stattfinden. Das Verhalten des Hausfrauenver⸗ eins ist sohr bezeichnend. Während er sonst bestrebt sein will, für wohltätige und humanitäre Bestrebungen einzutreten und sie zu fördern, drückt er sich hier davor, an der Regelung der Lohnver⸗ hältnisse der Dienstmädchen mitzuwirken. Und dadurch hätte er wirklich im Interesse des sozialen Friedens gearbeitet. Wie oben bemerkt, werden die Dienstmädchen zum Teil erbärmlich bezahlt; trotz der ungeheuren Teuerung ist in vielen Fällen von einer Lohn⸗ aufbesserung keine Rede und manche Mädchen erhalten kaum in einem Vierteljahr soviel, daß sie sich ein Paar Schuhe sohlen lassen können. s gibt eben„Herrschaften“, die ohne Dienstpersonal nicht aus⸗ lonimen können, aber bezahlen wollen sie nichts. — Amtliche Personal⸗Nachrichten. Ernannt wurden am 31. Jan. 1923 der Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Landgerich t Karl Adolf Meyer zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Gießen und der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Amtsgerichtsrat Jakob Kellex zum Landgerichtsrat bei dem Land⸗ gericht der Provinz Oberhessen. — Ruührhilfe. An das Gewerkschaftskartell Gießen wurden abgeführt: Das Personal der medizinischen Klinik 86 560 A, das Personal der Augenklinik 25 660 /, das Personal der chirur⸗ gischen Klinik 52 150 ,, das Personal der Ohrenklinik 12 300&, e W — das Personal der Heil- und Pflegeanstalt 68 000 /, Weihnachts⸗ Was ist Feurio? Feucio ist der uralte Feuerruf, bedeutet Gefahr. Ihre Wäsche leidet mehr durch häufiges Waschen mit scharsen Waschmitteln als duech den Gebrauch. verwenden Sie daher nur hochwertige Seifen, die frei sind von schäd⸗ lichen Alkalien. Feurio Haushaltseise enthält 89% Lett. schont daher oͤie Waͤsche und ist sparsam im Gebrauch. Vereinigte Jeifenfabriken Stutlgart A.-G. n enk Ministerium des Innern A. Gem 8 2 8 455 525. Metallarbeiter Hirzenhain 409 702 4. Fabrikarbeiter schmitten 66 774 l. Hochwaldhausen(durch Math. kol) 10 325. Metallarbeiter Lollar lerste Rate) 421 000. Zusammen 1152 996.— Den Gebern besten Dank.— Gewerk⸗ Thema gehalten werden foll, e Genossen liegt es, ob übehalten können. Erscheint also vollzählig! m. Neiskirchen. Das Brennholz aus den Gemeinde⸗ waldungen wird auch in diesem Jahre nicht meistbietend ver⸗ steigert sondern als Tarholz verteilt. Die Gemeinde stellt nun⸗ mehr für die Särge das erforderliche Holz. Joh. Karl Jünger hält von der Gemeinde zur Erbauung einer Hofreite ein größeres Darlehen auf kurze Zeit. Um der Wohnungsnot teuern, wird für die hiesigen Gendarmen entweder am Orts- sgang nach Gießen oder Winnerod, im Frühjahr ein Wohnhaus 5 Vergangene Woche verergete ein der Gemeinde ge⸗ öriger Bulle. Ersatz soll vorläufig nicht beschaffen werden. Die Faselviehhaltung läßt hier sehr viel zu wünschen übrig. Die Ge⸗ meindelasse wird durch diese Mißstände schwer belastet. Der Ge⸗ eim wird sich mit der Faselviehhaltung eingehend beschäf⸗ gen, zumal von einigen Viehhaltern angestrebt wird für diesen eime Gesellschaft zu gründen. Zum 1. 4. 1923 legt der Gemei sein Amt als solcher nieder behält jedoch die teueramtlichen Geschäfte bei— Zur Zeit wird für die Ruhrhilse ber eifrig gesammelt. Der von hier gebürtige Zollsekretär L. Spaar wurde aus dem besetzten Gebiete ausgewiesen und bei eimer Stelle der Finanzverwaltung in beschäftigt werden. Kreis Wetzlar. wird hiesiger und Gen. wahlen nicht ermutigen. Deutschnatfonalen traten für Nad wahlen ein. Aus hren Argumenten klang nur zu deutlich heraus, daß lediglich artespolitische Gründe ihre Haltung bestimmen. Die soztaldemo⸗ vatischen Vertreter erklärten. daß sie bisher energisch für Neu⸗ en im Früßjab, eingetreten selen. aber doch die Beweggründe der Regierung anerkennen müßten. Der Ausschuß beschloß schließ⸗ die Entscheidung über die Frage der Neuwahlen zu vertagen. di Lage im Ruhrgebiet besser zu übersehen sei. Marburg⸗Rirchhain. (ö) Städtisches aus Marburg. Gemeindliche Leichen ⸗ estattung oder wenigstens der Anfang dazu. Anschaffung von [Leihsärgen wurde von der Marburger Stadtverordnetenver⸗ sammlung beschlossen und dafür 200 000 Mk. bewilligt. Aus der „unsagbaren Not der Zeit“ heraus. Unsere Genossen wandten sich bei gegen die Klassen⸗Beerdigung und verlangten Uebernahme in städtische Verwaltung. Ein Prof. der Medizin sagte, man solle auf allen Luxus bei Begräbnissen verzöchten und den Kindern dafür Ich liesern.— Die Straßenbahn hat 1922 ein Defizit von Mill. Mark gehabt. Einige Stadtverordnete beantragten Stil⸗ legung zum 1. März, was gegen 4 Stimmen abgelehnt wurde. Unsere Genossen wiesen darauf bin, daß dabei 20 erwerbs⸗ os witrden und die Siadt daftir Unterstüttzung zahlen müsse. Vom agistrat wurde diese Erwerbslosen⸗Unterstützung auf 1½ Mill. Mark angegeben, sodaß unter Berlüicksichtigung der Kapitalverzin⸗ an bas Personal der Augen⸗ „ Schadens das Defizit nicht erheblich g e Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Verhandlung vom 8. Februar 1923. Die Reichsbahn hat unvermittelt der Priwatindustrie weitere Austräge auf Ausbesserune pon Lokomotiven in Kesseln verweigert Vorher hatte sie auf schnelle Erledigung der Aufträge gedrängt und den Betrieben noch Muster neuer Verträge vorgelegt. Die Lokomotivenfabrik Gebr. Freitag in Butzbach war bisher ganz überwiegend auf solche Aufträge eingestellt. Sie kündigte nun eva 70 Arbeitern, die sie zum Teil im Sommer zur schnelleren Erledi⸗ gung der Aufträge eingestellt hatte, zum Teil als sonst entbehrlich in diesem Augenblick abstoßen will.(§ 13 Satz 1 der Ve vom 12. 2. 1920) und läßt die übrigen 260 roll arbeiten, um den Betrieb umzustellen und sich die Facharbeiter für die künftigen pri⸗ vaten Aufträge zu erhalten. Den Kündigungseinspruch der 70 Ar⸗ beiter aus 8 84 Absatz 1 Ziff. 4 des Betriebsrätegesetzes und den 85 12 und 13(Satz 2) der Demobilmachungsberordnung wies der Schlichtungsausschurß ab. Seine Mehrheit war der Ansicht, daß dem Betrieb unter den geschilderten Umständen keine Arbeitsstreckung zu⸗ gemutet werden könne.(8 12 Satz 1 der Verordnung), und hielt auch die Auswahl der Kündigungen für richtig. Im Streit zwischen der Pappenfabrik Anton Finger in Lauterbach und ihrem Betriebsrat über Beginn, Pausen und Ende der Nachmittagsarbeitszeit entschied der Schlichtungsausschuß nach§ 75 des Betriebs rätegesetzes vermittelnd. Die Fabrik hatte größere Ausnutzung der Maschinen durch deren Weite rarbeiten in den Pausen. Betriebsrat früheren Schluß des Arbeitstages ers Marburger Schlichtungsausschuß. O Arbeiter der Diabad⸗Zementwarenfabrik in Hartenrod ver⸗ langten wöchentliche Abschlagszahlungen von 85 Prozent auf ihren vierzehntägigen Lohn. Der Betriebsrat hatte noch nicht mit der Firma verhandelt und ging deshalb der Spruch dahin, daß Firma und Betriebsrat zumächst verhandeln sollen. Bezirksverband S. P. D. Hessen⸗Nassau. Sitz Frankfurt a. M., Allerbeiligenstr. 57, 1., Tel. Hansa 8441 An unsere Ortsvereine! Werte Genossen! Obwohl wir in unserem Zirkular vom 31. Jan. und bereits dreimal in der Presse gebeten haben, die Fragekarten beantwortet an das Bezirkssekretariat zurückzusenden, ist leider ein Teil der Vorstände diesem dringenden Verlangen nicht nachge⸗ kommen. Ortsvereine, die nicht umgehend diese Fragekarten aus⸗ füllen und zurücksenden, werden anfangs der kommenden Woche in der Presse als Restanten veröffentlicht. Wir ersuchen auch die Mit⸗ glieder auf die in Frage kommenden Ortsvereinsvorstände einzu⸗ wirken, damit diese unverzüglich ihren Verpflichtungen dem Bezirks⸗ vorstande gegenüber nachkommen. Mit Parteigruß! Der Bezirksvorstand: i. A.: Paul Röhle Kleine Nachrichten. Fankfurt a. M., 8. Febr. Eine halbe Stunde zu spät. Im Strafgefängnis Preungesheim habte ein Strafgefangener als Nachbarn einen Untersuchumgsgefangenen. Am Dienstag wurde nun der Strafgefangene entlassen und hatte nichts Eiligeres zu tun, als sich zu der Frau des Untersuchungsgefangenen zu begeben, sich als Gefängnisbeamten auszugeben und von der Frau eine größere Summe Geldes für Verpflegung zu erbitten. Um die Sache glaub⸗ haft zu machen, fertigte er ein Aktenstück an, das etwas amtlich aussah. Er begab sich in die Wohnung des Mitgefangenen, traf die Frau an und überreichte ihr das„Aktenstück“ und forderte unter dem Hinweis, daß ihr Mann vorläufig gar nicht entlassen werden könne, sofortige Barzahlung. In diesem Augenblick trat aus dem Nebenzimmer der Ehemann, der noch vor kurzem im Gefängnis geweilt hatte. Der Schwindler machte zumächst ein entsetzlich dummes Gesicht und riß dann mit Siebenmeilenstiefeln aus. Das war ihm doch zu ungeheuerlich. Da man seinen Namen kannte, konnte er schon nach kurzer Zeit ermittelt werden. Des Rätsels Lösung war, daß wenige Augenblicke nach der Entlassung des Schwindlers auch der Untersuchungsgefangene wider Erwarten zur Entlassung kam. Darmstadt, 9. Febr. Eine große Menschenansamm⸗ lung entstand heute Nachmittag auf dem Marktplatze. Dort hatte sich ein Butteraufkäufer eingefunden, der die sonst für 7000 Mark schon(1) erhältliche Butter schlankweg für 9000 Mark verkaufen wollte. chon bei dem ersten Angebot war er an der falschen Adresse. Es bildete sich sofort eine drohende Gruppe und nur mit grrßer Miihe gelang es dem Händler, mit seiner„teuren“ Habe in das Polizeirevier zu flüchten. Die Menschenmenge verfolgte ihn und erging sich in Drohungen. Mainz, 9. Febr. Vergewaltigungsversuch durch fange iche Soldaten. Ein Einwohner aus Mombach, der mit seiner Frau morgens auf dem Wege nach Mainz war, wurde in der Nähe der Tennisplätze am Großen Sand von einer französischen Radfahrerpatrouille angehalten. Während man den Mann festhielt und mit dem Revolver bedrohte. versuchten zwei Sol⸗ daten die Frau zu vergewaltigen. Auf Hilferufe eilten Leute herbei, worartfhin die Soldaten schleunigst davonfuhren. f a Eiserne Kreuze zum Dollarkurs. Der wilhelminische Kriegsorden, den der sartastische Soldatenwitz während des Weltkrieges Lore i⸗ orden“ nannte, weil man wirklich nicht mehr wußte, was es 1 5 deuten hatte, daß jeder Etappenoffizier und Liebesgabenbegleiter seine„Heldenbruft“ damit schmückte, ist mm doch wieder zu Kars gekommen. Sogar zu Dollarkurs. In der Stettiner Presse finden sich nämlich Inserate, die auf ein flottes Aufkaufgeschäft mit Eisernen Kreuzen schließen lassen. Wurden vor 14 Tagen noch 900 Mark pro Stück für das E. K. II. und 2500 Mark für das E. K. I. ge⸗ boten, so wird diese höhere Summe heute schon für ein E K. geboten. Im Eifer dieses Konturrenzlampfes wird von einem be⸗ sonders findigen Aufkäufer Bezahlung zum Dollarkurs geboten.— Daraus ergibt sich also, daß Wilhelm II. eimnal doch wenigstens etwas Wertbeständiges geschaffen hat. f Bestrafte Wucherei. In dem Prozeß gegen den Generaldirektor Simon Rosenberg der Romeo⸗Neptun in München, der wegen der Zurückhaltung großer Schuhwarenbestände und Preistreiberei vor einigen Monaten verhaftet wurde, verurteilte das Wuchergericht den Angeklagten wegen des Vergehens der Warenzurückhaltung in Tat⸗ einheit mit dem Vergehen der Handelsbeschränkung zu 10 Mona⸗ ten Gefängnis, auf die zwei Monate der Untersuchumgshaft angerechnet werden, und zu einer Geldstrafe von 2 Millionen Mark. Der größte Teil der beschlagnahmten Waren wurde einge⸗ zogen. Rosenberg wurde der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs untersagt. Der Staatsanwalt hatte auch Ehrverlust be⸗ Zuchthausstrafe für einen Fabrikdirektor. Der Mitbegründer der A.⸗G. Papierfabrik Donner und Lüders in Halberstadt, hatte sich vor der Strafkammer in Halberstadt wegen Verleitung zum Meineid zu verantworten. Die Firma hatte 1919 und 1920 Umsatzsteuer⸗ erklärungen abgegeben, in denen viele Millionen weggelassen waren. Im Verlaufe des Strafverfahrens, das daraufhin anhängig worden war, hatte Donner einen Bureauangestellten zu falschen An⸗ gaben zu verleiten gesucht. Die Strafkammer verurteilte ihn zu einem Jahr Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Wegen Gotteslästerung verurteilt. Die Mainzer Strafkammer verurteilte den Redakteur Genossen Hürsch von der Mainzer Volkszeitung wegen Gottes lästeruna(1) zu 60 000 Mark Geld⸗ strafe. Hirsch hatte das Vaterunser der Militaristen und Monarchisten veröffentlicht. deren Symbol die allein seligmachende Pickelhaube ist. Anzeige wegen dieser Veröffentlichung erfolgte von dem deutsch⸗evangelischen Kirchenausschusse in Berlin. Dieser „deutsch⸗evangelische“ Kirchenausschuß in dem die abgehalfterten Hofprediger und Durchhalte⸗Feldpröbste seligen Angedenkens maß⸗ gebliche Stimmen haben. wird sich des Ruhmes, den er im be⸗ lagerten Mainz über einen sozialdemokratischen Redakteur aus lauter christlicher Feindesliebe erfocht. recht herzlich freuen. Schade daß es keine Orden mehr gibt sonst hätte der Gott, der Eisen wachsen ließ und keine Knechte braucht sicherlich einen recht ach Berlin geschickt als Trost fütr den Versuch der Ehre Jehovas mit untauglichen Mitteln am untaug⸗ lichen Objekt. Die Mörder des Großkaufmanns Aronfrau verhaftet. In der Angelegenheit des Mordes an dem Großkaufmann Aron⸗ frau ist es gelungen, volle Aufklärung zu schaffen. Der am 10. Oktober 1904 in Bruchsal geborene und in Mannheim wohnhafte Kaufmannslehrling Däumling und der am 26. Januar 1904 in Freiburg geborene und benfalls in Mannheim wohnende Kauf⸗ mannslehrling Max Josef Uebel, haben, nachdem sie wegen Ver⸗ dachtes der Täterschaft in Mannheim vorläufig in Haft genommen waren, nunmehr ein volles Geständnis abgelegt. Nach ihren An⸗ gaben sind sie am 22. März 1922 abends um ½7 Uhr in die Bureauräume des allein anwesenden Kaufmanns eingedrungen, um zu rauben. Mit dem Rufe„Hände hoch!“ verlangten Geld von dem Manne. Als dieser sich von ihnen abwandte, gab Däumling mit einer Pistole einen tödlichen Schuß auf ihn ab. Sie geben weiter an, den Schuß unabsichtlich abgegeben zu haben. Sie hätten nur einen Raubüberfall, aber keinen Mord geplant gehabt. Beide ergriffen nach der Tat die Flucht. Beide Täter stammen aus geachteten Familien Schiffszusammenstoß im Hafen von Smyrna. 0 Im Hafen von Smyrna ist der französische Kreuzer„Ernest Renand“ mit einem amerikanischen Schiff zusammengestoßen. Das amerikanische Schiff ist ziemlich stark beschädigt worden, während der französische Kreuzer unbeschädigt blieb.„ 122 Bergleute verschüttet. Infolge einer Explosion in einem Steinkohlenbergwerk in Dow⸗ son(Amerika) wurden 122 Bergarbeiter verschüttet. Die Rettungs⸗ mannschaften haben bisher 100 Tote geborgen. Dollarstand Samstag mttag 12 Uhr: ca. 32 000 Mk. Bthördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Bau⸗, Werk⸗ und Nutzholzsubmission der Stadt Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen und zwar: 1 Förster Brück, Rödgen „„ Arft, Forsthaus Hochwart „ II„ Geisel, Gießen soll das nachstehend verzeichnete Nadelholz auf dem Submissionsweg in 12 Losen verkauft werden. 1¹5 St. Fichtenbauholz 855 Kl. mit 171.02 Fm 4 7. 8 129,94. ui 5 tmn, . 6 FFF 2067 Stück Fichtenderbstangen I.„„ 226,40„ S 5 e eee 378 St. Kiefernbauholz e ee, 199„ 5 5 . 2 r 1105„ Kieferngrubenholz„ 316,58 * 7 Sämtliches Holz ist aufgearbeitet, das Stamm- holz entrindet. Alles Holz ist ohne Rinde gemessen und an die Abfuhrwege gerückt Entfernung von der nächsten Bahnstation etwa 5 bis 7 Km. Eiwaige spätere Einwendungen wegen der Ver⸗ messung sowie der Güte des Holzes werden nicht be⸗ rücdsichtigt. Vorherige Besichtigung empfob len. Das Gebot, mit dessen Abgabe zugleich die Sub⸗ missionsbedingungen anerkannt werden, hat auf den Festmeter zu erfolgen und ist für jedes Los und inner⸗ halb der Lose für jede Klasse besonders abzugeben. Die Zahlung des Kaufpreises hat binnen 8 Tagen nach Zuschlagserteilung zu erfolgen. Loseverzeichnisse können gegen Voreinsendung don 10⁰ Mark von hier bezogen werden. 7 Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift enbnutene done versehen bis spätestens Mittwoch, den 21. Februar 1923, vormittags 41 Uhr, an den Oberbürgermeister der Stadt Gießen einzureichen, woselbst zu der angegebenen Zeit in Anwesenheit etwa erschienener Bieter die Eröffnung der Angebote stattfindet. Wegen vorheriger Besichtigung des Holzes wende kunft erteilt auch die Oberförsterei Gießen. Gießen, den 8. Februar 1923. der Oberbürgermeister. J. A.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung. Die seither Montag Nachmittag staitfindende Sprech⸗ stunde des Wohnungsamts ist auf Beschluß der Wohnungs⸗Deputation auf Mo ntag Vormittag von 10—12 Uhr verlegt worden. Gießen, den 9. Februar 1923. Städt. Wohnungsamt. Krosidorf. Für unsere Agentur Krof dorf suchen wir zum 1. Marz einen zuverlässigen Zeilungsträger Meldungen werden von Herrn Karl Schneider in Krofdorf, Haus Nr. 159, entgegengenommen. Oberhessische Volkszeitung. Gestorbene. 9. Febr. Paul Starcke, Buchdruckereibesitzer, 72 Jahre alt, Goelhestraße 33. Beerdigung: 12. Febr., 2 Uhr nachm. man sich an die obengenannten Förster Nähere Aus⸗ f. N tur Wildhasen. 6500. an ziegen b. 17000-[ Rehe. b. 4000-] Für Dobben 525. Iltis. b. 60000. Katzen b. 8000. Loliomobilen e, e Kanin b. 2600, Füchse b. 170 000 e W 15 11 5 Vollgattern Katz, Bruchstr. l5 2 Händler und däger Vurzugsnreise. Felds abrigleis Frankfurt am Main Spezial- Geschäft für Felle Strassenbahn-Haltestelle: Bruckenstrasse Linje 4 und 16, Lokalbhf. Linie 7 und 19 zahlen hohe Provision J. Carl Suhr, G. m. b. H. Hambura 13, Rentzelstr. 6. Tel. Spessart 1151 1248 Samstags geschlossen. Diese Woche kommt ein Waggon verordnung. 8 Deutlicher als in d bisher Recht enthielt, der Gedankte d sozialen Schutzes für die Preis 150 Mk. Buchhandl. Oberhess. Vol F Achtung! Bohnenstangen! 8 la Bohnenstangen auf Station Berstadt⸗Wohnbach zum Verkauf. Anmeldungen nimmt entgegen Heinr. Storck XI. in Berstadt. 8 1267 Zumelt& Hofmann, berplang, Freieuseen. Heben plz Mk. 13900.— a— 5—— Katzen bis Mk. 2500.— Hans Rrũ ger: Kanin bis Mk. 2600.— Iltis bis Mk. 50000. Die Reichspachtschutzordnung nebst der Preußischen Ausführungs⸗ N Pachtschutzordnung vom 9. Juli 1920 tritt in dem neuen Gesetz zur Verlängerung der Pacht⸗ schutzordnung, welche das geltende 5 N tleinen landwirtschaftlichen Betriebe hervor. ————— — Leipziger Fellzentrale Krimm& Go.“ zahlt für Wild hasen bis zu Felle eabb. Maulwurf vis Mk. 2800.— Marder bis Mk. 350000. Füchse bis Mk. 150000. jäger und Händler Vorzugspreise. Nur Börneplatz 3 1247 Frankfurt am Main er es Haltestelle Linie 7 und 18.(Früher Restaurant! 1 zur Quelle).— Samstags geschlossen. 8 isztg —. — —