ber gedaktion: Giesen ahnhofstraße 23 spreger 2008. gessische an für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Ferusprecher 2008. Gießen, Montag, den 11. Juni 1923 Wochenschau. Allzulang hat sich die deutsche Rei i übe a . 0 ge Reichsregierung ü 5 was sie tun soll. Mittlerweile ist in e 15 ed ö umversöhnliche Staatsmann in eifriger Tätigkeit gewesen, um seine Stellung im Innern zu befestigen und die deutsche von vornherein zu diskreditieren. Noch in letzter 1 1 ö ö Stunde wurde verkündet, daß die belgisch⸗französischen Ver⸗ 5 handlungen in Brüssel die Einigkeit in 118 Se 5 Punkte ergeben hätten, nämlich daß vor jeder Prüfung der neuen deutschen Vorschläge, d. h. vor dem Beschreiten des Verhandlungsweges der passive Wider⸗ st and an Ruhr und Rhein aufhören müsse. Daß ö diese längstbekannte Forderung Poincarés gerade jetzt zu einem gemeinsamen Programmpunkt der französischen und belgischen Politik gemacht wird, bedeutet eine Erschwerung der Gesamtlage von größtem Ernst. Endlich, nach langen vier Wochen, ist nunmehr das neue deutsche Angebot erschienen. Deutschland er⸗ kennt nochmals mit feierlichem Nachdruck seine Ver⸗ pflichtung zur Reparation an. Ueber die Höhe und Art der Zahlungen soll nach erneutem Vorschlag der Reichsregierung eine unparuteiische inter- nationale Instanz entscheiden. Es wird also die 1 frage sein, ob Frankreich seinen bisherigen Widerstand gegen diesen Vorschlag zurückzieht, der zuerst von dem amerikani⸗ schen Staatssekretär Hughes gemacht und dann von dem englischen Außenminister Lord Curzon uns empfohlen wor⸗ den war. Wichtiger an dem neuen Memorandum ist die Formulierung von Garantievorschlögen für die, Durchführung der Reparation. Das Angebot der Reichsregierung gliedert sich in drei Teile. Einmal will sie bestimmte Einnahmen des Reiches als Sicher⸗ heit für die Reparations⸗Annuitäten verpfänden: die Zölle Kauf ⸗ Genußmittel, die Verbrauchsabgaben auf Tabak, Bier, Wein und Zucker, die Erträge des Branntweinmonopols. Sodann will sie die Reichseisen bahnen, deren inanzen zu diesem Zwecke bis zum Jahre 1927 zu sanieren nd, mit einer Pfandhypothek von 10 Milliarden Goldmark ö N ö N N ö ö 0 ö J beutschen Politik der kommenden Jahre werden; hier wird ich die patriotische Steuerwilligkeit der großen deutschen Wirtschaftskreise, des Grundbesitzes, der Industrie und der Großfinanz zu erweisen haben! Ist nun der gute Wille auf der Gegenseite vorhanden, uf Grund dieses neuen Angebots zu vernü nf tigen erhandlungen über eine endliche Ordnung ber zerrissenen europäischen Welt zu kommen? das ist unsere und Europas Lebens⸗ und Schicksalsfrage. Die Ruhraktion Frankreichs war ein politisch kopf⸗ poses Unternehmen. Bis heute ist ihr Ziel in Phrasennebel sberhüllt geblieben, bis heute weiß auch in Frankreich nie⸗ nand genqu, was eigentlich an der Ruhr und mit welchen Nitteln es erreicht werden soll. Nur wenn es der Zweck ses Unternehmens war, Deut chland möglichst nahe an lie Anarchie heranzuführen und es möglichst ganz zu zer⸗ Fümmern, kann die Wahl der Mittel als einigermaßen weckmäßig betrachtet werden. Davon abgesehen war es beder möglich, aus der Ruhraktion eine direkte Befriedigung ler französischen Gläubigerinteressen zu sichern, noch 1 5 ane durchführbare Reparations regelung zugunsten Frank⸗ seichs zu erzwingen und wirklich durchzuführen. 15 N utschnationalen Worta le, . 8 b 1 0 aus womöglich den aktiven Rut auf dem Krriegsschauplatz zu entfachen sucht, sind 5 klichsten Erscheinungen im innerpolitischen 157 5 ge ee dee e e d munis mus, die ihre beste S d fi. be deutschvölkische ee 1 dnisvoller Förderung e e 1 1955 li In diese grün eud 71 840 5 1 0 h a 1 3 Prozeß hinein. Hun⸗ bon Millionen sind aus e. ind ige Subjekte zu kaufen un 0 i der beusschen Reuubhlik du ereichen Wem on, litär in unbeschütztes, friedliches Land ein 9 55 einen Menschen zum Pfand zu nehmen, 1 5 ochmals eroberten Gebiet eine wahre 8 987 0 ichtet, die mit Unterdrückung jeder staats⸗ eiheit Massenausweisungen, Einkerkerungen eitet, so beruft man sich auf den Ver⸗ gierung übereingekommen Der Meinungsaustausch über die Cuno⸗Note. Englands Zurückhaltung. Zwischen Paris, London und Brüssel besteht z. Zt. ein Meinungsaustausch über die neue deutsche Note. Allgemein erklärt man in französischen amtlichen Kreisen, daß diesmal eine französisch⸗belgische Antwort und eine gesonderte Mit⸗ teilung der englischen, bezw. italienischen Regierung nicht zu erwarten sei. Aber auch eine gesonderte Antwort wirft auf die Zurückhaltung des neuen englischen Kabinetts ein schlechtes Licht. Die Regierung in London ist entschlossen, vorläufig ihre Stellungnahme zum Inhalt der deutschen Note nicht bekannt zu geben. Warum das geschieht, wird nicht erklärt. Aber es spricht vieles dafür, daß sich England von vornherein die Möglichkeit zu Kompromissen frei halten will, was kaum möglich erscheint, wenn die englische Re⸗ gierung schon jetzt mit ihrer Stellungnahme, die nicht zuungunsten Deutschlands sein dürfte, vor die Oeffentlichkeit tritt. Kompromisse scheinen notwendig, wenn eine gemein⸗ same Antwort möglich sein soll. 1 7 Um den passiven Widerstand. Frankreich, oder vielmehr Poincars hält nach wie vor an dem Verzicht auf den passiven Widerstand fest, bevor Verhandlungen eintreten. Erst am Freitag wiederholte der französische Minister⸗ präsident vor den vereinigten Senatskommissionen der Finanzen und des Auswärtigen in Bezug auf die deutschen Vorschläge u. a. den wesentlichen Inhalt des Brüsseler Kommuniquss, den er auch jetzt noch aufrecht erhalten will, da die französische und die belgische Re⸗ sei, keinerlei deutschen Vorschläge zu prüfen, wenn in ihnen nicht ein Verzicht auf den passiven Widerstand vorgesehen ist. 5 Hierzu wird uns aus Berlin geschrieben: Wollen wir die Kapitulation vermeiden und bald wieder zu einem befriedigenden Zustand in innen⸗ und außenpolitischer Beziehung kommen, dann werden wir nicht umhin können, die Frage des passiven Widerstandes zu erörtern Es ist erfreulich, daß auch das Berliner Tageblatt inzwischen als erste Berliner Zeitung zu dieser Einsicht gekommen ist, wenn auch nach ihrer Art. In der Samstag⸗Ausgabe beschäftigt sich Theodor Wolff mit diesem Problem. Er sagt dabei u. a.: ö Wir alle wissen und die Franzosen wissen es vermutlich auch, daß die deutsche Regierung den passiven Widerstand nicht besehlen, sondern höchstens unterstützen konnte und daß wir ihn, solange die französischen Basonette das Ruhrgebiet beherrschen, ebensowenig durch einen Befehl beseitigen können. Wäre Theodor Wolff über die wahren Verhältnisse im Ruhr⸗ gebiet unterrichtet, dann hätte er diesen Satz, der an sich inhaltlich fast abgeleiert ist, nicht geschrieben. Wir würden ihm empfehlen, sein Studium über den passiven Widerstand im Ruhrgebiet in den Bezirken Bochum und Gelsenkirchen zu machen. Hier hat man nie an eine Kapitulation gedacht. Aber die Verhältnisse waren stärler und haben selbst dort großen Unmut hervorgerufen, wo mit dens Gelde des Reiches gerade nicht sorgfältig umgegangen wird. Sagen wir es doch ganz offen: Wir dürfen eine Erörterung über den passiven Widerstand nicht ablehnen, eine ehrliche, wenn auch schwierige Beilegung des Konflikts ist uns immerhin lieber als eine Kapitulation. ö Die Einheit des Reiches muß bleiben. Der Reichskanzler empfing am Freitag vormittag in Gegen⸗ wart des Reichsministers des Innern und des Reichswirtschafts⸗ minksters Abgeordnete verschiedener Parteien aus den besetzten rheinischen Gebieten. Der Kanzler erklärte u. a., daß alle Gerüchte, wonach die Reichsregierung in der Frage der Zugehörigkeit der Rheinlande zum Reiche und zu Preußen Zugeständnisse machen wollen, durchaus falsch seien. 6 Die Regierung habe im Gegenteil die Entente nicht darüber im Zweifel gelassen, daß eine Diskussion über die Ausgliederung der Rheingebtlete aus dem Verbande des Reiches oder der deutschen Länder für sie nicht in Betracht komme. Die Vertreter der Parteien trugen der Reichsregierung der im passiven Widerstand beharrenden Bevölkerung vor. Die Vertreter aller Parteien erklärten sich mit den Darlegungen des Reichskanzlers über die sogenannte Rheinlandfrage einverstanden. Die Rheinländer würden sich niemals mit den Plänen auf Errich⸗ tung einer rheinischen Republik unter dem Drucke der Entente und unter fremder Kontrolle abfinden. In keiner Partei des Rhein⸗ landes gäbe es in diesen Fragen ein Schwanken oder eine Mei⸗ nungsverschiedenheit. Die Vertreter der Sozialdemokratie fügten diesen Erllärungen besonders scharfe Worte gegen die Pläne einer internationalen Gendarmerie hinzu. Niemals werde sich die rheinssch⸗west⸗ Wünsche fälische Arbeiterklasse mit einer solchen Milftärdittatur ab⸗ finden. Auch diese Aeußerungen wurden von den Vertratern der übrigen Parteien unterstlützt. 0 Der Reichskanzler wird am Samstag in Mlinster mit Ver⸗ 8 1 tretern der Ruhrbevölkerung, am Sonntag in Elberfeld mit Ver⸗ tretern der mittelrheinischen Bevölkerung, am Montag in Sild⸗ itung ömenltlon: gießen, 4 f Bahuhoffraße 2 . Oberb. Volkszeitun 1 0 WF e 1 Abonnementspreis 5 55 ben Vela ede d mega vormittag in Gießen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren 5 chaftliche Beilage“ beträ b monallich 5800 lg der Frau“ und„Land⸗ Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Raum lokal 60.— Mk, auswärts 80.— Mt., die Reklamemillimeter zeile chdie Post bezog. 5500— Mteinschl Vest 17 8 9 5 einschl. Brin erlohn. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. 900.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen? ö »Bestellgeld. Einzelnumm. 220— et Druck: Verlag ffenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. 18. Jahrgang 4 deutschland mit Vertretern der badischen Bevölkerung und am Dienstag in Essen mit Vertretern der Fühlung nehmen. f 7 0 Auch im preußischen Landtag wurden am Freitag vom M nisterpräsidenten und den Rednern der Parteien Erlärungen über die Unantastbarkeit des Rheinlandes abgegeben. Auf Antrag der unterzeichnet von Dr. Leidig(D. V.), vier Koalitionsparteien, Porsch(Zentrum) und Limbertz(Soz.), wurde beschlossen, die Rede des preußischen Schreiber⸗Halle(Dem.) verbreiten. Der steigende Druck. Der am Donnerstag morgen besetzte Bahnhof Wattenscheid i wieder geräumt worden, nachdem die Franzosen die Anschlußgleise den Bahnhöfen einige Stunden festgehalten und dann zurückbefö! Die Zeche„Eintracht“, Slidbau 2, ist nach Abtransport aller Halden⸗ kohlen durch die Franzosen wieder geräumt worden. Am Fre haben die Belgier die Zeche„Wilhelmine Viktoria“ besetzt große Mengen von Putzwolle, Tinte, Schreibpapier, Oele usw., wie auch eine Lokomotive mitgenommen. Als sich die deutschen Arbeiter widersetzten, wurden sie mißhandelt. In Hamborn ist durch die Besatzung der Straßenbahnverkehr stillgelegt worden. Wet Sabotageakten wurde über die Gemeinde Winz eine Geldstrafe von 100 Millionen verhängt. a In der Nähe von Gelsenkirchen wurden Deutsche überrascht, die Pfalz und Rheinhessen Ministerprästdenten über das Rheinland im ganzen Lande durch Maueranschlag zu so⸗ 1 0 N im Begriff waren, die Brücke am fiskalischen Hafen am Rhein⸗Herne⸗ 1 Kanal bei Dellwig zu sprengen. haftes Gewehrfeuer. Sie verwundeten eine und verhafteten zwei Personen. Auch hier soll wieder Verrat auf deutscher gespielt haben. f Die Auffassung in Washington. Wie das Journal of Commerce aus Washington erfährt, wird 1 die neue deutsche Note in amtlichen Kreisen als ein deutlicher Fort⸗ schritt gegenüber allein angesehen, was Deutschland bisher angeboten a habe. Man sei der Ansicht, daß der Vorschlag einer Konferenz ge⸗ eignet sei, die Grundlage für Verhandlungen zu bilden, die letzten Endes in eine Verständigung ausmünden würden. Obwohl berichtet werden könne, daß hohe Regierungskreise der Ansicht seien, daß die Note einen Hoffnungsstrahl darstelle, bestehe doch kein Anzeichen da⸗ für, daß die Vereinigten Staaten auf der vorgeschlagenen Konferenz vertreten zu sein wifnschten, es sei denn, daß sie von den Alliierten ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen würden.* Andere Blätter haben ähnliche Nachrichten. n e Die Franzosen eröffneten ein leb⸗ Seite mit- Die Politik Italiens. 15 In der Freitag⸗Sitzung des Senats ergriff Ministerpräsident 25 Mussollni das Wort zu einer Erklärung, in der er die allgemeine Linie der italienischen Politik darlegte und unter anderem betonte, es sei ein italienisches Interesse ersten Ranges, die friedliche Lösung der europäischen Krise zu beschleunigen. Diese Krise wäre seit dem Versailler Vertrag von der Reparationsfrage beherrscht. Gegenüber dieser Frage ist die grundsätzliche Stellungnahme Italiens folgende? 1. Deutschland kann und muß den Betrag zahlen, der bereits jetzt im allgemeinen aufgestellt zu sein scheint und der von den mehr als 100 Milliarden, von denen nach Abschluß des Waffenstill⸗ standes die Rede war, weit entfernt ist. ö 2. Italien kann keine Abänderungen oder auch solche territorialer Art dulden die eine Hegemonie wirtschaftlicher, politischer oder so⸗ gar militärischer Art herbeiführen könnte. 3. Italien will sein Anteil am Opfer tragen, falls das für den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft notwendig sein sollte. 4. Die italienische Regierung beharrt heute mehr denn je und angesichts der letzten deutschen Note auf ihrem Standpunkt, daß die Reparationsfrage und die Frage der europäischen interalliferten Schulden miteinander in engem Zusammenhang stehen und in einem gowissen Sinne voneinander abhängig sind. Es bestehe kein Zweifel darüber, daß die Besetzung des Ruhrgebietes die Reparationskrise wesentlich verschärft habe. — trag von Versailles, der Frankreich zu alledem das Recht geben soll. Auf welche Vertragsklauseln, auf welches Recht, auf welche Moral will man sich berufen, wenn französische Agenten in Offiziersuniform unbesetztes deutsches Gebiet be⸗ setzen, um die Lunte an die deutsche Reichseinheit zu legen? Aus diesen unerträglichen Zuständen hinaus⸗ zukommen, ist ein Interesse nicht bloß des deutschen, sondern auch des französischen Volkes und der ganzen Welt. Erst spätere Zeiten werden erkennen, daß ein wirklicher sittlicher Heroismus dazu gehörte, wenn weite Kreise des deutschen Volkes, voran die Sozialdemokratie, nie aufhörten, und fast unmöglich man es ihnen auch machte. Wer aber will die Verantwortung dafür übernehmen und welche Per- spektiven tun sich für die europäische Menschheit auf, wenn diese Politik der Verständigung Schiffbruch erleidet? Es ist höchste Zeit, an den Verhandlungstisch zu treten mit dem ehrlichen Willen, die Atmosphäre zu ent⸗ giften, die Gegensätze auszugleichen, klare Bahn für ein friedliches Zusammenleben der Völker zu schaffen. Möge der neue Schritt Deutschlands in diesem Geist von der Welt aufgenommen werden! 5 — 1 r 5 5 Politische Nebersicht. Der Teuerungsdebatte zweiter Tag. 0 Eine große Enttäuschung. Der zweite Tag der Reichstagsaussprache über die Teuerungsinterpellation der Sozialdemokratie war im großen und ganzen eine Enttäuschung. Mit Ausnahme der ede des Demokraten Dernburg boten die bürgerlichen arteien so wenig Geist und Sachkunde auf, daß die Debatte stundenlang ohne jeden Eindruck auf das schwach besetzte Paus hinplätscherte. i 3 Der Zentrumsmann Peter Schlack, ein Führer der christlichen Genossenschaften, hielt eine Rede, die er nach allen Seiten gerecht abzuwägen versuchte, dabei aber doch mehr zu einer Entschuldigung der kapitalistischen Wirt schaftsmethode als zu einer genügenden Kritik der jetzigen Zustände wurde. An sachlichen Besserungsvorschlägen war er sehr schwach. Er regte einen gesellschaftlichen Boykott der Wucherer an, verlangte ein Verbot des Ankaufs und Verkaufs von Devisen, sowie es sich um reine Geldgeschäfte handle und glaubte im übrigen, sobald die Geldentwertung aufhöre, werde sich zeigen, daß die Steuern allgemein über⸗ streckt seien. Schlack schloß mit einer Einladung an die Sozialdemokratie, in die Reichsregierung einzutreten; sonst habe sie jedes Recht verloren, die anderen zur Verant- wortung zu ziehen. 5 5 Deer deutschvolksparteiliche Mittelständler Find eisen ssprüchlein:„Von roten Ketten macht euch frei allein die Deutsche Volkspartei!“ ind ein Beweis dafl u der Erkenntnis ihrer begrenzten keit. 8 Die Sozialdemokratie entscheidet natürlich die Regierung eintritt oder nicht. Das ist i immer nur die eine Frage, ob sie innerhalb oder außerhalb der Regierung der großen ehrlich arbeitenden Volksmasse wertvollere Dienste leisten kann. Eine herausfordernde Rede trug der Deutschnationale Wienbeck vor. Nichts hörte man von ihm über die Steuersabotage der Besitzenden, nichts über das Versagen bei der Dollaranleihe, sondern nur heftige und verletzende Angriffe auf die Sozialdemokratie. Unsere Partei, nicht die Wucherer und Schieber sind es, die die Front an der Ruhr zerstören. Der armen Schwerindustrie geht es nach Ddiesem deutschnationalen Redner schlecht und anderen kapi⸗ ktialistischen Schichten noch schlechter. Damit war schon an den Reichsfinanzminister die Warnung gerichtet, mit seinen berschärfenden Steuerplänen zurückhaltend zu en Eine Rede, die weniastens Sachkunde verriet und sich semühte, in den Grenzen des menschlichen Anstandes zu Vortrag des Demokraten Dernburg. auch aus seinen Darlegungen war die Sorge zu ent⸗ daß die angekündigte Stenervorlage zu weit gehen bei keiner Schicht des Volkes das reale Einkommen im Verhältnis weniger gesunken 5 5 Partei des Redners war nur durch drei Mann ver⸗ 4 eten. ö Die Donnerstagverhandlung brachte eine Reihe interessanter Zeugenaussagen, auf die im einzelnen noch zurückzukommen sein wird. Besondere Bedeutung aber ist einem Teil der Aussage des Zeugen Hug beizumessen, da diese Angaben weit über den Rahmen des jetzigen Prozesses hinausgehen und der bayerischen Justiz alle Veranlassung geben werden, nachzuforschen und einzuschreiten. Der Zeuge Hug, ein seriöser Kaufmann aus Starnberg im Alter von etwa 45 Jahren, ist Gründungsmitglied des Blücher⸗Bundes und genoß als solcher das besondere Vertrauen des Vorstands⸗ mitgliedes des Blücher⸗Bundes, des bekannten Dr. Arnold Ruge. Im Januar ds. Is. entwickelte Ruge dem Zeugen einen Plan zur Gründung einer Ticheka 1 (Plutsbrüderschaft) innerhalb des Bundes, einesteils zur inneren Ueberwachung des Bundes und weiter zur Beseitigung mißliebiger politischer Persönlichkeiten. Bet dieser Unterredung zeigte Ruge dem Zeugen auch 6 Flaschen mit tödlichen Giften, Flüssigleiten und Salzen, die für diesen letzteren Zweck bestimmt waren. Sechs Stunden nach Gemuß dieser Gifte würden sie einen unauffälligen Tod herbeiführen. Hug ging, wie er sagte, auf diese Dinge ein, aber nur zum Schein. Kurze Zeit darauf besprach sich Ruge von neuem mit dem Zeugen, verlangte von ihm, er solle ihm 1½ Millionen Mark in Devisen 7 beschaffen, und zwar von Machhaus⸗Fuchs, welche beide bisher eine sichtbare Gemeinschaft mit Ruge vermieden hatten. Er, Ruge brauche das Geld zur Sicherstellung seiner Familte. Der Zeuge hat die Beschaffung dieser Devisen für Ruge abgelehnt, bekundet aber, daß Ruge dieses Geld tatsächlich von Machhaus erhalten habe. Bei dieser Besprechung betonte Ruge außerdem, daß er bereits zwet Männer zur Ausführung der Tfcheka⸗Befehle ge⸗ dungen habe, darunter einen namens Weinberger. Dieser würde zumächst den Dr. Heim erdolchen, während der andere die Beseiti⸗ gung des Dietrich Eckart auf sich nehme. Eckart sei deswegen zu beseitigen, weil er, ein enger Berater Hitlers, diesen immer wieder vordränge, um ihn dann im gegebenen Augenblick doch wieder zurückzuhalten. Dies sei auch der Grund, 2 warum Hiller nicht schon lange losgeschlagen und reinen Tisch gemacht habe. Der Zeuge bemerkte ausdrücklich, daß es zur eigentlichen Gründung dieser Tscheka innerhalb des Blücher⸗Bundes nicht gekommen sei. Diese Mitteilung des Zeugen Hug wurde vom Gerichtshof und vom Auditorium unter atemloser Spannung vernommen. 5 l Die Sensation des Tages, vor der alle anderen Vorgänge zurücktreten, war das Auftreten des Dr. Arnold Ruge als Zeuge in der Nachmittagssitzung. Er wurde zunächst nicht ver⸗ eidigt, da er heute sich vor allem zu den schweren Vorwürfen zu äußern hatte, die am Vormittag der Zeuge Hug gegen ihn, Ruge, betreffend Gründung einer Tscheka im Blücherbumd erhoben hatte. Ruge nannte sosort den Zeugen Hug einen ganz verlogenen Patron und einen französischen Agenten. Alles, was Hug über ihn ausge⸗ agt habe, sei eine gemeine Lüge. Die Sache verhalte sich vielmehr o, daß von Hug der Plan der Tscheka stamme. Hug äußerte, er sei bereits früher in Afrika einmal das Oberhaupt einer ähnlichen Vereinigung gewesen, und es sei seine Lebensaufgabe, solchen Dingen nachzugehen. Da der Zeuge Hug seine Aussage vom Vor⸗ mittag, die er unter Eid gemacht hatte aufrecht erhält, ordnete das Gericht eine sofortige Konfrontation der beiden an. Dabef wurde zunächst festgestellt, daß Hug Schweizer Staatsangehöriger ist, früher in Venezuela und in Honduras sogar Minister war und überall in feder Weise für das Deutschtum eingetreten set. 1917 ging er im Auftrag der deutschen Regierung nach Bulgarien zu Mackensen. Auge in Auge mit Ruge erklärte nun Hug, daß er seine Behauptung gegen Ruge vollinhaltlich aufrecht erhalte und führte dabei noch aus, daß 8 7 Der Münchener Hochverrats⸗Prozeß. die ihm bei seinen eidlichen Ruge unter dem Deckmantel Berger daslelbe Gewerbe eines Tscheka⸗Häuptlings seinerzeit in Oberschlesien 0 ausgeübt habe. Zur Sache mit den Giftfläschchen erklärte Ri daß es sich nur um einfache Medizinfläschchen gegen sein Ma übel gehandelt habe, die er stets mit sich auf Reisen nehmen Bei der Haussuchung bei Ruge, als er am 28. Februar wurde, beschlagnahmte die Folizet auch solche Fläschchen. Der Zeuge Hug erklärt aber, daß der Inhalt dieser ihm von der Poligei vorgezeigten Fläschchen zweifellos ein anderer sei als der, ihm Ruge am 17. Februar gezeigt und mit nach Hause gege habe. Durch die zufällige ler, Anwesenheit des Zeugen Aumsi einer von denjenigen ist,die Ruge in erster Linie für seine Tschel das Gericht die sofortige Einvernahn Dieser Aumüller, ein Student Mitte f ied des Blücherbundes, machte unter Eid der Zeuge Hug. Er e geklagten Berger 17. willfährig zu sein, decken. So ging er am sich aus Aussagen. Damit war fitr das Gericht d Thema zunächst erledigt. Es wurde als zweiter Hauptz Leutnant Friedrich vernommen, der an der Aufdeckung der gar Verschwörung erheblichen Anteil hat, N 1 Im Verlauf der Freitagssitzung wurde eine Reihe von lastungszeugen vernommen, deren Aussage aber im all. 955 wenig Bedeutung zukommt. Einen mehr heiteren als ernsten Ein⸗ druck vermittelte ein Mitglied des nationalsozialistischen Kampfper⸗ Machhaus e bandes, der außerdem ein persönlicher Freund des Er sagte, er sei gewohnt, die Befehle Hitlers übrigen kümmere er sich aber nicht um Politik. 1 Die Aussage des Hofrats Pixis, des Führers des beka N bayerischen Ordnungsblocks, bestätigt in vollem Umfang, daß die vier Hauptbelastungszeugen(Mayr, Friedmann, Kautter, Schäkfer) ihre eingehenden Beziehungen zu Fuchs⸗Machhaus nur im Interesse der Aufdeckung dleses Hochverrats gepflogen haben. Es sei ga ausgeschlossen, daß die Genannten daran gedacht hätten, bei ee eventuellen Enderfolg des Hochverrats sich selbst an dessem Erft zu beteiligen. 1 sagen des Studenten Staehle Mitglied des Bllicher⸗ Die Aus bundes, belasten wieder den Angeklagten Berger. Der Zeuge v sichert unter seinem Eid, daß Berger einmal sagte:„Wenn es 24. Februar nicht losgeht, so gehe ich mit meinen Leuten allein vo Dieser Zeuge charakterisiert im übrigen die im Bllücherbund um laufende Parole dahin, daß ein Lo endigung nächsten Woche. f 1205 Dann wurde die Aussprache auf Samstag mittag ver⸗ tagt. Für unsere Fraktion wird Genosse Robert Schmidt in seinem Schlußwort die bürgerlichen Einwände gegen unsere Forderungen entkräften.. 2 5 Die Tragikomödie der Markstützung. Es dürfte noch in allgemeiner Erinnerung sein, daß der Reichswirtschaftsminister Dr. Becker mit dem Brustton der Ueberzeugung und dem ganzen Selbstbewußtsein des deutschvolksparteilschen Vertrauensmannes der Industrie vor wenigen Wochen im Reichstag erklärte:„Wir werden die Stützung der Mark fortsetzen.“ Als unser Genosse Dr. Hertz in einem Zwischenruf, der das berechtigte Mißtraue gegenüber dieser Regierungserklärung dum Ausdrucd bringen sollte, fragte, auf welche Weise der Minister dem stützen wolle, belehrte ihn Heir Becker dahin, daß eine solch Frage naiv sei. Wie naiv diese Frage gewesen ist, geht o der Tatsache hervor, daß inzwischen der Dollar von etws 30 000 auf 80 000 gestiegen ist. Es wäre nun höchste Zei daß der selbstbewußte Reichswirtschaftsminister mit seinem Rezept zur Markstützung herausrückte und auch verriete, warum er es nicht angewandt hat. Statt dessen aber stellt er sich nunmehr im Reichstag ans Rednerpult und macht di geheimnisvolle Mitteilung, daß unsere Mark sich abwärts verlorene Sohn. Roman von Hall Caine. Der Vi. muß des Wartens müde und ungeduldig sein, auf zu kommen.“ sollte ich meinen.“ schrecklichen Dingen.“ Geefühle im Zaume, liebes Kind.“ Die Tür nach der Straße hatte sich Murmeln der See vermischt, die Vorhalle— „Wär' Joois' Nektar mir vergönnt Blieb' ich mir gleich—“ sanften Margret?“ Aus der Verschonzung der halbgeöffneten Türe, zwei Lockenwickel sichtbar wurden, antwortete Tant Thora in den Sattel hob, acht auf das Kind zu haben un es Magnus sicher zu überliefern. Oskar lachte leichthin und antwortete— nung nach nicht allzu überzeugungsvoll—: Tantchen. Lebewohl!“ „Leb wohl!“ „Leb wohl Tante Margret!“ „Leb wohl, Thora! Und denke daran!“ Zweites Kapitel. Der Vater von Oskar Stephenson war, 1 3 Das Mädchen lachte vergnügt und sagte mit lauterer timme,„dann laß uns hinuntergehen— der arme Junge den Weg „Nicht halb so ungeduldig wie das arme Mädchen, N Das lächelnde Gesicht wurde hierauf wieder ernst und Thora sagte:„Sei lieb und sprich nicht mehr von solchen „Dann vergiß meine Warnung nicht und halte Deine 5 unterdessen ge⸗ öffnet und eine volle Baritonstimme durchflutete, mit dem „Hallo! Guten Morgen, Thora! Bist Du das, Tante 100 in deren wenige Zentimeter weiten Oeffnung ein Auge und Margret, daß sie es sei und beauftragte Oskar, während er ihrer Mei⸗ „Schon recht, dem isländi⸗ schen, patronymischen Gebrauche gemäß, Stephen Magnusson (Die Kinder erhalten als Familiennamen den Vor namen des Vaters mit der Endung:... son. Ned.) und seit über zwanzig Jahren General⸗ Gouverneur von Esland. Er war ein Mann von unantastbarer Rechtschafsenheit und un⸗ erschütterliche Willenskraft, diensteifrig und unbestechlich in seiner offiziellen Stellung und fleckenlos in seinem Privat⸗ leben. Seine Haupteigenschaften waren Würde und Stolz. Der Vater von Thora Neilsen war Oskar Neilsen, ge⸗ meinhin„Faktor Neilsen“ genannt, von isländischer Geburt, aber dänischer Abstammung, der hauptsachlichste Handels⸗ herr auf Island und einer der reichsten Bürger der Haupt⸗ stadt. Seine Geschäftsmethoden hatten oft Anlaß zu Er⸗ örterungen, seine häuslichen Verhältnisse Stoff zum Klatsch geliefert. Er war ein Mann von unermüdlichem Fleiß und großer, fast an Geiz grenzender Sparsamkeit. Beide Männer waren lebenslängliche Freunde. Ihre Freundschaft beruhte nicht etwa auf etwaigen lockeren Geschäftsver⸗ bindungen, wenn auch gemeinsame Interessen sie befestigt haben mochten, und es war eine stehende Redensart, daß der Mann, der dieselbe zu brechen vermöge, ebensowohl die Konstitution brechen könne. Es war eine von den Freund⸗ schaften, die nach fünfzig Jahren noch jung sind, und gerade weil sie ununterbrochen an Alter zunehmen, täglich jünger werden— eine Eigentümlichkeit aller treuen, beständigen Freundschaften und der Grund, weshalb alte Freundschaften nie durch neue ersetzt werden können. Ein halbes Wort enthüllt eine Bedeutung, ein halber Blick ruft ein Lächeln hervor. Ihre Freundschaft war die ungeschriebene Geschichte ihrer Vergangenheit, ein lebendiger Nekrolog toter Er⸗ innerungen und Ideen. Sie begann in ihren jahren und trotz wechselnder Geschicke und verschiedener Familienzwistigkeiten hatte nicht der kleinste Schatten sie je getrübt. Die Leute sagten jedoch, wenn Stephen Magnus und Oskar Neilsen je aufhören sollten, Freunde zu sein, würden sie die bittersten Feinde werden. Sie machten als Knaben miteinander das Gymnasium durch und waren zwei von vier islöndischen Studenten, die mit Stipendien auf die Universitat nach Kopenhagen ge⸗ schickt wurden. Das war zu jener Zeit, als das Studenten- leben noch nicht so geregelt war, wie es hätte sein sollen. Drei von ihnen gingen ohne besonderen Schaden aus ihm hervor, während der vierte einen Fehltritt tat, der vielleicht E d Knaben⸗ Als die Zeit der Trennung kam, ging einer der als Unterbibliothekar nach Orford und wurde ein Unit sitatsprofessor, und ein zweiter ging nach London, um in einer Bank zu arbeiten und es bis zum Bankdirektor bringen. Die anderen beiden blieben ihrem Vaterla getreu: Stephen Magnusson kehrte, um als Rechtsa zu wirken, nach Island zurück, und Oskar Neilsen blieb, den Handel zu betreiben, in Dänemark. Innerhalb von zehn Jahren hatten die Freunde schnell emporgearbeitet. Stephen war von einem Rech anwalt zu einem Asseffor, von einetg Assessor zum stell. tretenden Gouverneur und vom stellvertretenden Gouver⸗ neur zum Genetal-Gouverneur ernannt worden, während Neilsen sich erst als Faktor für eine Kopenhagener ma und später auf eigene Rechnung als Kaufmann auf Island niedergelassen hatte. Beide Männer hatten sich inzwischen verheiratet. Gouverneur mit dem einzigen Kinde von Grim, dem sitzer von Thingvellier, einem der größten Erbpachthöfe lands. Der Faktor war zu aller Erstaunen, schon eh nach Island zurückkehrte, verheiratet gewesen, und niem wußte etwas von seiner Frau, außer daß sie eine Dänin und aus Kopenhagen sei. Klatschgeschichten verlaufen f jedoch selten im Sande, und man flüsterte sich zu, daß Fakters Frau eine unbedeutende, etwas leichtfertige S spielerin gewesen sei. 5 5 Die Frau des Gouverneurs hatte diesem zwei Sohn geboren. Den ersten taufte man nach seinem Vat Magnus, den zweiten aber nach seinen Freund Oskar, d gerade zur rechten Zeit zum Gevatterstand herübergekot men war. Ebenso hatte die Frau des Faktors ihrem Ma zwei Töchter geschenkt. Die älteste derselben brachte ihrer Ankunft auf Island auf ihren Armen mit, Faltor nannte sie nach seiner Mutter, Thora. Di die bald darauf geboren wurde, wollte er nach de seines Freundes Anna taufen; seine eigene Frau w sich dem jedoch, und so wurde sie nach ihr selbst He —: rn.... den ersten Anstoß zu dieser Erzählung gab. nannt. (Jortsetzung folgt.) rͤsse, well die Außenhanbelsbilanz fig mi anz sich weiter passiß habe das zu sagen, was jeder Siuben le Semester und auch sonst jeder a bolen deshalb unsere„naive“ Frage an Herrn Dr. Becker. u a Wie wollen Sie stützen, warum haben See nicht 2 76 7 * 5 was werden Sie in 1 7 7 5 tun? ing der 8 ö N a Nieder mit dem 1. Mai! 215 8 einigen Ländern ge s 9. November.. 12 H 1 gierungsvor ei e E 5 21e — * unter der Vorzensur der Industtiekapitäne? . Den Mitgliedern des Reichsrats ist folgendes inter Ah ssante Schreiben zugegangen: i u Erft„Auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 24. Jebruax 1923 . sind von den zuständigen Minisierken 8 Notverordnungen, die Bic, mit dem Preistreibereirecht, den Handelsbeschränkungen usw. be⸗ eu u fassen, zu 9 einheitlichen Kodifikaitionsverordnung zusammen⸗ m ez worden. 5 5 len n Die unterzeichneten Spitzenorganlsationen gestatten sich, die nd m⸗ Herren Mtglieder des Reichsrats zu einer Besprechung des vor⸗ ü ei liegenden Entwurfs auf 1 den 7. Junk, vormittags daß 11% Uhr in den Sitzungssaal des Zentralverbandes des Deut⸗ schen e els, Budapesterstraße 21 10 Blilcher⸗Palats) been ergebenst einzuladen, da die den dringenden Wunsch haben, bel 1 0„% exaus großen Bedeutung dieser Verordnung für die ische Wirtschaft, Sie über die Auffassungen der organisterten Wirtschaft in den deutschen ee bekannt zu machen. Reichsverband der deutschen Industrie. Zentralverband des Deutschen Großhandels. Hauptgemeinschaft des deutschen Einzel⸗ handels. Dentscher Industrie⸗ und Handelstag. K 5 N N 0 den 1 Was sagen die Länderregierungen dazu, daß sie durch ser en g 5 f ine le Interessentenverbände eine Art Vorzensur erhalten in f 1 agen, die die ganze Volksversorgung, die Preisbildung 0 55 imd damit die innenpolitische gefährliche Situation in — 14 hem Maße beeinflussende Gesetzgebung betreffen? Diese e 11 Fraxis der Spitzenverbände der Unternehmer, überaus 1 vichtige Fragen ohne Hinzuziehung der Arbeitnehmer und ben zerbraucher zu behandeln, ist nicht ganz neu. Bereits im aber l berflossenen Jahre anläßlich der Erhöhung der Ausfuhr naht le gabe fand eine solche„Vorinstruktion“ der Reichsrats⸗ wat kitglieder statt. Und in den Ministerien war man damals — ͤ!rrachtlich erstaunt, daß alle die Ländervertreter dasselbe der in Fprüchlein aufsagten, das ihnen dort vorgetragen wurde. u Hide Nan wolle nämlich beachten, daß die Vertreter im Reichs ine unt durchweg politisch nicht etwa auf dem Standpunkt ihrer an Jegierungen stehen, sondern nahezn ausnahmslos, ins- dae esondere soweit sie wirtschaftspolitiche Fragen behandeln, Fureaukraten alten Stils sind. Die Länderregierungen ind 1 „1 cher vielfach einfach auf Mitteilungen angewiesen, die ihnen ö i re een machen. An diese wendet sich das zelbewußt arbeitende Interessententum, die Arbeitgeber. m berbände. Wir glauben, indem wir diese Tatsache ans Licht e, zehen, die Länderregierungen auf einen Mißstand aufmerk · 7 em zu machen, zugleich aber der Oeffentlichkeit zeigen zu b 3 h nnen, wo eine wirkliche e e 1 a sonders schlimm ist die Wirkung dieser Nebenreg 4 2 22 abe es sich doch um die Wuchergesetze. a 3 ö jetzigen Augenblick der wilden Preisaus- erade den wil! 9 s 7 halten Handel und Industrie für geeignet, die Buchergesetze völlig zu unterhöblen. 1 Wo sind die Provokateure 2 . 75 ei Etwerbslosendemonstration in Weimar, an der 15 e erle offiziell beteiligt war, traten Ele⸗ 40 hente als Provokateure auf, die weder organisiert, noch in u der Arbeiter ⸗ und Gewerkschaftsbewegung bekannt sind. 1 05 8 zon in Leipzig provozierten Leute, die 1 e hach der Demonstration in Leipzig 5 e ausdrücklich erklärten, weder Sozialdemokraten noch 155 tuunisten zu sein, sondern ihre eigene, Aktion zu. en r zusammenstoß mit der Schutzpolizei. Führer er. 1h, Funisten stellten sich den Gewalttätigen entgegen. Diese scheinbar nebensächlichen Tatsachen müssen hervorgehoben nerde ie deutschvölkische und deut t der e n bemüht ist, alle Teuerungs⸗ . hen auf das Konto der Kommunisten zu schieben und kommunistische Putschabsichten zu konstruieren. Ae täte besser, völkische Presse tä 1 den Dresdener Behörden Putschen, z. B. bei der Ermordung Liebknechts, genannt worden sind. Genannt werden die bekannten Leutnants Krull und Killinger, die sich unter der Maske von Beauf⸗ tragten des Reichskommissars für öffentliche Sicherheit bei . einschlichen und plötzlich ver⸗ schwanden, nachdem sie wiederholt nach Berlin telephoniert hatten. Es herrsche in politischen Kreisen Dresdens die Ueberzeugung, daß nicht nur diese beiden Herren fascistische Pläne verfolgten. Uns erscheint eine behördliche Verfolgung dieser Angelegenheit umso notwendiger, als der Gewährs⸗ mann des Berliner Tageblatts weiter behauptet, von der Reichswehr seien in diesen Tagen ohne Wissen der sächsischen Regierung bayerische und hannooersche Truppen vor die Tore Dresdens geschickt worden, so daß ein Eingriff von dieser Seite auch gegen den Willen der sächsischen Regierung durchaus im Bereich der Möglichkeit lag. Wie TI. mitteilt, befinden sich unter den während der Leipziger Krawalle Verhafteten kein politisch organisierter Arbeiter und nur wenige Erwerbslose, Gießen und Umgebung. Für die Bedrängten im Ruhrgebiet Es gingen weiter bei uns ein: Vom Spielklub Hotel Kobel, 3. Rate 1500.— quittiert 945 360.— Mk., zusammen 946 860.— Mk. Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. 0 Verlag ber Oberhessischen Volkszeitung. Zum Naubmord im Schifferberger Wald. . Es wird noch nachgetragen, daß die Ermordete am Sonntag mittag 1½ Uhr auf dem alten Schiffenbergerweg in nächster Nähe des Schiffenbergerwaldes nach diesem zu⸗ gehend in Begleitung einer Mannesperson gesehen worden ist. Ein Ehepaar hat dort zur fraglichen Zeit auf der ersten Bank hinter dem Gemüsegarten der Heil⸗ und Pflegeanstalt im alten Schiffenbergerweg gesessen und diese Wahrnehmung gemacht. Gleichzeitig hat ein anderes Ehepaar mit ihren Mk., Bereits 20schulpflichtigen Jungen, diese Stellen in der Richtung nach dem Walde zu passiert. Die Jungen trugen gestreifte Wasch⸗ anzüge, der eine ein Rucksäckchen auf dem Rücken. Da ange⸗ nommen wird, dieses Ehepaar hat die Ermordete und ihren Begleiter noch eingeholt und die Feststellung zur Tüter⸗ ermittelung äußerst wichtig ist, ergeht an das Ehepaar die dringende Bitte, sich unmittelbar auf der Kriminalabteilung melden zu wollen. ö Stadtvperordueten⸗Versammlung. In der Sitzung des Stadtparlamentes am Donnerstag flührte Bürgermeister Krenzien den Vorstitz, r ihm war nur noch Beig, Dr. Seib von der Verwaltung anwesend, erst später erschien Beig. Dr. Rosenberg. Von den Stadtverordneten sind etwa 30 an⸗ wesend. Zahlreiche Zuhörer haben sich eingefunden. Zunächst wirrden die Kanalgebühren nach dem Vorschlage des Finanz⸗ ausschusses erhöht, wonach mit Wirkung vom 1. Juli 1923 für die Benutzung der städtischen Kanäle eine Zuschlaggebühr in Höhe des 250 fachen Betrags der nach dem Ortsstatut vom 25. 1. 1908 festgelegten Sätze erhoben werden soll. Der Gemeinde zuschlag zur Wohnungsbauab⸗ gabe wird nach dem Antrag des Finanzausschusses wie folgt fest⸗ gesetzt: Für das letzte Viertel des Rechnungsjahres 1922—. 1. 1. bis 31. 3. 1923— und filr das erste Viertel des Rechnungssahres 1923— 1. 4. bis 30. 6. 1923— ist die gleiche Abgabe flür die Stadt zu erheben, wie für den Staat, also 18.15 Mk. für das erste und 76.40 Mk. für das zwette Vierteljahr 1923. Dem Gesuch der Baugenossenschaft 1894, um Ge⸗ währung eines weiteren Baukreditvorschusses wird stattgegeben und ein Betrag von 50 Millionen bewilligt. Die Stadtverwaltung wird ermächtigt, den Betrag von 25 000 000 Mk. umgehend zur Auszahlung zu bringen. Die Eigenheim ⸗Baugenossensschaft hat ebenfalls um Gewährung von Baukostenvorschüssen erfucht. Dem Antrag des Finanzausschusses:„Das der Eigenheim⸗Baugenossenschaft ver⸗ mittelte Darlehen in Höhe von 6 Millionen wird nach Uebernahme der dafür gekauften Baustofse usw. gleichfalls auf die Stadt über⸗ nommen und zum Zwecke der vestlosen Bezahlung aller von der Genossenschaft erworbenen Baustofffe das Darlehen auf 7 Millionen Mark erhöht“, wird l N Kredit für Notstandsarbekten. Zu dem Antrag des Finanzausschusses, einen Kredit von 40 481000 Mk. für Not⸗ standsarbeiten zur Verfügung zu stellen, beantragen Mann und Genossen, den Ausschuß zu ermächtigen, den Kredit auf 100 Mill. zu erhöhen. Bürgermeister Krenzin führt dazu aus, daß die Die Mittel der Stadt reichen nicht hin, dem sozialdemokratischen Antrag zu erfüllen. Was vom Staate für die Erwerbslosen⸗ Unterstützung ersetzt wird, sei sehr gering. Selbstverständlich sei die Not der Erwerbslosen sehr beklagenswert, aber die Stadt könne nicht Mittel bewilligen, die sie nicht habe. Man solle im Landtage für Bereitstellung der erforderlichen Mittel wirken.— Mann bemerkt zur Begründung des sozialdemokratischen Antrages, daß die heutige Zeit große Mittel erfordere. Eine erhebliche Zahl Ein⸗ wohner der Stadt werde von Arbeitslosigkeit betroffen. Besser sei das Geld für produktive Erwerbslosenfürsorge aufzuwenden, statt für Unterstützungen, die doch nicht ausreichend sind. Und die daffir aufgewendeten Gelder sind verloren. Die vom Finanzausschuß be⸗ willigten 40 Millionen find seit der Bewilligung schon zu einem bedeutenden Bruchteil entwertet. Deshalb will der Antrag dem Finanzausschuß die Ermächtigung zur Bewilligung weiterer Mittel geben, daß Mittel zur Fortführung der Notstandsarbeiten vor⸗ handen sind.— Bürgermeister Krenzien erwidert, daß Gießen stets flir die Erwerbslosen nach Kräften gesorgt habe. Von den hessischen Städten beschäftige Gießen die meisten Erwerbslosen mit Notstandsarbeiten. Redner führt die entsprechenden Ziffern an.— Haupt meint, es könnten an verschiedenen Stellen, z. B. in der Steinfabrik noch genug Erwerbslose beschäftigt werden. Er schließt sich den Ausführungen Mann's an.— Stadtv. Fischer(Dem.) spricht sich für den Antrag Mann aus. Es sef erforderlich, Über den vorliegenden Antrag hinausgehen zu können— Dr. Kraus⸗ 48 ist dafür, daß das Möglichste getan wird.— Kling, inn und Loh(Dem.) sprechen sich ebensalls für den Antrag aus. Letzterer wünscht noch, daß die in der Stadt wohnenden in erster Linie bei den Notstandsarbeiten, aber auch bei den Unter⸗ nehmern berücksichtigt werden. Baugesuche. Für die Errichtung einer Halle auf dem Grundstück Fl. 8, Nr. 101 wird den Gebr. Kahl die erforderliche Dispens vom§ 5 des Ortsbaustatut befürwortet.— Hol zein⸗ friedigungen werden für das Grundstück Senckenbergstraße 15 und das Grundstück der Firma Benninger in der Gnauthstraße ge⸗ nehmigt.— Der Erneuerung des Pflasters in der Gartenstraße wird zu La ten des Straßenunterhaltungskredits zugestimmt.— Für die Verbindung der Schönen Aussicht(Studentenheim) I godeckte Betrag. von 228.270 Mk. 9 mit der Wasserlektung wird der durch die Studentenhilfe nicht die 1 haben, Leute, deren Namen schon bei früheren fascistischen 1 e flir l orlage unter Fürsorge für dite Erwerbslosen eigentlich Sache des Reiches sei. 0 AUberuommen. 2 — 2 2 An unsert verehrlichen Postabounenken! Wie wir bereits in der Nummer vom 7. Juni bekannt⸗ gegeben haben, sind wir zu einer Nacherhebung für den Monat Juni gezwungen. Wir bitten daher um baldige Ueberweisung des fehlenden Betrages in Höhe von 1500.— Mark unter Benutzung der heute beiliegenden Zahlkarte. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. F 25 5 V 2 2 Der Gießener Freiwilligen Feuerwehr werden die Kosten für Anfertigung und Aendern von Uniformen in Höhe 5 b won 201 000 Mk. bewilligt. Alrf Antrag der Bau⸗Deputation werden die Gebühren 1 Gräber vom 1. Juni ab um rund 300 Prozent erhöht.— S 5 Schwieder fragt, wie es mit der Errichtung eines Krema⸗ tortums stehhe.— Bürgermeister Kren zien antwortet, daß die Frage geprüft werde. Die Erhöhung der Hundesteuer veranlaßt eine längere Debatte: Vom Finanzausschuß wird vorgeschlagen: Die Gemeindehundesteuer wird mit Wirkung vom 1. Juli 1925 wie folgt sestgesetzt? a) sofern der Huzdebesitz das ganze Jahr hindurch dauert 30000 Mk.: b) sofern er nach dem 1. Januar, aber vor dem 1. 4. beginnt 22 500 Mk.; c) sofern er nach dem 1. April, aber vor dem 1. Juli beginnt 15 000 Mk.; d) sofern er nach dem 1. Juli, aber vor dem 1. November beginnt 7 300 Mk. für jeden Hun d. Der mehrfache Hundebesitz wird mit folgenden Zuschlägen belegt: für den zweiten Hund 15 000 Mk., für den dritten Hund 30 000 l. 1 25 sodaß für jeden weiteren Hund der Zuschlag sich um 15 000 Mk. erhöht. Für den Uebergang wird bestimmt, daß, wer die Ab⸗ schaffung eines Hundes bis spätestens zum 30. Junk 1923 bei der Stadtyerwaltung schriftlich oder mündlich angezeigt hat, von begründet die V Hinweis auf die Geldentwertung darauf, daß in anderen Städten viel höhere Hundesteuern bezahlt wiirden.— Stabtv. L. Meyer(Dem.) stummt dem N u, boch möchte er die Hundezüchter nicht mit gleicher Steuer belegt teissen.— Beig. Dr. Seib warnt vor Annahme des Antrags Meyer, der einen erheblichen Einnahme⸗Aus fall ihren wfrde.— Blerau(Kom.) sagt, es hätte vor einiger großes Geschrei gegeben, als sie(die Kom.) für Erhöhung auf 500 2 75 0. 5 Diese Vorlage lehnten sie aber ab, weil Nek. zul eine steuerlichen Untersched zwischen den reinrassigen und den übrigen Hunden machen. Die Hundesteuer stelle einen Beitrag zur Straßenreinigung dar.— Haupt; Durch die Steuer sollten nur die Arbeiter belastet werden; man solle auch Villen und Autos be⸗ steuern.— Meyer: Mit den Arbeitern habe sein Antrag nichts zu tun.— Krailing: Anständige Hunde laufen nicht in der Stadt herum und verunreinigen die Straßen.— Mann bean⸗ zurückzuverweisen. tragt, die Vorlage nochmals an den Aus schuß — Beig. Dr. Seb wünscht sofortige Entscheidung, die Stadt wilrde sschwer geschäbigt, wenn die Vorlage zurückgestellt würde.— Schmidt erklärt sich für die Vorlage. Es handelt sich um eine beträchtliche Einnahme(16 Millionen), die man für die Erwerbs⸗ losenfürsorge notwendig brauche.— Schließlich wird beschlossen, die a Vorlage an den Finanzausschuß zurückzuverweisen. Die Erheb ung von Verbrauchsabgaben für Wein usw. soll bis zum. Inkrafttreten des Finanz⸗Ausgle ichgesetzes aus⸗ gesetzt werden, well die Kosten der Erhebung zu hohe sind. 5 — Zur Bekämpfung des Wuchers. Ein neues Notgesetz über Preistreiberei und Preis⸗ 5 prüfungsstellen.. Dem Reichsrat ist unterm 4. Mai der Entwurf einer Verordnung auf Grund des Notgesetzes zugegangen, eine Neuregelung der Preistreibereiverordnung, eine Ver⸗ ordnung über Notstandsversorgung, über Preisprüfungs⸗ stellen, über Auskunftspflicht und eine neue Wucherge⸗ richtsverordnung enthält. Dieser Entwurf soll bereits An⸗ fang Juni durch den Reichsrat Gesetzeskraft erlangen. Hoffentlich geht es so vorwärts; wir werden demselben größte Beachtung und Nachdruck zuteil werden lassen. In der Preistreibereiverordnung wird der Reichs- regierung bezw. den Landesregierungen gestattet, nicht nur für Gegenstände des täglichen Bedarfs, sondern für alle Gegenstände Höchstpreise festzusetzen. In dem Gesetz über die Notstandsversorgung wird den Ge⸗ meinden gestattet, die Versorgung der Bevölkerung mit bestimmten Gegenständen des taglichen Bedarfs unter Ausschluß des Handels und Gewerbes selbst zu übernehmen, in Verträge über Lieferung solcher Gegen⸗ stände einzutreten, den Vertrieb dieser Gegenstände ge⸗ meinnützigen Einrichtungen oder einzelnen Handel⸗ und Gewerbetreibenden zu übertragen, unter Auflage von gewisse Bestimmungen für den Weiterverkauf und die Preise. Die Gewerbetreibenden haben ferner die Be⸗ nutzung ihrer Betriebsmitel der Gemeinde gegen Entgelt zu gestatten. Ebenso können die Gemeinden Handel⸗ und Gewerbetreibende zwingen, ihre Vorräte den Gemeinden gegen Entgelt zu überlassen usw.— Die neue Verord⸗ nung über Preisprüfungsstellen erweitert die Befugnisse dieser Stellen. Die Verordnung über Auskunftspflicht verpflichtet alle gewerblichen usw. Unternehmer, zur Aus⸗ kunft gegenüber den Reichs⸗ und Gemeindebehörden in be⸗ zug auf alle wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere über Preise, Vorräte, Leistungen und Leistungsfähigkeit von Unternehmungen und Betrieben. Man geht wohl nicht fehl, wenn man jetzt annimmt, daß wegen der Unruhen in Rhein⸗ land, Westfalen und Sachsen die Arbeiten beschleunigt wurden. Die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage, die erneut einsetzende außerordentliche Geldentwertung und die damit verbundene Steigerung der Preise für Lebens⸗ mittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs, sowie die außerordentlichen Gefahren, die diese Entwicklung mit sich bringt, hat das Problem der Preisbildung und der Be⸗ kämpfung der Preistreiberei besonders stark in den Vorder⸗ grund gerückt und läßt ihm ganz besondere Bedeutung zu⸗ kommen. Das Treiben gewissenloser Elemente, welche durch unlautere Machenschafken die Not des Volkes steigern, um sich zu bereichern, muß rücksichtslos bekämpft werden. Nicht zuletzt aber muß von den Behörden, Beamten und Polizeiorganen genaue Arbeit und rücksichtslose Wucherbe⸗ kämpfung verlangt werden. Dies bedeutet, daß die Be⸗ amten in ihren schweren und aufreibenden Pflichten auf das, ngchdrücklichste unterstützt und gegen persönliche Angriffe 0 befreit bleibt.— Belg. Br. Seid Zeit em sel.— Vetters meint, man könne nicht gut die (Schluß folgt.) 1 e 1 N . zweifelhaft festgestellt Tod A Beweis aufnahme erhebt Körperverletzung lautende Anklage beschüßt werden. bilden und einzuschulen für bestimmte Wirtschaftszweige. Das ganze Preisgebaren liegt heute mehr denn je in den Händen von Konzernen, Erwerbs⸗ und Genossenschaften usw.; hier wird sich ein dankbares Gebiet erschließen, aller ⸗ dings nur im ernsten und nachdrücklichsten Kampfe gegen die Jnteressenverbandsführer und deren Teilhaber, gegen Erwerbs⸗Organisationen, die zum Schutze der ungehinder⸗ den Preisbildung zeitläufig herangewachsen sind und sich ausgebreitet haben. Wir werden diesen Entwicklungen un⸗ ser besonderes Augenmerk zuwenden und darauf zurück⸗ kommen. Die Mutter erwürgt. Als ein des kann bis zu einem gewissen Grade ber Schmidt Joh. Georg Mörschel aus Büdingen bezeichnet werden, der sich am Freitag vor den Geschworenen wegen Körper⸗ verletzung mit Todeserfolg zu verantworten hatte. Der 1870 ge⸗ borene Mensch betrieb früher ein gutgehendes Schmiedegeschäft in Büdingen, durch seinen Trunk verlotterte es aber und er mußte es scchließlich verkaufen. Nach seiner Behauptung verfiel er dem Trunke sausolge eines für ihn ungünstig verlaufenen Prozesses: doch das int ein sehr gesuchter Grund zu sein. Er zog später nach Schwal⸗ hei zu seinen Schwiegereltern, aber auch dort konnte man seine 0 i micht lange mit ansehen und man wies ihn aus dem Hause, seine Frau trennte sich von ihm und blieb mit den Kindern in Schwalheim. Mörschel ging wieder nach Büdingen, wo er an ver⸗ schiedenen Stellen, an allen aber nicht lange arbeitete, er bekam bald immer wieder, wie einer seiner Arbeitgeber sich ausdrückte,„die e In Büdingen wohnte er bei seiner alten 70jährigen utter. Von dieser, die neben ihrer Altersrente noch ein paar Groschen mit Nähen verdiente, eine allgemein geachtete Frau war, ließ er sich noch zum größten Teil ernähren, preßte ihr auch noch mauchmol Geld für das Wirtshaus ab.— Am 12. März ö hörten die Mitbewohner des Hauses, in dem Frau Mörschel im oberen Stock wohnte, Angstrufe, allein sie gingen der Sache nicht nach. Es stellte sich heraus, daß Mörschel, der die Nacht in der Küche zugebracht hatte, weil die Mutter die Zimmertitre an⸗ geblich verschlossen hatte, seine Mutter im Bette erwürgt hatte. Die u wurden durch den medizinischen Sachverständigen un⸗ und hinzugefügt, daß durch das Würgen der der alten Frau eingetreten sei. Mörschel selber verwickelte sich zähl reiche Widersprüche. Im Laufe der t Dr. Eckert noch die nur auf auf Totschlag gegen Verwandte in aufsteigendem Sinne. Er schildert& rohe Verhalten des An⸗ geklagten eindringlich, der seine Hand gegen die eigene Mutter, die ihm immer Gutes getan, erhoben habe und beantragt Bejahung der sofrage. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Spohr macht den Al⸗ kohol für die Tat verantwortlich. Er ersucht die Geschworenen, bei seiner Vernehmung in ene mildernde Umstände zuzubilligen.— Die Geschworenen bejahten die Frage nach Körperverletzung mit Todeserfolg und verneinten die Frage nach mildernden Umständen. Das Urteil lautete darauf auf acht Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust.— Damit schloß die diesmalige Schwurgerichtsperivde. — Wieder Erhöhung der Brotpreise. Die schon vor 8 Tagen angekündigte Erhöhung der Brotpreise erfolgt nunmehr von heute, Montag, 11. Juni ab. Das 1900 Gr. schwere Brot kostet nach der im heutigen Blatte veröffent⸗ lichten Bekanntmachung des Lebensmittelamtes 2200 Mark. Ein einziges Gramm Brot kostet also mehr wie eine Mark! Für Brötchen(50 Gramm) ist der Preis von 85 Mark fest⸗ gesetzt. — Neue Münzen und Geldscheine. Die Reichsbank hat mit der Ausgabe einer ersten Lieferung der auf 180 Millionen Stück be⸗ messenen 50 Stücke begonnen. Die Münzen, die nicht ganz so groß wie die Verfaffungs⸗Gedenktag⸗Dreimarkstücke und etwas schwächer als sie sind werden in Rollen zu 100. Stück, vereinzelt auch in Beuteln im Gesamtwert von 5 Millionen Mark, ausgegeben und ssehr gern angenommen. Im Vergleich zu den frühern Reichs mün⸗ zen kommt das Aluminium⸗500⸗Mark⸗Stück etwa dem silbernen 2⸗Mark⸗Stück gleich. Weitere Ausgaben dürften in Zwischenräumen vom 2 bis 3 Tagen erfolgen, bis die 90 Milliarden Nennwert voll sind. Auf Ausgabe der Fünfhunderttausendmarkscheine ist etwa Ende Juni zu rechnen. „Selbsterlebtes im Lande des Alkoholverbots“, über dieses Thema sprach am Mittwoch im großen Hörsaal der Universität Frl. Gustel von Bllicher. Nach den vielerlei Märchen und unwahren Gerichten, die über die ungünstige Wirkung des Verbotsgesetzes in Amerfka bei uns so eifrig und absichtlich in Umlauf gesetzt werden, war es geradezu befriedigend, einen wahrheitsgetreuen Bericht über die tatsächliche Wirkung des Prohibitionsgesetzes zu hören, vor allen Dingen zu hören, daß dieses Gesetz dem amerikanischen Volke nicht plötzlich aufgezwungen wurde, sondern, daß es die Frucht der ziel⸗ bewußten Arbeit eines ganzen Jahrhunderts darstellt, ein Staat nach dem andern wurde„trocken gelegt“, bis 1920 das im Jahre 1917 beschlossene Gesetz von 45 der 48 Unionstaaten ratifiziert wurde. Und mit stolzer Freude vergleicht der Amerikaner dieses Gesetz mit der großen Kulturtat der Sklavenbefreiung 1865. Die Segnungen dieser zweiten großen Kulturtat beginnen bereits dem großen Lande zuzufließen, nur wollen die klugen Deutschen das nicht gern hören, sie erzählen sich lieber mit überlegenem Lächeln die angenehm gruse⸗ ligen Dinge über die„schricklichen“ Folgen dieses Gesetzes. Daß in Deutschland 1922 41mal so viel Nährwerte vertrunken wurden, als die amerikanischen Quäker für unsere hungernden Kinder aufbrach⸗ ten, das gehört bei uns so zum guten Ton. Wie verächtlich der Amerikaner darüber denkt, geht aus einer drüben verbreiteten Zeich⸗ nung hervor, sie zeigt einen gutgekleideten Amerikaner, dem ein zer⸗ lumpter Bettler die bittende Hand hinstreckt, während ihm aus der zerrissenen Tasche die Schnapsflasche heraushängt. Unterschrift: „Solange Du noch Schnaps trinkst, brauchst Du kein Almosen.“— Und was tut die deutsche Regierung, um dem Auwachsen der Alkohol⸗ not zu steuern? Nichts, denn sie ist ja selbst Alkoholinteressent. Der ie Beamken sind besonders heranzu⸗ gent von 20 Prozent. im Jahre 1921 auf 100 Prozent und mehr im Mai 1923] zu steigern. Jedenfalls hat er dadurch dafür gesorgt, daß die Kartoffeln nicht zu billig wurden.— Es ist wirklich für unser Volk an der Zeit, sich zu besinnen, wir sollten uns das Wort eines deutschen Mannes einprägen:„Diejenige Nation, die in der Zeit höchster Not sich in die Narkose des Alkohols flüchtet, ist zum Untergange reif, aber ein Volk, das, wie Amerika, in der Zeit wachsender Blüte sich von dicser Narkose befreit, geht einer großen Zukunft entgegen. Daraus ergibt sich, was wir zu tun haben.“ F. — Höhere Kohlenpreise. Für Braunkohlenbrüketes hat das Brennstoffamt den Höchstpreis von 12330 Mk. für den Zent⸗ ner festgesetzt. Wir verweisen auf die Bekanntmachung im heutigen — Nutzholz⸗Submisston der Stadt Gießen. Auf die Bekannt⸗ machung im heutigen Blatte, wonach Angebote auf hartes und weiches Nutzholz bis Samstag, 28. Juni einzureichen sind, sei an dieser Stelle hingewiesen. 8 — Der Schweinerotlauf, der in einigen Gehöften Gießens aus⸗ gebrochen war, ist erloschen. g. Heuchelheim. Zwei junge Mädchen, die Geschwister Volk⸗ mann, von hier, traten am Mittwoch Abend mit bewundernswerter die Reise nach Amerika an, um in der neuen Welt ihr Glück Aus diesem Anlasse hatte sich eine große Menschen⸗ menge versammelt, um ihnen zum Abschiede die besten Glück⸗ und Segenswünsche darzubringen und ihnen das letzte Geleit zur Ab⸗ reise zu geben. Bei vielen Anwesenden brach sich der Gedanke Bahn: Ach! wenn man so mitfahren könnte! Den Staub von den Pantoffeln zu schüttteln, und dem lieben deutschen Vaterlande den Rücken zu kehren, in dem es durch die Folgen dieses grauen⸗ und verhängnisvollen Krieges, hervorgerufen durch die Herrschsucht und Habgier einiger Tyrannen, nur solchen Leuten möglich ist, ein menschenwürdiges Dasein zu führen, die mit einer reichgefüllten Brieftasche gesegnet nd. Kleine Nachrichten. Mainz, 9. Juni. Die Mainzer Volkszeitung er⸗ scheint wieder. Durch Entscheidung der Interalltierten Rhein⸗ landkommission ist das übr die sozialdemokratische Mainzer Volks⸗ zeitung verhängte dreimonatige Erscheinungsverbot aufgehoben wor⸗ den. Die Zeitung erscheint ab heute wieder. a Eine Tragikomödie. 25 In einem Abteil des Zuges nach Miltenberg veranlaßten junge Leute einen Kameraden, die Notb remse zu ziehen und hoben ihn zu dem Zweck auf die Schultern. Das war ein teurer Spaß. Denn der Uebeltäter mußte sofort 30 000 Mk. Strafe bezahlen. Als er aber später den Betrag auf seine Kameraden„umlogen, wollte. drückte sich ein jeder und verspotzete ihn sogar noch. Schließlich bildete eine solenne Keilerei den Abschluß diefer Tragikomödie. Eine halbe Milliarde in der Reichsdruckerei gestohlen. Die Reichsdruckerei gibt durch Anschlag in ihren Betrieben bekannt, daß ihr für 500 Millionen Mark 50 000⸗Mark⸗Scheine gestohlen worden sind. Für Wiederherbeischaffung der Scheine oder Namhaftmachung des Diebes oder der Diebe wird eine Belohnung von 1 Million Mark ausgesetzt. Die Scheine waren zum Teil schon mimeriert, zum Teil noch ohne Kontrollnummer. Das ist aber für die Ver⸗ wendbarkeit dieser Diebesbeute leider gleichgültig. Die Kontroll⸗ nummer läßt sich mittels Gummistempels nachtragen, und kein Mensch kann dann ohne weiteres sehen, ob sie echt oder unecht ist. Auch eine Verfallerklärung der schon numerierten Scheine ist nicht möglich. Erfahrungen, die man mit solchem Verfahren bei den Franzosen⸗ räubereien im Ruhrgebiet gemacht hat, beweisen, daß die Diskredi⸗ tie rung einzelner Serien die Verweigerung der Annahme sämtlicher Scheine gleicher Wertstufe und damit eine unheilvolle Ersch verung des Zahlungsverkehrs zur Folge hat. Die Reichsdruckerei hat also die halbe Milliarde als Ver lust zu buchen. 5 Blinder Eifer schadet nur. Dieser Tage landete in Köln ein großer Schiffstransport ausgewiesener Flüchtlinge. Es kam dabei an der Dampferanlegestelle zu bedauerlichen Radauszenen, die wahrscheinlich noch weitere Folgen nach sich ziehen werden. Eine ungeheure Menschenmenge erwartete die Ausgewiesenen. Als der Dampfer anlegte, gaben die erregten Massen ihrer Empörung über die brutale Ausweisungspolitik der Franzosen lauten Ausdvuck, Unter den Passagieren, die an Land gingen, befand sich ein fran⸗ zösischer Offizier in Uniform, der von der Menge, nachdem er die Landungsbrücke verlassen hatte, beschimpft und tätlich angegriffen wurde. Die wenigen anwesenden Polizeibeamten waren gegenüber der Menge völlig machtlos, Der Offizier wurde wiederholt zu Boden geschlagen. Nur mit Mühe konnten Kölner Eisenbahner in Zivil ihn in Sicherheit bringen. Die Wut der Menge richtete sich nunmehr gegen die Eisenbahner. Sie griffen die Beamten und Ar⸗ beiter an, die versucht hatten, den Offizier zu schützen. Ein zweiter französischer Offizter, der durch Zufall in die wütende Menge geriet, wurde ebenfalls angegriffen. Auch er konnte nur mit Mühe 1 besonnenen Beamten und Arbeitern in Sicherheit gebracht werden. 5 Bauhüttentagung. Zu den interessantesten und zweifellos bedeutendsten Tagungen, die im Anschluß an die internationale Woche in Hamburg statt⸗ fanden, gehört die Tagung der Bauhütten, die vom Samstag bis Montag dauerte. Im Mittelpunkt der Tagung der Deutschen Bau⸗ hütte, einberufen vom Verband sozialer Baubetriebe, an der zahl⸗ reiche Vertreter des Reiches, der Länder und Gemeinden teilnahmen, stand ein Referat des Geschäftsführers des Verbandes, Genossen Dr. Wagner, über alte und neue Bauwirtschaft. Der Vortragende betonte, daß die Lösung des großen und schwierigen Problems der dauernd gesicherten Kapitalzufuhr zum Baumarkt für die gesamte Entwicklung des Baugewerbes aus dem handwerklichen Kleinbetrieb zum rationell arbeitenden Großbetrieb von entscheidender Bedeutung sei. Ueber die scheinbar aufsteigende Konjunktur, die das Baugewerbe in den letzten Jahren zeigte, wurde gesagt, daß es sich hier um eine Scheinkonjunktur handle, das Baugewerbe vielmehr Nationalver⸗ mögen verschleudert habe. Die Individualwirtschaft gab dem Bau⸗ markt zum großen Teil völlig überflüssige Bauten, wie luxuriöse Meichserriährungsminsster hat es sertiggebracht, das Brennkontin.] Binen, Pars 7„Kinos, kefls Uberflüssige Bauten der Land wirisd und dergleichen in Auftrag und entzog damit dem produetiden Gü umlauf lebens wichtiges i Daraus wurde gezeigt, daß es nie auf die Beschäftigung des Baugewerbes allein ankommt, sonde darauf, ob eine Million Bauarbeiter 120 910 Arbeiter der bau erzeugenden Industrie für die Erhaltung us Mehrung volkswir schaftlicher Güter arbeiten, ob sie den Lebensraum des deutf Volkes oder ben Lebensraum einiger weniger unprodukttver tätige Konjunkturgewinnler erweitern. Aus dieser Erkenntnis heraus zeig sich, daß der Baumarkt kontrolliert werden muß, und zwar muß da Kapital durch einen„gemeinwirtschaftlichen Filter rinnen“ und z rückgehalten werden von allen privaten Verwendungszwecken, d Luxus und Ueberfluß erhöhen und die Volkskraft vermindern. 7 Kapital müsse dem Baumarkt planmäßig zugeführt und auf Verwendungszweck kontrolliert werden. Es habe der Steigerung Produktion und der Leistungs fähigkeit der Betriebe zu dienen. Kapital des Baumarktes muß durch den Ausbau der abgabe und durch Heranziehung der Goldwerte des Immobiliend sitzes herangeschafft werden. Und zwar schlägt Genosse Wagner vor, den Immobilienbesitz, der sich von seinen Hypothekenschulden befr hat, durch eine dem Goldwert entsprechende 70prozentige Hypothek zu belasten, die nach und nach mit 5 Prozent zu verzinsen ist. Die daraus sich ergebende Summe von 3% Milliarden Goldmark würde ausreichen, um die dritte Schlüsselindustrie volkswirtschafklich nuz⸗ bringend in Gang zu halten. 5 5 9 Neben dem Kapital sei der zweite Grundpfeiler der Bauwirt⸗ schaft die Arbeitskraft. Diese ist von der alten Bauwirtschaft ebenso wie das Kapital geradezu vergeudet worden. Daneben habe Arbeiterschaft mit dem Gespenst der Arbeitslosigkeit im Rücken zu feiner rationellen Ausnutzung ihrer Produktion kommen können. Ferner sei der Rückgang in der Qualität und Quantität der Arbei N leistung darauf zurückzuführen, daß man der Arbeitskraft das 6 bestimmungsrecht am Werkprozeß vorenthalten habe. Es sei min⸗ destens ebenso wichtig, daß den 1 Million Bauarbeitern durch 150 Mitbestimmungsrecht die Arbeitsfreude gesteigert werde, als es 12 5 den 150 000 Unternehmern durch ihre Tätigkeit„im freien Spie der Kräfte“ ich wäre.. Auf dem Gebiete moderner Betriebstechnik muß der Baubetrieb wieder zum vollen Montagebetrieb kommen, wodurch eine rationell Produktion möglich ift. Der Vortragende erinnerte an das amerika⸗ mische Beispiel der Herstellung von genormten ganzen Wandteilen, vermittels deren ein Haus von fünf Arbeitern in einem Tage aufge⸗ stellt werden könnte. Der normalisierte Baustein großen und alle anderen normalisierten Bauteile müssen in rationell arbeiten⸗ den Großbetrieben im Laufe des ganzen Jahres hergestellt g während der Bauzeit nur montiert werden. Dadurch wird das Baugewerbe von unsteter Saisonarbeit zu gleichnäßiger Produktion i Daneben muß die Typisterung fort⸗ f en. N Zum Schluß betonte der Redner, daß, von welcher Seite man die alte Bauwirtschaft auch immer betrachten möge, ihre wirtschaft⸗ liche, soziale, technische, organisatorische und kulturelle Rückständigkeit 1 nur aus einem Punkte zu kurieren, nur mit Hilfe einer dauernd ges sicherten und stetig fließenden gemeinwirtschaftlichen Kapitalquelle zu beheben sei. Die Gemeinwirtschaft im Bauwesen sei noch klein in ihrer Art, aber ihre Art set groß. 5 In der geschlossenen Tagung der Bauhütte hielt Genosse Ellinger ein instruktives Referat über die Bauhüttenorganisa. tion, Genosse Astor sprach über die Finanzkraft der Bauhürtte und Genosse Wagner hielt ein weiteres Referat über die wirtschaftliche Betriebsführung. Alle drei Vorträge, wie die sich daran anschließende Diskussion zeigten den hohen Entwicklungsgrad, den die Bauhütten in weniger als drei Jahren erreicht haben. Techmisch und 2 steckt die Bewegung erst in den Anfängen, wenn auch betont werden. muß, daß in einer Reihe von Ländern durchaus beachtenswerte An⸗ sätze, teilweise sogar ausgebaute Organisationen vorhanden sind. Doch hat Deutschland die Führung in der Bewegung. Der Sitz des inteye nationalen Sekretariats wurde in Deutschland belassen und Genosse Wagner als internationaler Sekretär wiedergewählt. Aus den amtlichen Bekannimachungen. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen uw. Nr. 43 vom 8. Juni enthält: Die Pflegegelder in der Anstalt für Schwach⸗ und Blödsinnige„Alicestift“ bet Darmstadt.— Wahlen zum Kreistag.— Bekämpfung der Schuakenplage.— Desinfek⸗ tionen.— Angebot von Kafseemischung.— Imlandslegitimierung ausländischer Arbe ter.— Erwerbslosenunterstützung.— Di nachrichten.— Feldbereinigungen Langd und Harbach.— Vieh⸗ seuchen.— Gefunden, verloren. Gefunden, verloren. In der Zeit vom 15. bis 31. Mai 1923 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 goldenes Kettenarm⸗ band, mehrere Geldbeträge 1. Brille mit Futteral, 1 Brieftasche mit Inhalt, 1 Kinderspielzeug, 1 Perlenhalskette, 1 Anhängsel, 1 alter Regenschirm. 1 Portmonnaie mit Inhalt, 1 Gürtel von einem Damenkleid. 1 Sporttrikot, 1 Zigarettenetui, 1 che mit Inhalt, 1 Zwicker mit Etun, 1 Eisenbahnmonatsfahrbarte auf den Namen Jakob Schmidt. 1 schwarzer Pelz, 1 Kinderspielball, 1 Sammeltasche mit Inhalt, 1 Blumenkübel niit Zierpflanze, 11 Stangenreiherfedern; verloren: 1 Brieftasche, Inhalt? 100 000 Mark deutsches und 184000 Mark in ausländischem Geld. 1 schwarzes Geldmäppchen mit 200 000 Mark, 1 Damen 0 7 mit Geld und Papieren 1 Geige mit Kasten,? Damenarmband. uhr, 1 goldene Damenarmbandühr mit silbernem Armband. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentag von 8—12% Uhr vormittags und 2½—5 Uhr machmittags beim, Polizeiamt, Zimmer Nr. 3. erfolgen. Mitiert für die Oberhessische Vallazeitung 4 e Fehördlihe Bekanntmachungen Bekanntmachung. Niitzholzsubmission der Stadt Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen und zwar: een Förster Lotz, Wieseck 75„ Brück, Rödgen i 2 II Arft, ForsthausHochwart]herige Besich tigung empfohlen. 0 III Geisel, Gießen soll das nachssehend verzeichnete Nutzholz auf dem Sub⸗ missionsweg in 14 Losen verkauft werd en: Loseverzeichnisse können gegen Voreinsendung von 500 M. von hier bezogen werden. Augebote auf den Festmeter, für jedes Los und innerhalb der Lose für jede Klasse besonders, sind verschlossen mit der Aufschrift„Sub⸗ missionsholzverkauf“ bis spätestens Samstag, den 23. Juni 1923, vorm. 11 Uhr an den Oberbürgermeister der Stadt Gießen einzu⸗ reichen. Eröffnung im Stadthaus Bergstraße, in Ge⸗ genwart etwa erschienener Bieter. Zahlung des Kauf⸗ preises innerhalb 8 Tagen nach Zuschlagserteslung Vor⸗ etwa 5 bis 7 Kilometer entfernt. Giesten, den 7. Inni 1923. der Oberbürgermeister. J. A.: Dr. Rosenberg. sind um rund 35% erhöht Gießen, den 9. Juni 1923. Die Zuschläge für Lieferung bis in den Keller usw. Alles Nähere ist durch Aushang bekannt gemacht. Der Oberbürgermeister(Brennstoffamt). 8 Bekanntmachung. Zuckervorbestellung für Juni 1923. Die Bestellmarken A für Juni 1923 sind bis zun 16. Juni bei denjenigen Geschäften abzugeben, bon Nächste Bahnstation Bekanntmachung. Infolge Erhöhung der Racklöhne werden gemüß Beschluß der städtischen Lebens mitteldeputation folgende Höchstpreise für auf Brotmarken abzugebende Back⸗ waren mit Wirkung vom 11. Juni 1923 festges etzt: welchen der Zucker bezogen werden soll. Die lieferung zu spät eingehender Bestellmarken ist in Frage gestellt. Die Geschäfte haben die Marken zu 100 gebündelt bis zum 18. Juni restlos mit Bestellschein Zimmer Nr. 4 einzureichen. Gießen, den 9. Juni 1923. 1 St. ehen 1 Kl. 3 Fm Brot Mk. 2200.— für 1900 Gramm Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt) „ Fichtenderbstangen 1. u. 2. 287,44„ Brötchen 85.—— 5195 ee* Bekanntmachung. 85 Brotmarken Nr 23 kö 5 bis i 22 5 63„ Eichenbauholz 3.—4.„ 17,2„ Infolge Erhöhung der Zechenpreise und sonstigen ane. 5 ane dee e 75„ Eichenderbstangen 346„ unkosten wird gemäß Beschluß der siädt. Brei schließlich Dienstag, den 12. Juni 1923 zum alten Gestorbene. 8„ Hasubuchenderbstangen 1..—,0„ deputation der Höchstpreis für Braunkoßlenorikettis auf Preis beliefert werden. J. Juni„ 1 Weißtannestamm 3.„= 1,13„Mt. 12 330.— für den Zentner ab Lager des Kohlen⸗ i 5 i 5 e Witch geb. 18 Lurchenstämme 3. u. 5.— 6,0 händlers oder in Fuhren ab Eisenbahnwatzen bis vor] Giezen, den 9. Juni 1928. Jahre alt, Ebelstrabe 20. l 12 Erlenstamme 5, u. 6.„„%„ Idas Haus des Käuferz, festgesetzt. Der Oberbürgermeister(Lebens mittelamt) 5 0 e