recher N IK n I Sfrass Sdlesen TS. 5 Tel. Lupierkiese mplarmaun —— 1 tei bei Etz ma inenf ten ungen bau, esel Ferusprecher 20bd. deffilierten, für jeden nur ermunt 5 haben, daß Sie sich nach berhe Nebaktiun: Gießen Bahnhofsraße 23 Expedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Fernsprecher 2008 vormittag in Gießen. Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden, 0 ian daun ad d er Frau“ und„Land⸗ Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blat Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren Raum lokal g Mk. auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile wirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 3300.— Nek, einschl. Bringerlohn. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. 300.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wied wi„ abe Post bezog. 8800.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120— Mx Druck: Verlag ffenbacher Abendblatt G. 55 H. Offenbach a. M. der Nadal. gewährt Lü Agen Uhr abends. 5 Nr. 106 Gießen, Freitag, den 11. Mai 1923 18. Jahrgang Das Urteil im Krupp⸗Prozeß. 15 Jahre Gefängnis. Das Kriegsgericht hat folgendes Urteil gefällt: Im Falle des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach murde die Schuldfrage wegen Komplotts auf Grund der Verordnung 22 mit Mehrheit, im Falle des Direktors Bruhn ebenfalls mit Mehrheit, im Falle der übrigen Haupt⸗ angeklagten mit Ausnahme des Betriebsratsmitglieds Müller ein stimmig bejaht. Dementsprechend erhielt Krupp von Bohlen 15 Jahre und die anwesenden Direktoren Bruhn 10 Jahre, Hartwig 15 Jahre, Oesterleu 15 Jahre Gefängnis. Die abwesenden Direktoren Bauer, Schaeffer, Cuntz, Schraeppler werden in contumaciam zu je 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Chef der Lehr⸗ lingswerkstätte, Groß, erhielt 10 Jahre, das Betriebs ⸗ rats mitglied Müller 6 Monate Gefängnis. Mit Ausnahme von Groß, der 50 Millionen Mark Geldstrafe er⸗ hält, und Müller, der keine Geldstrafe zu zahlen hat, werden sämtliche übrigen Angeklagten zu 100 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Im Falle der Direktoren Hartwig und Oesterlen ist das Gericht über den Antrag des Militärstaatsanwalts hinausgegangen. Die des Motorrad⸗ diebstahls angeklagten Arbeiter wurden zu je zwei Monaten Gefängnis mit Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Der Verlauf des Prozesses. Bei dem Zeugenverhör zeigte das Gericht eine durchaus einseitige Einstellung. Während der Vor⸗ sitzende noch am Vormittag, als die militärischen Belastungszeugen ernde Handbewegungen achtungsvolle Aufmerksamkeit hatte, wurde er plötzlich unruhig, nervös drängend, als die Entlastungszeugen auftraten, und störte mit Zwischenfragen. Der frühere Schriftführer des Betriebsrats Reinirkens be⸗ richtet über die Art und Weise, wie die Sirenen bei besonderen ee in Funktion gesetzt werden. Der Zeuge erklärt, daß im Falle einer Betriebsbesetzung durch fremde Truppen der Betriebs⸗ rat nach Verständigung der Betriebsleitung die Arbeiterschaft be⸗ fragt und nach deren Entscheidung handelt. Im Anschluß an ein⸗ gelne Fragen der Verteidigung stellt der Vorsitzende die Frage, ob sich denn die Arbeiter durch die Besetzung in ihren Rechten be⸗ droht glauben. Der Zeuge antwortet: g „Das kann gar nicht anders sein.“ Die Aussagen des Zeugen wurden durch die lastungszeugen bestätigt. ö Im Verlaufe der weiteren Sitzung fragte der französische Ver⸗ übrigen Ent⸗ treter der Anklage den Angeklagten, Arbeiter Müller, ob es wahr sei, daß er am Tage der Bestattung der Opfer von Essen in Ge⸗ meinschaft mit einem Gesangverein in Berlin gewesen sei, um in einem Konzert mitzusingen. Müller weist diese Unterstellung nach⸗ drücklich zurück und stellt sest, daß er als Vertreter des Betriebs⸗ rats nach Berlin geschickt war, um über die Ereignisse von Essen Baricht zu erstatten. Das Verhör wandte sich dann weiter der Vereinbarung des Signals zu. Die Direktoren Hartwig und Oesterlein geben auf Befragen Auskunft über die Stellung der Direktoren Kunz und Schwedler. Sie sind stellvertretende Direktoren, bearbeiten aber die Arbeitnehmer⸗Angelegenheiten vollständig selbständig. Jn der Nachmittagssitzung kam gelegentlich der Vernehmung des Bifroangestellten Lange die Frage der Propaganda zur Sprache. Der Vorsitzende richtete an Krupp die Frage, ob nicht direkte Nach⸗ richtenblätter in den Werken angeschlagen seien. Krupp versichert, daß seines Wissens nicht eine Nachricht angeschlagen worden sei, die außerhalb verboten gewesen wäre. Er verneint die Frage, ob er Gelegenheit genommen habe, auf die Art des Zustandkommens dieser Nachrichten Einfluß auszuüben. 5 Als nach kurzer Pause die Verhandlungen wieder beginnen, 0 kommt es zu einem er cegten Auftritt. Krupp wird gefragt nach den Richtlinien, die die Firma Krupp von Berlin erhielt und erklärt, die Firma erhielt keinerlei Nachrichten und besondere Weisungen von Berlin. Vorsitzender:„Ist es wahr, daß Sie, als Sie vor das Gericht gerufen wurden, einer Persönlichkeit in Berlin erklärt Essen begeben würden, um sich mit dem Direktorium solidarisch und verantwortlich zu erklären.“ Krupp der bisher immer in leiser Sprache ausgesagt hat, kämpft mit wachfender Erregung und erklärt in ganz korrektem aber bis zur schneidenden Schärse schwellendem Tone:„Als ich in Berlin ge⸗ fragt wurde, ob ich nach Essen zurückkehren würde, obwohl meine Verhaftung bevorstehe, habe ich gesagt: Ich werde zurückkehren, um für die verhafteten Herren einzutreten und nicht den Eindruck zu erwecken, als ob ich sie für schuldig hielt, oder als ob ich selbst ein schlechtes Gewissen hätte.“ Nachdem noch einige Zeugen in der Motorradangelegenheit verhört wurden, u. a. die Frau des Angeklagten Gerlo, wird der Personalchef der Firma Krupp, Haerlein vernommen, um über die Frage Auskunft zu erteilen, ob bei der Firma ehemalige Schupo⸗ amte eingestellt wurden. Er verneint. Auf Wunsch des Ange⸗ Hagten Müller wird noch ein Arbeiter vernommen, der noch ein⸗ mal Müllers Bemühungen um die Abwendung von Gewalttaten schildert. Damit ist die Zeugenvernehmung zu Ende. Bei Schluß der Sitzung war dle ganze Straße, an der das Gexichtslokal liegt, von einem großen Truppenaufgebot abgesperrt, bis das Auto mit den Gefangenen abgefahren 72 Das deutsche Publikum mußte einen anderen Heimweg wählen. 2 Der— 7 der Anklage bemühte sich in seiner Anklagerede. die persönliche Verantwortung der Direktoren darzutun, es sei un⸗ zweifelhaft, daß das Geheul der Sirenen auf ihren Willen zurück⸗ zuführen sei. Der Betriebsrat war nach seiner Auffassung nur ein Werkzeug der Direktion. Die Verteidigung verfuchte diese Be⸗ gründung zu widerlegen. Die Haltung der Menge sei durchaus friedlich gewesen und ein Verstoß gegen die Verordnungen sei nicht vorgekommen. Ebenso nnüsse bestritten werden die Verantwortung des Betriebsratsmitgliedes Müller. Für das Ziehen der Sirenen könne er nicht verantwortlich gemacht werden. Müller habe ebenso wie alle übrigen an Ort und Stelle anwesenden Betriebsratsmit⸗ glieder immer wieder die Menge zur Ruhe und Besonnenheit er⸗ mahnt. Seine Erwiderung schließt der Anklagevertreter mit den Worten an die Offtziere des Kriegsgerichts:„In wenigen Augen⸗ blicken werden Sie das Urteil fällen. Denken Sie daran, daß es mit den Worten beginnt:„Im Namen des französischen Volkes.“ Sofort erhebt sich Rechtsanwalt Moriaud mit den Worten: „Im Namen des französischen Volkes werden Sie ein Urteil der Gerechtigkeit fällen, denn das französische Volk hat nie geduldet, umd würde es auch in diesem Fall nicht“ertragen, daß in seinem Namen ein Unrecht begangen wird.“ Der Verteidiger erklärt es für eine Lüge, daß Krupp ein Propagandabüro unterhalte, und mahnt die Richter nochmals, Recht zu sprechen ohne Leidenschaft umd Haß, damit das Urteil nicht als ein Akt der Rache erscheine. Roheste Unterdrückung des Rechts. Der Reichspräsident Ebert hat an das Direktorium und den Betriebsrat der Kruppwerke in Essen folgendes Telegramm gerichtet: N 5 „Aufs tiefste empört erhalte ich die Nachricht von dem Machtspruch des französischen Militaris⸗ mus, der den Vorsitzenden des Aufsichtsrats und Mitglieder des Direktoriums wie des Betriebsrates der Kruppwerke zu unerhört schweren Freiheitsstrafen verurteilt hat. Dieser jeder Menschlichkeit Hohn sprechende Gewaltakt wird überall, wo noch Gefühl für Recht und Gerechtigkeit besteht, mit Entrüstung und Verachtung aufgenommen wer⸗ den und in der Geschichte der Völker als eines der häßlichsten Beispiele rohester Unterdrückung des Rechts durch brutale Gewalt weiterleben.“ Ein weiteres Schreckensurteil. Am Montag verhandelte das französische Kriegsgericht in Mainz unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen eine Reihe von Gewerkschaftsführern und Angestellten des Deut⸗ schen Eisenbahnerverbandes sowie über Beamte des Direk⸗ tionsbezirks Mainz, die vor ungefähr einem Vierteljahr ver⸗ haftet wurden, weil sie die Eisenbahner allgemein aufge⸗ fordert haben sollen, nur die Gefetze und Anordnungen der deutschen Regierung zu befolgen. Sämtliche Angeklagte sind seitdem in Haft und wurden vorgeführt. Die Verhandlung war in jedem Falle kurz und schematisch. Es wurden folgende furchtbare Urteile gefällt: Roth, Bezirksleiter des Deut⸗ schen Eisenbahnerverbandes, 10 Jahr Gefängnis, Becker, Kassierer des Deutschen Eisenbahnerverbandes, 6 Monate Gefängnis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Bös wetter, Ortsbeamter des Deutschen Eisenbahner⸗ verbandes, 7 Jahre Gefängnis, Leppert, Sekretär der Beamtenabteilung des Deutschen Eisenbahnerverbandes, 5 Jahre Gefängnis, Weiß, Schreibgehilfe des Deutschen Eisenbahnerverbandes, 4 Monate Ge fäng⸗ nis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Leinweber, Vorsitzender des Betriebsrates in Wiesbaden, 3 Jahre Gefängnis, Nuß, Ortsbeamter des Eisenbahnerverbandes, 8 Jahre Gefängnis, Harzdorf, Eisenbahnbediensteter, 3 Monate Gefängnis, 100 000 Mark Geldstrafe, Engel, Eisenbahnbediensteter, 1 Jahr Gefängnis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Klingler, Vorsitzender des Be⸗ triebsrats Mainz, 6Jahre Gefängnis, Salomon⸗ Schwind, Angestellter des Deutschen Eisenbahnerver⸗ bandes, 4 Jahre Gefängnis, Hummel, Oberbau⸗ rat der Eisenbahndirektion Mainz, 1 Jahre Gefängnis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Hack, Negierungsbaurat der Eisen⸗ bahndirektion Mainz, 8 Jahre Gefängnis, Ersling, Ver⸗ treter der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner, 6 Jahre Gefängnis, Ludwig, Vertreter der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, 6 Jahre Gefängnis, Krimmel, Vertreter der Gewerkschaft der Rangierer, 6 Jahre Gefängnis, Liebke, Vertreter der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, 7 Jahre Gefängnis. Diese Schreckensurteile lösen in den Kreisen der Eisen⸗ bahner größte Erbitterung aus. In Mainz macht sich eine schreckliche Korruption der dortigen Presse bemerkbar. Während unsere Zeitung dort auf lange Zeit verboten ist, gibt es dort Blätter, die sich direkt in den Dienst der französischen Propaganda stellen. Wir werden auf diesen Fall noch ausführlicher zurück⸗ kommen. Politische Uebersicht. f Die Reichs flagge. In den letzten Tagen wurde in den Meldungen über die Um⸗ triebe in Bayern auch mehrfach die Orgamisation Reichsflagge genannt. Ein Freund unseres Blattes sendet uns nun die Kitzinger Zeitung mit einem Bericht, nach dem 23 Ortsg cuppen aus der Umgegend in Kitzingen ein großes Propagandafest ab⸗ hielten. Aus dem Bericht geht einwandfrei der wahre Charakter dleser Organisation hervor, denn so vorsichtig sich auch der Fest⸗ vedner ausgedrückt hat worum es geht ist unschwer zu erkennen. Bei dem Aufmarsch wird mflitärischer Geist und militärische Disziplin und Ordnung gerühmt.„Leider wurde der ausgezeich⸗ nete Eindruck von auswärtigen Gruppen durch Absingen gewisser Lieder, die verletzend wirkten, beeinträchtigt.“ Von diesem„Geist“ lernen wir mehr aus der Rede des Brauereibesitzers Kesselrina kennen. Wir geben daraus folgende 5 Blütenlese: Die Reichsflagge sehe in der Heranbildung, und körperlichen Ertüchtigung der Jugend ihre vornehmste Aufgabe. Sie erstrebe wieder die allgemeine Wehrpflicht als die beste und sozia lste Endschule für ein Volk Die Reichs⸗ flagge sei überpartefisch.... Sie bekämpfe 1 den inter⸗ nationalen Marxismus als undeutsch und lehne den Klassenkampf, wie ihn dieser will ab. Die Reichsflagge sei nicht antisemitisch im Sinne andecer Verbände, aber sie wisse, daß die Draht⸗ zieher der Revolution die Führer der Münchener Räte⸗ wirtschast, die Moskauer kommunistischen Führer Juden waren und find. Bezüglich der Staatsform sei die Reichsflagge zum großen Teil der Auffassung, daß für Deutschland ein gesundes monarchisches System das passendste sei. Die Reichsflagge sei kein reaktionärer, monarchistischer Stoßtrupp. Die Lösung dieser Frage könne man für eine ruhigere Zeit zucückstellen. Be⸗ züglich der Stellung zur Regierung erachte es die Reichsflagge als ihre selbstverständliche Pflicht, eine wirklich nationale Regierung im Reich und in Bayern nach außen und innen zu unterstützen. Man sei sich klar darüber, daß Bayern zurzeit die einzige bürgerliche Regierung besitze. Die Er⸗ fahrung habe aber gelehrt, daß es ganz gut sei wenn hinter der Regierung noch ein Machtfaktor stehe der in weiser, besonnener Abwägung der Verhältnisse ihr den Rücken decke und stärke. So⸗ dann gab Redner in kurzen Zügen die Geschichte der Reichsflagge bekannt und erläuterte bie Gründe, weshalb die Reichsflagge die neuen Farben schwarz⸗rot⸗gold ablehne. Die Reichsflagge sehe in der alten Flagge schwarz⸗weiß⸗ rot das Zeichen, unter dem einst alle deutschen Brüder, die heute unter fremder Zwangsherrschaft stehen, vereint waren. Allen Separationsbe⸗ strebungen werde man einen eisernen Widerstand entgegensetzen, für alle gesunden, föderalistischen Bestrebungen da⸗ gegen, die dazu dienen sollen nach altem guten Bismarckschen Rezept den Stammeseigenarten und der Verschiedenheit der wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse Rechnung zu tragen, sei man zu haben. Die Mitglieder der Reichsflagge seien glühende Anhänger einer wirklich nationalen Einheitsfront, sie lehnen aber eine künstliche Einheitsfront, die bezwecke gewissen Führern Schutz zu gewähren und ihnen Posten zu sichern, ab. Eine Vor⸗ aussetzung für eine große Einheitsfront sei die Aufhebung der Gesetze zum Schutze der Republik, mittels deren man bie nationale Bewegung ihrer Führer zu berauben suche. Redner geißelte dann in scharfen Worten die Morde, Schändungen, Mißhandlungen und Räubereien, welche die Franzosen im Ruhr⸗ gebiete an einem wehrlosen Volke begehen.(Und in München? Die Red.) Gegen die Bedrücker im Westen und Osten werde aber die Stunde der Vergeltung schlagen. Auch diese Frage werde noch ihre Lösung finden. Zu den äußeren Feinden kämen auch noch die inneren. An unseren Grenzen in Thüringen und in Sachsen herrsche heute schon der verschleierte Bolsche⸗ wismus. Die Antwort auf die Bedrückungen von außen auf die Provokationen aus dem Norden und auf das mehr oder minder laute Verlangen gewisser Kreise im eigenen Vaterlande solle aus unserem Frankenlande die sein: Nun erst recht hinein in Massen in die vaterländischen Verbände zum Schutze unseres Vaterlandes nach innen, zum Trutz nach außen! Wir meinen, daß angesichts unserer heutigen Lage die Reichs⸗ regierung allen Anlaß hätte sich von derartigen unverantwortlichen „Politikern“ die außenpolitischen Schwierigkeiten nicht noch ver⸗ größern zu lassen. Daß be dem Ernst der Zeit für die allge⸗ meine Wehrpflicht, für die Monarchle, für die einstige Vergeltung Propaganda gemacht wird ist nicht geeignet, die Lage an Rhein und Ruhr zu erleichtern. Ueberall wird vor Spionen gewarnt und hier bietet man diesen Spionen ein Material, daß man bei⸗ nahe meinen könnte. es stecke einer dieser Zeit⸗ und Volksgenossen dahinter. Dazu aing die ganze Feier vor Vertretern staatlicher und städtischer Behörden vor sich, wie mit Stolz verkündet wird. Haben die sich nicht wenigstens dagegen verwahrt? Auch in Bayern müßte man doch sopiel Takt besitzen den Bedrückern von außen nicht noch Helfersdienste zu leisten. 2 Weitere Untergrabung der Stützungsaktion. Um die Verschleuderung deutscher Waren an das Ausland zu be⸗ kämpfen, ist die Ausfuhrkontrolle und Ausfuhrabgabe eingeführt worden. Unter der Herrschaft des Reichswirtschaftsministers Dr. Becker befindet sie sich in vollem Abbau. Als das Inlandpreisniveau sich den Weltmarktpreisen stark genähert hatte, konnte eine gewisse Berechtigung auf einen teilweisen Abbau der Ausfuhrabgabe nicht ab⸗ gestritten werden. Jetzt aber hat sich die Situation entscheidend ge⸗ ändert. Durch den Sturz der Mark um die Hälfte ihres Wertes sind die Weltmarktpreise fast auf allen Gebieten wesentlich höher als die Inlandspreise. Bei der Ausfuhr von Waren werden also Riesen⸗ gewinne gemacht. Die Ausfuhrabgabe ist deshalb sehr erträglich. Mit dem Abbau der Ausfuhrabgabe vollzieht sich auch der Ab⸗ bau der Ausfuhrkontrolle und die Schaffung einer Ausfuhrfreiliste. Das bedeutet, daß deutsche Waren völlig ungehindert und unkontrol⸗ liert ins Ausland verkauft werden können. Das Reich bekommt dann weder Ausfuh vabgaben noch den. Anteil aus den eingehenden Devisen. ische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 0 den es bisher erhalten hat. In einem Augenblick also, wo die Reichsbank zu Stützungszwecken eine verstärkte Devisenablieferung notwendig hat, wird diese Devisenablieferung verhindert. Immer größere Beträge des Reichsbankgoldes miissen also auf den Markt ge⸗ bracht werden und fließen in die Taschen von Spekulanten des Han⸗ dels und der Industrie, die sie aufspeichert. Eine derartige Unter⸗ grabung der Stützungsaktion ruft die schärfsten Bedenken hervor.— Wir verlangen vom Reichsfimanzminister, der dem Parlament für die Stültzungsaktion verantwortlich ist, daß er hier sosort eingreift. Deutscher Reichstag. . Berlin, 8. Mai. „Der Reichstag verlängerte am Dienstag auf einen Antrag der Deutschen Volkspartei die Geltungsdauer des Notgesetzeg bis dum 31. Oktober 1923. Die Sozialdemokrathe glaubte, nur eine Verlängerung bis zum 31. Juli 1923 verantworten zu können. Nach der Erledigung des Haushalts für die Ausführung des Friedensvertrages wurde die dritte Beratung des Gesetzes zum der Versammlungen vorgenommen. Der omale Abg. Warmuth bemithte sich nachzuweisen, daß die der neue Paragraph infolge der Obstruktion i durch das Nachgeben der übrigen bürgerlichen Parteien erhalten hat. viel zu milde sei. Abg Levi(Soz.)) versuchte den bürgerlichen Parteien noch einmal klar zu machen. daß dieser Paragraph nur eine einseitige Schädigung der Arbeiterklasse bedeuten werde und unsere Fraktion werde deshalb gegen die Vorlage stimmen. 3(Komm.) W 5 e im 1 Landtag zur Aussprache zu bringen jedoch ging niemand auf diese Angrisse ein. Im ganzen hob sich seine Rede sehr vorteilhaft von den Manieren seiner Parteifreunde im Landtag ab. Der bürger⸗ liche Kompromißantrag wurde gegen die Stimmen der Linken an⸗ genommen. In der sechsten Stunde kam es dann zur Beratung des Finanzetats. Fü die ialdemokratie sprach Genosse Henke. Nach einer scharfen Seits bes Zusammenbruchs der Stützungsaktion und einer überaus treffenden Kennzeichnung der verfehlten Finanzpolitik gab er eine drastische Schilderung des sich fortdauernd vermehrenden Steuevunrechts, Besonbere Aufmerksamkeit erregten die Angaben . über das gewaltige Zurückgehen des Ertrages aus der örperschaftssteuer. Die Körperschaftssteuer, die noch im Vorfahre ein Achtzehntel der Einkommensteuer gebracht hatte, hat im letzten Jahre nur noch ein Achtundachtgügstel gebracht. Ihr Anteil an dem Steueraufkommen ist zurückgegangen von 1,8 Proz. auf 0,4 Prozent. Die Steuerdrückebergerei der kapltalkräftigsten Sachzwertbesitzer zeige sich dadurch in hellstem Lichte. Gestützt auf diese Unterlagen war es dem Genossen Henke überaus leicht, die Notwendigkeit der folgenden Entschllleßung, die von der Sozial⸗ 0 atie eingebracht worden ist, nachzuweisen: „Die Reichs regierung wird ersucht dem Reichstage bis zum 5. Juni 1923 einen Gesetzentwurf vorzulegen, duech den die Kosten des Reiches, die durch den Einbruch Frankreichs und Belgiens in das Ruhrgebiet entstanden sind, durch eine Be⸗ lastung der hohen Einkommen und Vermögen gedeckt werden. Das Einkommen das vorwiegend aus Arbeit oder aus sestver⸗ 5 e Wertpapieren. Hupotheken usw. besteht, ist hierbeg freizulassen. Dagegen ist von den für Körperschaften bei der n geltenden Vergünstigungen Abstand zu en. 0 „Nach der Rede Henkes wurde die Weiterberatung auf Mitt⸗ t. Man darf gespannt sein ob die bürgerlichen Parteien Mut werden diese Entschließung abzulehnen Geschieht das, en ste 8 1 15 L daß 1 Geldbeutel r ste. 8 die eressen des Reiche 5 die Unversehrtheit seines 1 5 4 Hessischer Landtag. . Darmstadt, 8. Mai. Präsident Adelung eröffnete die Sitzung 994 Uhr. Auf eine kleine Anfrage des Alg. Jo sst(Bbd.), ob der Regierung bekannt sei, daß es im Kreise Lauterbach wegen der Ablieferung bezw. Preisfestsetzung für Eier zu blutigen Schlägereien kam, erwidert Prästdent Uebel, die Regierung habe zurzeit keine Handhabe zur c enen für Eier. Sosort nach Kenntuls der Anfrage habe sich die Regierung, der die Zwischenfälle nicht bekannt waren, mit dem Kreisamt Lauterbach in Verbindung gesetzt. 1 ⁰·¹¹— Zum ersten Mal. Nach der Erklärung Baldwins im englischen Unter⸗ hause ist zu erwarten, daß die Note der englischen Regierung wahrscheinlich schon Mittwoch vormittag der deutschen Bot⸗ schaft in London oder dem englischen Botschafter in Berlin zur Weitergabe an das Auswärtige Amt übermittelt wird. Nachdem Baldwin die Verstimmung der englischen Re⸗ gierung über das gesonderte Vorgehen Poincarés bei Be⸗ antwortung des deutschen Angebots im Unterhause zum Ausdruck gebracht hat, dürfte sich die Note ausschließlich mit vorsichtig präzisierten Mahnungen an die deutsche Reichs⸗ regierung befassen und den Herren Cuno und Rosenberg zu erkennen geben, daß es höchste Zeit ist, endlich aus ihren eigenen Fehlern zu lernen. Daß die englische Stimmung einer Lösung des Ruhrkonfliktes gerade im Augenblick nicht ungünstig gegenübersteht, ergibt sich schon daraus, daß das Unterhaus einmütig auf die Besprechung der Re⸗ gierungserklärung verzichtete. Dieser Erklärung kommt ins⸗ besondere schon insofern eine besondere Bedeutung zu, als zum ersten Mal eine alliierte Regierung, die Deutsch⸗ land einen Rat erteilt hat, die moralische Verpflichtung für diesen Schritt vor der Welt und ihren Bundesgenossen auf sich nahm. Auch noch während der Zeit Lloyd Georges kamen von England gute Ratschläge, für deren Durch⸗ führung sich das alte Kabinett jedoch nie eingesetzt hat, wenn die übrigen Alliierten eine Ablehnung forderten und wenn eine Selbstverleugnung dann im Interesse der Regierung Lloyd Georges lag. Der voraussichtliche Inhalt der englischen Antwort. 5 Hierzu meldet die Telunion aus Paris: Einer Londoner Mel⸗ dung des Petit Parisien zufolge glaubt man den Inhalt der eng⸗ lischen Antwortnote an Deutschland bereits voraussehen zu können. Die Note werde kurz gehalten sein und zunächst feststellen, daß die deutschen Vorschläge nicht als Grundlage. einer befriedigenden Lö⸗ sung des Reparationsproblems aufgefaßt werden können. In die⸗ sem Punkte werde die englische Antwort die Uebereinstimmung der englischenRegierung mit Frankreich und Belgien bekräftigen. Sie werde aber außerdem die Erklärung enthalten, daß die deutsche Re⸗ gierung, um zu einer befriedigenden Ordnung der schwebenden Fra⸗ gen zu kommen, die Pflicht hätte, ein neues Angebot zu machen, das einen ernsthaften Fortschritt gegenüber dem jetzigen Angebot darstellen müßte. Genauere Winke darüber werde die englische Note jedoch nicht enthalten. Derselben Quelle zufolge herrsche in England die Ansicht, daß die letzte deutsche Note von der Rede Lord Curzons angeregt worden sei, die dieser nach der R seinem letzten Erholungsurlaub hielt, und daß es deshalb lischen Standpunkt aus wünschenswert lic wenn Deut Angebot mache, das zu Verhandlungen führen könnte. glaubt das Petit Parssten melden zu können, daß Engla Italien nicht eine gemeinsame Antwort absenden werden, daß jedes der beiden Länder für sich antworten werde. Die Kammerdebatten in Paris Die französische Kammer nahm Mittwoch nachmittag ih, gen wieder auf, Sie erlebte gleich zu Beginn eine Zua Zwischenfälle. die Poincaré veranlaßten, die Red ertribün steigen. Zunächst ergriff der aus der Haft entiassene komm Abgeordnete Cachin, der von seinen Parteigenossen, aber aach 9 den Sozialisten, mit stürmischem Beifall begrüf. das Wort. Nach kurzer Geschäftsordnunge debatte, pra N Poineare. Er betonte, daß die Kammer mindestens brel legenheit haben werde, über die äußere Politik der Regierm handeln, nämlich arläßlich der Debatte über die Ruhrkredise, ersetzbaren Ausgaben sowie über das Budgetzwölftel. schloß Poincars seine Ausführungen, werde ich der Kammer können, daß ich dem, was die belgische und die französische Deutschland mitgeteilt haben, nichts hinzuzufügen habe. E geordnete der äußersten Linken wädersprachen Poincaré und mer beschloß daraufhin, über die Frage der Interpellationen handeln. Der Präsident der Kammer verlas darauf die eing achte Interpellationen, unter denen sich einige auf die Ruhrfrage sße und deren Gelamtzahl sich auf 15 beläuft. Poincaré intepenier noch einmal und bat die Kammer, die Besprechungen der lationen auf den Freitag dieser Woche zu verlegen und dann Reihenfolge festzusetzen. Er fügte hinzu, daß eine Debatte f auswärtige Politik im gegenwärtigen Augenblick unstatthaft 9 daß er entschlossen sei, sie nicht hinzunchmen. Ueber die O könne er nichts sagen, solange in Lausanne verhandelt 1 ebenso sei es ihm unmöglich, über die Ruhrfrage und die R nen augenblickbich zu mtworten. Der Sprecher der Komzun widersprach und erklärte, daß die Ruhrbesetzung von den meien üffen Abgeordnete der bü deutschen Sozialisten zur Aufstellung eines programms noch nicht abgeschlossen seien, auf der soforti kussion der Interpellationen zu bestehen. ö Gewisse Stellen in Deutschland gehen darauf urs, dur ders frisierte Meldungen, die auswärtige Lage für Deutschlg lichst günstig darzustellen und nicht immer ist es möglich, dies sogleich zu durchschanen. 8 A Es wird sodann die Einzelberatung des Staatsvorauschlages bei Kap. 11(Wohnungsbauabgabe) fortgesetzt. Abg. Ebner(Komm.) lehnt das Kapitel ab, da die Woh⸗ mungsbauabgabe allein das Proletariat belaste. Die Regierung habe kein Verständnis für die Wohnungsnot. Abg. Kindt(Dut.) hält den richtigen Weg zur Bekämpfung der Wohnungsnot durch Heranlocken der privaten Unternehmer zur Bautätigkeit. Die Häuser müssen wieder rentabler werden. Der staatliche und kommunale Apparat sei viel zu umständlich. So wurde in Darmstadt die gange Wohnungs⸗ abgabe durch den Verwaltungsapparat verschlungen. Abg. Hof f⸗ mann ⸗Seligenstadt(Ztr.) beleuchtet die Schwierigkesten der Wohnungsämter. Die Regierung solle beim Reich dahin wirken, 1 1 8 der Nutzungswert zur Wohnungsabgabe maßgebend sein mu Nach kurzen Ausführungen von Minister Raab und Abg. Anthes(Soz.) wird das Kapitel genehmigt. Ohne Debatte werden die Kap. 12 bis 15 angenommen, ebenso Kap. 16 Mehrgufwand für Beamtenbezüge und Nachträge. Hierzu wird die Regierungsvorlage Landesfarben⸗ und Flaggen ange⸗ nommen. Zum Kapitel Staatspräsident bespricht Abg. Dr. Werner(Dnt.) seinen Antrag betr. Vereinfachung der Staats⸗ verwaltung und betont, daß die Vorlage betr. das Minister⸗ pensionsgesetz noch nicht eingebracht sei. Eine Herab setzu N oralen 12 70 auf 50, Revision der Wahlgesetze, n Bi pee usw. müßten unbedingt Ersparnisse bringe Abg. Dr. Osann tritt für besondere Fürsorge der ans dem besetzten Gebiete Vertriebenen ein und verlangt die Streichung d Stelle des Direktor des Presseamtes. 0 Nach der Pause folgt die Abstimmung über Kap. 7 La theater. Der Antrag Abg. Dingelden(D. Vp.), d waltungskommission durch je einen Landtags⸗Fraktionsyft zu ergänzen, um eine gleichmäßige Berücksichtigung alle und künstlerischen Richtungen und eine soziale Anstellungsfragen usw. zu gewährleisten, der Linken angenommen. Ebenso der Antrag Hat (Ztr.) eine der 3 Stimmen, die dem Staat in der 2 waltungskommission zuftehen, dem Mintsterium des übertragen. Abgelehnt wurde der Antrag Kaul, dem Landesamt für das Bildungswesen zu unterstellen. Kapitel wird genehmigt. 5— In Fortsetzung der Debatte über das Kapitel Staatem 1 sprach dann f Staatspräsident Ulrich, der zunächst die Stelle des Direktors des Presserats vertel die Angriffe des Abg. Werner parierte, Die Regierung s dem Standpunkt, daß in Bezug auf das Verhältnis zum Reith sie Rechte Hessens jederzeit gewahrt habe. Er werde nie seine ustim⸗ . ersum Der Deserteur. ö Roman von Robert Buchanan. „Marcelle, schläfst Du?“ „Bist Du es, Onkel?“ ertönte eine Stimme von oben. „Nein; ich bin's, Gildas. Liegst Du schon?“ „Ja! Was gibt es?“ 5 „O, nichts!“ entgegnete Gildas, der sich schämte, seine Jurgt einzugestehen.„Ich bin nur besorgt, daß Mutter mit ö 93 den Buben noch nicht zu Hause ist. Onkel ist ihnen entgegen⸗ gegangen; es regnet in Strömen.“ „Mutter wird vor Mitternacht nicht aus der Kirche gehen, sie kann also noch nicht da sein. Gute Nacht, Gildas, ich bin schläfrig!“ „Gute Nacht!“ gab der Held von Dresden kleinlaut zurück.„Laß Deine Türe offen, Marcelle, vielleicht habe ich Dir noch etwas zu sagen.“ „Sie ist offen!“ Gildas kehrte zum lodernden Kaminfeuer zurück, aber kaum saß er einige Minuten, als abermals das dumpfe un⸗ terirdische Geräusch ertönte und das Häuschen in allen Fugen zitterte. Mit einem Satz war Gildas an der Treppe. „Marcelle, hast Du das gehört?“ „Das Geräusch?“ Ja, es ist der Wind, laß mich schlafen!“ »Es ist der Teufel!“ brummte Gildas und ärgerte sich über Marcelles Ruhe, die schlafen konnte, während er vor Angst fast verging. Er trat noch einmal vor die Türe hinaus und starrte ins Dunkel, der Regen schlug ihm ins Gesicht, vom Wind keine Spur, er konnte deutlich das Murmeln des Meeres hören. Doch was war das? Sein Herz stockte und das Blut gerann in seinen Adern. Das war kein Meeresrauschen. Aus der Richtung der Kirche brauste und gurgelte es, als ob das Meer dort oben am Hügel läge. Bevor er seine Sinne recht sammeln konnte, klangen entfernte menschliche Hülfe⸗ rufe an sein Ohr und die Sturmglocke läutete. Vom Strande her eilten dunkle Gestalten die Dorfstraße entlang, er rief sie an, aber sie antworteten nicht. Er lauschte mit atemloser Spannung; kein Zweifel: die Kirchenglocken läuteten Sturm, etwas Ungewöhnliches mußte geschehen sein— aber was? Jetzt eilten einige Gestalten an ihm vorüber, er fragte, was denn los sei und bekam die entsette Antwort:„Rette sich, wer kann!“ Seiner Sinne kaum mächtig, überlegen, den Leuten nach. Es hatte seit Wochen fast ununterbrochen geregnet, die Bäche und Flüsse des Festlandes waren angeschwollen und überfluteten die Taler und Wiesen. Alle Elemente ver⸗ einigten sich zu einem Monstrekonzert und gaben das Zeichen zu einem ungeheueren Sturm. Das Meer erhob sich und überschwemmte den ziemlich hoch gelegenen Strand, der Fluß stieg bedenklich in seinem Bett und, was das schlimmste war, von den Bergen stürzten wahre Wildbäche ins Tal; dabei regnete es fortwährend wie mit Scheffeln. Kromlaix, das an der Mündung eines engen Tales dicht am Meer lag, schwebte stets in der doppelten Gefahr, von den Bergwassern sowohl wie vom Meere überschwemmt zu wer⸗ den; seltsamerweise war es aber seit vielen Generationen von diesem Uebel verschont geblieben. So lange, daß die ältesten Leute im Dorfe von der letzten großen Ueberschwemmung nur vom Hörensagen wußten. Der Herbst 1813 sollte jedoch dem Fischerdörfchen verhängnisvoll werden. Seit vielen Jahren hatte es kein so anhaltendes Regenwetter gegeben, keine so heftigen Herbststürme wie in diesem. Der unter⸗ irdische Fluß mahnte allnächtlich zur Vorsicht, so zwar, daß die Erde häufig unter seinem Warnungsschrei erzitterte; die Springflut stieg höher als es seit einem Jahrzehnt ihre Ge⸗ wohnheit gewesen— kurz, es gab der Zeichen viele, welche die kommende Gefahr verkündeten, aber die Leute ließen sie unbeachtet. In der Nacht der Toten, da die Erde, die Luft und das Meer von den Seelen der Gestorbenen, die ihr Heim auf⸗ suchen wollten wimmelte, da alle Kirchen die Küste entlang mit Andächtigen überfüllt waren, erhoben sich die Wasser und forderten ihre Opfer. Durch das enge Tal über dem Dorfe stürzte die rasende, tobende Flut wie ein Gießbach her⸗ unter. Bäume entwurzelnd, Hausdächer und Felsstücke mit sich reißend. Rascher als ein Mensch auf dem flinkesten Roß galoppieren oder der geübteste Matrose auf dem besten Schiff segeln kann, rollte die Flut heran, auf dem ganzen Wege Tod und Verderben bringend und zu immer stärkerer Macht anschwellend. Als sie die einsamen Sümpfe von Ker Léon erreichte, stockte sie eine volle Stunde, als ob sie sich in die lockere Erde verlieren wollte, wie der Fluß, der seinen Lauf lief er, ohne lange zu hier beendet. Von den umliegenden Bergen stüraten aber l neue Fluten hinzu, so daß auch die Sümpfe überflose damit war das Schicksal von Kromlaix besiegelt. 5 Während dieses kurzen Stillstandes in den Sin bestieg ein beherzter Landmann von 5 sein ungesatteltes Pferd und jagte nach Kromlaix hinüb um die Nachbarn vor der Gefahr zu warnen. Es schlihe Regen durchnäßt, blaß wie der Tod, stürzte er in die und brachte die Botschaft von der nahenden Gefahr, Glück waren noch die meisten Bewohner des Dorfes N Messe. 11 „Laßt sofort die Sturmglocke läuten,“ befahl der bi Vater Rolland. Es geschah auch sofort. 1 In diesem Augenblick trat der Korporal, ebenfals pur näßt und übler Laune, in die Kirche und fand Schwägerin und ihre beiden Söhne bereit, den Hen anzutreten. Er hieß sie einen Augenblick warten und he sich einen Weg durch die jammernde und verzweifelte! zu dem Landmann:„Vielleicht ist die Gefahr doch ni arg wie es den Anschein hat? Die Sümpfe von Ker Le sind groß und tief!“ Aber noch ehe der Mann antworten konnte, brlll durch das Tal herabstürzende Flut die Antwort. „Rette sich, wer kann, auf den Hügel hinauf!“ ff Pfarrer.. f Wehklagend, schluchzend und fluchend stürzte zur Kirche hinaus und den Hügel hinauf. Es Strömen, aber niemand beachtete es. Einige beson mutige Leute führten das Kommando, die übrige wie eine Schafherde. Der alte Korporal half seiner b allgemeinen Panik ergriffenen Schwägerin und stühe vom Schreck fast Gelähmte. Da erklang ganz in ihrer ü eine Stimme:„Mutter! Onkel Ewen!“ „Das ist Gildas und allein!“ schrie Frau De „Allmaächtiger Got, wo ist Mareelle?“ bal „Sie schläft zu Hause,“ entgegnete Gildas. 10 ist denn los? Seid Ihr denn alle toll geworden?“ „Die Flut ist da! Die Flut ist da!“ klang es ji Hunderten von Kehlen verzweiflungsvoll und löschten rasende Gewässer bereits die Kerzen in def aus und die Flut stürzte sich mit gieriger Hast auf da dem Verderben geweihte Kromlaix. ö ISAurflchuna. aLoA l * 3 8 8. 5 5„ 1 3 8 55 8 f zu einem Gesetz geben, daß der Unterdrückung irgend einer] Jamtar 1922 eine Verfügung in dieser Richtung an alle Schulen Nachdem der Leiter des Landesamts für das Bildungs wesen tigen Richtung diene. Aber das Gesetz zum Schutze der Republik] ergangen war, konne dies nicht stimmen. Direktor Schnell mußte] mals Kläger diesem Vergleich seine Zustimmung gegeben hatte, 175 605 1 5 gegen solche Richtungen, die mit Gewalt Bestehendes] denn auch schlteßlich zugeben, daß er die Verfügung zwar be⸗ wurde das Verfahren eingestellt. inde. Auf die Lage der Ausgewiesenen hinleitend gedachte] kommen, aber unbenutzt in den Schrank gelegt habe. Er erklärte Erwähnenswert ist daß Direktor Schnell gegen seine nach der er deren Leid und versscherte sie der restlosen Unterstützung mummehr, er habe nicht gewußt, daß sich Mitglieder der Jugend⸗] Untersuchung verfläate Versetzung nach Offenbach Einspruch erhob (der Re ee 1 0 en die] gemeinschaft unter seinen Schitlern befunden hätten. und 5 faust en Fim 17 5— Diese 1 5 ihm 4 gegenwärtig weitab vom eien, die Opfer der Leute an Rhein Der Zeuge betont, Prof, Michel habe vor der Untersuchun da er sie mit dem Hinweis begründete, er habe zwar Mühe ge⸗ aud Ruhr vor Augen zu führen. Die Ausgewiesene müßzen aufge⸗ nichts angezeigt und keinerlei Untersuchungsmaterkal ee 5 geben, sich der republikanischen Staatssorm anzupassen. sebe aber den wie es sich gezieme. Er stehe auf dem Stidpunkt, halte ihn durch aus nicht für einen Denunzianten. Eine gewisse nunmehr ein, daß ihm dies nicht in der wünschenswerten Weise ge⸗ 9059 11 55 Vertretung seiner Anschauungen sei ibm aller- lingen werde. 5 ngs aufgefallen. Nachdem der Eutscheid des Landesamtes in dieser Sache, der si i die Versetzung des Direktors Schnell nach Offenbach a. M. verfügte, Beschlaguahme der O berhessi chen Volks ze itung. 5 ergangen, aber gleichwohl an der Schule noch keine Beruhigung Am Dienstag vormittag erschien die Kriminalpolizei eingetreten war, hielten der Zeuge und Ministerialrat Dörrfeld, im Auftrage der Staatsanwaltschaft Gießen in unserer nommen wer daß die Aus weisungen so schnell noch nicht aufhören. Bei der Sieger⸗ zwut der Franzosen, von deren sozusagen fast sadistischen Wut, erwarte er das 1 Mit der Unterbringung der Ausgewiesenen habe man 2 hrungen gemacht. Dann dankte der Staatspräsident den en der Etsenbahnerflüchtlingsstelle in Darmstadt und den Eisen⸗ un in Darmstadt selbst für die gezeigte große Opferwilligkeit und e Tätigkeit. Für die Ausgewiesenen freier Berufe, deren[der Referent über die Scule, am 10. November eine Lehrerrats⸗ j b 5 bezri Seden zum Teil gar nicht restlos ersetzt werden könnten, werde sitzung in Gießen ab: sie legten dem gesamten Kollegnun an Hand er die 95 vorhandenen Exemplare der Nr. 80 ae a alles getan werden und wenn es, zu Verpandleugen kommen werde der Akten eingehend dar, daß man Professor Michel gang unbe⸗ unseres Blattes zu beschlagnahmen und Haussuchung nach lens N miisse, und dazu komme es sicher, dann werde dafür gesorgt wer⸗ rechtigterweise im Verdacht habe. Ein großer Teil der Herren dem Manufkript des Artikels„Wochenschau“ in jener ede den müssen, daß die Ausgewielenen wieder in ihrer Heimat an der erklärte auch, daß sie jetzt anderer Ansicht sezen, Trotz dieser Auf⸗ Nummer abzuhalten. Natürlich sind keine Manufkripte da, J lebenden Ak. diese werden bei uns jeder nach derttastelunng jeder Nummer . 00. W 1 5 5 Staats e 28900 1 g„ ö ini 6 5 ame klärte Staats prästdent Ir ch, daß es auch heute noch sein Bestreben Zeuge Ministerialrat Dörrseld der Referent für die Ober. W 0 9 5 i 8 ee e 1 Wzössche den sei, zu sparen. Das Presseamt aber sei heute notwendiger denn ie. realschule in Gießen, bestätigt, der Verlauf der Untersuchung habe aren noch vorhanden. Wir dermögen is jetz noch ni be 5 Seine e 105 e. daß der Verdacht gegen Prof. Michel unbegründet ge⸗ anzugeben, weshalb e eee erfolgt und ein Ver lere f 2 r.) erklärt für seine Fraktion, en sei. ren gegen uns eingeleitet ist. 5 d e e eee de wat 0 uf die et e des se rs, ohne sich aber für die Zukunft sestzulegen. es Zeugen ürstadt, soweit sie seine Person betrefsen, Schon in n Tas Kantel wird genehmngt Müirag Dr. Ilan ab galeynt. einer Reihe früßerer Fälle habe er gegen das Verhalten des Drei Mark Geldstrafe! 0 Kapitel. ö Direktors Schnell Verwahrung eingelegt, o N des⸗ N 95 meate i apitel Staatsvorlagssonds bean Dr. rektors Schnell hrung eingelegt, ohne indes beim Landes. f 5 Reiber(Dem.) den Ausbau der Nr e amt Veschwerde zu führen, Vor längerer eit bereits sei er Vor einiger Zeit— in Nr. 47 vom 26. Februar— brachten und dan Abg. Dr. Olann beantragt, sobald es die politicchen Verhälmisse ge-] enerqsch dagegen aufgetreten, daß ein Spottbild des Reschs⸗ wir eine Mitteilung über einen Vorfall, der sich im Cafs Amend 1 2 ssatten, die Darmstädter Zeitung in ein Amtsverksündigungsblatt 11 präsidenten Ebert in einer Klasse aufgehängt worden sei. Einen zugetragen hatte Gin junger Mann war ins Gesicht geschlagen 1 u n. Nach kurzer Debatte werden beide Anträge abgelehnt Schliler, der das Abzeichen der Deutschen Jugendgemeinschaft trug, worden, weil er bei dem Singen des Deutschlandliedes nicht auf⸗ 7 umd das Kapitel genehmigt.. 9 ele hn gag 1 ice Nager c andere u 20 10 n ge 20 19 0. 75 Dienstaa 2 5 Sache ein gerichtsliches e ke 85 Schli 1 ö 8 4 S 5 8 e iheren Kaisers m hwarz⸗weiß⸗roten Schleifen in der sachspiel. rüber wird ung berichtet;. handelt z b 1 Uhr 10 Min.; nächste Sitzung: Mittwoch 9 Uhr. Schule erschienen, habe er ohne weiteres bestraft. Strengste Eines Tages spielte die Kapelle m hiesigen Café Amend das und die d ö. 85 Strafe habe er auch für den 18jährigen Schüler H. gefordert, der Lied„Deutschland Deutschland über Alles“, Das ublikum hörte de aun N Gießen und Um ebun in den Tagen des Mordes an Rathenau am Schluß eines Auf⸗ das Spiel teilweise mitsingend stehend an, bloß der Kaufmann P. n den m 1 ö 9 G. atzes von den„schmählichen Novemberhelden“ gesprochen habe, blieb sitzen, offenbar in der rie tigen Annahme, daß die Zeitver⸗ te der Fun 1—ů die man„mit Fußtritten verjagen“ werde. Verwahrung habe er hältnisse gerade leine Veranlassung zu dem Lied gäben, vielleicht m die ohn 5 N il ferner dagegen eingelegt, daß Direktor Schnell einen Schnähartikel uch, weil er daran Anftoß nahm, daß das durchaus demokratische om 1 9 uhrhilfe. auf Dr. Strecker, der an die Adresse des Lehrerkollegtume„ sandt Lied, in dem unter anderen Einigkest und Recht und Frei⸗ zu beute An das Gewerkschaftskärtell Gießen gingen weiter ein: nh war, ans schwarze Brett des Lehrerzimmers habe heften 165 1. werden, 1 7 1 N ER 1 50 31095 80 wollen. gerade Leute es am lautesten en, die im Ern n 10 ö. 10 Schaeffstaedt.. Vorsitzender: Hatten Sie all dies Material im Ge⸗ und Freiheit wenig wissen wollen, wenigstens von Freiheit für oe, 11. Sag wöeß ce lsdorf 23 600.— dächtnis, oder hatten Sie es notiert und gesammelt;? andere Personen als sie 1 5. 1 en Giebene Sahref 1000 Zeuge: Ich habe niemals Matertal gesammelt. Der Kaufmann Otto Göbel nahm daran Austuß, daß P. sich ö RR Elf G erkschastsa tellt 63 600— Vorsitzende; Hatten Sie auch niemals den Entschluß ge⸗ nicht erhob, ging auf ihn au und forderte ihn in barscher Weise amen Neat Den Geb beste 0 1 kelder 16 0.— faßt, Material zu sammeln? auf, sich ebenfalls zu echeben. P lehnte das ab und erklärte es der sofopgg n Gebern besten Dank. Sammelgelder können auch auf das Zeuge: Nein. Ich entsinne mich, daß behauptet wurde, ich sei das ganz seine Soche er könne das machen wie er wolle. Darauf 3 Aa e 12220 64 422 Frankfurt a. M., Otto Ottilie, Gießen, 4 1 9 wech e e Wee e Ain und Wen 3 51 a 1 e„* 1 , du. ogar bei meiner Vernehmung* en gierungskommissar okal eine schallende rfeige die so sest gewesen fein 5 Gewerkschaftskartell Gießen und Umgegend. benutzt. Das ist eine völlig unbegründete 85 lächerliche Ve⸗ soll, daß P. nach feinen Angaben vorübergehen Schaden am Gehör 7 8 b Der 8 betont, die Rede des Direktors Schnellll bei de Dienst 2 fei i 985 10 e e N„ 22 2 8 r Zeuge betont, die Rede de re ell! e* enstag verurteilte das Schöffengericht Gießen unter r⸗ Verhältnisse an der Gießener Oberrealschule. Gedenkfeier für Rathenau habe ihn in große Erregung versetzt, da itz des Herrn, Amtsgerichtsdirektors Schmahl den Angeklagten zu Ueber den Ausgang des Beleidigungsprozesses gegen den Re⸗ Perser 1 A e 7 70 9 1 5 3 5 8 von— drei Mark! Ob es bei diesem Urteil bleibt, 8 9 b igsprog. ersö e athena erhaupt zu würdigen. ie t allerdings noch fragl dakteur Bü chner der Hess. Landeszeitung in Darmstadt haben] schweren Gefahren für die Republik, die der Mord heraufbeschwor, f 17 Wes 0906õ0 7 5 15 2— wir kurz berichtet. Der Anklage lagen eine Reihe von Vorfällen. 0 0 4 6. Fahre n 5e ee 115 en vue ten küsßung worigen e ee e Ausbau des Schlosses Lichtenberg zur Der Hessishe Volksfreund brachte ee Wohnungsbeschaffeung. it de 13 nene Feen, ö Vorfitzender: Sie weisen also den Vorwurf bewußt... mit dem beenden des Direktors Dr. Schnell dieser Anstalt bes] denunziatorischer Handlung zurück? Durch die zahlreichen, sich stetig noch mehrenden Aus⸗ Walder dee ue e Gedenkrede anläßlich des Zeuge bejaht entschleden. weisungen ist die Wohnungsnot im Lande besonders in der e en ene Iin w gen e eb er bz gen de 8, kn eier unde den dg Siege Ed r erscen dahne d Gebietes, auf das höchste gestiegen. Es Schulgeb kuds mit Absicht unterlassen habe. Eine össentliche Ver⸗ ae e e Aue zu fordern. Haben Sie versuch, Gee Ein. erscheint daher dringend geboten, weitere Unterkunftsmög⸗ er Gießen hatte sich mit diesen Dingen beschästigt, und gabe zu hintertreiben? lichkeiten für Vertriebene zu schaffen. Aber auch bei Ruhe⸗ 8 805 7 ere ee en sowie eine Ein⸗ Jeu ge: Ich habe lediglich einen Schiller, der mir Über diese] standsversetzungen wird es unter diesen Verhältnissen über⸗ traf e des Republikanischen Lehrerbundes hatten beim Landesamt Sache falsche Angaben machte, zur Rede gestellt. 548 f 5 der Dient ce ee nkersuchung diefer Fälle gederdert den emen Tell der Lehrer⸗ Zeuge Reg.⸗Nat Henrich, der als Regierungskommissar aus schwierig werden, die Räumung det ienstwohnungen bes Ing 125 der Oberrealschule wurde die Auffassung laut, der dort tätige[die Untersuchung führte, gibt an, die Dinge, die hierbei zur Sprache herbeizuführen, da die abgehenden Beamten keine Wohnung tonslehrer und Schulbibliothekar Professor Michel habe die S f inden kö Um Stb d Hemmungen des Dienst⸗ Kaul, daf 8. N i f kamen, waren vom Standpunkt des Repüblikaners aus schwer zu finden können. Um rungen und Hemmung en e den Vorgehen gegeben. Obwohl im Lause der verantworten, Ich hatte den Eindruck, daß es Prosessor Michel betriebes zu vermeiden müßte auch hier Vorsorge getroffen Antersuchung, die das Landesamt für das Bildungswesen hierauf lediglich un die Sache zu tun war, wenn auch mir eine ewiffe l 5 5 W ene Linleitelk, wiederholt zum Ausdruck kam, daß Prof. Michel keines. Schrofsheit in seinem Auftreten auffiel. 9 und jede Möglichkeit zur Beschaffung von Wohnungen be⸗ l wegs als kreibendes Element in dieser Angelegenheit in Frage Zeuge Direktor Dr. Schnell: In den ersten Jahren un⸗ nutzt werden. Eine solche Möglichkeit bietet sich, worauf Fkiomme, griff die Helsische Landeszeitung im November und De⸗ serer Zusammenarbeit von 1914 bis 1017, ist es kaum Ju Zwistig⸗ das Ministerium der Finanzen in einer Regierungsnote danber 115 Sache wieder 1 5 und 1 e als einen eiten zwischen Professor Michel und mir gekommen. Bann aber hinweist, in dem Schlosse Lichtenberg, wo in dem unaus⸗ ratz bertel,„feigen 2 enunzianten⸗ Wegen, eser Artikel reichte das Landes⸗ fühlte ich mich dauernd in oft nichtigen Sachen von ihm schikaniert. ebauten Ostflügel und im Dachgeschoß des Mittelbaus nach een amt für das Bildungswesen als oberste Schulbehörde Strafantrag] Meist stand bei dergrtigen Zwistigkeiten der größte Te der Kol⸗ 9 8 9 5 i 5 6 an ic, eig, dem stattgegeben wurde. Prof. Michel schloß sich als Nebene legen bimer mur. Awffallend itt bie große Zahl ber Konfkikte, in den vorliegenden Plänen elf Familienwohnungen mit je ente fin kläger an. die Professor Michel auch mit anderen Leuten geriet. Er war nach, 3 bis 4 Zimmern eingerichtet werden können. Die Kosten Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr Langenbach Ver⸗ der Revolution Vorsitzender der Demokratischen Partei, schied aber werden— nach der Grundfläche der herzustellenden Räume e bers 1 5957 1910 een e e eisel. 1 8 e nach verhältnismäßig kurzer Zeit aus. Sein Stadtverordneten berechnet— rund 370 Millionen Mark betragen. Bei als⸗ N 2 7 6 j i i 0 22 8 25 7 kläger stehen die Rechtsanwälte Dr. nzheimer rankfur mandat legte er jedoch nicht nieder. Vielfach kam zum Ausdruck, baldiger Inangriffnahme der Herstellungsarbeiten würden gelt. und Dr. Aron⸗Gießen zur Seite. daß mit ihm schwer auszukommen sei. Schon im Jahre 1919 1 19 9 95 5 9 29 5 in den Als erster Zeuge wird Minssterialdirektor Urstadt, ver, migldehak cad Kollege mit den Worten:„Michel sißt in der die Wohnungen teilweise bis zum Sommer, samtlich jeden. on ber women. Er sagt aus: Die Angelegenheit kam durch einen Artikel Bibliothek und sammelt Material gegen Ste!“ Der Zeuge geht falls bis zum Herbst d. J., beziehbar werden. des Hessischen Volksfreund in Fluß, der sich kritisch mit der Rede dann auf die verschtedenen von dem Zeugen Prosessor Michel vor⸗ In Anbetracht der Dringlichkeit der Wohnungsbe⸗ omlag, des Direktors Schnell zum Morde Rathenaus befaßte und darauf gebrachten, Einzelfälle ein. Die Verfilgung, daß eine Gedenkfeler. 4 1 n. Es t hinwies, daß 90 Jag des Schulgebäudes unterlassen worden für Rathenau zu halten sei, kam erst am Vorabend des festgesetzten schaffung ersucht das Ministerium den Finanzausschuß, seine erreicht. war. Am 30. Junt erging dam beim Landesamt für das Bil⸗ Tages um 8 Uhr in meine Hand. Von Rathenau wußte ich nicht Zustimmung zu dem Ausbau des Schlosses Lichtenberg nach ne dungswesen ein Schreiben des Gewerkschaftskartells Gießen ein, mehr, als was ich in der Tages seitung gelesen hatte. Eine ein⸗ den vorgelegten Plänen zu erteilen und dafür besorgt zu e er in das dieselben Dinge rügte und außerdem auf die anttrepublikanische] gehende Würdigung seiner Persönlichkeit war mir daher nicht mög: sein, daß in dem Ausschußbericht die nachträgliche Ein⸗ en Gefiht, 5 Faltung und Tätigkeit der Studienräte Dr. Lenz von der Oberreal⸗ lich. Das Flaggen des Schulgebäudes war nicht möglich, da das stellung des erforderlichen Betrages in den Vermögensteil 3 schule und Blank vom Gymnasium hinwies. Der Zeuge, der die] Faßnenseil zerrisfen war. Auch hier bestreite ich jeden bösen 5 98 a Counage in Gießen zu ge pflegt, begab sich darauf am] Willen. Der Zeuge Henrich äußerte anläßlich der Untersuchung des Voranschlags 1923 und seine Bewilligung durch den 0 1. Juli in die Oberrealschule und ordnete an, daß das Konzept der mir gegenüber bei einer Unterredung, es liege gegen mich nicht Landtag beantragt wird. ell bre Rede des Direktors sowie eine„Simplielfsimus“⸗Narikatur, die an viel Wesentliches vor; Professor Michel aber habe kelnen günstigen f der Schule ausgehängt hatte, zur Untersuchung an das Landesant Eindruck auf ihn(Henrich) gemacht. Der Zeuge gibt zu, daß er e. 5 Gena de een 25 75 Juli e e beim Landesamt ein einem Schiller erklärt gabe, innerhalb der Sckule dürfe er das Abe Die Beleidigungsklage Dr. Lenz⸗Vekters kam am Diens⸗ 10. en Lehrerbundes in Gießen zusammen zeichen der Deutschen Jugendgemeinschaft nicht tragen, außerhalb tag nachmittag vor der Gießener Strafkammer als Be⸗ und 1 mit einer Eingabe ein, die in sieben Punkten Aenderungen im der Schule sei es ihm freigestellt. rufungsinstanz zur Verhandlung. Von dem Vertreter des it, den Schulwesen verlangte. Dieses Schreiben lieferte kein neues Vorsitzender: Halten Sie Ihre Auffassung, daß der Klägers, der vorher ebenfalls Berufung eingelegt 5 harten ib and dich ondern. inline ane die e e 7 15 ee Michel zu denunziatorischen Handlungen neigr, später aber zurückgezogen hatte, wurde die Verwerfung der 1 i tlichkeit bekannt gewordenen. 9 0 ergweifclt! fande an 12 Sher wenbsle in Gießen im Interesse der Schule Zeuge(zögernd): Ich muß auch heute noch daran glauben. Berufung beantragt, während vom Angeklagten, der fahr do swowohl wie der angeschuldigten Personen untersucht würden. Am Zeuge Studienrat Kraus, ber zunächst dem Republtkanischen] wiederum. von Rechtsanwalt Dr. Aaron verteidigt wurde, fe von ö 22. Juli erließ das Landesamt eine Verfügung, durch die münd⸗ 5 angehörte, dann 1 ausschbed, hatte den Eindruck, Freisprechung beantragt und besonders gegen die Höhe der liche Vernehmungen in Gießen angeordnet wurden. Diese fanden ß Professor Michel der Spiritus rector des Vorgehens gegen pom Schöffengericht erkannten Strafe Einspruch erhoben 2 5 4 statt. Einige Tage äter erschien Prof.] Direktor Schnell war. 6 r 9 rhok sonnte, 10 Miel dt und dat uu Wb well ihn wegen seiner Zeuge Studienrat Zilch hat es Professor Michel besonders wurde.— Das Urteil wird am Dienstag, 15. Mai, ver⸗ n ein Teil des Lehrerkollegiums an⸗ übel genommen, daß er erklärte, iber den Fall des Schlilers 5, kündet. 11 1 Schnell schwer beledigt habe. Dies der in seinem Auffatz von den„schmählichen Novemberhelden“ 1 1 gegrsssen und weil ihn Direktor Schnell sch J'nach der srach, werde man nicht den Mantel der christlichen Liebe breiten Was tun mit der Unfallrente? Diese Frage muß man AUntersuchun. e einer Aeußerung, die Prof. dürfen.— Die Zeugen Prosessor Weißgerber und Prosessor aufwerfen, wenn man einen Artikel liest, den die Frkft. Ztg. stürzle 100 Michel An telbar nach dem Mord an Rathenau einem Kollegen Hüther nehmen Prosessor Michel gegen den Vorwurf denun⸗ bringt: Wieder einmal etwas vom Bureaukratis⸗ ö ii de in Zukunft jeden Kollegen, der ihm ziatorischer Neigung enschieden in Schutz. 3 5 5 5 f uf 00. die Niepublil herabsege, 18 Augeige bringen, weil er blerauf wird das Zeugenverhör abgebrochen. Nach, beinahe mus! Ein Arbeiter soll an Stelle selner bisherigen Unfall. 195 bes dag für feine Pflicht als republikanischer Veamter halte, gatte man 1ostündiger Verhandlung kommt auf Vorschlag des Gerichts fol⸗ rente nach den Grundsätzen der Bekanntmachung des 0 übrige ihn offenbar in Verdacht, daß er die ganze Sache ins Werk gesetzt gender Vergleich zustande.. 5 Bundesrats vom 21. Dezember 1912 eine einmalige ff eie 1 habe, und 24 von 25 Kollegen übergaben dem Direltor einen An⸗] 1. Der Angeklagte, Schriftleiter Büchner, erklärt: Ich habe Napitalabfindung von 403 Mark(„vierhundertdrei 0 trag, Prof. Michel deshalb die Verwaltung der Bibliothek zu ent⸗ mich auf Grund eingehender Beweisaufnahme überzeugt, daß der] Mark“ erhalt Das Versicherungsamt cht n b ziehen Der Zeuge wies sosort darauf hin, daß ein solches Nor, im gen e e amt ersucht nun. so 10. 0 gehen ein Eingriff in ein schwebendes Verfahren ses, und verstigte,] 4., 6, und 7. Dezember gegen den Nebenlläger erhobene Vorwurf teilt uns ein Leser mit, die Ortsbehörde unter Bezugnahme daß Michel vorläufig die Bibliothek behalte. Auch diese Sache der Denunziation nicht aufrecht erhalten werden kann, und nehme auf 8 616 der R.⸗V. O. um Aeußerung,„oh gegen eine „ Faß werde untersucht, benso die Beleidigung durch den Direktor, über ihn deshalb mit Bedauern zurück. 2 Kapitalabfindung an Name) Bedenken entgegenstehen, ins Fan die sich Prof. Michel beschwert hatte. Gegeniiber Direktor Schnell, 2. Die Kosten, einschließlich der dem Nebenkläger durch die besondere ob et befürchten ist, daß G ter di 0 der darin eine Parteinahme gegen sich erblickte, betonte der Zeuge, Zugziehung des Herrn R.-⸗A. Dr. Aron⸗Gießen entstandenen not⸗ 3 11 524 ee a benannter m (cb. daß diese Verfügung keine Entscheidung, sondern eine vorläufige, wendigen Auslagen und der durch die direkte Zeugenladung ent⸗ Summe durch Trunk, leichtsinnigen Lebenswandel oder i vorbeugende Maßregel sei. Diese blageles eien 1991 1 5 5 1 7 5 e e e r 5. sonst unwirtschaftlich in kurzer Zeit verbrauchen und daß ii suchung in Gießen, die am 29. Augu att⸗ 3. 0 wlr eingeräumt, binnen Mo⸗ 5 11 12 0 1 e be ee ee e e dee Pe e a n e len n H ur bes alen konnte, mes fall cher dien der 1 i zri r Deutschen Jugend⸗ des, 5 er in Inseratfsorm 8 W l. er habe nicht gewußt, daß die Angehörigkeit zur Deutschen Jug 9 9 Jul a Anfrage? Ein Schreibfräulein muß einen ganzen Quart⸗ une 0 1 de gemeinschaft für die Schüler verboten set. Da aber am 20. veröffentlichen. 6 kögen von oben Bis unker Fekippen? 100 Mark Porlo hinz 100 Mark zurück; vorher schon Anfrage und Verhandlung mit dem betreffenden Arbeiter, der sein Einverständnis mit der Abfindung erklären mußte.— und wer weiß, was noch alles sein mußte. Alles um 403 Mark! Und in welche Ge⸗ wissenskonflikte stürzt man den gewissenhaften Gemeinde⸗ vorsteher! Soll der arme Mann berichten: die Gefahr be⸗ stehe nicht, daß die 403 Mark in kurzer Zeit durch Trunk oder leichtsinnigen Lebenswandel vertan werden könnten? Oder soll er berichten: der Arbeiter könne doch vielleicht in seiner Freude über die erhaltene Abfindung schwanken in der Wahl zwischen einer Zigarre oder einem Glas Bier— und die ganze Summe könne dann in zwei Minuten weg sein? Der Gemeindevorsteher möchte dem Arbeiter nicht schaden, es ist ja möglich, daß dem Aermsten die Kapitalabfindung im zweiten Falle vorent⸗ halten würde. Wer kann einen Rat geben? — Oeffentliche Bücherhalle. Im April wurden 1520 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 947, Zeit⸗ schriften 161, Jugendschriften 142, Literaturgeschichte 10, Gedichte und Dramen 18, Länder⸗ und Völkerkunde 52, Kulturgeschichte 9, Geschichte und Biographien 59, Kunstgeschichte 10, Naturwissen⸗ schaft und Technologie 57, Heer⸗- und Seewesen 2, Haus- und Land⸗ wirtschaft 7, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 14, Staatswissenschaft 4, Sprachwissenschaft 9, Fremdsprachliches 16 Bände.— Die Bilcherhalle ist jetzt wieder an drei Abenden wöchent⸗ lich geöffnet: Mittwochs, Freitags und Samstags. Eine Warnung! Bei der jetzigen Zeitungsteuerung dürfte ein Urteil der Duisburger Strafkammer beachtet werden, daß einem Angeklagten wegen fortgesetzten Diebstahls von Zeitungen mit einer Woche Gefängnis bestrafte. In dem Hause, in dem der An⸗ geklagte wohnte, verschwanden seit längerer Zeit Zeitungen. Eine Frau beobachtete, daß der Angeklagte aus dem Briefkasten einer Nebenwohnung die Zeitung nahm und in seine Tasche steckte. Das Schöffengericht sah die Tat als Diebstahl an und die Berufungs⸗ kammer bestätigte das Urteil. Dieses Urteil dürfte auch in Gießen Beachtung finden. e Londorf. Die Maifeier unseres Unterbezirks, die am 1 Mai in Allendorf a. Eda. abgehalten wurde, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Um 3 Uhr bewegte sich eim Umzug durch den Ort. der am Gasthaus von Bergen endete, wo Genosse Moosdorf⸗ Gießen tweffliche Worte an die Ver⸗ sammmelten richtete. Er wies auf die Volks⸗ und Kulturfeindlich⸗ leit des Militarismus hin, der im Ruhrgebiet dafür die er⸗ schreckendsten Beispiele liefere. Seine Ausführungen fanden leb⸗ hasten Beifall. Aus allen Orten waren die Parteifreunde herbei⸗ deeilt, um die Maifeser auch in diesem Jahre gemeinsam zu be⸗ gehen Außer den Ortsvereinen unseres Bezirks fand sich auch unser Bruderverein in Treis ein, sowie der dortsge Arbeiter⸗ gesangverein„Hoffnung“ und die Freie Turnerschaft. Der ge⸗ mammnte Gesangvereim trug verschiedene Freiheitschöre vor, welche zur Verschönerung der Maifeier beitrugen. An diser Stelle sei allen Bereinem und Genossen herzlich gedankt, die zum Gelingen sumseerr Maiseier beigetragen haben. Zu unserer Maifeier in der Rabenau werden wir noch einge interessante Sachen von der Gegenseite bringen. — Villingen. Am Montag vor acht Tagen hatte der Ver⸗ waltungsgerichtshof über eine Beschwerde gegen den iesigen Schulverwalter Gustav Herrmann zu verhandeln. Es sollte entschieden werden, inwieweit sich H. gegenüber einem etwa 9 Jahre alten Schüler eine Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse habe zuschulden kommen lassen. Der Schüler wurde wegen völliger Teilnahmslosigkeit und dauernder Unaufmerksamkeit, die sich trotz wiederholter Mahnungen nicht besserten, von dem Lehrer in energi⸗ scher Weise gezüchtigt. Die Züchtigung ging bis zur Grenze des väterlichen Züchtigungsrechtes, hat diese nach Ansicht des Gerichts⸗ hofes aber nicht überschritten. H. wurde daher für nicht⸗ schuldig erkannt. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß der Schitler wiederholt der Teilnahme an Diebstählen verdächtigt ist ein guter Mensch und wurde. Dem beschuldigten ehrer wurde wefker zugute gehalten, daß er sich vier Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft befand und daß er während dieser Zeit wiederholt ganz besondere Mar⸗ tern zu bestehen hatte. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 8. Mai. Massenausweisungen. Die Massenausweisungen haben seit Sonntag wieder ihren Anfang ge⸗ nommen. Aus dem benachbarten Griesheim wurden nicht weniger als 11 Gemeindebeamte und Lehrer vertrieben. Vom Bahnhof Goldstrein wurde das gesamte Eisenbahnpersonal ausgewiesen. Heute trafen hier ganze Scharen vertriebener Beamten, Lehrer und Privatleute ein, die hauptsächlich in Wiesbaden ihren Wohnsitz 5 1 In allen Fällen müssen die Familien binnen vier Tagen folgen. Frankfurt a. M., 8. Mai. Millionendiebstähle. Aus einer Kammfabrik stahlen Einbrecher in der letzten Nacht 124 Dutzend„Herkuleskämme“.— Aus einem Schuhgeschäft in der Mainzer Landstraße holten Einbrecher für mehr als sechs Mil⸗ lionen Mark Schuhe weg. Frankfurt a. M., 8. Mai. Die Dollarkrankheit. Im Laufe der letzten Jahre hat der 47jährige Oberpostschaffner Friedrich Zeller eine große Zahl Auslandsbriefe unterschlagen und beraubt. In erster Linie entnahm er Briefen aus Amerika die Dollarnoten und wechsel sie, wenn der Dollar hochstand, in Wechselstuben um. Bei dem Dollarjäger fand man noch 124 Briefe vor. Eine feine Nu f dieser Oberpostschaffner. Frankfurt a. M., 8. Mai. Die Franzosen beschlag⸗ nahmen Fahrräder. Ungeachtet aller Warnungen begaben sich am letzten Samstag und Sonntag zahlreiche Ausflügler mit ihren Rädern in den besetzten Teil des Stadtwaldes und fielen am Bahn⸗ hof Goldstein swamzösischen Streifen in die Hände. Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, wurden 30 Fahrräder beschlagnahmt. Auf irgend eine Weise erhielten die Franzosen von den Warnungen, die Eisenbahner den Radfahrern zukommen ließen, Kenntnis, worauf sie schon am Sonntag abend den in der Nähe des Bahnhofs Goldstein befindlichen Schrankenwärterposten kurzerhand aushoben und die Wärterbude schlossen.— Da auch gestern von anderen Orten gleiche Meldungen kamen, liegt systematische Schikane der Franzosen vor. Schwere Bootsunglücksfälle. Ein außerordentlich schweres Un⸗ glück ereignete sich infolge des Unwetters auf dem Wol ziger See bei Königswusterhausen, der fast in jedem Jahr seine Opfer fordert. Mitglieder eines Berliner Ruderklubs, drei Herren und drei Frauen, hatten mit einem Klubboot einen Ausflug unternommen. Das Boot wurde von einer außerordentlich stawken Boe erfaßt und mit Wasser gefüllt. Das Boot wurde umgeschlagen, so daß die sechs Insassen untersanken und sofort ertranken. Es ging alles so schnell, daß es micht möglich war, Hilfe zu bringen.— Auch auf dem Müggelsee ereignete sich ein Bootsungllück, wobei zwei Herren und zwei Damen ins Wasser stürzten. Drei Personen konnten gerettet werden, die vierte, eine junge Frau, ertrank. Diebesfang mittels internationalem Funkspruch. 15 Den Dieben wird das Leben durch die moderne Technik und s internationale Handinhandarbeiten der Kriminalbehörden von Tag zu Tag schwerer gemacht wie der folgende Fall bewoist. Der Vizedirektor einer auswärtigen Krankenkasse, Dr. Czesznick und sein Kassterer Moritz Odemski, waren ihrer Kasse nach Ver⸗ untveuung von etwa 100 Millionen Mark Kassengeldern durch⸗ gebrannt. Die Defraudanten hatten sich zunächst nach Berlin ge⸗ wandt, und hier als valutastarke Ausländer ein flottes Leben ge⸗ führt. Als ein Polizeibeamter und ein Privatdedektiv ihre Spur sanden, waren sie gerade nach Hamburg abgereist. Dort wohnten sie in der Maske armer Leute auf der„Gafsermacherei“ in einem obskuren Privathotel in der Nähe des Hafaus wo site sich auch falsche Paplere verschafften. Auf diese erhielten sie ührkarten nach Argentinsen und traten als arme Schlucker mit einem argentinischen Dampfer die Aus veise an. Durch Funkspruch wurde die Kriminalpolizei in Lissabon verständigt, und so gelang es, die beiden Passagtere die unter dem Namen Johannes Rübel und Otto Gehl fuhren, festzunehmen als der Dampfer in Lissabon an⸗ WT e alles Gelb wurde noch 4 Durch ein Großfeuer wuhe die Pacha der Firma! l Rüdesheim a. gh, vollständig eingefschert. Der Schaden ffir ve deutend. Mehrere der Brandstiftung verdächtige Personen konnten bereits festgenommen werden. 7 Lokale Parteinachrichten. Werte Parteigenossen! 0 5 Am Sonntag, den 13. Mai, nachmittags 2 Uhr Ferse n dem Lokale zum Schwanen in Mainzlar eine Unterbezirf s kon⸗ ferenz für die Orte Lollar, R fenberg Naubrin⸗ gen, Mainzlar und Treis statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Die politische Lage, Ref. Parteisekretär Heuser. 3. Verschiede es. Pflicht eines jeden Ortsvereins ist es, 115 zahlreichen Besch besorgt lehke. schl sei Mit Parteigruß ö „u gg lar, 6. Mai 23. 6 Die Unterbezirksleitung. Rol 7 1— — Sport * Herborn— Gießen 1:7(1:5). Am Sonntag fand auf dem Sportplatze am Güte rbah ein Gesellschaftsspiel zwischen Herborn 2. und Gießen 2. Mannschsft statt. Das Spiel war um 2 Uhr angesetzt, mußte infolge Zugverf 0 Stunde später beginnen. Herborn trat mit 10 Mann an, Gießen 2 Ersatzleute einstellen mußte. Um 3.10 Uhr gab der richter den Ball frei. Herborn hat Anstoß und ziehen im Tempo vor Gießens Tor, aber die Verteidigung klärt sicher. Nun leg Gießen los, kombiniert schön, der Linksaußen flankt und schon kann in der 7. Minute das erste Tor für seine Farbe buchen ist Gießen überraschend in der 10. und 14. Minute erf Herborn nicht entmutigt, gibt alles aus sich heraus und ve Durchbrüche, was ihnen auch bald gelungen. Gießens Verüß war zu weit aufgerückt und Herborns Durchbruch war gan es konnte das erste Tor erzielen. Herborn legt los, aber e fängt das Leder ab und zieht vor Herborn Tor. 5 bis zur Pause noch 2 Mal einsenden, während Herborn micht gegensetzen konnte. Nach der Pause ein ganz anderes Bild. sich alles in Herborns Spielhälfte ab umd die kleinen Sgtlinge lagern das Tor. Gießen kann noch zweimal einsenden, konnte nur das Ehrentor erzielen. Als der Schiedsrichter du. abpfiff, stand es 1:7 für Gießen. Gießen war die technisch Mannschaft und hat verdient gewonnen. Herborn spielte 0 streut und konnte auch deshalb nichts erreichen. Schseds richten k gefallen, er mußte mur etwas schärfer eingreifen. Mit einen tigen„Frei Heil“ trennten sich die Mannschaften.. Am 5. Mai weilte die Ringermannschaft des Kraft, Sportklubs in Gießen, bestehend aus den Mitgliedern kens, Heck, Hartmann, O. Leucht und Miiller zum Städteringi Kassel. Im großen Saale des Arbeiterbildungsheims krce die Mannschaften von H.⸗Miinden, Erfurt, Kassel und Giese a kampf kommt am 29. Juli auf der Liebigshöhe zun Aust man kann gespannt sein, ob Gießen wieder Sieger bleibt. Kraft erhielt den 1. Preis im Stemmen, J. Leucht den 2. im ingen und 4. im Stemmen, Scheppers den 3. im Ringen. Dollarstand Mittwoch Mittag 12 Uhr: ca. 38000 Mark. Versammlungskalender. Heuchelheim. Arbeitergesang ver ein. Sonntag, den 13. Mai, abends 7% Uhr: Singstunde. Anschließend außererdent⸗ liche Generalversammlung. Erscheinen aller aktiven und zassiven, Mitglieder erforderlich. ö 1 in dagd-, A Frauen-Feldstiefel und Halbschuhe un velseiiger ausvabl Besonders schwere Knaben- und Mädchenstiefel Hausschuhe, Sandalen, Turnschuhe in jeder Ausführung f Spezialhaus für Arbeiter- und Berufsschuhwerk Franz Neumeier, Giessen Sonnenstr. 20 . 8. mit und ohne Doppelsohle 145 1 t à rbeiter- und Touristenstiefel Sonntagsstiefel und Halbschuhe a neren a. beben ddeat Kinderstiefel in schwarz, braun und weiss Fernruf 1212 e Atsware Bthördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Auf die durch Aushang erfolgte Bekanntmachung, die Festsetzung des Schulgeldes fär die Höhere und Erwelterte Mädchenschule betreffend, wird hier⸗ mit hingewiesen. Gießen, den 7. Mai 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. n Gestorbene. „Mar Georg Krätzner, Händler. 19 Jabre f HAUSRAIT Gemeinnützige Möbelversorgung für das Bhein-, Main- und Lahngebiet, G. m. b. H. Giessen, Lindenplatz 1 Möbel auf Teilzahlung! * 18 7 alt, Lahnstraße. Beerdigung: 11. Mai, 3 Uhr nachm. . 7. Mai. Ludwi ieli 8 eafabt 50 g Frieling, 3 Monate alt, 8. Mai. Philipp Horeyseck, Schneidermeister, 78 Jahre alt, In Löbers Hf 5 5 Beerdigung: 11. Mai, 2 Uhr a 5 7 nachm. 288 Partei-Literatur IBuchhandlg. Oberhess. Volksztg. empfiehlt „Serviss mere sich ein sedeg eL die Schuh- erhst das ledef Dem Heri dug Cx AG. Gecin · Lchegb erg Zuverlässiges Mädchen in kleinen Haus hil ges Vorzustellen 2—3 68 Uhr nachmittags. 52 Frau N. Schock, gließen, Ales Han und ile, Iller bey. zahlt die höchsten Preise Zufall Wolken gasse. Goethestrahe Leipziger Fellzentrule Krü m Frankfurt a. M., Börneplatz 3 4 benötigt zur Ausführung eines großen Auftrages dringend 5 Zle kel Felle sowie Marder, Iltis, Maulwurf, Füchse/ Hanin, asen, Ziegen usw. und zahlt die höchsten Tagespreist Händler und Jäger Vorzugspreise. 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