ebdaktion: Sießen Gahubofftraße 23 srnsprehet 2008. berhes Organ für die Interessen der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. des werktätigen Volle kitung Expedition: Gießer Bahnhofstraße 23 Ferusptecher 2008. bie Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. er Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Aral und 1 5 Virtschaftliche Beilage 8 0 monatlich 2000.— Mek einschl. Bringerlohn. 9 urch die Post bezog. 3000.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120. Mk, Vergntwortlicher Redakteur J. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., 1 Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenyreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mt. auswärts 80— Mt, die Reklamemillimeterzeile 800.— Mk. Ber größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 58 Gießen, Samstag, den 10. März 1923 18. Jahrgang Die illegale Organisation. Die sozialdemokratische Presse hat seit Monaten immer wieder auf die große Gefahr hingewiesen, die der Republik aus den zahlreichen mehr oder weniger weiterexistierenden trechtsradikalen Organisationen erwächst. In der Reichs- tagsdebatte vom 22. Februar hat nunmehr der Reichswehr⸗ minister selbst zugegeben, daß diese Organisationen gerade iim gegenwärtigen Moment eine ungeheure große Gefahr bedeuten. In einer Zusammenfassung des durch diese Debatte und durch die Behandlung in der Presse bekannt. gewordenen Materials betont Die Glocke. daß aus allem Deutlich hervorgeht, wie sehr Deutschland sich trotz aller War⸗ mungen schon an Kräfte ausgeliefert habe, die außerhalb einer Einflußzone stehen und die der Demokratie und der Republik fremd und feindlich gegenüberstehen. In dem „Warnung an die Republik“ überschriebenen Aufsatz heißt es: Wer alle diese offiziösen und nichtöffiziösen Berichte und Er⸗ klärungen zu lesen versteht, der muß erschrecken über das Bild, das sich ergibt. Man sollte denken, Gesetze würden er dassen, um durchgeführt zu werden. Die Selbstschutzverbände und Zeitfreiwilligenorganisaßionen find durch die Reichs⸗ egierung aufgelöst worden. Daß sie trotzdem weiterbe⸗ standen, ist schon ein Zeichen bedauerlicher Schwäche der Staatsgewalt. Daß es aber möglich ist, daß einzelne Regie⸗ sungsstellen solch illegalen Organisationen nicht nur dulden, 1 zondern sogar unterstützen, ist eine Ungeheuerlichkeit. Da⸗ urch wird es möglich, daß ein Spiel hinter den Kulissen untsteht, bei dem die verbotenen Verbände eine Regierungs⸗ gelle gegen die andere ausspielen. Aber es ist falsch, immer von der Orgesch zu reden. Die Organisation Escherisch besteht unter diesem Namen nicht mehr. f 8510 großen Gruppen(in Ostpreußen), Südosten(Ober⸗ N schlesien), Nordosten(Brandenburg und Pommern), Nord SHolstein, Hamburg, Mecklenburg), Westen(Hannover), Bvben weiter unter anderen Namen, unter den verschiedensten Formen. Es besteht keine nachweisbare Zentrale mehr, aber ie zentrale Leitung ist trotzdem gesichert. Die einzelnen wirtschaftlichen Vereinigungen, Soldatenver⸗ 0 perden sie zusammengefaßt. 14 Aber es gibt neben den illegalen Organisationen, die zum großen Teil sehr legale, auf dem Amtsgericht richtig in 0 ie Vereinsliste eingetragene Vereine sind, noch andere Ver⸗ zände, die sich die Bezeichnung illegal sehr und mit Nachdruck beerbitten würden. Da ist der Stahlhelm, Bund der Front⸗ bldaten, der sich rühmt, tausend Ortsgruppen und 350 000 eitglieder zu haben, da ist der Jungdeutsche Orden, der so⸗ bar 15 000 Ortsgruppen und 400 000 Mitglieder zählt. Diesen beiden Verbänden ist ihre Legalität von der löchsten zuständigen Stelle in Deutschland, nämlich von dem Reichsgericht in Leipzig, bestätigt worden. Die gegen sie ergangenen Verbote der Landesregierungen sind hinfällig, und 1 rer Wirksamkeit im„nationalen“ Sinne ist keine Grenze kehr gesetzt. Da sind weiter die Leute vom Verein Ober⸗ fand, da sind die biederen Nationalsozialisten, die n München ihrem Diktator Hitler folgen und die sich in Lorddeutschland wegen der lebhaften Verfolgung durch die greußische Polizei verschiedentlich umtaufen mußten. Gegen- Härtig rechnen sie sich zur Deutschvölkischen Freiheitspartei — ind gehorchen unbedingt der Führung der Antiparlamen⸗ nrier Wulle, Graefe und Henning. Da ist der Lationalverband deutscher Offiziere und der Deutsche Bis⸗ narckbund. Da sind noch Hunderte von kleinen Verbänden, nit vielerlei Namen und allerlei Statuten und doch nur mit nem Ziel. Ihre Gesamtzahl zu schätzen, ist unmöglich, das dine ist sicher, sie gehen in die Million. a Daß diese Gefahr heute riesengroß angewachsen ist, kann iiemand verneinen. Ob sie noch zu bannen ist, ist zweifel⸗ aft. Die Beendigung des außenpolitischen Konflikts, die ines Tages kommen muß und die vielleicht schon nahe ist, Bird Deutschland in eine ungeheure innenpolitische Krise 0 türzen. Auch die Ruhrbesetzung wird außenpolitisch nur äne Episode, nur eine Station auf unserem 40jährigen Marsch durch die Wüste bleiben. Wenn aber aller Haß und dalle Kräfte, die in der Erbitterung der letzten Wochen gegen bie fremde Gewalt angesammelt worden sind, ihr Entladung inden im Zusammenprall der Kräfte im eigenen Volk, so bird es an Stelle der Franzosen die Republik sein, die ge⸗ chlagen auf dem Platz bleibt. * Untersuchungen und neue Uebergrifsse. Die Drangsalierungen gehen weiter. Nachdem durch die Presse bekannt gemacht worden war, daß denjenigen Bürgern, die von französischen Besatzungs⸗ truppen beraubt worden sind, Gelegenheit gegeben werden sollte, ihre Anliegen der Prüfungskommission der französi⸗ schen Besatzungsbehörde gegenüber anzubringen, hatten sich am Nachmittag des 3. März im Besatzungsamt Essen etwa 60 Personen eingefunden. Zum Teil hatten die ge⸗ schädigten Bürger Zeugen gleich mitgebracht. Eine große Anzahl der Erschienenen wurde aufgefordert, bei späterer Aufforderung wieder zu erscheinen. Die zuerst Ekschienenen wurden durch Beamte des Besatzungsamtes zur französischen Gendarmerie in Bredeney gebracht und haben dort in Gegen⸗ wart von Dolmetschern des städtischen Besatzungsamtes und eines deutschen Rechtsanwalts, der der französischen Sprache mächtig ist und sich für diese Verhandlungen zur Verfügung gestellt hat, ihre Aussagen gemacht. Bisher sind 11 Tat⸗ bestände auf das eingehendste aufgenommen worden. Fran⸗ zösische Gendarmen haben sich über die Aussagen deutscher Bürger Niederschriften in deutscher Sprache angefertigt. In den nachsten Tagen werden weitere beraubte Personen auf⸗ gefordert werden, ihre Anzeigen bei der französischen Be⸗ satzungsbehörde zu machen. Der Zuchthausdirektor in Werden protestierte in einem Schreiben an General Degoutte dagegen, daß 62 Per⸗ sonen in das Zuchthaus untergebracht wurden, die nach den deutschen Gesetzen nicht aufgenommen werden durften. Nach den deutschen Gesetzen dürfen nur Leute dort untergebracht werden, die wegen gemeiner Verbrechen rechtskräftig ver⸗ urteilt worden sind. ö Der französische Oberkommandierende in Düssel⸗ dorf hat eine Verfügung zur Regelung des Zeitungs ⸗ wesens, der Theater, Kinos usw. erlassen. Diese Verordnung kommt einer restlosen Knebelung der öffentlichen Meinung und des sonstigen geistigen Lebens gleich. Verboten werden alle Veröffentlichungen in Wort, Bild, Schrift, in Theatern, Kinos und Musik, die geeignet sind, die öffentliche Ordnung zu gefährden und die Sicherheit und die Würde der Besatzungstruppen oder der zu ihnen gehörenden Personen zu beeinträchtigen. Die Ur⸗ heber der eventl. beanstandeten Zeitungsartikel sollen von den Militärgerichten verfolgt werden und mit Gefängnis bis zu 5 Jahren und mit Geldstrafen bis zu 10 Millionen oder mit einer von beiden Strafen belegt werden. Die ver⸗ antwortlichen Redakteure, Herausgeber und Drucker können wegen Teilnahme oder Fahrlässigkeit bestraft werden. Die verantwortlichen Redakteure von Tageszeitungen gelten als Urheber des Artikels jedesmal, wenn es nicht gelungen ist, den wirklichen Artikelschreiber zu finden. Auch auf Fahr⸗ lässigkeit stehen die genannten Strafen. 0 Aus Dortmunßg mird uns geschrieben: Die bisher aus dem Ruhrgebiet gekommenen Meldungen über das Treiben der Besatzungstruppen stammlen zumeist aus den Großstädten. Aber auch in den Landbezirken haben die fremden Grwalthaber kein humaneres Regiment geführt. Auch hier voll⸗ führt eine riesige Truppenmacht rücksichtslss die Durchführung der militärischen Anordnungen. In dem Dortmunder Landkreise kommt auf je 19 Bergarbeiter ein französischer Soldat. Für die Zwecke der Besatzungstruppen wurden in diesem Bezirk 122 Schulräume beschlagnahmt. Infolgedessen mußte der Schulunter⸗ richt für 1533 Kinder eingestellt werden. Ohne jede Rücksicht wer⸗ den die Requisilsonen durchgeführt. Einem unserer Genossen, der in seiner Gemeinde einen hervorragenden Verwaltungsposten ein⸗ nimmt, wurde das einzige ihm zur Verfügung stehende Bett ge⸗ nommen. Waschkessel sind fast keine mehr vorhanden. Man nimmt an, daß die Franzosen sie requfriert haben, um mit ihrer Hilfe Volksküchen einzurichten, die wiederum dazu dienen sollen, die Arbeiterschaft zu ködern. Wie in den Städten, so werden auch quf dem Land Photographien unter Anwendung von Ge⸗ walt hergestellt, um den Parisern zu zeigen, wie„begeistert“ ihre „Helden“ begrüßt werden. Mit vorgehaltenem Revolver zwingt man die Straßenpassanten, die Hände zu erheben. U. a. wurde ein Arbefter dazu gezwungen, einem reitenden Offizier bie Hand zu reichen. Der Photograph trat in Funktion, und wenige Tage später konnte man in Pariser Blättern sehen, wie „herzlich“ die deutschen Bergarbeiter die Eindringlinge begrüßen. Diese Manöver können natürlich nicht die Tatsache aus der Welt schaffen, daß wie in den großen Städten, so auch auf dem Lande eine namenlose Erbitterung gegen die Franzosen herrscht. * Die am Mittwoch besetzten Bahnhöfe We itmar, Lan⸗ gendreer und Laer sind wieder geräumt. Die Beute der Franzosen war gering und unbedeutend. Am Mittwoch ist auch der Bahnhof Dornap bei Elberfeld, am Donnerstag der/ Bahnhof in Dortmund besetzt worden. In Dornap haben die Franzosen in den Betrieb bisher nicht eingegriffen. Am Donnerstag morgen gegen 6 Uhr ist in Dort- mund, nachdem es von allen Seiten umstellt war, die In⸗ nenstadt und das Rathaus von französischen Truppen aller Waffengattungen besetzt und die Schutzpolizei entwaffnet worden. Der Polizeiverwalter in Dortmund, Regierungsrat Dr. Kielhorn, wurde verhaftet und abgeführt. Desgleichen wurden einige Kommunal- und Kriminalpolizeibeamte fest⸗ genommen. Die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ist der Kommunalpolizei in Uniform in Stärke von 600 Mann gestattet worden. Weiter wurde am Donnerstag in Fredenbaum bei Dortmund und in Hörde eine Schupowache entwaffnet und ausgehoben. Die Beamten wurden abtrans⸗ portiert. In Castrop sind am 4. März der stellvertretende Bürgermeister und der Vorsitzende des Beamten⸗Ortskartells wegen Plakatanschlags verhaftet worden. Der Rest der noch in Recklinghausen befindlichen Polizeibeamten wurde in Laufe des Donnerstags ausgewiesen. Die Kommunistischt Arbeiterzeitung in Duisburg ist von den Franzosen vom 5. bis 12. März verboten worden. 0 Im Bergischen Lande sind die in Wipperfürth einquar tierten Truppen in Richtung Engelskirchen weitermarschiert. Gummersbach war bis Donnerstag abend nicht besetzt. In Hörde sind zur Ablösung der zur Entlassung kommenden Re servisten 200 Ersatzmannschaften für das dortige Infanterie regiment eingetroffen. In Ergänzung vorsteohender Meldung erhalten wir späte noch folgenden eigenen Drahtbericht aus Dortmund: Der Bahnhof Dortmund ist von den Franzosen nachmit tags wieder freigegeben worden. Die D⸗Züge Berlin—Kölr und Hamburg- Köln werden nur noch bis Hamm gefahren Von dort aus müssen die Reisenden die einzelnen Lokal⸗ bezw Pendelzüge benutzen. In Hückeswagen ist die Wupperbahn⸗ Brücke während des Tages durch Posten besetzt. An einigen Kontroll- bezw. Uebergangsstellen ins unbesetzte Gebiet haber die Franzosen Schilder angebracht, deren Aufschrift die Er hebung einer 10prozentigen Zollabgabe ankündigt. In Vor halle sind 57 Eisenbahner zur sofortigen Räumung ihrer Woh nung bezw. bereits aus ihren Wohnungen ausgewiesen wor den. Im Wupperthal setzen die Franzosen ihre Werhearbei bei ehemaligen Eisenbahnbediensteten, besonders S losser und Heizern, fort. Geboten werden 80 Franken täglich und freie Verpflegung. In Dortmund ist ein Teil der heute mor⸗ gen an der Besetzung beteiligten Truppen wieder abgerückt. Das Rathaus ist wieder geräumt. Der heute vormittag in haftierte Regierungsrat Dr. Kielhorn ist wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Schutzpolizeibeamten sind bei Brackel ins unbesetzte Gebiet abgeschoben worden. 15 Polizeioffiziere, darunter der Kommandeur, befinden sich noch in Haft. In Lünen ist die Besetzungszone am 3 Kilometer nach Osten ver⸗ legt. In das dort neubesetzte Gebiet fallen die Schachtan lagen 1 bis 3 der Zeche Preußen. 5 8 Aus Dortmund wird weiter gemeldet: Die Frenzosen haben Donnerstag morgen auch den Neubau für die Schutzpolizei in Vambel umstellt und verhafteten die dort befindlichen Schuß beamten bis auf zwei Mann, die entkamen. Der Neubau wurde durch die Soldaten untersucht. Dabei wurden mehrere Türen auf⸗ gebrochen und Kleidungsstücke und Werkzeuge entwendet. Sie zogen bald darauf wieder ab. Am Nachmittag haben die Fran⸗ zosen die gesamten Ausrüstungsgegenstände der Schutzpolizei auf Lastautos geladen und abtransportiert. Die Franzosen haben er klärt, daß sie die besetzte Schule nicht eher verlassen werden, als bis sich auch die Schupobeamten, die ihnen nicht in die Hände ge⸗ 1 7 sind, bei ihnen gemeldet haben. Die von den Franzosen ge⸗ uldete blaue Polizei wird in verstärktem Maße zum Außendienst, besonders zum Sicherheitsdienst während der Nacht, herangezogen werden, doch ist ihre Zahl völlig unzureichend. Der am 28. Februar wegen Nichtgrüßens verhaftete Wachtmeister Tackt ist von Dorstfeld nach Recklinghausen verschlepyyt und von dort in das Militär⸗ gefängnis Zweibrücken überführt worden. Am 14. Februar war er zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Am 7. März wurde er entlassen und nach Mannheim gebracht. 8 Aus Krefeld wird gemeldet, daß dort ein neues belgisches Kriegsgericht am Donnerstag zum erstenmal seine Urteile fällte. Neben Eisenbahnern wurden sechs Journalisten von den Urteilen betroffen. Chefredakteur Peters von der Niederrheinischen Volks⸗ zeitung in Krefeld und der Redakteur Schippang von der Neußer Zeitung wurden zu 100 900 Mark Geldstrafe verurteilt. Redakteur Stab von der Neuß⸗Grevenbroicher Zeitung in Neuß erhielt sechs Monate Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe bei sofortiger Verhaftung. Als strafverschärfend betrachtete das belgische Kriegs⸗ gericht bei ihm, daß er sich weigerte den Namen des Verfassers eines Artikels anzugeben. Der Gerichtshof hatte ihn darauf hin⸗ gewiesen, daß Kriegsrecht Presserecht breche und daß das Recht des Gerichtshofes vorangehe. Demgegenüber hatte Dr. Stab betont, daß das Redaktionsgeheimnis und die Freiheit der Presse in allen Kulturstaaten anerkannt werden. Ueber 1000 Weutsche vertrieben. Die Rheinlandkommission hat in den beiden letzten Tagen im altbesetzten Gebiet über 250 Personen— vor allem Post⸗ und Zollbeamte— ausgewiesen. Die Zahl der insgesamt Ausgewiesenen stellte sich am 5. März auf 985 im altbesetzten Gebiet und hat heute die erste Tausend weit über⸗ schritten. Die Franzosen in Baden. Am Donnerstag mittag setzten ungefähr 100 französische Infanteristen mit 10 Maschinengewehren in Booten über den Rhein und landeten auf dem badischen Ufer bei Altrip, gegenüber Speyer. Sie besetzten den südlich von Mannheim gelegenen Rheinau⸗Hafen, der aus vier Hafenbecken besteht und dessen Pripateigentümer die Rheinaugesellschaft ist. Da⸗ mit untersteht jetzt auch die letzte der drei großen Mann⸗ heimer Hafenanlagen französischer Willkür. Die Bedeutung des Rheinauhafens besteht darin, daß durch ihn die großen Industriewerke, die in dem Vorort Rheinau angesiedelt sind, mit Rohstoffen, vor allem Kohlen, versorgt werden. In dem Rheinauhafen lagerten große Kohlenmengen, die der Be⸗ schlagnahme anheimfielen. Der Vorort Rheinau selbst ist Station der direkten Eisenbahn Mannheim Karlsruhe. Die Franzosen haben im Laufe des Tages außer den Hafen in Rheinau auch die Eisenbahnstation Rheinau und das Zollamt besetzt. In der Sunlicht⸗Seifenfabrik wurden Räume für die Truppen beschlagnahmt. Mit dieser Be⸗ setzung ist auch der Bahnhof und der Hafen von Rheinau in die neue französische Zollinie einbezogen. Die Station Rheinou liegt an der Hauptstrecke Karlsruhe—Schwetzin⸗ gen— Mannheim, etwa 10 Minuten von Mannheim entfernt. Ein framssischer Situations bericht. g Aus dem besetzten Gebiet wird dem Intransigeant gemeldet: Bei der Poststation von Brakel wurde ein Radfahrer angehalten, der Depeschen des Herrn Hngo Stinnes beförderte. In Essen wur⸗ den vor der Einfahrt 3 den Haun eahnge die Schienen aufgerissen. Der Zugverkehr ist deshalb unterbrochen. Die Erhebung der Steuern und Gebühren im Ruhrgebiet ist so organisiert worden, daß alle Hinterziehungen, die das Reich den deutschen Industriellen durchgehen ließ, unmöglich gemacht werden. Die fohlensteuer wird in einer Jorm erhoben, 5 sie ein einträgliches Ergebnis liefert troß der Entwertung des bdeufschen Gelbes. Eine Verzögerung in 1 Bezahlung wird nicht geduldet. Die widerstrebenden In⸗ bustriellen dürfen nichts verkausen, solange sie nicht mit ihren Steuern in Ordnung sind. Für die Zosseinnahmen sind bisher Waren im Werte von 10 Millionen +⁊ A5 beschlagnahmt worden und sie sollen von den Zollämtern verkauft werden. Fernerhin wurden Geld sendungen der Reichsbank an ihre Filialen im Ruhr⸗ gebiet beschlagnahunt. Ein anderer Bericht aus Frankreich. L Oeuvre. das linksstehende bürgerliche Pariser Blatt, ver⸗ öffentlicht in seiner Dienstagnummer einen Leitartikel seines Sonderberichtorstatters in Nancy, der Hauptstadt Französisch⸗ Lothringens, in dem u a4. gesagt wird, daß die„Roksgesellschaft der öfen“ insolge des gegenwärtihen Koksmangels zurzeit ihren Mitgliedern nur 20 Prozent des K e e Ver⸗ brauchsmimmums liefert. In diesem Artitel wird ferner ein Brief aus der sranzösischen Kolonie Indoching angeführt. durch den der wirtschaftliche Wahnsinn, zu dem das Ruhrwahnsinn auch Frankreich aus wächst. grell gekennzeichnet wird. Ein stauf⸗ hann teilt in Briefe mit daß der Piaster jetzt 6,75 Francs steht, sodaß F. eich, un Reis sonstige Produkte aus seiner eigenen folonie zu kaufen, gezwungen ist, auf Grund des Kurses die Kolouialwaren zu ung r verteuertem Preise zu erstehen, die jüngste Lebensmittelteuerung in Frankreich ie a wird. Unter den vielen anderen einschnel denden die sranzösische Wirtschaft, die in dem Artikel als Po l angeführt werden, ist be⸗ e mehrere 5 mäßige eingestell en, da im N r Verkehr stark nachgelassen hat und daß der W in aney bereits auf 1,30 Fr, gestiogen. Zwei französische Rechtfertigungs versuche. Die französische Regierung hat zwei Noten veröffentlicht, Die t auf die jüngste le Reichskanzlers Dr. Cuno „daß amtliche Vorschläge der deutschen Regierung auf der ondoner Konferenz nicht berücksichtige worden wären. Poincaré versucht die Dinge 5 darzustellen, als hätte er nach einer ent⸗ sprechenden Mitteilung des deutschen Votschafters Dr. Mayer die Mifsion Dr. Vergmanns in London als bloßen Besuch aufgefaßt, von eine beabsichtigten Unterbreitung schriftlicher Vorschläge aber keine Kenntnis gehabt. Die zweite Note des Quai d'Orsey sucht die Sperre der Häsen von Mannheim und Karlsruhe mit der Net⸗ wenigtekt der Kontrolle der Rheinschfffathrt zu rechtfertigen und die Besetzung der Eisenbahnwerkstätten von Darmstadt mit dem echt der Verbinden(nicht aber Frankꝛrel h und Belglen allen), 44 dem Friedensvertrag in gewissen Fällen die 30 Km.⸗Zone 20 besetzen. a politische uebersicht. Der Münchener Hochverrat. Ueber die fünfzehn Verhaftungen wegen des Versuches eines Hochverrats fehlen noch immer nahere amtliche Angaben, Unser Parteiorgan, die Münchener Post, richtet an das VPorstandsmitglied der Vereinigten Vaterländischen Verbände, Minister Roth, die Frage, ob er nicht Auskunft geben könne, welchen Gruppen oder Geheimorganisationen die Verhafteten angehören, und deutet an, daß der soeben erfolgte Rücktritt des v. Kahr vom Vorsitz der Vater⸗ ländischen Verbände usammenhang mit den Ver⸗ haftungen steht. 0 In unterrichteten Kreisen weist man anläßlich der Ver⸗ haftungen auf eine Rede des Nürnberger Großindustrjellen Dr. Tafel, des Vorsitzenden des bayerischen Ordnungsblocks, vom 3. November 1921 hin. Diese Rede wird als augen⸗ blicklich höchst aktuell bezeichnet, da sie die geheimsten Ab⸗ sichten eines Teiles der bayerischen Rechtsradikalen enthüllt. Dr. Tafel bekannte sich damals zu folgenden Anschauungen: „Die Berliner Regierung erweist sich als unfähig, der vielen Nöte in Deutschland Herr zu werden. Der Reichswagen rollt unaufhaltsam dem Abgrund zu und muß früher oder später zerschellen. Darum ist es klüger, das gefährliche Fahrzeug zu verlossen, solange es noch Zeit ist. Bayern muß sich von Berlin unabhangig machen; Bayern ist kein selbständiges Wirtschaftsgebiet, folglich muß es sich an eine Großmacht anschließen; diese Großmacht kann nur Frank⸗ reich sein.“ Die Verhaftung der Fuchs, Machhaus bedeutet einen weiteren Schritt zur Reinigung der politischen Atmosphäre. Auch in den Kreisen der äußersten Rechten in Bayern macht bie Erkenntzis von der Gefährlichkeit der landesverräteri⸗ schen Neigung der Pittinger, Tafel und Konsorten Fort- schritle. So ist erst vor kurzem der Gesamtvorstand des Bundes Bayern und Reich, an der Spitze Dr. Pittinger, ge⸗ stürzt und durch reichstreuere Elemente ersetzt worden. In führenden Kreisen der bayerischen Linksparteien be⸗ zeichnet man die verhafteten Fuchs und Machhaus als die Agenten des französischen Gesandten in Wien, Alizes. Das Ziel des Umsturzes war die Abgrenzung Bayerns vom Rhein und Bildung einer Donaukonföderation unter fran⸗ zösischem Protektorat. Das energische Zugreifen der baye⸗ rischen Staatsregierung gegenüber solchem offenkundigen landesverräterischen Bestrebungen ist zu begrüßen. Aller⸗ dings läßt die bayerische Staatsregierung gegenüber anderen rechtsradikalen Bestrebungen, vor allem der Nationalsoziaglisten, die in ihrer Wirkung ebenfalls als landesverräterisch zu bezeichnen sind, vorläufig noch jede Initiative vermissen. E Der Wucher mit dem Getreide. Die Reichsregierung hat den Umlagepreis für das fünfte Sechstel der Umlagensenge bekanntlich auf 600 000 Mark je Tonne festgesetzt und für das im Januar abge- lieferte vierte Sechstel 500 000 Mark je Tonne bewilligt. Die Herren Agrarier sind mit dieser Preisfestsetzung natürlich nicht zufrieden. Es überrascht daher auch nicht, wenn der Brandenburgische Landbund in einer Entschließung seines Vorstandes sagt, die letzte Preisfestsetzung bringe„eine schwere Enttäuschung, weil sie weit hinter den Produktions- kosten zurückbleibt.“ Wie wenig begründet diese„Beschwerde“ der Landwirt⸗ schaft ist, zeigt die Tatsache, daß am gleichen Tage, an dem die Entschließung der märkischen Landwirte veröffentlicht im * wurde, an ßer Berliner Produktenbörse, also im stesen Handel, der Zentner Roggen mit 28 500 bis 30 000 Mark zahlt wurde, während der Umlagepreis für die gl Qualität und das gleiche Gewicht 30 000 Mark beträgt. sollte uns nicht wundern, wenn die Herren Agrarier jetzt m größter Beschleunigung nicht nur das abzuliefernde Getreide, sondern auch noch die zu Spekulationszwecken zursckge⸗ haltenen Bestände der Reichsgetreidestelle„großmütig“ l bieten. 8 5 157 0 0 Bon der evang. Landeskirche in Hessen. Nachdem ein außerordentlicher Landeskirchentag der ev. Kir in Hessen eine neue Verfassung gegeben, wurden pie 9 Herb rigen Jahres auf Grund der neuen Verfassung die Wahlen te Kirchengemeinde vertretungen vorgenommen. 0 dann ihrerseits die Girchenvorstände und die Abgeordnete ere eee, irchengemeindevertreter waren un m. ö N be 15 8 n d ju wählen. In der entlichteit hat man von nicht viel wahrgenommen, weil nach dem Wahlgesetz die Wahlvorschläg nur durch Anschlag innerhalb des Kirchenraumes oder au ein Kirchentür bekannt zu geben sind, also auch nur den regelmäßige Kirchenbesuchern zur Kenntnis gelangten. Meist ist auch nur ein Wahlvorschlag aufgestellt worden, von den kirchlichen Kreisen ausgehend, sodaß die in 2 Vorgeschlagenen ohne weiteres 8 a 5 8 wählt waren. Die große Masse der wien also ies ii itgewirkt, was ja auch diesen Wahlen überhaupt nicht mitgen 17 A de, einer etwaigen Beteiligung dex großen Masse 55 hatten sie ja auch die Urwahlen zum Landeskirchentag abge⸗ Interessenlosigkeit und Gleichgültigkeit, mit der die 7 arbeitenden 11 J Angelegenheiten der Kirche ahr wäre das Ergebnis Wahl kein anderes gewesen als bei de Jerten ee Kommt eigentlich der 1 50. iertel der Mitglieder einer ee Beiträge leisten, über deren Verwendung ein Viertel beschließt 2 a wurden, kann die Zusammensetzung des von ihnen gew 5 ten Lanbeskirchentages nicht überras⸗ fü. Es waren 9 weltliche Abgeordnete zu wählen. Ordnen wir diese 36 Erwähl nach Beruf und Stand, so ergibt sich folgendes Bild:* birektoren, Geheime und andere Räte, Studien⸗ räte, Aerzte u 15 Volksschullehrer leinschließl. Reallehrer Groß industrielle. Schöpfer der neuen Kirchenverfassung 18 lehnt. Diese Furcht war aber gänzlich unbegründet, denn bet der stehen, trotzdem sie aus Jahr ein ihr di biene e nicht zum Bewußtsein, das darin liegt, daß dre Bei der Art, wie die Kirchengemeindevertretungen schen. nach einem sehr verzwickten Wahlverfahren 18 1 und 368 Beamte mit akademischer Vorbildung(Landgerichts⸗ 4. Landwirte Ind idliche Bürge rmeister 10 ö und Rektoren) 1 Kaufl. eute Gemeindebeamte(Rechner) Frauen e 18 einbürge 5 nd in diesem Ki 0 15 die Volt. rkexen Vertretung des 5 Man wird nicht weltlichen Abgeordneten wie auch die geistlichen politisch den Rechtsparteien zuzuzählen sind, einige wenige demokratische weiße Raben vielleicht enommen. Eine politische Note wird in das Kirchenparlament deutlich dadurch hinein etntge markante Führer des Hessischen Bauernbundes und Landtagsabge⸗ ordnete hineingewählt wurden, wie Dr. Dehlinger, v. Hel Diehl, Fenchel. Polilische Reaktton und kirchliche Orkhodoxie g ja immer Hand in Hand. Zu den 54 von den Kirchengemeindevertretungen gewählten Abgeordneten hatte dann das Erweiterte Seen noch weitere Mitglieder in den Landeskirchentag zu berufen. l Die„Berufenen“ sind: 1 Fürstin, 1 Geheimrat, 1 Universitäts⸗ professor(D. Dr. Schian, den die hohe Behörde offenbar als den würdigsten Vertreter der theol zisches Fakultät ansie 0 1 Studienrat, 1 Dekan und— 1 Arbeitersekretär.„% leibhaftiger Arbettersekretär! Natürlich ein„christlicher“ Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Ein gewisses Etwas in ihrer Stimme veranlaßte die Witwe. aufzublicken. Sie sah in die traänenüberströmten Augen Marcelles und zuckte zusammen. Das Mädchen war sonst nicht weinseliger Natur— was mochte das zu bedeuten 1 haben? 5 „Weshalb weinst Du? Was ist geschehen?“ „Wenn Du wirklich glaubst, daß ich kein Herz habe,“ stammelte Marcelle, sich von der Bank erhebend,„dann will ich lieber wieder gehen. Du hast kein Vertrauen zu mir und ich möchte Dich mit meinem Anblick nicht ärgern. Aber wenn Du wüßtest, wenn Du wüßtest———“ Sie machte Miene, zu gehen. Mutter Gwenfern streckte jedoch ihre magere Hand nach ihr aus und hielt sie zurück: „Sprich Mädchen, was hast Du?“ Ihre Stimme klang noch immer hart, aber ihr Blick war freundlich. Marcelle stand bewegungslos und blickte der Matrone forschend ins Gesicht:„Hat Rohan Dir nichts gesagt, Tante? Freilich, ich habe ihm so das Versprechen abgenommen, Dir nichts zu sagen.“ 5 „Ich verstehe Dich nicht, Kind!“ Der seltsame Glanz in Marcelles Augen und die Röte ihrer Wangen steckten der erfahrenen Matrone ein Licht auf und sie begann zu begreisen. „Ach, Tante Luise, ich liebe Rohan! Ich wußte es nicht — bis kürzlich, aber jetzt liebe ich ihn innig und ich kann es nicht ertragen, wenn Du so schlecht von mir denkst, denn er hat mich gebeten, sein Weib zu werden!“ Die Witwe stieß einen Ruf des Erstaunens aus, bb— gleich die Beichte als solche sie nicht besonders überraschte, denn auch sie hatte Rohan schon langst im Verdacht, in seine hübsche Base verliebt zu sein. Sie blickte Marcelle lange forschend an, die mit gesenktem Köpfchen vor ihr stand und sunter ihren Blicken bald errötete, bald erbleichte. Endlich 20 sie in sanfterem Tone als bisher:„Setz' Dich, Mar⸗ celle!“ Marcelle nahm verschämt wieder an der Seite der Witwe Platz, sie fühlte sich nach der Beichte wie von einer Zentner⸗ last befreit. Beide Frauen schwiegen lauge. Die Witwe 45 55 saß wie in einem wachen Träum da und gedachte ver⸗ schiedener Vorkommnisse, die ihr schon früher zu denken ge⸗ geben, Marecelle begann bereits zu fürchten, daß die Tante ihr zürne, als diese plötzlich mit leiser Stimme, als ob sie mit sich selbst spräche, sagte:„Wenn Du ihn wirklich liebst, wie Du behauptest, dann ist es seltsam, daß Du ihm so wenig Glück gebracht hast!“ „Das habe ich mir schon selbst gesagt!“ rief Marcelle, wie unter eiltem Peitschenhiebe zusammenzuckend.„Ach, wenn Du wüßtest Tante, wie inbrünstig ich zu Gott gebetet hatte, daß er mich eine hohe Nummer ziehen lasse! Ich dachte, ich müsse sofort vor Herzeleid sterben, als ich die Eins sah! Rohan hatte mich gebeten für ihn zu ziehen, falls er nicht dort sein werde. Wenn nicht jemand seiner Ver- wandten für ihn gezogen hatte, würde man sofort ein schwarzs Kreuz neben seinen Namen gesetzt haben. Onkel Ewen hat ihn davor bewahrt, denn er erklärte den Beamten, daß er krank sei. Und Onkel Ewen hat großen Einfluß; wenn Rohan sich entschließen wollte, mitzugehen, würde man ihm noch verzeihen. Der Onkel hat versprochen, die Sache in Ordnung zu bringen, so daß Rohan für seine bisherige Widerspenstigkeit ohne Strafe ausginge. Wir beiden wür⸗ den donn Tag und Nacht für ihn beten, bis er zurückkehrt, nicht wahr, Tante? Ach, wenn er nur Vernunft annehmen wollte!“ Die beiden Frauen saßen, ohne zu wissen, wie es ge⸗ kommen, dicht anefnander geschmiegt Hand in Hand auf der schmalen Ofenbank. Es tat Mutter Gwenfern so wohl, jemanden, der ihren Sohn liebte, ihr Herz ausschütten zu können. „Ach, mein Kind, das ist unmöglich!“ seufzte sie unter Tranen. „Wenn ich nur mit ihm sprechen könnle! Er ist so schwer zu verstehen! Es bricht mir das Herz, alle Welt, sogar Kinder, sagen zu hören, daß unser Rohan ein Feigling ist!“ „Glaub's nicht, Marcelle, mein Sohn ist kein Feigling!“ „Als ob ich das nicht selbst wüßte! Ich weiß, daß er mutig ist, mutiger als die ganze Bande zusammen und doch handelt er nicht wie ein Mann! Der Kaiser ruft seine Kinder und er versteckt sich! Alle anderen Burschen fügen sich in ihr Schicksal, er lehnt sich dagegen auf. Er, der so — stark, so tapfer ist, trotzt der Behörde und läßt, wie ein wildes Tier, Jagd auf sich machen. Was soll ich Gildas und Hosl antwoklen wenn sie behaupten, daß er feige ist? Und auch Onkel Ewen ist schlecht auf ihn zu sprechen.“ 7 „Er ist so starrköpfig! Meister Arfoll hat ihm seltsame Ideen beigebracht———“ f „Ach ja, Tante, an all unserem Unglück ist Meisten Arfoll schuld,“ unterbrach Marcelle die alte Frau. ein böser Mensch Kaisers.“ „Er. it ihnen vollständig taute und sie miteinander ganz versöhnt waren. gezweifelt, daß es Wahnsinn von Rohan set, sich den Be-. hörden zu widersetzen. Die Ungewißheit Über seine Zukunft solterte sie. Daß sie, abergläubisch wie sie war, den Wander⸗ lehrer für ein außergewöhnliches Geschöpf hielt, welches ihren Sohn irre leitete, darf man ihr nicht übelnehmen; konnte sie doch mit ihrem beschränkten Verstande die er? habene Größe dieses Mannes nicht erfassen.„Wie ganz anders hatte sich das Schicksal meines armen Rohan gestaltet, Weng er Arfoll nie begegnet wäre,“ seufzte sie. aus tiefstem. Innern. Mareelle teilte diese ihre Meinung. a 1 1 5 ein gutes, braves eine bessere Schwiegertochter wünschen. Du kannst auch nichts dafür, daß Rohan Dich, der Sitte entgegen. 10 der. 9 mittler bat sein Weib zu werden. Er ist ein unbedachter Junge— Gott helfe ihm und führe alles zum Guten! Mein armer, armer Sohn, wie wird es ihm noch ergehen!!! jammerte die Alte, bitterlich weinend. Marcelle bemühte sich obgleich ihr eigenes Herz vor Kummer und Sorge fast zu brechen drohte, sie zu trösten, was ihr zum Teil auch ge⸗ lang; denn der einsamen Alten tat es wohl, b jemandem auszusprechen, der sie derstand und ihren Sohn liebte. Nachdem beide ihrem gepreßten Herzen Luft gemacht hatten, sanken sie wie auf Kommando vor dem Madonnen bilde in die Ante und beteten für den geltebten Mann, dag Gott ihn erleuchte, damit er sich in das unabänderliche Schicksal fügen lerne. Jannedik blinzelte mit ihren großen f braunen Augen verwundert auf die seltsame Gruppe. i Fortsetzung folgt.) 0 22 Lirchenvolkfes und kein Freund Gottes und des guten 1 *.* f 3 Die beiden Frauen plauderten, bis das Eis zwischen 1 Mutter Gwenfern hatte keinen Augenblick daran Mädchen und ich würde mir sich vort — N E 5 e 8 2 8 F 8 8 4 EN 5 E 8. SF— „ Sr E l * e. 2 — S A 128 14 8 8 * Beilage zur 3 * Gießen, Samstag, den 10. März 1923. Oberhessischen Volkszeitung Nr. 58 Gießen und Umgebung. ö Vorfrühling. Des Winters Macht ist gebrochen und der rauhe Geselle tritt unwillig, aber deutlich vernehmbar, den Rückzug an. Die Stürme, die in diesen Tagen über die Fluren gehen, sind nicht mehr von seiner Art. Wie eine Vorahnung von neuem Leben jagen sie durch kahle Aeste und über nackte Felder, und verheißungsvoll schimmert tiefes Blau durch die wirbelnden, schwarzgeballten Wolkenmassen am Nachmittagshimmel. Ja, es geht mit Macht dem Frühling entgegen. Milder ist die Luft, ferner schimmert der Horfzont und tiefer hat sich der noch immer kurze Tag in die früh hereinbrechende Nacht ein- gebohrt. Ein Kurzes noch, dann wird eine neuerwachte Welt mit unbändiger Kraft und Schönheit sieghaft erstehen. Noch blühen nicht Veilchen und Primeln, noch dehnen sich graue Flächen und unfreundliche Blößen. Aber wenn der Haselstrauch gelb durch das Gebüsch schimmert und die hastige Amsel, durch seine Zweige schwirrend, einen Gold- regen von seinem Staube nedergehen läßt, dann raunt es von schöneren Tagen. Und wenn pralle Knospen bereits die Hülle gesprengt haben und zarte Blätterspitzen vorwitzig nach Licht und Sonne Ausguck halten, so ist das Leben, sehnendes, treibendes Leben. der warme Sonnenstrahl, der die Höhen übergießt, der Vogel, der seine Schwingen regt, ja der Boden mit seinem kräftigen Erdgeruch— alle atmen sie Leben, neues Leben, das schüchtern, aber siegessicher emportreibt. Gebrochen der Bann, der Weg frei!, Aber fragen wir uns selber, was wir in diesen Tagen empfinden. Ist es nicht ein Aufraffen, ein Erwachen, ein unendlich tief erlebtes Kraftgefühl, eine gewisse Hoff— nung auf bessere Stunden! Wiss nicht freier der Blick, froher das Herz wenn wir aus vaseren Höhlen heraustreten und uns von lauer Luft und Lichtströmen umfließen lassen? Und vergessen wir nicht in diesen Tagen all das Trübe und Harte was hinter uns liegt, greifen wir nicht mit Freudig⸗ keit und neuem Mute in die Speichen unseres Lebensrades! Wer wollte sich diesem urkröstigen Trange verschließen, der allein Leben, nur Leben bedeutet. Lassen wir uns mitreißen! b Wer sich in diesen Stunden einkapfelt und die Fenster seiner Seele verhängt, wer ohne neren Ruck in die neue, schönere Jahreszeit hinüberschleicht, wird nie mehr frei wer⸗ den. Sei es Illufion, sei es sogar Selbstbetrug den Willen haben, Kraft zu schöpfen zu neuem Kampfe, ist ein Stück Weg zum Sieg. Und siegen wollen alle. Darum, die Herzen auf, dem Frühling entgegen! —— f Die Gemeinwirtschaft Oberhessen. Die in der Gründung begriffene„Gemeinwirtschaft Oberhessen“, zu welcher, wie uns von zuständiger Seite ge⸗ schrieben wird, die Anmeldungen der Gemeinden erfreu— licherweise zahlreich einlaufen, hat sich als einen Teil ihres Zweckes zur Aufgabe gemacht, die Mittel für die einheitliche Bekämpfung der Skrofulose und Tuberkulose bei Kindern aufzubringen. Diese Mittel sollen bekanntlich gewonnen werden aus dem Zinsunterschied zwischen den Einlage— beträgen und den ausgeliehenen Beträgen. Die Zinsspanne ist nach den Satzungen mit 2 Prozent in Aussicht genommen. Ihr Erträgnis wird bei Zugrundelegung der derzeitigen Geldverhältnisse voraussichtlich ausreichen, um Jahr für Jahr 1000 Kinder einer Fürsorge zuzuführen. Ein großer Teil der Kurbehandlungen wird in der Provinzial-Pflege⸗ anstalt zu Gießen durchgeführt werden, wo die zur Durch— führung derartiger Kuren erforderlichen Räume in aus⸗ reichender Zahl und Größe ohne umfangreiche bauliche Aenderungen geschaffen werden können. Die gemessen an heutigen Zahlen nicht beträchtlichen Mittel hierfür stehen der Provinz bereits aus besonderen Fonds zur Verfügung, sie sind also nicht von der„Gemeinwirtschaft Oberhessen“ auf⸗ zubringen. Aus der„Gemeinwirtschaft Oberhessen“ wird sonach für bauliche Herstellungen und Unterhaltung von Anstalten usw. kein Geld entnommen die gesamten Erträge werden vielmehr der unmittelbaren Fürsorge für tuberkulöse und skrofulöse Kinder dienen. — Die Tragödie eines armen Mädcheus. Ein Sittenbild vom Lande. Mit der letzteren Ueberschrift soll nicht etwa die Landbe⸗ völkerung als sittlich minderwertig hingestellt werden. Wir sind vielmehr der Ansicht daß es sowohl in der Stabt⸗ wie in der Landbevölkerung Menschen von allerlei Qualitäten gibt, daß keineswegs die eine vor der anderen einen Vorzug hat. Wenn aber n* 1 5 5 Aadegs die eins 5 satze gibt den Schatzanwissurngen einen erheblichen Vorzug ge die bäuerliche Bevölkerung von gewissen Leuten als Ausbund aller sittlichen und moralischen Tugendhaftigleit hingestellt werden soll, so weiß jeder Kenner der Verhältnisse, daß dies nicht zutrifft, daß fast regelmäßigen geschlechtlichen Verkehr mit ihm. Dabei be⸗ glinstigte er aber auch den Verkehr des Mädchen mit jungen Bur⸗ schen, vermutlich, um etwaige Folgen leichter von sich abwälgen zu können. Im vorigen Jahre wurde das Mädchen schwanger und kam Ende Oktober nieder. Vom Kartoffelacker schleppte sich die Schwangere in ihre Kammer, wo sie am Samstag ein Mädchen gebar. Nichts war auf die Niederkunft verbreitet, obwohl die „Herrschaft“ ohne Zweifel von dem Zustand des Mädchens Kennt⸗ wis hatte, hatte sie nicht das Geringste getan, den Beistand einer Hebamme zu sichern, noch sanstige unbedingt nötige Vorbereitungen zu treffen. Auch der Dienstherr kümmerte sich um nichts, obwohl er sich doch für den Vater des Neugeborenen halten mußte. Nicht einmal die Bäuerin brachte soviel Mitgefsihl für die Wöchnerin auf, daß sie ihr etwas Pflege hätte angedeihen lassen. Fast ohne Nahrung ließ man sie liegen! Doch halt: der Dienstherr war so christlich-bammherzig, ihr am Sonntag Kraut anzubieten. Gleich nachdem das Kind zur Welt gekommen, tötete es die Mutter durch Erwürgen. Sie behauptet, daß Reutzel ihr dazu die An⸗ weisung gegeben hätte, deshalb wurde auch gegen diesen ein Ver⸗ fahren wegen Anstiftung zum Mord eingeleitet, allein es mußte wieder eingestellt werden, weil die A. sich in ihren Angaben mehr⸗ fach widersprach Am vierten Tage nach der Niederkunft fuhr der Bauer die junge Mutter auf einem gewöhnlichen Bauernwagen vier Stunden weit nach ihrem Heimatsdorfe Düdelsheim. Er wird ssich dies als eine besondere Wohltat an seinem Dienstmädchen an⸗ rechnen, daß dieses dabei in Gefahr kann bei der Kälte sich den Tod zu holen, konnte der brave Mann doch nicht wissen! Schließlich kam das Mädchen vor Gericht und wurde verurteilt. Der Verführer, der das Mädchen körperlich und sittlich runiert hat, statt ihm ein Schlitzer zu sein, tritt als Zeuge auf. Er hat niemals Umgang mit der Angeklagten gehe lt, wus nichts von ihrer Niederkunft, seine Frau Gemablin unterstützt in dabeß Jede aber, der ihn sah, wie er dastand vor dem Richter, während ihm die Ange⸗ klagte ins Gesicht schleuderte, daß er sie ins Unglück gestürzt habe, jeder hatte die Ueberzeugung: hier steht ein Schuldiger! Schade, daß ihn die Gerechtigkeit nicht packen konnte.— Die Welt ist aber eine Tragödie reicher. Eine Gretchen-Tragödie ist's nicht; Gretchen hatte wenigstens die Liebesfreuden mit dem geliebten Manne ge⸗ nossen— hier mußte sich das abhängige, schutzlose Mädchen ohne Heim und Stütze die Willkür eines grauköpfigen, widerlichen Wiist⸗ lings gefallen lassen.— Man spricht viel von Dienstboten⸗Mangel auf dem Lande. Wenn derartige schändliche Behandlung bekannt wird, ist es kein Wunder, wenn Mädchen keine Neigung haben, fich auf das Land zu verdingen, sondern lieber in einer Fabrik Arbeit suchen. Glückliche rweise ist der hier behandelte Fall eine traurige Ausnahme, die meisten Bauern werden sicher ihre Dienstboten an⸗ ständig behandeln. — Eine Bekanntmachung der Finanzämter im heutigen Blatte veröffentlicht die Beträge um die sich die 10prozentige Steuer vom Arbeitslohn nach den jetzigen Bestimmungen ermäßigt. In unserem Blatte wurden diese Bebräge zwar schon vor längerer Zeit bekanmt⸗ gegeben, doch schadet es nichts, wenn hiermit nochmals darauf aufmerksam gemacht wird. — Ruhrhilfe. Für die Ruhrhilse haben die städtischen Beamten, Beamten⸗Anwärter und Angestellten als 1. Rate den Betrag von 428 386.— Mark gespendet. Als 2. Rate die Beamten und Be⸗ amten⸗Anwärter den Betrag von 560 256.— Mark. Die Spenden find dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen zur Ab⸗ flchrung an die zuständige Stelle zur Verfügung gestellt worden. — Kursus für Wohlfahrtspflege. Auf Veranlassung des Landeswohlfahrtsausschusses findet, am Sonntag, den 18. März, nachmittags 2½ Uhr im Gewerkschaftshaus Gießen ein Kursus zur Einführung in das Reichsfugendwohlfahrtsgesetz statt. Die Ortsvereine werden ersucht, dazu Stellung zu nehmen und Partei⸗ genossen zu diesem Kursus au entsenden. besonders sollten aber die weiblichen Mitglieder sich daran beteiligen. — Stadttheater Gießen. Als Nachmittagsvorstellung wird morgen die Operette„Meine Frau das Fr ã ulein“ wie⸗ derholt. Abends wird das Lustspiel„Will und Wiebke“ von Zobeltitz zum zweiten Mal aufgeführt.— 8 Auf das Theater⸗Abonnement ist eine Nach⸗ zahlung zu leisten. weil die Preise des Abonnements gegen⸗ über den übrigen bedeutend zurückgeblieben waren. Es wird er⸗ wartet daß sich jeder Abonnementsinhaber ohne Weiteres dagu versteht. — Festvorstellung im Stabtheater. In den vergangenen Jahren veranstaltete das Künstlerpersonal unseres Theaters g Ende der Spielzeit ein Künstlerfest, um ihren Wohlfahrtske einige Mittel zuzuführen. Davon wird in diesem Jahre Abste genommen und dafür die Operette„Die Do Ila rprinzessi n“ als Festvorstellung gegeben, die am Montag. 19. März stattfindet. Es darf erwartet werden daß sich die Theaterfraunde recht zahl⸗ veich zu dieser Vorstellung einfinden. Die Dollarschatzeinweisungen des Deutschen Reiches werden in einem Augenblick zur Zeichnung aufgelegt, der für Deutschlands Zulunft von höchster Bedeutung ist. Es gilt darum. die in der Privatwirtschaft vorhandenen, entbehrlichen fremden Zahlungs⸗ urittel zum Besten der Gesamtheit zu konzentrieren und die Grun lagen der Aktion, mit denen einem weiteren Steigen der aus⸗ wärtigen Wechselkurse Einhalt geboten und eine nachhaltige Be⸗ einflussung der gesamten Preise ausgeübt werden kann. zu kräftigen. Entsprechend dem Verevendungszweck der Anleihe werden Einzahlung nur Devisen angenommen, und zwar neben amerika ischen Dollars auch Pfund Slerling, holländische Gulden, schweitze als Versammlung statt. in der Gen. nise. holl 5 0 rische Franken, nordische Kronen, spanische Peseten. argeutinische Pesos, japauische Pen. Der Zeichnungspreis beträgt 100 Prozent die Rückzahlung der Anleshe erfolgt nach 3 Jahren zu 120 Prozent. 8 g 0 8 mehrerer hiesiger Einwohner. die sich geweigert hatten ein Kind Das entspricht einer Verzinsung von fiber 6 Prozent. 2 es vielmehr auf dem Lande in sittlicher Beziehung nicht besser, son⸗ Dafür lieferte März ein Bei⸗ die Verhältnisse dern oft noch schlechter wie in der Stadt aussieht. eine Schwurgerichtsverhandlung in Gießen am 5. spiel. Aus dem kurzen Verhandlungsbericht find serhä und Umstände, die das Mädchen wegen Kindestötung auf die An- llagebank brachten, nicht so klar ersichtlich, eine Schilderung und Kennzeichnung der hierbei zutage getretenen bäuerlichen Moral ist deshalb am Platze. Die 22jährige Emma A. wurde wegen Kin⸗ desmord zu 2½ Jahren Gefängnis verurteilt. Das Mädchen hatte keine gute Jugend. Seine Mutter starb, als es 4 Jahre alt war, und so mußte es der forgenden Mutterliebe entbehren. Der Vater war als Knecht bedienstet und kümmerte sich jedenfalls nicht viel um Pflege und Erziehung seiner Kinder, konnte es vielleicht auch nicht. Im Jahre 1920 ging die A, zu dem Bauer Carl Reutzel in Schwickartshausen in Dienst. Schon nach wenigen Tagen drang der saubere Dienstherr nachts in die nicht verschließbare Kammer des Mädchen ein, um es zum Beischlaß zu verführen. Schlimm genug schon, daß das Schlafzimmer des Mädchens nicht verschließ⸗ bax war, oder war das absichtlich so eingerichtet? Das erstemal gelang es Reutzel nicht, seine Absicht, auszuführen, den widerholten Versuchen unterlag aber das Mädchen und in der Folge pflog R. 5 Gold, 0 selostschuldnerische Bürgschast der Reichsbank Die günstige t der Schotzanweisungen sweise günstigen Zins⸗ Verzinsung im Vevein mit der Beleihbaykei bei den Darlehnskassemw zu einem vergleich über dem Besitz an Devisen da diese unverzinslich und unbeleih⸗ bar sinb. Die Vörsengängigkeit der Schatzanweifungen bürgt dafür daß sie rheit verkauft werden können. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß die Schatzanweisungen in dersolben Währung, auf die sie lauten, auch zur Rlickzahlung gelangen, näm⸗ lich in Scheck auf New⸗Yorf oder aber nach Wahl des Reichs in Die Sicherung ist im besonderen noch bewirkt durch die Die Zeichnung kann Märg erfolgen, und zwar bei der anstalten sowie bei einer großen Anzahl von Banken und Bankers, die an den einzelnen Orten noch besonders bebanntgegeben werden. Bei der Zeichnung sind min⸗ destes 40 Prozent einzuzahlen. der Rest ist spätestens bis zum 14. April zu erstatten. Für gezeichnete Betrüge die vor dem 14. April gezahlt werden, wird eine besondere Vergütung von 1 vom Tausend in Mark für jede volle Woche gewährt. Dies gilt auch für die bei der Zeichmung einzuzahlenden 40 Prozent. Alles Nähere ist aus der im Anzeigenteil enthaltenen Bekannt⸗ machung ersichtlich. — Der frühere Stadtverordnete Georg Leib, Schneidermeister, ist am Mittwoch abend, im Alter von mehr als 70 Jahren ge— storben. in der Zeit vom 12. bis 24 Reichsbank und allen ihten Zu ö deu Frondieusten herangezogen werden können. Eingesandt. (Für Form und Inhalt der unter dleser Rubrik zum Abdruck kom⸗ menden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Die Pachtpreise flir die städtischen Grabstücke. Offener Brief an die Herren Stadtverordneten! Zur Zeit erhalten die Pächter der städt. Grundstücke die Mit⸗ toilung, was sie sür das kommende Jahr an Pacht zu leisten haben, das heißt, sie bekommen die jewellige Menge Roggen angegeben, deren Preis noch im Dunklen liegt. Vor einiger Zeit berichtete die Oberhessische Volkszeitung von Friedberg, daß dort die städt. Grundstücke mit 8000 Mk. pro Morgen Man hielt den Preis für sehv hoch; O glückliche hat schon mit vielen hiesigen Pächtern Rücksprache genommen und dabei nur das Eine festgestellt, daß die von der Stadtverordneten⸗ Versammilung gestellte Forderung einfach unerhört ist. Haben sich denn die Herren Stadtväter geirrt, oder in alle den städtischen Grund⸗ stlickspächtern Großagrarier vermutet, die ihre Erzeugnisse zu Wucher⸗ preisen wieder absetzen? Wie kann man denn überhaupt auf die Idee kommen, ein Stückchen Land von 200 bis 600 Quadratmeter, wie ja doch fast alle städtischen Grundstücke sind, nach Roggenpreisen zu berechnen. Ist nicht der Samen, Pflanzen, Dung und dergl. sündhaft teuer genug? Liegt es nicht im Volksinteresse, daß man dem Klein⸗ gärtner unter die Arme greift, um die allgemeine Volksernährung besser zu gestalten und die Landwirtschaft zu entlasten! Wo wir heute ein Voll sind, das sast ausschließlich auf sich selbst angewiesen ist. Immer und immer wieder wird von allen möglichen Regierungs⸗ stellen darauf hingewiesen, jede mögliche Gelegenheit zu benutzen, Land zu bebauen, um bessere Ernährungsverhältnisse zu schaffen und gerade die Behörden sind diejenigen, die dem kleinen Mann den Knüppel zwischen die Beine werfen, oder schließlich unmöglich machen. sich Gelegnheit zu schaffen, seine schon an und für sich schwierige Lage zu bessern. Wie stellen sich denn die Herren Stadtväter es vor, von was eine alleinstehende Frau oder zwei alte Leute die kein Einkommen haben und schon jahrelang ein Stlick Land zu ihrer Ernährung be⸗ arbeitet haben, bezahlen sollen? Sie werden einfach vor die Tatsache gestellt, es abzugeben, mich dünkt, man will dies sogar, um den Bessergestellten Gelegenheit zu geben, von dem frei werdenden Land Besitz zu ergreifen. Nun zu dem eigentlichen Punkt der Bezahlung. Warum setzt man beinen festen Preis pro Quadratmeter an, wie dies schon immer war, kein vernünftiger Mensch wird und kann verlangen, daß es bei den seitherigen Preisen gehen kann, setzen Sie bitte einen zeitge⸗ mäßen aber reellen Preis, als Pachtzins fest, aber keine, für viele unmögliche Forderung. f Einsender ist der Meinung, in dem Schreiben vielen aus dem Herzen gesprochen zu haben und bittet die Herren Stadtväter, den von der alten Stadtverordneten⸗Versammlung gefaßten Beschluß gehörig zu revidieren. 5 9 br. Wieseck. In seiner Sitzung am Mittwoch stimmte der Ge⸗ meinderat einstimmig dem Beitritt schaft Oberhessen zu. Die anteilmäßigen Beiträge sollen je zur Hälfte 1923 und 1924 eingezahlt werden.— Als 1. Rate zur Ruhrhilfe werden 100 000 Mk. bewilligt. Im Anschluß hieran soll eine Ortssammlung in der Weise eingeleitet werden, daß auf der Bürgermeisterei eine Liste zur Einzeichnung auslie — Das Gesuch des Karl Schäfer 10. um Tausch von Gelände wird der Bau⸗ und Landwirtschaftlichen Kommission überwiesen. — Weiter beschloß der Gemeinderat den Beitritt zum Verband sozialer Baubetriebe und der Bauhütte Gießen. Als Gesellschafts⸗ anteil werden 1 Million Mark bewilligt und Bürgermeister Schomber beauftragt, die Gemeinde in der am 16. d. Mts. statt⸗ findenden Gesellschaftsversammlung zu vertreten.— Der Ausbau der Turnstraße wird gutgeheißen. Der auszuarbeftende Voran⸗ schlag soll zur nochmaligen Beratung vorgelegt werden. In Ver⸗ bindung hiermit soll die vorläufige Herstellung der Karlstraße durchgeführt werden. Die Gebühren wurden nach den Vorschlägen des Kreisausschusses festgesetzt.— Das Gesuch des Karl Reuter 7. um Ueberlassung eines Bauplatzes geht an die Baukommssion, während einem Gesuch des Karl Scherer um pachtweise Ueberlassung brachliegenden Geländes an die betr. Anlieger stattgegeben wird. Wieseck. Am Donnerstag abend wurde in einer von der Bir- germeisterei einberufenen Versammlung der Pflichtfeuerwehr dem langersehnten Wunsche Rechnung getragen und die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen. 57 Mann traten sofort der Wehr bei. 5 — Lollar. Verein. Sozialist. Wahlverein. 6. Vor⸗ tragsabend am Dienstag, 14. März, abends 8 Uhr, im„Schwanen“ (Hetche). Lichtbildervortrag des Genoss Heinrich Häuser⸗Gießen „Volk in Not.“— Dieser äußerst interessante Vortrag behandelt den Versailler Frieden, die von Deutschland versuchte Erfüllung wie die Erfüllungspolitik überhaupt und die neuesten Ereignisse im Ruhr⸗ gebiete in Wort und Bild„wie wir es auffassen.— Wir bitten die Genossen mit ihren Familien in gewohnt zahlreicher Weise zu er⸗ scheinen. Gäste haben Zutritt. Es wird ein geringes Eintrittsgeld erhoben werden.— Unser 5. Vortragsabend gestaltete sich zu einem sehr lehrreichen und interessanten. Genosse Rechtsanwalt Hom⸗ berger⸗Gießen verstand den gewiß trockenen Stoff des„ehelichen Güterrechts“ humvorvoll zu würzen, sodaß manch heiterer Moment den Vortrag angenehmer, aber auch verständlicher machte. Der Vor⸗ trag war wieder sehr gut besucht; möge es so bleiben. n. Birklar. Am Sonntga abend fand hier eine gut besuchte Landtagsabgeordneter Hensel⸗ Obbornhosen über die wirtschaftliche Lage und die Besetzung des Ruhrgebietes sprach. Neben Daclegung der unheilvollen Folgen der verrückten machtpolitischen Bestvebungen, unter denen die Völker zu leiden haben, behandelte Redner abfällig das Verhalten von den kämpfenden Volksgenossen an der Ruhr auf einige Wochen in Pflege zu nehmen! Man will Kinder von 12—14 Jahren die Im Ganzen sollen Bauern bewohnten, Orte 10 Kinder untergebracht worden sein, wobei bemerkt werden muß, daß noch ein Hofgut in unserer Gemeinde vorhanden ist. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall, es traten auch einige Mit- glieder dem Wahlverein bei. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M. 8. März. Frankfur cer Viehmarkt. Auftrieb: 483 Kälber, 213 Schafe und 138 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber bester Qualität Mk. 220 000— 260 000, mittlerer Qualität Mk. 170 000-210 000, geringerer Qualität Mk 150 000170 000. Schafe Mk. 110 000 bis 240 000, Schweine unter 80 Kilo Mk. von 80-100 Kilo Mk. 250 000270 000 von 100150 Kilo Mk. 270 000280 000, über 150 Kilo Mk. 280 000— 290 000. Bei regem Handel binter⸗ lassen nur Schweine etwas Ueberstand. Frankfurt a. M., 8. März. Riesen⸗Spirituosen⸗ Diebstahl. In einer der letzten Nächte wurden aus dem Lager der Großhandlung von Adolf David etwa 3500 Liter Weinbrand und ähnliche Destillate im Werte von rund 14 Milltonen Mark gestohlen. in unserem, sast nur von zur Gemein wirt⸗ der Feuervisitatoren 15 1 2 5 Tandwiet Die wissenschastlichen Grundlagen der rationellen Düngung. N Die moderne Laubwirtschaft fußt bekanntlich auf einer wissen⸗ schaf Entdeckung, die Justus von Liebig um die Mitte des 10. Jahrhunedrts verdankt wird. Dem genialen Gelehrten gelang zum erstenmal der Nachweis, daß die durch den Anbau der Kultur⸗ pfl, bewirkte Erschöpfung des Bodens verursacht werde durch die itziehung gewisser Mineralstosse, die zum Aufbau der Pflanze ge⸗ dient haben. Daraus ergab sich die Forderung, daß diese Stoffe dem Boden zurückgegeben werden müssen, wenn seine Fruchtbarkeit er⸗ halten bleiben soll. Damit war aber auch gleichzeitig das Problem der Erhöhung der Bodenfruchtharkeit bei gleichzeitiger Erhöhung der Ernten im wesontlichen gelöst. Spätere Forschungen haben dann die Grundlagen der modernen Pflaugzenernähcungslehre geschaffen. Die Rückgabe der dem Boden durch das Wachstum der Pflanzen sentgzogenen Nährstofse geschieht durch die Düngung. d. h. die Umzerbringung von mille ralischen oder orgami Stoffen in den Woben. Sollen diese Stosse vo den Pflanzen als Nahrungsstoffe allfgenommen werden, so spricht man von einer direkten Düngung; sollen sie aber nur mittelbar die vhysitalüsch⸗chemischen fördern, die der Nahrungsbereitung dienen, so neunt man das indirekte Düngung. lches sind mm die organjschen und imorganis,„ die man als Pflalzenmährstosse anzusehen hat? Es sind: er, en⸗ säure, Ammontak((Stickstoss), Phoepporsäure, Kli,. 5 1 Chor, Eisenoxyd, Kiofelsteine und Natron. Sb t sich der Pflanzenkörper zusammen. tigkeit. Es hilft nichts daß manche oder sast alle Nährstoffe in Hülle 5 und Fülle vorhanden sind; die Pflanze kann davon leinen Gebrauch machen, 0 auch nur an einzigem Stoff Mangel leidet, der für ihre Entwicklung unbedingt notwendig ist. Mit dieser Erkenn mis war die Grundlage für eine rationelle Düngung gewonnen. Eine Pflanze kann nur dann ihre höchstmönliche Entwicklung er⸗ reichen, wenn jeder einzelne der notwendigen Nährstoffe ihr in so reichlichem Maße gur Verfügung steht, daß sie ihr Bedilrfuis danach volltommen befriedigen kann. Da gber die Pflanzenwurzel micht uberall sein baun, ihren saugenden Fäsern also ein Teil des Nährstosses entgeht, so muß der Nährstoff in größerer Menge im Boden vorhanden sein als die Pflanze wirklich aufnimmt; sie muß gewissermaßen aus dem Ueberfluß schöpsen. Der moderne A Lau begulgt sich dosbalo wicht mehr damit. dem Boden die durch die Erüten entzogenen Nährstoffsmengen durch Rückgabe gleicher Mengen au erseben sondern er geht darauf aus, den aährstoff⸗ vorrat im Boden derart anzureichern, daß die Pflange das 5 ihrer Höchstentwicklung nötige Quantum jedes einzelnen 0 ans stoises vorfindet oder im Lause der Entwicklung zugesetzt erhält. . se Anxeicherungs⸗ Vorratsdüngung braucht sich 8 1 r auf wenige Nährstosse zu beschränken. da die Natur so a freundlich ist, dem Landwirt für die größere Anzahl der Nährstoffe e Mühe abzunehmen. Die Kohlenfaure nimmt die Pflanze duch die Blätter aus der Luft auf. Elsenvxyd Schwefek⸗ säure und Chlor finden sich in den meisten Böden in solcher f Menge. daß eine Zufuhr überfküssig ist. 5 nge e ö Mage sia ist als 55 ö stanldteil in gowissen Mineraldlingern so reichlich vorhaur⸗ den. daß laue besondere Düngung mit diesem Nährstoff erfordar⸗ lich i 1 gilt in beschränttem Maße auch filr den Kalk ö 7 eltes Pflangennährmiktel. Als solches braucht er in der nur leichten Böden zugeführt zu werden. Besondere Kall⸗ 0 n wird aber häufta angewandt, um noch rohe oder zu bin⸗ ige kalte, eisenschüssige und saure Böden zu verbessern. Der Kalk fördert die Zersetzung der milnerallschen wie der organischen Vestaldlelle des Bodens insbesondere erschließt er auch den im gebundenen Soickstoff, indem er ihn unter Mitwirkung von rien in aufnehmbare Salpetersäuve überführt. Aber so nütz⸗ Walkdüngung in dieser Hinsicht ist, so birgt sie andererseifs e einer kaschen und inteusiven Erschöpfung des Bodens im sich. Aehnlich verhält es sich mit der Zufuhr von Kalkmergel: dahher die Bereichung„ausmergeln“. Es bleibt somnit als Hauptaufgabe einer rationellen Düngung, die ae für das aus reschesnge Vorhaudensein von Phosphor⸗ 10 e, Kali und Stickstoff übrig. Jeder Kulturboden ent⸗ hält diese Stosse aber kein Boden enthält sie alle drei in genügen⸗ der Meuge. Wenn schon eimmgl Kali im Uebersluß vorhanden ist, swo fehlt es an Pbospborfäure und häuft ger noch am Stickstoff. Der natürliche e bietet keinen ausreichenden Ersatz für die durch die Conte entzogenen Mengen. Die Brache, allein angewandt. war deshalb ein ganz unzureschendes Mittel, den Boden zu höchster Leiffungsfähigkeit zu bringon. Aber auch die reine Stall mi st büngung erweist sich dieser Aufgabe nicht gewachsen. Stalldiünnger und Jauche euthalten zwar die drei go⸗ N naumten wie guch die anderen Nährstoffe in beträchtlichen Mengen, sobaß man durch sortgesetzte reichliche Stallmistdüngung im Acker nählich einen genügenden Vorrat derselben ansammeln kann. Das erfordert aber größere Mengen von Mist, als sie um normalen Betrieb produziert werden Die moderne Landwirtschaft bedient sich daher neben dem rationell behandelten Stallmist des sogenann⸗ ten„Künstlichen“ Düngers als Hilfs⸗ oder Beidünger, um den gewiinschten Nährstossvorrat im Boden zu erzielen. Hierüber in einem weiteren Artikel. (Nach Dr. Gd. David. Sozialismus u. Landwirtschaft. 2. Aufl. 1922.) 7 Die Einwirkung von Todesfällen auf das Pachtuerhältnis. Von Rechtsanwalt Dr. Siegel. Wiederholt hahe ich die Erfahrung machen müssen, daß die Un⸗ kenntnis der gesetzlichen Bestimmungen über die rechtlichen Folgen des Todes des Verpächters oder des Pächters, bezw. seine Erben, in sroße Verlegenheit gebracht und erheblichen Schaden verursacht haben. Verschiedentlich haben sich im Falle des Todes eines Päch⸗ ters seine Erben von dem Verpächter, der vielleicht selbst meinte, in seinem Recht zu sein, einschüchtern lassen und haben das Land liegen lassen. Umgekehrt sind mir auch Fälle bekannt geworden, in denen die Pächter, obwohl nichts darilber im Pachtvertrag stand, beim Tode des Verpächters das Land sofort zurückgegeben haben. Die maßgebende rechtliche Bestimmung ist der§ 596 des Blirgerl. Ge⸗ se buches. Dort heißt es im Absatz 2:„Der Verpächter ist nicht berechtigt, das Pachtperhältnis nach§ 569 zu kündigen.“ Der 8 56 besagt, daß beim Tode des Mieters sowohl der Erbe als der Ver⸗ e sei, das Mietverhältnis unter Einhaltung der ge⸗ setzlichen Frist zu kündigen. Grundsäglich finden ja die Vorschesf. ten der Miete auf die Pacht Anwendung. Hier ist aber in dem § 506 eine für die Pächter ganz besonders wichtige Ausnahme ge⸗ rr e macht. Eine Bestimmung, daß im Falle des Todes des Vermieters das Mietverhältnis aufgekündigt werden könne, kennt das Gesetz icht und ebensowenig eine solche für den Fall des Todes des Ver⸗ 5 Es würde ja auch ganz unsozial gedacht sein, für den Mieter bezw. Pächter aus dem Tode des Verpächters schädigende Folgen herleiten zu lassen. Stirbt also ein Verpächter, so brauchen sich die Pächter auf irgend welche Verhandlungen mit seinem Erben über die Jortsetzung des be überhaupt nicht einzu⸗ lassen, sondern können alle auf Aufhebung des Pachtverhältnisses gehenden Forderungen oder ähnliche Wünsche glatt ablehnen. Ebenso liegt es fiir die Erben des Pächters gegenüber dem Ver⸗ pächter, wenn in einem Pachtvertrag besondere Bestimmungen darüber getroffen sind, daß im Falle des Todes des Verpächters oder Pächters das Land fofort liegen bleiben müisse. Solche Ver⸗ tragsbestimmungen kommen nicht selten vor. Aber auch sie sind nicht wörtlich zu nehmen, sondern misssen, wie jeder Vertrag, ausgelegt werden, wie es Treu und Glauben mit Rücksicht auf die 1 erfordern. Hier muß von Fall zu Fall entschieden werden. Stirbt z. B. der Pächter im Herbst nachdem er bereits mit Wintersaat das Pachtland bestellt hat, 4 wird wohl der Verpächter verlangen können, daß ihm das Land alsbald gegen Vergütung zurückgegeben wird, wogegen er den Erben des Pächters die Auf⸗ wendungen an Arbeit, Dünger und Saatgut zu ersetzen hat. Stirbt dagegen der er einige n vor der Ernte, so würde es gröb⸗ lich gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn nun der Verpächter die gescunte Ernte ei enund den Pächter lediglich mit der Vergiltung für Arbeit ufw. abspeisen wollte. Auf jeden Fall ist für die Pächter, wenn der Pachtvertrag Bestimmungen der oben⸗ bezeichneten Art enthält, Vorsicht geboten. Es hat sich schon bei vielen Pächtern bezw. Erben von solchen bitter gerächt, daß sie nicht f igen. eingeholt hoben, ehe sie mit dem Verpächter ein men tr. 5 Wechselbau und Einteilung des Gartens. um mit möglichst geringen Mitteln und auf möglichst kleinem Raum reiche Ernten zu erzielen, ist es nötig, den Garten nach einem bestimmten Plan einzuteilen, der die besonderen Ansprüche der ver⸗ schiedenen Gemüse an Boden und Düngung Nee Allgemein unterscheidet man in dieser Beziehung stark zehrende Gemüse, das sind die Kohlarten, Spinat, Sellerie, Porree, Gurken Kürbis, mäßig zehrende, die e durch die Erbsen, Bohnen 11 Zwiebeln vertreten werden. Die einfachste Einteilung, mit der sich der Anffänger bei 1 Größe des Grundstücks und genügendem Düngervorrat behelsen kann, ist die, daß man die Hälfte des Landes ut dlingt und auf ihr stark zehrende Gemüse anbaut, während man ie andere Hälfte, wenn es sonst guter Boden ist, unbedüngt läßt oder nur mit Komposterde verbessert und mit den mäßig oder schwach zehrenden Pflanzen bestellt. Zwechmäßiger ist eine ent⸗ sprechende Dreiteilung, am besten nützt man den heute knappen und teuren Dünger sodoch bei einer Vierteilung aus. Das eine Viertel ditngt man dann beim Umgraben kräftig mit Stalldung, Kompost, Jauche w., dieses Stück wird im Frühjahr mit Kohl, Gurken, Sellerie, Porree und Spinat bepflanzt, denn all diese Gemüse ge⸗ deihen wur in ganz gutem Boden bei starker Düngung und reich 1 7 Wassergabe. Das zweite Stiick düngt man bald so stark wie erste. Hier F Kopfsalat, Stangenbohnen, vabi . 3 latz. 5 e 1 f 9 r geeignetem ünger, alzen aten, hier kommen Erbsen, Buschbohnen, allerhand Feld⸗ und Schnitt⸗ salat, Küchenkräuter in Frage. Das letzte Viertel lassen wir unge⸗ dlingt; astf ihm werden nach tieser Bodenlockerung en, Karotten, Zwiebeln und Speiserüben angebaut. Auf diese Weise hat man seinen Garten zu zweckmäßiger Wechselwirtschaft eingeteilt. Im nächsten Jahre düngt man da stark, wo man jetzt mir Halbdüngung gegeben hatte, Halbdüüngung gibt man da, wo man Vierteldüngung angewandt und diese dort, wo man nicht gedüngt hatte. Somit komant man alle vier Jahre ein⸗ mal mit der Volldüngung herum und erzielt bei weiterer sach⸗ gemäßer Pflege der Pflanzen Vollernten. Ein Teil des Gartens bleibt außerhalb dieses Wechsels, nämlich derjenige, der mit aus⸗ dauernden Gewächsen, wie Rhabarber, el, Erdbeeren, Meer⸗ rettich, bebaut ist. Vom Schwarzwurzelbau. Das Aussehen und der feine spargelartige Geschmack hat dek Schwarzwurzel die Bezeichnung„Spargel des kleinen Mannes“ eingetragen, denn sie erschien früher als Ersatz für den teuren Spargel auf dem bürgerlichen Tisch. Ihre beste Verwendungszeit reicht von Anfang November bis Ende März. Frisch aus der Erde genommen ist die Wurzel am wohlschmeckendsten. Deshalb soll man sie den Winter liber ruhig im Boden stehen lassen, denn sie ist vollkommen winterhart. Um auch bei Frost ernten zu können, ge⸗ nslgt es, einen Teil der Beete mit Laub abzudecken. Einen kleinen Vorrat kann man auch im Keller in feuchtem Sand einschlagen, doch bei langem Lagern verlieren die Wurzeln an Wert. Das Ausheben der Wurzeln hat mit großer Vorsicht zu geschehen, da sie leicht ab⸗ brechen. Jede noch so kleine Verletzung muß aber vermieden wer⸗ den, weil der milchartige Saft ausfließt, die Wurzel dann stark austrocknet und ihren Wohlgeschmack einbüßt. Ihre besten Eigenschaften erlangt die Schwarzwurzel in einem tief gelockerten, etwas sandigen und feuchten, nahrhaften, doch nicht frisch gedüngten Boden. Frischer Dung macht die Wurzeln fleckig und verleiht ihnen einen unfeinen und bitteren Gaschmack. Für die Küche sollen die Wurzeln möglichst lang, glatt und unverzweigt und mindestens daumenstark sein; dünne Wurzeln sind nicht ausgiebig. Eine gewisse Schwierigkeit des Schwarzwurzelbaues liegt darin, daß der Same sehr ungleichmäßig keimt. Bevor man säet, tut man deshalb gut, den Samen zu prüfen, ob er vollkörnig ist, ob er gut gefüllt, dick, prall aussieht, oder ob er recht dünn und schmäch⸗ tig ist. Ist letzteres häufig der Fall, dann kann damit gerechnet werden, daß viel schlechtkeimender Samen dabei ist und es muß in⸗ folgedessen viel dichter gesüt werden. Man säe überhaupt den Schwarzwurzelsamen ziemlich dicht. t zu engem Stand werden dann die Pflanzen auf 6 bis 8 Zentimeter verzogen. Die Meinun⸗ gen gehen über den Samenbedarf sehr auseinander. Während der eine sagt, daß für 1 Aar etwa 40 Gramm Schwarzwurzelsamen zu verwenden sind, empfiehlt der andere für 1 Aar 100 bis 150 Gramm und ein Dritter ist der Meinung, daß 200 bis 250 Gramm benötigt werden. Man braucht im Verteilen jedenfalls nicht ängstlich zu sein, da man sich Schwarzwurzelsamen sehr leicht selbst ziehen kann. Das schlechte Aufgehen des Zamens ist mitunter auf zu altes Saat⸗ gut zurückzuführen. Für die Keimfähigkeit des Schwarzwurzel⸗ samens rechnet man im allgemeinen 2 bis 3 Jahre. Die Verwen⸗ dung von dreijährigen Samen ist, sofern man ihn kauft, jedoch sehr unsicher, da man nie weiß, ob man frischen Samen erhielt. In diesem Falle nehme man lieber vor der eigentlichen Aussaat eine Keimprobe vor, um Mißerfolge zu vermeiden. Schwarzwurzeln brauchen zum Gedeihen viel Feuchtigkeit, man sät sie deshalb im Februar— März aus und zwar auf ein 1,20 Meter breites Beet in vier Reihen. —— N 2 haben; minister Dr. Luther geleiteten Administrator Niggl(Steinach in professor Dr. Zorn(Breslau) Zweck und landbewegung und deren besondere Bedeutun 1 107 der darauffolgenden 9 mütige Wille hervor, gemeinsam für den sivierung der Wiesen⸗ und Weidewirtschaft und des Feldfruchtba draußen zu werben. Haus⸗ und Gartenwirtschaft. Die Fütterung der Ziege. Der Ziegenbesitzer muß sein Hauptaugenmerk bei der Füttern auf die S aten seiner Tiere richten. D muß er wissen, daß die Ziege eine doppelte so große Menge von Nährstoffen benötigt, als die Kuh. Freilich wird dieser Mehrver⸗ brauch dunh verhältnismäßig größere Milchergiebigkeit der wektgemacht. Es wäre daher sehr ungeschickt, diese nur mit schastsabfällen füttern zu wollen, die sich fiir Schweine oder viel eher eignen. Ziegen, die entsprechend gute und reichliche geben sollen, mlissen mit guten Futtermitteln gefüttert werden, mit Grünfutter, Heu, Futterrüben, Kartoffeln, Schrot, verschied Körnern, weil nur bei Kraftfütterung hohe Leistungs higkeit Tiere erwartet werden darf. 5 Für die Stallfütterung der Ziege kommt vor allem das Peu in Betracht. 5 Hebsten ist ihr kurzes, blätterreiches Heu, das auch hart⸗ stengelig sein und von ungedlüngten Flächen stammen darf. Für den Tag braucht eine Ziege 4 Kilo Heu. Es ist aber nicht unbedii erforderlich, daß die ganze angefsührte Heumenge zur Verfütteri kommt. Ein Drittel des Rauhfutters kann durch Hafer⸗ oder Gerst stroh oder durch Häckfel aus solchem Stroh ersetzt werden. Von Hackfrüchten kann man an die Ziegen sowohl rohe als auch Kartoffeln verfüttern. Man wählt sich da natlürlich nur ware aus und verabreicht diese dann nur gekacht. Da durch g Stlicke häuffg Schlundverstopfungen, die den Tod zur Folge haben auftreten, dürfen die Kartoffeln nur klein zerstampft gereicht werd Ebenso werden auch alle Arten von Rüben, Runkeln, wie Kohlriibe und Möhren von den Ziegen gerne aufgenommen und sind ein g Ziegenfutter, wenn sie in kleinen Stlickchen vorgesetzt werden kö Von Kartoffeln oder Riiben reichen für die Ziege täglich 2 Kilo als Mengefutter gegeben werden. Man kann auch ein Teil der tosseln zerdrücken und als Trank reichen. Als Kraftfutter sind Schrot und dergleichen auch getrocknete Biertreber zu empfehlen. Zwecks mäßig ist es, zur Steigerung der Milchleistung warmen Trank zn geben. Jedoch dsürfen die Mengen nicht gar zu groß sein, da sie er⸗ schlaffend auf die Verdauungsorgane der Ziege einwirken. 1 Menge von täglich 1½—2 Liter erhöht die Milchlefsunng und auch das Wohlbefinden der Tiere. Die Fütterung muß regelmäßig zur bestimmten Stunde erfol Futterkalk und Salz(jeden zweiten Tag einen Teelöffel voll) dil nicht fehlen. Dies ist besonders nötig, wenn das Heu von Kalkan Büden stammt. Abwechslung im Futter lohnt die Ziege durch er Milchleistung. Das Heu kann im Sommer durch getrocknetes Eiche Ebereschen⸗ oder Buchenlaub ersetzt werden. R. Abgang der Exkremente, Sträuben der Haare, Mattigkeit, öfte Niederlegen, kurzem, stoßweisem Atmen, trockenem Maltle und nahme der Milch. Eine Abkochung von Etbischwurzeln, Weir— kraut oder Enzianwurzeln, sowie hombopathisch. Antimoniemm erudum und Arsenicum in zwölfstündigem Wechsel leisten 4 gute Dienste. g 11 Schnitt der Johannisbeeren. Will man den Gewinn 1 einer Johannisbeeranlage erhöhen, so muß man die Sträucher allahr⸗ lich im Sommer und im Winter beschneiden. Ende Mai und An⸗ fang Juni schneidet man die Sommexreiser zurück; dadurch wird die Einwirkung der Sonne und der Luft auf die Früchte gef 8 und denselben eine stärkere Sästezufuhr gesichert. Namentlich 1 bei Johannisbeeren so häufigen Wurzelsaugreiser müssen zu jene g Zeit abgeschnitten werden, da sie dem Hauptstamm Saft entziehen und doch nicht tragen. Vom Spätherbst bis zum März muß man bei seinen Johannisbeersträuchern darauf hinarbeiten, daß Kronen nicht zu buschig werden. Es müssen deshalb nicht nur die abgestorbenen und mehr oder weniger schon saftigen Aeste hin weg- genommen werden, sondern auch zu dicht stehende Tragreiser sin dn zu entfernen. Die Reiser des vorigen Sommers werden auf zwei bis drei Augen eingeksürzt, damit sich Tragholz bildet. Alle langen 1 die 8 entstellen, werden entsernt; doch juno die 1 natürlichen kleinen Tragzweige an den ohannisbe räuche R aufs fleißigste zu schonen. eee 1 7 Ranlende Gewächse 70 Jahre wieder blühen sträucher und rankenden Gewächse, wie die 9705 g die echte Alpenwaldrebe, die zartblaue Gluecine, Sch z 5 b selbstklimmender Wildwein,„„ 2 Auch für Balkone, Veranden sind diese rankenden 2 wächse vorzüglich zu verwenden. E 4 S FFC * . warde vou Mitglied und Agltator der Deutschen Works partei! 1 0 ein so eee Kirchenparlament nicht am Aus⸗ bau einer wirklichen„Volkskirche mithelfen kann, sondern die 4 Kluft n den oberen Gesellschaftsschichten und der Masse des Volkes nür erweiteyn, damit aber ung die ev, Kirche als eine Klassenkirche ent er muß, liegt auf der Hand. Am 31. Januar trat der neue Landeskirchentag zur ersten Sitzung Man wühlte verschiedene Ausschstsse, faßte 1 Ent ale und ging Hause, ohne 0 ufgabe, das Haupt ben Kirchenregterung zu bestellen, erledigt zu haben, l. nach Angabe des offiziellen„Communtquss“, weil„die Tagung a mit Rücksicht auf dle Unstcherheit und Gefahren im besetzten Ge⸗ ammen. ießung zur Ruhrbe wichtig ste 2 biet e werden mußte“. in Wirklichkeit, weil sich die kirchenpolitischen Richtungen nicht auf eine Persönlichkeit einigen Eim klägliches Schauspiel und ein erstes Fiasko dieses wunderbaren Ki 5 konnten! nparlaments 1 Der abgesagte Preisabbau. 1 Nach den bisher vorliegenden Messungen der Preise durch In⸗ ., die den Durchschnitt eines größeren Kreises von Waren agleichzeftig ermitteln, zeigt sich mehr und mehr, daß der vom Dollarsturz erwartete Preksabbau so gut wie abgesagt ist. Die Monzessionen, die vereinzelt im Kleinhandel gemacht worden sind, sscheinen mehr auf die Verwirrung des allgemeinen Waxenmarktes, dals auf ein Nachgeben der Preise bei dem Großhandel und bei den i zurückzuführen zu sein. So zeigt die monatlich errechnete ziffer für Großhandelspreise der Frankf Ztg. am Anfang 125 nur einen Rückgang von 5,4 Proz. Die Warenpreise ssind nach diesen Feststellungen im Durchschnikt von dem 7,159fachen den 6,770 fachen Vorkriegspreis zurssckgegangen. Einen sstärkeren Preisaufschlag verzeichnet für die Zeit vom 20. bis zum 14 74 * 10 27. Febr., der ebenfalls auf breiter Basis, nämlich über 117 Waren übe rechnete Index des Berl. Tagebl. Hierbei ist besonders zu be⸗ achten, daß die sogenannten Prodnzentenartikel, also Waren, die insbesfondere zur Weiterverarbeitung gebraucht werden, noch im Steigen sind. Der neuere anden der Industrie⸗ und Handelsztg. jedoch ergibt für die Zeit vom 24. Febr. bis zum 2. März bei einem beschränkteren Kreis von Waren eine Steigerung der Warenpreise im Großhandel gegenlber der Vorwoche um 2,5 Proz. Sie tritt hervpr insbesondere bei den Textilien, dann aber auch bei den Rohstoffen der Leder⸗, Schuh⸗ und Gummi⸗Industrie, schließlich aber auch bei der Gruppe Fleisch, Fisch Fette und Zucker, während im übrigen Getreide und Mehl einen Preisrückgang auf⸗ weisen. u. in M Preisabbau kann also vorläufig gar keine e sein. kommt hinzu, daß insbesondere die für den Verbrauch wichtigen Endfabrikate vorläufig von einem Preis⸗ rückgang wenig verspüren lassen. Deutscher Reichstag. Berlin, 8. März. Auf. r stecht die zweite Beratung des Gesetzent⸗ Berücksichtigung der Geldentwertung in den Steuergesetzen. „Die Vorlage bringt für nicht weniger als 14 Steuergesetze Aenderun⸗ gen. Der Berichterstatter des Sbeuercsschusses, e Keinath (Dem.), erklärt, daß weder durch die Regierungsvorlage noch durch die Beschlüsse des Ausschusses die Aufgabe, die Seeuerleistngen auf eine weribeständige Rechnüngseinheit zu stellen, befriedigend gelöst tworden sei. Die Vorlage 2 nur 5 b n 17 Eimer Entschlie fung ersucht e erung, die Einkom⸗ mmensteuer auf eine neue, e zu stellen. N Abg. Bernstein(Soz.): Das vorliegende Gesetz trägt den Charakter der Unsicherheit und sist zudem nur eine Halbheit. Die Beschlüsse des Ausschusses befrie⸗ wigen uns in keiner Weise, sie bringen gegenliber der Regierungsvor⸗ lage für ums un annehmbare Verschlechterungen. Vor allen Dingen milssen wir uns dagegen wenden, daß die Wertpapiere der autslündischen Zahlungsmittel nach einem Durchschnitts kurs be⸗ rechnet werden sollen. Wir verlangen ihre Einschätzung nach dem Kurswert am Bilanztage, Diese Wertpapiere und Zahlungsmittel auch keineswegs als Gegenstände des Betriebsvermögens gel⸗ ten. Ghbenso schurf wenden wir us gegen die hohe Berechnung der Albmitzung und gegen jede steuerliche Begünstigung der Landwirt⸗ 1 sschaft, die die größten Vorteile von der Geldentwertung gehabt hat. Im Ausschuß erschienen zwar Vertreter der Landwirtschaft und klag⸗ * F I 1 * 4 * n ee e eee eee um teen in so beweglichen Tönen über ihre Not, daß ich nicht umhin ü, konnte, aun Schluß der Sitzung eine Kollekte für die notleidende Land⸗ r ü anzuregen. Es besteht aber die Tatsache, daß die Be⸗ e stteuerung der Grundstücke in einem starken Miß verhältnis „ fsteht zu den enorm gestiegenen Bodenpreisen. Die vom Ausschuß fest⸗ e sgcgesetzten Sätze für Abschreibungen müssen auf ein Zehntel herabge⸗ r mindert werden. Ferner beantragen wir, daß die geschuldeten a(Steuerbetrüge in der gleichen Weise erhöht werden, wie sich seit ihrem „ Waälligkeitstage der Goldausschlag erhöht hat. Mit der Suspendierung em ider Kapital rentensteuer sind wir esinverstanden, falls von den Divi⸗ idenden 10 Prozent an anderer Stelle erhoben werden. Wir bean⸗ tragen weiter die Wiederherstellung des Depotzwanges, die weitere Aufhebung des ee und die Offenlegung der Steuer⸗ th llisten. Es ist uns unverft ich, daß gerade die Banken und Spar⸗ alsar Fassen die Wiederherstellung des Bankgeheimnisses und die Aufhebung 1 4 des Depotzwanges betreiben. Sie haben doch unter diesen Maßnahmen 1 nicht gelitten. Zu der Entschließung des Ausschusses, die die Be⸗ 17 fteuerung des Einkommens insbesondere von Lohn⸗ und Gehalts⸗ „ enpfandem aun eine nen gerechte, der Lage des deulschen Geldwesens % eentsprechende und die Erhebung der Steuer vereinfachende Grundlage wih 5 stellen will, schlagen wir insoweit eine Aenderung des Wortlautes I vor, als wir das deutsche Steuersystem auf eine neue gerechte, der KcKage des deutschen Geidwesens entsprechende und nach dem Vorbild rt 4 ider Lohnsteuer die Erhebung vereinfachende Grundlage gestellt wissen , wollen. würde das rechtzeitige Aufkommen der Steuern ge⸗ 8 sichert und das Reich gegen Kursverluste bei der Steuerzahlung ge⸗ A schützt werden. Im Auslande, selbst in deutschfreundlichen Kreisen 0 9 glaubt man, daß Deutschland noch lange nicht alles tut, um seine 0 Finanzen zu ordnen. Wir mllssen daher die Bewertungsvorschriften, 4 die Tarife und die Bestimmungen über die Steuereinztehung so scharf gestalten, wie das nur immer möglich ist. l 5 Eine soztaldemokratische Entschließung ersucht die Regie rung, den Termin für die Abgabe der Steuererklärung für die Einkommen⸗ steuer, Vermögenssteuer und Zwangsanleihe nicht über den 15. April hinaus auszudehnen. a: Abg. Dr. Helfferich(Dtn.); Dadurch, daß die Sozialdemo⸗ kratie ihre alten Anträge wieder eingebracht hat, tut sie der Sache beinen Gefallen. Die Veranlagung wird dadurch nur noch weiter hinausgeschoben. e br Moldenhauer(D. Vp.) Die große Ungerechtig⸗ keit, die in der Benachteiligung des Lohn⸗ und Gehaltsempfängers gegeniiber den sonstigen Ste uerpflichtigen liegt, muß beseitigt werden. Den Ausschußbeschlüssen stimmen wir im Wesentlichen zu, die Offen⸗ legung der Steuerlisten lehnen wir ab. Abg. Herold(Ztr.): Die zu hohe Besteuerung der Lanbwirt⸗ schaft könnte nachteilig auf die Produktion wirken. Im wesentlichen ftellen wir uns auf den Boden der Ausschußbeschlüsse, beantragen aber, die im Jahre 1922 erworbenen Grundstücke mit dem Anschaff⸗ ungspreis zu bewerten. 5 1 1 Abg. Merck(B. Wp.) lehnt die sozialdemobratischen Anträge ab, stimmt aber der Auskunftspflicht der Beamten und den Aus schuß⸗ — des Problems stabiler Steuern im Augenblick gar Abg. Koenen(Romm.): Die Anpassung an die Geldentwertung Ausschußantrag angenommen, wonach die Bersicksichtgung der Geld⸗ entwertung bei dem Einkommenssteuergesetz jeweils burch ein be⸗ . terberatung: Fre r. Außerdem: Gesetz über die Wohnungsbauabgabe. 8 Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Der Reichsangestelltentarif dem Scheitern nahe. Vom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Nach achtmonatlichen Verhandlungen find am 2. März d. J. die Verhandlungen über den Reichstarif für die Angestellten der Reichsverwaltungen zu einem vorläufigen Stillstand gekommen, In der Frage der Aeelbehaltung einer Tarif⸗Schiedsstelle über die Ein⸗ gruppie rungen, die Berechnung des e ee und des Geltungsbereichs wollten die Vertreter der Reichs regterung die Angestellten⸗Organksationen vor einer erneute Entscheidung des Reichskabinetts stellen, obwohl dieses bereits anläßlich der Kün⸗ digung des bisherigen Tarsses zu diesen Fragen Stellung genom⸗ men hat Der Vorschlag der Organisationen, ein Schiedsgericht beim Reichsarbeitsministerium einzusetzen, wurde zur Kenntnis ge⸗ mommen mit dem Bemerken, daß auch hierzu erst eine Kabinetts⸗ entscheidung ee set. Die Organisationen konnten dem nicht folgen und erklärten 90 0 die Verhandlungen in den obener⸗ wühnten Punkten für abgeschlossen, indem sie sich gleichzeitig volle Hanblungsfrefheit vorbehielten. So ist denn in der ar uinürgen wirtschaftlichen Situatson durch die eigenaxtige Stellungnahme der Regierungs⸗Unterhändler ein bedeutsames Tarifwerk dem Scheitern nahe gebracht. Lokale Parteinachrichten. Vefirkssekretariat. ber. soiald. Partei essenz An die Ortsvereine! Genossinnen und Genossen! In eine außerordentlich schwere Zeit fällt die 75 jährige Wiederkehr des Gedenktages der Revolution des Jahres 1848. Durch die weltgeschichtlichen Eveignisse der letzten Jahre ist die Revolution des Jahres 1848 etwas in den Hintergrund gedrängt worden. Man hat deshalb im Gegensatz zu früheren Jahren keine Märzfeier mehr abgehalten. Der Bezirksvorstand vertritt jedoch die Auffassung, daß der 18. März in diesem Jahre felerlich begangen werden soll. War die Revolution 1848 auch eine blirgerliche, so ist ihr proletarischer Einschlag doch unverkennbar. Das Blirgertum denkt an seine freiheitlichen Vorkämpfer schon lange nicht mehr. Die Arbeiterschaft hat den Gedanken der Reichseinheit zu den ihrigen gemacht und kämpft heroisch im Ruhrgebiet, im Rheinland und in Baden für Deutschlands Schicksal und Zukunft. Mächtige Kräfte sind am Werk, Deutschlands Einheit und damit seine Stärke zu zerschla⸗ gen, das deutsche werktätige Volk in imperialistische und kapitalistische Knechtschaft zu bannen. Der 18. März muß filr das Proletariat ein Tag der Selbst⸗ erneuerung, der Sammlung frischer Kräfte zum Kampfe für Freiheit und Recht sein. Die deutsche Sozialdemokratie ist sich klar darüber, welche Folgen ein Erfolg französischer Herrschaftsgelüste liber Deutschlands Wirtschaft und Arbefterschaft haben müßte. Sie weiß aber auch, daß das Gebaren der Deutschnationalen und National⸗ sozbalisten Deutschland in ein aussichtsloses blutiges Abenteuer zu stürzen, mit aller Entschiedenheit bekümpft werden muß. Die Stemerscheu bitrgerlichen Parteien des Reichstags weigern sich, dem Reiche die zu seiner schweren Existenz erforderlichen Mittel zu geben. Sie liber⸗ lassen das Steuerzahlen den Arbeitern und Festbesoldeten. Die Veranstaltungen wollen in Verbindung gebracht werden mit Erinnerung an den 40. Todestag von Karl Marx, dem großen Schöpfer des soziglistischen Gedankens. Die Vorwärts⸗ buchhandlung hat zum Andenken an Karl Marx eine geschmackvoll aussgestattete Festschrift herausgebracht, welche wir bei den Parteibuchhandlungen recht zahlreich zu bestellen ersuchen. Vermittlungen von Referenten für die Revolutions⸗ und Marx⸗ feiern erfolgen durch die zuständigen Parteisekretariate. Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Arbeiterweltselertag, dem 1. Mal, Ihn zu einem imposanten, wirkungsvollen Festtag der Arbeft zu ge⸗ stalten, muß bie Aufgabe aller Ortsvereinsleitungen sein. In Stadt und Land muß versucht werden, mit den Ortsausschüssen des A. D. — 1 Damit schließt dte Aüssrrache. 8 1 der Boflage wirb nach bem J G. B., i Verbingun der Besitzenden nimmt immer krassere Formen an, die zu treten und filr die möqglichste Durchfluih vun der Arbeits ruhe zu sorgen. Es ist aber Vorsorge zu treffen, daß die Maifeier nicht wie in den Vorjahren, an 1 Orten zum E für kommumistische Ungezogenhelten mißbraucht werden Genossinnen und Genossen! Rüsstet jetzt se le rall für die Matseler. Wie in den Vorfahren soll ste auch diesmal wieder eine imposante Heerschau des werktätigen Volkes werden. 5 Der Bezirlsvorstand der B. S. O. D. Hessens. J. A.: W. Widmann. * Gemeinbevertreter⸗Konferengen. Sonntag, den 11. März 1923. Gleßen, im Gewerkschaftshaus 90% Uhr vormittags; Resevent: Landtagsabg. Mann ⸗ Gießen; Thema: Kommunale Wirt⸗ Grün per g. n ne df, ee e rünberg. Lokale„Casé Stein“, 1 7 Gemeinderat Venner⸗Wieseck:; Thema: Die Stbenber⸗ möglichkeiten der Gemeinden, Wir erwarten, daß alle Gemeinbevertreter der betreffenden Unterbezirke vollzählig vertreten sind. Den Ortsvereinen des Unterbezirks Londorf zur eumtnis, daß die Konferenz am 11. März ausfällt. Die Konserenz findet 8 Tage später am 18. bs. Mis, 2 Uhr nachmittags in Lonborf statt. Mit Parteigruß! 5 J. A.: H. Hänsec, Arbeiter⸗Jugend im Volksstaat Hessen, Unterbezier Gießen. Am Samstag, den 10. März findet im großen Saale bes Ge⸗ werkschaftshauses esne ölfentliche Versammlung der Arbeiter⸗ Jugend statl. Das Thema lautet„Was wir wollen;“, bie kultur⸗ polftischen und wirtschaftlichen Aufgaben und Ziele der Arbeiter Jugend⸗Bewegung. Referent zu diesem wichtigen e* Jugendsekretär Genosse Avemarie⸗ Darmstadt. Wir bitten Arbeiterschaft, sich zahlreich einzufinden. Beginn der Versammlum⸗ 8½%½ Uhr. Eintritt ist frei!!! Sonntag, den 11. März vormittags 9% Uhr im Gewerkschasts⸗ haus zu Gießen findet eine Unterbezirksführersitzung sbatt. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: 1. Die Lage im Unterbezirk. 2. Unsere Organisation(Ref Gen. Avemarie). 3. Neuwahlen des Unterbezürksvorstandes. 4. Verschiedenes. g Wir bitten alle Vereine, davon Kenntnis zu und 4 der Sitzung vertreten zu seln. Gäste sind willkommen. Heil Der Unterbezirksvorstand, J. A.: Richard Fräßdorf. J Sport Lollar 1.— Friedberg 1. 4:3(2 2).(Ecken 7: 0). Am 25. Februar trafen sich die Mannschaften in L. zum Aus⸗ trag eines Gesellschaftsspleles. um 1.30 Uhr gab, der Schi richter den Vall frei. L. Anstoß wurde von F. abgefangen ein schneller Durchbruch und schon flührte F. 10. L. dadurch nicht entmutigt geht fetzt eifriger an den Ball und kann auch gleichgiehen. Nach kurzem Hine und Herspiel gelingt insch besseren Friedberger Elf das 2. Tor zu erzielen. durch noch mehr angespornt. driickt stark und Fr. kann 7 noch zur Ecke abwehren. Die Ecke wurde schön von E. stürmer verwandelt. Bis zur Halbzeit entspann sich noch ein he Kampf um die Flihrung aber ohne Erfolg. In zweiten zeit meistens Mittel seldspiel. nur einige Durchbrüche beider teien, wobei F. 1 und L. noch 2 Tore erzielen konnte. Das Spiel litt leider sehr unter dem aufgeweichten Boden. L. Elf konnte mer durch starke Enerqase den Sieg an sich reißen. Sch. Allendorf 1— Wleseck 2. 5:2(0: 2.(Ecken 7: 5). Wieseck trat mit 10 Mann an darunter 3 Mann Ersatz. Es sand sich jedoch schnell zusammen und konnte schon nach 5 Minuten ben 1. Erfolg erzielen. Danach ziemlich offenes Spiel, wobet W. durch gute Zusammenarbelt in der 40. Minute noch ein Tor er⸗ zielen kann. Nach der Halbzeit ändert sich das Spiel kolossal Gimige Spieler A. sangen fetzt an ganz roh und brutal zu spielen. wo ihnen allerdings die schwachen W. nicht standhalten konnten und erzielen 5 Tore. Es wäre A sehr zu empfehlen sich in ft eine andere Spielweise anzugewöhnen. denn sie es können, 1 — Auf Grund des Gesetzes vom 2. März 1923(R. G. Bl. Reiches, rückzahlbar nach 3 Jahren zu 120% ohne jeden. Abzug, Für diese Schatzanweisungen hat die Reichs ban Die auflommenden Devisen fließen der Reichsbank zu; zu fordern. 5 Die Schatzanweisungen sind durch die Die Zulassung zum Börsenhandel wird schnellstens in die Zeichnungsstellen. Zeichnungen werden vom papiere in Berlin C2, Breite den noch besonders bekanntzugebenden Zeichnungen bleibt vorbehalten. New⸗York oder in Gold, den Dollar Zeichnungspreis. Einzahlung. Der Zeichnungspreis beträgt 100%. spansschen Peseten, argentinischen Pesos, japanischen Nen. Sofern andere Währungen als Dollar in Zahlung gegebe Spanische Pes. 64,2756, Argentin. Pes. 26,8849, Umrechnungssätze vorbehalten. Eyltzen werden zum Tages mittelkurse flür Die Einzahlung hat bei der Zeichnungsstelle, erfolgen. Von den gezeichneten Beträgen sind mindestens 40% für jede volle Woche der Vorauszahlung gewährt; Abänderung der Stückelung kann nicht stattgegeben werden. Reichsbank⸗Direktorium. Berliner Handels-Gesellschaft. Nationalbank, K. a. A. Delbrück Schickler& Co. J. Dreyfus& Co. Hardy& Co., G. m. b. H. Besitzenden durchgeführt. Polar- Schahauweisaugen des Peul am 15. April 1926 mit 120% rückzahlbar. Teil I, S. 155) werden hiermit Dollar⸗Schatzanwessungen des Deulschen zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. die selbstschuld nerische Bürgschaft übernommen. diese hat unmittelbar das Recht, die Straße 8/9, bei allen Zweiganstalten der Reichsbank g den Mitglbedern des Uebernahmekonsortunns und deren Zweig niederlasfungen entgegengenommen. Die Zeichnungen können auch bei Zeichnungsstellen und ihren sümtlichen Zweigniederlassungen Einteilung, Einlösung der Schatzanweisungen. Die Schatzanweisungen sind ausgefertigt in Stücken zu ö, 10, 20, Rückzahlung der Schatzauweisungen erfolgt am 15. April 1926 zu 120% zu 1,5046 f Feingold gerechnet. Die Einzahlung 5 erfolgen, und zwar in amerikanschen Dollar, Pfund Sterling, holländischen Gulden, schweizerischen Franken, nordischen Die Kosten der Einziehung der Schecks sind von den Zeichnern zu tragen. en werden, werden zurzeit berechnet: vor dem 14. April d. J. in Noten oder telegraphischen Ausz* bei Schecks und brieflichen Auszahlungen auf europälsche Plätze wird bel der Berechnung der Vergütung eine volle Woche in Abzug gebracht. seeische Länder kommt die Verglitung für Vorauszahlungen nicht in Betracht. Die Berechnung der Verglitung erfolgt unter Zu⸗ grunbelegung des Mittelkurses flir Auszahlung New⸗Nork vom 10. März d. J. Der Zeichner erhält eine Mitteilung, in welcher Höhe seine Zeichnung angenommen Beträge ist er verpflichtet. Vor der Zuteilung vollbegahlte Zeichmmgen sind in dem daftir vorgesehenen Raum auf der Vorderseite des Zeichnungsscheins anzugeben. Werden derartige Wlinsche nicht zum Ausdruck gebracht, so wird die Stückelung von den Zeichnungsstellen nach Ausgabe der Stucke. Die Ausgabe der Schatzanwelsungen erfolgt mit möglichster Zahlung mit Scheck oder Auszahlung erfolgt, so werden die Stlicke erst nach S. Bleichröder. Deutsche Bank. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank. Gebrüder Arnhold. Baye · rische Vereinsban. L. Behrens& Söhne. Simon Hirschland. A. Levy. heim jr.& Cie. Lazard Speyer⸗Ellissen. Straus& Co. M. M. Warburg& Co. dg Neiches. Leistung der Devisen von den Zeichnern Darlehnskassen des Reiches beleihbar. Wege geleitet werden. Bedingungen: 12, bis 24. März bei der Zeichnungsabteilung des Kontors der Reichshauptbank flür Wert⸗ mit Kasseneinrichtung und bei den untenstehen⸗ erfolgen. Irltherer Schluß der 50 und 100 Dollar. Die ohne jeden Abzug nach Wahl des Reiches in Scheck auf kann nur in Devisen(Noten, Schecks, Auszahlungen) Kronen, Engl. Pfund 2.2.7, Holländ. fl. 28,9166, Schweiz. Frs. 53,3606, Norw. Kr. 54,6402, Schwed. Kr. 37,7800, Dänische Kr. 52,0800, Japan. Nen 20,9036 Sollten im Wertverhältnis der verschiedenen Währungen um tere inander „Auszahlung“ der eingereichten Depisen in Mark bar vergütet. die die Zeichnung entgegengenommen hat, bel der Zeichnung, der Rest spätestens bis 14. April d. J. zu 10 Dollar. größere Verschiebungen eintreten, bleibt Aenderung der für Rechnung der Reichsbank zu 752 Für ahlungen gezahlte Beträge wird eine Vergltung von 17% im Mark Bei Bezahlung mit Schecks und brieflichen Auszahlungen auf über ⸗ worden ist. Zur Abnahme der zugeteilten werden voll berliscksichtigt. Wünsche wegen der Stiicke tung ihrem Ermessen vorgenommen. Späteren Anträgen auf Beschleunigung, voraussichtlich bis Ende April. Ost die Werteingang geliefert. Commerz und Privatbank. Darmstädter und Direction der Disconto-Gesellschaft. Dresdner Bank, Lincoln Menny Oppenheimer. Sal. Oppen⸗ * gthürdliche Bekaunlmachuugen Bekanntmachung. Stadttheater⸗Abounement. Die außergewöhnliche Steigerung aller Ausgaben efährdet ernstlich den Weiterbetrieb des Stadttheaters, eshalb außergewöhnliche Mittel beschafft, und alle Einnahme⸗ Möglichkeiten ausgenutzt werden müssen. Eine solche Möglichkeit bietet eine Nachzahlung auf as Theater⸗Abonnement, das infolge der fortgesetzten rhöhung der Tageseintrittspreise 3. Zt. eine unver⸗ älmismäßige Begünstigung darstellt. Um die Durch⸗ hrung der laufenden Spielzeit zu ermöglichen, und ine ausreichende Bezahlung des Bühnenpersonals ficherzustellen, hat die Theaterdeputation eine Nach⸗ zahlung auf das Abonnement beschlossen. Von dem Verständnis und der Theaterfreude der Abonnenten wird mit Sicherheit erwartet, daß sie das verhältnis⸗ mäßig kleine Opfer im Interesse der Erhaltung des bedrohten Instituts gerne bringen. Die nachzuzahlenden Beträge werden für das Dienstag⸗Abonnement am Donnerstag, den 8. März, Mittwoch⸗Abonnement am Freitag, den 9. März Freitag ⸗Abonnement am Montag, den 12. März in der Zeit von 9—1 1 vormittags und 3—5 Uhr nachmistags an der Kasse in der Vorhalle des Stadtiheaters(Abendkasse) entgegengenommen und betragen für jeden Platz: osc.-Loge, Rang⸗Loge und I. Vorderplatz Pr ge, Rang⸗Log Rang 8900 bt J. Sperrsitz und I. Rang Mitte 2500„ 9„ I.„ Nüchplatz 2000 I 5„ Vorderplatz 1500„ II. Rang Mitte 1000„ Die Abonnementsblocks sind bei der Zahlung zur Abstempelung vorzulegen. Gießen, den 5. März 1923. 1846 Theaterbauverein G. m. b. H. Gi eß en Der Oderdurgermeister Bekanntmachung. Durch Verordnung vom 15. Februar 1923 sind die (Ermäßigungen nach§ 46 Abs. 2 des Einkommen⸗ Steuer⸗Gesetzes auf das vierfache erhöht worden. Der Betrag von 10 v. H. Arbeitslohnes ermäßigt sich sonach: 1. für den Steuerpflichtigen und für seine Ehefrau a) bei monatlicher Zahlung um je. 800.— Mk. b)„ wöchentlicher„„5 2. 197 jedes minderjährige Kind im Sinne des 8 17 Abs. 2 . a) bei monatlicher Zahlung um j 4000.— Mk. b)„ wöchentlicher„„„ 960.—„ Kinder über 17 Jahren, die Arbeitseinkommen haben werden nicht gerechnet. 3. Zur Abgeltung der nach 9 13 Abs. 1 Nr. 1—7 zu⸗ läsfigen Abzüge a) bei monatlicher Zahlung um je 4000.— Mk. b)„ wöchentlicher„„ 2980.—„ Die Bestimmungen treten am 1. März 1923 mit sder Maßgabe in Kraft, daß die Ermäßigungen bei jeder nach dem 28. Februar 1923 erfolgenden Zahlung von nach dem 28. Februar 1923 fällig gewordenem Arbeitslohn Anwendung findet. Gießen, den 1. März 1923. Die Finanzämter Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen. Städt. Arbeitsamt Gießen enen 16 ü Telephon 2054 Kostenlose Arbeitsvermittlung und Berufsberatung für beiderlei Geschlecht, u. a. auch für Kriegerwaisen und Kriegsbeschädigtenkinder. es können eingestellt werben: a) bel hliesigen Arbeitgebers? Lehrlinge: 2 Friseure, 1 Bäcker, 2 Lackierer, 1 Einrahmer, 2 Schmiede, 2 Gärtner, 1 Schriftsetzer, 1 Maler und Weißbinder, 1 Glaser, 1 Metzger, ein Buchbinder, 2 Spengler und Installatenre, 2 Kellner, 1 Schneider. D bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 lanbwirtschaftlicher Knecht, 1 verheirateter Knecht, 8 Dreher, 1 älterer Bauschlosser, Maschinenschlosser über 30 Jahre alt. Lehrlinge: 1 Steinmetz, 1 Spengler und In⸗ stallateur. 2 1363 0 es suchen Avbeit: Schriftsetzer, Buchdrucker, 2 Schreiner, Kaufleute, Schreiber und Reisende, Packer, Hausburschen und Ausläufer, Maschinenschlosser, Bauschlosser, Schuh⸗ macher, 1 Krankenpfleger, 1 Sattler, 1 landw. Verwalter, Bäcker und Metzger, 2 Kellner, 1 Kraftfahrer, 1 Buch⸗ binder, Mechauiker, 1 Heizer, 1 Wagner, mehrere Anstreicher, 3 Weißbinder, 1 Konditor, 2 Bautechniker, 1 Landwirtschaftspraktikant, 1 Maschinenbaupraltikant, 1 Müller, 1 Zahntechniker, 3 Schneider. Lehrlinge: 1 Kaufmann, 2 Autoschlosser, 2 (Schlosser, 1 Spengler, 3 Mechaniker, 3 Elektromon⸗ 8 2 Schuhmacher mit Kost und Wohnung, 1 Schreiner desgl., 1 Schneider. Gelegenheitsarbeiten werden ebenfalls entgegen genommen. Weibliche Abteilang: Annen eingestellt werden: a bei bie igen Arbeitgebern: Mädchen für tagsüber, Dienstmädchen, Lauffrauen und mädchen für einzelne Tage, tüchtige Allein⸗ mädchen, einfache Stützen, 1 Köchin, 1 Schäftestepperin, (mehrere Waschsrauen, 1 Zimmermädchen. d bei auswärtigen Arbeitgebern: 3 landwirtschaftliche Dienstmädchen, Dienstmädchen, Hausmädchen, Zimmermädchen, Alleinmädchen, eine Köchin, 1 Stütze, 1 Haushälterin, 1 Hoteltöchin, ein Küchenmädchen. es suchen Arbeit: 1 Büglerin, Kontoristinnen, 1 Flickerin, drei [Berkäuferinnen, 1 Haushälterin, einige Lauffrauen, auch für Nachmittagsbeschäftigung, Mädchen für lags⸗ über, Fabrikarbeiteriunen, 1 Waschfrau, 1 Kaffeekö chin, 1 Schneiderinnenlehrmädchen, 3 Bürolehrmädchen, eine Gutshaushälterin. Die Berufsberatung und Arbeits- Vermittlung für Musitker findet Dienstag, Donnerstag und Samstag nine CHlSFI West S geeilene l Anelruqe riersrellert hMuMKET 2 e1E., Dussglenk. ch der in alter bewahrter Gute! t für alle Arten von Wäsche. EMK Oer ers S . e Originoaipacg Kon leich. 25. Hocha Friedrich& 1 H⸗Packung— Süßkraft von reichlich 1 Pfund Zucker M. Tabletten haben die Süßkraft von je 1½¼ Würfel Zucker Perückensach grundlich er⸗ Lehrling sucht, selbiger kann das Geschäftseröffnung. Einer verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgebung zur gefl. Kenntnis, daß mein im Hause Kaiserallee 48(kein Laden) befindlicher Kinderwagen und Holzwaren⸗ verkauf aufgehoben ist. Statt dessen eröffne ich gleichzeitig in Gemeinschaft mit meinem Bruder ein Epezialgeschäft der Zeitzer Kinderwagen⸗ und Holzwarenindustrie im Hause Neuenweg 50(Eckladen). Es soll unser Bestreben sein, unsere Kundschaft wie in der bisherigen Weise zufriedenzustellen. chtend 1360 Rudolf Gödicke . N MI. 225.— Schachteln mit 100 20⁰ 500 Tabletten 8 Ben ieren er 17 N ren er Vorzüglich zum Kochen, Backen usw. Mi. 320.— 640.— 1600.— f n a Kann mitgekocht werden. zum Süßen von Kaffee, Tee usw. eren n e Erhältlich in golonla waren · rogendandlungen und Apothe ren. 01 L. Krauskopf — 8 7 1 Gr. ⸗Linden. g Sar . lieh W 4 Seltersweg Bis elnschliessl. Sonntag N das use delszslons-Frograum Luciano Albertini in dem tollkühnen Abenteuer Die Heimkehr 6 Akte. 6 Akte. Dazu das glänzende Lustspiel von„Rudi Bach“ Klissys Brautnacht In der Hauptrolle: 1364 Lissy Arna und Otto Mucke. 4 A Brillanten, Gold, Platin, Perlen, Be Tafelgeräte, Alte Münzen, [Schmuck jeglicher Art, Brennstifte, Gebisse, kauft zu den höchsten Kursen bebr. Nähmaschlus, auch Handmaschine, wenn auch reparaturbedürftig, zu kaufen gesucht. Schriftl. Off. u. 1 340 a. d. Exp. d. Bl. Stadtiheaker Sonntag, den 11. Mär: Meine Frau, 1300% das Fräulein Anfang 3½ Ende n. 6 Uhr l1-Zentrale in and Wiebte Anf. 7 Uhr Ende 9¼ Uhr Silber, Stecke, elmeal,- uni Eüaisie Inhaber: Filiale Giessen, Schanzenstr. 2, R. Russ, Bad- Kreuznach, (Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Dienstag, den 13. März 20. Vorstellung im Dienstag⸗Abonnement Morituri(Teja, Frischen, Das Ewia⸗ Männliche) Anfang 7 Ende 97¾ Uhr Tel. 605. 2 Stadttheater Montags, den 19. Marz, abends 7 Uhr Festvorstellung zum Besten der Wohlfahrts- kassen des Personals Dis Dolarprinzessin Operette in 3 Akten von Leo Fall Musikalische Leitung: Karl Knübel. 1366 Spielleitung: Rudolf Goll. Einstudierung der Tänze: Lina Oldini. Unter Mitwirkung der Chorvereinigung Arminius(Leiter: Joseph Würzburger). Eintrittspreise: Mk. 3500, Mk. 3000, Mk. 2500.—, Mk. 2000, Mk. 1500, 1000.—. Vorverkauf ab Montag, 12., an d. Theaterkasse. fers dle Mittwoch, den 14. Märs 20. Vorstellung im Mittwoch⸗Abonnement Will und Wiebke Anfang 7 Ende 9 Uhr Donnerstag, 15. März Frauen u. Mädche —— erhalten unentgel Außer Abonnement 2— ½½8 Uhr— Rat und Aus funf 405 Rechts an gelegen Ende nach 10 Uhr Freitag, den 16. März im alten Nathan 18 5 i 21. Vorstellur Mark vlat 14, een Mittwoch nachmitt ö Meine Frau, von 6 bis, 7½ Ubr“ das Fräulein b Anf. 7 Uhr Ende 9¾ Uhr 0 110 Sonntag, den 18. Mär: bb 0 Jaun Meine Frau, 55 Jahre, ev. alleinst. ohne Kinder, in Bäckerei und das Fräulein Anfang 3½ Ende n. 6 Uhr Landwirtschaft erfahren, vermögend, sucht Schwarzwal mädel eirat. Anfang? Ende 9½ Ubr Off. unler Nr. 1847 an die] 28 Oberh. Volksztg. erbeten. 25 c D 91 1 5 1* 99 Gestorbene. 1 1 März. Valentin Ruppel, Eisenbahn⸗ 75 schaffner i. R. 4 Jahre alt, Mühhstr. 16. 603 Beerdigung: 10. März 2 Uhr nachm. 77 7. März. Otto Brandenburger, städt. Ar⸗ 81 beiter, 46 Jahre alt, Bahnhofstr. 82. 78 2 Jahre alt, Seltersweg 4. 65 8. März. Karl Ockel, Beamtenanwärte! Beerdigung: 12. März 2 Uhr nachm. 65 von 10—12 Uhr statl. eiessener Konzert-Yerein 7. und 8. Abonnements- Konzert in der Universitäts-Aula: Orchester- Konzert Ausführende: Mitglieder des Nauheimer Kurorchesters u. Giessener Musikfreunde Leitung: Frof. G. Trautmann. Haydn, Oxtord- Symphonie— Wagner, Siegfried- Idylle— Mozart, Symphonie G- Moll(K. 550). Eintrittskarten: Mk. 1000.—, 800.—, 700.— u. 500.— del Ernst Challier und abends an der Kasse. Wegen der weiteren Geldentwertung haben die Abonnen- ten ihre Karten(7. und 8. Konzert) unter Zu- zahlung von 200 Mark segen die für das sorchesterkonzert gullige Karte bei E. Challier einzutauschen. 1348 Gewerkschaftshaus Giessen Schanzenstraße 18 75 Fernsprecher 18 Empfehlen allen hiesigen u. aus wärtigen Partei- u. Gewerkschaftsgenossen unsere geräumigen Lokalitäten Guter bürgerl. Mittagstisch Prima Bier aus der Brauerei Ihring-Lich Ia. Weine und Liköre/ Imbiß/ Kaffee Zivile Preise/ Aufmerksame Bedienung Die Verwalt.: Max Stephan. Edelmetall⸗Ankauf! 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