Aedoltson: Gießen setzen werden. Oberhessi Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Vehnbosstraße 23 Fernsprecher 2008. g kitung Swedition: Sießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2008. Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 780.— Me, einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 780.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 80.— Mk, Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) ober deren Raum lokal 7.— Mt. auswärts 10.— Mk., die—— 20.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entspre der Raball gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 7 Gießen, Mittwoch, den 10. Januar 1923 183. Jahrgang 0 Vor der Nuhrbesetzung. Die Einmarsch vorbereitungen. Die verschiedenen Mitteilungen über Frankreichs Vor⸗ bereitungen zum Vormarsch auf Essen werden von der französischen Regierung dementiert. Trotzdem aber bleibt die Tatsache bestehen, daß die französischen Besatzungs⸗ truppen am Rhein bis dicht an die Peripherie vorgeschoben sind. England wird, wie man uns von maßgebender Seite verfichert, seine Truppen am Rhein nicht zurückziehen, zu⸗ mal es bestrebt ist, den Meinungsunterschied, der Frankreich und England trennt, auf ein Minimum zu beschränken und nichts zu unternehmen, was ihn vergrößern könnte. Von dieser Tatsache ausgehend, sind also alle Meldungen, die von! mit äußerster Vorsicht aufzunehmen. Im einzelnen liegen folgende Meldungen vor: Quartiermacher unterwegs. Aus Düsseldorf hört die B. Z., daß dort von den Franzosen bereits für Truppen und Automobile Quartiere angefordert wor⸗ den seien. N Der Aufmarsch. In den Düsseldorfer Kasernen der Besatzungstruppen herrscht fieberhaftes Leben. Auf das Fernsprechamt in . kamen am Montog nachmittag gegen 200 fran⸗ zösische Offiziere, die auf weitere Anweisungen warten. Von der Besatzungsbehörde in Koblenz wurde der Güterverkehr der Strecken Koblenz⸗Köln und Koblenz⸗Trier Lingeschränkt und zum Teil zum Erliegen gebracht, damit die Strecken für die Truppentransporte frei sind. Auf den Ba n dee besetzten Gebietes ist eine verschärfte Paß eingeführt worden. Starke französische Truppentransporte werden aus der, Pfalz gemeldet. Am Montag passierten 7 französische Truppentransportzüge, die aus Frankreich kamen, mit Halt ouf allen Stationen die Pfalz. In den französischen Militär⸗ lagern der Pfalz herrscht fieberhafte Tätigkeit, die darauf schließen läßt, daß auch in der Rheinpfalz erhöhte Alarm⸗ bereitschaft besteht. Die Haltung der französischen Offiziere und Mannschaften gegen ihre unfreiwilligen Quartiergeber und gegen die deutschen Geschäftsinhaber, bei denen sie ihre Einkäufe zu machen pflegen, ist, wie übereinstimmend aus verschiedenen Städten gemeldet wird, beinahe feindselig. Frnzösische Vorposten bei Essen? Die französischen Truppen sind, nach einer Meldung des Lok.⸗ Anz. aus dem besetzten Gebiet schon in hroßem Umfange an die Peripherie, namentlich nach dem Ruhrgebiet, vorgeschoben worden. So zeigten sich bereits französische Abteilungen an der Grenze des Essener Gebietes zwischen Kettwig und Mülheim. In Essen sind weder bei den leitenden Stellen des Ruhrgebiets, noch bei den Be⸗ hörden direkte Mitteilungen über die französischen Maßnahmen eingetroffen. An der Durchführung der Besatzung zweifelt niemand mehr. Man erwartet sie für Mittwoch. Französische Ingenieure alarmbereit. Zu einer Meldung der Radio⸗Agentur über die Ab⸗ sendung von 40 französischen Bergingenieuren in das Ruhr- gebiet berichtet der Petit Parisien folgendes: Die Ingenieure, die Sonntag abend Paris verlassen haben, werden sich nicht direkt nach Essen begeben. Sie werden sich in Düsseldorf aufhalten wohin die Regierung ihnen neue Weisungen zu— gehen lassen wird, falls der von dem Ministerrat entworfene Plan zur Ausführung kommt Die Abreise der Minen- und Marineingenieure erfolgte Sonntag abend, nachdem sie ohne weitere Einzelheiten den Auftrag bekommen hatten, sich zu dem genannten Zeitpunkt im Pariser Nordbahnhof einzufinden, um eine Reise anzutreten. Die Chefs der Ingenieurtruppen hatten vorher eine lange Unterredung mit dem Arbeitsminister und dem Generalinspektor der Minen, Coste. Wahrscheinlich wird eine neue Gruppe von Ingenieuren am Montag früh von Paris nach Essen ab⸗ reisen. Fernerhin werden Truppenverschiebungen gemeldet. So wird das 149. Infanterieregiment und das 62. Feld- artillerieregiment, die in Epinal gornisoniert sind, sehr bald verschickt werden. Die beiden Regimenter sollen bereits am Mittwoch am Rheinufer stehen. 5 Der Kölner Brückenkopf. Widerstand des englischen Befehlshabers? Aus Köln wird berichtet, daß das Oberkommando der sranzö⸗ sischen Besatzungsarmee in Mainz dem engeischen Oberkommando offiziell mitgeteilt hat, daß am 15. Januar französische und belbische Besatzungstruppen unter Führung eines französischen Ober⸗ befehlshabers von Düsselborf in das Ruhrgebiet einrsicken werden und die Städte Essen und Boch um mit einer Sicherungslinie be⸗ 0 Die hierzu erforderlichen Truppen werden zunächst zestehen aus einem französischen und einem belgischen Infanterie⸗ Regiment zusammen mit der notwendigen Artillerie und Kavallerie, die den in den Ruhrhäfen stehenden französischen und belgischen Kon⸗ einer englischen Gegenaktion im besetzten Gebiet sprechen daß uf mar sch gebiet tingenten entnommen werden. Ferner sollen noch Teile der franzö⸗ sischen Rheinarmee aus der Gegend von Mainz und Wiesbaden vom 15. Januar an gleichfalls für den Abtransport nach dem Ruhrgebiet bereitgestellt werden, für den Fall, daß eine weitere Ausdehnung der Besetzung oder eine Verstär kung der im Ruhrgebiet einge⸗ rückten Truppen sich als notwendig erweisen sollte. Gleichzeitig mit der militärischen Besetzung der Städte Essen und Bochum wird auch eine Abteilung französischer Gendarmerie dort einrücken. Das französische Oberkommando hat das englische Oberkommando für den Fall, daß eine Verstärkung der französischen und belgischen Truppen im Ruhrgebiete sich als notwendig erweisen sollte, schon jetzt gebeten, alle Maßnahmen zu treffen, um einen ungehinderten und schnellen Transport dieser Truppen auf den durch die englische Besetzungs⸗ zone in Köln führenden Essenbahnen zu sorgen und ferner den Franzosen die Benutzung des Brückenko pfes Köln als zu gestatten. Französische Offiziere F sollen schon jetzt in den Bezirken um Solingen die entsprechenden vor⸗ bereitenden Maßnahmen treffen dürfen. Das englische Oberkom⸗ mando hat auf diefe französische Bitte geantwortet, daß es zuerst die Genehmigung der britischen Regierung einholen müsse, und das französische Oberkommando vor dem Eingang dieser Genehmigung auf keinen Fall mit einer Erfüllung seiner Bitte rechnen dürfe. Es hat gleichzeitig gebeten, um alle mög⸗ lichen Zwischenfälle zu vermeiden, auch von einer Besetzung der den englischen Besatzungsorten vor⸗ lagerten Gebieten Abstand zu nehmen. Die französische Armeeleitung will jetzt im Verein mit der belgischen alle Maßnah⸗ men treffen, um einen Transport von französischen Verstärkungs⸗ truppen von Mainz aus auf dem Wege durch die Eifel über Düren— Rheydt nach Duisburg vornehmen zu können. In Dnisburg selbst machte sich die bevorstehende Ruhrbesetzung bereits bemerkbar. Auf Grund eines Besehles der dort befindlichen Besatzungsbehörde miüssen auf dem Bahnhöfe in Duisburg große Verladerampen hergestellt werden. England wartet ab. Ueber die Pläne des englischen Kabinetts wird gemeldet, daß zunächst nicht die Absicht besteht, die englischen Truppen vom Rhein abzuberufen, ebensowenig wie die englische Ver⸗ tretung aus der Reparationskommission ausscheiden soll, bevor die französische Regierung ihre geplanten Schritte dem englischen Kabinett offiziell mitgeteilt hat. Gewisse Vor⸗ behalte werden in England jetzt schon geltend gemacht im Hinblick auf die Einsetzung von französischen Zollbeamten am Rhein, die mit englischen Beamten in Berührung kom⸗ men müßten. Man befürchtet davon die Möglichkeit einer gewissen Störung. Im übrigen soll die englische Regierung nicht die Absicht haben, ihr Zusammenwirken mit Frankreich und den anderen Alliierten auf den Gebieten, wo keinerlei Differenzpunkte vorliegen, namentlich in der Botschafter⸗ konferenz, aufzugeben. 5 Die Erwartungen auf englische Einwirkung oder vollends auf Amerika müssen als ganz gering bezeichnet werden. Manche englische Stimmen geben noch der Hoff— nung auf Vermittlung des Völkerbundes Raum, worauf be— sonders Schweden hinziele. Insofern wird es in London bedauert, daß Deutschland nicht Mitglied des Völkerbundes ist. Die Haltung Deutschlands wird in England mit hohem Juteresse verfolgt und vielfach wird dort unserer Reichs⸗ leitung geraten, die letzten deutschen Vorschläge zu veröffentlichen, bevor die französische Gewalt⸗ aktion beginnt. Eine Erklärung des Reichskanzlers. Harbamtlich wird gemeldet: Reichskanzler Dr. Cuno empflug am Montag vormittag die hiesigen Vertreter der amerikanischen Depeschenagenturen und gab ihnen Erklärungen, worin er äußerte: Frankreich scheint sich zu dem Versuche anzuschicken, seine Ansprüche auf dem Wege der Gewalt durchzusetzen. Dabei hat es den Anschein, als ob man in einigen französischen Kreisen wirk- lich glaubt, durch solchen Zwang Reparationsleistungen von uns erhalten zu können. Ich habe es schon in meiner Hamburger Rede gesagt, daß jede Zwangsmaßnahme den Tod der wirtschaftlichen Reparationen bedeuten wüivde. Das kann ich heute nur mit großem Ernste und Nachdruck wiederholen. Denn so sehr wir be— reit waren und es heute auch noch sind, freiwillig und gestützt auf unsere Wirtschaft mit unserey Leistungen bis an die Grenze unserer wirtschaftlichen und finanziellen Leistungen zu gehen, so wenig sind wir willens, uns einem Zwange zu beugen. Unsere Beveitschaft zur freiwilligen Leistung des Möglichen haben wir durch die Tat bewiesen. Wir haben damit das Unserige getan und sind zum Frieden bereit. Das deutsche Volk wird aber, wenn es sein muß, ebenso entschlossen den Weg des Leidens gehen. Unter Druck und Drohungen werden wir nicht handeln. Wir können der Gewalt nicht mit Gewalt entgegentreten. Was wir aber in voller Entschlossenheit und in voller Uebereinstimmung mit dem deutschen Volke tun können, das ist. die wirtschaftliche Unvernunft und die Rechtlosigkeit des französtschen Vorhabens der Welt in diesem wahren Lichte zu zeigen. Gewalt bleibt Ge⸗ walt. Frankreich versucht die geplante Aktion mit dem Scheine des Rechtes zu umkleiden, indem es von Sanktionen und Pfändern spricht, die in den Bestlmmungen des Versailler Vertrages ihre Stlitze haben sollen. Aber der Vertrag von Versailles geht nicht seweit, den Alliterten beliebige Eingrifse auf deutsches Gebiet zu gestatten. Zur Sicherung ihrer Forderungen aus dem Ver sailler Vertrage, namentlich zur Sicherung der Reparatlons⸗ forderungen, halten die Alliierten für bestimmte Zeit das Rhein⸗ land besetzt, eine Garantie, wie sie stärker und drückender wohl in keinem Vertrage zwischen Kulturvölkern festgesetzt ist. Wenn Frankreich jetzt auf eigene Faust noch weitergehen will, wenn es im besetzten Gebiet sich nicht in den Schranken des das Besatzungs⸗ recht regulierenden Abkommens halten will, oder wenn es sogar seine Hände noch über das Rheinland hinaus auf unbesetzteß deut⸗ sches Land legen will, so ist das nicht die Ausfibung eines Ver⸗ trogsrechtes, sondern ein Vertragsbruch und Gewalt gegen ein willenloses Volk. Die angeblichen Beschlüsse desReichskabinetts Der Tag erfährt über die Montogsberatungen des Reichskabinetts: Es kann festgestellt werden, daß die Re⸗ gierung zahlreiche Maßnahmen in Aussicht genommen hat und daß Besprechungen darüber nicht mehr stattzufinden brauchen, da der Gesamtplan fertig ist. Der Umfang der Maßnahmen wird davon abhängen, ob die französische Re gierung eine vollständige militärische Besetzung vornimmt oder ob sie es bei wirtschaftlichen Sanktionen bewenden läßt Wahrscheinlich wird die Reichsregierung, wenn die Besetzung des Ruhrgebiets erfolgt sein sollte, deutsche Volk wenden und es dazu auffordern, eine voll⸗ ständig geschlossene Einheitsfront zu bilden. Es soll sich dabei nicht um die üblichen Proteste, sondern um ganz be stimmte Pläne handeln, die auch für die innerpolitische Lage praktische Bedeutung haben würden. Die Frage, ob durch den Einmarsch in das Ruhrgebiet ein vollständiger Bruch des Vertrages von Versailles herbeigeführt wird, wird wesentlich unter dem Gesichtspunkt behandelt werden, daß durch den Vertrag von Versailles cuch gewisse Schutzmaß⸗ nahmen für die deutsche Grenze durchgeführt sind, die die Regierung nicht ohne weiteres preisgeben kann. Es wird jedoch ein Protest gegen die Besetzung des Ruhrgebietes unter Berücksichtigung der Verletzung des Vertrages von Versailles in sofchen diplomatischen Formen erfolgen, daß bei Wiederaufnahme der Reparationsverhandlungen für Deutschland eine ncue Vertragsbasis gegeben ist. Dazu kommt, daß die deutsche Regierung in aller Oeffentlichkeit feststellen muß, daß sie in keiner Weise mehr zu irgend ⸗ welchen Barleistungen oder Sachleistungen für Reparations⸗ zwecke in der Lage ist, wenn das eigentliche deutsche Wirt schaftsgebiet von französischen Truppen besetzt sein soll.— Von onderer Seite wird noch gemeldet, daß von Sonderver⸗ handlungn mit Frankreich unter dem Druck der Drohungen keine Rede sein kann. Die Reichsregierung hält den Stand⸗ punkt fest. daß sie nur mit allen alliierten Mächten zu ver⸗ handeln hat nicht mit einer einzelnen, die sich mit Gewalt über das Vertragsrecht hinwegsetzt. Ehe wir zu den Maßnahmen der Reichsregierung Stellung nehmen. wollen wir genaue Meldungen abwarten. Aurusung des Völkerbundes durch Schweden Zu einer Meldung, Schweden beobsichtige wegen der drohen⸗ den Ruhrbesetzung als eine den Völkerfrieden bedrohenden Maß⸗ nahme den Völkerbund anzurusen, schreibt Sozialdemokraten offenbar offigiös folgendes: „Völlig authentische Nachrichten über die Absichten Frank⸗ reichs liegen noch nicht vor. Sollte sich jedoch die Nachricht von der bevorstehenden Ruhrbesetzung bestätigen, so sei anzunehmen, daß die Angelegenheit vor den Völkerbund gebrocht wird. Schweden sei nicht das einzige Land, das daran interessiert sei. Die außer⸗ ordentlichen Gefahren für den Frieden, die durch eine solche extreme Maß regel hervorgerufen würden, könnten kein Land un⸗ berührt lassen. Es könne nicht der geringste Zweifel über den Standpunkt Schwedens bestehen für den Fall, daß die Nachrichten über die Ruhrbesetzung sich bewahrheiten sollten.(Genosse Branting, der Minister⸗Präsident, ist zugleich Vertreter Schwedens im Völkerbund.) F vanzösische Proteststimmen. Die kommunistische Humanits protestiert gegen das französische Ruhrprogramm mit folgenden Worten: Der Einmarsch in das Ruhrgebiet ist ein Verbrechen, nicht gegen die Kapitalisten von Essen und Bochum, um die wir uns nicht viel kümmern, sondern gegen die deutschen Arbeiter. Wenn jemals die internationale Solidarität des Proletariats Pflichten mit sich gebracht hat, so ist das jetzt der Fall. Das internationale Proletariat muß sich vor⸗ nehmen, mit allen Kräften gegen diesen räuberischen und ver⸗ werflichen Plan vorzugehen, die der Advokat an der Spitze Frank⸗ reichs im Interesse des sogenannten Htttenkomitees vorbereitet. Weiterhin führt die Humanits aus, daß die Großindustrie iw Ruhrgebiet für die deutsche Landwirtschaft unerläßlich sei, da diese auf Kunstdünger angewiesen ist. Die Industrie zerstören heißt also, das deutsche Volk, vor allem seine Arbeiter und Bauern, deren Sterblichkeit im Jahre 1921 in erschreckendem Um⸗ fange gestiegen ist, der Hungersnot preisgeben. Im übrigen sieht in Paris das große Publikum den kom⸗ menden Dingen mit mehr oder weniger ausgeprägter Gleichgül⸗ tigkeit und Teilnahmslosigkeit entgegen. Dagegen scheint in der Provinz, wo die demokratisch-republikanische Tradition sich leben⸗ diger erhalten hat als in der Hauptstadt, die Gewaltpolitik der als Mandatare der Schwerindustrie handelnden Briand, Poincaré und Barthou auf starke Opposition zu stoßen. Außer den Kom⸗ munisten haben, wie der Fr. Ztg. aus Paris geschrieben wird, die Sozialisten zusammen mit der Liga für Menschenrechte in einer ganzen Reihe großer Provinzstädte sehr eindrucksvolle Protest⸗ kumdgebungen veranstaltet und auch in einzelnen Provinzorganen des bürgerlichen Radikalismus regt sich die Kritik. Wenn Kund⸗ gebungen dieser Art auch den Gang der Exeignisse nicht mehr auf⸗ sich zunächst an das 1 dem Appell: diesem Abkommenprojekt ieder kritischen Situation in die Debatte geworfen wurde, Leitung der Orgonisation stellen werden. Den zur Führung dupalten vermögen, so find sie doch nicht ganz ohne Rückwirkung auf die politisch⸗parlamentarischen Kreise, die in Frankreich stärker denn in irgend einem anderen Lande auf die Stimmung der Wählerschaft zu reagieren pflegen. 5 Keine russischen Nepressalien. Die von uns mit allem Vorbehalt gebrachte Meldung über eine 1 Absicht der Sowsetregierung, im Falle der Be⸗ setzung des Ruhrgebietes alle Staatsangehörigen der Entente zu ve en, wird von amtlicher Seite nach einer Rücksprache von Moskau aus dementiert. Die Feststellung der deutschen„Verfehlungen“ 72 Nach französischr Auffassung ist nicht daran zu zweifeln, ß die Reparationskommissson heute mit einer Mehrheit von drei gegen eine Stimme die Nichterfüllung des Ver⸗ trages konstatieren wird. Ein Aufruf der rheinischen Sozialdemokraten. Die sozialdemokratische Partei für die obere Rheinprovinz hat in Anbetracht der Situation solgenden Aufruf erlassen: „dem rheinischen Volk stehen, wenn nicht alles täuscht, schwere Tage bevor. In Paris sind die Würfel gefallen. Einige wenige Personen maßen sich an, über das Schicksal von Mil⸗ lionen selbstherrisch zu entscheiden, das Selbstbestimmungsrecht einer politisch und kulturell hochstehenden Bevölkerung nicht⸗ uchtend. Die Geschichte wird darüber ihr Urteil sprechen. An Euch aber, Parteifreunde, wenden wir uns in dieser Stunde mit Schart Euch um unser Banner und folgt der Losung der Parteileitung! Habt Vertrauen und bewahrt die Disziplin. Eine gewaltige Erregung geht durch die Masse der Bevölkerung, darum ist Besonnenhett doppelt notwendig. Niemand lasse sich zu übereilten Schritten verleiten und jeder hüte seine Zunge, denn der Spitzel zeht um. Also Gewehr bei Fuß! Ruhe, Besonnenheit und Vertrauen! Die Parteileitung wacht. Sie wird zur ge⸗ gebenen Zeit die erforderliche Parole ausgeben! Neues vom Tage. Eine neue Russen⸗Note in Lausanue. Die russische Delegation hat in der Meerengenfrage der [Konferenz eine neue Note überreicht, in der sie feststellt, auf eine Anfrage beim Generalsekretariat habe man zu verstehen gegeben, daß ein Ablomnienprojekt für die Meerengenfrage in der nächsten Woche der russischen Delegation zugestellt werden soll. Demgegenüber müsse die russische Delegation mit Erstaunen fesistellen, daß ihr keinerlei Mitarbeit an gestattet wurde. Unter diesen Umständen halte es die russisch-ukrainisch⸗georgische Abord⸗ nung für ihre Pflicht, nochmals zu verlangen, daß dieses Abkommenprojekt über die Meerengenfrage im einzelnen unter Beteiligung aller im Meerengenausschuß vertretenen Mächte diskutiert werde. * Keine große Koalition in Reiche. Die Frage der Großen Koalition im Reiche, die noch bei 0 taucht naturgemäß auch jetzt wieder auf— Wir stellen des⸗ nach Erkundigung beim Parteivorstand und dem Vor⸗ ud der Reichstagsfraktion fest, daß irgendwelche Verhand⸗ ungen über die Große Koalition nicht stattgefunden haben. it erübrigen sich alle Schlußfolgerungen, die auf Grund der Gerüchte von einer bevorstehenden Verwirklichung der Großen Koalition gezogen worden sind. * Die Absage der Vergarbeiter au die Kommunisten. Die am Sonntag im Ruhrgebiet abgehaltenen Berg— arbeiterversammlungen waren sehr gut besucht und sind ruhig verlaufen. In allen Versammlungen wurden Ent⸗ schließungen angenommen, die besagen, daß die Bergarbeiter sich bei den kommenden Ereignissen geschlossen hinter die Die Sängerin. 5 Novelle von Wilhelm Hauff. 9 Die Aussöhnung mit dem Geliebten schien beinahe noch von größerer Wirkung auf die Sängerin zu sein als die kunstreichsten Tränklein ihres Arztes. Ihre Gesundheit besserte sich in den nachsten Tagen zusehends, und bald war sie so weit hergestellt, daß sie die Besuche ihrer teilnehmen⸗ den Freunde außer dem Bette empfangen konnte. Diese endung ihres Zustandes mochte der Direktor der Polizei abgewartet haben, um die Sache meiter zu verfolgen. Er war ein umsichtiger Mann, und der Ruf sagte von ihm, daß ihm nicht leicht einer entgehe, auf den er einmal sein Auge geworfen, sollte er auch hundert und mehrere Meilen ent— fernt sein. Von dem Medizinalrat war ihm die Geschichte der Sängerin mitgeteilt worden er hatte sodann mit dem Baron Martinow noch weitere Rücksprache genommen und einiges erfahren, was ihm von großem Interesse schien. Der Gesandte hatte ihm neulich gestanden, daß er von dem Vor⸗ fall mit der jungen Bianetti Gelegenheit genommen, das ruchlose Leben des Chevalier de Planto höheren Orts zu berühren. Er hatte nicht versäumt, hauptsächlich den Um⸗ stand, daß jenes arme Kind eigentlich verkauft wurde, ins rechte Licht zu setzen. Jenes berüchtigte Haus wurde kurze Zeit karauf von der Polizei aufgehoben, und der Baron schien dies hauptsächlich den Schritten, die er in der Sache getan, zuzuschreiben. Auch er hatte von dem Tod des Chevoliers gehört, glaubte aber mit dem Polizeidirektor, daß dies nur ein Kunstgriff gewesen sei um sein Gewerbe sicherer fortzusetzen; denn beide hegten keinen Zweifel, jener Mordversuch an der Sängerin könne nur von diesem schreck— lichen Menschen herühren. Wie schwer war es aber, der Spur dieses Mörders zu folgen; die Fremden, die sich da⸗ mals in B. aufhielten, waren, wie der Direktor versicherte, alle unverdächtig; nur zwei Umstäände konnten zu Ge⸗ wisserem führen; das Schnupftuch, welches sich im Zimmer der Bianetti gefunden hatte, konnte, wenn man irgendwo ein ähnliches sah, zur Entdeckung leiten; es war daher die genaueste Beschreibung davon in den Händen aller jener Näherinnen und Waschfrauen, welche die Garderobe der Fremden in B. zu besorgen pflegten. Sodann glaubte der Direktor aus psychologischen Gründen annehmen zu können, der Berliner Lohnberhandlungen beauftragten Mitgliedern daß ein zweiter wurde das Vertrauen ausgesprochen. Lohnerhöhungen sollen nur angenommen werden, wenn sie ab 1. Januar Geltung haben. Der Beschluß der letzten Vertrauensmännerkonferenz bezüglich des Ueberarbeitsabkommens wurde in allen Ver⸗ sammlungen gutgeheißen. Entschiedene Ablehnung fand die kommunistische Propa⸗ ganda für ein kündigungsloses Abbrechen der Ueberarbeit ab 15. Januar. Ebenso wurde eine Beteiligung an dem Kampf der KPD. und der Union geegn den Vorstand des Bergarbeiterverbandes verworfen. Wie wenig die kom⸗ munistischen Parolen Anhänger unter den Bergarbeitern finden, zeigte der Verlauf einer Versammlung in Lünen, wo der Angestellte der Union eine Resolution einbrachte, die für fristlose Kündigung des Ueberschichtenabkommens eintrat. Whrend die kommunistische Resolution abgelehnt wurde, fand die Entschließung eines Mitgliedes des Bergarbeiter⸗ verbandes Annahme gegen vier Stimmen. 2 3 Der Schieösspruch. Das vom Reichsarbeitsministerium eingesetzte Schiedsgericht zur Schlichtung der Differenzen im Bergbau fällte am Montag, den 8. Januar, abends 9 Uhr einen Schiedsspruch solgenden Inhalts: Der Lohn der Bergarbeiter im Ruhrrevier wird am 1. Januar durchschnittlich um 700 Mark pro Schicht einschließlich Sozjallohn erhöht. Vom 12. Januar ab tritt eine weitere Erhöhung von 1000 Mark pro Schicht in Kraft. In diesen Beträgen ist eine Erhöhung des Hausstands⸗ und Kindergeldes um je 50 Mk. einbegriffen. Die Verteilung der durchschnittlichen Lohnerhöhung auf die Klassen der Lohntafeln im bisherigen prozentualen Verhältnisse werden den Verhandlungen der Bezirksarbeitsgemeinschaft überlassen. Die Par⸗ teien behalten sich infolge der schwaͤnkenden politischen und wirtschaft⸗ lichen Verhältnisse das Verhandlungsrecht evtl. sür Neufestsetzung der Löhne noch im Januar vor. Weiter ist vereinbart, daß die am 1. Januar fällige Lohnerhöhung bei der nächsten Abschlagszahlung zur Auszahlung gelangt. Ein Fluchtversuch des Nathenaumörders. Der Rathenau⸗Mörder Techow hat, wie erst jetzt bekannt wird, vor 14 Tagen einen Fluchtversuch aus dem Zuchthaus Sonnenberg unternommen. offizier namens Schauer. nisdirektors kam, der das saubere Plänchen vereitelte. Ein Gefan⸗ genenwürter, der in der Sache verwickelt ist, wuerde verhaftet. Der Plan soll nach dem Untersuchungsergebnis von langer Hand vor⸗ ereitet worden sein. Schauer, der schon im Kriege wegen Landes⸗ verrat festgenommen wurde, soll im Besitz französischer Banknoten gewesen sein, da er die Absicht hatte, Im ganzen sind etwa 6 bis 8 Personen in den Plan eingeweiht ge⸗ wesen. Der Oberreichsanwalt hat sich sofort nach dem Fluchtversuch Techows nach Sonnenberg begeben und hat dort älle für die Sither⸗ heit des Rathenau⸗Mörders getroffenen Maßnahmen geprüft und verschärft. 4 Mürgerliche Demonstratson in Halle. Nachdem der Polizeipräsident die öffentliche Kundgebung der Bürgerschaft vor dem Kaiser Wilhelms⸗Denkmal verboten hatte, fand eine Kundgebung der Bürgerschaft von Halle im Walhallatheater statt. Schon lange vor Beginn der Kundgebung war das große The⸗ ater dicht gefüllt. Hunderte von Personen fanden keinen Einlaß mehr. Alle Redner erhoben energischen Protest gegen die Schandtaten und ihre Urheber und gegen die Einwürfe der Polizeibehörden. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der einstimmig die ungerecht⸗ fertigten Einwürfe der Polizeibehörden zucückgewiesen wurde. Nach Schluß der Kundgebung zogen hunderte nach dem Kaiser Wilhelms⸗ Denkmal, doch wurde der Zug in der Poststraße nun durch die Polizei aufgehalten. Nunmehr bewegte sich der Zug nach dem Marktplatz. Hier stellte sich die Polizei der Menge entgegen und sorderte diefe auf, auseinanderzugehen. Als die Spitze des Zuges am Markte au⸗ kam, wurden die Teilnehmer von einem Trupp Kommunisten ange⸗ halten, die sich auf die Fahnen stürzten und sie den Trägern zu enk⸗ reißen versuchten. Es entspann sich ein Handgemenge und eine l die durch das Eingreifen der Polizei aber bald ein Ende fand. 5 Versuch auf das Leben der Sängerin bald folgen würde, im Falle sich nämlich der Mörder noch in der Nähe aufhielte. b Sobald daher die Sängerin wieder bei Kräften war, begleitete der Direktor der Polizei den Doktor Lange, so oft er sie besuchte; es wurden dort manche Maßregeln be⸗ sprochen, manche schienen qut, aber nicht wohl auszuführen, manche wurden geradehin verworfen. Giuseppa selbst kam endlich auf einen Gedanken, der den beiden Männern sehr einleuchtete.„Der Doktor“ sagte sie,„hat mir erlaubt, in der nächsten Woche wieder auszugehen; wenn er nichts da⸗ gegen hat, würde ich auf der letzten Redoute des Karnevals zuerst wieder unter den Leuten erscheinen; es hat etwas Anziehendes für mich, mich dort, wo mein Unglück eigent⸗ lich anfing, zum erstenmal zu zeigen. Wenn wir dafür sorgen, daß dies in B. hinlänglich bekannt wird, und wenn der Chevalier noch hier ist, so bin ich wie von meinem Leben überzeugt, daß er unter irgend einer Maske sich wieder in meine Nähe drängt. Er wird sich zwar hüten, zu sprechen, er wird durch nichts sich verraten, aber seine Anschläge auf mein Leben wird er nicht ruhen lassen, und ich will ihn aus Tausenden erkennen. Seine Größe, seine Gestalt, vor allem seine Augen werden mir ihn kenntlich machen. Was meinen Sie, meine Herren?“ Der Plan war nicht übel.„Ich wollte wetten,“ sagte der Direktor,„wenn er erfahrt, Sie kommen auf diesen Ball, so bleibt er nicht aus; sei es ouch nur, um den Gegen⸗ stand seiner Rache wieder zu sehen und seiner Wut neue Nahrung zu geben. Ich denke übrigens, Sie sollten keine Larve vors Gesicht nehmen, er wird Sie dann um so leichter erkennen, um so eher in Ihrer Nähe in seine Falle gehen; ich werde ein paar tüchtige Bursche in Dominos stecken und sie Ihnen zur Eskorte geben; auf ein Zeichen von Ihnen soll der alte Fuchs gefangen sein.“ Babette das Kammermädchen der Sängerin, war während dieses Gespräches ab⸗ und zugegangen; sie hatte gehört, wie ihre Dame entschlossen sei, den Mörder oder seine Gehilfen ausfindig zu machen, sie glaubte es sich selbst schuldig zu sein, nach Kräften zu dieser Entdeckung beizu⸗ tragen. Sie paßte daher den Direktor ab, faßte sich ein Herz und sagte, sie habe schon neulich den Doktor auf einen Um⸗ stand aufmerksam gemacht, der zur Entdeckung führen könnte, Unterstützung fand er bei einem früheren Flieger⸗ A1. 1. 125 1 hat von seinen Rasen Migesen r veilen dahingestellt bleiben. Die Presse genen erzählt, wodurch die Angelegenheit zur Keunknis des Gefäng⸗ ey Volkspartei hat sich bisher jedenfalls in der ganzen Frage nach Frankreich zu flüchten. Gießen und umgebung. Hessen und Nachbargebiete. — 5. . 9 5 Geschichtstalender. 10. Januar. a 5 0 1757 Der deutsche Reichstag beschließt mit 99 gege Stimmen 5 auf des Kaisers Andringen und durch französisches Geld be⸗ stimmt, den Reichsexekutionskrieg gegen den„Friedensstörer“ Friedrich II. von Preußen. 5 1818 ae der Leibeigenschaft im Landgebiet von Frankfurt am Ma g netenhaus das Reichstags wuhlrecht für Preußen ab, ebenso die geheime Abstimmung. 5 9 0 l 1008 Reichskanzler Fürst Bülow lehnt im preußischen Abgeord⸗ 1912 Rücktritt des Ministeriums Caillaux in Frankreich. Wer wird Finanzminister? Es liegt in der Natur der Sache, daß die Personenfrage bei einer Regierungskrise eine erhebliche Rolle spielt. So erklärt es sich, daß die bürgerlichen Parteten, die eine Er- weiterung der Regierungsgrundlage bei den jetzt beginnen ⸗ den Verhandlungen erzwingen wollen, auch schon Ausschau halten nach geeigneten Ministerkandidaten aus den Reihen der Deutschen Volkspartei. Viel genannt wurde unter anderen der Wormser Oberbürgermeister Köhler, der als hessischer Finanzminister in Frage kommen könnte. Was Köhler anbetrifft, so schreibt über ihn unser Mainzer Partei⸗ organ: n lerdi iner Kandidatur des Wormser Ober⸗ 0 m er e Finanzminister gesprochen. Dr. Köhler gehört der Deutschen Volkspartei an tritt im Landtag nie polemisch, sondern nur in sachlichen Debatten hervor und man würde ihm daher unrecht tun, wenn man ihn in gleiche Linie mit den volksparteilichen Führern Dingeldey und Osann stellen wollte. 3 Ob Herr Köhler wirklich von seiner Partei zum Minister⸗ kandidaten ausersehen wird, falls die Vorfrage des Eintritts der Deutschen Volkspartei in die Regierungskoalition im bejahenden Sinne entschieden werden würde, muß einst⸗ der Deutschen der Großen Koalition so sehr zurückgehalten, daß es verfrüht wäre, schon jetzt irgend eine Meinung über die Absichten der Herren Dr. Osann und Dingeldey zu äußern. Aus den städtischen Betrieben. Ueber unsere Straßenbahn und ihre mißlichen finanziellen Verhältnisse sind in der letzten Zeit vielfach Er⸗ örterungen gepflogen worden. Die Frage lautet: soll der Straßenbahnbetrieb eingestellt werden? Eine Frage ist das eigentlich kaum noch; das steigende Defizit, das bis zum 1. April 1923 auf etwa 15 Millionen Mark angewachsen sein dürfte, zwingt zu entschiedenen Maßnahmen. Jeder⸗ mann wird die Einstellung bedauern, allein es läßt sich einn derartig hoher Zuschuß aus allgemeinen Mitteln beim besten Willen nicht verantworten. Nebenbei haben schon viele Mittelstdte und zwar an Einwohnerzahl größere alis Gießen zur Stillegung ihrer Straßenbahn schreiten müssen, sogar Großstädte sahen sich dazu gezwungen. In Karls⸗ ruhe zum Beispiel liegen die Straßenbahnverhältnisse derart, daß kein Mensch einen Ausweg weiß; in Stutt⸗ gart hat die Straßenbahn⸗Gesellschaft der Mehrzahl des Personals gekündigt und will nur noch den Güterverkehr aufrechterhalten, in München ist das Defizit tehtz Tarif- erhöhungen stetig gewachsen. Ueberall derselbe„Bruch“, Gießen kann auch keine Ausnahme machen. Es verdient schon Achtung, daß es seine Straßenbahn solange gehalten hat. Besser wäre es gewesen, man hätte noch vor dem Kriege die Strecke nach Wieseck fortgeführt, dadurch wäre der Verkehr ohne Zweifel gehoben worden, wenn man auch nicht annehmen kann daß wir dann kein Defizit hätten. Im Vergleich zu frühern Jahren ist die Frequenz noch nicht einmal so schlecht. Die Zahl der beförderten Per⸗ sonen betrug im vergangenen Jahre 1446 742, im Rech nungsjahre 1911/12, dem zweiten Betriebsjahre der Straßenbahn, dagegen nur 1224 471. Das sind also in den verflossenen 12 Monaten immerhin über 220000 Personen mehr als in dem oben angeführten gleichen Zeitraum. Wenn man so oft leere Wagen durch die Stadt fahren sieht, glaubt man auf starken Rückgang des Verkehrs schließen zu müssen, man befindet sich aber darin im Irrtum. Bei obigem Ver⸗ gleich muß man allerdings noch berücksichtigen, daß vor 11 Jahren die Bevölkerung der Stadt um einige tausend ge⸗ ringer war.— Arbeiter sind bei der Straßenbahn 41 be⸗ schäftigt, darunter 15 Werkstättenarbeiter. Der Wagenpark beträgt 16 Motor- und 5 Anhängewagen. An Strom wur- den 315 170 Kilowattstunden verbraucht; die Kosten des Wagenkilometers betrugen 20 Mk., die Einnahme dagegen nur 7.50 Mk. Die Gesamteinnahme im Vorjahre bezifferte sich auf 3 698 209 Mk. f 7 — Erhöhte Sozialrenten. Im Reichsgesetzblatt Nr. 85 ist eine Ver⸗ ordnung vom 21. Dezember 1922 über die Erhöhung der Unter⸗ stützungen für Rentenempfänger der Invaliden⸗ und Angestellten⸗ verficherung veröffentlicht. Darin werden die Höchstsätze für das Gesamtjahresqinkommen mit Rückwirkung vom 1. De z. 19 22 a n wie folgt festgesetzt: b für den Empfänger einer Invaliden⸗ oder Altersrente 43 200 Mk. für den Empfänger einer Witwen⸗ oder Witzwerrente 34 200 Ml. 9 für den Empfänger einer Waisenrente 19 200 M, Bei der anhaltenden Verteuerung der Lebenshaltung ist es dringe erforderlich, die Rentenempfänger so rasch wie möglich in den Genu der erhöhten Bezüge zu setzen. Um dies zu ermöglichen, hat sich das Neichsarbeitsministerjum ausnahmsweise damit einverstanden er⸗ klärt, daß die Gemeinden die erhöhten Unterstlitzungen nach Sätzen gewähren, die für die einzelnen Gruppen der Rentenempfänger nach Bedürsnisgraden abgestuft sind. Dieses Verfahren sst jedoch nur Augenblicke mit Rücksicht auf die Beschleunsgung der e 1 5 men zulässig. Snäterhin muß der Grundsatz, die Unterstützung 1 Bedürfnissen des einzelnen Falles möglichst genau anzupaf 3 bisher weiter beachtet werden. 1 N e — Eine Hekzberatungsstelle ist vom städtischen Brennstoffam im alten Rathaus am Markptplatz eingerichtet worden. e wird jeden Freitag abend kostenlos in der Zeit von 6.7 ½ Uhr gegeben. Es ist sehr zu wünschen, daß von inrichtung Gerau) gemacht wird. fl die He em e e 12 er scheine aber nicht darauf zu achten.(Fortsetzung folgt.) . Blatte sei bingewiesen. Auf die Bekanntmachung im heuti et- und eachbenge deim Etestretpug, Kachhehees Beispiel erläutert die in der 190 7 heutigen Nunumer berössentlichte Be⸗ kanmtmachung des Landesfinauzamts Darmstadt vom 4. Jan. 1923. 5 Beispiel: Fur einen Angestellten mit J000.— Mk. bezw. mit 5000.— Mk. Monatslohn und voller Verpflegung einschließlich Wohnung, Hei⸗ zung und Beleuchtung berechnet sich der Steuerabzug vom 1. Jan. 1 15 ab wie folgt: 1= 3000.— Mk.; im Monat 5000.— Mk. n im Monat Geldwert der 5 50 8 pflegung einse g, Heizung W N zusammen: hiervon 10 Proz. Diese Beträge ermäßigen 9000.— Mk.; im Mongt 9000.— Ml. = 12000.— Mk.; 1400— Ml. 1200.— Mk.; 1400.— Mk. sich nach§ 46 des Ein⸗ komme etzes in der vom 1 80. 1923 ab gültigen fung: n Sens pflicht selbst um 200.—. M, r Werbu n 5 1000 Mark= 1200.— Nek. 200. Mk. Steuerabzug: 200.— Mk. — Aus dem Stabttheaterbüro wird uns geschrieben: Noch⸗ mals sei auf das Tanzgastspiel von Aenne Osborn am näch⸗ sten Donnerstag hingewiesen, das nach allen auswärtigen Be⸗ sprechungen einen interessanten Abend verheißt— Besonders set auch an diefer Stelle auf die Schüler und Volksvor⸗ stellung am kommenden Samstag gufmerksanm gemacht, die Wallensteins Lager und Die Piccolomind bei Heinen Preisen bringt und um 4 Uhr beginnt. Der zweite Teil der Wallenstein⸗Trilogie, Wallenstetns Tod, solgt am dar⸗ auffolgenden Samstag, den 20. Januar, nachmittags 4 Uhr eben⸗ falls als Schüler⸗ und Volksvorstellung. — Genossenschastliche Tagungen. Der Verband sübwestdeutscher Konsumvereine wird am 10. und 11. Mai seinen Verbands tug in Frankfurt a. M. abhalten. Zu diesem Bezirk gehören auch die Konfumvereine Gießen und Wetzlar. dt. Rüddingshausen. Die Generalversammlung der hiesigen sozialdemokratischen Ortsgruppe, welche am vergangenen Sams⸗ tag abend stattfand nabm den besten Verlauf, hätte aber, der Stärke der Mitgliedschaft angemessen, besser besucht sein können. In der Zusammensetzung des Vorstandes trat eine kleine Aende⸗ rung ein. Als erster Vorsitzender wurde Genosse Heidt gewählt, als zweiter Brlick, Kassterer blieb Seibel. Schriftflihrer Adam Feld⸗ busch. Ferner del dem Vorstande an die Genossen Lang, Maftranz, Koch, Wilhelm und Gerlach. Mehr, denn je ist es jetzt die Pflicht eines jeden Soztalisten, kräftig in die Speichen der modernen Arbeiterbewegung hineinzugreifen, zumal es gerade die innen⸗ und außenpolitische Lage Deutschlands mehr als je er⸗ fordert, Hofsen wir, daß auch in Zukunft ein lebbaftes Interesse unserer Sache entgegengebracht wird, schauen wir zuversichtlich in 1 die Zukunft mit der Losung:„Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ — r. Wieseck. Am heutigen Mittwoch abend öffnet dke [Volkshochschule wieder ihre Pforten. Der Erfolg ist als glänzend zu bezeichnen. Haben sich doch zu Feu Vorlesungen unseres Rektors Dr. Rein, der über in⸗ und ausländische Rohstofse (deren Vorkommen, Verwertung und Verarbeitung spricht, wohl 1 100 Hörer eingetragen. Allen ist der Besuch nur angelegent⸗ lich zu empfehlen. Jr. Wieseck, Am vergangenen Freitag fand die erste Sitzung des neugewählten Gemeinderats statt, der ein ganz verändertes Aussehen zeigte. Neben 7 alten steht man 8 neue Gesichter. Nach der Verpflichtung der neuen Mitglieder wurde die Wahl der Kommifsionen vorgenommen, deren Er⸗ gebnis hiermit, um berechtigten Wünschen entgegenzukommen, mit⸗ 0 sei: Es wurden gewählt: als Kontrolleur: Milhelm Vogelhöfer: Baukommisstion: Karl Oßwald, Laudon, Scherer; Finanzkommission; Dr. Rein, Benner, Bremer: Armenkommission: Ad. Pfeiff, A. Kümmel, Ad. Seibert; Wohnungskommission: A. Kümmel, Rößer, Laudon, Vogelhöfer; Landwirtschaftliche Kommission: Vogel⸗ höfer, Ad. Seibert, Rodenhausen; Erwerbslosen⸗Unter⸗ stützungs⸗Kommission: Benner, Ming Schäfer, Ph. H. Keller, H. Oßwald 3. Wasserkommission: Vogel⸗ höfer, Schäfer, Scherer; Kommission zur Ueberwachung der Mehl⸗ und Brotverteilung: Ad. Pseiff, Rößles, Laltdon; an Stelle des zum Rektor ernannten Dr. Rein wurde Sch. Stein in den Schulvorstand gewählt.— Betreffs des Verkaufs der Sandgrube an die Eifenwerke Buderus stellt sich der neue Gemeinderat auf den Standpunkt, von einem Verkauf abzusehen. Die Abgabe von Sand an die Firma kann erfolgen, wenn sich die Firma bereit erklärt, als Pacht die Ohme Ohler Wasch- Self Uα⁴ Gesifrlzfert. Ae 2 ³·¹⁊ V2 geeignet für lle Arten von Wäsche AlssNiege Herstehert MAN SK a eiE., Gs SEED G Gef e ιιννννN ναννDονν ννẽeefs WSD. DA See SS. 244444 4d 0, Md 4 bbb Adee eee ee eee enksprechende Menge Baustofse zu llesern.— Um die Fertlg⸗ sbellung begonnener Bauten zu ermöglichen, stellt das Reich Mittel zu einem billigen Zingfuß zur Verfügung. Die Gemeinbe über⸗ nimmt die Bürgschaft für ein Darlehen an die gemeinnützige Vau⸗ genossenschaft in Höhe von% Million Mark.— Zur Vorbereitung einer nochmaligen Sammlung für die Nothilfe in Hessen wird ein 00 breiter Grundlage gestellter Ausschuß ge⸗ wählt. Die Gemeinde stellt sich mit einer Summe von 50 000 Mark an die Spitze der Sammlung. Ik. Leihgestern. Am Sonmtag, 7, Janpar fand hier eine gut besuchte öfsentliche Versammfuno gwecks Gründung einer Volks⸗ hochschule slat. Herr Dr Werner, der Leiter der Volks⸗ hochschube Gießen hielt einen gut durchdachten Vortrag fber: „Die Volkshochschule, wos ist ste und was will sie“. Er schilderte eingehend dle historische Entwicklung der Volks Die Vollshochschule sei leinesweas wie vielfach behauptet würde eine Errungenschaft der Revolution(wenn es an dem fei, so sei das leineswegs eine schlechte Errungenschaft. im Gegenteil eine durch⸗ aus gute), sondern sie habe schon lange vor dem Kriege existiert und zwar sei sie in Dänemark entstunden und von dort nach Deutschland weitergepilanzt worden. Auch in England habe die Volkshochschule schon vor dem Kriege existiert, nur sei sie dort und besonders in Dänemark das ja ein Agrarstgat sei, anders als bei uns in Deutschlond geartet. Die Volthochschule dürse keines⸗ wegs parteiisch eingestellt sein, sondern sie müsse politisch durch⸗ aus neutral sein, wenn sie Erfolg haben solle. Die Volkshoch⸗ schule sei ferner auch eim durchaus schwieriges Unternehmen und besonderg für die Lehrerschaft sei es schwierig zu unterrichten, weil man es hier nicht mit Kinbern zn tun habe, die alles stillschweigend hinnehmen, sondern mit Erwachsenen, die zum Teil schon recht viel in der Welt herumgekommen seien und viel gesehen hätten, was ihnen zum Toil micht begreiflich set und sich darum bei dem Lehrer danach erkundigten. Auch habe der Lehrer nicht nur Vorträge zu halten, sondern solle die gaze Arbest ein gegenseitiger Auslausch von Gedankengängen sein. Ferner mlisse man sich mit eventuellen Rückschlägen von vornherein abfinden; das dürfe aber beineswegs ein Hinberungsgrund oder sogar ein Grund zum Einstellen der ganzen Einrichtung sein Die Ausführungen des Redners fanden unter den Hörern lebhaften Beifall. Somit ist der Grundstein für ein dem gangen Volke segenbringendes Unternehmen gelegt worden. Nach dem Vortrage fand noch eine Aussprache stakt, die manche gute Anvegung zutage förderte Am kommenden Sonntag soll ein Vortrag durch Herrn Prof. Hilter⸗Gießen über:„Die Entwicklung der Menschheit“ staltfinden. Kreis Weßtzlar. r. Atzbach. Am 28. Dezember beging unser Arbeitergesang⸗ verein„Harmonie“ sein Weihnachtssest nach unserer Art. Eins leibet wurde dle Feier mit dem Chor„Hymne an die Nacht“. Hierauf hielt Gen. Weßer Linen eindrucksvollen Festvortrag, in dem er die Entstehung des Weihnachtsfestes schilderte, das von den alten Völkern als das Fest der Winterfonstenwende beßangen wurde. Die christlichen Weihnachten sollten das Fest des Friedens sein aber es ist noch kein Friede solange nicht die Menschheit von den Fesfeln des Kapitalismms befreit sei.— Dex weitere Verlauf der Feier brachte noch Chöre von Uthmann, Silcher, Rieß usw. Besonderen Beifall fanden unsere schönen Freih ch Rezi⸗ tationen von Gen. Weber der Dichtungen von Bröger, Herwegh, Iweiligrath. VBeranger, Heine usw. vortrug. Mit einem Tauz schloß die gut verlaufene Feier. Von Nah und Fern. Frankfurt, a. M. 8. Jan. Todessturz. In einer Garege stürzte der 62jährige Kutscher Hermann Deutrich in einen Lichtschacht und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß er nach kurzer Zeit verstarb. 5 Frankfurt a. M., 8. Jan. Frankfurter Getreidebörse Bei sehr fester Geschäftslage und steigenden Preisen wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen 37 000—38 000 Mk., Roggen 32 000—34 000 Mark, Gerste 30 000—31 000 Mk., Hafer inl. 25 000 29.000 Mk., ausl. 36 000—38 000 Mk., Mais(La Plata und Mixed) 36 000— 38 000 Mk., Weizenmehl südd. 56 000—59 500 Mk., Roggenmehl 45 000—48 000 Mk., Kleie 16 500—17 000 Mk., Erbsen 54 000—. 65 000 Mark. Frankfurt a. M., 8. Jan. Frankfurter Viehmarkt. Mit Ausnahme der Kälber sind alle Tiergattungen auf dem Markt wieder meiter im Preis gestiegen, am schärfsten kletterten die Schweinepreise nach oben, nämlich um 15—28 000 Mk. der- Zentner. Auftrieb: 295 Ochsen, 68 Bullen, 1065 Färsen und Kühe, 223 Kälber, 175 Schafe und 767 Schweine. Es wurden bezahlt flir einen Zentner Lebend⸗ gewicht: Ochsen 45 000—68 000 Mk., Bullen 45 000-62 000 Mk, Färsen und Kühe 43 00065 000 Mk., mäßig genährte Tiere 32 000-40 000 Mk. Kälber feinste Qualität 63 000—68 000 Y mittlerer Qualität 58 000—62 000 Mk., geringerer Qualität 32 00 57 000 Mk.: Schafe 26 000—52 000 Mk., Schweine unter 80 Kg. 10 rc Nigsmals iosel Nur 1 OnqinspPGSERU5AI 8000085 000 Mk., von 80100 Kg. 85 000— 92 00% Mk., von 100-150 Kg. 93 000-95 000 Mk., über 150 Kg. 95 00090 000 Mark. Der Markt wurde bei regem Handel geräumt, Darmstadt, 7. Jan In sinnlos betrunkenem Zu⸗ stande wurde auf dem Mathildenplatz ein 16jähriges Mädchen auf⸗ gefunden, ein wirklich trauriges Zeichen der Zeit. Infolge Gas vergiftung wurde eine ältere Frau und eine junge Frau bewußtlos aufgefunden. Während es bei der Letzteren gelang, mit⸗ telst Sauerstoffapparat der jungen Frau das Bewußtsein wieder zu⸗ geben, konnte bei der älteren Frau nur der Tod festgestellt werden. Daemstadt, 8. Jan. Der Raubmord von Gadern⸗ heim. Unter starkem Andrang des Publikums begann heute vormtttag vor dem Schwurgericht bie Verhandlüng gegen die Ge⸗ brüder Roßmann von Gadernheim wegen vorsätzlichem Raubmoro Die Angelegenheit ist noch ziemlich in der Erinnerung und hat be⸗ sonders in den Kurstäbtchen unter den Kurgästen, dann aber auch unter der Bevölkerung des Obenwaldes großes Aufsehen erregt, war doch vor nicht alizulanger Zeit erst der scheußliche Mord in der Pfeiffermühle bei Seeheim geschehen und sowohl die Berg⸗ straße sowie auch der Odenwald lange Zeit von Einbrechern und Dieben zu einer ünsicheren Gegend geworden.— Am 21. Jult fand man in einem Kornuselde den Kassenboten der Firma Axenzer u. Böhringer-Lindensels, den 18jährigen Heinrich Gersten ger erschlagen und beraubt vor, nachbem durch die Firma Recherchen über seinen Verbleib mit den Lohngeldern angestellt waren. Ein aus Jugenheim telephonisch herbeibeorderter Polizeihund nahm die Spur an der mit einer Hacke geöffneten e af, was auch bald zur Verhastung des 17jährigen Jakob Roßmann mid des ihjährigen gehann Roßmann führte. Bei der Vernehmung hat ber 17jährige Jakob Roßmann dse Tat voll eingestanden. Ein Motorradfahrer, aus Darmstadt, Otto Golbdhorn, habe dabei geholfen und sein Wjähriger Brudet habe nur Schmiere 5 den. Während der Untersuchungshaft versuchte nun der fin re Roßmann sein Geständnis rlickgüngig zu machen und bezichlgte seinen Bruder der Tat. Von den geraubten Geldern sind 29 000 Mark sofort gefunden worden, während die gesamte Beute unter die Täter verteilt ward. Für die Verhandlung ist auch der morgige Tag vorgesehen. Der ältere Roßmann leugnet fest. Darmstabt, 8. Zan. Vom Zuge zermalmt. Gestern abend 7 Uhr ereignete sich auf dem Osthahnhof ein tödlicher Un⸗ fall. Der in der Ochsengasse 10 wohnhafte Ende der 40er Jahre stehende Heinrich Müller von hier stieg aus dem Zuge. Es wird genommen, daß derseshe bei der Abfahrt des Zuges noch ein Stück weit neben dem fahrenden Zuge hersing, zu nahe an die Trittbretter kam und so auf die Schienen geschleudert wurde. Der Körper des Verunglückten wurde in vollständig zermalmtem Zu⸗ stande hervorgeholt. Die Untersuchung ist eingeletter, Rüsselsheim, 6. Jan. Eine Geiß als Banknoten; fresser. Ein hiesiger Einwohner ließ an einem Tage der vorigen Woche für kurze Zeit seinen Rock, in dessen Seitentasche ein größerer Vetrag in Papiergeld sich befand im Ziegenstall hängen. Bald wurde er unruhig:„Die Gaß werd mer doch mei Rock hänge losse.“ Er aing und sah nach. Und die Ziege hatte ihm diefen Gefallen nicht getan. Zwei Tausender und vier Fünf⸗ hunderter waren ihrem gesunden und unfatürlichen Appetit schon zum Opfer gefallen. An einem weiteren Tausendmarkschein hatte sie schon die Nummer weggeknabbert. f Worms. 6. Zen. Tödlicher Unglücksfall. Am Mitt⸗ woch wurde der 20jährige Zimmermannslehrling Ludwig Atzinger von hier in der C. Heylschen Fabrit von einem aus etwa 16 Meter Höhe herabfallenden Balken erschlagen. Der Dollar war gestern mittag 12 Uhr auf ca. 10 500 Mark gestiegen. Geschäftliches. Bessere Ernährung tut not. Aber nicht nur für Mensch und Tier, sondern auch für Schuhe und Leder. Wenn ein Schuh lange leben soll so muß er genan so ernährt werden wie ein sch. Er muß jene Kräfte zugeführt erhalten die ex braucht, um nicht zu Grunde zu gehen sonst wird das Leder rissig und löst aus den Nähten. The man eine Schuhereme— die Nahrung des Schuhes— kauft, muß man wissen, ob sie auch diese Eigenschaften bat. Bei Erdal Marke Rotfrosch. Terpentin⸗Edelwachspasta weiß man es von vorhherein.. N Die Not der Zeit lastet schwer auf der Hausfrau. Der Mann kehrt erschöpft und oft mißgelaunt aus seiner Berufstätigkeit heim, die Kinder sind schwächlich und reizbar und wissen nicht, was ihnen Mutter soll helfen. Die beste Hilfe führt durch den Magen, ie, doch die Mittel find knapp und Fleisch, Eier, Milch usw. sind te Da greift die Hausfrau zu„Kufeke“, der altbde⸗ währten, t verdaulichen Kraftnah rung.„Kufeke“, als Getränk zum Frühstück und Abendessen, schafft Alt und Jung das Wohlbe⸗ finden wieder, es ist beliebt, weil es gut schmeckt, und erspart dabei der Hausfrau die großen Ausgaben für Kaffee, Tee und Kakav. Bekaunntmachun * 1 Das städtische Brennstoffamt hat in e mit dem Gießener Hausfrayen⸗Verein eine Heiz⸗ beratungsstelle im alten Rathaus(Marktplatz) eingerichtet Beratung und Auskunft erfolgt kosten⸗ los jeden Freitag, nab mittags von 6½ bis 7% Uhr. Auch kann dort ein Rehrwischer zum Reinigen der Ofenrohre gegen eine geringe tägliche Leihgebühr entliehen werden. Gießen, den 8. Jannar 1923. Der Oberbürgermeister,. J. V.: Dr. Seib. Vehördliche Srlannmachungen Bekanntmachung. Der Geldwert, der beim Steuerabzug vom Arbeits⸗ anzuwenden. 3. Für sonstige Sanbezüge gilt der Klein⸗ Die vorstehenden Wertfestsetzungen find vom I. Januar 1923 av bei allen Lohngahlungen Die Sätze gelten im übrigen nur für den Steuer⸗ handelspreis. Höhere und Etweikerte ädchen⸗ schule in Gießen. Die Anmeldungen für das Schuljahr 1923/4 Warum i Erdal wirllich billig? Das kann ich Dir sofort dewelsen. lohn zu berücksichligenden Natural⸗ und soustigen Sach⸗ bezüge(der sogenannten freien Station) ist für den Dienstbezirt des Landes sinanzamts Darmsadt mit Wirkung vom 1. Januar 1923 an bis auf weiteres auf die unten aufgeführten Satze, neu festgesetzt worden: 1. Arbeitnehmer, denen gewährt wird: für den für die für den für das Tag Woche Monat Jahr Mk. Mk. Mk. Mk. ) volle Ver⸗ pflegung einschl. ohn., Heizung und Beleuchtung 500 2100 9000 108000 b) nur volle a Verpflegung 270 1890 8100 97200 e) nur Wohnung, Heizung und Be⸗ leuchtung 30 210 900 10800 2. Arbeitnehmer, denen nur eine teilweise Verpflegung gewährt wird! in Hundert⸗ teilen von 270 Mark 9 1. 11105 10 27 189 810 9720 b) 2. Frühstück 10 27 89 80 9720 c) Mittagessen 40 108 756 3240 38880 0 Vesperbrot 10 27 189 3810 9720 e) Abendessen 30 81 587 2430 29160 abzug vom Arbe tslohn. Die Steuerausschüsse sind bei der Festsetzung des stewerbaren Eimlomens im Veraulagungsverfah ren an sie nicht gebunden. Darmstadt, den 4. Jan gor 1923. Landessinanzamt: Abteilung sür Qesitz und Berkehesstenern. Dr. Hellwig. Abfallholz⸗Versteigerung. Miliwoch, den 10. Januar, machtmit tags 3 Uhr, werden am Schiffesbergerweg 27 Haufen Ab⸗ fallholz meistbietend versteigert. Anschließend einige Haufen AAbfallholz im Lärchenwäldechen Die Zusammenkuuft findet um 3 Bahnübergang der statt. Gießen, den 8. Jauuar 1923. 1158 Uhr aun dem Gleßen⸗Fuldger Eisenbahnstrecke Bekanntmachung. Im Amtsverkündigungsblatt vom 21. Dezemben 1922 ist eine Bekanntmachung betr. Erhöhung der Ge⸗ bühren für die Reinigung der Schornsteine veröffent⸗ licht, auf die hierdurch hingewiesen wird. Gießen, den 4. Januar 1923. Der Oberblegermeister. J. V.: Krenzien, werden Sainstag, dert 1B. Jannar 1923, von 912% Uhr, im Schulhause struße 26) für folgende Klassensentgegengenom nen: 1) Höhere Mädchenschule: Für die Klassen IIa(4. Schuljahr, nach jährigem Besuch der Volksschule) und für alle höheren Klassen. 2) Erweiterte Mädchenswule: Für die Klassen 30(6. Schuljahr) bis 10. Bei der Aumeldung sind vorzulegen: Geburis⸗ schein, Imufsmein und Abgangszeugnis der zuletzt besuchten Schule, Anmeldungen nach dem oben festgesetzten Tage können nur berülsichtigt werden, soweit noch Platz in den einzelgen Klassen vorhanden ist. Gießen, del 6. Januar 1923 1 1 7 Die Ditektion 1 1 7 me 2 der Höheren und Erweiterten Mädchenschule Oberstudiendirektor De. Noller- 1 eee ee eee 5 N 0 Gestorbene. 17. Januar. Katharina Ruckstuhl Witwe, geb, Fritzges, 83 Jahre alt, Steinstr. 63. Beerdigung: 10. Januar, 2% Uhr nachm. f f Ir NINA 1154 —— 4 Was so sparsam im (Eingang Damm⸗ Gebrauch Muß als dillig sich erweisen! Marke Rolfrosch- Schohposto. Werner 8 Mertz.- S NMoina a 12 Hotels, Restaurants, Cafés Hotel Schütz, Ar Ir Haus ersten Ranges Telephon 164— Bahnhofstrasse 52 Fe Carl Frensdorf, Giefen 0 N Herren-Beklei dung 2 I. tego x buster Arup Kleiderstoffe, Seidenstoffe Damen- und Kinder-Konfektion Neustadts Bahnhof- strasse 2 LUD WIC STERN Gießen Sasse: Grösste Auswahl in Kleider- Stoffen, B Stoffen, sowie in allen 0 Manufakturwaren Reelle Bedienung! Nr. 1 Billige Preise! Bahnhof- g ö Bahnhofs-Hotel Lenz Leu renoviert— Zentralheizung Am Bahnhof Telephon 151 Hotel prinz. 10 B. Elsuffgn- Haufhaus- Higssn 8 Brandplata, alten Schloss. 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