dünn: icke hubofstraße 23 nhhcher 20 b. Organ für die Interessen de der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Expedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008. Sberb. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen ennementspreig mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und. 0 chaftliche Beilage 8 1 monatlich— Me: einschl. Bringerlohn. urch die Post bezog. 3300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mt Verantwortlicher Redakteur: J. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt sür die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren Raum lokal 60.— Mk. auswärts 80.— Mk. die Reklamemillimeterzeile 800.— Mk, Ber größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. Gießen, Montag, den 9. April 1923 18. Jahrgang 1 N Wochenschau. In unserer wüsten Zeit erscheint keine Roheit Ind keine Sinnlosigkeit unmöglich. Am Ostersamstag brachen die Franzosen in die fruppschen Werke in Essen ein zu einem Raubzug auf utos. Arbeits niederlegung, Arebsiteransammlung. Blut⸗ unter den Arbeitern: 13 Tote, über 50 Verletzte. Der menlosen Entrüstung über diese Untat hat unser Genosse gierungspräsident Grützner in einem mutigen Protest⸗ feiben an General Degoutte kräftigen Ausdruck verliehen. „Der Führer der Nationalsozialisten in der Unordnungs⸗ Ale Bayern, Hitler, erblickt in dem Deutschen Reich einen 1 naxpistisch⸗jüdischen Saustall“ und hält bei München eine sruppenschau seiner bewaffneten Schutzorganisationen ab, tschlossen. Republik und Demokratie zu beseitigen. Woher gen die Geldmittel für diese gefährlichen Machenschaften? schwache bayerische Regerung laßt die freche Heraus- erung für eine„private, sportliche Uebung“ erklären.— Norddeutschland hat die deutschvölkische Frei ⸗ eitspartei einen bewaffneten Umsturz des neuen vorbereitet. Dahinter steht Ludendorff als mmender Diktator.— Die Kommunisten leben von allgemeinen Unordnung; sie gründen Lausbubenselbst⸗ hutz in Westfalen, rufen nach Moskauer Diktat zur„Bewaff⸗ ung der roten Weltarmee“ auf und sprengen mit rohester walt in Wort und Tat Berliner sozialdemokratische Ver⸗ unmlungen. 10 Doch genug von all diesem gefährlichen, tollen Spuk. chen wir auf Vernünftiges in dieser Zeiten Wirr⸗ Schauen wir wenigstens den Tatsachen mit ernster nenheit ins Gesicht! f Die Erkenntnis der Wahrheit über das Ruhraben⸗ ner ringt sich allmählich durch. Die Abordnung der elgischen Sozialisten, die im Ruhrgebiet weilte, f 1 u mit zu folgenden Schlüssen: Die Deutschen haben a Ich t- daß sie nicht unter französischen Bajonetten arbeiten sollen, daß sie gegen die Okkupation protestieren, und daß 10 be Besetzung unnötige Ausgaben verursacht. and haltbar; ee saats enn 1 In England hat eine neue Parlamentsverhandlung 0 die französische Ruhraktion; gezeigt, daß die Unzu⸗ stedenheit mit der tatenlos abwartenden Haltung der Re⸗ 1 kerung allseitig wächst. Aber das moralische und politische n Pressen teil über die nationalistisch⸗militärisch⸗kapitalistische Toll⸗ t Frankreichs und die unsäglichen Leiden des wehrlosen kulschlands steht stark hinter dem Interesse des hitischen Handels zurück, und auch von den ent⸗ echenden deutschen Kreisen scheint der Standpunkt des dividuellen Geschäfts vorwiegend betont zu werden. Die Reichsregierung hält die vom amerikanischen daatssekretär Hughes vorgeschlagene„internationale o mmission von Geschäftsleuten“, die die bis⸗ u erfolgten und zukünftig möglichen Reparationsleistungen geutschlands prüfen soll, für einen gangbaren Weg: aber in sicheres Urteil über unsere tatsächlich Leistungsfähigkeit nne nicht gewonnen werden, bevor dem gewaltsamen Ein⸗ züff in das deutsche Wirtschaftsleben und der dadurch ver. assackten Wertvernichtung Einhalt geboten sei. Das heißt suht: Vor der Räumung des Ruhrgebiets keine Verhand- ung!, wie es das törichte Geschrei der deutschen Chauvinisten Der preußische Minister Genosse Severing hat im dndlag festgestellt, daß sich die dentschvöleischen Organi⸗ tionen in Norddeutschland mit den Herren Wulle, Henning d v. Graefe dem Oberkommando des bayerischen Fascisten · rers Hitler unterstellt haben. Dieser wird genau wissen, seine norddeutschen Schutzbefohlenen beabsichtigen, wenn n einer seiner letzten Hetzreden sagte:„Wir wollen keine kurlamentarische Partei sein, sondern eine nationale Sturm⸗ aumee, die Deutschland von den Parlamenten und den No⸗ 1 bimberverbrechern befreien soll.“ So weiß jeder einsichtige Aterlandsfreund Severing Dank, daß er die Verschwö⸗ zung des norddeutschen Rechtsbolschewis⸗ bus aufgedeckt und energische Bekämpfung der antirepu⸗ bikanischen Gewaltmenschen eingeleitet hat. Daß die deutsch. mutionale Partei die„Kameraden“ der Dreimännerpartei 4 ch wie vor in Schutz nimmt, ist nicht weiter verwunderlich. lechts steht der gefährlichste Feind der Nepublik! Die Zeichnung auf die Dollar⸗Goldanleihe des heiches hat mit einem offenkundigen Mißerfolg geendet. und Handel, Die Vorschläge des Herrn Loucheur. 5 Die englisch⸗französische Uebereinstimmung. Die von uns kurz gestreiften aufsehenerregenden Mitteilungen des Dafly Telegraph über die Löfung der Reparationsfrage offen⸗ baren sich jetzt in der Tat als Aeußerungen Loucheurs, die nicht ohne Wissen der französischen Regierung, insbesondere Poincarés, gemacht worden sind. Offiziell gesteht man das zwar in Paris noch nicht, ein, aber die Art, mit der maßgebende französische Blätter die Auslassungen des Daily Telegraph behandeln, läßt keinen Zweifel darüber, daß der französische Minister⸗ präsident über das Vorgehen Loucheurs, wenigstens in seinen Grund⸗ zügen, unterrichtet war. Besonders auffallend ist, daß gerade der Matin, der schon häufiger von Poincaré als Sprachrohr benutzt wor⸗ den ist, die Aeußerung des Daily Telegraph ausführlich bespricht und sie in wesentlichen Teilen als identisch nicht nur mit den Ideen der französischen Sachverstänbigen, sondern auch der französischen Regierung bezeichnet. Das offizielle Frankreich ist nach dem Matin mit ber Vermin⸗ derung der deutschen Schuld, wie sie der Daily Telegraph als Auf⸗ fassung maßgebender französischer Kceise bereits mitteilte, einver⸗ standen, und es scheint, daß sich Poincars auch mit jeder Herab⸗ fetzung der Reparationsschuld auf weit unter 50 Milliarden zu⸗ frieden gibt, wenn der Anteil Frankreichs nicht geringer ist als 20 Milliarden. Auffällig ist jedoch, daß der Matin nicht mit einem einzigen Wort die Aeußerung Loucheurs streift, nach der Deutschland die alliierten Schulden an Amerika übernehmen soll. Die Mobilisierung der deutschen Schuld durch eine internationale Anleihe findet dagegen nach der genannten Quelle plötzlich den Beifall der französischen Regierung, die sich jedoch ande verseits mur zu einer Räu⸗ mung des Ruhrgebiets erst bereit finden will, wenn ein vollkommen militärloser Rheinstaat mit einem entmilitarisierten 2 eil des Ruhrgebiets gebildet und durch eine internationale Polizei überwacht wird. Die Brückenköpfe sollen für die Zeit der im Friedensvertrag von Ver⸗ sailles vorgesehenen Frist von französischen Truppen besetzt bleiben. Also auch hier tritt wieder die Idee in Erscheinung. die Reparations⸗ frage mit der Lösung des Sicherheitsproblems zu verknüpfen. Soweit die Herabsetzung der Reparation und die evtl. Mobili⸗ sterung der deutschen Schuld in Frage kommt, scheint die englische Re⸗ gierung mit der franzöfischen einer Meinung zu sein. Am Freitag unterstrich die gesamte englische Abendpresse, sicherlich nicht ohne halb⸗ amtlichen Hinweis, daß der im Daily Telegraph veröffentlichte Grundriß der neuesten französischen Reparationsforderungen zum ersten Mal die Endsummme mit 50 Milliarden Goldmark in Ueberein⸗ stimmung zu bringen suche mit den Ziffern, die von England und Italien bereits als vernünftige Diskussionsbasis vorgeschlagen sein sollen. Anderer Auffassung ist die englische jedoch über die Einrich⸗ tung einer rheinischen Republik und die Entmilitarisierung der rheini⸗ schen Gebietsteile. Diese beiden Punkte bilden zweifellos die Hauptschwierigkeiten f bei evtl. Verhandlungen, nachdem Frankreich aus guten Gründen an e der Reparationsfrage mit dem Sicherheitsproblem esthält. Die beutsche Republik kann sich nie einverstanden erklären mit ber Zersplitterung seiner Gebietsteile, die dem Versailler Vertrag zu⸗ widerläuft und die ihrer Auswirkung den französischen annektionisti⸗ schen Bestrebungen dienen soll. Aber schon die Tatsache, daß sich die beiden maßgebenden alliierten Regierungen über einen Teil der Lö⸗ sung des Reparationsproblems, wenn auch nur in der Theorie, einig sind, sollte die deutsche Regierung zu besonderer Aufmerksamkeit ver⸗ anlassen. Uns scheint der Augenblick gekommen, wo es heißt, ernsthaft aktioe Politik zu treiben! Eine französische Interpellation verlangt Auskunft über den Zweck der Reise Loucheurs. Der royalistische Abgeordnete, Leo Daudel, hat in der fran⸗ zösischen Kammer ein Interpellationsgesuch eingereicht, in dem er Aufklärung über den Zweck der Reise Loucheurs nach England wünscht. Den Namen Loucheur hat er zwar in seinem Antrag nicht direkt genannt. Nach dem Mord der Hohn. General Davigne an Grützner. General Davigne hat an den Regierungspräsidenten Grützner folgendes Schreiben gerichtet: „Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß Herr General Degoutte von Ihrem Briefe vom 2. d. Mts.(der sich auf die Bluttaten in Essen bezog) nicht Kenntnis nehmen konnte, weil Sie seit dem 18. Februar bei ihm nicht mehr als bevollmächtigt gelten; ich sende Ihnen daher in seinem Auftrage den fraglichen 8 0 5 den Sie ihm unter meiner Anschrift zugesondt haben, zurück.“ 5 1 0 Diese feige Antwort paßt en⸗ in des Bild von der französi⸗ schen Ritterlichkeit. Ste nurd aber noch übertroffen durch die freche Antwort. die der Essener General Jaques mot Im Reich wie in Hessen macht die Justiz sonder⸗ bare Sprünge: Versäunmisse und Urteile, die der„Recht⸗ sprechung“ erwartende Laie kaum mehr versteht. Einen so übelen Verleumder wie den Marburger Universitätsprofessor Jung läßt die Generalstaatsanwaltschaft entkommen.„Im Namen des Volkes“ werden vom Darmstädter Landgericht dem ehemaligen Großherzog einstweilen 30 Millionen Mark zugesprochen. In Gießen diktiert ein Schöffengericht in einem Bagatell⸗Beleidigungsprozeß gegen unseren Redakteur eine Geldstrafe, die einem französischen Militärgericht im besetzten Gebiet alle Ehre gemacht hätte. Gerechtigkeit ist die Grundlage der Staaten! auf den Pratest der Stadt Essen wegen der Karsamstagtat hat ergehen lassen. Dar heißt es: „Die ganze Verantwortung fällt auf die Direktoren der Kruppwerke. e da eine bestimmte Zahl dieser Direktoren verhaftet wor⸗ en ist“ Mit Recht hat der stellvertretende Regierungsprästident von Düsseldorf an die Adresse Davignes folgendes geantwortet: Angesichts der Ungeheuerlichteit der Bluttat, angesichts der 13 Toten und der übrigen Opfer, unter denen noch heute verschie⸗ dene mit dein Tode ringen, angesichts der Entrüstung der ganzen Welt über dieses Ereignis muß die Antwort des Generals als ein Hohn und ein Schlag ins Gesicht empfunden werden Ich bin sicher, Herr General, wenn Sie, wie es gestern ein von mir beauftragter Vertreter getan hat, das Krankenhaus in Essen besuchten und dort mit eigenen Augen die Qualen der Verwundeten sehen würden, daß Sie dann die Aeuße⸗ rung, die Herr General Jecqucsmot getan hat, als eine Aerußerung von nicht zu übertreffender Unmenschlichkeit bezeichnen würden. Jie ich flammenden Protest erhoben habe gegen das frivole Spiel mit Men schenleben, das seilens der französischen Truppenabteilung getrieben worden ist, so erhebe ich schärfste Anklage gegen diese unerhörte 5 Verhöhnung der Gefühle einer leidenden Bevölkerung 1 Soll man 1 0 wirklich aus den Worten des Generals 501 entnehmen, daß er die Bluttat für gut und recht befindet und den Führer der Abteilung, welcher die Feuereröffnung gegen die wehr⸗ losen Menschenmassen befohlen hat, von jeder Verantwortung frei⸗ spilechen will? Mag der General so denken, so durfte nie⸗ und nimmermehr eine solche Aeuferung laut von ihm getan werden. Von Ihnen, Herr General, erwarte ich, daß Sie den Befehls⸗ haber veranlassen, Maßnahmen zu treffen, diesem frivolen Ton, wie er in dem Schreiben vom 4. April beliebt wird, ein für allemal ein Ende zu machen. Hal denn wirklich der örtliche Befehlshaber in Essen keinen Sinn für die Gefühle einer bis aufs Blut gepeinig⸗ ten Bevölkerung? 0 5 5 Das Bregenzer Zehnerkomitee fordert die Räumung des Ruhrgebiets. Des soeben in Bregenz tagende Vorbeceitungskomitee des Hamburger Weltkongresses faßte am Freitag eine Entschließung zu den blutigen Ereignissen in Essen in der die Gewaltpolltik der Wörtlich heißt es dann in der Entschließung: „Im Einverständnis mit der von der deutschen Sozialdemo⸗ kratie empfohlenen Taktik der rein passiven Abwehr der militäri⸗ schen Beseßzung erklärt das Zentralkomitee der Ruhrbevölkerung eine volle Sympathie. Gewalttaten und Attacken gegen diejenigen. ie nur ein blindes Werkzeug, nicht aber die Urheber der verwerf⸗ geben. Das Zehnerkomitee fordert erneut Verhandlungen, die zur Räumung des Ruhrgebiets führen sollen.“ J Die Ruhrarbeiterschaft sest im passiven Widerstand. Gewerkschaften aus dem besetzten Gebiete, in der zu der augen⸗ blicklichen Lage Stellung gennommen wurde. Ueber die Stim⸗ mung in den Kreifen der freien Gewerkschaften unterrichtet folgende einstimmig angenommene Entschließung: „Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten des Ruhrgebiets stehen nach wie vor auf dem Standpunkt. daß der Einbruch des frauzösischen und belgischen Militarismus ins Ruhrgebiet mit allen zur Verfügung stehhenden Kampf wird geführt um eine Verständigung zu erzielen, welche wirklich die Gewähr eines dauerhaften Friedens bietet. diesem Kampf lehnt die Konferenz nochmals alle chauvinistischen und nationalistischen Ziele und Bestrebungen ab. An die Ar⸗ beiter, Angestellten und Beamten wird die Mahnung gerichtet. an der Ablehnung aller nationalistischen Bestrebungen weiterhin festzuhalten. Gewaltsame Zusammenstöße müssen durch das be⸗ sonnene Verhalten der Arbeitnehmerschaft vermieden werden. Die Konferenz erwartet aber andererseits von der Reichs⸗ regierung, daß sie jede sich bietende Gelegenheit benutzt, um den Abwehrkampf zu einem günstigen Abschluß zu bringen. Die Räumung des Ruhrgebietes muß im Vordergrund aller Ver⸗ handlungen stehen und als nächstes Ziel erreicht werden. Klare Stellung aller Teile der Regierung zur Verhandlungsfrage wird am besten Gewähr dafür bieten daß sich die weitesten Volks⸗ kreise in diesem Abwehrkampf hinter die Regierung stellen.“ Anläßlich der Vorgänge bei Krupp wurde folgende Ent⸗ schließung ebenfalls einstimmia angenommen: „Die Konferenz der Ortsausschüsse des ADB, des Afa⸗ Bundes und des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes nimmt mit Entrsistung Kenntnis von dem gewalttätigen Vorgehen der Franzosen gegen die Kruppschen Arbeiter, das mehr als 40 Ar⸗ beitern Leben und Gesundheit gekostet hat. Diese neue Gewalttat wird die Arbeiterschaft in ihrem passiven Widerstand gegen die französische und belgische Machtpolitik nur bestärken zumal sie wiederum zeigt, daß es fast ausschließlich Angehörige der Ar⸗ beiterkasse sind die den Ausschreitungen der Besatzungstruppen zum Opfer fallen. Den Angehörigen der getöteten und verleßten Arbeiter spricht die Konferenz ihr herzlichstes Beileid aus.“ Eine Auffehen erregende Feststellung. Die französischen Kapitalisten zur Auslieferung der Betriebe an die Kommunisten bereit! Das kommunistische Ruhr⸗Echo, das zurzeit nach dem Verbot der Essener Arbeiterzeftung neben dem Kleinen Anzeiger, einem Ableger der Rheinisch⸗Westfälischen Zeitung, als fast einziges Blatt Essens erscheint, bringt in seiner heutigen Nummer eine Enthüllung. Die Sanktionen, die Sie fordern, sind schon im Franzosen zur Lösung der Reparationsfrage scharf verurteilt wird. lichen Politik sind würden nur Gelegenheit zu neuen Repressalien In Dortmund tagte am Freitag eine Konferenz der freien Mitteln des passiven Widerstandes abgewehrt werden muß. Der eitung s werktätigen Volkes In A S 2 die geeignet ist, erzeblicheg Auffeßen zu erregen. Der Artikel be⸗ schäftigt sich zunächst mit den internen Auseinandersetzungen in der KPD. und mit dem kindischen Radikalismus der Berliner Richtung, die durchaus verlangte, daß die Kommunisten im Ruhrgebiet die Besetzung der Betriebe durch die Arbeiter proklamieren sollten. Das Ruhr⸗Echo weist darauf hin, daß diese Parole auch von den links⸗ oppositionellen Kommunisten des Ruhrgebiets einmütig abgelehnt werde und fährt dann wörtlich fort: a „Einige Zeit nach der Besetzung des Ruhrgebiets hätten wir leicht die Möglichkeit gehabt, die Betriebe zu besetzen. Von fran⸗ zösischer kapitalistischer Seite wurde mehr als ein Mal der revo⸗ lutionären Arbeiterschaft der Vorschlag gemacht und die Hilse der französischen Bajonette angeboten. Diese Anträge wurden selbst⸗ verständlich von unserer Partei mit aller Entschiedenheit zurück⸗ gewiesen.“ s Das Ruhr⸗Echo führte dann sehr richtig weiter aus, daß die Betrieksbesetzung durch die Kommunisten im Ruhrgebiet gar nichts anderes bedeutet hätte, als daß damit für die wirkliche Besetzung der Betriebe durch den französischen Militarismus freie Bahn ge⸗ schaffen worden wäre. Die Enthüllung des Ruhr⸗Echo dient nur als wirkfame Ergänzung dessen, was man längst schon wußte. Wenn man allerdings die Haltung des Ruhr⸗Echo in der Frage der Schuld an der Tragödie bei Krupp betrachtet, so findet man nicht, daß das Ruhr⸗Echo die Ratschläge, die es erteilt, im eigenen Hause richtig beherzigt; denn das Ruhr⸗Echo hat die Kruppdirektoren um dessent⸗ wien dehtnziert, weil sie durch das Ziehenlassen der Strenen eben das getan hatten, was von den kommunistischen Betriebsräten der Firma Krupp selbst gefordert worden war. Politische Uebersicht. Das Ziel des Nuhrkampfes. Beseitigung des Achtstundentages! Eine Vertreterversammlung der sogenannten„Ver- einigten Vaterländischen Verbände Deutschlands“, in denen bekanntlich der aus der Deutschen Volkspartei hinaus⸗ bugsierte Abgeordnete Geißler eine Rolle spielt, nahm am Donnerstag einen Vortrag des früheren nationalliberalen Landtagsabgeordneten Bacmeister über den Wirtschafts⸗ kampf gegen Frankreich entgegen. Bacmeister, ein typischer Repräsentant der Schwerindustrie alten Stiles, erklärte, das deutsche Volk dürfe sich keinerlei Illusionen hingeben. Weder ein industrieller noch ein finanzieller Zusammenbruch Frank⸗ reichs sei aus dem Ruhrunternehmen zu erwarten. Die Markstabilisierung sei die furchtbarste Täuschung eines Volkes seit der französischen Revolution. in der ähnliche Experimente gemacht worden seien. 0 Notwendig sei die Aufstellung eines wirtschaftspoliti⸗ schen Programms, das es ermögliche, auslandische Zahlungs⸗ mittel in großer Menge hereinzubekommen. Zu diesem Zweck müsse sich die Regierung entschließen, die„Arbeit in Deutschland freizugeben“ und alle Hemmungen, wie den Achtstundentag usw. zu beseitigen. Reichskanzler Cuno müsse in feierlicher Sitzung des Reichstages eine dahin⸗ gehende Erklärung abgeben. Cuno sei leider in letzter Zeit durch gewisse Strömungen in eine Richtung gedrängt wor⸗ den, aus der er die Möglichkeiten der Wirtschaft nicht mehr voll erkennen könne. Ein Weitergehen auf dem bisherigen Wege müsse zu bolschewistischen Zuständen führen. Besitze Cuno nicht das erforderliche Verantwortungsgefühl, so fehle in Deutschland überhaupt der starke Monn, der allein die Rettung bringen kann. 5 Ganz im Sinne dieses Vortrags nahmen die„Vater⸗ landischen eine Entschließung an, die die bisherigen Methoden des Wirtschaftskampfes gegen Frankreich als un⸗ zureichend bezeichnet und vom Reich. kanzler verlangt, daß er die Abschaffung des Achtstundentages, die Bezahlung nach Leistung und die Einführung des„vaterländischen Hilfs- dienstes“(Zwangsarbeit) vom Volke fordere. In einer zweiten Entschließung wurde die Auflösung der Kommunisti⸗ schen Partei verlangt. Man sieht, daß die Vaterländischen in ihren Forderun⸗ gen nicht unbescheiden sind. N Zwar herrscht schon Arbeits- losigkeit auf allen Wegen und Stegen, aber die Besefkigung des Achtstundentages wird den Sieg gegen Frankreich bringen. a Heil! Aus dem putschistischen Hexenkessel. Kurz vor Ostern wurden in Kassel mehrere Personen von der Kriminalpolizei festgenommen, weil sie dem französischen Spionagebureau in Düsseldorf. Bleichstr. 7, Nachrichten über an⸗ geblich rechtsradikale Organisationen und Vecbände in Deutschland überbracht hatten. Diese Nachrichten hatte das Haupt der Gesell⸗ schaft, ein gewisser Hans Heinrich Brüning, der unter dem jalschen Namen eines Dr Börner seit längerer Zeit in Wilhelms⸗ hausen bei Kassel wohnte mach dem Muster des Berliner Groß⸗ fälschers Paul Ansbach frei erdichtet. Aus den aufgefundnen zahl⸗ reichen Schriftstücken die außerordentlich geschickt angefertigt und gefälscht waren ging hervor daß Brüning alias Dr. Börner nicht nur die Meldungen erfand, sondern auch den von ihm erfundenen angeblichen Geheimverbünden gefährlich klingende Namen gab, wie„Völkische Kampffront Groß⸗Deutschland“,„Deutsche Wehr⸗ schaft“,„Sturmableilung Heymann“,„Hauptgeschäftsstelle der Sturmabteilung“ u. a. m. Seine angeblichen Meldungen, die sich auf die Vorbereitungen eines Rechtsputsches bezogen, kamen aus München, Hamburg, Hannover und Berlin. Das den Franzosen in die Hände gespielte Material war geeignet, den Eindruck zu erwecken, als wenn in Deutschland eifrig gegen Frankreich gerüstet würde und als ob Wafsen in großer Anzahl vorhanden seien. Bei Brüning wurden etwo 40 falsche Stempel vorgefunden, die er zur Zeichnung seiner Schriftstücke verwendet hatte. Brüning war zu⸗ letzt angestellter Mitarbeiter der in Hannover erscheinenden deutschvölkischen Kampfschrift Der Sturm, dessen Geschäftsstelle er in Kassel leitete. In dieser Stellung hatte er naturgemäß Zutritt zu zahlreichen rechtspoliischen Kreisen. Neben der a Spionage betrieb die Gesellschaft auch miltärische Spionage. Mit Brüning, der im Jahre 1900 gebocen und von Beruf Kaufmann ist, wurden noch folgende Personen sestgenommen: Die 1903 ge⸗ borene Elli Hagemann in Kassel, der 1902 geborene Fritz Waß⸗ muth⸗Kassel und ein 1892 geborener früherer Schutzpolizeibeamter aus Düsselborf namens Franz Wander der hauptfächlich die mili⸗ tärische Spionage betrieb. Schwerer Zusammenstoß in Regensburg. In Regensburg ist es Donnerstag abend zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Sozialisten ge⸗ kommen, welcher das Einschreiten der Landespolize' und der blauen Polizei veranlaßte. Im Laufe der Auseinandersetzung wurde der Wagenschreiber Albert Stöckl von der Betriebswerk⸗ stätte Regensburg durch den Vizewachtmeister und Angehörigen der nationalsozialistischen Partei, Senne. erstochen. Freitag vor⸗ mittag fand eine Sitzung der Gewerkschaftsvorstände und der Be⸗ triebsräte statt, sowie der Sozialdemokratischen Partei, um Be⸗ schlüsse anläßlich öieser Vorgänge zu fassen. * Ueber die Aufrichtigkeit der Kommunisten mach der württembergische Landtagsabgeordnete Fausel, der früher selbst Hommunist war, dann aber zur Sozialdemokratie übertrat, bemerkenswerte Mitteilungen. So habe einer der kom⸗ munistischen Führer im Nürtinger Bezirk, namens Knauß, sich beim Abschluß der Sammlungen für die russischen Hungerbezirke geäußert: „Die gesammelten Gelder kommen selbstredend nicht nach Rußland, denn es wäre eine Dummheit, die Gelder erst nach Rußland zu schicken, da wir(die Kommunisten) doch fortlaufend Mittel von dort zu deutschen Parteizwecken erhalten.“ Ferner erklärte gach den Mitteilungen Fausels der kommu⸗ nistische Bezirksleiter und Landtagsabgeordnete Schneck bei Ab⸗ lieferung des Ergebnisses der Sammlung für die Russenhilfe auf die Frage, ob nun die hungernden russischen Kinder, zu deren Aufnahme sich in Nürtingen mehrere Familien bereit erklärten, bald kommen würden: „Ach was! Bluff! Unsere russischen Genossen wären dumm und würden ihre Kinder nach Deutschland schicken, damit sie kapitalistisch durchseucht werden. Jie die Kinder 4 in Ruß⸗ land aufs beste gesargt. Unsere diesbezüglichen Aufrufe er⸗ folgten lediglich zu dem Zweck, um ein möglichst günstiges Er⸗ gebnis der Sammlung zu erreichen.“ a Aus diesen Mitteilungen geht unzweideutig hervor, daß es den Kommunisten gar nicht Ernst war, als sie bei den deutschen Arbeitern Unterstützungen für die hungernden russischen Kinder er⸗ bettelten, sondern daß es ihnen nur um Gewinne für die eigene Parteikasse zu tun war. Damit haben sie sich um den letzten Rest persönlicher Achtung gebracht, den man ihnen Rare Meinungsverschiedenheiten noch schuldig zu sein glaubte. g Err politischen Regierungskrise in Schweden. 5 Rücktritt Brantings. f das nach den all ö i a i ückgetreten. a Mehrheit zu besitzen, ist zurückg bestand ausschlleh bilde. Dem Rücktritt des bestand zugrunde: Infolge in der Bergwerksindustrie, Wochen keine Unterstützung erhalten. 5 0 0 Unterstützung wurde damit begründet, daß sie sich in einen Konflikt befänden und infolgedessen einen Anspruch ai a Unteistützung nicht hatten. Die Regierung beabsichtig 1 4 0 dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu machen, und sie legte. 1 halb dem Reichstag neue Richtlinien für die Arbeitslos. unterstützung vor. Von vornherein machte sie die Ablehnu 0 aal dieser Richtlinien zur Kabinettsfrage. Die Zweite Kan mer ct 117 nahm den Entwurf dieser Richtlinien bei der ersten Berat 1 6 dagegen lehnte ihn die Erste Kammer ab. Nach deln Ausgang machte der betreffende Fachausschuß einen Kom promißvorschlag, der auch die Regierung und die sozialde 15 kratische Fraktion befriedigte. Die Erste Kammer lehnte abe am Tonnerstag auch diesen Vorschlag ab, sodaß die Je 100 gierung sich gezwungen sah, aus diesem Verhalten ihre Ke 005i sequenzen zu ziehen. Der König ist gegenwärtig zur Gr. 10 1 holung in Italien. Die Regierungskrise wird deshalb ke* 1 schnelle Erledigung erfahren. Da die parlamentari 170 Verhältnisse noch genau die gleichen sind wie nach der Wahlen im Jahre 1921, ist anzunehmen, daß in der 8 sammensetzung der Regierung keine wesentlichen Veränhe* rungen vorgenommen werden. J 5 Andererseits meldet der Stockholmer Korrespondent de Frankf. Ztg., deß der konservative Führer Trygger zusam men mit dem Liberalen Egmann voraussichtlich eine bert konservative Regierung bilden werde, in der die Ban ler gleichfalls vertreten sein werden. Die hei sischen Landes farben. Bisher bestand in Hessen keine gesetzliche Bestimmu über die Landesfarben. Auf Flaggentafeln und in literar schen Veröffentlichungen wurden bald weiß ⸗ rot, ba 0 rot-weiß angegeben. Eine besondere Vorschrift ül 4 die Farbenführung bei Flaggen und Wimpeln ist nur dem Reglement, die Landesflagge und Wimpel der Hand schiffahrt auf dem Rhein und seinen Nebenströmen be treffend, vom 16. März 1839 enthalten. Diese machung bezieht sich aber nur auf die Flaggen der Hande b schiffahrt. Sie bestimmt bei den Wimpeln als Farbensol Ae herr der Landesfarben rot⸗weiß, während auf Grund der Farbe. KN ernbünd⸗ * Detranm ee ehh ler Eine soeben dem Landtag zugegangene— ligen lage enthält nunmehr u. a. folgende Bestimmungenz Die 1 hessischen Landesfarben sind rot-weiß. n Schu hessische Landesflagge wird als allgemeine Landesflagge, a5 15 bord Dienstflagge und als Handelsflagge geführt. Die allg⸗ Ae nir meine Landesflagge ist in einen roten und einen weißt 3 ng eine ne Querstreifen von gleicher Breite geteilt. Die Dien flagge ist in rot-weiß⸗rote Querstreifen geteilt. beiden roten Streifen sind gleich breit. Der weiße Streif ist doppelt so breit wie ein roter und trägt in der Mitte d Staatswappen. Die Handelsflagge ist in rot⸗wei — * 5 cer. 5 säbter O Der Deserteur. 15 Roman von Robert Buchanan. Zwanzigstes Kapitel. Die Menschenjagd. Draußen zwischen den Klippen, auf halbem Wege zwischen dem Gipfel des Abgrundes und dem wellenbespül— ten Felsgestein am Strande, sitzt ein Mann so still und be— wegungslos, daß man ihn für einen Teil des Felsens halten könnte. Es ist einer jener schwülen Sommernachmittage, an denen der Horizont von seinem eigenen Atem ummölkt ist. Kein Lüftchen regt sich, man hört meilenweit das Brausen des Meeres. In dem schrillen Schrei der blaurückigen Möwe, die bedächtig über den Wasserrand segelt, liegt etwas Er⸗ greisendes. Der Mann sitzt in einer kleinen Nische; ein schwindeliger Pfad führt zu dem Felsen hinunter, aber der über seinem Haupte hängende Abgrund ist vollständig unzu⸗ gänglich. Kaum hundert Schritt entfernt, erhebt sich die vom Himmelszelt überdachte, große natürliche Kathedrale. Von seinem Sitz aus sieht er den durch die Flut gebildeten smarag⸗ denen Boden derselben. Ueber der Kathedrale flattern gleich Schmetterlingen, ein leises Gekreisch ausstoßend. zahllose Möwen. Die Sonne hat sich versteckt, aber der matte Purpur, der den westlichen Horizont begrenzt, deutet darauf hin, daß sie im Sinken ist. Weit draußen auf dem offenen Ozean gleiten Fischerboote wie dunkle Punkte auf der glasigen Flache dahin. Es ist ein heißer, dunstiger Tag. Seit vielen Stunden kauert der Mann in seiner Nische, lauschend und wartend. Plötzlich bewegt er sich und wirft das Haupt zurück wie ein aufgeschrecktes Wild, seine ängst— lichen, neugierigen Augen blicken zu der schwindeligen Klippe über seinem Haupte empor. Hoch oben flattert etwas, ent- weder eiie flinke weiße Möwe oder ein Taschentuch. Kaum hat er es erblickt, als er sich kerzengerade erhebt, Zeigefinger und Daumen an die Zähne legt und einen schrillen Pfiff ausstößt. Wer ihn in diesem Augenblick gesehen hätte, würde tiefes Mitleid mit dem Aermsten empfunden haben, denn er ist barhaupt, der Bart lang und verwildert, das den Elementen ausgesetzte Antlitz gebräunt, die Kleidung zerfetzt — sie besteht übrigens nur aus den landesüblichen kurzen Beinkleidern und einem bunten Hemd, das kaum mehr diesen Namen verdient. Er sieht eher einem gehetzten wilden Tier aus der Urzeit ähnlich als einem ruhigen, friedlichen Bürger. Aufblickend, sieht er vom Gipfel des Felsens Etwas rasch an einem Seil heruntergleiten, er streckt gierig die Arme danach aus und hält bald ein kleines Körbchen in den zitternden Händen, dem er ein Stück Schwarzbrot, ein Stück gewöhnlichen Käse und ein kleines Fläschchen Branntwein entnimmt. All dies legt er neben sich auf das Gestein und zieht das Seil sanft wieder an. Im Nu steigt das Körbchen in die Höhe, er macht sich eilig daran, seinen lebhaft knur⸗ renden Magen zu befriedigen. Nachdem er sein kärgliches Mahl beendet, bindet er die Reste sorgfältig in ein Tuch, das er bis dahin um den Hals geschlungen hatte. Vom Branntwein schlürft er nur tropfenweise, als ob jeder Trop⸗ fen kostbar wäre; tatsächlich ist er es auch, denn er erweckt neues Leben in dem halbverhungerten Körper. Nachdem er eine kleine Ration bedächtig hinuntergeschlürft hat, verbirgt er seine kostbaren Schätze auf der Brust. Er scheint es durchaus nicht eilig zu haben, denn er hält nun seine Siesta und läßt seine neubelebten Blicke ruhig über die abendlich beleuchtete Landschaft schweifen. Ein träumerischer Aus- druck liegt in seinen sanften Augen, der im krassen Wider⸗ spruch zu den verängstigten, abgezehrten Linien seines Ge⸗ sichtes steht. Plötzlich springt er wie ein erschreckter Hase von seinem Sitze auf. Aufrecht stehend, horcht er mit angehaltenem Atem in die Höhe; Laute, erschreckender als Meeresgebrüll, dringen an sein Ohr— menschliche Stimmen! Namenloses Entsetzen spiegelt sich auf seinen Zügen. Er springt und flettert wie ein Gemsbock den halsbrecherischen Pfad zum Strande hinab. Ein von oben dringender Schrei veranlaßt ihn, einen Augenblick stislzusteßen und hinaufzublicken. Er wankt und elles dreht sich im Kreise mit ihm herum doch faßt er sich rasch wieder und gleitet rußig weiter. Er weiß nun, daß ihn seine Verfolger entdeckt haben und seine Spur unbarm⸗ herzig weiter verfolgen werden.——— Sergeant Pipriae und seine Gendarmen hatten, nach⸗ dem sie das Saus Dervals verlaslen, sofort den Weg zu dem 7 Leher großen Menhir eingeschlagen und waren von dort über d grüne Plateau auf die Felsspitze gelangt. Mikel Gral schritt, in eln lebhaftes Gespräch vertieft, an der Seite d Führers, während eine aufgeregte Gruppe von Dorfbewoß nern— Männer, Weiber und Kinder— hinter ihnen trotteten. Sie waren noch nicht weit gegangen, als sie t der alten Gwenfern zusammentrafen, die, ein Körbchen aß dem Arm erschöpft und bleich des Weges kam. Ohne vil Federlesens erklärte ihr Pipriae den Zweck seines Streiß zuges:„Aha, haben wir Dich endlich erwischt, Mutter Luist Alle Teufel, den alten Pipriage hintergeht man nicht so leich obgleich Du mich für blind und dumm gehalten hast! We hast Du in dem Körbchen? Heraus mit der Sprache! Wohn n kommst Du? Zum Henker, bleib' stehen nid antworte! 0 bend ge hält sich Dein sauberer Sohn versteckt? Der Kaiser ist un el seine Gesundheit besorgt.“ 9 0 ber; Die alte Frau erbleichte, ihre Lippen färbten sich bla sie hielt den scharfen Blicken des Sergeanten tapfer stanh aber kein Wort drang aus ihrer Kehle. „Du scheinst stumm geworden zu sein. Mütterchen! Nun wir werden Mittel finden, Deine Zunge zu lösen. Pass' an umme es wird Deine Schuld sein, wenn Du den alten Pipriae daß 1 zwingst, streng mit Dir zu verfahren, denn Du warst nit ehrlich mit ihm und hast ihn zum Narren gehalten. Geschich ten wie diese können nicht in aller Ewigkeit geheim bleiben der Kaiser hat eine lange Nase und riecht die Spur von De serteuren. Verflucht! Hofftest Du altes Weib, den Kasseh auf die Dauer betrügen zu können?“ schrie er mit erheuchel tem Zorn. Pipriae war trotz sejner scheinbaren Grausamkeit 1 Brutalität kein schlechter Mensch: er hätte viel darum ge 1 4 1 5 60 geben, nicht auf Rohan Jagd machen zu müssen, und e ärgerte ihn, der alten Frau, die er von Herzen bedauerte, be gegnet zu sein. Er sprach in so barschem Ton mit ihr, u. um sein Mitleid zu verbergen und untersuchte br enn ch de das leere Körbchen, welches er ihr mit einer komischel We 1 Grimasse zurückgab. Sie ließ alles stumm über sich ergehe 0 nur ihre matten, grauen Augen drückten übermenschlich Qualen aus und ließen vermuten, was dieses starke Mut herz litt. Gortsetzung folgt.! n eifen von gleicher Br thafen in Hessen liegt, Niederlage baben. 10 18 8 v. H. itteln hat sich nicht unwesentlich verbilligt, vor allem aus⸗ den Feststellungen des Statist eizung 95 Mi 3 2854 49.8½/ 1) gegenüber 2013 im Febr. d i. rhöhung um 8 v. H. Die Index H. auf 2627. 9.1 v. eite geteilt. Die Dienst⸗ nur von den Staatbehörden geführt werden. Die gge darf nur geführt werden: 1. auf Schiffen, 2. auf Flößen von Unter- er Art, die in Hessen ihren Sitz oder eine gewerb⸗ Steigende Judexziffern. Ist das Preisabbau? ischen Relchsamts beträgt die 133 chsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, 5 au ea baun Beleuchtung und Vekl ee Luna eidung) im Durchschnitt des ziffer ohne Bekleidungskosten Die Ernährungskosten erhöhten sich ruar um 41 ouf das 3315sache, Bekleidungskosten das 4323 fache ver Vorkriegszeit. Eine Reihe von sche Fette, Fleisch und Fische: auch Reis, Hülsenfrüchte, Nähr⸗ Itel und Kartoffeln gingen fast itberall im Preise zurück. lierseits wurden Butter, Milch und Eier teurer; besonders haben hne f bie lid da un de we 3 ben sogar liber Steigen der Teuerung eingesetzt— man betrachte nur die hmarktberichte. J l 0 * W dduß di el An⸗ Kosten für Wohnung, Heizung und Beleuchtung erhöht.— itere K Lohnabzüge zuzumuten! „ wagt man es, den Lohn⸗ und Gehaltsempfängern nicht nur Erhöhung ihrer Einkommen zu verweigern, sondern Für April hat bereits ein Gießen und Umgebung. hen Nermih hr für die Sache des Volkes, der Republik und des Fort ⸗ 0 desflagge al . Die lx einen weis Die Dien geteilt. d ua espondent B. ger zuf 71 7 8 u sich tts tagtäglich und überall unerschrocken mitarbeitet, der rteiorganisation, dem f Sozialdemokratischen Verein gehört, der vor allem aber auch das Parteiblatt liest. un richtiger Sozialdemokrat abonniert aber nicht bloß sein „ urteiblatt, sondern er wirbt täglich, stündlich auch noch für mu e weitere Verbreitung. Zum Beleidigungsprozeß Lenz⸗Vetters. geladenen Zeugen— auß Die Vereitelung ihrer so natürlich in allerhand boshaften, einfältigen Ausfällen gegen Die Absicht unserer Gegner, den wegen einer Bagatelle ugestrengten Prozeß zur Aufrollung des Falles Schnell zu mutzen und das Bildungsamt hen, wurde durch die Regierung vereitelt, die den vom auf die Anklagebank zu er Ministerialdirektor Ur⸗ abt zwei Herren von der Oberrealschule— nicht gestattete, zusagen; durch Gerichtsbeschluß 1 2 nehmung des ebenfalls geladenen Direktors Schnell ver ⸗ wurde dann auch auf die wohl vorbereiteten Aktion den heftigen Zorn der klägerischen Partei, entstellenden und dabei reich das Bildungsamt Luft Das Schweigegebot an die Beamten war damit det worden, daß es den Interessen des Landes nach- sein würde, wenn dem in Bälde in Darmstadt statt⸗ denden Beleidigungsprozeß gegen die Hessische Landes⸗ itung eine nach Partefrücksichten und in halber Kenntnis taksächlichen Vorgänge bewirkte teilweise Klarstellung im gege einer Privatklage voranginge. Nach Abschluß des mer zurmstädter Offizialverfahrens könne eventl. auch die Aus⸗ nicht 0 len basti ptachel antvorke gaiset 0 il % erden können. Die Argumentation, bezw. Schimpferei des Hlagevertreters nahm eine völlige Verschiebung des Klage a kegenstandes vor: in Gießen handelte es ben„Fall en und drü 0 u re A eefährden, um egenehmigung für den Gießener Prozeß erteilt werden. gehört schon ein besonderer Grad von— sagen wir milde: eingenommenheit dazu, den Forderungen der Vernunft wie dem prozessualen an dieser Stellungnahme, e Komplex, dann die hätte ten Zeugenpernehmung und der dadurch bedingten Lenz“, dieser wird in erkiih durch steht die grobe Entst . gen würden sie das hier i nd wie hat denn die Reaier 1„ sich gar nicht um Darmstadt behandelt wer⸗ dort kann Herr Lenz alles los werden, was ihn ee e nig gercniter dien lr eee dn obe Egnerische Anwalt zu sagen ie Aufklärung nicht, da nen, die Regierung wolle sie ihr gefährlich erscheine? N Ils wenn die Regierung annähme, daß es in Darmstadt % veniger gefährlich sein werde als in Gießen! Auf der gleichen Stufe wie diese gehässige⸗ Lum ußerung die sich im weiter nichts begründete Unter ⸗ ellung der Regierungs⸗ en der Gegenanwalt leistete in en Vorten: Wenn die Herren Urstadt, Michel usw. durch iy Darmstadt das Wohl des Staates nicht n Gießen auch nicht tun“! ma die Aus sagen der Zeugen als staatsgefährlich bezeichnet? Wenn sich der Anwalt ferner darüber beschwerte, daß die Regierung wegen Beleidigung des Herrn M. das Offizialverfahren veranlaßte, während Herr Lenz(man denke: ein Mann von der Be⸗ deutung des Herrn Lenz!) den Weg der Privatklage be⸗ schreiten müsse, so dürfte er damit doch wohl nur auf sehr harmlose Gemüter Eindruck gemacht haben.— Uebrigens sind wir der Meinung, daß die Regierung zweckentsprechen⸗ der gehandelt hätte, wenn sie einfach die Erklärung zu den Akten gegeben hätte, daß Herr Lenz nicht diszipliniert sei und das übrige sie nichts anginge. Wenn nun auch die geplante Aufrollung der Affäre Schnell unterbunden war, so hielt das den Herrn Anwalt natürlich nicht ab(wohl schon mit Rücksicht auf das geladene Publikum, dem man etwas bieten mußte), auf die Ein z el⸗ heiten einzugehen, die man aus den Schian Artikeln kennt, und zwar in einer so lückenhaften, phanta⸗ stisch⸗frisierten Darstellung, daß dem Wissenden sich die Haare sträuben konnten. Vor allem wurde der Vertreter des Klägers nicht müde zu versichern, daß sein Schützling unschuldig sei wie ein Lämmlein, und welches Verbrechen die Regierung begangen habe, einen so hervorragenden Be- amten— fast hätten wir gesagt: strafzuversetzen, es muß ja heißen: im Interesse des Dienstes zu versetzen. Es ekelt uns nachgerade, die ewigen Verdrehungen, Halbheiten und Unwahrheiten zu widerlegen. Warten wir Darm ⸗ stadt ab! Dort wird ja auch der Vorwurf des„Denun⸗ ziantentums“ sich als das entpuppen, was er ist: eine un⸗ verschämte Lüge. Doch in Bezug auf Herrn Lenz wollen wir noch dies sagen: Er überhebt sich: er spielt in der Sache Schnell gar nicht die Rolle, die er gespielt zu haben sich viel ⸗ leicht einbildet. Er hat nichts verbrochen, was ihn einer Disziplinaruntersuchung würdig gemacht hätte, seine Ver⸗ setzung ist gewissermaßen nur als Nebenprodukt der Unter⸗ suchung abgefallen, nicht weil er, wie sein Anwalt meinte, in„angemessener Weise“ politisiert hat, auch nicht wegen seiner deutschvölkischen Anschauungen(warum hat man denn andere Herren gleicher Gesinnung ungeschoren gelassen?), sondern einfach weil er ein„Störenfried“ war. Das ist ihm auch dem Sinne nach gesagt worden. und wenn er sich nicht dabei beruhigt, auch noch Disziplinaruntersuchung verlangt, dann ist das eine Anmaßung. Die Herren Deutsch⸗ völkischen sind sich wie's scheint gar nicht bewußt, wie sehr sie die Langmut der vorgesetzten Behörde mißbrauchen. Daß auch die„Demokratie“ ihr redlich Teil abbe⸗ kam, ist selbstverständlich. Aber solche Scherze bringen uns nicht aus der Gemütsruhe. Wir möchen aber den Herren von rechts doch raten, sich für solche politischen Aktionen einen Vertreter zu bestellen, der etwas besser in der Logik Bescheid weiß. Ein Satz wie der:„Wenn Direktor Schnell Demokrat gewesen wäre, wäre er heute noch im Amt“, deckt doch allerlei Denkdefekte auf. Von der tiefen Wahrheit des Satzes(nur in anderem Sinn, als er gemeint war) sind freilich auch wir überzeugt, denn als Demokrat(welche Gänsehaut mag den anwesenden Herren über den Rücken gelaufen sein!) hätte Herr Schnell wohl alles— anders gemacht. Und was wußte der Vertreter der Klage sonst noch vor⸗ zubringen? O noch sehr viel; es sprudelte ihm ja nur so von den Lippen, nur gings etwas wirr und wüst durcheinander. Unter dem Vielerlei auch manche Bosheit, aber Bosheit ohne Witz— puh! Darunter auch noch viel Törichtes und manche glatte Unwahrheit, wie die, daß der Vorstand des Republikanischen Lehrerbundes und die Oberhessische Volks⸗ zeitung Anzeige gegen Schnell erstattet hätten. Wir haben allen Respekt vor der Freiheit, die ein Anwalt des Rechtes vor Gericht hat, aber es gibt doch wohl auch für ihn gewisse Grenzen! 85 Aber der Kläger, Herr Lenz, kam ja auch selbst zum Wort. Er hatte, wie das bei den Deutschvölkischen üblich ist, eine Mappe voll antisemitischer Literatur mitgebracht und trug lange Stücke daraus vor. Diesmal mußte Dr. Luther — nicht der Reichsminister für Ernährung, sondern der Re⸗ formator Dr. Martin Luther aus dem 16. Jahrhundert her⸗ halten. Ehrwürdiger Luther, höttest du das geahnt! Die Ver⸗ sammlung hörte respektvoll zu. Außerdem sagte Herr Lenz noch einiges über seine Unschuld, diesmal im Hinblick auf die Artikel in unserer Zeitung gemeint. Das wäre unnötig gewesen, da ja so ziemlich der einzige Klagepunkt, das ver⸗ maledeite„diszipliniert“— ja, wir merken eben erst, wo wir zum Schluß kommen, daß wir über diese Hauptsache eigent⸗ lich noch nichts berichtet haben. Doch wir sind unschuldig. Dieses Hauptstück der Klage bildete ja eine sehr bescheidene, um nicht zu sagen klägliche Rolle. Ab und zu versicherte die klägerische Partei, Herr Lenz sei nicht disziplinjert, und die beklagte Partei erwiderte jedesmal höflich, daß das auch ihre Meinung sei, Aber das ging schnell vorüber, und der Gegner plätscherte schon wieder im politischen oder schulischen Teich, bezw. antisemitischen Sumpf. Statt einer Viertelstunde brauchte es so 2½ Stunden, bis die Verhandlung zu Ende geführt war. Der Länge der Verhandlung entsprach die Länge der Zahl, in der die un⸗ serem Redakteure auferlegte Geldbuße sich ausdrückte. Hier⸗ über im nächsten Artikel. — Warum? Eine nachdenkliche Geschichte für Gießener Parteigenossen. Jüngst weilte ein Parteigenosse aus Düsseldorf Geschäfte halber mehrere Tage in Gießen. Trotz seiner angestrengten Tätigkei: tagsüber konnte man ihn in einer Woche am Donnerstag in einem Bildungsvortrag unserer Partei, am Samstag bei der 1848er Revolutions⸗ und Karl Marx⸗Gedenkfeter und am Sonntag nach⸗ mittag in dem Vortrag über das neue Jugendgerichtsgesetz sehen. Bei der letzten Gelegenheit kam ein hiesiger Parteigenosse mit dem Dlisseldorser ins Gespräch. Zunächst äußerte der Gießener seine Verwunderung und Bewunderung darüber, daß der Gast das herrliche Frühlingswetter des freien Sonntagnachmittags nicht be⸗ nutzt habe, um die schöne Umgegend Gießens kennen zu lernen, etwa auf den Gleiberg oder dem Schiffenberg zu wandern, sondern es vorgezogen habe, einen wenig besuchten Vortrag im Gewerk⸗ schaftshaus mitanzuhören; auch am Abend vorher hätte er doch statt der dünnen Repolutlonsseier vielleicht eine gute Theatervor⸗ stellung genießen können. Der Düusseldorfer erklärte mit bescheide nem Ernst, es sei seine Gewohnheit, wo er überall auf seinen be⸗ ruflichen Retsen hinkomme, alle Parteiveranstaltungen, die gerade staltfänden, zu besuchen, um so das Parteileben an verschiedenen Orten kennen zu lernen; und schließlich könne man la allenthalben stabe Düsseldorfs gemessen, ung stets auch noch etwas binzulernen! Sodann pries er in an erkennenden Worten die feinen Gelegenheiten, die die Gießener Partei den Genossen zur Belehrung, Erbauung und Unterhaltung biete: alles scheine aul bencidenswerter Höhe zu stehen, Vorträge wie Feste; offenbar stimden der Partei treffliche wissenschaftliche Kräfte zur Verfügung, sachkundige und worigewandte Referenten seien vorhanden, willig stellien sich jugendliche Deklamatoren und Gesangvereine in den Dienst der guten Sach usw. „Aber“, so fuhr unser Düsseldorser Gast sort, und dabei gen Schatten über sein Gesicht,„wo bleiben eigenlich ie Gegossen selber? Hier wird ein lehrreicher Von trag gehalten von einem vorzüglichen Jachmann über eine der michtig⸗ sten Pariei⸗ und Acenschheitsangelegenheiten, die Füsorge 85 Wohl und Wehe der gefährdeten Jugend, und von Gießen selbst sind, wie ich höre, etwa 5 Genossinnen anwesend, da cunter eine Stadtverordnete, von Genossen keiner, die übrigen 8 Teilnehmer bommen vom Land. Und gestern abend, bei der würdigen, wirklich gut vorbereiteten und an schönem Gesang, schwungvollen Vorträgen und auch in der Festrede nur Gediegenes und Edles bietenden Feier, wo bleiben die Hörer? Gewiß viel Jugend, auch ziemlich viele Frauen; aber wenn man die Sänger abrechnet, wo waren mit wenigen Ausnahmen die Männer? Es dürfte doch auf einen Redner nicht gerade aufmunternd wirken, es kann doch nicht seine Stimmung heben, wenn ein Saal nur halb ge⸗ füllt ist, wenn rechts und links von ihm an langem Tische völltge Leere gähnt, wenn er sozusagen allein auf weiter Flur it? Warum.“ f 8 Der Sprecher hatte sich mit, rheinischer Lebhaftigkeit etwas warm geredet. Dem betroffenen Gießener war indes die Röte ins? Gesicht gestiegen; er suchte zu retten, was zu retten war. Der Düsseldorser hatte mit einiger Befremdung auch darauf hingewie⸗ sen, er habe doch die unteren Wirtschaftsräume beim Durchschreiten als er gestera abend zur Feier hinaufwollte, von sicher meist sozlal⸗ demokratischen Gästen voll sitzen sehen. wollte denn unser Gießener Parteifreund so was murmeln wie: man könne von einem Normalmenschen und Normalgenossen nach seiner angestreng⸗ ten und anstrengenden Wochenarbeit nicht leicht erwarten, daß er die ihm so notwendige Erholung bei Bier und Tabak am Sams tag abend auch noch auf ein Stündchen unterbreche, um alkohol⸗ N nikotinfreie Foste seiner Partei mitzufeiern. Aus nicht ganz un⸗ verständlichen Gründen verschluckte jedoch der Gießener diese„Ente schuldigung“, und da kam ihm in seiner Verlegenheit ein erleuchte⸗ ter Gedanke. Er wies ausatmend und aufklärend darauf bin, daß der Düsseldorfer natürlich in seiner Heimat andere Arbeitermassen und damit auch ganz anders besuchte Parteifeste gewohnt sei. 23 viele eingeschriebene Mitglieder haben Sie denn in Ihrem, Wahl⸗ verein?“, lautete die kurze Gegenfrage.„Etwa, die schen zaghafte Antwort.„Und, wenn nun“, rief da der fremde Gast mit einem etwas bitteren Lachen,„wenn nun diese, selbst an dem Maß⸗ wirklich nicht wenigen Genossen es was doch eigentlich selbstverständlich Familien vollzählig zu er⸗ ihrer Portei vorbereite⸗ zur Ehre und Pflicht machen, wäre, in eigener Person und mit ihren scheinen, wenigstens bei solchen eigens von g ten und gebotenen größeren Gedenkfeiern“—„freilich“, und da mischte sich ein Ton seltsamer Jronke in die rheinische Predigt, „otelleicht hat die Testkommisstor doch einen Fehler gemacht die Preisspannung! Der Bildurgsvortrag am Donn erste koste te 10 Mark, und für die Feier amSamstagverlangte man le 55 fertigerweise sage und schreibe: 50 Mark, in Wocten fünf⸗zig Reichsmark!“—„also, wenn alle, die es sollten, da wären. solfte! da nicht das Sälchen zu füllen sein? Ich bin so kühn zu behaup⸗ ten, die Gießener Sozfaldemokraten könnten den allergrößten Saal Gießens füllen, wenn Waru 1 4 0 Ja, warum? Wer sich in Gießen von dem Urteile des Düssel⸗ dorfers getroffen fühlt— und das follten alle Genossen tun, di bei Parteiveranstaltungen irgendwelcher Art(man möchte 0 sagen: grundsätzlich! durch Abwesenheit glänzen—, der denke ein⸗ mal ruhig über dieses negative„fremde Lob“ nach, das wahr⸗ lich klingt, d. h. gilt, aber zugleich— nicht gerade gut duftet. So⸗ viel ist sicher: Wenn es mit der Lauheit und Gleichgültigkeit zahl⸗ reicher Genossen so weiter geht, wie bisher, dann geht auch die ganze Sache zurück, die wesentlich und hauptsächlich auf der regen Teilnahme der Einzelnen ruht, und dann kann es mit der Gießener Partei, eben infolge des erschreckenden Mangels an Idealis ihrer Mitglieder, einmal Matthät am Letzten sein. Nun, hoffe wir das Beste! Predigten nützen ja manchmal. Aber seien wir 1122 auf's Schlimmste gefaßt! Es ist gut, sich keine Illusionen machen. 5 — unerhörte Zuckerpreise für März. Nach einer Bekannt- machung der Hessischen Landesversorgungsstelle wird der 1 des Zuckers, der für März zur Verteilung kommt, wie fol festgesetzt: gestoßener⸗ und Kristallzucker 1340 Mk., Grießraffinade⸗ und Puderzucker 1370 Mk., Würfelzucker 1450 Mk. Das sind ge⸗ radezu wahnsinnige Preise. In Preußen dagegen ist der Zucker für März auch tatsächlich im März ausgegeben worden und zwa zum Preise von 600—700 Mark. Mit Recht wird deshalb von den Konsumenten die Frage aufgeworfen, warum sie, weil sie mit der Lieferung so lange warten mußten, um auch noch den doppel Preis zahlen sollen?— Das ist eine Steigerung des Zucker⸗ preises um rund hundert Prozent! Wie eine solche uner⸗ hörte Preissteigerung zu rechtfertigen sein soll, ist unerfindlich. An die Behörden muß doch die Frage gerichtet werden, ob gegen den Zucker wucher kein Einschreiten möglich ist Denn um Wucher handelt es sich, das beweist die Tatsache daß im Freistaat Danzig der Mar⸗ kenzucker 120 Mark für das Pfund kostet! Die Zuckerraffinerie Neufahrwasser, die diesen Zucker liefert, arbeitet bestimmt unter keinen günstigeren Bedingungen als die Zuckerfabriken im übrigen Deutschland. Auch gilt in Danzig die deutsche Mark nicht mehr als bei uns. Wesbalb kann das, was in Danzig möglich ist, nicht auch im übrigen Deutschland durchgeführt werden? Es ist doch wirkl nicht nötig, daß sich die Zuckerftbriken noch me her auf Kosten der Aermsten bereichern, als sie es ohnehin bisher schon getan haben. Die Ausgabe des März⸗Zuckers in Gießen erfolgt, wie aus der Bekanntmachung des Lebensmittelamtes hervorgeht, in der Zeit vom 7. bis 21. April durch die Kleinhandelsgeschäfte zu dem oben genannten Preis. Studentische Wohnungsnot! Die geradezu katastrophale Wohnungsnot, die überall herrscht, macht sich beim Finden von Studentenbuden in letzter Zeit beson⸗ ders bemerkbar, sodaß es für neu nach Gießen kommende Studenten fast unmöglich ist, überhaupt ein Zimmer zu bekommen. Von 5 Zim⸗ mern, die zu Ende des vergangenen Semesters beim Wohnungsamt des Allgemeinen Studentenausschusses abgemeldet wurden, werden nach der gegebenen Auskunft 4 angeblich nicht wieder vermietet. Wenn diese in unserer Stadt vorliegenden Verhältnisse in weiteren Kreisen bekannt werden, wird fraglos der Fall eintreten, daß der Zuzug von neuen Studenten zur Alma mater Ludoviciana ganz auf⸗ hört. Was dies für die Stadt Gießen, besonders aber für die Ge⸗ schäftswelt bedeutet, braucht wohl nicht näher erörtert zu werden. Typisch für unsere Verhältnisse ist folgender Fall: 0 Es lam dieser Tage der Vater eines Studenten unter Lebens⸗ gefahr aus dem besetzten Gebiet nach hier, um seinem Sohne, den en im nächsten Semester hier studieren lassen will, eine Wohnung zu mieten. Das Wohnungsamt des Asta konnte ihm aber leider nur die betrübende Mitteilung machen daß ihm nicht ein einziges Zimmer zur Verfügung stehe. Auf diese Auskunft erwiderte der betreffende Herr, daß er unter diesen Umständen seinen Sohn eben auf eine andere Hochschule schicken müsse. Dieses Beispiel lehrt, daß es fiir die Zukunft der Universitöt ein unbedingtes Erfordernis ist, daß die Gießener Bürgerschaft, die bisher stets ein großes Interesse für bie Universität und die Studentenschaft gezeigt hat, dieses Wohlwollen auch weiterhin dadurch bekundet, daß jede Familie, soweit sie num irgendwie dazu in der Lage ist, ein Zimmer für Studenten zur Ver⸗ fügung stellt, zumal wir nach bestimmten Nachrichten im kommenden Semester mit einem erheblichen Zuzug von Studenten der rheinischen Hochschulen rechnen müssen, die nicht wieder nach dort zuxückkehben N men, ba die Besetzungsarmee alle Studentenduden systemalisch de⸗ Achlagnahmt. Der Student von heute macht, was die Ausstattung der Zimmer Bedienung anbelangt, keinerlei Ansprüche; er ist froh, nur ein auch gewillt, einen den orts⸗ nden Preis zu zahlen. Näheres darüber wolle man im Anzeigenteil nachlesen. Bürger der Stadt Gießen! Wenn der Fortbestand der Univer⸗ ssttät nicht gefährdet sein soll, dann laßt unseren Appell nicht unge⸗ Hört verhallen sondern beweist durch die Tat, daß ihr Verständmis Pafüür habt, was die Universität als Bildungsstätte überhaupt und was sie für die Stadt Gießen im besonderen bedeutet. Stellt Zimmer zur Verfügung! Meldungen werden auf dem Geschäftszimmer der Gießener Studentenhilfe e. V., Bismarckstraße Nr. 16 III. täglich von 91 Uhr und von 3—7 Uhr entgegen⸗ Der Rektor der Landes⸗Universität Prof. Dr. Eger. Der Vorsitzende d. Studentenschaft Störiko, cand. med. vet., Ferienvertreter. Gießener Studentenhilfe, e. V. Schneider cand. rer. pol., Geschäftsführer. Steuer⸗ und Wirtschastsfrage. Auf die morgen abend im Ge⸗ werkschaftshaus stan findende öffentliche Versamimlung, in nelcher der Reichstagsabgeorbnete Soldmann dieses Thema behandeln wird, nochmals bingewiesen. Restauration findet nicht statt. — Schulgeld für auswärtige Fortbildungsschüler. Die ge⸗ lichen und kaufmännischen Abteilungen der Fortbildungsschule rden von na 1000 Schiilern besucht. Hiervon sind rund 570 Schiller, also mehr als die Hälfte, in anderen Gemeinden fortbil⸗ Hungsschulpflichtig. Die Stadt Gießen wird hierdurch mit erheb⸗ 22 finanziellen Kosten belastet, zu deren Tragung ste nicht gesetz⸗ laß verpflichtet ist. Die Stadtverwaltung sieht sich daher veran⸗ Laßt, den nicht in Gießen fortbildungsschulpflichtigen Schülern, die Diese Schulabteilungen besuchen wollen, ein Schulgeld anzufordern, das den Ersatz des auf diese Schftler entfallenden Anteils an den Fe Kosten Fenn Beleuchtung, Reinigung, Miete usw.) (Siehe Bekanntmachung der heutigen Nummer.) — Brenustoffversorgung. Heute Montag werden auf dem amt, Zimmer Nr. 6, Bezugsscheine auf Brennholz aus⸗ gegeben. Es werden bis zu 3 Zentner geschnittenes weiches Holz, der Zentner für 3000 Mark und geschnittenes Stockholz, der Zentner Mark abgegeben. Auf die Bekanntmachung sei hingewie⸗ en.— Die Kohlenmarken werden jetzt zurr Belteferung für Zentner pro rke freigegeben. Auf die Bekanntmachung sei Hungewiesen. — Treibriemen⸗Diebstahl. Von polizeilicher Seite wird mit⸗ t t: In der Nacht zum Freitag wurden aus einem Sägewerk bei ungen 3 Treibriemen entwendet. Der eine Treibrieuen ist 6—7 Meter lang und 22 Zentimeter breit, der zweite 8 Meter lang und 10—12 Zentimeter breit, der dritte 6 Meter lang und 10—12 Zentimeter breit. Vor Nakauf wird gewarnt. Sachdienliche Mit⸗ teilungen nimmt die Kriminal⸗Abteilung des Gießener Polizei⸗ amtes entgegen. Ferner wurde in der Nacht zum Donnerstag in Marburg eine Schreibmasschine, Marke„Continental“, sehr großes em, entwendet. — Fahrplan⸗Aenderung. Ab sofort verkehren die Personen⸗ e n Niederwalgern⸗Gladenbach Nr. 3383 ab Gladenbach 12.25 Uhr, Niederwalgern an 12.53 Uhr; Pz. 3376 Niederwalgern ab 1.55 Uhr, Gladenbach an 2.18 Uhr. Watzenborn⸗Ste inberg. Am Freitag abend gegen 8 Uhr brannte das Sägewerk des Herrn Jakob Ruhl, Watzeaborn, bis die Grundmauern nieder. Der Schaden beträgt viele Millionen rk, da das Werk mit Drechslerei und anderen Hilfsmaschinen aus⸗ gebaut war. Das Feuer ist höchstwahrscheinlich durch Kurzschluß Nähere Mitteilungen werben erfolgen. Kreis Wetzlar. Die nassanische Mundart. Von jetzt ab wird in den Schulen assaus die nassauische Mundart mehr berücksichtigt werden als bis⸗ „ da sie ein zweckmäßiges Hilfsmittel ist, den Schülern das Ver⸗ nis und den Gefühlsinhalt des Hochdeutschen zu erschließen. der ersten Schulzeit werden die Lehrer nicht nur den Gebrauch heimischen Mundart durch die Kinder zulassen, sondern auch sich häufig derselben bedienen, um sich den Kindern verständ⸗ lich zu machen, ihr Vertrauen zu gewinnen und den Schlüchternen den Mund zu öffnen. Beim Lese⸗ und Anschauungsunterricht auf der Unterstufe werden neben den hochdeutschen Ausdrücken oft auch die mundartlichen Bezeichnungen angewendet werden. In der Sprachlehre, im Rechtsschreib⸗ und Aussatzunterricht findet auf allen Stufen in höheren wie in Volks⸗ und Mittelschulen die nassau⸗ che Mundart zur Vergleichung und Erklärung häufig Anwendung. Auch mundartliche Sprichwörter, Kinderreime und Gedichte werden un geeigneten Stellen des Unterrichtes bemutzt. schützen. Marburg⸗Kirchhain. Marburg. Erwerbslosenfürsorge. Das Arbeits⸗ amt Marburg schreibt: Die in den dörflichen Gemeinden unseres Kreises zunehmende Erwerbslosigkeit und die sich hieraus ergeben⸗ den Schwierigkeiten bei der Durchführung der Unterstützungsmaß⸗ nahmen haben den Kreisausschuß veranlaßt, für die Orte des Kretses ausschließlich der Stadt Marburg eine andere Organisation zu schaffen, die mit dem 1. April in Kraft tritt. Es sind hiernach zukünftig alle Anträge von Erwerbslosen, die ihren Wohnsitz außer⸗ halb der Stadt Marburg haben, auf Gewährung von Erwerbs⸗ losenunterstützung beim Arbeitsamt in Marburg zu stellen. Die örtlichen Fürsorgeausschüsse entscheiden zunächst über die Anträge. Beschwerden über abgelehnte Anträge sind bei der Kommuunal⸗ aufsichtsbehörde(Kreisausschuß) zulässig; sie sind beim Arbeitsamt einzureichen. Die Auszahlung der Unterstützung geschieht durch die Kreiskommunalkasse nach vorheriger Anweisung durch das Arbeits⸗ amt, wo der Unterstützungsempsänger die vom Gemeindevorstande beglaubigte Kontrollkarte vorzulegen hat. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 6. April. Eine wesentliche ver ⸗ billigte Autoverbindung zwischen Frankfurt a. M. und Wiesbaben tst neu⸗rdings eingerichtet worden. Die neue Auto⸗ linie beginnt an der Grenze des besetzten Gebietes in Höchst a. M. und endigt in Wiesbaden. Der Fahrpreis beträgt 3000.— Mark. Die Gruft des Freiherrn von Stein erbrochen. Die Familiengruft des Ministers Freiherrn von und zum Stein in Frücht im Kreise Unterlahn ist, wie erst jetzt festgestellt würde, in der Zeit zwischen dem 7. und 14. März von Einbrechern erbrochen worden. Die Täter öffneten die Särge der Eltern, der Gattin und der Tochter des Ministers und durchwühlten die Knochen⸗ reste. Dagegen gelang es den Dieben nicht, den Sarg des Ministers zu öffnen. Soweit bis zur Stunde festgestellt werden konnte entwen⸗ deten die Einbrecher nur fünf Messinggriffe. Auf die Ermittlung der Täter hat die Wiesbadener Oberstaatsanwaltschaft eine Belohmung von 100 000 Mark ausgesetzt. Blutiger Erbschastsstreit. Nach wiederholten Streitigkeiten, die ihren Grund in häuslichen Zerwürfnissen wegen Testaments⸗ bestimmungen haben, hat der in den 2er Jahren stehende Jul. Klauser in Neuenburg(Württemberg) seinen Vater, den Zahntechniker Julius Klauser, angeblich in der Notwehr tödlich verletzt. Der Täter ist verhaftet und geständig. Nach den Vor⸗ gängen der letzten Zeit soll die Hauptschuld weniger den Täter als den Getöteten treffen. Fünf Kinder, teilweise noch in jugendlichem Alter, sind durch die erschütternde Tat, n die Mutter erst vor einigen Wochen gestorben, zu Waisen geworden. Zerstörungen durch dentschvölkische Jugend. In Weimar fanden vor Kurzent nachts antisemitische Exzesse statt, bei denen durch Steinwürfe ein Materialschaden von etwa einer Million Mark angerichtet wurde. Die polizeilichen Verneh⸗ mungen ergaben, daß bei diesen Heldentaten ein Erich Wernick, Sohn des Rechtsanwalts und Landbundführers Dr. Wernick, und ein Hans Schippke die Führung hatten. Fast sämtliche Teil⸗ nehmer sind Mitglieder des Jungdeutschen Ordens und Leser des Münchener Hitler⸗Organs. Kennzeichnend ist, daß die genann⸗ ten Burschen, als sie hörten, daß die Angelegenheit vor das thüringische Ministerum gebracht sei, flüchtig gegangen sind.— Das ist deutsch⸗völkische Tapferkeit. Die Weiber von Wischnitz. Aus der Gemeinde Wischnitz in österr. Schlesien weiß die Kattowitzer Ztg. ein sehr merkwürdiges Vorkommnis zu melden. Gegen den Vikar dieser Gemeinde schwebte ein Strafverfahren, demzufolge der Vikar verhaftet werden sollte. Da zu erwarten war, daß sich die ganze Gemeinde gegen die Ver⸗ haftung ihres Seelsorgers wehren würde, marschierten nicht weniger als 1 Infanterieabteilung von 120 Mann, 1 Kavallerie⸗ abteilung von 80 Mann und zahlreiche Polizei nach Wischnitz. Die Gemeinde wurde darauf in aller Heimlchkeit durch einen dreifachn Milttärring geben. Als nichtsdestoweniger die Bevölkerung von dem Vorgehen des Militärs Kenntnis erhielt, fingen plötzlich die Kirchenglocken Mlarm zu läuten an, worauf von allen Seiten die weibliche Bevölkerung zusammneströmte, um ihren Geistlichen zu Während der erste polizeiliche Ring sich immer enger um die Pfarrei schloß. sammelten sich die Frauen um das Pfarr⸗ haus, legten darum einen Blumenkranz, banden sich unter Ab⸗ singen des Chorals„Wer sich in meinen Schutz begibt“ die Zöpfe und die Hände mit Schnüren zusammen und erwarteten den Am⸗ griff des Militärs. Als die Soldaten die Frauen zu attackieren begannen, warfen diese ihren Widersachern Salz und heißen Sand in die Augen. Nur nach heftigem Kampfe konnte das Militär endlich den lebendigen Rina der Frauen zerreißen. Aber auch vor der Tür, die zum Zimmer des Vikars führte, hatte sich noch eine Phalanx von Frauen gebildet, die sich auf die Erde warfen und nur mit Gewalt fortgeschleift werden konnten. Under starker Bedeckung wurden schließlich der Vikar und 6 verhaftete Frauen 1 1 ubrrans portiert. Unterwegs aber wurde der sersame Droß al mals von einem großen Haufen von Leuten übersallen. die In Priester zu Hilfe kamen. Ein zweiter Kampf entspann sich dem vier Polizisten verwundet wurden und bei dem die Be des Pfarrers mtr dadurch vereitelt wurde daß im letzten N die Kavallerie einen Angiiff machte. So gelang es ö den Pfarrer nach Krakau abzutrans portieren. Die Frankfurter Messestadt. Wir sind wiederum in der Lage, einen Plan der Frankfurt Messestadt unseren Lesern zugänglich zu machen.. mögen die solgenden Mitteilungen dienen: 1 Festhalle: Textilien. 5 Shale* 1 1 alle B: Textilien. 4 Osthalle G: Sport, Gummiwaren, Chemie, Kunstgewerbe. 5 Haus Schuhe und Leder: Schuhe, maschinen 6 Haus Offenbach: Lederwaren, Reiseartfkel, Farbleder, Bee terie⸗, Parfümerie und Tolletteartikel, Galanteriewaren. 8 Haus Werkbund. 9 Südhalle: Textilien. 10 Osthalle D(Wiener Werkstätte). 5 11. 55 0 12 Westhalle A: Fahrzeuge u 1 1 13 und 14 Haus wirtschaftliche Hallen: Stahlwaren, Solingen 1 5 1 55 5 5 Glas, Porzellan, Steinen ürsten, Pinsel, aren. 5 15 Westhalle C: Bureaubedarf, Papierwaren, Verpa 16 Haus enen Maschinenbau,—ů— Heizung, Be g. 17 und 18 Geplante Erweiterung des„Hauses der Technik“. ö 10 und 20 Stände im Freien: N Landewte cri N schinen. 21 Hauptrestaurant. 5 N 8 f se⸗Giiterbahnhof. f 21 Wiener Halle: Aussteller aus Oesterreich der in„Daus Of; bach“ untergebrachten Brunchen. — D r Unser Plan läßt die außerordentlich übersichtliche Gruppier der Bauten erbennen und setzt auch die Anlage eines besonde Güterbahnhofs ins rechte Licht. Vergegenwärtigt man sich daß Wachstum der Frankfurter Messestadt, wie es aus dem vorliegen 4 l den Gesamtgrundriß spricht, so gewinnt man ein eindrucksvole“ Bild der Entwicklung der Frankfurter Internationa n Messen, deren nächste vem 18—21. April stattfindet. Wie bekannt, sind i streng durchgeführten Brauchenkonzentration die Ausst⸗llec so a die Hallen und Meßhäuser verteilt, daß die Wirengrappen re einigt sind, die on den gleichen Kreis der Einkäufer ich wenden Alle Auskünfte erteilt das Meßamt Frankfurt a. M. Dollarstand am 7. März mittags: 21 100 Mark. Terehge domaddenotradcche Para, Jeetze Dienstag, den 10. April, abends 8 Uhr im Saale des Gewerkschaftshauses Lefientliche Vers: Tagesordnung: S sSteuer⸗ und Wirtschaftsfragen Referent: Reichstagsabgeordneter Soldman⸗Schweinfurt Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. J. A.: Kurt Moosdorf Zimmer aller Art] mit und ohne Bedienung, mit und ohne Pension, für Studenten gesucht. Preise je nach Zimmerqualität von 26000. An⸗ meldungen täglich von /½9—½ und von 3—7 auf dem Geschäftszimmer der„Stu⸗ dentenhilfe“, Bismarckstr. 16, 3., wo die Zimmer so fort festgemietet werden. Städt. Wohnungsamt Leder. Zubehör. S Eintritt 50 Mi. — Restauration fin et„ißt statt. PP Behürdliche Bekaunkmachungen Bekanntmachung. Das Schulgeld für solche Schüler der gewerblichen oder kausmännischen Abteilung der biesigen Fortbil⸗ ungsschule, die in Gießen nicht ihren Wohnort haben, list unter dem Vorbehalt weiterer, etwa notwendig wer⸗ dender Erhöhungen im Schuljahr 123 auf jährlich 10 000.— Mark sestgesetzt. Die Erhebung erzolgt in zwei Raten, im Monat April und im Monat Oktober. Gießen, den 6. April 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Slüdlisches Brennstosfamt. Aufruf von Kohleu marken. Mit Rücksicht auf das am 30. April 1923 ab⸗ fende Kohlenwirtschaftsjahr 1922/23 werden die noch icht aufaerufenen Koblenmarken der Karten für Haus⸗ baltungen, Kleingewerbe und Ein elpersonen zur Be⸗ lieferung mit je 1 Zentner Brenustoff freigegeben. zusgabe von Brennholz für Haushaltszwecke. Von ontag, den 9 ds. Mis. ab werden für Haus⸗ haliszwecke bis zu 3 entuer Breunhol; ausgegeben Preis Dit. 3000.— für den Zentner geschnitienes Weichholz und Mk. 200.— für den Zeniner ge schniuenes Stockholz Bezugsscheine werden auf dem Brennstoffamt, Zimmer 6 gegen Vorlage der Lebens mittelaus veiskarte ausgegeben, solange der Vorrat reicht. Persone, die Anfang Januar ds. Js. berens Holz erhalten haben, können dieses Mal nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 6. April 1923. Der Oberbüurgermeister(Brennstoffamt). Bekanntmachung. Betrifft: Die Vertilgung der Raupennester Die Garten⸗ und Felobesitzer der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordert, bis zun 5. Wat 19.3 ihre Bäume, Sträucher und Hecken von den Raupennestern zu reinigen. Diejenigen welche dieser Aufforderung icht Folge leisten verfallen in die im§ 368 des Reichsstra'gesetz⸗ buches be imme Geld⸗ oder Haftstrafe. Außerdem wird die Vertisgung der vorhandenen Raupennester au Kosien der Säumigen an eordnet werden. Gießen, den 3. April 1923 der Oberbürgermeister. J. A.: Dr. Rosenberg. Beranntmachung. In der Zeit vom 3. April bis 21 April ds Js werden die sämtlichen ädtischen Straßenkanäle gespült Während dieser Zeit sind die Rückstauverschlüsse an Grundstücksentwaͤsserungen verschlossen zu halten. Giehen, den 5. April 1923. Stadtbauamt Gießen. J. V: Nold. Wekanntmachung. Kleievertelung zur Hebung der Milchwirtschaft. Kubhalter. welche bei der Verteilung berücksichtigt werden wollen, werden hiermit aurgefordert, sich bis zum 13. dieses Monats beim städt. Lebens mittelam Zimmer 4 zu melden Gießen, den 7. April 1923. Der Oberbürgermeister(Lebensmittelamt). Zucker⸗Ausgabe Der Haus haltszucker für Mäcz 1923 wird, sewal derselbe eingetroffen ist, in der Zeit vom 7. bis 1 Apr 1 1923 durch die Kleinhaudelsgeschäste und in Konsum erein ausgegeben. Zuf die Marke entfaln 2 Pfund. Preis für gemahlenen und Kristallzucht 1340 Mk. für Grießraffnade 1370 Mk. und Würfelzucker 1450 Mt für das Pfund. Diese Presl sind Höchstpreise im Sinne des Gesetzes. rechtzeulig abgeholter Zucker verfällt. Vorpesteuung für April 1923. Die Geschäfte haben die noch eingegangenen ke. stellmarten mit dem Bestellschein bis spätestens 14. Mis hier, Zimmer 4 einzureichen. Gießen, den 6. April 1923. Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt.) 100 in gemein 1 l de n ale * 2 S