den 9 N 1 9 1 5 e 91 1 — — — 1 3 e 10 — gert! 19 ohnedem haben kann, 15 begrüßen, 1 1 lie Rede des Reichskanzlers allgemein erwartet wurde, zeigte sich duch äußerlich vor und in dem Reichstagsgebäude. Scharen von 5 1 Tribünen des Hauses, auch die Diplomatenloge, waren Siderstand bis zum äußersten gegen die Vergewaltigung und die Redaktion: giesen Bahnhofstraße 23 frusprecher 2008. berhessi 0 50 Ewebdition: lesen Bahuhosstraße 23 Ferusprecher 2008. ie Oberb. Volkssettung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreiß zail den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und 1 8 0 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 30.— Mt, auswärts 40.— Mk., die Retlamemillimeterzeile D. 5 dwirischaftliche Beilage“ deträgt monatlich 3000.— Mk, einschl. Bringerlohn. Verlag v rmann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. 125.— Mk. Ber größeren Aufträgen oder Wiederhol wird f Buri ie det bezog. S8000— Me. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mk Druck: 5 ssenbacher Abendblatt G. m. 5 5 Offenbach a. M. der Rabatt gewährt— ae ee bis 0 Uhr e 95 —— Nr. 56 Gießen, Donnerstag, den 3. März 1923 18. Jahrgang 0 Bekenntnis; Verhandlungsbereit! Der Reichstag versammlte sich am Dienstag in außer⸗ gewöhnlicher Stunde zur Entgegennahme einer Erklärung der! eichsregierung. 60 Seiten umfaßte die sorgfältig aus⸗ gearbeitete Rede des Reichskanzlers, die er diesmal mit mehr Geschick als sonst vorzutragen wußte. Seine Worte waren auf dem Boden der gegebenen Tatsachen aufgebaut; ler sagte alles, was ein verantwortlicher Politiker unter den gegebenen Umständen zu sagen vermag. Rein epassiv war die von ihm gezogene Bilanz der französisch⸗ belgischen Ruhraktion. Nicht ein Aktivum enthielt sie, passiv blieb sie, und passiv mußte sie bleiben, trotz aller Greueltaten, trotz Verhaftungen und Ausweisungen, die der Kanzler fast eine halbe Stunde lang geschickt aneinander⸗ reihte. Das Verhalten der Ruhrbevölkerung im Verlauf der letzten acht Wochen stimmte ihn hoffnungsfroh in Bezug auf den Ausgang dieses Kampfes, der in der ersten und zweiten Etappe Unproduktivität statt Produktion gebracht habe, und der in der dritten Etappe, die jetzt eingeleitet sei, nicht mehr ergeben würde. Trotz Gewalt soll der passive Wider ⸗ stand unsere Waffe bleiben. Das hervorzuheben war in Anbetracht der deutschnationalen Agitation für einen aktiven“ Kampf besonders notwendig. Mehr noch als Willen der Verständigung an. Cuno machte Verhandlungen micht abhängig von der vorherigen Räumung des Ruhr- gebiets, über die er scheinbar aus parteipolitischen Gründen kein Wort verlor, sondern lediglich von der Gleichberechti⸗ gung und Verständigung auf freiem Boden.„Kein Diktat“ ist die Voraussetzung Deutschlands zu Verhand- kungen— auch weiterhin bis an die Grenzen des Möglichen Friegsentschädigung zu leisten, bleibt unser Angebot. Deutschland hat seinen Verständigungswillen bezeugt, hat Aeichzeitig durch den Mund der verantwortlichen Politiker viederholen lassen, daß Frankreich Kohle und Koks, die es sich in„friedlicher Aktion“ holen wollte, auch weiterhin „nach ehrlicher freier Verständigung“. f Jetzt hat die andere Seite das Wort, jetzt mag Herr Poincars zeigen, daß es ihm nicht um Annexion zu tun ist, daß es ernsthaft wirtschaftliche Gründe sind, die ihn an die Ruhr führten. Nach dem Vorgefallenen in den setzten acht Wochen, nach der ganzen Art der Einstellung der französischen Außenpolitik, und auf Grund des Verlaufes ber letzten Reparationskonferenzen glaubt in Deutschland ein Mensch, daß die Ruhrbesetzung„wirtschaftliche Sicher eiten“ für Frankreich ergeben sollte. Es ist deshalb nur daß die Regierung von der Rednertribüne 0 bes Reichstags vor der Welt nochmals mit Entschiedenheit sarauf verwies, daß es bisher keine deutsche Re⸗ bierung gegeben hat, die die Erfüllung der Kriegslasten abgelehnt“ hätte und daß insbesondere die jetzige Reichs- degierung über alle Angebote ihrer Vorgängerinnen weit sinausgegangen ist. Obwohl bie Telegramme zur Einberufung des Reichstags die neisten Abgeordneten erst im Laufe des Montags erreicht haben, war das Haus stark besetzt. Auch aus den westlichen Gebieten waren trotz der Verkehrsschwierigkeften die meisten Abgeordneten koch rechtzeitig in Berlin eingetroffen. Die Spannung, mit der deugierigen sammelten sich an den Portalen, und in der Wandel⸗ lalle drängten sich Politiker, Zournalisten und viele e iberfüllt. Der Reichstagspräösident eröffnete die Sitzung mit einem kurzen Jachruf auf das soeben verstorbene Mitglied des Hauses. Dr. Maher, den bisherigen gesandten in Paris. Dann wandte sich swebe mit wenigen würdigen und durchschlagenden Worten gegen ie Quslereien, denen Deutschland seit Wochen ausgesetzt ist. Der weichskanzer erhob sich unmittelbar darauf zu einer Nede, die ee zwar wörtlich vorlas, die aber trotzdem starken Eindruck machte. die Grundgedanken seiner Rede waren: Kampf gegen den Terror des französischen Imperialismus und Militarismus, nur passiver eerstückelung Deutschlands, Bereitschaft zu jeder Aussprache über ie Beendigung des Kampfes durch eine Verständigung, die im Rahmen der deutschen Leistungsfähigkeit liegt, Zurückweisung aller geoßsprecherischen und kriegerischen Phrasen, kein rosenroter Opti⸗ ismus, sondern volle Erkenntnis des Ernstes der Lage, Rettung 5 Einheit des Reiches und unserer demokratischen und sozialen rrungenschaften. Etwas glücklicher hätte Herr Euno die Verzand⸗ angsfrage formulseren tönnen Es gab eine Sielle in seiner Rede, e von Uebelwollenden, aus dem Zusammenhang gerissen, als derhandlungsseindlich ausgelegt werden könnte. Betrachtet man lerbings den Gesamtgehalt der Rede, so ist nicht zu leugnen, daß 1 1 diese Hervorhebung erkennen win den mehrfach geäußerten Deutschland will leben! die Reichsregierung stets zu erhandlungen bereit ist, aber sie ver⸗ tritt die Auffassung, daß die Welt ihr Ersuchen um Verhand⸗ lungen zuerst und zunächst an die Adresse Frankreichs zu richten haben würde. Bei gewissen Partien der Kanzlerrede war zu be⸗ obachten, daß die äußerste Rechte wenig angenehm berührt war, und am Schlusse war der Beifall in der Mitte des Hauses und nach links zu stärler als bei den Deutschnationalen. Deutscher Reichstag. Berlin, 6. März. Auf der Regierungsbank hat das gesamte Kabinett Platz genom⸗ men. Das Haus ist gut besetzt, die Tribünen sind überfüllt.— Präsi⸗ dent Löbe eröffnet die Sitzung mit einer kurzen Ansprache und ge⸗ denkt dann des Ablebens des deutschen Botschafters in Paris Dr. Mayer, der 13 Jahre lang dem Reichstag angehörte.— Darauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein, auf der die Entgegennahme einer Regierungserklärung steht: Reichskanzler Dr. Cuno: Ohne jede Ankündigung haben französische Truppen am 3. März das Hafengebiet von Mannheim besetzt, die Herrschaft über den Hafen von Karlsruhe ergriffen und Eisenbahnwerkstätten und das Elektri⸗ zitätswerk in Darmstadt besetzt. Würde das irgendwo sonst unter ziwilisierten Staaten geschehen so würde die Welt voll der Entrüstung über solchen Rechtsbruch sein. Da es aber an Deutschland geschieht, so hält man es als eine kleine Erweiterung der Ruhraktion keines besonderen Aufhebens wert. Frankreich selbst bemüht sich kaum, Rechtsgründe für sein Vorgehen zu geben. Die Versenkung von Kähnen im Rhein⸗Herne⸗Kanal muß als Vorwand für diesen neuen Rechtsbruch gelten. Das Vorgehen Frankreichs, dem die im Frie⸗ densvertrag vorgesehene Begrenzung der Brückenköpfe nicht mehr 5 hat ein Regierungsvertreter im englischen Unterhaus bereits 5 f jeder vertragsmäßigen Grundlage entbehrend gekennzeichnet. Wenige Tage vor dem Einbruch hat Frankreich die berüchtigte Blutverordnung gegen die Eisenbahner erlassen, die durch Strafbestimmungen von unerhörter Grausamkeit gezwungen werden sollen, im Widerspruch mit ihrem Diensteid an der rechtswidrigen Aktion teilzunehmen. Die französische Regierung ist in der Ver⸗ folgung des am 10. Januar betretenen Weges der Gewalt konsequent geblieben. Zwischen den beiden Nachbarvölkern, die aller Kräfte be⸗ dürfen, um die Wunden zu heilen, ist ein Haß entstanden, den wieder abzutragen, eine ungeheuer schwere Aufgabe sein wird. Es ist not⸗ wendig, weithin sichtbar ein Warnungssignal aufzustecken: die letzten sieben Wochen sind nicht spurlos an unserem Volke vorübergegangen. Protest über Protest geht in die Welt gegen Frankreichs Rechtsbrüche. Als ginge das alles der Welt nichts an, werden diese Proteste von ihr mit einem Achselzucken hingenommen. Und doch ist es die neue von den Mächten für die Errichtung eines dauernden Friedens ge⸗ schaffene und verbriefte Rechtsordnung, gegen die sich der französische Vorstoß ebenso richtet, wie gegen Deutschland und seine demobratische Staatsordnung. Wir müssen so klar und deutlich es nur immer müg⸗ lich ist, unser eigenes Recht feststellen und die Welt warnen, daß Un⸗ recht auf Unrecht nicht immer höher bis zur Unerträglichkeit ge⸗ häuft wird.. Wir haben nichts zu verheimlichen. Wir brauchen uns nicht gegenüber dem Wunsche nach Rechnungslegung hinter verschlossenen Türen und Tagungen zurückzuziehen. Unser Schild ist blank! Am 9. Januar teilte uns Frankreich mit, es werde eine aus In⸗ genieuren bestehende Kommission ins Ruhrgebiet entsenden, um die notwendigen Maßnahmen zur Durchführung unserer Verpflichtungen zu treffen, es denke aber nicht an eine militärische Operation oder eine Besetzung politischer Art. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein ungeheures Militäraufgebot im Ruhrgebiet, Verordnungen über Verordnungen, Ausweisungen und Verhaftungen, Bestrafungen und Schikanen in merhörtem Maße sind die Begleiterscheinungen der „friedlichen“ Aktion. Insgesamt wurden 1781 Beamte ausgewiesen und 73 bestraft. Die Ausweisungen und Verhaftungen haben ganze deusche Behörden ihres Hauptes und ihrer Glieder beraubt. Brutal und zynisch ohnegleichen ist bei diesen Ausweisungen verfahren wor⸗ den. Personen von mehr als 60 Jahren wurden in kalter Winter⸗ nacht auf offener Landstraße ausgesetzt. Auch die Familien, darunter kranke Frauen und Kinder, hat man mit überlegter Graufsamkeit abgeschoben. Zu den Gefangenen läßt man weder die Angehörigen noch die Vertreter des Roten Kreuzes. Besonders roh wird gegen die braven Schutzpolizeibeamten vorgegangen, die unter großer Aufopferung bis zur Grenze der Selbstverleugnung ihren schweren Dienst verrichtet haben. Zahllos sind die Mißhand⸗ lungen mit der Reitpeitsche und dem Gewehrkolben. Wie gegen den Einzelnen, so wendet sich der Uebermut der fremden Soldateska auch gegen ganze Städte. In Recklinghausen führt der General Laignelot ein wahres Schreckensregiment. Er hat erklärt, von den schärfsten Maßnahmen nicht zurückzu⸗ schrecken, bis Recklingshausen vor ihm auf den Knien liege. Das Wohl der Bevölkerung sei ihm gleichgiltig. Diesen Worten entsprechen seine Taten. Ich brauche bloß auf das Wüten der Offiziere hinzuweisen, die während der Aufführung des „König Lear“ in das Stadttheater eindrangen und die Zuschauer mit der Reitpeitsche vertrieben. Die Behandlung der Gefangenen ist skandalös. Sie mlissen auf blankem Boden liegen und erhalten eine sehr mangelhafte Verpflegung. Diese Unmenschlichkeit richtet sich eben so gegen Kranle, Obdachlose und Kinder. Dazu kommen die Blut- ö taten, denen immer wieder friedliche Bürger zum Opfer fallen Die Absicht, die mit diesem Schreckensregiment verfolgt wird, ist klar: Aushöhlung der Behörden, Entfernung un ⸗ bequemer Beamte und Einschüchterung der Ein⸗ wohner. Mit den Beamten teilen sich die Führer des politi⸗ schen Lebens und der Gewerkschaften, die Vertreter der freien öffentlichen Meinung, der Presse in die Ehre der Bedrückung. Wo ist die Ehre? Bei den schimpflich Gefangenen und brutal Miß⸗ handelten oder bei der Nation, die sich gern die ritterliche nennen läßt? So sieht die Passtvseite der französisch⸗belgischen Bilanz in ihrem ersten und meistbelastenden Posten aus. An die Zeiten des dreißigjährigen Krieges gemahnt, was an Verbrechen gegen Leib und Leben, Geld und Gut in den Zeiten der Ingenieur⸗Mission an Ruhr und Rhein im Jahre 1923 geschieht. i Der zweite Posten der Passtpseite ist die Erfolglosigkeit der Ver⸗ suche, Kohle zu bekommen. Vom 11. Januar bis 5. März hätte Frankreich 2,1 Millionen Tonnen Kohle erhalten sollen. Bekommen hat es nach Einstellung unserer Lieferungen während dieser Zeit im gangen 74000 Tommen, etwas mehr als den täglichen Betrag, der zu liefern gewesen ware. An Holz sollte Frankreich im Jahre 1922 166 000 Festmeter erhalten. Bekommen hat es 22 000 Meter. Der Rest war bis zum 31. März 1923 zugesagt. Infolge des Ruhrein⸗ bruchs erhielt Frankreich nichts. Zu diesem Ausfall kommen die Einbußen an Reparationsleistungen und als dritter Posten erschei⸗ nen auf der Passipseite die ungeheuren Aufwendungen für die Unter⸗ haltung der Truppen, die nur zu einem nicht nennenswerten Teile durch Raub und Diebstahl gedeckt worden sind. Unproduktivität auf der ganzen Linie, das ist das Kennzeichen der Ruhrunternehmen zur Erfassung produktiver Pfänder. Trotzdem ist Poincaré mit dem Er⸗ gebnis zufrieden, obwohl in Lothringen bereits 80 Hochöfen ge⸗ löscht werden mußten, der Kokspreis um das Doppelte gestiegen ist und der Wert des Franken sank. Das An⸗ leihebedürfnis Frankreichs zur Deckung der Kosten des Ruhrunter⸗ nehmens wächst täglich. Auf diesem Wege wird Frankreich sein wirtschaftliches Ziel nicht erreichen. Eines aber hat es schon er⸗ reicht: stärker und einmütiger ist die Geschlossenheit der deutschen Bevölkerung an Ruhr und Rhein als je zuvor. Waffenlos im groben Sinne des Wortes hat Deutschland seine starke Wehr im Willen des freien Mannes, der dem Recht ge⸗ horcht, sich der Gewalt aber mit verschränkten Armen entsagt. Und würden die Franzosen noch lange im Ruhrgebiet stehen und statt der deutschen Arbeiter fremde Kolonnen bringen, der Fluch der Unfruchtbarkeit würde sie verfolgen. Das Land der reichsten industriellen Schöpferkraft, der angespanntesten Tätigkeit würde ihnen weniger bringen als die Kosten ihres Aufenthalts. Wir bekennen uns heute erneut zum passiven Widerstand, dessen Ziel die Erreichung eines ehrlichen und dauerhaften Friedens ist. 5 Dieser passive Widerstand der Ruhrbevölkerung ist nicht von der Regierung befohlen, sondern erwachsen aus der Treue des Volkes zu seiner Heimat. Er ist über das Ruhrgebiet hinaus auf das ganze Reich übergegangen und wird dauern, bis der Tag kommt, an dem wir befreit sind von dem Drucke des Zwanges. Wir wissen, auch dieser Kampf hat seine Opfer an Leiden und Lasten und wir danken allen den tapferen Männern, deren Ehre eine ausländische Gesangenschaft erhöht, wir denken an ihre Frauen und Kinder und fühlen uns eins mit ihnen in der Verpflichtung unverbrüchlicher wirksamer Gemeinschaft. In Politik und Wirt⸗ schaft haben wir alles auf diesen Kampf und diese Gemeinschaft einzustellen. An Kohle, Rohstoffen und Aufträgen fehlt es vorerst nicht im unbesetzten Gebiete. Dem Verfall der Mark sind wir mit Erfolg entgegengetreten und wenn die Stützung der Mark neben Schiebern und Spekulanten auch manchen im ehrlichen Ringen Stehenden schuldlos schädigen mochte, so war und ist die rückfichtslose Durchführung nötig Neuen Preissteigerungen mit allen ihren schweren Folgen werden wir entgegenzuwirken suchen. Wirken wir so von der Währungssefte den Preissteigerungen ent⸗ gegen, so soll gleichzeitig eine volkswirtschesiche Gesetze beachtende, privaten Bereicherungsabsichten aber schonungslos en Fegentretende Wucherbekämpfung von der anderen Seite her unserem gepeinigten Volke Schutz gegen Ausbeutung und Vertrauen zum Staate geben. Die Möglichkeit einer wert⸗ erhaltenden Vermögensanlage soll dem Sparen wieder zu einem wirtschaftsvernünftigen Sinn verhelfen. An alle Besitzenden richte ich die ernste Aufforderung, sich der Zeichnung der Goldanleihe nicht zu entziehen. Ist es ein vermessenes Hoffen, daß der Geist, der in den bedrohten Grenzmarken herrscht, auch im Binnenlande stark und stärker werde? Oder ist es nicht doch bereits so, daß Paxteien immer mehr zum Werkzeug werden und immer stärker sich überall der Staatsgedanke als das Gemeinsame durchsetzt? In einer großen Gemeinschaft stehen Männer und Stände. die in anderer Auffassung groß geworden sind. Treu der Heimat, verteidigen sie dieses Recht mit der Kraft ihrer Hände und mit der ganzen Wärnze des Herzens als den Staat, der ihr Staat ist. Um diesen 8 geht es jetzt, um nichts anderes. Holz und Kohle, Geld und Güt konnte Frankreich von uns im Frieden haben bis zur Grenze unserer Leistungen, kann es heute haben nach ehr⸗ licher, freier Verständigung. Keine deutsche Regierung hat die Reparationsaufgaben grundsätzlich abgelehnt und keine bat nicht das ihre getan, um die Leistungsaufgaben im Rahmen des Möglichen zu erfüllen. Vom 11. November 1918 bis zum 30. Sep⸗ tember 1922 haben die Leistungen Deutschlands aus dem Friedens⸗ vertrage den Betrag von 50,5 Goldmilliarden oder nach dem heu⸗ tigen Dollarstand von 285 Billionen Papiermark erreicht. Diese ungeheuren Leistungen sind nicht bewirkt aus der blithenden Wirt- schaft des Jahres 1913, sondern aus der verstopften Wirtschaft des Jahres 1918. Es ist mehr als eine bloße Schätzung, a das deutsche Volksvermögen bis auf die Hälfte verringert wurde. Die olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 1 um pa siuen Widerstand 0 Weft will das ulcht jolssen und doch sst rs so. Dle Ta A An- J 8 Müfffft ö ktätes frkren ed. Wann der Tag kommen wird, serer Leistungen werden nicht dadurch aus der Welt geschafft, daß wissen wir nicht, aber daß er einmal kommen wird, das wissen wir! 5 zie Frauzosen nur einen Teil dieser Leistungen anrechnen. Auf Dafür kämpfen und leiden wir in einem Kampfe, in dem Deutschland 9 jeden Fall sind die O Opfer, die deutsthen kommen der des früheren Kriegsgegners zugute. fähigkeit der des Gläubigers, sondern muß von kundigen messen werden Seen hat auch die gegenwärtige Regierung sich reit erklärt, Vorschläge, die wir für die Konferenz in London machten, uns dem Ziele, een und für Deutschland erfüllbares Maß estzusetzen 5 schläge ausgearbeitet, bei deren Annahme der Francs heute besser stände, als er jetzt infolge des Ruß reinbruchs steht. Hinter diesem Vorschlag stand die Kraft der deutschen Wirtschaft als Sicherheit. Staat und Wirtschaft waren gewillt, dieser Sicherheit die gebotene feste Form zu geben. Aber all das wurde nicht gehört. zösische Gelb und das englische Blaubuch zeigen, daß deutscher Vorschlag imstande gewesen wäre, dem bereits beschlossenen Einmarsch in das Ruhrgebiet halten. Um jeden Verdacht, als wollten wir Frankreich am Rhein bedrohen, zu beseitigen, taten wir ein letztes und boten den Frie⸗ denspakt HGeschi Anpassung, son licher Rechts⸗ und Grundsätze ist, bitter schwer für den, dem das . r Deutschlands noch etwas anderes als die rankreich für den eigenen Wiederaufbau bringt. Die er gehen unserer Wirtschaft endgültig verloren und Die Leistungs⸗ der deutschen Wirtschaft kann nicht nach den Wünschen Sachverständigen be⸗ hie raus. e en Reparationsauflagen entsprechen zu wollen. Die sollten auf ein Bis zur Grenze der die von Deutschland zu zahlenden Summen „näher bringen. Wir hoben für Paris neue Vor⸗ Das fran⸗ kein Herrn Poincar“ von zirtückzu⸗ an. All diese Angebote waren bitter schwer sür den, dem zu master kein bloßes Spiel der Geschicklichkeit und der ern eine ernste Aufgabe der Durchsetzung sttt⸗ — — seine eigene Sache führt: die des Rechts und der Menschlichkeitt Auf er abe Präsidenten wird die Aussprache über die Er⸗ klärung der Reichs regierung auf Mittwoch 1 Uhr angesetzt. * Für die Debatte über die Kanzlerrede sind folgende Redner vorgesehen: Für die Sozialdemokraten Dr. David, für die Deutsche Volkspartei Dr. Stresemann, für das Zentrum vermutlich Marx für die Deutschnationale Volks- partei, falls er von seiner Reise ins Ruhrgebiet rechtzeitig zurückkehrt, Hergt, andernfalls Helfferich, für die Demo⸗ kraten Dernkurg und für die Bayerische Volkspartei Leicht. Das weitere Vorgehen der Franzosen. Die Franzosen haben am Dienstag starke Truppenmassen nach Müllheim a. d. Ruhr gelegt. Mülheim war bisher von ge⸗ ringen Truppen besetzt die Verstärkung wird alse jedenfalls ihren Sinn haben. Zahlreiche Sicherheitsbeamte sind bereits verhaftet worden. In der Nacht wurde das Rathaus besetzt. Die Fran⸗ zosen schlugen die Türfüllungen ein und drangen in die Räume. Gleichzeitig wurde die Kaserne umzingelt. b Dienstag mitlaa wurden in Essen nichtuniformierte Schutz⸗ leute und deren Kommandeur unterwegs auf der Straße verhaftet. In Vohwinkel und Neviges sind 12 Schupobeamte wegen Nichtgrüßens verhaftet worden 5 Eine Angestellte des städtischen Gas⸗ und Wasserwerks in Essen wurde in Werden zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie ein Plakat, welches von den Franzosen angebracht worden war, zerrissen hat. 1 „Ju einer Untersuchung des französischen Kommandos über die Erschießung des Ingenieurs Dirks wurde auch von der deutschen Pollzeiverwaltung des Bezirks Hörbe Polizeirat Schwarz hinzu⸗ gezogen. Als er in energischer Weise die Rechtslage darlegte und das vollkommene Unrecht des Waffengebrauchs der franzö sischen Soldaten betonte wurde er kurzerhand verhaftet und abgeführt. Am Samstag haben die Franzosen im Bahnhof Scharnhorst einen unerhörten Eifenbahnraub verlbt. Der DZug 9, der die Kontrolle Scharnhorst in der Richtung nach Berlin etwa um Mitternacht zu passieren hatte wurde volle vier Stunden festge⸗ halten. Die Reisenden, die nach dem unbesetzten Deutschland fuhren wurden nicht nux auf das genaueste untersucht sondern es wurde ihnen auch ihr Bargeld. soweit es 10 000 Mk. überstieg, weggenommen. 5 Ein Ultimatum an die Eisenbahner. Nachdem alle Versprechungen und Drohungen nichts genutzt haben, haben die Franzosen den Eisenbahnern der militarisierten Linien ein Ultimatunt von 24 Stunden ge⸗ stellt, das Mittwoch abend abläuft. Falls bis zu dieser Zeit die Elsenbahner der betreffenden Linien sich nicht den An⸗ ordnungen und Befehlen der französischen Besatzungsbehörde fügen wollen, so heißt es in dem Ultimatum, werden sie aus Urheber bieses if der Meyer der der Kommanben 17 Herne liegenden Truppen ist der Sohn eines 5 s der allem Anscheine nach sich zu dem größten Deutsche er ent. puppt hat den es unter den im Ruhrgebiet weilenden stanzösischen Offizieren gibt. 5 Der französische Vormarsch. 1 Das Vorrücken der Franzosen im bergischen Lande, worüber berichtet wurde, hat in Wipperfürth sein vorläufiges Ende gefunden. Wie aus Aeußerungen von Soldaten her⸗ vorgeht war am Dienstag Ruhetag. Am Mittwoch soll der Matsch auf Dieringhausen, einen wichtigen Eisenbahnknote: punkt, fortgesetzt werden. Eine Abteilung Kavallerie ist von Wipperfürth in der Richtung Gummersbach abgerückt. 3 Gewerkschaftlicher Patronilliendienst. 8 Das Hattinger Gewerkschaftskartell hat die Organisa⸗ tion eines Patrouillendienstes beschlossen, der die Verbreiter unverantwortlicher reaktionärer Flugblätter und national ⸗ sozialislischer Plakate verhaften soll. In einzelnen weiteren Städten hat das Beispiel des Hattinger Gewerkschafts⸗ kartells Nachahmung gefunden. Die englisch⸗französischen Verhandlungen über die Eisenbahnfrage. 5 Auf eine Anfrage über die Eisenbahnen im Rheinlond ant⸗ wortete der Unterstautssetretär für Aeußeres Mac Neill im Unter⸗ haus, die Eisenbahn, die auf dem rechten Aheinuser durch die britische Zone führt, solle unter britischer Kontrolle verbleiben. f Auf eine Anfrage, ob man an die britische Regierung mit dem f Wunsch herangekreten sei, die Kontrolle der Eisenbahnen den Fran⸗ des zosen zu übergeben, erklärte Mae Neill, daß die Vorschläge bis eine endgültige Regelung der Transportfrage im britischen Ge⸗ pres biet, die noch immer Gegenstand von Verhandlungen sei, eine fran; zösische Kontrolle irgend einer Eisenbahn im britischen Gebiet nichet vorsehe. General Godlen, der Befehlshaber der britischen Truppen am Rhein, soll, wie man hört, am Mittwoch nach London zurück kehren, um der 2 die Bedingungen des. 5 Ab. gontte kommens zu unterbreiten, zu dem man mit dem über den Transport französischer Truppen durch die britische Zone gelangte. 8 Die belgisch⸗französischen Bedingungen. In einem Artikel in der Prager Presse deutet Philipp Millet an, daß zwischen Frankreich und Belgien lebhafte Meinungsverschiedenheiten bezüglich der politischen Ver ⸗ hältnisse des Ruhrgebiets bestehen. Die französische Absicht, einen französischen Oberkommissar für die Zivilverwaltung zu ernennen, findet bei Belgien Widerstand, da sie ver⸗ langen, daß ein gleichberechtigter belgischer Oberkommissar ernannt wird. Daran sind die letzten Pariser Besprechungen zwischen Poincars und Theunis gescheitert. In den weiteren Ausführungen erklärt Millet, daß in drei Punkten ein Ein- vernehmen zwischen Frankreich und Belgien bestehe: 3 ihren Wohnungen verjagt. 1. daß die politische Organisation des Ruhrgebiets für 8 ae ber Die Bochumer Buße schon zu farm menge raubt. Prasterg und Batter bas Nagebrtte! alf. 8 ir stehen allein. ufo stärker geht mein Appell an das eigene Bekanntli die B behörde 0 8 51 1 9 0 bee 2 e 1 N 2 Volk; 1 zu leichtem Optimismus, sondern dazu, den Kampf so Stadtve 55 21 15 ale Put 5 Bochum 2 der Garantien für die von Deutschland zu übernehmenden ernst ub N 1 e er ist, zusammenzustehen in ruhigen Verhallens 775 Be engt Pers g. 88 e Ait. definitiven Reparationsverpflichtungen erklären wollen, 0 192 kalle be bung 5 dee erben 1 f tag um 12 Uhr sollte die Summe bezahlt sein. Die Stadt verweig 2. daß Frankreich und Belgien, die allein die Kosten de tile enlsahen, die Not des Kuchen an bedenken und zu lindern, sich frei gerte dies selhstverständlich. Schließlich wurde ihr mitgeteilt, daß die Ruhrbesetzung tragen, den Anspruch haben, ihr Program. bent zu 1 den Fesfeln des Eigenmttzes und des Wohllebens, sich Besatzungsbehärde schon im Besitze des Geldes sei. Dies ist damit] Deutschland vorzulegen, ohne die Alliierten zu verständigen, ber in ber Fark zu Machen, dankt bas deulsche Volk, op allein, od dier eg daß die Franzosen in den lehten Tagen so viel beschlag⸗[wenn Deutschland so weit sein werde, die Nutzlosigkeit des it nit Age en cher in fearneier Kraft fenen Weg wee gehen S. weht gaskn. dib he bunt 21 O bee als geleistet betrachten.] Widerstandes einzufehen, 1 N di aa— 5 5 W N 75 1 155 Unglaubliche Zerstörungen. f 3. erhoffen Frankreich und Belgien, daß die definitive u und seinem Willen zu eigen macht. Wir werden den Weg gehen bis ei Am nue n die französikchen Truppen in Herne, die in] Regelung des Reparationsproblems derart erfolgt, daß die uchi zum Ende, so lungk und so schwer er ein mag. Würden wir eher und in r ee e ee— 1 0 l Alliierten ihnen 1. das Vorrecht auf die Reparationen un. dne die Kampfreihen lockern, so bräche der Feind im sie ein und es wäre schulen wurden von den Tenppen 9 Det Unzer 01 in da. zweidentig zugestehen und 2. die Einwilligung geben, dag bz Seubert. 1 115 F mit der durch unmöglich gemacht. Auch das Herner Volkshaus das die Besetzung keinesfalls früher aufgehoben werde, als bis e Recht entwicelt und entwicklngsfähig in Deutschla 55 e den Herner Gewerkschaften gehört. wurde mit Truppen belegt. die vollständige Zahlungsleistung seitens Deutschlands er-. In lebt: Wer das nicht will, muß weiter mit uns aus⸗ nenen e ee e 5 1 15 6 folgt sei. 1 sten 999 bis 2 wo 8 155 9 1 0 Die Gasbsen wirteg mit den Gewehren zerstört. eh le ten ale g ene und Theunis er— nächsten Tagen 1 waffenlose Deu n 1 fen zu besiegen ist; e über 580 Stühle. Die Einrichtung ist a rauchbar ge. zusammenkommen, um in diesem Sinne die Ver sandlungen Deh ehrliche Vereinbarung gleichberechtigter Völker endlich an die Stelle! macht rss. Der Parkelfaßbede 3 e Der fortzusetzen. ö a 5 7 1 g 7 ö 5 f 7 5 I f D D machte einen düsteren Eindruck. Das flackernde Feuer warf solltest, dann wirst Du begreifen, was ich jetzt lei 1 irst lebt 5 er eserteur. 4 seine Schatten auf den gestampften Lehmboden und die rauch⸗ mch 4 285 e 9 5 9 a el 3 Roman von Robert Buchanan. geschwärzten Balken. An den Wänden hingen Fisch- und Marcelle kam näher und setzte sich an die äußerste Kante beso Vie Witwe blieb allein. Gedankenvoll starrte sie ins Bogen ange und sonstiges Handwerkzeug, ein buntes der Bonk, auf welcher ihre Tante hockte. Diese zog sich noh 15 e 5 e ein 12 5 5 8 Weib mit asch⸗ B55 mit dem Jesukindlein und andere Heiligen-] mehr in sich zusammen und starrte dann wieder ins Feuer. 99 8 arbigem Gesicht und schneeweizem Haar. Man hielt sie all⸗. Auch Marcelle blickte gedankenvoll in die Glut, neigte siech a gemein für mürrisch und ungesellig denn sie verkehrte selbst Plötzlich erhob sich die Ziege, sbitzte die Ohren und ein wenig vor, um ihre erstarrten Finger zu erwärmen 2 s mit ihrer einzigen Schwester, der Witwe Derval, so gut wie lauschte. Jannedik war eine ganz besondere Ziege— wach- entgegnete dabei vorwurfsvoll:„Du bist ungerecht, Tante! N Na gar nicht. Sie kannte deren Kinder kaum. In Wirklichkeit sam wie ein Schäferhund und auch so klug, nur daß sie nicht Ach, wenn Du nur wüßtest, wie sehr ich Dich jetzt bedauere! Lie war sie eine herzensgute Frau, nur ging sie in der Liebe für bellen konnte. Und sie hatte auch diesmal recht. Jemand Auch Onkel Ewen bedauert dich; er kränkt stch so sehr, dag orf ihr einziges Kind auf. näherte sich der Türe und drückte auf die Klinke. Mutter er seit Tagen keinen Bissen gegessen hat. Unser Haus ist 05 . Als sie dem Sergeant sagte, daß sie Rohans Aufenthalt Gwenfern blickte sich zuerst gar nicht um, denn sie war es in nicht minder düster als dieses, denn meine beiden Brüder eff nicht kenne, sprach sie die lautere Wahrheit. Sie hatte ihn den letzten Tagen gewohnt, daß die Nachbarn ungebeten ein-] Hol und Gildas müssen in den nächsten Tagen einrücken; en seit mehreren Tagen nicht gesehen und hoffte wirklich, daß und ausgingen und dachte, daß irgend jemand ihr wieder] Mutter sitzt und weint Tag und Nacht so wie Du hier.“ 5 ot er ins Ausland geflüchtet war. Die Aermste hatte keine eint Hiobspost bringen. Erst als sie bemerkte, daß Jannedik Diese beiden ins Feuer starrenden Frauen— die eine 1 fac Ahnung, wie schwer es für Flüchtlinge war, sich den wach⸗ wieder ihren Platz eingenommen habe wandte sie ihren alt und grau, die andere jung und frisch— boten einen selt? dll samen Augen der Spione und der hohen Obrigkeit zu ent-] Kopf ein wenig der Tür zu und sah, daß ihre Nichte Mar- samen Anblick. Jannedik schien ihre eigene Meinung über Gan ziehen. Sie kränkte sich über seinen offenen Widerstand und celle ihren großen, vom Regen durchnäßten Mantel abnahm[die Sache zu haben, denn sie erhob sich ruhig und legte ihren 4 N t 55 mehr darüber, daß das ganze Dorf ihn für einen Feig⸗ und an den Nagel hängte. großen Kopf zwischen Marcelles Knie Eine lange Pause den, . nächsten Verwandten sprachen n Sie hatten sich seit dem verhängnisvollen Abend, an trat ein; Sturm und Meer tobten draußen um die Wette. al 15. n. f 5 257 8 1 allen 5 des Tages welchem Marcelle Rohan die Kokarde anheftete, nicht ge⸗ Endlich fragte die Witwe noch immer in bitterem Ton: 0 0 1 4 ie i 2 118 10 den 1 gerinnen sehen, und damals war Mutter Gwensern sehr erbittert und„Wozu bist Du gekommen Mareelle? Was hat Dich endlich 1 5 3* 5 erwig aup 75 aß 1 7 Rohan früher] böse gewesen. Martelles Anblick brachte iht die furchtbare] zu mir gebracht?“ 9 f a 3 und daß e— Kind des[Szene in Erinnerung, sie erbleichte, ihr Herz begann heftig„Kannst Du es denn nicht erraten Tante Luise? NN Ae 75 88 0 n man würde ihn wie einen tollen Hund er— ue 100 W 7 zu K starrte sie bin 1 um zu ee ob Rohan in ein 1 5 ö 2 1 8 bieder mit tranenumflorten Blicken ins Feuer. So! Nun, wenn Du gar so neugierig bist, so 5 5 i e Wie viele waren in den Krieg gezogen und dann doch heil„Der Gedanke war mir schrecklich, Dich, Tante Lusse, deen 8800 weiß aut ln an. liche heimgekehrt, oder wenn auch nicht heil, so doch als Invaliden bei diesem Sturm hier einsam und allein zu wissen. Ob⸗ 17„ TTT ele t wie Onkel Ewen. Sie grollte dem Kaiser, jedoch nur so, wie gleich der Onkel nicht wollte, daß ich komme. machte ich mich 95 1 8 undschaften, wo mein armer Junge versteckt t be sie in bösen Tagen Gott zu grollen pflegte, denn der Kaiser dennoch auf den Weg. O, mein Gott, wie schrecklich ist es 1 2* Banur m deine übrigen Feinde uff war wie Gott— so groß, so erhaben und so weit entfernt! doch, wenn die ganze Welt gegen eines Menschen einzigen 3— Gang—— iger. Möge Gott Dich für 0 2 1 dem Feuer sstzend, grübelte sie dabei dem Sturm Sohn ist!“ weitem Un bestrafen. obgleich Deine Mutter an a lauschend, der seit Nachmittag tobte und das Meer auf-„Und noch schrecklicher ist es, wenn die eigenen Ver⸗ 4* 0 2: l 8 75 55 ihren„ mit geschlossenen Augen[wandten uns hassen und bersotget⸗ fuhr die Witwe 5 5 e 9 e 10 Jannedik, die Ziege, der Liebling ihres Sohnes und jetzt auf.„Es war ein böser Ta Hals meine Stiefschwe chte aun, g 5 1 5 l ihre einzige Gesellschafterin. Margarid einen Derval beirolete, denn Ihr feld 5 ale 9 n ralen: en eee ihre Hard 90 5 Das schmale Zimmer mit der spärlichen Einrichtung— gleich, nur daß Ewen Derval der schlimmste der ganzen Sippe] willen sprich W 7 und bat:„Um der Barmberziakelt fort einem ungehobelten Eichentisch, einigen Stühlen und Bänken ist. Wenn Du eines Tages vielleicht selbst verheiratest sein ö Jortsetzung folgt.) 1 „ 2 8 Vestialische Roheit W Zu der gemeldeten Mißhandlung eines auswärtigen Kauf. 5 manns in Essen erfahren wir noch folgendes: Der betreffende Kaufmann würde am vergangenen Freitag auf der Kettwiger⸗ kbrraße von französischen Soldaten nach dem Paß gefragt. Obwohl er im Besitze eines solchen war, wurde er von einem deutsch⸗ l sprechenden Zwille nach dem Kohlensyndikat mitgenommen. Er i. wurde dort in ein esonderes Zimmer in der dritten Etage ge⸗ ([bracht und sofort ohne jeden Grund mißhandelt. Man nahm ihm 0 feine rrentasche, seine 11 und seine Varschaft in Höhe von al. 600 Hod Mk. und 1400 Gulden ab. Nach Eiusichtnahme seiner en Papiere behauptete der Franzose er sei deutscher Spion und ver⸗ stz. llangte alles mögliche von ihm zu wissen. Er wurde mit Fäusten und Linealen geschlagen und de ungen, aus dem Spucknapf zu urinken. Am Freitag abend um 6 Uhr wurde er an beiden Händen die sgefesselt und im Zimmer allein 1215 bis Samstag 3 Uhr. in welcher Zeit er weber Essen noch Trinken bekam. Um 3 Uhr wur⸗ iden die Mißhhaudlungen fortgesetzt. Man zog ihn vollständig aus, al mißhandelte mit Fäusten und Linealen und einem schweren lle eisernen Spazierstock. Ein französsscher Soldaten vergewaltigte de ihn. Der Geschlechtsteil wurde ihm blutig getreten. er Sehr liebenswürdig. den 8 Ver französische Botschafter in Berlin hat den Reichsminister t des Auswärtigen aufgesucht um ihm sein Beileid zum Tode des 6. Ü iN deutschen Votschafters in Paris Dr. Mayer auszu⸗ *— 1 1 Politische Uebersicht. 0 Der hessische Staatsvoranschlag. Der neue Stagatsvoranschlag für 1923 ist munmehr dem Landtag zugegangen. Aus der beigegebenen Denkfchrift entnehmen wir über die Lage der Staatsfinanzen 5 im allgemeinen folgendes: Der vorläufige Abs ch luß des der MRechnungs jahres 1921 weist bei einer Einnahme 0 von 814 429 741 Mk. und einer Ausgabe von 808 943 829 10 Mark einen Ueberschuß von 5 485 912 Mt. an Stelle des im W Staatsvoranschlag 1921 erwarteten Fehlbetrags von 0 779 eh Wk. auf. Der Resestol entpal, Ende del noch n 105 Millionen Mark. Der Abschluß 1921 ist sonach im im ganzen als befriedigend anzusehen. Die Abschlußziffern ieren sselbst haben sich allerdings gegenüber dem Voranschlag, der En, für die Verwaltung mit 476,8 Millionen Mark rechnete, ffast auf das Doppelte erhöht. Es kann dies nicht über⸗ nlaschen bei der Entwertung des Geldes und dem dadurch be⸗ ddingten Steigen aller persönlichen und sachlichen Ausgaben, das schon im Jahre 1921 einsetzte. Wie sich das Ergebnis des Rechnungs jahres 1922 stellen wird, ist zurzeit nicht abschließend zu beur⸗ teilen. Der Staatsvoranschlag 1922 hatte mit einem Fehl⸗ betrag von 187,3 Millionen Mark zu rechnen. Jedenfalls werden die Ausgaben die Voranschlagsziffern in weit stärkerem Maß überschreiten, als es schon 1921 der Fall war. Die Geldentwertung ist von April bis Ende 1922 auf etwa das 25fache gestiegen, gemessen am Dollarstand und durch⸗ schnittlichen Stand der Großhandelspreise, wenn sich auch eine Auswirkung auf die persönlichen und sachlichen Kosten des Staatshaushalts zunächst nur aus der geringeren Steigerung der Inlands. und Kleinhandelspreise ergibt. Im ganzen wird damit gerechnet werden können, daß wenig⸗ stens der größte Teil der Bedarsssteigerung durch die er⸗ höhten Steuereinnahmen Deckung findet und ein etwaiger Fehlbetrag nicht allzugroßen Umfang annehmen wird. Die Regierung war bemüht, den Staatsvoran⸗ schlag 1923 möglichst frühzeitig vorzulegen, was in den letzten Jahren durch die politischen Verhältnisse und den Stand der Gesetzgebung(Reichssteuerverwaltung, Beamten besoldung usw.) leider nicht möglich war. Von Interesse ist das außerordentliche Ansteigen der Abschlußziffern des Verwaltungsteils als Ausfluß der ungeheuren Geldent⸗ wertung: Letzter Friedensetat 1914: 75 860 315 e ee 97 361 516 Mk., 1920: 275 749 917 Mk., 1921: 476 797 484 Mark, 1922: 1 171 696 428 Mk., 1923: 20 956 495 623 Mk. Die Abschlußziffer erhöht sich danach auf das[dfache des vorjährigen ersten hessischen Milliardenetats und auf das 276fache des letzten Friedensetats. Doch entspricht dies nicht entfernt dem Ausmaß der Geldentwertung, die Eude De. zember 1922, gemessen an der Reichsinderziffer für die Kosten der Lebenshaltung gegenüber dem Frieden das 685⸗ fache nach den Großhandelspreisen und dem Stand des Dollars das rund 1700 fache betrug. Wie jeder private Haushalt, so muß eben auch die Staatsfinanzwirtschaft not⸗ gedrungen unter weit größeren Einschränkungen geführt wer— den, als früher. Die größte Svarsamkeit ist allen Ver⸗ waltungsstellen zur Pflicht gemacht. Die Anforderung von neuen Stellen ist für 1923 grundsätzlich vermieden und nur bei Organisationsänderungen oder dem Hinzutreten neuer Aufgaben zugelassen. Aus der wirtschaftlichen Entwicklung und der fortschreitenden Geldenlwertung folgt neben dem bedeutenden Mehrbedarf für Beamtenbezüge(15,2 Mil⸗ liarden Mark) ganz allgemein eine scharfe Steigerung des sachlichen Aufwands aus der ungeheuren Erhöhung der Preise für alle Betriebsmittel und Gegenstände des täg⸗ lichen Bedarfs, wie Heizung, Bureauaufwand, Umzugs- kosten, Wirtschaftskosten der staatlichen Anstalten und Be⸗ triebe uswp. Aus der Not der Zeit aber entspringen Mehr- aufwendungen z. B. aus der Fürsorge für Kleinrentner und Sozialrentner, aus der Erwerbslosenfürsorge, aus Beihilfe an Erwerbsbeschränkte und Invaliden. Unterstützung von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. Weiter sind er⸗ forderlich größere Mittel zur Unterstützung der gemeind⸗ lichen Beamten und ihrer Hinterbliebenen, Zuschüsse an bedürftige Beamte für Erholungsausenthalt, sowie An⸗ forderungen auf dem Gebiet der Volksgesundheitspflege (Kinderpflege, Milchversorgung usw.). Andererseits sollen die dem Staat zufallenden Aufgaben kultureller Art erfüllt werden soweit und solange irgendwie möglich. Bei eichnet für die Vaterländische Streikkasse file Zeichnungsliste liegt in der Geschäftsstelle der Oberhessischen Volkszeitung auf. 75 der Geldentwertung ergibt sich daraus ein starkes Ansteigen in den Aufwendungen für Unterricht und Bil ⸗ dungswesen bei Hoch-, Mittel- und Volksschulen, für Volksbildung, wissenschaftliche Zwecke und Kunst, Landeswanderbühne, öffentliche Theater ufsw. Endlich muß die Landeskultur und Landwirtschaft die notwendige Förde⸗ rung erfahren durch höhere staatliche Zuschüsse für Land⸗ wirtschaftskammer, Bodenkultur, Pferdezucht, landwirtschaft⸗ liches Unterrichtswesen, Weinbau, Reblausbekämpfung usw. Auf dem Gebiete des Gewerbewesens ist vor allem die Neu⸗ regelung der finanziellen Grundlagen für die gewerblichen Unterrichtsanstalten hervorzuheben. Neben dem Ersatz des Reiches für den Besoldungsmehraufwand mit 10.4 Millarden Mark ist weiter von besonderer Bedeutung der Anteil Hessens an den Reschsstenorn auf Grund der Bestimmung des Landesstewergesetzes dex sich auf 1,5 Milliarden Mark gegen 412,7 Millionen Mark im Vorfahre berechnet. Auch die aus den Landessteuern fließenden Deckungsmittel weisen mit insgesamt 530 Millionen Mark eine namhafte Steigerung gegen das Vorjahr auf(80,9 Millionen Mark). wenn diese trotz Erhöhung der Sätze. auch nicht voll der Geldentwertung zu folgen vermag. Die Wan⸗ dergewerbesteuer ist 3 B. mit 5 Millionen Mark, der Zuschlaa zur Grunderwerbssteuer mit 4.7 illtonen Mark, der Stempel mit 250 Millionen Mark und die Hundesteuer mit 20 Millionen, Mark veranschlagt. Bei der Grund⸗ u. Gewerbesteuer wurden be⸗ reits 1922 bie im Jahre 1920 eingeführten Sätze auf das Doppelte erhöht. Für 1923 sieht das Finanzgesetz eine weitere Erhöhung auf das öfache der vorjährigen und damit auf das 10 fache der ursprünglichen Sätze vor entsprechend einer Einnahme von 250 Milltonen Mark. In einer höchst interessanten Uebersicht weist die Denkschrift nach daß auch dann die Grundsteuer. die noch nach den alten durchschnittlichen Vermögenswerten berechnet wird den an den steigenden Pachterträgen gemessenen Bodenwert— selbst, wenn dabei als Pachtertrag nur 1 Zentner Roggen angenommen wird,— trotz der vorgesehenen erhöhten Sätze in erheblich ge⸗ wüngerem Maße belastet als früher nämlich nur /, mal so stark, als bei Einführung der staatlichen Grundsteuer 1920 beabsichtigt war. Auch die alte Vermögens steuer belastete den Bodenwert— wiederum gemessen an dem Pachtertrag— in 1914 fünfeinhalbmal und im Jahre 1919 rund 5 mal so hoch als die neuen Sätze. Diese müßten also nicht auf das flünffache, sondern auf das 277½ fache der vorjährigen Ansätze erhöht werden. um die Vorkrtegsbelastung zu erreichen und auf das 125fache, wenn die Absicht bet Einführung der staatlichen Grundsteuer im Jahre 1920 in vollem Umfange verwirklicht werden soll Auch im übrigen mußte darauf Bedacht genommen werden. zur Deckung der erhöhten Haushaltskosten für Erzeugnisse der staatlichen Wirtschaft und für die Leistungen der Behördenorgani⸗ sation diesenigen Einnahmen zu erzielen, die den erhöhten Selbst⸗ kosten und dem allgemeinen Preisstand möglichst entsprechen. Hier⸗ her gehören vor allem die Einnahmen aus den staatlichen Gütern mit dem erheblichen Betrag von 5.2 Milliarden Mark, darunter die Eimnahmen aus Forsten und Domänen mit 42 Milliarden Mk. Allein für Nutz⸗ und Brennholz ist unter Beibehaltung des vor⸗ jährigen Hiebsatzes(490 000 Fm) ein Erlös von 3,9 Milliarden Mark vorgesehen(gegen 140 Millionen Mark im Vorjahre); das ist ein Durchschnittserlös ie Festmeter von 9100 Mark oder das 867fache des Friedenswertes von 10.50 Mark. Ferner müssen die verpachteten Güter entsprechend dem erhöhten land wirtschaftlichen Nutzwert und unter demmächstigem Uebergang zur Naturalpacht steigende Erträge abwerfen, ebenso wie die Güter unter eigener Verwaltung. Der Ersatz der Gemeinden und Privaten als Wald⸗ besitzer füür die Kosten der gemeinschaftlichen Verwaltung hat sich dem Steigen des Aufwands anzupassen. Die Erzeugnisse der staatlichen Weingilter. Bergwerke, Bäder. Salinen usw. mülssen durch Einstellung der Preise nach der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung mindestens den Aufwand dieser Betriebe decken samt wie sie nach allgemein wirt⸗ die Geldentwertung bedingten die Lotterie wirft erhöhte Abschreibungen und Rückstellungen. schaftlichen Grundsätzen den durch Ersatzkosten entsprechen. Auch Beträge ab. Auch bei den übrigen staatlichen Verwaltungszweigen, wie innere und Wirtschaftsverwaltung, Bildungswesen, Rechtspflege usw. werden durch entsprechende Festsetzung der Torife und sonstigen Vergütungen erhöhte Einnahmen für die Staatswirtschaft nutzbar gemacht, wenn auch naturgemäß bei den sogenannten Zuschußbetrieben eine Kostendeckung nicht entfernt erzielt wird und namhafte Staatsausgaben als wirtschaftlicher Ausdruck der batreffenden Staatsauf⸗ gaben verbleiben. Zu erwähnen in dieser Beziehung ist die notwendige Erhöhung der Verpflegungsgelder in Kliniken, sowie Heil- und Pflegeanstalten, die Hinaufsetzung der Schulgelder und Unterrichtsgebühren bei den höheren und Hochschulen, ferner die Anpassung einer ganzen Anzahl von Gebührensätzen für die Inanspruchnahme einzelner Staats- einrichtungen und Behörden an die Entwicklung des Geld⸗ werts, z. B. bei Eichwesen, Dampfkesselinspektion, Deckgelder. Auch die bereits angedeutete anderweite Kostenverteilung für die gewerblichen und kaufmännischen Unterrichtsanstalten gehört hierher. Der Gesamtsumme der Ausgaben steht im Staatsvoran⸗ schlag 1923 ein Betrag an Deckungsmitteln von 20 071096 804 Mk, gegenüber, sodaß sich ein Fehlbetrag der laufenden Verwaltung von 885 398 819 Mk. ergibt. Die Deckung ist vorläufig aus Anleihemitkeln in Aussicht ge⸗ nommen, vorbehaltlich Heranziehung der Bestände des Reste⸗ ttocks, die hei Abschluß des Rechnungsjahres 1923 noch vor⸗ handen find. Der Vermögenskeel gabe mit 2,6 Milliar der Milliarden Mark. schließft ab in Einnahme und Aus- der Gesanitvoranschlag mit 23,5 Der Finanzausschuß setzte am Dienstag zunächst die Beratung der Gegenstände der letzten Tagesordnung fort. Der Gesetzentwurf zur Errichtung einer hessischen Landes bank wurde mit einigen geringfügigen Aenderungen ange— nommen. Der gemeinnützigen Möbelpersorgung G. m. b. H. „Hausrat“, die sich die Erleichterung der Möbelbeschaffung insbesondere für Mittelstand und Beamte zum Ziel setzt, wurde ein größeres Darlehen gewährt.— Für die Hand- werkskammer fordert die Regierung einen weiteren Betrag von 2 Millionen Mark, der bewilligt wird. Für die Durch⸗ führung der Kinderspeisung wird der Betrag von 350 Mil- lionen Mark(gleich ein Drittel der hierfür aufzuwendenden Gesamtsumme) bewilligt. Der Ausschuß stimmt zu, daß die Regierung auf dem Anleiheweg bis zu 2½ Milliarden Mark 5 beschafft, die den Zwecken des Wohnungsbaues dienen sollen. Das Gesetz über die Wohnungsbauabgabe wird dahin ge⸗ ändert, daß der für Beschaffung von Baustoffen geforderte Betrag von 190 Mill. Mark auf 950 Millionen erhöht wird. Die Karmeliterkirche in Mainz, ein Baudenkmal von her⸗ vorragender kunstgeschichtlicher Bedeutung, ist so baufällig geworden, daß es entweder niedergelegt, oder gründlich renoviert werden muß. Mangels vorhandener Mittel beab⸗ sichtigt die Stadt Mainz die Niederlegung. Inzwischen sind Verhandlungen darüber angeknüpft worden, ob nicht ein Teil der auf 28 Millionen Mark veranschlagten Kosten durch⸗ private oder kirchlich interessierte Kreise aufgebracht werden kann. Von dem auf diese Weise nicht zu deckenden Rest sollen die Stadt Mainz, das Land Hessen und das Reich je ein Drittel übernehmen. Der Finanzausschuß ermächtigt die Regierung zur Uebernahme dieses Anteils. Bei der Be⸗ ratung über die letzte Erhöhung der Teuerungszuschläge zu den Beamtengehältern gab der Ausschuß seinem Bedauern über die damit verbundene Einführung von Landeszu⸗ schlägen für einen Teil des Landes Ausdruck. Die Re⸗ gierung wurde ermächtigt, das ihr angebotene Gasthaus zur Krone in Jugenheim a. B. anzukaufen und dem hessischen Beamtenbund zum Zwecke der Einrichtung eines Beamten⸗ heims pachtweise zu überlassen. Den Schluß der Sitzung bildeten vertrauliche Mitteilungen des Staatspräsidenten über die Vorgänge der letzten Tage.— In der Mittwoch. sitzung wird der Entwurf des Versicherungsgesetzes für ge ⸗ meindliche Beamte verabschiedet werden und alsdann mit der Beratung des Voranschlags begonnen werden. Gießen und Umgebung. Vaterländische Streikkasse. Es gingen weiter bei uns ein: Ungenannt 150 Mk. Spiel klub im Hotel Kobel(2. Rate) 200 Mark, Sammlung einer gemütlichen Gefellschaft in der„Deutschen Eiche“ in Klein⸗Linden 15 100 Mk., zusammen 15 450 Mk. Bereits quittiert 326 950 Mk., zusammen 342 400 Mk. Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. — Zur Beachtung für Konsum⸗Genossenschaftsmitalieber. Unter so schwierigen Verhältnissen wie heute muß man es als ein Vergehen an der Genossenschaft bezeichnen, wenn die Mitglieder bei besonders niedrigen Wärenpreisen noch für, Hinz und Kunz, für die liebe Nachbarin oder die liebe Freundin Waren mitbringen. Mit⸗ glieder, die so handeln, begehen die größte Torheit, die man sich denken kann. Sie lassen sich die Waren von denen sort⸗ kaufen, die aus eugherzigen Motiven nicht Mitglied der Genossen⸗ schas: werden wollen, aber ganz gern die Vorteile mit einstecken, ohne irgend welche Pflichten zu übernehmen. Die Folge ist natür⸗ lich, daß das treue Mitglied, das durch die Einzahlung seines Ge⸗ schäftsanteils der Genossenschast die Mittel zum Elnkaufe de⸗ Waren gab, durch diese Leute um den Vorteil des genossenschaft⸗ lichen Zusammenschtusses betrogen wird. Jeder jür Nichtmit⸗ glieder besorgte Waxenbezug bedeutet in der heutigen Zeit einen vorzeitigen Verschleiß des Warenbestandes, wodurch, die Genossen⸗ schaft gnötigr wird, schneller als notwendig gu höhe cen Preisen neue Warenbestände einnehmen zu miissen, die dann das treue Mitglied naturgemäß auch höher bezahlen muß. Das trifft heute dieses, morgen jenes Mitglied. Die Abgabe billiger Waren an Nichtmitolieder geschieht also immer auf Kosten der Mitglieder selbst. Außerdem machen sich dieienigen Mitglie⸗ der strafbar, die solche Vestrebungen unterscügen. Vom genossen⸗ schaftlichen Standpunkt cuz muß man immer wieder davor warnen. Grundsatz für jeden Genossenschafter muß's seia, daß, wer Waren aus der Cenossenschaft beziehen will, Miralied der Ge⸗ nossenschaßt ein muß. Wer die Pflichten der Genossenschaft nicht übernehmen will, darf auch nicht in ben Genuß ihrer Vor⸗ teise kommen. f 5 — Wahlverein Gießen. Eine Märzfeler in einfacher, schlichter Form veranstaltet der Wahlverein am Samstag, den 17. März. Die Organisationen und Vereine werden gebeten, an dßesem Tage keine Veranstaltungen irgendwelcher Art vorzu⸗ mehmen. Das Nähere wird im Inseratenteil unserer Zeitung demnächst bekanntgemacht.— Die nächste Mitgliedervec⸗ sammlung findet am Donnerstag den 29. März statt. Tagesordnung zu dieser Versammlung wird noch rechtzeitig be⸗ kanntgegeben. — Bildungsvorträge. Die von der sozialdemokratischen Partei veranstalteten Bildungsvorträge hatten bisher alle einen sehr guten Besuch aufzuweisen. Nach dem aufgestellten Programm finden noch 2 Vorträge statt und zwar am Donnerstag den 8. März, mit dem Thema:„Die amerikanische Ver⸗ fafsung“, Referent: Genosse Dr. Aaron, und am Donners⸗ tag, den 15. März. mit dem Thema:„Sozialismus, Religion und Kun st“. Referent: Genosse Prof. Kinkel. — Den vielen geäußerten Wünschen von den Besuchern der Vor⸗ träge, um Fortsetzung, kaun nur insosern entsprochen en, in⸗ dem vorläufig nur ein weiterer Vortrag stattsindet und zwar am Donnerstag, den 22 März 1923. Genosse Homberger wird an diesem Abend einen Vortrag halten Über„Bilder aus Alt⸗Gießen“, Hierauf sei schon heute aufmerksam gemacht. a — Zuckerpreise. Die hessische Landesversorgungsstelle gibt bekannt daß der Preis für den Zucker, der auf Grund der Reichs⸗ zuweisung für Februar zur Verteilung kommt(gemahlener und Kristallzucker) auf 760 Mark für das Pfund festgesetzt ist. Für, Würfelzucker erhöht sich dleser Preis um 40 Mark, für Grieß⸗ vaffinade um 20 Mark fur das Pfund. — Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen gibt einen Bericht über ihre Tätigkeit im vorigen Jahre. Danach zählt dieß Kolonne jetzt 75 Mitglieder. Der Vorstand setzt sich zusammen z 1. Vorfitzender Landgerichtsdsrektor Wiener. 2. Vorsitzender Kolonnenarzt Dr. Gros. Kolonnenführer L. Kratz. Stellvertreter K. Graulich. Zugführer d Kraushaar, P. Hartmann, Gruppen⸗ führer O. Harig. W. Luch H Pfeifser(Rechner) W. Rink(Zeug⸗ wart), E. Malkomesins. K. Weller, W. Pfeil. R. Wackwitz. Als Beisitzer K. Becker, A. Rinn. F. Heißler(Schriftführer). Als Verkketer ber Stadtverwaltung nahmen an den Sitzungen teil: Herr Bürgermesster Kranzin Herr Stadtverordneter, Höhn. 10.—14. August fand die 1. Reichsverbandstagung in Erlangen statt. Diese wurde von Kolonnenführer Kratz, Ehrenkolonnenführer Balser, und Kamerad Steuerwald besucht. Bel dem am 2. 3. September abgehaltenen hessischen Kolonnentag in Alsfeld war U 0„ N inv enn N W 2 N. ltsches 4 Bände Nach auswärts kamen 36 Bände der kaufmännischen Angestellten in der Gießener Industrie 5 n Dr. Gros fand vom 10. Dktober bis 17. November ten 46 e talt 152 Krankenpflegegerät Termin Ie Kolonne mit 38 Mitoltedern vertreten. Am 28. September. abends 9% Uhr See.(Brand der Gottmann'schen Scheuer am Wieseckerweg) Hierbei war die Kolonne mit einigen Tragen und den Rettungsapparaten an der Brandstelle. Wachen wurden gestellt: bei 2 5 Sport⸗ und Reiterfest auf der Hardt, im Lichtspielhaus. Seltersweg, anläßlich „Friebericus Nex“, 2.—6. November im Circus Henny, Oswaldsgarten. die Sonntags wachen im Sommer⸗ Halbjahr von 3—8 Uhr abends im Depot. Unter der Leitung des in Ausblldungsfursus in der ersten Hilfeleistung an 12 Abenden ben Die Teilnehmerzahl betrug 22. An Hilseleistungen sind zu verzeichnen: 1274, darunter find Krankentransporte: 906, von letzteren sind mit der fahrbaren Trage 669, und mit dem Kranken⸗ Fraftwagen 254 ausgeführt. Nach auswärts wurde der Kraft⸗ wagen in 134 und in der Stadt selbst in 120 Fällen beansprucht. Es wurde gerufen von Aerz oder Kliniken 593, von der Feuer⸗ wache. Polizei, Bahn oder Privat 313 mal. Es handerte sich um Knochenbrü 85, innere Erkrankungen 457, ansteckende Krank⸗ ere e 22, Fvauenkrankheiten 116, Blinddarm und Bauchfell 96, sonstige Verletzungen 84. Aus unserer wurden insgesamt 194 ausgeliehen. Durch diese rege Inanspruchnahme der 1 wurde der Beweis erbracht wie notwendig diese Einrichtung war — eikegeh verlor Gießen⸗Köln. Auf der Strecke Gleßen⸗ eg öln werden die Zuge nur noch bis und ab 645 burg gefahren. Die Zahl der Personenzuge ist wie bis⸗ Die 5 70 fallen 5 Von den bisher von Frankfurt(M.) 955 Gießen nach Köln umgeleiteten Schnellzügen werden Schmnellzlige D 207 8(M.) ab 2,15 V.), D 208 eee(M.) an 4.25 V.) D. 260(Frankfurt(M.) ab 6,12 N.), 270(Frankfurt(M.) an 1⁴ N.) noch bis auf weiteres über Betzborf Siegburg gefahren. Die Schnellzüge D 57(Frank⸗ — e ab 5,10 N.) und Y 47(Frankfurt(M.) ab 7,20 V.) werden über Haiger nach Hagen geloitet. D 57 wird bis Köln durchgefuhrt während anschließend an D 47 ein Eil ug nach Köln weiterfährt. Die Gegenzuge D 58(Frankfurt(M.) an 2,08 N.) und D 48(Frankfurt(M.) an 11,12 N.) kehren 2 5 demselben Wege zurück. In Siegen werden im Anschluß an die Züge 47 — 50 die D⸗Züge 81 und 82 zwischen Siegen und Siegburg befördert. — Von der Straßenbahn. Die Direktion der Straßenbahn gibt eine A des Fahrplans der Straßenbahn im heutigen Blatte belanmt. die wir hinweisen. — Oeffentliche Bücherhalle. Im Februar wurden 2151 Bände ausgeliehen Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1258, Zeitschriften 142, Jugendschriften 258, 0 19, Ge⸗ dichte und Dramen 37, Länder⸗ und Völkerbunde 88, Kulturge⸗ schichte 37, Geschichte unh Biographien 109, Kunstgeschichte 8, Na⸗ wissensche t und Technologte 121, Haus⸗ und Landwirtschaft 15, Religion und Philosophie 32, Space J lde Fremdsprach⸗ Kreis Als feld-Wauterbach. t. Nieder⸗Ohmen. Der Gemeinderat beschloß in seiner 9 755 Sitzung nach lebhafter Aussprache den Beitritt zur Gemein⸗ wirtschaft Oberhessen. Der Anteil der Gemeinde soll je gur Hälfte im Wirtschaftsjahr 1923 und 1924 aufgebracht werden. Weiter wurde beschlossen, daß die Bezahlung sämtlicher Gemeinde⸗ gelder in 3 Raten geschehen soll, was bis jetzt an Holz usw. ver⸗ steigert ist und zwar am 15. März, am 15. Mai und am 15. Juli. Des weiteren sollen für die im Laufe d Js. anfallenden Gelder 795 setzt werden, wie oben. Ein weiterer Antrag von unserer Fraktion, der besagte, daß alle diejenigen, die zwei Lose Losholz bekommen und zu einer Familie gehören, bei der Ge⸗ meinde⸗Holzversteigerung auszuschließen seten, wurde abgelehnt mit den Bilrgerlichen und Beamten⸗Vertreter. Auch wurde in in einer der letzten Sttzungen eine Mehlkontroll⸗Kommission ge⸗ bildet, welche gegen die Uebelstände in der Karten⸗Mehlbelieferung vorgehen soll. Wir geben dieses 1 0 allen Lesern und Ge⸗ nossen zur Kenntnis. Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 6. März 1923. Als Februar⸗Tarifgehälter der kaufmännischen An⸗ gestellten im Gießener Großhandel schlug der Schlichtungsausschuß den Angestelltenverbänden und dem Arbeit⸗ geberverband für Handel und Gewerbe 95 Proz. der Februarsätze vor und als monatliche Zulagen der Verheirateten, der ledigen Fami⸗ lienernährer und der alleinstehenden Angestellten dieselben Be— träge wie bei der Industrie. Die Aufwandentschädigungen der Lehrlinge empfahl er ungefähr in demselben Verhältnis zu er⸗ höhen wie die Gehälter. Zum 15. März 1923 sollen 50 Proz. des Fabruargehalts als Abschlag auf das Märzgehalt gezahlt werden. Die Angestelltenverbände erkannten den Schiedsspruch an. Der nn erhielt Erklärungsfrist. Die Gailschen Tonwerke bei Gießen und die Ton⸗ werke Abendstern und Hikttenberg sollen vom 24. 2. an die Löhne der Arbeiter ütber 21 Jahren um 20 Proz., über 19 Jahren um 10 Proz. und über 17 Jahren um 5 Proz. erhöhen. Der Stunden- lohn des Vetriebsarbeiters über 21 Jahren kommt hiernach auf 1260 Mk. Die Streitteile erhielten Erklärungsfrist. Die Zahnsabrik Germania in Bad⸗-Nauheim soll vom 23. 2. 1923 an die Löhne um 40 Proz. erhöhen. Der Stundenlohn der Arbeiterinnen über 21 Jahren kommt hiernach auf 700 Mk. Die Lackfabrik Megerle in Srtedberg, soll vom 15. 2. 23 an die Löhne, die der Schiedsspruch vom 13. 2. 23 für die erste Hälfte des Februar dene hat, um 40 Proz. erhöhen. Der Stundenlohn des Betriebsarbeiters über 21 Jahren kommt hiernach auf 14/5 Mk. b Die Schuhe inlagenfabrik Konrad Birkenstock in Friedberg soll vom 1. g. 23 an ihrem Arbeiter über 21 Jahren 800 Mk. Stundenlohn zahlen statt bisher 14500 Mk. Wochenlohn und die übrigen Löhne in demselben Verhältnis erhöhen. Die drei letzteren Schtedssprüche erkaunte der Fabrikarbeiter⸗ verband an. Die Zahnfabrik Germania lehnte den Schiedsspruch ab. Die beiden anderen Betriebe erhielten Erklärungsfrist. Befauntmachung. Ab 7. März ds. Is. treten im Fahrplan der Straßenbahn Linie Marktplatz—Kaserne. Die Wagen, welche ab Marktplatz und Moltkestraße verkehrten, werden bis zur Haltestelle Siechenanstalt weitergeführt. worden. 800 823 900 1000 Bahnhof 4 752 752 757 752 807 880 907 1007 Markt 70 7 784 742 757 812 834 912 1012 Moltkestraße 7⁴⁰⁵ 7 7²⁶ 74⁵ 800 848 897 91 10ʃ5 74 805 947 107 Siechenanstalt 738 7 Gießen, den 6. März 1923. Direktion der Elektrizitätswerke und der Straßenbahn: Stolte. Mit Rücksicht auf den Staatsbahnverkehr sind die Abfahrtszeiten entsprechend abgeändert Schützenhaus 74 Linie Bahnhof— Wieseckerweg. Der Wagen 737 abends ab Wieseckerweg fährt nur bis Marktplatz. Holzarbester⸗Versammlung in Nidba. In elner Holzarbeiter⸗Versammlung, die Sonntag. 25. Februar im Lokale von Ringshausen in Nidda part fand, waren die Arbeiter von der Möbelfabrik Ringshausen und dem Sägewerk Himmelsbach usw. zahlreich vertreten. Nachdem Spengler die Erschicnenen begrüßt hatte. sprach Bezirksleiter Moosdorf i In packenden Worten schilderte er die heutigen elenden Verhält⸗ nisse. die einzig und allein durch den verlorenen Krieg verschuldet seien. Den frevelhaften Einbruch des französischen Militarismus in das Ruhrgebiet kennzeichnete der Redner gebührend. er er⸗ mahnte aber die Anwesenden. sich nicht in nationalistisches Fahr⸗ wasser treiben zu lassen. Weiter betonte Redner, daß der passive Widerstand das einzig richtige Abwehrmittel sei. das unter Um⸗ ständen auch für die Zukunft einmal Anwendung finden könnnte. Es läge nur am Willen der Arbeiterschaft, ein Völkermorden zu verhlütten.— Die Lohnfrage wurde eingehend erörtert. Dabei wurde zum Ausdruck gebracht, daß sich die Arbeiterschaft nicht unter den Willen der Unernehmer beugen werde.— Der Vorsitzende dankte dem Redner für selne Ausführungen und forderte die An⸗ wesenden auf, treu und fest zum Verband zu halten und den Führern keine Schwierigkeiten zu bereiten, wenn es manchmal auch nicht jedem Einzelnen nach Wunsch ginge.— Außer den schon von der Ortsgruppe Nidda zur Ruhrhilfe gespendeten 172 400 Mark wurden von Arbeitern des Sägewerks Himmelsbach noch 15 000 Mark besgesteuert. R. Streik der Schreiner in Cassel. Am Samstag haben die Schreiner in Cassel die Arbeit einge⸗ sbellt weil die Arbeitgeber den Schiedsspruch ablehnten, durch den der Spitzenlohn auf 1300 Mark sestgesetzt wurde. Trotzdem hatten die Arbeitgeber den Lohnsatz schon vorher anerkannt, daß sie ihn der Kund schaft in Rechnung setzten. Kleine Nachrichten. Ein überlisteter Dieb. Der 22jährige Josef Faust stahl am Haupt⸗ bahnhof in Frankfurt a. M. eine Kiste mit Margarine, merkte aber nicht, daß ihn der Besitzer dabei beobachtete und ihm unauffällig nach der Markthalle folgte. Hier stellte er die Kiste auf kurze Zeit ab, die der rechtmäßige Eigentlimer dazu benutzte und die Kiste ent⸗ leerte, sie mit Sand füllte und sie dann so„präparierte“, daß sie sehr leicht zerbrechen mußte. Das geschah auch prompt, als der Dieb nach kurzer Zeit mit seiner Kiste durch die Markthalle schlenderte. Ein Sandstrom drang zum Gaudium aller Hallenbesucher aus der ver⸗ hexten Kiste. Wenige Mimmten später war Freund Faust in den Händen der Polizei, die ihn als eimen schon seit langem gesuchten Margarinedieb entlarvte. Frankfurt a. M., 6. März. Massenschlägerei. In einer Wirtschaft der Fahrgasse kam es am Montag abend zu einer Schlä⸗ gerei zwischen einer großen Gesellschaft, die mit der Verhaftung einer Anzahl Rädelsführer endete. Auf der Straße hatte sich inzwischen eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden, die erst 5 ein außerordentlich großes Polizeiaufgebot zerstreut werden unte. Frankfurt a. M., 6. März. Dina die kühne Springerin. Als heute friih Beamte des Fahndungskommissariats einige Gast⸗ häuser der Kronprinzenstraße revidierten, überraschten sie auch ein ärchen. Das Mädchen sprang in seiner Angst im bloßen Hemd aus einem Fenster des ersten Stockwerkes auf den Hof, fiel auf ein Glasdach, durchschlug dieses und kam mit schweren, aber ungefähr⸗ lichen Schnittwunden auf dem Fußboden an. Frankfurt a. M., 6. März. Grabschänder. Der 19jährige Wilhelm Sell aus Wiesbaden wurde dabei erwischt, als er zahl⸗ reiche kupferne Blumen und Blätter, die er von Gräbern des hie⸗ sigen Hauptfriedhofes gestohlen hatte, verkaufen wollte. Frankfürt a. M., 6. März. Frankfurter Pferdemarkt. Der am Montag und teilweise auch noch heute hier abgehaltene Pferdemarkt war von rund 600 Pferden beschickt. Die Preise be⸗ wegten sich wieder in außerordentlicher Höhe. Der Verkauf ging trotzdem flott von statten. Höchst a. M., 6. März. Eine Strafkammersitzung in Höchst. Infolge des ruhenden Zugverkehrs mit Wiesbaden hat das dortige Landgericht eine Sitzung der Strafkammer für diese Woche in Höchst anberaumt, um den Zeugen und Angeklagten die Reise nach Wiesbaden zu ersparen. Aus dem Taunus, 6. März. Verhaftung von Holz⸗ fuhrleuten. Auf Grund der Verordnung der Rheinlandkom⸗ mission, nach welcher die Domimalwaldungen im besetzten Gebiet be⸗ schlagnahmt sind und Holz aus denselben nur mit dem neu vorge⸗ schriebenen Holzabfuhrschein abgefahren werden darf, wurden am Montag sechs Fuhrleute aus Bommersheim, die nicht im Besitz⸗ dieses Abfuhrscheins waren, in Königstein in Haft gebracht. Ihre Fuhrwerke und das auf diesen befindliche Holz wurden beschlag⸗ nahmt. Nicht genehmigte Holzabgaben sind wie uns mitgeteilt wird, ungültig und werden mit Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren und mit Geldstrafen bis 15 Millionen Mark geahndet. Darmstadt, 6. März. Eine Aenderung der Lage in Darmstadt ist auch heute noch nicht eingetreten. Die Franzosen haben sich geweigert, das Lokomotivausbesserungswerk von den Posten zu befreien, sodaß die Arbeit auch weiterhin ruht.— Ein Teil der 4 ist in die Stadt zurückgekehrt und versieht wieder ihren Dienst. Darmstadt, 6. März. Die Sbadwermattung Darmstadt hat sich mit Zustimmung der Fraktionen der Stadtoerordnetenversammlung in vollstem Umfang der Kundgebung des hessischen Weeze riums vom 4. März angeschlossen. Groß⸗Gerau, 6. März. Seit einigen Tagen gehen die ae dazu über, Leibesvisitationen an Privatpersonen vorzunehmen. Hiltersklingen i. O., 7. März. Bei lebendigem Leib verbrannt ist hier ein Knecht, der mit zwei Kameraden in einem Zimmer schlief. Wahrscheinlsch durch Unvorsichtigkeit ge⸗ riet ein Bett in Brand, der Knecht lief auf den Gang, während die beiden anderen den brennenden Strohsack nachwarfen. Hierdurch gerigten die Kleider des jungen Mannes in Brand. Unter entsetz⸗ lichen Schmersen ist derselbe an den Verletzungen gestorben. Gnadengesuch für einen Muttermörder. Für den kürzlich vom Schwurgericht des Landgerichts III in Berlin zu 10 Jahren über die wirtschaftliche Lage und die Ruhrbesetzung. Lokale Parteinachrichten. Vereinigte Sozialdemokratische Partei, Gießen. Program m des Bildungskursus im Winter 1922—1923, abends 8 Uhr pünktlich, im Gewerkschaftshaus. 7. Donnerstag, 8. März 1923:„Die amerikanische Ver⸗ fassung“. Referent: Genosse Dr. Aaron. Rechts⸗ anwalt, Gießen. 8. Donnerstag, 15. 7 1923:„Sozialismus, Religion und Kun st“. Referent: Gen. Prof. Dr. Kinkel, Gießen. Für jeden einzelnen Vortrag werden Karten zu 10 Mark ausgegeben. Die Ausgabe dieser Karten erfolgt am Abend des Vortrages am Eingang. Die Vorträge finden ohne Re statt.— Rauchen ist verboten! Zu diesen Vorträgen ist Jedermann freundlichst eingeladen. Der Vorstand. Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 19 vom 6. März 1923 ent⸗ hält: Preise für Zucker.— Erhöhung des Urkundenstempels.— Schulfensen.— Festsetzung des Wertes der Sachbezüge auf Grund der Neichsversicherungsordnung und des Angestelltenversicherungs⸗ gesetzes. Ausführung der Landesfeuerlöschordnung. Ein⸗ kommensteueranteile der Gemeinden für das Ri. 1022.— Jahrbuch des Vereins für das Deutschtum im Ausland.— Erneuerung der Viehhandelserlaubniskarten.— 1 des Preiswuchers.— Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit.— Dienstnach⸗ richten.— Gefunden, verloren. Gefunden, verloren. Das Polizeiamt Gießen We bekannt: In der Zeit vom 1. bis 15. Februar 1923 wurden in v Stadt gefunden: 5000 Mark iin Tausendmarkscheinen 1 Arm⸗ 1 1 schwarzer Brotbeutel. 40 Mark, 1 Peitsche, 2000 Mark 1 Portemonnaie mit Inhalt 1 Pferdegeschirriemen 1 Brille mit Futteral 1 Fünfhundertmarkschein, 1 Brille, 1100 Mark, 1 Regen⸗ schirm, 66 Mark 300 Mack 1 Paar Kinderhandschuhe 1 Glieder⸗ armband, 2000 Mark 1 Paar Damenhandschuhe 1 1 ein Hervensiegelring, 1 Kneifer mit Futteral, auch 3 Anzahl Schlüssel gefunden worden: verloren: e Brieftasche mit Inhalt ca. 15 000 Mark und A 1 Täschchen mit 50 000 Mark, 1 rotbraune 4 l mit 70—90 000 Mark Inhalt. 1 brauner Marabupelz, 1 Regen⸗ schirm mit silbernem Griff 1 silbernes e 1 5 altlas von Dirke und Gäbler, große Ausgabe, 1 Pferdedecke mit gelben und schwarzen Streifen. 1 E. K. 1. Kl., 1 goldener Ring mit rotem Stein, 1 kchwarzes lackledernes ee mit Inhalt, eine 2⸗Dollarnote 1 Pelzkragen, 1 silberne Damenuhr, altes Werk mit Lederarmband 1 Damenaembanduhr am Lederriemen und 1 Brieftasche mit Inhalt: Die Abholung der gefundenen Gegen⸗ stän de ben an jedem Wochentag von 1142 Uhr. und 4—5 Uhr nachmittags im Polizeiamt, Zimmer Nr. 1, erfolgen. Versammlungskalender. Bruern. Volksverein. Samstag. 10. März, abends 8 Uhr im alten Schulsaal Mitgliederversammlung. Treis a. Oda. Volks verein. Samstag, den 10. Febr., 1 8 ÜUbr Monatsversammlung im Vereinslokal. Erscheinen aller Mitglieder erwünscht Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 22 000 Mark. Bekanntmachung. Stadttheater⸗Abonnement. Die außergewöhnliche Steigerung aller Ausgaben gefährdet ernstlich den Weiterbetrieb des Stadttheaters, weshalb außergewöhnliche Mittel beschafft, und alle Einnahme⸗Möglichkei en ausgenutzt werden müssen. Eine solche Möglichkeit bietet eine Nachzahlung auf das Theater-Abonnement, das infolge der fortgesetzten Erhöhung der Tageseintrittspreise z. Zt. eine unver⸗ hältnismäßige Begünstigung darstellt. Um die Durch- führung der laufenden Spielzeit zu ermöglichen, und eine ausreichende Bezahlung des Bühnenpersonals sicherzustellen, hat die Theaterdeputation eine Nach⸗ zahlung auf das Abonnement beschlossen. Von dem Verständnis und der Theaterfreude der Abonnenten wird mit Sicherheit erwartet, daß sie das verhältnis⸗ mäßig kleine Opfer im Interesse der Erhaltung des bedrohten Instituts gerne bringen. Die nachzuzahlenden Beträge werden für das Dienstag⸗Abonnement am Donnerstag, den 8. März, Mittwoch⸗Abonnement am Freitag, den 9. März Freitag⸗Abonnement am Montag, den 12. März in der Zeit von 9—1 Uhr vormittags und 3—5 Uhr nachmittags an der Kasse in der Vorhalle des Stadtiheaters(Abendkasse) entgegengenommen und betragen für jeden Platz: Prosc.⸗Loge, Rang⸗Loge und J Rang Vorderplatz 3000 Mk. J. Sperrsitz und J. Rang 1 8 2500 TTT 2000 Il. 1 Vorberßlaß 1500 II. Rang Mitte 1000„ Die Abonnementsblocks sind bei der Vorstellung zur Abstempelung vorzulegen. Gießen, den 5. März 1923. 1346 Theaterbauverein Der Oberbürgermeister nachstehende Aenderungen ein: Brillanten, Gold, Silber, Platin, Perlen, Bestecke, Tafelgeräte, Alte Münzen, Schmuck jeglicher Art, obe. Aahmaseline auch Handmaschine, wenn auch reparaturbedürftig, zu kaufen gesucht. Schriftl. Off. u. 1340 a. d. Exp. d. Bl. Sladttheater Donnerstag, 8. März Außer Abonnement 1 806 815 0 2 1 5 Galtpiel bes Wie bkaner 1 Ses 818 822 803 920 1030 f i 4 80. 808 816 838 923 1023 5 kauft zu den höchsten Kursen 1300 N47 Wasp Brief f 2 757 805 2 20 Am Flügel: Paul Meye ee eie Edelmetall- und Plelstein-Zentrale f, N den 9. Marz 2 Der 1345 R. Russ, Bad- Kreuzunch, Filiale Giessen, Senanzenstr. 2, Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. 20. Vorstellung im Freitag ⸗Abonnement Morituri(Teia, Friuchen, Das Ewia⸗ Männliche) von Hermann Sudermann Anfang 7 Ende n. 9˙/½ Uhr Tel. 605.