0 6 0 Hadblin: Giesen Pernsprecher 2008. Iberhessisch Organ für die Interessen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Bahuhofstraße 23 Smedition: Sießen Bahnhosstraße 23 Ftrusprecher 2008. g Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreis mit den Beilagen, Das Blalt der Frau und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage“ 5 75 monatlich 780.— ek. einschl. Bringerlohn. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(25 mm breit) oder beren Raum lokgl 7.— Mk. auswärts 10.— ir Mek, die Rellamemillim. 30.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entspre 0 5 Durch die Post bezogen 780.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 90— Mt, Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. —**—— Nr. 5 Gießen, Montag, den 8. Januar 1923 18. Jahrgang sschaftlicher Beurteilung wird man sich dem 55 70 fuhritberschu kohlenproduktion in 6420 Wirtshüstzyoltiiher gutt. hart der Druck war, der infolge der geringen Einfuhr an Lebensmitteln und dem Rückgang der landwirtschaftlichen Pro⸗ duktion auf der Lebenshaltung der Minderbemittelten lastete, eine Erleichterung schuf die überaus rege Beschäftigung in In⸗ dustrie und Handel. Noch im Januar 1922 meldeten sich bei den Arbeitenachweisen auf 100 offenen Stellen 182 männliche und 99 weibliche Personen. Der Tiefstand wurde erreicht im Juni mit 109 männlichen und 91 weiblichen Bewerbern, wogegen im Oktober die Ziffer wieder angestiegen war auf 144 resp. 125. Noch stärker zeigt sich der gute Beschäftigungsgrad an der Zahl der Empfänger für Erwerbslosenunterstützung. Hier fiel die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger von 165 248 im Januar auf 23 922 Mitte November. Eine so geringe Zahl der Arbeits- losen war selbst in Jahren sehr guter Konjunktur nicht zu ver⸗ zeichnen, und somit milderte sich die Notlage, die ins Unerträg⸗ liche gestiegen wäre, wenn das Cewerbsleben Stockungen gezeigt Bei einer solchen Geschäftskonjunktur schossen die Aktien⸗ gesellschaften wie Pilze aus der Erde. In den ersten drei Quar⸗ talen des Jahres 1922 wurden 4073 neue Gesellschaften ge- grlündet einschließlich der G. m. H., die insgesamt ein Kapital von 750,9 Millionen Mark beanspruchten. Daneben trat auf dem Kapitalmarkt noch eine Anforderung von 10 233,2 Millionen Mk. für die Erhöhung des Aktienkapitals hervor, die zum Teil eine künstliche Aufblasung des Aktienkapitals bezweckte. Den Aktio⸗ nären wurde durch günstige Bezugsrechte für die Erwerbung neuer Aktten eine weniger sichtbare Revenue zugewandt, die — 5.50 den Prozentsatz der ausgeworfenen Zinsen ver⸗ kleinerte, ohne Schaden für den Besitzer der Aktien. Vergleicht man diesen Kapitalbedarf mit dem der Vor⸗ iegszeit, so ergibt sich, daß im Januar 1922 im Vergleich zu selben Monat des Jahres 1913 der Kapitalbedarf um das ö gesteigert war, worauf in den dann folgenden Monaten . res 1922 ein Abflauen folgte, bis im Oktober immer moch das 55, 2fache gegenüber 1913 erreicht wurde. Gewiß es sind Papiermark, aber die ganze Transaktion zeigt doch, daß das Privatkapital in Industrie und Handel es ver⸗ tanden hat, sich aus der Inflation unserer Zahlungsmittel in Sicherheit zu bringen. Die Erklärung, daß ja ihre Aktien s. Z. in Gold gezahlt wurden und die Aktionäre heute keinen gleich⸗ wertigen Besitz in Händen haben, ist durchaus irreführend. Zu⸗ nächst haben die Aktionäre nicht nur die Zinsen erhalten, sondern in anderer Jorm, durch Gewährung eines Bonus, eine Extra⸗ vergütung erhalten, der sich dann noch einige weit unter dem Kurswert stehende Aktien zugesellten. Hat aber der Aktionär einen Besitz gewechselt, was in der Regel geschieht, so ist ihm iter ein erheblich höherer Kurswert zugefallen. Legt er den hieraus gewonnenen Kapitalzuwachs wieder in neuen Aktien an, und wiederholt er recht oft diese Manipulation, so wächst sein Vermögen zu einer recht ansehnlichen Höhe, wobei ihm das Fallen der Mark nicht mehr die große Sorge bereitet, wie z. B. demjenigen, der in bedächtiger Sicherheit sein Geld in Staats⸗ oder Stadtanleihen anlegte, um eine sichere kleine Rente zu haben, — er aber zu seinem Schrecken wahrnehmen muß, daß in diesen Papieren der Börsenkurs keine Aenderungen vornimmt und die Zinsrate auch nicht höher wird. Außerdem bleibt auch — Goldwert der Industriepapiere immer erhalten, denn die erte von Grunostücken, Maschinen und anderen Produktions⸗ mitteln bleiben stabil, wenn auch die Mark fällt. Welche Kursentwicklung die Börse für Industriepapiere auf⸗ eist, darüber folgendes: Setzt man den Kurs 1— Jubustrie⸗ tere 1913 mit 100 an, so steigt der Index im Januar 1922 auf 600 und gelangt im November auf 3026. Allem voran die erindustrie und der Bergbau; hier steigt der Index von 708 1 0 bei der verarbeitenden Industrie von 683 auf 2728, bei Handel und Verkehr von 316 auf 1644. Der wirtschaftlich Starke, ie Schwerindustrie, nützt mit größerem Gewinn die Situation aus als die nachfolgenden Gruppen, denen gezeigt wird, was die großen Industriekonzerne für eine Machtposition haben. Der Ab⸗ 1 5 wäre noch bedeutender, wenn der Bergbau von der Zwangs⸗ irtschaft frei wäre und mit seinen Preisen an die Weltmarkthöhe heran gehen könnte. Bei dieser günstigen Marktlage, die wir während des ganzen Jahres vorfinden, gelang es nicht, unsere wirtschaftlichen Kräfte voll auszunützen. Das ist nicht nur vom kapitalistischen Standpunkt ein fühlbares Manko, auch aus allgemeinvolkswirt⸗ er anschließen. Es 5 vielfach an qualiftzierten Arbeitskräften, auch 5 Unter⸗ bringen großer Arbeitermassen scheiterte am Wohnungsmangel. Sehr unangenehm machte sich besonders der Rückgang in der Kohlenförderung bemerkbar. Im Jahre 1913 hatten wir nach Wzug der Einfuhr einen Ausfuhrüberschuß von 24 Millionen nnen Steinkohle, dagegen kamen wir in den ersten Monaten des Jahres 1922 zu einem Einfuhrüberschuß von 4 526018 Tonnen Steinkohle, der unsere Handelsbilanz schwer belastete. In Ver⸗ indung damit stand ein Einfuhrüberschuß an Eisen und Eisen⸗ Hhalbzeug von 748 816 Tonnen, während wir früher einen Aus⸗ ß verzeichneten. Die Kohlenknappheit hat die Eisen⸗ produktion nicht zur vollen Ausnützung der vorhandenen Hoch⸗ öfen gelangen lassen, damit ging man dazu über, den Bedarf z. T. aus dem Ausland zu decken. Auch andere Industrien haben unter der mangelnden Kohlenversorgung gelitten und waren genbligt, Einschränkungen vorzunehmen. Die Industrie konnte mithin nicht restlos die Geschäftskon⸗ junktur ausnützen, eine Behinderung, die auch zum Schaden der Arbeiter ausschlagen mußte. Denn jede vermehrte Gllterproduktlon die uns unauhängiger vom Ausland macht, ist volkswirtschaftlich eine Stärkung, die wir nie so notwendig hatten wie gegenwärtig. Nach den letzten amtlichen Mitteilungen betrug unsere Stein- den ersten 11 Monaten 1922 insgesamt 20 279 708 Tonnen. 1913 hatten wir im gleichen Zeitraum eine Förderung von 159 512684 Tonnen. Bringt man hiervon eine derung von 20 209 105 Tonnen, die uns durch den Verlust von Oherschlesien verloren ging, in Abzug, so würde immer noch ein Desizit in der Steinkohlenförderung von 19 023 871 Tonnen bestehen. Wäre die Braunkohlenförderung nicht um 45 500 637 Tonnen über die Heistuno von vor dem Kriege hinaufgegangen, lo rein Nach dem Pariser Zusammenbruch.— Vor sehr erusten Tagen. Allerhand Stimmungsgerüchte. Der amerikanische Protest. Der Abbruch dr Pariser Konferenz wird naturgemäß mit den verschiedensten Nachrichten begleitet, die märchenhaft klingen und unseres Erachtens wirklich in das Reich der Fabel fallen. Z. B. wird gemeldet, daß sich die amerikani⸗ sche Regierung bereits am Freitag vormittag, also 12 Stun⸗ den nach dem Abbruch in Paris, mit der Lage in Europa be⸗ schäftigt und beschlossen habe, als Protest gegen Frankreich die Rheinbesatzung zurückzuziehen. Vielleicht mag ein solcher Beschluß noch ausstehen, was wir nicht wissen. Unglaublich aber scheint es uns, daß dieser Beschluß schon gefaßt ist. So eilig hat es Washington wahrhaftig nicht mit der Beschluß⸗ fassung über Vorgänge in Europa. Die angeblichen Einmarschvorbereitungen. Sensationslüsterne deutsche Journalisten bauschen im Zu⸗ sammenhang mit dem Abbruch in Paris die an sich richtige Mel⸗ dung auf, daß die Paßkontrolle im besetzten Gebiet bereits wie⸗ der bedeutend verschärft ist Die Besatungstruppen sollen sich nach diesen Darstellungen teilweise in Alarmbereitschaft be fin⸗ den und französtsche Militärflieger um Freitag inschüchterungs⸗ flüge unternommen haben. Wir lassen es dahingestellt, ob diese Angaben stimmen, glauben aber, sie registrieren zu wüssen, um den Geist zu kennzeichnen, der jetzt Anwendung findet, um die notwendige Stimmung her zorzurufeu. Stinnes macht Stimmung. Wie man das deutsche Volk noch nervöser macht, als es ohnehin schon ist, dafür spricht auch eine Rundfrage der Stinnes⸗Telegr.⸗Agentur an bestimmte Wirtschaftskreise im Ruhrgebiet, die sicherlich im Auftrage ihres Herrn und Meisters ausgeführt wurde, der noch nie ein Hehl daraus gemacht hat, daß ihm die Besetzung Essens nicht unangenehn ist. Man findet es deshalb erklärlich, wenn die Telegraphen⸗ Union zu der allgemeinen Feststellung kommt, daß sich die Wirtchaft im Industriegebiet in jeder Beziehung hinter die Regierung zu stellen gedenkt und ihr das Vertrauen ent⸗ gegenbringt, daß sie in dieser außerordentlich bedrohlichen Lage die notwendige Festigkeit bewahren wird. Plötzlich also stellt man sich in jeder Beziehung geschlossen hinter die Re- gierung. Solange eine Opferfreudigkeit von der Industrie verlangt wurde, hat man hiervon nichts bemerkt. Die Fesistellung der„vorsätzlichen Verfehlung“. Die von gewissen deutschen Interessenkreisen ausgehende Stimmungsmache, die uns überflüssig scheint, zumal bereits wie gesagt ohnedem eine ziemlich starke Erregung durch das deutsche Volk geht, wird die Franzosen sicherlich nicht ab⸗ halten, von ihren vorbereiteten Absichten Abstand zu nehmen. Samstag vormittag ist die Reparationskommission zu⸗ sammengetreten, um eine„vorsätzliche Verfehlung“ Deutsch⸗ lands in Bezug auf die Kohlenlieferungen festzustellen. Die französische Regierung hat zu diesem Zweck eine lange Denk⸗ schrift ausgearbeitet, in der es u. a. heißt, daß die von Deutschland seit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages bewirkten Kohlenlieferungen von seher unzulänglich waren, ausgenommen die Lieferungen im Oktober 1920, in der die vorgeschriebene Menge um ein geringes überschritten wurde. Besonders wird auf eine mangelhafte Lieferung im Jahre 1922 hingewiesen. Zum Beweis für diese hätte die Industrie das Aufkommen auch in dem gegenwärtigen Umfang nicht erreichen können. Nun wäre es verkehrt die Steigerung der Kohlensörderung nur von einer erhöhten Arbeftsleistung zu fordern. Verkürzte Arbeitszeit muß im Kohlenberabau auch geringere Leistungen im Gefolge baben. Abey sind die Betriebe in technischef Ausgestaltung auf der Höhe geblieben und sind in den letzten zehn Jahren die nötioen Fortschritte emacht worden? Das ist leider nicht der Fall und zu dieser Stagnation trug die sichere Preisentwicklung der Kohle bei. Auch der am schlechtesteg ausgebaute Betrieb warf seinen Gewinn ab. ces bestand kein Zhang. große Kapitalien für Neueruygen aufzuwenken, da das Fehlen einer Konkurrenz auch dem Rlickständiasten das Tartkommen sicherte. Anstatt die Ge⸗ winne zu einem erheblüßen Teil ssir Neuanlagen zu verwenden, wurden sie in viel zu arntem Masie den Aktionären überwfesen, im übrigen blieb alles beim alten. Die Industrie wird technisch etwas unternehmen miissen, um die Produktion zu heben, und sie wird ihre alte Gewohnseit ablegen müssen, alles durch eine größere Velastung der Arheiter erreichen zu wollen. Neites vom Tage. Lau anne. Das Schickfal der Orkentkonserenz. Gegenüber Meldungen der Presse, daß der Abbruch der Pariser Verhandlungen auch den Abbruch der Orient— konferenz nach sich ziehen würde, erklärte Ismed Pascha, die Behauptung dient umfangreiches Material, das äußerst einseitig ist und in dem Herr Poincaré vergessen hat mitzuteilen, daß Frank⸗ reich auf Grund der deutschen Kohlenlieferungen ungeheure Gewinne gemacht hat. Deutschland soll gehört werden. Der diplomatische Mitarbeiter der Agence Hapvas ist zu der Mitteilung ermächtigt, daß die Reparationskommission im Einklang mit den Vertragsbestimmungen der deutschen Regierung Gelegenheit geben werde, von der Kommission über die angeblichen deutschen Verfehlungen bei den Kohlen⸗ lieferungen für 1922 gehört zu werden. Die Reparations⸗ kommission werde die deutsche Regierung auffordern, ihre Bemerkungen vor der Kommission an einem nahe bevor⸗ stehenden Tage, etwa Montag oder Dienstag, mündlich vor⸗ zubringen. Die Entscheidung werde demnach wahrscheinlich vor Mitte nächster Woche fallen. Die bevorstehenden„Sanktionen“. Es wird in Paris nicht mehr daran gezweifelt, daß die von Barthou beantragte„vorsätzliche Versehlung“ mit Bestimmthei beschlossen wird. Von Bradbury, der entgegen anders! er Meldungen an der Samstag⸗Tagung der Neparations⸗Kom⸗ missian teilnimmt, erwartet man die Begründung seines ab⸗ lehnenden Standpunktes in irgend einer überraschenden Jorm. franzöfische Regierung glaubt, daß sobald die„vorsätzliche Nichterfüflung“ festgestellt ist, ihr das Recht zusteht, sofort die Verhängung von Sanktionen zu fordern und gegebenenfalls auf eigene Faust zu verfügen. Ferner sind die amtlichen französischen Kreise der Nuffassung. daß der 15. Januar keine besondere Rolle bei der Festsetzung der Sanktionen spielen kann, da das Mora⸗ torium bereits am 31. Dez. abgelaufen war und ein neues Mora⸗ torium nicht bewilligt wurde. Nicht nur Belgien und Italien sollen diefen Standpankt teilen, sondern anch die Tschecho⸗ Slonakei und Polen. Man muß also darauf gefaßt sein, daß Frankreich zu wirt⸗ schaftlichen Sanktionen schreitet, noch bevor der 15. Januar vor⸗ über ist und bevor die Reparations⸗Kommission zu dem deutschen Moratoriumsantrag für dieses Jahr überhaupt Stellung ge⸗ nommen hat. Diese Art des Verfahrens wäre genau so wider⸗ rechtlich, wie die selbständige Ergreifung von Sanktionen nach dem 15. Januar. Amerika wartet auf die Initiative Frankreichs? Reuter meldet aus Washington: Das Staatsdepartement demen⸗ tiert die Meldung, wonach die Vereinigten Staaten auf Ersuchen Großbritanniens einen internationalen Kongreß zur Erörterung der Reparationsfrage einberufen werden. Offiziell wird erklärt, die Vereinigten Staaten hätten bereits alles getan, was ihnen möglich sei, um auf die Lösung des Problems hinzuwirken. Die An⸗ regung des Staatssekretärs Hughes, eine Finanzkommission zur Beurteilung der Reparationsfrage zu ernennen, war der franzö⸗ sischen Regierung unterbreitet worden. Jede Aktion wegen Ein⸗ berusung einer solchen Kommission müsse notwendigerweise von Frankreich ausgehen. Cuno als Greis auf dem Dache? a Auch am Freitag nachmittag hat noch keine Kabinetts⸗ sitzung über die Reparationsfrage stattgefunden. Lediglich die an der Frage beteiligten Ressortminister haben eine Be⸗ sprechung über die Lage abgehalten, jedoch sind entscheidende Beschlüsse nicht gefaßt worden. da man noch nähere Nach- richten über die gestrigen Besprechungen zwischen den fran⸗ zösischen, belgischen und italienischen Staatsmännern ab ⸗ warten will.— Wie heißt es doch in dem alten Studenten- lied? Auf dem Dache sitzt ein Greis der sich nicht zu helfen — r 2 Uneinigkeit der Verbündeten würde die in keiner Weise beeinflussen. damit noch nichts über das Schicksal gesagt. schoben sein. setzen wird, um die Schwierigkeiten Englands bei der Lösung des Reparationsproblems zu erhöhen, indem es die Widerstände der Türkei gegen England stärkt. Ismed Pascha soll aus Angora neue Instruktionen erhalten haben. Bei der Behandlung der Frage der Verteilung der ottomani⸗ schen Schuld erklärt die Türkei, sie könne die deutschen Güter und die den Deutschen von der Tfirkei gewährten Kon⸗ zessionen nicht zugunsten Fronkreichs abtreten. Haltung der Türkei Nichtsdestoweniger ist aber der Orientkonferenz Die Entscheidung dürfte nur um einige Tage ver⸗ Es ist klar, daß dann Frankreich alles daran * Das framösische Golddevot in Amerika. Zu der Meldung über das nach Amerika gesandte französische Golddepot, das während Krieges im englischen Finanz⸗ ninjsterium als Garantie für eine französische Kriegsanleihe hin⸗ terlegt wurde, berichtet der New-Vork⸗Herald, dieses Golddepot ist bereits vor 5½ Jahren zur Zahlung von Kriegsmunition von England nach Washington geschickt worden. Ein Attentat auf den tschechischen rinanzminister. Der Finanzminister Dr. Raschin wurde in Prag am Freitag gegen 9 Uhr morgehs, als er vor seiner Wohnung sein Auto- mobil bestieg, von einem 10jährigen Versicherungsangestellten des 9 7 Fosef Soupal aug Denussch⸗Brod durch zwei Schüsse schwer verletzt.[Konferenz hat ebenfalls versagt. Die Bemühungen des Dr. RNaschin wurde sofort in ein Sanalorium gebracht, wo die Jerzte eine Verletzung des Rückenmarks und Blutungen in der Bauchhöhle feststellten. Trotz vorgenommener Operation gilt sein Zustand als hoffnungslos. Der Nee Attentäter bezeichnete sich bei seiner Ver⸗ nehmung als Anarchokommunist und als Gegner der Politik Naschins. Er ist Tscheche und, soweit bisher festgestellt, bei keiner Partei politisch organisiert. Er gibt an. das Altentat schon am 11. Dezember geplant, aber von ihm damals Abstand genommen zu haben, weil sich Dr. Raschin in Begleitung einer Dame befand. * Prag ist ruhig. In den Hauptstraßen Prags kam es im Laufe des Freitags, amüßlich des Attentats auf den Finanzminister zu einigen kleinen aden Am Abend ist aber wieder Ruhe eingetreten. Die sebungen hatten sich gegen die Redaktionen tschechischer Blätter gerichtet, die in den letzten Tagen den Minister ange⸗ griffen hatten. Die Regierung veröffentlicht einen Aufruf an die Bevölkerung, die Ruhe zu bewahren. Im gleichen Sinne ver⸗ anstalteten die politischen Parteien Kundgebungen.. 8 Auuahme der Postgebühren⸗ Verdoppelung N durch den Reichsrat. In der Freitagsitzung des Reichsrats wurde der Er⸗ höhung der Postgebühren um durchschnittlich 100 Prozent Zum 15. Jannar zugestimmt. Eine Erleichterung wurde für das Publikum durch Einführung einer verbilligten Paket⸗ stufe geschaffen, nämlich das 3⸗Kilo-Paket. Durch Ein⸗ führung des Paketbestellgeldes und einer Paketabholungs⸗ gebühr werden der Post neue Einnahmen zugeführt. Gegen diefes Paketbestellgeld und die Paketabholungsgebühr wandte sich Preußen, ohne jedoch eine Mehrheit für seinen Standpunkt zu finden. Der Berichterstatter stellte aus⸗ drücklich fest, daß die Gebührenpolitik des Reichspost⸗ ministers von einer wohl überlegten Mäßigung getragen ist, die dahin geht, in der Erhöhung der Gebühren nicht auto⸗ matisch der Geldentwertung zu folgen, sonderen eine mitt⸗ lere Linie einzuhalten. 5 1 Justizministerkonferenz. Heute vormittag sind die Justizminister von Württemberg und n und ein Vertreter von Hessen zu einer Besprechung mit ö Reichsjustizminister beim bayerischen Justizministerium ein⸗ K Nach einer Mitteilung, die der Reichsjustizminister r Presse hat zukommen lassen, handelt es sich in der Hauptsache um die Besetzung des süddeutschen Senats beim Staatsgerichtshof zum Vollzug der Gesetze zum Schutze der Republik. Bayern soll zu diesem Senat drei Laienrichter stellen, Württemberg, Baden und Hessen je einen. Ferner soll noch die Vereinfachung der 1 ege zur Sprache kommen. Auch die notwendige Ent⸗ sastung des Reichsgerichts soll behandelt werden. 2 Proteststreik der Gast⸗ und Kaffeehaus besitzer 1 in Haunover. SEumtliche Wirtschafts⸗ und Gasthausbesitzer von Hannover am Freitag in einen eintägigen Demonstrationsstreik einge⸗ der gegen angebliche Uebergriffe der Abstinenzler, n die selung des Gastwirtsgewerbes, gegen das in . mene Landessteuergesetz, gegen das Schanbstätten⸗ Eb gegen den preußischen Herbergsvertrag richtete. In ö Hotelbetrieben wurde der Fremdenverkehr in der allernot⸗ wendiasten Form aufrecht erhalten. . Politische uebersicht. Entscheidende Tage. „Loyd George hat die Pfänderpolitik Poincarés einmal berhängnisvoll genannt. Dasselbe sagte später Bonar Law mit andern Worten. Die Londoner Konferenz Zwischen Bonar Law, Poincaré und Theunis und Mussolini konnte das Verhängnis von Europa nicht abwenden. Die Pariser 2 amerilanischen Finanziers Morgan um einen Ausgleich in der Reparationsfrage konnten nicht zur Auswirkung ge⸗ langen. Die Reparationskommission, der in dieser Frage die Entscheidung zufällt, hat sich selbst ausgeschaltet. Und doch heute, nachdem alle anderen Faktoren sich als nicht stark genug erwiesen haben, die Hürde zu überspringen, steht die Reparationskommission von neuem vor dem Hindernis. Sie hat darüber zu entscheiden, ob Deutschland am 15. Januor zahlen soll oder nicht; ihr fällt die Entscheidung darüber zu, ob eine absichtliche Verfehlung Deutschlands vorliegt, wenn es erklärt, daß es am 15. Januar nicht zahlen kann. Ist es heute noch zweifelhaft, wie diese Entscheidung ausfallen wird? Die Reparationskommission hat vor einiger Zeit Deutschkands Zahlungsunfähigkeit und Deutschlands Be⸗ dürfnis nach einer Ruhepause ausdrücklich festgestellt. Kann sie sich jetzt selbst Lügen strafen? Wahrscheinlicher wäre es, wenn sie zwar einem Moratorium zustimmte, dieses Mora⸗ torium aber von Pfändern abhängig macht, die Poincarés Wünschen entsprechen. Das aber ist es gerade, was Lloyd George und Bonar Law verhängnisvoll genannt haben, es ist eine Forderung, die die öffentliche Meinung ganz Eng⸗ lands verwirrt. Der Vertreter Englands in der Repa⸗ rationskommission, der sich bereits in der Frage der Holz⸗ lieferungen ostentativ gegen das Kollegium der Repa⸗ rationskommission wandte, könnte also für diese Entscheidung kaum seine Hand erheben. Die Frage der Holzlieferungen war der Prüfstein für die zukünftige Haltung der Reparationskommission. Die Vertreter Frankreichs, Italiens und Belgiens haben hier eine Verfehlung Deutschlands festgestellt. eine Verfehlung — keine böswillige Verfehlung! Ein Grund für Sanktionen läge also auch bei dieser Lappalie nicht vor. Aber es scheint, daß der Ausfall der Entscheidung Poincaré, den Urheber der Querulantenpolitik, dazu ermutigt. auf diesem Wege fortzufahren. Wie es heißt, wird er versuchen, eine ähnliche Entscheidung in der Frage der Kohlenlieferungen herbeizu⸗ führen. Wird diesmal das Wort„böswillig“ in dem Urteil enthalten seine Die französische Presse arbeitet auf eine Besetzung des Ruhrgebiets noch vor der Erledigung der Moratoriums⸗ und der Reparationsangelegenheit hin. Erst Ruhrbesetzung und dann Verhandlungen mit Deutschland, lautet das neueste Schlagwort Poincarés. Ohne Zweifel, die Besetzung neuen deutschen Gebiets noch vor der eigentlichen„Verfehlung“ Deutschlands wäre ein noch furchtbarerer Rechtsbruch als Maßnahmen, die sich nach dem Verfalltermin für Deutschland ergäben. Es wäre erstaunlich und durch nichts zu rechtfertigen, wenn Belgien, dessen Vergewaltigung am Beginn des Krieges einen Ent⸗ rüstungssturm in der ganzen Welt entflammte, einem Be⸗ ginnen zustimmen oder ihm gar die Hand reichen wollte, das zum mindesten ebenso verwerflich wäre wie der Neu⸗ tralitätsbruch der kaiserlichen Regierung. Deutschland ist heute wehrlos! Es ist bis auf die Seele erschöpft! Jeder Gewaltstoß kann die notwendig aufrechterhaltene Staats⸗ ordnung in ein Chaos verwandeln! War es nicht Belgien selbst, das sich dieser Argumentation nicht zu entziehen ver⸗ meinte, war es nicht Belgien, das Seite an Seite mit Eng⸗ land für ein deutsches Moratorium kämpfte und die wirt⸗ schaftlichen Gründe der Vernunft einem verblendeten Nationalismus wie ein leuchtendes Fanal entgegenhielt? Will sich dieses Belgien, das über einen langen Krieg den Ruf einer Kulturnation hinübergerettet hat, selbst ins Ge⸗ sicht schlagen? Will es die Staatsräson, die das kaiserliche -den bilferen Haß der ganzen Welt entzündete, will es dies 4 Deutschland in seinem Schritt gegen Belgien leitete und die il Staatsräson nun auch auf den belgischen Kön sthron e heben?..„ Und Italien.— Italien ist das Land der nationalisti⸗ schen Diktatur. Es könnte nicht schlimmer den Ruf des Nationalismus von Grund auf verderben, als wenn es ihm für ewig den Stempel aufdrückte: Nationalismus und un⸗ gehemmtes Strauchrittertum sind eins. 5 3 Aber leider verhält es sich so. Stets ist der Nationalis⸗ mus, der für seine Nation das Beste zu wollen vermeint, n Gefahr, seine Nation in heilloses Unheil zu stürzen, weil er sich zu sehr von Gefühlen beherrschen läßt, weil es ihm an kühl denkendem Verstande fehlt. Deutschland ist es, das die Folgen eines derartigen Nationalismus in furchtbarer Qual am eigenen Leibe spüren muß. Umso mehr Anlaß hat es, 5 mit äußerster Ruhe und kältester Berechnung den kommenden 1 1 Dingen entgegenzusehen. Ohne Zweifel, man ist im Be- griff, nach allem Unrecht, das wir bereits über uns ergehen 1 J lassen mußten, uns ein neues Unrecht zuzufügen, das in der 1 Geschichte nur wenige Beispiele kennt. Aber das rf uns 0 nicht dazu verleiten, die Nerven zu verlieren. 1 2 Die sozialistische Internationale an der Arbeit Freitag vormittag das Organisationskomftee N der sozialistischen Internationale und der Wiener Arbeitsgemein⸗ Das Organi⸗ kongresses der sozialistischen Internationalen, der in der Pfingstwoche in Hamburg tag 2 zielistischen Internatfonale sind anwesend: Tom Krieges als gegenwärtige Basis für den Kampf gegen die Kriegs⸗ halten der proletarischen Parteien während eines Krieges zu voll⸗ 1 2 1 Internationale Organisation 4 sation politischer Parteien anzugehören und bereit sind, die zu grün-. dende Internationale für ihre Partei als bindend zu betrachten. 0 . Die„aktive“ Politik des Cuno⸗Kabinetts. Reichsfinanzminister Dr. Hermes hat anläßlich g des? Abbruchs der Pariser Konferenz einem amerikanischen Journalisten ein Interview über das Wirtschaftschaos in Ver⸗ das europäische Deutschland sei bereit, alle Untersuchungen über den augenblicklichen Zu⸗ 5 28 2 0 —— — * — 5 * . Die Sängerin. 8 Novelle von Wilhelm Hauff. Ich hatte einige Schritte gegen das Fenster getan, er Ref mir nach, packte meinen Arm. Wer mir das Recht gibt? sprach er. Dein Vater, Täubchen, dein Vater. Ein teuf⸗ lisches Lachen tönte aus seinem Mund, der Schein der Kerze fiel auf ein Paar graue, stechende Augen, die mir zu bekannt waren. In demselben Moment war mir klar, wen ich vor mir hatte; ich wußte jetzt, daß sein Tod nur ein Blendwerk war, das er zu irgend einem Zweck erfunden hatte; die Verzweiflung gab mir übernatürliche Kraft, ich rang mich los, ich wollte ihm seine Maske abreißen. Ich lenne Euch Chevalier de Planto, rief ich, aber Ihr sollt den Gerichten Rechenschaft über mich geben müssen.— So weit sind wir noch nicht, Täubchen, sagte er, und in demselben Augenblick fühlte ich sein Eisen in meiner Brust, ich glaubte zu sterben.“ Der Doktor schauderte; es war heller Tag, und doch graute ihm, wie wenn man im Dunkeln von Gespenstern spricht. Er glaubte das heisere Lachen dieses Teufels zu hören, er glaubte hinter den Gardinen des Bettes die grauen, stechenden Augen dieses Ungeheuers glänzen zu sehen.„Sie glauben also,“ sagte er nach einer Weile,„daß der Chevalier nicht tot ist, daß es derselbe ist, der Sie ermorden wollte?“ g„Seine Stimme, sein Auge überzeugten mich; das Tuch, das ich Ihnen gestern gab, machte es mir zur Gewißheit. Die Anfangslettern seines Namens sind dort eingezeichnet.“ „Und geben Sie mir Vollmacht, für Sie zu handeln? Darf ich alles, was Sie mir sagten, selbst vor Gericht an⸗ geben?“ „Ich habe keine Wahl, alles! Aber nicht wahr, Doktor, Sie gehen zu Boloni und sagen ihm, was ich Ihnen sagte? Er wird Ihnen glauben, er kannte ja auch Seraphine.“ „Und darf ich nicht auch wissen,“ fuhr der Medizinalrat fort,„wie der Gesandte hieß, in dessen Haus Sie sich ver— bargen?“ „Warum nicht? Es war ein Baron Martino.“ „Wie?“ rief Lange in freudiger Bewegung.„Den Doren Martinow? Ist er nicht in.... schen Diensten?“ 0„Ja, kennen Sie ihn? Er war Gesandter des.... schen Hofes in Paris und nachher in Petersburg.“ „H. dann ist es ut, fehr gut,“ sagte der Medizmalrat und rieb sich freudig die Hände.„Ich kenne ihn, er ist seit gestern hier; er hat mich rufen lassen; er wohnt im Hotel de Portugal.“ l Eine Träne blinkte in dem Auge der Sängerin, und von frommen Empfindungen schien ihr Herz bewegt.„So mußte ein Mann,“ sagte sie,„den ich viel hundert Meilen entfernt glaubte hierher kommen, um die Wahrheit meiner Erzählung zu bekräftigen! Gehen Sie zu ihm; ach, daß auch Carlo zuhören könnte, wenn er Ihnen versichert, daß ich die Wahrheit sprach!“ „Er soll es, er soll mit mir, ich will es schon machen. Adieu, gutes Kind; seien Sie ganz ruhig, es muß Ihnen noch gut gehen auf Erden, und nehmen Sie die Mixtur recht fleißig, alle Stunden zwei Löffel voll!“ So sprach der Doktor und ging. Die Sängerin aber dankte ihm durch ihre freundlichen Blicke. Sie war ruhiger und heiter; es war, als habe sie eine große Last mit ihrem Geheimnis hin⸗ weggewälzt: sie sah vertrauensvoller in die Zukunft, denn ein gütiges Geschick schien sich des armen Mädchens zu er⸗ barmen. 8 Der Baron Martinow, dem Lange früher einmal einen wichtigen Dienst zu leisten Gelegenheit gehabt hatte, nahm ihn freundlich auf und gab ihm über die Sängerin Bianetti die genügendsten Aufschlüsse. Er bestätigte nicht nur beinahe wörtlich ihre Erzählung, sondern er brach auch in die lautesten Lobeserhebungen ihres Charakters aus; ja, er versprach, wohin er in dieser Stodt kommen würde, überall zu ihren Kunsten zu sprechen und die Gerüchte zu wider⸗ legen die üer ssie ündsumlauf waren. Er hat auch Wort ge⸗ halber lich seinem Ansehen und der edel— müt!, r sich der Italienerin annahm, schrieber ö daß die Gesinnungen des Pihlis ng weisen Tagen wie durch einen Zauberse lan ch Der Medizinalrat Lange aber stieg an jenem 2 Gesandten kam, aus der cleta Hotel d h einige Treppen höher, 5 en di rundfünfzig sollte der Kc pellm 0 dad vor der Tür still, um Atem Löpf en hatten ihn angegriffen. i dieter Tür in sein Ohr. Es sel 5 0 vin zu sein, denn er vernahm ein tiefes i 8 das aus der tiefsten Brust auf⸗ — zusteigen schien. Dann klangen wieder schreckliche französische und italienische Flüche dazwischen wie wenn Ungeduld dem Jammer Luft machen will, und ein heiseres Lachen der Ver⸗ zweiflung bildete wieder den Uebergang zu jenen tiefen Seuszern. Der Medizinalrat schauderte. Habe ich doch schon neulich etwas wie Wahnsinn an dem Maestro verspürt, dachte er, sollte er vollends übergeschnappt sein, oder ist er krank geworden aus Schmerz? Er hatte schon den Finger gekrümmt, um anzuklopfen, als sein Blick noch einmal auf die Nummer der Tür fiel; es war dreiundfünfzig. Wie ö hatte er sich doch so täuschen können; fast wäre er zu einem ganz fremden Menschen eingetreten. Unwillig über sich 1 selbst, ging er eine Tür weiter; hier war vierundfünfzig; hier lautete es auch ganz anders. Eine tiese, schöne Männer ⸗ stimme sang ein Lied, begleitet von dem Pianoforte; der Medizinalrat trat ein, es war jener junge Mann, den er gestern bei der Sängerin gesehen. 1 Im Zimmer lagen Notenblätter, Gitarre, Violinen, Saiten und anderer Musikbedarf umher, und mitten unter diesen Trümmern stand der Kapellmeister in einem weiten, schwarzen Schlafrock, eine rote Mütze auf dem Kopf und eine Notenrolle in der Hand; der Doktor hat nachher ge⸗ standen, es sei ihm bei seinem Anblick Marius auf den Trümmern von Karthago eingefallen. 8 f Der junge Mann schien sich seiner von gestern zu er- innern und empfing ihn beinahe finster; doch war er 19 artig, einen Stoß Notenblätter mit einem Ruck von einem Sessel auf den Boden zu werfen, um seinem Besuch Platz 3 anzubieten; er selbst stieg mit großen Schritten im Zimmer umher, und sein fliegender Schlafrock nahm geschickt den Staub von Tischen und Büchern. 7 Er ließ den Medizinalrat nicht zum Wort gelangen, er überschrie ihn.„Sie kommen von ihr?“ rief er.„Schämen 0 sich Ihre grauen Haare nicht, der Kuppler eines solchen Weibes zu werden? Ich will nichts mehr hören; ich habe mein Glück zu Grabe getragen, Sie sehen, ich traure un meine Seligkeit; ich habe meinen schworzen Schlafrock ann schon dies sollte Ihnen, wenn Sie sich entfernt auf Psycho. logie verstehen, ein Zeichen sein, daß ich jene Person für mich als gestorben ansehe. O Giuseppe, Giuseppe!“ „Wertester Herr Kapellmeister,“ unterbrach Doktor,„so hören Sie mich nur an—“ (Fortsetzung folgt.) * . ihn der a stand der deutschen Finanzen weitgehendst entgegenzu⸗ kommen und würde es am liebsten sehen, wenn es alle seine Bücher den Revisoren vorlegen, ihnen alle Fragen beant— worten und jede Erleichterung schaffen könnte, damit sie in der Lage sind, einen klaren und genauen Ueberblick über die — sich nicht dazu aufgescht Finanzlage zu gewinnen. Die ewigen Drohungen und Ultimaten hätten die Regierung in einen fortgesetzten Kon- flikt mit dem Lande gebracht. Dank der 1 8 Fehlschläge in dem Versuch der deut⸗ schen Regierung, Hilfe t finden und bank der schrecklichen wirt⸗ schaftlichen Lage, die jetzt den Rand des Abgrundes fast erreicht hat, erhebt, Ne Hermes mit besonderer Betonung aus, eine gefährliche Drohung in unserem Lande ihr Haupt, die aus allen Schichten der Bevöllexung von uns die Kündigung des Friedens⸗ vertrages verlangt. Wir sind weißgeblutet, und ein Teil des Volkes verlangt von uns, daß wix ede weitere Bezahlung ver⸗ weigern sollen. Wir haben den Krieg verloren, wir wollen nicht betrügen und nicht jammern und klagen. Aber man soll uns nicht ummlen, durch übermäßige Zahlungen Selbstmord zu begehen. Unser ehrlicher, guter Wille und unsere ernsten Anstrengungen, erfüllen, haben unser Elend vergrößert, 11 und Millionen und Abermilllonen Volksgenossen leiden an Entbehrung und Unter⸗ ernährung. Wir verlangen zweierlet: Eine Atempause und die definitive Gewißheit der Summe, die wir zahlen sollen und die sich innerhalb unserer Zahlungsfähigkeit halten muß. Keine deutsche Regierung kann unterzeichnen, was mehr verlangt, als Deulschland erfüllen kann. Die Annahme höherer Forder⸗ ungen würde ein Betrug sein.— Hermes wiederholte am Schluß, daß wir die Schuldner find, daß wir bankerott sind und daß wir bezahlen wollen.„Aber ich warne die Welt davor, dieser, ob⸗ gleich jetzt schwachen und müden Nation noch einmal einen Schlag ins Gesicht zu versetzen. Den wird sie sich nicht gefallen lassen. Erhält das deutsche Volk noch eine Ohrfeige, dann wird das ge⸗ quälte Volk vom Zorn übermannt werden, wird alle Hemmungen durchbrechen und sich jenseits der Kontrolle jeder Re— gierung stellen.“ Wir verkennen durchaus nicht den Ernst der Lage und wissen, daß es Deutsche gibt. die das denken, was Hermes am Schluß des Interviews gesagt hat. Wir sind aber der Meinung, daß ein verantwortlicher Reichsminister sich nicht zum Fürsprecher solcher wahnwitzigen Ideen machen darf. Oder ist das etwa die„aktive Politik“ des Kabinetts Cuno? Die feindlichen Brüder. 4 Der Konkurrenzkampf zwischen der neugegründeten Deutsch⸗ völkischen Freiheitspartei und den Deutschnationalen ist in vollem Gange. Der Häuptling der Deutschvölkischen Freiheitspartei, Herr Meinhold Wulle, hat die Führung dieses Kampfes für seine Ge— smmmgsgenossen übernommen und versucht jetzt in der Mecklen⸗ er Warte den ersten entscheibenden Schlag gegen die Deutsch⸗ nalen zu führen, indem er nachweist, warum er sich der Deutsch⸗ schen Freiheitspartei angeschlossen hat. Wulle betont zunächst, 15 er auf Grund seiner völklschen Gesinnung und Betätigung im l 1920 von der Deutschnationalen Volkspartet Potsdam 11 als Spltzenkanbidat für die Reichstagswahl aufgestellt wurde. Die Jude e, so betont er weiter, ist aber nicht allein der Inhalt völktse Politik, sondern nur deren selbstverständliche Voraus⸗ setzung. Diese Voraussetzung wird aber nach Wulle von der Deutschnationalen Volkspartei nicht erfüllt. Mit Schmerz stellt er fest, daß sich die Deutschgationale Fraktion des Reichstages einmal zwet Stunden lang darilber unterhalten habe, ob der Abgeordnete von Braun in einer Etatsrede das Wort Juden gebrauchen soll. Angesehene Führer der Deutschnationalen Volkspartei werden be⸗ schuldigt,„starke jldische Beziehungen“ zu haben, Helfferich lasse feine Biicher im jüdischen Ullstein⸗Verlag erscheinen, bediene sich jüdischer Rechtsanwälte und gelte als Freund des jüdischen Hansa⸗ bundes. Unendlich viele Deutschnationale stehen auf dem Stafud⸗ punkt, daß die Partei nichts gegen die Juden unternehmen darf, weil diese in England das Heft in der Hand haben und Deutsch⸗ land ohne Englands Hilfe nicht gerettet werden kann. Hergt habe sogar einmal gesagt, er wolle durchaus die anständigen Juden in der Partei haben. Die Herren Schultz⸗Bromberg, Behrens, Helfferich, Hugenberg und Hergt sollen jedesmal, wenn die Deutschvölk schen beantragten, die Juden aus der Partei auszuschließen, mit ihrem (Austritt gedroht haben, falls ein solcher Beschluß gefaßt werde. Wie die Deulschnationale Volkspartei nach Ansicht Mulles nicht bie erste Vorgussetzung jeder völkischen Politik erfüllt, so bestätigt 1 sich auch nicht im Wesen der völkischen Politik, das rücksichts⸗ losen Kampf gegen das ganze neudeutsche System fordert. Die Deutschnationale Volkspartei bezeichnet er als den rechten Flügel der Deutschen Volkspartei. Sie lebt nach einem Wort ihres Vor⸗ sitzenden Hergt nur von den Fehlern ihrer Gegner. In den Ver— sammlungen sagt sie zwar dem heutigen System schärfsten Kampf un, in Wirklichleit bewilligt sie aber jeden nachrevolutionären Etat, auch den Reparationsetat und tresbt so gewissermaßen von henten⸗ herum Erfüllungsyolitik. Wulle ist wütend darüber, daß die Partei wungen hat, zu dem Mittel der Oßstruktion zu greifen; die Arbeiten des Parlaments lahmzulegen und so Neu- wahlen herbeizuführen. Es hat ihm auch nicht gefallen. daß„unge⸗ fähr zur selben Stunde“, als Herr Hergt auf dem Görlitzer Partei⸗ tag“ den rlicksichtslosesten Kampf gegen Herrn Ebert und seine Amts- verlängerung“ ansagte, der deutschnotionale Vizenrässdent Dietrich dem Reichsprästdenten die Glückwünsche zu seiner Amtsverlängerung aussprach, g Soweit Herr Wulle, der den Kamyf gegen die Deutsch nationalen in eifriger Gemeinschaft mit dem berlichtigten Major Henning und Herrn Graese⸗Golbebee führt. Schon ruft das Auftreten dieser ehemals Deutschnationglen eifrigen Protest in deutschnatjonalen Par- teikreisen hervor. Herr Freiherr v. Freytag⸗Loripghonen fordert z. B. in der Deutschen Zeitung den entschiedenen Einspruch gegen die Kompfesweise der Wulle, Henning und Graefe, da ihre Arbeit zu einem„Juscanmenbruch der ganzen, in mühevoller Arbeit aufge- bauten, völklschen Bewegung führen“ könne. Zwar beschwert auch er sich über die schwankende Politik der deutschationglen Partei⸗ leitung, glaubt aber troßdem, daß diese Partei die richtige ist, um bie„übervartesliche“ völkische Bewegung zu beherbergen, und es folsch sel, daß sich belde Parteigruppen jetzt gegenseitig schmähen und als minderwertig herabsetzen. Die Augriffe des Herrn Wulle zelgen daß der Ruf von Frey⸗ tag⸗Loringhoven, sich gegenseitig nicht zu schmähen imd als minder— ö wertig herabzusetzen, zu spät kommt und die Auseinandersetzungen in pollem Gange sind. Dadurch beslätigt sich— um mit Freytag⸗ FVorkughoven zu reden— daß tatsächlich„Neid und polftische Dumm⸗ heit“ sowohl bei den Deutschnationalen, wie bei den Deulschvölki— schen vorherrschend sind. g Die„Opferwilligkeit“ der Industrie. Die Schwerindustrie hat noch in jeder kritischen Situation gezeigt, daß es mit ihrer„Opferfreudigkeit“ nicht weit her ist. Auch gegenwärtig nimmt sie zu den schwebenden Reparations⸗ fragen eine Haltung eln, die zu schweren Bedenken Anlaß gibt. Wie die Abstinenz ber deutschen Industrie im Auslande beurteilt wird, zeigt folgender Vericht des Schweizerischen Vankvereins, der sich u. a. mit der Stabilisterung der Reichsmark befaßt. In dem Bericht heißt es u. a.: „Damit die Stabflisierung der Mark gelingt, muß sie von ganz Deutschland gewünscht und unterstützt werden. Aber wenn sich auch auf der einen Seite Regierung, Bürgertum und andere Volksklassen der Notwendigkeit der Risckkehr zu einer gesunden Währung bewußt find, lle hat es andererseits den Anschein, als ob ein Teil der Industriellen gegenwärtig jeder Maßnahme zur Sta⸗ bilisterung feindlich gesinnt sei. Ihr hauptsächlichstes Argument besteht darin, daß die Stabilf⸗ sierung die Ausfuhr stillegen, Arbeitslosigkeit hervorrufen und so Anarchte und Hungersnot nach Deutschland bringen würde. Allerdings könnte ein Versuch, die Mark zu einem höheren Kurse als dem der Kaufkraft der Papiermark im Lande selbst zu stabllisieren, der deutschen Industrie zum Verhängnis werden. Niemand denkt aber an eine solche aussichtslose Maßnahme. Da— gegen steht sest, daß für die normale Entwicklung aller Indust rie⸗ zweige die Rlicklehr zu einem verhältnismäßig gleich bleibenden Wertmaß unerläßslsch ist. Daß die deutschen Industriellen, deren Guthaben in der Hauptsache in fremden Devisen und in Sachwerten bestehen, aus jeder Markentwertung Nutzen ziehen, da die Lohnsteigerxung ben Kursrückgängen nur zögernd solgt und dle, dank der Abneigung der Deutsschen gegen das eigene Geld gegenwärtig in Deutschland selbst einen beträchtlichen Abgang finden, daß also diese Erwerbs⸗ gruppe die heutigen Verhältnisse als in ihrem Interesse liegend begrüßten, ist leicht begreiflich, namentlich, wenn sie der Meinung find, hierin das Mittel gefunden zu haben, den Wiedergutmachun⸗ gen zu entgehen. Wenn diese Industriellen glauben follten, daß dieses mo⸗ mentane Interesse sich mit dem Deutschlands deckt, dann täuschen sie sich, denn ein Land von 60 Millionen Einwohnern kann ohne ein verläßliches Wertmaß nicht bestehen. Sollten sie liberdies im Glauben befangen sein, die anormale Konkurrenz, die sie den Industrien anderer Länder infolge der durch die Markentwertung sich ergebenen billigen Selbstkosten be⸗ reiten, sortführen zu können, so täuschen sie sich ebenfalls, denn Europa wird nicht mehr lange das Opfer eines solchen Dumping sein wollen.“ Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Geschichtskalender. 8. Jamliar. 1077 Heinrich IV. in Canossa. 1422 Sieg der Hussiten über Kalser Siegmund bel Deutschbrod in Böhmen. Galileo Galilei, Entdecker der Pendel⸗ und Fallgesetze, der Sonnenflecken usw., verfolgt von der Inquisition, in Arcetri bei Florenz gestorben. Der amevilanische Naturforscher Alfred Russel Wallace in Usk geboren. Aufstand in Göttingen, woran sich Studenten und Blürger be⸗ teiligten. Uebergabe von Port Arthur an die Japaner. — 1042 1822 1831 1905 Der neue Staatsvorauschlag. Der Staatsvoranschlag für das Jahr 1923 ist nunmehr zusammengestellt und bis auf einige Kapitel, bezüglich deren noch Verhandlungen schweben, dem Druck übergeben. Hier nach darf angenommen werden, daß der Voranschlag zu An— fang Februar dem Finanzausschuß des Landtags zugehen wird. Die Zahlen sind entsprechend dene gesunkenen Geld— wert gewaltig in die Höhe geschnellt. Der Gesamtbedarf für die laufende Verwaltung stellt sich auf 19½ Milliarden Mark, gegen 1,17 im Vorjahre. Diesem Ausgabebedarf stehen rund 19 Milliarden Mark Einnahmen gegenüber, sodaß sich ein Fehlbetrag von 680 Millionen Mark ergibt. Die Ausgabesumme bedeutet eine 250fache Steigerung des Vorkriegsbedarfs gegenüber einem inneren Geldent— wertungsfaktor von fast 1000. Bei dieser Betrachtung brauchte auch der budgetmaßige Fehlbetrag nicht zu er⸗ schrecken, wenn nicht immer wieder mit weiterer Geldent— wertung gerechnet werden müßte. N Die Einnahmen aus den Staatsgütern konnten gegen Vorjahr auf das 20fache, der Nettoüberschuß sogar auf das 27fache gesteigert werden. Dogegen konnten die Steuern nur mit dem 4sachen vorgesehen werden. Andere Ver- waltungseinnahmen konnten im günstigen Falle mit höch⸗ stens dem zehnfachen Betrage des vorhergehenden Vor- anschlages angesetzt werden. Der größte Teil der Einnahmen besteht aus dem Ersatz der Vesoldungserhöhungen durch das in Höhe von 10 Milliarden. Diese Kiffer beleuchtet esonders grell die zunehmende finanzielle Abhängigkeit der Länder(und der Gemeinden) vom Reich. Die Rechnungsobschlüsse bleiben(im Gegensatz zu früher) dauernd günstig. Wie in den drei vorausgegangenen Jahren, so schließt auch für 1923 die laufende Verwaltungs- rechnung nicht nur ohne Fehlbetrag, sondern mit einem kleinen Ueberschuß von rund 5) Millionen Mark ab. Ein⸗ nahme 814 429 741 Mk., Ausgabe 808 943 829 Mk.) Gegeurevolntionäre S hüler⸗Vereinigung in Hessen. Auf Grund der Gesetze zum Schutze des Republik sind vom Schulministerium alle gegenrevolutionären Schüler- vereinigungen aa den hessischen Schulen verboten worden, insbesondere auch die Beteiligung der Schüler am Deutsch⸗— völkischen Schutz- und Trutzbund und am Jungdeutschen Orden. Das hat den deutschnationalen Abgeordneten Werner und Kindt Anlaß zu einer Anfrage an die Regierung wegen des Verbots von„Vereinigungen zur Pflege des Deutschen Voltstums an den Schulen“ gegeben. Das Landesamt für das Vildungswesen hat hierauf dem Präsidenten des Land- tags eine Antwort zugehen lassen, in der es u. a. heißt: Es wörde.... zu keinem Verbot gekommen sein, wenn sich diese Vereinigungen darauf beschränkt hätten, in einem solchen idealen Sinne zu wirken. Indem diese Vereinig— ungen ber, abseits von diesen Zielen, mehr oder weniger Tendenzen in den Vordergrund stellten, die, im Sinne der Ziffer 5 der von dem Landtag ausdrücklich gebilligten Ver- ordnung des Gesamtministeriums vom 26. August 1922 über das Verhältnis der Schulen zum republikanischen Staat, sich zum Teil gegen den Staat und die geltende Staatsform richteten. zum Teil Glieder der deutschen Volksgemeinschaft ihres Abkommens und ihres Glaubens wegen bekämpfen, mußten wir die Beteiligung von Schülern und Schülerinnen an ihnen verbieten. Die Anfrage der Röogeordneten De. Wernes und Geunossen glaubt die verbotenen Lereinlgungen vergleichen zu könneg m parteipolitischen und konsessionellen Vereinigungen. Es wird torbei übersehen, daß Mireinigungen auf partzinelitischer Grund- lage, wie auch konfesstonelle Ver-insgungen an sich nicht verboten ind. Taß in den Schulen sitdssh⸗völtishe Vereinigungen bes stehen, auf die die Ziffer 5 der Verordnung vom 26. August 1922 zuträse, ist uns bis jetzt nicht ekangt geworben; soweit sie rein konsessionellen Charakter haben, können sie selhbstverständlich nicht verbolen werden, so weng wie bie protestantischen ader katholi— schen Jugendbewegungen. Wenn. sich u verbotenen Vereint das gungen lediglich auf Standpunkt des chrullcen vetenntussses gestellt hätten, würde der Ausschluß Andersgläubsger auch nicht zu beanstanden sein. Daß sie aber unter Voranstellung vatetländi⸗ scher Ziele und unter Betonung ihres nationalen Charakters einer ganzen Gruppe der deutschen Volksgenossen nicht nur ben Bei⸗ tritt verwehren, sondern auch die Jugend zu deren mißächtlichen Behandlung erziehen, macht sie zu einem störenden Element im Leben der Nation, dem Erwachsene gus eigener Verantwortung angehören mögen; Schülern und Schlllertnnen aber kann die Zu⸗ gehörigleit schon um deswtillen nicht gestattet werden, weil dlese Bestrebungen im offenen Witerstreit zu den Aufgaben stehen, die die deutsche Schule zur Erziehung der Jugend im staatsbilrger⸗ lichen Sinne und in der Pflege der Einhelt des beutschen Volls⸗ gebdanlens zu erfüllen hat. Im übrigen wollten wir bemerken, daß wir auch die Zugehörigkeit oon Schülern und Schülerinnen in nicht wahlsähigem Alter zu den Jugendgruppen der politischen Parteien pädagogisch nicht für vorteilhaft halten und uns mit dem Gedanken tragen, den Schülern und Schülerinnen die Zugehörigkeit zu den Jugendgruppen aller Parteien zu untersagen Die Frage soll jedoch erst im Reichsschulaus⸗ schuß erörtert werden. In den am 19. Juli von den Ver⸗ tretern der Länder beschlossenen„Richtlinien für die Mit⸗ wirkung der Schulen und Hochschulen zum Schutze der Republik“ heißt es: Unvereinbar mit dem Geiste staatsbürgerlicher Erziehung ist jede Breinflussung der Schüler in parteipolitischem Sinne, wie überhaupt die Fernhaltung der Parteipolltik von der Schule eine Selbstverständlichkeit ist. Dazu ist notwendig, daß die Schüler von Vereinigungen ausgeschlossen bleiben, deren Absichten den staatsbürgerlichen Aufgaben der Schule zuwiderlattfen. Die Schulverwaltungen werden daher dem Vexeinsleben der Schliler erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, insbesondere auch geeignete Maßnahmen zur Verhinderung derartiger Vereinigungen zu er⸗ greifen haben. Die gestellten Fragen beantworten wir wie folgt: Das Verbot des deutsch-völkischen Schutz- und Trutz⸗ bundes gründet sich auf die Auflösung dieses Bundes durch das Ministerium des Innern. Für das Verbot des Jungdeutschen Ordens ist das durch. die Presse bekannt gewordene preußische Material maß- gebend gewesen. Wenn dieses Material auch das Mini⸗ sterium des Innern nicht zu einer Auflösung der hessischen Ortsgruppen veranlassen konnte, so können wir doch eine Mitgliedschaft von Schülern und Schülerinnen bei dem überstaatlichen Charakter dieser Organisation und der damit verbundenen Gefahr, daß die in Preußen bekundeten Ge⸗ sinnungen auch Eingang in die hessischen Organisationen finden, nicht dulden. Dic übrigen Vereinigungen sind wegen ihrer bei verschiedenen Anlässen festgestellten antisemitischen und anderen der Verordnung vom 26. August 1922 wider⸗ sprechenden Bestrebungen(Lich. Laubach, Butzbach, Bens⸗ heim, Nidda) verboten worden. Wir sehen keine Veranlassung, die erfolgten Verbote wieder aufzuheben. Im Uebrigen verweisen wir auf das vorher Gesagte. Aus den städtischen Betrieben. Die Wasserver⸗ sorgung läßt in unserer Stadt nichts zu wünschen übrig. Wir haben reichlich Wasser, selbst in den sehr trockenen Monaten, die in den letzten Jahren zu verzeichnen waren, wo in vielen Orten Wassermangel eintrat, versorgten uns unsere Queckborner Quellen ausreichend. Es konnte sogar an den Nachbarort Wiseck noch abgegeben werden. Ein Glück, daß noch kurz vor dem Kriege eine neue Leitung ge- legt wurde, wodurch die Wasserversorgung auf viele Jahre hinaus sichergestellt wird. Unser Leitungswasser ist auch von guter Qualität, was durch regelmäßige analgtische Untersuchungen festgestellt wird. Im ganzen förderten die Quellen in Oueckborn 2 736 600 Kubikmeter Wasser, wobei 156 600 Kubikmeter Zulauf aus den Stollenanlagen mit ein⸗ gerechnet sind. Die Länge des Gesamtrohrnetzes beträgt 103 794 Meter, davon entfallen auf das Ortsnetz in Gießen 52 139 Meter, auf das in Queckborn, welcher Ort mit ver⸗ sorgt werden muß, 8020 Meter. Die Zubringerleitung um⸗ faßt 48636 Meter. Größter Durchmesser der Leitung ist 400 Millimeter, geringster 80 Millimeter. In der Stadt sind 2750 Wassermesser aufgestellt.— Die höchste Tages⸗ abgabe an Wasser wurde am 2. Juni 1922 erreicht mit 9861 Kubikmeter, am geringsten war sie am 17. September mit 4532 Kubikmeter. Das Wasserwerk rechnet im vergangenen Jahre mit einem Ueberschuß von ungefähr fünfviertel Mil- lionen Mark, es erhält sich also selber, was auch verlangt. werden muß. —„Offener Brief an Professor Dr. Schian“. Ver⸗ fasser des in Nr. 2 und 3 unseres Blattes zum Abdruck ge- brachten„offenen Briefes“ ist natürlich Prof Otto Weiß gerber dessen Namensunterschrift versehentlich wegge⸗ geblieben ist. Doch dürfte ein Zweifel über die Verfasserschaft bei unsern Lesern kaum bestanden haben, da wir kurz vorher Veröffentlichungen über die gleiche Angelegenheit von Weiß gerber brachten.. — Oberhessisches Museum und Gail'sche Sammlungen. Die vorgeschichlliche Abteilung ist Herrn Architekt Klein in Treis an der Lumda zu Dank verpflichtet für gütigen Hinweis auf neuere Funde diluvlaler Tierknochen in einem Quarzitbruch am Todten⸗ berg, der schon früher als Fundstelle bekannt war. Vor allem aher ist, um ihrer siedlungsgeschicktlichen Bedeutung willen, wichtig die ebenfalls Herrn Klein verdankte Mittelluna von Scherbenfunden an der slͤdlichen« Taloberkante der Lumda„im Rohr“. nahe dem Wasserbehälter; eine Vesichtigung der Stelle ergab. was schon die Art der Scherben vermuten ließ, daß hier eine vorgeschichtlsche. vielleicht steinzeitliche Wohrstätte festgestellt kst. Eine Ausgrabung. die sich auch auf die im nahen Wald gelegenen Hünengräber zu erstrecken hätte, für die aber dem Museum zur Zeit keine Mittel zur Verfügung stehen. ließe wissenschaftliche Ergebnisse erhoffen. die nicht nur für die Vorzeit des Lumdalgles von Bedeutung wären.— Steinzeitliche Scherben werden auch dem schon mehrfach bewährten Interesse und der Findigkeit des derrn Pein in Nieder⸗Bessingen verdankt: durch sie ist auf den„Fuß⸗ äckern“ eine Siedlung nachgewiesen, die auf das um 3000 vor Chr. Geb. von den unteren Donauländern aus Mitteleuropa über⸗ schwemmende Volk ber sogenannten„Vandkeramiter“ zurilckgebt: es ist die dem Vogelsberg nächstgelegene Wohnstätte diefer Kultur. die bisher bekannt geworden ist.— Wenn überall mit gleicher Sorgfalt auf die oft unscheinbaren Bodenfunde geachtet würde. wären ungeahnte Aufschlüsse über die Vorgeschichte Oberbessens zu erwarten.— Der freundlichen Vermittlung des Herrn 1 wird auch das hoch anzuerkennende Geschenk des Herrn Jakob Junker in Min ster verdankt, der einen so gut wie sicher aus der Umoebung von Geilshausen stammenden kleinen romauf⸗ schen Bronzekruzisxus als äußerst willkommene Bereicherung der kirchlichen Abteilung des Museums überwiesen.— Ueber weitere daukenswerte Gescheute. durch die auch die üb rigen Abteflungen ev⸗ 5 kreulich bereichert wurden. wird f. St. im ausführlichen Museums⸗ berricht Rechenschaft gegeben werden.—. Für die im Manuskript . dahezu sertiggestellte„Vorgeschichte Oberhessens“ hat die Firma Staffel in Oberschmitten durch Vermittlung von Herrn Dr. Kraft in Nidda das gesamte Druckpapier im Wert von mehreren Hunderttausend Mark in hochherziger Weise unentgelt⸗ zich geliefert: hoffentlich wird auch die Finanzierung des Druckes selbst baldigst sich ermöglichen lassen. Ein ungenannter Gönner in Alsfeld überwies als Beitrag zu den Kosten der Bildaus⸗ stattung des Buches(Herstellung eines Planes der Ringwall⸗ anlagen auf dem Gänsberg bei Altenburg) den Betrag von 2000 Mark.— Wie schon bekannt, ist das Museum im Dezember bon einem bedauerlichen Einbruchsdiebstahl heimgesucht worden, neben einigen anderen Gegenstände ein Teil der einziggartigen N sammlung zum Spfer gefallen ist; glücklicherweise waren die übrigen, der Zuständigkeit der Divektion unterliegenden Gegenstände von bedeutenderem Materlalwert, namentlich die Münzen schon längst aus der Schausammlung entsernt w. In Anerkennung der hervorragenden wissenschaftlichen Bedeutung der vorgeschichtlichen Abteilung des Museums wurde am Winckel⸗ mannstag(15. Dezember) der Direktor, bisher korrespondieren⸗ des Mitalied, zum ordentlichen Mitglied dez deutschen archäolo⸗ gischen Instituts ernannt. Dr. K. Brotgröße und Verdaulichkeit. Die ständig zunehmende Teue⸗ wung aller Nahrungsmittel läßt vor allem die Frage in den Vorder⸗ grund treten, auf welche Weise man den größten Sättigungswert einer Nahwug erzielt. Ueber die Verdaulichkeit des Brotes sind bisher allerdings, und zwar namentlich von Rübner, Untersuchungen 1 ungestellt worden, die ergaben, daß die Ausnützung der verschiedenen 0 Brote hauptfächlich durch ihren Gehalt an Kleie bestimmt wird. Kleieresches Brot enthält mehr Stickstoff und besitzt einen größeren Brenmwert als kleiearmes Brot. Da es indes vom Körper weniger gut ausgenützt werden kann, als die feinen, kleiearmen Mehle, so erhöht sich dennoch der Nährwert der feinen Mehle den kleiereichen g a gegenüber. In jüngster Zeit sind nun, wie die Münchener Medizin. 1 5 berichtet, neue Untersuchungen vorgenommen worden, um die Ausnützung des Brotes durch den Verdauungsapparat fest⸗ zustellen; dabei hat man zunächft beobachtet, wie lange die Verdau⸗ . ung sich bei den verschiedenen Brotsorten hinzieht, da ja der Sättig⸗ . ungswert einer Nahrung von der jeweiligen Dauer des Verdauungs⸗ 7 worganges abhängt. Sobald der Magen leer, d. h. die Verdauumg ) vollzogen ist, verspürren wir Hunger, und dieser Erscheimmg sind auch, wie man weiß, die Eßgewohnhekten aller Völker insofern an⸗ 75 gepaßt, als man es tunlichst vermeidet, völlige Magenleere eintreten lassen. Die neuen Untersuchungen von Kestner, John und Kleinen⸗ 8 deigten nun, daß Roggen⸗ und Weizenbrot sowie Brot aus ö weißen Mehl, was ihren Sättigungswert betrifft, keine be⸗ — Unterschiede aufwessen Ein großer Unterschied hat sich Dagegen nach der Backart der verschiedenen Brotsorten wahr⸗ nehmen lassen: Brot in Form kleiner Rundstücke, also Brötchen⸗ „verweilt länger im Magen als Brot in Form größerer Laibe. ergibt sich also, daß in kleinerer Form gebackenes Brot 8 einen weitaus größeren Sättigungswert besitzt als ein großer Laib 1 aus demselben Teig. Diese Erscheinung ließ sich bei allen Brotsorten beobachten.— Verhältnismäßig lange im Magen hält sich auch ge⸗ a röstetes Brot. Bei den Untersuchungen wurde auch festgestellt, daß 5 beim Rösten Stoffe gebildet wurden, die ähnlich wie der Fleisch⸗ extruft eine Magensaftsekretion erzeugen. Im Hinblick auf den 15 Sitttigungswert des Brotes ist es sonach vorteilhafter, es in kleinen 95 Formen zu backen als in der gleichwohl fast allgemein üblichen Form N großer Laibe oder es auch zu rösten. ö— Der Fidibus. Das Streichholz ist ein Wertobjekt gewor⸗ 5 den. Früher ärgerte man sich wohl über diejenigen Streichhölzer, 5 die nicht zünden wollten, heute nimmt man aben auch an denen Anstoß— moegen des verhältnismäßig hohen Preises—, die man notwendigerweise benutzen muß, um Feuer zu machen, die Lampe zußünden und— die Pfeife in Brand zu setzen. Gerade der ifenraucher kensumiert eine Menge Streichhölzer, sofern er t im glülichen Besitz eines Benzinseuerzeuges ist, das aber auch oft seine Mucken hat. Ift man nun zu Hause, so kann man sich mit dem Fidibus helfen. Papier ist zwar auch eine Kostbar⸗ keit geworden, aber in den Winkeln sindet sich doch noch so manches alte Stück, das man zu dem Zweck verwenden kann. Ge⸗ 5 doch zu dem gedachten Feuerspendern so wenig Material! 5 enn also der Ofen oder die Kochmaschine Glut hat, soll man sich die Mühe nicht verdrießen lassen und sich dort die Flamme holen, 5 um die geltebte Pfeife in Brand zu stecken. Es handelt sich um * e Kleinigkeit— gewiß, aber das Bowußtsein, bas seinige um den Raubzug auf die Taschen der Verbraucher abzu⸗ zu ö„ift auch etwas wert. Früher ließen die Schriststeller e. junge Mädchen sich um den Fidibus bemühen; heute fehlen sie, da sie in den Bureaus ihren Lebensunterhalt ver⸗ Eienen mitssen. Die Dichter sind dann mit der Zeit sortgegangen und haben in ihren Romanen aus dem sernen Westen den elektri- Verbrauch an Elektrizität wird auf das notwendigste be— f e Zigarrenanzünder beschrieben. Heute fehlt die Zigarre, und 15 schränkt. Also: es lebe der Fidibus! — Ausgrabungen der frawösischen Soldatenleichen auf dem] Wes Seit einiger Zeit werden die Ueberreste der Gießener Friedhofe. im hiesigen Gefangenenlager verstorbenen Soldaten Leichen von den im ausgegraben und nach ihrer Heimat transportiert. Das ist eine um⸗ ständliche und für die damit Beauftragten keine angenehme Arbeit. Von hliesigen Arbeitern wird die Erde bis auf die Särge ausge⸗ hoben, diese selbst werden aber dann von französischen Arbeitern unter Aufsicht sorgfältig verpackt und bezeichnet. Jeder Vernünftige wird wohl der Ansicht sein, daß es besser wäre, die Leichen oder richtiger gesagt die Knochen und Reste in der Erde ruhen zu lassen als sie in der Welt umher zu schleifen. Den Angehörigen der Toten tut man damit sicher keinen Gefallen und den Toten selber noch weniger. Und dabei können durch den Unfug noch Menschenleben gefährdet werden. Welch ein Wahnsinn! Da leiden Lebende bittere Not; hier aber werden hohe Aufwendungen gemacht, um Leichen⸗ reste spazieren zu fahren! 4 — Lumda. Das 5jährige Söhnchen eines hiesigen Land⸗ wirts, das mit anderen Kindern am Bache spielte. fiel in das Wasser und ertrank. — Trohe. Wie mim bereits seit 3 Jahren, so veranstaltete auch dieses Jahr die hiesige Schule eine Weihnachtsfeier für die ganze Gemeinde. Möge die Einrichtung zum Segen der Gemeinde wei⸗ terhin bestehen bleiben. 8 85 — Ettingshausen. In der Neufahrsnacht verübte hier der 25jährige Arthur Schneider Selbstmond durch Erschießen in der Nähe des Dorfes. Welche Gründen den fungen Mann zu der Tat veranlaßten, ist nicht bekannt; man vermutet, daß er in einem Anfall von Trübsinn handelte. 2 s. Rödgen. Unsere beiden Gesangvereine hielten über die Feiertage, weg ihre diesjährigen Abendunterhaltungen. Der Ver⸗ ein„Concordia“ bei Wirt Wagner spielte„Hans Huckebein, der Unglücksrabe“; der Verein„Eintracht bei Wirt Balße„Die Wasssen nieder“, nach dem gleichnamigen Roman von Bertha v. Suttner. Alle beiden Vereine leisteten als Dilettanten Her⸗ vorragendes.—. Einem hiestgen Einwohner(Straßenwärter) wurden einer verschlossenen Schublade 130 000 Mk. gestohsen, Summe er zur Aufbewahrung erhalten hatte. Von Nah und Fern. Frankfurt a. M. 5. Jan. Neuer Millionenein bruch. In der letzten Nacht brachen Diebe in die Universitätsdrogerie ein und raubten aus ihr Drogen. Weine und Schreibmaschinen im Werte von mehreren Millionen Mark. Der Einbruch wurde von Nachbarn beobachtet die der Sache aber— keine Bedeutung bei⸗ maßen. che a. M. 5. Jan. Die Kindervergiftungen. Das Gericht hat die beiden vor einer Woche bei einer angeblichen Leuchtgasvergiftung ums Leben gekommenenen Kinder des Gudat'⸗ schen Ehepaares in der Kafsseegasse zur Beerdigung freigegeben. Ueber das gerschtsärztliche Ergebnis der Leichenuntersuchung ver⸗ lautet noch nichts. Frankfurt a. M. 5. Jan. Die Gehälter der kauf⸗ männischen Angestellten. Die verschiedenen Verhand⸗ lungen vor dem Schlichtungsausschuß über die Dezembergehälter der kaufmännischen Angestellten haben zu keinem Ergebnis geführt, da die Arbeitgeber sich zur Zahlung der Zulage von 80 Prozent iber den Novembergehältern weigerten. Die Angestellten haben sich nun mit den von den Arbeitgebern festgesetzten Sätzen, die unter denen des Schlichtungsausschusses liegen, zufrieden erklärt. Höchst a. M. 5. Jan. 60 Jahre Farbwerke. Am 12. Januar blicken die Höchster Farbwerke, vorm. Meister. Lucius u. Brüning auf ein 60 jähriges Bestehen zurück. Eberstadt b. Dst., 5. Jan. Schwer verletzt wurde gestern nachmittag in der Flligischen Papierfabrik ein Arbeiter. Derselbe kam in eine Maschine und wurde ihm der rechte Arm buchstäblich ab⸗ gerissen. Der Schwerverletzte kam nach Darmstadt in das städtische Krankenhaus. Alzey, 5. Januar. Der Kreisausschuß nahm einstimmig solgende Entschließung an: Der Kreistag des Kreises Alzey weist alle Versuche, die Rheinlande von dem deutschen Vaterlande und von den Brüdern rechts des Rheins zu trennen, weit von sich. Der Kreistag weiß sich hierin eins mit der gesamten Bevölkerung des Kreises, die keinen Verräter kennt, die deutsch fühlt, deutsch denkt und auch deutsch sterben will. „Raubmörder“ im Bergbau. Zu einer Gefahrenquelle die man in frliherer Zeit im Bergbau nicht kannte, sind die in den letzten Jahren immer mehr zunehmenden Diebstähle geworden. In der sozialistischen Duisburger Volsstimme(Nr. 2191) schreibt ein alter Bergmann, daß heute sogar Kupfer⸗ und Messingteile(Hähne usw.) in Sicherheits⸗ umd Retlungsanlagen im Bergwerke sehr häufig ge⸗ stohlen werden. Wenn man bedenke, daß infolgedessen diese Anlagen (3. B. Berieselungs⸗ und Luftzuführungsanlagen) plötzlich außer Betrieb gesetzt werden können und daß damit den Unglücksfällen der aus welche mitgete F feheb den wende, U A es berchet went Weigl reibe 5 15 die nicht einmal die Rücksicht auf das . e 5 e eee, müsse im 95 — ů— der Sen„Viktor sa Mathias“ sind. eines Franzäsische Beschlagnah mungen. Die französtsche Besatzungsbehörde hat in Dietz a. d. L 20 beschlagnahmt. die bis 3 noch weiter sehr erheblich größer wird ist klar. 2 Der neue Regierungspräsident.. Der Provingial⸗Ausscharß von Hessen⸗Cassel hat mit 7 gegen 6 Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen der Wahl des ehemaligen preußischen Kultusministers Konrad Haenisch zum Regie rungspräsi⸗ denten in Wiesbaden zugestimmt. 5 i Entsetzliches Elend. g Dem Verhungern nabe waren die hinterlassenen Kinder eimer kürzlich verstorbenen 74 Jahre alten Kaufmamnswitwe in der Dornblüthstraße in Dresden. Man fand gänzlich abgemagert im Vett liegend vor. Der 42 Jahre alte und eine 40 Jahre alte Tochter waren geistesgestört. Eine 38 Jahre alte Tochter trug sich mit der Absicht. in ihrer Verzweiflung über die be⸗ dräugte Lage der Familie durch Oeffnen der Pulsader freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Auf Anordnung des S wur⸗ den die ersteren beiden in der Heil⸗ und Pflegeanstalt unterge⸗ bracht, während man das lebensmüde Fräulein auf dessen Bitten in der Wohnung beließ. Die Mutter hatte bis zu ihrem Tode für ihre drei Kinder die allernotwendigste Nahrung noch be⸗ schaffen können. Dann aber war die entsetzliche Not über die Hinte rlassenen hereingebrochen. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. g Verhandlung vom 4. Januar. In der Lohnstreitsache des Zentralverbandes der Bäcker und der Bäckerinnungen Gießen und Bad⸗Nauheim er⸗ ging folgender Schiedsspruch: Vom 15. Januar 1923 an gelten folgende Mindestwochenlöhne: Schießer Mk. 14 400.—(statt bis⸗ her, seit dem 11. 12. 22 Mk. 9000.—), Teigmacher Mk. 13 400.— (8400.—), Letztgehilsen Mk 12 400.—(7300.—). Für— von Kost und Wohnung können von diesen Beträgen wö Mk. 6700.—(4200.—) abgezogen werden. Für Bad⸗Nauheim ist der Schiedsspruch auf Grund tarifpertraglicher Bestimmung bin⸗ dend. Für Gießen erhielten die Streitteile Enklärungsfrist bis zum 8. 1. 23, mittags 12 Uhr.. Dem Sägewerksbesitzer Wilhelm Kessler in An ner od gab der Schlichtungs⸗Ausschuß die tarifliche Entlohnung feiner Arbeiter ab 2. 1. 23 auf. Dem Sägewerksobmann des Römerbrunnens bei Echzell verwies er mit seinem Einspruch gegen Kündigung auf den Rechtswyg, schlua aber vor die Kündigung als Ankündigung der Arbeitsstreckung gelten zn lassen. 9 In der Verhandlung über den Einspruch eines Arbeiters der Ohmtalbafaltwerke bei Ortenberg gegen Kündigung machte der Arbeitgeben geltend. daß der And ragsteller nach dem Ablauf der eintägigen Kündigung einen wichtigem Grund zur frist⸗ losen Entlassung gegeben habe und beantragte die Aussetzung des Schlichtungsversahrens bis zur Entscheidung des Gerichtes über die Berechtigung zur fristlosen Entlassung. Der Schlichtungs⸗Aus⸗ schuß entsprach dem Aussetzungsantrag und gab dem Arbeitgeber auf, innerhalb 4 Wochen die Erhebung der Feststellungsklage nachzuweisen.. a Dem Einspruch eines Posthelfers beim Postamt Bab⸗ Nauheim gegen Kündiouma gab der Schlichtungs⸗Ausschuß mit Rlicksicht auf die würtschaftliche Lage der Post nicht statt sprach se⸗ doch wegen des Alters des Antragstellers und wegen seiner lang⸗ jährigen Tätigkeit im Postdienst die Erwartung aus, daß er Ablauf der Kündigung bei Bedarf in erster Linie nächst den Schwerkriegsbeschädigten, wieder beschäftigt wird. ö Eine weitere Kündigungssache wurde vertagt. tragen alle Berufe.— (Versand an Wieder- Verlangen Sie sofort] Bernhard Preller, Klel. 5 1 0 Tuche, Serge, Molton, Drelle, lackests, Hosen, Arbeits- und Unter zeug] erkäufer und Private). 1135 Preisliste. 5 1 H. eue „Große Koalition“ Und Sozialdemokratie Der Verfasser behandelt die Frage nach der„Großen Koali⸗ tion“ eingehend und für jeder⸗ mann verständlich und kommt zu einem Ergebnis, das zu wissen für einen Politiker un⸗ entbehrlich ist.— Preis 25 Mk. Johanne Reize: Daß Recht der Frau Die Sozialdemokratie im Kampfe um die wirtschaft⸗ liche und sosiale Stellung der Frau. Preis 30.— Mk. „ zu beziehen durch die Achhandl. Oberhessische Volkszeitung 3 ————Ud 2 Einfach möbl. Simmer Nüdchen gesucht. 5 5 Offerten unter Nr. 1148 an können abends nähen Die Oberd. Volksstg. erbet. lernen. Walltorstr. 38 1. — 5 3 n Wir veranstalten auch dieses Jahr wieder eine„Weiße Woche“ Montag, den 8. Januar 1923 Durch frühzeitige Großeinkäufe ist es uns möglich geworden, Hochwertige Waren zu mäzigen preilen zum Verkauf zu stellen. Der in einem 34jährigen Bestehen begründete Ruf unserer Firma bürgt für die Güte licher angebotenen Waren. Da bei der vorjährigen gleichen Veranstaltung unser Haus wegen Ueberfüllung zeitweise geschlossen werden haben wir in diesem Jahre die angebotene Ware rationiert, um auch denjenigen unserer Kunden, die am ersten Tage nicht kommen können, Gelegenheit zu günstigem Einkauf Wir bitten außerdem darum, die Einkäufe mög⸗ zu geben. lichst schon in den Vormittagsstunden vorzunehmen. ——U——ĩ a 88 Walchelabrik und Husltattungshaus Zahlen freibleibend! 3 7 Brillanten pr. Karat, grosse Steine bis 1400 000.— Mark! Ferner für: 1 bold. Platin, Silber. Münzen, Zahngebisse Double, Uhren, Ketten, Ringe, Bestecke, Brennstifte höchste Preis el Kommen Sie zuletzt zu uns, Sle werden dann Überzeugt zeln, dass unsere Preisangebote alle anderen Ankaufe- Preise 5 überbieten!* dalchentade fol z ausbung 46- bissen-Mäusdur l ö f Raelle Bedienung! 0 W 3 sämt⸗ Funzuuasav ssolus sou mußte, Re 3 EN 1 1 1849 Tel. 1149 1549 N dN eee