ion: Gießen Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Vb foseitung Spedition: Gießen Bahnhoffraße 22 Ferusprecher 2008. 1730 N die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden W. ittag in Gießen 5 5 9 9 1105 97 c„Das Biag bes er n 05 8 ee enwalssbck N monatlich 5500.— Mk. einschl. Bringerlohn. a Vergntwortlicher Redakteur F. Vetters. 93 Jür den Inseralenteil verantwortlich: R. Strohwig. 8 191 1 0 von F aber& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(8 mm breit) oder dereu Raum lokal 60.— Mk, auswärts Mk, die Reklamemillimeterzeile 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. — 9 4 k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220M Nr. 127 95 9 Gießen, Donnerstag, den 7. Juni 1923 Der Münchener Hochverrats⸗Progef. Nationale Hohverriter als Sölplinge der Franzosen. Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Neithardt b 8 t bega n Montag vor dem Münchener Volksgericht der eee ogeß gegen Fuchs⸗Machhaus und Genosssen. Die luklage führt Staatsanwalt Kellner. Unter den Beisttzern befindet ih auch der Landesgerichtsrat Haß, der bekannte Vorsitzende aus n Prozessen gegen Leoprechting und Fechenbach. Kurz vor Er⸗ Ifnung der Verhandlungen wird bekannt, daß sich der 24jährige auptangeklagte Machhaus in der Nacht zum Sonntag auf Mon⸗ 19 in seiner Zelle erhängt hat. Es ist somit nach dem früher 6 folgten Selbstmorde des Rechtsrates Dr. Kühls der zweite, der 9 seinen irdischen Richtern entzogen hat. Angeklagt sind außer u 2 Haupttätern Fuchs und Machhaus der tschechische Staats⸗ rger Munk, der 27jährige Kaufmann Berger und zwei Brüder gutermann. Als Zeugen sind vorläufig 28 Personen geladen, runter als Hauptzeugen 4 ehemalige Offiziere, die heute als iter von sogenannten„Vaterländischen Organisationen“ bekannt 15 3 an der Aufdeckung der Verschwörung den Hauptanteil Die Verhandlung begann mit der Verlesung der Anklageschrift urch den Staatsanwalt. Daraus geht hervor, daß die Umtriebe und Machhaus bereits im Sommer 1920 begonnen haben d im November bezw. Dezember v. Is. lebhafter fortgesetzt urden, um mit Beginn der Ruhraktion ihren Höhepunkt zu er⸗ chen. Zweck der Bewegung war, einen Umsturz in München mit Im Ziel herbeizuführen, Süddeutschland dauernd vom Reiche zu trennen, die Schaffung einer Monarchie nebensächlich und ein 1 an die bayerische Volks⸗ msturz 8 chen Regentschafts⸗ dates in Aussicht genommen. Richert, der französische Gene⸗ 4 soffizier und Sendbote der französischen Regierung, kam auf nchen, bei dem persönlich anwesend daß der Um⸗ f sonderes ach imsturz, der in diesen Tagen erfolgen sollte, 1 3 aarbrüchen unternommen ha Funk bestand darin, daß er ohlen⸗Importgesellschast“. teil hat, eine Verbindung mit hren sollte, um deren Hilfe für den Umsturz zu sichern. brigen Angeklagten hatten die besondere Aufgabe, bei einfluß⸗ beichen Leuten bewaffneter Geheimorganisationen deren Mithilfe In Umsturz zu sichern.. 45 Nach der Verlesung der Anklage beantragte der Verteidiger s Fuchs, Graf Pestalozza, Aussetzung der Verhandlung gegen Juchs, da das Volksgericht nicht zuständig sei für Hochverratsver⸗ 1 die sich gegen das Reich richten. Das Verfahren gegen ö dem Staatsgerichtshof eingeleitet werden. Das zuchs müsse vor ö ö ese urzer Beratung, dem Antrag keine ae de 1 Verhör des Hauptangeklagten 8 Hierauf begann das s He las b 155 15sec 5 Lebenslauf eine vollständig unpolitische fle sönlichkeit nannte, da er nach Vorbildung und Können nur auf imstlerischem und literarischem Gebiet tätig gewesen sei, und zwar, sie er behauptet, mit größerem Erfolge. Seine fetzige politische etätigung sei ausschließlich von der Auffassung ausgegangen, daß rote Gefahr von Mitteldeutschland und die offtziellen Machen⸗ haften von Moskau den Untergang Deutschlands herbeiführen bürden. Deswegen habe er den Plan verfolgt, ber die bayerische Reichswehr die bewaffnete bayerische Geheim⸗ 5 organisation 1 3 6 n diese rote Gefahr vollständig gefeit zu sein. Ole siiraghe der e gegen eine solche Betätigung der Reichs⸗ ehr sollte eben durch die Verhandlungen 1 e herden. Richert war auch befriedigt von en 5 10 15 5 behauptete, daß er sie dem Reichs wehr⸗ a 1 chemaligen General im Reichswehr⸗ 1 f ine aus⸗ mmat II München eingehend vorgetragen und se 5 1 bee en habe. In seiner Verteidigung be⸗ lauptet der Angeklagte ferner, daß er damals 115 mit dem Kronprinzen Rupprecht in intimen. e and i sicht ändig orientiert gewesen sei. ind über dessen nsichten vollstän 1 1 ich 21 1 der Betätigung Ludendorffs ö e e Rupprech gegenübergestanden. Fuchs gesteht, vom Juli 1922 1 1 2 ir seine Zwe 1 Millionen Mark für sei en Hauptteil hiervon hat Richert geliefert. Den ersten Scheck von t will er„im Auftrage eines Deutsch Etwa 85 Millionen soll Mach hau . N ör des Angeklagten ng wurde das e 10 hun hner, dem iwelstbenten, deten fehr gute gewesen des Bolschewismus. bekannt gemacht. gewesen. In der einmal zusammen mt 1 ehehtaligen Ueber feine Be⸗ chischen Bun! 1 von C Vertrauten des a verweigerte der Angeklagte die Auskunft. . 7 Entspannung? Mit Rücksicht auf die am Mittwoch in Brlilssel beginnenden Ver⸗ handlungen zwischen der französischen und belgischen Regierung wird das Ergänzungsangebot der Reichsregierung zu der letzten deutschen Note an die alliierten Mächte erst am Donnerstag übereicht. Die Note stimmt inhaltlich mit dem überein, was wir be⸗ reits mitgeteilt haben. Darüber hinaus vermeidet sie jede polemische Form und schließt die Behandlung aller politischen Streitfragen aus. Dennoch aber hat in erster Linie die Reichsregierung für den Inhalt der neuen Note die N Verantwortung zu tragen. Sie hat sich bei ihrer endgültigen Formulierung von Informationen aus englischer Quelle leiten lassen, deren Richtigkeit sich 1 der Veröffentlichung des Ergänzungsangebots bald erweisen wird. 5 Die Sozialdemokratie wünscht nichts mehr und nichts weniger, als daß die Ergänzungen der Reichs regie rung zu dem ersten Angebot zu einem Kontakt führen, der schließlich Verhandlungen ermöglicht. Die allgemeine politische Lage in Europa schließt eine derartige Möglichkeit nicht von vornherein aus. Auch auf der Gegenseite ist seit dem 11. Januar infolge der katastrophalen Auswirkungen des Ruhrabenteuers die Neigung zu Verhandlungen und zur Beendigung des Ruhrkonfliktes nicht geringer, sondern größer geworden. Das trifft insbesondere auf die belgische Regierung zu, die von den Wirt⸗ schaftskreisen ihres Landes fortgesetzt zu einem baldigen friedlichen Abschluß des Ruhrabenteuers getrieben wird. Die in Brüssel be⸗ ginnenden Verhandlungen sind ein Erfolg dieses Drängens. Die allgemeine Einsicht, die sich auf wirtschaftliche Notwendigkeiten stützt, scheint der neue englische Premierminister ausnutzen zu wollen, um vor der Welt sein erstes diplomatisches Meisterstück abzulegen. Schon seit mehreren Tagen unterhält sich sowohl die Londoner wie die Pariser Presse über kommende Besprechungen zwischen der englischen und französischen Regierung, die auf englischer Seite von Baldwin geführt werden sollen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sehr bald der Tag kommen, an dem der neue Premier Englands in Europa als Vermittler im Ruhrkonflikt genannt wird. Das Ziel seiner Außenpolitik läuft vorläufig darauf hinaus, eine internationale Reparationskonferenz zustande zu bringen, an der auch Deutschland beteiligt ist. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß diese Zusammenkunft stattfindet, bevor nicht eine Einigung unter den Alliierten erzielt ist. Dasc auch diese Einigung marschiert, ist aus übereinstimmenden Brüsseler und Londoner Mel⸗ dungen der letzten Tage zu schließen. Baldwin dürfte es deshalb zunächst als seine Hauptaufgabe betrachten, die Einigung unter den Alliierten herzustellen, der dann die gemeinsame Konferenz mit Deutschland folgt. Zweifellos trägt diese Entwicklung für Deutschland Gefahren in sich. Insolge der erfolgten Sauncseligkeiten und der fortwähren⸗ den Hinauszögerung eines deutschen Angebotes kann es so möglich werden, daß wir, wenn auch nicht vor vollendete Tatsachen, so doch vor 5 ein gemeinsames Reparationsprogramm der Alliierten gestellt werden, dessen Erörterung im allgemeinen auch für Deutsch⸗ land zulässig sein wird, das aber in seinem wesentlichen Kern von uns trotz Verhandlungen keine Aenderungen erfahren dürfte, wenn es die deutschen Unterhändler für notwendig halten. Wir haben ein gutes Recht, von vornherein auf diese nicht von der Hand zu weisen⸗ den Gefahren aufmerksam zu machen und uns gegen sie zu wenden, weil sie im Grunde genommen auf die Methode des Diktats hinaus⸗ laufen, die nie zur endgültigen Verständigung fühven kann. Das hat die Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Soll ein wahrer Friedenszustand in Europa wiederhergestellt werden und wollen auch die alliierten Mächte im Ernst, daß der Weg zur endgültigen Lösung des Reparationsproblems über die Verständigung führt, dann muß mit der bisherigen Methode des Diktats Schluß gemacht werden. Die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes will die Verständigung 5 18. Jahrgang i und eben deshalb ist sie auch bereit zu den größten Opfern die im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit liegen. Das kann bei den kommen⸗ den Verhandlungen nicht außer acht gelassen werden. Ist es der Fall, danm find wir dem wahren Frieden in Europa nähergekommen. Temps sordert bedingungslose Unterwerfung Ein Teil des Inhalts der neuen deutschen Note ist in Paris nicht unbekannt geblieben, jo daß die Pariser Presse schon heute Ge⸗ legenheit nimmt, sich mit Einzelheiten des ergänzten Angebots zu beschäftigen. Der Temps erklärt z. B., daß falls in der deutschen Note von der Aufgabe des passiven Widerstandes nichts gesagt sei, werde der Vorschlag der Reichsregierung von Frankreich nicht in Betracht gezogen werden können. Auch der Vorschlag, ein inter⸗ nationales Schiedsgericht, oder besser eine internationale Kon⸗ ferenz von Sachverständigen, an der Deutschland teilnimmt, mit der Abschätzung der deutschen Zahlungsfähigkeit zu betrauen, wird von dem Blatt als„unpraktisch und unannehmbar“ bezeichnet. Das Pariser Blatt ist der Auffassung, daß es jetzt an England und Italien ist, alles zu tun, um zunächst dem passiven Widerstand en Ende zu machen. W Die Lösung: 50 Goldmilliarden? Die Annäherung über die Lösung des Reparationsproblems 5 innerhalb der Entente scheint weiter gediehen zu sein, als man is. her Grund hatte, anzunehmen. Bereits heute vormittag soll sich das englische Kabinett mit den von Englands Sachverständigen ge⸗ führten Besprechungen über das Reparations⸗Problem beschäftigen. Es verlautet, daß die Fühlungnahmen zwischen Paris, Brüssel und London drei Resultate gehabt hat. Die Endziffer, auf die sich ver⸗ mutlich die drei Regierungen einigen, soll an 50 Milliarden heran⸗ reichen. Ferner heißt es, daß eine Einigung zwischen 3 du⸗ und Belgien darüber erzielt wurde, eine Garantieleistung den Reingewinnen der großindr striellen Unternehmungen Deutschlands herbeizuführen. Als itter Punkt, über den sich eine Einigung vorzubereiten scheint, wird die“ Absicht Englands bezeichnet, mit den Vereinigten Staaten um eine Ermäßigung der französischen und italienischen Schulden zu verx⸗e handeln, dafür aber Dentschland die Verpflichtung aufzuerlegen, für eine Schuldenregelung Frankreichs und Italiens an Amerika aufzukommen. Der neue Druck. Die Truppenbewegungen und Verstärkungen der bisherigen Besatzung im südlichen Einbruchsgebiet dauern an. Am Dienstag vormittag zogen große Truppenaufgebote durch Gelsenkirchen und Wanne. Um 5 Uhr morgens wurde die Strecke Essen⸗Herne besetzt und sämtliche an dieser Linie gelegenen Bahnhöfe stillgelegt. Die Eisenbahner stellten sofort den Dienst ein. In Plakaten werden sie durch den General Degoutte zur Wiederaufnahme der Arbeit innerhalb 48 Stunden aufgefordert. e bringt Degoutte in Maureranschlägen zur Kenntnis, daß auch die letzte ins Ruhr⸗ gebiet führende Linie jetzt unter Verwaltung der französisch⸗helg: schen Regie steht. Die Eisenbahner denken nicht daran, dem Befehl! des französischen Oberbefehlshabers nachzukommen. Sie bereiten sich geschlossen auf ihre Ausweisung vor. Auch die Linie Herne⸗ Altenessen ist stillgelegt worden. Von Gelsenkirchen aus wurde ein wesentlicher Teil dieser Strecke fast bis nach Altenessen hin aufge⸗ rissen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Ankunft des Generals Petain, der am Dienstag vormittag in Düsseldorf eintraf, mit der in Vorbereitung befindlichen neuen Aktion, deren Zweck vorläufig noch nicht recht erkenntlich ist, in Zusammenhang steht. 83 77 Infolge dieser neuen militärischen Druckmaßnahmen ist der Verkehr mit dem Ruhrgebiet ausschließlich auf die Straßenbahnen beschränkt, die aber derart überfüllt sind, daß ihre Benutzung lebensgefährlich ist. Wenn sich unter diesen Umständen innerhalb, der Bevölkerung ein gewisser Unmut breitmacht, so ist das ver⸗ ständlich. Hierbei wirken aber auch die Folgen der neuen Mark⸗ entwertung mit. Wucher und Schleichhandel sind neuerdings wie⸗ der Tür und Tor geöffnet. Auf den Wochenmärkten des eigent⸗ lichen Industriegebfets sind Lebensmittel fast kaum noch zu haben. Das ist eine Folge des Wirkens der kommunistischen Kontrollaus⸗ Beteiligung der Alliierten an Ueber die Herkunft der 100 Millionen Gelder, die Fuchs im Laufe der Zeit für Ausrüstung seiner bewaffneten Organisationen aus⸗ gegeben hat, erwidert er, daß er sich in der Lage eines Generalis⸗ mus einer feindlichen Armee gegenüber befunden habe, der auch das Geld nehme, wo er es eben herbekomme. Er habe für diese Zwecke auch von der Firma Mannesmann ⸗Düssel⸗ dorf Geld empfangen, und durch Vermittlung des Kronprinzen Rupprecht sei Aussicht vorhanden gewesen, von dem Fürsten Thurn und Taxis⸗egensburg Geld zu erhalten. Dieses Geld habe er für spätere Zwecke reserviert. Im weiteren Verhör verwickelt sich Fuchs in eine Reihe von Widersprüchen, da der Vorsitzende ihm immer wieder seine intimen Beziehungen und Rücksichten auf die Wünsche der Franzosen vorhält. Tatsächlich scheint es so zu sein, daß Fuchs als der Hauptverschwörer alles im Einverständnis und mit Erlaubnis des Richert und seiner Regierung gemacht hat Bei seinen Ausreden sucht er vor allem den Hauptzeugen, Major Meyr, zu belasten, den er einen Bolsche⸗ wisten⸗Spitzel nennt, der von jeher eine zweideutige Rolle, auch schon beim Kapp⸗Putsch, gespielt habe, wo er die rechte Hand Luden⸗ dorffs gewesen sei. Heute werde er in der bayerischen Reichswehr und in der Schupo nur mehr„das gemeine Schwein“ genannt. Ausführlich wird dann die Verwirklichung des direkten Um⸗ sturzes besprochen. Diese Pläne waren fertig ausge⸗ arbeitet und der Regentschastsrat für die Nacht des Umsturzes bereits aufgestellt. Fuchs selbst sollte Mind. Aeuß. werden, während die üübrigenRessorts auf seine Mitarbeiter verteilt werden sollten, im übrigen eine Reihe von volkstümlichen Persönlichkeiten zur Annahme von Aemtern gezwungen werden, darunter Kahr, Epp und Poehner, letzterer als Diktator. Vorher sollten die Minister g e fangen genommen werden, ebenso andere politische Persönlichkeiten, darunter Dr. Heim in Regensburg, der bei der Fahrt über die noch ein Ausschuß von Führern der Vaterländischen Organisationen zur Seite gestellt werden sollte, sollte von einer Prätorianer⸗Garde beschickt werden. Auch der Plan zur Einführung der Gulden⸗ Währung, der von dem sich selbst gerichteten Dr. Kühls stammte, war bereits ausgearbeitet. Die Aufklärung des uninteressierten Publikums von dem Umsturze sollte geschehen durch drei Prokla⸗ mationen, die überschrieben sind:„Bayern“, 2.„Notver⸗ ordnungen“ und 3.„Rundtelegramme“. Diese drei Proklamationen waren bereits am 10. Februar gedruckt von einer Münchener Firma, deren Inhaber auch heute auf der Zeugenbank sitzt. Die Presse sollte unter Vorzensur gestellt werden. 33 Ueber alle diese Vorhaltungen des Vorsitzenden, die durch erhärtet verschiedene voneinander unabhängige Zeugenaussagen sind, gibt der Angeklagte ganz ausweichende Antworten. In einem Aufruf, den der Regentschaftsrat bei seinem Antritt veröffentlichen sollte, wird gegen die Berliner Regierung Stellung genommen, die bayrische Regierung als schwach bezeichnet und das bayrische Volk aufgerufen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sowohl der Freistaat Bayern, wie auch die Weimarer Verfassung werden für null und nichtig erklärt. Die allgemeine staatsrechtliche Verwirrung mache es dem König unmöglich, seine Hoheitsrechte auszuüben. Deswegen werde ein Regentschaftsrat eingesetzt, der die Staatsgeschäfte solange leite, bis die gesetz⸗ geberische Nationalversammlung dieses Verhältnis regele. Schließ⸗ lich wird dann eine hohe Abgabe von großen Vermögen ange kündigt zur Sicherstellung der Ernährung. Jede parteipolitische Betätigung in Bayern wird bei Todesstrafe verboten. Todesstrafe ist auch für Streiks vorgesehen. Zum Schlusse der Sitzung wird noch einmal die Geldfrage aufgerollt. Dabei erfuhr man, daß Freiherr von Cramer⸗Klett dem Juchs Mk. 150 000 gegeben hat Auch die Herzogin Karl fbermittelte ihm Mk. 30 000. Das erste Geld von Oberst Richert, 1,2 Millionen Mark, erhielt Fuchs im Jahre 1922, das zweite im Oktober. Alle Donaubrücke„erledigt“ werden sollte. Der Regentschaftsrat, dem * Summen will er an deutschnatjonale Verbände abgeliefert haben. 8 Opfer fallen wollen. Alles versucht jetzt, die Ware in Gebiets⸗ teilen zu verkaufen, die bisher noch nicht unter dem Terror soge⸗ nannter Kontrollausschüsse gestanden haben. Aus der Kölner Gegend wird z. B. berichtet, daß dort aus Dortmund, Essen, 8 Witten und anderen Orten kommende Landleute angehalten wer⸗ . den, die ihre Waren nach dem Kölner Wochenmarkt bringen wollen. 5 Diese Zustände bilden natürlich eine Gefahr für die Aufrecht⸗ erhaltung der Ruhe und Ordnung. Es muß deshalb erneut die For⸗ derung ausnahmsweise Behandlung des Ruhrgebiets durch die 5 Berliner Zentralinstanzen erhoben werden. Uns scheint, daß die f jetzt ernent auftauchende unheilvolle Entwicklung nur dann einge⸗ dämmt werden kann, wenn im wesentlichen die Verpflegung des — 2 zentral von der Grenze der besetzten Bezirke aus ge⸗ regelt wird. 5 Die Beschlagnahme der Ruhrmittellinie. Die Beschlagnahme der Mittellinie ist vollzogen. Die Stadt Gelsenkirchen gleicht in der Gegend des Rathauses und des Bahn⸗ i hofes einem großen Heerlager. Besetzt sind die Bahnhöfe Altenessen, 5 Katernberg,* Gelsenkirchen und Wanne. Ferner wurde besetzt die Hafenbahn von den Hochöfen der Gelsenkirchener Bergwerks⸗A.⸗G. f nach dem Hafen des Rhein⸗Herne⸗Kanals, außerdem der Bahnhof Riemke bei Bochum. Die West⸗Oststrecke Bochum⸗Dortmund ist heute noch frei. Der Eisenbahnverkehr im eigentlichen Industriegebiet ist jedoch völlig lahmgelegt. Ein Verlassen des Ruhrgebiets mit des 5 Bahn ist außer der Strecke Bismarck⸗Dorsten unmöglich. Die Ver⸗ 5 ierigkeiten mehren sich und wirken ungünstig auf die Lebens⸗ mittelversorgung. 5 0 Festzustellen ist weiter, daß die Franzosen augenblicklich ihre 5 Truppen aus den Landorten zurückziehen und in die Großstädte Dort⸗ mund, Gelsenkirchen und Bochum legen. In Wanne sind die Zechen unser Fritz“ und„Pluto“ neu besetzt; die Bergarbester traten in einen 48stündigen Proteststreik. Ein Kind von einem Posten erschossen. Dienstag vormittag wurde auf den von den Franzosen gesperr⸗ ten Rheinwiesen zwischen dem Düsseldorfer Hafen und dem Vororte der Schüler Hans Hermes erschossen, der mit zwei anderen Kir dort spielte. Ein Posten wies die Kinder fort, holte aus der Halle sein Gewehr, lud es vor den Augen der arglosen Kinder und se kleinen Hermes auf 3 Meter Entfernung durch die e 1 Eine katastrophale Sprengung. Bei Lintorf erfolgte abermals eine große Sprengung eines Eisen⸗ bahndammes. Soviel bis jetzt bekannt ist, sind 60 Güterwagen und eine Lokomotive zertrümmert worden. 8 15 Erwerblosengelder geraubt. IJIn Buer beschlagnahmte die Besatzungsbehörde den gesamten Kassenbestand der Stadtkasse in Höhe von 44 Millionen Mark, die zur Auszahln um die Beitreibung der Geldstrafe wegen der Brückensprengung handelt, wurde nicht angegeben. Politische Uebersicht. 0 5 Steuern und Geltentwertung. 15 Das Reichsfinanzministerium hat neuerdings eine Reihe von Gesetzentwürfen ausgearbeitet, deren Zweck ist, die Wirkungen der einzelnen Steuergesetze dem gesunkenen Geldwert anzupassen. So liegt dem Reichstag seit einiger Zeit ein dahingehender Entwurf zum Biersteuergesetz vor. 75 Beratung dieses Entwurfs im Steuerausschuß ist aber aauf Antrag der Sozialdemokratie solange zurückgestellt wor⸗ den, bis auch die entsprechenden Entwürfe für die anderen indirekten Steuern eingebracht sinh, damit die Beschluß⸗ fassung sich einheitlich auf das gesamte Gebiet der indirekten Steuern beziehen kann. Nunmehr sind auch die Arbeiten wegen der anderen Verbrauchsteuern im Reichsfinanzmini⸗ sterium abgeschlossen. Es werden folgende Entwürfe dem Reichsrat vorgelegt: 0 1. Die Zuckersteuer. Da in der geltenden Novelle zum Zuckersteuergesetz vom 8. 4. 22 der Zucker auf der Preis⸗ basis von 2000 Mk. für den Doppelzentner mit einem Satz von 2,5 Prozent belastet wurde, der Marktpreis seit einiger Zeit aber bereits 200 000 Mk. überschritten hat, so betrug die Steuerbelastung in der letzten Zeit nur ein Vierzigstel bis ein Sechzigstel der geltenden Markt⸗ bezw. Klein⸗ handelspreise. Die Vorlage will nun den Doppelzentner Stärkezucker mit 12 000 Mk., andern Zucker mit 30 000 Mk. belegen. 2. Die Salzsteuer soll grundlegend geändert wer⸗ 0 den. Erstens sollen die Befreiungen von der Salzabgabe ffortfallen, zweitens soll die Steueraufsicht vereinfacht und drittens die Steuer erhöht werden. Die Salzsteuer wird 61 ung an Erwerbslose bestimmt waren. Ob es sich dabei 2 Friedenspreis von 20 Pfg. für 1 Kilogramm 60 Prozent aus, so macht das bei einem jetzt etwa geltenden Preise von 120 Mk. nur noch 1 v. T. aus. Nach dem Entwurf soll nun⸗ mehr 10 Mk. von einem Kilogramm erhoben werden. 3. Die Mineralwassersteuer. Auch hier wer⸗ den bis jetzt niedrige Steuerbeträge erhoben, beispielsweise für eine Flasche Selterswasser oder Limonade 3,57 bezw. 7,5 Pfg. Es soll nunmehr erhoben werden: für Mineral⸗ wafser 10 Mk., für Limonade und andere künstlich bereitete Getränke 20 Mk., für konzentrierte Kunstlimonade 200 Mk., für Grundstoffe zur Herstellung konzentrierter Kunst⸗ limonade 4000 Mk. für das Liter. Gleichzeitig soll der Reichsfinanzminister ermächtigt werden, mit Zustimmung des Reichsrats die Steuer zu erhöhen oder zu ermäßigen. 4. Die Zündwarensteuer, die zurzeit die Zünd⸗ hölzer mit etwa 0,09 oder 0,7 v. H. belastet, soll nach dem Entwurf auf 20 Prozent erhöht werden. 1 5. Die Spielkartensteuer. Die Vorlage will ungefähr den Stand vom 10. 9. 19, dem Datum des bisher geltenden Gesetzes, wiederherstellen. Wenn damals 2 Mark für ein Kartenspiel erhoben wurden, was einer Belastung von etwa 100 Prozent entsprach, so soll nunmehr bei einem Herstellungspreis von 875 Mk. 500 Mk. Steuer erhoben werden. Eine veränderliche Wertsteuer einzuführen, wird aus steuertechnischen Gründen im Entwurf für nicht durch⸗ führbar gehalten. N Für die Sozialdemokratie ist die Frage der Erhöhung der indirekten Steuern eine politische. Sie kann nicht ge⸗ trennt werden von der allgemeinen Forderung, das ganze Steuersystem den neuen Geldoerhältnissen anzupassen. Die veranlagte Einkommen⸗ und Vermögenssteuer ergibt Steuer⸗ beträge, die an dem Tage, an dem sie gezahlt werden, nur noch einen Bruchteil von dem ausmachen, was bei sofortiger Anwendung des Gesetzes am Steuerstichtage zu zahlen ge⸗ wesen wäre. Bevor diese Uebelstände nicht beseitigt sind, kann einer Erhöhung der Verbrauchssteuern nicht zuge⸗ stimmt werden, die den Massenkonsum belasten. * g. Die Erwerbslosen⸗Unterstützung. Wie die Hamburger staatliche Pressestelle mitteilt, ist soeben bekannt geworden, daß wahrscheinlich schon heute der Reichsrat über eine von der Reichsregierung beantragte Erhöhung der Sätze der Erwerbslosenunterstützung beraten wird. Der Hamburgische Senat hat seinen Bevollmächtigten beim Reichsrat angewiesen, für eine ganz erhebliche Heraufsetzung der Unterstützungssätze einzutreten; auch da⸗ für, daß vermöge einer wesentlichen Vereinfachung des Verfahrens bei Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung die Sätze künftig der Teuerung schnell folgen sollten, hat sich der Senat bei der Neichs⸗ regierung mündlich und schriftlich verwandt. Auch die hessische Re⸗ gierung hat durch ihren Staatspräsidenten, der persönlich in Berlin an wesend war, ernsteste Vorstellungen über die dringende Nolwendig⸗ keit um schleunige und ausreichende Erhöhung der Unterstützungssätze in Berlin erheben lassen.“ Die Angelegenheit beschäftigt gegenwärtig den Vorläufigen Reichswirtschaftsrat, dessen Arbeitsausschuß sich be⸗ reits mit dieser Frage befaßt bat, Die soziale Flut im Steigen. Tumulte in Leipzig. Im Anschluß an Demonstrationen von Erwerbslosen im Palmengarten zu Leipzig und auf dem Reichsgerichtsplatz ist es am Montag zu Tumulten gekommen, nachdem eine Deputation der Erwerbslosen beim Rat der Stadt wegen der Erhöhung der Unterstützungssätze vorstellig geworden war. Dann gingen die Demonstranten zum Teil ausein⸗ ander. Bald darauf versammelten sich auf den Straßen einzelne Trupps. Gegen 2 Uhr nachmittags bewegte sich der Zug von Demonstranten um die äußere Promenade zum Augustusplatz nach dem Kaffee Felsche. Die Veranda wurde zerstört und die Tische und Stühle wurden in die großen Spiegelscheiben geworfen. Die anwesenden Gäste konnten rechtzeitig flüchten, so daß Verletzungen von Personen nicht vorgekommen sind. Später rückte ein starkes Polizeiaufge⸗ bot an, das das Kaffee absperrte. Auch an anderen Stellen der Stadt machten sich ein⸗ zelne Trupps von Erwerbslosen bemerkbar, namentlich in der Peters⸗ und Grimmaischen Straße. Vor dem Mode⸗ haus Steckner kam es zu einem Zusammenstoß mit bureau begründet diesen Ausstand mit der Ablehnung am Bruehl sind am Nachmittag geschlossen. Vor den gre Lokalen der äußeren Stadt stehen Posten des proleta⸗ Selbstschutzes. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, d eine Wiederholung der Tumulte am Abend befürch 9 Im Ruhrgebiet. 0 Der Metallarbeiterstreik wird in Remscheid in u änderter Form weitergeführt. Am Montag beschloß Stadtverordnetenversammlung, alle verfügbaren mittel unter Kontrolle des Wohlfahrtsamtes Ferner wurde mit Rücksicht auf die Folgen des A der Metallarbeiter ein unbeschränkter Kredit zur N der größten Not bewilligt. Es ist zu befürchten, Streikenden in Kürze auch die Notstandsarbeiten ei Auch im Bezirk Hagen dauert der Generalstre Metallarbeiter an. In Haspe kam es am Dienste mittag zu Zusammenstößen zwischen der Schutzpol streikenden Arbeitern, weil die Schupo versuchte, e Streikposten zu vertreiben bezw. zu verhaften. Die polizei machte von den Gewehrkolben Gebrauch. Der schlesische Landarbeiterstreik. Seit Montag steht ein großer Teil der schlesischen Land. arbeiter im Streik. Das„zuverlässige“ halbamtliche Wolf Arbeitgeber⸗Organisationen, lokale Lohnverhandlungen führen, weil angeblich am 4. Juni in Berlin Besprech mit den Spitzenorganisationen beginnen sollten. falsch! In Wirklichkeit haben keine Verhandlungen Berlin stattgefunden. Der eigentliche Grund zum Aus ist folgender: Während die landwirtschaftlichen P fortgesetzt erhöht werden, haben die schlesischen Landarb seit Februar d. J. keine Lohnerhöhungen mehr erhalten. Teil der Arbeitgeber, besonders die Arbeitgeber im Striegau, waren bereit, Vorschußzahlungen von 300 50 000 Mark zu leisten, die nicht zurückgezahlt sollten. In der Zentrale des Arbeitgeberverbande Schlesien war man darüber anderer Meinung. Darum der Streik ausgebrochen. Er wäre zu vermeiden gew wenn der Arbeitgeberverband den Verhältnissen Rech getragen hätte. 5 5 a Die soziale Unrast, die im Ruhrgebiet zu den beklag werten Zusammenstößen geführt hat, beschränkt sich kei wegs etwa nur auf dieses besonders leidende Indu gebiet, sie breitet sich über das ganze Land aus. Es mi die ärgsten Konflikte und Tumulte unausbleiblich wenn den Massen nicht geholfen wird, sofort geho Während man in Newyork Klage führt, daß ein qualifi Arbeiter täglich 12 Dollaz verdient, wird der bestbeze deutsche Arbeiter mit-höchstens 2 Dollar in der Woche speist. Das Gespenst der großen Ziffern hält die An massen direkt davon ab, das zu fordern. was sie un gebrauchen. Die mannigfachen Meldungen, die aus dem Ruhrgebiet, Kiel, Sachsen usw. vorliegen, sind ein kleiner Ausschnitt aus dem Bilde steigender Not steigenden Elends, gegen das alle Kräfte mobilisiert we müssen. Das deutsche Unternehmertum, das vielerort immer noch zu glauben scheint, sofortige Abhilfe hint Formalitäten verschieben zu können, lädt eine gefähr Verantwortung auf sich. Längst überholt ist heute lich die jetzt ausgegebene neue Reichsinderziffer, über Wolffs Bureau berichtet:—— f „Nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts die Kei nden ere 5. edebenshe eee 1(Er 405 Heizung, Beleuchtung, Wohnung und Pate ene im Dur Mai 3846(191/14 1) gegenüber 2954 im April. Die Gade sonach im Vergleich zu der verhältnismäßig ruhigen f dex Vormonate ein stärkeres Anziehen um 29,2 Proz. Die zlffer ohne die Bekleidungskosten ist um 27,4 Proz, auf 35 stiegen. Die Ernährungskosten haben sich gelender 711 32,0 Proz. auf das 4620fache, die Bekleidungskosten um 30,9 auf das 5724fache der Vorkriegszeit erhöht. 5 Die neue Preiswelle hat in mehr oder minder starkem alle Berichtsstädte exsaßt. Die vorstehenden Zahlen, Stand der Teuerung für den Durchschnitt des abgelaufenen nats wiedergeben, sind unter dem Druck der weiteren Mar schlechterung zurzeit wesentlich überholt“ Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. .(Schluß) . Der Schläfer bewegt sich im Schlaf und lächelt; o dieses KdLaächeln, es entwaffnet dich vollends! Du bist nicht aus dem Stoffe gebildet, aus dem Meuchelmörder gemacht werden. Obgleich dein Hirn vom Wahnsinn getrübt ist, wohnt in 6 deinem Herzen die Liebe. Du kamst hierher, um zu morden, aher du kannst es nicht, ja, du bringst es nicht einmal über dich, dieses gebrechliche Menschenkind zu hassen.. Das Messer blitzt nicht mehr in seiner Hand, mit nack⸗ ten Füßen schleicht sich der Mann zum Fenster. Einen Augenblick bleibt er zitternd stehen, wie jemand, den man eben bei den Haaren aus dem Wasser gezogen; dann zieht er rasch den Vorhang zurück, stößt das Fenster auf und ver— schwindet in der Dunkelheit⸗ Draußen wird es plötzlich laut. Schritte Schuß kracht, dann wird es wieder still. Der lautlos, wie er gekommen, verschwunden. Mittlerweile ist der Schläfer erwacht und aufgesprungen. Er blickt zitternd in dem Gemach umher. Zu seinen Füßen blitzt das große Weidmesser, aber er sieht es nicht und ahnt nicht welcher Gefahr er eben entronnen. Sein besorgtes Gefolge sieht das Fenster offen und begreift nicht, Hand es geöffnet; der Held von hundert Schlachten erbebt, denn er ist abergläubisch und findet für dieses Rätsel keine Erklarung. 5 Aber nun heißt's die Pferde besteigen. Er hat zu lange a Trommeln und Trompeten erschallen, sein schwerer 114 ertönen, ein Mann ist Reisewagen rollt durch die Dämmerung. Dicht vor ihm erhebt sich seinen Glückstern verdunkelnd, der blutrote Schatten— Water lool wessen⸗ Epilog. a Ein Jahr ist verstrichen. Der Ginster steht in vollster Blüte, die Seevögel sind aus dem Süden heimgekehrt, goldene Aehren wiegen sich im Zephyr, die Lerche erhebt sich hoch in die Lüfte und läßt ihren schmetternden Gesang er⸗ lönen, das Meer ist ruhig, jeder Fels spiegelt sich in seinen Fluten, zahllose Fischerbote gleiten, ihre Netze auswerfend, darüber hin. Es ist der Jahrestag der großen Schlacht, welche das Schicksal Bonapartes entschied. Auf dem Gipfel jener Klippe, von welcher man die Kathedrale des heiligen Gildas überblicken kann, sitzt ein Pärchen; Möwen flattern über ihren Köpfen und tief unten zu ihren Füßen glitzert das unendliche Meer. Ein wolken⸗ loser Himmel wölbt sich über ihnen. Die eine Gestalt, hoch und hager, sitzt bewegungslos wie eine Statue und starrt mit schwermütigen großen Augen seewärts; graue Locken umwallen das Löwenhaupt— Angst, Kummer und Sorgen haben mit ehernem Griffel Furchen in das einst so sorglose Antlitz geschrieben. Dicht an ihn ge⸗ schmiegt, kauert ein schönes junges Weib, die Hand des Mannes in der ihrigen haltend und besorgt zu ihm empor blickend. Das dunkle Gewand und die safranfarbige Haube deuten darauf hin, daß sie um einen Toten trauert. Tagtäglich suchen diese beiden das stille Plätzchen auf und sitzen stundenlang dort, die Ruhe und den Frieden der Natur genießend. Tagtäglich beobachtet das Mädchen ängst⸗ lich das langsame Verschwinden der Wolke, welche die Seele ihres Gefährten verdüstert. Er scheint, sie weiß nicht wieso, Trost darin zu finden, Hand in Hand mit ihr hier zu weilen und das Meer zu beobachten. Seine Augen blickten, wie geistesabwesend, aber ein seltsames geistiges Licht flackert in ihrer Tiefe. 0. „Marcelle!“ flüstert er plötzlich. „Ja, Rohan!“ starrt. Er ist allein, sein Antlitz ist so bleich, wie damals, — „Wenn man dort weit hinaussegeln, segeln und se könnte, käme man vielleicht bis zu dem Felsen, wo er N Manchmal sehe ich ihn ganz deutlich wie er übers Meer als ich es sah, ehe die große Schlacht geschlagen wurde!“ „Lieber, einziger Rohan, von wem sprichst Du?“ Marcelle, zärtlich besorgt. Tränen schimmern in ihre traurigen Augen. 2 g 1 Er lächelt still vor sich hin, ohne zu antworten. S Worte sind ihr unverständlich. Seit jenem Tage, da e wonatelanger Abwesenheit als vollständig gebro Mensch heimkehrte, spricht er oft ganz merkwürdige — von wilden Schlachten, dem Kaiser und seltsamen Be nungen; aber ihr dünken es Bilder seines verwir Geistes. Mit zärtlicher Geduld pflegt sie den Unglücklich der von Tag zu Tag ruhiger und sanfter wird, bis sie f wie ein folgsames Kind leiten kann. Sie hofft, daß sich Tages die Wolke, die sein Hirn verdüstert, vollständig wird, und ihre Hoffnung scheint sich erfüllen zu wolle Er schweigt noch immer und blickt sinnend seewö Hinter ihm erhebt sich der große Menhir, weiter unten man Kromlaix. Die Sonne beleuchtet das idyllische und küßt den Scheitel des schönen Weibchens, das si Zärtlichkeit an Rohan schmiegt. Noch ift nicht alles loren; seit seiner Rückkehr ist ihre Liehe wieder gewg und sie bleibt ihm treu und ergeben bis in den Tod Venn er von jenem spricht, der dort drüben übe großen Wasser sein Dasein beschließt, tobt er nicht Weit drüben, unter einem einsamen Palmbaum andere Gestalt, sinnend, wartend, verzweifelnd und Blice sehnfüchtig über das Wasser schweifen lassend, das tief und traurig ist wie die Gewässer der Ewigkeit, 5 ebenso unergrnüdlich.— 5 3 sich angesschts der bere ö gaben 90 Wirtschaftskreise über die Lohn⸗ 8 1. wee Landespolizei. der Reichsta baue rischen Versammlung „Reichsflagge“ „bei der nach mit Maschinengewehren Bei dieser Uebung wurden Die Sachlichkeit der Aus⸗ der„Reichsflagge“ ange⸗ Riebel ausdrücklich festge⸗ wehren scharf geschossen wurde. ser der Siedlung scharf beschossen. en Vogels wurde auch von dem 10 8 1 * der Bersammlungsleitung öffentlich dafür dank i gefsorgt babe. daß er seine Rede 8 zu Ende hen 2 Die weiteren Redner erwähnten die Vorgänge in der letzten in Feucht, was in der Versammlung Beifall auslöste. Während s Schlußwortes von Vogel empfand dieser eine wachsende Er⸗ egung der Versammlungsbesucher, die er sich nicht erklären konnte, eil er ganz ruhig sprach. Die Schlußworte seiner Rede wurden n einen Schuß gehindert. Es wurde ihm mitgeteilt, daß diefer von außen durch die Türfüllung kam. Sofort danach fiel eine weiterer Schüsse, die von den mit Stahlhelmen und Gewehr * 1 ee abgegeben wurden. 5 Wie Vogel weiter mitgeteilt wurde und wofür er eine Anzahl e benennen kann, wurde auch durch die Fenster in den 920 n. Dioses Schießen dauerte sogar an, als die Beamten der 15 polizei schon im Saale waren. Die Versammlungsteilnehmer jeßen darauf mit erhobenen Händen, entsprechend der ergangenen ufforderung, den Saal, nachdem schon vorher die zur„Reichsflagge“ iu rechnenden Teilnehmer von ihren Freunden geholt worden waren. Das halbamtliche Wolff⸗Bureau stellt natürlich die Landespolizei den angegriffenen Teil hin. Diese„zuverlässige“ Berichterstattung dert uns nicht. Jedenfalls liefern der tote Krankenkassenkassierer die zahlreichen Verletzungen anderer Versammlungsteilnehmer ien besten Beweis dafür, wer der angreifende und wer der ange⸗ fene Teil war. Am Montag wurden in Feucht fünf Arbeiter und in Nürnberg Fner als Teilnehmer an der Versammkung verhaftet. Die Stimmung It sehr erregt. Die Beerdigung des erschossenen Genossen erfolgt un Mittwoch nachmittag 5 Uhr. Die Zahl der Verhaftungen aus Anlaß des bekannten Zwischen⸗ alles in Feucht ist inzwischen auf sieben gestiegen. Es handelt sich lUisschließlich um Arbeiter, die in das Landgericht Nürnberg über⸗ fihr wurden, obwohl feststeht, daß ihnen Landfriedensbruch nicht im feringsten vorzuwerfen ist. Diese Tatsache ist so klar, daß alle Ver⸗ mflungsversuche der bürgerlichen Presse vollständig vergeblich sind. stzustellen ist insbesondere, daß die bürgerliche Presse über die gänge und deren Ursachen ganz verschiedenartige Mitteilungen — Die Bestrebungen der Nürnberger Kommunisten, die Vor⸗ in Feucht zum Anlaß eines allgemeinen Streiks zu nehmen, erden von unseren Genossen abgelehnt, trotzdem auch unter ihnen te Aufregung sehr groß ist. Am Mittwoch wird im bayerischen Landtag der Etat des Innen⸗ eimisteriunis beraten. Genosse Auer wird die Gelegenheit wahr⸗ um die Vorgänge in Feucht ausführlich zur Sprache zu 2 Tagung des Städtetages. eidel b. jelt der Vorstand des Deutschen Städtetages 7 4. u. 4. folgende dringende Angelegenheiten wurden: f N ü Der Vorstand hält es für dringend erforderlich, auf dem splitterten Gebiet der durch den Krieg hervorgerussenen Wohl⸗ pflege in der Kleinrentner⸗ und Sozial rentnerfürsorge sowie eschüdigten⸗ und Kriegerhinterbliebenenfürsorge zu ein⸗ eitlichere Gestaltuna zu gelangen. Der jetzige Zustand bedeutet kit seinen verschiedenen Vorschriften auf den einzelnen Gebieten bine anßerordentliche Kompliziertheit der Verwaltung. Vor allem l eine Abänderung der Uniständlichen Abrechnung auf das N 1 oche 1 u fordern. Vorstand begrüßt es, daß der Reichs⸗ 5 e zu einer gründbichen Reform not⸗ pendigen Vorarbeiten in die Wege zu leiten.„ Zu den Pläuen der Reichsregierung, beim Uebergang in die eie Brotwirtschaft den Kleig⸗ und Sozialrentnern, den Kriegs⸗ chädigten und ähnlichen Kategorien verbilligtes Brot zu ge⸗ n, verlangt der Städtetag, daß den Städten. voller Ersatz für die ihnen entstehenden Mehraufwendungen gewährt und zu⸗ bleich das Abrachnungsverfahven in einfachster Form gestaltet eber Stand des immer nach beim Reichstage unerledigt 900 aden Fanuc werd berichbet' Es muß ver rden, das Gesetz endlich vorwärts gebracht wind 1 brenda in Auer Form, die den Gemeinden wirklich 5 01 chafft. Avertretungsges nach den Beschlüssen des nvertretungsgesetz A ee e aul 4 9 0 mügender Berüchsichtigung zusehen, daß das Reichs⸗ gemeinnützigen Ansbalten e über die Kommunalverwaltungen u sast die Hälfte unmittelbar den tationen zuleitet. Ein solches Fefe it unwirtschaftlich und gefäh eder einheitliche Politik. Die Ar den Herbst in Aussicht genommene, Heuuptansschuße bal ausfallen mit Rücksicht auf dis nene d 140 0 so großen Veranst. 9 l r an den Ein zelstäbten auf dem Wege er Scerfambeit mit gutam Boisniel voran. * Gin spanischer Kardinal ermordet. Monsignore Saldevillay Romero, der Kardisab ar Pick von Saragossa, und einer seiner Angehörigen sind 9 1 1 von drei Unbekannten 90 baden ch ge n Spanten e 1 5 0 132 äng r Be 5. 2 138 and Wuchen Abet wieber gehäuft, pier en pn es Gewerkschafts führer, die ihnen zum Opfer ge 0. 5——ͤñVZ— Dieutscher Reichstag. le S6 isen⸗ und Steuerpiraten. Sozialdemokraten gegen die Devi 1 5 0. des Marksturzes, denen sich bene doch Gelee, dach Renten bisher anpassen konnten, 5 5 Die ernste Volksstimmung kam au 7 dien Sprache dießes Ziffern Der reicherten. Die Abgeordneten müßten sich ernste und verant wortungsvolle Arbest in den, eee ö gefaßt machen, um 0 e Maßnahmen gegen die Not des Landes und des Volles 0 n. 5 5 Bevor in die Tagesordnung eingetreten wurde, erklärte die Sozialdemokratische Fraktion durch Müller ⸗ Franken, daß die große Notlage eine sofortige Aussprache des Parlaments mit der Regierung erfordere. Es dürfe damit nicht gewartet werden. Müller verlas die sozialdemokratische Marksturz⸗Interpellation und verlangte, daß der Reichstagsprästdent sich mit der Reichs⸗ regierung in Verbindung setze, damit diese Interpellation noch am Mittwoch verhandelt werden könne. Die Juterpellation hat sol⸗ genden Wortlaut: Der Zusammenbruch der Stützungsaktion für die Mark und die damit verbundenen gewaltigen Preissteigerungen, hinter denen Renten, Löhne und Gehälter außerordenllich W beschwören die Gefahr einer wiktschaftlichen und politischen Ketesee ce Wir fragen deshalb: 1. Gedenkt die Reichsregierung sofort die no wendigen Maß⸗ nahmen zu treffen, um die Anpassung der Renten, der Unter⸗ ützungen, insbesondere für die Erwerbslosen, der Löhne und Ge⸗ älter an die gestiegenen Preise zu bewirkan? Wie gedenkt sie Föhn und Gehälter vor einer weiteren Entwertung zu schützen. die eine große Gefahr für Arbeitsfähigkeit und Arbeits leistung darstellt? g 2. Ist sie bereit, die drohende völlige Enborung, der Besitz⸗ steuer durch sosort zu kressende Aenderungen der Steuergesetz⸗ gebung hintanzuhalten? 9. Welche Maßnahmen gedenkt die Reichsregierung zu treffen, währungspolitisch den weiteren Sturz der Mark aufzuhalten und den Auswückhsen in der Devisenspekulgtion zu begegnen Will sie sich endlich entschließen, die Zentralfflerung und Kontrolle des Devisenverkehrs durchzuführen. Die Kommunisten forderten eine sofortige Erklärung der Re⸗ gierung. Müller⸗Franken erwiderte, daß zit einer sachgemäßen Beantwortung er Interpellation Besprechungen zwischen mindestens drei Ministern notwendig seien und daß man deshalb der Regierung bis Mittwoch Zeit zur Beantwortung lassen müsse. Am Schlüsse der Sitzung ließ die Reichsregierung durch den Reichsarbeitsminister Brauns erklären, daß sie bereit ist, die In⸗ terpellation am Donnerstag zu beantworten. Auch die Regierung habe den Wunsch, die Behandlung der wichtigsten Frage nicht um eine Stunde mehr als notwendig zu verzögern, aber sie brauche den morgigen Tag, um in Verhandlungen innerhalb der Regierung zu der Interpellgtion Stellung zu nehmen. Das Haus stimmt mit Ausnahme der Kommunmisten diesen Darlegungen zu. Die Kommunisten haben einen Antrag eingebracht, einen Unter⸗ suchungsausschuß über die Ursachen der Aufstände im Ruhrgebiet einzusetzen. Dieser Antrag wird wohl im Rahmen der sozialdemo⸗ kratischen Interpellationsdebatte zur Verhandlung kommen. Das Haus erledigte in erster Lesung den Gesetzentwurf über die Arbeitslosenversicherung. Der Reichsavbeitsminister erinnerte daran, daß die Verfassung jedem Deutschen das Recht auf Arbeit zugestehe und ihm Unterhalt zusichere, wenn er keine Möglichkeit zur Verwendung seiner Arbeitskraft finde. Diese Verfassungszusage wolle der Gesetzentwurf erfüllen. Die bis⸗ herigen Verhandlungen zur Arbeitslosenfürsorge zeigten starke Mängel. Vor allem fehle die Selbstleistung der Beteiligten. Jetzt würde die ganze Summe von Reich, Ländern und Gemeinden aufge⸗ bracht. Der Gesetzentwurf sehe vor, daß je 4 der notwendigen Summen von den Arbeitnehmern und den Arbeitgebern und das rest⸗ liche Drittel gemeinsam von Reich, Ländern und Gemeinden auf⸗ gebracht werde. Das Gesetz solle den Arbeitslosen und Kurzarbeitern a. und außerdem Arbeitslosen⸗Krankenfürsorge bringen. reis der Beteiligten sei im wesentlichen derjenige der Kranken⸗ versicherung. Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion ließ durch Aufhäuser erklären, daß sie der Ueberweisung an den Ausschuß zustimme, aber mancherlei Bedenken gegen den Gesetzentwurf habe. Es scheint uns zweifelhaft zu sein, ob der Zeitpunkt, wo unsere ganze Sozialversicherung eine schwere Krisis durchmacht, für die Verab⸗ schiedung eines so weittragenden Gesetzes der geeignete ist. Es sei auch zweifelhaft, ob die Verfassung bei der Festlegung der Fürsorge für die Arbeitslosen an eine Versicherung gedacht habe. Vollkom⸗ men undiskutabel seien die Bestimmungen des Gesetzentwurfes, die auf eine Einschränkung des Koalitionsrechtes hinwirken. Die Sozial⸗ demokratie werde im Ausschuß positiv an dem Gesetze mitarbeiten. Das Haus vertagte sich dann auf Mittwoch. b Gießen und Umgebung. Die Preis schraube. In fieberhaftem Tempo gehen die Preise in die Höhe. Die Le⸗ benshaltungskosten steigen von Tag zu Tag. Ein Ende dieser Ent⸗ wicklung ist nicht abzusehen. Die Beobachtung der Großhandelspreise ergibt, daß sich diese, ebenso wie die Kosten der Lebenshaltung, be⸗ deutend schneller den steigenden Depisenkursen anpassen als früher. Nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes waren bereits am 25. Mai die Großhandelspreise im Durchschnitt um die Hälfte höher als am 5. Februar, wo ihr Preisstand durch den Dollarkurs gegen Ende Januar bestimmt war. Die Entwicklung stellt sich seit damals folgendermaßen dar: 8 Gesamtinder Lebensmittel Industriestoffe Inlandswar, Eiufuhrwar. 5. Februar 5967 4902 7558 4925 11 176 25. Jebruay 5227 9 933 7732 4874 7170 5. März 5 120 3 662 7846 4 72⁵ 7 093 15. März 4750 9 195 7657 4376 6618 24. März 4827 3 299 7 684 4447 6577 5. April 4844 3 567 7215 4489 6 623 15. April 4923 3 694 7 22¹ 4 568 6699 25. April 5 738 4481 8 089 5 141 8 723 5. Mai 6239 4802 8 779 5 364 10 309 15. Mai 7105 5 758 9 463 6 098 11 806 25. Maj 9034 7034 12 774 7 748 15 463 Danach hält also die Verteuerung der Lebensmittel an. Noch schärfer aber sind gegen Anfang Februar die Industriestoffe gestiegen, die allein in dem einzigen Monat vom 25. April bis zum 25. Mai um 50 Prozent im Preise erhöht wurden. Die Teuerung der Industrie⸗ stoffe ist selbstverständlich auch für die Lebensmittelproduzenten An⸗ laß zur Preiserhöhung. Aber auch die Inderzahlen vom 25. Mai sind längst überholt. Nachdem die Beeinflussung des Warenmarktes durch die amtlichen Stellen auf der ganzen Linie versagt hat, bleibt der Arbeiterschaft kein anderes Mittel, als durch Forderung nach Lohnerhöhung wenigstens einen Teil der ihr entstandenen ungeheuren Verluste wettzumachen. Raubmord im Schiffenberger Wald. An der 72jährigen Frau Sophie Hofmann aus Gießen, wohn⸗ haft in der Landmannstraße, ist am Sonntag im Schifsenberger Wald einen Raubmord verübt worden. Die Ermordete halte am Sonntag nachmittag nach 12 Uhr Gießen verlassen, um Verwandte in Hausen aufzusuchen. Sie hat. den alten Schiffenberger Weg gewählt, um nach Hausen zu gelangen. Am Montag früh wurde sie in Gießen vermißt. Nachforschungen er⸗ gaben, daß Frau Hofmann nicht nach Hause gekommen war. Am Diegstag vormittag wurde sie als Leiche in einem Tannendickicht im Walde in nächster Nähe von Hausen gefunden. Die Leiche eigt Würgespuren am Halse und war bis auf das Hemd entkleidet. Shre zerrissenen Kleider lagen auf der Leiche, ebenso die Hand⸗ tasche in der Nähe, woraus das Portemonnase mit Inhalt fehlte. in unerhörten Waßslabe Private ssch qu der ol des Volkes be⸗ T zwungen, den Bezutßspreis von 4400.— Mark auf An unsere werten Leser! Bei Festsetzung des Bezugspreises für Juni war uns der Papierpreis noch nicht bekannt, so daß wir den Bezugspreis nur auf Grund von Verlautbarungen festsetzen konnten. Nachdem nunmehr der Papierpreis feststeht, und wider Er⸗ warten über unsere Annahme hinausgeht, sind wir leider ge⸗ 105 5500 Mark einschließlich des Trägerlohnes zu erhöhen. Unsere Trägerinnen und Zweigstellen inhaber werden in den nächsten Tagen gie Nacherhebungs⸗Quittung, vorzeigen. Wir bitten unsere werten Leser, unseren Trägerin⸗ nen ihre unangenehme Aufgabe durch pünktliche Einlösung zu erleichtern.— Die Nacherhebung von den Postbeziehern geschieht durch Zahlkarte, die in den nächsten Tagen über ⸗ mittelt wird. f 3 Verlag der itung · 1 erweg cht 0 werben ge⸗ teilung Die Sätze, um die sich der vom Arbeitslohn(Bar⸗ und N oder Sachbezüge) einzubehaltende Betrag von 10 v. H. des— lohnes ermäßigt, betragen vom 1. Juni 1923 ab: 135 5 wonatl. wöchentl. täglich 2⸗stündl. Mark Mark Mark Mark 1200 288 18 1. flir den Arbeitnehmer selbst 2. flir die Ehefrau, die zur Haushaltung des Arheit⸗ Fehmers ent „für jedes zur Haushaltung des Arbeitnehmers zählende minderjährige Kind ohne eigenes Arbeitseinkommen ö bezw. nicht über 17 Jahre alte Kind mit eigenem Ar⸗ beitseinkommen oder für jeden vom Finanzamt zur Berücksichtigung zugelassenen mittellosen Angehörigen 4. zur Abgeltung der nach 8 19 b zulässig. Abzüge(Werbungs⸗ ö 5 kostenpauschalsatz:z 10000 2400 400 100 Diese Ermäßigungen sind bet jeder nach dem 1. Juni 1923 er⸗ folgenden Zahlung von nach diesem Zeitpunkt fällig gewordenen Arbeitslohn 3 berüchsichtigen. 5 5 f Der nach Vornahme der Ermäßigungen einzubehalkende Betrag ist in allen Fällen auf volle 10 Mark nach unten abzurunden. Die bei monatlicher, wöchentlicher, täglicher oder zweistündkicher Lohne oder Gehaltsgahkung zu berückschtigende Ermäßsaanme des m Arbeitslohn(Geld⸗ und Natural⸗ oder Sachbezüge) einzubehalienden Betrags von 10 v. H. beträgt: 5 0 0 monatl. wöchentl. täglich ⸗stündl. Mark Mark Mark Mark 120 288 48 n 8000 1920 320 80 Familiensand Unverheirateter od. verwitweter Arbeitnehmer ohne Kinder Verheirat. Arbeitnehmer ohne FFC Unverheirateter od. verwitweter Arbeitnehmer mit 1 minder⸗ Fichrigem Kinde Verheirgteter Arbeimmehmer m. 1 minderjähr. Kind o. mittel⸗ losen Angehörigen Lediger od, verwitweter Arbeit⸗ nehmer mit 2 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. Verheiratet mit 2 minderjähr. Kindern pd. mittell. Angehör. Ledig od, verwitwet m. 3 min⸗ derjähr. Kindern od. mittell. Angehörigen Verheiratet mit 3 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. Ledig od. verwitwet mit 4 min⸗ derjähr. Kindern od. mittel⸗ losen Angehörigen Verheiratet mit 4 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. Ledig od. verwitwet mit 5 min⸗ derjähr. Kindern od. mittel⸗ losen Angehörigen Verheiratet mit 5 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. Ledig od. verwitwet mit 6 min⸗ derjähr. Kindern oder mittel⸗ lofen Angehörigen 2 Verheiratet mit 6 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. Ledig od. verwitwet mit 7 min⸗ derjähr. Kindern oder mittel⸗ 5 10 Angehörigen Verheiratet mit 7 minderfähr. Kindern od. mittell. Angehör. Ledig od. verwitwet mit 8 min⸗ derjähr. Kindern od. mittel⸗ losen Angehörigen. Verheiratet mit 8 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. Ledig od. verwitwet mit 9 min⸗ derjähr. Kindern od. mittel⸗ losen Angehörigen 1 19968 Verheirgtet mit 9 minderjähr. Kindern od. mittell. Angehör. 20256 Ledig od. verwitwet m. 10 min⸗ derjähr. Kindern od. mittel⸗ 0 losen Angehörigen 91200 21888 3648 Verheiratet 2 10 1 d indern od. mittell. Angehör. 0 ö ö N ern geht hervor, daß z. B. ein verheirateter Arbeiter mit 3 Kindern erst dann etwas für Steuer abgezogen bekommt, wenn sein Wochenlohn 87309 Maik übersteigt. Ein verheirgteter Ar⸗ beiter mit 2 Ki..„„ nur 10 Prozent von dem Betvag seines 11200 12400 2688 2076 488 3 11¹² 12⁴ 19200 4608 768 20400 4896 8¹⁰ 27200 6528 6815 1088 113 8448 8730 1408 1456 10368 10056 12²88 12576 14208 14406 16128 16416 18048 18336 75²⁰0 76400 — 83200 84400 92400 22176 3606 d a rA erwies 9. 5 118 ant ec in Wellen sech fortsebe, andererseits aber Es 110 0 zweifellos Raubmord vor, Anhaltspunkte zür Täterschaft find nicht vorhanden. Da es am Sonntag einigermaßen gutes Wochenluhnes b..... her ift als 68 100 Mark pro Woche uf. „ Dinzerltesel“ Diese Operesse von 8. Miele, die bereits . 0 vorigen n größtem Erfolg 95 Seeber wurde, foll 5 8 5 sateder der Nl 5 d decle ren werben— 5 cee e mustkalischen und gesamalichen V ernst i nehmenden 1 5„noch nicht ges hat, wehre b Inhal wer. 58. 15 mi sehen 1 Dee HGelegenheit zu besuchen, 5 voraussichtlich nur einmal stattfindet.— Der Reinertrag soll der 5 Ruhrhilfe überwiesen werden. der Karten bei Vorverkauf lter Mk. 2500, 2000 und 1500. Studentenkarten —— 5 Hausverwalter Ritter.(Siehe e ck. — Heugras⸗Versteigerungen auf den städtischen Wiesen finden Montag und Dienstag nächster Woche statt. Auf die Bekannt⸗ machung im heutigen Blatte wird an dieser Stelle aufmerksam 8— Herstellungspreise von Anzügen und Damenkleidern. Die Schneider⸗Zwangsinnung für den Kreis Gießen veröffentlicht für Herstellung von Aunlügen und Damenkleidern Mändest⸗Richt⸗ prefise, ium mn empfehlen ist. — Beuern. Wohnungsnot und Wohnungselend merken wir hier auch. Gerade unsere Genossen sind es, die beides am eigenen Leibe spüren. Nun haben sich diese schon vor 4 Jahren danach umgetan, zu bauen. Aber bis heute ist noch kein richtiger Anfang. Schuld daran ist. daß die Gemeinde keine Bauplätze hat. Der Gemeinderat hat schon vor Jahren den Ausbau der . beschlossen. Jeetzt soll es dazu kommen. Die daran⸗ liegenden Grundstücke sollen gleichmäßig aufgeteilt und enteignet werden zum Bau pon Doppelhäusern. Nun ist zu Ostern die Auf⸗ 4 und Vermessung erfolgt und man hält es nicht für möglich, daß bis heute die Pläne noch nicht zurück sind. Ob es wohl daher kommt, daß es bei der Vermessung nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll und mum die Behörde dahinter kommt. Es sind nämlich 2 Bauplätze des Grundstlicks des Wirts Sommerlad größer ausgefallen auf Kosten der Nachbarstücke, entgegen dem Ge⸗ meinderatsbeschluß gleichmäßia aufzuteilen. Wer schuld ist? Natürlich niemand!! Die Genossen sind ja auch so dumm, die merken das schon nicht und die Baugenossenschaft, die in die Straße baut, laßt sich s e Schuld ist, daß die Baugenossen⸗ schaft sich dem Pfarrer zum Vorsitzenden und die beiden Lehrer fin 2 Vo rstand wählten. Was verstehen die nun von Bauerei! Der Pfarrer arbeitet sogar gegen die Baugenossenschaft. Nämlich, es muß, um i beuten zu können auch der Grasgarten 1 Vandwirt Walther enteignet werden, den er aber nicht hergeben will.— 5 dem scheint's klappen, während bei eimem von unseren Genossen nicht lange Federlesens gemacht wird, trotz seimem einzigen Aeckerchen. Nun vörsuchen die Genossen der Bau⸗ genossenschaft alles mögliche. daß dem Walther der Grasgarten 0 wird. Ihr Vorsitzender, der Pfarrer, arbeitet aber da⸗ 9915 indem er nach Gründen sucht, wie der Mann sein Grundstlick, „wicht das einzige, behalten kamm, steckt sich sogar nach hinter einen Herrn vom Kreisamt, damit ja der reiche Walther es behält. Der. hat das selbst in der e ausg. Das sind die„Daten“ des Vorsitzenden, bes Pfarrers. Das alles sassen sich die Genossen gefalle und darum ist ihnen auch nicht zu helson. 5— Beuern. Hier wird nächsten Sonntag und Montag, den 1697 und 11. Juni ein Bezirks⸗Schüler⸗Turnfest abge⸗ ten. Die Turngenossen und Freunde der e werden rauf aufmerksam gemacht und auf die Anzeige heutigen Blatze hingewiesen. Marburg⸗Kirchhain. Steigende Teuerung. 1 Markenbrot kostet vom 4. Juni ab 2100 Mk., Brötchen 65 Mk. Der Milchpreis ist vom 1. Juni ab 5 0 1000 Mk. pro Liter festgesetzt. O Städtisches aus Marburg. Der Voranschlag für das Jahr 1923 wurde auf 1689 Millkonen Mark festgesetzt. An indtrekten Steuern sind u. a. vorgesehen: Bier und Branntwein 1% Millionen, Vergnügungssteuer 16 Mill., Hundesteuer 2,7 Mill., Wert⸗ Zuwachssteuer 9 Mill., 21 an der Reichsiunsatzsteuer 144 Mill., Beherbergungssteuer 18 Mill„ Plakatsteuer% Mill. Mk., Gru 1 und Gebäudesteuer sollen nach 20 Mill. Nachlaß für wohn Abgabefreie Wohnungen 80 Mill. ergeben, oder das 50fache Grund miete.. der Wohnungsbauabgabe, Kaualgebühr stellt sich dann die Miete in Marburg auf etwa das 400 fache der Grundmiete.) An Gewerbesteuern sollen 100 Mill. auf⸗ gebracht werden und der Anteil an das Reichsbinkommen ist mit 170 ic. dorgesehen. Die gewerblichen Betriebe der Stadt sollen 150 Mill. abwerfen. Die Neparationswerkstätte des Elektrizitätswerks wie die Benzolanlage und die Schlackensteinfabrikation des Gaswerks haben sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen. Der Voranschlag ist nach 8 * — 17 zwei Monaten schon um ein paar Hundert Millionen überschritten, dich winde bescfossen, angefangene Reparaturarbeiten, Pflasterung „ edr Bahnhofstraße und anderes, ohne Rücksicht auf Kostensteigerung, auszuführen. Für die Miillabfuhr wurde die Anschaffung eines Vor⸗ spann⸗Motors für 26% Mill. Mk. beschlossen. Der städtische Juschuß bei den Schulen beträgt auf den Schüler berechnet: Ober⸗ realschule 172 000, Elisabethschule 116 500, Volksschulen 66 100, Ge⸗ werbliche Berufsschule 809, Fachschule für Mädchen 16 000 Mk. Ein Antrag nuserer Genossen, filr 1924 die Einführung der Lernmittel⸗ freiheit vorzubereiten, wurde abgelehnt. Der Zuschuß würde sich e für den einzelnen Schüler um etwa 8000 Mk. und bei Dieserung von Arbeitsmaterial für Mädchen r Hälfte des Zuschusses für die höheren Schulen. Ein der Magistrrt solle eine Vorlage machen, die Totenbestattung in städtische Regie zu überneh⸗ men, wured gegen die Stimmen der gesamten Rechte angenommen, trotzdem von dieser Seite bewegte Klagen über unerschwingliche Kosten, teilweisen Luxus, Wucher usw. vorgebracht wurden. Strafkammer Gießen. Sitzung vom 1. Juni. Ungewollten Erfolg hatte ein Sede aus Hainchen. Er hatte s. Zt. von der Forstbehörde einen Fichtenstamm zugewiesen erhalten, den er aber nur in Gegenwart des Forstwarts 1 e verladen und abfahren sollte. Er hat dies alles ohne Forstwart getan. Vom Schöffengericht N er— 5 Forstdiebstahls eine Geldstrafe von 20000 Mk., bei welcher Strafe er sich auch für seinen Teil beruhigte, nicht. der Staats⸗ anwalt, der Berufung verfolgte, um eine Freiheitsstrafe gegen den Landwirt zu erzielen. Die Strafkammer hob aber das Urteil des Schössengerichts auf und ich den Angeklagten aus subjektiven Gründen wegen Forstdiebstahls frei, weil es annahm, daß der An⸗ geklagte das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit seines Tuns nicht be⸗ sessen. Weil er aber den Stamm aus dem Wald abgefahren hatte, bevor er von der Forstbehörde ihm überwiesen war, 1 er wegen Forstübertretung eine Geldstrafe von 300 Mk. Falsche Weichenstellung. Im September 1922 fuhr ein von Gedern kommender Personenzug auf Bahnhof Hirzenhain infolge falscher Weichenstellung in ein falsches Geleis ein und fuhr auf drei dort aufgestellte Güterwagen auf. Personen wurden hier⸗ bei nicht verletzt; der Materialschaden war unbedeutend. Der Fahr⸗ dienstleiter— Weichensteller Gußmann, der Weichensteller Vonhof als der die Weiche bedienende Beamte— und der Streckenarbeiter Geiß hatten sich wegen dieses Zusammenstoßes zu verantworten. Vom Schöffengericht waren alle 3 verurteilt worden. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten Geiß erkannte die Strafkammer auf Grund der erneut gemachten Feststellungen auf Freisprechung des Geiß, weil ihm als nicht geprüftem Arbeiter die Bedienung des Einfahrtsignals nicht hätte übertragen werden dürfen, eine Verantwortung ihn also nicht treffen könne und hierfür nur der Fahrdienstleiter verantwortlich sei.— Die Strafen gegen die Weichensteller wurden auf je 10 000 Mk. erhöht. Ein Kirchenräuber. Der Arbeiter Ernst Hecker von Frankfurt a. M. war der dritte im Bunde der Räuber, die im Januar 1923 in die katholische Kirche zu Dorn⸗Assenheim einge⸗ brochen waren und allerhand zum Gottesdienst bestimmte Gegen⸗ stände gestohlen hatten. Die 2 Komplicen des H. sind bereits wegen der Tat zu längeren Gefängnis⸗ und Zuchthausstrafen verurteilt worden. H., der geständig ist, erhielt eine Gefängnisstrase von 4 Fahr en und 5 Jahre Ehrverlust. Kleine Nachrichten. 450 000 Zentner Weizen verschwunden. Riesenunterschlagungen sind bei der Rathenower Dampfmühlen⸗Aktiengesellschaft vorge⸗ kommen. Allein 450 000 Zentner Weizen sollen verschwunden sein. Neben der Dampfmühle bestand eine sogenanmte Trocknungsgesell⸗ schaft. Gingen die Geschäfte gut, so galten sie für die Trocknungs⸗ gesellschaft gemacht: die Verluste wurden auf das Konto der Mühle geschrieben. Die Verluste werben augenblicklich auf 11 Milliarden Mark geschätzt. Bankdirektor Krietsch hat im Mühlenauto mit dem 10h verhafbeten Direktor Dettmann größere Reisen nach Kissingen anderen Bädern unternommen. Sämtliche Anklagen der Ane gegem den Vorsitzendem des Aufsichtsrats und der Auf⸗ sichtsräte sind durch eidessbattliche Versicherungen gestützt. Es sind so schwerwiegende Anschuldigungen gegen Krietsch und die Auf⸗ sichtsräte von Angestellten der Mühle bei der Sbaatsanwaltschaft eingelausen, daß der Untdersuchumgs richter eine große Vernehmung von Zeugen, unter denen sich Angestellte der Mithle und Aufsichts⸗ räte besinden, auf dem Landgericht Potsdam angeordnet 1 Die Güterkasse Rathenow bat allein eine Pachtenstundung von 90 Mil⸗ lionen Mark gehabt.— Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Tarifvereinbarung in der Holzindustrie. Im Landestarifamt sind für Fachbetriebe der Holzindustrie in Hessen und Hessen⸗Nassau bis 13. Juni in den einzelnen Lohnklassen folgende Löhne festgelegt e 5 1 8 8 3. 4. 5. ab 31. 5. 3500 3320 3148 2960 2783 ab 7. 6.—13. 6. 3800 3608 3425 32²⁰0 3026 Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 5. Juni. Die Hessischen Steinbrüche in Londorf sollen den Stunden⸗ lohn ihrer gelernten Arbeiter vom 24. Mai an auf 2000 Mark, ab 1. Juni auf 2700 Mark und vom 11.—20. Juni auf 3000 Mark erhöhen. Dem Süddeutschen Isolierwerk gab der Schlichtungsausschuß auf, dem Arbeitern der Kieselgurgrube Beuern vom 14.—31. Mai 1275 Mark Stundenlohn zu zahlen. Diese Lohnhöhe entspricht dem Antrag des Verbandes der Bergarbeiter. 9 Uhr, Versammlung im Vereinslokal. teiligung wird ersucht. klä e ärun In drei Kündigungssachen einigten sich die nen halb öffentlicher Serband b Marburger ee ee Bauarbeiter der 5 Droste im Franbeuberg durch e verpflichtet worden, einen Bau unter 2 3 tellen, angeblich. eat e e e eg Fe einem Vergleich wurde festgelegt, daß nach Fertig e e Teriflohn gezahlt werden fol 1 organisterten den der l ere Zimmermann und Waldsch i —. durch Schiedsspruch ab 27. Mar auf Antrag vom 9. Mai den Tariflohn zugesprochen. Eim großer der Arbeiter dieser Unternehmer ist nicht organisiert. Sie da Beiträge 3 5 gespart und dadurch keinen An auf tarifliche Entlohnung. Die im Baugewerksbund 0 ten Arbeiter des. Göbel in Biedenkopf beantrag Festsetzung threr Löhne. G. ist Mitglied der Vereinigung Ziegeleibesitzer, welche mit ihren Arbeitern keinen Lohn will. Durch Schiedsspruch wurden die Löhne der Bauhilfsa als angemessen erklärt.— Der Bauunternehmer Bieber in zahlte ihren beim Bau eines Kalkofens in Amönau beschäf Arbeitern statt 1400 Mark tariflichen Lohn nur 600 Mark als die Arbeiter tariflich bezahlt sein wollten, wurden lassen. Da die Unternehmer Mitglieder des Unternehme verb sind, der den Tarif mitabgeschlossen, haben die Arbeiter eim bares Recht auf den Tariflohn und erklärte sich der Schlichtun ausschuß hierim für unzuständig. Bezüglich der Entlassung g der Spruch dahim, daß der Betriebsobmann wester zu beschäf üst und der Einspruch der anderen Arbeiter gegen Ent! berechtigt erklärt wurde da keine Streckung der Arbeit st funden. Im Falle die Arbeiter nicht weiter beschäftigt w ist ihnen ein Zwölftel des Jahresarbeitsverdienstes unter 2 nung des jetzigen Stumdenlohnes zu zahlen.— Die im verband der Heimarbefter organisterten Arbeiter der Geißler in Düsseldorf, welche im Steinbruch bei 5. schäftigt werden, waren entlassen worden, als sie die ta vi Löhne verlangten. Die Firma wollte dazu nicht in der Lage aber andere Unternehmer in unmittelbarer Nähe zahlen ta Es hatten 10 keine Verhandlungen zwischen Betriebsrat Unternehmer stattgefunden und wurde deshalb die Verhan ausgesetzt, um 1105 Verhandlungen stattfinden zu lassen.— Verkehrsbund beantragte für seine bei drei Kirchhainer nehmern beschäftigten Mitglieder die Marburger Löhne. Unternehmer wollten eine Spanne unter diesen bleiben, Kirchhain billiger fei. Infolge der Behauptung, daß zwei Unternehmer berests die Marburger Löhne zahlten, wurde di Verhandlung 0 f um die Richtigkeit machzuprüfen.— C 0 10 Spannung 1 ard gern 1 715 g Arbeiter Turn⸗ und Sportbund, 9. Kreis, 3. Bezirk. Den Schülerabteilungen zur Kenntnis betreffs Bezi schülerturnfest am 10. Juni in Beuern: Abfahrt von Gießen 8 Uhr vorm. Fahrkarten sind zu lösen bis Gr.⸗Buseck. Die Schul abteilungen wollen frühzeitig am Bahnsteig sein. Die Kampfr sitzung findet 9,30 Uhr statt. Das Wetturnen beginnt um 10 b Turn⸗ und Sportgenossen auf zum Bezirksschülerturnfest Beuern. Amend, Bezirksturnwart. Versammlungskalender. f Treis a. Lda. Free Turnescschaft. Don e 7. Juni, abends 9 Uhr. Versammlung im Vereinslokal. Treis a. da. Volks verein. Samstag, 9. Juni, Gießen. Arbeiter⸗Jugend. Freitag, den 8. J. abends 8 Uhr Mitgliederversammlung. Durch Wichtigkeit der Tagesordnung pünktliches und zahlreiches scheinen erwünscht. Der Vor sta Gießen. Freie Turnerschaft. Am Sonntag, 10. Schülerturnfest in Beuern. Abfahrt von Gießen 8 Uhr vormittags. Fahrkarten sind bis Großen⸗Buseck zu 10 Uhr Beginn des Wetturnens. Nachmittags: Fest umug, meine Fretübungen, Sondervorführungen. Die pa glieder können den Zug 12.30 Uhr benutzen. Um zahlreiche Lang⸗Göns. Wahlverein. Samstag, den 9. Juni, abends 9 Uhr Mitglieder⸗Versammlung bei Hebbel Tagesorprung: Bezirkskonfernz in Gießen. Alten⸗Buseck. Sonntag, den 10. Juni, vormittags 11½ Uhr Abmarsch der beiden Vereine, Turnverein und Gesangverein mania mit Musik nach Beuern. Abmarsch der Schüler kämpfer) morgens 7 Uhr vom Vereinslokal. um vollzählige und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Diollarstand Mittwoch Mittag 12 Uhr: 73 000 Mark. 8 Sopfeld die Monatsversammlung her Zwangs⸗Inuung ür den Kreis Gießen gibt* Mindest⸗ Wigtyreise bekaunt: Der Vorstand. Sonntag, den 10. Juni, nachmittaas um 2 Uhr, findet im Eiseubahnbotel der Herreuschneider u. Sonntag, 17. Juni, die der Damenschneiderinnen statt. Zum Besten der Ruhthilfe Mittwoch, den 13. Juni, Anfang 8 Uhr im Kathol. Vereinshaus Tinzrriesel Operette von G. Mielke den und zwar: 1 a) Stadt: 7 J Salko⸗Anzug Mk. 275 000.— a 2 5 1„247 500.— 221 6 1 1 5 a) vormittags 9 uhr Zusammenkunft am Schlacht⸗ i 8 f. 115 12 585 Mt 9 N hof von den Wiesen im Neustädter Feld. f 1 9 0 110 000.— 9—— lb) vormittags 10%% Uhr in der Restauration von Schneiber⸗Kostüm ohre Zutaten„ 168 000.— Georg Schrimpf, Kaiserallee 4, von den Wiesen im 15 Mantel„ 15„ 145 000.— 1 Heegstrauch, von der Hospitalwiese auf der Weiß⸗ B. Damenschneiderinnen; A860 10 erde und vom Obstbaumstück an der Licherstraße in 1. Gesellschaftskleid Tarif.. Me. 110 000— 4 Abteilungen, sowie von der Wiese des Turnvereins „ 105 1*****„ r 80 000.—* im Heegstrauch. bene: e lll Alea gere 2. 05 1 e) nachmittag hr im Philosophenwald, von den 1 Tarif: F 1 5 Wiesen am Fürstenbrunnen, im Wiesecktal, von den 8 CCC ĩ billiger und haltbarer Hospitalwiesen in der Gemarkung Wieseck. 5 1 3. 1— 19 als 8 80 Dieustag, den 12. Juni „ 77111 V 5 65 000.— Ran e ene a) vormittags 9 uhr an Ort und Stelle an der e,, 9 Walen Ben Rödgerstraße von den Ochsenwie en, von den Wiesen 5 r 5 59090 1 P 11 0 n 0 im Stolzenmorgen, am Utersbrunnen und Altentisch Selbständige Haus beriunen einschl. 7 1 12 N 5 b) nachmittags von 2 Uhr an Ort und Stelle von 1 e ne e me 1 ee 955 1 0 Neuenweg 10. den Wiesen in der Gemarkung Großen⸗Buseck und anne, 7 a ctee een d dungen eintreten, 5 5 5 9 5 lche die Wies best t e inzugerechnet. eigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen be⸗ les nn nd lei absichtigen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeiser b Bellof, Wolsstraße 15, wenden. Lupler ue. zahlt die höchsten Preise Zufall Wolken gasse. 421 machen zu lassen. Gießen, den 4. Juni 1923. Sthördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Heugras⸗Versteigerung der Stadt Gießen. Montag, den 11. Juni und Dienstag, den 12. Juni soll das Heugras von den städtischen Wiesen auf, Grund der vom Hess. Ministerium erlassenen Ver⸗ ordnung vom 15. Mai 1920 meistbietend versteigert wer⸗ Montag, den 11. Juni Die VBürgermeistereien der umliegenden Gemeinden 11 werden ersucht, Vorstehenoes in ihrer Gemeinde bekannt der Oberbürgermeister. J. A.: Dr. Rofenberg. Nutzholzversteigerung. Nächsten Samstag, den 9. I. Mts., mittags 2 Uhr, sollen im Großen⸗Lindener Gemeindewald zirka 60 a Fichte⸗Derbstangen, 95 Rm. Fichte⸗Nutzreisig, 6,04 Am. 5 Fichte⸗Nutzscheit und 18 Rm. Fichte⸗Nutzknüppel ver⸗ steigert werden. Zusammenkunft mittags 2 1 5 5 Distrikt wee Großen⸗Linden, den 4. Juni 1923. a Bürgermeisterei Großen⸗Linden. Turngenossen! Auf zu dem am Sonntag, den 10. und Montag, den 11. Ju in Beuern bei Gastwirt Sommerlad stattsindenden Bezirks⸗Schiler⸗Turnfes verbunden mit 15 jährigem Stiftungs-Jest Mit freiem Turnergruß Der Vorstand und Jestausschu Gestorbene. uni. Wilhelm Klein, Lokomotibführer, 46 Ja re alt, eee e! 7. Juni, 3 Uhr na „