2 2 e 2 S . 2 e 25 — 1 2 2 EE e megerichiz Fr. Reel t der aufhg gte Geh. stensammm auoͤwirlsaß in und A. zum 25 7 lich zun letten in af lich un bungen l Schürftz! ie keinen 70 e Stoffe af sen und dae 0 ie t haben, ßig daa — 1 Buch 0 s An die! al 7 Oberhe Kedaktion: Gießen üben, und man munkelte bereits, daß die litauischen Unier⸗ jetzt hat Litauen allen Annäherungsbestrebungen seine stereotype Forderungen nach Rückgabe des Wilnaer Landes entgegengesetzt und damit aller Voraussicht nach die von 0 längere Zeit vereitelt. Bahnhofstraße 23 Ftrusprether 2008. lfözeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Frpedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008. Die Oberb. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gi 0 er Wanne wege mit den Beilagen„Das Blatt der Frau- und. wirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 3300.— Mek einschl. Bringerlohn. urch die Pot bezog. 3300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.—Mt 15 Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(88 mm breit) oder deren Naum lokal 60.— Mk, auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. —— Rr. 103 Gießen, Montag, den 7. Mai 1923 183. Jahrgang Ptrr polnish⸗lilavishe Zul. (Von unserem Warschauer Korrespondenten.) Seit Polen durch den Handstreich des Generals Zeli⸗ gowski das Wilnaer Land— von Polen als„Mittel⸗ Litauen“ bezeichnet— an sich brachte, hat es nicht aufgehört, Litauen die Hand zur Versöhnung hinzustrecken. Hin und wieder wurden in die polnischen Noten, die Litauen eine Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen zu Polen rieten, leise Drohungen eingeflochten, auch vor dem Völkerbund wiederholt Beschwerden wegen der Behandlung polnischer politischer Häftlinge in Kowno vorgebracht, aber der Grund⸗ ton der polnischen für Litauen bestimmten Aeußerungen ist doch schon seit Jahresfrist ein unverkennbares Liebeswerben. Nur vorübergehend war diese polnische Haltung erschüttert, als Litauen, dem Beispiel Zeligowskis folgend, das Memel⸗ land okkupierte und Polen seine schon in Paris ange- meldeten Ansprüche auf das Mitregiment in Memel ge⸗ fährdet sah. Hier griff aber Frankreich besänftigend ein, das damals, im Anfang des Ruhrkonfliktes, einen folgen⸗ schweren Zusammenstoß im Osten fürchtete. Inzwischen hat Frankreich bei der Botschafterkonferenz für seinen polnischen Vasallen die formelle Zuerkennung des Wilnaer Landes durchgesetzt, und Polen erneuert, von Frankreich gestützt und geschoben, seine Annäherungsversuche an Litauen. Frankreich hat sich redliche Mühe gegeben, auf Litauen eine Pression im Sinne dieser polnischen Wünsche auszu⸗ händler, insbesondere Galwanowskas, nicht mehr ganz fest seien. Aber die litauische Dickköpfigkeit hat gesiegt. Auch Frankreich⸗Polen so heiß erstrebte Einfügung Litauens in den Block zur Niederhaltung Deutschlands wieder auf Daß die litauische Haltung in diesem Sinne uner⸗ schüttert ist, geht aus dem am 21. April in Genf vor dem Völkerbund geführten Verhandlungen über die Teilung des früheren neutralen Streifens zwischen dem Wilnaer Land und Litauen hervor. Diese Teilung ist nach einem früheren Beschluß des Völkerbundes im Februar d. J durchgeführt worden. Litauen hat von Anfang an hiergegen protestiert, denn die Ersetzung des neutralen Streifens durch eine Grenzlinie bedeutete formell, daß eine wirkliche Grenze ge⸗ schaffen und dem provisorischen Zustand, als den Litauen diese Lage ansah, ein Ende gemacht werde. Aber die litauischen Proteste hatten das Schicksal der Proteste der Schwachen; sie blieben ungehört. Vor dem Völkerbund hat aber Galwanowskas im Namen Litauens am 21. April er⸗ neut aufs schärfste gegen die Festsetzung einer Grenze, die das Wilnaer Land Polen zusprach, protestiert. Er hat sogar beantragt, die Frage dem Internationalen Schiedsgericht im Haag zu überweisen. Er blieb jedoch mit seinen Forde · rungen völlig allein. Zwar will Litauen nun an das Plenum des Völkerbundes appellieren— in Genf tagte der sogenannte Völkerbundsrat— aber auch dieser Schritt dürfte nur eine Demonstration bleiben. Inwieweit Litauens Ansprüche auf das Wilnaer Land gerechtfertigt sind, ist eine Frage für sich. Die Stadt Wilna ist überwiegend polnisch und jüdisch, das platte Land über. wiegend weißrussisch. Historische Argumente— Wilna ist die alte Hauptstadt des litauischen Reiches— sind bekannt⸗ lich im allgaminen nur in der Hand des Stärkeren wirksam. Jedenfalls sind aber Polens Ansprüche auf dieses Gebiet nicht besser begründet als die Litauens. Warum aber Polen so sehr daron liegt, über den Besitz des Wilnger Landes hinaus auch Litauen in seine Macht⸗ pläne zu ziehen, wurde bereits angedeutet. Polen hat zwar Litauen durch einen polnisch⸗lettischen Korridor von Ruß⸗ land abgeriegelt, fürchtet aber immer noch, Litauen könnte die Brücke zwischen Deutschland und Rußland bilden, während es nach polnisch⸗französischem Wunsch die deutsche Einkreisung im Osten vollenden soll. Deutschland hat, nach dem Memelputsch, gewiß keinen Anlaß, Litauen zu lieben. Aber daß ihm ein politisch selbständiger Nachbar lieber ist, als ein neuer Trabant Frankreichs, dürfte verständlich sein. In Erwartung der Antwort. Eine leise Wendung zum Besseren. Englisch⸗italienisch⸗belgischer Druck auf Poincaré. In der durch das deutsche Angebot geschaffenen politischen Lage ist entschieden eine Wendung zum Besseren eingetreten. Zunächst ist man sich im Lager der Alliierten immer noch einig über das„unan⸗ nehmbar“. Aber die Ansicht, daß man jetzt auf alle Fälle zu Verhand⸗ lungen kommen muß, gewinnt immer mehr Boden. Frankreichs schrofse Ablehnung wird in London und Rom, aber auch in Brüssel nicht mitgemacht. Die Verhandlungen zwischen der französischen und belgischen Regierung gehen weiter. Aber soviel scheint jetzt endgiltig festzustehen, daß zwei verschiedene Antworten aus Paris und Brüssel erfolgen werden. Ob das schon im Laufe des heutigen Samstags sein wird, ist nicht sehr wahrscheinlich, da der Wortlaut der beiden Antworten vor der Ueberreichung an Deutschland den anderen ver⸗ bündeten Regierungen zur Kenntnis gebracht werden soll. England übt entschieden einen starken Druck aus, daß nicht durch Frankreichs überstürztes Vorgehen alle Brücken wieder abgebrochen werden, sondern, daß man zu Verhandlungen kommt. Der englische Botschafter in Paris soll Poincaré erklärt haben, daß die englische Regierung die deutsche Note in ihrer gegenwärtigen Form zwar auch als unannehmbar betrachtet; sie empfehle jedoch der französischen Re⸗ gierung dringend. die durch die deutsche Note geschaffene Gelegenheit zu einer allgemeinen Aussprache über die Reparationsfrage zu be⸗ nutzen. Tatsächlich muß man am Quai d Orsay zugeben, daß in den Kreisen der englischen Konservativen als der jetzigen Regierungs⸗ partei Englands, die Stimmung für eine allgemeine Aussprache stark zunimmt. Dem hat auch Lord Curzon in seiner Rede vor einer kon⸗ servativen Parteiorganisation Rechnung getragen und durch sein Be⸗ 21— zum Optimismus zu einer entsprechenden Wendung beige⸗ agen. 1 An seiner Seite hat England das Italien Mussolinis, der keines⸗ wegs geneigt ist, Frankreichs schroff ablehnende Haltung mitzumachen, sondern vielmehr zusammen mit England jetzt scharf auf eine Lösung im Sinne der Verhandlungen drängt. Lord Curzon über die neue Lage. Niir ein gemeinsamer Schritt verspreche Erfolg. Lord Curzon machte am Freitag als Mitglied der englischen Regierung Ausführungen über die neue Lage und zwar in einer polttischen Versammlung. Er sagte in seinex Ansprache: Schwere Wolken lägen augenblicklich über Mitteleuropa und viele dächten, diese Wolken seien innerhalb der letzten 24 Stunden kaum gelichtet worden. Darauf erwidere er, daß man in einer so schwierigen Lage, wie der gegenwärtigen, keine schnelle und plötzliche Lösung erwarten dürfe. Seines Daffürhaltens sei jede, auch noch so un⸗ merkliche Bewegung in diesem Problem ein Schritt vorwärts. Wir können beim besten Willen die Situation nicht verzweifelt und verzagt ansehen. Die englische Regngterung befinde sich in ununter⸗ brochener Erörterung mit der französischen und belgischen. Ob das Angebot Deutschlands gut oder schlecht sei, sei eine Frage, die alle Alliierten angehe.„Wir können aus dieser schwierigen Lage nur herauskommen durch ein gemeinsames Vorgehen und wenn Deutsch⸗ land vor eine gemeinsame Entscheidung der Hauptmächte gestellt wird, werden die Aussichten für einen Erfolg sich gesteigert haben.“ Ebenso hoffnungsvoll sprach Curzon über Lausanne. Auf keiner Seite habe man ein Interesse an einer Wiederholung des Kampfes. Es wird erwartet, daß die englische Regierung, die am heutigen Samstag in einem Ministerrat die deutschen Vorschläge zusammen mit den französischen und belgischen Antworten prüsen will, am Dienstag im Ober⸗ und im Unterhause Erklärungen abgeben wird. Die offene Tür. In Berliner Kreisen glaubt man, daß die französisch⸗belgischen Antworten die deutsche Note zwar für unannehmbar erklären, gleichzeitig aber die Voraussetzung für den Beginn irgendwelcher Verhandlungen benennen und die Formulierung dieser grundsätz⸗ lichen Fragen in einer Art vornehmen wird, die immerhin eine deutsche Rückantwort gestattet. Schon dshalb sollen bestimmte Llicken gelassen werden, um der deutschen Oeffentlichkeit den Vor⸗ wand zu nehmen, daß Frankreich bisher nicht gesagt habe, unter welchen Bedingungen es zu Verhandlungen bereit ist und um 1 vor der Welt den Beweis der Friedensgeneigtheit zu üühren. Dm Frieden Europas wären wir näher gekommen, wenn sich Frankreich und Belgien mit einer sachlichen Ablehnung der deutschen Note begnügen und die Voraussetzungen für Verhand⸗ lungen in einem Rahmen halten würden, der Deutschland die Möglichkeit zu einer Antwort gibt, sodaß wenigstens die Dis⸗ kussion über den Verhandlungsbeginn weitergeführt werden kann. Darüber muß man sich aber auch in Paris klar sein, daß die Lücken der französisch⸗belgischen Antwortnoten ihren Zweck verfehlen, wenn man von dem deutschen Volk mehr verlangt, als es zu geben vermag. Schon wieder spielt die Frage der passiven Resistenz in der französischen Presse insofern eine Rolle, als es heißt, daß Frankreich den Beginn von Verhandlungen von dem Verzicht auf die deutsche Abwehr abhängig machen will. Noch steht nicht fest, ob derartige Presseäußerungen jetzt tatsächlich die Meinung der französtschen Regierung wiedergeben und ob Belgien sich zu einer derartigen Forderung bereitfinden wird. Vor ganz kurzer Zeit hat der französische Ministerpräsident hervorragenden deutschen Par⸗ lamentariern durch einen bekannten Franzosen mitteilen lassen, daß er nicht mehr daran denkt, ein derartiges Verlangen zu stellen. Oder hat Herr Poincars inzwischen seine Meinung schon wieder geändert? Man sollte übrigens annehmen, daß der- Stärkere in, dem gegenwärtigen Konflikt leichten Herzens auf weitere Demü⸗ tigungen gegenüber Deutschland verzichten kann, wenn es ihm mit der Friedensbereitschaft in der Tat so ernst ist, wie es die fran⸗ zösische Presse immer angibt. Frankreich würde nicht daran denken, eine deutsche Forderung, die den Verhandlungsbeginn von der Räumung des Ruhrgebiets abhängig macht, auch nur Und auch Litauen dürfte dabei letzten Endes besser fahren. tieren. Die Gerechtigkeit erfordert geradezu, daß man das, was man selbst eblebnt, im um cite Falle wendestens auch dem zu disku⸗ Gegner zugesteht. Das wax bisher immer die Regel bei Ausein⸗ andersetzungen zwischn Kulturvölkern. a Verzichtet die Antwort Frankreichs und Belgiens, was wir die gegenwärtige Regierung stimmt für eine Rückantwort sein. Ob Sicher dazu imstande ist, wollen wir vorläufig nicht untersuchen. ist jedenfalls, daß ihr Vertrauen r groß ist und daß sie die Legende von der Besserung der Verhältnisse, sobald die Wirtschaftler regieren, glänzend widerlegt hat. Der Finanzwirtschaft ist kaum noch erträglich, was diese Regierung aus⸗ zeichnet, sind die Mahnungen zum Lohnabbau an die deutsche Wirt⸗ schaft. Die Haltung des Ruhrgebiets. Aus dem Ruhrgebiet wind uns geschrieben: Naturgemäß steht auch hier das Angebot der 90 itschen Regierung im Vordergrund der öffentlichen Erörterungen. inen großen Raum in der Dis⸗ kussion nimmt das evtl. Verhalten der Rechts⸗ und Linksradikalen bei evtl. Verhandlungen, die für wünschenswert gehalten werden über den Abschluß des Ruhrabenteuers ein. Es wird allgemein die Auffassung vertreten, daß sich die Extreme von rechts und links mit einem legalen Abschluß der Ruhraktion nicht zufrieden geben, vielmehr zu Gewalt⸗ tätigkeiten schreiten werden. Die kommunistische Presse zeigt sich in den letzten Tagen außerordentlich nationalistisch und warnt vor Ver⸗ handlungen. Sie vertritt den Standpunkt, daß die Franzosen und Belgier vor Beginn der Verhandlungen alle besetzten deutschen Ge⸗ biete sofort räumen müßten. Die Rechtsradikalen erwarten von einem für Deutschland ungünstigen Ausgang der Verhandlungen eine Stär⸗ kung der Nationalisten. Mit Genugtuung ist festzustellen, daß die Arbeiterschaft das Treiben der Kommunisten ebenso entschieden ab⸗ lehnt, wie die Pläne der Fascisten. Der Aufruf der kommunistischen Bezirkszentrale in Essen an die örtlichen Parteileitungen, dafür zu sorgen, daß die proletzrischen Hundertschaften am 1. Mai mit Ab⸗ zeichen versehen in geschlossenem Zuge und straffer Haltung an der Spitze der Maifestzuge marschieren, ist in den allermeisten Fällen er⸗ folglos geblieben. Wo sich die Hundertschaften, wie 3. B. in Duis⸗ burg, an der Maifeier beteiligten, ihren Reihen festgestellt. Es steht nicht fest, ob es sich hierbei um bel⸗ gische und französische Soldaten oder um in deutschen Betrieben be⸗ schäftigte Arbeiter handelt. Man nimmt an, daß diese französischen und belgischen„Kommunisten“ Kriminalpolizisten waren, die von den Besatzungsmächten in die Betriebe gesetzt worden sind. Der passive Widerstand der Bergarbeiter. Am letzten Samstag haben die Franzosen die Zeche„General Blumenthol“, Schacht 1 und 2 bei Herne besetzt. Als die Truppen den Zechenplatz betraten, haben die Belegschaften die Arbeit nieder⸗ gelegt. Nur die Notstandsarbeiten wurden ausgeführt. Die Franzo⸗ sen belegten die Kohlenhalden mit Beschlag und sperrten sie gegen den übrigen Zechenplatz mit Stacheldraht ab. Es wurden langwierige Verhandlungen über die Wiederaufnahme der Arbeit geführt. Die Arbeiter erklärten, daß sie keinesfalls unter Bajonetten arbeiten würden. Am Freitag ist eine Einigung dahin erzielt worden, daß die Truppen sich vom Zechenplatz zurückziehen, der Betriebs vat aber Sorge dafür zu tragen hat, daß die in französischem Dienst arbeiten⸗ den Auflader ungestört arbeiten können. Seit gestern ist auch die Be⸗ legschaft wieder eingefahren. Französische des Zechenplatzes einerseits zum Schutz f seits zum Schutze der im französischen Solde stehenden Arbeiter. Es ist das erste Mal, daß eine derartige Vereinbarung zwischen Besatzung und der Belegschaft getroffen wurde. Etwa 50 Arbeiter verladen die Kohlen und befördern mit einer beschlagnahmten Lokomotive die Wagen vom Zechenplatz zu einer Blockstelle. Eine Reihe von be⸗ ladenen Wagen harrt an dieser Blockstelle des Abtransportes. Seit Mittwoch brennt auf der Schachtanlage ein großer Kohlen⸗ berg. Die Löscharbeiten sind bisher ohne Erfolg geblieben. Der Prozeß gegen die Kruppdirektoren. Am Freitag haben vor dem französischen Kriegsgerichte in Werden— unter dem Schutze eines förmlichen Feldlagers von Truppen— die Verhandlungen gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden der Kruppwerke, Herrn Krupp v. Bohlenhalbach, und die verhafteten Werksdirektoren wegen der Essener Karsamstagsvorfälle begonnen. Es dreht sich vor allem um die Anordnung der Sirenenalarmsignale. Wir werden über den Prozeß eingehender berichten Verstärkter Terror. a Die Franzosen hoffen immer noch, vor etwafgen Verhan lungen, den passiven Wiederstand brechen zu können. Sie ver⸗ stärken deshalb ihren Druck von Tag zu Tag. Die Ausweisungen der Eisenbahner haben in den letzten Tagen ganz ungeheueren Umfang angenommen. Im altbesetzten Gebiet wurden die Eisen⸗ bahner am Freitag aufgefordert, bis Samstag 5 Uhr abends ihren Dienst wieder aufzunehmen. Andernfalls wird mit Ent⸗ lassung in schärfster Form gedroht. Ferner sind von der Rheinlandkommission Bekanntmachungen erlassen worden daß die von deutschen Behörden erlassenen Ver⸗ fügungen und Anordnungen in den besetzten Gebieten nur nach vorheriger Genehmigung durch die Hohe Interolliierte Rheinland- kommission(11) in Kraft treten könne. Kein deutsches Gericht. keine deutsche Behörde kann sich rechtlich auf Verordnungen und Verfügungen berufen die nicht„gesetznäßig“ in Kraft gesetzt worden sind. Sollten deutsche Behörden oder Gerichte es unter⸗ nehmen, diese Verordnungen und Verfügungen in Anwendung zu bringen, so würde die Interallijerte Rheinlandkommission nicht versääumen, die Beschlüsse und Maßnahmen aufzuheben, die in die⸗ ser Hinsicht getroffen worden sind, und die erforderlichen Sank⸗ tionen ergreifen! Mehrece Verordnungen der Inkteralliierten Rheinlandkom⸗ mission sichern den deutschen Staatsangehörjgen den vollkommen — 2 immer noch hoffen wollen, auf neue Demütigungen und stellt sie in der Hauptsache die fachlichen Momente gebührenderweise in den Vordergrund, dann dürfte die Mehrheit des deutschen Volkes be⸗ im Auslande nicht mehr sehr Dollar steht nach Vergeudung endloser Devisen auf 40 000, die Depisenordnung schließt von vornherein jede Wirkung aus, die schaft trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiter⸗ 7 3 1 wurden Belgier und Franzosen in Posten liegen außerhalb e der Bahnanlagen, ande rer⸗ 2 2 erwünschten tatfächlichen Schutz gegen etwaige Repressalfen von Seiten ihrer Regierung zu.(11) g Auch die Verkehrsunterbindungen gehen weiter. Der Bahnhofsvorsteher von Hennef(vor Ssegburg) wurde von den Franzosen verhaftet. wall er sich weigerte. 120 Eisenbahn⸗ wagen mit deutschem Gut nach Beuel abrollen zu lassen. Der Bahnhof wurde stillgelegt. Ferner wird aus Essen gemeldet: Die Besatzungstruppen haben die Bahnhöfe Duisburg⸗Ruhrort, Duis⸗ Rider ag dier und Hamborn⸗Neumshl besetzt. Der Verkehr vom in ins Revier ist dauon schwer betroffen, zumal, da die gestern erfolgte Besetzung des Bahnhofs Sterkrade bereßts den Verkehr mit Wesel unterbunden hat. Auch der Eisenbahnverkehr Duis⸗ barpg⸗Rubrort⸗Vesel ist jetzt unmöglich, was angesichts der Schika⸗ erienung der Rhoinschiffahrt schwer ins Gewicht fällt. 28 000 Ausgewiesene. ach in Berlin eingelaufenen Mitteilungen sind bis zum 2 21 955 dem altbesetzten Gebset ausgewiesen: 5271 Veamse nd 406 Prsbatpersonen, aus dem Einbruchsgebiet 1010 Beamte, 243 Privalpersonen und 5091 Schutpolizelbeamte. Unter Hinzu⸗ ziehung der Familienangehörigen ist mit zusammen 28 000 Ausge⸗ wife zu rechnen. Außerdem sind etwa 1000 deutsche Staats⸗ bürger von den Besatzungs behörden inhaftiert. Politische Uebersicht. rel Will Polen provozieren? Die polnische Regierung hat der Deutschen Gesandtschaft Warschau eine Note zugehen lassen, in der die Liquidation 15 Konsulats Thorn bis zum 15. Mai gefordert wird. Be⸗ gründet wird diese auffällige Forderung damit, daß das eutsche Konsulat in einem polenfeindlichen Sinne tätig ge⸗ wesen sei, indem es die Deutschen des dortigen Bezirks von einer Abwanderung nach Deutschland abgehalten und dabei mit der Organisation der Deutschen polnischer Staatsange⸗ örigkeit, dem sogenannten Deutschtumsbund, zusammen gegrbeitet habe. N Um die brüske und provozierende Forderung der polni⸗ schen Regierung sachlich erörtern zu können, muß man nähere Nachrichten abwarten. Von pornherein kann man sagen, daß es bei der noch ungeklärten Stellung der in Polen ver⸗ bliebenen Deutschen, die einen verzweifelten Kampf gegen eine rechtswidrige Verfolgung durch Polen führen, selbst⸗ verständlich ist, wenn die deutsche Vertretung mit ihnen so⸗ viel Fühlung hält, als es nötig ist, um die kümmerlichen achte des Versailler Vertrages zu wahren. Vor allem aber ist das Vorgehen Polens for Ill, sagen wir, recht un⸗ europäisch. Internationglen Gepflogenheiten entspricht es, sich über vermeintliche diplomatische Uebergriffe zunächst einmal im Notenwechsel auseinanderzusetzen. Denkbar wäre uch die Forderung der Abberufung eines mißliebigen Ge⸗ sandten oder Konsuls. Die Liquidation einer ganzen Be⸗ örde jedoch erinnert an China aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Will man nicht jugendliche Unreife bei dieser polnischen e annehmen, so käme nur noch die bewußte Absicht in Frage, die deutsch⸗polnischen Beziehungen zu trüben, die dresdener Verhandlungen zu zerschlagen. 1 Sturmszenen im preußischen Landtag. Kommunistische Radaugesellen. dn der Aren ien des Ppeußjischen Landtages wurde zunächst a deutschngtiongle Mißtrauensvotum gegen den Innenminsster, Ge⸗ — 31 in namentlicher Abstummung mit 248 gegen 79 Stim⸗ unen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Nach der Abstimmung fam es zu einer lebhaften Geschäftsordnungsdebatte, da die Kom⸗ mumisten ihr Votum für Severing mündlich begründen wollten, was sowoßd vor wie nach der Abstimmung als geschäftsorbmingsmäßsig für unzulässig erklärt wurde. Weil der Präsident, Genosse Leinert, im Rahmen dieser Geschäftsordwumgsdebatte auch eine Kritik des Ministers Severing durch den Kommunisten Schultz⸗Neukölln nicht zu⸗ ließ, wurde er beschimpft. Das führte zu einer großen Empalrung im ganzen Haufe, zumal die Kommunisten den Präsidenten mit Aus⸗ drücken, wie„Oberscharfmacher“ usw. betitelten und ihm die Eignung für sein absprachen. Stürmischer Beifall ging durch das Haus, als Präsident Leinert dem Abg. Schultz das Wort entzog, weil seine Redezeit abgelaufen war. Doch sofort meldete sich sein Fraktions⸗ kollege Katz zum Wort, der schon im starken Tumult in den wüstesten Ausdrücken den Präsidenten beschimpft, eingestellt auf sein eigenes Benehmen und das seiner Fraktion den Landtag als Komödienhaus bezeichnet und schließlich eine unerhörte Schimpflanonade auf die Sozialdemokraten losläßt, wobei er mit Ausdrücken, wie„Verbrecher 1 „Zuhälter“ usw. nicht sperrte. Als Präsident Leinert schließlich nach⸗ dem er von der kommunistischen Erklärung Einsicht genommen hatte, eine Verlesung auf Grund der Geschäftsordnung ablehnte und unter dem Wutgeheul der Kommunisten Schluß der Geschäftsordwmgs⸗ debatte beantragt wurde, verläßt Abg. Katz, dessen Redezeit ebenfalls abgelaufen war, die Tribüne, indem er der sazialdemokratischen Frak⸗ tion zurft:„Ihr sid doch alle ein elendes, dreckiges, schmieriges Lumpengesindel!“ Darauf kam es zu ungeheurem Lärm, es ent⸗ spamn sich eine wüste Schlägeref zwischen Sozialdemokraten und Kom⸗ mmisten. Präsident Leinert hob sofort die Sitzung quf. Etwa 10 Minuten herrschte ein allgemeiner Wirrwarr. Schließlich kehrte der Präsident zurück und erklärte unter stürmischem Beifall, daß er auf Grund der Geschäftsordnung den Abgeordneten Katz wegen unerhör⸗ ter Beleidigung des Hauses von der Sitzung ausschließe. Die Sitzung wurde auf eine halbe Stunde vertagt, um dem Abg. Katz Gelegenheit zum Verlassen des Sitzungssgales und dem Aeltesten vat zur Stellung⸗ nahme zu diesem unerhörten Vorfall zu geben. Die tobenden Aus⸗ einandersetzungen dauerten noch eine geraume Weile an, erst all⸗ mählich trat wieder Ruhe ein. 5 5 9900 eimstündiger Unterbrechung eröffnete Prästdent Leinert wieder die Sitzung Der Kommunist Katz ist dem Ausschluß aus der Sitzung nicht nachgekommen, wodurch er sich nach der Ge⸗ schästs ordnung von selbst auf 8 Tage ausgeschlossen hat. Der Präsident gab seimem Badguern Ausdruck über die Schlägerei im Parlament das nur den Kampf der Geister führen sollte. Wie wenig die Kommunisten dafsür Verständnis hesitzen bewiesen sie durch ein unbändiges Gelächter. Im Aeltestenausschuß halten ingzwischen, wie der Präsident mitteilte, alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten sich ungehalten gezeigt über die Lang⸗ mut und Milde des Präsidenten des Hauses. Die Erklärung, daß die parlamentaxische Sitte und Ordnung zur Abwicklung der Ge⸗ schäfte des Hauses von mum ab in aller Strenge gegen Störungen geschlitzt werbe, beankworsezen die Kommunisten mit den Zurufen: „Kröcher und Freiherr v. Erssa stehen wieder auf!“— Da der Abgeordnete Katz sich nach wie vor weigert, den Sitzungsfgal zu verlassen, wurde die Sitzung abermals geschlossen. Der Aoltesten⸗ ausschuß trat nochmals zusammen. Mir mehr als Dreiviertel⸗ mehrheit beschließt er wie der Prästdent in der drltten Sitzung mitteilt, den Abgeordneten Katz wegen seines Verhaltens auf 15 Sitzungstage auszuschließen. Ueber die Vertagung auf Samstag mit der Beratumg des Kultusetats statt des Berichts ühen die mitteldeutschen Unruben entspann sich erneut eine Geschäftsord⸗ nungsagussprache. Doch mit Recht wies Genasse Heilmann die Kammunisten darauf hin. daß ihr Verhalten und bie Weigerung von Katz die Unterbrechung der Sitzung und die Wgiterberatung verhindert hätten. Aber die große Mehrheit des Hauses beschliaßt nach diefen brei stütrmischen unerfreulichen Sitzungen die vorge⸗ schlagene a und Tatesardnung. Die bayerische Regierung auf weiter Flur allein. Bei Bergtung des Kapitels Münchener Polizeidirektion im Haushaltausschuß des Bayerischen Landtages entwickelte sich eine hochbedeutsame politische Aussprache, deren Ergebnis zeigt, daß die Regierung von allen Parteien verlassen ist. Selbst ihre hauptsächliche Stütze, die Bayerische Volkspartei, ließ sie im Stich. Die Abgeordn. Funke und Dr. Pestallozza drängten darauf, daß endlich von der Regierung die drohen⸗ den Gefahren erkannt und die nötige Energie und Tatkraft dagegen aufgebracht werden. Von der Zerfahrenheit in den höheren Beamtenkreisen sprach eine Mitteilung des Abge⸗ ordneten Wohlmut(Bayr. pk.) über Aeußerung 5 Ministerialrats, die in einer Versammlung ch ländischen Verbände gefallen war. Dieser Mi hatte dort gesagt, die Regierung sei im Verein m Franzosen, dem Kardinal Faulhaber und dem Papsle Bayern vom Reich zu trennen. Die Mehrzahl der folge aber der Regierung nicht auf diesem Wege. Schweyer nahm während der zweitägigen Ausspeac geradezu klägliche Haltung ein. Er wußte auf d wiegende Mitteilung aus dem Munde eine reg treuen Mitgliedes nichts weiter vorzubringen, als en der Sache nachgehen, und wenn es sich so verhalte der Beamte als ein Giftmischer entlarvt. Gen haupter stellte am Donnerstag und Freitag wedelt Frage an den Minister, woher die Waffen der Kam bände am 1. Mai stammten und wohin sie gekom Der Minister wußte nichts darauf zu erwidern n 5 1 Fall erst untersucht werden müsse. Die Waffen sich in den Händen der Reichswehr; aber er kon sagen, in welchem Orte sie niedergelegt worden 10 Aug die Abgeordneten anderer Parteien stellten die völlig Ohn⸗ macht der Regierung fest, die unwiderlegliche Be f bracht habe, daß ihre Machtmittel vollständig versage Die Debatte im Ausschuß kann nur als das Vorspiel zu einer noch gründlicheren Aussprache im Plenum betrachte werden, wenn der Etat der Münchener Polizeidirektion zur Veßatung gelangt. ö ö Der neue Marksturz. Als die Regierung und die Reichsbank am 18. N Ju⸗ sammenbruch ihrer Stützungsaktion für die Mark erlebt dadurch ihre gesamte Preis⸗ und g npolitik sowie den Widerstand an der Ruhr aufs schärfste gefährdet sahen lasßen es an starken Worten gegen diejenigen nicht fehlen, die ih der Allgemeinheit zunutze machten. Sie kündigten auch i Ei schränkung der Einfuhr und die allgemeine Anmeldepflicht Besitz von Depisen an. Weder ist das eine geschehen no die Anmeldepflicht wirklich durchgeführt werden. Jwar jf I Anmeldepflicht auch nur eine völlig stumpfe Waffe, wenn s al bleibt, aber nicht einmal dazu hat sich die Regierung une dem Druck der Interessentenkreise verstehen können. N Es hat infolgedessen nicht einmal mehr Ueberra rufen können, daß der Dollar von etwa 30 000, wo N Tage aufgehalten hat, am Donnerstag auf 40 000 let Ob daran in erster Line die Spekulgtson oder der Bee f Wirtschaft für Einfuhrzwecke die Ursache it, bleibt ganz dle gültig. Jedenfalls sind wir mitten im einer Entwicklung die schärssten und radikalsten Maßnahmen nicht nur die auf das allerschwerste erschüttert und dete der Bev kerung völlig verelendet, sondern guch den Widerstand an der 1 schädigt. Es zist kein Zweifel, 1 dieses neue sprunghaf der ausländischen Zahlungsmittel zeitlich zursammentrifft. ungünstigen Aufnahme der Note der Reichsregierung im Auslande. Die Regierung Cuno⸗Becker, der ein großer 2 Volkes mit den hoffnungsvollsten Erwartungen entgegen ist, hat damit auf zwei Gebieten, und zwar auf den entschessen eine starke Niederlage erlitten. g J enn die Sozfaldemokratische Reichstagsfraktion fich 2 Antrage veranlaßt gesehen hat, einen Unterf 93 der Aufhellung der 0 e auf dem Geldmarkte zur 1 ist sie damit von zwei Absichten geleitet gewesen. Sie wi sböststellen lassen, in welchem Umfange rein spekulafsve nahmen von Stinnes und Großindustriellen den Sturz dy herbeigeführt haben, Sie beabsichtigt ferner aber guch, du gierung sich als unfähig und nicht willens gezeigt hat, die 5 mit so großem Pomm angekündigte Stützungsaktion g Widerstände der 9 15 zu 555 durch diesen Unte ausschuß die Wege feststellen zu lassen, auf denen die Mg dem völligen Versinken bewahrt werden kann. Ein Unte ausschuß, der dieses Ziel hat, kann es erreichen, denn ih ö nicht nur das Recht zur eidlichen Vernehmung, sondern auß Heranziehung der Mitarbeit sachverständiger Kreise zu. 90 —— Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. Für ein feinfühliges Gemüt liegt etwas Erschütterndes darin, durch Zufall einem merkwürdigen Geheimnis der Natur guf die Spur gekommen zu sein, plötzlich in die feier⸗ liche Stille eines im Erinnern verborgenen Schlupfwinkels der alten Mutter Erde einzudringen, den noch nie zuvor ein menschlicher Fuß betreten. Man wird in keiner Kirche so sehr zur Andgcht gestimmt und permag vor keinem Heiligen⸗ schrein so andächtig zu beten, wie in einem solchen Tempel der Natur! Rohan, der so lange in dunklen Verstecken vegetieren mußte und von seinen Mitmenschen wie ein wildes Tier verfolgt wurde, glaubte sich plötzlich von der allgütigen Natur mit Liebe und Mitleid umfangen zu sehen; sie spendete seinem verbitterten Herzen Balsam, seiner unden Seele neuen Frieden; sie schloß ihn sanft in ihre Arme und ließ ihn alle ihre märchenhaften Wunder er⸗ ee Er wäre nicht imstande gewesen, das auf ihn ein⸗ türmende Glücksgefühl, welches sein Gemüt in jener er⸗ habenen Stunde durchdrang, zu schildern; dort oben in jener luftigen Höhle fühlte er etwas wie eine geistige Neugeburt, gate irdischen Leiden waren pergessen. Er konnte sich ja ohne Furcht wieder im vollsten Sonnenlicht baden und un⸗ gestärt seinen Gedanken nachhängen. Jede neue Entdeckung führte zu einer anderen. Rings um die Wasserhöhle zog sich ein schmaler Rand, der zwar sehr schlüpfrig war, aber seinen nackten Füßen doch genügenden Raum und Halt bot. Nachdem er vielleicht 40 Meter weit gekrochen war, wobei ihm die roten Säulen eine Stütze bypten, gelangte er an das innerste Ende der Höhle und sprang auf ein schmales steiles Kiesplätzchen hinab, das von dem stillen grünen Wasser bespült wurde. Kaum stand er unten, als er zu seinem grenzenlosen Erstaunen eine ge⸗ wölhte, meosbedeckte Oeffnung entdeckte, die in das Herz der Klippen zu führen schien. Er bahnte sich vorsichtig einen Weg, doch mußte er bald wegen der großen Dunkelheit um⸗ kehren. Seine Neugier hatte den Höhepunkt erreicht und er war nicht der Mensch, sie unbefriedigt zu lassen. Er begab sich in sein luftiges neues Hauptqugrtier zurück, pflegte einige Stunden der Ruhe, um für weitere Forschungen Krafte zu sammeln, zündete dann die Handlaterne, mit der ihn Jan Goron versehn, an und machte sich von neuem auf den gefahrvollen Erforschungsweg. Der finstere Gang, von dem er am pergangenen Tage umkehren mußte, war gerade breit genug, daß er mit seinen ausgebreiteten Händen die Wände berühren konnte, und so hoch, daß er darin bequem aufrecht zu gehen vermochte. Er schien aus solidem Stein und von Menschenhand ausgehauen zu sein, denn wo ein Lichtstrahl hinfiel, konnte Rohan bemerken, daß die Wände glatt und ohne jede Spur einer Vegetation waren. Es herrschte eine eiskalte, feuchte, aber nicht unreine Luft darin. Nachdem er einige hundert Meter weit gekrochen war, befand er sich plötzlich vor einer Steintreppe. Sein Auge täuschte ihn nicht: rote, sorgfältig ausgehauene Granitstufen führten in die Tiefe. Nun war's Gewißheit, was er von Anfang an vermutet hatte: die Aushöhlungen im Inneren der Klippen stammten von Menschenhand. So einfach diese Tatsache auch sein mochte, sie erfüllte Rohan dennoch mit Entsetzen und er dachte ernstlich an den Rückzug. Sein ge⸗ sunder Menschenverstand siegte jedoch über die aber⸗ gläubische Furcht und er stieg tapfer die Stufen hinab, die wieder in einen engen Gang mündeten, der noch deutlichere Zeichen von menschlicher Geschicklichkeit aufwies. Er tastete sich einige hundert Meter weit und kam abermals zu einer Steinstiege, die wieder in einen Gang führte. Hier begann die Luft schon drückend und dumpf zu werden, das Licht in der Laterne flackerte kaum; Rohan kämpfte mit Atemnot, kroch aber immer weiter, bis er schließlich mitten in einem ungeheueren Gewölbe stand, einer Art Katakomben. Alle anderen Höhlen, die er bisher erforscht, schienen neben dieser winzig und unbedeutend. Unermeßliche Granitwände stütz⸗ ten ein hohes Dach, von welchem schwarze Schwämme herab⸗ hingen, die von dem ewigen Tau genährt wurden. Der ganze Riesenraum war von tiefster Finsternis und dumpfem Mecresbrausen erfüllt. Den Boden bildeten schwarze, eis⸗ glatte Steine, die ein Moosteppich bedeckte. Rohan stand voll Ehrfurcht und Scheu in der Mitte dieses gewaltigen Raumes und erwartete, aus der Dunkel- heit Erdgeister hervorstürzen zu sehen, die den Eindringling davonjagen würden. An welch' geheimnisvollen Ort war er geraten? In die Katakomben der Toten oder in das Heim der unterirdischen Geister? Ihm schwindelte und einen Moment sah und hörte er nichts, dann raffte er sich auf und kroch vorsichtig weiter. Das Meeresbrausen wurde deut⸗ licher. Er glaubte es direkt unter seinen Füßen zu ver⸗ nehmen und trat lauschend einen Schritt zurück. Zu seinem Glück, denn er hatte am äußersten Rande eines schwarzen Abgrundes gestanden, in welchem ein schäumendes Wasser floß. Vorsichtig leuchtete er mit seiner Laterne in die Tiefe und sah, daß die glitzernde Flut wild rauschend wein Fernere Forschungen führten zu dem merkwürdigen nis, daß das ganze Riesengewölbe ein ungeheueres reservoir zu sein schien und daß der feste Boden, auf wolche Rohan stand, nur ein schmaler, künstlich gebildeter Sing ch Er ließ das Licht seiner Laterne über den ganzen gung schweifen, fuhr aber plötzlich wie von Schreck geläh tur — kaum hundert Schritte von ihm entfernt, erhob eh ein riesenhafte Gestalt. In seinem Entsetzen fiel ihm die li erne fast aus der Hand, er zitterte am ganzen Körper u wa, doch nicht imstande, zu fliehen, sondern starrte die Zunlle Gestalt wie hypnotisiert an. Als sie sich aber nich hrt, raffte Rohan seinen Mut zusammen, schlich auf den ehen näher und erkannte, daß es eine ungeheuere, schwaz, a einem Sockel stehende Marmorstatue sei, die wah iin schon jahrhundertelang diesen Platz behguptet und u den ewig herabtropfenden Wasser arg zugerichtet war. fingelge Körperteile derselben waren gänzlich zerstört, die Bessh voll ständig mit aus dem Wasser emporwuchernden Pflashep be: deckt. Rohan, der Riese, sah neben der Statue wie ess werg aus. Er betrachtete sie aufmerksam und obgleich auh das Gesicht arg beschädigt war, erinnerten ihn die Konten det, selben, das lorbeergekrönte Haupt, die römische Toga id der kräftige, stierähnliche Nacken an die Büsten der süsschen Kaiser und Feldherren, deren Abbildungen er if, Pin Tacitusübersetzung gesehen hatte. Dadurch kamen iim e die phantastischen Erzählungen, die er von Messter 10. iber die versunkenen römischen Städte, mit ihren 1 el Palästen und Marmortempeln— Wunderwerken del Baß kunst— ihren goldenen Statuen, Riesentheatern, Mader und kunstvollen Gärten, vernommen. in den Si Ende gehörten all diese unterirdischen Gänge einer bahfune nen Römerstadt an! Aber woher kam das durch di schrol rauschende Wasser und wohin ging es? Gedanken pille 4 Rohan um die Statue herum, als ob er von ihr a1 5 wirren Fragen, die durch sein Hirn rasten. Antwort eg und siehe da— er entdeckte ganz nahe vom Sockel eise breiter Treppen, die in das Wasserbacsin führten. sie sehr schlüpferig waren, faßte Rohan Mut und ki sichtig einen Fuß nach dem anderen setzend, in den i den, kochenden und brodelnden Gischt hinab, der Tintenmeer aussah. Als er die letzte Stufe erroisl bückte er sich, schöpfte mit der hohlen Hand etwaß N und kostete es; es schmeckts ganz angenehm und kal! 0 C (Fortsetzung folgt.) 1 l* va 8 S 88 r ——— 8 mile 5 f 100 . 2 — 2 55 e 2 — 0 2 — altiun füt 170 l. Sie wi 0 n 0 er duch d 9 gt hat, dün aktion g esen Ute i die Mor Ein Uneus u, denn i sondemn an Kreise gl. gend pis würdig gehen oben, 50 bilzeter e Die Großagrarier am Pranger. Der deutsche, das Organ des Herrn Stegerwald, schri n einer 8 34 den Graßaggriern folgendes ins e „Die Syndikate. die ihce een ungesäumt dem e anpassen, trotz der anden sestehungskosten der räte, trotz der Tatsache daß für die gesamte Erzeugung der lag oft nür eine sehr geringe Rolle spielt; die Landwirte, die bei jeder Devisenhausse den Preis für Milch. Kartosseln, Getreide ausw. himaufschmellen lassen. obne Berücksichtsgung der Gestehungs⸗ kosten. Der Kleiderjude. der bei der Neuauszejchnung von 10 5 0 75 r e 1 5 1 I Mark ver⸗ nt und großmütig spendet.— sie alle fen nicht, wa Volksgemeinschaftsgadanke von ihnen fordert. i w e i Millionenspende ist keine nationale Tat, sondern ein prat an der Natfon. Was sie an Spenden leisten, sind Trink⸗ der, 11 sie in nationaler Stimmung demselben Volke zuwersen, N 1 2 1 0 ein 1 ist.“ N ö 8 ist bedeutsam. daß ge ein gut bürgerliches Blatt diese treffenden h aden unserer Pechtsbolscheng ischen stropheicpolltiker gebracht hat. Die Dinge liegen in der Tat daß die Großagrarier die über die schlechte Ernte Zeter und schrlen, die in vielen Dutzenden non Artikeln und Ver⸗ sungsreden den Nachweis gebrachten, daß die Getreide⸗ ze nicht aufzubringen sei. sich mit den gewaltigen Mengen an en 177 Ruhrspende aus Gründen politischer Agitation a selbst ohrfeigen. Denn sie bewelsen nun einwandfrei, doppelter Hinsicht gemogelt hahen, indem sie einmal h dein tatsächbichen Ertrage Umlage getreide ablieferten ind zum anderm welt mehr Getreide zur Selbstversorgung zurilck⸗ helten, als für diesen Zweck benötigt wird. Und diese Herr⸗ schaften wollen von der„Einheitsfront“ reden! Frechheit. Dein Name ist Landh und! Deutscher Reichstag. Berlin, 4. Mai. Das Haus nimmt zunächst die aus der zweiten Lesung des Ge⸗ setzentwurfs über die Abänderung des Strafgesetzbuches, wongch Versammlungssprengungen a Versuch dazu mit Gefängnis oder mit einer Million Mark estraft werden sollen, übrig gebliebenen Abstimmungen por. g. Brodauf(Dem.] erklärt im Namen des Zentrums 0 der Demokraten, daß die beiden Fraktionen für den sozjal⸗ mokratischen Antrag stimmen werden, der die Streichung der estimmmg über die Bestrafung der Jusammsenhangsdelikte und ie Strafbarkeit des Versuches fordert. ö Gegen die Stimmen der beiden Rechtsparteien wird dieser ane angenomnien. enso wird der Antrag der bürgerlichen Parteien ange⸗ mommen, die Worte„bis zu einer Millson Mark“ zu streichen. Der kommunistische Antrag, auch die Gesängnisststrafe zur ura wird gegen die Stimmen der Antragsteller und Sogial⸗ emokraten abgelehnt. Alsdann findet der Gesetzentwurf— gegen je Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten— in ender Fassung Annghme: 5 „Wer nichtverbotene Versammlungen, Aufzlige oder eee gebungen mit Gewalt oder durch Behrohung mit einem Ver⸗ brechen vorhindert oder sprengt, wird mit Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe erkannt werden kann, bestrgft.“ as Haus setzt dann die fort. Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums r. Abg. Andre(Ztr.): Die soziale Gesetzgebung darf nicht so weit gehen, daß sie die Famflienbande zerreist. Die bestehenden so⸗ u Gesetze müssen besser durchgeführt werden, das gilt nament⸗ ich vom Arbeiterschutz. Besonderen Wert legen wir auch auf die Durchführung des Kinderschutzes. Dle Jugendschutzgesetze wären sum Teil nicht nötig, wenn die Jugendlichen nicht zuviel Zeit hät⸗ zen.(Widerspruch links.) Die Lohnpolitik weist einen großen Wirrwarr auf; wir müssen wieder mehr zum Alkordsystem über⸗ ehen.(Lärm links.] Wir sind für die Aufrechterhaltung des lchtstundentages für die Industrie, verlangen aber Ausnahmen. (Widerspruch links.) Der Bau unserer Soz nese geg Wen die Währungsverhältnisse ins Wanken geraten. it der Schema⸗ rung der Leistungen kommen wir nicht mehr durch. Auf dem Gobiete der Wöchnerinnenfürsorge sind mfr vielleicht schon zu weit 7(Lebh. Widerspruch links.). Im Wohnungswesen muß e Zwangswirtschaft abgebaut werden. Die Stellung Deutsch⸗ ands zum Internationalen Arbeitsamt ist keine würdige. Abg. Thiel(D. Vp.) verlangt größere Fürsorge für die Sozialver⸗ ea ber für Arbeiter und Angestellte und energisches Durch⸗ eifen der Regierung gegen die Depisenhamsterer, ndeln. Von de im Staat und Wirtschaft errungen haben, fir unantast⸗ v. Ein kommunistischer Vertagungsantrag wird nicht genügend unterstützt.. e* bee Abg. Malzahn(Romm.)] verurteilt die Schlichtungstätig⸗ keit des Reschsarbeitsministeriums in verschiedenen Lohnkfimpfen, wodurch der Lohn und damit der Hunger stabilisiert worden sei. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Das Ministergehalt wird bewilligt und die Einzelberatung auf Samstag 2 Uhr ver⸗ Ein deutschvölkischer Antrag, die Interpellation über die Auflösumg der Deutschpülkischen Freiheitspartei und die Aussprache über die außenpolitische Lage apf die nächste Tagesordnung zu setzen, wird gegen die Stimmen des Antragstellers und der Kom⸗ munisten abgelehnt. g — ͤ— Die Intendantenhetze vor dem Landtag. Darmstadt, 4. Mai. Die heutige Landtagssitzung brachte die große Aussprache über das Hessische Landestheater, bei der Beratung des Voranschlages. Nach Beantwortung einer kleinen Anfrage iiber die Erhöhung der Ermerbesejenguferstadung durch den Minister Raab, der mitteilte, daß z. Zt. darüber Verhandlungen stattfänden, wurde beim Kapitel Landestheater die Bergtung des Voranschlages sortgesetzt. Damit waren verbunden zwei Anfragen über den Spielplan und ver⸗ schtedene Vorstellungen katholischer Vereine, über einige Theater. aufführungen, so Georg Biichners„Leonce und Leng“. Das Stück und besonders die Charakteristerung eines Geistlichen hatten den Widerspruch der Beschwerdesührer gefunden. Als Berlchterstatter sprach Abg. Delp(Soz.), der die Regierungsantwort auf die Vorstollungen mitteilte und über die Ausschußberatungen refe⸗ rierte. Er schlug schließlich vor, eine Kommission zu bilden, die sich mit der Theaterleitung ins Einvernehmen setzen soll. Aller⸗ dings dürfe dem Interdanten nicht das Recht genommen werden, den Spielplan aufzustellen, sonst werde das Lande sthegter das Zerrbild politischer Motive. Er beantrage zum Schluß, die Vor⸗ stellungen für erledigt zu erklären. Die nun einsetzende ausgiebige Diskusston brachte zunächst Frau Abg. Hattemer(gentr.) auf die Trihsine. Auf die Bedeutung des Theaters als Erziehungs⸗ und Kulturinstitut einleitend hin⸗ weisend, leitete sie schließlich auf die Wünsche des Zentrums in Bo⸗ zug auf den Spielplan über. Verlangt müsse werden, daß nur sitt⸗ lich einwandfreie und wertvolle Stücke aufgeführt würden. Der schwene Kampf, den Deutschland heute führe, erfordere, daß Stücke gegeben würden, die das Volk stählen und sammeln(Sehr richtig rechts). Die alten Werke der Klassiker verdienten eine bessere Borlicksichtigung. Nachdem Rednerin über die Aufführung von „Leonce und Lena“ gesprochen hatte, nahm sie Stellung gegen die zahlreichen Tanzaufführungen. Auch wirtschaftliche Wünsche brachte die Rednerin vor. Schließlich erklärte sie die Bereitwilligkeit ihrer Fraktion, die zur Weiterführung des Theaters notwendigen Mittel bewilligen zu wollen. Für die Deutsche Polkspartef sprach Abg, Din unter Bezugnahme auf den Fehlbefrag von 23 Millionen Mark betonte, daß seine Partei die wirtschaftliche Seite des Unter⸗ nehmens 8 in den Vordergrund stellen wolle. Die vornehmste Pflicht des Staates sei es heute, die kulturellen Güter unseren Enkeln zu erhalten. Wenn das nicht geschehe, dann würden neben dem Verlust an politischer Macht un! Stärke bald auch unsere goistige Macht erschüttert sein. Die Kunst habe deu großen Beruf, in unseren skrupellosen Zeit unser Volf vorwärts zu bringen. Geistige und sittliche Zerrissenheit dilrfe das Theater nicht zeigen. Das Volk müsse für den schweren Daseinskampf gestählt werden. Er lehne es ab, parteipolitische Gesichtspunkte bei der Kunst anzu⸗ wenden. Dann rügte der Redner, daß ausgesprochen eine Kunst⸗ Falun hier zu Worte komme, während andere Dichter sich leine eltung c könnten, In Zeiten, wie die jetzigen, müsse der Stagt alle Mittel gufwenden, um dem Volke zu zeigen, wie die sittlichen Werte unseres Volkes unvergänglich und einzigartige sind, die Nacheiserung verdienten, sodaß die Bühne ein Institut würde, das alles verbindet um die große innere Einheit zu för⸗ dern und zu stärken. Der Verwaltüngskommissian des Thegters müsse je ein Vertreter der Landtagsparteien angehören.(Lebh. Bravo rechts.) Nach der Pause wurden zumächst Kapitel 9 und 10 des Etats gegen die Stimmen des Bauernbundes und der Kommunisten geneh⸗ migt. Eine kleine Anfrage des Abg. Glaser(Bbd.) über die Abgabe⸗ frist für die Steuererkläkrungen beantwortete der Finanzminister da⸗ hin, daß ihm eine Zeitungs meldung, vorläge, wonach der Reichs⸗ finanzminister die Frist bis Ende Maf verlängert habe. Die amtliche Bestätigung fehle jedoch noch. 9 In Fortsetzung der Thegterdebatte kam dann der Abg. Reiber eldey, der des Landestheaters hin, aber es dürfe doch nicht reine Unterhaltungs⸗ stätte sein, sondern eine Stätte, die Zeugnis ahlege guch von dem Schaffen der Lebenden. Er wies daun nach. daß sich die Klassster⸗ aufführungen in den letzten drei Jahren gegenüber den vorhersgen vermehrt haben und nahm das Theater gegen die verschiedenen An⸗ griffe in Schutz. Er wies auf die Bedeutung des Dichters Büchner für Darmstadt hin und nahm Stellung gegen die Presseangriffe auf den Generalintendanten Hartung.(Lebhafter Beifall links,] Der Abg. Kindt(D. Ntl.) führte aus, seiner Partei wolle das Theater von partespolitischen Beelnflussungen freihalten. Auch die valerländischen jungen Dichter müßten zum Wort kommen. Er sor⸗ derte bessere Entlohnung des künstlerischen Personals und wandte sich gegen den Intendanten Harburg. Es sei nicht zu verantworten, daß das Theater in politischen Banden sei. Für die Sozfaldemokrasen sprach der Abg. Sturmfels, der zumächst gegen die Ausführungen des Abg. Kindt Stellung nahm (Dem.) zum Wort. Er wies gleichfalls auf die kulturelle Bedeutung gen den Schrelber der Pressepolemiken sprach, Er wil rhigte eingehend die Bedeutung des heutigen Landestheaters und seine künstlerische Leitung. Hartung habe das Theater auf ein ane r⸗ kannt hohes künstlerisches Niveau gebracht. 5 Minister Henrich bedauerse den strastauswand mit dem die Deballe geführt worden sej Darüber hätten wohl die Angehtrigen des besetzten Gebietes den Kopf geschüttelt. Von einer ernsthafken Kulturdebatte könne nicht gesprochen werben. Der skernpunkt der Angriffe gegen die Leitung des Theaters sei in poljtischen Motiven zu suchen. Er nahm das Theater gegen die verschiedenen Vorwüfr se in Schutz und hob dessen Bedeutustg hervor. Nachdem der Aba. Wünger(D. Bp) nach versehiedene Wünsche geäußert und über die Theaterverhältnisse in Gießen ge⸗ sprochen hatte, regte er eine Musikwoche in 0 e an, Finanz⸗ minister Henrich antwortete befriedigend und nach einer wefteren Bemerkung des Abg. Winzer fand die Debalte ihr Ende. Nächste Sitzung Dienstag, vormittag 9½ Uhr. Gießen und Umgebung. Stadtperordneten⸗Bersammlung. In der Sitzung am Donnerstag wurde zunächst ein Antrag des Finanzausschusses angenommen, die Nachtragsumlage zur Hand⸗ werkskammer von 34 624 Mk. auf die Stadbbasse zu übernehmen, weil die Kosten der Einziehung höher sind, als der Betrag. Der Erhöhung der Vergnügungssteuer wird zugestimmt. 5 Den Ausschlag für Grund⸗ und Gewerbesteuern für 1922 bean⸗ tragt der Ausschuß wie folgt festzusetzen: 1. flir Gebäude und Bauplätze guf 8 Mk. 2. für land⸗ und sorstwirtschaftlich genutzte Grundstücke auf 12 Mk. 3. für das gewerbliche Anlage⸗ und Betriebskapital auf 8 Ml. für je 100 Mark Vermögenswerte. Die Beträge werden fällig, unter Anrechnung der vorläufig ge⸗ zahlten Beiträge, mit je einem Ziel im Monat umi und Juli. Bis zur Festsetzung der Ausschläge für das Rechnungsjahr 1923 sind die für das Rechnungsjahr 1922 beschlossenen Beiträge als vor⸗ läufige Steuerschuld zu entrichten. 5 eue sischen 15 Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß die Finanzen gegenwärtig derart in Anf sruch genommen würden, eine Erhöhung bieser Steuern nicht zu ümgehen sei. Stadtu. Kraus, müller bemerkt dazu, daß die neuen Sätze nicht so schwerwiegend seien, wie vielfach in den Krelsen der Gewerbetreibenden befürchtet wurde.— Die Versammlung stimmt der Vorlage zu. 12 Die Gebaihren für das Ausschellen in den umliegenden Gemein⸗ den bei Bekanntmachungen von Versteigerungen der Stadt Gießen werden in Anpassung an das Vorgehen des hessischen Staates mit Wirkung vom 1. Januar 1923 ab auf das 15fache der bisherigen Sätze erhöht. Der Baugenossenschaft 1894 wird ein weiterer verzinslicher Baukostenvorschuß von 10 Mil⸗ lionen Mark 1 8 5 und die Stadtverwaltung ermächtigt, den Betrag alsbald durch Aufnahme eines Darlehns bei der Bezirksspar⸗ kasse 155 vermitteln. eitritt zur Gemeinwirtschaft Oberhessen. Zu diesem Gegenstand liegt folgender Antrag des Finanzausschusses vor: Der Gemeinwirt⸗ schaft Oberhessen wird beigetreten und die sich aus den Satzungen für ie Gemeinwirtschaft Oberhessen ergebenden Verpflichtungen über⸗ nommen. Vom Oberbürgermeister wird dazu bemerkt, daß es sich hier um ein Unternehmen handele, das für die Stadt ebenso wie für die Provinz von Vortell sei. Die finanzielle Betefligung werde sich auf 35—60 Millionen Mark belaufen.— Der Antrag wird einstim⸗ mig angenommen. Die Volkshochschule hat einen Fehlbetrag von 285 000 Mark für Heizung und Beleuchtung für das Jahr 1922 zu verzeichnen. ES wird vom Finanzausschuß beantragt, diesen Jahlbetrag auf die Stadt zu übernehmen. Dabei wird aber ausdrücklich erklärt, daß durch diese Uebernahme die von der Stadt der Volkshochschule zu ge⸗ währenden Zuschtisse für die nächsten Jahre vorweg genommen sind, somit die Shadt Gleßen einer Zuschußleistung an die Volkshochschule in den nächsten Jahren überhoben ist. Der Oberbsirgermeister bemerkt dazu, die Unterstützung von, Seiten des Staates der Volkshochschule gegenüber sef zu gering. Für die Zeatralsselle fiir das Bildungs wesen werde viel mehr getan, es mangele dabei auch nicht an Mitteln. Nächstens solle hier in Gießen ein Konzert von 50 Dilettanten vor Schlllern aller Schulen veran⸗ staltet werden. Das wilrde doch eine Menge Geld kosten; ane sei an musikalischen Veranstaltungen in Gießen kein Mangel. Zweck mäßiger wäre das Geld für die Volkshochschule aufgewandt. Sdadtv. Moosdorf beantragt im Namen der soztaldemokratischen Fraktion den zweiten Teil des Antrages, der spätere Zuschlisse auf die Uebernahme des in Rede stohenden Fehlbetrags aufrechnen will, zu streschen. Sonst würde die Volkshochschule in ihrer Existenz be⸗ droht und trotz aller finanzellen Schwierigkeiten der Stadt muß die Volkshochschule doch umterstützt werden.— Vom Oberbürgermeister wird dagegen um unveränderte Annahme des Antrages ersucht. Wenn die Gewerkschaften die Volkshochschule besser umterstützt hätten, stünde sie jedenfalls günstiger da. Die Stadt müsse Nute le auferlegen; der Fehlbetrag beim nächsten Voranschlag dürfte auf mehrere hundert Millionen belgufen. Man werde sich noch zu eim⸗ schneidenden Maßnahmen verstehen miissen, wenn der städtische Haus⸗ tritt für Unterstützung der Vollshochschule ein umd ebenfalls für den sozialdemokratischen Antrag. Stadtu. Fischer erklärt im Namen der demokratischen Fraktion, daß sie für den ersten Teil des Antrages e CTT halt ins Gleichgewicht gebracht werden sollte.— Stadtv. Haupt ieee. * 1 Giesie bei, und das Engelchen zog nach vollendetem Schmause ab mit gerusene Arzt spendete dem Engelche Trost und meinte, dle Sache Bilder aus Alt⸗Giessen. einem hochroten Kopf und 1 zahlreichen Stücken Kuchen. die so deen weiter guf sich. Aber das Engelche sagte: Ve„mir, aufeinondergeschichtet und eingepackt waren, daß sie in der Form machst Du nichts vor. heut nacht gibt sie ab,“ und als der Doktor (Fortsetzung⸗). Daß es bei sol'okglen nicht an den nötigen Originalen lte, ist klar es 4 N wenigen Worten gadacht und aus der reichen Anthologie sollen nur einige Wenige herausgezogen werden, sowest sie noch nicht lange verstorben ind, will ich sie 3 erwähnen, damm baum sie mancher von Ihnen sich wieder vor⸗ sbelle N N 11 2 1 2 Wer hätte ihn nicht gelaunt, den„narrisch Louis“, jenen 2 Geisteskranken, der das Gespött aller Kinder gewesen ist und das„Bugattchen“, das„Schoorgespenst“ und den„Tee⸗ müller“, der seden Tag der Woche eine andere Wesce, trug und Jahrzehnte hindurch jeden Mittag um 3 Uhr 10 Minuten im Phllosophenwald erschien um seinen Kafsee zu trinken. Die Ein⸗ hrung dor mitteleuropäfschen Zeit soll ein Aagel zu feinem Sarg gewesen sein, da die sonnenzeitlich früher gelegte affestunde ihm e nicht bekommen sein soll; und den alten Stern⸗ felt, der jeden Vormitiga bis zur Ganfeburg und zurück ging trotz seiner mehr als 80 Lebensjahre, und an dem alles falsch war wie bel einer alten Jungfer, die Haare, die Zähne usw. bis auf sein goldenes, sast kindlich zu nennendes Gemüt, Auch Jettchen Pogels. der„Gitte“ sei gedacht und des alten Kaufmann Wo cms, bezüglich de n ber feinem Uebertritt vom Judentum zum Christentum sich 1 ub der Stadtpfarrer Engel und der Rabbiner Dr. Leun in einigten, daß die Protestanten nichts gewonnen und die u mi verloren hätten. 8 2 5 Stadtysarrer Engel war eine allbekannte und ber 0 leßener Persönlichheit allgemein nur unter dem Titel ätchen genannt. 399 1605 de b f bit ufrieden,“ sagte das Engelchen,„die 5 En No m e ab enen und zu Hachzeiten in die n g Sdienst, denen ö ee den ue derwesl ich im Klub einer Handbibel entsprachen. Vorhildlich soll des Engelchen Vorbereftung von Verbrechern zu ihrem letzlen Gang gewesen fein. Ein krotzlger Bursche namens H sollte geköpft werden. Das Engelche laa daheim krank im seinem Mette Ein ande rec Pfarrer sollte den Delinquenten für seine Reise ins Jenseits sinstruseren. Aber Heß zeigte sich störrisch und wollte sich absolut micht guf den Stuhl setzen und binden lassen. Die Hinrichtungen fanden damals öffentlich auf dem Trieb statt. Sie wurden mit dem Schwerte vollzogen, wobei der Hinzurichtende auf einem Stuhle saß.) Das Gericht und selbst der Scharfrichter waren rat⸗ los, zumal auch Heß noch behguptete, er habe noch etvas zu ge⸗ slehen. Plötzlich ecschien das Engelcho. Es ging auf Heß zu und ite etwa:„Na Heß was soll dann das heiße, warum willst Du ich dann nit köppe lasse? Du kannst doch nit verlange, daß der Scharfrichter Hoffmann der Deinetwogen non Frankfurt hierher⸗ gekomme is, und dem man 200 Gulden geben muß, unvercichteter Sach wieder heimfährt. Laß Dich doch köppe, Heß, es dauert ja gar nit lang, es js jg glesch geschehe.“ Und, siehe da, als das Engelche noch sagte:„Na. Heß. laß Dich doch köppe, Heß, tu's mir zu liebe,“ da wurde Heß zahm wie ein Länemchen, setzte sich auf den Stuhl und ließ sich löpfen. Des Abends aber erzählte das Engelchen, er habe zu Oause erfahren, daß der Heß sich bloß eigentlich am Vormittag nicht habe köpfen lassen wollen, weil zahlreiche Weihsleute aus scinem Heimatdorfe erschienen waren, die sich das Schauspiel ansehen wollten. Wäre aber die Exekution auf den Nachmi verschoben worden dann hätten sie vocher heim gemuß, um noch wenigstens gegen Abend die Heimat wieder zu erreichen, er hatte den„Menschen das Vergnügen nicht gönnen wollen“. In seiner Gbe hatte 103 Klrchenrätchen nicht nur ein Hagr, sondern, wie es sich ausdrückse, eine ganze Perlicke gefunden. Es muß eine besondere Sorte gewesen sein, die Frau Kirchen⸗ rätin. Als einst ihr Gatte meinte er habe lange keine„Aeppel⸗ meinte, es sei bestimmt licht so schlimm sagte das Engelche zum Schluß:„Sie gibt ab. wolle mier wette?“ Die Kirchengätin sta rb n der Nacht, in der Frilbe erschien der Arzt und wurde von der 15 der Treppe herab von dem Engelchen begrsißt, das ihm ein Rilbchen schabte und ihm zurief,„etsch, wor hat Recht gehabt,„ich hab mei Wett gewonne heut margen um fünf hat se gebäckert“ dabei sollen ihm aber doch die Tränen die Backen herunter ge⸗ laufen sein. Der hier in Frage komuende Arzt war der alte Dax Dr. Klein, der Vaker bezw. Großvater, der nach bis vor kurzer Zeit bezw. noch hier praktizierenden bekannten Aerzte. Der alte Lampus am Selterswag hatte noch mit späten Jahren ein sunges Mädchen geheiratet. Die Ehe blieb wider Erwarten nicht ohne Folgen. Man münkelte allerlei und Lampus bekam manche Stichelei zu hören. Die Geburtsstunde nahte, der alte Dax war zur Assistenz beigezogen, er wellte in der Wochenstube, im Vor⸗ zimmer wanbelte der Vater in spe in schweren Gedanken auf und ab. Plötzlich öffnet sich die Tür, die Hebamme erscheint und meldet einen strammen Stammhalter. Der zweiselnde Vater fragt in selner Aufregung,„wem sieht er ähnlich?“„Beruhige Dich nur,“ sagte der alte Dar.„er sieht genau aus wie Du, lein Zahn im Maul und lei Haar uf dem Kopp. A propos, Georg, jetzt einmal, der Wahrheit die Ehr wen hast de dann im Verdacht?“ Eine Frau aus befferen Kreisen kam mit ihrem kranken Söhnchen zu Klein, dieser verschrieb nach kurzer Beschreibung der Kvankheitserschoinungen ein Abführmittel und sagte zu der Mutter:„Geben Sie ihm davon so und so viel, sperren Sie Ihre Speisekammer und ihren Aeppelkeller zu und hauen Sie ihm als e mal von Zelt zu Zeil den AA...“ Es gißt noch unzählige Anlekdoten von dem volkstümlichen alten Herrn allein sie eignen sich nicht alle zur Wiedergabe und dann laufen sa auch dse meisten noch von Mund zu Munde. wenn ihren Erzeuger guch schon seit Kandi der f. s vorpräpeln, andidaten, der mag ihnen was vorpräpe saß gusschneßlich meist hoch her da⸗ na dele“ die Kindtaufen wurden besen Seibel. Wen e 60 sträubcher“ mehr gegessen. bekam er 14 Tage laug jeden Tag welche berbai⸗ guf den Tisch. Die Kicchemrätin erkrankte, der mehr als einem halben Jahrbundert der grüne Rasen bedeckt. (Schluß folgt.) des Finanzausschusses stimmen werden, für den andern Teil wünscht f Redner Zurückverweisung an den Ausschuß, damit darüber nochmals beraten werden könne. Es wäre zu prüfen, ob nicht die Stadt Räume, Heizung und Beleuchtung zur Verfügung stellen könne. Wenn won mangelndem Interesse bei den Gewerkschafen gesprochen werden könne, so bedauere er das sehr.— Der Oberbürgermeister erkemit die Tätigkeit der Leitung der Volkshochschule voll an, es sei auch in dieser Richtung im Finanzausschuß keine Kritik geübt worden. Das Defizit rühre besonders daher, daß eine hauptamtliche Geschäfts⸗ führung vorhanden sei. Wenn es ermöglicht würde, die Leitung im Nebenamte zu führen, so dürfte ein Ausgleich möglich sein. Er habe sich schon alle Mühe gegeben, dem Geschäftsführer der Volkshochschule eine halmptamtliche Stellung zu verschaffen, die ihm die ehrenamtliche Fortführung der Geschäfte der Volkshochschule gestatte. Redner weist nochmals eindringlich auf die schlechte Lage der städtischen Finanzen hin.— Stv. Seng bemerkt, daß viele Arbeiter nicht die Zeit hätten, die Kurse zu besuchen, was sie gewiß gerne tun würden. Nach Aus⸗ führungen von Simon, der mehr Unterstützung des Instituts von der Stadt fordert, meint Sto. Prof. Kraus müller, der Staat Keiste viel zu wenig, er müsse mehr zu den Kosten der Volkshochschule beitragen. Man würde jederzeit dasselbe zu leisten bereit sein, als der Staat. Die Leitung der Volkshochschule verdiene höchstes Lob.— Stv. Horn ist gleicher Amsicht.— Bei der Abstimmung wird der Antrag des Finanzausschusses angenommen, der Abänderungs⸗ antrag der sozialdem. Fraktion, der zugunsten des demokratischen auf Zurückverweisung abgeändert worden war, wird mit knapper Mehr⸗ heit abgelehnt.(Schluß folgt.) — Steuerabzug bei Kurzarbeit. Wiederholt wurde bei uns angefragt, wie der Steuerabzug bvei Kurzarbeit zu erfolgen habe. Es ist bekannt, daß darüber zwischen Unternehmern und Arbeitern häufig Streit darüber ent⸗ steht Für die Bemessumg der anzuwendenden Ermäßigungen ist num maßgebend, ob die Zahlung des Arbeitslohnes nach Stunden, N ober Monaten erfolgt. Darunter ist nicht zu rstehen, daß der Arbeitslohn nach Stunden. Tagen, Wochen oder Monaten bemessen wird. sondern maßgebend ist die Lohn⸗ 115 gzahlungsperjode also daß der Arbeitslohn nach Ablauf Ortssatzung über die Gießener Jahrmärkte vom 28. April on Stunden, Tagen Wochen oder Monaten ausgezahlt wird. i einem Kurzarbester, der vorher voll gearbeitet und wöchentlich entlohnt worben ist, gilt auch während der Zeit der Betriebsein⸗ schränkung die wöchentliche Lohnzahlungsperiode weiter und für Sbeuerabzug gilt die Wochenermäßigung und nicht die mäßigung nach der Zahl der Tage, an denen er gearbeitet hat. Nehmen wir num einen verheirateten Arbeiter mit Frau und elvet Kindern und einem Wochen verdienst von 78 000 Mark. Bei einer Beschäsbigung als Kurzarbeiter mit vier Tagen würde sich der Abzug wie folgt gestalten: 5 Lohn 52 000 Mk.(vier Sechstel von 78 000 Mk.) hiervon ab 10 Prozent für Steuer 5„5200 Mk. Abzug für: Mann und Frau je 192 Mk.- 384 Mk. 2 Kinder.„ Ie 960 Mk.= 1920 Mk. WVerbungskosten 960 Mk.= 960 Mk. 3264 Mk. Blerbt ein Steuerbetrag von„„ eee e Was für Kuczarbeiter gilt, trifft auch bei Arbeitversäum⸗ missen zu. 5 — Offener Sonntag vor Pfingsten. Auf Grund der Gewerbe⸗ ordnung ist am Sonntag. den 13. Mai für alle Geschäftszweige des Handelsgewerbes der Gewerbebetrieb im offenen Verkaufs⸗ len und die Beschäftsgung von Gehilfen, Lehrlingen und Ar: beitern von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags zugelassen. — Schont den Wald! Mit Entrüstung bemerkt der Natun⸗ freund, daß auch jetzt noch rohe Hände Zerstörungen im Walde an⸗ e Mam begreift nicht daß es f geben kann, die an Vernichten und Beschädigen von Pflanzen und Bäumen Vergniigen Hinden können. Jeder gebildeter Meusch muß solchen Rohheiten, wenn er dazu Gelegenheit hat. entschieden entgegentreten. Es schadete nicht. wenn solchen Zerstörungswütigen eine empfindliche se zuteil würde. Alle Eltern sollten auch ihre Kinder auf die Verwerflichteit derartiger Beschädigungen eindringlich aufmerksam e Für die Gießener Jahrmärkte ist die Ortssatzung ab⸗ geändert worden, die eine Erhöhung der Standgelder bringen. Die betreffende Bebanmtmachung ist im heutigen Blatte enthalten — Die Freie Turnerschaft Gießen unternimmt am Himmel⸗ fahrtstage einen Turngang nach dem Dünsberg über Kölsgs⸗ berg⸗Biebertal. Abmarsch erfolgt punkt 7 Uhr von der Lahnbrücke ab. Mitglieder werden dazu freundlichst eingeladen. Das amtliche Reichskursbuch, das im Eigenverlag des Reichs⸗ postmiuisteriums erscheint und wegen seiner Vollständigkeit, Zuver⸗ lässigkeit und Uebersichtlichkeit im In⸗ und Ausland rühmlich be⸗ kannt ist, soll Ansang Juli 1923 herauskommen. In der Sommer⸗ aus gabe sind wesentliche Verbesserungen vorgenommen 0 worden. So wurden den ersten drei Teilen, die jetzt in Kartonpapier einge⸗ bunden werden, neue größere Uebersichtskarten auf 2 Seiten in Zweffarbendruck beigegeben. Die jetzige vierte Abteilung mit den Fahrplänen Oesterreichs, Ungarns und der Tschechoflowakei wird !! K Gewerlschaftssekretärs Sauer im Feldschlößchen ein Brand aus, dem ustark beschäbigt. mit der fünften Abteilung„Fremde Länder“ vereinigt, in der die gut wu Fahrpläne der vorgenannten 3 Länder streng getrennt erscheinen. gefu Die neue vierte Abteilung, die an Stelle der fünften tritt, wird, um die Schriftzeichen klarer hervortreten zu lassen, auf rosa Papier gedruckt. In den Vorbemerkungen zu dieser Abteilung werden die Paßvorschriften aufgeführt, ferner werden die Angaben über den Luftverkehr sowie die Dampferverbindungen nach überseeischen Ländern vervollständigt werden. Bestellungen zum amtlichen— nach der Höhe der notwendigen Auflage sich richtenden— Preise nehmen alle Postanstalten sogleich entgegen. Die Auflage wird auf das unbedingt Notwendige beschränkt werden. Nachbestellungen werden voraussichtlich nur mit Verzögerung usw. ausgeführt werden können. „ Watzenborn⸗Steinberg. In der Gemeinderatssitzung am 28. April wurde die Anschaffung eines Ebers beschlossen. Das Tier soll im Faselstall untergebracht werden. Die Haltung wird dem Faselwärter übertragen.— Der Verkauf eines submissio⸗ nierten Bullens an den Höchstbietenden wird vom Gemeinderat ge⸗ nehmigt.— Der Wunsch einiger Antragsteller, das Obstbaumstück bei der Schiffenberger Mühle als Gartenland zu verpachten, wird wegen schechter Bodenverhältnisse und wegen der im Gange be⸗ findlichen Feldbereinigung vom Gemeinderat versagt. Es soll jedoch zum Schutze des Obstes später ein Notspalier angelegt werden.— Es wird beschlossen, die Verlängerung der Wasser⸗ leitung für die Neubauten in der Zahlgasse genau so wie an der entgegengesetzten Seite anzulegen, d. h. direkt an den Wohnungen entlang.— Die Schaffung von Bauquartieren in den nicht ausge⸗ bauten Straßenzügen wird in der Weise vorgesehen, daß den Bauworhabenden Bauquartiere zugewiesen werdem foweit öoͤtese in der Lage sind, eigenes Gelände gegen dasjenige der Bauquartiere einzutauschen. Bezüglich der Bauvorhabenden ohne eigenes Ge⸗ lände soll im Gemeinderat von Fall zu Fall beschlossen werden.— Für das verpachtete Gelände auf dem Steinkopf wird für 1923 die Pacht auf den tausendfachen Betrag erhöht.— Das Sprunggeld für Ziegen wird für das Jahr 1922 rückwirkend auf 100 Mk. erhöht.— Die Bezüge der Sozial⸗ und Kleinrentner werden auf den fünf⸗ fachen Betrag erhöht.— Eine Person wird auf Antrag als Orts⸗ bürger aufgenommen.— Die Einführung der Billettsteuer für Vergnügungen ab 1. Mai 23 wird beschlossen.— Die Aufnahme des Hilfsfeldschützen Schmitt in die Fürsorge wird vom Gemeinde⸗ rat versagt.— Die Gehaltsregelung der Krankenschwester wird zurückgestellt, es soll diesbezüglich und auch wegen Beschaffung einer anderen Wohnung mit ihr verhandelt werden.— Die An⸗ stellung einer Schreibhilfe auf dem Bürgermeisterbureau für den ganzen Tag wird zurückgestellt.— Wegen Wohnungsangelegen⸗ heiten sollen 2 Wohnungen von der Erfassungskommission be⸗ sichtigt werden. Zwei weitere Wohnungen werden beschlagnahmt. Dem L. Sch. wird für die Unterbringung seiner Möbel ein Zimmer zugewiesen.— Die Arbeitslosen und Kurzarbeiter in der Ge⸗ meinde sollen uit Steinklopfen beschäftigt werden.— Der Dünger im Faselstall, sowie die Jauche in der Schule sollen versteigert werden. Schließlich werden noch einige Anfragen erledigt. Hungen. Platin⸗Diebstahl. In einer der letzten Nächte wurde von dem auf dem Wasserreservier der hiesigen Wasserleitung befindlichen Blitzableiter die Platinspitze im Werte von 1% Millionen Mark gestohlen. Den Umständen nach müssen es mehrere in diesem Fach bewanderte Diebe gewesen sein, von denen jede Spur fehlt. nreis Friedberg⸗Büdingen. Büdingen(Oberh.). 4. Mai. Tot aufgefunden wurde am Lorbacher Berg der Installateur Rosenberger neben seinem Fahrrad, bewacht von seinem treuen Hund. Ueber die Todesursache wurde sofort Untersuchung eingeleitet. Kreis Wetzlar. Wetzlar. Am 1. Mai abends brach in der Wohnung des der dadurch entstanden war, daß mit dem Kamin in Ver⸗ bindung stehende Holzbalben in Brand geraten waren Das Feuer teilte sich dann dem Fußboden mit. Dieser und die Möbel wur⸗ n Der 12jährige Sohn Sauers bemühte sich mit Erfolg um die Löschung des Brandes. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 4. Mai. Geländeverpachtung im Taunus. Das St. Katharinenstift zu Frankfurt a. M. besitzt im Vortaunus in den Gemarkungen Homburg, Bommersheim, Kalbach und Oberhöchstadt bedeutende Ländereien, die kürzlich zur Neuverpachtung kamen. Die Aecker wurden nur gegen Na⸗ turalien verpachtet, wobei Gebote in Kg. Roggen für eine Rute abgegeben wurden. Je nach Lage und Qualität des Bodens wur⸗ den 3 bis 7 Zentner Roggen für den Morgen gezahlt, schnittlich also 5 Zentner als Pachtpreis erzielt. Pächter, die keinen landwirtschaftlichen Betrieb haben und infolgedessen nicht in Naturalien zahlen können, müssen die Preise anlegen, die die Ge⸗ treidebörse Frankfurt a. M. zu Martini jeden Jahres für einen Zentner Roggen notiert. Frankfurt a. M., 4. Mai. Großer Stiefeldiebstahl. Aus einer Fabrik der Mainzer Landstraße wurden vor etwa Monatsfrist a. M. 3. Mai. 76% Millionen Marf Durch geschickte Fälschungen war es dem fr. tadt angestellten Schreiber Becker möglich, nach 76%½ Millionen Mark zu unterschlagen. Die U wurden erst jetzt aufgedeckt Die Stadt erleidet aber hohen Summe keinen Schaden da sie die Autos des verhafteten Becker pfänden ließ. Ein sonderbarer Kauz. 15 Psychische Verirrungen enthüllte eine Verhandlung Schwurgericht des Landgerichts III in Berlin gegen sekvetär 1 5 K. der fich pee Urkundenfälschung zu verantwor K. we Berliner Amtsgericht Chef der Vormundschaftsabteilung in den Jahren 1914 bis 1921 große Summen unterschlage Veruntreuungen hatte er in raffiniertester Weise ausge dem er sich Gerichtskosten auszahlen ließ, die er dann zahlt“ eintrug, für die er aber das Geld in seine steckte Nach Aussage eines Zeugen war jede zehnte Uscht. 8 Nach außenbin lebte der Angeklagte sehr zurückg bescheiden. Er ging dürftig gekleidet, so daß man bei deckung der Tat wie vor einem Rätsel stand. wo er Summen gelassen haben könnte. Die Unterfuchung daß K. in dem Bann einer Art Gedankenunzucht gest Man fand bei ihm große Stöße unzüchtiger Bilder, von nackten Frauen, für die er viel Geld ausgegeben hatt diesen Bildern Wee er Wen e sch 3 die E. 0 verüben. Daneben* 5 . Samentun gen angelegt. Wörterbücher in 2 i exotis 5 er sich auch nie zu beschäftigen beabsichtigte. Jur., der Verhandlung auch, daß K. die Gepflogenheit legen heimlich von deren Frühstück den Belag her und aufzuessen. Alle Diensteingänge zerknitterte er zun warf sie in den Pauserkorb um sie nachher wieder hera und zu bearbeiten. Weiter batte er in 20 dicken Bänden? ausschnitte, die Bluttaten. Todes⸗ und Unglücksfälle betra sammelt. Dafür hatte er besondere Register angelegt, von einige lauteten:„Ausgestochene Augen?„Getäuschte d „Unmenschliche Grausamkeit“. Die e San von der Zurechnungs fähl Dr. Kopp⸗Weißensee und Dr Blume dorf hegten begründeten Zweifel an der Angeklagten, während Medizinalrat Störmer und Dr Knospe der Meinung waren, daß bei der langen Verfehlungen es äußerst unwahrscheinlich sei, daß der Sprache . sein die ganze Zeit über im Zustande der Bosinnungslosigkeit fei. Rechtsanwalt Dr. Themal trat für 0 be e ein. Der Angeklagte habe im Banne Zwangsvorstellungen gehandelt. um sich die Mittel zur gung seiner krankhaften Gelüste zu beschaffen. Die verneinten die Schuldfrage und der Angeklagte ö sprochen. 0. 5 Ehrung für Karl Legjen. In Kiel haben die Stad neten beschlossen, das Andenken Legiens, des Vorsi Generalkommission der Gewerkschaften und Reichs 8 neten für Kiel, dadurch zu ehren, daß sie die Fährstraße. umzubenennen. Unser verstorbene Genosse hat es um d auch verdient, daß sein Andenken geehrt wird. f Bezirksverband S. P. D. Hessen⸗Nass Sitz Frankfurt a. M., Allerbeiltaenstr. 57, I., Tel. Sausa Sprachen. die er gar nicht banarte 80 sich das Gewerkschaftsbaus befindet, in Karl Legien An unsere Ortsgruppen vorstände! Werte Genossen! Trotz wiederholt erfolgter Mahnung Zeitung und in den Mitteilungsblättern, die Abrechnung bald abzuschließen und an den Bezirksleiter einzusenden, heute noch nicht eimal a dieser Pflicht gemügt. g Da mit dem Monat das Geschäftsjahr 1922—23 schlie deshalb an alle Ortsvorstände den dringenden Appell, 10. Mai unbedingt die Abrechnung zu vollziehen. 1 Ferner teilen wir mit, daß für den Monat Maj derselbe wie im Monat April in Frage kommt. Mit Parteigruß! 5 ö Der Bezirksvorstand: J. A.: Fritz Daemisch. die Hälfte unserer Ortskassierer wir verpflichtet, einen abschließenden Bericht zu geben. Wir Versammlungs kalender. Treis a. LTda. Freie Turnerschaft. abends 9 Uhr Versammlung im Vereinslokal. marsch punkt 674 Uhr von der Lahnbrücke. Gießen. Freie Turnerschaft. Am 10. Mai(Himmils tag) Turngang nach dem Dünsberg⸗Königsberg⸗Biebertu für etwa 200 Millionen Mark Stiefel gestohlen. Von dem Diebes⸗ Betr.: Aenderung der Oxrtssatzung über die Gießener Jahrmärkte vom 28. April 1875. Auf Beschluß der Stabtverordnetenversammlung vom 15. Februar 1923, nach Anhörung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Hessischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern vom 10. pril 1923 zu Nr. M. A. Wü 8581 wird auf Grund des§ 103 der Hessischen Ausführungsverordunng zur Gewerbeordnung in Ver⸗ bindung mit Art. 15 und 199 der Städteord nung die Vel auntmachung. Gr. 1875 wie solgt geändert. 81. Der in dem Nachtrag zur Marktordnung für die Gießener Jahrmärkte vom 24. Februar 1922 festge⸗ setzte Tarif für die Erhebung des Standgeldes wird wie folgt geändert. Das Standgeld beträgt: a) auf den Krämermärklien. Won heute ab bis auf Weiteres Ia, BIieTCTCA im Gewerkschaftshaus Giessen! 300 Mk. itt sr Schünn Gleichzeitig empfehlen wir allen Gewerkschaftskollegen u. Parteigenossen unsere renovierten Lokalitäten sowie die soeben eröffnete Gartenwirtschaft „ Apfelwein sowie sämtliche preis wertigen Getränke! Guter bürgerlich. Mittagstisch zu billigstem Preis Sonstige Speisen zu jeder Tageszeit. Die Hauskommission 247 erpreisabsch Die Hausverwaltung E lag Gießen 4 Bahnhofstraße g Der Versailler Die Kenntnis dieses Vertrages ist 1 und haben wir zu diesem Film die EEIEEIEAEl ermäßigt. E Jucendliche haben Zutritt und sollte kel ule den Besuch versäumen. — Für Schulen und Klassen ist Vorstellung v mittags von Montag bis Donnerzi KA Näheres auf Anfrage Telephon 2077. Pr 1 für jedes Kind für vormittaas 200.— 4 ubr: Große Kindervorstellung: EEREEEREIEEKEK EK 1. Für einen Stand bis zu zm Länge Mk. 100— 2. Für einen Stand über 3 m Länge 200.— 3. Für einen überbauten Stand bis zu 3 m Länge„ 150.— 4. Für einen überbauten Stand über Im Länge„ 300.— d. Für einen Sack Zwiebeln usw.„ 308 1. Karussells, Panoramen und dergleichen für den laufenden Meter„ 100.— b) auf den Viehmärkten. 1. Für ein Pferd Mk. 300.— 2. Für ein Fohlen„ 150.— 3. Für einen Ochsen„ 300.— 4. Für eine Kuh oder ein Rind„ 250.— 5. Für ein Schwein„ 200.— 5. Für ein Kalb„ 100.— 7. Für ein Ferkel„ 50.— 52 Dieser Nachtrag mit dem auf seine Verkündigung Agenden Tag in Kraft. Gießen, den 1. Mai 1923. Ser Oberbüraermeister. J. B.: K Ii Ar. wird. Bekanntmachung. Ueber die Ableitung von Regen- und Schmutzwa sser in die städtischen Kanäle ist eine Bekantmachung durch Aushang veröffentlicht, worauf hierdurch hingewiesen Gießen, den 30. April 1923. Der Oberbürgermeister. J. B.: Krenzien, 80 Jahre alt, Ebelstraße 5. 3. Mai. N Gestorbene. 3. Mai. Marie Sartor, geb. Hilgers, Wwe. Beerdigung: 7. Mai, 3 Uhr nachmitlags. Johannette Lohrehy, geb. Pfaff Wwe., 76 Jahre alt, Gr. Steinwag 5. Einen Posten Damen⸗ u. Kinderstie 7 von Größe 30 an, einzeln oder zusan f preiswert zu verkaufen. Ederstrasse Nr. 5, 0 Dollarstand Samstag Mittag 12 Uhr: ca. 36 000 Mu Selce Ee l 5 5 Lichtspielhauß * 7 1— Ab heute bs erde, ö längst nicht in alle Volkskreise eingedrung Eintrittspreise deshalb bedeutend g 5 * 7 Dienstag, 8 5„ 1 ¹ 9 E 1 5 5 Friedensvertrag . D 5 5 1 9 7 3 Am Mpittwoch, den 9. Mai, 2 3 89 ein Märchen: Der kleine Mut Eintrittspreis: 400.— und 600.— Alt