zullin: Gießen Fahnbeffraße 23 Organ für die Interessen des werktätigen Volles ie n der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 2 Frpedition: Gießen Bahnhofftraße 23 Ferusprecher 2008. Die N Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ Hirtschaflliche Beilage“ beträgt monatlich 3300.— Mek. einschl. Bringerlohn. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetterz. Für den Inseratenteil veramwortlich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Raum lokal Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Mk., die Reklamemillimeterzeile el., auswärts 80.— 300.— Pk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. — Nr. 78 — kk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mt Gießen, Freitag, den 6. April 1923 183. Jahrgang — ö ö Ein Aufruf der deutschen Gewerkschaften! Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der Afa⸗Bund, der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Gewerkschaftsring deutscher Arbeiter-, Ange⸗ stellten⸗ und Beamtenverbände erlassen folgenden Aufruf: N 8 „An die Arbeiter der Welt! Deer völkerrechtswidrige Einbruch des französischen Mili⸗ larismus ins Ruhrgebiet mitten im Frieden forderte meue blutige Opfer. Gestützt auf das unveräußerliche echt, die Freiheit ihrer Arbeit zu verteidigen, und aus freiem Entschluß, unbeeinflußt von der Werksleitung oder der Regierung, demonstrierten un bewaffnete Arbeiter auf den Krupp⸗Werken in Essen gegen die Vesetzung der Werke durch die Franzosen. Die Antwort darauf waren dreizehn Tote und eine weit größere Zahl von Ver⸗ wundeten. Alle Greuel des Krieges leben wieder auf, mur zügelloser noch und häßlicher, des letzten Scheins von Recht entkleidet. Was will der französische Militarismus im Ruhrgebiet? Angeblich Reparationen und produktive Pfänder! Wieder und wieder be⸗ kundeten das deutsche Volk und seine berufenen Vertreter, ünsbesondere auch die deutschen Gewerkschaften, die Bereitwilligkeit zur Reparation Rahmen der Leistungsfähigkeit durch Wort und Tat. eutsche Vorschläge lagen in London und Paris vor ud hätten bei allseitigem guten Willen zur Verhandlungs⸗ ö 5 Was geschieht statt dessen? ö trat an die Stelle der deutschen don Beamten und Organen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wurden verhaftet, mißhandelt und ausgewiesen. Verkehrsmittel, Kohle, Geld, Arbeiter⸗ lähne und Unterstützungen der Erwerbslosen wurden wahl⸗ los beschlagnahmt; 1. täglich werden neue Tausende von deutschen Arbeitern 1 und Angestellten erwerbslos; tungezählte von ihnen wurden eingekerkert und mit Frau und Kindern aus den Wohnungen gejagt, andere ohne jeden Anlaß getötet oder verwundet. Das Massaker von Essen stellt den neuesten, furcht⸗ barsten, aber keineswegs einzigen Fall der Hinschlachtung unbewaffneter Arbeiter durch den französischen Militarismus dar. Die Freiheit der Arbeit, die Achtung des Arbeiters als vollwertigen, für sich selbst verantwortlichen und aus freiem Willen handelnden Menschen— sie wird im Ruhr⸗ gebiet und im besetzten Deutschlang durch die militärische Diktatur mißachtet und unterdrückt! Das französische Volk werkündete vor über hundert Jahren die Menschen⸗ und Bürgerrechte; ö die heutigen Gewalthaber Frankreichs wollen die freie Arbeit in Sklaverei verwandeln! N Die kostbare Errungenschaft jahrhundertelanger, sozialer kämpfe, die Vorbedingung jeder wahren Kultur, ist in Gefahr! „Arbeiter der Welt, öffnet, Augen und Ohren! Diese Ge⸗ lahr besteht nicht für die deutschen Arbeiter allein. Sie droht uch allen, wenn die Gewalt über das Recht triumphiert! Arbeiter der Welt, seid gewarnt und ö schützt Freiheit und Arbeit, ehe es zu spät ist!“ Die Proleftnote der Reichs regierung. Von Paris aus wird weiterhin der Versuch unternommen, die Oeffentlichkeit des Auslandes dahingehend irrezuführen, daß die Fumpparbeiter an den blutigen Zwischenfällen am Karsamstag selost Schult tragen. Die jetzt von der Reichsregierung an die Adresse Frankreichs gerichtete, gleichzeitig er den übrigen Hauptmächten des Verfailler Vertrages übergebene Protestnote wird diese Versuche im wesentlichen vereiteln. Die Note gibt eine ausführliche Schilderung über den bekannten Verlauf der Ereignisse an Hand amtlichen Mate⸗ Besonders wird betont, daß der französische Offizier ohne jede Herausforderung durch die Arbeiter und ohne jede Warnung plötzlich das Feuer eröffnete, die Menge nach dem ersten Schuß auseinander⸗ fie, er trogdem auch auf der Flucht noch weiter beschossen warde. Versuch, biesen Tatbestand zu fälschen, wird dann in der Note gebührend gekennzeichnet Zum Schluß des Protestes heißt es, daß die Verantwortung für die unheilvolle Tat nicht allein auf die franzö⸗ sishen Truppen, sondern auch auf die französische Regierung selbst fällt, die auf das gewalttätige Vorgehen der Truppen im Ruhrgebiet zumer wieder aufmerksam gemacht wurde, ohne ledoch entsprechende 0 ahmen zu treffen. Deutschland fordert ür die Opfer und ihre 0 aan der 5 1 und verlangt, daß die zur Bemän⸗ An die Arbeiter der Welt! Was die Arbeiterschaft(ssens sagt und denkt. Das Verhalten des kommunistischen Ruhr⸗Echos gegenüber der französischen Ostertat ist erbärmlich. Noch am Sonntag hatte das kommumistische Blatt, das auch sonst manchmal schon Töne angeschla⸗ gen hat, die denen der Nationalsozialisten verflucht ähnlich klingen, den Lärm der Sirenen des Kruppwerkes, durch den die Arbeiter von dem Eindringen der Franzosen benachrichtigt wurden, anerkennend gebilligt. Zwei Tage später aber pfiff der Wind auf einmal aus einem anderen Loche und die Hetzartikel des kommunistischen Blatles wurden eine Fundgrube für die Reinwaschungsversuche des Herrn Poincaré. Demgegenüber genügt es auf den ruhigen und sachlichen Bericht des Vetriebsrates der Kruppwerke hinzuweisen. Dieser Bericht stellt u. a. fest, daß der Offizier, der das französische Kommando befehligte, wiederholt Verhandlungen mit dem Betriebs cat ablehnte, und daß er seine Leute ohne vorherige Warnung schießen ließ Wenn jetzt die französischen Gewalthaber wieder einmal den rech! sie im Gegensatz zu dem Buerer Falle die feierliche Beerdigung zu⸗ lassen wollen, weil„nicht die Kruppschen Arbeiter, sondern die Hetze des Kruppschen Kapitalismus“ die Schuld an dem Blutbade tragen, so werden sie bei der Essener Arbeiterschaft höchstens ein mitleidiges Lächeln erwecken. Die Essener Arbeiter sind die letzten, die sich von ihren Kapitalisten beeinflussen lassen würden. Wie die bekanntlich sehr radikal gerichteten Metallarbeiter Essens in Wirklichkeit denken, das zeigt der Verlauf einer sehr stark besuchten Versammlung dieser Arbeiter, die sich mit der Franzosen⸗Bluttat beschäftigt hat. Die Essner Arbeiterzeitung schreibt über diese Versammlung: Mit tiefster Empörung wurde die Stellungnahme des Ruhr⸗Echo aufgenommen. Die Versammlung stimmte einstim⸗ mig der Entschließung des Kruppschen Betriebsrates zu und er⸗ klärte noch insbesondere ihr Einverständnis mit der Haltung der sozialdemokratischen Betriebsratsmitglieder. Bedauerlich ist es, daß auch einige unserer eigenen Parteiblätter auf den kommunistischen Leim des Ruhr⸗Echos gekrochen sind, u. a. sogar die sonst so erfreulich 5bjektive Leipziger Volksztg. Vielleicht lassen sich diese Genossen belehren, wenn sie lesen, was die Essener Arbeiterzeitung, unser auf dem linken Flügel der Partei, also der Leipz. Volksztg. nahestehendes Parteiblatt, schreibt. Sie sagt, daß die Haltung des Ruhr⸗Echos den Stempel der schamlosesten e ee an der Stirn trage und fällt folgendes i „Wie das Unglück geschah, ist heute schon restlos aufgeklärt. Alle Lügen und Verdrehungskünste der Schuldigen vermögen nicht mehr die Wahrheit zu verdunkeln, und wenn tausend Flugmaschinen Millionen Flugblätter vom Himmel flattern lassen— Wahrheit bleibt Wahrhaft. Schuldig sind jene, die den Befehl gaben, auf die wehrlosen Arbeiter todbringendes Eisen zu schleudern. Wir klagen nicht die Soldaten an. die nur blinde Werkzeuge des mor⸗ denden Militarismus sind. Um so lauter aber klagen wir sene Gewaltmenschen an, die widerrechtlich in unser Heimatland einge⸗ drungen sind und die allein die Verantwortung zu tragen haben für alles Blut, das seit der Besetzung durch deutschen Boden sickerte. schen Militarismus stärken könnte, dann ist es das furchtbore Un⸗ gliick unserer Arbeitsbrüder, und wir schwören an ihrer Bahre, daß wir nun erst recht im Kampf gegen den Militarismus aus harren werden, bis der Geist über die Gewalt gesiegt hat.“ C. G. T. ruft den Völker v. day. Die französische Gewerkschaftszentrale, die C. G. T., ver⸗ öffentlicht in ihrem Gewerkschaftsorgan folgenden Aufruf:„An⸗ gesichts der schmerzlichen Zwischenfälle, die sich im Innern der Kruppschen Werke abgespielt haben, betrachtet der Allgemeine Ge⸗ werkschaftsbund es als seine Pflicht, die Politik der militärischen Vesetzung des Ruhr⸗Beckens wieder einmal zu brandmarken. Diese Gewaltpolitik kann nur die ungesunde Aufrefzung der deutschen Nationalisten begünstigen. Eveignisse wie diejenigen, die sich so⸗ eben abgespielt haben, vernichten jede gesunde Reparatsonspolitik und erschüttern den ohndies auf schwachen Füßen ruhenden Frie⸗ den. Der Allgemeine Gewerkschaftsbund protestiert gegen die Er⸗ schießungen von Essen und ruft das Gewissen aller Arbeiter an, damit so schnell wie möglich mit einem Abenteuer aufgehört werde, das sowohl für die Reparationen wie auch ffir den Weltfrieden schädlich ist. Das einzige Mittel, die Wiederkehr solcher Zwischen⸗ fälle zu verhindern, ist die Anrufung der Intervention des Völker⸗ bundes. Diese Lösung, die schon einmal von dem Allgemeinen Gewerkschaftsbund gefordert wurde, drängt sich hente noch mehr als gestern auf, durch die Lage, die aus den tragischen Ereignissen von Essen hervorgeht.“ Zurückhaltung in England. Unterrichtete englische Kreise sprechen über die Vorfälle in Essen ihr Bedauern aus, bewahren aber im übrigen ihre übliche Zurück⸗ haltung. Zu einer amtlichen Aeußerung könnten die Exeignisse, so beklagenswert sie auch seien, angesichts der englischen Neutralität keine Veranlassung bieten. Amerika und die Ruhrbesetzung. Der amerikanische Handelssekretär, Hover, erklärte mit Bezug auf die Rückwirkungen der Ruhrbesetzung für Amerika, daß bis jetzt dadurch die industrielle Tätigkeit Amerikas eher gefördert als gehindert werde. Das sei besonders für die Eisen⸗ und Stahl⸗ industrie der Fall. Es sei aber schwer zu sagen, wie lange dieser Zustand andauern werde. Auf der anderen Seite sei aber die Ruhrbesetzung mit Bezug auf den Absatz der ameritanischen land⸗ wirlschaftlichen Produkte an Deutschland sehr nachteilig. Deutsch⸗ land habe bis zur neuen Ernte noch 2 Millionen Tonnen ameri⸗ kanisches Getreide nötig. Es liege aber die Gefahr nahe, daß Deutschland die nötigen Kredite hierfür nicht aufbringen könne. bel 15 1 frangösischen Schuld verhafteten Personen sofort in Frei⸗ heit gesetzt werden. 5 i In allgemeinen stützt sich die Protestnote der Reichs regierung e Talsachen. 5 11 In diesem Falle sei in Amerisa ein Preissturz für Getreide unver⸗ meidlich. plumpen Verfsuch machen, die Essener Arbeiter dadurch zu ködern, daß Wenn uns eines im berechtigten Abwehrkampf gegen den französi⸗ 0 Neue Besetzungen. ö Die Franzosen sind am Mittwoch im Mittelpunkt des Industrie⸗ gebiets abermals zur Besetzung von Bahnhöfen geschritten. U. a. wurde auch der Essener Nordbahnhof besetzt, später aber wieder freigegeben, um dann abermals beschlagnahmt zu werden. Die Hauptaktion richteten die Franzosen gegen den Bahnhof Kray⸗Nord. Infolge der Militarisierung großer Eisenbahnstrecken und die bereits erfolgte Besetzung von Bahnhösen, die unsere Eisenbahner zu Verkehrsumstellungen veranlaßten, hat sich der Bahnhof Kray⸗ Nord gewissermaßen zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt des Industriegebiets entwickelt. Schon deshalb werden die Franzosen hier die Schienen aufgerissen haben. Sie wollen den Verkehr zwischen Essen⸗Bochum⸗Dortmund, sowie über Essen⸗Gelsenkirchen⸗ Dortmund verhindern. Gleichzeitig führte die Besatzung eine Aktion gegen Herne durch, dessen Bahnhof am Mittwoch ebenfalls besetzt wurde. Dem Bahnhofsvorsteher wurde befohlen, ab 2 Uhr eine Kontrollstation einzurichten. Die deutschen Beamten lehnten zunächst ab, erklärten sich jedosch später bereit, Güteranzüge anzu⸗ 11 nachdem die Franzosen die Erklärung abgegeben hatten, daß er Personenverkehr unbehindert weitergehen soll. Das englisch⸗französische Eisenbahnabkommen für die eng⸗ lische Zone des rheinischen Gebietes hat am Mittwoch zum ersten Mal funktioniert Es passierte aber nur ein französtscher Militär⸗ zug die englische Besatzungszone. i Meuternde Marokkaner. f Die Deutsche Zeitung erfährt aus Jülich: Wie erst letzt be⸗ kannt wird, haben in der vergangenen Woche die auf der Station Elsdorf bei Jülich stationierten Marokkaner gemeutert und ihren französischen Kommandanten erschossen. Daraufhin wurden 11 1 55 1 Wache erschossen. Die Stimmumg unter den Farbigen st gereizt. Politische uebersicht. 3 7 Die Feigheit des Bürgertums. Stresemanns Selbstkritik. 9 Bei einer Bismarcks⸗ Geburtstagsfeier der Deutschen Volkspartei in Jena hielt der Führer der Deutschen Volks⸗ partei, Herr Dr. Stresemann, eine Rede, in der nach dem Bericht der Zeit folgendes sagte: 28 „Hätte der Enkel des großen Kaisers es ebenso verstanden, große Männer anstatt Byzantinismus um sich zu dulden, wäre manches anders gekommen, was nachher als Ergebnis der von ihm entfachten Zeit des Matertalismus, der wirtschaftlichen Hoch⸗ konkunktur und der hierdurch bedingten seelischen Not des Nolkes zwangsläufig herauswachsen mußte. Bismarck hatte angesichts dieser Erscheinungen iamer gemahnt und geforbect, daß das Volk sich mehr mit den politischen Fragen beschäftigen müsse, aber keiner hatte die Stimme des Waxners in sich aufge iommen, noch nach ihr gehandelt. So mußte der 9. November 1918 kommen, nicht weil das Werk Bismarcks schlecht oder morsch geworden wäre, nein, iwefl das Bürgertum zu feige geweien war für die polftische Tat, die es damals und früher schon hälte tun müssen. Tarum gilt es leute, den Worten Bismarcs zu folgen und sich einzustellen auf die polis cker Notwendigkeiten.“ Serr Dr. Stresemann berührte damit ein dunkles Kapitel aus der Geschichte seiner eigenen, der vormals Nationalliberalen Partei. In den Kreisen dieser Partei wußte man sehr genau, was Deutschland an Wilhelm II. besaß, aber der Mut, dies auch offen auszusprechen, fehlte vollständig. So kam eines Tages Bebel ganz aufgeregt im Reichstag zu einem kleinen Kreis von Fraktionsfreunden, um ihnen zu berichten:„Bassermann sprach eben mit mir; er sagt, oben ginge alles drüber und drunter und Ed? sei wieder einmal ganz aus dem Häuschen.“ Bei einer anderen Gelegenheit meinte ein anderer nationalliberaler Führer im Gespräch, die Sozialdemokraten müßten noch schärfer gegen den Kaiser vorgehen, und er gebrauchte dabei über die geistigen und sittlichen Qualitäten dieses Mannes Ausdrücke, die so ziemlich das Aeußerste der Verurteilung darstellen. Wenn aber öffentlich die Rede auf den Kaiser kam, waren die Nationalliberalen und die übrigen bürgerlichen Parteien ganz Untertänigkeit. Darum vermochte auch der sogenannte„Novembersturm“ von 1908 das persönliche Regi⸗ ment nicht zu erschüttern. Als Scheidemann im Jahre 1912 mit Hilfe der Nationalliberalen zum Vigepräsidenten des Reichstags gewählt worden war, entfesselten die Konser⸗ vativen einen Entrüstungssturm gegen die National⸗ liberalen, weil diese einem„Hohenzollernbeleidiger“ ihre Stimmen gegeben hatten, und lichtig fielen die National⸗ liberalen um und wählten sechs Wochen später Scheidemann aus dem Präsidium wieder hinaus. So recht also Herr Dr. Stresemann hat, wenn er die Feigheit des Bürgertums für den Zusammenbruch verant⸗ wortlich macht, so wenig trägt er durch die unkritische Ver⸗ herrlichung Bismarcks der geschichtlichen Wahrheit Rech⸗ nung. Denn so hoch auch Bismarck seine politischen Nach⸗ fahren überragte, so war doch gerade er ein Träger des starren Autoritätsprinzips, und unter seinem Regiment sind alle Regungen bürgerlich-politischer Selbst⸗ ständigkeit systematisch ausgerottet worden. Das Bürger- tum, das vor Wilhelm II. kuschte, war in Bismarcks Schule erzogen; es hatte sich in ihr freilich so willsährig gezeigt, daß die Schuld mehr den Schüler als den Lehrer trifft. Die Ur⸗ sachen für den Untergang des Kaiserreichs liegen schon in den Umständen seiner Begründung, und auf jedem Blatt seiner Geschichte steht groß vorangeschrieben: Versagen des deutschen Bürgertums. * „Nationale Geschäftswürde“. einer Mitteilung der Bremer Volkszeitung verkaufte der Sd Lloyd 597 Woche einen kleinen Küstendampfer „ Grilie“ für 10 000 englische Pfund letwa eine Milliarde Mark) en eine französische Firma an der Küste der Normandie, nachdem er schon bie Unterweserdampfer„Gazelle“ und„Nymphe“ an den Fürsten von Ver aco verkauft hatte. In einer Erklärung in der „Porddeutsche Lloyd die Mitteilungen unseres lärt aber den Schiffsverkauf nach Frank⸗ Den ber für Lloydzwecke nicht mehr 1„ zösischen Firma bezahlte Kaufpreis im unbesetzten Gebiet den deutschen Ar, itern zugute käme. Endlich heiß es in der Erklckrung, daß es etwa deres sei, wem äufe nach Frankreich vom unhesetzten Deutschland glätigt wür⸗ Zustimmung des Reichs wirtschaftsministers an den nationalen kommen. Das Sprichwort ist immer noch wahr: Die kleinen hängt man, die großen läßt man laufen. 0 Oentschnationale Einpeitscher des französischen Militarismits. Die Doutschnationalen Bayerns halten gegenwärtig in ugsburg ihren Parteitag ab. Als Generalreferent über die innen- und außenpolitische Lage haben sie den Propheten Hergt aus Berlin gewonnen, der dem preußischen Kabinett, insbesondere dem Innenminister, Genossen Severing, den Kampf„bis aufs Messer“ ansagte, die Linksparteien, von denen er einen Druck auf das Kabinett in Bezug auf die Verständigungsbereitschaft befürchtet. eifrig beschimpfte, gleichzeitig aber ein Loblied auf die„Einheitsfront“ sang. Aufßzenpolitisch lobte er die Festigkeit des Kabinetts in seinen Abwehrkampfmitteln. Die Parole in dem gegenwärtigen Kampf an der Ruhr müsse lauten: Keine Verhandlungen bedingungslose Räumung des Ruhr- gebiets, planmäßige Vorbereitung der Aufhebung des Versaillet Vertrages durch unsere Regierung für die kommenden Verhandlungen usw. Seine neueste Prophezei⸗ ung ist ein kommender Krieg, vor dem wir den Kopf nicht in en Sand stecken dürfen... Hergt konnte die Phrase: Keine Verhandlungen ohne vor⸗ erige bedingungslose Räumung des Ruhrgebiets, vor aller ffentlichkeit nur wiederholen infolge der unklaren Kund— gebungen des Reichskabinetts, die einmal an Verhandlungen eine Bedingungen knüpft und in den nächsten 24 Stunden rklärungen herausgibt, die den Eindruck des Gegenteils wecken. So trägt Herr Cuno indirekt dazu bei, daß den Nationalisten Frankreichs neuer Agitattonsstoff gegen chland durch Herrn Hergt gegeben werden konnte. Im ohne vorhergehende * stätigt, daß diese Propaganda in engster Verbindung mit Bayern stand. Der größte Teil der technischen Schüler gehöce den National⸗ soztalisten an. Haussuchungen stellten fest, daß sich die milttärische Organtsation„Verein der Wanderer“ nannte. Als Instruktions⸗ stoff dienten Reglements der Reichswehr; mit dienstlichen Stempeln der Reichswehr versehene Instruktionsbücher wurden vorgefunden. Desgleichen wurde Unterricht in der Handhabung von Militärwaffen erteilt. Ferner wurde eine Geheimliste solcher Personen vorgefun⸗ den, gegen die mit Terror vorgegangen werden sollte. Haussuchungen in Arnstadt bei putschverdächtigen Elementen führten gleichfalls zur Aufklärung von Vorbereitungen, die bestätigten, daß die Jungdoleute in der letzten Zeit fieberhaft gearbeitet haben. Im Anschluß an das Verbot der Deutschvölkischen Freiheits⸗ partei in Sachsen haben Haussuchungen in Dresden, Leipzig, Meißen, Pirna usw. stattgefunden. Ebenso wie in Thüringen und Preußen hat auch das in Sachsen außgefundene und beschlagnahmte Material erwiesen, daß die Deutschvölkische Freiheitspartei nur ein anderer Name ist für die schon früher verbotene Nattonalsozialtstische Partei und daß bei beiden sowohl Personen wie Taktik und Ziele die gleichen sind. Die weiteren Untersuchungen durch die Staatsauwalt⸗ schaft, der das gesamte Material zugeführt worden ist, wird hoffemlich auch die Fäden aufdecken, die von den fächsischen Faseisten nach Bayern hinüberspielen. Wie wir erfahren haben, soll eine Verbin⸗ dung mit Hitler bestanden haben. * Tas neue Sozialistengesetz in der Saarkolonie Aus dem Saargebiet wird uns geschrieben: Unter Umgehung der vom Vertrauen der Bevölkerung getrage⸗ nen Volksvertretung, des Landes rats, hat die Völkerbunds regierung ein Zuchthausgesetz erlassen, gegen das das Sozialistengesetz seligen Angedenkens das reine Kinderspfel war. Sie nennt es eine„Notver⸗ ordnung zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit un Saargebiet.“ Nur einige Sätze aus dieser„Notverordnung“ mögen zeigen, mit welchem Schandgesetz eine Völkerbunds regierung es wagt, die öffentliche Meinung niederzuknüppeln. Im Artikel 2 der 19 Ar⸗ tikel umfassenden Verordnung heißt es z. B.:. „Mit Gefängnis bis zu 5 Jahren neben den auf Geldstrafe bis zu 10 000 Franken erkannt werden kann, wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung f a) den Friedensvertrag von Verfsailles verächtlich macht, b) ferner wer a 1. den Völkerbund, dessen Mitglieder oder die Signatar⸗ mächte des Friedens vertrages von Versailles; 2. die Regierung des Saargebiets, ihre Mitglieder oder die von ihr getroffenen Einrichtungen oder die Beamten, welche beauftragt sind, denz Ein richtungen durchzuführen oder in Gang zu halten, beschimpft oder verleumdet; usw.“ Die Dehnbarkeit dieser Bestinunungen in bezug auf ihre Aus⸗ legung verleugnen den Charakter einer Regie rung, in der ein Herr Hector saß, nicht. Was heißt z. B. Verächtlichmachung des Versailler Vertrages? Man will anscheinend jede Kritik des Versalller Diktats oder seiner Auswirkungen immöglich machen. Man bedenke ferner: „Wer eine der Signatarmächte des Friedensvortrages—— usw.“ Die Regierungskommission fühlt sich scheinbar berufen, die Neger⸗ republik Etberta oder ähnliche Staaten, die bekanntlich auch mit zu den 39 Unterzeichnern des Friedensvertrages gehören, besonders in Schutz zu nehmen? Wer gibt ihr das Recht dazu? kann das Bestreben, die Beamten in Schutz zu nehmen gegen berechtigte Kritik nur so verstehen, daß man einen zweiten Fall Hector beffirchtet. Tatsächlich besteht hierzu nicht wenig Anlaß. Man hat deshalb auch der Zeitungen, die am allerunbequemsten sind, besonders gedacht und droht ihnen mit Verboten bis zu 4 Wochen. Die einzelnen Bestimmumgen sind in ihrer Auswirkung für das politische Leben des Saargebiets von so einschneidender Bedeutung, daß es überhaupt unmöglich gemacht, ja vollständig erdrosselt wird. Versammlungen, polttische Parteien und besonders die Presse find da⸗ durch mundtot gemacht und zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Und alles das geschieht unter dem Regime einer vom Völkerbund einge⸗ setzten Regie rung. Hier hätte er Gelegenheit gehabt, zu zeigen, daß er wirklich eine neutrale, über den Nationen stehende Einrichtung ist, bei der für alle gleiches Recht gilt. Im Sgargebtet ist der Völker⸗ bund zur Jarce geworden. * Weltfriedens die Verletzung seiner maritimen Interess Augenblick zurückstellen wolle. Betanntlich sehen di träge eine Festsetzung der Tonnage der Großschiffe in hältnis von 5:5: 3: 1,75 vor, wodurch auf Frankre⸗ Italien je 175 000 Tonnen entfallen. Sämtliche Sta auf Frankreich haben ratifiziert. Wie man weiß, Poincars auf eine Annahme der Beschlüsse hin, um di einigten Staaten zu gewinnen. Ein Opfer kommt dh keineswegs in Frage, da Frankreich auf Großschiff 0 verzichtet und sich in U-Booten und Kreuzern freie Haß vorbehalten hat. Im übrigen würden auch die französische Finanzen abweichende kostspielige Pläne nicht gestatten. 50 framzöfische Flottenprogramm sieht den Neubau von Kreuzern, sechs Zerstörern, 12 Torpedobooten und U-Booten vor. Ein Kammerbeschluß über die Ratifikarh der Verträge ist noch nicht erfolgt. Die Bedeutung ei solchen Beschlusses von seiten der letzten noch ausstehengt Großmacht würde u. a. darin liegen, daß für die Vereinig Staaten ein wichtiges formales Hindernis für die 2 staltung einer neuen Reparations-Weltkonferenz entfalgg würde, wie sie von Hughes angestrebt wird. K 0 1 U . Angora zum Frieden bereit. Das türkische Pressebureau in Paris gibt folg Meldung aus: Die türkische Regierung hat von der Antwort note der Verbündeten Kenntuis genommen und sie nach de endigung der Prüfung der großen Nationalversammlun vorgelegt. Ismed Pascha, der bei dieser Gelegenheit de Verfammlung genaue Aufklärung gab, führte im Anschsu daran aus, daß es für die kommenden Friedensverhande lungen von Vorteil wäre, wenn ihr Ergebnis einer neu g. wählten Nationalversammlung zur Ratifikation vorget würde. Er schlug deshalb die Ausschreibung von Neuwahlen vor. Der Vorschlag fand die Unterstütung von 110 U ordneten und wurde schließlich einstimmig angenommz Das jetzige Parlament wird bis zum Zusammentritt 0 neuen Versammlung seine Tagung fortsetzen. 1* Wie steht's in Rumänien? 1 Auf der ruminischen Gesandtschaft in Budapest wird 0 Bezug auf die Nachtichten von einem Umsturz in Bake 0 erklärt, daß alle Meldungen über eine Revolution erfunge seien. Tatsache sei, daß in Rumänien um die Verfassunge reform ein harter Kampf zwischen der Opposition und di Regierung tobt und Demonstrationen gegen die Re r. stattfänden. N Ungatische Blätter bringen aber erneut ganz bestim 1 Nachrichten, nach denen in den Straßen von Bukarest ch schieden revolutionäre Erscheinungen zutage getreten, jedt durch das Aufgebot ungarischer Formationen im Keine en stickt worden wären. In der Hauptstadt sei u. a. das Palg des Fürsten Stirbey gestürmt und es seien dort zahlrest Verwüstungen angerichtet worden. Weiterhin werden erm antisemitische Ausschreitungen aus Bukarest, sowie aus Ja und Galatz gemeldet.. Die bolschewistischen Trnypen masßzerungen an di 4 bessarabischen Grenze. daß die R 8 2 * * S Se 2 2 — — Zufammenzichgn Aus Belgrad wird gemeldet, en Grenze von bolschewistischer Truppen an der bessarab aul San dt de e Mu Nr be eden e U nteresse der deutschen Abwehr muß die Regierung zu einer s 5— 8 5 U einwondfreien, klaren Stellungnahme veranlaßt werden, die Frankreich und die Natisi ierung der elgrad soll mit diesen Eretantssen und der schwierigen 0 gu m gleichzeitig dem volksverräterischen Unfug der Deutschnatio⸗ 8*. 9d daa ee ee wee 9 ande i bullen ein Ende macht. Washingtoner Verträge. 5 l wire a Dter Berichterstatter des französischen Kammetausschusses Ostertagung der Labour Party. aten Putsch⸗Vorbereilungen in Misteldeutschland. für auswärtige Angelegenheiten empfahl die Ratifikation 1 ige; de Hofe n 171 Gegen die Ruhrbesetzung. f age; Wie bie Etenacher Voltszestung meldet, itt das Techneum m der Konferenzbeschlisse von Mashington untet dem Por- Tie englische Labour Narty hat am 2. April umter dem Bot de et menau in letzter Zeit der Tummelplatz natfonaltstischer Haken⸗ behalt, daß eine Bindung über 15 Jahre hinaus ausge von Wallhead ihre zwefte Tagung abgehalten. Mehr als 300 D da die gewesen. Vorgenommene Verhaftungen hatten be⸗ schlossen sein solle und daß Frankreich im Interesse des l gierte waren zugegen, darunter Vertreter aller sozialiistischen 8 0 = 8* 5——— n 2— 5 rr“ a** a 2— debende 0„Ich gehöre nicht zu jenen, die Gespenster zu sehen pfle⸗„Wenn Du es nicht getan hast, liegt sein Leben in D um Perm eserteur an die een s 0 * 65 gen und kenne den Unterschied zwischen einem Geist der[ner Hand. Wenn er durch Deine Schuld entdeckt wih in agen ge 5 Roman von Robert Buchanan. 56 15 85 4 von Mei und Blut. Was ich 79885 sein Vlut über Dein Haupt und der Herr im Him 1 Au letz Doss letere sollte denn bald de u gem. Als uch sage, Mutter Derval, ist 0 wahr wie das Evangelium. strafe Dich!“ Teige f nämlich fein Pen d n 2 195 99 e e Rohan verbirgt sich in der Kathedrale des Heiligen Gildas.“ 5„Andere können ihn ja ebensogut gesehen haben, m Wu begab sich Mikel ruhig in die Küche des Korporals, wo die In der großen Kathedrale?“ fragte der Korporal, noch ich. Ja, ich pörte Piprige erst dieser Tage agen daß auer Familie gerade beim Mittagessen saß und sagte nach der immer ungläubig. einen Verdacht habe. Du darfst nicht mir die Schuld 10 Adern üblichen Begrüßung mit gedämpfter Stimme:„Ich bringe Nachrichten! Rohan Gwenfern lebt und verbirgt sich in der Kathedrale des heiligen Gildas!“ Wenn plötzlich zu seinen Füßen eine Bombe geplatzt wäre, würde der Korporal nicht entsetzter gewesen sein. Keuchend sank er in seinen Stuhl zurück und starrte Mikel wild an. Mutter Derval, in letzter Zeit an unangenehme Ueberraschungen gewöhnt, ließ nur stöhnend die Arme sinken, während Marcelle, wie stets, ihre Geistesgegenwart bewahrte zur Türe sprang, diese nicht nur schloß, sondern auch noch en Schlüssel umdrehte und dann totenbleich zum Tisch zu⸗ rückkehrte. Ihre großen, klugen Augen auf Mikel richtend, murmelte sie:„Sprich leise! Um der Barmherzigkeit willen, sprich leise.“* „Er lebt und ich habe ihn durch Zufall entdeckt,“ fuhr Grallon heiser fort.„Es ist wahr, daß ich schon lange den Verdacht hegte, aber jetzt weiß ichs mit Bestimmtheit.“ „Heilige Mutter Gottes, schütze uns! Rohan (jammerte die Witwe fassungslos. lebt!“ Der Korporal hatte sich mittlerweile von seiner Er⸗ starrung soweit erholt, daß er keuchen konnte:„Mikel Grallon bist Du betrunken, oder kommst Du nüchtern, um uns mit einer Lüge aus der Fassung zu bringen? Krähen— seele, nimm Dich in acht! Wehe Dir, wenn Du k erst meinen Zorn kennen lernst. Bursche!“ „Sprich leiser!“ flehte Marcelle. (wenn irgend ein Nachbar es hörte!“ Ich schwöre bei den Gebeinen des heiligen Gildas, daß Rohan lebt! Ich kenne sein Versteck und ich habe ihn mit meinen leibhaftigen Augen gesehen,“ versicherte Grallon mit geheimer Schadenfreude. „Vielleicht seinen Geist,“ stöhnte die Witwe.„Er ist eines gewaltsamen Todes gestorben und seine arme Seele findet keine Ruhe.“ „Bedenke doch, Onkel, „Ja, dort oder in der nächsten Nähe, dessen bin ich sicher. Ich bin dreimal seiner Spur gefolgt, und dreimal ist er in dex Kathedrale verschwunden. Ich war immer allein, so daß ich ihm nicht zu nahe kommen wollte, denn er ist ja ein Ver⸗ zweifelter. Einmal hätte ich ihn beinahe gefaßt, aber er kletterte wie eine Ziege über die steilsten Abhänge, so daß ich ihm nicht folgen konnte.“ Onkel Ewen war von dieser Hiobspost ganz fassungs⸗ los; die Nachricht von dem Absturz seines Neffen war im Vergleich zu dieser, daß er noch lebte, angenehm; denn wenn er wirklich lebte, mußte man ihn ja noch immer als Deser— teur verfolgen, ols Hochverräter verachten und, wenn man ihn faßte, erschießen. Ewen war einfach von Entsetzen ge⸗ lähmt. Wie oft hatte er sich in der letzten Zeit im stillen schwere Gewissenbisse über seine übermäßige Härte und Strenge gegen Rohan gemacht und zörtlich des Toten ge— dacht! Wie oft war er sich, wenn niemand es sehen konnte, mit dem Aermel über die feuchten Augen gefahren, denn der arme Junge war ihm ebenso ans Herz gewachsen wie seine Buben, und jetzt sollte er vergebens getrauert und be⸗ reut haben! Und das Familiengespenst sollte von neuem seinen Spuk beginnen— das war doch rein, um den Ver— stand zu verlieren! Diese Schmach! Marcelle allein wuchs mit den Verhältnissen. Sie ge⸗ hörte zu jenen seltenen Frauen, die mehr fühlen als denken und deren Gefühl die Gestalt raschen Handelns annimmt. Ihre Augen waren so fest und fragend auf Grallon gerichtet, daß er zu zittern und ganz unbehaglich zu fühlen begann. Sie schien damit beschäftigt, die Seele dieses Menschen zu erforschen, und als sie dieses nicht gerade schwierige Problem gelöst zu haben glaubte, fragte sie entschlossen:„Mikel Gral⸗ lon, sag' die Wahrheit, hast Du dies auch anderen Leuten erzählt?“ Er verneinte in sichtlicher Verwirrung. messen wenn man ihn findet, denn andere Leute haf] d w auch Augen wie ich. Seit jener Vifion in der Kathedrulf find sie auf der Lauer, denn es ift jetzt klar erwiesen, daß f ing don nicht der Heilige gewesen, sondern ein gewöhnlicher S U an nt licher— Rohan Gwenfern.“- 5 All das sagte er mit zu Boden gesenkten Blicken un, so schuldbewußter Miene, daß Markelle sich kein zu günstig Mlide Urteil über die Rolle, die er spielte, bildete. Sie sah Nie h. wieder so forsckend an, daß er sich im Stellen die bitterssh Vahesen Vorwürfe machte, persönlich die Nachricht überbracht die ö haben. Er hatte aber einen furchtbaren Zornausbruch de 19 70 7 alten Derval erwartet und sich vorgenommen, die Rolle d anne tröstenden und mitfühlenden Jamklienfreundes zu spieses at die Statt dessen betrachteten ihn alle doll Mißtrauen und Git z setzen und machten ihn für die Folgen verantwortlich, was dt er sich durch sein unsicheres Benehmen verraten hatte. bhenz 0 „Das ist geradezu unglaublich!“ rief Derval.„Sf en zwischen den Klippen zu verstecken! Der Kerl muß ja dun e 9 verhungern!“ ge „Das sollte man meinen; aber ich habe Mutter 3—t d fi fern öster mit einem Körbchen auf dem Arm die Richkm dd einschlagen gesehen. Und dann ist Rohan nicht wie. anderer Mensch; er ist gewöhnt, tagelang unter den Wa A0 vögeln und Robben zu leben. Die nachste Frage ist, was la an al nun zu gesechehen?“ schloß Mikel mit lauerndem Blick. 60 W Der Korporal schwieg, Mar elle jedoch zog aus ibn Waste Mieder ein schwarzes Ebenholzkrenz heraus, hielt es MI d bin und fragte mit fest auf ihn gerichteten Blicken:„Kaul ae 0 Du bei diesem gebetligten Kreuz schwören, daß Du das 0%] eh heimnis niemandem verraten haste“ 1 5 „„Ich habe die Entdeckung heute Morgen gemacht, wan 1 5 hätte ich es verraten können?“ erklärte er verletzt.„Wen f e Du es wirklich wünschest. Mareelle, a schwören.“ 8 1 (Fortsetzung folgt.) bin ich bereit, ö ö eiß iß Lloyd Arbeitervertreterin von Cardiff. S f 0„Arbeiter diff. Sie stellt am een e ee ee der Augerglig sel für ene ter- a Suscernennbele baserdete alas, See eiuigte die ron foi gern der 3. Internationale ergvfffene Initiative * bah sich derselben anzuschlfeßen. 10 8 Ruhrproblem estatte von Lolan, Arbeitervertreter von Glasgow folgender 2 au 10 t: Der Kongreß betrachtet die Besetzung des Mtrarpiete lg 0 10 Verletzung des internalionalen Friedens. als eine Beeinträch⸗ ub des wirtschaftlichen Wiederaufbaues in Europa. Der Kongreß f ßt sich dem Protest der Arbeiterorganisationen Frankreichs und 7 1 nis und Jasper um eine Vermittlung. Vandervelde verurteilt post wih. been des Ruhrgebietes und sagte, es sei notwendig, aus 125 1 rigen Lage mit Hilse einer Entente der belgischen, franzö⸗ f in Bua, sssschen, italienischen und deutschen Arbeiter herauszukommen. tion erfung In Ank; ing an die Reise der alliierten Sozialisten nach Ber⸗ Lerfassurg*— der Redner, daß die deutschen Sozialisten auf die Frage der ition und 4 rten Genossen einen sachlichen und genauen Reparationsplan 1 die 906 legt haben, der sich dem 0. f 5 Frankfurter Reparakionsplan N e. anz bestin 7 5 Kongreßvertreter Hubin erklärte, daß die deutschen So⸗ Bularest g 3* sich so schnell wie möglich von der Regierung Euno lossagen ee, Aide der game der Ga fegrte der peuußse gere ele 5 aus;„Wir sind darin einig, daß die Reparationen not⸗ 4 dab dag, wendig sind und daß Deutschland das zerstörte Gebiet wieder aufbaut. dort zul. Wir wollen die Sicherheit Frankreichs und Belgiens gewährleisten. werden en 5 0 auch verlangen, daß das deutsche Reichsgebiet respek⸗ wie aus;. Noch der Rede Hiferzinge mahm ein Berteter der Labour Pur, Merriß, das„Er bezeichnete die Ruhrbesetzung als einen igen 1 toß gegen den Versalller Friedensvertrag und verlangte die Zu⸗ e der Besatzungstruppen sowie die Aufnahme Deutschlands wammensitgs ß. 3 e, Die neuen hessischen Staatsanleihen. rigen + Nach mehrjähriger Pause bringt der hessische Staat letzt wieder 2 Anleihen auf den Markt, deren Erlös teils für den weiteren Ausbau der staatlichen Braunkohlenwerke in arty. Odberhessen, teils für die Errichtung neuer Wohnungen, teils für sonstige Bedürfnisse bestimmt ist. 15 den Uu Der Staat hat heute keine eigenen Anleihe⸗Schulden r als 300 10 r, da diese s. Zt. sämtlich vom Reich bei Uebergang der alistichen senbahn auf dieses übernommen worden sind. Lediglich schwebende Schulden sind vorhanden, die jetzt im Verhältnis Leben in? zum Vermögen und den laufenden Einkünften des Staates entdetkt ß nur einen ganz geringen Umfang haben. err im Fun Die letzte abgeschlossene Jahresabrechnung des Staates, diejenige für 1921, zeigt einen Ueberschuß von mehreren n haben, 1 Milliarden Mark, und auch die Rechnung für 192² wird! trotz aer. der starken Steigerung aller Ausgaben infolge der Geld⸗ ie Stud entwertung noch verhältnismäßig günstig abschließen. dale ß Das werbende Staatsvermögen besteht in erster Linie gatbehn aus 75000 Hektar Waldungen. die für dieses Jahr einen der gen, dc Ertrag von mindestens 20 Milliarden Mark erwarten lassen, eue% daz kommt landwirtschaftlicher Grundbesit von insgesamt hnlich 13 500 Hektar, größtenteils verpachtet und zwar neuerdings Slien nach dem Naturalsystem; der Ertrag hieraus ist auf nahezu „ee 2 Milliarden Mark anzunehmen. 5 in 5 f Die dem Staat gehörenden Braunkohlengruben in . t Dberhessen haben eine Jahresförderung von 200 000 Tonnen n die K netto, die sich noch wesentlich steigern läßt. Hiervon werden üer 3. Zt. 94 von dem Elektrizitätswerk Oberhessen in Anspruch mou genommen und/ als Rohbraunkohle und Preßsteine ver⸗ die 90 kauft. Die Roheinnahme aus diesem Ertrag wird sich für des du F dieses Jahr auf rund 8 Milliarden Mark beziffern und wird auen und auch bei entsprechenden Abschreibungen— die Anlagen gelten wortlh übrigens als erstklassig und durchaus modern— stets aus⸗ ien hallt reichen, um die Aufwendungen für die Gruben voll zu ver⸗ Detbal. b zinsen. Dauernder Absatz für nahezu die gesamte Förderung A muß n ist durch einen langjährigen Vertrag mit der Provinz Ober⸗ 00 hessen für deren die ganze Provinz umfassende Licht⸗ und Mute, 07 Kraftwerke gesichert. 5 i die 9 7 Von den beiden Bädern deckt Bad Nauheim, das be⸗ nicht a bannte Vad mit Weltruf. dessen Einrichtungen vollkommen ian dn be, modern sind und auf höchster Stufe stehen, seine Unkosten, 00 i, w während das kleinere, Bad⸗Salzhausen, nur eines kleineren een gu Zuschusses bedarf. a. 90 65 40 Die Sicherstellung der Anleihen ist somit nach jeder et% Richtung und für alle Verhältnisse durchaus gewährleistet. 335 A Von den beiden Anleihen bietet die Mar kan leihe mit dem Me dh geenzen, sich nach dem Reichsbankdiskontsag ruhenden Zins sertz. 10 du een Zeichen einen Ertrag, der sich jeweils den Veränd runden s a denon g Lies von 8 Prozent 155 5 e 1275 gesichert. wübrend der aller fre Shydzaldemokrttischen Partei stattgefunden. An erster Stelle wurde 6 n und vom Kongreß mit großer fstwroche 8 0 50 0 n, das Problem einer internationalen Organisation der sozialistischen Parteien, die bisherigen Internationalen abgelöst werden sollen und s die Frage der Ruhrbesetzung. Die Debatte wurde eröffnet Dentschlands die Okkupation an und verlangt die 255 Besehungsteuppen. W Der deutsche Delegierte, Crispien, erklärte darauf, daß die Stel⸗ ung der Deulschen einfach wäre. Sie verlangen die Zurückziehung emden Okbupationstruppen, aber sie legten keinen Wert auf Abgng der englischen Truppen, wenn die französischen Bestände ni gleichzeitig abrückten. Uebrigens gehöre Köln nicht zum 1 9 Nach dieser Intervention nahm der Kongreß die Entschlüsse von 6 Der belgische Sozialistenkongreß. Reparationsfrage und Ruhrbesetzung. An Ostern hat in Brüssel die Jahreskonferenz der belgischen die Frage des weißlichen Stirumrechts für die Propimzialwahlen be⸗ 95 a8 e beschlossen, 54 Aus⸗ dehnung„ marr 5 ummalwahlen bestand, abzulehnen. ee Weiter nahm der Kongreß eine Entschließung an, won die Ruhrbesetzung miß billigt 15 50 wird. In einer Schlußrede sagte Vandervelde, daß eine demokratische erung das Reparationsproblem einen Vergleich, bezw. einen Schiedsspruch lösen würde. Diese Erklärung—9 lebhaften ll. Vandervelde führte weiter aus, daß die Sozialisten nicht weniger als die anderen Parteien den Wunsch hätten, Frankreich und en die Wiedergutmachungen zu sichern, auf die beide Länder ein 5 hätten. Er rühmte die Bemühungen der belgischen Minister selen Europas. Jwef der wichtigsten Probleme sind zur Erörterung J Pöczstsatz von 16 Prozent bei weiterem Steigen des Zinssatzes einen angemessomen Ausgleich für die Erhöhung der notwendigen Ausgaben für die Lebenshaltung gewährt. Die Braunkohlen⸗Roggen⸗ Anleihe eine geringere Verzinsung, nämlich 6 Prozent, womit sie aber doch noch über den Zinssuß fat aller anderen wertheständigen Anleihen hinaus geht. Sie bietet aber durch Bemessung des Wertes der Ein⸗ heit nach dem Mittel der Durchschnittswerte von 2 wichtigen Boden⸗ cherstellung gegen die jetzigen Schwankungen der Markwährung. Dem Gläubiger bleibt die heutige Kaufkraft seines Marlkapitals erhalten. Steigt diese infolge einer Besserung der Mark, so ist allerdings der Zinsertrag, der für die Einheit jeweils vor Be⸗ ginn des Zinsjahres öffentlich bekannt gegeben wird, entsprechend geringer; doch kann der Gläubiger dafür, da dann auch die Waren billiger geworden sind, so viel kaufen wie heute. Mark, so bekommt der Gläubiger, einen entsprechend Gleiche gilt für die Rückzahlung. Eimen besonderen Vorteil bietet diese Anleihe dadurch, daß sie als er ste unter den wertbeständigen Anleihen sich von der Bindung an nur eine Substanz frei gemacht und zwei Substanzen, Braunkohle und Roggen, zu Grunde gelegt hat, sodaß etwaige Schwankungen auf dem Markt der einen Substanz sich wohl zumelst durch die Haltung der Preise für die andere Substanz ausgleichen werden. Ein weiterer Vorzug ist darin die beiden Unterlage⸗Werte, Vraunkohle und Roggen, selbst zu Eigen⸗ tum besitzt, bezw. produziert, während viele der zuletzt herausgekom⸗ menen sogen. wertbeständigen Anleihen welche die Schuldner sich jeweils erst selbst kaufen Die jährliche Förderung an staatlichen Braunkohlen, wie erzeugmissen eine gute Si bewertet werden muß, stanzen hatten, mußten. an Sscherheit gemsigt. fesche l- dee .———— Frauen u. Mädche erhalten nnentgel 84 und 3 1 Rechtsangeleg im alten Mathans Mark vlat 14, Mittwoch nachmitt von 6 bis 7½ Uhr. 2 1 45 N 1 2* 8 10. April Beginn neuet Kurse in allen Handelsfächern und Fremdsprachen. Halbjahresklasse, höhere Handelsklasse Auskunft und An- meldung bei der Hansaschule von J. Kunzelmann Bleichstr. 5, Telephon 821 oder Vogtschen Handelsschule Goethestr. 32, Tel. 2064 Prospekt frei. alla haug Ii Schläuche zu äußerst billigen Preisen 1409 J. P. Mono Neuenweg 10, m Saubere Frau zum Reinigen von Amtsräumen gesucht, Gießen, 4. April 1923. Stadtbauamt Gießen. ädchen zuverlässiges sauberes sucht sofort od. 15. 4. od. 1. 5. Frau Fischbach 30 Bleichstraße 29. Siadktheatet Freitag, den 6. April 23. Vorstellung im Freitag⸗Abonnement Don Juan u. Faust Anf. 7 Uhr Ende 10 Uhr. Sonntaa, den 8. April Kleine Preise Jyhigenie auf Tauriz Anf. 3½ Uhr. Die auch der Eingang der in Roggen zahlbaren Pachtschillinge aus den Gütern, ist aber jeder für sich und besonders aus beiden zusammen so groß, daß dadurch Zinsen und Tilgung jederzeit um ein Vielfaches, und sogar auch das geschuldete Kapital, selbst noch um ein Mehrfaches überdeckt werden. Es ist also wohl den weitgehendsten Ansprlichen Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß, was dem Publikum noch wenig bekannt ist, durch die neueste Steuer⸗ Ende 6 Uhr. Dollarprinzessin cen eee elbe Anf. 7 Ende n. 9˙/ Uhr. gesetzt worden ist, sodaß jetzt wieder, wie früher, dem Gläubiger das voll ausgezahlte Zinserträgnis verbleibt, sondern daß auch der Depotzwang aufgehoben ist und die Erwerber von Effekten diese aufbewahren können, wo sie wollen. Dadurch dürfte auch für gar viele der Anlaß weg⸗ gefallen sein, Kapitalien in bar und damit ohne Zinserträg⸗ bringt zwar wirtschaft bei sich aufzubewahren. leihen die kostenlose Eintragung in das Staatsschuldbuch geboten, wenn auch mit einjähriger Sperre. Sie können sowohl jetzt schon gleich Schuldbucheinträge zeichnen, wie auch jederzeit später Schuldverschreibungen gegen Schuldbuch⸗ forderungen eintauschen. Damit sind sie, was für viele, namentlich mittlere und kleinere Kapitalisten wertvoll ist, der lästigen und auch unter Umständen gefahrvollen Auf⸗ bewahrung der Wertpapiere überhoben. Sinkt dagegen die da dann auch die Einheit höher höheren Ertrag. Das 1 Lokale Parteinachrichten. An die Ortsvereine des 6. Unterbezirks(Grünberg). Am Sonntag, den 15. April, nachmittags 2 Uhr findet in Grünberg im Lokale„Cafs Stein“ eine Unterbezirks⸗Konferenz mit folgender Tagesordnung statt: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Bezirksmalfeier. Zu dieser Konferenz werden die Ortsvereine Grünberg, Queck⸗ horn, Lauter, Ettingshaufen, Weikartshain, Göbelnrod, Saasen, Lumda, Beltershain, Stangenrod, Stockhausen und Reinhardshain ersucht, Vertreter zu entsenden. Kein Ort darf fehlen. Der Vorstand. zu finden, daß der Hessische Staat als Unterlage nur Sub⸗ Schuhaus Meyer Giessen, Bahnhofstrasse 30(neben Schade& Füllgrabe) e Es ist mir gelungen, grosse Posten Schuhwaren 50 vorteilhaft ein- zukaàufen, dass ich meiner Kundschait die erdenklichst W grössten Vorteile bieten kann. Aussergewöhnlich billig!! verkaufe ich, so lange Vorrat: N 2 U Die besten Oualitäten Herren-Stiefel Schwarz und braun in allen Formen u. Ausführungen Herr en-Tourenstiefel schwarz und braun Damen-Stiefel von einfachsten bis zum elegantesten . Damen⸗- Halbschuhe zum Schnüren, mit Reihen- und mit Druck- Knöpfe Damen-Ein- und Zwei-Spangenschuhe Lack⸗ Halbschuhe und Lack- Spangenschuhe Kinderstiefel, Burschenstiefel Weisse Schuhe und Stiefel in allen Grössen 12. Unverwüstliche genag. Kinderstiefel, genag. Burschenstiefel denagelte Frauen- Halbschuhe und Stiefel denagelte Arbeiter-Stiefel Bevor Sie Schuhe kaufen besichtigen Sie in Ihrem eigenen Interesse erst die Preise meinel Qualitätswaren und Sie werden selbst finden, dass Sie bei mir Schunhaus Hleyer lichen Bahnbobb nage 30 eben dchade z füge gesetzgebung nicht nur die Kapitalsertragsteuer außer Kraft nis für sie selbst und ohne Vorteil für die allgemeine Volks⸗ Zur Erleichterung ist den Gläubigern bei diesen An⸗ 5. . num tra bhe i Ibisconto-Gesellschalt. e e Gießen, Seltersweg 31. sasen⸗Schuhverkauf Emannel& Co. + die Massen⸗S l C 32 N 2 2 Unsere Leistungsfähigkeit ist verbürgt durch gemeinsamen großen Einkauf mit unserem Frankfurter Hauptgeschäft und durch großen Umsatz, der es uns ermöglicht, zu billigsten Preisen und mit kleinstem Nutzen weiterzuverkaufen. Unser Lager umfaßt alle Schuhwaren und wird täglich durch preiswerte und gute Qualitäten ergänzt. Verkauf billigster und bester Schuhwaren! Für Landwirte und Arbeiter halten wir ein reichsortiertes Lager in Arbeitsschuhen aller Art. Feldhalbschuhe und Arbeitsstiefel von Mk. 20 000.— an. shverkauf Seltersweg l. r A .. 2 Volkszeitung auf ies Inter die eine ict von ail die Fra c bonne, we ang und? il“ Das Aer keinen let aus f ent ihm kaffen, Ne 1 lee Regis n und Wi gruppen Aren Berit nit ihm Amn und An helche Gehgiltig g Zeichnungsliste liegt in der Geschäftsstelle der Ober hessischen a der Ge Wige.“ In Her. n ganz mi imer i en bescho au bat, hat 1 Banken, Industrie Zweigstelle Giessen, Plockstr. 13 Kapital und Reserve: 1200 000 000 Mk. Bankmässige Geschäfte aller Art Darmstädter u. Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Zweigniederlassung Giessen Johannesstrasse 1 Commerz- und Privatbank Aktiengesellschaft i Filiale Giessen Bahnhofstrasse, Ecke Westanlage Ruf 126, 174, 177 Auvust Vörster Bahnholstrasse 65 b Pianos Ellgel, Pianos, Harmoniums rener... Spielwaren* Kreuzplatz 14 20 0 0 7 1 5 Geschäftliche Rundschau mit Dauerfahrplan donne Gewähr Ankunft aus der Richtung Onne Gewahr Kassel Frankfurt- M. Köln Koblenz Fulda Gelnhausen ILondf. vorm. nachm. vorm. nachm vorm. nachm.] vorm. nachm.] vorm. nachm.] vorm. nachm 7 5¹9 1225 147 12⁴⁴ 70⁴ 1221 601 W645 516 W'2•0, W712 121 52 1 6²¹ 22²¹ 57 W 203 802 D 126[W753 8⁴¹⁰ W718 427 739 W330[ W572 D 717 515 WI D 308[W931 2³9 9⁴³ 9⁴¹ 7⁵6 812 9⁴⁰ 7⁵² 287 7s S818 03 Sa 324 54 D112 1200 9³³ 6⁴⁴ D 8d WO 833 33³⁵ W718 937 D 9 DO 7559 9⁴³ E 9⁴² 6⁴³ D 92 W 7.5 10 Besitzer Heinrich Braun W= Wochentags. Sa Samstags. D D-Zug. E Eilzug. Die Zeiten von 602 Uhr abends bis 572 Uhr morgens sind in den- Minutenziffern unterstrichen Gasthaus G mbrinds, wies cc L. Twens tefn, dsieseck Manufakturwaren, Wäsche und Herrenstoffe oritz Gregori Allgemeines Nuf 331 Südanlage 7 Ruf 33 N Spezialität: Rarosserien 1 ö Rutoveritieb u. Reparaturwerkstüle. Roppler& faber galt n ächische 3 1 1 Heinrich Schfer, marztstr. 2 Stiche Pfeifen Schirme soigarren, Cigaretten, Tabak Siegfried Haas Buy bach U N flitteldeutsche Creditbank Filiale biessen, Jhannesskrasse 17 Js dor Krämer, Butzbach Leistungstähiges Haus für Kleiderstoffe, Baumwoll. waren, Damen- und Herren- Konfektion. Wäsche- Ausstattun Zen Wilh. Hadermann, Butzbach Handels- und dewerbebank Giessen E. G. m. b. II. Giessen Uualitatslache lür Industrie und handel backlabrik Gebrüder böb 5 Aktiengesellschaft& Giessen Telephon Nr. 1409 u. 217. Telegramm-Adr.: Lacklöb Herren- u. Knaben-Kleidergeschäft Carl Hadermann, Butzbach Kurz-. Weiss- und Woll-Waren Schuhhaus Britt, Butzbach Weisslerstr. 25 Grosse Auswahl Weisslerstr. 25 75 7477111; Inhaber: C BRITIT ‚Soliditä Butzbach, Wetzlarerstr. 19 Schuhwaren aller Art und Schaftenstepperei Waschet Pi- 6e Kernseifen- „ Flügelstern“ Tut“ Hermann Löb, Butzbach Uhren— Goldwas en— Brillen— Muskalien n r. E 1 Wilnelm Haas, Mieseck Fleisch- und Wurstwaren Lich Carl Chambré, Lich Manufakturwaren Harl Kühler, lich[Hessen] Lal! bestandig ff Lebensmittelhaus W. Hahn, Lich Oberstadt 2 Oberstadt 7 Papiergrosshandlung Selters weg 68 14 Karat Trauringe 8 Karat Carl Ruck, Cub Goldwaren, Taschen- Uhrel Otto Georg, vorm. H. Kühn, Giessen Seltersweg 36— Gegr. 1844— Telephon 153 Bureau bedarf M. Ch. Mühlstein, Seltersweg 83 Säcke aller Art, sowie Papier-Gewebe-Säcke Vereins- Aufführungen aller Art Männerchöre, susikinstrumente Ernst Challier, Giessen, Neuenweg Nr. 9 f Optiker Magnus, Marktplatz 19 Fachmann. Bedienung. Lieferant aller Krankenkassen bauis Stiefel, bich Baumaterialien Louis Rothenberger, N euenweg2⸗ Alteisen Metalle Lumpen 1 8 f 2. 1 - N Gießen, Freitag, den 6. Aurik 1923. eilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 78 Der Herr über Oesterreich. Aus Wien wird uns geschrieben: ö Seit einem Vierteljahr beehrt der Generalkommissar des Völkerbundes Oesterreich mit seiner Anwesenheit, und wir haben nun genügend Zeit und Gelegenheit gehabt, den Kurator, den der um unser Wohl so besorgte Völkerbund r uns gesetzt hat, gründlich kennen zu lernen. Herrn Zimmermann, dem ehemaligen Bürgermeister von Rotter⸗ dam den der Völkerbund mit der Aufgabe betraut hat, uns heim Wiederaufbau zu helfen oder, richtiger gesagt, uns die cht der Entente fühlen zu lassen, ging der Ruf voraus, Hasser der Sozialdemokratie zu sein, und es ist nicht ausge⸗ lossen, daß bei der Auswahl dieses Kurators dem Wunsche des Bundeskanzlers entsprochen wurde, der bekanntlich nen strengen Herrn wünschte, um leichter mit den Pro- ten fertig zu werden. Immerhin konnte man annehmen, f der neue Herr über Oesterreich, wenn er auch der bür⸗ serlichen Regierung in ihrem Kampfe gegen die Arbeiter zur Verfügung stehen werde, doch wenigstens die Formen der Demokratie beobachten werde. In seinen ersten Aeußer⸗ gen hat er auch wirklich irgend etwas von Zusammen⸗ arbeit mit allen Schichten der Gesellschaft gesagt, und man deutete das damals dahin, daß er auf die Mitwirkung, wenn auch nicht der Sozialdemokraten, so doch mit den gewerk⸗ schaftlichen Organisationen der Arbeiter und Beamten, Wert lege. Aber bald kamen dem Herrn die Gelüste, sein Amt etwas in der Art eines englischen Vizekönigs in Indien oder eines französischen Generals in Marokko aufzufassen, der nicht nur mit den„Eingeborenen“ nicht viel Geschichten macht, sondern auch mit den heimischen Häuptlingen nur in der Form des Kommandierens derkehrt. 10 Aus zwei Berichten, die er bisher an den Völkerbund . „FFF“ erstattete, hat man über die Art, wie er sein Amt auffaßt, 7 b einiges Interessante erfahren. Da kanzelt er die Regierung ab wie seine Untergebenen. Er erklärt es als ihre Aufgabe, sich nicht von politischen Erwägungen leiten zu lassen und wirft die Frage auf,„ob das gewünschte Ziel erreicht wer⸗ den. könne, wenn die Regierung selbst durch ihre Zusammen⸗ setzung und Mentalität nicht die notwendigen Garantien gibt.“ Was er unter dieser„Mentalität“ meint, darüber läßt er keinen Zweifel. Die bürgerliche Regierung, deren Kanzler aus seinem Haß gegen die Arbeiter kein Hehl macht, erscheint ihm noch viel zu nachgiebig gegen die Arbeiter und Beamten. Nachdem er in dem ersten Bericht verlangt hat, daß die Regierung auch davor nicht zurückschrecke,„Inter⸗ essen und Wünschen mehr oder minder wichtiger Bevölke⸗ 0 ngsgruppen zuwiderzuhandeln“, beschwert er sich in dem teren Berichte darüber, daß die Minister ohne sich vor⸗ her mit ihm zu besprechen,„in Besprechungen mit Partei⸗ führern und mit Gewerkschaften der Bundesangestellten“ irgend welches Entgegenkommen beweisen, und verlangt, daß endgültig mit dem System gebrochen werde,„die eine Klasse der Gesellschaft zum Schaden der anderen zu be⸗ günstigen.“. Der Herr Generalkommissar des Völkerbundes spricht schon ganz mit der Phraseologie der Scharfmacher, die sich ja auch immer über die Begünstigung der Arbeiter und Ange⸗ stellten beschweren. Daß er diese Phraseologie so schnell er⸗ lernt hat, hat seinen Grund darin, daß er nicht nur aus⸗ schließlich mit den reichsten Kapitalisten verkehrt— die reichische Regierung muß ihm ja dier Mlliarden Kronen jährlich zahlen, damit er es sich hier im Kreise seiner werkssühl Klassengenossen gut gehen lasse— sondern daß die Feinde 5 der neuen Ordnung ihm auch den ganzen Tag mit ihren he Beschwerden und Wünschen überlaufen. Bald sind es 1 irgendwelche Industrielle, bald Hausherren, bald Mo— narchisten, die als Abordnungen ihm die Wünsche des öster⸗ reichischen Volkes vortragen, bald unzufriedene Sektions⸗ chess, die ihm Memoranden darüber zuschicken, wie nach ihrer Ansücht der Staat eingerichtet werden soll. Alle jam⸗ mern und schimpfen sie über den Uebermut der Arbeiter und Angestellten. und der Generalkommissar des Völker⸗ bundes fühlt sich als ihr Klassengenosse und gibt die Münsche als Befehle an die ohnedies willige Regierung weiter. Ist es nicht bezeichnend daß dieser Vertreter des Völ⸗ kerbundes noch nicht ein einziges Mal eine höhere Be— steuerung der Kapitalisten verlangt hat, während er die Re⸗ gierung unaufhörlich zu Konflikten mit den Arbeitern und Angestellten hetzt? Allerdings sind die Befehle des Herrn i Zimmermann nicht immer sehr leicht durchzuführen. Das ng„ mußte der gute Mann sehr bald merken. Das Prunkstück sweg 057 eines Programms ist der Abbau der überzähligen Be⸗ lamten. Es ist kein Zweifel, daß Oesterreich zu viel Beamte e lhat. Da man aber die überzähligen Beantten nicht einfach Kala uf Seriesl fis. I „Table umbringen kann, muß man über ihren Abbau mit ihren Organisationen verhandeln und ihnen überdies Abfin⸗ ngen zahlen. Aber beides paßt den Kapitalisten nicht, 1 5, Giese und der Generalkommissar ist sofort dabei. die Regierung Jeleplen, zur Unnachgiebigkeit zu hetzen. Aber so oft die Regierung N seinem Befehl folgte und sich über die Organisationen der 690 bagsongesealten hinwegsetzte, mußte sie bald erkennen, U 1 daß sie damit nur den Staat in die größte Unordnung cnebe dl stürzte So hat sie erst kürzlich gerade wöhrend der Wiener : sse einen Kampf der Post⸗ und Telegraphenangestellten beraufbeschworen, als sie, ohne die Oraanisationen zu fragen, eine Regelung der Fahrtbegünstigungen der Staats⸗ ungestellten diktieren wollte, und sie mußte zum Schluß feierlich das. Mitbestimmungsrecht der Personalvertretungen mnerkennen. Nicht besser erging es ihr, als sie auf Befehl bes Generalkommissars mit Uebergehung des von den So⸗ f( arte ekraten erzwungenen„Außerordentlichen Kabinetts- 1 dates“— eines Ausschusses des Parlaments, der bei allen 0 Werordnungen mitzuwirken hat, die auf Grund des Wieder. 5 aufbaugesetzes erlassen werden sollen— die Zölle und Ge— bühren erhöhte. Der Verfassungsgerichtshof erklärte die beiden Verordnungen als ungesetzlich und hob sie auf. Jetzt geht der Kampf des Generalkommissars gegen die demokratische Wehrmacht, die Oesterreich besitzt. Da er aber nicht offen seine Absicht aussprechen kann, versucht er sie auf einem Umweg durchzusetzen. Er verlangte also, daß die Zahl der Ministerien von elf auf acht herabgesetzt werde und daß u. a. das Heeresministerium mit dem Ministerium des Innern vereinigt werde. Dadurch sollte das Heer zu einer bloßen Polizei verwandelt und womöglich auch der demo⸗ kratischen Einrichtungen beraubt werden. Aber der Plan war so plump, daß, als die Sozialdemokraten mit dem hef⸗ tigsten Kampf dagegen einsetzten. auch die bürgerlichen Kreise ernüchtert wurden und erkannten, welche Gefahr ein Abbau des Heeres angesichts der noch immer drohenden ungarischen Gefahr für Oesterreich bedeuten würde. So wurde diese Aktion zunächst dertagt. Der Herr Kurator wird übrigens wohl noch öfter Gelegenheit haben, sich zu überzeugen, daß das Proletariat in Oesterreich stark genug ist, um die Anschläge des Kapitals, möge es sich auch hinter den Vertreter des Völkerbundes verstecken, abzuwehren. Gießen und Umgebung. Zum Beleidigungsprozeß Lenz Vetters. Das Delikt und was daraus gemacht wurde. Mit der Verurteilung unseres Redakteurs Vetters ist die An⸗ gelegenheit natürlich für uns nicht erledigt. Gegen das ungeheuer⸗ liche Urteil— 100 000 Mark— ist zunächst Berufung eingelegt worden Aber auch die ganze Art wie der Prozeß geführt wurde, seine Aufmachung als volitisches Sensationsstück, die Begründung des Urteils und manches andere nötigt uns zu einer eingehenden kritischen Besprechung an dieser Stelle, nicht nur aus Rücksicht auf uns und unsere Partei, gegen die von gegnerischer Seite ja auch so manches Wort fiel sondern auch im Interesse der Wahr⸗ heit, der politischen Reinlichkeit und des Rechts. Die Gegner haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen— wir heben ihn auf. 5 Wir besprechen zunächst heute das was der Beleidigungsklage zugrunde lag und was daraus gemacht wurde. Am 25. Oktober vorigen Jahres hatte unser Blatt einen Ar⸗ tikel gebracht, in dem von der„vom Ministeglum disziplinarisch in Aus sicht gesbellten Versetzung des Herrn Direktor Schnell und Oberlehrer Dr. Lenz“ gesprochen und im weiteren auf eine frühere deutschvölkische Versammlumg(Einhorn) Bezug genommen war, in der„Dr. Lenz eine Reihe antisemitischer Schandschriften der jugendlichen Zuhörerschaft zur Lektüre empfohlen habe, Schriften, die voll von Lügen, Fälschungen und Verleumdungen seien und die Keimzellen und Gärungserreger därstellten die zur Ermordung eines Rathenau geführt hätten.“ Am 28. Oktober erschien ein zweiter Artikel, in dem mitgeteilt wurde, daß unter den Schülern der Oberrealschule Unterschriftan gesammelt wurden, damit die „disziplinierten“ Herren Direktor Schnell und Dr Lenz in Gießen verbleiben könnten 5 Wegen des Ausdruckes„diszipliniert“ wurde Strafantrag ge⸗ stellt, und in der Tat war dieses Wort nicht ganz zutreffend. Denn es bedeutet im juristischen und beamten rechtlichen Sinn: bestraft auf Grund eines förmlichen Disciplinar verfahrens, kürzer: disgiplinarisch bestrast oder gemaßregelt. Dies trifft aber in Wirk⸗ lichkeit auf Dr Lenz nicht zu, da er lediglich im Anschluß an die von der Schulaussichtsbehörde gegen die Schulleitung einge⸗ leitete Untersuchung im Interesse des Dienstes“ an eine andere Anstalt versetzt worden ist. Der Ausdruck„diszipliniert“ war also objektiv falsch. Rührte er aber auch an die Ehre des Herrn Lenz? Mußte die Oeffentlichkeit unbedingt zur Auffassung kommen, daß er sich eines schwereren dienstlichen oder außerdienstlichen Vergehens schulda gemacht das eine disziplina cische Bestrafung zur Folge hatte? In vollem Umfang kann die Frage schwerlich mit ja beantwortet werden. denn es wird wohl kaum jemand im Zweifel gewesen sein. daß die Versetzung des Herrn Lenz nur in Zusam menhang stehen konnte mit seiner deutschvölll sch⸗antisemiti⸗ schen Betätigung. Der Ausdruck wird wohl überall einfach als „bestraft, gemaßregelt“ aufgefaßt worden sein. Er war freilich auch so, in strengem Sinne aufgefaßt, unzutreffend, da ja nur Versetzung im Interesse des Dienstes vorlag. Aber wird nicht eine solche Versetzung die also gegen den Willen des Be⸗ amten erfolgt. nicht allgemein und besonders in Beamtenkrehsen selbst in dem Sinne aufgefaßt daß irgend ein persönliches Ver⸗ schulden des Versetzten vorliegt? Freilich nicht ein solches, das die persönliche Ehrenhaftigbelt berührt, da ja sonst Disziplinierung er⸗ folgt wäre. Es muß aber zugegeben werden, daß in der Laien⸗ welt, in der Oeffentlichkeit allgemein„Versetzung im dienstlichen Interesse“ gleichgesetzt wird einer„Strafversetzung“, einer„Maß⸗ regelung“, 5 Es ist nun sehr erhafternd daß Dr. Lenz sich ja, selbst„straf⸗ versetzt“„gemaßregelt“ fühlt: er bestreitet entschioden, daß er durch sein persönliches Verhalten die Versetzung verschuldet habe, er betrachtet sich als Opfer seiner deutschvölkischen Gesinnung. Dem gab er auch im Gerichtssaal Ausdruck. Aber auch die ganze, Rechtspresse, die ja auch den Fall Lenz gehörig ausgeschlachtet hat und deren Informationen aus den Kreisen um Dr. Lenz stammen, hat von Ansaua an von eimer„Maßregelung“ gesprochen. Wenn also der Gleßener Anzeiger von einer„Maßregelung“ spricht, dann ist das ein Eintreten für Dr. Lenz, tut es ein sozialdemo⸗ kratisches Blatt, dann ist's eine Beleidigung! In diesem Zusammenhana ist aber weiter auch die Ver⸗ fafserschaft der Artikel von Bedeutung. Sie stammen balde von einem Einsender der weder Jurist noch Beamter, also ein wirklicher Lale ist und dem die bei Dr. Lenz gebrauchte Formel „Versetzung im Interesse des Dienstes“ unbekannt war, eben su wie dem verantwortlichen Redakteur. Beide sahen die Untersuchung an der Oberrealschule als eine Disziplinaruntersuchung an und erblickten in der Versetzung als Resultat dieser Untersuchung eine Strafmaßnahme der Regierung. Daher auch die Wahl des Wortes „diszipliniert“. Walter ist noch dies zu beachten: Als im Oktober bekannt wurde, daß Direktor Schnell von Gioßen wegversetzt werden sollte, nahm man allgemein an. daß auch Dr. Lenz an eine kleine Anstalt in der Provinz versetzt werden würde. Und tat⸗ sächlich bestand ja auch bei der Regierung diese Absicht, erst auf mannigfache Gesuche, von Dr. Lenz selbst seinen Freunden und anderen die auf die persönlichen Verhälttsse von Dr. Lenz Bezug nahmen wurde die mildeste Form der Versetzung an eine Anstalt in Gießen gewählt. Bei dieser Sachlage ist es dem Einsender der Artikel wahrhaftig nicht übelzunehmen, daß er der Meinung war, es sei eine„Strasverfetzung“ in Aussicht genommen, und daß er dafür just den Ausdruck„Disziplinierung“ wählte. Daß Dr. Lenz nur im Interesse des Dienstes versetzt worden ist, hat die Oeffentlichkeit in Gießen durch die Presse überhaupt nicht erfahren. Auch Prof. Schian sprach in sesnem Artikel vom 18. November, in dem zum erstenmal diese Dinge behandelt wur⸗ den, nur von einer Versetzung„gegen den Willen“ und von einer „Maßregelung“,(Warum ist Prof. Schian nicht verklagt worden?) Man muß wirklich beinahe mit der Lupe suchen. um in dem Wort „disziplinsert“ eine Beleidigung zu entdecken. Das Beleidigungsdelikt entpuppt sich also schlimmsten Falles als Wiederggabe esner objektid falschen aber fubjektiv(im Vewußtsein des Klägers und der Oeffentlichkeit) richtigen Auffassung in jucistisch unzulässiger Form, oder kürzer: als eine Bagatelle, eine Lappalie. Aber Herr Lenz hatte wieder einmal das Bedürfnis, zu klagen, und so wurde flugs noch die„beleidigende Absicht“ konstruiert und zu diesem Zweck noch der erste(sowie einige andere vorausge⸗ gangene) Artikel herangezogen. Man mag nun an diesen Ar⸗ tikeln manches auszusetzen finden, besonders an der Ausdrucks⸗ weise, aber bei einer sachlich⸗kritischen Betrachtung müssen diese Beanstandungen ausscheiden. Man erkennt doch daß der Ver⸗ fasser immer nur das sagen will: die antisemitisch⸗deutschvölkische Agftation wie sie auch von Herrn Lenz hier betrieben würd, ist eine Gefahr für das deutsche Volk und den deutschen Staat, und sie ist um so gefährlicher, als sie von einem Erzieher der Jugend ausgeübt wird. In keinem Artikel ist der Kläger persönlich, in schner bürgerlichen Ehre angegriffen oder herabgesetzt, die Angriffe richten sich allein gegen den politischen Agitator Lenz. Und an der Bekämpfung der antisemitisch⸗ deutschvölkischen Agitation Wullescher oder gar Hitlerscher Prägung ist unserer Zeitung in der Tat alles gelegen, an der Person des Herrn Lenz nicht soviel. Dieser Herr war ehedem Vorsitzender der hiesigen deutschvölkischen Ortsgeuppe, und so war die öfstere Nennung seines Namens im Zusammenhang mit der allgemeinen Polemik nicht wohl zu vermeiden. Man kann eben an den lokalen Führern, so wenig sie volitisch auch bedeuten mögen. nicht gut vorbeigehen, selbst auf die Gefahr hin, ihre Neigung zur Ueber⸗ N ihrer politischen und geistigan Qualitäten dadurch zu rdern. Wir stellen also fest. daß dem Verfasser wie dem Redakteur 1 N Absicht gegenüber der Person des Klägers fern⸗ gelegen hat. 15 Es steht aber Herrn Lenz auch wenig an, den Empfindlichen zu spielen. Wer wie er so oft als Fahnenträger seiner„volks⸗ rettenden“ Bewegung und als Herzog feiner deutschvölkischen Jugendscharen aufs Land hinauszieht und Juden und Juden⸗ genossen geistig verprügelt und totschlägt, der sollte doch bei einem Mücken shsch als welcher das„diszipliniert“ sich wirklich an⸗ sieht, nicht gleich wie eim schwer Verwundeter aufschreien. Indessen— Rache zu nehmen für solchen Mickenstich, war ja wohl auch kaum die eigentliche Absicht bei der Veranstaltung dieses „politischen“ Beleibigungsprozesses: der höhere Zweck war viel⸗ mehr der die ganze Unterfuchungsaffäre an der Oberrealschule und damit die verhaßte demokratische Regierung vor Gericht zu stellen. Darum die Ladung des Ministerialdirektorz Urstadt als Zeugen (die ilberflüssig war da ja der Beklagte die Behauptung der Dis⸗ ziplinierung als unrichtig von Anfang an zugab), darum die Ladung der anderen Zeugen und darum auch die Ladung einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft aus deutschvölkischen, deutsch⸗ nationalen und deutschvolksparteilichen Kreisen, die mit zu Gericht sitzen sollte über eine Regierung, die es gewagt hatte, gegen rear⸗ tionäre Beamten einzuschreiten. Das wohlvorbereitete Stück konnte beginnen doch darüber im nächsten Artikel. —̃— Deutschlands„Erneuerer“ oder Justiz und Politik. 4 Der Staatsgerichtshof zum Schutze der Repu⸗ blik hat kürzlich den Redakteur Hottenrott der Mitteldeutschen Presse und des Staßfurter Tageblattes wegen Beleidigung des Reichspräsidenten zu zwei Jahren Gefängnis ver⸗ urteilt. Damit hat eine schnöde Tat ihre Sühne gefunden. Das Schlimme ist nur, daß der eigentliche Urheber dieser schmäh⸗ lichen Verleumdungen wieder einmal frei ausgeht. Der ärgste der von Hottenrott veröffentlichten Artikel war der Monatsschrift Deutschlands Erneuerung entnommen. Dort war als Verxfasser Dr. phil. J. Jung angegeben, dessen Name auch in das Blatt Hotten⸗ rotts übernommen wurde. Der Oberstaatsanwalt in Magdeburg und der Generalstaatsanwalt in Naumburg haben zunächst Be⸗ denken gegen die Strafverfolgung geäußert, so daß es des Ein⸗ greifens des preußischen Justizministers bedurfte, um die Anklage überhaupt herbeizuführen. Der Strafantrag wurde ganz korrekt auch gegen den Verfasser gestellt. Die Staatsanwalt⸗ schaft unter ließ es aber, irgend etwas zu tun, was die Ver⸗ jährung gegen den Verfasser Dr. Jung, dessen Aufenthalt damals nicht bekannt war, unterbrochen hätte. Als es endlich gelang, den Aufenthalt des Autors sestzustellen, war dank dieser Verfäumenisse die sechsmonatige preßgesetzliche Verjährungsfrist überschritten. Dieser Dr. Jung, der zur Zeit der Abfassung des Artikels in München lebte, ist inzwischen drdentlicher Professor an der Universi ät Marburg geworden. Ein Difszip⸗ linarverzabzen hat dantt geendet, daß ihm ein„Verweis“ er⸗ teilt wurde. Der Redakteur des Staßfurter Lokalblättchens, der i Vertrouen auf den Ruf der Zeitsch⸗ist Deurschlands Erneuerung und den Nang des Verfassees die Gemeinheiten nachgedruckt hat, muß— für sein Teil völlig mit Recht— mit zwei Jahren Gefäng⸗ nis dafür büßen. Der gelehrte Herr Verfasser der Verleumdungen aber behält, dank der Sonderbarkeiten der politischen Justiz, das Recht, die deutsche Jugend weiter zu unterrichten. Und dabei be⸗ klagt sich die ehrenwerte Gesellschast, zu der Herr Jung gehört, noch über Gesinnungsvexfolgung. Dank der Sonderbarkeiten der politischen Justiz und ihrer— Verschiedenartigkeit im weiten deutschen Vaterland! Eben haben wir es in Gießen erlebt, daß in einem„politischen Be⸗ leidigungsprozeß“ der Schwerverbrecher, Redakteur Vetters, von einem strengen Schöffengericht, zu 100 000.— Mark Geldstrafe verurtetlt wurde, weil in seinem Blatt über einen anti⸗ semitischen Oberlehrer fälschlich behauptet worden war, er sei„diszipliniert“ worden, während er doch tatsächlich nur„im Interesse des Dienstes versetzt“ worden war. In München und Marburg gelang es nicht, einen professoralen Ver⸗ leumder des Reichspräsidenten vor Gericht zu bringen, dessen Aeußerungen als so schwere Beleidigungen gewertet wurden, daß der sie nachdruckende Redakteur dafür 2 Jahre Gefängnis erhielt. Da griff doch das simple Schöffengericht anders zu. Die Herren Generalstaatsanwälte dagegen... Eine besonders feine Nüance erhält übrigens der Fall Dr. Jungs noch, wenn es stimmt, was uns mitgeteilt wird, daß Jun Professor der Jurisprudenz in Marburg ist. Lieber Leser!„Vergegenwärtige Dir, daß„Jurisprudenz“ Rechtswissen⸗ schaft bedeutet, also Wissen vom Recht und wissenschaftliches Unter⸗ scheidungsvermögen zwischen Recht und Unrecht und daß selbiger Professor, der also wegen Verleumdung des Repräsentanten der deutschen Republik zum mindesten 2 Jahre Gefängnis verdient hätte(soviel wie der die Verleumdung nachdruckende Redakteut!] empfangen hat), der juristischen Nachwuchs an einer deutschen Uni⸗ versität über Recht und Unrecht(wohin auch Beleidigung und Ver⸗ leumdung gehört), belehren und zu künftigen Rechtsprechern im neuen Staat heranbilden darf, selbst nur mit einem Verweise„dis⸗ zipliniert“. Im alten freien Staate(des Herrn Rechtsanwaltes Fischer) wurde bekanntlich seinerzeit der Privatdozent Dr. Arons mit Ausschluß aus dem Lehrkörper der Universität Berlin„diszip⸗ liniert“, weil er, der hervorragende Physiker seiner politischen Ueberzeugung nach sich zur Sozialdemokratie bekannte 1 Zur Tilgung alter Goldschulden durch Papiermark. In einer Beschwerdesache hat der erste Zivilsenat des Ober⸗ landesgerichts zu Darmstadt dahin erkannt, daß alte Gold⸗ schulden durch Zahlung von Papiermark in gleichem Nenn⸗ betrage nicht getilgt werden können, und daß deshalb auf Grund einer solchen Zahlung der Gläubiger die Löschung der Hypothek nicht zu bewilligen braucht. Daß Kündigun⸗ gen und Rückzahlungen alter Goldschulden, die zu Zeiten stärkster Geldentwertung zu dem Zwecke erfolgen, um die Schuldverbindlichkeiten durch einen verschwindenden Wert⸗ bruchteil zu tilgen, nach S 138 BGB. nichtig sind, wurde da⸗ 17 grundsätzlich anerkannt, brauchte aber der Entscheidung nicht zugrunde gelegt zu werden. Die Gründe der Ent⸗ scheidung werden mit Rücsicht auf deren Bedeutung alsbald veröffentlicht werden. Deuschvölkische Lektüre in deutschvöllischer Beleuchtung. Im Be⸗ ö zeß Lenz⸗Vetters erklärte der deutschvölkische Kläger, ser betrachte die Bücher, die er seinerzeit in der Einhornversammlung — Jugend angepriesen hätte, nach wie vor als empfehlenswert. Dazu gehörte auch der berüchtigre Schundroman„Die Geheimnisse der Weisen von Zion“. Wir lassen hier einige wissenschaft⸗ liche Urteile folgen: 1. Der deutschnattonale Professor Dr. Ulrich Knahrstedt in Göttingen, Herausgeber der deutschnationalen Eisernen Blätter, schreibt:„Für gewisse Stellen der Weisen von (Zion hört die Zuständigkeit des Historikers auf und es beginnt die des Psychiaters.“ 2. Rudolf Schneider, Mitglied der Deut⸗ chen Volkspartei, schreibt in Stresemanns Deutsche Stim⸗ en:„Die Geheimnisse sind verfaßt von einem sehr ungebildeten eisteskranten.“ 3. Der Senatspräsident Dr. Hagens beim Reichs⸗ gericht bezeichnete als Vorsitzender in der Verhandlung gegen die Rathenamnörder das Machwerk als eine Schmähschrift, geeignet, in umreife Köpfe Mordinstrumente zu pflanzen. Wir haben diesen Ur⸗ teilen nichts hinzuzufügen. — Das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz. Der dritte Vortrag er das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz findet am nächsten Sonntag, 8. April, nachm 2½ Uhr im Gewerksckhaftshaus statt. Referent umser Gerosse Beigeordn. Delp⸗Darmstadt. Das Reichsjugend⸗ lfahrtsgesetz sowie die Wohlfahrtspflege im allgemeinen stellt an un Genossen in den Gemeindevertretungen bei seiner Durchfüh⸗ ung und Anwendung mancherlei Anforderungen. Umsomehr Harf 0 nächsten Sonntag auf zahlreiche Beteiligung im besonderen un⸗ Gemeindevertreter gerechnet werden. Der Referent steht in ischer Betätigung der Wohlfahrtspflege und Jugendfürsorge men und ist deshalb sehr wohl in der Lage über die praktische führung und Anwerbung dieser neuen Gesetzesmaterie zu unter⸗ k. Leider findet das hier durch die Pacteileitung gebotene nicht immer das notwendige Verständnis und Beachtung. Wir weisen an dieser Stelle noch einmal auf den Vortrag hin und erwarten, daß alle Ortsvereine sowie die in der sozialen Fürsorge tätigen Per⸗ nen vertreten sind. — Bei Abschluß von Lehrverträgen ist zu empfehlen, daß sich rn oder Vormünder vorher an die in Frage kommende freie Ge⸗ erlschaft um Auskunft wenden. Der Lohnentschädigung des Lehr⸗ li ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen, es muß die Entloh⸗ ing nach tariflichen Sätzen verlangt werden. Besteht solche tarif⸗ liche Regelung nicht, so soll man nicht jeden in festen Zahlen vor⸗ geschlagenen Lohn unterschreiben, sondern eine Einfügung verlangen, wonach bei eintretender Geldentwertung die Lehrlingslöhne im selben hälmis wie die übrigen Arbeiterlöhne erhöht werden. Die Nicht⸗ beachtung dieser Ratschläge hat schon in sehr viclen Fällen zur Folge gehabt, daß Handwerksmeister ihre Lehrlinge mit so wenigen Papier⸗ abspeisten, wie sie vor Jahren einmal in Goldmark gezahlt wurden. Diese Uebervorteilung der Arbeitereltern kann vermieden — Oeffentliche Bücherhalle. Im März wurden 2054 Bände aus⸗ hen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1229, Zeitschrif⸗ 153, Jugendschriften 189, Literaturgeschichte 5, Gedichte u. Dra⸗ 25, Länder⸗ imd Völkerkunde 121, Kulturgeschichte 32, Geschichte und Biographien 124, Kunstgeschichte 5, Natyrwissenschaft und Tech⸗ nologie 111, Haus⸗ und Landwirtschaft 5, Gesundheitslehre 2, Reli⸗ gion und Philosophie 36, Staats wissenschaft 4, Sprachwissenschaft 2, sprachliches 11 Bände. Nach auswärts kamen 44 Bände. . Utphe. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlver⸗ 0 u wurde beschlossen, die diesjährige Malfeier des Unterbezirks zu übernehmen. Nachdem in den verschledenen Orten des Unterbezirks die Maifeier stattgesunden hat, glaubt der Ortsverein Utphe dies⸗ mal an der Reihe zu sein und wurde der Vorstand beauftragt, einen diesbezüglichen Antrag an den Vorstand des Unterbezirks zu stellen. Die Parteibewegung hat in letzter Zeit hier recht erfreuliche Fort⸗ itte zu verzeichnen. und hoffen wir, daß bis zur Maifeier der ö izte Arbeiter im Orte den Weg in unsere Reihen gesunden hat. Lollar. In vergangener Woche hat eine Sitzung der Miete⸗ sestsetzungslommission stattgesunden, die es wert ist, daß sie bekannt wird. Es ist natsirlich, daß in der Zeit, wo„alles liebt“, auch die Herren des Hausbesitzervereins nicht hassen wollen. Und daß man * Mund nach viel weiter aufreißen kann als jeder Durch⸗ ensch, darüber besteht kein Zweifel. Der Vertreter des H.⸗V. schlägt für die nächste Mieterhöhung„bloß“— 102 842 Prozent vor. Diese sollen sich zusammensetzen: für Zinssteigerung 100 Proz.(1); für Hausverwaltung 3462 Proz.(111); für lau⸗ fende Instandsetzung 49 610 Proz.; für große Instandsetzung 49 610 Proz.(1), zusammen also die Kleinigkeit von 102 842 Prozent. Da⸗ zu kommt noch süir Msillabfuhr 744 Proz. und alle„Nebenge⸗ bühren“ wie Teil an Brandkasse, Gebäudesteuer, Wassergeld, Schorn⸗ sste infegergebüh ren, Treppenbeleüchtung, Straßenreinigung und selbst⸗ e noch die allgemeine Wohnungsbauabgabe mit 3000 Prozent. Das ist num allerdings die Grenze der Bescheldenheit und geht ans Selbstlose. Der Herr rechnete(welche Routine!) genau auf Sekun⸗ den, Minuten und Stunden die notwendige Zeit der Hausperwaltung aus, selbst die notwendige Zeit zum Festhalten seiner eigenen Villa fstroffen und wenn selbst der umparteiische Vorsitzende und die Ver⸗ mieterbeisitzer(übrigens letztere ein paar wirkliche Besitzende und keine Krachenburgsbesitzer) gerührt bis in die große Zehe waren, * will doch das schon viel heißen. Djese und die Vertreter der „Mieter, alles guterzogene normale Menschen, waren natürlich„platt“ — sprachlos.— Soviel Intelligenz und Kopfrechnen hatte man nicht vorqusgesetzt.— Doch, Spaß bei Seite, sollte dies nicht manchem Mieter zeigen, daß die Ansicht der nun einmal im Mieterverein auch vertretenen bösen Sozis auf rechtem Wege war. Gibt man dem Teufel den kleinen Finger, nimmt er die ganze Hand. Und wie lassen sich die Mieter noch teilweise von einzelnen Vermietern bei Woh⸗ mungsabgabe und sonstigen Gebühren über den Mund fahren. Es sind uns Fälle bekannt, wo Mietern von Mansardenwohnungen vom Hausbesitzer, welcher das Haus sonst allein bewohnt, dabei großen Garten und Ställe hat, i der Wohnungsaßgabe aufgeholzt war! Ist das nicht Diebstahl?— Wenn man dabei aber die Bösartigkeit sieht, womit manche Mieter sich gegenseitig ausspielen, so kann man den unqusstehlichen Drang dieser Herren vom H. V. verstehen. Hinter diesem spassigen Antrag steht aber wohl Herr W. allein: wir halten das Gros der Hausbesitzer, besonders die darunter befindlichen Ar⸗ beiter im allgemeinen für viel zu intelligent, als daß sie einen der⸗ artigen Unsinn deckten. — Lollar. Der Gesangyerein„Vorwärts“ veranstal⸗ tete Ostern einen Theaterabend im Gasthaus„Zur Linde“. Gegeben wurde das zeitgemäße Schauspiel„Die Waffen nieder“ nach dem gleichnamigen Werke Berta v. Suttners. Das immerhin schon um⸗ fangreiche Stiick wurde von den Mitspielenden ohne Ausnahme in eindrucksvoller Weise aufgeführt und auch vom größten Teil der Be⸗ sucher in würdiger Form und mit Verständnis aufgenommen. Einigen füngeren Leuten passiert inmer noch das Mißverständnis, daß sie — 3 1 (Daß sie nicht umfällt), war spezisiziert. Vor solchem Geist und vor solcher Größe lag alles im Staube, unsere Erwartungen waren siber⸗ bei der einleitenden und die Puusen ausfüllenden Streichmusik, welche exakt und anpassend war, recht großen Lärm machen und daducch den größten Teil der Zuhörer um den Genuß bringen: doch wird dies auf den unmittelbaren Einfluß der Göttin Terpsichore zurück⸗ zuführen sein, die das belannte Kribbeln in den Beinen verursacht. Theaterabend ist keine Tanzmusik— na, nächstens besser.— Für die allernächste Zeit soll eine Wiederholung für die Oeffentlichkeit stattfinden, wozu dann jedermann Zutritt haben wird. Der Saal der. N. „Linde“ war bis auf den letzten Platz besetzt. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 4. April. Die„Fürstin“ von Schöll⸗ krippen. Herr Lebrecht, Kaufmann aus Schöllkrippen, Inhaber eines gutgehenden Tuchgeschäftes in Frankfurt a. M. lerne auf einer Geschäftsreise eine Dame kennen, die in Trauerkleider gehüllt war und erzählte, daß ihr Vater und ihr Bruder, die in Chicago ein großes Bankhaus besessen hätten, gestorben seien und sie— da die Mutter in einem Sturm umgekommen sei— zur Alleinerbin einge⸗ setzt hätten. Zur Verwaltung des riesigen Vermögens suche sie, die trauernde Tochter, jetzt in Deutschland einen tüchtigen Mann. Wer konnte das anders sein als Lebrecht? In wenigen Stunden war man sich einig. Herr Lebrecht verkaufte sein Frankfurter Geschäft, heiratete das amerikmische Dollarprinzeßchen, verlebte einige Tage süßester Flitterwochen mit seiner Helga und traf dann mit ihr die Vorbe⸗ reitungen für die Abrege nach Amerika. Da aber kam die böse Polizei. Sie nahm die junge Frau Lebrecht einfach fest und entpuppte sie als eine der schlimmsten Hochstaplerinnen. Denn das Frauen⸗ zimmer, so darf man wohl von num an sagen, hat unter dem Namen „Helga Lebrecht, verwitwete Fürstin von Lieven⸗Demidoff, geborene Komtesse von Keyserling“ Schwindeleien größten Maßstabes be⸗ gangen und viele Mitmenschen um sehr hohe Summen betrogen. Für Herrn Lebrecht ist aber die Geschichte um so tragischer, als er durch seine„Verbindung“ mit der„Fürstin von Schöllkrippen“ um sein ganzes sauer erworbenes Vermögen gekomemn ist. Die Dummen werden nicht alle. Der Vorwärts berichtete am 27. März Folgendes über die Schwindeleien eines mecklenburgischen Monteurs Von Luftgeschäften im großen führte ein Schwindler ein flottes Leben, bis er gestern hinter Schloß und Riegel gebracht wurde. Erstaunlich in dem all ist uns, wie wieder einmal große und an⸗ gesehene Firmen, die bei jedem Angestellten, der sich um Stellung bewirbt, auf„lückenlose Zeugnisse und tadellose Vergangenheit“ sehen, einem fnech und plump auftretenden Schwindler wie Dumme ins Garn laufen. Ein 50 Jahre alter Installateur und Monteur Neelsen verließ im Oktober porigen Jahres sein kleines Anwesen in Belem in Mecklenburg, ließ seine Familie sitzen und reiste umher, um große Schwindelgeschäfte u machen. Er begann damit in Chemnitz. End⸗ lich kam ex auch nach Berlin. Wie in anderen Städten so setzte er sich auch hier mit großen Firmen in Verbindung und bot alles an, was sie nach der Art ihres Betriebes gebrauchen könnten. So verkaufte er einer Aktiengesellschaft 710 Tonnen Maschinenguß⸗ bruch, der in der Hütte der Gesellschaft zerschlagen und geschmolzen werden sollte. Einer anderen ne, die Inneneinrichtung eines großen Schiffes, das zur Abtakelung und zum Abbruch in Swine⸗ münde liegen sollte. Auch 300 Morgen Wald in Mecklenburg, der nicht ihm gehörte, wußte er an den Mann zu bringen. Zum Ab⸗ schluß der Geschäfte benutzte der Schwindler jedesmal fingierte und gefälschte Unterlagen. Seine Tätigkeit endete immer damit, daß er eine große Anzahlung in Empfang nahm. Die Ware war niemals vorhanden oder nicht sein Eigentum. Die letzten Geschäfte machte der Gauner mit seinen angeblichen Rechten auf Kohlen⸗ mutungen in der Gegend von Görlitz. Gestern war Neesen von dem Prokuristen einer Aktiengesellschaft nach dem Potsdamer Platz bestellt worden, um eine große Anzahlung auf seine„Mutungs⸗ rechte“ in Empfang zu nehmen. Die Gesellschaft hatte aber in⸗ zwischen durch einen Vertrauensmann an Ort und Stelle feststellen lassen, daß sie es mit einem Schwindler zu tun hatte, und der Pro⸗ kurist ließ ihn festnehmen. 0 2 Man sieht, die Dumpiheit findet sich unten und oben in der menschlichen Gesellschaft, und sie verschont auch große Aktiengesell⸗ schaften und Großfirmen nicht.. Vier Kinder von einer Granate zerrissen. Eine folgenschwere Exploston ereignete sich Ostermontag abend auf dem Lindenthaler Exerzierplatz bei Leipzig. Kinder fanden eine Eierhandgranate, die von einer Uebung der Reichswehr liegen ge⸗ blieben war. Sie spielten mit der Wurswaffe. Plötzlich explodierte die Granate und tötete den zehnjährigen Schüler Flöter. Drei an⸗ deren Knaben erlitten schwere Verletzungen im Gesicht und an den Armen Die Feuerwehr schaffte sie ins Krankenhaus; ihr Zustand ist hoffnungslos.. Elses Flucht in Feldgrau. „Das Geld liegt beim Bauer haufenweise umher“. Auf einem Bauernhof in Krischt im Kreise Ost⸗Sternberg diente eine Else Weber, die plötzlich verschrand. Der Hofbesitzer suchte eine Weile vegeblich nach ihr und entdeckte dann, daß sie ihm seine golbene Uhr und, in Zeitungspapier eingewickelt, eine Million Mark mitgenommen hatte. Es wurde nun festgestellt, daß sich das unter⸗ nehmende junge Mädchen unter Zurüchlassung ihrer eigenen Habe einen seldgrauen Männeranzug angelegt und einen Herrenhut auf ihren Bubentopf gestülpt hatte. So war sie, mit dem Zeitungspalet unter dem Arm und einen Wanderstab in der Hand, nach dem nächsten Bahnhof gegangen und von dort nach Berlin abgefahren. Die Orcspolizei benachrichtigte schleunigst die Berlinex Kriminal- polizei. Als nun einem im Schlesischen Bahnhof ankommenden Zuge ein frischer Jüngling mit roten Backen entstieg, der sich keck mnsah und anschickte, in das Leben der Großstadt hineinzusteigen, wurde er festgehalten und es entpuppte sich unter dem seldgrauen Anzug die entwichene Else Weber. Sie trug das Geld noch unter dem Arme und die goldene Uhr in der Tasche. Die Verhaftete gab ohne weiteres den Diebstahl zu. Sie sagte, sie habe es auf dem Bauernhof nicht mehr ausgehalten und die Million mitgenommen, weil das Geld doch nur so in Haufen rumgelegen habe. Ihre Ab⸗ sicht, nun einmal als Mann das Leben der Großstadt zu genießen, wurde allerdings vereitelt. Arbeitsrecht, Gewerkscha tliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 4. April 1923. Der Zentralverband der Bäcker beantragte 50 Proz. Erhöhung der Löhne der Bäckergehilfen in Gießen und Bad⸗Nau⸗ heim. Der Schlichtungsausschuß schlug durch Schiedsspruch das Weiter⸗ bestehen der bisherigen Lohnregelung bis auf weiteres vor. Für Bud⸗Nauheim ist der Schledsspruch bindend. Für Gießen erhielten die Streitteile Erklärungsfrist. Den Kündigungseinspruch eines Angestellten des Finanzamts Gießen wies der Schlichtungsausschuß ab. Nach dem Betriebsräte⸗ gesetz war der Einspruch unzulässig, denn das Vorverfahren nach den Ss 84 und 86 des Gesetzes war nicht eingehalten. Die Demobil⸗ machungs verordnung kam nicht in Betracht, weil Grund für die Ver⸗ weigerung der Weiterbeschäftigung nicht die Absicht war, die Arbeit⸗ nehmerzahl zu vermindern. In der Antragssache des Deutschen Ho lzarbeiterverbanu⸗ des wegen Wiedereinstellung eines fristlos entlassenen Arbeiters des J. Himmelsbach schen Sägewerks in Nidda beschloß der Schlich⸗ tungsausschuß auf den Autrag des Holzarbeiterverbandes selbst die Aussetzung des Verfahrens gemäß§ 86 Absatz 2 des Betriebs täte⸗ gesetzes. Verlängerung der Geltungsdauer der Demobilmachungsverordnungen. Durch Gesetz vom 23. März 1923(RG Bl. vom 29. März 1923 S. 215) ist die Geltungsdauer der Demobilmachungsverordnungen bis zum 31. Oktober 1923 verlängert worden. 1 Danach bleiben also, vorläufig bis zu dem vorgenannten n, den Kraft: 5 9 iber Erwerbslosenfürsorge,. 1 liber die Einstellung und Entlassung von Arbeitern und. gestellten vom 12. Februar 1920, 0 1 über die Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter 23. November 1918, nebst Ergänzung vom 17. Dezember 1 desgleichen für Angestellte vom 18. März 19199,ĩñ1ͥ über Betriebsabbrüche und astill en vom 8. Nov. 1920 über Erweiterung der Fortbildungsschulpflicht vom 28. M 1919, sowie zwei weitere Verordnungen, welche jedoch für Arbeitnehmer nicht in Frage kommen.. 4 Die Verordnung vom 23. Dezember 1918 fiber umd Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten hat bekanntlich Gesetzeskraft. Laßt keine Jugendlichen in die Tabakindustrie! Eltern und Vormünder bemühten sich, für die zur entlaffung gekommenen Kinder passende Lehr⸗ und Arbei zu finden. Was soll der Junge oder das Mädchen werden? ist jetzt die Frage Es fehlt nicht an gebungen e Organisationen die vor der Erlernung dieses oder jenes Be umter Aufzählung aller seiner Nachtefle warnen. haben diesen Warnungen nie Geschmack gefunden, denn segendwo die Jungen oder Mädchen doch unterkommen, und einen der nur Lichtseken bat, wird es wohl kaum, geben. T müssen wir in diesem Jahre an unsere Kollegenschaft die drin Bitte richten, ähren ganzen Einfluß aufzubieten. um das H skrömon der zur Schulentlassung gekommenen Jungen und im der Tabakinduftrie zu verhindern. Bei der fetzigen starken beitslosigkeit in unserer Industrie die weit größer ist als in audeven Industrie wäte es unverantwortlich noch neue junge beitskräste einzustellen und anzulernen. Ueberall gibt es Kollegen und Kolleginnen genügend, die gerne in ihren arbeiten würden, wenn sich hierzu Gelegenheit fände. De müssen die Richtlinien vom 3. Februar 1923, die auch von Ard geberseite unterzeichnet worden sind, überall durchgeführt Es heißt darin über Neueinstellungen. f Es wäre widersinnig. in einer Zeit. wo ein großer Teil Fatharbeiter entweder gar nicht oder nur wenige schäftigt wird, neue Arbeiter in die Industrie hereinzu Insbesondere wird bei den kommenden Schulentlassungen hie in weitestem Maße Rücksicht zu nehmen sein und verm müssen die jungen Leute zu Facharbeitern än der Te zu machen während gar nicht vorauszusehen ist, ob sie dauernde Beschäftigung in der Tabakindustrie werden können. Deshalb muß drin, empfohlen werden. soweit es technisch nur einigermaßen durchführen läßt. keine Arbeiter anzulernen und, wo Einstellungen nicht zu vermeiden sind, die handenen Berufsarbeiter zwerst unterzubringen. Aus sicherer Quelle haben wir erfahren. daß auch die Fabrikanten dazu übergehen. Schulentlassene nach Ostern nehmen. Die Betriebsräte müssen dieses unter allen U zu verhindern suchen. Sollten dennoch die Fiemen dagn gehen Neueinstellungen vorzunehmen(und somit die von A geberseite mit unterzeichneten Richtlinien durchbrechen), ist e dem Deutschen Tabaͤk⸗Arbeiter⸗Verband. Gau Gießen entspr Mitteilung zu machen. Letzte Nachrichten und Telegramme. N N In den Klauen des französischen Militari 300 Millionen als Kaufpreis. Berlin, 5. April(Tel. Eigenberichth. Nach der Meld französischer Blätter beabsichtigt de französische Regierung zur. organisation des jugoflavischen Heeres eine Anleihe von 300 lionen Franken zur Verfügung zu flellen. Angeblich soll die leihe mit einer französisch⸗jugoflapischen Militärkonvention den sein, deren Desenssvcharakter betont wird. en eine derartige französische Anleihe nicht. Das heutige Ir zieht es bekanntlich vor, kleineren Staaten Anleihen 8 militäri Zwecken zu geben, statt seine Schulden an die Verbündeten zu Erst vor wenigen Monaten erhielt Polen eine Anleihe von 400. lionen Franken, ohne daß Herr Poincars zunächst selbst daran die französische Finanzwirtschaft in Ordnung zu bringen. Ablehnung des Abschiedsgesuchs des spanisch Kabinetts. f f Das Kabinett hat sein Abschiedsgesuch eingereicht. Der M sterpräsident D' Achucenas hat jedoch nach einer Unterredung dem König beschlossen, in seinem Amte zu bleiben und sämf Minister der Reglerung mit Ausnahme des Finanzministers zubehalten. Der Finanzminister wird durch einen De ersetzt. Der Kampf um Port Arthur. Times meldet, nach einer Reutermeldung aus Peking, chinesische Regierung habe die Absendung einer zweiten Note we des Hafens von Port Arthur an Japan beschlossen. Japan bekanntlich die Annahme der ersten Note wegen der Rü tragung Port Arthurs an China verweigert. e Dollarkurs: 21 190 Mk. Versammlungskalender. Großen⸗Buseck. Gesangverein„Eintracht“. tag abend 9 Uhr Gesangsstunde. Vollzählig erscheimen! Klein⸗Linden. Wahlverein. Samstag, den 7. April 1 abends 8½ Uhr Mitgliederversamenlung im Vereinslokal. Voll liges Erscheinen dringend erforderlich.. Wieseck. Freie Turnerschaft. Freitag und Samstag, 6. und 7. April, abends 8% Uhr Mitgliederversammlung. liges Erscheinen ist erforderlich. Staufenberg. Volksverein. Sonntag, den 8. April, 8 Uhr ordentliche Generalversammlung bei Geißler. Die Mit wollen hierzu pünktlich und vollzählig erscheinen. g . Maria Bae macht das Leder weich und schmiegsam, weil musschliesslieh aus reinem Terpentinbl hergestellt. Schwarz, braun, gelb und welss. 3. April Hiltrud Pauli, 1 Jahr alt, GLöberst aße 7. 25 i 0 i uff n Hollorst icten Art, insb evinne Air getre wulftei n anger erg i die Auf Küper wa Ane an de