0 5 1 0 inc — 1 U 1 ö 10 g 1 oll, 4 zu welchem Preise die Waren übernommen wurden, Bahnhofstraße 23 Ferusprechet 200d. e Volks Wale a Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. kitun Expedition: Gießen Bahuhosstraße 22 Ferusprecher 2008. ie Oberh. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 9 Wbonnementspreis mit den Beilagen„Das Blaft der! Aan And 1 90 swirtschaftliche Beilage, beträgt monatlich 3000.— Mek. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezog. 3000.— k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.—- Mt e dee Redakteur: F. Vetters. Jür den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Sfera Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum lokal 30.— Mk, auswärts Mk., die Reklamemillimeterzeile 125.— Mk, Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird N der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. — 9 Nr. 54 Gießen, Dienstag, den 6. März 1923 ö 18. Jahrgang Der deutsche Außenhandel im Jahre 1922. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht jetzt die voll ⸗ ständigen Ergebnisse über den Außenhandel im Jahre 1922. Da uns für das Jahr 1921 die Angaben für die ersten fünf Monate fehlen, so gewinnt der Abschluß für das zurück⸗ liegende Jahr eimer Vollständigkeit wegen eine besondere Bedeutung. Das statistische Amt hat die Wertberechnung der Waren in Goldmark vorgenommen; eine Methode, deren Richtigkeit⸗ sehr angezweifelt werden muß, da so eine sichere Schätzung, nicht vorhanden ist. Besonders gilt dies von der Einfuhr; aber selbst in der Ausfuhr werden die Angaben mit Vorsicht zu bewerten sein, da Industrie und Handel interessiert sind, möglichst niedere Preise anzugeben. Diese Zurückhaltung wird verständlich, wenn man erwägt, daß die Außenhandels⸗ abgabe prozentual vom Preise der Waren erhoben wird. Man berechnet, daß wir ihm Jahre 1922 eine Mehreinfuhr von 2,2 Milliarden Goldmark hatten, die, in Papiermark umge⸗ rechnet, nahezu an eine Billion herankommen. Dieses Defi⸗ zit wäre nur zu decken, indem wir eine Billion Papiermark nach dem Ausland geben, um damit Devisen und Noten vom Ausland aufzunehmen. Nach unserem Papiergeldumlauf ist das nicht anzunehmen; die Summe erscheint zu hoch. Aber uns interessiert mehr die Menge der einzelnen Warengruppen. Hier haben wir volkswirtschaftlich einen sicheren Maßstab. Sehen wir uns die Gruppe der Lebens⸗ mittel an, so hatten wir im Jahre 1913 einen Einfuhrüber⸗ schuß von 6 708 207 Tonnen, der im Jahre 1922 auf 4631951 Tonnen zurückgeht. Es ist bei diesem Vergleich der ziemlich hohe Posten Salz herauszulassen, der für die Ausfuhr 1922 sehr hoch ist und damit die Vergleichszahlen an Wert ver⸗ lieren würden. Wir haben also nahezu ein Drittel weniger Lebensmittel eingeführt als vor dem Kriege; das bedeutet eine Einbuße der Lebenshaltung des deutschen Volkes, die durch den geringeren Ernteertrag auf deutschem Boden sich noch weiter ungünstig gestaltet. Allerdings ist die jetzt zu ernährende Bevölkerung im Vergleich zur Vorkriegszeit um ungefähr 6 Millionen Köpfe zurückgegangen. Betrachtet man die Versorgung mit Brotgetreide, so hatten wir an Weizen und Roggen im Jahre 1913 einen Einfuhrüberschuß vo 1425717 Tonnen. Rechnet man hiervon ab 634098 Tonnen Mehl, die mit einer Ausmahlung von 75 Prozent angesetzt werden, so blieben aus der Einfuhr 791619 Tonnen Brotgetreide für den Konsum der Be⸗ bölkerung. 5 Im Jahre 1922 hatten wir bei der gleichen Be⸗ rechnung einen Einfuhrüberschuß von 1910 022 Tonnen. Das könnte vom Standpunkt der Ernährung relativ günstig erscheinen. Aber nach der amtlichen Statistik ist der Ausfall der Brotgetreideernte gegenüber 1918 um 50 Prozent zu⸗ zrückgeblieben. Wir hatten eine Ernte von 7 305 100 Tonnen Brotgetreide im Jahre 1922, die, mit allem Mißtrauen be⸗ trachtet,— wer weiß, ob die Landwirte richtige Angaben machten— den Schluß zuläßt, daß unser Brotkonsum eine starke Einbuse erlitten hat. 1 f Die Gruppe der Rohstoffe und Halbfabrikate weist im Jahre 1922 einen Einfuhrüberschuß von 24604 872 Tonnen zauf gegenüber 775 450 Tonnen im Jahre 1913. Durch diese Zahlen wird der Jammer unserer Volkswirtschaft gekenn⸗ beichnet. Wir verschulden immer mehr an das Ausland, kweil wir die Einfuhr der Nohstoffe nicht durch vermehrte Ausfuhr ausgleichen können. Die Stärke der deutschen Ausfuhr bestand mehr in der Abgabe von Fertigfabrikaten. Aber auch hier haben wir einen Rückgang zu verzeichnen, der in folgenden Zahlen zum Ausdruck kommt: 1913 betrug ider Ausfuhrüberschuß 8 068 730 Tonnen, während er im Jahre 1922 nur 3 941 542 Tonnen erreichte. Die Außenhandelsstatistik läßt deutlich erkennen, daß für die Gesundung der deutschen Wirtschaft entscheidend ist, ob es uns gelingt, die Ausfuhr erheblich zu steigern und die Einfuhr von solchen Waren zu mindern, für die wir im Lande Produktionsmöglichkeiten haben. Aber alle diese Be⸗ rachtungen werden jetzt über den Haufen geworfen, wo die Gesetzung des Ruhrgebiets eine Warenzirkulation unmög.⸗ ich macht. N Der neue Gewaltakt im Süden. Neben Darmstadt und Mannheim auch Karlsruhe. Ohne jede vorherige Mitteilung an die Reichsregierung sind französische Truppen, darunter Schwarze, am Samstag vormittag gleichzeitig an drei Stellen in bisher unbesetztes Gebiet widerrechtlich eingedrungen. Dieser neue Gewaltakt sollte auch denjenigen, die fortgesetzt nach Verhandlungen rufen, die Sinnlosigkeit ihres Beginnens zeigen. Der neue Vorstoß der Franzosen auf das rechte Rheinufer ist haupt⸗ sächlich als wirtschaftspolitische Maßnahme zu werten. Frantreich trachtet danach, alle Rheinhäfen restlos in die Zollgrenze einzubeziehen. Von diesem Gesichtspunkt aus wurden auch vor fast vier Wochen Appenweiler und Offen⸗ burg besetzt und es bleibt nur eine Heuchelei, daß man diesen Gewaltakt unter dem Vorwand der Unterbindung des inter⸗ nationalen Schlafwagenverkehrs ausführte. Heute kann kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß die Besetzung der genannten Städte nur als Vorbereitung für die Aktion diente, die am Samstag gegen Mannheim und Karls ⸗ ruhe unternommen wurde und die gleichzeitig vervoll⸗ kommnet worden ist durch einen Vormarsch auf Darm⸗ st a dt. In Mannheim wurde der Hafen und dessen Küsten⸗ gebiet besetzt. Es handelt sich um den größten Binnenhafen Europas, der kurz vor dem Kriege, was den Umschlag be⸗ trifft, nur durch den Kohlenversand⸗Hafen Duisburg⸗Ruhr⸗ ort überflügelt worden war. 110 Hektar Wasserfläche sind hier als staatlicher Rheinhafen nutzbar gemacht, und die Gesamtfläche dieser größten der Mannheimer Hafenanlagen umfaßt sogar 266 Hektar mit 110 Kilometer Gleisanlagen, 20 Kilometer Verladerampen und 20 Kilometer Zu- und Abfahrtsstraßen. In der Unzahl der verschiedenen Hafen⸗ becken und Verbindungskanäle hat sich im letzten Vorkriegs⸗ jahr der Verkehr auf 5,52 Millionen Tonnen belaufen. Ober⸗ halb Mannheims ist eine weitere private Hafenanlage für die in dem Vorort Rheinau angestellte Industrie. Hier sind drei Hafenanlagen vorhanden mit 12,1 Kilometer Uferlänge und hier betrug selbst im Kriegsjahr 1916 der Güterumschlag noch 2,09 Millionen Tonnen. Als dritte Hafenanlage besitzt Mannheim noch den städtischen Industriehafen, der/ neu er⸗ baut, in erster Linie für die an der Neckarmündung ange— siedelte Industrie— etwa 140 Unternehmen— in Frage kommt. Im Jahre 1920 betrug hier der Eisenbahngüter⸗ verkehr bereits 1,3 Millionen Tonnen. Diese Zahlen geben ein Bild von der doppelten Bedeutung Mannheims als ssddeutsche Handels- und Schiffahrtszentrale und als Industriestadt. In den Mann- heimer Rheinhafenanlagen vollzieht sich der Umschlag all der Güter, die auf dem Wasserwege des Rheins aus Uebersee, aus Holland, auf dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet für die süddeutschen Länder, Baden Württemberg und Bayern mit der Pfalz zugeführt werden, vor allem Getreide, Petroleum, Kohle, Eisen usw. Andererseits strömen hier die Fertigfabrikate aus dem Süden des Reiches zusammen, Maschinen, Tabak, Holz usw., um den Reiseweg in die Welt anzutreten. Diese Verkehrslage begünstigte aber auch das Emporblühen als Industriestadt, die selbst eine Reihe von Firmen von Weltruf beherbergt: die Maschinenfabriken von Benz, Lanz, Brown Boveri u. Co., die Zellstoffabrik Wald⸗ hof, große Walz⸗ und Oelmühlen, Tabakfabriken usw. Jünger als Hafenstadt ist Karlsruhe', das seinen jetzt besetzten Rheinhafen eine starke Stunde außerhalb des Zentrums der Stadt, erst vor rund 25 Jahren gebaut hat. Auch hier hat in dieser kurzen Zeit der Verkehr einen starken Aufschwung genommen und manche Industrie sich die günstige Gelegenheit des direkten Wasserweges durch An— lage neuer Werke nutzbar gemacht. Kein Wunder also, wenn die Franzosen, auf dem bisherigen Wege der Gewaltpolitik fortfahrend, die wichtigen Rheinhafenanlagen dieser beiden Städte dem von ihnen besetzten Gebfete einverleiben. Raubzug der Franzosen. Deutsche als Helsershelfer. Die Franzosen, die im Laufe des Samstag den Essener Hauptbahnhof besetzten, haben bis Samstag Abend das ge— samte vorhandene rollende Material fortgeschafft. Diese Tat⸗ sache gibt zweifelsfrei zu erkennen, daß deutsche Helfershelfer an dem Raub beteiligt sind und daß sie vor allem während des Raubes die Maschinerie des Stellwerkes bedienten. Es ist ausgeschlossen, daß ohne dies die schwierigen Rangierarbeiten, die zur Fortschaffung des rollenden Materials notwendig waren, möglich gewesen wären. Infolgedessen begrüßt man hier die Verordnung des Reichspräsidenten, die jeden Spion an der Sache des deutschen Abwehrkampfes schwer bestraft. Die Besetzung in Darmstadt unterscheidet sich von der der Mannheimer und Karlsruher Häfen. Hierbei handelt es sich um einen rechtswidrigen Ueberfall in die neutrale Zone, also um eine weitere Verletzung des Vertrages von Versailles. Die Besetzung des Güterbahnhofs Darmstadt vollzieht sich hingegen im Rahmen des Friedensvertrages, denn der im Westen der Stadt gelegene Verschiebebahnhof fällt noch in das Brückenkopfgebiet von Mainz und war bis⸗ her mehrmals besetzt. Zweifellos will man hier eine Kon⸗ trolle über den Güterverkehr ausüben. der auf der Bahn von Frankfurt nach Süden und vom nördlichen Bagern nach dem Westen geht und in Darmstadt kreuzt. Die Möglichkeit, den allgemeinen Verkehr von Frankfurt südwärts zu unter⸗ binden, haben die Franzosen schon immer gehabt, da die vor Darmstadt gelegene Station Arheiligen, ebenfalls innerhalb der Zone des Brückenkopfes liegt. Dagegen bedeutete eine Ausdehnung der Besetzung Mannheims selbst, die bisher unterblieb, auf den nahe der Rheinbrücke liegenden Haupt⸗ bahnhof nur eine Verkehrsabschnürung der Stadt Mann⸗ Richtung nach Karlsruhe und Stuttgart. da hier zwei Mannheim nicht berührende Hauptstrecken noch vorhanden sind, die östliche über Heidelberg Bruchsal, die westliche über Friedrichsfeld Schwetzingen. g * In dem neubesetzten Gebiet Süddeutschlands hat fich im Laufe des Sonntag die Lage im allgemeinen nicht verändert. bahnhof unterbunden ist, können Güter bis jetzt weder ab⸗ geholt noch aufgegeben werden. Im Mannheimer Haupt- zollhafen sind alle Güter beschlagnahmt. Dem Gütervor⸗ steher im Güterbahnhof Karlsruhe⸗Rheinhafen wurde von der französischen Besatzung mitgeteilt, daß 1. die Ausfahrt jedes Schiffes aus dem e dem Führer des Hafenkommandos zu melden ist, 2. alle Züge, die aus dem Hafen ausfahren, zwecks Kon⸗ trolle zu halten haben und daß 1 3. die Ausfuhr von Kohlen, Kohlenerzeugnissen und metallurgischen Produkten aus der Hafenzone ber⸗ boten ist. 5 5 Die Franzosen hatten mit der Besetzung des Güterbahn⸗ hofes und der Eisenbahnwerkstätten in Darmstadt auf Beute gerechnet. Sie haben sich getäuscht. denn infolge des fort⸗ gesetzten Durchsickerns von Besetzungsnachrichten hatte man Die Posten wurden Sonntag noch vom Güterbahnhof und Lokomotivschuppen wieder zurückgezogen und nach der Straße von Griesheim gehracht. Dagegen blieben noch das Elektrizitätswerk und die Betriebswerkstätte besetzt. In die Stadt selbst waren keinerlei Truppen eingerückt. Der Ver⸗ kehr im Hauptbahnhof ist ohne Beschränkung wieder auf⸗ genommen. Die französische Begründung der neuen Besetzungen. Die französische Regierung hat sich darauf beschränkt, an den deutschen Geschäftsträger in Paris nach Vollziehung der neuen gegen Mannheim, Karlsruhe und Darmstadt gerichteten Gewalt⸗ akte am 3. d. Mts., abends 8.45 Uhr, folgende Note übergeben zu lassen: „Der Rhein⸗Herne⸗Kanal, dessen infolge schädigten Schleusen durch die Bemühungen der französischen und belgischen Behörden wieder in Ordnung gebracht worder sind, ist durch absichtliche Versenkung von Kähnen gesperrt worden. Die fran sische Regierung hat beschlossen, als Vergeltungsmaßfnahme die Häfen von Mannheim und Karlsruhe und die Eisenbahnwerk⸗ stätten von Darmstadt zu besetzen. wärtigen Angelegenheiten hat die Ehre, die deutsche Botschaft hier⸗ von für alle Fälle in Kenntnis zu setzen.“. Auch in diesem Falle also gibt sich die, französische Regierung nicht die Mühe, ihre Gewaltakte zu verschleiern. von Sabotage be⸗ N haben die Franzosen zwei vollkommene D. Züge über Werden weggeschafft. Ferner fiel ihnen eine große Beute an Personenwagen, die über die militarisierten Strecken wegge⸗ schafft wurden, in die Hände. Weitere Taten. Die Düsseldorfer Besatzung hat von der Stadtverwaltung die Bereitstellung von Küchen und Speisesälen an vier Stellen der Stadt zur Einrichtung von Kasinos verlangt. Diese Kasinos sollen außer für die Truppen auch für die Eisen⸗ bahner und Zollbeamten eingerichtet werden. Die Stadtver⸗ waltung hat dieses Ansinnen abgelehnt. Der Kommandant des Brückenkopfes Kehl hat angeord- net, daß die Gendarmerie in Offenburg und Appenweier entwaffnet und aufgelöst wird. heim selbst, nicht aber eine Abdrosselung des Verkehrs in der Da der Stadtverkehr in Mannheim mit dem Zentralgüter⸗ Hafen rechtzeitig fürsorglich alles wertvolle Material in Sicherheit gebracht. 0 1 Das Ministerium der aus⸗ 7 * Pariser Blätter melden aus Düsseldorf, daß in Duisburg eine Milliarde Mark beschlagnahmt worden ist. Diese Mil⸗ liarde war für die dortige Reichsbankstelle bestimmt. 2 Unterstützung aus Mos kant. Nach einer Meldung der Roten Fahne aus Moskau hat, der Wirtschaftsrat des allrussischen Gewerkschaftsbundes beschlossen, den kämpfenden Ruhrarbeitern durch den Reichsausschuß der deulschen Betriebsräteausschüsse 500 000 Pud Brot zu übersenden. Dieser Beschluß soll am 4. März von der Exekutive des allrussischen (Gewerkschaftsrats bestätigt worden sein, 500 000 Pud sind unge⸗ fahr 20 Millionen Pfund.— Danach scheinen die russischen Kom⸗ mu nisten einsichtiger zu sein als ihre deutschen Bundesgenossen. Verordnung des Neichspräsidenten. Der Reichspräsident hat auf Grund des Artikels 48 Ab⸗ satz 2 der Reichsverfassung folgende Verordnung betreffend Wie derherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet erlassen: § 1. Mit Zuchthaus nicht unter 10 Jahren oder mit lebenslänglichem Zuchthaus wird bestraft, wer während der in Friedenszeit erfolgten Besetzung deutschen Gebiets durch eine fremde Macht diese in wirtschaftlichen, politischen oder mili⸗ tärischen Angelegenheiten als Spion dient oder Spione dieser Macht aufnimmt, verbirgt, oder ihnen Beistand leistet. Bei mildernden Umständen ist die Strafe Zuchthaus bis zu 10 Jahren oder Gefängnis nicht unter 2 Jahren. 8 2. Neben der Freiheitsstrafe ist auf Geldstrafe bis zu 500 Millionen Mark zu erkennen. i Neben Gefängnis kann auf Verlust der bekleideten öffent⸗ lichen Aemter sowie der aus öffentlichen Wahlen hervorgegan⸗ genen Rechte erkannt werden. 883. 8 93 des Strafgesetzbuches über die Beschlagnahme des Vermögens gilt entsprechend. 5§ 4. Für die Verurteilung ist das Reichsgericht zu⸗ ständig. Diaie Verordnung wird bereits in dem am 5. März 1923 zur Ausgabe gelangenden Reichsgesetzblatt Teil 1 Nr. 17 er⸗ scheinen. 55 Wie von unterrichteter Seite erklärt wird, ist die neue Verordnung des Reichspräsidenten die harte Strafen für Spione usw. festsetzt, für erforderlich erachtet worden, weil unser Strafgesetzbuch für Friedenszeiten derartig hohe Strafen für die in Betracht kommenden Verbrechen in dieser Weise nicht vorsieht, Deutschland aber gegenwärtig unter Ver⸗ hältnissen steht, die von normalen Friedenszuständen ab⸗ 8 Die Lage im besetzten Gebiet. Die Lage hat nach den heute vorliegenden Nacheschten keine nennenswerte Aenderung erfahren. Der Bahnhof Kray⸗Nord und r Ort Frillendorf bei Essen, der gleichfalls besetzt worden war, nb wieder geröumt worden. Auf dem Bahnhof Gerresheim findet 8 eine scharfe Personen⸗ und Gepäckklontrolle statt. Die Besaßzung in, Velbert ist abgerückt. In Vohwinkel und Neviges sigd wegen olizisten sestgenommen und nach ee acht Schu rebeney abtransportiert worden. In Lennep sind mehrere junge ute, die Plakate 15 1 gebracht hatten, in Castrop der 71 N Schmidt wegen Ablehnung französischer Befehle ver⸗ orden. Die Engländer kontrollseren sämtliche französische Transporte bei dem Einlaufen in die englische Zone sehr scharf. In Brühl ind Maringen sind Offizserswachen aufgestellt, die ununterbrochen g und 17 die französischen Transporte überwachen. Sie chten scharf darauf, daß die Transporte nicht von framösischem 11 geleitet werden. Transporte von Gefangenen werden die englische Zone nicht hindurchgelassen. Ebenso ist der Transport geschlossener Regimenter untersagt. Die Franzosen haben die Oberpostdirektson in Koblenz beseht, sich die deutschen Postämter im altbesetzten Gebiet weigern, Palete mit französischen Ausfuhrgenehmigungen anzunehmen Der Eisenbahnver lehr im Bezirk Ludwigshafen ist sehr er⸗ schwert. Die Franzosen gehen dazu über, d'e Strecken zu milltari⸗ sieren. Auf der Strecke Goddelau⸗Ludwigshasen⸗Lauterburg wer⸗ den die Zlige bereits von franzößschem Personal geführt. Der Essenbahnbetrieb der Pfalz wurde vollständig eingestellt. Die pfälzischen Eisenbahner haben sich geweigert, nachdem bie Eisen⸗ bahnen von den Franzosen besetzt worden sind, weiter zu arbeiten. 5 Das sranzösische Kriegsgericht verurteilte heute den Regle⸗ rungsbaurat Hartmann aus Trier zu einem Jahr Gefängnis und 100 00 Mark 4 7 und den Belriebsrat Müller aus Trier zu 10 Monaten Gesängnufs wegen Nichtaus führung gegebener Be⸗ fehle. Die Haltung Millers gegenüber den französischen Gerlichts⸗ rren wird als geradezu glänzend und heldenhaft geschildert. Nach französischen Mitteilungen ist in der voeletzten Nacht in Essen ein deutscher Zivilist im Bereich des besetzten Hauptbahnhof⸗ Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. 42 Doch was war das? Welch' neue Schrecken lauerten auf ihn? Ein blutrotes Licht flammte vom Meeresufer auf, und Durchzuckte mit seinem grellen Schein die tiese Dunkelheit. Im ersten Augenblick packte ihn ein namenloses Eatsetzen, das ihn zu lahmen drohte, doch faßte er sich rasch und kroch vorsichtig dem Lichtschein nach, der wie die Lampe eines Leuchtturmes bald hell aufflammte, bald wieder verschwand. Nach einem harten Kampf, den er mit dem immer heftiger tobenden Sturmwind zu bestehen hatte bot sich ihm, als er an einer Biegung des Fußweges anlangte, ein das Blut erstarren machender Anblick dar. Am äußersten Rande der Klippen stand ein riesiger, mit dicken Stricken befestigter Eisenkäfig, in welchem ein Scheiterhaufen von Eichenblöcken und Ginsterbüschen hell loderte. Er war von sieben bis acht wildaussehenden Männern und drei bis vier alten Weibern umringt. Einige rannten, wie besessen singend und gestikulierend, um den Käfig herum, andere kauerten, in die Flamme stavrend, vor demselben, während ein altes Weib, das man getrost für die Here von Endor hätte halten können, sich über das Feuer bückte und mit ihren langen dürren Fingern allerlei Zeichen darüber machte. Einige Schritte von bieser merkwürdigen Gruppe entfernt, erhob sich ein niedriger Menhir; auf diesen steuerte Rohan zu, verkroch sich in seinem Schatten und beobachtete die weiteren Vor⸗ gange. „Diese Nacht wird Penruach nur wenig Glück bringen!“ bemerkte einer der Männer.„Es ist zu finster, nicht wegen geländes von einem französischen Poflen erschossen worden. Angeb⸗ lich soll der Erschossene auf den Anruf des Postens nicht stehen geblieben sein.. 1 e Vom belgischen Kriegsgericht wurde der 65jäheige Eisenbahn⸗ inspector Pulle aus Tanten zu zwei Monaten Gesüngnis und 5000 Mark Geldstrafe verurteilt. Pulle halte sich geweigert, trotz der Bedrohung von einem belgischen Offizier mit entsicherlem Revolver eine Weiche umzusteslen. Die Vorstandsmitaljeder des Eschweiler Bergwerksvereins, Generaldirektor Dr. Weltermann und die Bergwerksbirektoren Treutler und Albrecht sind am Freitag verhaftet, teils abgesetzt worden. Die Arbeiter und Angestellten haben einen Einspruch an die Rheinlandkommission in Koblenz geschickt. Sie fordersen die sofortlige Aufhebung der widerrechtlichen Naßnohme. Da bis Samstag früh 8 Uhr die Verhaftung nicht aufgehoben war, sind alle Belegschaften in den Streit getreten. 5 5 Reichstagsabgeordneter Pfarrer Korell⸗Rieder⸗Angelheim ist „Vergehen“ gegen die französisch⸗belalsche Sanktions⸗ verorbnung, sondern wegen seiner Eigenschaft als Reichstagsabge⸗ orbneter aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen worden. Wie wir hören, haben die Franzosen alle Postämter im Unter⸗ lahnkreis besetzt, sodaß der Postverkehr nahezu unterbrochen ist. Auf dem hiesigen Bahnhof werden seit einigen Tagen die durch⸗ fahrenden Züge einer gründlichen Revision durch die Franzosen unterzogen. Die Neisenden mußten teilweise sogar ihre Früh⸗ stückskörbe öffnen. Ein dentschnatioualer Held. Das Wohnungsamt in Linden⸗Dahlhausen bei Bochum hatte vor einigen Tagen einem Bewerber eine Wohnung zu⸗ gewiesen. Als dieser einziehen wollte, hatte sich schon ein jüngerer Bewerber eingenistet der nun mit Hilfe der Polizei wieder zur Räumung gezwungen werden sollte. Man traute seinen Augen kaum, als mittlerweile ein französisches Kom- mando erschien, das der Polizei erklärte, der Inhaber brauche die Wohnung nicht zu räumen. Auf nähere Erkundigungen erfuhr man, daß der neue Mieter bei den Franzosen gewesen war und dort angegeben hatte, er solle wegen seiner fran⸗ zosenfreundlichen Gesinnung auf die Straße gesetzt werden. Dieser sonderbare Deutsche ist der Sohn des evangelischen Pfarres Schimmel aus Stiegel und stammt aus gut deutschnationaler Familie. Vor dem Rathaus hielten sche Vera aufgegeben werde ihn selbst gerufen 2 W 1 über er worden waren, der Englä r te gültigen Ränmm etes hätten führen müsen. des Die Engländer h ersamm⸗ f 9 40 0 lung des preußischen Ministerpräsi 9 200 gedeuteten Gründen darauf zu in Berlin hat beim Reichs au macht. An die plötzliche Einberufung des Reichstages ist von versch denen Seiten die Vermutung geknüpft worden, daß die Reichsre ˖ den beabsichtigten Protest gegen die weitere Besetzi N Te sastedllcher Reichstagssitzung die Bezi 0 10 6 zu Frankreich und Belgien abbrechen würde. Wie uns mitgeteilt wi. e ö erung I und Bras 5 Botschaftspersonals abzubrechen. 5 0 7 l ef Politische Uebersicht. N 3 a 5 7 e Unsinnige Demonstrationen. 1 b linksradikale Elemente Bei dieser Gelegenheit belagert und der G In Neumünster veranstalteten (Erwerbslose) eine Demonstration, wurde das Gewerkschaftssekretariat. werkschaftssekretär Genosse Henning bedroht und beschimpft. einzelne Demonstranten auf⸗ reizende Reden und forderten u. a. zum Sturm auf das Saus auf. Aus diesem Anlaß ferner aber um weitere Unfug vorzubeugen, verhaftete die Polizei die Führer d Demonstration, insgesamt 10 Personen. 5 8 7 Die Münchener Zwischenfälle. Zu den Demonstrationen gegen das Gebäude Münchener Post wird nachträglich mitgeteilt, daß 1 Gruppe von Leuten die Tür zur Redaktion eindrückte und „ 8 — 2— — uns Glück bringen!“ Die Fjosche machte die Runde. die daraus. Gerade als die alte Hexe sie zum Munde führen wollte, unterbrach ein markerschütternder Schrei die Stille der Nacht. Männer und Weiber sprangen entsetzt auf:„Seht, seht, ein„oel dn!“ ein„oel du!““(in der Bretagne die Bezeichnung für den Teufel) rief einer der Mär ner zähneklappernd und auf die Spitze des Menhir Am gierigsten tranken Weiber um draußen jelbst unser Feuer sehen zu können.“ „Wie es des heiligen Lok Wille ist,“ krächzte ein altes deutend. Die französische Hoffnung. in den Maschinensaal zu gelangen suchte. Eine Kontoristin 5 5 geiprd wurde dabei mißhandelt. Die 16 festgenommenen Leute it General Degoutte hat in einem Gespräch mit dem Korrespon⸗ Verdachtes des Landesfriedensbruches fest⸗ 16 denten der Evening News in Düsselborf folgende Aeußerung getan: wurden wegen erdac 5 i je übri ü 255 Wir haben die Tür zum Ruhrgebiet in der Hand und wir werden gehalten und ins Gericht eingeliefert. Die übrigen Flücht⸗ fil sie nscht mehr loslassen, bis wir wissen, daß man uns bezahlt. Die linge aus dem Ruhrgebiet wurden auf behördliche An- nä Ereignisse erlauben zu sagen, daß die Großindustriellen bes Ruhr⸗ rdnung wieder ins Ruhrgebiet zurückbefördert und bis 50 gebiets Mittel suchen, zu einer Ordnung dieser Frage zu kommen. ordnung 0 Mi chener Polizei begleitet. D 8 9 Indessen glaubt General Degoutte nicht an einen baldigen oder Frankfurt a. M. von der Min. 0 f f plötzlichen Jae ene des deutschen e 995 70 Auftreten der jungen Männer hat in München zu 3 Ansicht, daß die Beziehungen zum beutschen Volke sich langsam 1 egeben.. l beleen werden, nachdem 15 e N 11 Klagen Anlaß geg 5 dab worden seien. Namentlich die Arbeiter, so sagte Genera egoutte, 5 5 1 geben allmählich ihre Unversöhalichkeit auf.. Der Direktor des Avanti, Serrati, e, 1 8 i 1 i Donnerstag der 0 5 7. Von der Mailänder Polizeibehörde wurde am N ö 80 Einberufung des Reichstags. Olretton des Abant, Serwutl. verhestel, bem lommmmsishe c. 11 Die für Sonnlag angesagte da 1 75 r tationspläne zugeschrieben werden. Die Mailänder Blätter erflären, ih Slisbeulschland ist am Samslag abend nach einer Kabinettsitzung i i wikifüthrern Moskau das N plöglich abgesagt worden. De? Grund sferfür liegt in dem neuen Serrati habe zusammen mit ener sche. N a üm Vormarsch der Franzosen auf weiteres bisher unbesetztes Gebiet[ Manifest vedigiert, das die italienische Arbeite dn a Sie Deutschlands. Dieses neue Unrecht will die Reichsreglerung sofort gegen den Faszismus auffordert. Serrati wurde mit Handeschellen in Abe vor dem deutschen Volt und dem Ausland im Reichstag mit einer das Gefängnis gebracht. Alle Sozialistenführer Mailands, selbst be 0 Proteslerklärung beantioorten. Der Reichstag, dessen Einbe⸗ 5 men Protest die Verhaftung unter. Mir rufung eigentlich für Donnerstag vorgesehen war, ist deshalb noch Gegner Serratis haben einen gegen f il am Samslag abend auf den frühestmöglichen Termin, zum Diens⸗ zeichnet. 1 4 vers Lag, einberufen worden. 1 f e 6 3 fen Inhaltlich soll die Erklärung der Regierung erst festgesetzt wer⸗ 7 den, wenn die für 11 i e 0 192 Die Dollar⸗Schatzanweisungen. 2 1 Parteiführern stattgefunden haben. Hier wird sich auch entschei⸗ Anitlich wird uns mitgeteilt: a 3 0 den, ob der Kanzler über eine allgemeine Protesterklärung hinaus⸗ Die. über die Ausgestaltung der Dollar⸗Schatz⸗ ag geht und ihr eine Erklärung über die außenpolitische Lage anreiht. anweffungsanleihe, zu deren Ausgabe der Reichsminister der 1 Falls eine dergelige Erklärung abgegeben werden sollte, wird in Finanzen am 2. d. Mts. durch Reichsgesetz ermächtigt worden 1 ni ihr vor allem der Verhandlundswille Deutschlands hervorgehoben sind abgeschlossen. Die Anleihe soll vom 12. bis 24. März zur fete werden. Daß in Verhandlungen, die immerhin gewisse Voraus⸗ Zeichnung zum Ausgabekurse von 100 Prog. aufgelegt werden. Die. ber seßungen in sich schließen, von deutscher Sele nicht die Jorderung] Einzahlung kann nicht in Mark, sondern nur in Dollar und wilt auf vorher jäumung gefellt wird, hat der Kanzler erst in anderen hochwertigen Devisen erfolgen. Es werden Stücke, lautend 0 seinem letzten Interview an die Rhein⸗ und Ruhrpresse, wenn auch tber 5, 10, 20, 50 und 100 Dollar ausgegeben, die nach dref Jahren er vorsichtig, zum Nusbruck gebracht. Er speach hier von einer„Ga⸗ zu 120 Proz. ohne jeden Abzug nach Wahl des Reiches in 1 die rantie der Räumung“, die u. E. das Ziel von Verhandlungen sein[auf New⸗Hork oder in Gold zurügezahlt werden. Der Aufschlag bon muß.„ entspricht etwa einer Verzinsung von 6 Proz. Die Dollarschatz, Ou Auch der preußische Minislerprösident cheuosse Olto Braun hat anweisungen werden zum Börsenhandel zugelassen werden; sie sind seine geplante Kölner Reise aus politsschen Gründen aufgegeben. außerbem bei den Darlehnskassen des eiches beleihbar 23 5 Lon ber deuisch⸗natianalen Presse wird hieran die Behauptung ge⸗ unkerscheiden sich dadurch von den Devisen. Die Hingabe der de 1 bie Enipft, daß Braun scheinbar zu den bedrängten Volksgenossen aun Zeichnungsbedingungen entsprechenden Devisen zum ersten Erwerb Ml Rhein nur daun spreche,„wenn die Herren Sozlaldemokraten es dieser Dollar⸗Schatzanweisungen wird von der Depisenumsatzsteuer d0s wünschen“. Diese Verleumdung wird schan dadurch gekennzeichnet,] befreit werden. Die aufkommenden Devisen fließen der Reichsbank ihm daß Braun gerade durch den örtlichen sozfalbemokratischen Parteivor⸗ zu, welche die selbstschuldnerische Bürgschaft für die Schatz stand in Köln zu der geplanten öffentlichen Versammlung als Redner auweisungen übernomen hat. 5 Dun gebeten worben war, es sich also in Wirklichkeit um eine sozialdemo⸗ anmen e W r NN ee N e FF 0b0bPTPTPT0T0T0T0T0T0b0b00000b— ö Weib;„wenn er uns Glück bescheren will, wird das Glück] beiden Armen in der Luft herumfuchtelte und dabei ganz 6 99 nicht ausbleiben.“ unmenschliche Laute hervorstieß. Selbst dem mutigsten 1 en Rohan schauderte. Er wußte nun, mit wem er es zu] Manne wäre bei diesem wirklich gespensterhaften Anblick das 15 tun hatte. Die Leute, die er da sah, waren Fischer aus Herz in die Schuhe gesunken, wie erst diesem abergläubischen— Penruach, welche jedes vorbeikommende Schiff für ihr Eigen⸗ dummen Fischervolk. 1 5 tum hielten und das Recht zu haben glaubten, es nach ihrem„Das ist der heilige Lok!“ rief einer aus der Gruppe. Velieben u plündern. St. Lok, den die Alte beschworen, war]„Nein, es ist der gel du! Der oel du, ich sehe seinen auch einmal ein Schiffbrüchiger gewesen, der, wenn man der Pferdefuß!“ schrie ein anderer. Im nächsten Augenblick floh Sage glauben schenken wollte, in uralter Heit als gläubiger] die gagze Gesellschaft wie besessen davon und verschwand im n Cbräft die Schiffe der Ungläubigen irre führte, um sie zu Dunkel der Nacht. l i 5 dc plün tern. Er wurde für dieses edle Bestreben selig ge⸗ Rohan wartete noch ein Weilchen auf der Spitze des dn sprochen. Unterhalb der Stelle, wo die Fischer von Penruach Menhir, dann sprang er mit wildem Gelächter herunter. 10 den flammenden Köfig aufgestellt hatten, erstreckten sich Sein Plan war gelungen. Als er die saubere Gesellschaft n meilenweit gefährliche Klippen und Riffe unter dem Wasser,] erkannt hatte erschrak er zuerst; dann beschloß er, wenig een die jedem Schiff verhängnisvol werden mußten. An stens beute die des Weges kommenden, pom Sturm ohnehi 10 stüürmischen Nächten, wie der heutigen, trieben die Leute ihr][genug gefährdeten Schiffe zu retten. Mit Lebensgefahr er⸗ 105 schmachvolles Handwerk. klomm er, jede Ritze benutzend. die Spitze des glatte ö „Lok, Lok, guter Lok, schick uns endlich ein Schiff!“] Menhir, Zu seinen Füßen brüllte das Meer, ein fal scher A1 flehte ein anderes altes Weib.„Der heilige Lok scheint Handgriff, und der Sturm blies ihn hinab— aber Rohan 15 heute tanb zu sein,“ fügte sie bitter hinzu. 5 65 keine Furcht, wo es Menschenleben zu retten galt. 10 f 5 0— Er rechne e 2 1 1 lan „Schrei' doch nicht so laut!“ mahnte ein Mann.„Du 8 l mit dem Aberglauben und der Feigheit ien wic 3. 8 N Strandritter und hatte sich nicht verrechnet. könntest mit Deinem Geflenn die Toten erwecken, komm 1 2 5 8. a lieber und frink' eins. Ein Hoch dem heiligen Lok, möge er Auf festem Boden angelangt, befreite er den Eisenkäfig ad 8 0 g von den Stricken und schleuderte ihn in die brausende Flu der 2 — Noch einmal flackerte die Flamme hoch auf und beleuchtete das Wasser, um dann für immer in die Tiefe zu versinken, Es trat nun eine so undurchdringliche Dunkelheit ein, daß Rohan, dessen Augen noch von dem grellen Licht ge blendet waren, zuerst absolut nichts unterscheiden o und sich aus Furcht, in dem Sturmwind einen Fehltritt tun, flach auf dem Boden worf. Nach einiger Zeit ha e sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt, so daß er N 5 — 1 Dort stand kerzengrade eine riesenhafte Gestalt. die mit wagen konnte, sich zu erheben und seinen Weg fortzusetz (Fortsetzung folgt.). S 1 0 kühnen. Diese nämlich in dieser 5 ohne zu bedenken, daß die Phrase: gegen 0 1 1 5. 0 beillosen Blindheit gegenüber f Ernstes wird in dem letzten Wochenrückblick der Begriff des Maulhe f Anzeiger ein sachverständiger Beuxteiler. Wem fällt Augen ein? Tugend⸗Kato der äußersten Linken, 3. B. Vorwärts und Frankfurter Zeitung“, die große deutsche Volksbewegung in ihrer Leidenschaftlichkeit mnd ihrer Widerspiegelung in der a der tieudeutschen zeigers)„etwa als bemerken nur, daß„in dieser Beziehung“ auf die„Leiden ⸗ schaftlichkeit“ der echtnationalen Presse zu gehen scheint. übrigen beweist ja auch hier der chessen Meister gerade deshalb schon seit langem seine samstaglichen Streif züge in das keit bei den die Stichhaltigkeit seiner tiefsinnigen Weisheitssprüche näher zins Auge fassen, nind Frankfurter Zeitung sind„B lätter der äußersten Linken“? Wie tief muß der Anzeiger die politische Bil⸗ dung seiner Leser einschätzen, daß er ihnen solche Behaup⸗ tungen vorzusetzen wagt? Kommunisten Gießens! möchte das alldeutsche Hetzblatt, llich, so doch am Tage der zukünftigen Vergeltung einen frischen, fröhlichen Rachekrieg— die bekannten„anderen“, mämlich das Volk führen lassen! der biedere Anzeiger nach wie vor zur nationalistischen Presse„von der allerübelsten Wirkung“, ist in Wahrheit ein verkapptes“ Blatt(man erinnere sich seiner höchst zwei- ddeutigen oder vielmehr ganz unzweideutigen Haltung im N Kapp⸗Putschf) der äußersten Rechten“ und zwar besonders deshalb, weil es eben gewohnheitsmäßig verkappt vorgeht. Für das Wort des junkerlichen Führers der Deutschnatio⸗ malen, des Grafen Westarp, der als Vorbedingung für Genossen Ulrich folgendes Telegramm: die er kostete, elgen Mansheldentum. Der Gießener Anzeiger bleibt sich treu in der seinemm eigenen Wesen. Allen ö 1 [dentums erörtert. Hierin ist freilich der Wer lacht da? nicht der biblische Spruch vom Balten in eigenen Stirnrunzelnd mißbilligt es nämlich der Schülstraße, daß„einige große Blätter der Presse“(wohlgemerkt: in Presse eben vom Stile des Gießener An- Maulheldentum“ zu bezeichnen sich er⸗ Blätter, so meint der Anzeiger,„melden Beziehung schon ihre weisen Vorbehalte an, Nie wieder Krieg! da— Wirkung ist.“ ein Wortgebräu von der allerübelsten Wir Wir sind unschuldig an diesem dunkeln Orakelstil. Im Generalanzeiger für Ober- daß er ein unübertroffener wieder einmal drastisch, Erwecken doch in„Wort- und Satzgebräuen“ ist. Gebiet der hohen Politik schmunzelnde Heiter⸗ Lesern in Stadt und Land! Freilich, wenn wir wen jammert es da nicht? Also Vorwärts Damit wenn auch nicht augenblick⸗ In diesem Sinn gehört Wir wollen es in dieser Hinsicht wieder einmal festnageln. irgendwelche Verhandlungen mit Frankreich die Räumung sämtlicher deutschen Gebiete festlegen möchte, findet der Gießener Anzeiger nur den milden Tadel der„Voreiligkeit“. Aber wenn die Frankfurter Zeitung die Gefahren eines Bürgerkrieges betont, so heißt das nach dem Anzeiger „freventlich mit solchen Gedanken spielen“. Der Anzeiger werschweigt hier seinen Lesern, die wahrscheinlich zum klein ssten Teile die Frankfurter Zeitung selbst studieren, daß letztere ihre ernste Warnung deswegen aussprach, weil Graf Westarp der Regierung Cuno in jener„voreiligen“ Rede an⸗ gesonnen hatte, ihren Willen, d. h. wohl den der Deutsch⸗ mationalen auch gegen den umfallenden Reichstag durchzu- setzen. Er empfahl also gegebenenfalls den Stagtsstreich, und iber Gießener Anzeiger, sein innerlicher Gesinnungsgenosse, würde zweifelsohne auch der nationalen„Leidenschaftlichkeit der großen deutschen Volksbewegung“(wie er sie auffaßt) die ganze deutsche demokratische Republik, dieses Machwerk won Juden und Sozialdemokraten, ohne viel Bedenken zum Opfer hringen. Kurzum, der Gießener Anzeiger ich reaktionär bis in die Knochen, und seinem Nationalismus, Imperialismus und. Militarismus trägt sein echt kapitalistisches Grundwesen nur das bekannte nationalliberale Amtsfähnchen vor, das ihm von jeher gerade aus Farbe zu bekennen verbietet. Der Reichskanzler an denhessi ichen Staatspräsidenten l Wegen des Vorgehens der Franzosen gegen Darmstadt richtete der Reichskanzler an den hessischen Stadtspräsidenten 5 Erneut bedroht feindlicher Einbruch Darmstadt und weitere Teile des schwer leidenden Hessenlandes. Die Reichs- 0ã ͤ vb — Versicherung entgegenzunel meinden der Gemeinwirtschaft beigetreten. findet unterstützt wird. Wir wiesen kürzlich regierung weiß daß Hessen ungeßeugt für Reich und Rech Ste bittet Sie, Herr Staatspräsident, die hmen, daß das Reich die Schäden Treue um Treue wahren wird. eststehen wird. lach Kräften lindern und Gießen und Umgebung. Ruh hilfe. An das Gewerkschaftskartell Gießen gingen weiter ein: Telegraphenarbeiter des Bauambes Gießen(2. Rate) Mk. 14 180.—— Bü inger Schrolmer Mk. 1000.— Schreiner in Langsdorf(Oberhessen) Ml. 2000.— Arbeiter der Firma Himmelsbach, Midda(2. Rate) Mk, 15 700.— Fabrihnehelter der Zuserfabrik, Friedberg. Mk. 34 000.— Kbeiter ber Firmg Stellwerke Treis a. d. Lumba Mk. 7244.— Stelu, Wilhelm, Klein-Linden%%% Arbelter des Sägewerks Neuhaus b. Homberg(Ohm) Mk. 68 000.— Den Gebern besten Dank. Gewerkschaftskartell Gießen und Umgegend. Gemeinwirtich aft Oberhessen. In der letzten Zeit sind weiter eine ganze Anzahl Ge⸗ Fast allgemein der Gedanke des Werkes verständnisvolle Aufnahme, man erkennt, daß das ein Weg ist, der aus den finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten heraus und zur Ge⸗ sundung führen kann. Und destomehr Erfolg wird die Ge— meinwirtschaft haben, je nachhaltiger sie von den Gemeinden bereits darauf hin, daß denjenigen Gemeinden, die erst nach dem 15. März beitreten, durch den Gesamtausschuß höhere Beitrags- und Zinsver⸗ pflichtungen auferlegt werden können. Es gibt noch Ge⸗ meinden, die dieser Sache nicht die wünschenswerte Beachtung schenken und mit dem Anschluß zögern. Das zeigt z. B. der seid ihr beleidigt; schickt doch einmal der ahnungslosen Redak-] Artikel über die Gemeinderatssitzung in Leihgestern im stion in der Schulstraße eine Rote Fahne zu! heutigen Blatte. Dort wurde unter anderem über Ab⸗ „Nie wieder Krieg!“ ist also dem Anzeiger eine[änderungsanträge zu den Satzungen debattiert. Diese „Phrase“. Ja, das wollen wir ihm glauben. Wie gern Satzungen sind von dem Provinzialtag, der zuständigen Körperschaft ordnungsgemäß beschlossen und es ist daran nichts mehr zu ändern, es sei denn durch den Provinzialtag selber. Es wäre auch eine von vornherein verfahrene Sache, wenn die ungefähr 400 Gemeinden Oberhessens erst die Satzungen beraten und dazu allerlei Anträge stellen wollten. Da könnte ein ganzes Menschenalter vergehen, ehe etwas getan werden könnte und zustande käme. Den Gemeinde- räten kann nur empfohlen werden, der Sache die möglichste Förderung angedeihen zu lassen. —— Gewaltmaßnahmen der Franzosen gegen den Post⸗ und Telegrapheubetrieb. Postamtlich erbalten wir folgende Zuschrift Wie der Oesfenil chkeit schon belannt ist. richten sich die weg. widrigen Eingrifse der Franzosen neuerdings auch auf den trieb der Reichspost⸗ und Telegraphenverwalkung um besetzten Teil des Oberpostdirektionsbezürks Darmstabt. In Mainz ist am 19. Februar der Vorsleher des Postamts 1. Postdirektor Klingel⸗ hösfer, von den Franzosen widerrechtlich verhaftet worden. Aus diesem Anlaß haben die Beam ben, Angestellten und Arbeiter sämt⸗ licher Verkehrsämter in Mainz am 20. Februar von 8 Uhr vor⸗ mitlags bis 1 Uhr nachmitzaas die Acbelt niedergelegt. Als sie zur genannten Saunde den Post⸗ Telegraphen⸗ und Fernsprech⸗ betrieb wieder aufnehmen wollten, waren Post⸗ und Telegraphen⸗ amt von den Franzosen besetzt, die die Wiedereröffnung des Be⸗ triebs vereitelten. Bei den Verhandlungen brachte die Beaniten⸗ schaft ihre Bereitschaft zur Wiederaufnahme der Arbeit unter den bisherigen Voraussetzungen d. h. nach Maßgabe des Mheinland⸗ abkommens, nochmals zum Ausdruck die Franzosen stellten aber wettergehende Forderungen, die der Unterstützung ihres durch Einbruch in das Ruhrgebiet begangenen Rechts⸗ und Vertrags⸗ bruches dienten und die sie zur Bedingung für die Wiederaufnahme des Post⸗, Telegraphen⸗ und Fernsprechverkehrs in Mainz machten. Da die Erfüllung solcher Forderungen von der Beamten⸗, Ange⸗ sbellten⸗ und Arbeiterschast selbstverständlich abgelehnt worden ist, ruht bis zur Stunde in Mainz immer noch jeglicher Post⸗, Tele⸗ graphen⸗ und Fernsprechverkehr und zwar. wie sich heraus ergibt lediglich infolge der Gewaltmaßnahmen der Franzosen. Denn es braucht nach dem Vorhergehenden kaum bekonders hervorgehoben zu werden, daß es sich bei der nur fünfstündigen Betriebsruhe nicht um einen„Streik“ im landläufigen Sinne gehandelt hat. wie es von seiten der Vesatungsmächte in solchen Fällen immer useder darzustellen versucht wird: die Ursache der Arbeitsniederlegung beruht nicht in dem iunaren Dienstverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sondern in dem von außen her erfolgten ge⸗ waltsamen Eingriff der Vesatzung. Diese, nicht die Beamten⸗ und Arbeiterschaft verhindert auch gewaltsam die Wiedereröffnung des Betriebes. Dies zur Aufklärung der Oeffentlichkeit über die tatsächlichen Vorkommusse und ihre Ursachen. Jeder. der dazu beiträgt. die Wahrheit zu verbreiten insbesondere im besetzten Gebiet. erweist —— Staditheater Gießen. Will und Wiebke. Lustspiel in 4 Akten von Fedor von Zobeltitz. Der vergangene Freitag brachte uns im Stadttheater eine Neu⸗ elnstudterung, die in jeder Beziehung vollstes Lob verdient. Der vom Dichter gern gewählte Schauplatz guf adeligen Gütern stellt, was Innen⸗ und Außendekoration betrifft, nicht geringe Anfopderungen an die Aus statuing. Und da geblührt der Junszenterung und Spfel⸗ leitung, für die Karl Vol sck verantwortlich zeichnete, ganz besondere Anerkennung. Guter Geschmack und kreffllche Erfindungskunst wett⸗ eiserten miteinander. Als Darsteller war wohl der größte Teil des Personals tütig; außer ungenannten„Hotelgästen und Lauffungen“ stehen 21 Nainen 0 dem Thraterzettel sodaß man für die 45 Mk., lich etwas geboten bekam. Karl Juhnke(Baron Will) und Cläre Türk(Wiebke, ein Vorname, wie uns erklärt wird) übertragen. einwandfreier Weise— eigne wermitteln; der Künstler aber eigne Kunst der Spra b werkörpern— das ist ein von Künstlern und Kritikern oft nicht Peachteter Unterschied. Darum heißt, diese drei vergleichen, ihre Auf⸗ maben verkennen. Ein Gelehrter, der schlecht vorträgt, bleibt ein Ge⸗ flehrter, ein Schauspieler, der schlecht spricht, aber fein Künstler. Was Lulse Nammel und Karl Juhnke boten, war rünstler⸗ . wie wir sie z. B. an Rose Rubner sschaft in diesem besten Sinne, 1 440 nen. Und Cläre Til r hat noch stets Leben⸗ 3 uit Raclirlichkeit vereint, unterstilttt durch ausgeglichenes und glänzende Sprachtechulk, Es it bedauerlich, daß wir sie it nicht öfter auf der Bühne bewundern durften das Genücht bewahrhesten, daß sie Giezen wersäßt.— dann wäre dies nicht nur ein schmerzlicher, sondern auch ein unver⸗ ständlicher Verlust flir unser Stadttheater, das schlie lich kein Kon⸗ servatorlum zur Ausbildung junger Damen, sondern ein Kunstinstitut darstellt, das verpflichtet ist, sich die besten des Personals als Stamm zu erhalten, nicht zuletzt auch im Interesse des Nachwuchses. Wir hatten Gelegenheit, bei den Moliere-Abenden festzustellen, daß Cläre Türk als Naive Namen von Klang in Deutschland und dem Vaterlande Molieres ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann. Georg Heding überzeugte als vornehmer„Bosho Graf Nehr“, dem es bei aller Philosophte und Herzensgüte nicht gelang,„Wiebke“ zu fesseln, die es vielmehr auch nach ihrer Adoption und Erlangung der„stebenzackigen Krone“ zum Sohne Otto des„Blerb rauers und Kommerzienrates Hübner“ hinzog, die von Hans Frommann (Otto) und Karl Volck(Vater) ebenfalls trefflich verkörpert wur⸗ den, Oskar Feigel als„Justigrat Stiehler, bot gewohnt Gutes, Kitty Franke als„Leontine von Heldmann“ war eine Dame von 7 Eleganz, Richard Hellborn griff als„Diener Hoppen⸗ stedt“ mit tresflichem trockenen Humor in das Gesamtspiel ein. Else Engel(Zofe der Gräfin), Heinz Bechstein(Diener Stiehlers), Karl Holl(Oberkellner), Herbert Kemlein(Etagenkellner), Paul Mehnert(Friseur), Hermann Stichel lerster Hausdiener) waren in kleineren Rollen bestens tätig und ganz oder zum Teil e dn bewegten sich Gisa JTven, Lore Schatte, Liesel Marckewitz, Ehristine Castein sowie Ludwig Linkmann und Karl Holl lobenswert auf der Bühne. n Lustspiele, das an uns eitung war auf ein geist⸗, kultur⸗ etz ung erreicht werden Tann. Abend ern r sich n 20„der letzten ume nicht, Wil und Wieble“ mi Kean Faster K. en- un Gre Türk, die wir bofßeulich nicht werken 9—— dem Voferseub und den filr ihr deutsches Valerland desdenden einen Dienst. K — Leihzestern. Die Gemelndevertretung nahm in ihrer am 1. März stattgefundenen Sitzung erneut zur„ emein- wirtschaft Oberhessen“ Stellung, nachbem die Ange⸗ legenheit schon einmal zur Beratung gestanden hatte und zum Zwecke näherer Informatson zurückgestellt worden war. die Einrichtung eine soziale sein soll, und daß es auf diesem Wege gut möglich set, die Skrophulose und Tuberkulose zu bekämpfen, wie es serner möglich set, den Selbstverwaltungskörpern(Provinz, Kressen und Gemeinden) Darlehen für Wohnungsbau und Be⸗ triebsmittel auf kurze Frist zur Verfligung zu stellen, darüber war man sich klar. Nach der Meinung aller Redner wäre jedoch eine Abänderung der 88 1, 9, 10 und 12 notwendig, ohne diese Voxaus⸗ setzung könne man nicht gut als Mitglied beitreten, was nach 8 3 ber Satzungen doch große Verpflichtungen der Gemeinde und r Gemeinwirtschaft gegensüber ergebe. Es wurden dann folgende Abänderungsanträge zur Annahme der Gemeindevertretung vor⸗ gelegt, die an die Provin zalverwaltung eingereicht werden sollten, aber lelder abgelehnt wurden, wie es überhaupt abgelehnt wurde, der Gemeinwirtschaft beizutreten, Man will abwarten, wie sich die Einrichtung bewährt. Nach 8 1 Ziffer 3 sollen den Selbstver⸗ waltungskörpern der Provinz Darlehen für werbende Anlagen, und soweit noch Mittel vorhanden sind, für Wohnungsbau 8 werden. Da nun die Wohnungsnat nicht nur in der St son⸗ dern auch auf dem Lande und besonders in der Nähe der Stadt ge⸗ legener Landorte in erschreckendem Maße zunimmt es Uebel auch zum lose Teil zu Krankheften, wie die der lose und Tuberkulgse beiträgt, den Selbstverwaltungskörpern je⸗ doch keine Mittel für Neubauten zur Behebung der Wohnungsnot zur Verfligung stehen, wäre uns sehr viel daran gelegen, wenn iiberhaupt Mittel hierfitr bereit gestellt würden. Es wurde de beantragt, in 8 1 Ziffer 3 die Worte„soweit Mittel vorhan⸗ den sind“ zu streichen. Was die Kosten flir die altung der Gemeinwirtschaft anbelangt, so wären sie auf ein Mindestmaß zu Es blürften daher die 8 9, 10 und 12 entsprechend gelindert werden und es wurde vorsseschlagen, dem 8 9 welche sich aus träge, wendet.“ 8 10 Satz 2 miißte folgende Fassung haben:„Die Ver⸗ waltung wird bei der Provinz kostenlos ge 12:„Die Ausschußsitzungen Mitbestim⸗ mungsrecht über alle Ausgaben usw. muß u. E. gesichert sein und was die Entscheidung über Darlehens anträge nach J 1 Ziffer 2 und 3 anbelangt, wurde beantragt, dem§ 10 Absatz 2 folgende Fassung u geben:„Unterausschüsse werden gebildet, welche für die N 8 1 Ziffer 2 und 3 eingehenden Darlehensanträge von Stadt⸗ Landgemeinden, von Kreisen und Provinzen Ents fassen.“ Die Verpflichtungen, die nach 8 3 den Mitgliebern erlegt sind, gehen u. E. zu weit, sie dürften nach unserer Meinung (mindestens solange die vorgeschlagenen Abänderungen ni vor; genommen sind) nach oben begrenzt sein. ließlich wäre in einer von der Provinzialverwaltung einberufenen rsammlung, an der die gesamten Gemeindevertreter des Kreises teilnehmen, Gelegen ⸗ 15 zu geben, sich ausgiebig mit der„Gemeinwirtschaft“ zu be⸗ assen. 0 t. Queckborn. Zu dem Arttlel von hier in Nr. 44 muß noch be ⸗ merkt werden: Der Kirchenvorstand hat die Sammtlung nehmigt. Es wollte nur keine mitgehen, auch die nicht, die gestimmt hatten. Kreis Friedberg⸗Büdingen. Friebberg, 2. März. Jugendliche haben auf dem 1 in 1. und 2. Klassewagen, die dort auf toten Geleisen standen, Polftersitze aufgeschnitten und Roßhaare im hohen Werte entwendet, die sie bei Althändlern abgesetzt haben. Die Diche sind ermittelt. Der Schaden beläuft sich auf über 2 Millionen Mark. Marburg⸗Kirchhain. Dollar ist gefallen——. Der Brolyreis in Mar März ab für Markenbrot 785 Mark(das Gas 780 Mark, eleltr. Dicht 640 T O Der burg beträgt vom 5. dicke Ende kommt Mitte März). Mark. Wassergeld 120 Mark. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Das Gewerkschaftskartell Gießen hatte sich bereits früher mit dem Arbeitslosenproblam beschästigt in der richtigen Erkennenis daß sehr wahrscheinle mit iner größeren Zahl von Arbeitslosen zu rechnen sei. Inz schen hat sich die Zahl der Arbeitslosen vermehrt. die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sind. Mit der Erwerbslosenunterstützung ist den Arbeitslosen nicht gedient. Was not tut ist: Schaffung von Arbeilsgelegenheit, Der Genosse Ottilie nahm dieserhalb mi dem Herrn Bürgermelster Krenzin Rücksprache. der Möglichstes zu tum und Arbeltsgelegenheit zu schaffen. U. mehrere Straßenkörper hergerichtet und das Durchgangslager 0 gebaut werden. In, der vom Gewerkschastskartell am 1. März N Arbestslosenversammlung berichtete Geuosse Ottilte von der mit Herrn Bürgermeister Krenzin gehabten Besprechung. In der Debakte wurde darauf bingewiesen. daß das nicht nur ein Ver- sprechen bleiben folie sondern sofort iu die Tat umgesetzt werden Genossen Blerau. Martin, bei dem Herrn Bürger⸗ ge. Eine Kommission bestehend aus den Ottilie und Wilhelm, wurde bestimmt, meister vorstellig zu werden. Diese Besprechung mit dem Herrn Oberbürgermeister fand am 2. März staft. Der Sprecher der Kommission wies auf den Ernft der Sitsatton hin mit der dringen⸗ den Mahnung Arbeitsgelegenheit zu schaffen Der Derr Ober⸗ bürgermeister versprach dieser Angelegenheit sosort näher zu treten. zumal das Bauamt bereits angewiesen sei. Arbeiten zur Aus⸗ führung zu bringen. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird soll das Bauamt allerhand Schwierigkeiten machen um die Arbeiten aus⸗ führen zu lassen. Es wäre Sache des Herrn Oberbütegermeisters, hier einmal noch den Rechten zu sehen. Deutscher Verkehrsbund, Abtig. Transport- und Handelsgewerbe. o, In der Lohnstreitsache des Arbeitgeberverbandes für Handel und Gewerbe und den vereinigten Fuhrwerksbesitzern in Gießen, hat der Herr Demobilmachungskommissar den Schieds⸗ spruch des Schlichtungsausschusses vom 15. Februar für vechtsver⸗ bindlichkite rklärt. Wir fordern unsere Kollegen auf, ihre Ancpaüiche nunmehr bei den Unternehmern, foweit sie den Lohn noch nicht ge⸗ zahlt haben, geltend zu machen. Marburger Schlichtungsausschuß. Vor kurzem war der Bauunternehmer Ochs aus Densberg durch Schiedsspruch verpflichtet worden, die von ihm beschäftigten Arbeiter in Geismar und Haubern, Kr. Frankenberg, die tariflichen Löhne zu zahlen. Ex behauptete damals, er sei nicht Unternehmer. In einer neuen Verhandlung erklärte der Vor⸗ sitzende der Ausführungskommission in Geismar, daß die Kom⸗ mission als Unternehmer anzusehen set, Ochs erhalte 30 Proz. der Löhne für Stellung der Geräte, Aufsicht usw. Ochs zu, Unternehmer zu sein. Der Schiedsspruch verdi ene— wohl Ochs wie die Ausführungskommission in Geismar an die Ar⸗ beiter, soweit sie Mitglieder des Bauarbeiterverbandes sind, die Notstandslöhne zu zahlen.— Der Unternehmer Junker in Caldern hatte einen Teil seiner Arbefter, davunter den Betriebsobmann ent⸗ lassen, weil sie Bezahlung nach Lohngruppe 3 des Tartfes fur Bauhilfsarbeiter verlangten. Er verpflichtete sich, dieselben bis auf zwei, welche verzichteten, wieder einzustellen, und wurde dur Schiedsspruch verpflichtet, die Arbeiter, soweit sie im Betriebe be- 5 70 tigt sind, nach Lohng e 4 2 bezahlen und soweit sie im beschäftigt sind, nach dem Tarif für Waldarbeiter au be- „Bahlem., Das in and mt Atedenha lin hatte einen Au ießungen Für Haubern gab Festellten getündigt, weil Ve . sollten, jedoch ohne den Obmann zu befragen. Dann wurde gegen 1 den Widerspruch de: Obmanns nochmals gekündigt, weil die 0 Leistungen de. Angestellten nicht genügen sollten. Es wurde dies damit begründe daß bemselb en ein Rechenfehler unterlaufen sei. Der Schiedsspruch erklärte den Cinserech gegen die Kündigung für begründet; im Falle der Angestellte nicht wieder eingestellt werden sollte, hat das Finanzamt ein Zwölftel des Jahresver⸗ dienstes zu zahlen.— Die„ F Erhöhung ihrer Löhne, welche in der Sp 375 Mk. betragen. En in Fran durch den Syndikus der Unternehmer abge⸗ 1 schlossenes Abkommen war von den Marburger Unternehmern nich anerkannt worden, 3 b. 9 ue 150 en hatten. Durch Sspruch wurden die ne für die Beit vom 15. bis 28. Febr. um 100 Proz. und vom 1. März ab 5 nach der Vereinbarung mit dem Syndikus Niecz(in der Spitze 500 Mk.) erhöht. a Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 3. März. Der Niederurseler Milch⸗ krieg. Die Milchkrawalle, die vor einigen Monaten in Nieder⸗ ursel stattfanden, wobei sich verschiedene Bauern gegen die ein⸗ sschreitende Polizei auflehnten und deshalb verhaftet wurden, fin⸗ den demnächst wahrscheinlich vor dem Schwurgericht ihre ver⸗ diente Sühne. Heute fanden vor dem Untersuchungsrichter zahl⸗ reiche Gegenüberstellungen statt. Jedenfalls dürfte die Anklage auf Aufruhr erhoben werden. 3 a. M., 3. März. Spitzbuben⸗ Glück und Pech. Aus einem Geschäft der Kalsersrraße stahl in der Nacht zum Donners⸗ tag ein Einbrecher für 40 Millionen Mark Füllfederhalter, Füllblei⸗ federn und eine große Anzahl goldener Federn zu Fülllfederhaltern. Als Dieb ermittelte man den te eben dieß— 9 1 ö Schiff, der sich abends einschließen l nn er Nach ben 2. den einer Wirtschaft einem Kriminalbeamten, den er aber als solchen nicht kannte, einen Teil der Diebesbeute an. Der Beamte nahm ihn fest. Später wurde dann als Hehler der jährige Kaufmamn Richard Samuel aus Hüls ermittelt und gleichfalls verhaftet. Bis jetzt konnten für etwa 15 Millionen Mark gestohlene Sachen wieder herbeigeschafft werden. Frankfurt a. M., 3. März. Allerlei Millionenein⸗ brüche. Am hellen Nachmittag drangen Diebe in die Wohnung eines Bankbecmten in der Wolfgangstraße eim und stahlen eine große Summe Bargeld, Bettwäsche und Schmucksachen im Werte von etwa e n d der mehr t f Wiener straße fielen i m von mehr als 9 ionen Mark in ide Hände.— Aus einer Fabrik an der Ginnheimer Land⸗ straße wurden Treibriemen für etwa 5 Millionen Mark gestohlen. Die Diebe ermittelte man dadurch, daß man an den zerbrochenen Fenstern Fingerabdrücke entdeckte und an der Hand diesex Abdrücke Lang Einbrecher ermittelte.— Die Diebe sollen sehr lange Gesichter gemacht haben. Frankfurt a. M., 4. März. Blutige Tragödie. Zu schwe⸗ ren Auftritten kam es in der Nacht zum Sonntag in einer Wirtschaft der Gelnhauser Gasse. Eim junger Mann richtete nach kurzem Wort⸗ wechsel auf ein junges Mädchen eine Schußwaffe und verletzte es lebensgefährlich. Dann tötete er sich selbst durch einen Schuß in den Kopf. Anscheinend hat er die Tat aus Eisersucht begangen. Das in der Gelnhäuser Gasse durch einen Schuß schwer verletzte junge 0 st heute früb seinen Verletzungen im Heiliggeisthospital Mädchen ist erlegen. Frankfurt a. M., 4. März. Großer Kakao⸗Diebstahl. Fir 20 Millionen Mark Kakao und Zucker stahl der 24jährige Fuhr⸗ Wilhelm Schneider aus Niederroden seiner hiesigen Firma, Schololadenfabrik und verkaufte die Sachen an den 41jährigen Albert Höfler in der Fahrgasse, der nicht die Unverfroren⸗ den Zucker wieder an die bestohlene Fabrik zurück zu Die übrige Ware hat Höfler zu hohen Preisen in seinem verkauft. Frankfurt a. M., 4. März. Der letzte Geburtstag. An 24. Geburtstage stürzte der Rangierer Peter Heinbach auf 0 Arbeitsstätte so unglücklich mit dem Kopf auf einen spitzen Stein, daß er auf der Stelle verstarb. Frankfurt a. M., 4. März. Die Monatsbilanz der Neriminalpolizei. Die Kriminalpolizet wurde im Monat Februar in 2551 Fällen in Anspruch genommen. Es kamen dabei u. a. in Frage: 1 Mord, 6 Raubanfälle, 78 Hehlereifälle, 436 Diebstähle, 280 Einbrliche, 875 kleinere Eigentums vergehen, 160 Betrugsfälle, 76 Stttlichkeitsvergehen, 398 Wucherfälle, 74 Münzvergehen und 65 Nahrungsmittelsälschungen. An Selbstmorden kamen 11 Fälle zur Anzeige. Festgenommen wurden 696 Personen, darunter 53 fteck⸗ brieflich Gesuchte. Frankfurt. 4. März. Vereitelter Kircheneinbruch. Gerade in dem Augenblick, als zwei Menschen am Samstag früh iin die Peterskirche einsteigen wollten, wurden sie von einer Polizei⸗ streife überrascht und nach kurzer Gegenwehr festgenommen. Groß ⸗Gerau. 3. März. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich in der Nähe der Konservenfabrik„Helvetia“ ereignet. Eine Frau die sich mit ihren Kindern an ein Fuhrwerk mit einem Handwägelchen angehängt hatte mußte mit eigenen Augen zusehen, wie das ene Kind. als die Pferde scheuten, totgetreten wurde, während das zweite lebens gefährliche Verletzungen erlitten hat. Ein Vermißter. Aus Fulda wird berichtet: Ueber den als vermißt gemeldeten Arbeiter Adam Friedrich von hier sind jetzt ziemlich sicher Anhaltspunkte dafitr vorhanden, daß Friedrich an dem Abend seines Verschwindens bei der Wiesenmühle in die mann eimer umte eingestellt werden * Papierwuther und Zeikungspreise. Ununterbrochen steigen die Papierpreise. Am 1. Januar mußten wir bezahlen für ein Kilo Zeitungspapier 560 Mk., am 15. Januar 593 Mk., am 1. Februar 1170 Mk., am 15. Februar 1440 Mk. und vom 1. März an wird eine aber⸗ malige Erhöhung auf 1550 Mk. stattfinden. Wie groß der Wucher der Papierfabriken ist, zeigt der Abschluß der Papierfabrik Sebnitz, die N 375 Prozent Dividende, also das 384 fache des Aktienkapitals, ihren Aktionären in den Schoß schütten kann! Dabei hat sie im Vorjahre ihre Immobilien von 2 Millionen auf 100 000 Mark abschreiben können und verfügt zweifellos noch über große stille Reserven. Ob der Dollar steigt oder fällt, bleibt sich gleich. Die Papierpreise steigen ununterbrochen und die Reichsregierung unternimmt nichts, diesem schamlosen Wucher der Papierfabriken entgegenzuwirken. Da der Papierpreis aller 14 Tage steigt, sind die Zeitungsbesitzer gar nicht imstande, am Monatsersten zu überschauen, wie im Verlaufe des Monats die Produktionskosten sich gestalten werden. Die Arbeiterzeitungen, die sich nicht auf große Einnahmen aus Inseraten stützen können, leiden darunter besonders schwer. Sie müssen, um weiter existieren zu können, wie alle Zeitungen ihre Preise erhöhen, ohne sicher zu sein, damit ihre Herstellungskosten decken zu können. Die bürgerlschen Zeitungen in den kleineren Städten haben ihre Bezugspreise fast alle weit über 3000 Mk. erhöht. Im Reiche werden die Märzbezugspreise betragen: Magde⸗ burgische Zeitung 6000 Mk., Deutsche Tageszeitung 6000 Mark, Kreuzzeitung 6000 Mk., Berliner Lokalanzeiger 6000 Mark, Deutsche Allgemeine Zeitung 6800 Mk., Hamburger Fremdenblatt und Hamburger Nachrichten je 8000 Mark, Frankfurter Zeitung 8000 Mk., Berliner Tageblatt 8000 Mk. Niemals war wohl für das Proletariat die Existenz der sozialdemokratischen Presse nötiger als jetzt. Haltet darum eurem Blatte die Treue und werbt neue Leser. 15 8 90* 2. 2 e 0 4 2 5 0 Ungeeigneter Jugenderzieher. Die Polizei verhaftete die Ur⸗ heber von fortgesetzten Metalldiebstählen bei der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin. An der Spitze der Diebesbande stand der Arbeiter Hans Hannemann, Vorstandsmitglied der kom⸗ munistischen Jugenderzlehung in Henningsdorf, der seit langem bei der ACG. beschästigt war. Er immer früher als die anderen zur Arbeit inn ungestört Metalle, die er tags vorher zursicklegte, über einen Zaun auf ein Privatgrundstück hinüberwerfen zu können. Hier holten es drei Helfershelfer ab. Die vier Mann stahlen in den letzten acht Wochen bereits für vier Millionen Mark Der Millionendiebstahl im Simplonexpreß. Dem Berliner Kriminalkommissar Dr. Riemann und seinen Beamten ist es gelungen, einem im Simplonexpreß ausgeführten Diebstahl in Höhe von 570 Millionen Mark auf die Spur zu kommen und den Dieb in Haft zu nehmen. Strafkammer Gießen. Ein Massenprozeß spielte sich am 20. und 21. Februar gegen 19 Angeklagte aus Als⸗ feld ab, die sich wegen Diebstahls und Hehlerei zu verantworten hatten. Am Samstag erst wurde das Urteil verkündet, das für Einige sehr schwere Strafen brachte. Angeklagt waren wegen Dieb⸗ sbahhls: 1. Heinr. Thomas, Taglöhner, 2. Karl Schuchard, Taglöhner, 3. Heinrich Stiehler, 4. Ernst Bücking, Arbeiter, 5. Friedrich Korell, Arbeiter, 6. Jakob Stein, Maler, 7. Chri⸗ stian Bramm, Arbeiter, 8. Valentin Wenglerz, Taglöhner, 9. Karl Klingel, Kaufmann, 10. Wilhelm Waldeck, Arbeiter, 11. Karl Kaufmann, Taglöhner, 12. Otto Heinr. Phil. Geiß ⸗ ler, 13. Peter Klug, Arbeiter, 14. Johannes Habicht, Gast⸗ wört und Metzger, 15. Wilhelm Bernhard Robert Koch, Müller und Landwirt, 16. Johannes Greb, Gastwirt, 17. Johann Heinrich Merle, Landwirt und Händler, 18. Johannes Merle, Händler, 19. Heinrich Lorenz, Holzarbeiter.— Sämtliche Angeklagte woh⸗ nen in Alsfeld. Bis zu Nr. 13 handelt es sich um junge Leute von etwa 20 Jahren. In den Jahren 1920, 1921 und Anfang 1922 war die Gegend von Alsfeld durch eine Reihe von Einbrüchen unsicher gemacht wor⸗ den. Die eifrigsten Nachforschungen führten nicht zur Entdeckung der Täter. Immer wieder ereigneten sich Einbrüche und Diebstähle End⸗ lich im Sommer 1922 gelang es, Aufklärung in das Dunkel zu bringen und in der letzten Woche zierten obige 19 Angeklagte die Anllagebank der Strafkanunejr in Gießen. Durch eine umfangreiche Beweisaufnahme konnten die Ange⸗ Hagten in fast allen Fällen, in denen Anklage gegen sie erhoben wor⸗ den war, überführt werden. Wegen einer Reihe von Einbrüchen war folgenden Tage sofort v S. e 2 r l 5 a di klagten g und don den leben als warte die uc nen Wen gestohlen und in den racht worden, der sie m ermahlte. 5 st 1920 stahl das Konsortium Stein, Korell, Stiehler Thonꝛas und ram dem Landwirt Johannes Bamberg in Zell bei Alsseld einen jungen Stier aus dem Stalle. Das Tier wurde in das Wäldchen bei Alsfeld gebracht und hier darch einen Schuß von dem Angeklagten Stein getötet und sodanm abgezogen. Nun schein die Bande den Mut verloren zu haben, denn sie ließen das Tier im Walde liegen, wo es nach Wochen von Spaziergängern i; ande aufgefunden wurde. 2525„ 1920 und 1921 stiegen die Angeklagten Sten, „BBramm, Waldeck, Schauherd, gleichen Nacht zu dem 2. Im nicht und holten, indem sie durch ein Loch in der 3 155 5 8.8 9 icht einstiegen, aus ruchtspeicher der„ F. Kirchen . Mad e 5 5 Anzahl Säcke mit Weizen, Saaterbsen. Roggen. Hafer und Kleie gefü 2 5 9 1 geklagten Strafkammer hielt alle, mit Ausnahme des alten Merle, der für überführt. 7. Gelegentlich der Untersuchung der Angelegenheit hat Waldegg den ihn zur Vernehmung ö und sie mit einem Revolver bedroht. Er war aber dereits deswegen schon von dem Amtsgericht in Alsfeld mit 4 Wochen 3 Tagen Ge⸗ fängnis bestraft worden und mußte deshalb heute nach dem Grund N ia aa 5 Wr a Straftat zweimal bestraft we ann, freigesprochen werden. 0 Die Strafkammer sorgte in ihrem Urteil dafür, daß Alsfeld und f sistterenden Beamten Widerstand geleiste 9 Umgegend wieder auf eine Reihe von Jahren von diesem Diebs⸗ gesindel frei wurde und erkannte auf folgende Strafen: 1. gegen Korell auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 5 Jahren; 2. gegen Stiehler auf 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus; 3. gegen Stein auf 2 Jahre 6 Monate Gefängnis; 4. gegen Klingel, der als die finanzielle Seele des Einbruchs bei Kahn anzusehen war. auf eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren; 5. gegen Thomas auf 3 Jahre Zuchthaus; 6. gegen Bücking auf 3 Jahre 6 Mo⸗ nate Gefängnis: 7. gegen Bramm auf 4 Jahre Gefängnis: 8. gegen Schuchardt, der von einem Sachverständigen als ein minderwertiger Mensch hingestellt worden war, auf 1 Jahr 6 Mo⸗ nate Gefängnis: 9. gegen Waldeck eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten: 10. gegen Kaufmann und Wenglarz se 4 aufmann, Korell u. Weng Monate Gefängnis: 11. gegen Geißler 9 Monate Gefängnis 12. gegen Klug 9 Monate Gefängnis. Auch die Hehler erhielten empfindliche Strafen und zwar wurden erkannt: 13. gegen Lorenz auf 1 Monat Gefängnis: 14. gegen Habicht auf eine Gesamtgefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten; 15. gegen Greb auf 5 Monate 2 Wochen Ge⸗ sfängnis; 16. gegen Koch auf ein Jahr 6 Monaten Ge⸗ „ 17. gegen den jungen Merle auf 6 Monate Ge⸗ ängnis. Der alte Merle wurde wie bereits erwähnt freige⸗ sprochen, mangels ausreichendes Beweises. Ebenso erfolgte gegen die Angeklagten Schurchard, Bramm, Riicking, Habicht unt Stein in einzelnen Fällen Freisprechung. Wegen der Gemeingefährlichkeit ihrer Handlungsweise und der dabei bewiesenen niedrigen Gesinnung wurden einer Reihe vor Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt und zwar: Korell auf 10 Jahre. Den Angeklagten Stiehler, Stein, Thomas, Bücking, Bramm. Schuchard, Klingel, Habicht und Koch auf 5 Jahre. Dem An⸗ geklaqten Gre auf die Dauer von 3 Jahren. Außerdem wurde noch der von Stein gebrauchte Revolver ein gezogen. 5 Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Giesen usw. enthält: Ausführung des Gesetzes über Kleinrentnerfürsorge.— Gebshren der Orts⸗ und Polizeidiener sowie der Ausscheller.— Entschädigung der Gemeinden für Aufstellung und Mitteilung der Forensenlisten.— Erwerbslosenfürsorge.— Fleischbeschaugehüh⸗ ren.— Wasserlestungsarbeiten.— Behüten der Wiesen.— Dienst⸗ nachrichten.— Fahren mit Handwagen auf den Bürgersteigen.— Einsendung der Kreisabdeckereiverzeichnisse. Maul⸗ und Klauenseuche. In Angersbach bach) ist die Maul⸗ und Klauenseuche ausgebrochen. markung Angersbach wurde zum Sperrbezirk, die Landenhausen, Lauterbach mit Rudlos und Maar zum * (Kr. Lauter⸗ Die Ge⸗ 1 Gemeinden Beob⸗ 1 Fulda geraten und ertrunken ist. Da seine Leiche nicht gefunden] das Verfahren vorher eingestellt worden, da ein Beweis der Schuld achtungsgebiet erklärt. 1 wurde besteht die Möglichbeit daß diese abgetrieben im nicht erbracht werden konnte. Was alles von den Dieben zusammen⸗ a 5 3 Wurzelwerk von Ufergewächsen stecken geblieben ist. gestohlen wurde, mag aus folgendem hervorgehen. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 22 850 Mk. 2 5 2 der Mehrheit der beteiligten Handwerker wird Refe-] Stadtbezirk ein Handwerk oben bezeichneter Art be Gchürdliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. rendar Kling als Kommissar bestellt. treiben, sich in der Zeit vom 4—12. März ds. Irs. —— Betr.: Errichtung einer Mechaniker ⸗Zwangs⸗ Gießen, den 20. Februar 1923. auf dem Versicherungsamt der Stadt Gießen, Garten;. Innung. Kreisamt Gießen. J. V.: Welcker straße 2, Seitenbau, Zimmer 2 zu erklären, ob sie Zucker⸗Ausgabe Der Haushaltszucker für Februar 1923 wird in der Zeit vom 5—12. März 1923 durch die Klein⸗ handels geschäfte und den Kop sumverein saus gegeben. Auf die Marke entfallen 2 Pfund Haushaltszucker und 1 Pfund Einmachzucker. Preis für gemahlenen und Kristallzucker 760 Mk, für Grießraffinade 780 Ml und für Würfelzucker 800 Mk. für das Pfund. Diese Preife sind Höchstpreise im Sine des Gesetzes. Nicht rechtzeitig abgeholter Zucker verfällt. Vorbestellung für März und April 1923. Die Bestellmarken 4 für März und April sind bis spätestens Diensag, den 12. März 1923 bei dem⸗ enigen Geschäft abzugeben, von welchem der Zucker bezogen werden soll. Die Belieferung zu spät ein⸗ gehender Bestellmarken ist in Frage gestellt. Die Geschäfte haben die Marken zu 100 gebündelt bis zum 13. März ds. Is. restlos mit Bestell⸗ An die Herren Mechaniker für Fahrräder, Motorfahrzeuge, Näh-, Schreib- u. Sprech⸗ maschinen der Stadt u. des Kreises Gießen. In Gemäßheit des Statuts Ihrer Zwangsinnung. wird hiermit eine Mitgliederversammlung auf: Mitiwoch, den 7. März ds. Irs. nachmittags 4 Uhr in den Sitzungssaal des Regierungsgebäudes dah ier, Landgraf Philipp⸗Platz Nr. 3 einberufen. Tagesordnung: Wahl des Vorstandes. Gießen, den 21. Februar 1923. Kreis amt Gießen. Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 2. März 1923. Der Oberbürgermeister: J. V.: Dr. Frey. zur forderung aller Vorstehende Bekanntmachung bringe sch hiermit öffentlichen Kenntnis unter gleichzeitiger Auf⸗ selbständigen Handwerker, id. oder gegen die Errichtung der Zwangsinnung ind. Gießen, den 2. März 1923.. die im! Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Frey. Brillanten, J. V.: Welcker. schein, Zimmer 4, einzureichen. Zucker ⸗ Ausgabe für Anstalten usw. Der Februar⸗Zucker wird in der Zeit vom 5. bis 12. März 1923 durch die Import⸗ und Handelsgesell⸗ schaft Benner, Krumm und Sauer, Bleichstraße 4, an die Bezugsberechtigten ausgegeben. Preis Mk. 700.— für das Pfund. Gießen, den 5. März 1923. Der Oberbürgermeister. (Lebensmittelamt.) Bekanntmachung. Betr.: Die Errichtung einer Maler⸗ und Weiß⸗ binderzwangsinnung für die Stadt und den Kreis Gießen. Von Handwerkern, die dem Maler⸗ und Weiß⸗ bindergewerbe angehören, ist Antrag auf Errichtung einer Zwangzinnung für den Bezirk der Stadt und des Kreises Gießen gestellt worden. Zur i kauft zu den Platin, Perlen, Bestecke, Tafelgeräte, Alte Münzen, Schmuck jeglicher Art, [Brennstifte, Gebisse, lehr. Näbmaseline- auch Handmaschine, wenn auch reparaturbedürftig, 1 zu kaufen gesucht. Schriftl. Off. u. 1340 a. d. Exp. d. Bl. Stadttheater Dienstag, den 6. Märs Meine Frau, das Fräulein Anfang? Ende 9½ Ubr Mittwoch, den 7. Mär Operngastspiel des Hessisch. Landestheaters Donnerstag, 8. März Außer Abonnement Gold, Silber, höchsten Kursen 1300 Ellelstein- Zentrale] Operettenpreise Edelmetall- und Inhaber: R. Ru Filiale Giessen, Schanzenstr. 2, Geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. 2 Gastspiel des Moskauer Balletis Tamara Gamsakurdia, Alexander Demidoff, Wassilij Orloff Am Flügel: Paul Meyer Anfang? Ende n.9 Uhr s, Bad- Kreuznach, Tel. 605. sposti chf