bedaktion: gießen bahrboffraße 23 1 2008. 8 I 8 5 ice Volks kitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nach bargebiete. Ewedition: Gießen Bahuhosstraße 23 Fernsprecher 2008. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Le Wenmenentepreis nut mit den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ Birtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich. 1 1370.— Mek. einschl. Bringerlohn. 7 Zurch die Post 8— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 50.— Mk Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von 10 Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag ffenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die 1 85 mm breit) oder deren Raum lokal 10.— Mt., auswärts 15.— Ml., die Reklamemillimeterzeil⸗ 50.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird 1 en⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr ab — Gießen, Montag, den 5. Februar 1923 18. Jahrgang Nr. 29 f 4 d Lundessteuergesetz gefährdet? 1 Von Oberbürgermeister Beims. 2 deutschen Gemeinden und ein Teil der Länder sind höchster Not. Die rasende Geldentwertung führte bereits . Zahlungsstockungen. Die fälligen Gehaltszahlungen imnten hier und dort aus Geldmangel nicht geleistet wer⸗ N zn. Handwerker und Lieferanten prozessieren gegen die N tädte wegen säumiger Zahlungen. In dem Ordinarium a zr Haushalte sind im laufenden Jahre riesige Defizite eitstanden, für die durch Gemeindesteuern auch dann keine Iunnenswerte Deckung geschaffen werden kann, wenn Ge⸗ wrbesteuern, Lustbarkeitssteuern usw. bis zur Unerträg⸗ lßkeit steigen. Da die Kohlenpreise unerschwinglich hoch fid, legt man wieder— wie im Kriege— die Klassen zu⸗ enmen, ohne Rücksicht auf Kinder und Lehrer. Man 9 wertvolle Sammlungen verkaufen, um momentan ewas Erleichterung zu schaffen. Alles, das, weil die Ein⸗ ngmen weit hinter den Ausgaben zurückbleiben. Das ist, 1 skizziert, die Lage. Der Entwurf zur Abänderung des Landessteuergesetzes den Ländern und Gemeinden dadurch eine Erleichterung t igen, daß die Leistungen des Reiches erhöht und ge⸗ usse Steuerrechte den Ländern und Gemeinden gewähr- 1 12 tet wurden. Die Landesvertretungen wie die der Städte 1 uud Landgemeinden haben betont, daß selbst wenn eine wei⸗ 4 ter Verschlechterung der Mark vermieden werde, der Ent⸗ wf keine ausreichende Deckung der Fehlbeträge in den Hlishalten der Länder, Städte und Gemeinden bringe, 80. also nur eine Linderung der Not bedeute. Hilfe ist abr dringend not, wenn die entscheidend wichtigen Kraft⸗ gulllen, die nun einmal in der heutigen Kommunalwirt⸗ f offt liegen, über die nächsten Monate hinaus erhalten, seiden sollen. 1 Von diesen Gesichtspunkten aus ging die Vertretung nerer Partei im Steuerausschuß des Reichstages an die eit: Der Eckpfeiler der Regierungsvorlage ist die Er⸗ ung der Umsatzsteuer von 2 auf 2½ Proz. An der er⸗ 2 „—* ten Umsatzsteuer sollten die Länder und Gemeinden ker beteiligt werden als bisher. Es ist das die große imahme, die neben den Anteilen an der Einkommen- terer das Fundament für die Finanzierung der Länder, Stidte und Gemeinden bildet. Vom 1. 4. 22 bis 31. 12. 22 hte die Einkommensteuer 146 Milliarden; die Umsatz⸗ aer 56 Milliarden, die Zwangsanleihe in ihrer jetzigen poem nur 3,8 Milliarden Mark. Das Finanzministerium 70 nun, daß aus der Steigerung der Umsatzsteuer die Gel- leer fließen sollen, um die Länder und Gemeinden vor dem 1 zünmmenbruch zu retten. Irgend einen anderen Aus- da hat es nicht genannt, obwohl es wiederholt und ener⸗ it von uns darum ersucht wurde. Die Erhöhung der Imatzsteuer bildete die Basis, auf der der Entwurf stand iind mit der er voraussichtlich auch fallen soll. Die Umsatzsteuer ist eine der ungerechtesten Steuern Deutschland. Wenn sich trotzdem die Vertretungen der zäote, der Gemeinden und der Reichsrat mit ihr ab⸗ fanien, so nur, weil die Not so unmittelbar und so furcht⸗ ber iist. Die objektive Ueberprüfung der Möglichkeiten für „ Heschaffung des Geldbedarfs zeigt dem, der von sozialen fthtspunkten sich leiten läßt, daß auch andere Wege mbar sind. Unzweifelhaft entstehen dem Reich ko⸗ ö 1 X—— 22— * 82 FTTTTGGG cle Verluste durch eine lässige Einziehung der Steuern midurch die schändliche Steuermogelei, die heute in der Jetichen Republik üblich ist. Hier ist zuerst anzusetzen. Auf 85 * zällig werdenden Steuern muß der Beamte und Ar— Vorauszahlungen leisten; warum nicht auch jene, die 5 9 1 einheimsen? Warum wird nicht die kürzeste 4 Ii für Veranlagung und Steuerzahlung der Besitzenden 1 ebne strenge durchgeführt, wie beim Lohnempfänger? . nn der Private im Jahre 1923 die Steuern zahlt, welche 0 2 oder mehr Monaten fällig waren, so verliert die 1 tung ihre Bedeutung, weil inzwischen das Geld sich um 4 E Hundertfache verschlechtert hat. Schnellste Zahlung f 9 allein diesen Mißstand mildern, und darum muß die 2 1 erzahlungstechnik sofort verbessert werden. Das . würde schon riesige Gewinne bringen und das 11 unendefizit des Reiches erheblich mildern. 1 ITnuserbem wäre die Zwangsanleihe im Vergleich zur er⸗ 1 ien Umsatzsteuer ohne jeden Zweifel die gerechtere 5 r. Hier stoßen wir auf den Punkt, der zum Scheitern ntwurfs führen kann, wenn die Regierung nicht ein⸗ en will, was wir immer noch hoffen wollen. Ver Reichsfinanzminister hatte in der ersten Ausschuß⸗ tung erklärt, daß aus dem augenblicklichen Aufkommen (iteuern jeder Art den Gemeinden ein für allemal N E als bisher für Länder und Gemeinden gewährt n könne. Nur durch neue Steuern oder durch Ausge⸗ Die Nuhrkohlen⸗Blockade. Keine Hilfe von England oder Amerika. Einigkeit in der Reichsleitung. Reichskanzler Cuno empfing im Laufe des Freitag ver- schiedene Führer der einzelnen Parteien des Reichstags, mit denen er vor der Vertagung des Parlaments die außen- politische Lage und vor allem den Stand der Dinge im Ruhrgebiet eingehend erörterte. Dabei soll er es, wie der Lokal⸗Anzeiger meldet, als unwahrscheinlich bezeichnet haben, daß England oder Amerika im jetzigen Stadium irgend etwas Entscheidendes tut. Noch einmal sagte der Reichs⸗ kanzler ausdrücklich zu, daß die Regierung alles tun werde, um die Löhne und die Ernährung der Arbeiter sicherzu⸗ stellen. Umlaufende Gerüchte über Unstimmigkeiten im Kabinett und über Uneinigkeit, die über die weitere Haltung der Regierung bestehen soll, trat der Reichskanzler dabei mit aller Bestimmheit entgegen. In allen wesentlichen Fragen bestehe volle Einigkeit. Die Einigkeit der Cuno-Becker⸗Männer allein tuts nicht. Taten will das Volk sehen. Taten insbesondere gegen die Steuerscheu der Industriellen und Kapitalisten. Wie steht es damit? Der Abwehrwillen der breiten Schichten des deutschen Volkes gegen den französischen Kapitalismus wird nur dann von Bestand sein, wenn Regierungtaten be⸗ weisen, daß die Früchte dieses Abwehrkampfes nicht wieder ausschließlich dem deutschen Kapitalismus, sondern in Wahr⸗ heit dem deutschen Volke zugute kommen werden. Das Notgesetz. Der Reichsrat beschäftigte sich am Freitag mit dem aus Anlaß der Ruhrbesetzung eingebrachten Notgesetz, das aus 7 Paragraphen besteht. Artikel 1 nimmt einige Bestimmungen aus dem Entwurf eines Schankstättengesetzes vorweg. Artikel 2 ermächtigt die obersten Landesbehörden in Zeiten einer außerordentlichen politischen oder wirtschaftlichen Not und Gefahr, Vorschriften über die Einschränkung von Vergnügen und Lustbarkeiten zu erlassen. Artikel 3 will Schieber und Wucherer mehr als bisher in der Oeffentlichkeit an den Pranger stellen. Artikel 4 überträgt dem Reichspräsidenten die Befugnis, in besonderen kritischen Zeiten den Paßzwang einzuführen, ebenso den Sichtvermerk⸗Zwang. Die Befolgung des Sichtvermerkes soll unter anderem auch dadurch gesichert werden, daß Zuwiderhan⸗ delnde nicht nur aus einem Einzelstaat sondern aus dem ganzen Reiche ausgewiesen werden können. Artikel 5 bezweckt den aus den besetzten Rheinischen Gebieten und besonders aus dem Ruhrgebiet vertriebenen deutschen Reichs⸗ angehörigen und ihren Familien ein Vorzugsrecht vor allen an⸗ deren Wohnungssuchenden einzuräumen. Artikel 6 überträgt mit gewissen Einschränkungen diesenige Gesetzgebung, die erforderlich ist, um den Folgen des Ruhrein⸗ falles unter der Bevölkerung vorzubeugen, der Reichsregierung. Es wurde beschlossen, daß die Reichsregierung die ihr hier ge⸗ gebenen Befugnisse nur mit Zustimmung des Reichsrates ausüben solle. Außerdem sind die Verordnungen der Regierung dem Reichs⸗ tag unverzüglich zur Kenntnis zu bringen und auf sein Verlangen außer Kraft zu setzen. Das Gesetz wurde einstimmig angenommen. Der Reichstag wird hoffentlich noch ein Wort dazu sprechen. Es ist unvollkommen und ungenügend. Denn der wichtigste Paragraph fehlt: der gegen die Steuerscheu. .. Die Kohlensperre durchgeführt. Die Sperre um das Ruhrgebiet scheint jetzt völlig durch⸗ geführt zu sein. Auch das Loch im Norden, durch das noch gestern einige Züge gebracht werden konnten, ist geschloss en. Die Rheinschiffahrt liegt vollkommen still. General Degoutte hat über den Bahnverkehr nach dem unbesetzten Deutschland einen vom 1. Februar ab geltenden Befehl erlassen, nach dem Personen- und Güterzüge, die weder Kohlen noch Koks enthalten, wie früher verkehren dürfen. Güterzüge, die auch nur einen einzigen Wagen mit Kohle oder Koks oder nur einen leeren Selbstentlader ent⸗ hielten, werden beim Uebergang ins unbesetzte Gebiet ab⸗ genommen und ins Ruhrgebiet zurückbefördert. Diese Züge werden am Eingange der mit Kohlen⸗Posten versehenen Bahnhöfen durch Kontrolle auf Nebengleise gebracht. Ein zweiter Befehl sagt ergänzend, daß die im ersten Befehl genannten Züge und die ausrangierten Wagen zur Ver⸗ fügung des Generals zu halten sind. Die Eisenbahner sollen nicht nachgeben. Der Reichsverkehrsminister hat an die in Frage kommenden Eisenbahnpräsidenten folgende Telegramm gerichtet: Bei allen Handlungen und Maßnahmen sind die von mir gegebenen Richt⸗ linien vom 29. Januar unter keinen Umständen in irgend einer Beziehung abzuschwächen. Berufung auf das Rheinlandabkom⸗ men ist unter Hinweis darauf entgegenzutreten, daß die jetzt ver⸗ langten Leistungen im ursächlichen Zusammenhang stehen mit dem rechtswidrigen Einbruch ins Ruhrgebiet. Das gilt auch von der verlangten Anleitung fremden Personals. Eine solche darf mit unserem Willen oder gar mit unserer Hilfe in keinem Falle er⸗ folgen. Die Herren Präsidenten wollen sich stets vor Auger halten, daß ihr persönliches Verhalten und die von ihnen aus⸗ ehenden Anordnungen den Gradmesser abgeben für den ge⸗ chlossenen zunerschütterlichen Widerstand der Eisenbahner gegen den unerhörten Rechtsbruch der Franzosen. Der Reichsver⸗ kehrsminister. gez. Gröner. Wiederaufnahme des Zugverkehrs im Düsseldorfer Bezirk? Der Sonderberichterstatter der Times in Düsseldorf er⸗ fährt aus offizieller Quelle, daß ein Uebereinkommen zwischen den Militärbehörden und der Eisenbahndirektion dahin getroffen wurde, daß der normale Zugverkehr von heute ab wieder funktionieren soll. Die französischen Be⸗ hörden solle nach dem gleichen Blatte zugesichert haben, daß sie die Truppen auf den sämtlichen Bahnhöfen des besetzten Gebiets zurückziehen und die Eisenbahnen nicht mehr mit französischem Personal bedient werden. Ihrerseits sollen sich die Deutschen verpflichtet haben, den normalen Bahnverkehr wieder aufzunehmen. Andererseits wird aus Essen gemeldet: Die Verkehrs⸗ lage hat im wesentlichen keine Aenderung erfahren. Doch sind die Franzosen rücksichtsloser geworden. Sie wollen Signale wissen. Die Beamten weigern sich. Das Tele⸗ graphenamt Essen arbeitet wieder. Störungen sind vor⸗ läufig nicht zu vermeiden. Abgewiesen. Nachdem die erst unter Anwendung von militärischen Zwangsmaßnahmen vorgenommenen französischen Versuche, Kohlen und Koks aus dem Ruhrgebiet zu erpressen, voll⸗ ständig gescheitert sind, treten die Franzosen jetzt abermals an die staatlichen Zechen heran, um die Lieferungen nach staltung der jetzigen könne die Besserung erfolgen. Ich habe ihn sofort auf die parlamentarische Konsequenz hingewiesen und gefragt, was er tun werde, wenn sich im Reichstage eine Mehrheit für die Erhöhung der Umsatzsteuer nicht fände. Ob in diesem Falle der Zusammenbruch der Kom— munalwirtschaft einfach hingenommen werden solle? Herr Hermes ist die Antwort bis jetzt schuldig geblieben. Was die sozialdemokratischen Ausschußmitglieder aussahen, trat am Donnerstag ein. Wir hatten gefordert, daß die Fraktionen des Reichstages sich endlich erklären sollten, ob sie der Erhöhung der Umsatzsteuer zustimmen würden. Das Zentrum erklärte„nein“, weil— die Sozial⸗ demokraten auch nein sagen würden. Aehnlich erklärte sich die Bayerische Volkspartei. Nunmehr ließ der Reichs⸗ finanzminister erklären, daß für ihn eine neue Lage ent⸗ standen sei und eine Weiterberatung daher keinen Zweck habe. Das Kabinett werde schnellstens Stellung nehmen. Wann das geschehen, könne jedoch nicht gesagt werden. Die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses haben dem Reichsfinanzminister ausreichende positive Vor— schläge früh genug unterbreitet. Er, seine Vertreter und die bürgerlichen Parteien haben sie ignoriert. Man hat sich auf Biegen oder Brechen eingestellt in der Hoffnung, daß die Sozialdemokraten schon nachgeben werden und auf eine vor- ee ausreichende Abgabe vom Goldwert des Besitzes verzichten. Wer hätte den Mut, in dieser Zeit, in der die Lebensmittel⸗ preise Hundertausende in Deutschland zum Verhungern zwingen könen, weiterhin Kartoffeln und Brot zu ver⸗ teuern? 5 Für die Sozialdemokratie ist die Steuererhöhung auf Nahrungs- und Lebensmittel unannehmbar, solange man den goldwertigen Besitz schont. Man wird uns entgegen- halten, daß bei der rasenden Preissteigerung das halbe brozent Umsatzsteuer nicht entscheidend sei. Ganz recht. Aber warum soll der, dessen Besitz in Goldwerten besteht, freibleiben, während jeder Konsument zahlen muß? Jeder sollte nach seinem Können an der Aufbringung der Lasten, die ein furchtbares Schicksal uns aufzwingt, teilnehmen. Wie ist es aber heute? Aus tausend Hintertüren ent⸗ schlüpft dem Finanzminister der vermögende Steuerzahler. Der unvermögende dagegen muß zahlen von allem, was er verdient und was er verbraucht. Wann zeigen die bürgerlichen Parteien endlich, daß der Reichtum opfert, damit die Länder und Gemeinden leben können. Erst wenn hier Tatsachen das Reden er- setzen, kann von einer Mehrbelastung des Konsums ge— sprochen werden. Frankreich wieder aufzunehmen. Von der Verwendung don Militär wurde diesmal Abstand genommen. Nachdem in Vertretung der staatlichen Bergwerke Oberbergrat Sarter mündlich und schriftlich die Verladung von Kohlen und Koks an Frankreich und Belgien abgelehnt hat, versuchten die französischen Zivilkommissare unmittelbar mit den ein⸗ zelnen Zechen Fühlung zu nehmen. Auf dem Möller⸗ Schacht, wo eine derartige Kommission bis auf den Zechen⸗ platz gekommen war, wurde sie von der Feuerwehr aus den Zechenaulagen entfernt. Auf den anderen staatlichen Zechen, so auf Zweckel und Scholven, wurde den Kommissionen der Zutritt zu den Zechenplätzen gleich am Eingang verweigert. Netriebsräte gegen Geueral Degoutte. Die Betriebs⸗ und Angestelltenräte der vier Schachtanlagen Prosper I, II und III und Axenberg⸗Fortsetzung haben gegen die Verordnung des Generals Degoutte folgende Entschließung ge⸗ faßt: Die Vetriebs⸗ und Augestelltenvertretungen sämtlicher vier Schachtanlagen der Rheinischen Stahlwerke Abteilung Arenberg erheben hierdurch im Namen der dort beschäftigten rund 16 000 Arbeiter und Angestellten schärfsten Widerspruch gegen die neuer⸗ dings seitens der Vesatzungsbehörde erlassenen Anordnungen. Sie wehren sich auf das entschiedenste dagegen, daß es arbeits⸗ friedlichen Männern und ihren Angehörigen nicht einmal gestattet sein soll, zu jeder Zeit und Stunde, wie es ihnen gerade mit der Zeit am besten auskommt, die Straße zu betreten, daß sie, um ihrer Arbeit nachgehen zu können, sich landessvemden und mit den hiesigen wirtschaftlichen Verhältnissen absolut nicht vertrauten, init Waffengewalt widerrechtlich in unser Arbeitsgebtet einge⸗ rungenen Menschen gegenüber tagtäglich auf der Straße aus⸗ wweisen sollen. Ste sind freie Arbeitnehner und als solche wollen sie zu jeder Zeit frei und ungehindert ihres Weges gehen. Der Oberpräsident der Rheinprovinz gewaltsam verschleppt. Am Freitag abend ist der Oberpräsideunt der Rhein- ropinz, Dr. Fuchs, der zur Zentrumspartei gehört und elbst Rheinländer ist, unter dem Vorwand einer Unter⸗ redung, zum Vorsitzenden der Rheinlandkommission Tirard en, dabei aber festgenommen und in einem französi⸗ chen Auto in der Richtung nach Frankfurt a. M. zu fort⸗ geschafft worden. Flugzeugpropaganda. 0 Der Generalstab der Besatzungsarmee hat angeordnet, Nug⸗ euggeschwader über das unbesetzte Deutschland zu entsenden und lugblätter gegen die deutsche Regierung And die deutschen Unter⸗ nehmer abwerfen zu lassen.— Gang wie einst im Kriege. Die Reparationskohlenlieferungen in den ersten Tagen des Monats Januar. Nach einer Aufstellung der Humanité hat das Repa⸗ tionskohlenamt in den ersten Tagen des Monats Januar von Deutschland täglich durchschnistlich 12 655 Tonnen len bekommen. Vom 13.—15. Januar ist das Mittel auf 5700 Tonnen gefallen. Vom 16. Januar ab kamen nur noch 4600 Tonnen, am 17. Januar 4000 Tonnen und am 8. Januar 600 Tonnen Kohlen an. Vom 19. Januar ab 15 keine Reparationskohlen mehr aus dem Ruhrgebiet. Die„Erfolge“ der Kohlenblockade. Die Deutsche Allgemeine Zeitung erhält aus Essen die Nachricht, daß nach zuverlässigen Meldungen folgende lolhringischen Hochöfen ausheblasen sind: in Kneutingen von 9 Hochöfen 6. in Rombach von 10 ösen 8, in Hagendingen von 6 Hochöfen 4, in Longwy von 4 sen 2, also 20 von insgesommt 20 Hochösen.— Der Pfeil lrifft manchmal eben den Schlitzen selbst! Politische Uebersicht. Die Lausanner Hexenküche. Feste Haltung der Türken. Türkischerseits wird die am Freitag morgen von eng⸗ lischer Seite verbreitete Nachricht dementiert, Is med Pascha sei autorisiert, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Die Türken geben ferner zu, es sei gar kein Grund vorhanden, sich optimistischer zu zeigen als in den vergangenen Tagen. Die Russen werden Lausanne nicht vor Montag per⸗ lassen. Tschitscherin habe gewünscht, solange dort zu bleiben, um bei allen Eventualitäten noch eingreifen zu können. Lord Curzon hatte bekanntlich ursprünglich die Absicht, am Samstag von Lausanne nach London zu reisen, um dort rechtzeitg zur Parlamentseröffnung zur Stelle zu sein. Es ist indessen damit zu rechnen, daß er wenigstens bis Sonn⸗ tag in Lausanne bleiben wird, um bei der Unterzeichnung des Friedensvertrages selbst zugegen zu sein. Die Unter⸗ zeichnung soll in einer öffentlichen möglichst feierlichen Sitzung stattfinden. Sollten die Türken sich bis Sonntag nicht entschieden haben, so wird Curzon noch am Sonntag endgültig abreisen. Londoner Albdrücken. Wie der Temps aus London meldet, ist dort die Erregung wegen das befürchteten Abbruchs der Konferenz größer gewesen, als man geahnt hätte. Unter mehreren anderen Zeitungen erhebt der Dally Herold heftige Vorwürfe gegen Lord Curzon und verlangt, daß man ihm Zügel anlege. Eine gefährliche Krise, so schreibt das Blatt, ist nur dank der französischen und italienischen Delegation verhindert. Weiter wird daran erinnert, daß schon im Oktober vorigen res eine ähnliche Situation geschaffen wax. Uebrigens habe Pofnearé am Mittwoch abend in Paris der englischen Regierung eine ausfsihr⸗ liche Note zur Klärung der Sachlage durch Vermittlung des englischen Bolschafters in Paris überreichen lassen. In dieser Note rechtfertigt Poincaré seine Haltung und fügt mehrere juristische Gründe an, aus denen hervorgeht, daß die Unterzeichnung eines Sondervertrages zwi⸗ schen der türkischen und der französischen Regierung infolge des Scheiterns der Verhandlungen von Lausaume keineswegs unvereinbar sei mit dem Abkommen vom September 1914, wonach die Alliierten sich verpflichtet hätten, keinen Sonderfrieden mit einer oder mehreren der kriegführenden Mächte abzuschließen. 8 Aegypten gegen England. Der Vertreter der Demokratisch⸗ägyptischen Volkspartei in ausanne, Fanus Bei hat an den Völkerbund einen Appell gegen die englische Regierung in seinem Lande gerichtet. Er beruft sich auf Artikel 2 des Völkerbundpaktes und drückt die Hoffnung aus, daß der Appell Aegyptens günstig Fufgenommen wird und zwar ebenso, wie es mit dem englischen zur Mossulfrage geschehen ist. 9 Die Vergewaltigung des Memellandes. Litauen beschließt die Annerion? Das litauische Parlament hat nach einer polnischen Meldung aus Kowno gegen die Stimmen der Kommunisten die Angliederung des Memelgebiets an Litauen beschlossen. Neue litauische Rüstungen. Wie von unterrichteter Seite aus Riga mitgeteilt wird, organisieren die Litauer eine neue Aushebung in Wilna mit der Absicht, den Staatsstreich gegen Memel zu wiederholen. Es werde augenblicklich ein großer Teil der litauischen Armee in der Gegend von Dwinsk-Grodno zusammen⸗ gezogen. b Ein Ultimatum der Botschafterkonserenz Die Botschafterkonferenz beschloß, der litauischen Regierung in Kowno ein Ultimatum zuzusenden. Es wird ihr ein Zeitraum von sieben Tagen gegeben werden, um das Memelgebiet von den litauischen Insurgenten zu räumen, die Regierung und das Wohl⸗ fahrtsamt auf 2 N zulösen und der interalliierten außerordentlichen erwaltung im Memelge I 2 zwischen Memel und Litauen als beseitigt erklärt. Das Ze serner alle Offiziere, Inge dem Memelgebiet stammen um Auslande leben, eingeladen, zurückzukehren und sich dem 9 komitee anzuschließen. Militärische Rüstungen würden U Den Alliierten soll bewaffneter Widerstand geleistet werden. Militärische Rüstungen Nußlauds)— Wie die Daily e herrscht in ganz ind e fieberhafte militärssche Tätigkeit. An 6 — Truppenansammlungen Za Budgetschwierigkeiten in Frankreich. Die Finanzkommission des französischen Senats einstimmig beschlossen, das Budget für 1923 nicht r prüfen, als bis die Kammer den Etat ins Gleichgew 21. bracht hat. Dieser Beschluß wird der aper ö unterbreitet werden. Er bedeutet. daß das Budget bet nicht bis zum 1. März d. J. erledigt und verabschiedet den kann und daß die Regierung also weiterhin zu Hilfsmittel der Bewilligung von Etatsraten Zuflucht nehmen müssen. 38 Blutige Kämpfe in Albanien. 5 Aus Albanien werden neue blutige Kämpfe gemeldet. Vitzang entspann sich eine Schlacht zwischen den Aufständischen un der Regierung von Tirana, die mit einem Siege der 0 endete. ö 5 8 9 Wirth nicht in Bereitschaft. Gegenüber Gerüchten, daß Dr. Wirth in ab Zeit mit der Neubildung der Reichsregierung erneut traut werde, wird uns von gut unterrichteter Seite erk daß Dr. Wirth nicht entfernt hieran denke, daß er vieln alle Vorbereitungen treffe, um einer Einladung zu Vortragsreise in den Vereinigten Staaten Folge zu 5 Die Zwischen fälle in Königsberg. Die franzosenfeindlichen Kundgebungen wurden Do abend fortgesetzt. Ebenso wie im französischen wurden polnischen Konsulat die Fensterscheihen eingeschlagen, der Nacht erfolgten Räumung der. da würden etwa, galt der 17 Um 1 Uhr nachts war die völlig hergestellt. Deutscher Reichstag. Berlin, 2. Je —— a S N den Grenzen e — e — I ˙ a ˙ ö 1 N.—— Auf der Tagesordnung steht 5 der Haushaltsplan des Reichsprösidenten und des Reiche verbunden damit wird der sezialdemokratische Antrag auf Außzerkraftsetzung der bayerischen Aus nahmeverordnn Bayerischer Gesandter von Preger gibt im Namen bayerischen l folgende Erklärung ab: Von vorn. habe die bayerische Regierung den Ausnahmezustand als ganz vorübergehende Maßnahme betrachtet, die sofort wieder gehoben werden würde, sobald die durch den na le Parteitag heraufbeschworene Gefahr für die össent iche Sich und Ordnung beseitigt sei. Da dies nun der Fall zu sein sei die bayerische Regterung entschlossen, den Aus nahm in den allernächsten Tagen wieder aufzuheben.(Beifa Darauf erklärte Abg. Müller⸗Fraltion(Soz.), Fraktion nun kein Intexesse an einer Debatte über den — ß ß———— Der Deserteur. Noman von Robert Buchanan. Dieser beachtete die Mahnung nicht, sondern fuhr mit erhobener Stimme fort:„Als er letzthin durch die Straßen von Paris ritt, flehte das Voll ihn um den Frieden an, Frieden um jeden Preis. Man hätte ebenso gut jenen Mate Stein anflehen können. Er blieb schweigsam wie armor und hörte das Flehen des Volkes nicht. Das Volk ist erschöpft und verlangt Ruhe, mein Vater!“ „Das ist wahr!“ mischte sich plötzlich Rohan in das Ge— spräch, dem er bisher aufmerksam gelauscht hatte. „Meister Arfoll hat Dich in vielen Dingen denken ge⸗ lehrt, wie er denkt; Meister Arfoll ist ein guter Mensch, ob er nun recht hat oder nicht. Hüte Dich jedoch, mein Sohn, hier in Kromlaix Deinen Gedonken freien Ausdruck zu geben! Was Meister Arfoll kühn behaupten darf, könnte Dich die Freiheit, vielleicht das Leben kosten,“ warnte der gutmütige Pfarrer. Er brauchte Rohan nicht erst zu ertlären, daß die Mehrheit der Leute im Dorfe Arfoll für nicht ganz richtig im Oberstübchen hielten, er daher unbehelligt Dinge sagen durfte, die man von jemand anderem nicht ruhig hinnehmen 15 würde. Sogar eingefleischte Bonapartisten hörten seine Reden ruhig an. sagte Rohan, „Ich will daran denken, Vater Rolland“, Dieser junge mit den mächtigen Schultern zuckend. Riese kannte keine Furcht. „Und das erschöpfte, ausgesaugte Volk bedarf auch der Ruhe.“ fuhr der Schullehrer unbeirrt fort.„Der Reichtum und Stolz unseres Frankreich wird im Kanonenrauch davon⸗ geblasen. Die Geldopfer würden nichts machen, wenn uns nur kräftige Arme blieben, um sie zu ersetzen. Aber wo sind diese kräftigen Armee Die Konstription hat sie mit ihrem blutigen Messer abgeschnitten und uns nur den nutzlosen Stumpf zurückgelassen.“ „Sie übertreiben, Meister Arfoll,“ unterbrach ihn der Priester lächelnd.„Da sehen Sie sich einmal unseren Der Schullehrer betrachtete Rohan mit wehmsitigem Blick und sagte dann mit noch zitternderer Stimme als bis⸗ her:„Das Ungeheuer„Konskription“ schreit nach noch mehr Menschenfleisch. Ganze Strecken unseres sonst blühenden Landes liegen brach, denn die Männer, die ackern und säen sollten, liegen tot unter den Aehren fremder Länder oder auf tiefem Meeresgrund oder in den Schneestepyen Ruß⸗ lands. Ich sage Ihnen, Frankreich nährt eine Schlange an seinem Busen, die seine Kinder eines nach dem anderen ge— bissen hat und noch beißt. O, wie kaub müßt ihr Leute hier in Kromlaix sein, wenn Ihr das Wehgeschrei der neuen Rachel um ihre Kinder nicht hört..“„Pst!“ mahnte der Pfarrer plötzlich. Arfoll hielt in seinem Gleichnis inne. „Wer ist diese neue Rachel, wenn man fragen darf?“ ließ sich eine klare, scharfe Stimme vernehmen. Korporal Derval, Marcelles Onkel, saß vor seiner Haustür in der Hauptstraße des Dorfes und sonnte sich. Eine riesige Hornbrille thronte auf seiner Kupfernase, denn er las gerade seine Zeitung. Er trug halb Bauern-, halb Soldatenkleidung. Eine lose Korporalsbluse, dazu kurze, bis zum Knie reichende Beinkleider, auf dem gesunden Bein einen grellroten hohen Strumpf und abgetragenen Pantoffel; statt des anderen Beines hatte er einen kurzen Stelzfuß. „Guten Morgen, Onkel Ewen!“ rief der Pfarrer freund— lich. Auch Rohan begrüßte seinen Oheim herzlich und wollte ihn in ein Gespräch verknüpfen, um seine Aufmerk⸗ samkeit von dem Schullehrer abzulenken. Aber der Held so vieler ruhmreicher Schlachten war nicht so leicht aus dem Felde zu schlagen. Er begrüßte Arfoll, schüttelte ihm kräftig die Hand und wiederholte seine Frage:„Was ist's mit der neuen Rachel?“ „Ich sprach natürlich bildlich“ entgegnete Arfoll, der seine Ueberzeugung niemals verleugnete,„und meinte da⸗ mit das Frankreich unserer Tage. Eine neue Konskription soll ausgeschrieben sein, und mir deucht, das beste Blut unseres Landes sei bereits ausgesogen. Ich habe es mit Beine auseinander gespreizt, die rechte Hand a auf e Rlicken gelegt, Daumen und Zeigefinger der Linken der senkten sich in die Westentasche, um von dort ein Pr zu holen, das er heftig mit seinen schwellenden, roten Na flügeln aufsog. Trotz seines Stelzfußes mußte jedem soß eine komische Aehnlichkeit mit Napoleon in Haltung Pose auffallen, auf die der tapfere Korperal nicht w stolz war und die er bei allen feierlichen Veranlasf 8 annahm. 7 Der Alte gehörte trotz mancher guten Eigenschaften zu den unbeliebtesten und bestgefürchteten Personen von lair. Das Dörfchen lag weitab vom Wege des poli Getriebes, und obgleich es einst, wie die ganze Bretagne vom legitimistischen Fieber erfaßt worden war. hatte ma jene Zeit fast vollständig vergessen und heute beteten al ehrlichen Leute inbrünstig um den Frieden. Sie verfluchte innerlich die Konskription und— Bonaparte, der sie aus schrieb. Da es aber doch auch viele fanatische Bonapark im Orte gab, war es nicht geheuer, offen zu revoltieren man hütete seine Zunge und sehnte sich nur innerlich den Tagen des alten Regimes, vermied es aber, mit Korperal über politische Dinge zu sprechen. 3 „Das ist alles!“ wiederholte dieser, seuerrot im Gesich Die dunklen Augen sprühten Zornesblitze, die Nase fl bebten.„Ihre Gründe für diese Behauptung, Heiß a Arfoll!“ schnaubte er dann. 1 „Die müssen Sie doch mit Ihren eigenen Augen wa nehmen, mein lieber Korporal“, entgegnete der Schu ruhig.„Frauen und Greise bestellen unsere Felder, Blülte unsere Jugend dient als Kanonenfutter, und da es doch auf der Hand, daß Frankreich zugrunde gehen Noch während er sprach, traten vier Jünglinge, der Blüte ihrer Kraft, aus dem Hause heraus. Rohan ihnen lächelnd zu. Der Korperal stand wie versteinerk denn was der Schulmeister gesagt, erschien ihm wie Verlästerung seines Idols. Ein Fluch entrang sich fe zitternden Lippen. Der Pfarrer hielt es für notwendig, ins Mittel zu legen. Er berührte den Arm des Soldaten und flüsterte ihm zu:„Beruhigen Sie si Rohan hier an! solcher gibt es noch die Menge in Frankreichs Gauen.“ 0 eee n 3* Seine Arme sind wohl kräftig genug, und Rachel verglichen, die um ihre Kinder trauert. Das ist alles!“ 5 „Wirklich? Das ist alles!“ rief der Veteran, auf⸗ springend, mit Donnerstimme. Er stellte sich in Positur, die Korperal! Es ist ja doch nur Meister Arfoll.“ (Fortsetzung folgt.) 1 1 — r* 1 ö a 3 8 2 Bewegun e Außwüchse geben. An der Auf⸗ igkeit N e der e Regierung meiften 9 Redner beantragt deshalb, die Beschlußfassung auszusetzen. der Ausnahme zustand aufgehoben, so erledigt sich der An⸗ rag dadurch von selbst. babe Antrag über bie Versammlungss 0 11 b e über die. K 0 der Aussorgche über den Haushaltsplan fragt Abg. Robert . 8% s der vormalige Wirtschaftsminister,* die Re⸗ g f 5 den Vorgängen am Effekten⸗ und Depisenmarkt ö der Börsen ohne weiteren Eingriff zusehen wolle. Dem Ueber⸗ 0 von Spekulation miisse durch die Regierung unbedingt Ein⸗ f setan werden. Die Uebermaß sei eine srobe wolkswirtschast⸗ 6 efahr. Abg. von Gräfe(Deutschwölk.) steht in der Devisenper⸗ ordnung nicht den richtigen Weg zur ilse, da sie nur dem 147 dandel Hemmungen auferlege, die Hamsterer aher nicht treffe. Es sei richtiger, die Industrie von den hohen Aus fuhr⸗ len zu 2 Wir erkennen die Bestrebungen des Reichs⸗ lauzlers an, eine nationale Einheitsfront zu schaffen; dann dürfen aber die deulschwölkischen Kreise nicht in einer Weise behandelt werden, die ste außerordentlich erbittern muß. Man habe die 370 Nationalsozialtsten in Gera wie einen Verbrecherzug behandelt. Die Kommunisten konnten in Leipzig allerlei Reden halten, aber den Deutschvölkischen will man das Wort verbieten. 9 Neichsminister des Innern Oeser: So sehr wir bereit sind, dee Rechte des Reiches zu verteidigen, so sehr müssen wir auch die Rechte der Länder achten. Von der Thüringer Regierung liegt wegen der Vorgänge in Gera noch keine Auskunft vor, ich kann daher nicht prüfen, ob der schwere Vorwurf der Unwahrhaftig⸗ 4 den Herr von Gräfe gegen sie erhoben hat, berechtigt ist. Zu dem —— Versammlungsverbot in Ostpreußen hat mir der preußische Innenminister mitgeteilt, daß die Gründe außen⸗ und iimenpolitisch sehr ernst seien und daß das Verbot zurzeit nicht aufgehoben werden könne. Auf Verlangen des Abg. „ von Gräfe verliest der Minister dann eine Auskunft aus Lübeck über die Gründe des dortigen Versammlungsverbots, in der es heißt:„In allen öffentlichen Versammlungen, in denen der Abg. U von Gräfe aufgetreten ist, sanden erhebliche Störungen der Ruhe * und Ordnung statt.(Lebh. Hört. Hört!) Seine bisherigen Wähler mit der Gründung der Deutschpölkischen Freiheitspartei nicht zufrieden und haben ihn wiederholt aufgefordert, sein Mandat niederzulegen, so daß Störungen seitens der Deutschnationalen zu 0 erwarten sind.(Heiterkeit ünd Hört! Hört!) Vei den Kom⸗ 1 munisten und Sozialdemokraten bestand zudem die Absicht, die 0 Versammlung zu sprengen.(Hört! Hört! rechts.) Durch die Be⸗ stchigung des nationalsozialistischen Partestages hatle die Frei⸗ beitsvaszel bewiesen, daß es ihr nicht auf die Einheitsfront in der 5 an⸗ 1 auf die wirtschaftlichen F micht die Absicht der Regierung, der Entwicklung passiv zuznsehen. Voraussichtlich beim Wiederzusammentritt werde dem Reichstag 11 J kein Notgesetz zugehen. Abg. Hoffmann⸗ eld(Soz.) bestätigt, daß die Natjonal⸗ e i iknüppeln und Revolvern ausge rüstet waren. mit Giunmiknü J bg. v. Gräfe(Deutschvölk.]) erbietet sich, Zeugen für seine Angaben K eie 15 Damit schließt die Aussprache. Die Haushaltspläne für den Neichspräsidenten und den Reichskanzler werden bewilligt, Der An⸗ trag Müller⸗Franken(Soz.) auf Aufhebung der bayerischen Aus⸗ mahmeverordnung wird zurückgestellt. 0 Der Reichstag tritt dann einmütig dem Vorschlag seines Aus⸗ ist und am Ende des Geschäftsjahres rund 180 betrug. Dr. tenbank in München 12 Milliarden sür die sächsische Bank in Dresden 6 Milliarden, 127 die württembergische Notenbank in Stuttgart und für die badische Notenbank in Mannheim je 3,0 Mil⸗ liarden. Das Notenausgaberecht für die Banken wird gleichfalls 92 900 1 auf bis zu 18 Milliarden für die beiden ersten und auf 6,3 Milliarden für die beiden letztgenannten Banken. Die Vor⸗ lage wird in allen drei Lesungen angenommen. Prästdent Löbe schlägt dann vor, die nächste Sitzung am Dienstag, den 6. Februar vorzunehmen, aber noch einer längeren Debatte über die Geschäftsordnung wird dann beschlossen, die nächste Sitzung erst am Montag, den 12. Februar, 2 Uhr nachmittags, stattfinden zu lassen, t en. Das steuerfreie Kontingent f f 5 Das steuerfreie Kontingent soll betragen: für die —— Hessen und Nachbargeblete. Gießen und Umgebung. Vaterländische Streiktasse. 68 ang weiter bei uns ein: H. D. 3000 Mk., Ergebnis einer Ortssammlung des Wahl⸗ vereins Queckborn 46080 Mk., V. 200 Mk. Zusammen 40 280 Mk. Bepeits quittiert 158 150 Mk. Sa. 207 430 Mk. Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. Finanzielles aus Giesseu. (Schluß.) Zu dem Rechnungsabschluß der Gießener Stadtverwaltung über das Jahr 1920 örgchten wir einige Zifsern. Diesen sei noch kurz das folgende hinzugefügt. Die Allgemeine Ver⸗ waltung machte einen Zuschuß von 14 Millionen Mark er⸗ forderlich. Für die Schuldentilgung mußten 409 700 Mek. aufgebracht werden, wobei die Tilgung der den stüdtischen Be⸗ trieben überwiesenen Kapitalien mit inbegrissen ist. Die Kapitalzinfen erforderten 592 532 Mk. Einen nur geringen Zuschuß— 13343 Mk.— mußten zu den Klesgruben. Steinbrsichen und Kraftwagenbetrieb geleistet werden. Die Verbrauchsabgaben erbrachten 30 399 Mk. Von den Anteilen an der Reichseinkommensteuer erhielt die Stadt 4027538 Mk. von der Reichsumsatzsteuer 76 150 Mk. Die Grund- und Gewerbesteuer erbrachte 1669 154 Mk., die Grunderwerbsteuer 355 244 Mk. Durch die fstädtische Vergnügungssteuer gingen 70 223 Mk. ein. Die Hunde⸗ steuer erbrachte 19904 Mk. die Wertzuwachs steuer 64 194 Mk. Die hier aufgeführten Beträge der Steuer⸗Cinnahmen er⸗ scheinen unter den gegenwärtigen Geldverhältnissen äußerst gering⸗ 1 Man muß bei deren Betrachtung die bedeutende Geld⸗ ntwertung berücksichtigen. die feitdem eingetreten ist. Der dem⸗ nüchst erscheinende Voranschlga für 1923 wird demgegenüber ganz gewaltige Ziffern bringe. — Die Entwicklung per Meuschheit lautete das Thema, das im zwellen, am Donnerstag abgehaltenen Bildungsabend der Redner. Prof. Hüter, behandelte. Ueberaus zahlreich hatten sich die Hörer dazu eingefunden, die mit großer Aufmerksamkeit die interessanten Darlegungen des Vortragenden verfolgten. Er legte dar wie ssch nack den wissenschaftlichen Forschungen die Entwicklung des Menschen aus tierischen Anfängen heraus wahr⸗ scheinlich vollzogen hat und verbreitete sich dann über die Kultur⸗ elemente, wie Sprache Feuerwerkzeuge usw., die der Mensch als spezifisches Gehirntier in seinen Dienst zu seiner Weiterentwicklung gestellt hat. Zahlreiche Fragen aus dem Zuhörerkreise bewiesen die lebhafte Teilnahme mit der man die Ausführungen verfolgt hatte.— Nächsten Donnerstag folgt Fortsetzuna des Vortrages. — Die Vereinigung für Feuerbestattung von Gießen und Umgegend hielt am 1. Februar ihre Generalversammlung im Kaufmännischen Vereinshaus ab. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl dauernd im Steigen begrissen Die Be⸗ mühungen des Vorstandes, durch die Stadt die Errichtung eines Krematoriums zu erreichen, sind bis heute noch ohne Erfolg geblieben. Angeblich steht die Stadt den Bestrebungen des Vereins symphatisch gegenüber, sodaß mit Errichtung eines Krematoriums bald zu rechnen wäre. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt mit Ausnahme des 2. Schriftführers, zu dem Herr Rechtsanwalt Maeuser bestimmt wurde. Herr Amtsarzt Dr. Schüppert Ae N berichtete dann nach in Kußerst interessanten Ausführungen über bie stetige Zunahme der Feuerbestattungen und die weitere Er⸗ richtung von Verbrennungsöfen. Er führte u. a. aus, daß er Gelegenheit hatte, in seiner amtlichen Eigenschaft den Aus⸗ grabungen, der Leichenreste der auf demneuen Friedhof beerdigten a in ichen Gefangenen, beizuwohnen. Der hiesige Friedhof ei einer der bestangelegtesten. Trotzdem ist er der Au ang, daß mancher, der mit der Feuerbestattung nicht symphatisiert, so⸗ fort Anhänger werden würße, wenn er bie Leichen reste häte sehen können. Es sei deshalb das einzig richtige, daß man die Le iche so schnell wie möglich in seine ursprünglichen Vestanbteile zur lick versetze.— Der Jahresbeitrag wurde auf 50.— Mk. echöht. Die Umlagengebühr soll monatlich vom Vorstand ben Venhältnissen entsprechend. neu, festgesetzt werden,— An alle, die der Jeuer⸗ bestattung sumphatisch gegenüber stehen, ergeht hiermit nochmals die Aufforderung, sich der Vereinigung anzuschlie ßen. Oeffentliche Bücherhalle. Im Januar wurden 2191 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erßählende Literatur 1286, Zeitschriften 131, Zugenbschziften 252, Literalurgeschichte 18, Ge⸗ dichte und Dramen 39, Länder⸗ und Völkerkunde 80, Kultur⸗ geschichte 35, Geschichte und Biographien(0, Kunstgeschichte 40, Naturwissenschaft und Technologie 121, Heer⸗ und Seewesen 4, Haus⸗ und Landwixtschaft 11, Gesundheitslehre 7, Religion und Philosophie 28, Stagatswisenschaft 15, Sprachwissessuschaft 7, Gvemdösprachliches 11 Bände, Nach auswärts kamen 46 Bände. — Lichtbilder⸗Vorträge über Unfallverhütung. Im Anschluß an die Vorführung des Lehrfilms über Unfallverhütung von gestrigen Sonntag finden morgen Dienstag, abends 8½ Uhr im großen Hörsagal der Universität weitere Lichtbildervorführungen mit Erläuterungen gewerblicher und gesetzlicher Vorschriften über Unfallverhütung statt. Auch wird damit eine Ausstellung ver⸗ bunden sein Eintritt ist frei. Wir machen die Arbeiterschaft hierauf besonders aufmerksam und empfehlen den Besuch dieser belehrenden Vorführungen. Erhöhung der Alters⸗ und Invalidenrente: Angesichts der fata⸗ strophalen Geldentwertung hat die Reichsregierung dem Reichstags⸗ ausschuß für Sozialpolitik eine neue Verordung über die Erhöhung der Unterstützungssätze auf Grund des Notstandsgesetzes vom 7. De⸗ zember 1921 zugehen lassen. Demnach werden erhöht: die Alters⸗ und Invalidenrente von 43 200 auf 60 000 Mark, die Witwenrente von 34 200 auf 48 000 Mark und die Waisenrente von 19 200 auf 27 000 Mark. Diese Sätze wurden im Ausschuß allgemein als völlig ungenügend bezeichnet. Unsere Genossen beantragten deren Ver⸗ dreifachung. Beschlossen wurde, ab 1. Januar 1923 folgende Unter⸗ stützungssätze zu zahlen: Für eine Invalidenrente 120 000 Mark, für eine Witwer⸗ oder Witwenrente 108 000 Mark und für eine Waisenrente 60 000 Mark. Die Sätze erhöhen sich für jedes Kind einheitlich ohne Rücksicht auf die Kinderzahl um 15 000 Mark. Die Freigrenze für das Arbeitseinkommen ist auf 120 000 Mark und die für Bezüge aus öffentlichen Kassen oder pripgten Pensionskassen auf 36 000 Mark erhöht worden. Wenn diese Sätze auch weit über die von der Regierung vorgesehenen hinausgehen, so sind sie doch an⸗ gesichts der furchtbaren Geldentwertung noch keineswegs aus reichend. Die Regierung wird schon in kürzester Zeit ein weiteres tun müssen und die Sozialdemokratie wird dazu beitregen, die unbeschreibliche Notlage weitester Volkskreise nach Möglichkeit zu lindern. Dem Aus⸗ schuß liegt ferner ein Gesetzentwurf über die Erhöhung der Zulagen in der Unfallpersicherung und ein anderer über Hilfeleistung für Kapitalkleinrentner vor. Die Beratungen über diesen letzten Entwurf werden in den nächsten Tagen beendet werden. Der Ausschuß will die Vorlagen so gestalten, daß sie möglichst alle die Volkskreise er⸗ faßt, die bisher von jeder gesetzlichen Versorgung ausgeschlossen waren. — Der Zeigefinger als Zahnbürste. Zahnbürsten sind heute furchtbar teuer und daher werden sie wohl noch weniger allgemein benutzt werden, als es bisher der Fall war. Die Zahnbürste ist aber gar kein so notwendiges und unersetzliches Werkzeug, wie sie uns seither besonders durch die Hersteller der Zahnputzmittel geschildert wurde, und wir können auch ohne sie unsere Zähne gut pflegen. Dies behauptet Obermedizinalrat Dr. Kühn in einem Aufsatz der Mün⸗ chener Medlzinischen Wochenschrift, in dem er den Zeigefinger als Ersatz für die Zahnbürste empfiehlt. Er hat früher bei seinen amt⸗ lichen Besichtigungen der Volksschulen festgestellt, daß nur ganz wenige Kinder eine Zahabürste besitzen und noch viel weniger sie regelmäßig anwenden. Bei den jetzigen hahen Preisen für Jahn⸗ Schiolkindern und armen Leuten den ns einmal die Zähne mit der 0 1 es, ihnen einen Weg anzugeben, wie sie auch ohne Zahnbürste eine gründliche Zahnreinigung und Pflege durchführen können. Wir besitzen nun einen billigen und ausreicherden Ersatz für die Zahnbürste in unseren eigenen Zeige⸗ fingern. Ob wir dabei igefinger verwen⸗ N nere Den A den rechten oder linken Ze 1 bei, den Einspruch des Reichsrats gegen den Gesetzentwurf 1 die Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren zurückzimweisen. * Darauf vertagt sich das Haus auf 20 Minuten. Auf der Tagesord⸗ 1 mung der alsdann beginnenden o zweiten Sitzung stehen Zulagenerhöhung bei der Unfallversicherung und Metallreserve 5 der Privatnotenbanken. 5 0 Der Gesetzentwurf über eine Erhöhung der 10 Zulagen in der Unfallversicherung 1 ird angenommen. Durch die andere Vorlage sollen die für die 6 Privatbanken festgesetzten Beträge für steuerfrejes Kontingent und * Motenausgaberecht angesichts der fortschreitenben Geldentwertun 1. a N 88 0 1. Arbeitsloyn und Arbeitszeit vor 500 Jahren. 4 Die zahlenmäßig riesigen Summen, die heute die 1 miueisten Arbeiter als Arbeitsentlohnung erhalten, stehen be⸗ 4 ganntlich in gar keinem Einklang zu den Preisen, die die 11 Lebensmittel kosten. Früher war der Ausgleich zwischen 10 John und Preisbildung entschieden ein gerechterer und N günstigerer; auch um die Dauer der Arbeitszeit brauchte 1 micht groß gekämpft zu werden. Zahlreiche, historisch ein⸗ * wandfreie Belege hierfür— sie finden sich u. a. gesammelt 9 In A. Damaschkes„Geschichte der Nationalökonomie“(Jena, 1 Zustav Fischer)— sind vorhanden. 4 5 * Hier einige Proben: Es erklärte der Bischof Antonius 114 von Florenz in seiner Summa theologica(1450), daß„für 1 bie Gewinnung des Lebensunterhaltes eine kurze Arbeits⸗ * eit genüge“. Es galt als charakteristisch für besonders hab⸗ * gierige Leute, wenn sie mehr arbeiteten, als sie für sich und „bas Wohlbefinden ihrer Familie gebrauchten. Die Ent⸗ 75 iohnung war im allgemeinen eine recht beträchtliche. In 10 ZBachsen konnte um diese Zeit ein Bauhandwerker für seinen e Wochenlohn drei Schafe und ein Paar Schuhe b urstehen. Um 1500 konnte jeder Bauhandwerker in Nieder— L. üsterreich für einen Tagelohn 8 bis 10 Pfund Ochsenfleisch 17 sbluaufen. Hundert Jahre früher wurde der Maurergeselle in 7 Fremen so bezahlt, daß er für die Entlohnung einer acht⸗ f gigen Arbeit ein settes Schwein erstehen konnte. Zielfach waren die Kleinbetriebe jener geit sogar schon J egal So erhielten die Straßburger Webergesellen und die Ulmer Goldschmiedegesellen(nach einer Hand- perksordnung von 1346) ein Drittel 1 Meistererlöses von der gemeinsam geleisteten bis die Hälfte des Arbeit. Der Handpperksgeselle stand bekanntlich im ganzen Mittelalter bei seinem Meister nicht nur in Lohn, sondern auch in Logis und Beköstigung. Diese war, gleichfalls genau — und guskömmlich— geregelt. So berichtet Butzbach in einem„Wander büchlein“?„Das gewohnliche Volk hat selten bei der Mittags⸗ oder Abendmahlzeit weniger als vier Ge⸗ ichte. Zur Sommers zeit überdies noch morgens als Früh- tück Klöße mit in Butter gebackenen Eiern und Käse; bendrein nehmen sie außer dem Mittagsmahl noch des Lachmittags als Vesperbrot sowie zum Nachtessen Käse mit Zrot und Milch.“ Und die Gesellen sahen peinlich darauf, aß sie in nichts zu kurz kämen; das Zusammengehörigkeits- 1 N U 1 1 N ö gefühl hatte unter ihnen eine starke Solidarität erzeugt. Eine sächsische Landesordnung jener Tage spezialisiert denn auch das Essen, das der Handwerksgeselle zu verlangen habe, folgendermaßen:„Den Werkleuten sollten zu ihrem Mittag⸗ und Abendmahle nur dier Essen(Gänge), an einem Fleischtage eine Suppe zwei Fleisch und ein Ge⸗ müse, auf einen Freitag und einen anderen Tag, da man nicht Fleisch isset, eine Suppe, ein Essen grüne und dörre Fische, zwei Zugemüse“ gegeben werden. Auch die Arbeits- zeit war geregelt; sie richtete sich meist nach der Lichtdauer. Eine Vergwerksordnung um 1509 setzte sogar die Arbeits- zeit für die Bergknappen auf sieben Stunden fest. Wenn man von dieser Verköstigung liest, möchte man ausrufen wie der Handwerksbursche, dem bei knurrendem Magen von einem Traum mit den herrlichsten Gerichten er— zählt wird, bis er es nicht mehr aushält und er dazwischen fährt:„Halt's Maul jetzt, sonst hau ich dir eine runter.“ Daß es sich natürlich nicht immer so in Deutschland leben ließ, wie da geschildert, wissen wir auch. Wir brauchen auch nicht so weit zurückzugehen, um feststellen zu können, daß die sagenhaft hohen Löhne der Arbeiter doch recht niedrig sind. Aber wundern müssen wir uns darüber, was es früher in einflußreichen Stellen für einsichtige Leute ge⸗ geben hat wie den Bischof Antonius und den Verfasser der sächsischen Landesordnung. Was würden unsere Haus⸗ frauen von heute für Augen machen, wenn ihnen eine Landesordnung für das Hauspersonal eine solche Speisen⸗ ordnung vorschriebe, wo sie doch nicht einmal für den Ab⸗ schluß eines einfachen Lohntarifs zu haben sind. Gewiß können sich auch manche Hausfrauen ein solches Essen nicht leisten, wer sich aber für die ihm obliegende Arbeit Leuse halten will, soll sie auch angemessen entschädigen und be— handen. Und es darf nicht so sein, daß der Arbeiter bei aller Arbeit die notwendigsten Lebensmittel nur noch aus dem Schaufenster kennt. — „Fühl in des Throues Glanz die hohe Wonne ganz.“ Angesichts der immer offener und dreister sich erhebenden mo⸗ narchlstischen Propaganda ist es doch angebracht, dem deutschen Volke wieder einmal vor Augen zu führen, mit welcher Liehe seine„an⸗ gestammten“ Fürstenhäuser für es sorgten. Es ist sa bekannt, daß zahlreiche dieser Potentgten ihre„Untertanen“ massenhaft als Sol⸗ daten an England verkauften, um gegen die Amerikaner zu kämpfen. Es waren dies die Höfe von Braunschweig, Hanau, Ansbach, Waldeck und Zerbst. Am fürchterlichsten aber trieb es der Landgraf von Hessen⸗Kassel. Die Fürsorge dieses edlen Herrn von Gottes Gnaden für seine dort kämpfenden treuen Hessen ging sogar so weit, daß er seinen Oberbefehlshaber, den Baron von Hohendorf, aufsfor⸗ doch ja dafür Sorge zu tragen, daß möglichst viele seiner deslbinder auf fremden Schlachtfeldern bluten sollten. Erhielt er doch für jeden Mann, den er lieferte, 30 Taler, für jeden Ge⸗ fallenen aber 20 Pfund= 140 Taler. Zur Bestätjgung des hier Gesagten führen wir einen Brief des Seelenverkäufers an den Baron Hohendorf vom 8. Februar 1777 an. Er lautet: „Ich erhielt zu Rom bei meiner Rückkunft von Neapel Ihren Brief vom 27. Dezember letzten Jahres. Ich ersah daraus mit un⸗ aussprechlichem Vergnügen, welchen Mut meine Truppen bei Trenton entfalteten, und Sie können sich meine Freude denken, als ich las, daß von 1950 Hessen, welche in dem Gesochte waren, nur 300 ent⸗ flohen. Da wären denn gerade 1650 erschlagen, und ich kam nicht gens er Klugheit anempfehlen, eine genaue Liste an meine Be⸗ vollmächtigten in London zu senden. Diese Vorsicht werd um so mehr nötig sein, als die dem englischen Minister zugesandte Liste aufweist, daß nur 1455 gefallen. Auf diesem Wege sollte ich 160 050 Gulden verlieren. Nach der Rechnung des Lords von der Schatzkammer würde ich bloß 483 450 Fl. bekommen, statt 643 500 Fl. Sie sehen wohl ein, daß ich in meiner Forderung durch einen Rechnungsfehler gekränkt werden soll, und Sie werden sich daher die äußerste Mühe geben, zu beweisen, daß Ihre Liste genau ist und seine unrichtig. Der britische Hof wendet ein, daß 100 verwundet seien, für welche sie nicht den Preis von Toten zu bezahlen brauchten. Erinnern Sie daran, daß von den 300 Lacedämonsepn, welche den Paß von Ther⸗ mopylä verteidigten, nicht einer zurlickkam. Ich wäre glücklich, wenn ich dasselbe von meinen braven Hessen sagen könnte. Sggen Sie Major Miedorff, daß ich außerordentlich unzufrieden bin mit seinem Benehmen, weil er die 300 Mann gezeltet habe, welche von Trenton entflohen. Während des ganzen Feldzuges sind nicht 10 von seinen Leuten gefallen.“ Ein Kommentar zu diesem schrecklichen Dokument ist eigentlich überflüssig. Es ist noch entsetzlicher als jener fürchterliche Urias⸗ Brief. Bemerkt sei noch, daß im ganzen 29 166 Mann verkauft wur⸗ den, von denen 11843 umkamen. Diese für die damalige Zett sehr beträchtlichen Summe flossen alle in die Privatschatulle des Seelen⸗ verkäufers, der sie mit seinen Maitressen bei rauschenden Festen verpraßte, während sein Volk blutete. Und das trug sich nicht etwa * im dunklen Mittelalter zu, sondern zur Zeit des sogenannten„auf⸗ geklärten“ Absolutismus. Welche Achtung mag das Ausland vor solchen Fürsten gehabt haben, aber auch vor einem Volke, das sich wie das Vieh verkaufen ließ. Bekanntlich soll ja Friedrich der Große im Hinblick auf diese Vorkommnisfe veranlaßt haben, daß die heffi⸗ schen Soldaten hei Minden Viehzoll bezahlen mußten. —— J 5 Teichnet für lie Vate Zeichnungsliste liegt in der Gesch bleibt der Uebung und der Gewohnheit überlassen. Selbstver⸗ ändliche Voraussetzung ist aber, daß wir jedesmal vor dem Bürsten Zähne mit dem Zeigefinger diesen mit Wasser und Seife gründ⸗ reinigen und dabei auch die Nagelreinigung nicht vergessen. Ist geschehen, dann ist der Zeigefinger mindestens so sauber wie Zahnbürste, und wir haben noch den Vorteil, daß wir mit dem ö Zeigefinger die hi bezw. die innere Fläche der machung der heutigen Nummer kund. mierung nicht stattfinden könne. Betracht 6 00 Sam ( bauptlehrer Mutz) sind vorhanden: und Jo schiedenen Schandtaten Aus fallende Züge. Der Personenzug 7.33 Uhr Gießen⸗Marburg aß Gießen 2.45 Uhr nachmittags fällt bis auf weiteres aus. 8. Queckborn. Für die Ruhrhilfe veranstaltete der hiesige i eine Ortssammlung, i — Lollar. In der Gemeinderatssitzung am 30. Jan. wurde die Erhöhung des Pflegegeldes von Ernst Günther auf monat⸗ lich 2000 Mark ab 1. 12, 22 festgesetzt.— Die Vergütung des Kon⸗ trolleurs wird wie folgt geregelt: derselbe reicht vierteljährlich se ein über entgangenen Arbeitsverdienst, diese wird dem Gemeinde rat zur Genehmigung vorgelegt.— Der Glöckner W. Schmidt erhält für das Rechnungsjahr eine Zulage von 2000 Mk., sowie die erforderlichen Geräte, wie Besen usw. nach Bedarf. Ueber das Einschränken des Läutens wird in der nächsten Sitzung ver⸗ handelt. Dem Organisten wurden für 1922 Mk. 2000 nachbewilligt. Zu dem Tarif der Holzhauerlöhne wurden 60 Proz. Zuschlag be⸗ willigt.— Das Wartegeld der Hebammen wird auf 2000 Mk. fest⸗ gesetzt.— Eine Dienstbekleidung des Polizeidieners wird abgelehnt. — Die Hundesteuer wird auf Mk. 1500 festgesetzt für einen Hund. — In den Schulvorstand wurden gewählt: H. Rohrbach 8., Frd. Rohrbach, Ludw. Forbach und Ernst Kutscher. ch. f bereis Wetzlar. 1. Kinzenbach. In der Parteiversammlung am 27. Jamuar erstattete Genosse K. Bepler den Bericht von der Kreis⸗ und. Gemeindevertreter⸗Konferenz im Wetzlar. an den sich eine rege Diskussion anschloß. Das Elternbeiratsmitglied Genosse Brömer bemängelte daß von der Kreisleitung keine Elternbeiräte⸗ Konferengen stattfänden. Wenn schon verlangt würde, daß diese ihre Pflicht erfüllen. müsse ihnen auch erst das richtige Rüstzeug gegeben werden.— Zur Holsäbeschaffung wurde die Antwort des Oberförsters bekannt gegeben. die dahin lautete. daß eine Ratio⸗ (Zuweisung eines bestimmten Quantums pro Haushalt) Er erklärte sich aber bereit, für die in kommenden drei waldarmen Gemeinden eine be⸗ somdere Versteigerung abzuhalten. Genosse Vepler und Otto Brömer erklärten sich bereit. eine Aussprache mit dem Oberförster herbeizuführen. Diese hat am Dienstag stabtgefunden wobei der Oberförster auf seinem bisherigen Standpunkt stehen geblieben ist. Zum Schluß ermahnte der Kassierer Leukel die Genossen, der Partei die Treue zu bewahren.— Ein großer Wäschediebstahl wurde in der Nacht. auf amstag hier ausgeführt. Bei drei Famflien hatten die Diebe Wache erbeutet deren Wert mehrere hunderttausend Mark beträgt. r. Atzbach. Monarchenbilder prangen noch immer in der hiesigen Volksschule. In dem Saale der Oberklasse ein Bild von Wilhelm II. sef von Oesterreich, eins von Kaiser Friedrich, eins von Wilhelm I.— der nach 1848 der Kartätschenpring hieß— ferner. ein Krönungsbild mit dem„Großen Kurfürst“ und Wilhelm II., eins von Hindenbusgg und verschiedene andere aus der Raubritter⸗ zeit., Bekanntlich ist eine Verfügung erlassen worden, wonach derartige Bilder aus Schulräumen entfernt werden sollen. Von dieser Verfügung sollte man rücksichtslos Gebrauch machen, denn der Jugend soll doch Kenntnis der republikanischen Ver⸗ fassung und Achtung vor dieser beigebracht werden, womit sich die Ausstellung von Dutzenden Monarchenbilder keineswegs verträgt. Es ist wahrlich an der Zeit daß dieser monarchistische Unfug auf⸗ Hört. Besser wäre es schon, wenn die Jugend fiber die ver⸗ umd Verbrechen der gekrönten Häupter umterrichtet und ihr wahrheitsgemäß dargestellt würde wie sie die Völker quälten und ausbeuteten. Kommunistischer Parteitag. Der übliche Krach. Am Schlusse des ersten Verhandlungstages, nachdem Meyer (Zentrale) über die politische Lage referiert und Pieck(Zentrale) den organisatorischen Bericht erstattet hat, kam es zu einem Zu⸗ sammenstoß mit der Opposition. Schumacher ⸗ Berlin oppo⸗ nierte gegen den Referenten, der die Anträge der Zentrale empfohlen, andere entgegenstehende Anträge aber nicht erwähnt habe. Es handelt sich um Anträge betreffs Umbildung der Zentrale. Die Berliner be⸗ antragten deshalb eine geschlossene Sitzung(also Verhandlung in der Dunkelkammer!) Böttcher(Zentrale) wies Schumachers Angriffe zurück. Ein Solinger Delegierter griff ebenfalls scharf die Untätig⸗ keit der Berliner Zentrale an. Die rheinischen Kommunisten führten einen erfolgreichen Kampf gegen die Einheitsfront, aber ebenso scharf müsse gegen Poincaré und das französische Verbrechen gekämpft wer⸗ den.(Zwischenrufe: Aufhören!) Stolzenberg⸗Essen verteidigte die Zentrale gegen die erhobenen Vorwürfe Die rechten und linken Ilügelmänmer der Partei seien es die die Aktivität der. lähmten. Die Linksgerichteten arbeiteten immer mit dem Schlagwort „Aktion“, wüßten aber niemals, wie sie sie durchführen sollten. (Große Unruhe bei den Berliner Vertretern.)„Was uns fehlt, ist 8 an der Partei und am Proletariat.“(Lebhafter Bei⸗ Die K. P. D., die von Rednern stets als die einzige Partei ge⸗ priesen wird, die einen Ausweg zeigen kann, die„den gärenden suchen⸗ den Massen gegenüber als geschlossene einheitliche Partei“ dastehe, ist, wie die Verhandlungen in Wahrheit so wenig geschlossen, daß sie ühre wirklichen Differenzen in der Dunkelkammer einer geschlossenen Tagung erledigen muß, sodaß auf dem öffentlichen Parteitag nur noch ein Nachklang der außerordentlich scharfen Gegensätze zum Aus⸗ drag kommt. Von den Sprechern der linken Opposition, insbesondere 3 Fischer, wird immer wieder der Partei Mangel an„Aktivi⸗ tät“ vorgeworfen. Ste habe anläßlich des Rathenau⸗Mordes nicht den Generalstreik durchgesetzt. Sie habe es bei der Ruhrbesetzung zu keiner„Aktion“ gebracht, sie habe immer wieder mit den anderen Parteien, der S. P. D. und U. S. P.„verhandelt“, sie habe nach einer„Koalition mit der S. P. D. geschielt“. Die Partei treibe Schaukelpolitik und mache in Versöhnungsrummel. Der Sieg des Revistonismus in der K. P. D. stehe bevor. „Arbeiterregierung“ und Zerschlagung der V. S. P. D. einem mehr als langatmigen Manifest des Parteitages wie⸗ berhel dieser die Forderung auf Bildung der proletarischen Einheits⸗ front und auf Bildung einer Arbeiterregierung als„Regierung aller Arbeiterparteten und Gewerkschaften.“ Aber wohl auch der zentrum⸗ lichen? deutschnationalen Christlichen? Danach scheinen die Kommu⸗ nisten, wenigstens die Richtung der Zentrale, sich schon soweit durch⸗ gemausert zu haben, daß sie von einer gemeimsamen Regierung auch mit„Sozialverrätern“ sprechen. Dafür spricht auch die Bemerkung Meyers in seinem politischen Referat, wo er polemisch gegen die von Ruth Linke ausführte:. 55 „Wir verhandeln mit den übrigen Arbeiterorganisationen nicht nur, um sie zu entlarven, sondern auch um ge⸗ meinsame Kämpfe herbeizuführen.“ 5 5 5 Wie die Kommunisten in Wirklichleit sich die Arbeiterregierung denken— eben als Benebelungsphrase— das zeigt die Meldung, daß der Parteitag die Nachricht von dem Sturz der sächsischen Regierung mit„stürmischem Beifall“ aufgenommen hat. Unter stürmischen Kundgebungen der Delegierten wurde die Forderung auf⸗ gestellt, ein Betriebsrätekongreß solle über die Bildung einer Ar⸗ beiterregierung entscheiden. Der Vorsitzende bemerkt dazu, das Er⸗ eignis gebe Veranlassung„ein Hoch auf die sächstsche Arbeiterschaft, auf die Revolution in Deutschland und auf die Weltrevolution aus⸗ zubringen.“ Die Delegierten„stimmten stüirmisch in das Hoch ein und sangen die Internationale“. f In der Diskussion über den Bericht der Zentrale betont ein Redner: „Die Aufgabe des Tages ist für die K. P. D. zunächst die Zer⸗ schlagung der S. P. D. Die S. P. D., die sich vor den Massen durch die Ruhrzustände z. B. wiederum als Wortsführerin des Nationalis⸗ mus entlarvt hat, die den Achtstundentag verraten und die in der Betriebsrätebewegung dem revolutionären Proletariat in den Rücken fällt, kann jetzt sehr gut von uns diskreditiert werden.“ Diese beiden Aeußerungen des Parteitages beweisen zur Genüge, daß die Kommunistische Partei heute noch dasselbe ist, was sie früher war. Voller Konfusionen und Illusionen ist ihre ganze politische Einstellung immer nur noch auf den Generalstreik, den Ruth Fischer in jedem zweiten Satze forderte, auf die„Aktion“ putschistisch einge⸗ stellt. Sie können ohne eine Aktion nicht leben. Da sie gegen die Bourgeoisie keine Aktion zustande bringen, so begnügen sie sich zunächst mit den Aktionen gegen die Sozialdemokratie. Den Sturz der sächsi⸗ schen Arbeiterregierung begrüßen sie wie das Bürgertum mit Jubel, trotzdem sie genau wissen, daß die Redensart von einem Betriebs⸗ rätekongreß, der jetzt eine Arbeiterregierung zu bilden habe, im besten Falle kindische Phantastereien und im schlimmeren Falle be⸗ wußte Provokationen sind. Von Nah und Fern. Frankfurt a. M., 2. Febr. Das Schäferstündchen. In der letzten Nacht stahl ein Mädchen einem Herrn während eines Schäferstündchens für etwa 3 Millionen Mark Bargeld. Der Be⸗ stohlene war schwer angetrunken und kann sich nicht des Ortes ent⸗ innen, wo ihm das Geld gestohlen wurde. Frankfurt a. M., 2. Febr. Verbrecherjagd een. Die Be⸗ kämpfung der Diebe wird mit aller Schärfe und Rücksichtslosigkeit durchgeführt und zeitigt immer größere Erfolge. In der letzten Nacht faßte man drei Einbrecher auf frischer Tat ab. Umfassende Streifen durch die als Verbrecheraufenthalte bekannten Kneipen führten am Mittwoch abend zur Festnahme von 34 Personen, die steckbrieflich gesucht werden. Außerdem wurden in diesen Wirt⸗ schaften 74 Personen festgenommen, nach Aufnahme ihrer Per⸗ sonalien aber wieder entlassen. Mehrere dieser„Gestalten“ waren im Besitze bedeutender Geldmittel. Frankfurt a. M., 2. Februar. Den Freund erschossen. In einem Studentenheim der Bessemerstraße wurde Donnerstag bend ein 18jähriger Student von einem Kommilitonen beim leicht⸗ fertigen Umgehen mit einem Revolver erschossen. 8 Mainz, 3. Februar. Immer neue Gewaltakte der Soldateska. Ein in Hechtsheim wohnender städtischer Be⸗ diensteter wurde gestern abend, als er sich auf dem Heimwege befand, von französischen Militärpersonen überfallen und so schwer verletzt, daß er im städtischen Krankenhause Aufnahme finden mußte.— Wie wir erfahren, kam es gestern abend in einer Kasteller Wirtschaft durch den Leichtsinn eines französischen Soldaten zu einem Unglück. Ein Soldat der Besatzungsarmee ging in dem Lokal mit einem Re⸗ volver unvorsichtig um. Die Waffe entlud sich und der Schuß traf einen in der Wirtschaft befindlichen Arbeiter Koch in den Unterleib. Der zum Tod Verletzte wurde in das Mainzer Krankenhaus gebracht, wo er bald seinen schweren Verletzungen erlag. Mainz, 3. Februar. Eisenbahnunglück. Die Franzosen versuchen in Rheinhessen Züge zu fahren. So soll ein Personenzug von Mainz nach Ludwigshafen einen Tag gebraucht haben.— Ein weiteres Eisenbahnunglück wird aus Mettenheim(Strecke Mainz⸗Worms) berichtet. Dort soll ein von Franzosen gefahrener Personenzug den Prellbock überfahren haben. Es ist auch in diesem Falle nicht möglich, Einzelheiten zu erfahren.. Mainz, 2. Febr. Der Eisenbahnerstreik geht weiter. Heute vormittag wurden zwischen den streikenden Eisenbahnern und den französischen Behörden Verhandlungen auf Wiederaufnahme der Arbeit eingeleitet die ergebnislos im Laufe des Nachmittags abge⸗ brochen wurden. Der Streik im Direktionsbezirk geht also weiter. Bluttat. g In einer Wirtschaft zu Vockenhausen(Taunus) wurde ein Eppenhainer Einwohner durch einen Stich tödlich verletzt. Der Täter wurde darauf derart verprügelt, daß er schwer darinder liegt. Der Nachtschnellzug Berlin— Breslau entgleist. Gestern früh 4,45 Uhr ist der D.⸗Zug 47 in Richtung Berlin im Bahnhof Gassen an der Einmündung der Strecke Kohlfurth⸗ Sommerfeld in die Strecke Sagan⸗Sommerfeld entgleist. Ein Wagen fiel um. Zwei Personen wurden getötet, mehrere Personen leicht verletzt. Sämtliche Hauptgleise des Bahnhofes Gassen sind gesperrt. Ein Hilfszug mit Hilfsgerät war von Sagan alsbald zur Stelle. Zwei Oberbeamte der Reichsbahndirektion Breslau haben sich sofort an die Unfallstelle begeben.. 1 Das Grubenunglü bei Beuthen. Dadurch, daß man Totgeglaubte mit Hilse von Sauerstoff⸗ apparaten ins Leben zurückrufen konnte, hat sich die seither mit 116 angegebene Zahl verringert. Die Bergungsarbeiten werden ohne Unterbrechung fortgesetzt. Das Befinden der noch im Lazarett befindlichen 38 Mann kann als gut bezeichnet werden. Vermißt werden noch 29 Arbeiter. 10 Tote sind noch nicht identifiziert. Auch konnte noch ein jiugendlicher Arbeiter lebendig geborgen werden, sodaß die Hoffnung besteht, daß nicht alle der vermißten Arbeiter ums Leben rländische Streikkasse f aftsstelle der Oberhessischen Volkszeitung ar der Todesopfer auf der Heinitz-Grube auf 112 gekommen und. N 1 Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegn Schlichtungsausschuß der Provinz Sberhessen in Gießen. Verhand vom 1. ruar. kurzes Zentralverbandes 8 Sinn e J Alleinmädchen ohne Kochen wird für den Mana a neben frefer Wohnuno und Verpflegung 2800 Mk. sest Ueber die übrigen Sätze sowie über etwaige Regeluma der sicherungsbeiträge und der Steuer haben die en zun innerhalb einer Woche unmittelbar miteinander zu verhande Der Antragsvertreter erkannte den Schiedsspruch am. Der frauenverein erhielt drei Tage Erklärungsfrist. 8 In der Antragssache des Verbandes der Be arbeiter gegen die Oberhessische Grubengesellschaft Lohn regelung für die Arbeiter der ritgrube Harbach gab Schlichtungsausschum dem Antrag statt. Der Schiedsspruch Für den Monat Januar 1923 wird der Gedingesatz des monats in derselben Weise wie bei den Betrieben in Bauxit A.⸗G. zusammengeschlossen sind, erhöht. Das Gezäh⸗ wird auf monatlich 300 Mk erhöht und allmonatlich ausbeze Die Lohnauszahlung erfolat in derselben Weise wie in der N einbarung der übrigen 1 7 vom 11 N 5 band der Bergarbeiter. Ob und inwie l esel nötia erweist, bleibt zunächst der! handlung ü ssen.— Der Antragsvertreter kannte den Schiedsspruch an der Vertreter der Grubengesel lehnte ihn ab. 5 5 5 Flir einen minderleistungsfähigen Arbeiter des Och. 4. in Vadenrod setzte der Schlichtungs mäß§ 19 der vorläufigen Landarbeitsordnung die Barentloht für das Jahr 1922 fest. Die Streitteile erhielten eine Woche e sich die Streitteile ohne nue Vert 1 5 Sachen einigten handlung. 0 Verhandlung vom 2. Februar 1923. der — — — CCC gehilfen 19 000.— Mk.(12 400.—). wöchentlich 10 500.— Mk.(6700.—) Bad⸗Nauheim ist der Schiedsspruch auf Gru bindend. Die Gießener Innung erkannte ihn an. Der 3 verband erhielt 3 Tage Erklärungsfrist. In der Antragssache der Angestelltenverbände gegen Ar! geberverbande für Handel und Gewerbe in Gi wegen Regelung der Januarvergütungen der kaufmännischen gestellten erging folgender Schiedsspruch: 1. Als Jamuargeh der männlichen kaufmännischen Angestellten der Mitglieder Arbeitgeberverbandes für Handel und Gewerbe gelten die Geh sätze die zwischen den Angestelltenverbänden und dem Arbei verband für Lahngau und Oberhessen für den Januar 1929 gesetzt sind, abzüglich 5 Prozent. mindestens aber die Sä Kleinhandels, wo diese näher als 5 Prozent an die Indust herankommen sollten. 2. Die Verheirateten und die alleinigen Ernährer erhalten 6000 Mk. Zulage: die alleinstehe Ledigen und die auswärtigen. die nicht bei ihren Angehö wohnen und essen können erhalten 3000 Mk. Zulage. 3, Es erwartet daß zum 15. Februar 50 Prozent des Januargeha Abschlag auf das Februargehalt gezahlt werden. 4. Als wandsentschädigung der Lehrlinge empftehlt der Schlichtun schuß folgende Monatssätze: 1. Lehrjahr 2100 Mk. im 2. 3800 Mk. und im 3. Lehrfabr 5000 Mk. 5. Die weiblichen stellten erhalten 90 Prozent der Gehaltssätze der männlichen gestellten. Die Antraasteller erkannten den Schiedsspruch Arbeitgeberverband erhielt 3 Tage Erklärungsfrist. In der Einspruchssache eines Arbeiters der Eisenwer! Hirzenhain wegen fristloser Entlassung hatte der Schlichn ausschuß das Verfahren gemäß§ 86 Absatz 2 des Betriebs 0 gesetzes zur Herbeiführung einer gerichtlichen Entscheidung über die Berechtigung der fristlosen Entlassung ausgesetzt. Nachdem 10 0 Gericht nur die Berechtigung der fristlosen Entlassung vernel hat und dieses Urteil rechtskräftig geworden ist, erklärte Schlichtungsausschuß gemäß 8 87 des Betriebsrätegesetzes d Eifenwerke Hirzenhain für verpflichtet, dem Arbeiter weiter beschästigen oder ihm 9000.— Ml. Entschädigung zu zahlen. Dollarstand Samstag mittag 12, Uhrz. 32000— Behördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Infolge Erhöhung des Stallpreises für Vollmilch von Mk. 250.— auf Mk. 300.— und der Milchver⸗ arbeitungsgebühren von Mk. 45.— auf Mk. 55.—, so⸗ wie der gestiegenen sonstigen Unkosten tritt auf Grund der Verordnung über den Verkehr mit Milch vom 10. April 1921 gemäß Beschluß der städtischen Lebens⸗ mitteldeputation vom 2. Februar 1923 mit Wirkung 2 vom 3. Februar 1923 ein Kleinverkaufspreis von Mt. 400.— für das Liter Vollmilch in Kraft. 5 Gießen, den 2. Februar 1923. Der Oberbürgermeister.(Lebensmittelamt.) Bekanntmachung. 7255 Infolge der gestiegenen Unkosten im Bäckergewerde sind unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 18. August 1922 folgende Höchstpreise für auf Brot⸗ marken abzugebende Backwaren gemäß Beschluß der 5 städtischen Lebensmitteldeputation vom 2. Februnr 1923 mit Wirkung vom 5. Februar 1923 festgefetzt: 1 Brot Mk. 545.— für 1900 Gram Brötchen„ 21.— 85 N 0 Weizenbrotmehl„ 170.—„ 500 4 Roggenbrotmeh“„ 160.—„ 500. 3 Beim Kauf von Mehl sind Tüten und Gefüße mit⸗ zubringen, andernfalls der Verkäufer für Stellen von Tüten einen Zuschlag von 5% für jedes Pfund be⸗ rechnen darf. Die Brotmarlen Nummer 5 können noch bis ein schließlih Dienstag, den 6. Februar 1923 zum alten Preis von den Bäckereien beliefert werden. Die Bäcker haben die eingegangenen Marken Mitt-⸗ woch, den 7. Februar 1923, vormittags an das Lebensmittelamt abzuliefern. a 1 Gießen, den 2. Februar 1923. 3 Der Oberbürgermeister(Lebens milttelamt) J. V.: Dr. Seib.