Achalm: gießen Bahubofstraße 23 Fernsprecher 200. Organ 1 9 für die Interessen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. seitung Bahnhofstraße 23 Jerusprecher 2008 Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. ür den Inseratenteil veramwortlich: R. Strohwig. Verlüg von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. 420 m beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren aum sokg 300.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen L 60.— Mt. auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile der Rabatt gewährt— Anzeigen-Annahme bis 6 Uhr abends. 3 bonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau und„Land⸗ g* ö Sieischafllche Beilage“ 5 monatlich 3300.— Mek. einschl. Bringerlohn. IN W die Post bezog. 3900.— k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.—Mt 5 Nr. 101 1 Gießen, Freitag, den 4. Mai 1923 18. Jahrgang Das deutsche Angebot. Eine kritische Betrachtung. Vom Soz. Parlamentsdienst wird geschrieben: 0 Der Reparationsvorschlag der Reichsregierung an die bdlierten Mächte liegt jetzt im Wortlaut vor. So groß auch feine Mängel in mannigfacher Beziehung sind, sehen wir in 115 doch eine Verhandlungsgrundlage, nachdem die Regie⸗ kung sich bereit zeigt, über sämtliche zur Debatte stehenden Fragen zu verhandeln und ihrem Angebot zu diesem Zweck einen äußerst weiten Spielraum läßt. Verhandlungen hatten noch immer den Zweck, Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen, Mängel zu beseitigen und so auf friedlichem Wege zur Verständigung zu kommen. Da doch einmal ein gegen. seitiger Gedankenaustausch zur Beilegung des Ruhrkonflikts (als einziger Ausweg aus der kritischen Situation kommen muß, würde die französische Regierung nur im Interesse ihres Volkes handeln, wenn sie schon jetzt die Brücke zur Verständigung betritt und den Hauptvorteil der deutschen Reparationsnote, die Elastizität. ausnutzt. Die Mängel des Angebotes, aus denen man (gar keinen Hehl zu machen braucht, liegen in erster Linie in sseinem Aufbau. Statt den positiven Teil, die sachlichen An⸗ aben über unsere Leistungsfähigkeit und die Lösung der eparationsfrage, wie sie sich Deutschland vorstellt, in den ordergrund zu rücken, hat die Regierung mit der für die lliierten Länder negativen Seite begonnen. Uns scheint, [daß dieser Mangel auf innerpolitische Motive zurückzuführen ud mit Rücksicht auf die Herren Helfferich und Hergt, die ei dieser Regierung immer noch Gehör gefunden haben, itstanden ist. Wäre das nicht der Fall, dann hätte man 0 une! auf Prestigerücksichten verzichten und die Angelegenheit des kattet[passiven Widerstandes, mit deren Behandlung wir an sich gen inverstanden sind, aus außenpolitischen Gründen in anderer [Formulierung und an anderer Stelle regeln können. Das 860 leiche gilt von der Erklärung, daß„Ausgangspunkt der Stellung nehmen und klipp und klar erklären, daß mit Ver⸗ soll, wenn die ö 10 Damals mußte die Regierung öffentlich zu b werden handlungen nicht erst begonnen 20,% Räumung vollzogen ist. Es spricht nicht von besonderem I e wenn die Regierung heute eine Aus⸗ lassung, die damals selbst in Deutschland Zweifel hervor rief, 3 0 erneut in einer Note benutzt. Mit weniger Rücksicht auf die 0 Il utschnationalen wäre sicherlich außer diesem gekennzeich⸗ 4. eten Fehler auch der Widerspruch vermieden worden, der anten lat 1 ich in dem ersten Teil der Note befindet. Ausdrücklich sagt ohen Tf das Reichskabinett, daß die Bevölkerung selbständig lie Besetzung des Ruhrgebietes mit dem passiven Widerstand ERS beantwortete, während sie im Gegensatz hierzu wenige Zeilen 5 f später ihre Auffassung dahin zum Ausdruck bringt, den . 900 passiven Widerstand nicht eher aufzugeben, bis die Räumung iche ider über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Ge— lung all biete und die Wiederherstellung vertragsmäßiger Zustände „ den Rheinloanden erreicht sind. 5 ae Auch in bezug auf den sachlichen Teil der Note sind N Emwände zu erheben. Es ist anzuerkennen, daß die Re⸗ 19 0 als Maßstab der deutschen g benen eine feste Summe — ibrung 19 Leistungsfähigkeit nach eigener Schätzung genannt hat. Auch 0 egrüßen wir ihre Bereitschaft, Deutschlands Leistungsfähig⸗ . b. 0% keit einem Schiedsgericht zu unterbreiten, falls der von uche deutscher Seite angegebene Maßstab nicht befriedigen sollte. 1b 1! Vollkommen mangelhaft aber ist die Behandlung der Garan⸗ obe alle 1 tiefrage, trotzdem die Regierung von den verschiedensten ala Seiten— zuletzt von Lord Curzon— imnter wieder auf die n fle ecke Bedeutung dieser Frage aufmerksam gemacht eu pech worden ist und obwohl sie sich klar darüber sein mußte, daß 1 be von den Garantien schließlich die Lösung des Reparations⸗ ma, Hi problems abhängt. Nach den vielen patriotischen Erklärungen e maßgebender deutscher Wirtschaftskreise über die Garantie- / leistungen für die zur Mobilisierung iburgal, notwendigen Anleihen hätte man annehmen sollen, daß es der Regierung eigentlich nicht schwer fallen konnte, wenigstens in kurzen Zügen Art und Form der von deutscher Seite geplemten Sicherheits- leistungen zu benennen. Wenn das Kabinett in der Note hon feststellt, die Wirtschaft auf gesetlichem Wege für den Anleihedienst verpflichten zu wollen, und damit zu erkennen für die Erfüllung der Repara⸗ gegeben werden Unannehmbar oder nicht? Die deutsche Note überreicht. Die deutsche Note über die Lösung des Reparations⸗ problems und des Ruhrkonflikts ist Mittwoch nachmittag nicht nur in Paris, sondern auch in Brüssel, London, Rom, Washington und Tokio den Regierungen überreicht worden. Gleichzeitig wurde die Note den übrigen Signatarmächten des Versailler Vertrages, dem Vatikan und den Regierungen der neutralen Länder zur Kenntnis gebracht. In Paris unannehmbar? Aus Berlin wird uns heute morgen telephonisch ge⸗ meldet: Die Aufnahme der deutschen Note bei den alliierten Mächten deckt sich nach den bisher vorliegenden Meldungen mit dem, was man aus der Haltung der Regierungen der einzelnen Ententestaaten und der Presse dieser Länder er⸗ warten konnte. In Paris wurde die deutsche Note am Mitt⸗ woch nachmittag um 4 Uhr am Quai d' Orsay überreicht. Bereits um 6 Uhr wurde dort den Pressevertretern erklärt, daß die deutschen Vorschläge g„vollkommen un annehmbar“ seien. Die deutschen Forderungen über die Räumung des Ruhrgebiets und die Vorschläge über die Mobilisierung der Anleihe scheinen ausschlaggebend zu sein für die Stellung ⸗ nahme der französischen Regierung. Auch sei für Frankreich keine Gewähr gegeben, daß der vorgeschlagene Anleiheaus⸗ schus unparteiisch zusammengesetzt werde. Daher werde die Regierung Poincaré „wahrscheinlich eine ablehnende n Antwort“ geben. Vorsichtiger äußerte sich das französische auswärtige Amt gegenüber den ausländischen Journalisten. Der Mini⸗ sterrat werde voraussichtlich am Donnerstag die Note Deutsch⸗ lands erörtern und wegen der Art der Beantwortung mit Belgien Fühlung nehmen. Es sei anzunehmen, daß Frank⸗ reichs Antwort ablehnend sein werde, da den beiden Hauptgrundsätzen der französischen Reparationspolitik, näm⸗ lich, daß Frankreichs Anteil an den deutschen Reparations⸗ zahlungen die Kosten des französischen Wiederaufbaues decke und daß die Räumung des Ruhrgebiets nur staffelweise ent- sprechend den deutschen Zahlungen vor sich gehen könne, in der deutschen Note nicht Rechnung getragen werde. Wie der Vertreter der Vossischen Zeitung meldet, teilte Poincaré am Mittwoch abend um 8 Uhr per sönlich den Pressevertretern mit, daß es jetzt schon als sicher gelten könne, daß Frankreich die deutschen Vorschläge für unan⸗ nehmbar erklären werde. Entsprechend den Aeußerungen der französischen Regierungsstellen ist die Haltung der Pariser Presse nahezu übereinstimmend. Die deutschen Vor⸗ schläge könnten nicht einmal als Diskussionsbasis von Frank⸗ reich angenommen werden. Die Führung in der Ablehnung hat der offiziöse Temps, der die Note in der gehässigsten Weise zerpflückt. Für ihn spielen die angebotenen 30 Mil⸗ liarden überhaupt keine ernsthafte Rolle. Ebenso hätte die Reichsregierung 50 Milliarden versprechen können, da diese Zahlen nur als Theatereffekt dienten. Frankreich und Belgien könnten die deutschen Vorschläge überhaupt nicht erörtern, da sie sonst die Sicherheit ihrer Forderungen und das Leben ihrer Soldaten aufs Spiel setzen würden. J In Brüssel, wo der deutsche Geschäftsträger am Mittwoch nachmittag dem Außenminister die deutsche Note überreicht hat, übt man bisher 1 Der Mangel an Klarheit in dem deutschen Angebot wird durch die Behandlung der Sicherheitsfrage weiter vergrößert. War es unbedingt notwendig, den speziellen bayerischen Wünschen in dieser Frage nachzugeben und die zuerst ge⸗ plante Formulierung fallen zu lassen? Auch innerhalb der Regierung sollte man sich doch endlich klar darüber sein, daß die Unterzeichnung eines Paktes, wie er anfangs in der Note vorgesehen war, das Minimum dessen sein wird, was die Franzosen fordern und England bezw. Belgien und Italien unterstützen werden. Im Interesse Deutschlands und der Sicherung eines endgültigen Friedens bedauern wir die Mängel des deutschen Angebots. Sie zu beheben muß Aufgabe weiterer Verhand— lungen sein, die zu einem Ziele führen werden, wenn auf der Gegenseite der Geist der Verständigung waltet, der zum mindesten bei der Mehrheit des Deutschen Reichstags vor⸗ handen ist. Zur Aufnahme von Verhandlungen geeignet? völlige Zurückhaltung, 6 da man die Note zunächst prüfen und mit der französischen Negierung beraten will. 5 In Rom ist die deutsche Note um 12 Uhr vom deutschen Botschafter Mussolini überreicht worden. Nach einer ersten Prüfung erklärte man die Note zwar für nicht vollkommen zu⸗ friedenstellend, wohl aber geeignet, als Basis für die Aufnahme von Verhandlungen zu dienen. Angenehm berührt hat in Rom, daß das deutsche Angebot sich ziemlich restlos mit dem Vorschlag deckt, den s. Zt. Mussolini in London gemacht hat. ö In London 10 hat der deutsche Botschafter Sthamer am Mittwoch nachmittag die deutsche Note im Auswärtigen Amt überreicht. Bald darauf erging eine halbamtliche Reutermeldung, die sich gegen laut gewordene Andeutungen wendet, als ob die britische Regierung an der Abfassung der deutschen Vor⸗ schläge beteiligt gewesen sei. Der Londoner Vertreter der Vossischen Zeitung will von dortigen Parlamentariern wissen, daß es voraussichtlich einige Mühe kosten werde, eine einheitliche Stellungnahme des englischen Kabinetts herbeizuführen. In Wirtschäftskreisen, herrscht die Auffassung, daß die deutsche Note zwar keine annehmbare Form für eine endgültige Regelung des Reparationsproblems darstelle, daß sie aber durchaus ge⸗ eignet sei, als Grundlage einer fruchtbaren Diskussion zu dienen. Zum mindesten will man in England auf Grund der Note einen a Meinungsaustausch zwischen London, Rom, f Brüssel und Washington herbeiführen. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, daß die Haltung sowohl eines Teiles der Kabinettsmitglieder, wie der öffentlichen Meinung stark von der Haltung der Pariser Regierung beinflußt werde. Der Reichskanzler zur deutschen Note. In der Sitzung der Minssterpräsidenten und Staatspräsidenten gab der Reichskanzler die deutsche Note mit Ausführungen bekannt, in denen es u. a. heißt: 11 Heute wird den Mächten eine Note übergeben werden, die den Standpunkt der Reichsregierung zur Reparationsfrage und zur Frage der Befriedigung Europas präzisiert. Dadurch geschieht ein Schritt der ungewöhnlich ist, weil er von einer Macht mitten im kraftvollen und einmüttigen Abwehrkampfe getan wird, ohne daß die Haltung des Gegners dazu Anlaß gibt, ein Schritt von ungewöhnlicher Bedeutung, weil von seinem Gelingen das friedliche Zusammenarbeiten zwischen Deutschland und Frankreich und darüber hinaus in Europa in den weltwirtschaftlichen Beziehungen sowie die Abkehr von einem System des Hasses und der Feindschaft und der Wertvernichtung abhängt, ein Schritt, der dem Wiederaufbau dienen soll, während sein, Mißlingen fortdauernde Verschärfung des Abwehrkampfes und die Vernichtung der letzten für die Reparation bereitzustellenden Mittel und Re⸗ serven bedeuten und für beide Teile innere Belastungen und Erschlit⸗ terungen auslösen könnte, die für Europa und die Welt voller Ge⸗ fahren sein würden. In dieser Bedeutung filr die Beteiligten, für Europa und die Welt liegt zugleich die Begründung des Schrittes. Wir wollten den Frieden und wir wollen ihn, doch aber der Preis dafür muß zahlbar sein. Es müssen Bedingungen sein, die unsere Selbständigkeit nicht antasten und uns Gleichberechtigung und Frei⸗ heit wiedergeben und die uns mit der Sicherheit gegen Sanktions⸗ und Pfänderpolitik zugleich die alleinige Arbeit zum friedlichen Wiederaufbau und zur Zahlung unserer Reparationsschulden ver⸗ leihen. Das war der Grundsatz, mit dem dieses Kabinett sein Amt antrat und mit dem es steht oder fällt. In der einmütigen Erkennt⸗ nis, daß von der Reichsreglerung alles geschehen ist, um den Rechts⸗ bruch der Ruhrbesetzung zu verhüten, hat das deutsche Volk ohne Unterschied der Parteien und Stand zur Waffe des passiven Wider⸗ standes gegriffen und es hält diese Waffe auch heute noch in starker treuer Hand, ohne daran zu denken, sie erlahmen zu lassen, eher als das Unrecht auf der anderen Seite beseitigt ist und bereit, verstärkte Eingriffe mit verstärkter Abwehr zu erwidern. Die Reichsregierung ist nicht müde geworden, alle Wege zu gehen, die irgend a boxen, dem Ziel einer Lösung des Konflikts näßeczukommen. Si hat debei erkennen lassen, daß nichts sie veranlassen kann, den Weg des Diktates, des Ultimatums oder gar der freiwilligen Annahme un- erfüllbarer Bedingungen zu beschreiten. Das geschah, weil der Vor⸗ wurf, daß die Zusage nicht gehalten worden sei, nicht wiederkehren darf, wenn Deutscklands Stellung und Ansehen in der Welt wieder, hergestellt werden soll. Daraus folgt zugleich, daß die Reichsregierung lein Angebot der Unterwerfung oder die Aufgabe des passiven Widerstandes machen kann, wie es von Frankreich gefordert und vom ganzen deutschen Volke abgelehnt wird. Aus der Ueberzeugung heraus, daß die an uns ergangene Aufforderung nicht unbeantwortet bleiben könne und um dein Einwand zu begegnen, daß der Form des Schrittes wegen die Sache des Friedens Schaden leiden könnte, hat sich nunmehr die Reichs regierung aus sich heraus entschlossen, ihre Stellungnahme zu der Reporationsfrage und zu den damit zusammenhängenden polits⸗ schen Fragen zu präzisieren, im Bewußtsein ihrer Verantwortung aber auch der Stärke ihres Rechtes und der Abwehr. Es war nicht leicht, sich zu diesem Entschluß durchzuringen, denn Hemmungen vor⸗ schredener Art standen dem entgegen. Trotzdem haben wir den Schritt gewagt, um abschließend zu sagen, was wir als ehrliche Män⸗ ner können und wollen. Was wir in der Note vorgeschlagen haben, hält sich grundsätzlich im Rahmen der bisherigen Regierungserklärun⸗ gen. Was die Reparationssumme anlangt, so haben wir erneut den Versuch gemacht, zahlenmäßig eine Abgrenzung für unsere Verpflich⸗ ungen zu finden. Dieser Versuch war schwerer als jemals zuvor qs den Gründen, die ich bisher nannte und die vor allen Dingen in der fortgesetzten und nicht berechenbaren Wertminderung im besetzten und im Einbruchsgebiet und damit für die gesamte Wirtschaft be⸗ stehen. Wir haben erneut, wie es auch der Außenminister im Reichs⸗ tage angedeutet hatte, als Ausgangspunkt der Verhandlungen die 30 Milliarden Goldmark gewählt, die durch Anlefhen aufgebracht wer⸗ den sollen. Wir konnten das km, ohne gegen unser Gewissen zu ver⸗ stoßen, weil die Berücksichtigung der Minderung unserer wirtschaft⸗ lichen Kraft, unserer Leistungsfähigkeit und der durch den Schaden⸗ altsgleich entstandenen Summe sich automatisch in dem Verhalten des internationalen Kapitalmarkt und in dem unserem Angebot eingefüg⸗ ten elastischen Faktor auswirken mußte. Die Notwendigkeit einer Er⸗ holumgsfrist eines Moratoriums von 4 Jahren ist organisch dadurch anger, daß die Zinszahlungen der ersten vier Jahre dem erzielten Anleihebetrage entnommen werden sollen. Die Schuld von 30 Mil⸗ liarden wird auch, wenn wir die vier Jahre benutzen, um mit ganzer Kraft den Wiederaufbau unserer Finanzen und der Wirtschaft zu för⸗ dern, schwer auf uns lasten. Die Sachlieferungen, soweit sie durch den Einbruch unterbrochen waren, sollen wieder aufgenommen und ihr Gegemwvert auf unsere Schuld angerechnet werden. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß kein Unbefangener, der die Schmälerung der Produrtionsbasis Deutschlands und die Ver⸗ minderung seiner Vermögenssubstanz durch die bereits bewirkten großen Leistungen berücksichtigt, Deutschlands Leistungsfähigkeit höher einschätzen kann, als unser Angebot es tut. Wir wollen unter allen Um⸗ ständen daß das, was wir zusagten, erfüllt werde, so sind wir bereit, für die Beträge, die wir im Anleihewege erhalten, jedwede wirt⸗ schaftliche Sicherheit zu stellen. Wir wollen und wir werden es durchflihren, daß über die Objekte und Werte hinaus, die unter dem Vertrag von Versailles fallen, auch die deutsche Wirtschaft und gwar die gesamte deutsche Wirtschaft, nicht nur die Industrie und die Landwirtschaft, sonderen auch Handel und Finanz mit ihren gesamten Kräften sich bereit stellen und zwar in bongreter, nötigen⸗ falls im Wege der Gesetzgebung formulierter Form für die Sichev⸗ heit der Anleihe, die wir auf dem Weltmarkte erhalten. Nur im Wege der Verhandlungen von Mann zu Mann kann gefunden werden, was den anderen eine genügende Sicherheit zu sein scheint. Wir werden in der Erfassung, insbesondere der gesamten deutschen Wirtschaft, alles tun und damit mit der durch das Gesamtinteresse gebotenen Rücksichtslosigkeit vorgehen. Der Betrag von 30 Mil⸗ liarden wird vielleicht der Welt zu gering erscheinen, aber die Welt neigt dazu, zu vergessen, daß diese 30 Milliarden gar nicht alles find, was wir leisten. Man vergißt, was wir bisher an unge⸗ heueren Leistungen bereits vom Neiche aufgebracht haben. Selbst während der Zeit der Ruhrbesetzung und der Besetzung weiterer deutscher Landesteile hat Deutschland in der Einlösung der bel⸗ gi Schatzwechsel das gehalten, was es zugesagt hatte. Deutsch⸗ land wird zur Abtragung der schweren Lasten nur fähig sein bei Wiederherstellung seines Kredites und seiner inneren finanziellen 0 g. Dazu zu tun, was an uns liegt, sind wir alle entschlossen. ir haben es beim Angebot einer Reparatitonssumme, die zahlen⸗ mäßig ungrenzt oder durch Sachverständige findbar sein soll, nicht bewenden lassen. Wir wissen, daß in Frankreich ein starker Wunsch 125 Ausgleich wirtschaftlicher Interessen zwischen Frankreich und and besteht. Die deutschen Interessen, insbesondere die Industriellen des Ruhrgebietes waren jederzeit bereit, eine solche Verständigung herbeizuführen. Auch heute noch wird die deutsche Wirtschaft sich einer solchen Zusammenarbeit nicht entziehen. Wir haben auch die Frage der politischen Sicherungen ffir Frankreich und Deutschland nicht unerörtert gelassen. Wir hatten den Vor⸗ cher macht, daß die am Rhein interesstierten Staaten sich gegen⸗ seftig verpflichten sollten, für ein Menschenalter ohne Plebiscit keinen Krieg gegeneinander zu führen. Um Frankreich Sicherungen geben, find wir zu jeder, den Frieden sichernden Vereinbarung reit, die auf Gegenfeitigkeit beruht. Wir müssen, um zu einer ösung der Reparationsfrage zu kommen, die Wiederherstellung status quo ante in dem Einbruch und dem altlbesetzten Gebiet Ausgangspunkt unserer Verhandlungen machen, wie dies auch der Bevölkerung in den besetzten Gebieten gefordert wird. Ausgangspunkt der Verhandlungen müssen wir weiter die rderung machen, daß die Gefangenen in Freiheit gesetzt und den lusgewiesenen ihre Wohnstätten und Aemter zursickgegeben werden. nn ich die Aeußerungen der französischen Presse betrachte, die fast so aussehen, als sollte die Titr zu Verhandlungen zugeschlagen — jp ꝛ˙̃˙Üid—ͤ—ͤ— r Der Wortlaut der Note. Die den Regierungen übergebene Note hat folgenden Wortlaut: Die deutsche Regierung hat von jeher den Standpunkt vertreten und steht sich durch die gegenwärtige internationale Diskussion ver⸗ anlaßt, von neuem zu bekonen, daß Fragen, von deren Regelung der auch von Deutschland gewünschte Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und darüber hinaus die wirtschaftliche Gesundung und der Friede Europas abhängen, nur auf dem Wege gegenseltiger Ver⸗ ständigung gelöst werden können. Die im Widerspruch hiermit er⸗ folgte Besetzung des Ruhrgebiets hat die Bevölkerung mit passivem Widerstand beantwortet. Die deutsche Regierung teilt den Wunsch aller Besonnenen, daß die täglich sich verschärfende Spannung gelöst und der nutzlosen Zerstörung wirtschaftlicher Werte Einhalt getan werde. Sie hat sich daher entschlossen, nochmals einen Versuch in dieser Richtung zu machen, ohne damit ihren Rechtszustand zu ver⸗ lassen oder den passiven Widerstand aufzugeben, der fortgesetzt werden wird, bis die Räumung der über den Vertrag von Ver⸗ sailles hinaus besetzten Gebiete und die Wiederherstellung vertrags⸗ mäßiger Zustände in den Rheinlanden erreicht sind. 1 Trotz der Ereignisse der letzten Monate hat Deutschland an seiner Bereitwilligkeit festgehalten, für Zwecke der Reparationen, namentlich für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete zu le sten, was immer in seiner Kraft steht. Jeder Versuch, diese Bereitwilligkeit in die Form praktischer Vor⸗ schläge zu kleiden, wird jedoch dadurch erschwert, daß es bei der Verfassung der deutschen Finanz⸗ und Wirtschaftsverhältnisse nicht möglich ist, die Leistungs fähigkeit Deutschlands in festen, endgültigen Ziffern abzuschätzen. Daher muß jede Lösung einen elastischen Faktor enthalten, der der gegenwärtigen Unmög⸗ lichkeit einer sicheren Abschätzung Rechnung trägt. Ferner ist zu beachten, daß Deutschland, da ihm Ueberschssse einer produktiven Wirtschaft fehlen, für die nächste Zett größere Kapitalbeträge aus eignen Mitteln nicht aufzubringen vermag und deswegen hierfür auswärtiger Anleihen bedarf, deren Aufnahme die Wiederherstellung des deutschen Kredits zur Voraussetzung hat. Von diesen Erwägungen ausgehend, und im Einklang mit den Grundgedanken des für die Pariser Januarkonferenz pon ihr bereit⸗ gestellten Planes faßt die deutsche Regierung ihre Vorschläge zum Reparationsproblem und den damit verbundenen politischen Fragen wie folgt zusammen: 5 Die Gesamtverpflichtung Deutschlands zu finanziellen und Sachleistungen aus dem Vertrage von Versailles wird auf 30 Milliarden Goldmark festgesetzt, die mit 20 Milliarden bis zum 1. Juli 1927, mit 5 Milliarden bis 2 1. Juli 1929 und mit 5 Milliarden bis zum 1. Juli 1931 durch Ausgabe von Anleihen zu normalen Bedingungen auf den internationalen Geldmärkten aufzubringen sind. 1. Die ersten 20 Milliarden Goldmark werden sofort zur Zeichnung aufgelegt, die Anleihezinsen bis aum 1. Juli 1927 werden aus dem Auleiheerlös entnommen und in einem von der Repara⸗ tionskommission zu beaufsichtigenden Fonds sichergestellt. Sowett die 20 Milliarden Goldmark bis zum 1. Juli 1927 nicht durch An⸗ leihen aufgebracht werden können sind sie von diesem Zeitpunkt ab mit 5 Prozent zu verzinsen und mit 1 Prozent zu tilgen.. 2. Falls die beiden Beträge von je 5 Milliarden Goldmark bis zu dem dafür vorgesehenen Termin im Anleihewege zu normalen Bedingungen nicht voll aufzubringen sind, soll eine un par⸗ teiische internationale Kommüfsion darüber entscheiden, ob, wann und wie der nichtgedeckte Rest aufzu⸗ bringen ist. Die gleiche Kommission soll im Juli 1931 auch dar⸗ über entscheiden, ob, wann und wie für die Zeit vom 1. Juli 1923 r werden, bevor sie noch geöffnet ist, so hege ich keine übertriebenen Hoffnungen, daß unser heutiger Schritt zu Verhandlungen flih ren wird. Aber wir hoffen auf die Erkenntnis oer Welt, daß dieser Konflikt an der Ruhr ein Wahnsinn ist, nicht nur für die Be⸗ teiligten, sondern zugleich für die ganze Welt, schon wegen der Be⸗ lastung der weltwirtschaftlichen Beziehungen und der Minderung ihres Wiederaufbaues. Und so senden wir die Note ab mit dem Wunsche, daß sie zu Perhandlungen führt, zu offenen freien Ver⸗ handlungen, in denen wir mit aller Offenheit unsere Lage darlegen und uns zu einer Leistung bekennen wollen, die bis zur Grenze un⸗ seres Könnens geht. Wir senden sie aber auch in dem Willen ab, daß unser Widerstand undunsere Abwehr solange der Einbruch uns dazu nötige, nicht erlahme, sondern fortgesetzt werde, damit wir das Vaterland unseren Kindern erhalten. Zum Schluß richtete der Reichskanzler die Aufforderung an die Minister⸗ präsidenten zur Zusammenfassung aller Kräfte in den Ländern des Reiches. ab die zunächst nicht vorgesehenen Zinsen nachträglich auß sind. Als. internationale Kommission fol woder das Anleihekonsortium, das die ersten 20 Milliard mark gegeben hat, oder ein dem Vorschlage des Staats Hughes entsprechendes Komitee von internationalen 9 leuten, in dem Deutschland gleichberechtigt vertreten 1 Schiedsgericht, bestehend aus je einem Vertreter der Repg kommisston und der deutschen Rgierung, sowie einem Obmt dessen Ernennung, falls sich die beiden anderen Mitgliede feine Person nicht einigen, der Präsident der Vereinigten von Amerika gebeten werden soll. 5 1 3. Deutschland wird in Anrechnung auf seine Schuld nah den Bestimmungen der bestehenden Verträge Sachleistung m a führen, über deren Ausmaß nähere Vereinbarungen 0 halten bleiben. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß sie mil diesem Vorschlag bis an die äußerste Grenze dessen gegangen f 1 Deutschland bei Anspannung aller Kräfte zu leisten vermag] i nach der durch die Ruhrbesetzung verursachten Stönn Schwächung der deutschen Wirtschaft ernste Zweifel, ob Vorschlag die Leistungsfähigkeit Deutschlands überstel deutsche Regierung ist ferner davon überzeugt, daß kein sangener, der die Schmälerung dr Produktionsbasis Der land und die Verringerung seiner Vermögensubstanz durch die sherest bewirkten großen Leistungen berücksichtigt, bei objektiber Bem 7 teilun öheren Schätzungen gelangen kann. Sollte dichs Auf fanlen 8 55 anderen Seite geteilt werden, so schlägt die eu 105 Regierung vor, entsprechend der Anregung des Stag 0 Hughes das gesamte Reparationsproblem einer von fehr polj⸗ 1 Einwirkung unabhängigen internationalen Kommi* zu unterbreiten. Die deutsche Regierung ist bereit, für die von ihr angsotenen Leistungen. J spezielle Garantien zu bestellen. Der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen dig den schen Reiches und der deutschen Länder sind bereits nach dem von Versailles haftbar. Nur im Wege der Verhandlung mit sgen ternationalen Anleihekomitee und der Reparationskommissi ö sich feststellen, wie für den Anleihedtenst diese Haftung kemkret zu gestalten ist und welche Garantien im einzelnen zu bestelpn sind. Außerdem ist die deutsche Regierung bereit, nach Maßgabe 2 6 zu treffenden Vereinbarungen durch geeignete Maßnahmen auch a gesetzlichem Wege dafür zu sorgen, daß die N gesamte deutsche Wirtschaft zur Sicherung des Auleiheb. tes herangezogen wied. Die Sachlieferungen sollen durch fanhfristig Privatverträge unter Ausbebingung von Vertrags strasen fesicher werden. 0 Die Durchführung i f der Deutschland obliegenden Verpflichtungen ist abhängig Stabilisierung der deutschen Währung. Kann in Verbinden der Regelung des Reparationsproblems die deutsche Währm mäßig und auf die Dauer stabflistert werden, so werden glachzeiti die Beschwerden der anderen Industrieländer über einen un deutschen Wettbewerb verschwinden. Nach der Siabilisieru es auch möglich sein, im Reichshaushalt die Ordnung zu schaffe deren Deutschland und seine Gläubiger bedürfen. 8 ö Zur Verwirklichung dieses Programms ist es, auch in de. Pres der Anleihegläubiger, notwendig, daß die gewaltsame Ege fung von Pfändern und die Anwendung von Sanklen nen künftig unterbleiben, und daß Deutschland von den fit nog auf ihm lastenden unproduktiven A und von den pff und wirtschaftlichen Fesseln befreit wird, dazu, daß die Esm hei der Verwaltung für das gesamte Gebiet Deulbch 0 baldigst wiederhergestellt, von der im Vertrag um Ver sailles vorge sehenen Möglichkeit, Deutschland die wirtschaftl iche Rleic⸗ berechtigung zu versagen, kein Gebrauch mehr gemacht in Stabilisierung der Mark die Einfuhr deutscher Waren nicht mehr den Beschränkumgen wird, die durch den Niedergiig der deutschen Währung veranlaßt waren. U f Um dem Frieden Europas in gemeinsamer wirtschafklicher A, beit zu dienen, und um die natürlichen wirtschastlichen ö ch von lebenswichtigen Waren zwischen den gten gärdem geschaffen werden. Dazu gehört insbesondere der Abschluf lang⸗ I 800 een, Vertrüge über die Lieferung. 1 Der Deserteur. 0 Roman von Robert Buchanan. Auͤber Ihre beiden Neffen, die befinden sich doch hoffent⸗ lich wohl? Haben auch sie an der großen Schlacht vor Sar teilgenommen?“ fragte der Wanderlehrer mit einem 88 tenblick auf Mutter Derval, die ihr vergrämtes Gesicht erwartungsvoll auf den Korporal richtete. „Sie stehn in Gottes Hand und Gott wird sie erhalten. (Sie erfüllen als wackere Männer ihre Pflicht im Dienste einer ruhmreichen Sache und Gott wird sie nicht verlassen.“ „Wenn jeder dies von seinen Angehörigen denkt, so ist es denn doch nicht ganz einerlei, ob bei Leipzig 50 oder 50 000 gefallen sind. Stehen nicht alle in Gottes Hand? Und warum sollte er so viele, die ja ebenfalls ihre Pflicht erfüllen, eher verlassen, als gerade Ihre Neffen?“ Noch ehe der Korporal antworten konnte, trat zur offenen Tür ein Mann ein, der einen gar traurigen Anblick bot. Sein Gesicht war schmutzig und unrasiert; statt des Hutes oder einer Mütze hatte er ein buntes Taschentuch um den Kopf geschlungen. Unter dem zerfetzten Soldatenmantel lugten die ausgefransten Enden einer abgetragenen Hose hervor, er war barfuß. Eines seiner Beine war mit einem blutigen Lappen umwunden. Diese auf einen Stock ge⸗ stützte Jammergestalt blieb mitten in dem Gemach stehen. Das Gesicht zeigte den unglücklichen Ausdruck, den man bei einer sehr alten Dohle im letzten Stadium der Unreinlichkeit und des Mauserns beobachten kann. „Gott schütze alle hier Anwesenden!“ grüßte der Mann mit heiterer Stimme. „Willkommen, lieber Mann!“ entgegnete der Korporal herablossend und deutete auf die Ofenbank. Er hielt den Ankömmling für einen Bettler. Dieser rührte sich nicht, stützte sich noch sester auf seinen Stock, starrte zuerst Marcelle, dann Allain und Jannik mit diabolischm Grinsen an. „Heilige Mutter Gottes, das ist ja unser Gildas!“ schrie Frau Derval entsetzt und sprang auf. Die beiden Burschen fuhren von ihren Sitzen am Früh⸗ stückstisch in die Höhe, Marcelle von ihrem Spinnrad, der Korporal ließ in seinem Schreck die Pfeife zu Boden fallen, wo sie in Scherben zerbrach. Im nächsten Augenblick um⸗ armte und herzte die Mutter schluchzend ihren heimgekehr⸗„Vor Dresden! Am zweiten Tag; von dort„ ten Sohn, denn es war wirklich Gildas Derval. Du lieber Himmel, wie sah aber der früher so adrette und saubere Bursche aus! Zerfetzt und zerrissen, mit Straßenkot be⸗ schmutzt, stark von der Sonne gebräunt, von den Kriegs⸗ strapazen abgezehrt, eine entstellende blutrote große Narbe über dem rechten Auge— diese gräßliche Vogelscheuche konnte wirklich nur das zärtliche Mutterauge erkennen. Noch ehe sich die anderen von ihrer Erstarrung erholt hatten, schrie Frau Derval abermals entsetzt auf:„Heilige Mutter Gottes er hat ja einen Arm verloren!“ Und sie hatte nur zu recht, der eine Aermel des Soldaten⸗ mantels hing schlaff zur zur Seite hinab. Die Mutter jammerte, aber Gildas lachte nur und nickte dem Onkel ver⸗ ständnisvoll zu. Nun näherte sich Marcelle und umarmte ihn, dann Jannick und Alain, zuletzt der Korporal mit stolz⸗ flammenden Blicken. Er schlug dem jungen Invaliden mit der flachen Hand auf den Rücken, küßte ihn auf beide Wangen und schüttelte ihm dann herzhaft die Hand. Die arme Mutter umflatterte ihn wie ein Vogel sein Junges und war die erste, die nach Hol frug. Gildas, den acht zärtliche Hände in den großen Lehnstuhl gedrückt hatten und vor dem die Mutter kniete. um seinen verbundenen Fuß zu untersuchen, streckte den gesunden Arm aus und streichelte den ergrauten Scheitel der Mutter:„Hol ist ganz munter, Mutter und sendet Dir die besten Grüße. Er hat nicht eine einzige Schramme bekommen, während ich so zugerichtet wurde! Sehen Sie, Meister Arfoll,“ wandte er sich an diesen,„wie ich ein Pechvogel bin, mußte ich gerade invalid werden, als der schönste Rummel begann. Ich habe eine Schußwunde bekommen, Onkel! Zuerst dachten die Aerzte, den Arm erhalten zu können, aber als man mich ins Hospital brachte, schwups, da kam der Chirurg mit seiner Säge und eins— zwei— krrrr, ehe ich auch nur das Maul aufmachen konnte, war er unten!“ Er preßte die Zähne zusammen und ahmte das Sägegerassel nach. 5 Die gequälte Mutter zitterte und fiel bei dieser Er⸗ zählung fast in Ohnmacht, aber der Korporal nickte zu⸗ stimmend, als ob er sagen wollte:„Mein Gott, was liegt an einem Arm! Die Hauptsache ist, daß der Junge sich brav gehalten hat!“ „Wo hast Du die Wunde bekommen, Du mein Sohn?“ fragte Arfoll mit zitternder Stimme. die Ambulanz nach Leipzig. Als ich kräftig genu⸗* wurde ich mit vielen anderen Kameraden entlassen Ich hatte bis Nantes einen amtlichen Geleitschein und guse Ge⸗ sellschaft, von dort marschierte ich und noch einer nulh St. Gurlott, wo wir uns trennten. Ich kam direkt nach Hause und bin wieder bei Euch. So geht es in der Welt! Mittlerweile hatte der Korporal aus dem Speisehrank eine Schnapsflasche und einige Gläser geholt. Daß erste reichte er dem jungen Invaliden:„Trink, mein Sohhll Auf Dein Wohl!“ ö Gildas stürzte das scharfe Zeug auf einen Schluls hin⸗ unter und ließ sich das Glas noch einmal füllen:„Kein schlechter Tropfen das! Auf Euer aller Wohl!“ Damm blickte er zu Marcelle auf, die sich zärtlich über ihn neigte und sagte mit der Gönnermiene eines Veteranen:„Ich will Dir was verraten, Kleine. Seit ich Frankreich verlassen mußte, habe ich kein auch nur annähernd so hübsches Mädchen ge⸗ sehen wie Du eins bist.“ Marcelle flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf de Held lächelnd sein Hemd aufknöpfte und ihr die an einem Hande hängende Münze zeigte, die sie vor seinem Abmatsih um Mitternacht in den„Blutpfuhl Christi“ getaucht hatte Mar⸗ celle küßte den Bruder noch einmal und erhob ihre Wlicke dankend zum Himmel. Sie war überzeugt, daß nur ihr Talisman ihn am Leben erhalten habe. Arfoll, der den Familienkreis nicht länger du seine Anwesenheit stören wollte, beglückwünschte Gildas nalßmal zu seiner Heimkehr und empfahl sich. Nun wurde del des Tages mit Fragen über den Kriegsschauplatz besfürmt, die er mehr mit seiner Phantasie entstammenden uhrasen als der Wirklichkeit entsprechend beantwortete. 0 Familienmitalieder machten viel Wesens mit dem mehr einer Vogelscheuche denn einem Kriegshelden ähnlichen Inliden. Neben ihm erschien augenblicklich selbst der Korvon mit all seinen„vornehmen“ Beziehungen eine Null. Mildas sprach auch mit seinem Onkel wie mit den anderen i dem a e gönnerhaften Ton eines alten Veteran und achte sich über die altmodi i een lustig. schen Gesinnungen Onkel! „Hast auch Du den Kaiser gesehen? Mit Deinen Augen gesehen?“ forschte dieser gespannt. ¶Tartle uno fl S 1— e — * — A 8 — — — 8 —5 2 . 248 2 E ˙⸗ — E o itglie 8 150 Auth Wet 1 1 1 wein Lech aß die bil biet Da Vertrag 2 — dort bra stig gend! q entlassa, in und ga einer rekt nah der Bell em ehe holt. au mein Sell 3 Eine gefährliche Sparerei. beiterpresse. aber nicht für vornehm galt, sie Austrucs Di gleichen Interesse friedlicher Zusammenarbeit Deutschlands mit Frankreich ist die deutsche Regierung, wie sie es auch mit ihrer Auregung zum Abschluß eines Rheinpaktes bekunden wollte, zu jeder den Frieden sichernden Vereinbarung bereit, die auf Gegenseitigkeit beruht. Insbesondere ist sie zu einer Vereinbarung bereit, die Deuschland und Frankreich verpflichtet, alle zwischen ihnen entstehen⸗ den Streitfragen, die nicht auf diplomatischem Wege geschlichtet wer⸗ den können, in einem friedlichen internationalen Ver⸗ fahren zu behandeln, und zwar Streitigkeiten rechtlicher Art in einem schiedsgerichtlichen Verfahren, alle übrigen Streitigkeiten in einem nleschsverfahren nach dem Muster der Bryanschen Ver ⸗ Die deutsche Regierung schlägt vor auf der Grundlage der vor⸗ stehenden Ausführungen in Verhandlungen einzutreten. Ausgangs punkt der Verhandlungen muß sein, daß innerhalb kürzester Frist der status quo ante wiederherzustellen ist. Dazu gehört, daß die über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Gebete ge⸗ räumt, in den Rheinlanden vertragsmäßige Zustände wieder her⸗ die verhafteten Deutschen in Freiheit gesetzt und 8 Ausgewiesenen ihre Wohnstätten und Aemter zurück⸗ ö 3 en— 4 Hessischer Landtag. 1 1 Adelung eröffnet die Sitzung 9.45 Uhr. Haus tritt in die Tagesordnung ein: Die Einzelberatung des Staatsvoranschlags. Vorbemerkung und Einleitung werden ohne Debatte ange⸗ men. Zu Kapitel 1: Forst⸗ und Kameralgüter unter Forstverwaltuna entsteht eine lange Debatte über die Liefecung des Tarifholzes an Beamte und wegen g der Schutzpolizei zum Waldschutz und deren Bewaff⸗ it scharfer Munition. den Ausführungen des Finanz⸗ ergibt diefes Kapitel statt der eingesetzten 4 etwa 24 Milliarden. Das Kapftel wird nach den Ausschußanträgen mit der dazu vorliegenden Anträge und Regierungsvorlagen 1 Frau Abg. Birnbaum bringt eine Denkschrift der te in Laubach zur Sprache, die vor dem Kriege den abgenommen, die aber jetzt so mangel⸗ wird daß sie gezwungen ist, ihren rieb einzu⸗ 5 chäftsordnung stellt Abg. Kaul(Soz.) fest. daß seine Frakfion sich angesichts der Tatsache, daß fast sämtliche Bauern- bündler zun Kapitel gesprochen haben künftig in keiner Weise mehr an die Abmachungen des Aeltestenrats halten werde.— Abg. Brauer(Bd.) verteidigt sane Fraktton. Eine derartige Abe 0 sei nicht getroffen. Abg. Ebner(Romm) wünscht in Zukunft noch mehr Behandlung aller Positionen im Plenum. Das Kapitel Stedlungswesen wird ohne Debatte angenommen. Gießen und umgebung. Die Metallarbeiterzeitung(Nr. 13 vom 31. März 1923) beschäfligt sich in einem Artikel mit der Einschränkung der Gewerkschaftspresse. Sie gibt an, daß bereits ein Dutzend oder mehr Gewerkschaftsblätter in Seitenzahl und Blatt- größe bis zur Unansehnlichkeit zusammengeschrumpft seien. Aus dem Wochenblatt sei eine Halsmonatsschrift, aus den acht Seiten seien es vier oder gar nur zwei Seiten geworden. Um so gefährlicher sei es, so führt die Metall⸗ arbeiterzeitung an, auf die politische Arbeiter ⸗ presse zu verzichten. Sie schreibt dazu:„Ganz anders, sehr schlimm steht es mit der Presse, deren Bezieher die großen Leidtragenden der Teuerung sind, mit der Ar⸗ Obwohl sie mit der Erhöhung des Bezugs⸗ preises hinter den meisten bürgerlichen Zeitungen zurück⸗ geblieben ist, ist er für eine wachsende Zahl von Arbeitern einfach unerschwinglich geworden. Um dem Blatte treu zu bleiben, tun sich mehrere Arbeiterleser zu gemeinschaftlichem Bezug zusammen. Ein Notbehelf, der über kurz oder lang auch noch zu teuer sein wird, ganz abgesehen davon, er für die Arbeiterpresse eine empfindliche finanzielle nbuße darstellt. Und das in einer Zeit, wo sie mehr denn je Mittel und Verbreitung braucht, um ihre Stellung in der Gar mancher Arbeiter mag meinen daß es auf ihn, den ein ⸗ zelnen, doch wohl nicht ankomme, oder mag er seine Ge⸗ wissenbisse wegen der Abbestellung der Zeitung mit dem Hinweis beschwichtigen, daß er zuvörderst für leibliche Nahrung sorgen müsse. Dagegen ist zum ersten zu sagen, daß, wenn alle Arbeiter so dächten, ihre Presse bald keinen Leser mehr hätte; zum anderen ist zu erwidern, daß sich bekanntermachen zu dem Verzicht auf das Arbeiterblatt sehr bald der Zwang fügt, auf einen Teil der leiblichen Nahrung zu verzichten. Die Arbeiterzeitung ab⸗ bestellen, heißt für den Proletarier die beredte Ver fechterin seines Lohnes, seines Brotes, seiner Wohlfahrt und Freiheit aufgeben, heißt den Tag der Milderung der Drangsal auf Sankt Nimmerlein verschieben. Der Verzicht auf die Arbeiterpresse ist eine überaus ko st⸗ spielige, gefährliche Sparerei. Was dadurch der Arbeiter crübrigt, hat er über kurz oder lang doppelt und dreisach am Lohn oder für die Teuerung zu opfern, von seiner Einbuße an Freiheit und Lebensglück ganz zu schweigen.“ Mögen unsere Genossen alle Arbeiter und Angestellten in den Betrieben auf diese Auslassungen aufmerksam machen. Nachträgliches zur Maifeier. Im gestrigen Blatte haben wir eine erfreuliche zahlreiche Beteiligung an unserer diesmaligen Maifeier festgestellt. Wie wir dabei bemerkten, wies der Zug eine Länge auf, mit der man gar nicht gerechnet hatte, zumal eine Anzahl Ort⸗ schaften der Umgebung, die sonst in erheblicher Zahl bei der Gießener Maifeier vertreten waren, ihre Maifeier selbst veranstalteten. Aber etwas bessere Organisation wäre bei solchen Dingen zu wünschen. Warum wird denn die Freie Turnerschaft nicht mit Formierung und Ordnung des Zuges beauftragt? Das wären doch jedenfalls die geeignet ⸗ sten Leute dazu. Wir sind auch der Ansicht, daß, wenn man schon einen Zug durch die Stadt veranstaltet, er dann auch der Bedeutung entsprechend ausgestattet sein soll. Und da könnte man mit einfachen Mitteln und ohne viel Kosten Manches bewerkstelligen. Dazu bedarf es natürlich längerer Vorbereitung, wofür immer wenig Zeit vorhanden ist. Trotz⸗ dem sollte man sich die Mühe nicht verdrießen lassen. Zweck⸗ mäßig wäre, wenn rechtzeitig darüber ein bestimmter Plan aufgestellt und nicht alles dem Zufall überlassen würde. Warnung vor Preistreiberei. Von der Preisprüfungsstelle Oberhessen wird geschrieben: Die augenblickliche Lage unseres Marktes mit Gegenständen des täglichen Bedarfes sowie mit Lebens⸗ und Futtermitteln erfordert die größt⸗ möglichste Aufmerksamkeit sowohl seitens der Verbraucherschaft wie auch seitens ber Geschäftswelt, um Uebervorteilungen und Verluste auf beiden Seiten zu vermeiden. Die schwierige Lage des Handels und ber Geschäftswelt ist dabei durchaus nicht zu verkennen und es ist weiter nicht zu verlennen, daß im Laufe der letzten Zeit die Ge⸗ staltung der Markt⸗ und Versorgungsverhältnisse in der Provinz Oberhessen derartig war, daß besondere Beanstandungen seitens der Ueberwachumgs⸗ und Auffichtsbehörden nur in geringerem vor⸗ gekommen sind. Nichtsdestoweniger muß die Wirtschafts aufsicht und die Ueberwachung der Marktverhältnisse eine bleibende Einrichtung sein, well immer wieder die Gefahr der Ausbeutung wirtschaftlich Schwäche ver sowie der Verbraucherschaft durch einzelne gewissenlose Händler und Schieber Platz greift. Auch im Interesse der reellen Kaufmammschaft, des reellen Handels und der Erzeugerschaft ist diese Fortdauer der Ueberwachung der Märkte eine unbedingte Notwendig⸗ keit, ohne daß hierbei irgendwie eine Bevormundung des Handels oder ein wirtschaftliches Spitzelwesen ausgeübt werben soll. Zu den Momenten, die in erster Linie zur Beruhigung der Be⸗ völkerung mit beitragen, gehören die Preisauszeichnungen sowohl in den Schaufenstern, wie auch im Imern der Geschäfte. Die Preisprfungsstellen der Provinz haben wiederholt in gemeinsamen Beratungen mit den Vertretern des Handels, der Kaufmannschaft ꝛc. cuf die Wichtigkeit diefer Preisaus zeichnungen hingewiesen und be⸗ tont, daß es gerade im Interesse des reellen Handels liegt, der Be⸗ 6 und der Reaktion gegenüber zu behaupten. Bilder aus Alt⸗Gießen. (Fortsetzung) Die Walltorstraße war das alte Verkehrszentrum. Hier be⸗ fanden sich die Posten, das Haus neben dem Bäckermeister Löber war die alte Personenfahrpost, daneben befand sich im Schwanen in ihren noch bis zur Erbauung der Grünberg⸗Londorfer Bahn erhal⸗ ten eine Privatpersonenpost, die etwas billiger war, mit der zu fahren hieß deshalb die Blamage. Weiter oben im früher Oppenheimerschen Haufe war dann die alte Turn und Taxissche Brief⸗ und Pakelpost. Die geniale Verlegung des Bolhm⸗ hofs erforderte auch hier gründliche Umänderung, und niemand denkt mehr wohl daran, daß das alte„Walltor“ mit seinen großen Ge⸗ schäftshäufern seinen großen Hotels und„Wirtschaften die City Gießens war. Wir gehen dann weiter vorbei an Röhrle's Braueret, deren Wohn⸗ und Komptiorgebäude einst das Amtsgericht Gießen (Stadt) beherbergte, Stadtgericht im Gegensatz zum Landgericht ge⸗ namnt; das jetzige Landgericht ist seinem Range nach dem früheren Hofgericht auf dem Brand gleich. 5 5 Ducch die Marburger Straße, das Stadtviertel, in dem die vor⸗ nehme Welt wohnte, kommen wir zum neuen Friedhof, angelegt auf der Stätte, da man früher die armen Sünder aufzuknitpfen pflegte. Die Fußsteine des alten Galgens sind erst sehr spät entfernt und sinnreich eingemanert worden in die Fundamente des Tempelbaus auf dem i dem Friedhofsaussecher als Wohnung dient, berühmten Gießener Arzte„unserem Zusammengehörigkeit des Begriffes Brot kaaft“ soll der Bescheid auf eine Anfrage an den Gemeinderat gelaute f ichtet, wi die Stadt zur Errichtungen e ee e Blick auf die Liebigs⸗ mit dem Steins garten den Kopf und Kindeskindern überlassen wollen, es wäre ja auch langweilig, wenn man unserer Generation gegenwärtig modernen in seinen Priöwatbesitz als Bauterrain zu wußte, hinten heumm, un mich eines zu begienen, das ganze Terrain. völkerung zu zeigen, zu welchen Preisen normalerweise die Ware augenblicklich gel lefert werden lann. ö den Stätten, die wir übergangen oder über⸗ sehen haben. Da ist zunächft das Stadttheater, ein wirkliches Denk⸗ mal bürgerlichen Gemeinsinns, also nicht zu verwechseln mit der Ludwigstraße, errichtet an Stelle des ehemaligen Schülerschen Gartens und Hauses. In diesem Hause wohnte, als er sich angeblich studien⸗ halber in Gießen aufhielt, der Erbgroßherzog Ernst Ludwig, den auf einem Bankett, das die Stadtväter gaben, der alte„Simon— Setz Dich“ mit Bezug auf diefes Haus leutselig frug, indem er ihm auf die Schulter klopfte:„Sage Se mal, junger Mann, will Ihr Vatter baum das Häusche kaafe?“— Ach, und die Torhäuschen hätte ich beinahe vergessen, jeme stilvollen Verkehrshindernisse, dir gar keine historische Bedeutung haben, denn sie standen nicht etwa mit den alten Stadttoren der Festung in irgend einer Beziehung, sondern wurden nach deren Entferming weiter draußen neu errichtet an den vier einzig möglichen Zufahrtsstraßen der Stadt, um von ihnen aus die Otrospflichtigen absangen zu können. Na, aber jetzt sind es Not⸗ wohnungen ohne Keller in unmittelbarer Nähe des überbrücken Schurgrabens gelegen, sicher sehr gesund und dann stehen sie unter Denkmalsschutz, wie der alte Kirchturm am Batholischen Vereinshaus, von dem ber alte Palmer Euler einmal in der Stadtverordneten⸗ sitzung launig meinte: Na, wenn man schon aus der Kirche eine Wirtschaft macht, dam klappt man den Kirchturm einfach um und die Kegelbahn ist fertig. Es ist derselbe Palmer der einst als ein Streit entstand, über die Verwendung der neuen Friedhofskapelle für alle Konfessionen und man zu der Ansicht neigte, daß man doch schließlich den Mitbürgern jüdischen Glaubens nicht wohl zumuten könne, sich in einen Raum zu begeben, noch dazu zurr Totenfeier, auf dessen Dach ein Kreuz prange, kurz und blündig erklärte:„Das ist doch nit schlimm mit dem bissche Kreuz, da macht mer e Scharnier dran und wenn en Jud kommt, legt mans um.“ 0 Daß man in Gießen fromm war, zeigt, daß man eine Kaplans⸗ und eine Kaplaneigasse hatte, und daß man auch hohe auswärtige Potentaten geziemend zu ehren wußte, so z. B. die große Kaiserin Katharina von Rußland, das beweist deutlich die Katharinengasse, in ihrer früheren Gestalt ganz besonders. Das Teufelslustgärtchen hat mit dem leibhaftigen Satan nichts zu tun, sondern es befand sich da in der Tat, sch wache Reste sind noch vorhanden, das Lustgärtchen eines bekannten Gießener Arztes eines Dr. Teufel. Beinahe hätte ich ja den Seltersweg vergessen; Gießen und der Seltersweg, die erste Geschäftsstraße und die erste Bummelstraße, dazu höhere Töchterschule, Gymnasium und Universität, sind untrenn⸗ bare Begriffe. Gießen ohne den Selterswegbummel käme mir vor wie ein vera icher Redakteur ohne VBeleidigungsprozeß. Ich will nun noch mit wenigen Betrachtungen das Tun und Trei⸗ ben miserer alten Gießener strafen. Gießen war, wie gesagt, noch keine Industriestadt. lühte das Handwerk, aber die Zünfte waren in ihrer verknöcherten Art weiter nichts, als eine Art Selbst⸗ Jetzt noch rasch zu verpflichtet, deutlich e neue Verordnung mit nähert haben. Di zusammen. Zum 2. worden. s. Heite Eine allgemein gintige Regelung der Be mittel war bisher in Hessen nicht vorhanden. Daher die es sich min einmal zur Aufgabe gemacht zu haben schein umreelle Machenschaften ihre Mitbürger in jeder Weise zu werden hiermit eindringlich gewarnt, bestimmungen bei Uebertretungen sagung des Handelsbetriebes sowie strenge Freiheitsstrafe sind. Zum Schluß bittet die Prei meinschaft mit den Kreis⸗ Einwohner der Provinz dieser — — Deutsch⸗völkische Agitation. deutscher Art“ wird öffentlichen Versammlung eingeladen, Dr. Stadtler sprechen soll. Was dessen politische Stellung anlangt, so ist davon bekannt, daß völkischem Sinne betätigte. nannten Nationalsozialen, es dürfte auch anzunehmen sein, daß dafür Interesse haben. ihre Zeit zu fleißigem dem Volke nützlich sein können, Kosten für die Unterhaltung der Hochschule aufzubringen hat. — Das Schwurgericht der 3 Oberhessen tritt am Montag, 4. Junt zur Sitzungsperiode des er Abend zum Besten der Ruhrhilfe. ausgemachte Sache au sein, der Universttätsbibl otheker ryflichtung des täglichen Bedarfs sowie der Lebens ⸗ elne L.* chheiten in einzelnen Bezirken, die nunmehr des heft Ministeriums des Innern betr. die Preisbeschilderung von Gegenständen des notwen⸗ xkennbare Preisauszeichnungen an den Waren selbst oder an den Umhüllungen vorzunehmen. Die Preispritfungsstellen ausdrücklich darauf aufmerksam, lich für das ganze Gebiet des bittet die Kaufmannschaft, den dringend um Beachtung dieser Vorschriften, und llebertretungen diefer Vorschriften nach e vermieden werden. Diejenigen Kreise des Handels, Gewerbes ꝛc., die Geschäftswelt der Proyvmz en, durch 5 schüdigen, unter Hinweis darauf, daß die Recht eine bedeutende Verschärfung der Straf⸗ eisprüfungsstelle Oberhausen in Ge⸗ und städtischen Preisprüfungsstellen alle den reellen Handel, bei der Durch⸗ und auch als jede böswillige den Vom„Hochschulring zu einer heute Abend stattfindenden in der ein gewisser, er sich in Berlin in deutsch⸗ Neuerlich soll er sich den soge⸗ den bayerischen Hitlerleuten, ge ⸗ ese Marke hat bei uns hier noch gefehlt; es Studenten gibt, die Besser wäre es freilich, sie würden Studium ausnützen damit sie später das ja auch die schweren zweiten Vierteljahres Landgerichtsrat Hirsch bestimmt Es scheint eine „für deren Leitung Friedrich List verantwortlich i folge begleitet wer⸗ bend am 1. Mai im orsitzenden ist daß Dr. Mit einem fast unbekannten Emakter des Rolle der„Marie“ ihre Kunst lieh und das Zu⸗ beeinflußte. Ihr Partmer wurde dessen ausgesprochenes Talent soll und darf aber nicht verglichen werden, sonst wären auch kleine Mängel zu rigen, die z. B. gezeichnet hätte. Allmählich ausgedehnt, und wer weisen Rat um die noch bei jedem, der Wachsen einer säckels erhöhe. den befand. eine Teil wollte des Zuzugsgesuches ein Kind vorhanden her am Ende zu ern zutage vorkommen, kümmerte sich sogar ein äußerst ekelhafte überhand genommen nahme gesuch schrieb: alles zu uns will“. versicherung gegen emporstrebende Intelligenz, womit bei Leibe nicht haben, um es nachher an Baulustige gesant sein soll. dos auch der Gieß ener sich nicht ae⸗ „echt von hei“ war. rad wie noch heute Allein die wirtschaftliche Anschauung früherer Zeit Vermehrung des Handwerksbetriebes lediglich die Ge⸗ eine Brout von auswärts versagt wurde, wenn das Vorhandensein gewiesen war. Daher mag es kommen, würde, daß die Betreffende„Knöpp jeder Weise dem Zwang auswärtiger Schwierigkeiten entgegen aus Familie die Gefahr der Inanspruchnahme des Armen⸗ Wollte da einst ein biederer Gießener ein Mädchen heiraten, daß sich, wie das ja öfters vorkommt, in gesegneten Umstän⸗ Der Magistrat stand vor einer schwierigen Frage. Der dem Kinde den Vater nicht vorenthalten und dem Mädchen die Möglichkeit nicht rauben, den, allein endlich kam man mit Mehrheitsbeschluß zur Ablehnung durch besonders hervorragende Intelligenz aus⸗ in erster Linie ver⸗ auswärts nach Gießen hereinziehen wollte, um Aufnahme beim Rat erbringen, daß er mindestens ein Ver⸗ mögen von 300 Gulden, infevendum genannt, aufzuweisen habe. Mit Wollte nämlich ein Aus⸗ Gewerbe zu betreiben, nicht vorhanden war, so mußte vom Rate vorher in seiner Weis⸗ Erlaubnis daß in der jüngsten Zeit ein Mädchen von auswärts heiratete, vermutet haben müsse“. Man setzte in Elemente alle nur erdenklichen der Befürchtung heraus, daß das wieder ehrlich gemacht zu wer⸗ mit der schönen Begründung, daß da, wo schon set, wahrscheinlich nach Schließung der Ehe nach eine Menge weiterer Sprossen nachfolgen werde, die der Vater nach⸗ ähren nicht mehr in der Lage sei. Mag es heut⸗ daß ein Staßdtvorstand irgendwo sich hin und wieder um ungelegte Eier kümmert; der alte Gießener Gemeinderat um das Wohl und Wehe noch nicht erzeugter, ge⸗ schweige denn geborener Kinder. Diese Fürsorge mußte auch eine alte Frau empfinden, der man die Zuzugserlaubnis nicht erteilen zu können glaubte, wefl sie wahrscheinlich an Nasenkrebs litte, dadurch s Aussehen habe und daher für junge empfkad⸗ same schwangere Frauen dieser Anblick sehr bedenkliche Folgen haden könne. Wie sehr der allgemeine Widerwille gegen 1 Zuzligler ung Wurzel gefaßt hatte, beweist die Aeußerung eines Magistratsmitgliedes, der voller Entrüstung unter ein Auf⸗ „Man meint, wir wohnten in Brasilien, weil Man wollte eben niemanden haben, der nicht A Fortsetzung folat.] barstellt, wobei besongers Unter⸗ vorgesehen Farisch wertvoller, heiterer und— auch im Hinblick auf den guken Zwecl— erfolgreicher Abend, den wir kunst⸗ und gebefreudigen Mit⸗ bürgern verdanken. — Auf das Symphonie⸗Konzert, das die Reschswehrkapelle heute abend im Stadttheater unter Leitung des Herrn Obermusik⸗ uneister Löber gibt, sei an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht. — Burkhardsselden. Vor kurzem wurde hier das Krieger⸗ denkmal eingeweiht, das auf dem Friedhof aufgestellt ist. Es ist aus einem sogenannten„Findling“, einem ganzen Stein gearbeitet und geschmackvoll ausgeführt. Aus unserer nur zirka 800 Köpfe starken Gemeinde hat der Krieg nicht weniger wie 44 Opfer ge⸗ fordert. Man sollte meinen„daß angesichts dieser furchtbaren iegsfolgen, an denen das deutsche Volk heute noch zu tragen hat und die noch lange nicht überwunden sein werden, jeder halbwegs Vernünftige allen Abscheu vor dem Krieg und was damit zu⸗ sammenhängt, haben müßte. Trotzdem sieht man hier und da noch Arbeiter bei solchen Gelegenheiten mit angehängten Eisernen Kreuzen und anderen militärischen Firlefanz herumlaufen. Der⸗ artiger Trödel muß doch für jeden Denkenden der Vergangenheit ören. f Kreis Friedberg⸗Büdingen. — Butzbach. Gegen die Preistreiberei vieler Geschäftsleute wendet sich eine Erklärung der Meguin⸗A.⸗G. in der Butzb. Ztg. Es wird darauf hingewiesen, daß die Preise zum Teil bedeutend höher seien, als in dem Weltbad Nauheim und daß von diesem Zustand be⸗ sonders die Angestellten der Meguin⸗Werke betroffen würden. Diesen Verhältnissen würden die genannten Werke unter Umständen mit Er⸗ richtung einer eigenen Kousumanstalt entgegenzutreten suchen.— Viel könmten sich die Butzbacher Verbraucher schon damit helfen, wenn sie Mitglieder des Konfumvereins Gießen würden, der dort eine Waren⸗ abgubestelle besitzt und in der Lage ist, die Waren des täglichen Be⸗ darfs zu den Tagespreisen in bester Qualität zu liefern. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 2. Mai. Frankfurter Getreldebörse. Vei stetiger Geschäftslage wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen 123 000125 00 Mk., Roggen 115 000 Mk., Gerste 105 000—110 000 Mark, Hafer inländischer 85 000—95 000 Mk., ausländischer 125 000— 130 000 Mk., Mais(La Plata) 145 000 Mk., Weizenmehl füdd. 210 000220 000 Mk., Roggenmehl 150 000 165 000 Mark, Kleie 52 00054 000 Mark. Frankfurt a. M., 2. Mal. Im Dunkel des Stabtwaldes. Die umsittlichen Belästigungen von Frauen und Kindern mehren sich im Stadtwalde in starker Weise. Der Polizei⸗ bezw. der Forstbehörde gelang es nur in den seltensten Fällen, davon dienstlich Kenntnis zu erhalten, sodaß eine Verfolgung der Täter nicht immer möglich war, Um weiteren Ueberfällen dieser Art vorzubeugen, find jetzt geeignete Masmahmen getroffen worden. Frankfurt a. M., 2. Mai. Todesfall. Der verdienstvolle jahrzehnte lange Leiter des Palmengartens, Oekonomierat August Siebert ist gestern nach qualvollem Leiden im Alter von 69 Jahren gestorben. Mit ihm scheidet eine der ersten Persönlichkeiten auf dem Gebiete des deutschen Gartenbauwesens aus dem Leben. 5 Langen, 2. Mai. Vom Starkstrom getötet. Einen sentsetzlichen Tod fand am 1. Mai der 14jährige Schönberger, der zu (Ostern aus der Schule entlassen wurde. In unglaublich leicht⸗ niger Weise erkletterte er einen Leitungsmast der Ueberlandzen⸗ trale, geriet dabei an die Drähte und wurde von dem Starkftrom der Stelle getötet. Sein Körper verbrannte in wenigen Augen⸗ blicken. Noch ehe der Strom abgestellt werden konnte, fielen schon verkohlten Körperteile auf die Straße. 5 Mainz, 1. Mai. Der Schiffsverkehr in den hiesigen und Gustavsburger Häfen ist gering. Die Hauptanfuhren bestehen in englischen Kohlen und Futtermitteln. Die Nachfrage nach leeren Kähnen ist nicht besonders lebhaft. Es wird z. Z. viel Raum unter holländischer Flagge angeboten. Für große Schwergut⸗ ladungen nach dem Mittelrhein notterte man eine Fracht von Mk. 8000.— pro Tonne bei verkürzter Lade⸗ und Löschzeit, für kleinere Ladungen entsprechend mehr. Für Ladungen ab Gebirgsstationen zahlte man 12 000.— Mk. pro Tonne. Die Flößerei geht langsam. Ein Mangel an Schleppkraft besteht nicht. In der Hauptsache kommen nur holländische Schlepper in Betracht. An Schlepplohn ab hier nach Höchst und Griesheim a. M. notierte man 35—40 holl. Cents pro Tonne. Die Wasserstandsverhältnisse find noch als bie geg zu betrachten. Die amtliche Tiefe des Fahrwassers durch ie Kostheimer Schleuse beträgt 2.30 Meter. Am hiesigen Pegel wverzeichnt man einen Wasserstand von 1.37 Meter, sodaß die meisten Kähne ihre Ladefähigkeit ganz ausnutzen können. Aus dem besetzten Gebiet. Aus Koblenz wird berichtet, daß das amerikanische Abwickelungskommando am 30. Aprfl Koblenz verlassen hat, um nach Amerika zurückzukehren. Zur endgültigen Regelung bleibt nur eim kleines Kommando von wenigen Personen zurück. Das Verhältnis der Amerikaner zu den Franzosen habe sich in letzter Zeit immer unerfreulicher gestaltet. Ein schwerer Einbruch nach jeder Richtung hin wurde kürzlich in Leipzig in ein Zuwelengeschäft in der Petersstraße während der Mittagszat verübt. Eine Bande, die aus etwa drei bis vier Personen bestand drang vom Hofe aus nach Durchbruch einer un⸗ gefättr einen Meter dicken Mauer(!) in den verschlossenen Laden And plünderte ein Schaufenster sowie mehrere Schmuckkästen aus. Der Schaden beträgt viel hundert Millionen Mark. Man spricht won annähernd eine Milliarde. Passanten. die an dem Geschäft gegen 2 Uhr mittags vorüberkamen, hielten die Diebe für Aus⸗ Lagedekorateure. Die Diehe sind unerkannt entkommen. Große Spiritus⸗Schiebungen. Die Kieler Polizei ist umsang⸗ reichen Süritschiebungen aus die Spur gekommen. Es handelt sich um große Mengen die unter Zollverschluß in Holtenau lagen und bei dern Verschiebung auch Zollbcamte sich beteiligt haben. Bisher wurden 15 Personen verhaftet, Großkaufleute, Angestellte, Hotelbesitzen und Zollbeamte. Eim Zollassistent aus Kiel hat im Gefüngnis Selbstmord verübt. Flugverkehr zwischen London und Berlin. Der von der Deutschen Aero⸗Lloyd⸗A.⸗G gemeinsam mit der englischen Daimler Luftverkehrsgesellschaft organisterte Flugverkehr London ⸗Berlin über Amsterdam, Bremen und Hamburg ist am 30. April eröffnet worden. Das erste Flugzeug ein achtsitziges Kabinenflugzeug (Typ de Havilland) ist gestern nachmittag um 7.45 Uhr auf dem Flugplatz des Deutschen Aero⸗Lloyd in Staaken mit fünf Passa⸗ gieren gelandet, nachdem es um 10.30 Uhr vormittags von London abgeflogen war. Das Flugzeug war mit fünf Passagieren auf dem Flugplatz Croydon bei London gestartet. Nach der Ueberfliegung des Kanals nahm es die erste flugplanmäßige Zwischenlandung in Rotterdam vor. dann in Amsterdam. Bremen und Hamburg, um schließlich gegen 8 Uhr auf dem Flugplatz Staaken bei Berlin zu landen. Die Passagiere waren zumeist englische Pressevertreter. Sie wurden von Vertretern des Reichs⸗ verkehrsministeriums des Aero⸗Lloyd und der ausländischen Journalisten in Berlin begrüßt. Von Montag ab beginnt der regelmäßige Luftverkehr zwischen Berlin und London und zwar fliegen die deutschen Maschinen ebenso wie die englischen nur bis Amfterdam, wo die Passagiere dann in beiden Richtungen um⸗ steigen mitssen. Nur am einem Tage der Woche soll aus bestimmten Gegenseitigkeitsgründen das deutsche Flugzeug bis London, das englische bis Berlin durchflhegen. Die Trunksucht in den Vereinigten Staaten. Obwohl es in Amerika eim strenges Alkoholverbot gibt, besteht die Trunksucht dort doch augenscheinlich noch in großem Umfange fort. Wie nach der neuesten Statistik der Newyorker Gesundheitsabteilung in der klinischen Wochenschrift berichtet wird, kamen zahlreiche Verhaf⸗ tungen wegen Trumksucht sowie Erkrankungen und Todesfälle durch Alkohol jun Jahre 1922 vor. Die Krankenhausaufnahmen wegen akuten Alkoholismus stiegen von 3345 im Vorjahre auf 5624, die Todesfälle vom 141 auf 295. Die Zahl der Todesfälle durch Alko⸗ hol hatte freilich vor Einführung des Verbotes 1916 690 betragen. Dagegen ist seit dem Alkoholverbot eine starke Zunahme festzu⸗ stellen, denn die miedrigste Ziffer wunde 1920 mit 127 Todesfällen erreicht Die Zahl der wegen Trunkenheit Verhafteten betrug 7866 gegen 6233 und 5936 in den Vorjahren. Die Zunahme wird auf den Ersatz des Bieres durch stärkere Spirituosen zurückgeführt. Ein drahtloser Hilferuf über 13 000 Seemeilen. Ein imter⸗ essantes Beispiel für große Reichweite eines drahtlosen Hilferufes lieferte der poctugiesische Dampfer Kongo. der etwa 20 Meilen von Marseille seine Sch verlor und den Notruf aussandte. Wie in Werft, Reederel. Hafen berichtet wird, wurde der Ruf nicht nur im Mittelmeer, sondern auch im englischen Kanal und im Nordatlantik gehört Indem er von den Stationen an der amerikamischen Küste und des westlichen Atlantik wiederholt wurde, kam er sogar zu dem kanabischen Postdampfer„Montagana“, der sich 40 Meilen von Quebeo also etwa 13 000 Seemeilen von dem rufenden Schiffe entfernt befand Es dürfte dies die größte Stvecke sein, über die bisher ein drahtloser Hilferuf vermittelt wurde. Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 30. April 1923. Dem Entlassungseinspruch eines Gehilfen der Schreinerei Heß in Gießen gab der Schlichtungsausschuß statt.— Eine Arbeitszeit⸗ verkürzung im Steinmetzgeschüäft Damm in Friedberg, die nicht durch Arbeitsmangel veranlaßt war, erklärte er für unberechtigt. Einen Arbeiter des Betriebes verwies er mit seinem Einspruch gegen fristlose Entlassung auf den Rechtsweg, denn Betrieberäte⸗ gesetz und Demobilmachungsverordnung kamen, wie die Verhand⸗ lung ergab, für den Fall nicht in Beracht. Zu den Schiedssprüchen erhielten die Streitteile Erklärungs⸗ 11 5 Eine Lohnstreitigkeit erledigte sich ohne öffentliche Verhand⸗ ung. *** Wirtschaft, Handel, Soziales. Schuhe xport. Die mit der Markstabilisterung verbundene Wirtschaftskrise hat besonders die Schuhindustrie schwer getroffen. Solange die Preise stiegen und eine Käuferpanik die andere jagte, war der Absatz einiger⸗ maßen befriedigend. Seitdem die Preise fallen, stockt dts ganze Schuh⸗ geschäft und in der Industrie dauert die Stockung bereits Monate. Die Kurzarbeit hat daher von Januar bis März wieder beträchtlich zugenommen. Die Läger der Industrie, des Groß⸗ und des Klein⸗ handels füllen sich immer mehr. Die Geldbeschaffung zur Aufrecht⸗ erhaltung der Produktion auf Lager wird immer schwieriger und die Stillegung bedroht stärker denn je die Arbeitnehmer. Eine Ent⸗ lastung für die Schuhindustrie durch Erleichterung des Schuhexports, die auch die Zustimmung der Arbeitnehmer der Schuhindustrie ge⸗ funden hat, ist beabsichtigt. Die Befürchtung, daß der Export die Preise wieder in die Höhe treibt, wird an unterrichteter Stelle jedenfalls für die nächste Zeit nicht geteilt, obwohl natürlich der Zusanunenhang zwischen Preis und Export dauernd im Auge be⸗ halten werden müsse. Man dürfe nicht vergessen, daß das Ausland dem Import deutscher Schuhwaren mannigfaltige Schwierigkeiten bereitet, und es sei deshalb höchstens mit einem Export bis zu höch⸗ stens 10 Prozent der Produktion zu rechnen. Das falle für den Preis nicht erheblich ins Gewicht. Seit der Verschlechterung des Mark⸗ kurses treten allerdings diese Bedenken wieder stärker hervor. Von aueh Unterscheidung wach Luxuswaren und Straßenschuhen will man absehen. So sehr das Bestreben der Schuhindustrie nach Erleichterung ihres Absatzes sich verstehen läßt, die Gefahr, daß mit einer Zunahme darunter J Viel wichtiger als die Freigabe des Export ist zur Wiebe eines lebhaften Absates eine Senkung der Schußpreise und wesentlicher Preisabbau bei den Produzenten. f Strafkammer Gießen. Sitzung vom 1. Maj. Fahrradmarder. Der Monteur Gustav Janke von und der Arbeiter Friedrich Buckhardt von Herborn le hier in der Hautklinik kennen. Schon am Vormittag des 2 Entlassung stahl J. ein Fahrrad, das er am gleichen Mitte 10 e S Woche. f Hingabe eines mi Frau wieder ersetzt. 5 4 4 Verunglückte Freifahrt. Wegen„Fälschung einer karte“ stand der bei den Buderuswerken beschäftigte August 2 Rainrod vor der Strafkammer. Am 3. Osterfeiertag 1922 föst sich eine Rückfahrkarte von Rainrod. Auf der Fahrt wurde ger Karte angehalten da das Datum den Schaffner verfälscht Tatsächlich war der Ausgabetag des 18. 4. 1922 in 24. 4. geändert. D. bestreitet die Fälschung selbst vorgenommen zu N er muß aber auf Vorhalt zugeben, daß er gewußt habe, daß die pn fahrkaren nur eine Geltungsdawer von 7 Tagen haben. Er n den Verdacht auf einen Arbeitskollegen abzulenken, der aus Nahe Fälschung begangen habe. Wegen Urkundenfälschumg in Talsfghe mit Betrug erhielt er eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen. Die Eingabe an den Landtagsabgeordneten. Der de Seum von Lißberg steht mit dem Förster Kl. von da auf ber oder übertrieben herausgestellt hätten, so könne doch aus der or und den Umständen der Eingabe an den Abgeordneten eine Heles, digung nicht erblickt werden. ö 5 13 Opfer der Spekulationswut Der Techniker Bikoni von Hug⸗ bach sspekulierte trotz seiner Jugend recht eifrig an der Bort In seinen Bekanntenkreisen galt er als Finanzmann. Aber nicht enmer waren seine Spekulationen glücklich. Ende Januar 1923 ue ein Konto bei der Bank um etwa 35000 Mk. überschritten. Gel eines Besuches in einer Familie entwendete er aus Schecksprmplar⸗ büchern, die auf einem Schreibtisch lagen, 2 Schecks. Den eisenschek stellte er über den Betrag von 420 000 Mk. aus und sucht den Techniker Wilh. Roth von Griedel zur Einlösung des Seit u veranlassen. R. fand die Ausfüllung des Schecks nicht ganz in Ordnung und veranlaßte den ihm befreundeten Wilh. Diete? aus Bad⸗Nauheim, den Namen eines nicht existierenden Karl Brauner auf den Scheck zu setzen. Die Bedenken des Dieter wehe. der Leistung der Unterschrift wußte er zu zerstreuen. Dieter wil auth hierin nichts Strafbares erblickt haben. Die Bank zahlt den Scheck auch ohne Anstand aus. Roth und Dieter erhielten von Bikoni kleinere Beträge zum Dank für ihre Dienstleistungen Das Spekulationskonto bei der Bank wurde von Bikoni von dein er⸗ haltenen Geld cds und mit dem Rest wieder spelhllert, Bald war auch dieses Geld wieder alle und nun wurde von kom der zweite Scheck auf 800 000 Mk. ausgestellt. Oje Bank lösh auch diesen Scheck ein. Am gleichen Tag kam zufälug der Inhaber des Kontos zur Bank und erfuhr von der Vorlage des Schecks Akon gab auf Vorhalt die Fälschung zu. Später kam au die erste Fälschung zum Vorschein. Alle Valräge sind der Bank eusetzt. Alle Angeklagten sind, soweit ihre Tülgkeit in Frage kommt, geständig. Das Gericht setzte nach längeie Be⸗ ratung die Verkündung der Entscheidung auf Diens bah, den 8. Mai, aus. Versammlungskalender. 1 Gießen. Arbeiterwohlfahrtsausschuß. Jistag, den 4. Mat, abends 8½ Uhr wichtige Sitzung. Dollarstand heute mittag 12 Uhr: ca. 38 000 M —— 1 8 6 [Servus „Servus merre sich ein jedes 9e die Schu- erhòst des ledei. chem Here lubszynstd, n A6. hechn. Uchlenb em. Partei-Literatur empiiehlt Buchhandlg. Oberhess. Volksztg. 2000 270 2 2 r 2 Ehrlicher junger Mann Giessener Konzert- Verein a, ens se Montag. 14. Mal,(fentliche Hauptprobe 1 am 11. Mai) abends 6 Uhr in der Stadt- kirche findet das letzte Abonnementskonzert Ausbursoh HEILILAS Oratorium für Soli, Chor und Orchester statt. Die ausgegebenen Abonnementskar- ten sind unter Zuzahlung von 3000, 2500 u. bis einschl. 7. Mal bei Ernst hallier umzutauschen. Einzelpreise: III. Platz 2500, Hauptprobe 1500 Mk., für Mitglieder 1000 Mk., für Student des Erports auch die Schuhpreise wieder anziehen, besteht zweifellos. Henkel's P für Haushalt, Gewerbe und Induf ie —.— e e ee e- n utz⸗ und Scheuerpulver; unentbehrlich. Alete Bor sirll er Men A c, duss BTO. gute Dauerstellung. 233 S. Joseph Lederhandlg. Westanl. 29. Damen⸗ u. 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