dberhe un: techet 2008. 155 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 0 eitung Ewpedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008. Die Operb. Volksseitung erscheint seden Werktag vormittag in Gi 72 Mponpementepreig mit den Beilagen Das Blat der ae ad der. 10 Verantwortlicher Redakteur F. Vetterß. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren Raum sokal 60.— Mk. au⸗wärts 80.— Mk. die Reklamemillimeterzeile 300.— Mk Ber größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. kusschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 3300.— Mk einschl. Bringerl 155 Post bezog. 3800.— Mt einschl. Bestellgeld. Einen 190 r — Nr. 76 Gießen, Mittwoch, den 4. April 1923 18. Jahrgang 1 unser Münchener Korrespondent schreibt uns: Das vom preußischen Ministerium gebilligte kraftvolle Eeumschreiten Severings gegen die Umsturz⸗ und Verschwörer⸗ bande hat die bayerische Einheitsfront der Deutschvölkischen und Nationalsozialisten samt ihrem Anhangsel von National- Aktiven und Vaterländischen Verbänden völlig ins Wanken 1 15 Hatten sie bisher noch gehofft, die Vertreter der bürgerlichen Parteien in der preußischen Regierung würden Severing desavouieren und die Reichsregierung zu ver⸗ fafsungswidrigen Maßnahmen gegen ihn veranlassen, so sind auch diese Strohhalme von dem Wirbel eitler Illusionen und vager Hoffnungen erfaßt worden. So ist es denn kein Wunder, daß die Suche nach dem Schuldigen mit mehr Eifer als Geschick eingesetzt hat. Die öffentliche Polemik in deer Presse zwischen dem Führer der Bayerischen Volkspartei, dem Abg. Held, und Ludendorff, zwischen„Stahlhelm“ und Deeutschvölkischen, wie der verunglückte Rechtfertigungs⸗ bersuch des Dr. Heim wegen des gegen ihn erhobenen Vor⸗ wurfes, mit den Franzosen wegen Abtrennung Bayerns vom Reiche derhandelt zu haben, ist zwar nur ein schwacher Widerhall des in den Konventikeln der Bünde und Partei; führer obwaltenden Getöses— aber doch ein nicht zu unter⸗ schätzendes Merkmal zur Beurteilung bayerischer Vorgänge. Mie war doch alles so schön im Lauf, ehe das preußische Sprengpulver die Koalition Schwarz⸗Weiß⸗Rot mit Weiß⸗ Blau auseinandergerissen hatte. Unter einer mehr für ihre Selbsterhaltung als die gleichmäßige Wahrung staalsbürger⸗ Ache: und verfassungsmäßiger Rechte bedachten Regierung konnten die mit amerikanisch-jüdischen(Ford!) und bolsche⸗ wistischen Millionen arbeitenden Hitlergarden verheißungs⸗ volle Vorarbeit leisten, und zwar für alle Teile des in München domizilierenden Generalstabes zur Bekämpfung und Störung der Reichseinheit. Nun, da der Ring, der die cbm Weiß⸗Blauen und Schwarz⸗Weiß⸗Roten zusammenhielt, ge⸗ u Gm srengt ist, werden zwar die Nationalsozialisten unter Füh⸗ an zee kung des neuroppatischen. gänslich apolitischen Schwätzers l. Hitler ihr Geschäft wieder in gleicher Weise fortbetreiben— und, pcolange die Betriebsmittel ausreichen—, aber die Harmonie N schen, Antisemiten und der unter der Aegide v. Kahrs stehen⸗ den„Vaterländischen Verbände“ ist für einige Zeit zerstört. Dafür ist aber Ludendorff aus seiner politischen Kulisse an die politsche Rampe getreten. Was den Abg. Held veran⸗ laßte, den Protektor der Nationalsozialisten, der„Kampfver⸗ bände“, der„Vaterländischen Bezirksvereine“ Münchens, der„Reichsflagge“, des Bundes„Oberland“ und des Ver. schwörerklubs„Blücher“ auf die Szene zu bringen, ist folgendes: Der General hat. wie aus seiner gegen Held ab⸗ gegebenen unzweideutigen Erklarung hervorgeht, durch sein Eintreten für die Reichseinheit, die von seinem Standpunkt aus betrachtet, auch von dem Marsch der Hitlerbanden nach Berlin nicht bedroht worden wäre, den bayerischen „Föderalisten“ und Königsmachern„in die Suppe gespuckt“. Wie sehr dies den politischen„Dialeftiker“ Held geschmerzt hat, beweist sein kläglicher Rückzug vor dem glorreich Be⸗ siegten. Held, der Herausgeber und Inspirator des Regens- 1 f 9 der Interessen von Separatisten, Jöderalisten, Deutschvölki⸗ blosr, eltron. Wohnung f eulgegel⸗ Bayern nichts zu erreichen ist. f So erübrigt es sich, dem Geschwätz der Deutschnationalen ber den gegen die„Deutschen“ in Preußen eingeleiteten Kampf mehr Bedeutung beizumessen, als dem Aerger politi- EA 1 gaufule burger Anzeigers, redet sich darauf hinaus, nichts von den 15 Mel 1 Angriffen seines Blattes gegen Ludendorff gewußt zu rn. haben! Das dürfte genügen! 5 ehr Die Regensburger Geheimräte besitzen eine besondere. ee, für alle Falle brauchbare Dialertik. Se Heim wie Held! % e Erfterer hat stets ein Dutzend Alibibeweise in der Tasche. aber angesichts der Feststellungen von Wilsons Sekretär Baker muß er jetzt endlich eingestehen, mit den Franzosen 1 10 über die Absonderung eines Teiles von Deutschland ver⸗ lan bendelt zu haben. Selbstverstandlich nur für den Fan der deine HBeolschewisierung des Nordens und nur zu dem Zweck, um auobllal ö D Deutschland gesund zu erhalten“. Wenn man sich erinnert, il 1 daß die bayerischen Reaktionäre unter dem Schlagwort 60 100 U„Bolschewismus“ auch die für die Republik und die Ver⸗ 1 1 05 kämpfende een 11 11 8 a ie Heimsche Deutung seiner Verhandlung mit den 1 1 Franzosen richtig einzuschätzen. Durch die Besetzung des 4 Ruhrrebiers sind übrigens die Aussichten unserer Rhein · f bundspolitiker auf den Nullpunkt gesunken. Man hat in 0 Paris eingesehen, daß mit ihnen, dank der entschiedenen 1 Haltung der Arbeiterschaft und der Sozialdemokratie, in 1 1 1 Als 305 00 scher Lohgerber über weggeschwommene Felle zukommt. en Kennzeichen der politischen Naivitat dieser Leute genügt es 0 1.— 2 5 Id er anzuführen, daß sie ernsthaft von einer Allianz Held⸗ 1 1 80 sprechen und der bayerischen Regierung vorwerfen, nit die Beseitigung der Republikschutzgesetze einge⸗ 1 Etwar Weis⸗ Rut gegen Blau⸗Weiß. Eine Ostertat der Soldateska Poincarés. Ein Blutbad in Essen! 11 Tote— 55 Verletzte! Am Samstag vormittags kam es anläßlich der Besetzung der Krupp schen Automobil⸗Garage durch starke französische Truppen⸗Abteilungen zu einem blutigen Zwischenfall, der nach der bis jetzt vor⸗ liegenden Uebersicht 11 Tote und 55 Verwundete gekostet hat. N Diese Menschenopfer fallen der Nervosität der franzö⸗ sischen Soldaten, die schwerbewaffnet in die Automobilgaragen einzogen, zur Last. Bereits tags zuvor wurde von den Franzosen in einzelnen Kraftwagenhallen des Kruppschen Werkes Autos beschlagnahmt. Am Samstag vormittag sollte ein neuer Eingriff in den Betrieb versucht werden. Sofort er ⸗ tönten die Fabriksirenen, zehntausende von Arbeitern begaben sich auf die Altendorfer Straße, die mitten durch das Krupp⸗ Werk führt. Infolgedessen mußte der Straßenbahnverkehr hier eingestellt werden. Die Kraftwagenhalle 3 wurde in⸗ zwischen wieder geräumt. Der Betriebsrat setzte sich vermit⸗ telnd ins Werk, er versuchte, die Arbeiter zu beruhigen und die Franzosen zum Abzug zu bewegen. Trotzdem machten sich die noch in der Kraftwagenhalle befindlichen Truppen schußbereit. Gegen 10 Uhr kamen sie aus der Kraftwagenhalle heraus, ihnen voran schritt das Mitglied des Betriebsrats, Genosse Zander. Plötzlich feuerten die Franzosen ohne Anlaß, als erster blieb Zander tot auf der Stelle liegen. Außerdem waren 8 Tote und 55 Schwer- bezw. Leichtverletzte zu bekla⸗ gen, von denen inzwischen noch 3 cestorben sind.— Nach diesem Blutvergießen stob die Masse panikartig auseinander. Auf die Fliehenden gefeuert! Festgestellt ist bisher, daß von den 11 Toten 10 Rücken⸗ schüsse erhalten haben, sie also von hinten erschossen sein müssen. Diese Tatsache widerlegt die verlogene Behauptung, daß die be⸗ waffneten Militärs angegriffen worden sind und sich erst nach vor⸗ hergegangener Warnung gegen eine unbewaffnete Bevölkerung mit scharfen Schüssen gewandt haben. Die französische Propa⸗ ganda behauptet auch, daß die Arbeiter ausschließlich mit Stöcken bewaffnet gewesen sein sollen. Auch diese Behauptung ist er⸗ logen.. Die Namen der Toten sind: Franz Oellmann, Joseph Zander, Arthur Blum, Hermann Hoegemeier, Fritz Pieper, Walther Schweers, Kasimir Janick, Helmuth Seel, Willy Wichartz, Hans Müller, Ernst Maunertz. Die ersten zehn sind fämtlich Bureau⸗ beamte, Arbeiter oder Lehrlinge der Kruppwerke, der elfte ist ein Bergmann. Im Krankenhaus belinden sich noch zehn Schwerver⸗ letzte. Es steht zu befürchten, daß noch einige von ihnen sterben werden. Muhe in der Stadt. Der Ostersonntag und der Ostermontag sind in der Stadt Essen trotz der tiefen Erregung, in die das von den Franzosen angerichtete Blutbad die Bevölkerung versetzt hat, ruhig verlaufen. Französische Abwälzungsmanöver. 5 Verhaftung der Werkdirektoren. Die französische Vesatzung hat das Bedürfnis gehabt, die Schuld für die Schreckenstat vom Ostersamstag von sich abzu⸗ wälzen und inf olg ⸗bessen am Sonntag vier Direktoren der Krupp⸗ schen Werke verhafiet Mehr als vier haben sie nicht gefunden, ob⸗ wobl allc maßgebenden Leute der Firma gesucht worden sind Diesen Direktoren wurde die Schuld für den Zwiichenfall unter Entstellung der Tatsacken und unter Angabe non Behauptungen, die den Charakter der Lüge sofort erkennen lassen, zugesprochen. Sie sollen den Zusammenstoß„planmäßig vorbereitet haben“. I. a. lügen französische amtliche Bureaus der ausländischen Oeffent⸗ lichkeit vor, daß die Kruppsche Werkleitung durch Flugzeuge Zettel auf die versammelte Arbeiterschaft abwerfen ließ, aus denen die Planmäßigkeit der Nie dermetzelung deulscher Arbeiter hervor⸗ gehen soll. Ein amtlicher Lü enbericht aus Paris. Von den Pariser amtlichen Stellen wird über die blu⸗ tigen Zwischenfälle in Essen folgende Darstellung gegeben: „Während eines Besuches in den Essener Kruppwerken wurbe eine französische Abteilung von Arbeitern der Krupp⸗ werke angegriffen. Man ließ heißen Dampf gegen die Fran⸗ zosen ausströmen und bedrohte sie mit Revolvern. Die franzö⸗ sischen Soldaten feuerten nach der üblichen Warnung zunächst in die Luft, sahen sich dann aber gezwungen, auf die Arbeiter zu schießen. Fünf oder sech⸗ Deutsche wurden getötet und etwa 30 verwundet. Der zweite Zwischenfall ereignete sich während der Fahrt eines französischen Militärautomobils durch die Stadt Essen. Das Automobil wurde von der Menge angehalten; die Insassen, zwei französische„Kontrolleure“, wurden in eine Fabrik geführt und mißhandelt. Der eine erlitt dabei Verletzungen, während es dem anderen möglich war, zu flüchten.“ Diese Darstellung französischer amtlicher Stellen ist in ihrem wesentlichen Teil erlogen. Zunächst handelte es sich nicht um einen„Besuch“, sondern um einen Einbruch in fried ⸗ liches Arbeitsgelände, um dort den unzähligen Diebstählen der Besatzungsarmee einen weiteren hinzuzufügen. Die ganze Art des hierbei gezeigten Vorgehens läßt darauf schließen, daß man den blutigen Zwischenfall gesucht hat. Wahrheits⸗ widrig ist z. B. die Behauptung, daß die Arbeiterschaft auf die Franzosen heißen Dampf ausströmen ließ und sie mit Revolvern bedrohte. Das ergibt sich schon daraus, daß im Kruppwerk, sobald die Franzosen erschienen waren, sämtliche Sirenenklänge unterrichtet, die Betriebe restlos verließ. Wahrheitswidrig ist ebenso die Feststellung, daß die franzö⸗ sischen Soldaten erst nach der üblichen Warnung gefeuert haben. Richtig ist, daß ihnen ein Betriebsratsmitglied, unser Genosse Zander, voranschritt und den Weg bahnte, daß die Arbeiterschaft den Aufforderungen Zanders, den Weg frei zu machen, nachkam, die Franzosen aber trotzdem sinnlos in die Menge hineinschossen. stellungen lediglich, daß sich ein zweiter Zwischenfall ereignet hat, der aber ohne Zweifel verhindert worden wäre, wenn die französischen Soldaten das Gemetzel erspart hätten. Es ist richtig, daß ein Auto mit zwei Franzosen nach dem Zwi⸗ schenfall die Altendorter Straße passierte. Die erregte Ar ⸗ beiterschaft forderte die Insassen auf, das Auto freizugeben, weil es zum Abtransport der schmählich niedergemetztelten Arbeitskollegen benutzt werden sollte. Diese Forderung wurde abgelehnt, sodaß sich die Arbeiterschaft mit Gewalt des Wagens bemächtigte. Sie Insassen, zwei französische Kontrolleure, führen, um sie dort zu mißhandeln. Die amtlichen französischen Behauptungen zeigen jeden⸗ falls, wie schlecht es um Frankreichs Sache bestellt ist. Vier⸗ der englischen Arbeiterpartei, die in Paris mit Vertretern treten waren, um über die Lösung der Reparationsfrage zu beraten, erklärte, daß der Kampf der französischen Regierung nicht den Arbeitern, sondern nur den Kapitalisten gelte, hat sich die Verlogenheit dieser Aeußerung offenbart. Die Er⸗ mordung 11 deutscher Arbeiter und die Niedermetzelung von 55 anderen, die zum Teil auch noch mit dem Tode ringen, wird nicht nur der internationalen Arbeiterschaft, sondern der gesamten Welt offenbaren, von welchem Geist das heutige offizielle Frankreich beseelt ist. Insgesamt klagen jetzt an⸗ nähernd 50 tote Deutsche, die lediglich ihrem Vaterland gegen⸗ über die Pflicht getan haben, diesen Geist an. Wo bleibt das Gewissen der europäischen Kulturvölker? 5 Ene enalische Feststellung. die Franzosen anläßlich des Zwischenfalles bei Krupp schwer. 0 einem Telegramm des Essener Vertreters von„Reuter“ heißt es 92 98 „Auf das Sirenensignal hin verließen die Arbeiter ganz ruhig die Werkstätten. Die neun Franzosen wurden besorgt und nervös. Sie befahlen der Menge, Panik ergriffen, schossen sie wiederholt. Von den Arbeitern waren keinerlei Provokationen erfolgt. Zahlreiche Arbeiter wurden in dem Augenblick verletzt, als sie fortstürzten, um sich vor dem Kugelregen in Sicherheit zu bringen.“ Ein deutscher Aufschrei. ner, der nach seiner Ausweisung durch die Franzosen die weiter führt, hat an den erklärt: treten zu sein. Wäre das geschehen, dann hätte der„inter⸗ national⸗marxistische Severing“ eine Verfolgung der„Deut⸗ schen“ nie gewagt. Hat das Eindrücken der reaktionären Front in Bayern ein fast komisch wirkendes Geräusch erzeugt und hält man es aus strategischen Gründen für angemessen, pon den Putschisten ein wenig abzurücken, so steht es doch außer Frage, daß sich die Weiß⸗Blauen mit den Schwarz- Weiß⸗Roten bei gegebener„Gelegenheit wieder zu gemein⸗ samem Tun zusammenfinden werden. Vorläufig bemühen möglicht, trotz ihrer über das, was„vaterländisch“ ist, eine gemeinsame Marsch⸗ Entdeckung einer überparteilichen Auslegung„vaterländi⸗ schen“ Ziele durch die Regierung, die mit verschränkten Armen die Entwicklung zur Anarchie betrachtet, weil sie nicht weiß, wo„der Boden der gegebenen Tatsachen“ einst liegen wird. ö hat jedoch nicht daran gedacht, die in eine Fabrik zu undzwanzig Stunden später, als Poincaré den Vertretern der Arbeiterschaft der übrigen Ententeländer zusammenge⸗ sich zu zerstreuen und dann, von einer Der Regierungspräsident von Düsseldorf, Genosse Grütz⸗ Amtsgeschäfte von der Grenze des besetzten Gebietes aus kommandierenden General der Rheinarmee Degoutte durch die Hand des Generals Devigne in Düsseldorf ein Protestschreiben gesandt, in dem er u. a. sie sich einen modus procedendi zu entdecken, der ihnen er⸗ weit auseinandergehenden Ansichten route wiederzufinden. Genährt wird die Hoffnung auf die Sirenen ertönten und die Arbeiterschaft, von dem Zwecke dern Zutreffend ist an den französischen Fest⸗ Die Berichterstatter der Londoner Presse im Ruhrgebiet belasten „Ich beschränke mich diefes Mal nicht darauf, Ihnen ner[o bamals als Geiseln den Präsidenten des Landgerichtes, den Dtrek⸗ e 1 e 2 eue 5 Direktoren von Privatbanken Eigenschaft als verantwortlicher Leiter des Regierungsbezirks Düssel⸗ dorf den denkbar schärssten Protest wegen der Bluttat zu übermitteln, sondern spreche Ihnen diesmal als Worthalter der Ermordeten, der Schwer⸗ und Leichtverletzten und zukünftigen Krüppel, der Witwen und Waisen, Frauen und Kinder, meinen tiefsten Abscheu über das Wüten Ihrer Ihnen unterstellten Soldateska besonder⸗ laut und öffentlich aus. Ich bin überzeugt daß mein Urteil die Billigung aller Völker finden wird. Sie, Herr General, und die französische Regierung, haben durch die Agence Havas die Meldung verbreiten lassen, daß Ihre Truppen durch die Gewalttaten der Kruppschen Arbeiter zu ihrem mörderischen Vorgehen veranlaßt wurden. Schon jetzt weise ich diese vom franzö⸗ sischen Standpunkt aus wohl verständliche Fälschung des Geschehnisses zund der Geschichte entschieden zurück. Wenn Kruppsche Arbeiter sich an dem Versuche, sie ihrer Produklionsmittel zu berauben, durch Massenausammlung mitten aus den Werkstätten heraus und durch Worte berechtigter Entrüstung zu erwehren suchten, wenn sie es fertig bringen, diszipliniert, wie sie es als qualifizierte Arbeiter des deut⸗ schen Ruhrgebietes find, durch ihren Betriebsrat der Truppe ihren ungefährdeten Rückzug und Abmarsch zu sichern, so entfällt dabei auch ber leiseste Vorwand für die Truppe und ihre Führer für das Massen⸗ a n, das sie begangen haben. Als geradezu kläglich muß ich das Beginnen bezeichnen, die Direktoren der A. G. vorm. Fr. Kriwp 65 die Ansammlung der Arbeiter verantwortlich zu machen. Ich hoffe von Ihnen, Herr General, unter ansdrücklicher Betonung, daß der Essener Massenmord das gesamte besetzte Gebiet, besonders den Ruhrbezirk, zur Siedehitze erregt hat, daß Sie unverzüglich alle Maß⸗ nahmen ergreifen die wenigstens Ihre Absicht erkennen lassen, daß Sie sich nicht mit jenem Mafsenmord identifizieren. Das schwere Un⸗ recht wird auch die strengste Sühne nicht unge sche hen machen. Zum Schluß seien Sie versichert, Herr General, daß ich die care Sprache dseses Schreibens nicht spreche, weil ich zur Zeit im 4 2 Deutschland weile, ich erkläre mich ausdrücklich bereit, für das selbe vor jedem französischen Kriegsgericht mit meiner Person Einzustehen, sofern man mir für dieses in vollem Umfange die Er⸗ bringung des Wahrheitsbeweises für meine Behauptungen zusüahert. Wenn Sie und die französische Regierung dies nicht zu fürchten brauchen, dann mählen Sie diesen Weg!“ uch die Stadt Essen hat feierlichen Protest französischen Gewalthabern eingelegt. bereitet eine Protestnote vor. Ausdehnung der Vesetzung von Mannheim. Franzosen bei Benz und in der Neckarvorstadt. Auf die Nachricht, daß die Verkehrshindernisse im Nhein⸗Herne⸗Kanal wieder beseitigt seien, wurde in den Zeitungen betont, daß nun auch jeder Grund zur Besetzung der Mannheimer und Karlsruher Hafenanlagen und der Eisenbahnwerkstätten Darmstadt in Wegfall gekommen sei. Sozusagen zum Hohn für diese Schlußfolgerung haben die Franzosen am Samstag die Umklammerung Mannheims ausgedehnt. In einer Stärke von 2 Kompagnien marschierte eine Truppenabteilung über den Parkring, Luisenring und die Friedrichsbrücke nach der Neckarvorstadt, wo der Bahnhof Neckar⸗Vorstadt, der sog. hessische Bahnhof, und das alte Werk von Benz besetzt wurde. Da die Arbeiterschaft es ablehnte, sich der französischen Kontrolle zu unterstellen, ist die Arbeit eingestellt worden. Die Franzosen haben natürlich eine neue Ausrede für die neue Gewalttat. Sie gehen vor, in den Benzwerken würden Dieselmotoren im Widerspruch zu den Bestim⸗ mungen des Friedensvertrages hergestellt. Die Werkleitung und der Betriebsrat haben erklärt, daß seit Kriegsende solche Motoren in dem Werke nicht mehr erzeugt worden sind. Osterüberfall auf eine Grube. Die Franzosen besetzten am 2. Ostertag die Schachtanlage zergmannsglück bei Buer. Hier werden mehr als 5500 Arbeiter schäftigt. Da die Arbeit während der Feiertage auf der Zeche ruhte, war der Einbruch leicht zu bewerkstelligen. Die Arbeiter⸗ schaft wird jedenfalls am Dienstag die sonst üblichen Schichten bei den Die Reichsregierung en. 9 Freilassung von Geiseln. Am Samstag vormittag sind die in Essen vor brei Wochen als Geiseln sestgenommenen Bilrger freigelassen worden. Als damals im Heizraum des Hauptbahnhofes nächtlicherweile ein französischer dle Schmidt von der Straße aus erschossen wurde, behaupte⸗ ten die Franzosen, es läge ein politischer Mord vor. Sie nahmen Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan. In der Nacht ereignete sich etwas so Merkwürdiges, daß die Abergläubischen in Kromlaix jahrelang davon sprachen. Einige Fischer kamen spüt am Abend vom Hummerfang zurück und do es ziemlich windstill war, ließen sie die Boote unter dem Schatten der mächtigen Klippen, dahingleiten. Gerade als sie am Tore des Heiligen Gildas vorbeisegelten, wurden ihre Augen von einem hellen Schein, der aus der „Kathedrale“ drang, geblendet. Wie wir bereits erwähnt haben, hielt man diese für verzaubert und kein Kromlaixer hätte es gewagt, um diese Stunde den vermeintlich von Geistern und Gespenstern heimgesuchten Ort zu betreten. Es war die Zeit der Hochflut und die Kathedrale schien mit flüssigem Malachit gepflastert zu sein. Die Fischer richteten ihre Blicke erstaunt durchs Tor, stießen aber gleichzeitig einen Schreckensruf aus, bekreuzigten sich und beteten laut das Vaterunser, denn die riesige Kathe⸗ brale war plötzlich hell erleuchtet und hoch oben auf dem moosbedeckten Altar stand eine, eine brennende Fackel schwingende Riesengestalt. Alle Fischer, welche die seltsame Erscheinung gesehen hotten, waren, als sie später ihre Ein- drücke austauschten, darüber einig daß es der heilige Gildas gewesen sei. Die Vision war nur einen Augenblick sichtbar gewesen, aber ehe sie verschwand, sahen die braven Fischer eine ent— setzliche Erscheinung. Zu den Füßen des Heiligen kauerte eine dunkle Gestalt, von der nur der Kopf deutlich erkennbar war und dieesn zierten gräßliche Hörner und ein Paar aus den Höhlen hervortretende Augen. die entsetzt zu dem heiligen Gildas emporblickten. Ehe sich's die Fischer recht versahen, war die Kathedrale wieder in tiefes Dunkel gehüllt. Laut⸗ lose Stille derrschte ringsum, selbst das Meer schien den Atem anzuhalten. Ihrer Sinne kaum machlig und vor Angst zitternd, rudetten die Fischer in wahnsinniger Hast aus dem Bereiche des furchtbaren Spukes. Sie hatten genug gesehen: nicht nur den gefürchteten Heiligen, sondern 62 u. 63 fest. Am Vorabend deutscher Vorschläge? Der Berliner Berichterstatter der Daily Mail kündigt an, daß der deutsche Außenminister Rosenberg unmittelbar nach Ostern bestimmte deutsche Vorschläge, die an die Ge ⸗ samtheit der Entente gerichtet sind, bekanntgeben wird. Eine böse Ungeschicklichkeit Cunos. Der französische Ministerpräsident hat in der letzten Kammersitzung eine Erklärung abgegeben, in der er aus- drücklich darauf hinwies, daß Frankreich die in Besitz ge⸗ nommenen Pfänder, d. h. das Ruhrgebiet, nur im Verhält⸗ nis zu den erlangten Zahlungen räumen wird. Diese Er⸗ klärung Poincarés, die an sich mit dem übereinstimmt, was er bereits früher wiederholt und zuletzt in der Finanz⸗ kommission der Kammer zum Besten gegeben hat, veranlaßt die Reichsregierung abermals zu einer offiziellen Entgeg⸗ nung, in der es u. a. heißt: „Herr Poincaré wiederholt damit nur den Inhalt des Brüsseler Kommuniqués, zu dem der Reichskanzler in seiner Münchener Rede Stellung genommen hat. Der Reichskanzler sagte damals: Jede Diskusston über die Beendigung des gegenwärtigen Konflikts muß von der vorbehaltlosen Räumung des Einbruchsgebietes ausgehen. Solange das Regime der Gewalt und der Rechtlosigkeit nicht end gültig aufgegeben ist, kann ich auch in dem Brüsseler Kommuniqus nicht irgendwie einen Fortschritt erblicken.“ Es liegt kein Anlaß vor, die Lage nach der Poincars'schen Rede anders zu beurteilen, und es folgt daraus, daß die deutsche Regierung die bewährte Poli⸗ tik der Abwehr unverändert fortführt.“ 5 Diese auf außenpolitische Wirkung eingestellte, in Wirk. lichkeit aber aus innerpolitischen Gründen verfaßte offizielle Entgegnung verwischt die in den letzten Tagen geschaffene Klarheit und muß im Auslande eine Verwirrung herygr⸗ rufen, die Deutschland schwer schaden kann. Gerade der jetzt von der Reichsregierung hervorgehobene Satz der Münchener Kanzlerrede gab zu dem letzten Zusammentritt des Aus- wärtigen Ausschusses Anlaß, um die notwendige Klarheit über die deutsche Außenpolitik zu schaffen. Damals wurde die Münchener Formel des Reichskanzlers durch eine der Oeffentlichkeit übergebene Erklärung des Auswärtigen Ausschusses dahin erläutert, daß der passive Widerstand fort gesetzt werden muß mit dem Ziel,„hierdurch und durch internationale Abmachungen die Befreiung des Ruhr- gebietes von der heutigen unrechtmäßigen Invasion herbei zuführen“. Eine weitere Klärung fand die Situation durch die Rede des englischen Unterstaatssekretärs Me. Neill, die die Regierung ebenfalls zu einer offiziellen Erklärung ver⸗ anlaßte und in der festgestellt wurde. daß bisher noch in keinem Falle von maßgebenden Persönlichkeiten an Verhand⸗ lungen die Bedingung der vorherigen Räumung des Ruhr · gebietes geknüpft wurde. Durch die jetzt neuerdings ver⸗ öffentlichte unklare Auslassung der Reichsregierung wird der im Ausland auf Grund der letzten Erklarung gegenüber der Rede Me. Neills geschaffene gute Eindruck in das Gegen · teil verwandelt, trotzdem sicher ist, daß die Mehrheit des Reichstags nach wie vor nicht daran denkt, an irgendeine Verhandlungsmöglichkeit die vorherige Räumung des Ruhr⸗ gebiets als Bedingung zu knüpfen. Die letzte Entgegnung ist weniger als Antwort auf die Rede Poincarés zu betrachten, sondern von Herrn Helfferich souffliert und von Cuno zur Beruhigung der nationalisti⸗ schen Meute der Oeffentlichkeit übergeben worden. Der deutschnational e Privatsekretär des jetzigen Reichs kanzlers wird hierbei sicherlich wieder gute Dienste geleistet haben. Wir müssen jetzt mit aller Entschiedenheit verlangen, daß mit dieser papierenen Konzessionspolitik im Innern, die Deutschlands Interessen im Ausland schwer schädigt, endlich Schluß gemacht wird. Wie lange läßt sich der Reichstag, die parlamentarische Vertretung des deutschen Volkes, dieses Durcheinander noch länger gefallen? scheinlich wegen seiner an der Menschheit verübten Schand⸗ taten von dem Heiligen gezwungen wurde, Buße zu tun. Neunzehntes Kapitel. Mikel Grallon macht eine Entdeckung. Am nächsten Tage sprach ganz Kromlaix von der wunder⸗ baren Erscheinung in der Kathedrale des heiligen Gildas. Niemand bezweifelte auch nur einen Augenblick die Glaub⸗ würdigkeit der Augenzeugen und jedermann war gerne bereit, an übernatürliche Dinge zu glauben, die die aber⸗ gläubischste Phantasie befriedigen mußten. Die Erscheinung des Heiligen hatten Leute schon zu verschiedentlichen Malen gesehen, aber selbst die ältesten Dorfbewohner vermochten sich nicht zu erinnern, je davon gehört zu haben, daß er in Gesellschaft des„Gehörnten“ gesehen worden wäre. Erfolg ermutigt bekanntlich selbst die schüchternsten Geschichten⸗ erzähler— was Wunder, wenn die Augenzeugen ihrer aber⸗ gläubischen Einbildungskraft freien Lauf ließen:„Der Teufel hatte zwei riesige Augen— so groß und so leuchtend wie eine Bootslampe,“ erzählte ein greiser Fischer,„und er blickte zu dem Heiligen empor. Jeder Sterbliche wäre unter diesen Flammenblicken zerschmolzen. der Heilige aber hob die Fackel hoch empor und zwang den Teufel, das christliche Glaubensbekenntnis abzulegen.“ „Woher weißt Du das, Vater Eoran? Hast Du es ge- hört?“ fragte einer aus der Menge. „Frag doch Penmarch, frag' Gwesklen, frag' den alten Christian! Ich für meine Person bin überzeugt, daß„Meister Robert“ die Litanei hersagte. Eines ist sicher— hier stand der gesegnete Heilige und dort kniete der„Schwarze“ und jedermann weiß, daß das die Buße ist. die der Heilige ihm auferlegt, so oft er ihn auf geweihten Boden erwischt.“ „Hielt er wirklich eine brennende Fackel in der Hand?“ fragte Mikel Grallon mit ungläubiger Miene. 2 „Ja, sie leuchtete hell wie ein Komet und blendete uns alle mit ihrem Schein.“ „Hast Du den Heiligen auch deutlich gesehen k“ „Mikel Grallon, glaubst Du denn, daß ich blind dine Da stand er, Du hättest gemeint, daß es ein Engel vom zu seinen Füßen auch noch die Umrisse des Bösen, der wahr⸗ in London eine Massenkundgebung. Politische Uebersicht. Sozialistische Berbrüderung. Am Sonntag veranstaltete die englische Arbeiter Von deutscher Seite war Crispien/ von französischer Seite Longuet erschienen Als beide Hand in Hand mit Macdonald die Tribüne be stiegen, wurden sie mit lebhaftem Beifall begrüßt. Mar donald, der bekanntlich am letzten Donnerstag eine Unter redung mit Poincaré führte, teilte anläßlich der Kund gebung mit, daß die sozialistischen Konferenzen in Be und Paris—„zu Schritten führen würden, die den An 8 zur Beilegung des Ruhrkonfliktes bedeuten, zu Schritte f die die Regierungen aus eigener Initiative nie unter . ö nommen hätten.“ Longuet betonte. daß die f. Arbeiterschaft die Ruhraktion ihrer Regierung ebenso v urteilt, wie die englische Arbeiterklasse.— 9 Revolution in Rumänien? Sonntag wurden in Paris und auch in London zahl. reiche Gerüchte verbreitet, daß in Rumänien die Revolution Schon seit einiger Zeit kamen Julia flücht te. Alba Julia flüchten muß aus Rumänien. Insbe⸗ ehr beunruhigende Nachrichten a 7 0 die Einführung der neuen Verfassung 1 zu leb, hafter Unzufriedenheit im ganzen Lande Anlaß. In Bukarest mußten strenge militärische Maßnahmen getroffen werd Man behauptet auch, daß der Belagerungszustand über au; Transsulvanien verhängt wurde. Die Einberufung neuer leisteten. Eine starke bolschewistische Bewegung soll f geltend machen. Eine Bestätigung all der umlaufenden Ge rüchte bleibt abzuwarten. 0 3 Die Eutscheidung über Memelland. In einer geit starker politischer Fochspannung. wie sie der französisch⸗belgische Einbruch ins Ruhrgebiet erzeugt hat, die an sich von untergeordnetem Interesse erscheint: die Regelung der staatsrechtlichen Stellung des Memellandes in seinem Verhältnis zu Litauen, dem es es vor einiger Zeit zugesprochen worden ist. So klein das Gebiet ist, um das hier seit Jahr und Tag gefeilscht wurde, für das d zum litauischen Staat jener deutsche Landstrich Nordosten einnehmen wird. Seit der Besetzung des Memel. gebietes durch die Litauer haben sich diese nicht nur eifrig bemüht, ihre angeblichen Ansprüche auf das Land und daß Volk zu begründen; die litauischen Nationalisten, die dit Kownoer Regierung von jeher vorschob, haben nunmehr der Botschafterkouferenz in Paris, der die Entscheidung über das„Statut des Memellandes“ obliegt, auch einen aus führ lichen Verfassungsentwurf vorgelegt. Danach soll Litauen das Memelland außenpolitisch vertreten und durch sein Hoerwesen den Schutz des Landes gewährleisten. In Ver. bindung damit beansprucht man das Recht der Entscheidung über Ein- und Auswanderung, Paßwesen. Staatsangehörig⸗ keit, Verhängung des Ausnahmezustandes; aber auch das gesamte Verkehrswesen mit Post und Eisenbahn und vor Alem der Verkehr in dem Hafen von Memel nebst Münz ⸗ und Zollwesen soll dem litauischen Staate unterstellt werden. Ein besonderer Minister soll für das Memelland auf Vor⸗ rufen werden, während das Memelland sechs Abgeordnete in das litauische Parlament wählen darf. Die deutsche und habt habe. Ich für meine Person habe sie nicht gesehen, aber ich will Dir sagen, was ich klar und deutlich gesehen habe— den Pferdefuß, er war schrecklich anzusehen——— 1 Eine lange Pause entstand, die von Grallon unter · brochen wurde:„Wie, wenn es doch ein Mensch gewesen wäre?“ 5 „Ein Mensch'!“ rief der Fischer, den Sprecher verblüfft anstarrend.„Ein Mensch, hoch oben auf dem Altar der Kathedrale und das mitten in der Nacht? Ein Mensch so hoch wie eine Tanne, wie heller Mondenschein leuchtend und mit Flügeln versehen?! Ein Mensch, der den Gottseibeiuns das Glaubensbekenntnis lehrt! Mikel Grallon, Du bist wohl verrückt!“. Alle Anwesenden tadelten die Ungläubigkeit Grallons, einige erklärten ihn sogar für einen Gottesläfterer. Weniger abergläubisch als die meisten anderen Dorfbewohner und stets geneigt, den Dingen, die die anderen aufs Wort glaubten, auf den Grund zu gehen wurde er von den meislen für unverschämt und aufdringlich gehalten. Trotz alledem galt er als gläubiger Mensch und er wollte diesen Ruf nicht verlieren. Ich will damit nichts gesagt haben. Wunder g 5 ja manchmal und die Kathedrale ist ein furchtbarer 85 5 Aber ist es nicht merkwürdig, daß der Heilige eine Fackel geschwungen hat?“ 5 „Was findest Du merkwürdiges daran? War es denn nicht stockfinstere Nacht, kein Mond. kein Stern am Sim und unten die gurgelnde Hochflute Wie hätte denn der Heilige ohne Licht seinen Weg gefunden? Merkwürdig wirklich! Ich hätte es merwürdig gefunden. wenn der Gesegnete wie ein gewöhnlicher Sterblicher mit dem Gatt⸗ seibeiuns verhandelt hätte!“ 2 Diese ausgiebige Antwort brachte Grallon endlich zum Schweigen dem es plötzlich einfiel, daß er einen groben Schnitzer begangen habe. Die gleiche Ansicht teilten im stillen alle Anwesenden. Als er sich nach kurzem Gruße dem Dorfe zuwandte, bemerkte die alte Teer jacke:„Mikel Grallon war früher ein ganz vernünftiger Mensch, aber seitdem Himmel sei. Gwesklen behauptet sogar, daß er Flügel ge⸗ verliebt ist, spricht und handelt er wie ein Tor!“ Mike“! Grallon 3 1 ausgebrochen sei und daß die königliche Familie sich nach rgänge unter die Fahnen konnte nicht durchgeführt wer 0 75 weil die meisten Einberufenen dem Befehl nicht Folge 1 soll an der deutschen Ostgrenze eine Frage bereinigt werden, 4 Volk ist es nicht ohne Bedeutung, welche Stellung im und im äußersten schlag des Landesdirektoriums ins litauische Kabinett be⸗ g war aber in Wirklichkeit kein Tor, a. dite * . ö 5 dhe 0 neherish 8 r 3 3 ffanische Sprache sollen als Amtssprochen gleichberechtigt; sein. Das Memelland selbst, mit einem Landesdirektorium an der Spitze, soll von sich aus lediglich Schul: und Kirchen fragen, die direkten und indirekten Steuern, die soziale Für⸗ und das Polizeiwesen regeln und die Verwaltung der iz ausüben dürfen. 2 Gegenüber diesen Ansprüchen der Nationallstauer, die darauf hinausgehen, das an sich völlig deutsche Memelland dem litauischen Staat als eine Art Kolonie anzugliedern, ine 8 hat der Dentsch⸗Litauische Heimatbund, in dem Deutsche und 0% Deutsch⸗Litauer des Memelgebiets sich zusammengeschlossen * dul. haben, vor einiger Zeit dem litauischen Oberkommissar in da Memel eine Denkschrift unterbreitet in der die Lösung, wie en he sie den einheimischen Memelländern als Verständigung vor. Sort schwebt, niedergelegt ist. Danach soll das Memelgebiet le 0.— vollständig autonom sein, d. h. selbst verfügen uin, können über die innere und Justizberwaltung, vor allem a über die Besetzung der Beamtenstellen und über die inner⸗ densg, politische Gesetzgebung. Außenpolitisch soll das Gebiet als Biundesstaat von Litauen vertreten werden. Die Unterrichts 1 sprache in den Schulen soll die deutsche sein, jedoch soll so⸗ wohl in der Volksschule wie in der Höheren Schule die Mög⸗ lichkeit geschaffen werden, litauischen Unterricht zu erhalten. don f Nau, mm der Botschafterkonferenz wird es nun liegen, ob sie sch 0 einen Ausgleich der Interessen herbeiführen oder durch geit ne einen Machtspruch einen neuen Zankapfel unter die Bevölke⸗ 1. 7 rung der Randstaaten werfen will. uu. 1 1 w Poincaré gegen das Schweizer Volk. n U Vor einigen Wochen hatte das Schweizer Volk kraft 10 1 seines alten verfassungsmäßigen Rechtes in einer Volks⸗ 2 100* 3 die Ratifizierung des Zonenabkommens 15 05 mit Frankreich mit erdrückender Mehrheit abgelehnt. % Es handelte sich um eine an sich ziemlich nebensächliche Zoll. l 15— 1. die nur die Grenzbepölkerung im Juragebiet 9 und am Ufer des Genfer Sees direkt berührte; aber sowohl die Deutschschweizer wie auch die Sozialisten in der Welsch⸗ 1 schweiz wollten durch Abgabe eines„Nein“-Zettels ihrer Die Note soll uns wohl darauf vorbereiten, welches der nächste Schrilt Frankreichs sein wird, und das ist die Verlegung des Zollkordons an die Schweizer Grenze und damit die saktische eigenmächtige einseitige Aufhebung aller Zonen⸗ verträge. In der Basler Naltong' zeitung(die sich sonst durch ausge⸗ sprochene Franzosenfreumdlichkeit auszeichnet) heißt es: Es ist unklug, mit knifflichen Abkommens sormeln, hinter denen sich das große Machtgefühl mühsam verbirgt, den Geist der Demo⸗ kratie zu beleidigen. In dieser Sache besteht in der ganzen Schweiz nur eine Meinung. Die Neue Zürcher Zeitung schreibt: Wie sich im Jahre 1889 das gesamte Schweizer Volk hinter den Bundesrat stellte, als Bismarck den Konflikt aus dem Wohlgemuth⸗Handel auf ein Diskussionsgebiet hinüberleitete, das die Grundfragen umserer Souveränität in Mit⸗ leidenschaft zog, so darf auch heute der Bundesrat die Gewißheit haben, daß mit ihm das gesamte Volk die auswärtige Einmischung in 121 schweizerischen Verfassungsrechte sehr energisch ab⸗ weist. Wie man sieht, nimmt die Angelegenheit Dimensionen an, die die französische Regierung wahrscheinlich nicht ver⸗ mutet hatte. Das geht auch aus nachstehender offiziöser Berner Meldung hervor: Der franzöfisch⸗schweizerische Notenwechsel in der Zonenfrage ist heute veröffentlicht worden. Wie die Schwelzerische Depeschenagentur erfährt, hätte man es auf französischer Seite anscheinend lieber ge⸗ sehen, wenn diese Publikation unterblieben wäre. Der schwetzerische Bundesrat sei sich selbst klar darüber, daß die Ver⸗ öffentlichung der Note ein Einlenken der französischen Regierung eher erschwere als erleichtere. Er habe sich aber mit, Recht filr verpflichtet gehalten, die schwer wiegende neue durch die franzö⸗ sische Zumutung begründete Tttsache öffentlich bekenntzugeben. An⸗ dernfalls hätte er auf ein sehr gewichtiges Moment verzichten müssen, nämlich auf die Bildung der schweizerischen Einheitsfront, wie sie nun vorliegt. Die Zeitungen besprechen immer noch die franzö⸗ sische Note und lehnen mit aller Entschiedenheit deren Standmmkt ein⸗ mütig ab. Sie erklären, daß die französische Note in der Tat dem Bundesrat das Recht abspreche, sich auf den Volks entscheid zu berufen. Die Demokraten der ganzen Welt werden mit ihren Sympathien auf der Seite des kleinen Schweizer Volkes stehen, allen voran die deutschen Sozialdemo⸗ kraten, die seit vier Jahren und besonders seit drei Monaten die reaktionäre Faust des Nationalen Blocks am eigenen Leibe spüren müssen. Die Stellung Frankreichs in der Freizonenfrage ist jedenfalls ein neuer Beweis für die milit ärpolitische Hegemonie, die es durch den „Sieg des Rechts“ und durch den Versailler Vertrag erlangt hat und die es gegen wehrlose Völker schamlos miß⸗ braucht. Uebrigens hat nach einer letzten Meldung aus Paris die französische Regierung jetzt dem Schweizer Gesandten in Paris mitgeteilt, daß sie ihrerseits jeden neuen Vor⸗ schlag, der von der Schweiz in dieser Sache gemacht werden sollte.„im Geiste wärmster Freundschaft“ aufnehmen würde. Auf diese Vorschläge seien jedoch die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages Art. 135 und die von dem französischen Gesetz vom 16. Februar d. J. geschaffenen Ver⸗ pflichtungen zu berücksichtigen. f . Fünf Millionen Hungernde in Rußland. Die Zahl der Notleidenden im Gebiet der Wolga und der Krim betrifft 5 Millionen. Die Zahl derer, die von der Regierung unterstützt werden, überschreitet eine Million, Die ausländtischen Hilfsorganisationen verteilen bis 2 Millionen Tagesportionen. Es verbleiben daher ungefähr 2 Millionen, die der Hilse bedürfen, um die Zeit von 3 Monaten bis zur neuen Ernte, die ein sehr günstiges Ergebnis verspricht, zu überstehen. 5 2 85 0 Die Abfindung des ehemaligen Grosherzogs. Erust Ludwig klagt. Der frühere Großherzog, vertreten durch die Rechts- anwälte Dingelden und Geißler, hat gegen den hessischen Staat beim Landgericht Darmstadt Klage einreichen lassen. Zunächst ist der Erlaß einer einstweiligen Verfügung zur alsbaldigen Auszahlung einer Summe von 80 Millionen Mart an den Kläger beantragt. Das Gesamtministerium har darauf folgende Erklärung dem Gericht zugestellt: Die land. upörung über die fransösische Gewaltbolitik an der Nuhr wie e, Ausdruck verleihen. 5 15 5 In ihren Kommentaren äußerte die französische Re⸗ gt wen Lierungspresse ihren Unmut über dieses Abstimmungsergeb⸗ eint: 0 nis, dessen wahre Bedeutung ihr keineswegs entging, und enellu forderte Poincaré auf, sich um diese Willenskundgebung des iger, schweigerischen Volkes einfach nicht zu kümmern und t un das Zonenabkommen einseitig auf französischer Seite in 48 den Kraft treten zu lassen. Tatsächlich hat Poincaré an den ij in Schweizer Bundesrat eine Note in diesem Sinne gerichtet, 1 dun in der er, gestützt auf Advokatenkniffe von derselben e Ne, Art, die er Deutschland gegenüber anzuwenden pflegt, das wur ff NMlebissitergebnis als für Frankreich unmaßgeblich erklärte W un und den Bundesrat aufforderte, das Abkommen trotz der u die% Volksabstimmung in Kraft treten zu lassen! nnch k 5 5 Der Schweizer Bundesrat hat nun in einer Gegennote bung diese These auf das schärfste zurückgewiesen und diesen n h Nolenwechsel veröffentlicht. Diese Veröffentlichung hat jetzt 1 in der ganzen Schweiz wie eine Bombe gewirkt und die ge *. 1 35 e, insbesondere die deutschschweizerische Presse erhebt 15 entrüsteten Einspruch gegen die Behandlung des 1 1 1 Schweszervolkes darch das Frankreich des Nationalen Blocks. eum 1 Darüber berichtet ein WTB.⸗Telegramm aus Bern: ae,. der mund screct: zug buen der arten ee Pur wacken auch i; mm der Demokratie in der Welt einen sicheren Platz zu geben. und uu See de es Je ag dener n hke en Finn lt werbe frangöfischen Regierung weber direkt noch indirekt absprechen lassen. 1 Vorläufig die Schweiz ihr internes Selbstbestim⸗ * mungs recht gegen fremde Anmaßung zu vertei⸗ sbinett be digen. In der Verteidigung der Rechte, die durch die französische sbgeordnel Note im Frage gestellt werden sollen, gibt es nur eine Antwort. Der ulsche Vundeszat hat sie esteilt. 3 5 7 7 5 — Die Basler Nachrichten erklären: So liegen die Dinge bei uns N in ber Schweiz benn dach nich. daß ber nde eur auf Befehl en hobe sondern nur argwöhnisch. Er glaubte an nichts, was er 1 nicht mit eigenen Augen sah— die Kirchendogmen ausge nommen. Er hätte, wäre er sesbst Zeuge der Vision in der Kathedrale gewesen, wahrscheinlich das Entsetzen seiner Kameraden geteilt und ebensosehr libertrieben wie diese; da bitteren Tränen in alten, süßen Erinnerungen und vergaß seine Empörung gegen den Kaiser, ja, den Kaiser selbst, und lebte nur ihrem Schmerz.„Ich habe ihn gemordet! Ich allein, denn hätte ich nicht die verhängnisvolle Nummer für ihn gezogen, er würde wahrscheinlich noch leben und glücklich sein]“ klagte sie sich immer wieder selbst an.„Das wenigste was ich jetzt für ihn tun kann, ist, mich als seine Witwe zu betrachten!“ Und in diesem Sinne sprach sie auch zu ihrer Mutter:„Sag' dem ganzen Dorfe, daß ich meinen Vetter Rohan geliebt habe und daß ich ihn bis zu meinem Tode immer lieben werde!“ 0 Mit der Zeit kam dieser Ausspruch auch dem verliebten Milel zu Ohren. Er zog sich zum allgemeinen Erstaunen zartfühlend in den Hintergrund zurück und hörte auf, Mar⸗ (elle mit seinen Aufmerksamkeiten zu verfolgen. Dieses Be⸗ nehmen war für einen als so standhaft und hartnäckig be. kannten Menschen so merkwürdig, daß seldst der Korporal ihm cines Tages sagte:„Krähenseelef Hast Du denn gar keine Courage? Sie sieht Dich viel zu wenig— Mädchen herzen müssen im Sturm erobert werden]! Aber Du scheinst von dem Geist einer Fliege beseelt zu sein, mein Sohn!“ „Es nützt nichts, Onkel Ewen, sie denkt zu viel an den Toten,“ entgegnete Mikel seufzend.. wort schuldig. Er wußte ganz gut, auf wen Mikel anspielte und da er in der letzten Zeit voll Mitleid und Zärtlichkeit an seinen unglücklichen Neffen dachte und auch von Ge⸗ wissensbissen gequält wurde, zu hart gegen ihn verfahren zu sein, vermied er es lieber, von dem Gegenstand zu sprechen. Unter anderen Umständen wäre es über Marcelles Widerstand fuchswild geworden und er hätte ihr schon den Herrn gezeigt; so aber sagte er sich, daß die losgelassenen Bluthunde der Konskription den armen Nohan zu Tode ge⸗ heut hätten, der in Wirklichkeit ein prächtiger Junge ge⸗ wesen sei und Marcelles Liebe verdient habe— es sei am elner aus rtfgen Macht die Lanbesverfassung verletzl.“ Korporal Derval blickte finster drein und blieb die Ant⸗ Kessische Regierung hält die durch Vertrag vom April 1917 ersolgte Regelung der Absmdung des früheren Großherzog: für eine endgültige. Taran konn auch die Tatsache nicht ändern, daß die im 8 12 des Vertrages aus Gründen, dil auch voi Klager gebilligt u ben, vorgesehene Aufschiecvung der Ausführung eines Tei's des Abkommens heute noch be steht. Die Regierung kann einen Rechtsanspruch auf Ab, änderung des Vortrages nicht onerkennen. Zu der Frage ob nicht aus Gründen der Billigleit eine Erhöhung bez Be zige einzutreten hätte, hat sie bisher noch nicht Stellunt genommen. Ein von der Mehrheit des Finanzaussch isses des Landtags angenommene Antrag auf Gewährung eines Vorschusses zur Eilellszuhlung an die am 1. Apri. 1919 vorhanden gewesenen Beamten bedarf noch der Be. stätigung des Landtags. Die Regierung ist aus eigenen Recht und ohne Zustimmung des Landtages nicht berechtigt, den Staat mit einer Ausgabe zu belasten, für die eine recht. liche Unterlage nicht besteht. Uebrigens ist es uns nicht möglich, nachzuprüfen, auf welche Rechtsgrundlage die uns nicht bekannte Klage gestützt ist. Wir beantragen daher iy erster Linie, die Frist zur Abgabe unserer Erklärung am eine angemessene Zeit nach Zustellung der Klageabschrift zu erstrecken, um unserem Anwalt Gelegenheit zur Prüfung und juristischen Stellungnahme zu geben. Eventuell bean⸗ tragen wir Ablehnung des Antrags auf Erlaß einer einst weiligen Verfügung. Bei dieser Gelegenheit sei noch folgendes bemerkt: Wenn in einer den Zeitungen zugesandten Auslassung der Vermögensverwaltung des früheren Großherzoss bean · standet wird, daß die Regierung auf die verschiedenen Ge. suche des früheren Großherzogs um Erhöhung der nach der Vereinbarung von 1919 festgelegten Veträge nicht geant⸗ wortet habe, so muß demgegenüber festgestellt werden, daß N das Gesamtministerium ohne Zustimmung des Landtags nicht in der Lage ist, in der Angelegenheit irgend etwas zu 115 verfügen. 11 * Eine einstweilige Verfügung zugunsten Ernst Ludwigs. Das Darmstädter Landgericht hat auf Antrag der Brabanter hin eine einstweilige Vefügung erlassen, wonach der hessische Staat dem ehemaligen Großherzog die von ihm für die Be⸗ zahlung seiner Angestellten geforderten 30 Millionen Mark zu zahlen hat. Es ist selbstverständlich, daß die Regierung gegen diese einstweilige Verfügung Einspruch erheben und mündliche Verhandlung beantragen wird. Es ist ein Schau⸗. spiel, durchaus würdig eines„Landesvaters“: die an Grund- 1 und Privatbesitz schwerreiche Familie des angeblich ersten Patrioten unseres Landes verklagt das bettelarm gewordene Hessenvolk! Die Quittung für diese hochvaterländische Tat 4 wird nicht ungeschrieben bleiben. 5 1 Ein deutschnationaler Redakteur unter Gatten ⸗ 1 mordanklage. 9 Unter ungeheurem Zuhörerandrang und einem Massenaufgebot von Zeugen— es sind über hundert geladen— wird seit einer Woche vor dem Elbinger Schwurgericht gegen den deutschnationglen Redakteur Herbert Reis abs Marienburg wegen vorbedachten Gak⸗ Wäre dieser Fall nur eine gewöhnliche Che⸗ ein paar Zeilen registrieren. Doch weil der Mörder versucht hat, die zu hetzen und weil an Ger tenmordes verhandelt. tragödie, so könnte man ihn mit er verdient weiteste Beachtung, Justiz auf seine politischen Gegner e Ge stelle wieter einmal gezeigt wird, welch zweifelhaftes Subjekt in der Redaktion eines deutschnationalen Blattes sein Wesen treiben kann. In der Nacht des 10. Juli 1922 wurde die Ehefrau des Ange⸗ klagten Reis in ihrer Wohnung erschossen. Am nächsten Tag be⸗ schuldigte Reis in einem Artikel seiner Zeitung die Unabhängigen Sozialdemokraten Marienbergs der Täterschast. Seiner Hetze, die von anderen deutschnationalen Zeitungen bereitwilligst aufgenom⸗ men wurde, war es zu verdanken, daß acht Marienburger Eisen⸗ bahner verhaftet wurden. Das Verfahren gegen sie mußte nach kurzer Zeit eingestellt werden, da die Verhafteten samt und sonders ihre Unschuld einwandfrei nachwiesen. Wenige Tage vor der Tat war angeblich eine Bombe in die Wohnung des Ehepaares n worden. Einige Wochen nach dem Morde wurde dann Reis unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Von dem, was vor Gericht bisher ermittelt ist, nur einige türze Proben. 1 Aus den Akten stellt der Vorsitzende fest, daß Reis ich selber zuerst zum Leutnant und dann zum Oberstleutnant und schließlich sogar zum Doktor ernannte. Um die Linen seiner Schwie⸗ rigkeiten zur Heirat mit seiner Frau zu erlangen, beging Reis eine Urkundenfälschung und machte sich fünf Jahre Alter. Er ist heute „Als die Franzosen 1918 die Rheinpfalz besetzten, Taeg in der Freien Pfalz, haben müsse. 1 sehr belastend. Sie fertigt hat. Ein waf fuchs fabrik leitet, erklärt, Fran Reis sei mit der Waffe ihres es J gchelnee, Pladocer erllägg der Stnagsanwelt, niels n seinem ädocer erklärt der 0 wa nie set ein schauloseres Taschenspielerkunststück getrieben, N— Art, wie Reis den Verdacht 2 Tat von sich abwälzen wollte. Er den Verdacht auf die Sozialisten zu lenken J b Ceis sei eine Abenteuerngtur schlimmster id * 098 „ besten, zu schweigen.(Fortsetzung folgt.) 1 perlt er aber die Geschichte bei hellem Tageslicht hörte, stiegen Aua n chm allerlei berechtigte Zweifel über die Glaubwürdigkeit Nensh derselben auf und er kam schließlich zu einer ganz über Heend un raschenden Schlußfolgerung, die er aber wohlweislich ge⸗ teilen heim hielt. Seine ganze freie Zeit war mit der Werbung 1 bit l um Mareelle Derval in Anspruch genommen und er hatte nicht übertrieben, als er ihr sagte, daß die Familienhäupter gala“ ihn begünstigten. Durch unzählige kleine Aufmerksam⸗ b. Wenig keiten und nicht zum mindesten durch die Geduld, mit der ohner 0 er den Tiraden des alten Haudegens von einem Korporal aufs U llauschte, hatte er dessen Herz erobert. Die weit nüchterne en mei Frau Derval erblickte in Mikel einen beachtenswerten Freier 1 alen von guter Familie, die leicht imstande war, eine Frau zu gn uit erhalten und sich die Achtung eines ehrsamen Mädchens zu erringen. In Again und Innick fand er tüchtige Bundes- f gen, gefossen, wenigstens solange er sie mit kleinen Geschenken buer Ci bestach. Er konnte sich also mit Recht für den erklärten e e, Günfcüng der Familie Terbal balken . Wäre Morcelle ein Mädchen gewöhnlichen Schlages ge⸗ r„ e wesen. nachdiebiger und weniger starrköpfig, dann hätte sich m einm Grallon, der Landessitte entsprechend, für so gut als verlobt denn d erklären können; aber die Hauptbeteiligte wollte von der würd Werbung durchaus nichts hören und ihre Angehörigen wenn 5 wußten, daß sie, wenn sie ihr Ziel erreichen wollten, keine en 00. strengen Maßregeln ergreifen durften. Der Sitte gemäß, g hätte Marcelle ohne jede Widerrede den von ihren Ange · lh un hörigen erwahlten Gatten nehmen müssen aber sie war ie den nicht aus gewöhnlichem Holte geschnitzt und wollte en, Wien Gatten selbst wählen. f 11 Teitdem sie die lUeberzeugung gewonnen, daß Rohan 15 nicht mehr unter den Lebenden weile. war ihre heftige Liebe 5 66 für 3 neuem erwacht. Sie schwelgte allnächtlich unter hätten wochenlang unschuldig wegen ihn im legeschwonknen alguien, daß der Se ie nich es genug für eine ene fen d 5 ee 05 Neustadt Nr. 1 Nr. 1 Carl Frensdorf, Giesen w. Herren- Bekleidung Bahnhof- strasse 2 Billige Preise LUDWIG STERN, Gießen Grösste Auswahl in Kleider- Stoffen, Bause Stoffen, sowie in allen Manufakturwaren Bahnhof. strasse 2 Reelle Bedienung! Hotels, Restaurants, Cafés Hotel Schütz, Jau Inner Haus ersten Ranges Telephon 164— Bahnhofstrasse 52 2 meyerholf 8 80 Kleiderstoffe Bahnhois-Hotel Lenz Neu renoviert! 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Wie der Prozeß Lenz⸗Vetters in der Berichterstattung 0 Gieß. Anz. aufgebauscht wurde, dürfte einem Teile erer Leser bekannt sein.(Wir werden über den ganzen dere und seine„sensationelle“ Aufmachung noch Weiteres bringen.) Die Krone der gegnerischen Machenschaften wird aber erreicht durch eine Notiz, die dem Bericht über das Urteil unmittelbar angehängt ist und lautet: Sachbeschädicung am Hause des Rechtsanwalts Fischer. Von Rechtsanwalt Fischer erhalten wir folgende Mitteilung: 5„In der Ihrem Bericht über die Beleidigungssache Dr. Lenz gegen Oberhess. Volksztg. folgenden Nacht wurde mein am Ein⸗ gangs in das Haus befindliches großes Anwaltsschild, das lange Jahre unbehelligt geblieben war, mit einem mitgebrachten schwe⸗ ren Werkseug völlig demoliert, insbesondere der Name unkennt⸗ lich gemacht“ 5 Was soll diese Notiz und der Umstand, daß sie dem Prozeßbericht angehängt ist, bedeuten? Schabeschädi⸗ gungen kamen schon vielfach vor, jeder gebildete Mensch wird sie natürlich verurteilen, gleichgültig, gegen wen sie sich immer richten, ob größerer oder geringerer Wert zerstört wurde. Hier wird diese Sachbeschädigung aber direkt mit dem Prozeß in Zusammenhang gebracht, mit anderen Wor- ten ungefähr gesagt:„Vermutlich hat Vetters Rohlinge an⸗ gestiftet, die das Schild des Vertreters seines Prozeßgegners ö beschädigten. Muß es nicht den Eindruck machen, daß diese Wirkung der Notiz beabsichtigt war? Gegen eine solche niedrige Unterstellung braucht sich Vetters zwar nicht zu verteidigen; jeder, der ihn kennt, weiß, daß er der⸗ ortige Roheiten verurteilt. Die Mehrheit der Bevölkerung kennt ihn aber nicht, und da war die Gelegenheit günstig, ihm und seiner Partei eins anzuhängen. Wir überlassen die Beurteilung dieses Streiches den Lesern und jedem an⸗ ständigen Menschen.. Raoheit bleibt Roheit. Zu obiger Sache wird uns von einem Freund unseres Blattes geschrieben: Welcher anständiger Mensch wird nicht eine so rohe Sachbeschädigung streng verurteilen? Wer möchte nicht den Wunsch hegen, daß der feige Täter ermittelt und gründlich bestraft würde, etwa mit 1 Mill. Mork Geldstrafe(100 000 Mark steht auf der Beleidigung„Diszipliniert“) oder besser mit Gefängnis! Aber ich will dem Herrn Rechtsanwalt 6 Fischer eine Geschichte erzählen, die sozusagen eine Gegen⸗ rechnung auftut. In jener Zeit als die bekannte Versamm⸗ lung im„Einhorn“ stattgefunden hatte, in der Dr. Lenz seinerseits seine politischen Gegner, also die Juden und die Republikaner, bekanntlich auch gerade nicht glimpflich be⸗ handelte, wurde in einer Nacht die schwarz⸗rot⸗goldene Jahne, die der Erzähler an seinem Häuschen aufgezogen hatte, heruntergerissen, zerfetzt, besuldet und teilweise ge⸗ stohlen, die Fahnenstange zerbrochen und die zersplitterten Stücke in den Garten geworfen. Von den Tätern(es waren mindestens zwei gewesen) war der eine am Baum heraufge⸗ nettert und hatte mit Gewalt die Demolierung vorge⸗ nommen. ö 5 Der Anwalt des Rechtes, der dem Unrecht und der Ge⸗ walttätigkeit, von wem sie auch verübt werden mögen, aus moralischen und natürlich auch schon aus amtlichen und be⸗ ruflichen Gründen prinzipiell feindlich gegenübersteht, wird mir also gewiß Recht geben, wenn ich ihn an den Spruch des römischen Dichters erinnere: Peccatur intra et extra, d. h. gesündigt wird auf beiden Seiten. Vermutungen über die unbekannten Täter hatten wir ja natürlich beide, nicht wahr, Herr Rechtsanwalt? Nur sprechen wir sie vorsichtigerweise nicht aus, sondern lassen sie höchstens zwischen den Zeilen lesen; wir machen Zeit⸗ keine Kausalangaben. So möge hier auch die Frage nach den intellektuellen Urhebern, den eigentlich Schuldigen engerdte Ma d Stock dillig i 8 ltr. le l. Bi er. 21 Uinen ittel U 1 0 12 Lager ja bloße An unsere Leser! Wir können unseren Lesern endlich die erfreuliche Mit⸗ teilung machen, daß keine wesentliche Erhöhung des Bezugspreises im Monat April stattfindet. Ob⸗ wohl einige Materialien noch steigende Tendenz haben, ist zu erwarten, daß der Papierpreis im April nicht steigen wird. Der Bezugspreis der Oberhessischen Volkszeitung be⸗ trägt für Monat April. 3300 Mk. einschließlich Trägerlohn. Diejenigen Postabon nenten, die bereits den bei der Post Anfang März gemeldeten Aprilpreis von 5000 Mk. bezahlt haben, erhalten nach Einsendung der Postquittung den zuviel bezahlten Betrag zurück, vorausgesetzt, daß die Nachgahlungen für den Monat Februar u nd März geleistet worden sind. Wir hoffen, daß unsere Leser und Leserinnen das Be⸗ streben, trotz aller Schwierigkeiten den Bezugspreis der Oberh. Volksztg. niedrig zu halten, anerkennen und durch vermehrte Werbetätigkeit für weitere Verbreitung Sorge tragen werden. Verlag der Oberh. Volksztg. N fährten im Unglück. Wir hören, daß auch einem seiner Kollegen, einem sozialdemokratischen Rechtsanwalt, sein Be⸗ rufsschild in der zweitfolgenden Nacht zertrümmert wurde. Hoffentlich wird das nicht allgemeiner Brauch zur Aus- fechtung politischer Kämpfe. Die Knüppel⸗Schulzes über⸗ lassen wir gern der Großstadt.„Schwere Werkzeuge“ bringen freilich, abgesehen von den schweren Jungen, ins⸗ besondere die Besucher deutschvölkischer Tagungen im Reichstag mit, wie jüngst in diesem Blatte nach authenti⸗ schen Nachrichten mitgeteilt wurde. Auch die Linksbolschewisten neigen bekanntlich zu Waffenführung. Alle friedlichen Leute möchten jedoch wün⸗ schen, daß solche Sitten der politischen Extremparteien nicht überhandnähmen, und daß vor allem in unserem ruhigen Gießen der Kampf gegen Strazenschilder und Namen- platten akademischen und nichtakademischen Alkoholfreunden als trauriges Vorrecht nach wie vor reserviert bliebe, bis schließlich auch diese von der sich weiter verbreitenden Zi⸗ visation ergriffen wird— ein freundliches Zukunftsbild. — Die Zuschläge zur Wohnungsmiete. Auf die Be⸗ kanntmachung in unserem heutigen Blatt über die Neufest⸗ setzung der Hundertsätze zum Reichsmietengesetz sei hiermit besonders hingewiesen. Es ist hiernach abweichend von der seitherigen Regelung bestimmt, daß die ab 1. April 1923 entstehenden und zur Erhebung gelangenden Grundsteuern, Brandversicherungsbeiträge und Kanalgebühren nach dem Verhältnis der Grundmieten auf die einzelnen Mietparteien umzulegen sind. Soweit die erwähnten Abgaben für den vor dem 1. April 1923 liegenden Zeitraum zur Veranlagung kommen, sind sie durch die bereits früher festgesetzten Hun⸗ dertsätze abgegolten; dies gilt auch dann, wenn die Er⸗ hebung aus irgend welchen Gründen verspätet wird. Zu be⸗ achten ist, daß die Grundsteuer nur in der Höhe umgelegt werden darf, die dem Steuerwert 1914 entspricht; dies gilt auch dann, wenn im Falle eines nach dem Jahre 1914 er⸗ folgten Verkaufs des Hauses die Grundsteuer von dem höheren Kaufpreis berechnet wird. Eine Ausnahme würde nur insoweit zu machen sein, als etwa Nachtragsziele an Grundsteuer usw. erhoben werden. Diese wären, da bei den Hundertsätzen nicht berücksichtigt, besonders umzulegen. Ent⸗ sprechende Vekanntmachungen werden gegebenenfalls er- folgen. Wassergeld und Schornsteinfegergebühren werden ebenfalls, wie seither, umgelegt. Ferner sei darauf aufmerk⸗ sam gemacht, daß nach dieser Bekanntmachung die betref— fenden Anforderungszettel und der Verteilungsplan den Zahlungspflichtigen vorzulegen sind. Es ist wieder⸗ worden, daß Hausbesitzer Zahlungen für umzulegende Be⸗ träge verlangen, ohne dem Zahlungspflichtigen die Unter⸗ lagen vorzulegen. Die Pflicht zur Zahlung entsteht erst dann, wenn dem Zahlungspflichtigen die Anforderungs- zettel und der Verteilungsplan vorgelegt sind. Es empfiehlt jeweils für die Umlegung benutzt werden kann. Betragen z. B. die Grundmieten in einem Hause im Erdgeschoß 700 Mark, im 1. Stock 800 Mk., im 2. Stock 700 Mk. und im 3. Stock 300= 2500 Mk., so ist der Verteilungsschlüssel für die noch dem Verhältnis der Grundmieten umzuliegenden Beträge für die einzelnen Stockwerke sieben Fünfund⸗ zwanzigstel, acht Fünfundzwanzigstel, sieben Fünfund⸗ zwanzigstel und drei Fünfundzwanzigstel fünfundzwanzig Fünfundzwonzigstel. Nach diesem Schlüssel lassen sich dann leicht alle Umlagen bewerkstelligen. Tie Umlegung nach dem Verhältnis der Grundmieten greift überall Platz mit Ausnahme des Wassergeldes, das unter Berücksichtigung der Zahl der Zimmer und der Personen in jedem Stockwerk um⸗ gelegt wird. 7 — Anleihe der Provinz Oberhessen von 1919. Nach einer Be⸗ banntmachung des Provinzialdirektors werden die noch im Umlauf befindlichen Teilschuldverschreibumgen der Aprozentigen Anleihe der Provinz Oberhessen vom 20. Juli 1909 zur Rückzahlung auf 1. Juli 1923 gekündigt. Die Verzinsung hört mit diesem Tage auf. Die Rück⸗ zahlung erfolgt zu 100 Prozent gegen Einreichung der Stücke.— Die Prov.⸗Kasse ist bereit, unter gewissen Bedingungen die bei ihr bis spätestens zum 25. April vorgelegten Stücke gegen Stlicke der 7prozentigen Anleihe der Provinz einzutauschen. 5 — Wahlverein Gießen. In der am Donnerstag vor den Feier⸗ tagen abgehaltenen Mitgliederversammlung berichteten die Landtags⸗ abgoerdneten Kiel und Mann über die Tätigkeit des Landtages. Von ersteren wurden die Verhältnisse zwischen den Koalitionsparteien erörtert und der Verlauf der letzten Regierungskrise geschildert. Die Zusammensetzung des Landtages trage die Schuld daran, daß manche von uns erhobene Forderung noch nicht durchgeführt, dazu noch nicht einmal der geringste Anfang gemacht worden sei. Von der Demokrati⸗ ste rung der Verwaltung sei noch nichts zu merken. Mißstände be⸗ stehen namentlich im Bereich des Ministertums des Innern und der Justiz. In Hessen wurde z. B. der jungdeutsche Orden noch nicht aufgelöst. Im Schul wesen liege ebenfalls noch vieles im Argen: auf den Hochschulen herrsche ein reaktionärer Geist.— Weiter er⸗ wähnt Redner die Abfindung des früheren Großherzogs, die wahr⸗ scheinlich noch eine große Rolle spielen werde. Darüber habe kürzlich. ein Jurist interessante Ausführungen gemacht und nachgewiesen, daß das im Jahre 1919 vereinbarte Abkommen endgültig sei und nicht noch einmal einer Revision unterworfen werden könne.— Redner geht dann auf einzelne Kapitel des Voranschlags ein, der in nächster Zeit zur Beratung kommt und bemerkt dabei, daß er mit einem Fehl⸗ betrag von 895 Mill. Mark abschließe. Die Zuschsisse für die höheren Schillen seien weit größer als die für die Volksschulen.— Mann weist darcutf hin, daß auch in Hessen die politische Konstellation von den wirtschaftlichen Verhältnissen bestimmt wird. Redner geht naher auff die Regierungskrise ein, dabei das Verhältnis der Koalitions⸗ parteien erörternd. Wenn manchmal von Parteigenossen unser Aus⸗ tritt aus der Koalitson gefordert werde, so stehen dem gewichtigte Bedenken gegenüber. eee muß noch werden, daß der Innenminister eine merkwürdige Stellung zu dem Verband der Schutzpolizet einnahm, mit dem er nicht als berechtigten Faktor zu Verhandlungen schreiten wollte.— In der Diskussion wurde von einem Redner erwähnt, daß es tatsächlich vielfach berechtigt sei, von Klassenjustiz zu reden. Wie an anderen Stellen. so müßten auch im Ministe rium die umteren und mittleren Beamten die Arbeit tun. — Häuser meint, die hessische Politik sei nicht minder wichtig als die Reichspolitik. Es könnte uns durchaus nicht gleichgültig sein, wie mal Klarheit über das Verhältnis des Staates zu den Kirchen ge⸗ schaffen werde, besonders über die Zuschüisse, welche der Staat zu leisten verpflichtet sein soll.— Mann geht auf die Bemerkungen des Vorredners ein und erklärt, daß die Regelung des Verhältnisses von Staat und Kirche schwierig sei, besonders im Hinblick auf die Zu⸗ sammensetzung des Landtages.— Homberger spricht über die Abfindung des früheren Großherzogs und die Refocm der Verwal⸗ tungsgesetze.— Hausmann legt dar, wie er die größte Mühe hatte, bei Vertretung der Forderungen. staatlicher Arbeiter bei den Ministerien Gehör zu finden. Ottilie brachte Beschwerden vor, daß im Mimisterium filr Arbeit und Wirtschaft sich Einflüsse geltend machten, die sich gegen die Arbeiterinteressen richteten. Nach einigen weiteren Rednern antwortet Kiel im Schlußwort auf verschiedene Anfragen.— Die Beitragsfrage wird hierauf nach Vorschlag des Kassierers Ottilie dahin geregelt, daß für April 120 Mk. für 9 5 5 — der beiden Roheiten unerörtert bleiben. 5 waren Im übrigen mag sich Herr Fischer trösten: er hat Ge⸗ Iller ö oethe im Gießener Staditheagter. Zum Gedenken an des Dichters Todesttg(22. März 1832) wurde Stwarens an 28. des Monats„Iphigenie auf Tauris“ gegeben. Eine Einführung und ausführliche Besprechung enthalten die Nummern 204 und 205 des vergangenen Jahrganges dieses Blattes anläßlich der — l Damals spielte Trude N f Festoorstellung zu Goethes Geburtstage. 8 Tandar vom Stattstheater Kassel als Gast die„Iphigenie“ Kar! Lembertin den„Orest“, Georg Heding den„Pylades“, hebe Paul Schubert den Thongs, Adolf Teleky den„Arkas“. Damals fehlte jeder Konnex zwischen Bühne und Publikum, zwischen des Dichters herrlichen Versen und Gedanken und den Herzen der Hörer. Damals stand eine Zphigenie vor uns, die der von Goethe ge⸗ wollten urd gedichteten serne stand äußerlich und innerlich, und Paul Schubert, der Auffassung des Gastes folgend, veränderte den Goesheschen Thoas zu seinem und der Rolle Nachteil. Die jetzige 14 dussührung aber bedeutete— war auch das Haus unverständlicher Weise mur halb besucht— einen Höhepunkt der Leistungen unserer Künstler in klafsischen bezw. auch nachllaffischen(Grabbe) Werken, die den Erfolgen einer Rose Rubner und eines Karl Juhnke in modernen Stücken ebenbürtig waren. Dies festzustellen, ist eine besondere Freude für denjenigen, dem unser Stadthegter und seine Fümstler wahrhaft om Herzen liegen, der weiß, daß und wie mehr ie und Gießen als Theaterstadt zu Bedeutung geführt werden mite. Alle seinerzeit gerügten Mängel sehlten erfreulicherweise der hrung, insbesondere lagen die Gestalten der Iphigenie und des Thogs bei goetheisch fühlenden Künstlern. So bot Paul Schuber! setzt denjenigen Thoas, dessen Charakteristik(nach Goethe) wir einst in kurzen Worten skizziert hatten. Noch etwas mehr ab⸗ und zugeben in Stärke und Ton der Stimme, die dem wohllaukenden Organ nicht r fallen diirfte, und arch der Thoas wäre eine Muster⸗ und leitung gewesen, wie es die Verkörverungen des Orest, der f und(bei künftig noch etwas freierer und elt.„, Uhigense, des Axkas 10% I Tongebung) auch des Pylades waren. 5 darl Lamberkius Orest war hochkünstlerisch, unbedingt e emwandfret, einen Glückwunsch dem Künstler! Wenn er und die 8 rin der Hauptrolle un letzten Aufzuge stimmlich etwas erlahm⸗ darf dieser Umstand nicht den Künstlern, zugerechnet werden, sag einzig umd allein darin begründet, daß— für den Zu⸗ schauer ideal— das ganze Schauspiel mit mur einer Pause nach dem dritten Akte im richtigen Tempo in rund zwei Stunden abgewickelt wurde. Um künftig eine gleiche Ueberanstrengung der beiden Haupt⸗ rollen zu vermeiden, muß auch nach dem vierten Akte eine Atempause eintreten. Kitty Franke kann schauspielerisch nur von den„großen“ Iphigenien übertroffen werden; sie bot eine(von wenigen Sätzen abgesehen auch auch spra chlich) ausgezeichnete Leistung und übertraf den Kasseler Gast in jeder Beziehung. Unser einziges Bedauern ist, daß ihre Jphigenje den Abonnenten vorent⸗ halten bleibt, nachdem ihr manchmal Aufgaben zugewiesen waren, deren Lösung ihrem Rollenbereiche forner liegen mußte. Das Zu⸗ scunmenspiel unserer Künstler im dritten Akte bot vollsten Kunst⸗ genuß. Adolf Telekys Arkts erschien noch lebensvoller umd da⸗ her bedeutender als im vergangenen Sommer, und seine Tätigkeit als Spielleiter zeigte ihn als geistvollen und wissenschaftlich geschul⸗ ten Interpreten Goethes. Vielleicht beschert er uns zum 28. August eine Wiederholung der Iphigenie auf einer Stilbühne. Hans Frommann war der richtige hossende, kluge sonnige Griechenjüng⸗ ilnng und trug in fein fühlender und erkennender Gegenüberstellung seiner Rolle reichlich zu einer abgerundeten und vollendeten Auf⸗ flihrung bei. Bei einer solchen Darbietung war es denn selbstverständlich, daß das wusterbliche Werk seine ganze Wirkung ausstrahlte, und aufrichtig und warm war der Beifall Gießener Goethefreunde.— t. Der Steinach⸗Film. Der Name des Professors Steinach in Wien dürfte unseren Lesern bekannt sein. Es ist der Wissenschaftler, dessen medizinische und anatomische Forschungen und deren Ergebnisse vor mehreren Jahren allgemeines Aufsehen erregten. Sie gingen dahin, daß es dem genannten Forscher gelungen sei, durch eine Operation ben tierischen(oder menschlichen Körper) zu„verjüngen“. Darüber ist viel geschrieben, gewwitzelt und gespottet worden. Indessen, bei welchen neuen Entdeckungen oder Erfindungen war das nicht der Fall? Ohne Zweifel haben die Forschungsergebnisse Prof. Steinachs ihre hochwissenschaftliche Bedeutung.— Für die Darstellung dieser Operationen und der im tierischen Körper vorgehenden Veränderun⸗ gen wurde mit jahrelanger unsäglicher Mühe ein Film hergestellt, der in den nächsten Tagen im Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34, ur Vorführung kommt.(Siehe Inserat.)— In einer Schrift über ferner um die lächerlich übertriebenen Hoffnungen und Wünsche, die sich an das Wort„Verjüngung“ und den Namen Steinachs knüpfen, auf Schrift enthaltenen Gutachten medizinischer Sachverständigen sei ein Auszug desjenigen von Prof. P. Fränkel von der Universität Berlin hier wiedergegeben: „.. Im allgemeinen bin ich allerdings der Ueberzeugung, daß schwebende, wissenschaflliche Streitfragen nicht vor den Richter⸗ stuhl der Lafen gehören. Aber ich bin weit entfernt, einem Gelehr⸗ ten die gemeinverständliche Veröffentlichung seiner Forschungser⸗ gebnisse zu bestreiten, auch wenn sie teilweise umstritten sind. Denn er selbst ist ja von der Richtigkeit der von ihm gegebenen Dar⸗ stellung überzeugt; vielen nach geistiger Fortbildung ringenden Menschen leistet er aber durch den Einblick in seine Arbeitsweise einen großen Dienst. Daß er sich dabei der jeweils besten Technik der Verbreitung bedient, die heute für experimentelle Arbeiten doch wohl sickerlich ein wissenschoftlich hergestellter, wahcheitsge⸗ mäßer Film darstellt, ist sehr verständlich. ... Die genauere Kenntnis naturwissenschaftlicker Tatsachen und Probleme kann meiner Ueberzeugung nach nur bildend und sittlicher Verrohung entgegenwirken. Die Wissenschaft kann es nur begrüßen, wenn durch gute, auf Sensation verzichtende, gemein⸗ verständliche Vorführungen im Volke auch Interesse für ihre Arbeit geweckt wird.“ Der Vorwärts schrieb über die Vorführung: N 5 Die Bilder sind klar, sie betonen immer das Wichtige auch bei den Operationen und Sektionen. Wo die Natur aufnahme nicht ausreicht, greift der Trickfilm ein. um innere Vorgänge ver⸗ ständlich zu machen. Auch fürs bloße Schauen und Unterhaltung ist durch Aufnahme schöner Tierbilder Sorge getragen. Man wird der Leitung des Dr. Thomalla und den zahlreichen wissenschaftlichen Mitarbeitern Dank wissen für die gute und gewiß nicht immer leichte Arbeit, die sie geleistet haben. Und so wird der Film ein wertvolles Aufklärungsmittel sein.“ holt aus Kreisen der Mieter darüber Beschwerde geführt sich, für jedes Haus einen Verteilungsplan aufzustellen, der die Regierung zusammengesetzt ist. Notwendig wäre, daß endlich ein⸗ 1 6 0 mänutiche id 10 Me. für weibliche Wetgsteder wöchertkich zz zchlen sind. 3 4 „ neber die neuen Stenerpesetze sowie die Stenerfragen wirb Reichstagsabg. Sollmann am 10. April im allgemeinen 5 ö 5 Näheres darüber wird in einer Versammlung in Gießen sprechen. noch bekannt gegeben. — Empfellenswerter Beruf. Ein Leser schreibt uns: Man liest oft Veroffentlichngen von Orgcwilfattonen, in denen vor Erlernung eines Bemises gewernt wird, wegen der geringen Aussichten, die er Bietet oder der schlechten Arbeitsbodingungen. Dazu kann ich einen Beitrag liefern. Kürzlich warde mir bekannt. daß in emer Buch⸗ handlung in Gießen ein Lehrling, der kuaup zwei Jahre Lehr⸗ geit hinter sich hat, monatlich 2000 Mark Entschädinung erhält, swerstänslich somft nichts. Eine coenfalls dort tätige Gehilfin, die Fünf Jahre im Veruf steht, erhien bis im vorigen Monat 25 000 Mark Monats gehalt; von Wohnung oder Kost ist auch hier nicht die Rede Diese Gehn terverhältnisse dürften gewiß viele verlocken, sich dem Büchhändler⸗Verufe zuzuwenden. Ganz sicher sparen sie dabei die Kosten einer Entfettungskur. „Deulschvölkische Ingendvergistung in Gießen“. Zu ber unter bieser Spitzmarte in der Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 73 vom 28. 3. 1923 veröffentlichten Bemerkung wird uns vom Pfadfinderhorst Gießen folgendes geschrieben:„Wir verzichten Darauf, uns an dieser Stelle mit den Verdächtigungen in jener Zu⸗ schrist auseinanderzusetzen; sie erlebigen sich von selbst durch die statfächliche Feststellung, daß ber seit 12 Jahren in aller Oeffentlich⸗ feit bestehende Deutsche Pfodfinderbund kein deutschvölkischer noch irgendwie parteipolitisch gerichteter Verband ist, wie seine Grund⸗ säze und, was wichtiger ist, seine persönliche Zusammensetzung suhne weiteres erkennen lassen. Zu einer Sedanseier haben die Pfadfinder nicht eingeladen, noch eine solche abgehalten.“ — Sinsonie⸗Konzert. Trotz riesiger Schwierigkeiten ist es ge⸗ lungen, das rühmlichst bekannte gesamte Frankfurter Sinsonie⸗ orchester dat einem Konzert nach 8 zu gewinnen. Es wird unter der Leitung des Kapellmeisters Karl Knstbel vom hiesigen Stadt⸗ cheater eine Auslese aus den Meisterwerken Webers und Wagners bringen. Herr Kufibel hatte erst kürzlich mit den Bremer Phkl⸗ Hharmonikern einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Da wir lauge Zeit keine Gelegenheit hatten, ein auswärtiges Orchester von Ruß hier zu hören, verdient der Abend ganz besonders beachtet zu wer⸗ den. Das Konzert ist am Donnerstag, den 5. April, 7 Uhr abends, um Stadttheater. Alles Nähere im heutigen Inserat. — Der Botanische Garten ist von jetzt ab wieder zu denselben Stunden, wie in früheren Jahren geöffnet. Es geschieht ve Isspätet, weil des nassen Wetters wegen das Reinigen des Gartens und Instandsetzen der Wege erst jetzt beendet werden konnte.— Nicht erlaubt ist im Garten das Wegwerfen von Papier u. dergl., Mit⸗ bringen von Hunden, Fahren mit Rädern und Kinderwagen, Ab⸗ pflücken von Blumen und Zweigen, Betreten der Beete und des 1 550 Kindern ist der Besuch nur in Begleitung Exwachsener gestatte 5— Einen Unfall erlitt ein hiesiger Arbeiter am Mittwoch beim Leseholzholen auf der Straße Reiskirchen—Gleßen. Der Mann fuhr mit einem beladenen Holzwägelchen die absschüssige Straße, kam dabet zu Fall und zog sich einen schweren komplizierten Bein⸗ bruch mit starler Blutung zu. Vorübergehende benachrichtigten telegraphisch die hiesige Sanitätskolonne, welche mit dem Kranken⸗ auto den Schwerverletzten abholte und nach Anlegung der Verbände in die chirurgische Klinik brachte. Vorträge mit Ausstellung: Sparsames Kochen und Heizen, die bei den enormen Kohlen- und Gaspreisen von größter wirt⸗ schaftlicher Bedeutung sein dürften, finden am Donnerstag, den 5. April, abends 8 Uhr, im Saale des Kath. Vereinshauses Gießen statt. Es wird dort erläutert und praktisch vorgeführt wie die geringen zur Verffigung stehenden Feuerungsvorräte am glnstigsten auszunsitzen und dadurch Tausende von Marken zu er⸗ sparen find. Die Austellung hat in allen Orten, in denen sie bis⸗ her stattfand, das größte Interesse des Publikums gefunden. Ihr Besuch ist daher nur zu empfehlen. Wir verweisen auf die An⸗ zeige in der heutigen Nummer. 2 Fahrplan⸗Aenderung. Vom Mittwoch, den 4. April ab wer⸗ den die Personenzüge 773 von Gießen nach Marburg lab Gießen 12.37 Uhr mittags) und Personenzug 776 von Kassel nach Gießen (an Gießen 2.21 Uhr) als täglich verkehrende Züge wieder ein⸗ gelegt. Die Personenzüge 773 und 776 zwischen Gießen und Kassel verkehren also dann wieder regelmäßig. — Beuern. In der vorletzten Gemeinderatssitzung wurde von den Bauernbündlern gegen den Willen von etwa zwei Drittel der Ortsbürger Errichtung einer Gemeindeschäfe rei Bekanntmachung. Vom 1. 4. 1923 treten in der Beitragsleistung folgende Aenderungen ein: Stufen IX bleiben unberührt: Tagesverdienst Grundlohn Bestrag Stufe X bis 4200 Mk. 4000 Mk. 1920 Mk. 1 200 6000 2880„ e 8000 3840„ ee 10000„ 4800„ „XIVüber 10500 12000 5760 „ Die Herren Arbeitgeber werden gebeten, alle Lohnveränderungen insbeson⸗ dere derjenigen, die zur richtigen Einstufung der Versicherten erforderlich sind, bis zum 5. April anzuzeigen, andernfalls die Einstufung von uns vorgenommen toird. Gießen, den 22. März 1923. Dle kleinen Bauern und auch manche Zlegenhalter, Fer ease.. 1 die auf Gemeinde⸗Grasnutzungen aagewiesen sind, können sich bei denen bedanken, bie ste gewählt haben. Durch Unterschriftensamm⸗ lung konnte man seststeken, daß, wären die Orts inwohner gef agt worden, es keine Schäferei gegeben hätte. Es fand nun am 28. 3. eine öffentliche Gemeinderats sitzung statt, die als letzten Punkt, noch⸗ mals die Schäferei behandelte. Es war ja»orauszusehen, daß von den Herren, die dasür gewesen waren, keiner so viel Mut aufbrachte, seine Meinung angesichts der Tatsache zu revidieren. Unser Bei⸗ geordneter, der doch auch etwas Verständnis für die Heinen Vieh⸗ halter haben sollte, ist aber immer auf der Seite zu finden, die nur ihre Interessen kennen und dann meinen, das wären die allge⸗ meinen Interessen. Bei den Leuten, die den Schafstreit schon wieder in die Gemeinde getragen haben, geht auch Macht vor Recht, es sind dies alles fromme Leute, gehen fleißig zur Kirche, aber für die, die unter den heutigen Verhältnissen am meisten leiden, haben diese Herren nichts übrig. Einer von diesen sagt:„Es hat sich noch kein Bauer arbeitslos gemeldet.“ Arbeiter, merkt euch derartige Redens⸗ arten! Kreis Friedberg Büdingen. Friedberg, 2. April. Vom D-Zug getötet. Bei Okarben wurden das jugendliche Söhnchen eines Bahnwärters von einem D- Zuge überfahren und sofort getötet. Die Mutter die das Kind im letzten Augenblick zu retten versuchte, wurde von der Maschine beiseite geschleudert und kam mit leichten Verletzungen davon. Kreis Wetzlar. e. Kinzenbach. Aus der Partei, Am 17. März sprach Ge⸗ nossin Lehrerin Jourdan aus Frankfurt g. M. 19 7 in einer gut besuchten öffentlichen Frauen ver sammlung über „Frauenfragen und Ruhrbesetzung.“ Rednerin verstand es, an Hand vieler Beisptele mit ihren Ausführungen auf die Frauen ein⸗ zuwirken. Mehrere neue Kampfesbrüder wurden für die Partei gewonnen. Eine freiwillige Sammlung ergab den Betrag von 7000 Mark für die Parteikasse. i Marburg ⸗Kirchhain. O Städtisches aus Marburg. Die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung beschloß die Anstellung von zwei humtamtlichen Lehrern bei der gewerblichen Berufsschule, von denen einer kunstgewerblich vorge⸗ bildet sein soll. Noch vor drei Jahren wurde der Antrag umserer Fraktson, einen zweiten Lehrer hauptamtlich anzustellen, bekämpft, jetzt sind es schon fünf— ein schöner Erfolg unserer kleinen Frak⸗ tion.— Das Schulgeld der höheren Schulen wurde auf 20 000 Mk. erhöht. Ein Antrag unserer Fraktion, den Magistrat zu ersuchen, das Schulgeld nach den Einkommen und der Kinderzahl zu staffeln, wurde angenommen.— Das Schulgeld fütr auswärtige Schüler der Volks⸗ schule wurde auf 6000 Mk. festgesetzt.— Das Wassergeld wurde von 120 auf 170 Mk. ab 1. April erhöht.— Die Gebühren für die Kamalbenutzung wurden auf 1500 Prozent der Grundmiete und für die Müllabfuhr auf 1200 Prozent der Grundmiete erhöht. Letztere konnte deshalb niedriger gesetzt werden, weil die äußeren Straßen nicht mehr abgefahren werden sollen, da der Müll hier verwertet oder leichter beseitäht werden kaum. Die bisherige Erhebung in 2 Staffeln wurde gegen den Widerspruch unserer Genossen, welche eine dritte Staffel beantragten, beseitigt. Bitz 240 Mk. Grundmiete soll von bei⸗ den Gebühren befreit sein. Eine Anpassung an den Lohnindex wurde angenommen, für das Wassergeld aber abgelehnt.— Ein Antrag des Magistrats, die Ziegensteuer als Kosten flür die Bockhaltung auf 1000 Mark pro Ziege zu erhöhen, wurde angenommen, ein Antrag unserer Fraßtion, 200 000 Mk. für Unterstützung der Ziegenzucht zu be⸗ willigen, dagegen abgelehnt. Kleine Nachrichten. Ein Vulkan in der Nähe von Baku. Im Kaspisee, 36 See⸗ nieilen von Baku, ist auf der vulkanischen Insel Loß ein neuer Ausbruch erfolgt. Unter großem Getöse und Rautchentwicklung erschien über der Insel einer Feuersäule. 50 Meter vom Ufer bildete sich eine lange Spalte in der Erde aus der riesengroße Flammen hervorschlugen. Eine aus Baku ausgesandte Expedition zählte 20 arbeitende Krater Das Ufer ist um 7 Fuß gesthegen. Die emporgeschleuderten Schlammstücke stiegen bis zu 800 Meter Und bildeten beim Fall auf den Boden Trichter bis zu 8 Meter Tiese. Gestein wurde aus der Tiefe bis 4 Kilometer weit ge⸗ schleudert. Dollarstand unverändert: 21 500 Mk. schüft und dergleichen. lichen Unsallversicherung sind niedriger als die der gewerblichen. ———— 4—* 7 Arbeitsrecht, Gewerkschactliches, Arbeiterbewegung. Marburger Schlichtungsausschuß. 9 Der Verkehrsbund klagte für 6 Mitglieder gegen einen etch hainer Unternehmer auf Bezahlung der Marburger Löhne. Es ur. den bisher 35 000 Mark bezahlt, doch erhalten die Arbeiter auch an. dere Vergünstigungen, wie Fuhren, reie Tage für ihre Laudwirt Der Schiedsspruch lautete auf 38 000 Wen unter Beibehaltung der genannten Vorteile.— Gegen die Warburger Unternehmer beantragte der Verkehrsbund Erhöhung um 40 der jetzt 45 500 Mark betragenden Löhne. Unter Vorbehalt der Zu stimmung der Parteien kam es zu einer Einigung auf 10 Prozent vom 18. März ab.— Ein Schlosser klagte gegen den Marburger Ziegenhain hatte zwei Angestellten gekündigt, weil Verkehrsbeamte Die Februar die Kosten für Lebenshaltung nicht mehr stark gestiegen seien. Die Unternehmer hotten 60 Prozent bewilligt und ausgezahlt. Der Schiedsspruch lautete auf 70 Prozent Erhöhung der Geh 1 der höchsten Altersklassen in Gruppe A 95 700 Mark, Gruppe 109 100 Mark, Gruppe C 119 700 Mark im Jannar und E der Zulagen für Frauen von 5000 auf 25 000 Mark, fütr it von 2000 auf 6000 Mark für die Monate Februar und März. Die Vertreter der drei Verbände lehnten den Schiedsspruch ab, da ert nicht im entferntesten den Bebiirfnissen gerecht wird. Bei stärkerer und einheitlicher Organisation wäre ein solches Ergebnis 1 — Die Bauunternehmer Gebr. Kappeller in Sterzhausen sollten den Schlichtungsausschuß gehalten werden, die tariflichen Löhne zwar rechtzeitig zu zahlen, da stie mir Vorschüsse gaben. Sie wa ein, daß die Gelder der Behörden nur sehr verspätet eingingen, müßten sonst die Arbeiten solange einstellen, da das Betriebstapi nicht aufzubringen sei. Durch Vergleich verpflichteten sie sich, fü Arbeiten mittels der produktiven Erwerbslosenfürsorge die Notstan 7 und für andere Arbeiten die Tariflöhne der Bauarbeiter u zahlen. J Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigrngsblatt für das Kreisamt Gießen Nr. 26 vom 31. März enthält: 4proz. Anleihe der Provinz Ober hessen von 1909.— Inlandslegitimierung ausländischer Arbeiter.— Feuerlöschwesen im Kreise Gießen; hier: Besichtigung der 5 löscheinrichtungen und Abhaltung von Uebungen.— Sonntag im stehenden Handelsgewerbe in der Stadt Gießen.— Ausbd von Desinfektoren für den Dienstbezirk Lich.— Bildung einer 8 lichen Wassergenossenschaft zur Entwässerung von Grundstücken der Flur 11 der Gemarkung Lindenstruth.— Dienstnachrichten. Aufstellen der Kehrichtgefäße.— Verkehr mit Kraftfahrzeugen. a Briefkasten. O.⸗Oberwiddershm. Gegenwärtsg beträgt die Vollrey der gewerblichen Unsallversicherung 64000 Mk. monatlich. Es d rechnet sich daher die Rente je nach dem Grade der durch den Uf fall hervorgerufenen Arbeitsunsähigkeit, falls diese über 50 00 U landwirtse ailenverhäl Am geschie fungen n fehen sie A etz en Arbei u höchte. n eächsrat des N. beträgt. Bei geringerer Arbeitsunfähigkeit sind die auch prozentual etwas niedriger. Die Sätze der Sthürdliche Pekaunkmachungen Bekanntmachung. Das Hessische Kreisamt Gießen hat auf Einspruch Bahnhofstrasse 34 as Thema im Vortrag Sparsames Kochen und Heizen Donnerstag, den 5. April 1923 abends 8 hr im Saale des kath. Vereinshauses Gießen behandelt folgende Punkte: ö 1. Wie ist es möglich? mit 1 Zentner Brennsloff genau dasselbe zu kochen, wie sonst in der gleichen Veit mit 6 Zentnern? 2. auf einer Flamme gleichzeitig die ganze Mittagsmahl⸗ zeit, bestehend aus 3 Gerichten gar zu kochen und an Gas dabei noch 60 Prozent zu ersparen? D f. 2% resp. 3 Liter Wasser ohne be sondere Feuerung zum Kochen zu bringen? 4. schwer heizbare große Räume(Restaurants, Säle, Büros. Läden usw.) angenehm zu wärmen und trotzdem Kohle 3 du erspaxen? 5. mit 1 Kilogramm beliebiger Brennstoffe in ca. fünf Minuten ein warmes Zimmer zu haben? 6. ohne große Kosten in jeder Notwohnung Kochgelegen⸗ heit zu schaffen? Eintritt frei! ueberall Massenbesuch! Eintritt frei! Denken Sie an die fortwäbrenden Steigerungen der Kohlen⸗ preise und besuchen daher im Eigen⸗Interesse diesen einmaligen Vortrag. Männer und Frauen ohne Unterschied in Rang und Stand, die Not der Stunde gebietet Massenbesuch. 8 7 Allgemeine Ortstraukenkasse des Landkreises Gießen. des Gießener Hausbesitzervereins die Hundertsätze zum. 5 N. Reichsmietengesetz wie folgt festgesetzt: A 4— 3* 0 1. Steigerung der Zinsen 60 Prozent r ein ge 2. Betriebstosten 180 1 g 6 lung. 3. Kosten für laufende Instand⸗ 2 eee 4 Saen e itteln für groß 7 U b g Schaffung von W. r große 5 g 1 8 ger. Justandsezungsarbeiten 2000„ 5 der in populär-wissenschaftlicher Form an kalen zusammen; 5250 Prozent. die N Probleme des Lebens rührt, 11 mmm 0 Diese Sätze treten am 1. April 1923 in Kraft. 80 5 Außer den in§ 3 Absatz 2 der Anordnungen vom 0 1 E 5 15 t 2 h Im 0* 9 E n dpdei 16. November 1922 aufge ührten Leistungen, insbeson⸗ eee e een 755— a ia 1 dere Wassergeld und Schornsteinfegergebühren, sind in n. 5 N Müßte Abänderung der Anordnungen vom 16. Nooember 1922 Adendet. e die für 900 ab 1. e 1923 zur Donnerstag, den 5. April 1923 2. an dem 0 Veranlagung und Erhebung gelangenden Grund- bends 7 Uhr 1 Stadtt i steuern(vom Steuerwert 1914 berechnet!), Brand⸗ 55 7 1 ee W. Erl kin e oh versicherungs beiträge und Kanalgebühren; die v E r U 0 r e n ate Umlegung hat nach dem Verhältnis der Grundmieten* En sulch zu erfolgen. i— Finder erhült N wet 1 Den Zahlungspflichtigen find die Anforde⸗ hohe Belohnung. Wehn 0 e ee und der Verteilungsplan vorzu⸗ Abzugeben: i le 10 legen. pied Cin e a oͤrtli Giezen, den 25. Mötz 1925. Las samen rauzarter dibonke-Orehesters I Vetetaute Biezen]] f de ui 0 Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Leitung: Karl Knübel. Fundbüro. e .. 3800800 5805500053900 οοοοοον Für die anlässlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst Fritz Dickoré u Frau Anny C. M. v. Weber: Ouvertüren Tüchtiges 65 Mädchen Vortragsfolge: a) Euryanthe geb. Böckner-Stephan. 10 OOO C οοοονον OSOOOOOOOOCCOOOO DOD Sooooοοο οοονοοοοοονν οοοοοοοοοοο een U strumente slad viel drucd bnder. 14 0 Sruchleidender unt n bandggentabrik Olo Brandner, Lartsrutte f B. . 0 b) N da eng c) Oberon. Für Kii 1 10 i ir K 0 5 Richard Wagner: Ouvertüren i 1 7* 1 ag 0 a) Der fliegende Hollander Gewerkschaftshaus 1 a 0 b) Tannhäuser Schanzenstr. 18. 180 S0 c) Meistersingervorspiel ben, Vorverkauf bei Herrn Challier. Stadttheater ö Na f Karten von 1200.— Mk. bis 3700— Mk. a 0 Wa 0 Mittwoch, den 4. Ae 100. 80 7 22. Vorstellung im 1 e Mittwoch⸗Abonnemen. da 1 b * 255„„Das Konzert Wahn b 5 Lustspiel in 3 Akten fer Gestorbene. Hermann Bahr. aut, 10 28. März. Wilhelm Bohling Tapezie; Anfang? Ende 9 u z meister, 73 Jahre alt, Kaplansgasse 14. Freitag, den 6. A mail 9 5 28. März. Wilhelmine Hillgärtner, geb. 23. Vorstellung im eden 6 Oest, 50 Jahre alt, Walltorskraze 40a. Freitag-Abonnemen U 8 0 3 f g 5 Don Juan u. Fa arg Anf. 7 Uhr Ende 10 eee