1 74 Fubaktinn: Gicsen Bihnhofstraße 23 N erhessi Organ für die Interessen des werktätigen Volkes bath n, der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. . kitung 4 f Epedition: Gießen Bahnbofftraße 23 Ferusprecher 2008. Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreis mit den Beilagen„Das Blatt der Frau“ und„Land⸗ wirtschaftliche Beilage“ beträgt monatlich 780.— Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen 780.— Mer. einschl. estellgeld. Einzelnumm. 80.— Mt, Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. in. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(s mm breit) oder deren Naum lolgl 7.— Mt. auswärts 10.— Me., die Reklamemillimeterzei 90.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsy der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 2 Gießen, Donnerstag, den 4. Januar 1923 — 18. Jahrgang 5 Der aum Ftaulreichs um die Rheingrenze. In den Artikeln, die Poincars's gefährlichster Gegen⸗ spieler, Lloyd George, vor wenigen Tagen in einigen Welt⸗ blättern veröffentlicht hat, deckt er die stärkste Triebkraft der französischen Politik in und nach Versailles auf: Frank ⸗ reichs Drang an den Rhein! Diese Frage stand, ob ausgesprochen oder nicht, stets im Mittelpunkt der fran⸗ zösischen Wünsche und des französischen Denkens. Wir würden uns in Deutschland einer gefährlichen Illufion hingeben, wenn wir uns bei dem Gedanken be— fruhigten, daß die gegenwärtig wirkenden Annexionstenden⸗ zen nur der Ausfluß eines augenblicklichen Siegerübermutes wären, einer temporären Psychose, die mit dem bloc national wieder verschwinden werde. Ein kurzer Blick auf die fran⸗ zösische Geschichte stimmt hier außerordentlich skeptisch. „Wir werden die Grenze Frankreichs in ihren vier Punkten erreichen,“ rief Danton begeistert und begeisternd aus,„am Ozean, an den Ufern des Rheins, an den Alpen, an den Pyrenäen. Keine Macht kann uns aufhalten.“ Schon kurze Zeit nach den Befreiungskriegen(1823) lockte Chateaubriand den Zaren mit den Worten: Was der Bosporus für Rußland, sei der Rhein für Frankreich! Und auch der Sozialist Proudhon erklärte, daß die Rheingrenze das Ziel der französischen Außenpolitik sei, die tief im Volk wurzele. f Die sprunghafte deutsche Vergangenheit, die uns noch immer nur sehr schwer zu einer einheitlichen politischen Willensbildung gelangen läßt, erschwert uns auch das Ver⸗ ständnis für jene instinktive Sicherheit, Einheitlichkeit und Zähigkeit, die Jahrhunderte hindurch die äußere Politik Englands und Frankreichs auszeichneten. Denn in der heutigen franzöfischen Rheinpolitik ind noch dieselben Ur⸗ kräfte und Tendenzen wirksam, die seit dem Zusammenschluß Frankreichs zu einem nationalen Staat, also seit etwa 600 Jahren, sein außenpolitisches Handeln schicksalhaft be⸗ Auch die Methoden. mit denen Frankreich die Kheingrenze erstrebte, zeigen eine auffallende Beharrlichkeit der politischen Tradition über das absolute Königtum, die Revolution, das zweite Kaiserreich und die dritte Republik hinweg. . Schon früh setzte neben der gewaltsamen Eroberung ein intelligentes Spiel der französischen Diplomatie ein. Wo die kriegerische Kraft nicht ausreichte, den Ausdehnungs⸗ drang zu befriedigen, bemühte sich die Diplomatie, an⸗ grenzende deutsche Kleinstaaten durch Lockungen mit größerer 1 Selbständigkeit und wirtschaftlichen Vorteilen aus dem staatsrechtlichen und verwaltungstechnischen Zusammenhang mit dem immer schwächer werdenden Deutschen Reich zu lösen. Und wo die direkte Annexion noch nicht möglich war, wurde sie durch ein französisches Protektorat vorbereitet. Heute sehen wir ein Protektorat wenn auch in verschleierter Form, in der französischen Verwaltung des Saargebiets, die ja kein anderes Ziel hat, als den Anschluß dieses rein deut⸗ schen Landes an Frankreich vorzubereiten. Die Korruptions⸗ und Schandwirtschaft, die Frankreich im Saargebiet betreibt, hat es auch dem ganzen Rheinland zugedacht. 5 Bei dem weltgeschichtlichen Ringen der französischen Krone mit der habsburgischen Macht deutlich ein anderes traditionelles französischen Diplomatie hervor: und dessen eigenen Reihen ihm und damit sich selbst Hilfsvölker italienische Städterepubliken, Schweizer Kantone, Türken, Polen oder Schweden. Bedenkenlos hat die französische Politik auch stets jene Richtungen und Strömungen in Deutschland gefördert, die Deutschland zersplitterten und da⸗ mit den französischen Staatszwecken dienten, selbst wenn sie sie im eigenen Lande mit Feuer und Schwert verfolgte. Die 1 Schlagworte wechselten, der Zweck blieb stets derselbe, und wie die allerchristlichsten französischen Könige die Re⸗ formation in den Grenzlanden begünstigten, so machen sich jetzt die Agenten Poincarés im Rheinland an allerhand tritt besonders Kampfmittel der immer neue Feinde zu werben, seien es Hinksradikale und föderalistische Elemente heran. 0 Aber selbst dem genialsten französischen Staatsmann, Richelieu, gelang es nicht, das widernatürliche Ziel, die Rheingrenze, zu erreichen. Er hoffte auf spätere Generationen und hinterließ in seinem politischen Testament folgende 6 Richtlinien für die franzosische Außenpolitik: wuùV Das erste Kriegsziel sei Pforten zu bauen und zu öffnen, um in die Nachbarstaaten einzreten zu können. Zuerst müsse man daran denken, sich in Metz stark zu machen und womöglich bis Straßburg vorzurücken, um einen Eingang nach Deutschland zu gewinnen. Das muß lllangsam geschehen, mit viel Vorsicht und unter sanfter N 4 und verdeckter Haltung.“ 13 f f 17 18 r ten des Gottesfriedens, scheint von der im Rücken des Gegners: Der Auftakt in Paris. Die Eröffnung der Konferenz. Die am Dienstag nachmittag eröffnete internationale Konferenz von Paris wurde ausgefüllt mit den Darlegungen der Führer der englischen, französischen und italienischen Ab⸗ ordnung, von denen jeder einen eingehend ausgearbeiteten Wiederherstellungsplan vorlegte. Es wurde bestimmt, daß den Mitgliedern der Konferenz genügend Zeit gegeben wer⸗ den soll, um diese Plane eingehend zu studieren. Infolge⸗ dessen wurde die Sitzung um 5 Uhr abgebrochen und auf Mittwoch nachmittag 3 Uhr vertagt. Der Dienstagsitzung ging eine dreiviertelstündige Unterredung zwischen Poincaré, Bonar Law und Lord Curzon voraus, in der nicht nur die Reparationsfrage, sondern, wie man hörte, auch der Stand der Lausanner Konferenz besprochen wurde. Lord Curzon hat kurz darauf die Reise nach Lausanne angetreten. Bonar Law hatte auch eine Unterredung mit dem Führer der italienischen Abordnung. Der Vortrag Dr. Bergmanns abgelehnt. Es verlautet, daß sich die Pariser Konferenz einstimmig dahin entschieden hat, einen mündlichen Vortrag des Staats- sekretärs Bergmann nicht zuzulassen. Es wurde jedoch der Bereitwilligkeit Ausdruck gegeben, schriftliche Vorschläge der Reichsregierung einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Immer wieder Cunos Unzulänglichkeit. Man kann gerade nicht behaupten, daß der Verlauf des ersten Tages in Paris einen Beweis für das diplomatische Ver⸗ handlungsgeschick der deutschen Regierung erbracht hätte. Wenn es zutrifft, daß tatsächlich eine mündliche Berichterstattung Berg⸗ manns von den Alliferten einstimmig abgelehnt wurde, so zeigt sich wieder einmal, mit welcher Nachlässigkeit von deutscher Seite die Vorbereitungen für Paris getroffen worden sind. Anscheinend hat Herr Cuno gedacht, daß die Alliierten auf Grund seines schönen Gesichts Herrn Bergmann hören werden, so daß sich alle diplomatischen Vorbereitungen erübrigen. Der„Gottesfrieden“. Nicht nur die Vorbereitung für die Pariser Konferenz zeigt das mangelnde Geschick der Regierung Cuno, auch das Anerbie⸗ deutschen Regierung in einer Art gemacht worden zu sein, von der man im Auslande nicht ohne weiteres annehmen konnte, daß es ernst zu nehmen sei. Der deutsche Botschafter in Amerika hat den Staatssekretär Hughes wissen lassen, daß Deutschland zu einem Gottesfrieden bereit ist und gebeten, entsprechende Mitteilung an Frankreich zu richten, ohne jedoch die deutschen Absichten näher zu präzisieren, oder gar schriftlich zu fixieren.(Siehe auch Politische Uebersicht.) Erst nach der Uebermittlung des deutschen Planes an Poincaré wollte man die Absichten zum Gottesfrieden schriftlich niederlegen. Diese Form der Uebermittlung bot Herr Poincarés naturgemäß will⸗ kommenen Anlaß, den deutschen Plan abzulehnen. Im übrigen vertritt der französische Minister-Präsident die Auffassung, das Recht über Krieg und Frieden sei der Nationalversammlung über- tragen und daß es unmöglich sei, ihr ohne eine Revision der Ver⸗ fassung dieses Recht zu entziehen Erst nach dieser Ablehnung Poinccarés wurde der deutsche Vorschlag schriftlich fixiert. Er soll noch auswärtigen Quellen folgenden Wortlaut haben! „Die Regierungen Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens verpflichten sich seierlich, die einen den anderen gegen⸗ über, und versprechen ebenfalls den Vereinigten Staaten, wäh⸗ rend der Dauer eines Menschenalters, also 30 Jahre, keinen Krieg zu erklären, außer für den Fall, daß er von einer Volks⸗ abstimmung beschlossen worden wäre, was den Krieg tatsüchlich unmöglich machen würde.“ 0 Vorausgesetzt, daß die deutsche Erklärung diesen Wortlaut hat, müssen wir offen sagen, daß sie nicht das geringste diploma⸗ tische Geschick verbirgt. Wann hört die deutsche Oeffentlichkeit e eee eee eee ee Wenn indessen trotz den Vorqrbeiten Richelieus und teils weisen späteren Erfolgen auch Ludwig XIV. und die Heere der französischen Revolution nicht zum Ziele gelangten, so weil sie jene kluge Vorsicht außer Acht ließen, die Richelieu empfohlen hatte. In erster Linie war es stets die Schwäche des Deutschen Reiches, die Frankreich antrieb, sich bis zu seiner östlichen,„natürlichen“ Grenze auszudehnen. Aber immer war es seit Ludwig XIV. England, das diesem Aus— dehnungsdrang entscheidend in den Weg trat, denn die fran— zösische Rheingrenze hat schon immer die Vorherrschaft Fran— reichs auf dem Kontinent und eine unmittelbare Vedrohung Englands bedeutet. Nach dem Sturz des zweiten Kaiserreichs schien nun auch in Frankreich an die Stelle des Strebens nach der europäischen Hegemonie eine Politik des Gleichgewichts der europäischen Kräfte getreten zu sein wie sie in Deutschland Bismarck nach 1871 mit Meisterschaft handhabte. Die Ziel- losigkeit und Zerfahrenheit der deutschen Politik nach dem Sturz Bismarcks gaben aber der französischen Diplomatie sehr bald ihre alte Ueberlegenheit wieder und trieben Eng— land an die Seite seines Hauptgegners früherer Jahr- hunderte. ee F. übrigens etwas näheres über den sogenannten Gottes frieden von der deutschen Regierung? Bisher mußten wir uns damit be⸗ gnügen, über die Aktionen des deutschen Kabinetts von Paris aus unterrichtet zu werden. Auch der Vorwärts bezeichnet die Ab⸗ lehnung des deutschen Verlangens, Staatssekretär Bergmann zu hören, als„eine recht peinliche Niederlage der Reichsregierung, der man sich garnicht auszusetzen brauchte, wenn man die in solchen Fällen elementarsten diplomatischen Vorsichtsmaßregeln ergriffen hätte“ 5 Die Gegensätzlichkeit der Reparationspläne. Mittwoch nachmittag 3 Uhr werden also die alliierten Minister⸗Präsidenten wieder zusammentreten. Inzwischen 0 sollen die Sachverständigen die Pläne der einzelnen Re⸗ gierungen zum Reparations⸗Problem prüfen. Wie sich die Vertreter der alliierten Regierungen in Paris unter den ge⸗ gebenen Umständen näher kommen können, erscheint bei der starken Verschiedenartigkeit der Grundeinstellung zur Repa- rationsfrage gegenwärtig sehr unklar. Während 2 England 8 ö ein Moratorium von vier Jahren wünscht, die Erfassung von Pfändern ablehnt, wie überhaupt das ganze Problem un als wirtschaftliches Problem zu behandeln beabsichtigt, sieht er der französische Plan unter der Voraussetzung von Pfändern 105 nur ein Moratorium von zwei Jahren vor. Nach dem eng⸗ re. lischen Programm soll die Erfüllung der deutschen Verpflich⸗cher tungen durch ein neu zusammenzusetzendes Kontrollkomitee, ktage in dem auch die Neutralen Sitz und Stimme haben, über wacht werden. Bereits nach der Vertagung der Pariser 8 5 5 ratungen am Dieustag nahm Poincaré Journalisten geg er über zu dem englischen Plan Stellung. Als besonders eas täuschend hob er hervor, daß England die Reparation tre kommission durch ein neues Komitee ersetzen wolle. Feruer J betonte er, daß die deutschen Schulden durch die englischen 1 Vorschläge effektiv auf 25 Milliarden Goldmark herabgesetzt würden. ö Auffallend ist besonders, daß 8 791 g der italienische Reparationsplan 7 selbst in der französischen Oeffentlichkeit kaum Beachtung N findet. Der italienische Plan verknüpft das Reparations⸗ a Problem mit dem Problem der interallüserten Schulden, was übrigens auch bei dem englischen Plan von Bonar Law der Fall ist. In der Hauptsache wird also sicherlich der französische und der englische Plan während der Pariser Konferenz zue Debatte stehen. Die Pfänderforderungen Frankreichs stimmen mit den gestern gemachten Mitteilungen überein. Günstiger Eindruck der deutschen Vorschläge N in Amerika? e Nach den in London vorliegenden Nachrichten haben die i neuen deutschen Vorschläge in Washington einen günstigen Eindruck gemacht. Man knüpft die Hoffnung daran, daß Poincaré es jetzt nicht mehr wagen werde sein„undisku⸗ tierbar“ zu wiederholen. l 8 Franzssische Anklageschrift. 5 Die französische Regierung hat den LKonferenzteilnehmern ein umfangreiches Dokument überreichen lassen, das den Titel trägt„Wie Deutschland die Sachlieferungen ausgeführt oder nicht ausgeführt hat“. Frankreich versucht in dem von Zahlen strotzenden Schriftstück zu beweisen, daß Deutschland weder Kohlen noch Holz, noch sonstige 4 von Fronkreich angeforderten Materialien in dem vereinbarten Um⸗ 7 9 fange gelsefert habe und es völlig an gutem Willen fehlen ließ. f Daß England aber an der Seite Frankreichs bis zum knock out blow(Weißbluten) kämpfte bedeutete einen ver⸗ hängnisvollen Bruch mit den Traditionen der englischen Außenpolitik. Es hat seit Versailles alle Mühe, der fran ⸗ zösischen Rheinpolitik in den Arm zu fallen. Mit Recht weist Lloyd George darauf hin, daß die Annexion der deutschen Rheinlande mit Sicherheit einen fürchterlichen Revanche. krieg nach sich ziehen müßte denn bei der heutigen Stärke des nationalen Zusammenhalts kann kein Staat mehr eine derartige Amputation ertragen. So bemüht sich jetzt Eng⸗ land gut zu machen, was es durch seine völlige Nieder⸗ n werfung Deutschlands verdorben hat. Freilich, die Entwick⸗ 5 lung der Dinge in den letzten Tagen läßt wenig erhoffen. 9 Eine endgültige Lösung der Rheinlandfrage wird über⸗ 2 haupt erst dann erfolgen, wenn der Sozialismus und Pazifismus in Frankreich so erstarkt sein werden, daß sie die Frankreich tief im Blute sitzende annevionistische Rhein- politik abzulösen vermögen. Und da Sozialismus und Pazifismus in Frankreich nach wie vor ohnmächtig sind, 8 wissen wir, daß wir gegenüber dem alten kranzösischen Aus⸗ 4 dehnungsdrang an den Rhein auf der Hut sein müsssen. A 3 8 N g * — alle Tage singen, er peitschte mich, stautinopel veranlaßt, die Stadt zu verlassen. babe. Neues vom Tage. Lausaune. Vor einem Abbruch der Verhandlungen? Aus Lausanne sind Nachrichten eingetroffen, welche darauf hindeuten, daß der Fortgang der Orientkonferenz wieder einmal stark in Frage gestellt ist. Die kritische Lage hat auch bereits zahlreiche englische Staatsangehörige in Kon⸗ Ihre wahre Ursache scheint die ablehnende Haltung der Türkei in der Frage von Mossul zu haben. Türkische Separatsfoiedensvorschläge. Eine Reuterdepesche meldet aus Konstantinopel, daß die Nakionalversammlung von Angora die türkische Delegation in Lausanne beauftragt habe, alle Forderungen des National pakts aufrechtzuerhalten und mit denjenigen Mächten, die be⸗ reit sind, diesen Vertrag anzunehmen, einen Seperatfrieden nbzuschließen. Die Engländer verlassen Koustantinopel. Nach unkontrollierbaren Nachrichten des Pariser Journal hat die englische Kolonie in Konstantinopel die Aufforderung er⸗ halten, binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen. Die Eng⸗ länder sind der Aufforderung bereits gesolgt. 1000 englische 5 1 haben sich im Laufe des gestrigen Tages eingeschifft. davon nach Cupern, der Rest hat sich nach Malta begeben. * Deutschland und die internationale Luft⸗ fahrtkonvention. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die dung, daß die Entente Deutschland zum Eintritt in die ternationale Luftfahrtkonvention vom 18. Oktober 1919 ufgefordert hat, zutreffend. Die deutsche Regierung hat in einem Antwortschreiben an die Botschafterkonferenz zum Ausdruck gebracht, daß sie es durchaus begrüßen würde, venn sie Mitglied der Konvention werden würde, daß in⸗ ssen zwei Gesichtspunkte dem Eintritt aber entgegen⸗ tänden. Zunächst einmal sei Deutschland durch bereits ein⸗ egangene vertragliche Abmachungen gebunden, an deren Erfüllung es sich durch Art. 5 der Konvention gehindert sehen würde; außerdem müßte die deutsche Regierung den Beitritt von der Voraussetzung abhängig machen, daß Deutschland auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung mit en Signatarmächten der Konvention behandelt werde. raufhin ist am 30. Dezember eine Antwort der Bot⸗ chafterkonferenz bei der deutschen Regierung eingelaufen, in r mitgeteilt wird, daß die Botschasterkonferenz die von er deutschen Regierung erhobenen Einwände prüfen und ächst beantworten werde. Bis der Eintritt vollzogen sei, würden die alliierten Regierungen sortfahren, ihre Luft⸗ verkehrslinien in Deutschland verkehren zu lassen. Dieser letzte Satz der Entscheidung der Botschafterkonferenz steht den Bestimmungen des Friedensvertrages entgegen, wonach vom . Jaruar 1923 ab alle bisherigen Vorrechte der zivilen Luftfahrzeuge der alliierten Mächte in Deutschland fort⸗ flaallen, sofern Deutschland nicht zu einem früheren Zeitpunkt in den Völkerbund aufgenommen ist oder von den alliierten Mächten die Zustimmung zum Beitritt zu dem von ihnen abgeschlossenen Uebereinkommen fiber die Luftfahrt erhalten Der Einflug der alliierten Zivilflugzeuge ist daher von dem genannten Zeitpunkt ab von einer besonderen Ge— nehmigung der deutschen Regierung abhängig. — 2 Die Sängerin. 5 Novelle von Wilhelm Hauff. 6. 1„Mein Vater,“ erzählte die Sängerin,„war Antonio Bianetti, ein berühmter Violinspieler, der Ihnen aus jüngeren Jahren nicht unbekannt sein kann, denn sein Ruf hatte durch die Konzerte, die er an Höfen und in großen Städten gab, sich überall verbreitet. Ich kann mir ihn nur noch aus meiner frühesten Kindheit denken, wie er mir die Skala vorgeigte die ich schon im dritten Jahre sehr richtig nachsang. Meine Mutter war zu ihrer Zeit eine vorzüg⸗ liche Sängerin gewesen und pflegte in den Konzerten des Vaters einige Arien und Kanzonetten vorzutragen. Ich war vier Jahre alt, als mein Vater auf der Reise starb und uns in Armut zurückließ. Meine Mutter mußte sich entschließen, durch Singen uns fortzubringen. Sie heiratete nach einem Jahr einen Musiker, der ihr von Anfang sehr geschmeichelt haben soll, nachher aber zeigte es sich, daß er sie nur ge⸗ heiratet, um ihre Stimme zu benützen. Er wurde Musik⸗ direktor in einer kleinen Stadt im Elsaß, und da fing erst unser Leiden recht an.. Meine Mutter bekam noch drei Kinder und verlor ihre Stimme so sehr, daß sie beinahe keinen Ton mehr singen konnte. Dadurch war die größte Geldquelle meines Stief— vaters versiegt, denn seine Konzerte waren nur durch meine Mutter glänzend und zahlreich gewesen Er plagte sie von jetzt an schrecklich; mir wollte er gar nicht mehr zu essen geben, bis er endlich auf ein Mittel verfiel, mich brauchbar zu machen Er marterte mich ganze Tage lang und geigte mir die schwersten Sachen von Mozart, Gluck, Rossini und Spontini ein, die ich dann Sonntag abends mit großem Applaus absang; das arme Schepperl, so hatte man meinen Namen Giuseppa verketzert, wurde eines jener unglücklichen Wunderkinder, denen die Natur ein schönes Talent zu ihrem größten Unglück gegeben hat; der Grausame ließ mich er gab mir tagelang nichts zu essen, wenn ich nicht intoniert hatte; die Mutter aber konnte meine Qualen nicht mehr lange sehen, es war, als ob ihr Leben in ihren stillen Tränen dahin fließe; an einem schönen Frühlingsmorgen fanden wir sie tot. Was soll ich Sie von meinen Marterjahren unterhalten, die jetzt anfingen? Ich war elf Jahre alt und sollte die Saus⸗ haltung führen, die kleinen Geschwister erziehen und dabei Vuschdruckerstreit in Holland. Am Dienstag haben die Setzer und Drucker in mehreren hol⸗ ländischen Städten die Arbeit eingestellt. Einzelne Zeitungen sind dadurch nicht oder nur in sehr beschränktem Umfange erschienen. Im Haag ist der Streik nahezu allgemein. * Tynamitanschläge in Halle. Am Neujahrstag, abends 10% Uhr wurde auf das Kaiser Wilhelm⸗Denkmal in der Burgstraße zu Halle ein Dynamit⸗An⸗ schlag verübt. Mon versuchte, das Drei⸗Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I., Bismarcks und Molikes zu vernichten, was aber nicht vollständig gelang. Die Moltke⸗Statue wurde vollkommen vernichtet, während die beiden anderen Standbilder nur leicht be⸗ schädigt worden. Die bruße n Fenstersch: hen in der nahe ljegen⸗ den Mitteldentschen Privatbank und zahlreiche andere Fenster⸗ scheiben wurden von dem Luftdruck zertrümmert. Ein gleicher Anschlag wurde fast zur gleichen Zeit auf bie Villa des Kom⸗ merzienrats Dr. Lehmann, des Inhabers des Bankhauses Leh⸗ mann in der Burgstraße, verübt. Es soll hier wesentlicher Scha⸗ den nicht verursacht worden sein. Näheres darüber sowie über die Täter ist noch nicht bekannt. * Die Lohn verhandlungen in der Berliner Metall⸗ industrie gescheitert. Die am 2. Januar begonnenen neuen Lohnverhand⸗ lungen in der Berliner Metallindustrie sind gescheitert. Die Unternehmer erklärten die Forderungen der Arbeiter für zu hoch und behaupteten ferner, nach den letzten Lohn⸗ erhöhungen im Dezember sei keine weitere Teuerung ein⸗ getreten. Sie baten sogar die Arbeiterschaft, mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage und die Verhandlungen in Paris auf weitere Lohnerhöhungen zu verzichten. Die Berliner Metallarbeiter haben dieses Ansinnen abgelehnt und werden, wenn die Unternehmer auf ihrem Standpunkt beharren, den Kampf aufnehmen. Politische Uebersicht. Der abgelehnte Garantievertrag. Das Spiel beginnt. Die Havas⸗Agentur verbreitet eine Meldung, wonach die von dem Reichskanzler Dr. Cuno in sei⸗ ner Hamburger Rede erwähnten Vorschläge zum Schutze der Grenzen und zur Verhütung eines euro⸗ päischen Krieges der franzöftschen Regierung nicht offiziell mitgeteilt worden sejen. Hierzu erfährt die Telegraphen⸗Union von zuständiger Seite, daß die Vorschläge in fester und bestimmtester Form schrift⸗ lich durch die Vermittelung einer dritten Macht an Frankreich gerichtet wurden. Daß der Vorschlag auch tatsächlich weiter geleitet ist, erhellt aus der Tat⸗ sache seiner Ablehnung durch die Hayas⸗Agentur. Frankreich hat sich hierbei, wie aus dem Wortlaut der erwähnten Depesche hervorgeht, auf rein ssormal⸗ verfassungsrechtliche Bedenken gestützt, die nach deut⸗ scher Auffassung bei gutem Willen auf gesetzgeberi⸗ schem Wege hätten leicht beseitigt werden können. Deutschland hat Frankreich über die Völkerbunds⸗ bestimmungen hinaus Garantien bieten wollen und es ist aufrichtig zu bedauern, daß die von deutscher Seite ergriffene Initiative, vor aller Welt die deutsche Friedensliebe zu dokumentieren, an Frank⸗ reichs Widerstand gescheitert ist. Die Generaldebatte über das Reparationsproblem wurde in London abgebrochen, ehe sie recht begonnen hatte. Nun beginnt in Paris das Spiel von neuem. Man kann nicht sagen, daß sich die Lage inzwischen geklärt hat. Im Gegenteil, verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die Verhältnisse heute noch ungünstiger sind, als vor drei 2 ˙ Wochen. Die Konferenz ßon Lausanne we die Aussprache über die Reparatjonsfrage nicht vom Fleck gekommen, sondern h 8 0 der Zugehörigkeit des Gebiets von Massul zu einem tief greifenden Konflikt zwischen England und der Türkei ge ⸗ führt, zu einem Konflikt, der jeden Augenblick mit einem Abbruch der Beziehungen enden kann. Wenn es wahr ist, wegen der engt zu verschieben wünschte, ist auch heute noch nicht beendet. Sie ist nicht nur sogar in der Frage daß im Gebiet von Mossul die Opposition Kemal Paschas bereits zu Gewalttätigkeiten übergegangen ist, so steht 7 in der land vor den schwerwiegendsten Entscheidungen Orientfrage. Diese Situation muß ihre Schatten auch auf die Pariser Konferenz werfen. Es wäre nicht das erste Mal, daß die Haltung Englands in Fragen der europäischen Politik zwangsläufig durch die Ereignisse im Osten beein⸗ flußt worden wäre. Es wäre nicht das erste Mal, daß Frank⸗ reich im Osten im entscheidenden Augenblick ein Pulverfaß in die Luft fliegen läßt, um die Aufmerksamkeit vom euro⸗ päischen Schauplatz abzuwenden. Das ist ein Mißklang. Es ist leider nicht der einzige. In die Fanfaren, die den Beginn der Pariser Konferenz ankündigen, klingt der schrille Ton einer deutsch⸗französischen Auseinandersetzung. Das Kabinett Cuno hat der französi⸗ schen Regierung den Vorschlag eines Garantiebündnisses übermitteln lassen, der einen ewaigen kriegerischen Zu⸗ sammenstoß zwischen beiden Staaten für ein Menschenalter von einem vorherigen beiderseitigen Volksentscheid abhängig macht. Die französische Regierung hat dieses Angebot, den Verlautbarungen der deutschen Regierung gemäß, abgelehnt. Der Gedanke eines derartigen Paktes, der Parallelen mit dem bekannten Projekt eines englisch⸗französischen Garantie⸗ paktes aufweist, ist natürlich nur zu lebhaft zu begrüßen. Er ist, wenn wir recht unter richtet sind, auch noch nicht ein⸗ mal neu. Die Regierung Wirth trug sich mit ähnlichen Porschlägen, hat sie aber offensichtlich nicht zur Ausführung kommen lassen, weil sie die Zeit für ein derartiges Angebot noch nicht für gekommen hielt. Es ist zweifelhaft, ob die Lage heute dem Vorschlag günstiger ist, es ist die Frage, ob die drei Wochen zwischen London und Paris die rechte Zeit für die Ueberreichung des Angebots war, eine Frage muß es bleiben, ob es geschickt war, zwei Tage vor Zusammentritt der Pariser Konferenz die ablehnende Haltung Frankreichs bekanntzugeben und damit jene Debatte, für die man ein möglichst zurückhaltendes und ruhiges Kollegium wünschen. muß, in eine Atmosphäre der inneren Erbitterung und Er⸗ regung zu hüllen. Damit kann allerdings die ablehnende Haltung Frankreichs in keiner Weise entschuldigt werden. Es ist ein übles Zeichen, wenn man auf der Gegenseite die Frage eines Dauerfriedens⸗Abkommens zwischen Deutschland und Frankreich auf der Grundlage des Versailler Friedens noch nicht einmal einer Besprechung wert erachtet. Das liegt zwar durchaus in der Linie der Politik Poincarés, aber es läßt sich nicht denken, daß diese Auffassung die Auffassung des Frankreichs von heute ist. E in deutscher Vorschlag ist also bereits in Paris unter den Tisch gefallen; vielleicht nur deshalb so achtlos, weil er in einen hohlen Raum, statt auf den Konferenztisch ge⸗ worfen wurde. Frankreich scheint alles daran zu setzen, auch den zweiten Vorschlag des Kabinetts Cuno auszuschalten, ehe liber ihn diskutiert werden kann. Das wäre aber nur möglich, wenn alle Verbündeten in der Ansicht einig sind, daß er im Vergleich zu den in London bekanntgegebenen Porschlägen nicht genug Erweiterungen enthält, um als Basis für eine — der Hölle! Um diese Zeit kam oft ein Herr zu uns, der dem Vater immer einen Sack voll Fünffrankenstücke mitbrachte. Ich kann nicht ohne Grauen an ihn denken. Es war ein großer, hagerer Mann von mittlerem Alter; er hatte kleine, blinzelnde graue Augen, die ihn durch ihren unangenehmen, stechenden Ausdruck vor allen Menschen, die ich je gesehen, auszeichneten. Mich schien er besonders liebgewonnen zu haben. Er lobte, wenn er kam, meine Größe, meinen An⸗ stand, mein Gesicht, meinen Gesang. Er setzte mich auf seine Knie, obgleich mich ein unwillkürliches Grauen von ihm wegdrängte; er küßte mich trotz meines Schreiens, er sagte wohlgefällig: Noch zwei— drei Jahre, dann bis du fertig, Schepperl! Und er und mein Stiefvater brachen in ein wildes Lachen bei dieser Prophezeiung aus. An meinem fünfzehnten Geburtsfest sagte mein Stiefvater zu mir: Höre, Schepperl, du hast nichts, du bist nichts, ich geb dir nichts, ich will nichts von dir, habe auch hinlänglich genug an meinen drei übrigen Rangen; die Christel(meine Schwester) wird jetzt statt deiner das Wunderkind. Was du hast, dein bißchen Gesang, hast du von mir, damit wirst du dich fortbringen. Der Onkel in Paris will dich übrigens aus Gnade in sein Haus aufnehmen. Der Onkel in Paris? rief ich erstaunend, denn bisher wußte ich nichts von einem solchen. Ja, der Onkel in Paris, gab er zur Antwort, er kann alle Tage kommen. Sie können sich denken, wie ich mich freute; es ist jetzt drei Jahre her, aber noch heute ist die Erinnerung an jene Stunden so lebhaft in mir, als wäre es gestern gewesen. Das Glück, aus dem Hause meines Vater zu kommen, das Glück, nach Paris zu kommen, wo ich mir den Sitz des Putzes und der Seligkeit dachte— ich war berauscht von so vielem Glück; so oft ein Wagen fuhr, sah ich hinaus, ob nicht der Onkel konnne, mich in sein Reich abzuholen. End⸗ lich fuhr eines Abends ein Wagen vor unserem Hause vor. Das ist dein Onkel, rief der Vater; ich flog hinab, ich breitete meine Arme aus nach meinem Erzetter— grausame Täuschung! Es war der Mann mit den Fünffrankenstücken. Ich war beinahe bewußtlos in jenen Augenblicken, aber dennoch vergesse ich die teuflische Freude nie, die aus seinen grauen Augen blitzte, als er mich hoch aufgewachsen fand; noch immer klingt mir seine krächzende Stimme in den Ne ab F 7 2 7 7 5 7 Ohren: Jett bist zu recht, mein Taubchen, jetzt will ich dich einführen in die große Welt. Er faßte mich mit der Hand, mit der andern warf er einen Geldsa Sack fuhr auf, ein glänzender Regen von Silber, und Gold⸗ stücken rollte auf den Boden; meine drei kleinen Geschwister und der Vater jubelten, rutschten auf dem Boden umher und lasen die Stücke auf— es war— mein Kaufpreis. Schon den folgenden Tag ging es nach Paris. Der, hagere Mann lich vermochte es nicht, ihn Onkel zu nennen) predigte mir beständig vor, welch glänzende Rolle ich in seinen Salons spielen werde. Ich konnte mich nicht freuen, eine Angst, eine unerklärliche Bangigkeit waren an die Stelle meiner Freude, meines Glückes getreten. Vor einem großen, erleuchteten Hause hielt der Wagen; wir waren in Paris. Zehn bis zwölf schöne, allerliebste Mädchen hüpften die breiten Treppen herab, uns entgegen. Sie herzten und küßten mich und nannten mich Schwester Giuseppa; ich fragte den Hagern: Sind dies Ihre Töchter, mein Herr?— Oui— mes bonnes enfantes, rief er lachend, und die Mäd⸗ chen und die zahlreiche Dienerschaft stimmten ein mit einem rohen, schallenden Gelächter. Schöne Kleider, prachtvolle Zimmer zerstreuten mich. Ich wurde am folgenden Abend herrlich gekleidet; man führte mich in den Salon. Die zwölf Mädchen saßen im schönsten Putz an Spieltischen, auf Kanapees, am Flügel. Sie unterhielten sich mit jungen und älteren Herren sehr lebhaft. Als ich eintrat, brachen alle auf gingen mir ent⸗ gegen und betrachteten mich. Der Herr des Hauses führte mich zum Flügel, ich mußte singen; allgemeiner Beifall wurde mir zuteile. Man zog mich ins Gespräch, meine un⸗ gebildeten, halb italienischen Ausdrücke galten für Naivität; man lewunderte mich, ich erröte heute noch, mit welchen Worten man mir dieses sagte. So ging es mehrere Tage herrlich und in Freuden. Ich lebte ungeniert, ich hätte zu. frieden leben können, wenn ich mich nicht höchst unbehaglich, beinahe bänglich in diesem Hause, in dieser Gesellschaft ge⸗ fühlt hätte; in einer naiven Unschuld glaubte ich, so sei nun einmal die große Welt, und man müsse sich in ihre Sitten fügen. Eines fiel mir jedoch auf— als ich an einem Abend zufällig an der Treppe vorbeiging, sah ich, daß die Herren, die uns besuchten, dem Portier Geld gaben, dafür blaue oder rote Karten bekamen, und solche einem Bedienten vor dem Salon wieder übergaben. Ein junger Stutzer, der an mir vorüberkam wies mir mit zürtlichen Blicken eine dieser roten Karten; ich weiß heute noch nicht, warum ich darüber errötete. Aber hören Sie weiter, was sich alslad zutrug. Sonletung pulgt — ö 4 N olso darauf an, ob die neuen Vorschläge England einiger⸗ maßen befriedigen. Der Inhalt des neuen deutschen An— erhietens ist bisher endgültig nicht bekannt. Es wäre ein nicht wieder gut zu machender Fehler, wenn er der oben an— gedeuteten Richtung zuwiderliefe. Dann würde Deutsch⸗ land trotz des guten Willens seiner jetzigen Regierung in 5 folge ihrer Kurzsichtigkeit und infolge ihres Mangels an Energie nach innen in eine sehr unangenehme Lage geraten, 1 eine Lage, die umso unangenehmer ist, als sich Amerika jetzt dennoch bereit zu finden scheint, Deutschland zu unterstützen, menn es sich bei seinen ersten Schwimmversuchen in einer 1 günstigeren Strömung nicht gar zu ungeschickt anstellt. * N* * 1„ Cunos Lorbeeren. f e Reichskanzlers in Hamburg wird von der Berliner 1 4 7 zurückhaltend beurteilt, wenigstens soweit der 1 Tage szestung widmet dern Cuno Lorbeeren, hudem sie schreibt: 1ů„Der Reichskanzler hat es verstanden, den Grundlinien der 11 bdeutschen Vorschläge und den Absichten, die das Kabinett bei ihrer Alifassung leiteten, sa klar Ausdruck zu verleihen, daß der Eindruck 0 einer Geheimpolitik nicht entstehen konnte. Die große Hamburger g Rede Dr. Cunos ist freilich mehr als das: Sie ist von einer Ein⸗ inglichkeit, Ueberzeugungskraft und Ehrlichkeit, daß das Ausland an 12 vorbeigehen kann. So kann auch die taktische In⸗ sdenierung des deutschen Schrittes diesmal als einwandfrei ange⸗ 0 ee Mit Aufatmen wird man es in weitesten een Deutschlands begrüßen, daß Dr. Cuno endlich einmal offen 0 die Vertragswidrigkeit und den politischen Hintergrund gller 8 Sanktions⸗ und Pfänderpläne hingewiesen hat.“ 4s Reichskanzler Dr. Wirth mit einer gleichen, vielleicht noch viel schürfexen Art bei jeder passenden Gelegenheit die französischen Pläne kemmzeichmete, als er Parteifishrer und Wirtschaftsorganisatio⸗ nen ordmungs⸗ und sachgemäß unterrichtete, wußte die Deutsche Tages⸗ sich noch nicht einmal einer sachgemäßen Beurteilung zu be⸗ ißigen, i abgesehen von Lohrednereien, die der Repuhli⸗ kane A0 ener Seite sicherlich nicht angenommen hätte. Diese Tatsache von muß Bedenken hervorrufen, auf die näher einzugehen 0. wir ums im Augenblick versagen. Das eine aber ist festzustellen, und 0 das ergibt sich Har und deutlich aus den Lobeshymnen der Deut⸗ schen Tageszeitung für Herrn Cuno, daß der unerquickliche Kampf der Deutschnationalen gegen die frühere Regierung, ihre Politik und ihren Kanzler in der Hauprsache dem Republikaner Wirth galt. Herr Cuno hat bisher ausschlioßlich von den Vorbereitungen und den Taten der vergangenen Regie rung gelebt! * Meineids⸗ Ehrhardt. Das gegen den Kapitänleutnant von Ehrhardt schwebende BVerfahven wegen Geheimuündelei ist nunmehr auch auf Meineid und Verleitung zum Meineid ausgedehnt worden. Ehrhardt hat 1 vor dem Untersuchungsrichter in München unter seinem Eide und * unter dem Namen Eschwege salsche Angaben fiber sich selbst ge⸗ wan und eine Fürstin Hohenlohe, bei der ex in Starnberg ge⸗ wo nt haben soll, zu verleiten gesucht, diese Angaben unter ihrem ide zu un Wg Das Verfahren wegen Meineid und Ver⸗ seitung zum Meineid wird als in Tateinheit mit seiner Geheim⸗ bündelei begangen, vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der A verhandelt werden. Hoffentlich werden die Vorbereitungen des Staatsgerichts⸗ Dees zum Ehrhardt⸗Prozeß gründlicher erledigt, als es beim Rathenau⸗Prozeß der Fall war. Vor allem erwarten wir, daß guch Herr 1 in 11155 öffentlich ins Verhör gezogen wird. Dem Staatsgerichtshof wird nicht unbekannt sein, daß brhardt mehrsach bei Ludendorff zu Gast gewesen ist und die 0 1 55 des vergangenen Generals zu diesem Ziweche von Na⸗ tional sozialisten gesichert wurde. 1 Bund der Sowjetrepubliken. Der 10. Allrussische Rätekongreß hat am 31. Dezember b den Entwurf eines Statuts zur Gründung des Bundes der 185 soziglistischen Sowjetrepubliken angenommen. Eine Dele⸗ gation erhielt die Vollmacht, mit den anderen Sowjet⸗ republiken einen Vertrag über die Bildung des einheitlichen Bundesstaates abzuschließen. Schon am 1. Januar wurde in Moskau der konstituierende Bundeskongreß eröffnet. Die Bundesstaatsverfassung sichert den einzelnen Sowjet⸗ republiken volle Selbständigkeit und das Recht, aus dem Bund auszutreten. Auf je 125 000 Einwohner entfällt ein Mitglied des Bundeskongresses. Das Bundes⸗Zentral— exekutivkomitee wird auf Grund des Proportionalwahl⸗ 170 Vertreter Rußlands sind. Dieses Zentralexekutip⸗ komitee des Bundes soll in der Regel dreimal jährlich zu⸗ sammentreten, kann aber auch von seinem Präsidium zu außerordentlichen Tagungen einberufen werden. 5 Parteinachrichten. Arbeiter⸗Landes⸗Sportkartell für den Freistaat Hessen. 1 Allen Kreis⸗ und Ortsktrtellen zur Kenntnis, daß am 15. Okto⸗ ber 1922 in Offenbach a. M. ein Landes⸗Sportkartell für den Frei⸗ stant Hessen gegründet wurde. Das erste Geschäftsjahr beginnt mit N dem 1. Januar 1923. Wir ersuchen daher alle Kreis⸗ und Ortskar⸗ telle, ihren Anschluß an das Landes⸗Sportkartell umgehend vollzsehen 15 wollen. Der Beitrag für das Landes kartell beträgt für ange⸗ schlossene Vereine,(qusschlleßlich der Gesangvereine) pry Mitglied und Jahr 1 Aufgaben des Lnndes⸗Sportkartells sind: Or⸗ Rebe en und Gründung von Orts⸗ und Kreiskartellen um manchem Uebel und Fehler, der bisher gemacht wurde, abzuhelfen, einzutreten für Bildung eines Landesamtes für Leibesübungen, sowie für Kreis⸗ und Stadtämter für Leibesübungen. Dies darf natürlich nur auf paritätischer Grundlage geschehen. Eine Arbeitsgemeinschaft mit der bürgerlichen Sportbewegung ist a0 zulässig. An den genannten Aufgaben können unsere Sportgenossen ersehen, daß es notwendig 0 war, ein Landes⸗Sportkartell zu gründen. Es wird wohl in der heutigen Zeit den einzelnen Vereinen nicht möglich sein, etwas bei der 90 oder feat, ce zu erreichen. Wir bitten daher, glle 0 en —̃— ang 55 Vereine, sich in allen derartigen Fragen an das Landes⸗Sportkartell zu wenden. Philipp Molf, Vorsitzender Darmstadt, Feldhbergstr. 92, g Ungarischer Parteitag. Der während der Weihnachtsfesertage in Budapest tagende nen ber We e Sozialdemokratie war von über 300 Dele⸗ lerten besucht. Die Polizei hatte sich ein großes Aufgebot geleistet. i ö Etwa 20 legitimierte Geheimpolizisten und 30 uniformierte Schutz⸗ ute überwachten den Parteitag. Das wioderholte Eingreifen der 1 Migei rief große Erregung hervor. Ein solches Eingreifen erfolgte 1 insbesondere, als Gen. Nina Bang, Kopenhagen, von dem Lande „ 1 in dem es a0 sei, sozialistische Redakteure totzuschlagen und . N 5 ins Wasser zu werfen. Der Kongreß wäre sicher von U N der Polizei aufgelöst worden, wenn man nicht wegen der pielen aus⸗ läntischen Delegieren Furcht vor der Wirkung einer Auslöfung im g Aus 77075 8400 hätte, Als Vertreter der 2. Interngtsongle war 11 Pepe wagen golemenen, dessen Rade isber die Amnestie eine 4 gaz außerordentliche Wirkung eusühte. Sie lugr politisch sehr ge⸗ 5 schickt, vermied starke Angriffe und viele Parteigenossen meinen, daß diese Rede sehr günstige Folgen haben werde. Der Kongreß, an dem ö Pre eg 1 Mes reden“ nicht in Betracht kommt. Lediglich die Deulsche. systems gewählt und besteht aus 371 Mitgliedern, von denen für die deutsche Sozioldemokratte Gen. Dr. Adolf Braun teilnahm, hat sehr energisch gegen die geplanten Ausnahmegesetze und gegen die Verfolgungen protestiert und sich für eine aktive Sozialpolitik gusge⸗ sprochen. Vessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Offener Brief an Herrn Prof. D. Dr. Schiau. Sehr geehrter Herr Professor! Wie es anfing, so endete es: Ihr erster Artikel über die Vorgänge an der Oberrealschule, der am Tage vor den Stadtverordnetenwahlin erschien und die näheren Aus⸗ führungen zu dem Satz des deutschvolksparteilichen Wahl⸗ aufrufs:„Denkt an die neuesten Vorgänge an der hiesigen Oberrealschule!“ gab, war eine gawöhnliche Wahlmache, und Ihr Schlußartikel in Nummer 296 des Gießeners Anzeigers ist im Stile des Volksversammlungsredners gehalten, der das Schlußwort benutzt, um den Diskussionsgegner gehörig „abzutun“. Sie speien darum Gift und Galle gegen mich, und deshalb wird man mir es nicht verdenken, daß ich als der persönlich Angegriffene nun auch in meinem Schluß⸗ wort, das ich mir für die se Stelle immer vorbehalten habe, innerhalb des sachlichen Rahmens zur Abwehr eine schärfere Tonart anschlage. Auf das Ganze der Sache noch⸗ mals einzugehen, hat natürlich keinen Zweck, ich kann das Urteil darüber, auf welcher Seite das Recht steht, getrost dem Urteil derer überlassen, die vernünftig zu lesen und zu denken verstehen, und solcher Leute gibt es doch vielleicht mehr, als Sie annehmen, sogar in den Reihen Ihrer eigenen Partei. Sie fühlten sich berufen, die Regierung wegen ihrer Entscheidung im Falle Schnell öffentlich anzugreifen. Aber wie steht es mit dieser„Berufung“? Daß nicht die Sorge für das Recht, sondern parteipolitische Bedürfnisse Ihnen die Feder in die Hand drückten. macht die Berufung von vornherein zweifelhaft. Das subjektive Recht, ein einzelnes Vorkgmmnis so oder so zu bewerten, auch an dem Spruch der Regierung Kritik zu üben, macht Ihnen an sich niemand streitig, aber dieses Recht ist begrenzt durch die objektive Eignung, die wieder abhängt von gewissen Voraussetzungen, wie Beherrschung des Stoffes, Fähigkeit zum objektiven Urteilen und zu logischer Beweisführung, Gewissenhaftigkeit und in unserem besonderen Fall auch die Fähigkeit zur Ein⸗ fühlung in die geistig⸗politischen Zusammenhänge, in denen der zu kritisierende Gegenstand verwurzelt ist. Daß Sie diese Einigung nicht besitzen und Ihr Unternehmen, die Oeffentlichkeit übor Recht und Unrecht aufzuklären, ein Wagnis war, um nicht mehr zu sagen, das möchte ich hier nachweisen. Ihr erster Artikel zeigte schon klar, daß sie über Wesent⸗ liches überhaupt nicht Bescheid wußten. Und woher haben Sei Ihre Kenntnis der Dinge überhaupt? Vom Ange⸗ schuldigten und seinen Parteigängern, die ja auch in die Hessische Landeszeitung ein salches Zerrbild der Vorgänge lanziert haben, daß einem die Haare zu Berg steigen. Daß man vor Gericht— und hier ist die Oeffentlichkeit der Ge⸗ richtshof— die Angaben der angeklagten Partef nicht un⸗ geprüft als wahr hinzunehmen pflegt, dürfte doch auch Ihnen nicht unbekannt sein. Es ist daher im höchsten Grade naiv und eine dreiste Spekulation auf die Urteilslosigkeit der Lehrer, wenn Sie sich auf„authentische“ Mitteilungen des Direktors berufen. Nun ist aber auch bei der Unter⸗ suchung festgestellt worden, daß diese Quelle für Ihre Wissen⸗ schaft sehr unzuverlässig ist. Der Direktor hat sich natür⸗ lich bei verschiedenen heiklen Punkten herquszureden gesucht, bis er überführt wurde, so im Falle der Jugendgemein⸗ schaft. Sie dürfen es schon glauben, daß er um ihr Da⸗ sein gewußt hat, denn ein Schüler hat ihn gefragt, ob die Abzeichen getragen werden dürften, worauf er antwortete: in der Schule nicht, aber gußerhalb der Schule. Und er hat die Vereinigung trotz des Verbots geduldet. Daß ihre An⸗ schläge am Schwarzen Brett der Schule(nicht des Lehrer- zimmers!), die jeder lesen konnte, gerade ihm, der alle An⸗ schläge kontrollierte, entgangen sein sollten, wird man niemand weismachen. Von hier aus füllt auch ein Licht auf die Bedeutung des„Wenn“ in der den Kollegen be— leidigenden Aeußerung des Direktors.(Wie meine Dar— stellung„Heiterkeit“ erweckt haben sollte, bleibt Ihr Geheim⸗ nis.) Die Hessische Landeszeitung ist wenigstens in diesem Punkte ehrlich, sie sagt rund heraus:„Der Direktor nannte diese Handlungsweise(die angebliche Verheim⸗ lichung des Tragens verbotener Abzeichen) heimtückisch und gemein.“ Und wie steht es da, wo Sie unabhängig von Ihrer Quelle beweisen oder behaupten? Denn Behaupten ist Ihnen ja schon soviel wie Beweisen! Sie meinen, ich rech— nete boi meiner Polemik gegen Sie darauf, daß die Leser Ihre Artikel nicht zur Hand hätten. Sie irren gewaltig! Nichts konnte mir erwünschter sein, als daß die Leser Ihre Aufsätze vergleichend und prüfend herganzogen; denn dann mußte ihnen ja ein Licht über die Art Ihrer Beweis⸗ führung von selbst aufgehen. Ich will nur einiges Charakteristische, das sich jedem geradezu aufdrängt, heraus⸗ greifen: Verschleierung des Tatsachenbestandes durch Auf⸗ bauschen des Nebensächlichen und Unterdrsickung des Wesent⸗ lichen, öde Wortklauberei und Sophisterei, dialektische Kunststückchen(deutsch:Mätzchen), peinliche Phrosenhgftigkeit und vor allem die meisterhaft gehandhabte Verdrehung und Entstellung der gegnerischen Ausführungen. Befremdend ist auch die Vernachlässigung der Folgerichtigkesit. Daß Sie diesen Mangel auch einmal bei mir entdeckt haben wollen, ist nicht weniger chargkteristisch. Ich hatte gesagt, daß Ihre Darstellung salsch sei, und den richtigen Sachverhalt nach den Angaben der Regierungsvertreter dargelegt. Sie er⸗ klärten dann:„Meine Vurstellung ist richtig,“ woraus ich schloß:„Also war die meinige falsch und somit auch die der Regierungsvertreter, und diese haben die Unwahrheit ge— sagt.“ Welche Gesetze der Logik sind hier verletzt? Ich möchte übrigens wissen, warum Sie sich sachlich gegen meine Folgerung sträuben, da doch Ihre Gewährsmänner offen heraus sagen, daß die Regierung, um die Zeugen zu deren) nicht mit der Wahrheit herausrücke(s. Heff. Landesztg. Nr. 286). Ich hatte dann noch bemerkt, daß ich die Stellung! nahme zu diesem Vorwurf den Regierungsvertretern über⸗ lassen müsse, was für jeden Verständigen bedeutete, daß my das nichts anginge, ich also auch nicht weiter darauf enn“ gehen brauche. Sie aber machen, der Eigenart Ihrer Kampfesweise entsprechend, ein„durchsichtiges agitatorisch. a Manöver“ daraus, um damit auf harmlose Gemüter zu wirken. 4 2 Erstaunlich ist überhaupt die häufig wahrzunehmende direkte Verständnislosigkeit gegenüber meinen Ausführungen. Manchmal freilich kann man zweifeln, ob Unvermögen oder böser Wille vorliegt, wie etwa bei dem von mir gebrauchten Ausdruck„Bohnenstange“, den Sie vorgeben wörtlich zu nehmen, nur um Ihren Witz daran zu üben. Oder beim berühmten Edikt von 1820. Muß ich Ihnen noch extra sagen, daß einem Beamten und Landtags- abgeordneten dieses Edikt nicht unbekannt hätte sein dürfen, und daß er, wenn er den Druckfehler als solchen nicht erkennt, sich lächerlich macht. Aber nun kommt guch gleich wieder einer der beliebten Tricks: Die Sache wird so lange gedreht und gewendet, bis ein Strick für mich daraus wird.„Wer kann glauben“ so rufen Sie pgthetisch in Sperrdruck gus,„daß ein Sozialdemokrat im heutigen Volksstaat Hessen sich auf ein vor 100 Jahren erlassenes Edikt berufen könnte, um die Rechtsstellung der hessischen Beamten zu erschüfttern?“ Ja, wo in aller Welt habe ich mich denn auf dieses Edikt berufen, habe ich eine per sön⸗ liche Meinung darüber geäußert? Ich hatte nur ange⸗ deutet, daß die Regierung in dem noch nicht aufgehobenen Edikt ein Mittel in der Hand gehabt hätte, das sie hätte an⸗ wenden können, aber als demokratische Volksregierung nicht anwenden wollte! Meine persönliche Meinung will ist ein andermal äußern.(Schluß folgt.) 1 6 5 1 — Das Reichsmietenge etz. Von Otto Schröder. g Die Bekanntmachung über die Festsetzung der Hundertsäge hat bereits Zweifel hervorgerufen, die allerdings bei aufmerksamem Durchlesen des Gesetzes und des in diesem Blatte erschienenen Auf⸗ satzes behoben werden könnten.. 5 Die Hundertsätze sind festgesetzt: 1. fürr den Zeitraum pom 1. Juli bis 30. Sept. 1922 guf zusammen 544 Prozent; 2. ab 1. Ok⸗ tober 1922 auf zusammen 1525 Prozent.. Nach§ 1 des Reichsmietengesetzes gilt, falls Vermieter oder Mieter eine dahingehende schriftliche Erklärung dem anderen Teile gegenüber abgegeben hat, die gesetzliche Miete von dem Zeit⸗ punkte ab, für den nach 8 505 B. G. B. die Kündigung zuläsfig wäre. hirnach gilt die Reichsmiete also im Falle vierteljährliche Mietzahlung, falls die Erklärumß spätestens am. Werktage des Kalendervierteljahres abgegeben ist, vom nächsten Viertel jahre gb. Da am 1. Juli das Reichsmietengesetz in Kraft getreten ist, konnte das Verlangen auf Zahlung der Reichsmiete nicht früher ge⸗ stellt werden, als am 1. Juli. Wenn also im Falle e Mietzahlung spätestens am 4. Juli 1922— dem 3. Werktage— k Verlangen auf Zahlung der Reichs miete gestellt worden ist wäre diese ab 1. Oktober 1922 zu entrichten, also, falls nicht Voraus- zahlung vereinbart ist, erstmalig am 1. Januar 1923 zu zahlen. Das heißt also: bei dem eben angeführten Beispiel käme 1 von 435 Prozent gar nicht in Betracht, sondern der aß 1. festgesetzte mit 1525 Prozent. 5 Bei monatlicher Mietzahlung wäre, 5 am 15. Juli 1922 eine Sahingehende Erklärung abgegeben worden ist, die Reichsmiete erstmalig ab 1. August 1922 zu zahlen, also bei vereinbarter Nachzahlung, erstmalig am 1. Sept. 1922, und zwar nach dem Zuschlag mit 544 Prozent; vom 1. Oktober ab selbffver⸗ 7 ständlich nach dem höheren, mit 1525 Prozent. f 85 7 Nur, falls wöchentliche Mietzahlung vereinbart wäre 1 und spätestens am 1. Werktag der Woche das Verlangen auf Zahlung 175 der Reichs miete gestellt worden it, sst diese von der folgenden oche 1 ab zu entrichten. Also nur für ele Fall könnte schan im Monnt Juli 1922 die Reschsmiete begehrt werden, frühestens jedoch 92 ab 10. Jul 1922. 5 5 2 5 3 Bemerkt sei noch, daß durch das Reichsmietengesetz die 5 Mieterschutzbestimmimgen berührt werden, daß insbesondere nach wie vor der Vermieter zu einer Kündigung die vorhersge Zuftimmung des Mieteinigungsamtes einzuholen hat. Die Teuerung in Hessen. Die Teuerungszahlen der fünf größten Städte Hessens auf Grund der Preise vom 20. Dezember 1922(22. November) ausschließlich der Bekleidung betrugen für Mainz 66 40 (41025); Darmstadt 59 784(41 687), einschließlich Bekleidung 89 626(55 129) Offenbach 88 737 69 211]; 61745(42 572), einschließlich Bekleidung 84 956 8 Giessen 56335(39 187), einschließlich Bekleidung 24 978 62 417). Die Durchschnittsteierungs zahl für die 5 größten Städte beträgt für Ernährung 50.519(36 312), für Heizung und Beleuchtung 5 8545(4372), Wohnung 350(226), für Bekleidim N 21893(14 029), 95 zusammen 81307(54 933). Die Teuerung gusschließlich Bekleidung 7 ist vom November auf Dezember um 45 Prozent und 1 9* Bekleidung um 48 Prozent gestiegen, vom 6. Dezember ah ausschließ⸗ 2 lich Bekleidung um 14 Prazent. 3 1 — Deffentliche Bücherhalle. Im Dezember wurden 2039 Bände 4 ausgeliehen. Davon kommen auf; Erzählende Literatur 1111, Zeit- 5 schriften 180, Jugendschriften 242, Lite raturgeschichte 22, Gedichte und Dramen 39, Länder⸗ und Völkerkunde 78, Kulturgeschichte 33, Ge⸗ schichte und Biographien 95, Kunstgeschichte 18, Naturwiffenschaft u. 4 Tochnologje 94, Haus⸗ und Landwirtschaft 5, Gesumdheitslehre 16, Religjon und Philosophie 39, Stqatswissenschaft 17,— 41 2 schaft 12, Fremdsprachksches 28 Bände. Nach auswärts kamen 50 Bde. — Erxhühung der Margarinepreise. Wie wir erfahren. soll der 2 Preis für Margarine um 38 Mark für das Pfund erhöht werden. 9 — Schulbeginn. Der Schulbeginn an den hiesigen Schulen ist 1 Dienslag, den 9. Januar festgesetzt worden. 8 Kreis sypriedberg⸗ Büdingen. 4 Friedberg, 29. Dez. Streikende als Nothelfer. Ju den Weihnachfsfeiertagen legte die Belegschaft der Grube„Ersfünig 1 im Kreis Friedberg die Arbejt nieder, weil die zuständigen Löhne. van Arbeitgebersejte nicht gezahlt worden waren. Sie erklärte sich. jedoch bereft, im Dienste der Techmischen Nothilfe als Nothelfer für 1. die Wasserhaltung der Grube Sorge zu tragen, was denn quch 3 Tage Uinig bis zur Beilegung des Konfliktes geschah. Die fffligen Lshu 9 swpurden von der Nothilfe vorgestreckt. 5 9 2 auf Non Nah und Fern. Franksurt g. M., 1. Jaß. Die Frankfyrter 1 f rungszahl. Die Teuerungszahl für Niankfint stellt sich für den Monat Dezember auf rund 58 400. Das ist eine Steigerung gegen die Teuerungszahl des Vormongts um rund 5e Proz. Die Kalorien-Indexzifser für Lebensmittel stellt sich für diese Wocsge quf 26 089, gegen den Durchschnitt des Vormonats eine Zu- ö nahme um 53,7 Proz. 0 — 90 a a 4, des Schutzhauses, einem Wirt aus einem der nahen Rhöndörfer, bes Nb gef von Sewofschusser bon der Behörde gestattet. Deggendorf, 30. Dez. Nur die Arbeit kann uns Frankfurt a. M. 4. Januar Ein 10 Millionen⸗Dieb⸗ stahl. Aus einem verschlossenen Kassenschrank des Laboratoriums Griesbeim⸗Elektron wurden in einer der letzten Nächte mehrere Frankfurt a. M., 1. Jan. umzugskontrofte. Nach elner erlassenen Magistratsverordnung dürfen künstig Spedi⸗ teure, Möbelträger usw. nur dann Umzüge aller Art ausführen, f 1 wenn sie im Besitze eines vom Wohnungsamtes ausgestellten Er⸗ Tiegel Schalen und Elektroden aus reinem Platin im Werte von retten! Im nahen Weibing besitzen zwei alte arbettsunsähige luaubnisscheines sind. Die Polis ibeamten sollen die Umzüge rund 10 Millionen Mark gestohlen. Die Gegenstände haben ein[Brüder ein Anwesen von 90 Tagwerk. Früher hielt man darauf DVeuarauf kontrollieren. Zuwfderhandlungen werden mit Geld- Gesamtgewicht von etwa 300 Gramm. etwa 30 Stück Vieh. Voriges Jahr hatten diese Wirtschafter noch trafen bis zu 100 000 Mark geahndet. N Frankfurt a. M., 1. Januar. Dreifacher Giftmord. Am 1„letzten Freitag wurden die drei kleinen Kinder des elsässischen Flücht⸗ ö es Franz und Minna Gudat in der elterlichen Wohnung an B euchtgas vergiftung bewußtlos aufgefunden. Zwei der Kinder star⸗ ben unter den Händen der sofort alarmierten Rettumgswache das 0 585 kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Polizeiliche Fest⸗ 1 tellungen ergaben jetzt, daß von einer Leuchtgas vergiftung nicht die 5 Rede sein konnte, da alle Hähne in Ordnung waren und außerdem ine Flamme brannte, als die Eltern heimkehrten. Die Kinder waren ö selmehr durch eine andere bisher nicht ermittelte Substanz vergiftet Frankfurt a. M., 2. Januar. Der dreifache Giftmord. Heute fand die Sektion der durch Vergiftung aus dem Leben geschie⸗ denen drei kleinen Kinder des Gudat' schen Ehepaares statt. Ueber den Befund verlautet noch nichts; doch steht soviel fest, daß die von den Eltern angegebene Gasvergiftung nicht in Frage kommt. anze acht Stück Vieh, wovon im Winter infolge schlechter Pflege 555 ungenügender Fütterung vier Stück verendeten. Das Heu ließen diese„Baner“ auf den Wiesen versaulen. Anstatt daß sie Getreide abliefern können, beziehen sie Brotmarken, denn die Felder sind längst nicht mehr ertragfähig, mehrere Weiden. Bis heute aber ist noch kein Gesetz fertiggebracht, daß solchen Fällen Enteignung eintritt, damit in der Zeit der Lebens⸗ mittelnot solcher Grundbesitz auch nutzbringend bearbeitet werde. „Nur die Arbeit kann uns retten!“ Auch hier gälte es, nach dem Rechten zu sehen. Das Basler Goetheaneum eingeäschert.„ In der Neufahrsnacht ist das Goetheaneum in Dernach ö Basel eingeäschert worden. Um 10 Uhr von einem Wächter Rauch bemerkt, der sosort die alarmierte. Nach einer offiziellen Mitteilung des e 4 Kurz⸗ ö. Als der Tat dringend verdächtig wurden noch am gleichen Abend die Eltern vorbaften nnd dem Polizeigefängnis zugeführt. Bis 1 jetzt leugnet das Paar die furchtbare Tat. Die Kinder standen im Alter von 9 Monaten, 2 und 3 Jahren. Frankfurt a. M., 1. Januar. Unfreiwillige Entfett⸗ ihm nur einen„Denkzettel“ habe geben wollen. g schluß als Brandursache ausgeschlossen, vielmehr 72 ugskur. Auf dem Grenzbahnhof Voitersreuth i. V. fiel kurz g Darmstadt, 2 ee 841 0 Unheil. In der Sil⸗ schiedene Augeichen von Ver Pisberan sen 8 ene in 5* Weihnachten ein Frankfurter Reisender den Zollbeamten durch vesternacht hat ein 17jähriger Kaufmannslehrling mit Kollegen in Ang 1 1 feu dueimche Lewesfüle aul. Man umderzog den Frantfurter semer Wohnung Wein und Schnaps getrunken. Während die Angriff genommen w 1 ö eimer Leibes untersuchumg und schälte ihn aus 96 seidenen Selbst⸗ jungen Leute aus Gläsern tranken, setzte der Lehrling Konrad 3. 8 f 5 1 325 e en eee ee bepnfg deichimgen une einer am etz die Flasche an den Hals. Auf dlese Weise leeren ole Binchen Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegung. un u einer Secherdeitsnadel befestigt waren. Junrichst beschag- 2 Flaschen Creme de Van fle. Slnlus beteuscken legten sie Z. auf 1 70 9 tte man die Selbstöinder, die zusammen einen Wert von an⸗ das Sofa. Als der Sohn der Logiswirtin gegen 75 Uhr u. Ein Jubiläum. 5 f i 45 amd id ooo Mark daastellen, und den auen Frankfurter sah, war der Tod eingetreten.— Efn ö8fähriger Mann aus der Der Korrespondent, das Verbandsblatt der Buchdrucker, 7 den e en bort krient werben mußten. Maerstruße hatze ohe Bewohner in der Küche zwischen Herd dend kaun var Aabteegin e een ee 6. Frankfurt a. M., 2. Jan.„Platz der Republik.“ Die Gasherd ein Schläfchen zu machen. Er stlützte dabei den Arm auf rückblicken. Die Herausgabe des Zentzalorgans der Buch⸗ 5 Stad tverordnetenversammlung hatte vor einige Wochen den Be⸗ den Gasherd und führte das Ausströmen des Gases zum drucker ging der Gründung des Verbandes voran und Kelche Faun auf umbenennung des Hohenzolleruplatzes in„Platz der Tode des alten Mares. Verunglückt ist in der Silvesternacht durch den Fortbildungsverein für Buchdrucker in Leipzig, de 4 Republik“ gefaßt, ein Beschluß, dem der Magistrat wohl beitrat, der Inhaber des Inlassogeschäftes Hansa, Herr Möller. Anscheinend ein Jahr zuvor gegründet wurde. Das att“, 1 *. r gleichzeltig aus philologischen und grammatischen Gründen wurde der Mann von einem Auto überfahren, doch gibt der Chauf. Namen es sich bei den Prinzipalen bald erworben hatte, erschien 7 n Platz„Republikplatz“ benamste. Jetzt hat nun der Polizei⸗ feur des Mietautos an, er habe M. am Boden liegen sehen, doch nicht von Jahre 1870 an zweimal wöchentlich, vom Jahre 1875 ab so⸗ prästdent den Beschluß des Magistrats auf Umbenennung des angehalten da er Gäsle hatte und angenommen habe, der am gar breimal die Woche. Im Jahre 1899 ist sogar das lägliche Platzes in„Nepublik⸗Platz“ seine Zustimmung mit der Maß⸗ liegende Mann habe etwas vorzeitig Neujahr gefeiert. M. war bei Erscheinen in ernstliche Erwägung gezogen worden. Heute drückt ade erteilt, daß der Platz den Namen„Platz der Republik“ er⸗ 5 dall.— Der Polizeiprästden, ßat sich also nicht von grammati⸗ 4 chen Erwagzu, en leften lasseu. Frankfurt„ 2. Jan. Frankfurter Viehmarkt. Der inn brachte eine weitere merkliche Preissteigerung auf dem t, die sich je nach den einzelnen Viehgattungen zwischen 500 und 1000 Mark pro Zentner bewegte. Es waren aufgetrieben: 190 4 2 20 Bullen, 1064 Färsen und Kühe, 315 Kälber, 184 Schafe 1 275 916 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebend⸗ ö Ochsen 39 00060 000 Mk., Bullen 39 00050 000 Mk., und Klühe vollfleischige 50 000—57 000 Mk.; wenig gut ent⸗ 0 00052 000 die Not der Zeit auch auf ihn. Bisher in einem Privatbetrieb hergestellt, wird mit dem neuen Jahre der Druck von der eigenen 15 7 5 0 1. Druckerei des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker kälte in ihrer gestraen Sitzung folgende Enlschließung, die von sthernommen. Wir verbinden uns mit ihm zu dem Wanschg daß den Anwesenden stebend entgegengenommen wurde: Mainz die es ihm weiter und in stets steigendem Maße vergönnt sein möge. Provinzialhauptstadt Rheinhessens, steht voll und gang auf dem im ahmen der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung Boden der Kundgebung der Provinz vom 9. Dezember 1922. Ihre Wokl und Wehe der graphischen Arbeiter einzulrelen. Bevölkerung 199 eneraisch e e 550 ei 5 8 die auf eine Abtrennung von der hessischen mat un em 5 Lokale Parteinachrichten. 5. Agitationsbezirk, Friedberg⸗Büdingen⸗Schotten. Mainz, 29. Dez. Die Stadtverordnetenfitzung deutschen Vaterlande hinzielen. Als deutsche Stadt am Rhein steht sie tren und unentweat zum deutschen Reich. Sein Schicksal ist auch das ihrige. . wickelte 38 Mk., gering genährte 30 000-30 000 Mk.; Main 55 5 Sonntag, den 7. Janmar ds. Js. be⸗ 5165. 17 75 5 75 3, 3. Januar. Neue Putschpläne der Smeets⸗ Werte Genossen! Am aa, 5— J...... T... 22 000—45 000 Ml.; Schweine unter 80 Kilo 50 000-65 000 Mk., in der Silvesternacht Plakate mit einem Aufruf an das rheinische im Zirkular vom 12. Dezember. von 80—100 Kg. 70 00074 000 Mk., von 100—150 Kg. 73 000— 5 000 M., uber 150 Kilo 75 000—77 000 Mk. Der Geschäftsgang waar bei Rindern und Schweinen lebhaft, bei Kleinvieh ruhiger. Der Warkt wurde geräumt. 0 Frankfurt a M., 1. Janwar. Frankfurter Kriminal⸗ chronik. Ein biesiger Kaufmann unterschlug seinem Geschäft eine Brillantnadel im Wert von 400 000 Mark die er verkaufen . bas— Die Wucherpolszei beschlagnahmte bei einem Bauern aus handel (Ereis Die burah arößere Mengen Milch, die er im Schleich⸗ Volk von den Anhängern Smeets angeschlagen worden sind. Man erwartet in der Nacht vom 2.—3. Januar bestimmt die Ausrufung der rheinischen Republik. An zuständiger Stelle wind auf Anfrage erklärt, daß diese“ Meldung mit großer Vorsicht aufzunehmen sei. Nierstein, 30. Dez. Interessante Funde machte dieser Tage Weingutsbesitzer Georg Strub(Rheinstraße) in einem Wein⸗ berg„Am Brückchen“. Der Weinberg wird augenblicklich gerodet und hierbei wurden mehrere größere und kleinere Tongefäße heraus⸗ gegraben, die außerordentlich gut erhalten sind. In einem der Ge⸗ fäße fand man noch gut erhaltene Knochen, auf denen eine kupferne Kapsel lag, die das Bildnis eines römischen Kaisers trug. An Hand dieses letzten Fundes konnte denn auch festgestellt werden, daß der Fund aus der Regierungszeit der römischen Kaiser Nero und Gor⸗ dianus stammt und somit in die Jahre von 68 bis 244 nach Christi Geburt einzustellen wäre. Von seiten der Altertumsforscher wird gesagt, daß es sich bei dem Funde um die Familiengrabstätte eines Dieselben finden statt: Friedberg. vormittags 9 Uhr. Gastwirt Jhl. Ref.: Kroner⸗VBilbel, Vilbel, vormittags 9 Uhr, Gastwirt„Zum Löwen“, Nef.: Schaub Büdesheim, Stockheim, vormittags 9 uhr, Gastwirt Lötzbayer, Nef: Lux⸗ N.⸗Florstadt. Gedern. vormittags 10% Uhr. Gastwirt„Zur Traube“. Nef.: Witttig⸗Butzbach, Schotten, vormittags 11 Ubr. Gastwirt„Zum Vogelsberg“, Ref.: Rechtien⸗Vilbel. diesen Kursen alle neugewählten Gemeindevertreter Bersten den ue ene de., die Vorsitzenden und Kassierer gleichen können alle Gengssen an den Kursen teilnehmen. die die⸗ sem Thema Interesse entgegenbringen. Die Ortsvorsitzenden haben für guten Besuch der Vorträge Sorge zu tragen. Mit Parteigruß! 8 — Am Sor Bruno Wittig, Sekretãr. Sport höheren römischen Soldaten, der hierorts eine Militärstation be⸗ I ͤfehligte, handeln müsse. Unter⸗Mossau. 29. Dez Ein eigenartiger Unglücks⸗ fall, der den Tod einer jungen Frau zur Folge hatte, ereignete sich hier. Ein 52jähriger Schweizer zeigte am Stammtisch einen Revolver, den er zum Neujahrsschleßen verwenden wollte. Als er die Waffe zum zweiten Male aus der Tasche zog ging ein Schuß los und traf die 34jährige Ehefrau des Wirtes Arras, die neben ihrem Manne an dem Tische saß zerschmetterte den Kiefer und verletzte die Schlagader sodaß der Tod alsbald eintrat. Gegen den e wurde sofort ein Verfahren wegen fahrlässtger Tötung eingeleitet. Fränkisch Crumbach. 29. Dez. Ein gebrochen wurde in der Freiherrlich Gemming'schen Kapelle. Den Dieben fiel ein wertvoller Speisekelch in die Hände. Blutiges Drama. Am Neufahrstag kam es auf einem Hof bei Bendorf an der Bergstraße zu einem Streit, in dessen Verlauf der 22jährige Schuh⸗ macher Peter Böhm erstochen und sein Vater so schwer verletzt wurde, daß er kurz nach der Einlteferung in das Krankenhaus verstarb. Der Gegner, der 26jährige Schneidermeister Anton Großmann erhielt einen Beilhieb über den Kopf und mußte gleichfalls dem Kranken⸗ hause zugeführt werden. Der Millionenraub bei Wächtersbach. Vor mehreren Wochen wurden zwei Angestellte einer hiesigen Grube von vermummten Männern ilberfallen und der mitgeführten Der arme schwäbische Bauerndoktor. 0 Die Mlinchener Medisimische Wochenschrift bringt folgende Feidemaße Momentoilder aus ber Praxis eines schwäbischen Bauerndoktors: 3 12 1 0 rcon 15. 955 er in seiner ankheit nicht aber zur Leichenschau braucht man surcch Dabei klagt mir die junge Kreuzhosbäuerin des Verstor⸗ benen Tochter:„Mein Gott! Viel hat er no leida müssa, der guate alte Vater.“—„Warum baben Sie mich nicht rufen lassen, um f seine Schmerzen zu lindern?“—„Was? Weaga am alta Ma, deam sei Geldle so scho auf d'Noig' gaut, heut so an tuira Dokt'r „ bola? Was moinet Ihr denn?“—„Sol“—„Jal“ . f Aber a ganze Seite standesgemäßer Traueranzeige von der Leuntroöftlichen“ Tochter ist im Blätfle g'standen und a schöna, tiuira Leich mit Must haut's geaba. Ueber hundert Persona sind aufem Leichamaul g'wesa. D' Kreuzhofbäura hat an nuia Trauer⸗ mantel kauft um zwoimaulhunderfufzigtausend Mark. Mei! Halt's Millgeld von am halba Monat. 1 Zweispännig kommt der Oberhofer während der Sprechstunde angefahren.„Mei Bug hat scho vierzehn Tag Bauchweah. Heut g sallt'r mir nimma. Fahret nur glei mit!“ Dort angekommen sinde ich einen zehnjährigen Jungen in — Agonie. Schwere Blinddarmentzlindung. 5 „Der Junge wäre leicht zu retten gewesen. Jetzt ist's zu spät, öten Erfolge erzielt wer⸗ Verbeidigung mit den Läufern vereint, wiesen alle Angriffe ab. Mit dem Stande 0:0 ging es in die Pause. In der zweiten Hälfte wickelte sich das Spiel viel flotter und verteilter ab. nachdem ein Verteidiger Allendorfs wegen gegen den Schiedsrichter aus dem Spiele verwiesen wu de Lor e Durchbruch des Mittelstürmers konnte Gr.L. das erste er ⸗ zielen. Kurz darauf konnte A. ausgleichen. Aber nicht lange und der Gr.L. Halbvechte konnte eine Flanke vom en durch Kopfstoß in das Gästetor schicken. Kurz darauf konnte GL. noch ein Tor erzielen. Von A. konnte durch Strafstoß ein zwestes Tor erzielt werden. Auch Gr.⸗L. konnte noch einmal einsenden, 7 0 man sich mit dem Stande 4:2 für Großen⸗Linden trennen konnte.— 3 Lohngelder in Höhe von 7—8 Millionen Mark beraubt. Eingehende und keine Klinik der Welt könnte hier mehr helfen. Warum rufen kriminalpolizeiliche Nachforschungen haben nun das jedenfalls nicht Versammlungskalender Sie mich so spät?“—„Ja weaga am Bauchweah holt ma doch uminteressante Ergebnis gezeitigt, daß man drei Angestellte des Gießen. Freie Turnerschaft. Samstag, 6. Januar, Werkes als die Regisseure des„Ueberfalles“ verhafbet hat. Darunter n 5 befindet sich auch der Buchhalter selbst. Die Verhafteren stehen in dem 5 seines Weizens um 1% Millionen verkauft. Milchgeld nimmt er dringenden Verdacht, den„Ueberfall“ unter sich avgekartet zu haben, jeden Monat viele Hunderttausend ein und seine Banknote hat er um sich in den Besitz des Geldes zu setzen. Die Leute leugnen ihre klistenweise unter seiner Bettlad stehen. N Schuld. Das Geld konnte noch nicht gefunden werden. 5* Der Schuß mit dem Selbstschuß. Neben mir wohnt ein Tierarzt. Dem Manne geht es gut. Am 1. Weihnachtsfeiertage wollte ein Student mit seiner an⸗ — Er hat reichlich zu tun, berechnet nach Weizenpreisen und wird geblichen Braut R verschlossene e 05 5 auch so bezahlt. Ein Kald und eine Sau sind eben heute doch viel Wasserkuppe dringen, um hier zu nächtigen. Dabei erhielt er von wertvoller als ein Kind. Efnen alten Vater vollends an Wert einem der im Raum angebrachten Selbstschlisse einen Schuß in das 15 mit einem Ochsen oder gar einem Pferd vergleichen zu wollen, Gesicht, der das linke Auge schwer verletzte, sodaß er sofort der Frank⸗ das kann überhaupt nur einem ganz„narreten“ Doktor einfallen. furter Augenklinik zugeflihrt werden mußte. Ein beabsichtigter Dieb⸗ stahl kommt, wie man zunächst annahm, micht in Frage. Dem Pächter schwarzer Küblers — e eee, gelen Sohtok. Aung ——— a f Wos u erfragen in ber Geschäffsstelle der Oberb. 7 10³³ N hot koin so tuira Dokt'r.“ Dal abends 8 im Gewe ftshaurs(Turnerzimmer bei hat der sparsame Mann vor einigen Tagen einen Teil uhr Morat wersammlung im reschn 0 erziunmer). Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Vorstand. Gießen. Kraft⸗ und Sportklub 1893. Samstag den 6. Januar findet im Vereinslokal die diesjährige Generalversamm⸗ lung statt. Reiskirchen. Wahlverein. abends Samstag, 6. Januar 8% Uhr bei Guntrum Mitgliederversammlung. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. Wiesecl. Freie Turnerschaft. Sonntag, den 7. Jamtar 1923, nachm. 3 Uhr im Vereinslokal Generalverfammlung. Voll⸗ zähliges Erscheinen wird erwartet. Dollarstand gestern mittag 12 Uhr ca. 7400 Mark. apfel Auaben- Arie in allen Grössen eingetroffen Verkauf van Brennholz für Haushaltszweke. 7 Abgabe in Mengen von ½ Zentner bis zur Höchst⸗] menge von 5 Zentner. Preis Mk. 850.— für den e Bezugsscheine werden im Brennstoffamt, immer Nr. 3 ansgegeben, solange der Vorrat e Ur Gestorbe Ein wenig getragener 8 7 30. Dezember: Adolf Gerstenberg, Tape sier, 71 Jahre alt, Asterweg 16. 0 . 31. Dezember: Konrad Kuhl, Eisenbahn schaffner i. R., 81 Jahre alt, Kirchenplatz 11 2. Januar: Margarete Klein Witwe, geb Mattern, 78 Jahre alt, Plockstr. 11. Beerdigung 5. Januar, 2 Uhr nachm. 8 N Die Lebensmittelausweiskarte ist vorzulegen. gewerbliche Zwecke wird kein Holz abgegeben. 3 Gießen, den 3. Januar 1923. der Oberbärgermeister(Brennstoffam). 5 7 N 0 0 18 D 8 N . f— feste und 5 8. 1 Garllinen zr Partei-Literatur Ehiltrgeige 1 5 8—— IUBuchhandlg. 9 Volksztg. as, bree 3