Kehaltion: gießen Aötruppreher dot. 1 85 Durch die Poft bezog. 3300.— Hilferding. Bahuhofstraße 25 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Expedition: Gießer Bahnhofstraße 23 Jernspyrecher 2008 Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. eder Beilage deren mene, dg dense Prengere f iche Beilage* einschl. Bringerlohn. Duncpie Mit. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120.— Mk Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(85 mm breit) oder deren Raum sotal 60.— 15 9 i 300.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen 60.— Mt., auswärts Mk., die Reklamemillimeterzeil. der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. Nr. 100 Gießen, Donnerstag, den 3. Mai 1923 18. Jahrgang Letzte Beratungen über das deutsche Angebot. Das Reichskabinett beschäftigte sich am Montag nach⸗ mittag mit dem Entwurf des deutschen Angebots, an dem abermals verschiedene Aenderungen vorge⸗ nommen wurden. Abends trat die Regierung erneut zu einer Besprechung des Entwurfs zusammen. Die Parteiführer waren für Dienstag vormittag 10 Uhr zum Reichskanzler gebeten. Die Konferenz der Minister⸗ präsidenten begann um 3 Uhr nachmittags in der Reichs⸗ kanzlei. 5 Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister emp⸗ ea fingen am Dienstag vormittag die Parteiführer zur Unter⸗ richtung über den Inhalt der deutschen Note an die alliier⸗ ten Mächte. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion war vertreten durch die Genossen Wels, Breitscheid und Sie machte dem Reichskanzler einzelne Abänderungsvorschlage. Nachmittags 3 Uhr fand in der Reichskanzlei die Besprechung der Ministerpräsidenten über die innerpolitischen Auswirkungen unseres Reparations⸗ angebots statt. 1 Die Note der Reichsregierung wird am Mittwoch vor⸗ mittag um 11% Uhr der Presse übergeben. Vor ihrer Ver⸗ öffentlichung hält der Reichskanzler im Kreise der Minister⸗ präsidenten eine hochpolitische Rede, in der er mehrere Er⸗ läuterungen über Einzelheiten der Note zu machen beab⸗ sichtigt. ö Der deutsche Reparationsplan. Das Angebot der Reichsregierung an die Regierungen der Alliierten Länder ist am Mittwoch vormittag gleichzeitig in London, Paris, Rom und Brüssel übermittelt sowie der Regierung in Washing⸗ ton zur Kenntnis gebracht worden. Damit hat die deutsche Re⸗ 23 Nebel. bei Erzen 1 0 Hießel f cinen A gel gefl. autadlen 56 1 gierung einen Weg beschritten, der von der Sozialdemokratie schon kängst als notwendig erachtet wurde. Auch der Sozialdemokratischen Partei ist es nach den endlosen Demütigungen, für die sie sehr großes Verstännis hat, nie leicht gefallen, ein Angebot zu fordern. Wenn sie 1 tat, dann lediglich aus realpolitischen Gründen, die sich heute auch die Regierung des Reiches und große Parteien des Reichstages zu eigen gemacht haben. Die Reichsregierung bietet den alliierten Mächten in ihrem Vor⸗ schlag 30 Milliarden einschließlich aller Sachlieferungen an. Von diesen 30 Milliarden, die als das Höchstmaß der deutschen Leistungs⸗ söhigkeit betrachtet werden, sollen 20 sofort auf dem internationalen Finenzmarkt durch Anleihen aufgenommen werden die restlichen 10 Milliarden will man zu je 5 Milliarden nach fünf Jahren, die zweiten 5 nach drei Jahren aufnehmen. Der Sinn des deutschen An⸗ gebotes ist ein vierjähriges Moratorium für alle finanziellen Ver⸗ (pflichtungen, Die bisherigen Sachlieferungen werden in den Betrag von 30 Milliarden nicht eingerechnet, sodaß also die Abrechnung erst ab jetzt gilt. Die Zinfen, die einschließlich Amortisation jährlich 1.2 Milliarden betragen, sollen von diesem Anleihebetrag abgezogen wer⸗ einem Deutschen besteht. den, sodaß, vorausgesetzt, daß der gesamte Betrag eingeht, sofort 15,½ Milliarden zur Verfügung der Entente gestellt werden könnten. Falls die restlichen 10 Milliarden auf dem internationalen Finanz⸗ markt nicht aufgenommen werden können, soll ein internationales Schiedsgericht darüber entscheiden, ob und wie dieser Betrag gezahlt werden kann. Ferner will man diesem Schiedsgericht die Entscheidung darüber überlassen, ob für Abdeckung der Zinsen weitere Anleihen aufzunehmen sind und, falls die Alliierten sich mit dem von Deutsch⸗ land genannten Betrag von 30 Milliarden Goldmark als Maß stab unserer Leistung nicht einverstanden erklären, wie stark die deutsche Leistungsfähigkeit ist. 0 1 Flir die Zusammensetzung eines Schiedsgerichtshofes denkt sich die Reichsregierung drei Möglichbesten, die in dem Angebot einzeln aufgeflührt werden. Zunächst wird als Schiedsgericht das Anleihe⸗ komitee in Vorschlag gebracht, das sich bekanntlich aus maßgebenden Vertretern der internationalen Bankwelt zusammensetzt; ferner denkt man sich die Bildung einer derartigen Instanz nach dem Hughes⸗ schen Vorschlage der Hekanntlich ein Gremium neutraler Sachver⸗ ständiger vorsah. Als dritte Möglichleit ist eine Kommission geplant, die aus einem Vertreter der Reparationskommission, einer Persön⸗ lichkeit, die vom schweizerischen Bundespräsidenten ernannt wird, und 110 Garantien, ohne die handlungen festgesetzt werden. Die Voraussetzung für die Aufnahme internationaler Anleihen ö eben kein Mensch auf der Welt Geld zur Verfügung stellen wird. Wir können vorläufig nicht behaupten, daß die Reichsrgferung diese Garantieleistungen in einem Maße zum Aus⸗ druck bringt, das schließlich internationale Anleihen ermöglicht. Nach unseren Informationen sieht das deutsche Angebot gesetzlich festgelegte mtien nicht vor, sondern sagt, daß die Regierung bereit ist, die deutsche Wirtschaft duch gesetzliche Maßnahmen zu Garantien zu ver⸗ pflichten. Form und Art dieser Garantien sollen in besonderen Ver⸗ Nach den bisherigen Auslassungen maßgebender deutscher Wirtschaftskreise hatten wir mehr erwartet. „Die Sicherheitsfrage findet in dem Angebot nach unseren vor⸗ läufigen Informationen eine Behandlung, die man im Vergleich zu der bisherigen Stellungnahme der Regie rung zu dieser Angelegen⸗ heit im allgemeinen als Fortschritt bezeichnen kann. Das Kabinett Camo erklärt sich bereit, einen Pakt zu unterzeichnen, der die Unver⸗ sehrthest der Landesgrenzen aller Rheinbundstaaten vorsieht und will 0 iche inbezug auf diese Frage entstehenden Streitigkeiten zur Schlichtung einem internationalen Schiedsgerichtshof unterbreiten. Die Räumung des Ruhrgebietes wird in dem deutschen Repa⸗ Die Entscheidung gefallen. Die deutsche Note überreicht. Krupp von Bohlen verhaftet. rationsverhandlungen das Ruhrgebiet in kürzester Frist geräumt wird, ist zweifellos der Zustimmung jedes Deutschen sicher. Auch die in anderem Zusammenhang geforderte wirtschaftliche und rechtliche Gleichberechtigung auf dem Weltmarkt bezw. dem internationalen Verkehr muß allgmeine Zustimmung hervorrufen. Wir verzichten darauf, bereits heute, bevor der Wortlaut der Not endgültig vorliegt, zu dem Angebot ausführlich kritisch Stellung zu nehmen. Vorläufig sei nur das eine gesagt, daß wir in wesent⸗ lichen Einzelheiten im Inte resse Deutschlands positivsere Angaben er⸗ wartet hätten. Immerhin erkennen wir an, daß sich die Reichs regie⸗ rung überhaupt zur Absendung eines Angebots durchgerungen hat. Ob es von den Alliierten als ausreichend betrachtet wird, möchten wir augenblicklich dahimgestellt sein lassen, wie wir uns jede aus⸗ führliche kritische Stellungnahme für kommende Tage vorbehalten. 8 Es kann kaum ein Zweifel mehr daran bestehen, daß die fran⸗ zösische Regierung das deutsche Angebot zu sabotieren versuchen wird, indem ste unmögliche Vorbedingungen, die einer Kapitulation Deutsch⸗ lands gleichkämen, zu stellen beabsichtigt. Die gesamte Pariser Boule⸗ vardpresse, ebenso die Poincaré vollkommen ergebene Daily Mail bläst in das gleiche Horn: Erst muß Deutschland den passiven Wider⸗ stand aufgeben, ehe Frankreich ein deutsches Angebot diskutiert. Außerdem werden die gerüchtweise mitgeteilten Summen und Garan⸗ tien, die das deutsche Angebot nennen soll, bereits mit einer solchen Entschiedenheit als ungenügend zurückgewicsen, daß man daraus schließen muß, daß Frankreich die Friedensdiskussion abwürgen will, ehe sie überhaupt konkrekte Formen annimmt. 1 Es ist zwar möglich, daß diese Taktik nur ein neuer Bluff ist, denn seit vier Jahren kann man beobachten, wie die Presse des Nationalen Blocks jedesmal beim Herannahen entscheidender Stunden die Unversöhnlichkeit curf den Paroxysmus treibt, um nicht nur Deutschland, sondern auch die übrigen Alliferten einzuschüchtern. In⸗ dessen ist es auch denkbar, daß man in den französischen Regierungs⸗ kreisen tatsächlich sehr optimistisch über die eigenen Aussichten im Ruhrkampf urteilt und eine baldige Kapitulation erwartet. Diese Auffassung beruht zwar auf einer vollständigen Verkenmmg der Situation, aber es ist durchaus denkbar, daß die Angaben le Tro⸗ queurs über erhöhten Abtransport von Ruhrkohle und Zunahme des militarisierten Eisenbahnverkehrs im Zusammenhang mit den syndikalistischen Unruhen in Mülheim und dem füngsten Marksturz auf die maßgebenden Pariser optimistisch gewirkt haben. So sehr wir eine solche Haltung Frankreichs im Interesse des europäischen Friedens bedauern, so wenig glauben wir, daß die Rech⸗ nung Poincarés klug und weitblickend ist. Erstens kann Deutschland noch viel länger aushalten, als man es am Quai d'Orsay glaubt, zweitens wird diese Haltung auf die Bevölkerung des Ruhrgebietes iutr die umgekehrte Wirkung haben, die man in Paris erhofft und drittens wird der Eindruck dieser Intransigenz auf die übrigen Län⸗ der der Entente die moralische und diplomatische Lage nur ver⸗ schlechtern können. Die neuen Forderungen Frankreichs haben in England einen sehr üblen Eindruck gemacht, wie aus zahlreichen Londoner Blätterstim⸗ men hervorgeht. Von der englischen Regierung müssen sie nach der Rede Curzons geradezu als ein Schlag ins Gesicht empfunden werden. Es ist ferner bisher beineswegs sicher, daß sich die belgische Regie⸗ rung mit dieser von Paris aus proklamierten Ueberschreitung der Brüsseler Vereinbarungen einverstanden erklären wird. Die Reichsregierung wird sich bei der Ausarbeitung ihres An⸗ gebotes nicht in letzter Stunde durch das Kesseltreiben der franzö⸗ sischen Regierungspresse beeinflussen lassen dürfen, oder nur in dem Sinne, daß sie ihrem Vorschlag eine solche Gestalt gibt, daß seine schroffe Ablehnung Poincaré in den Augen der Welt und sogar vieler einsichtiger Franzosen in noch größeres Unrecht setzt. Englische Kommentare. Aus London wird gemeldet: Wie die Westminister Gazette schreibt, hätten die Franzosen die Note bereits vor ihrer Veröffentlichung ver⸗ worfen. Die deutsche Note könne jedoch den Scheideweg in der Reparationsfrage bedutn. Der gutunterrichtete Berichterstatter der Times schreibt, man habe den bestimmten Eindruck, daß Frankreich der bevorstehende deutsche Schritt ungelegen komme. Frankreich sei ein wenig besorgt über die Wirkung, die sie auf die öffentliche Meinung der Welt haben könne. Dies sei der Grund, weshalb die Franzosen versuchen, bevor noch das Angebot erfolge, den Eindruck zu erwecken, die Bedingungen, unter denen es erfolge, seien derartig, daß es einer Erwägung nicht wert sein werde. Irgendeine Art von Ant⸗ wor werde unverzüglich erteilt werden, bevor die öffent⸗ liche Meinung Zeit habe, sich zu kristallisieren und sich auszusprechen. 5 Der diplomatische Berichterstatter des Daily Telegraph schreibt: Man sei der Ansicht, daß die französische Regierung sich sorgfältig jeder vorzeitigen Erklärung enthalten werde, die mit Recht oder Unrecht in der Welt den Eindruck hervorrufen könnte. daß sie im voraus beschlossen habe, ein deutsches Angebot nicht zu⸗ zulassen. Eine derartige Erklärung würde tatsächlich ein Abgehen von dem von der französischen und belgischen Regierung gemeinsam in Brüssel beschlossessnen Verfahren darstellen. Die Haliung der Ber arbeiter. Der Gesamtvorstand und Kontrollausschuß des Verbandes der Bergarbeiter hielten am 29. April ds. Js. in Bochum eine gemein⸗ schaftliche Sitzung ab und nahmen zu der Forderung Frankreichs, zuerst den passiven Widerstand im Ruhrgebiet aufzugeben und dann in Verhandlungen einzutreten, Stellung und stimmten folgen⸗ der Entschließung einstimmig zu: „Gesamtvorstand und Kontrollousschuß des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands bringen erneut die Entschlossenheit zum Ausdruck, den passiven Widerstand gegen den französisch⸗belgischen ratiensplau ebenfalls behandelt. Die zun Ausdruck gebrachte Erwar⸗ ming des Reichskabinetts, daß nach Abschluß der gewünschten Repa⸗ Einbruch in das Ruhrgebiet so lange sortzusetzen, bis eine Ver⸗ ständigung zwischen Deutschland und den Okkupdtionsmächten er⸗ zielt ist. Von der deutschen Regierung wird verlangt, daß sie alles tut, um die Verständigung zu ermöglichen und zu erleichtern. Mit derselben Entschiedenheit aber, mit der der Verband der Bergarbeiter Deutschland für Verhandlungen und Verständigungen eintritt, muß er die in einem Teile der französischen Presse er⸗ hobene Forderung zurückweisen, nach der an Verhandlungen nicht gdacht werden kann, solange der passive Widerstand nicht einge⸗ stellt sei. Es ist ausgeschlossen, daß der passive Widerstand einge⸗ stellt wird, bevor nicht eine Verständigung erzielt ist; desgleichen muß die volle Freiheit der von den Okkupationsmächten Ver⸗ hafteten, Verurteilten und Ausgewiesenen gewährleistet sein.“ Krupp von Bohlen⸗Halbach verhaftet. Herr Krupp von Bohlen⸗Holbach ist am Dienstag der französischen Besatzungsbehörde verhaftet worden. Hierzu wird gemeldet: J J 5 Nachdem Herr Krupp von Bohlen⸗Halbach zweimal verhört wurde, hatte er in den letzten Tagen zum dritten Male eine Vor⸗ ladung erhalten, die ihn in Berlin erreichte, wo er gerade zu wichtigen Besprechungen anwesend war. Er brach seinen Aufenthalt in Berlin ab und kehrte nach Essen zurück. Während die bis⸗ herigen Verhöre sich über mehrere Stunden erstreckten, wurde dies⸗ mal das Verhör nach kurzer Zeit unterbrochen und Herrn von Bohlen⸗Halbach erklärt, daß er verhaftet sei. e 100 bezw. 50 Millionen Geldstrafe. Vor dem Kriegsgericht der 10. französtschen Infanteriedivision begann gestern mittag der Prozeß gegen die Direktoren der Henn⸗ richshütte in Hattingen, der besonderes Interesse beansprucht, weil ihm zum Teil ähnliche Vorkommnisse zu Grunde liegen, wie dem bevorstehenden Prozeß gegen die Direktoren der Firma Krupp. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Die Hennrichhütte liegt südlich der Ruhr, die heute von den Franzosen als Zollgrenze besetzt ist. Sie ist durch eine Drahtseilbahn mit der Zeche„Friedlicher Nach⸗ bar“ auf dem Südufer der Ruhr verbunden. Auf Grund eines besonderen Juteressenvertrages dient diese Drahtseilbahn dem Transport von Schlacken und Schutt von der Hennrichhütte nach der Zeche, wo der Schutt als Bergeversatz verwendet wird. Auf dem Rückweg dient die Drahtseilbahn dem Transport von Kohlen für die Hennrichhütte. Der Transport von Kohlen hat bis zum 26. März stattgesunden. An diesem Tage untersagte Direktor Jäger der Hennrichhütte die Kohlentransporte, weil er gerüchtweise gehört hatte, daß die Franzosen an dem Kohlentransport Anstoß nehmen. Im Uebrigen hatten sich die Kohlentransporte auf der Drahtseilbahn ganz öffentlich vor den Augen der Franzosen voll⸗ zogen. Das Urteil lautete: Gegen Direktor Jäger auf 100 Mil⸗ lionen Geldstrafe, gegen Direktor Zöllner auf 50 Millionen Geld⸗ strafe, Prokurich Heinicke wurde freigesprochen. Die ldfrage für Jäger wurde bejaht in bezug auf Umgehung des franzöftschen Zolles und Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Direktor Zöllner wurde nur wegen Umgehung der französischen Zollbestimmungen bestraft. 0 Die Presseknebelung. 9 Eine Rekordleistung der Presseknebelung im besetzten Gebiet von haben sich die Franzosen gegenüber unserem Malnzer Parteiorgan, gan der Volkszeitung, geleistet. Als sie am Donnerstag nach drei⸗ tägigem Verbot wieder erscheinen sollte, wurde sie durch Befehl des sranzösischen Oberdelegierten sür Rheinhessen erneut auf ein Vierteljahr bis zum 26. Juli, verboten. Gründe für das Verbot wurden wiederum nicht angegeben. Seit dem Einbruch in das Ruhrgebiet ist die Volkszeitung jetzt zum siebenten Mal verboten worden. Alle sieben Verbote zusammen umfassen einen Zeitraum von rund füef Monaten. Der Vorwärts wurde im altbesetzten Gebiet französischer und belgischer Zone auf drei Monate verboten. Die Gründe sind bis⸗ her unbekannt. Das französische Kriegsgericht zu Bonn verurteilte den Redak⸗ teur Picard von der sozialdemokratischen Rheinischen Warte und Dr. Mehrmann von der Coblenzer Zeitung wegen angeblicher Be⸗ leidigung der Besatzung zu Gefängnisstrafen von je sechs Monaten und zu Geldstrafen von je 100 000 Mark. Zwei andere Redakteure erhielten je 100 000 Mark Geldstrafe. Die Maifeier im Reich. Zusammenstöße in München. Die Demonstrationen im Reich sind nach den uns zu⸗ gegangenen drahtlichen Mitteilungen unter großer Be⸗ teiligung ruhig verlaufen. In Berlin hat die werktätige Bevölkerung in machtvollen Kundgebungen ihren Willen zum Frieden, zur Freiheit und zum Sozialismus bekundet, In unabsehbaren Zügen marschierten die feiertäglich Gekleideten in Begleitung zahlreicher Musikkapellen zu den Sammelpunkten. Groß war die Zahl der roten und schwarz⸗rot⸗goldenen Banner. Die Feier im Lustgarten wurde eingeleitet durch Darbietungen des Musiker⸗ verbandes, denen sich Vorträge des Arbeiter⸗Sängerbundes an⸗ schlossen. Hier, wie im Tiergarten, in unmittelbarer Nähe des Kur⸗ fürstendamms, hatten sich Hunderttausende eingefunden. In kurzen Referaten wiesen die von den Gewerkschaften gestellten Redner auf die Bedeutung des ersten Mai und die Notwendigkeikt hin, unablässig weiter für seine Ideale zu streiten. Jubelnden Beifall fand der Hinweis auf die kommende Einigung der Internationale, und nach dem Gelöbnis, alles zu tun, um diese neue Internationale so stark zu machen, daß nichts sie zerschlagen kann, stimmten die Versammelten die Internationale an. Wie der Anmarsch, so vollzog sich auch der Abmarsch ohne Zwischenfälle. Der von den Gewerkschaften gestellte Ordnungsdienst hat seine schwere Aufgabe geradezu mustergültig durchgeführt. Neben diesen beiden großen Kundgebungen in Berlin selbst fanden weitere in den entfernteren Berliner Vororten statt. Abends fanden eg. 40 Abendfeiern der Partei statt, in denen u. 8. Bernstein, Breitscheid, Robert Schmidt, Dr. Levi, Frau Bohm⸗ Schuch sprachen. In der Philharmonie brachte das Phil harmonische Orchester gemeinsam mit dem Berliner Aerzte⸗Chor und Mitgliedern der Staatsoper Beethovens 9. Symphonie zu Gehör. Genosse Loebe hielt die Festausprache. In einem anderen großen Lokal hatten die Berliner Buchdrucker den Tschechischen Buchdruckerverein ppographia“ aus Prag zu Gaft. Hier hielten der tschechische Ge⸗f „ 2 sandte in Berlin, Genosse Tusar und Genosse Loebe Ansprachen. Es brgucht nicht betont zu werden daß die von den Gewerk⸗ schaften ausgegebene Parole zur Arhbeitsruhe in größtem Umfange befolgt wurde. Der Verkehr— mit Ausnahme auf der Stadtbahn— lag völlig still. In München ist die Feier unter äußerst starker Beteiligumg von mindestens 50 000 Personen unter dem Schutze der Sicherheitsabteilungen der Sozial⸗ demokratischen Partei vollkommen ordnungsgemäß und eindrucks voll verlaufen. Während der Feier waren in der Nähe der Pionierkaserne führ 2000 Nationalsozialisten vollkommen militärisch ausgerüstet, in iform, Stahlhelm, Seitengewehr, Infanterie gewehre, Minenwerfern und Maschinengewehren versammelt. Diese Abteilung. die 40 an Montag abend 7 Uhr versammelt hatte, wurde 2 früh vor Beginn der Aufstellung der einzelnen Maifeierzige von der Reichswehr und Landespolizei mit Panzer⸗ wagen in Schach gehalten. Nach Schluß der Maifeier zogen kleinere Trupps von Maiseier⸗Teilnehmern, darunter auch Frauen und Kin⸗ der, durch die von der Polszei genehmigten Straßen nach ihren Wohnungen. In dem Stadtteil Schwabing wurde einer dieser kleinen Züge, in dem die deutsche Reichsflagge mitgetragen wurde, von an⸗ rückenden Nationalsozialisten in miltärischer Ausrüstung überfallen mit Gummiknüppeln verprügelt. Ferner wurde auf die Zug⸗ teilnehmer geschosse n. Ob Verletzungen vorgekommen sind, konnte bisher nicht festgestellt werben. Zwei Jugteilnehmer wurden von den Nationalsozialisten trotzdem die Landespolizei mit Panzerwagen un⸗ mittelbar daneben stand, gefesselt und mit gebundenen Händen neben einem Personenauto der Natlonalsozialisten durch die Ludwigstraße stadteimwärts geführt. Die Reichsfahne ist von den Nationalsozialisten und Angehsrigen der Organisation Oberland, Blücher und Roßbach auf freier Straße verbrannt worden. An der Ludwigsbrücke ereignete 125 ein westerer Ueberfall, wo wiederum Sozialisten mißhandelt wurden. Zur(nachmittags 6 Uhr) sind Landtag, Telegraphen⸗ und Telephonamt von der Landespolizei befetzt. Panzerwagen der Landespolizei fahren durch die Straßen. Truppen von National⸗ sozialisten in Stahlhelmen und mit Gewehren ziehen durch die Straßen und sammeln sich auf verschledenen Plätzen. Auch Lastautos nukt Nato malsozialisten fahren durch die Stadt. Am Dienstag abend ist eine Versammlung der Najionalsozial isten in großen Versamm⸗ Aungslokalen angesetzt. Zu dieser Versammsung werden die National⸗ sozialisten bewaffnet erscheinen. Auf 1 Uhr früh soll die Besetzung Münchens durch die Nationalsozialisten und einige Vaterländische HKampfverbände beschlossen worden sein. Das Gewerkschaftshaus und die Münchener Post sind durch Sicherheitsabteilungen der Sozial⸗ D Partei besetzt. Eine Anzahl Vaterländischer Verbände hat die Teilnahme an dem zweifellos von Hitler ausgehenden Plan, Miinchen zu besetzen und die Nebenregierung zu beseitigen, abgelehnt. Wie weit daburch die Absicht Hitlers durchbreuzt wird, bleibt abzur⸗ warten. Insbesondere bleibt abzuwarten, imwieweit die bayerische Regierung über gemigende Machtmittel verfügt. In Frankfurt g. M. feierte die werktätige Bevölkerung den Weltverbrüderungstag . große Demonstration auf dem Opernplatz. Nach der De⸗ monstration, die der internationalen Verbrüderung galt, sor⸗ enierten sich die Massen zu einem Umzug durch die Stadt bis an das ae joa die Auflösung des Auger ersolgte. Zu Swischenfällen kam es nirgends. Lediglich der Straßenbahnver⸗ kehr erlitt einige Störungen. In Darmstadt na die Maifeier einen sehr ruhigen Verlauf. Die größeren ö n hatten geschlossen, die Ladengeschäfte blieben geöffnet. Gegen 11 Uhr bewegte sich ein Umzug durch die Straßen der Stadt bis zum Marktplatz, wo se ein Vertreter der verschiedenen Parteien eine Ansprache hielt. Es sprachen Stadtverordneter Leuschner und Genosse Ziegs und ein Vertreter der Kom⸗ mumfsten. Aus den Ansprachen klang die Bedeutung des 1. Mai für das Prwletariat. Im weiteren hefaßten sich die Redner mit der Außen⸗ itik. Am Nachmittag fanden in den einzelnen Vereinslokalen Festlichkeiten 3 Der Tag verlief ohne jeden Zwischenfall. Der Zug 957 zeigte musterhafte Ordnung und hatte man von allen mufreize Die Maifeier in London. au en Plakaten Abstand genommen. Die Beteiligung war äußerst stark. Die Maifeier verlief hier wie üblich in gller Ordnung und Ruhe. Die Demonstrationsziige der Arbeiter sammelten sich am Themseufer und marschierten dann zum Hydepark, wo verschiedene Ansprachen gehalten wurden. 0 Politische uebersicht. Die neue Brotversorgung. Am 12. April nahm der Reichstag eine Entschließung an, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß„die Sicherung des Bedarfs an Brotgetreide durch eine gebundene Wirt⸗ schaft nicht mehr möglich ist, daher von einer weiteren Ge⸗ treideumlage abgesehen werden muß“. Entsprechend diesem Reichstagsbeschluß wird mit Ablauf des Wirtschaftsjahres die Getreideumlage aufgehoben. Die Reichsregierung hat nunmehr einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Auf⸗ gabe hat, die Brotversorgung im nächsten Wirtschaftsjahre auf eine andere Grundlage zu stellen. Der Regierung soll eine Getreidereserve in Höhe bis zu 3 Millionen Tonnen zur Verfügung gestellt werden. Der Zweck dieser Reserve ist, die öffentliche Versorgung während der Zeit des Ueber⸗ ganges vom alten in das neue Erntejahr fortzusezen, bei Notständen auszuhelfen und die Möglichkeit zu geben, bei ungerechtfertigter Preisgestaltung für das Inlandsgetreide eingreifen zu können. Die Reserve soll zu einem Teil durch Einfuhr beschafft werden, während der andere Teil in Höhe von etwa 1½ Millionen Tonnen auf dem Wege der Ver⸗ einbarung aus dem Inland entnommen werden soll. Es sind bereits Verhandlungen zu Vertragsabschlüssen in dieser Richtung eingeleitet. Wenn es nicht gelingt, auf diesem Wege die notwendigen Getreidemengen einzubringen, dann will die Regierung nach dem Entwurf eine Mindestmenge Getreide von 1½ Millionen Tonnen im Wege der Umlage beschaffen. Mit Zustimmung des Reichstags kann die Reichs⸗ regierung zur Beschaffung billigen Brotes für Zedürftige Geldbeträge bereitstellen, die unter Vermittlung der Linder und Kommunalverbände Verwendung finden Da die all⸗ gemeinen Staatseinkünfte mit diesen Au gaben nicht mehr belastet werden können, ist die Erschließung einer einmaligen Quelle vorgesehen, und zwar ist eine Abgabe in Höhe der Zwangsanleihe beabsichtigt. Den Zwangsanleihepflichtigen wird die Verpflichtung auferlegt, einen Steuerbetrag einzu⸗ zahlen, welcher der bereits festgesetzten Zwangsanleihe ent⸗ spricht. Die neue Abgabe unterscheidet sich von der Zwangs⸗ anleihe nur dadurch, daß keine Anleihestücke ausgegeben werden, da es sich um eine echte einmale Steuer handelt, Wie lange noch. In erschreckendem Maße häufen sich in ber letzten Zeit in politischen Prozessen Urteile, die vom Standpunkt des objektiven Rechts als Fehlurteile zu bezeichnen sind und dem Rechts⸗ empfinden des überwiegenden Teiles der Bevölkerung ins Gesicht schlagen. Es sind die Prozesse, in denen republikanisch Ge⸗ sinnte, sei es als Kläger, sei es als Beklagte, auftreten. Die Agger hat schon immer über Klassenjustiz ihr gegenüber geklagt und mit vollem Recht, wie sich an Hunderten von Fällen nachweisen läßt. Heute aber ist der Rahmen weiter gespannt: nicht mehr um die diger en zum einer anderen, höheren Klasse, sondern auch die politische Grundanschauung des Richters und die Stellung, die er dem Staat gegenüber einnimmt, beeinflußt, ja be⸗ stimmt sein Urteil. Ein sprechendes Beispiel hierfür ist das vor kurzem vor der Heidelberger Strafkammer im Fall enard⸗ Mierendorf ergangene Urteil, über das wir schon kurz in Nr. 89 berichtet haben. Die dem Prozeß zu Grunde liegenden Tatsachen sind kurz folgende: Am Tage der Beisetzung Rathenaus hatte der Universi⸗ tätsprofessor Lennard, der berühmte Physiker, und polttische Reaktionär entgegen der Anordnung der Regierung, die Vorlesung in seinem Institut nicht ausgesetzt, sondern in provozierender Weise abgehalten, hatte auch nicht halbmast geflaggt Darsiber große Empörung bei der Bepölkerung. Der Führer der republikanischen Studentenschaft war mit einigen Studenten und Arbeitern in das Institut gedrungen und hatte— ohne Anwendung von äußeren Zwang, allein durch Ueberredung, wie gerichtlich festgestellt wurde— den Prosessor zu bestimmen gesucht, der anordnung gemäß zu handeln. nard aber hatte Demonstranten auf der Straße die Feuerspritze in Tätig lassen. Des Landfriedensbruchs angeklagt wurde Miere sich bemisht hatte, Schlimmes zu verhüten, zu 4 Monaten 9 verurteilt, zwei weitere Beklagte erhielten 3 und 5 Mo Dieses Urteil, das ausschließlich im Sinne der nationalen ergangen war, hat bei allen anständigen Empörung ausgelöst, die diesmal auch in der deutschvg lichen Presse Ausdruck, fand. Ein fanatisch⸗antirepub Professor macht sich der Pflichtvergessenheit und des Ungel schuldig, er trägt die Verantwortung für die nachfolge de gänge, er hat in Wirklichkest„den Frieden gebrochen“— ag er wird vor die Schranken des Gerichts gefordert, dre Menschen, die gar nicht das Bewußtsein hatten, Unrecht dem Recht, dem Gesetz und dem Staat Achtung verschaffen molle die müssen für ihn die Strafe tragen. Der eigentliche Saul tritt gegen sie als Zeuge auf und bringt es fertig, durch de Art seines Auftretens noch obendrein im Richter die Staatsantoriich aufs ie zu verhühnen. Die Vernehmung spielte einem Bericht des Darmstädter Schriftsteller Wilhelm Saal, ein Schutzmann nimmt ihm vorsprechend:„Ich „Ich möchte hier n die a Bauer d Lenard:„Was ich 1 0 Ihnen hier gar keine Auskunft!“ Als der Vorsitzende Tach noch auf einigen Einzelheiten besteht, holt er sich von Lenard salden den Anschnauzer:„Ich lehne es ab, Fragen zu ker e de hie nicht zur Sache gehören, sonst mache sch hier Schluß u Eu here von mir kein Wort mehr!“ Vorsitzender:„Dann haben Si strafe oder Haft zu erwarten.“ Lenard:„Das ist mir es lei, ich tue es nicht!“ Wirres, hervorgesprudeltes fel diesen Worten, sackträgerhafte Zusammenstöße mit de teidigern und die eines Apachen würdige Bemerkung, dem Geheimrat, das Bespritzen der Demonstranten ein erwinsch Anlaß zur Erprobung der Feuerlöscheinrichtung gewesen sel Vor. sitzender:„Sind Sie tätlich angegriffen worden?“ hard „Darüber äußere ich mich nicht! Das hat nichts zu sagen 11 den ist für Heidelberg eine Schande noch nach hundert Jahren!“ teidiger Pfeiffenberger:„Es ist am besten, wir verzichten an Er drückt sich ganz verworren aus.“ Vorsitzender„t sind entlassen, Herr Geheimrat.“ 15 Eine bittere, aber begründete Anklage erhebt Michel 2 den republikanischen Staat der kein Augenmerk hat af was die Justiz an ihm fündigt.„Seine Anhänger werben von ihm abgeschreckt, seine Feinde lernen ihn immer mehr venachten. Er steht zwischen der verzweffelten Enttäuschung seiner reunge und der höhnischen Geringschätzung seiner Gegner als das lebensunfähige Gebilde das mir deshalb noch vegetsert, weil noch nicht totgeschlagen wurde. Er hat Freunde gehalt, als er Der Deserteur. 4 Roman von Robert Buchanan. Seine Zähne klapperten wie im Fieber. Arfoll streichelte zärtlich die abgemagerten Hände und sprach ihm Trost zu. Allmählich beruhigte er sich denn auch und fuhr fort:„Eines Nachts, als der Sturm wieder furchtbar wütete und Pipriacs Gestalt nicht von mir weichen wollte, hielt ich es icht länger aus, zündete meinen Kienspan an und begann, die Schritte zählend, den Raum zu durchmessen. So gelangte ich in die entfernteste Ecke der riesigen Höhle und entdeckte ein finsteres Loch, durch das ein Mensch bequem zu schlüpfen vermag. Ich kroch auf allen vieren hinein und fand nach einigen Schritten eine zweite, nicht minder große Grotte als die, in der ich schon so lange lebte. Aber das war noch nicht olles. Ich entdeckte auch noch, daß die Klippen wie eine Riesenhonigscheibe durchhöhlt seien, denn ich fand rechts und links Hohlwege, die direkt ins Erdinnere führten———“ 5 „Genau so wie in La Vilaine drüben“, unterbrach ihn Meister Arfoll.„Die Eingänge sind bekannt, aber kein Mensch hat es bisher gewagt, die Höhlen zu durchforschen, aus Furcht, daß es dort spuke. Es heißt, daß die alten Römer sie angelegt haben; aber wer kann das heute mit Bestimniheit behaupten?“ Rohan schwieg, er schien wieder in eine Art Erstarrung verfallen zu sein. Endlich blickte er auf. zeigte auf das Kapellenfenster und sagte ruhig:„Der Regen scheint auf⸗ gehört zu haben, der Mond ist aufgegangen.“ Meister Arfoll nickte zustimmend und fragte mitleidig: „Was gedenkst Du jetzt weiter zu tun, mein Sohn? Ach, daß ich Dir helfen könnte, aber ich bin so schwach und arm! Hast Du keinen anderen Freund?“ „Ja, einen— Jan Goron; ohne seine Hülfe wäre ich gestorben.“ „Gott segne ihn!“ „Seit dem Tode Pipriacs hat er bereits dreimal Nah⸗ rungsmittel unter dem Dolmen auf der Festwiese versteckt. Meine Mutter bereitet mir Fackeln aus Talg und Pech, da⸗ mit ich in der Dunkelheit nicht den Verstand verliere und Jan hersteckt sie unter dem Dolmen, wo ich mir die Dinge nachtlicherweile hole.“ „Gott hat Dir, mein Sohn. viel Mut und Kraft ver⸗ liehen; ein anderer Mensch wäre unter all den Leiden und Qualen laängst zusammengebrochen. Sei auch weiter mutig, mein armer Rohan— hoffe auf die Zukunft; die Zeiten ändern sich! Weißt Du, daß vor Leipzig eine große Schlacht stattgefunden hat und unser Kaiser geschlagen wurde?“ Das Wort„Kaiser“ genügte um Rohans wilden Zorn wieder zu entfachen. Er sprang auf und streckte die Arme sehnsüchtig zue„Mutter des Hasses“ aus, während Arfoll in seinen Mitteilungen fortfuhr:„Man berichtet gar selt⸗ same Dinge. Viele behaupten, Napoleon sei in Deutsch⸗ land gefangen, anderer wieder er habe einen Selbstmord⸗ versuch gemacht. Das eine ist sicher, er hat eine Niederlage erlitten wie noch keine zuvor und seine Armee ist in voller Flucht begriffen. Die Welt hat sich endlich gegen ihn er⸗ hoben!“ Eine Stunde später standen die beiden Männer vor der Kapellentüre:„Ich werde Deinen Onkel Derval besuchen und Deine Base Marcelle sehen. Soll ich ihr eine Botschaft von Dir ausrichten?“ „Sag' ihr, mein Vater, sie möge meine arme Mutter, die sonst niemand auf der Welt hat, trösten,“ entgegnete Rohan mit zitternder Stimme. Dann umarmten sich die beiden und Meister Arfoll schlug den Weg ins Dorf ein. Rohan stand noch eine Weile in dem Schatten der Ruine und blickte seinem einzigen Gönner gedankenvoll nach, bis er in der Finisternis verschwunden war; dann floh auch er von dem verrufenen Orte, wie ein guter Mensch vor Bösem flieht. Siebenundzwanzigstel Kapitel. Gildas' Heimkehr. Früh am nächsten Morgen, während die Familie Derval noch beim Frühstück saß, betrat Meister Arfoll mit dem landesüblichen Gruß„Gott schütze alle hier An⸗ wesenden!“ die altertümliche Küche und nahm unaufge⸗ fordert neben dem Herd Platz. Der Korporal nickte kühl mit dem Kopf, Alain und Jannsck lächelten blöde und nur die beiden Frauen murmelten das übliche„Willkommen“! Eine peinliche Stille trat ein. Es war klar, daß der Ein⸗ tritt des Wanderlehrers eine gewisse Verlegenheit ver- ursachte. Dor Korporal hatte gerade, mit der großen Brille auf der Nose, sich bemüht, ein Bulletin vom Kriegsschauplatz zu entziffern— eines jener phantasievollen Dokumente, die Bonaparte so meisterhaft aufzusetzen nerstand, um das Volk irrezusühren und ihm Sand in die Angen zu streuen. Aber diesmal vermochte selbst Bonaparte die Wahrheit nicht ganz neinen konnte. zu bemänteln; hinter alle dem bombastischen Warsfhpall lugte die traurige Tatsache hervor, daß die„Große furchtbare Verluste erlitten habe und gezwungen wal den Rilckaug anzutreten. Der Korporal war nicht dumm und verstand zmischen den Zeilen zu lesen. Sein Herz blutete für seinen gelhebten Kaiser, aber er war nicht der Mann, um einem gegner desselben die Tatsache der Niederlage zuzugeben.(ver- stummte daher beim Eintritt Arfolls und humpelt zun Kaminsims, um seine Pfeife zu füllen. „Ich sehe, Sie haben da einen Kriegsbericht gleser, Ist es also wirklich wahr, daß der Kaiser geschlagen iste fragte der Schullehrer nach einer langen Pause.„Mu sag, er habe die Flucht ergreifen müssen——“ ö „Man sagt:!“ wetterte der Alte.„Wer sagt daß Schnattergänse! Wenn Sie ein alter Soldat wären und den Kaiser gekannt hätten wie ich würden Sie dumme Gerede nicht nachschwatzen. Meister Arfoll! fahen seele! Ergreift eine Spinne die Flucht, wenn sie eine Miege ins Netzen locken will? Ergreift ein Falke die Fluch, er sich gen Himmel erhebt, um eines Spatzen hab werden? Ich will Ihnen etwas sagen, Meister Arfoll wem der kleine Korporal„Flucht“ spielt, sollten seine Neind ihre Augen so weit offen haben wie die Eulen, den! il sie sich auch über ihn lustig machen und ihm eine Nit bereitet zu haben glauben— ehe sie sich's versehen, aus seiner gewaltigen Höhe mitten unter sie stüren sie allesamt verschlingen! Ich kenne die Schliche und zuge des kleinen Korporals.“ 5 4 „Vor Leipzig soll's furchtbar gewesen sein,“ engagnete der Lehrer traurig.„Oder ist es gielleicht nicht wah, 50 000 Franzosen das Schlachtfeld bedeckt haben?“ ö Dem Korporal war es endlich gelungen, die Pfess al zuzünden und er paffte jetzt wütend darauf los. Die khr los gestellte Frage Arfolls verdroß ihn, da er sie ni er · Er starrte erst seine Neffen an, dam 1 95 Gast, ehe er mit vor Zorn gerötetem Gesicht ente ele' „Sie sind ein Gelehrter, Meister Arsoll, aber vol verstehen Sie nichts. Ein großer General fragt nich nac solchen Dingen. Ob bei Leipzig 30 oder 50 000 N n ind, ist eigerlei. Und wenn es 100 000 wären, eß habe sich gleich bleiben. Unser Katser weiß, was er tuk, (Fortsetzung folgt.) —— er an ungsbo Fibruc af fert ums als duch in Neiber, aft de Den Aubiet. sch in hallen. gen best offnung, eine Zukunft, gewaltlos an die Stelle einer pöllig abgewirlschafttten Vergangenheit trat, Wir waren i weiter hin en rberungen, die wir an ihn hatten, zu stunden, Nur sein Leben sollte er zunächst bezeisen und festigen. ud nicht einmal das: er sollte nur fähig werden, Freunde zu haben, Unterstützung zu vertragen, Hilfe entgegenzunehmen uind zu berwerten. Was kat ein? Ohnmacht, Schwäche, und nicht einmal der Mut zur Geste nicht einmal dle Kraft zur Ver⸗ telbigung seiner Freunde. War es nicht die tollste Posse der Weltgeschichte, daß das Gesetz zum Schutze der Republik vielsach von 17 Feinden gegen Republikaner angewendet wurde? oll nicht bald die Slunde kommen, da die zu einem neuen Deutschland ountschlossenen Menschen die Hoffnung auf den zu⸗ ee d eee 1 der ee Republik endgültig begraben und sich nach neuen Wegen umsehen— dann muß geban de Ut werden, 175 Gießen und Umgebung. Von der Maifeier. int ihn 0 00 Unsere heutige Zeit ist nicht geeignet. geräuschvolle Feste r e iin feiern, dafür ist auch die arbeitende Bevölkerung nicht eu leite zu haben. Bei der Maifeier handelt es sich aber nicht um bean 0 ein Fest im gewöhnlichen, allgemeinen Sinne, nicht um 5 60 0 einen bloßen Feier oder Ruhetag, sondern um einen Tag wire von kultureller und geschichtlicher Bedeutung, der im Völker⸗ anden leben, in der Entwicklung der Menschheit eine gewichtige k RNolle spielt. Viele und harte Kämpfe kostete es bis er sich 1 seinen Platz eroberte, auch heute wird er von vielen noch dei nicht beachtet, in derem Interesse er geschaffen wurde, trotz⸗ dem können wir sagen, daß er sich eingelebt hat, ein Volks ⸗ tag in bestem Sinne geworden ist. Ueberall in unserem Bezirke, wo man den ersten Mai feierte, war die Beteiligung eine sehr rege, auch die Veran⸗ staltungen am Sonntag erfreuten sich guten Besuches. Das Wetter, das bisher nicht besonders günstig war, änderte sich am 1. Mai, der damit zu einem prächtigen, strahlenden Frühlingstag wurde. Eine über Erwarten starke Beteiligung hatte der Demonstrationszug in Gießen aufzuweisen. Weil in vielen Orten der Umgebung besondere Feiern stattfanden, war von außerhalb nicht viel Zuzug zu erwarten, trotzdem kamen respektable Massen zusammen. Und noch viele Hun- derte Maifeiernder bildeten in den Straßen Spalier. Auf der Liebigshöhe, am Ziele des Zuges konnte der Saal die Freien niederzulassen. Nach einem Chorlied des Gesang⸗ vereins„Eintracht“, das mit lebhaftem Beifall aufge⸗ nommen wurde, sprach Kitty Franke vom Stadttheater einen Prolog Zum Völkermai“, den die Künstlerin in wir⸗ kungsvollster Weise zu Gehör brachte, der deshalb auch seinen Eindruck nicht verfehlte.— Genosse Schackowski sprach hierauf in trefflichen Worten über die Bedeutung des Welt⸗ feiertags, Redner unterließ dabei nicht, auf den Militaris⸗ mus als Geißel der Menschheit hinzuweisen, wofür der Ein⸗ bruch im Ruhrgebiet ein abschreckendes Beispiel bietet. Und weiter, daß es Pflicht der Arbeiterschaft sei, die Errungen ⸗ schaft des Achtstundentages sich zu erhalten. Den Abend füllten noch gesangliche und rezitatorische Darbietungen aus, für die Mitglieder des Gießener Theaters sich in anerkennenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatten.— Im Ganzen hat die Maifeier auch dieses Mal den besten Verlauf genommen. 1 0 iner ver Das Wasserwerk bei Lißberg 2 7 das der Stromversorgung in der Provinz Oberhessen zu 1 ads dh dienen bestimmt ist, geht seiner Vollendung binnen kurzem begehen entgegen. Wie uns darüber mitgeteilt wird, sind die Bau⸗ dde geha! arbeiten im großen und ganzen fertiggestellt. Nur der — cFColenbau, der das Niddertal mit dem Hillersbachtal ver. chen Bat bindet, sowie die Dammarbeiten für den unterhalb des „Grohe Werkes anzulegenden Ausgleichsweiher sind noch im Rück⸗ ungen un stande. Dagegen sind die Maschinen⸗ und Schaltanlagen sertig montiert und werden jetzt durchgeprüft, um kleine verstund Schäden, Undichtigkeiten in den Leitungen, Staumauern t seinen usw. sestzustellen. Bis jetzt hat der Probebetrieb ergeben, u ehen 3. daß die Maschinen und Anlagen tadellos arbeiten. Der volle naeben. Betrieb kann erst aufgenommen werden, wenn die oben an⸗ b bum geführten Arbeiten vollendet sind. was voraussichtlich bis Mitte Jun der Fall sein wird. bericht b 1 9e Neue Milchpreissteigerung. ause. ö Vom 1 Mic ab ist schon wieder eine Erhöhung des . 1 Milchpreises irfolgt und zwar auf 870 Mark der Liter, der Ver e bisher 750 Prerk kostete. Also eine Erhöhung von 120 Mark iat wüten, auf den Liter, wie man sieht, geben sich die Herren Land⸗ lden E wirte nicht mit Kleinigkeiten ab, sie sind immer großzügig, l Mil wenigstens, wenn sichs um die Preise der landwirtschaft⸗ an se en lichen Produkte handelt. Der neue Preis bedeutet rund das dee dal“ viertausendfache des Friedenspreises! Man sagt nicht zuviel, patzen bi wenn man— selbst bei Berücksichtigung der heutigen Preis. fler geg verhältnisse von einer ganz unverschämten Preistreiberei 145 feine spricht.— Vom Lebensmittelamt wird dazu mitgeteilt, daß alen, den diese Erhöhung in erster Linie eine Folge des erhöhten Stall- 1 preises ist, der von morgen ab 650.— Mark, seither 550.— 1 schen Mark, beträgt. Eine weitere Erhöhung hat die Molkerei⸗ 10 fi spanne erfahren, welche nunmehr 120.— Mark. seither 110.— 1 ud Marl, beträgt. Auch die übrigen Unkosten sind gestiegen. hihe Letztere setzen sich zusammen aus der an die Milchausträger „e für das Zubringen der Milch zu bezahlenden Vergütung, fal c aus Warenumsatzsteuer und einem von dem städtischen t a Lebensmittelamt in Ansatz gebrachten Unkostenzuschuß für babenk die Beschaffung von Milch aus auswärtigen Molkereien. Zu en, b letzterer Maßnahme ist das Lebensmittelamt gezwungen, um los, den Notbedarf der Stadt Gießen, d. h. den Bedarf der Säug⸗ 0 er fe linge, Kinder, Kranken und alten Leute sicher zu stellen. Die n an d gesamten umliegenden Ortschaften sind zur Zeit nicht in der gesicht Lage, diesen Notbedarf zu liefern und bezieht das Lebens- 0 mittelamt zur Deckung der Fehlmenge große Milchmengen A feat aus den Molkereien Hungen, Burg⸗Niedergemünden, Ost⸗ ee beim, Langgöns und Geilshausen. Diese Milch stellt sich ch im Preis wesentlich höher, als diejenige aus den würde, würde der Preis in die Höhe schnellen. Menge nicht fassen, glücklicherwesse war es möglich sich im harten Ortschaften. Das eine erfreuliche ist hierbei. e auf diese Weise wenigstens gelingt, den Notbedarf! der Bevölkerung einigermaßen zu befriedigen, während in vielen Städten, gerade in der 8 Zeit, die Milchver⸗ sorgung vollstänbig zusammengebrochen ist. Vor Kurzem fand hier in Gießen eine Verhandlung des Städtebundes mit den Vertretern der Landwirtschaft über die Freigabe der Milchwirtschaft und Milchpreise statt. Der Städtebund ließ durch seinen Vorsitzenden, Herrn Beigeord⸗ neten Kappus(Offenbach g. M.), erklären, daß der Städte⸗ bund unter der heutigen Anlieserung den Antrag der Land⸗ wirte auf Freigabe der Milch und des Milchpreises ablehne. Die Städte hätten die Verpflichtung, die Milch zu ange⸗ messenem Preise für die Säuglinge, kranke und alte Per⸗ sonen sicherzustellen. Sobald der Milchpreis freigegeben Die Folge sei, daß ein Teil der Bevölkerung Milch bekommen, der größere Teil leer ausgehen würde. Die Vertreter der Landwirte und Molkereien, insbe⸗ sondere Dr. Weidemann(Darmstadt), Abg. Wagner und Abg. Fenchel, ersuchten darauf die Städtevertreter, einen höheren Milchpreis zu zahlen; gefordert wurden 900 Mark. Der gegenwärtige Stallpreis von 530 Mark sei nicht mehr ange⸗ messen, nachdem die Butter über 10000 Mark kostete. Wenn die Städte Milch für fhre kranken Mitbürger und Kinder haben wollten, dann müßten sie den zehnten Teil des gegen⸗ wärtigen Butterpreises bezahlen, andernfalls würde die Milch weiter verbuttert. Von den Städtepertretern, dem Beige⸗ ordneten Kappus, Offenbach a. M., Direktor Laprenz, Frankfurt a. M., Stadtrat Pense, Hanau und Stadtrat Pertsch, Marburg wurden diese Forderungen der Landwirte scharf bekämpft. Im Zeichen der Arbeitslosigkeit, der Kurz⸗ arbeit, der Ruhraktion, der Stabilisierung der Mark durch die Reichsregierung und Reichsbank, sowie der Ablehnung weiterer Gehaltserhöhungen an Arbciter, Angestellte und Be⸗ amten ließe sich eine weitere Milchpreiserhöhung durch die Landwirte nicht rechtfertigen. Auch der Vertreter der hessischen Regierung, Oberregierungsrat Becker, würdigte vollkommen die ablehnende Haltung der Städtevertreter. Die Vertreter der Landwirte ließen keinen Zweifel darüber, daß, wenn nicht eine wesentliche Erhöhung des Milchpreises Platz greife die Milchlieferungen nicht mehr in die Städte, sondern zur Verbutterung bereitgestellt würden. Also die Versorgung der Kinder und Kranken kümmert die Herren Landwirte wenig, höchstens Gewinn ist die Haupt- sache. Die Mehrzahl der Städtevertreter waren schließlich bereit, den Stallpreis von 550 auf 650 Mark zu erhöhen. Dagegen wurde die Erhöhung der Molkereispanne, sowie der Kleinhandelsspanne für Sammler und Händler abgelehnt. Die Landwirte nahmen das Zugeständnis von 100 Mark zur Kenntnis und verlangten die Erhöhung rückwirkend vom 1. April, doch wurde dies abgelehnt. Der Milchpreis erhöht sich auf Grund dieser Forderung der Landwirte im ganzen Bezirk um 100 Mark, die restlos den Landwirten zufließen. Die Verantwortung tragen die Landwirte und Molkereien allein. Sind sie es doch, die ohne Rücksicht auf die überaus traurige Lage der Bevölkerung es wagen, die Milchpeise weiter in die Höhe zu trejben, mit der Be⸗ gründung der hohen Butterpreise, die zurzeit den Welt⸗ marktpreis wesentlich überschritten haben. Wie lange soll das noch so ßeitergehen? b — Ein Wohltätigkeits⸗Konzert veranstaltet die Reichswehrkapelle morgen, Donnerstag, abends 8 Uhr im Stadttheater. Unter Leitung von Obermusikmeister Löber und Mitwirkung von Frau Handloser(Sopron) werden besonders Symphonien zum Vortrag gebracht werden. — Bühnenfest. Um den Schluß der Theaterspielzeit, die mit der Aufführung von Grabbes„Don Juan und Faust“ am Freitag endete, zu feiern, hatte das Künstlerpersonal am Samstag Abend eine Feier auf der Liebigshöhe veranstaltet. Von früheren Jahren her stehen diese Künstlerfeste im besten Rufe und so konnte es nicht fehlen, daß sich eine überaus zahlreiche Besucherschar eingefunden hatte. Alle Räume der Liebgshöhe waren dicht besetzt und manchmal herrschte beängstsgendes Gedränge. Der große Saal war entsprechend ge⸗ schmückt, in den übrigen Räumen waren Verkaufsstände errichtet, an denen man allerlei Eß⸗, Trink⸗ und Rauchwaren zu Preisen erstehen konnte, wie sie heute üblich sind. Vom Festausschuß war alles getan worden, die Besucher zufrieden zu stellen. Das Orchester leistete unter Kapellmeister Knübels Leitung Ausgezeichnetes, die Ouver⸗ türe, mit der der Abend eingeleitet wurde, sand stitrmischen Beifall. — Die Aufführung des Schwankes„Die spanische Flioge“ brachte die Heiterkeit auf den Höhepunkt. Unter Leitung Rudolf Golls er⸗ zielten die Mitwirkenden wahre Lachstlirme und verschafften dem Publikum eine recht vergnügte Stunde. Jeder einzelne der Darsteller trug dazu bei, in den Hauptrollen Goll und Hellhorn, ferner die Damen Eläre Türk, Else Engel, Auguste Marx, Luise Rammel, Schubert⸗Füngling, Wolf Leutheiser, Feigel, 5. Wechste in, A. Teleky, Herm. Stichel.— Die Festlichkeit dauerte bis in die Morgenstimden binein, wie wir hörten, sind die Veranstalter mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Im Kabaret wur⸗ den zu Gunsten der Rußrhilfe nicht weniger wie 253 350 Mf. aufge⸗ braucht.— Den von Gießen mit Schluß der Spielzeit scheidenden Künstlern sind fernerhin beste Erfolge zu wünschen. — Uumsatzsteuer. Auf die Bekanntmachung des Finanzamtes Gießen in der heutigen Nummer sei besonders hingewiesen. Die Steuerpflichtigen werden darin aufgefordert, die noch schuldigen Nach⸗ n baldigst zu leisten, widrigenfalls Zwangsbeitreibung erfolgt. — Eine Vorratskammer ausgeräumt. In der Roonstraße wur⸗ den aus einer im ersten Stock gelegenen Speisekammer eines Hauses der Roonstraße in der Nacht vom 28. auf den 29. d. Mts. ein Roll⸗ schinken, Speck, Wurst und frisches Fleisch entwendet. — Erwischter Fahrrabdieb. Festgenommen wurde ein funger Mann aus Fellingshausen wegen Fahrrad⸗ und sonstigen Diebstählen. — Lich. Unsere Maifeier wird nächsten Sonntag, 6. Mai, abge⸗ halten. Dazu werden alle Genossen, die freien Turnerschaften, sowie Arbeiter⸗Gesangvereine und die Arbeiterjugend freundlichst einge⸗ laden. Es wird zahlreiches Erscheinen(auch der Frauen) erwartet, damit die Maffeier sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestalte. — Die Aufstellung des Zuges erfolgt um 2½ Uhr an der Landwirt- schaftlichen Winterschule. Abmarsch 3 Uhr nach Steins Saalbau. Frau Dr. Quarck⸗ Frankfurt wird über die Bedeutung der Mai⸗ feier sprechen. — Altenbuseck Die hier am Sonntag abgehaltene Malfeier für unsern Bezirk hatte zahl reiche Teilnehmer von auswärts hierher geführt. Die Veranstaltung nahm den besten Verlauf und dürfte den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben. Häuser⸗Gießen über die Bedeutung des Weltfeiertags; seine Ausführungen fanden lebhaft? Zustimmung. Dollarstand Mittwoch mittag 12 Uhr: 31 500 Mark. Kreis Friebberg⸗Budingen. Ein Lanbfriedensbruch⸗Prozeß wurde am Donnerstag vor dem Schöffengerichte in Butzbach ver⸗ handelt. 11 Angeklagte und zwar Hrch. Winter, A. Ebner, H. Rein⸗ harbt, Franz Bell, Orch. Keller, A. Ruppenthal, Jak. Bergk, Hrch. Kümmel, Fr. Knösel, Jos. Ehringer und Karl Wolf hatten sich wegen dieses Delikts zu verantworten. Ihnen wird zur Last gelegt, an einer öffentlichen Zusammenrottung einer Menschenmenge teilgenommen und Gewalttätigkeiten gegen Personen und Sachen begangen zu haben. Am 27. Juni vorigen Jahres betpeiligten sich die Angeklagten an der Demonstratfon anläßlich der Ermordung des Ministers Rathe⸗ nau. Es spurde ein Zug durch die Stadt gemacht und hierbei dran⸗ gen Leute in das Fabrikanweson von starl Freitag ein, um von dem Besitzer zu verlangen, daß er sich schriftlich verpflichte, den entlassenen Betriebsräten Bell und Nuppenshal zunächst den Lohn weiter zu be⸗ zahlen. Knösel und Winter sollen zusammen mit anderen nicht er⸗ mittelten Beteiligten in die Wohnung des Professors Dr. Werner eingedrungen sein, in der Absscht, mit vereinten Kräften Gewalttätig⸗ keiten zu begehen, in gleicher Weise sollen Wolf und Ehringer gegen die Gerbermeister Bernhard und Jakob Grlininger vorgegangen sein. Im Laufe der Verhandlung stellten sich die Straftaten als viel weni⸗ ger schhwer dar, als es nach der Anklage den Anschein hatte. Neun Angeklagte wurden freigesprochen und nur zwei verurteilt und 70 e er e moegen Lendfriedensbruch und Hrch. Winter zu einem Monat Gefängnis wegen Hausfriedens⸗ bruch. Die Verteidigung lag in den Händen von R.⸗A. Dr. Aaron⸗ Gießen und Dr. Seckel⸗ Frankfurt,— Bei der 18 e wurde die Frau des Prof. Werner als Zeugin vernommen, die an dem Tage der Demonstration in ihrer Wohnung anwesend e war, Als der Richter, wie üblich, ihre Personalien seststellen wallte und nach ihrem Namen fragte, antwortete die Zeugin:„Sie kennen mich boch!“ Im weiteren Verlaufe ihrer Aussage erklärte sie u. a., daß der Kommunist Oppenheimer im Butzbacher Blatte zum Mord aufgefordert habe. Von Seiten der Verteidiger wurde sie hierauf gefragt, ob sie diese Behauptung auf ihren Eid nehmen wolle und ob sie dies in dem Blatte selber gelesen habe. Darauf gab die in zu, daß sie es nicht selber gelesen sondern ihr Mann habe ihr bas erzählt, In ihren Plädoyers nahmen die Verteidiger Veranlassung, auf die überaus leichtfertige Anssage dor Frau Weruer hinzuweisen: auf diese Art würden die ungeheuerlichsten Dinge verbreitet, denen nicht das geringste Tatsächliche zugrunde liege. 9 Kleine Nachrichten. Frankfurt g. M., 2. Mai. Die Gehälter der Angestell⸗ ten. Den Schiedsspruch für Monat April, der eine 10prozentige Er⸗ höhn der Februar⸗Sätze brachte, wurde, nachdem er seitens der Arbeitgeber abgelehnt war, auf Antrag der Angestelltenorganisationen durch den Demobilmachungskommissar in Wiesbaden für verbindlich erklärt. i Wieder diese rücksichtslose Autoraserei. In Zwingenberg wollte die Frau des Landwirts Bender mit einem Kuhgespann nach dem Felde fahren, als ein Auto porbei⸗ fuhr. Die Kuh scheute, die Fram geriet unter den Wagen und wurde. an ben Schenkeln siberfahren. Die Frau erlitt schwere Verletzungen. Die Insassen des Autos kümmerten sich um die Verunglückte nich und fuhren weiter. Eisenbahnunfall. Im Bahnhof Plettenberg bei Siegen stieß ein Personenzug mit einer Lokomotive zusammen. Vier Reisende und der Lokomotiv⸗ „ erheblich verletzt. Beide Lokomotiven wurden be⸗ Strafkammer Gießen. Sitzung vom 27. April. Schlebungen beim Holzverkauf. Der Lzauf⸗ käufer A. K. von Schlitz hatte in drei Fällen seiner Firma ge⸗ fälschte Verträge über von ihm getätigte Holzkäufe vorgelegt. Er hatte darin andere Preise und Holzmengen eingesetzt, als er mit den Verkäufern vereinbart hatte. Zu seiner Entschuldigung machie er geltend, daß er z Z. wegen der schlechten Beschafsenheit des ge⸗ kauften Holzes an die Firma anderes Holz hatte liefern müssen nud außerdem die Kosten für Fällung und Anfuhr zum Bahnhof, die z. T. von den Verkäufern nicht übernommen waren, in die höheren Preise hätte einrechnen müssen. Die Firma ist insosern getäuscht worden, als sie annahm, die Verträge seien so, wie mit den Ver⸗ käufern von K. vereinbart, zur Ausführung gebracht worden. Auf Grund der Feststellung, daß K. die Fälschungen in der Absicht vor⸗ genommen hatte, sich eines rechtswidrigen Vermbgensvorteil zu verschaffen, wurde auf eine Gesamtgefängnisstrase von 2 Monaten erkannt. Dunkle Geschäfte. Bei den Eheleuten W. K. in Gießen waren im vorigen Jahr zerschlagene Eisenrinnen, der Stadt Gießen gehörig, die von dem rechtskräftig wegen Diebstahls verurteilten Th, gestohlen waren, beschlagnahmt worden. Ven dem Schöffen. gericht von der Anklage wegen Hehlerei mangels ausreichenden Beweises freigesprochen, wurden sie auf die Berufung der Staats⸗ anwaltschaft von der Strafkammer wegen Hehlerei verurteilt, wo⸗ gegen sie mit Ersolg Repision verfolgten. Zur erneuten Verhand⸗ lung an die Vorinstanz zurückverwiesen, kam die Sache zur aber⸗ maligen Verhandlung. Die eingehende Beweisaufnahme ergab, daß der Ehemann K. geholsen hatte, die Rinnen zu zerkleinern und die Ehefrau K. zur Verheimlichung des Diebstahls beigetragen hatte. Da nicht ausreichend nachzuweisen war, daß sie ihres Vor⸗ teils wegen gehandelt hatten. wurden sie, da ihre Handlung eine Unterstittzung des ihnen bekannten Th. darstellt, um diesem die Vorteile seines Vergehens zu sichern, wegen Begünstigung und zwar der Ehemann mit Rücksicht auf seine Vorstrafen zu 1 Monai Gefängnis, die Ehefrau zu einer Geldstrase von 5000 Mk. ver urtellt. Sport Kreisturntag des 9. Kreises des Arbeiter⸗Turn⸗ und Sportbundes. Der Kreisturntag des 9. Kreises am 14. und 15. April in Ossenbach stand ganz im Zeichen der heullgen Wirtschaftslage, die sich wie ein dunkler Streisen durch die ganzen Verhandlungen zog. Die geringe Zahl der Delegierten bei der Samstagstagung zeigte, daß bie teilweise Einstelluna des Gisenbahnverkehrs auch hier wirkte. Doch trafen noch im Laufe des Abends und am„ vormkttag vielc Turngenossen ein, so daß 66 Vereine durch 115 Delegierte vortreten waren. Der Bundesvorstand hatte den früheren Kreisturnwart und jetzigen Redalteur der Arbeiter⸗ Turnzeitung, Genosseu Gr. Gröger, gesandt. Ter Kreisvorsitzende Bauer begrüßte die Delegierten und eröffnete die Tagung. Der Bericht der geschäftlichen sowie der technischen Leitung füllte die Tagung am Samstag aus und zeigte daß die vergangenen Jahre viele Arbeit, aber auch schöne Erfolge brachte. Die Zähl der Verne war am 1. Janmar 1921 228 mit 24 621 Mitgliedern, am 1. Januar 1922 281 mit 28 898 Mitgliedern, am 1. Januar 1923 328 mit 33 479 Mitgliedern; hierzu kommen noch 8835 Schüler und Schülerinnen sämtlicher Sparten, so daß der N 42 314 Angehörige zählt. Eine große Anzahl Vereine steht noch aus Die Berichte der einzelnen kechnischen Spartenleiter zeigten nüt wenigen Ausnahmen erfreuliche Fortschritte; am besten haben „inderabtilurgen und Fußballer abgeschutten; das Frauen- arnen hat noch nicht überall Fuß gesaßt. ö Die Diskusston war recht lebhaft; sie zeigte, daß die Delegierten nicht mit allem einverstanden waren, was der Kreis⸗ gurstand berichte: hakte. Doch brachte die Ausspra eine Klärung an jeder Hinsicht. Als ein Jortschritt für dle Arbelterturner ist es Ezu bezeichnen, daß die politschen Gegensätze der Delegierten nicht zum Durchoruch kamen sondern daß feder Henosse, bestrehf war, nücht durch Biuderzwist, sonderß geeint das gesteckte Ziel zu erreichen. Doch wurde Klage geführt, daß Arbei zum großen Teile in den bürgerlichen bänden find, und zwar von den gemäßigte Ja, es gibt heute noch kleine und große „funktionieren“ und so den„Teutschen“ gegenüber zur Abwehr verhelsen. 1 des Kreismitteilungsblattes wurde[haft Abonnentengahl der Turnzeftung muß eine größere tskollegen noch reaktionären Sportver⸗ ßigten bis zu den radikalsten. Parteissihver, die dort den Arbeitersportlern Die Einstellung des Erscheinens bedauert. Die werden. Von Genossen des besetzten Gebietes wurden die dortigen Verhältmisse geschlldert und um Richtlinien gebeten. An diesen Punkt anschließend hielt G Vortrag über„Die Siingtinn im Bunde“ orgamisatorischer und technischer Art, Nach Bundesfest, ging er auf die lichen Sportvereinen gegenüber eln. die Arbeiter turner zu gehen haben; bürgerlichen Sportorganisationen, denn je der Trennungsstrich betonte er, daß bier endlich 0 deren Führer und Angebörige den Bestrebungen sportler mehr als feither Rechnung tragen müßten. Klar zeigte er t Genosse Gröger einen Ausführungen Betrachtungen über das Stellung der freien Tucner den bürger⸗ den Weg. den deine Gemeinschaft mit den keine Halbheiten, jetzt schärfer Zu den Arbeiterparteien übergreifend Remedur geschaffen werden und daß der Arbeiter⸗ Die Arbeiter⸗ turner stehen auf dem Boden der sozialistischen Weltanschauung und sind Kompforganisation. Arbesterparteien müssen gemeinsam das Ziel zu er reichen suchen. lohnte den Genossen Gröger und ⸗Sportler Reicher Beifall Hervorragend in Jagd-, D. Frankfurt Bel den Tablen wurzer die Genossen Bauer(Frankfurt am Main) als 1. Vorsitzender. Aßmuth(Darmstadt) als Kassierer wieter⸗ und Lederer(Frankfurt a. M.) als Schriftführer neuge⸗ wählt. Genosse Bauer schloß die Tagung mit einem dreifachen „Frei Heil“ und dem„Sturmlied der freien Turner“. Schiffsnachrichten der Hamburg⸗Amerika⸗Linie. Hamburg⸗Newyork. D. Hessen 22. 4. ab Savannah Heimr. D. Mount Clinton 25. 4. in Hamburg an. D. Emden 25. 4. in Hamburg. D. Bayern 24. 4. ab Newyork. M. S. Münster⸗Land 26. 4. Dover pass. Heimr D. Thuringia 25. ab in Newyork. D. Hansa 27. 3. Cur⸗ haven passiert, Arsr. Hamburg⸗Cuba⸗Mexiko⸗Westindien. D. Hol⸗ satia 25. 4. ab Plymouth Heimr. D. Amassia 24. 4. San Miguel pass., Ausr. D. Sachsenwald 24. 4. ab Mantanzas nach Cardenas Ausr., D Holsatia 25. 4. Dover pass. Heimr., D. Holsatia 27. 4. in Hamburg an. Hamburg⸗Südamerika. D. Galicia 24. 4. ab Vigo Ausr., D. Niederwald 24. 4. Cap Verde' sche Inseln passiert Aus., Hamburg⸗Westküste Südamerika. D. Spreewald 25. 4. Lizard pass., Heimr. Hamburg ⸗Ostasien. M. S. Rheinlang 20. 4. in Manila, Heimr., M. S. Ermland 24. 4. ab Hongkong nach Shanghai Ausr., D. City of Marchester 26. 4. ab Hamburg nach Ostasien. Nord⸗ und Ostsee⸗Dienst. D. Alesia 24. 4. in Königsberg. D. Duisburg 21. 4. Holtenau vass. nach Riga. D. Frankfurt 23. 4. in Sonderburg. D. Karlsruhe 24. 4. in Boston(Großbritanien). D. Straßburg 24. 4. in Leith. D. Duisburg 25. 4. in Riga. D. Andalusia 25. 4. in Riga. 27. 4. in Hamburg. 8 f 8 8 27355 8 g mit und ohne Doppelsohle Frauen-Feldstiefel und Halbschuhe un vtetenger ausnabi f Sonntagsstiefel und Halbschuhe an nesrigem u. hoben Abst. Besonders schwere Knaben- und Mädchenstiefel eumeier, 14⁵ Qualit Arbeiter- und Touristenstiefel Kinderstiefel in schwarz, braun und weiss Hausschuhe, Sandalen, Turnschuhe in jeder Ausführung Spezialhaus für Arbeiter- und Berufsschuhwerk Franz Sonnenstr. 20 Fernruf 1212 9 0 Nächste Abfahrten der Hamburg⸗Amerfka Lin,. Hamburg⸗Norbamerika. Nach New⸗Hork: D. Mount lib 3. 5., D. Bayern 10. 5., D. Deliance 15. 5. D. Mount Cla D. Thuringia 24. 5., D. Resolute 29. 5., D. Mount Carro Nach Boston— Baltimore Norfolk: D. Kermit 27. 4 22. 5. Nach Philadelphia Baltimore Norfolk: D. Westküste Nordamerika: D. Alaskan 12. 5. Hamburg Mexiko: D. Holsatia 5. 5., D. Westerwald 23. 5. Hambur N indien: D. Adalia 12. 5. Hamburg— Südamerika: Naß Montevideo, Bs. Aires: D. Württemberg 28. 4. Nach Pern Rio Santos: D. Altmark 5. 5. Nach Montevideo, Bs. 3, Rosarto: D. Frankenwald 14. 5. Nach Rio und Bs Ain d. Teutonia 24. 5. Hamburg.—Ostasien: D. Göttingen 5. 5, en 1 Emden Laomedon 16. 5. M. S. Münsterland 26. 5. Versammlungskalender. Frauengruppe der Ver. Soz. Partei ie Gewerkschaftshaus Nähchel 5 .—— 123 siterkfür die Sberhesssce Bol 8 R 1 Gießen. 6 tag, den 3. Mai, abends 8 Uhr im At Swya re 15 Giessen Sthördliche Bekanntmachungen Bekanntmachung. Die Stadt Gießen beabsichtigt das Anschlußgleis „Margaretenhüte zu verlängern und das hierdurch zur Erschließung kommende Gelände als Lagerplätze zu ver⸗ pachten. Die Verpachtungsbedingungen liegen bis zum 13. Mai ds. Is im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 28, zur Einsicht offen. Anträge auf Ueberlassung von Plätzen sind während der Offenlegung schriftlich bei mir ein⸗ mneichen. Gießen, den 28. April 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Krenzien. Skädtisches Brennstoffamt. Ausgade von Kohlenkarten für das Wirt⸗ schaftsjahr 1923/24. In den letzten Tagen sind die Kohlenkarten für Haushaltungen, Einzelpersonen und gewerbliche Be⸗ triebe ausgegeben worden. Die Versorgungsberech⸗ tigten werden gebeten, die Kontrollabschuitte und Be⸗ zugsscheine bis spätestens 10. Mai 1923 bei derjenigen Kohlenhandlung oder Bezugsvereinigung abzugeben, von der sie zu beziehen wünschen. Verfall von aufgerufenen Kohlenmarken aus dem Wirtischaftsjahr 1922/23. Am 20. Mai 1923 verfallen sämtliche im Wirt⸗ schaftsjahr 1922/3 aufgerufenen Kohlenmarken und 3 Eine Belieferung erfolgt alsdann nicht mehr. Ausgabe von Kohlen für den Hausbrand und das Kleingewerbe. (1. Zuteilung für 1923/4) Vom 1. Mai 1923 ab werden beliefert: Marke 1—5 der Haushaltungskarte mit je 1 Zentner Brennstoff Marke 1—3 der Karte für Einzelpersonen mit je 1 Zentner Brennstoff Marke 1—3 der Kleingewerbekarte mit je 2 Zentner 1 Brennstoff. Gießen, den 1. Mai 1923. 1 Der Oberbürgerucister(Brennstoffamt). Bekanntmachung. Nach Art. 3§ 6 des Gesetzes über die Berücksich⸗ tigung der Geldentwertung in den Steuergesetzen vom 20. März 1923 in Verbindung mit Art. 8 des Gesetzes haben die Umsatzsteuerpflichtigen bis zum 15. April 1923 den Unterschied zwischen dem sich aus der Steuerer⸗ klärung ergebenden Betrag und den geleisteten Voraus⸗ zahlungen nachzuzahlen. Soweit diese Nachzahlungen noch nicht geleistet sind, werden die Pflichtigen zur als⸗ baldigen Zahlung bei Meidung der Zwangsbeitreibung aufgefordert. Gießen, den 28. April 1923. Finanzamt Gießen. 230 Cigarren Aktiva Bilanz 1922 Passiva Haftsumme Gesamt⸗Bankguthaben Mk. 696937.91 Anteile Mk. 5800.— Postscheckkonto„ 443383.61 Darlehen 7259190 Kassenbestand„ 17206.50 Zinsen 85 2477.50 Zinsenkonto 45 1030.80 Creditoren„3094895. 10 Fernsprechkonto 0 1000.— Reservefonds„ 1600.— Steuermarkenkonto„ 117405.60 Spezial⸗Res.⸗Fonds„ 89756.26 Rohtabaklager u. Waren„ 1271590.50 Soz. Fürs⸗Fonds„ 3491.99 Debitoren„ 1379752.— Peusions⸗Fonds„ 33020.50 Inventar„875.75 Betriebsrücklage„ 27830.93 Ueberteuerungsfondds„ 1713.79 Reingewinn 154604. 70 Mk. 3529182 67 Mk. 3529182.67 Die Geschäftsanteile betrugen 1921 Mk. 5600.— 1222 5800.— mithin mehr 200 Mk. eingetreten 6, ausgeschieden 3 bleibt Mitgliederbestand am 31. Dezember 1922 Der Aufsichtsrat: W. Wittich. H. Günther. K. Stork. e. G. m. b. H. ⸗Genossenschaftsfabrik Gießen Sparsam 8598 Kochen 1 erzielt die kluge Hausfrau mit meinen 224 4 Sparkoch- Einrichtungen b 3 Tägsich praktische Vorführungen in meinen Geschäftsräumen! Besichtigung ohne Kaufzwang gern gestattet, J. B. Häuser, Giessen Neustadt 56 Telefon 860 18 1 22 52 Herde, Oefen, Haus- und Küchengeräte betrug am 1. Januar 1922 5600.— „31. Dezbr. 1922„ 5800.— mithin mehr 200 Mk. Mitgliederbestand am 1. Januar 1922 richtig 113 3 116 Der Vorstand: A. Kiel. R. Andreae. A. Guntrum. H. Hörr C. Rößer 232 Allgemeine Ortskrankenkasst Gießen. Gemäß der Novelle zur Reichsversicherungsordnung vom 27. März 1923 treten laut Beschluß des Vorstandes ab 30. April 1923 folgende Klassen⸗ HAUSRAI Möbelversorgung für das Rhein-, Main- Giessen, Lindenplatz 1 Il n assess Aesbhätsbü kaufen laufen! 2 u hohen Pressen HER S0 Plockstr. 5 9 Gemeinnützige und Lahngebiet, G. m. b. H. * 18 Wir bitt anzeigen rechtze Kasse berechtigt werden. Für di mit 7, der Mon die hierdurch berechnet werden, müssen gemäß den gesetzlichen Vorschriflen bezahlt en die Herren Arbeitgeber, der erforderlichen Lohnveränderungs⸗ itig erstatten zu wollen. Nichtbeachtung hat zur Folge, daß die ist, Klasseneinleilung selbstäudig vorzunehmen. Höhere Beiträge, e Berechnung der Beiträge sowie Stufeneinteilung wird die Woche tat mit 30 und das Jahr mit 360 Tagen angesetzt.. Der Vorstand. 1 27. April. Muth, 57 Jahre alt, Steinstraße 40. 5 29. April. 24 Wenz alt, Asterweg 6. Beer 3. Mai, 2 0 5 7 2 einteilung und Beiträge in Kraft: Möbel auf Teilzahlung 7 N Vernichtung Gaaghtie a 5 Wöchentl.] Wöchentl.] Der Anteil der Abhol- t Wisgsch. Täglicher Verdienst Beitrag] Beitrag Versicherten Das Dr. Olpe- Heilverfahren gegen dhalung Grund⸗ 155 55 pro Woche zur Lungenleiden, Heuschnupfen, Keuch⸗ Stufe g lohn 5 0 5] Krankenkasse husten, alte schw. Bronchialkatharxbe von bis Krankenk. Inv.⸗Vers. u. Inv. ⸗Vers.— Ausgezeichnete Erfolge leine zuvexlässige belrägt 0 Durch zahlreiche Aerzte begutachtet. Trau Idler 6 ik. Mk. Mk. 5 9 Snezi j 8 j 5 ————— Spezial⸗Anbulatorium ESahalatoriun) Gießen de 1 15, 210.—„ Westaulage 10. 231 Haushalts nach eld, II i eee e 265.— Werktag bie eee eee ee Näb. d. d. Geschäfss d. III 601.— 900.— 750.— 471.— 145.— 386.— art 2——** 1 IV 901.— 1600. 1250.—] 786.— 180.— 614.— A V 1601.—[ 2400.— J 2000— 1260— 270.— 975.— 1 8 5 1 + 2 Ur- VI 2401.—] 3800.— J 3100.— J 1752.— 320.— 1228.— mme VII 3801. 6000.—] 5000. 3150.—] 320.— 2260.— Buchhandl rhess. und Beruf VIII 6001.— 9000—] 7500.—] 4725.—] 320.— 1 F. Oberhess. Volksztg. werden. Sprech l IX 9001.— 10800. 10000—] 6300—[ 340— 4360.— 7 8 88 W Gießen Hotel Sg 2 10801.—12800.— 12000.—[ 7560.— 320.— 5200.— eee nere e XI füber 12800 14400. 9072. 320.— 6208.— Ge storb ene 5 4 55 6 920 * r. med. M 5 8 5 zialarzt für Bi aria Anna Seilberger, geb.! eee 4 F * 2 1 unuauffäll., mild, un Jucken u. fast allet Drog. Karn, Auch Versd. Ferdinand Großhaus, Musiker, is PHSG im Gebrauch und billig. ACeldntsenegsrette s. empfehlen ihr reichsortiertes[ag manufaktfur⸗ na Voll Det litaen ein Mi n duch dung fh pan! enen uuf fach inn munen, iu Lerst kinger b einzi zuß, il ies V0 Verslindi, Nepntatic Die gur keine im A gen ü Taharatie dadergr! lierten ich deer ud mit Ua dieser aiftander rest ten N Aera Aumulte ga gi dfandl. Aung d Ic der R Aunals! Ekllung sdlung Fung Auanhhoe ung, d ut in deals men ge sch in de de dei d gesch Heanthor ter ih Haften 0 ba. über biete unt b hen 90 „Luc denen genug daun ßen Al eine kale