Anwersttats⸗ hehe Lethessische Bo Tas, Organ für die Interessen des werktätigen Volkes ana 1 dag der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. e 0 Die Oberb. tung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen Verantwortlicher Redakteur: F. Vet a it ägt für die Milli ile(85 i eren al mi 1 2 J 8 6 3. exs. Der An enpreis beträgt für die Millimeterzeile(3 mm breit) ober d 3 i 3 Anpnallic 788 9 5. Ben 1 W 5 en fene 1. 7, Pit, auswärts 10 70 Mk Pie fielen au i *. U.—. Mk.. 1 erh erlag von Hermann Neumann Cie., sämtlich i zen. 30.— Mk. B rößeren Aufträ oder Wied lungen wird entspre g 5 Durch die P 80— Mr.einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 30. Mt, Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach 5 M. der Raball 12 bn, bs 6 Uhr abends. Nr. 1 Gießen, Mittwoch, den 3. Januar 1923 13. Jahrgang fragt hat, wie vechält sich die deutsche Industrie zu den Vor⸗ N 8 nen der Pari ET Beratun en 3 Se U ern te La E schlägen, ohne daß Bergmann positiv antworten konnte, und weil ** nen die neuen Pläne ber Reichsregierung in Pars nicht von O 5 ander kei 1 M t i 15 D d vornherein an einen gleichen 3 ae e 1. l 11 oratorin 4 Unter diefen Umständen stehen wir den Pariser Verha 04 8 9 me. die eutschen Vorschläge. lungen äuße est skeptisch gegenüber, wenn auch die Regierung an⸗ Gestesistag, nachmittag um 2 Uhr traten die Aus Berlin wird uns geschrieben: 3 hat, sich in ih en, e 1 Auffassung der eng⸗ 33 Ka 4 Aus 7 53 Nach endlosen Verhandlungen hat die Regierung Cuno schließ⸗ ichen Regterung ier die Lösung der Reperatiens frage welent⸗ alliierten kpräsidenten mit Ausnahme von Mussolini, lich einen Vorschlag für die Pariser Konferenz n lich anzupassen. Bong Law hat bekaunnttich eine endgültige Fest⸗ pflichtungen auf 50 Milliarden Goldmark der durch] Außenminister vertreten sein wird, in der auf die endgültige Lösung des Reparationsproblems hinaus⸗ setzung der deutschen V n a 5 Paris zu die durch das angeregte Rückdiskontierun⸗ ustem auf 30 Mil⸗ Zwar gestatten auch die letzten Vor⸗ 11 90 1 haben 88 F Hard 27855 deu jollen, vorgeschagen. Ferner bat er in g 3771 f während der Reparationsbesprechungen, die En September und iarden reduziert wecden ellen, orge en. J. 12 5 a Kuban der ae 1 N ace N stattfanden, flbereinstimmend er⸗ e geftellt, daß 0 e 55 W 5 Ver 8 0 nferenz, aber klärt, daß eine endgültige Lösung naturgemäß eine äußere An⸗ in Anrechnung gebracet warden, sollen. Diese uffassun 2 das steht ß die Situation sehr ernst ist und sie sich leihe zur Voraussetzung hat Die äußere Anleihe bildet deshalb spricht. soweit die Höhe der deutschen Verpflichtungen zn Frage un ben I Stunden wesentlich z en Dat die Voraussetzung zur Verwirklichung des deutschen Vorschlages, kommt, dem Plan, den die Regiereng% 5 im März 1921 in den le inden wesentli zuungunsten Deu sch. der schließlich in Nichts zerfallen muß, wenn uns die augebotenen dur dh den Neicksaußenn imister, Simons in London gat pertreten lands veyfat. Noch sind die Beratungen in Lausanne 5 7 5 nicht vom Ausland auf mehrere Jahre geliehen werden lossen. 15 gierung Emo die sich weh ed der Zeit 5 5 1 j sichlich zent. und uns im Innern die Möglichkeit gegeben ist, die eigenen Mittel gitrungslätig 1 äußerst aum an genen deen due dae 9 855 15 es scheint. daß das Orient wenigstens vyrläufig zum wirtschaftlichen Wiederaufbau zu ver⸗ d esen Plan in hren Grundzügen auf und träg“ damit der Ansicht pro em J kleinste Rolle auf dieser neuen Konferenz] wenden. Andererseits wird eine äußere Anleihe niemals ohne des englischenMinisterpräsidenten einigermaßen Rechnung. Gegen. spielen In der Reichskanzlei liegen amtliche e en d zustande N 1 15 7 aber vermag lan 43 u 18 18 t bes ei 155 . 85. diese Garantien zu geben? Das Reich kann lediglich seine Zölle sung scheine er über di 8 Jah 27 Meldung Fondon Hor. die selbst den großen Optimis- anbieten und ist im übrigen auf die Mitarbeit der liche an. stehen. Hieran trägt vor allem die Abstinen) der Industrie mus desesanzlers gedämpft haben und von denen gewiesen. Von einer Mitarbeit der Wirtschaft aber steht in den 1 Man will z 1 e 5 Summe in man anmsuß, daß die Hoffnung auf Bonar Law bald deutschen Vorschlägen nicht ein Wort, trotzdem die Regierung zwei Raten in einem Abstand von zehn Jahren zahlen. verflie 80 1 5 f ˖ 9 5 8 Pfänd groß und breit mittetlt, daß sich die Industrie bereit erklärt hat, Die Regierung läßt ihre Vorschläge nicht in Form einer Note 0 gen 1 U jetzt mi einen Pfänder-[ Opfer zu bringen. Im Interesse Deutschlands könnte uns nur überreichen, sondern will sie durch Staatssekretär Bergmann dor forderun die Oeffentlichkeit und hält nach wie vr angenehm sein, wenn die Leute, die bisher so viel von Opfer⸗ dem Forum der Pariser Konferenz mündlich fixieren lassen. Das freudigkeit geredet haben, endlich einsehen würden, daß eine Mi!⸗ scheint uns umso mehr angebracht, als ihr damit die Möglichkeit die 5 6 i 5 f 7 5 5 5 e 4 Pari cares hoch:„Ohne Pfänder kein Mora“ arbeit auch in ihrem eigenen Interesse liegt. Aber die formelle bleibt, im gegebenen Falle vielleicht schriftliche Vorschläge vorzu⸗ torium.“ 3 1 Zusicherung, die Herr Cuno von Vertretern der Industrie über die legen, die den Wünschen der Alliierten je nach Möglichkeit mehr a8 Poincaré fordert Mitarbeit in der Tasche hat, ist für uns noch lange kein Anlaß, entsprechen. Jedenfalls erwarten wir, daß die Regierung, zu 5 10 in e der ee 8 Opfer⸗ deren Verhandlungsgeschick wir. 3 e Zu⸗ Schuffa abe 1 d zuverlässi freudigkeit der Industrie als Tatsache hinzunehmen. Solange wir trauen haben, auch die geringste Verhandlungsmöglichkeit aus⸗ ufer. 1 8 98 5 keine konkreten Garantien der Industrie sehen, und solange man nutzt, und sich nicht der Prinzipienreiterei hingibt, wo es sich D er 5 B f 9 noch nicht einmal über die konkrete Form gesprochen hat, müssen lediglich um Formfragen handelt. rungen nßs auf bestimmte Kontrollrechte auf die wir nach allen Erfahrungen der Aufsassung bleiben, daß es nach Die Situation ist ernst. Schon läßt Poincars verkünden, daß finanzie nahmen und die Ruhrkohlenproduktion[wie vor mit der Opferfreudigkeit der Industrie nicht weit her er den Vorschlag Vonar Laws ablehnen wird und an seiner 5 Parole festhält: Kein Moratorium ohne Pfänder! Deutschland inausla Rach den jetzt vorliegenden und durchaus ist. Und seien wir doch ehrlich, die Wirtschast hat sich nach tage⸗ 1 5 0 28 5 71 2 3 We en sich langen Verhandlungen selbst erst zu dieser nichtssagenden sor⸗ hat deshalb umso mehr die Verpflichtung, zum mindesten keine 5¹50 9 15 19 si mellen Erklärung bereit gezeigt, weil man bereits in London ge⸗ I Möglichteit zu verpassen, die es auf Seiten Englands bringt. diese Inpnen, die unseres Wissens der Reichs⸗ den e, Neujahrsempfänge und Neujahrsreden. rungen nß aus folgenden Maßnahmen zusammen: 1. Ditssung der Dominialforsten in den besetzten Ge⸗ 1 1 37 zum Frieden. Aber dieser Friede könne nicht auf Lügen und Un⸗ bievipon der interalliierten Rheinlandkommission vorge⸗ Beim deutschen Neichspräsidenten. ge 5 e chtigkeiten, aufgebaut werden. Wenn diejenigen, die ihre 25 4 8 die rückständigen deutschen Holzlieferun⸗ Des deutschen Volkes Friedenssehnen. ee 11 das e 89 50 3—— gesetzt geier oll. i ura 5 5 815 es& 8. hätten heute ihr Geständnis widerriefen und alles in ewegung zu Dibeschung der Kohlenlieferungen aus dem Ruhrgebiet, dent 1 1 pfing aan eee Jahres- setzen, um der Wahrheit entgegen ihre Unschuld zu behaupten. wel. dil Rrationszwecken bestimmt sind, durch eine interalli⸗ wechsels am Neujahrstage die Chefs alter frame diplo- chen anderen 81 5 könne eine solche unmögliche Sophisterei haben matischen Vertretungen. Der apostolische Nuntius, als denjenigen, sit) den Folgen ihrer Fehler und den ihnen aufer⸗ irbmsion mit außergewöhnlichen Vollmachten.. 1 g J 5 1 1 N g. 3. Ebußper Zolleinnahmen in den besetzten Gebieten und Monsignore Pacelli, hielt als Doyen des diplomatischen J legten gerechten Reparationen zu entziehen? delläsrn des Ruhrgebietes. Eine besondere Zolllinie soll Korps eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Wir be⸗ 8 5 8 füse secke nicht gezogen werden grüßen mit einem Wunsche nach Frieden, Bruderliebe und Ennos Neujahrsbetrachtungen. In einer Jahressitzung des„Ehrbaren Kaufmanns“ zu Hamburg Banck einer gewissen Höhe der Beträge in ausländischen Gerechtigkeit den Anbruch des neuen Jahres. Möge es die nn a. 5 Di, deutschland sich durch seine Ausfuhr, sei es aus dem 2 0 sch 110.. 15 8 2 9. hat am Silvestertage der Reichskanzler Cuno eine Rede zur Jahres⸗ s en Kuhr biet 0 W 1 große Menschenfamilie dem Ziele näherbringen, nachdem J wende gehalten und dabei ausgeführt: eüinislierte e Ad die Herzen aller Menschen guten Willens streben und den Die neue Regierung war vom ersten Tage an bemüht. eine ww dabarauf hinauslaufen, daß der deutsche Ausfuhr⸗ Völkern zusammen mit der Lösung der gegenwärtigen Auf⸗ Lösung des Reparationsproblems zu finden die von ins getragen h sichm Ausfuhrerlaubnis an fremde Behörden wenden gaben jene Befriedigung und Sicherung bringen, die ein] und 5 Gegenseite 1 7 kann. 7 15 N 1 f l Unterpfand der Ordnung der Arbeit, des Gedeihens und W. 5 8 8 9— 1 5. Agne 15 n 155 Rheinlande und im Ruhr: des Fortschritts sind. Reichspräsident Ebert erwiderte sehen, wie sie sind. Wir alle bennen das Gutachten des Juter⸗ 9 ebqlls durch eine interallierte Kommissson. Ein Teil darauf u. a. daß mit diesem Wunsche nach Frieden, nach nationalen Anleihe⸗Komitees in Paris vom Juni vergangenen 175. 1 Papiermark, sondern brüderlicher Liebe und nach Gerechtigkeit der Nuntius dem Jahres. Seine Gedankengänge kehren in dem Gutachten der beiden a 5 10 0 1 n 5 tiefsten Sehnen auch des deutschen Volkes Ausdruck ver- Gruppen internationaler Sachverständiger in Berlin wieder. Die Tpriktiven Pfänderforderungen der französischen liehen habe. Das der ichs Volk und die dus seiner Mitte Verbindung des Gedankens der endgültigen Lösung der Reparations⸗ Regie esrdern zunächst einen ungeheuren Aufwand 6 10 habe. 700! 0 Vo 570 les 15 5 5* it die frage mit dem Gedanken der Anleihe findet sich ebenso in den Vor⸗ an ne Phonal, so daß schließlich das französische Volk ervorgegangene Regierung werde alles tun, damit die schlägen des englischen Ministerpräsidenten gelegentlich der letzten 15 selbst 1 1 j 0 immer noch getrennten Völker im wahren Frieden und in zremierminister⸗Konferenz. Diese Vorschläge waren dazu bestimmt, selbst d Einnahmen, die dadurch erzielt werden f W f. e e. die Weg önnt ichtziel Gesicht k f gemeinsamer Arbeit für die der ganzen Welt so notwendige der endgültigen Läsung der Reparationsfrage die Wege zu könntiichfiel zu Gesicht kommen wird da das Personal Neugestaltung des wirtschaftlichen und geistigen Zusammen⸗ öffnen. Heute handelt es sich darum, auf diesem Wege weite ungen. 85 bekam bsihlt sein will und das Personal der französi⸗ ben dei Nati 445. a Deutschland braucht, um leisten zu können, internationale Anleihen. 2 50 atigsbehörden sich wirklich ausreichend bezahl ebens der Nationen wirken. Bei dem Empfang waren u. a. Es hat aber nur dann Aussicht auf solche wenn seine Leistungs⸗ 1825 0 zahlen Rasor. 1 90 1 8. 0 Ne äßt. üben aber kennzeichnen die Forderungen Frank⸗ der Reichskanzler, der Außenminister von Rosenberg und pflicht endgültig klargestellt ist. Unser Ziel, die Leistungsfähigkeit e 5 n Staatssekretär von Maltzahn zugegen. Deutschlands festzustellen und Mittel und Wege zu finden, um diese lä beige Ziele, die systematisch auf die Abschnürung Leiseangsfähigkelt für die endgültige Löfung der Reparatiansfrage dees nutzbar zu machen, ist in der Fühlung mit Personen und Kreisen des lases vom Deutschen Reich hinarbeiten. Gerade Im Elysée. i 5 Abetrad der geänderten Haltung Englands, das sich 5 g Wirtschaftslebens verfolgt worden. Das gewonnene neue Bild von e gegenwa gen Augenblick besonders stark an Frankreich Millerands Taktlosigkeit. dem noch verbleibenden Rest unserer Leistungsfähigkeit ist trübe. Die unden fift, wird schließlich die deutsche Regierung alle Vein Neulahrsempfang des diplomgtischen Korps im Close oi Neparalions-Aaurtufnu bet jeieh on l ee Kräfte aufnfiden müssen, um ein Ergebnis zustande bringen der Prästdent der französischen Republik, Millerand, in Erwi⸗ die Zahlungsunfähigkeit Deutschlands zu helfen, dß in der Not annehmbar ist. Dazu trätzt jedoch derung auf die von dem päpstlichen Nuntius Mgr. Cerettti als anerkannt. Es bedarf also nicht der Unterstellung, daß Deutschland 5 en, dß in 9 U r ist. Dazu rägt jedoch] Doyen des diplomatischen Korps gehaltene Ansprache mit einer in sich selbst systematisch ruiniert habe. Ein unparteiisches Barometer nicht die„Pmärckerei“ bei, deren sich Cuno nach dem Be- ihrem größten Teil gegen Deutschland gerichteten Rede geant⸗ für unsere Listungsfähigkeit ist der Kredit, den die Finanzwelt richt unsere Hamburger Korrespondenten bei seiner letzten] wortet. Der aggresstwe Inhalt und die beleidigende Form dieses] Deutschland zu gewähren bereit ist. Kein Gläubiger der Welt aber Rede bediese. Aus dem nachträglich stark stilisierten amt⸗ gänzlich ummativierten und bei einem diplomatischen Empfang dop⸗ wird Deutschland Kredit gewähren, ehe die Leistungsfähigkeit so be⸗ lichen Textggeht das zwar nicht hervor pelt ungewöhnlichen Angriffs stellt eine um so größere Taktlosigkeit stimmt umschrieben ist, daß er Üder die Grundlage seines Kredites 5 5 0 1 Ae 9e 9 tsch 5 75 0 schafter mit. 1 ein völlig klares Bild hat. Wir sind entschlossen, eine erste 95 Uu 4 Mer: er Pariser deutschen Bo haft zugegen war, um em dip omatischen Summe auf uns zu nehmen und sind bereit, diese in Anleihen du Als E Len ütiger Verzicht. Brauche gemäß dem Präsidenten der Republik die Wünsche zum neuen Vermittelung eines internationalen Finanztonsortiums aufzubringen Enselt sür die bereits gekennzeichneten Pfändersorderungen Jahr zum Llusdruct au bringen. und soweit dies nicht im Anleiheweg gelingt, Zinsen und Tilgungs⸗ die franziische Regierung bereit, auf die durch die Obligatlonen Migr. Certti hatte in seiner Rede den Wunsch ausgesprochen, daß quote zu bezahlen, da die deutsche Wirtschaft für die nächsten Jahre ie Jrepräsentierten deutschen Schulden Unter der weiteren[das neue Jahr endlich einen wirklichen und vollständigen unbedingt der Ruhe bedarf. Eine solche Regelung der finanziellen un zu verzickten, daß die interalliierten Schulden, deren Frieden bringe, den, die ganze Welt erwarte, und hat als Vor⸗ Seite der Wege würde die Wege führ die Durchführung der wirtschaft⸗ ssumm etwa dem Betrage der Schatzscheine C, also 82 Mil- bedingung dafür die moralische Entwaffnung der Geister und der lichen Notwendigkeiten ebnen, die die Grundlage für ein Zusammen⸗ es gleichkommen, in demselben Maß amulliert] Herzen bezeichnet. Herr Millerand, der darkn vielleicht eine An⸗[arbeiten der Industrien Europas und namentlich Frankreichs und 1 einer Schuldenstreichung würde sich Frankreich spielung auf eine ähnliche, in Frankreich sehr mißliebig empfundene[Deutschlands geben Zu einer solchen Kooperation sind die deutschen genen ern gegenüber beteiligen. Einem Mora⸗ Stelle in der letzten Enzyklika des Papstes herauslesen zu] Wirtschaftskreise bereit. Die Reichsregierung weiß, daß die wirt⸗ l ran eich nur für den Zeitraum von zwei Jahren, nicht sollen geglaubt haben mag, antwortete darauf mit der Erinnerung an schaftlichen Kräfte Deutschlands entschlossen sind, die Regierung bei vier Jahre, zustimmen. Was nlltzt Beutschland schließ⸗] die gemeinsamen Anstrengungen der Alliierten zur Abweisung des der Durchführung ihres Vorschlages zu umterstützen. Dem Anleihe ⸗ 1 gatorium unter Voraussetzungen, wie sie Herr Poincaré deutschen Angriffs und fuhr dann fort: g Konsortium wird jede vernünftige Sicherheit eingeräumt werden kön⸗ Mratorium und Pfänderforderungen sind schließlich Dinge, Der Friedenswille der Alliierten wäre zur Unfruchtbarkeit vere] nen. Die Bestimmung dieser Sicherheiten um einzelnen ist Sache der in starkem Gegensatz zueinander stehen, sondern mitein- urteilt, wenn die ehemaligen Feinde es ablohnen, die übernommenen Verhandlungen. Die endgültige Lösung muß dem deutschen Volke inbar sind. 2 Bedingungen loyal zu erflüllen. Frankreich habe den ehrlichen Willen] die politische Freiheit und Gleichberechtigung wierdergeben und den 1 N . ˖ 2 0 1 8—— l J—— der a. 7 2 1 ——— 8— 1 0 4 4 — 2 7 n Abbau der Besatzung der deutschen Lande am Rhein bringen. Wir haben die Gegenseite ersucht, einem Vertreter der Reichsregierung Gelegenheit zu geben, der in Paris zusammentretenden Konferenz unsere Vorschläge schriftlich vonzulegen und mündlich erläutern zu lassen. Hoffen wir, daß dieser Ausweg nicht durch einen Entschluß vereitelt wird, der über ganz Europa unabsehbares Unheil bringen würde. Die Verwirklichung der politischen Pfänderpolitik bedeutet den Tod aller wirischaftlichen Operationen. Der Wortlaut der Rede des Staatssekretärs Hughes liegt zwar noch nicht voll⸗ ständig vor, aber so viel kann schon jetzt gesagt werden, daß die Ge⸗ dankengänge des amerikanischen Staatsmannes sich nahe mit unserer Auffassung berühren und daß wir ihnen aufrichtig Beachtung wün⸗ schen. Die Bereitschaft Deutschlands haben wir durch Vermittlung einer dritten Macht der französischen Regierung mitgeteilt. Zu meinem Bedauern hat Frankreich dieses Anerbieten abgelehnt. Der Rede des Reichskanzlers folgte stürmischer Beifall. Darauf erhob sich der Präsident der Handelskammer zu einem kurzen Schluß⸗ wort. Er gab die bestimmte Erklärung ab, daß Handel, Industrie und Schi t bereit sein würden zu den alleräußersten Opfern, wenn es gelte, die deutsche Wirtschaft aus den Fesseln zu befreien, in die der unglückliche Ausgang des Weltkrieges mit seinen Folge⸗ Lrscheinungen uns verstrickt habe. Becker⸗Hessen bittet um gutes Wetter. Der Volksparteiler Dr. Becker(Hessen), der gegenwärtig Wirtschaftsminister des Reiches ist, gebärdete sich als Ab⸗ geordneter gemeinsam mit Helfferich, Hergt und Westarp jahrelang als entschiedener Gegner der Erfüllungspolitik. Jetzt, da er Verantwortung tragen muß, wendet er sich in einem Neujahrsartikel in der volksparteilichen Zeit an die Entente und bittet um gut Wetter. Der Schluß seines Ar- tikels lautet: „Wir wollen und wir müssen uns mit den anderen Kriegs⸗ gegnern darüber verständigen, wie wir die Lasten des Krieges euch ihnen tragen helfen, und gerade die jetzige Regierung hat ihren dahingehenden Willen oft und klar genung ausgesprochen. Zeige man min doch endlich auch auf der anderen Seite einmal, daß man dort nicht aus Rachgier und aus imperlalistischem Ver⸗ langen nach Losreißung deutschen Staatsgebiets und Zerreißung der Reichseinheit strebt, sondern daß man ernstlich gewillt ist, sich mit uns über Reparationsleistungen im Rahmen wirklicher deut⸗ scher Leistungsfähigkeit im Wege ernster Verhandlungen von Mann zu Mann auseinanderzusetzen. Wir sind bereit zu solchen Verhand⸗ lungen und haben alle Vorbereitungen dazu getroffen. An unserem guten Willen wird es nicht fehlen... Wir wollen und wir wer⸗ den bei solchen Verhandlungen bis an die äußerste Grenze unserer Leistungsfähigbeit gehen. Das sind wir schon unseren bedrängten und bedrohten Brüdern im Rheinland schuldig.“ Ist es auch erfreulich, daß die Oppositionellen von ehe⸗ dem plötzlich verantwortungsbewußt werden, so rufen doch die Intrigen des Herrn Becker⸗Hessen gegen das Kabinett Wirth traurige Erinnerungen wach. Hoffentlich lernt das deutsche Volk aus der Tatsache, daß die Männer, die heute die Verantwortung tragen und früher das, was sie heute machen, verschrien, jetzt aber gutheißen, wem es schon von Jahren um das Wohl Deutschlands ernst zu tun war. Neues vom Tage. Keine Weltwirtschaftskonferenz. Borahs Antrag zurückgezogen. Senator Borah hat seinen Antrag im amerikanischen Senat auf Einladung Europas zu einer internationalen Konferenz in den Vereinigten Staaten zurückgezogen. 0 Das Todesurteil gegen den Mörder Narutowitschs. „Der Attentäter Niewiadowskt, der den polnischen Staats⸗ präsidenten erschossen hat, wurde, wie gemeldet, zum Tode ver⸗ urteilt, wormmn er selbst im Schlußwort gebeten hatte. Die ein⸗ tägige Verhandlung wirkte dadurch sensationell und beleuchtete die Gedankenwelt der polnischen Nationalisten, daß der Täter zu⸗ gab, sein Attentat sei seit langem gegen Pilsudski vorbereitet ge⸗ wesen, weil Pilsudski und seine Politik an allem Elend Polens J schuld sei Nur durch einen Zufall dei Piuudsti am 6. Dezember der mörderischen Kugel entgangen, die am 16. Dezember. seinen Nachfolger traf, weil seine Wahl den Sieg der Nationalisten ver⸗ hindert hatte und weil die Schande, daß er mit nichtpelnischen Stimmen gewählt war, nur so gesühnt werden konnte. 2 Mobilisierung in Griechenland? Nach einer Meldung der Daily Expreß hat die griechische Re⸗ gierung beschlossen, neuerdings drei Jahresklassen zu mobili⸗ sieren und zwar von 1920, 1921 und 1922, und sie sofort nach Thrazien zu entsenden, wo ein neuer Krieg gegen die Türkei un⸗ vermeidlich geworden sei. 5 g Streikbeschluß der Mieterschaft Leipzigs. Der von den Behörden für Groß Leipzig festgesetzte Zu⸗ schlag von 4100 Prozent zur Grundmiete hat unter der Leipziger Mieterschaft lebhaften Unwillen hervorgerufen. Um zum Streik Stellung zu nehmen, hatte der Mieterschutz⸗ verband zum Sonntag 10 öffentliche Versammlungen ein⸗ berufen. Ueberall wurde eine Entschließung angenommen, in der gesagt wird, daß die Mitglieder des Leipziger Mieter⸗ schutzverbandes, der ca. 100 000 Mieter umfaßt, beschlossen hat, in den Mieterstreik zu treten. Die übrigen Mieter Leipzigs werden aufgefordert, sich dem Streik anzuschließen. Aus dem Volksstaat Hessen. Vom Stand der Regierungskrise. Die wiedergewonnene„Freiheit“ der Demokraten. Der zahlreich versammelte Landesausschuß der Deut⸗ schen Demokratischen Partei, der am Samstag im Landtags⸗ gebäude tagte, hat nach längerer Aussprache, die bis abends 7 Uhr währte, folgende Entschließung gefaßt: 1. Die Partei billigt den Rücktritt des Finanzministers Hen⸗ rich und spricht ihm zugleich das rückhaltlose Vertrauen der Partei und ihren Dank für die Dienste aus, die er in schwerer Zeit auf schwierigem Posten vier Jahre hindurch dem Lande ge⸗ leistet hat. 2. Mit diesem Schritt des Finanzministers, der lediglich auf das Verhalten der beiden übrigen Koalitionsparteien zurückzu⸗ führen ist, hat die Demokratische Partei ihre Freiheit gegenüber der Regierung und zur Regierungsbildung wiedergewonnen, die sie nach den Neuwahlen hatte. 3. Die Fraktion wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Landesparteivorstand diejenigen Entscheidungen zu treffen, die in Bezug auf die notwendige Neubildung der Regierung erforderlich werden. 4. Der Landesausschuß grüßt die Brüder und Schwestern im besetzten Gebiet, die eine so entschlossene Treue gegenltber den Plänen des französischen Imperialismus bekunden. Der Landes⸗ ausschuß ersucht die Fraktion, dahin zu wirken, daß die beson⸗ deren Interessen des besetzten Gebietes alsbald eine geeignete Vertretung bei der Staatsregierung finden. 7 Wenn auch aus dieser Entschließung nicht hervorgeht, welche Haltung die Demokratische Partei nun tatsächlich ein⸗ zunehmen beschlossen hat, so ergibt sich doch aus Mit⸗ teilungen, die nach der Tagung des demokratischen Landes⸗ ausschusses von demokratischer Seite dem Staatspräsidenten gemacht worden sind, daß diese Partei eine Wiederüber⸗ nahme des Finanzministeriums endgültig ablehnt. Ver⸗ handlungen, die vorbereitend mit dem Oberbürgermeister Dr. Külb wegen Uebernahme des Finanzministeriums ge⸗ führt wurden, sind damit erledigt. Was wir schon vor mehreren Tagen aus unserem Einblick in die Dinge voraus⸗ gesagt haben, bestätigt sich jetzt. Nach der Haltung der Demokratischen Partei ist die bisberige Regierungskoalition endgültig erledigt und ihre Rekonstruktion zur Zeit ausge⸗ schlossen. Die Verantwortung dafür hat in erster Reihe, vielleicht einzig und allein, die Demokratische Partei zu tragen. Die Demokratische Partei hat durch ihr Verhalten die bisher recht dicht: gewesene Tür für den Eintritt der Deutschen Volkspartei in die 1 stellt auch das jetzt die Interessen Darmstädter Tagblatt fest, das die gierungsbasis in Hessen als eine dr bezeichnet und meint, die Demokra ihrem Beschlusse entschlossen die Jo herigen Entwicklung gezogen. 1 Bemerkenswert ist übrigens, daß Ent demokratischen Landesausschusses in i S. nach einer„geeigneten Vertretung“ dbesosen Int 5 essen des besetzten Gebietes bei der 0 ung nicht anderes tut, als das, was Herr Heh] Genossen Engelmann wegen seiner Ausführungen desten Land⸗ tagssitzung zur Frage des besetzten Ges chwer als einen ungerechtfertigten Vorwurf gegen St regierung verargt hat. Es ist das ja nicht das M daß wir solche Doppelzüngigkeit bei den Dratg feststellen mußten. 1 Die Hoffnungen der Deutschionen. In einem Artikel zur hessischen Regickrisqhreibt die deutschnationale Hessische Landeszeitung mit g asie Tagung des Sozialdem. Landesausschusses vom vori Son 8 Hoffen wir, daß das angeborene„agitiche frfnis“ bei der morgigen Zusammenkunft der soziabkratß—Partei⸗ größen in Offenbach einen neuen Triumph it. Diesen Gefallen wird die Sozialdemokraen In Werner und Kindt nicht tun. Wie wir an anderer E ders, hat der sozialdemokratische Landesausschuß unserer sion ranensvoll freie Hand gelassen, und die deutschnationalerrrschz, die ihre Stunde gekommen glaubten, dürfen versichenn: sozialdem. Fraktion wird nicht aus agitatorischem Bediß, son so han⸗ deln, wie sie es um des Landes und der Staatwendsten willen vor der Partei und dem Volke verantworten Eine Berliner Stimme für dcherfben 7 in der Regierung In seiner Neujahrsbetrachtung weder fialdemo⸗ kratische Parlamentsdienst darauf hin, ß dpichtigste Aufgabe des kommenden Jahres die abilsung der Mark sein wird, die aber insoweit für deif Prole⸗ tariat auch eine zweischneidige Maßreget, alse wahr⸗ scheinlich zu einer ernsten Verschlechterr derpge des Arbeitsmarktes führen wird. Als sehrichtigellt der Sozialdemokratische Parlamentsdienst imer sen Zeit das Verbleiben der Sozialdok ie in der Regierung hin, weil nur vofer gierung, in der Sozialdemokraten vertreten sind, sreiche Hilfe für die Arbeitslosen erwartet werden ke Alle Länder, so schreibt der Parlamentsdt, dicher ihre fallende Valuta stabilisterten, mußten eine sche Uchngskrise der Arbeitslosigkeit und Teuerung durchmach Diesefse wird aber sofort durch die Regierungsfrage in Deut ind al werden. Das Problem, Millionen Arbeitslose durch derise durch zu erhalten, dieser Riesen⸗Reservearmee nicht nulnterssig, son⸗ dern vor allem Arbeit zu geben, kann nur vomer Rung ge⸗ löst werden, in der die Sozialdemokrat maßgsen Ein⸗ besitzt. l 1 10 Das Argument, welches der Parlamsdienser für das Verbleiben der Sozialdemokratie der sierung geltend macht, verdient zweifellos ernstcgeacht Ge⸗ rade in Hessen, wo wir jetzt vor die Fra gestesnd, ob wir uns mit einer Verbreiterung der Kitionß nach rechts abfinden oder aus der Regierunganz heiden sollen, darf die Arbeiterschaft nicht vergen, daflleicht bald der Tag eintritt, wo für viele Tauser Arbpse ge⸗ sorgt werden muß. Daß diese Aufgabe ber erfiperden kann, wenn die Sozialdemokratie in der egieripleibt, wird von niemand ernstlich in Abredegestellperden können. — Die Sängerin. 1 Novelle von Wilhelm Hauff. „La! Du wagst es, noch zu spotten! Aber wisse, ein Blitzstrahl hat die Tore Deines Geheimnisses gesprengt und hat die Nacht erhellt, in welcher ich wandelte. Also darum sollte ich nicht wisen, was Du warst, woher Du kamst? Darum verschlossest Du mir den Mund mit Deinen Küssen, wenn ich nach Deinem Leben fragte? Ich Tor! Daß ich von einer Weiberstimme mich bezaubern ließ und nicht be⸗ dachte, daß sie nur Trug und Lug ist! Nur im Gesang des Mannes wohnt Kraft und Wahrheit. Ciel! Wie konnte ich mich von den Rouladen einer Dirne betören lassen!“ „O, Carlo!“ flüsterte die Kranke,„wenn Du wüßtest, wie Deine Worte mein Herz verwunden. wie Dein schreck— licher Verdacht noch tiefer dringt, als der Stahl des Mörders.“ „Nicht wahr, Täubchen,“ schrie jener mit schrecklichem Lachen.„Deine Amorosi sollten blind sein. da wäre gut mit ihnen spielen? Der Pariser muß doch ein wackerer Kerl sein, daß ee endlich doch noch das fromme Täubchen fand!“ „Jetzt aber wird es mir doch zu bunt, Herr,“ rief der Doktor und packte den Rasenden am Rock;„auf der Stelle marschier er sich zu dem Zimmer hinaus, sonst werde ich die Hausleute rusen daß sie Ihn expedierea.“ „Ich gehe schon, Erdenwurm, ich gehe,“ schrie jener und stieß den Medizinalrat zurück, daß er ganz bequem in einem Fauteuil niedersaß;„ja ich gehe, Giuseppa, um nimmer wiederzukehren Lebe wohl oder stirb lieber. Unglückliche, verbirg Deine Schmach unter der Erde Aber jenseits ver⸗ birg Deine Sele an einem Ort, wo ich Dir nie begegnen möge; ich würde der Seligkeit fluchen, wenn ich sie mit Dir teilte, weil Du mich hier so schändlich um meine Liebe, um mein Leben betrogen.“ Er rief es, indem er noch etwas Doktor, bald das Mädchen an, darf nicht fortgespielt werden. Ich will Ihnen etwas Nieder⸗ schlagendes aufschreiben, das Sie alle Stunden zwei Eßlöffel voll einnehmen werden.“ g Die Unglückliche war in ihre Kissen zurückgesunken und ihre Kräfte waren erschöpft, sie verlor das Bewußtsein von neuem. Der Doktor rief das Mädchen und suchte mit ihrer Hilfe die Kranke wieder ins Leben zurückzubringen, doch konnte er sich nicht enthalten, während er die Essenzen ein⸗ flößte, das Mädchen tüchtig auszuschmälen.„Habe ich nicht befohlen, man solle niemand, gar niemand hereinlassen, und jetzt läßt man diesen Wahnsinnigen zu, der Ihr braves Fräulein zum zweiten Male ums Leben brachte?“ „Ich habe gewiß sonst niemand hereingelassen,“ sprach die Zofe weinend;„aber ihn konnte ich doch nicht abweisen; sie schickte mich ja heute schon dreimal in sein Haus, um ihn zu beschwören, nur auf einen kleinen Augenblick zu kommen; ich mußte ja sogar sagen, sie sterbe und wolle ihn vor ihrem Tode nur noch ein einziges Mal sehen!“ „So? Und wer ist denn dieser—“ Die Kranke schlug die Augen auf. Sie sah bald den ihre Blicke irrten suchend durchs Zimmer.„Er ist fort, er ist auf ewig hin,“ flüsterte sie;„ach, lieber Doktor, gehen Sie zu Bolnau!“ „Aber, mein Gott, was wollen Sie nur von meinem unglücklichen Kommerzienrat, er hat sich über Ihre Ge⸗ schichte schon genug alteriert, daß er zu Bette liegen muß; was kann er Ihnen helfen?“ „Ach, ich habe mich versprochen.“ erwiderte sie,„zu dem fremden Kapellmeister sollen Sie gehen, er heißt Boloni und logiert im Hotel de Portugal.“ „Ich erinnere mich, von ihm gehört zu haben,“ sprach Doktor,„aber was soll ich bei diesem tun?“ „Sagen Sie ihm, ich wolle ihm alles sagen, er soll nur der nicht mehr so viel sprechen. Adieu, Herr edizing doch noch ein Wort; Babette, gib dem Herrn Ftor schuch!“ Das Mädchen schloß einen Schrank arund erf dem Doktor ein Tuch von gelber Seide, das een starpnge⸗ nehmen Geruch im Zimmer verbreitete. „Das Tuch gehört nicht mir,“ sprach ner,„Arren, ich führe nur Schnupftücher von Leinwar“ 0 „Unmöglich!“ entgegnete das Mädch;„winden es heute nacht am Boden, ins Haus geht es i und sonst war noch niemand da als Sie.“ Der Doktor begegnete den Blicken d Säng die erwartungsvoll auf ihm ruhten.„Könnte icht diKuch jemand anderem entfallen sein?“ fragte ernit fesßßlick. auf sie. 5 „Zeigen Sie her,“ erwiderte sie ängsth),„daßatte ich noch nicht gedacht.“ Sie untersuchte da- Tuch fand in der Ecke einen verschlungenen Namenszu, sie schte, sie fing an zu zittern. 75 „Es scheint, Sie kennen dieses Tuch ud diesson, die es verloren hat,“ fragte Lange weiter zes kennt etwas führen; darf ich es nicht mit mir ehmen? Da ich Gebrauch davon machen?“ 3 Giuseppa schien mit sich zu kämpfen; ald reichte sie ihm das Tuch, bald zog sie es ängstlich ind krampfhaft zurück.„Es sei.“ sagte sie endlich;„und solle der Schreck⸗ liche noch einmal kommen und mein wundes Herz diesmal besser treffen, ich wage es; nehmen Sie Dolor. Ich will Ihnen morgen Erläuterungen zu diesem Tuch geben.“ Man kann sich denken, wie ausschließlich diese Vorfälle die Seele des Medizinalrats Lange beschäftzten. Seine sehr ausgebreitete Praxis war ihm jetzt ebeiso sehr zur Last, als sie ihm vorher Freude gemacht hatt! denn ver⸗ hinderten ihn nicht die vielen Krankenbesuche, je er vorher zu machen hatte, die Sängerin am anderen Rorgen recht bald zu besuchen und jene Aufschlüsse und Cläuterungen weniges mit den Noten agierte, aber sein wildes, rollendes noch einmal kommen— doch nein, ich kann es ihm nicht zu vernehmen, denen sein Her i 1 g 8 0 9 g Ides, rol 0 h 1 0 en, Herz ungeduldig entsegen pochte? Auge schmolz in Tränen, als er den letzten Blick auf die Ge. selbst sagen; Doktor, wenn Sie— ja, ich habe Vertrauen[Doch zu etwas waren diese Besuche in bresßi 5 7 liebte warf, und schluchzend rannte er aus dem Zimmer. zu Ihnen, ich will Ihnen alles sagen, und dann sagen Sie es „Ihm nach, halten Sie ihn auf,“ rief die Sängerin, wieder dem Unglücklichen, nicht wahr?“ „führen Sie ihn zurück, es gilt meine Seligkeit!“ Ich stehe zu Befehl; was ich zu Ihrer Beruhigung tun 8„Mit nichten, Wertgeschätzte.“ entgegnete Doktor Lange, kann, werde ich mit Freuden tun.“ indem er sich aus seinem Lehnstuhl aufrichtete;„diese Szene„Nun, so kommen Sie morgen früher, ich kann heute Hänsern gut, er konnte, wie er zu sagen pflegtl hinhorchen. was man über die Bianetta sage, vielleicht konnte er auch über ihren sonderbaren Liebhaber, den Rapellmeister Boloni, eines oder das andere erfahren. teber die Sängerin zuckte man die Achseln. Man ur⸗ Hessen und Nach bargebiete. . und umgebung⸗. —— N Die Not der Presse. Sämtliche deutschen Zeitungen sagen sich genötigt, ihre 5 Bezugspreis am 1. Januar wiederum zu erhöhen. Mit Recht hat die Handelskammer zu Dormund vor wenigen Tagen in ihrer Vollversammlung die folgende Entschließung g gefaßt:„Die immer größer werdende Not der deutschen 8 Tages. und Fachzeitungen gebietet, daß Staats⸗ und Ge⸗ meindebehörden sowie Handel und Industrie der Presse in erhöhtem Maße ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Für die 1 a deutschen Volkes ist die Presse als die Ver⸗ treterin der öffentlichen Meinung und als Bindeglied der wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslande von unschlitz⸗ barem Werte. Eine Verkümmerung des deutschen Presse⸗ wesens muß deshalb mit großer Sorge erfüllen. Nur unter erheblichen Opfern haben die deutschen Zeitungen ihre bis⸗ herige Bedeutung und Unabhängigkeit zu behaupten ver⸗ sucht. Soll ihnen das auch weiter möglich sein, so bedarf es der Unterstützung aller Kreise. Die Handelskammer zu Dortmund hält es deshalb für ihre Pflicht, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Notlage der Presse hinzuweisen und alle Kreise des Wirtschaftslebens sowie die Behörden aufzu⸗ fordern, der Tages⸗ und Fachpresse durch Zuwendung von Anzeigenaufträgen und Aufrechterhaltung des Bezuges Unterstützung zuteil werden zu lassen.“ Es erübrigt sicf, diesen die Sachlage durchaus treffen⸗ den Ausführungen irgenetwas hinzuzufügen. Bemerkt sei jedoch, daß die Gießener Handelskammer sich zu einer ähn— lichen Entschließung noch nicht hat aufraffen können, sonst hätte sie das Abonnement auf die Oberhessische Volkszeitung für Januar nicht aufgegeben. — * * 15 5 8 8 8 Arbeiter, lernt erkennen. 5 Ein Gewerkschaftsführer schreibt: Stundenlang haben sich die Mitglieder der Verhandlungskommission mit den Arbeitgebern herumgestritten über die Löhne für den kommenden Monat. Klar und ohne jede Uebertreibung wurde in der Begründung der Lohnforderung die mehr und mehr steigende wirtschaftliche Verelendung der Arbeiterschaft geschildert. Fast war anzunehmen, daß überhaupt keine Gegenargumente angeführt werden könnten gegen das vor⸗ gebrachte einwandfreie Material. Aber es lommt, wie immer bei derartigen Verhandlungen anders. Ausgerüstet mit ge⸗ schickt zusammengestelltem Material, mit dem sich bekanntlich 5 alles beweisen läßt, stellen die Arbeitgeber Behauptungen 0 auf, daß die Arbeiter die Lohnhöhe der Vorkriegsjahre 6 bereits erreicht und sogar noch überschritten haben, daß die Teuerung nicht so weit vorgeschritten sei, wie von den Ar- 0 beitervertretern geschildert wurde, daß die Löhne der jugend— ( llichen Arbeiter viel zu hoch sind usw. Da befällt den ein⸗ 0 zelnen Verhandlungsteilnehmer oft ein recht bittres 1 Empfinden und oft erwacht in ihm der Wunsch:„Könnte doch * jeder Arbeiter wenigstens einmal an einer solchen Ver⸗ W handlung teilnehmen, sein Interesse für die Arbeiter- bewegung würde dann sicher ein besseres werden.“ Nun sind wir auf dem Heimweg, abgespannt und un⸗ befriedigt. Durch die Eingangspforte des Bahnhofs strömt ein ununterbrochener Zug von Arbeitern aus allen mög⸗ ö lichen Industrien. Viele von ihnen eilen nach den Zeitungs⸗ 0 berkaufsstönden und kaufen sich eine Zeitung. Aber welche Zeitung kauft denn eigentlich dort der abgeschuftete Prole⸗ tarierꝰ„ Bürgerliche Presseerzeugnisse, das ist die geistige Kost vieler Arbeiter, für deren Löhne wir vorher gekämpft, deren schlechte Lebenshaltung wir vorhin geschildert haben. Sie kaufen die unternehmerfreundlichen Zeitungen und lesen während der Fahrt, wie ihre Führer beschimpft werden; sesen, daß der Achtstundentag allein die Schuld an der, Teuerung trägt, lesen das Märchen von der erdolchten ont. lesen, daß die hohen Löhne schuld an der Mark⸗ stwertung sind, lesen, wie die Unternehmungen ihrer inde, der Reaktion, der Mordrealtion, beschönigt und so⸗ t umterstütt werden und dergleichen mehr. Sie lesen es 1 schämen sich nicht. Nein, es steigt ihnen nicht die Röte orns oder die Schamröte ins Gesicht, daß sie durch den der Zeitung ihre erbittertsten Feinde unterstützt haben. „ werden morgen wieder eine Zeitung kaufen, weil die geutige so„interessant“ war. Ihr Arbeiter, die ihr solche Zeitungen lest, lernt euch schämen! Wo ist eure Arbeiterehre? Ihr gebt der Reaktion das Geld, mit dem sie die Knute kauft, die euch schlagen wird, wenn euch die Zeitungen in den Schlof gelullt haben. Arbeiter, lernt euch schamen! Wenn ihr das gelernt habt, dann werdet ihr diese Zeitungen nicht mehr kaufen. Dann werdet ihr die Arbeiterpresse im Hause haben, und die Liügenblätter werden daraus verschwinden. 2 2 Eine Wahlergebnis⸗Berechnung, die zu verschiedenen Resultaten führt, je nachdem man verschiedene Systeme an— wendet, ist uns vor kurzem vorgelegt worden und wir wollen sie unseren Lesern mitteilen. Bekanntlich wird bei Berechnung der Mandatsziffer, die bei der Verhältniswahl auf die einzelnen dabei beteiligten Parteien entfallen, das stem des Belgiers de Hondt angewendet, das auch durch iser Wahlgesetz in Hessen vorgeschrieben ist. Danach er— die höchste Stimmenziffer immer ein Mandat zuge- nachdem die auf die einzelnen Wohlvorschläge ent— fallenen Stimmenzahlen durch 2. 3, 4. usw. geteilt worden sind. Wir haben mehrfach Beispiele davon gegeben. Das de Hondtsche System wird als das einfachste, praktischste un als unbedingt du richtigen Ergebnissen führend angeseh 1 Gießen, Mittwoch, den 3. Januar 1923. Es muß dabei also das Gleiche herauskommen, als wenn man nach der gewöhnlichen Rechnung mit der Zahl der zu vergebenden Sitze die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen teilt und darauf mit der gewonnenen Ziffer die auf die ein⸗ zelnen Wahlvorschläge gefallenen Stimmenzahlen teilt und so die Sitze errechnet.— Bei der letzten Gemeinderatswahl in Merlau waren nun zwei Listen aufgestellt, eine von den Bauern, die andere von unseren Genossen. Erstere er⸗ hielt 122, unsere 80 Stimmen. Wie verteilten sich nun die Mandate? Neun Sitze waren zu vergeben. Nach dem de Hondtschen System erhält die erstere Liste mit den 122 Stimmen 6 Sitze, die andere nur 3. Die letzten Teilziffern sind 20 und 20, mithii mußte das 9. Mandat der ersten Liste zugeteilt werden. Anders geht die Rechnung nach der gewöhnlichen Berechnung aus. Danach bleibt, nachdem 8 Sitze verteilt sind, für die erste Liste 9 als Rest, für die zweite dagegen 12, es mußte daher dieser, da sie die größte Restsumme aufweist, das 9. Mandat zufallen! Das geht aber nicht, denn das Gesetz schreibt das de Hondtsche Berechnungs⸗ system vor.— Bei dieser Gelegenheit sehen unsere Genossen auch, wie es auf jede Stimme ankommt; hätte unsere Liste nur zwei Stimmen mehr aufgebracht, so mußte ihnen das neunte asendat unbedingt zufallen! Stellenbesetzung im Schulministerium. In die Volks⸗ schulabteilung des Landesamts für das Bildungsministerium sind als ständige Hilfsarbeiter mit der Amtsbezeichnung Schulrat der Lehrer Friedrich von Darmstadt und der Seminarlehrer Hofmann von Alzey berufen worden. Friedrich ist Darmstädter Kreisvorsitzender des Deutschen Lehrervereins und gehört als Mitglied der Sozialdemokrati⸗ schen Partei der Darmstädter Stadtverordnetenversamm⸗ lung an. — Oeffentliche Parteiversammlung. Die öffentliche Versamm⸗ lung des Wahlvereins vom 29. Dezember, deren einziger Tagesord⸗ mungspunkt ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Beck⸗ mann über die innerpolitische Lage war, zeitigte einen außerordent⸗ lich günstigen Verlauf. Das zur Verfügung stehende große Doppel⸗ zimmer des Gewerkschaftshauses war nahezu nicht in der Lage, die sämtlichen Anwesenden in sich aufzunehmen. Genosse Beckmann führte in mehr als einstündigem Vortrag aus, daß man bei der Berücksich⸗ tigung der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Lage nicht außer Acht lassen dürfe, daß wir am Ende eines verlorenen Krieges stün⸗ den, unter dessen Folgen wir noch lange Zeit zu leiden hätten. Wer diese Tatsache gerecht würdigt, wird nicht zu der Ungerechtigkeit kommen, auf die sozialistische Regierung im Reiche, die es übrigens niemals gegeben hat, zu schimpfen. Der Friede von Versailles und das Abkommen von Spaa haben uns wirtschaftlich in allen Teilen untergraben. Der derzeitigen wirtsachftlichen Notlage gerecht zu wer⸗ den, vermögen auch die vielen Milliarden zu zahlenden Steuern nicht, insbesondere insolange nicht, als man nicht die Steuerquelle anfasse, die die Belastung am besten vertragen kann und das ist das Kapital. Wenn man bedenkt, daß die unpopulärste aller Steuern 80 Milliar⸗ den Mark aufbringt, so wird man einsehen, welche Lasten gerade auf den Schultern der wirtschaftlich Schwächeren liegen, nämlich auf der breiten Masse. Im vorigen Jahre wäre vielleicht durch Ergreifung der Sachwerte der Defizitwirtschaft zu begegnen gewesen, ob das heute noch ginge, sei zweifelhaft. Alle Steuern, die die Lasten der breiten Massen etwas lindern könnten, würden von der bürgerlichen Mehrheit des Reichstages zu Fall gebracht. Der größte Teil des Reichsnotopfers und die Nachkriegsgewinnsteuer sei nicht durchzu⸗ bringen gewesen und zuletzt sei auch noch die Zwangsanleihe abge⸗ lehnt worden. Wenn man berücksichtige, daß Lohn⸗ und Gehalts⸗ empfänger ihre Steuern sofort bezahlen, während die Angehörigen der freien Berufe dies erst nach Ablauf eines, manchmal mehrerer Jahre täten, so käme man zu dem rechnerischen Ergebnis, daß z. B. die Steuer für den Monat November zu 71 Prozent von den Lohn⸗ und Gehaltsempfängern bezahlt würde. Dem Besitz gelingt es immer, billig wegzukommen. Was die Ernährungsfrage anlange, so sei die⸗ selbe ein Produkt der so viel gepriesenen freien Wirtschaft. Hätten wir die Zwangswirtschaft noch, für die die Linke immer eingetreten sei, dann würde das Brot heute billiger sein und benötige vor allen Dingen nicht der vorgesehenen Streckung. Außerdem sei zu beachten, daß die fortwährende Bewilligung höherer Preise für die Landwirt⸗ schaft in aller Kürze einen Brotpreis von etwa 600 Mark zeitigen dürfte. Wie es mit dem Brot stünde, ähnlich sei es auch mit Kar⸗ toffeln und mit Zucker. Zu dieser unangenehmen wirtschaftlichen Lage käme dann noch die unangenehme Wirtschaftskvisüs, die eine Stabili⸗ sierung der Mark unmöglich mache und die nur ein weiteres Steigen des Dollars im Gefolge hätte. Was die Frage der Koalition an⸗ lange, so könne man hierüber geteilter Meinung sein. Er, Redner, freue sich, daß unsere Parteigenossen in einer Regierung, die von Leuten wie Stinnes, Becker u. a. besetzt sei, nichr teilnähmen. Man solle auch bedenken, daß nach den eigenen Worten von Stinnes und Lersner man in erster Linie die Absicht habe, den Achtstundentag zu erdrosseln, um so immer wieder die Möglichkeit einer Reparation, bezw. die Möglichkeit der Erhöhung der Reparation alles auf die Schultern der Arbeiter abzuwälzen. Bedauerlich sei es nur, daß man der Durchsetzung der 10 Forderungen des Gewerkschaftsbundes keinen oder nur sehr wenig Nachdruck verliehen hätte. Vielleicht hätte man seinerzeit diese 10 Forderungen durch einen Generalstreik erzwingen können. Was die Frage des Reichstags endlich anlange, so gebe zu⸗ nächst das Beispiel in Sachsen zu Bedenken Veranlassung, ob ein derartiger Aufwand an Gold und sonstigen Gütern zweckmäßig sei angesichts der Wahrscheinlichkeit, daß sich das gesamte Bild doch nicht allzusehr ändere. Ein Hauptbedenken aber gegen die Reichs⸗ tagsauflösung sei der Umstand gewesen, daß in einer Zeit höchster Krise, wie sie eben bestanden hatte, das deutsche Volk nicht zwei Monate und länger ohne Volksvertretung hätte sein können. Zu Bedenben gebe der Geist, der in der Justig und in der Verwaltung und in der Reichswehr stecke. Bayeryn sei der Hort der Reaktion, aber auch in anderen kleineren Staaten sei es manchmal nicht viel besser. Die Reichswehr sei, insbesondere ihre Spitze, keine Stütze der Republik, sondern eine Gefahr für die Republik. Am allermeisten treffe dies für ihren Führer, den Minister Geßler, zu. Wenn man von allen diesen Gesichtspunkten aus die politische Lage und zwar die innere und äußere kritisch betrachten, so mütsse das jeden Denkenden dazu führen, zusammen zu arbeiten, Arbefterschaft mit Beamten u. s f., werktätiges Volk gegen Kapitalismus. Nur so seien unter Umständen alinstigere Verhältnisse herbeizuführen.— An der sich anschließenden Disbussion beteiligten sich zahlreiche Genossen. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, ob es angebracht oder wünschenswert sei, daß in Hessen eine Verbreiterung der Koalitions regierung nach rechts einzutreten hibe. Nachdem sich der weitaus größte Teil der Diskussionsredner dagegen ausgesprochen hatten und nur vereinzelte, sich dafür ausgesprochen hatten, nahm die Versammlung eine ein⸗ sbimmige Resolution an, gerichtet an die sozkaldemokratische Fraktion des Hessischen Landtages und eine für die Partei des Inhalts, daß e der einstimmige Wunsch der Versammlung sei, daß eine Verbrei⸗ n der Koalitlon in Hessen nach rechts unter allen Umständen zu anterbleiben hat. erhessischen Volkszeitung Nr. 1 Eine erhebliche Verschüärfung der Regierungskrise hat das Ministerium des Innern herbeizuführen für notwendig gehalten. Es hat gegen ein Vorstandsmitglied des Ver⸗ bandes der Polizeibeamten das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eröffnet. Der in Disziplinar⸗ untersuchung gezogene Beamte hat iichts weiter getan, als in einer Mitgliederversammlung pflichtgemäß die Interessen des Verbandes wahrzunehmen. Wir versagen es uns, heute und an dieser Stelle auf diese gegen das Koalitionsrecht der Beamten gerichtete Herausforderung näher einzugehen. Das wird sicher an anderer Stelle geschehen. Fahrplanänderung auf der Strecke Gießen— Fulda. Amtlich wird gemeldet: Vom 1. Januar 1923 an treten auf der Strecke Gießen— Fulda folgende Fahrplanänderungen ein: Pz. 556 wird zwischen Lauterbach Nord und Burg⸗ und Nieder⸗Gemünden wie folgt geändert: Lauterbach Nord ab nachm. 5.48 Uhr, Wallen⸗ rod ab 6.00, Renzendorf ab 6.08. Alsfeld an 6.17, ab 6.24, Zell⸗ Romrod ab 6.34, Ehringshausen an 6.46, ab 6.49, Burg⸗ und Nie⸗ der⸗Gemünden an 6.55, ab 6.59 nachm. und weiter wie bisher.— 33. 559 erhält zwischen Grünberg und Fulda folgende Fahr⸗ 3 planänderungen: Grünberg an nachm. 8.12, ab 8.15, Mücke 5 an 8.24, ab 8.27, Nieder⸗Ohmen ab 8.34, Burg⸗ und Nieder⸗Ge⸗ 1 münden an 8.42, ab 8.45, Ehringshausen ab 8.54, Zell⸗Romrod ab 1 9.10, Alsfeld an 9.23, ab 9.27, Renzendorf ab 9.38, Wallenrod ab 5 9.47, Lauterbach Nord an 9.58, ab 10.07, Angers bach ab 10.14, Salzschlirf an 10.20, ab 10.23, Großenlüder ab 10.34, Oberbim⸗ bach ab 10.40, Fulda an 10.54 nachm. 5 a — Zum Wegfall der Altersrenten. Das Gesetz über Aenderung des Versicherungsgesetzes für Angestellte und der Reichsver⸗ sicherungsordnung vom 10. November 1922 hat die Altersrente beseitigt. Vom 1 Januax 1923 an werden keine neuen Alters⸗ renten mehr festgesetzt. Alle 65 Jahre alten bei der Invaliden, versicherung versicherten Personen haben, wenn sie die Wartezel erfüllt haben, Anspruch auf Invalidenrente. auch wenn sie nicht imvalid sind. Die bisher festgesetzten Altersrenten bleiben be⸗ stehen können aber in die höheren Invalidenrente umgewandel! werden. Die Umwandluma der Alters⸗ in Invalidenrente erfolgt nicht ohne weiteres durch die Landesversicherungsanstalten. Es ist vielmehr ein Antrag des Rentenempfängers erforderlich. Die Umwandlung ist auch nur dann möglich, wenn der Alters rentner während des Bezugs der Rente weiter geklebt und die Anwart⸗ schaft aufrechterhalten bat.(Mindestens 20 Beiträge in zwei Jahren.) Wo diese Voraussetzung erfüllt ist, ist den Alters rentnern zu empfehlen bei der zuständigen Landes versicherungs⸗ anstalt einen Antraa auf Umwandlung der Alters⸗ in eine In⸗ validenrente zu stellen. — Abänderung der Lohnstufen, Grundlöhne und Beiträge z den Krankenkassen. Die Allgemeine Ortskrankenkasse des Land⸗ kreises Gießen und die Landkrankenkasse des Landkreises Gießen geben im Anzeigenteil der heutigen Nummer bekannt, daß mit Wirkung vom 1. Januar 1922 die Lohnstusen, Grundlöhne und Beiträge neu festgesetzt worden sind vorbehältlich der Zustim⸗ mung der Aufsichts behörden. — Wichtige städtische Bekanntmachungen. Im Inseratenteil der heutigen Nummer werden eine Reihe wichtige Bekanntde 1 der Stadt Gießen veröffentlicht. auf die wir besondg er. 2 inweisen. 4 — Neuer Gaspreis. Infolge weiterer Verteuerung über⸗ Kohlen und Betriebsmaterialien usw. sieht sich das städtische Gaser⸗ und Wasserwerk gezwungen nom 1. Januar ab den Gaspreis aue 165.— Mark für den Kubikmeter zu erhöhen.(Siehe Inserat.) — Der Steuerabzug 1923. Im Anzeigenteil befindet sich eine Bekannmachung der Finanzämter über den Abzug von der Lohn. und Gehaltssteuer wie er durch die jüngste Einkommensteuer⸗ Novelle für 1923 stattzufinden hat. Es kann nur empfohlen wer⸗ den, die Betenntmadfta zur beachten. Kreis Friedberg⸗Bͤdingen. Bad⸗Nauheim. 1. Januar. Ein kurzes Mandat. Durch die Wahl eines Stadtverordneten zum Beigeordneten wurde am 28. Dezember Herr Heinrich Will zum Stadtverordneten bestimmt. er konnte sein Amt aber nur bis zum 31. Dezember ausüben da dann sein Mandat erloschen war. Am 1. Januar treten die neu⸗ gewählten Stadtverordneten ihr Amt an. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. — Landenhausen. Am 31. e ist der 35 Jahre alte Schneider Falk aus der Gefangenschaft in Frankreich zurückge⸗ 0 kehrt. Falk wurde im Jahre 1914 bei einem Patrouillenritt ge⸗ fangen genommen. Er trug bei der Gefangennahme eine fran⸗ zosische Damenuhr bei sich, die ihm von einem Kameraden zu Aufbewahrung übergeben worden war. Falk wurde deswegen zu 20 Jahren Zuchthaus bestraft. Weihnachten wurde er begnadigt und traf am 31. Dezember nachmittags in Lauterbach ein. Be⸗ wohner von Landenhausen, sowie Kameraden aus der Umgegend, die ebenfalls in Gefangenschaft waren, waren am Bahnhof ver⸗ sammelt, um dem Heimkehrenden einen schönen Empfang zu be⸗. reiten. Der Kreisrat und. andere. hielten An⸗ rachen. Alsdann ging es auf zwei mit Tannenre. Fate Wagen, mit je 4 Pferden bespannt, unter den Klängen 0 einer Musikkapelle, voran eine Abteilung Radfahrer. Falk ist 1 noch nicht verheiratet, doch wartete daheim eine Mutter auf. die Rückkehr ihres Sohnes, aber leider vergebens, da die Mutter in diesem Sommer starb. In dem umliegenden Ortschaften soll für Falk eine Sammlung veranstaltet werden. Marburg⸗Kirchhain. Marburg. Räuberischer Ueberfall. Ein väuberischer Ueberfall würde vorige Woche an dem Kontordiener Abt von den Tapetenfabrik verübt. Als derselbe von der Reichsbank 600 000 Mark geholt hatte wurde er in der Afföller Straße von drei Männern überfallen nach seinen Angaben vor den Leib getreten und ihm Pfeffer in die Augen geworfen. Die Tasche mit dem 1 Geld wurde ihm entrissen. Die Verfolgung der Täter wurde aufn genommen, aber ohne Erfola. Daß so etwas in Marburg am hellen Tage passieren kann ist ein Rätsel. 3 Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 7400 Mark. 8 Eingesandt. (Für Form und Inbalt der unter dieser Rubrik zum Abdruck kom⸗ menden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Zu dem Artikel„Versäumte Ernte von Feldfrüchten“ in Nr. 299 des Gießener Anzeigers erlaube ich mir als ehemaliger Verwalter des Hofgutes Obbornhofen der Ooffentlichkeit folgen⸗ des mitzuteilen: 1 An Ort und Stelle konnte ich mich davon überzeugen, daß die am 6. Dezember von der Gendarmerie in 6—7 Morgen Land fest⸗ gestellten Kartoffeln am 28. Dez. noch nicht geerntet waren. Auf einem anderen Acker liegen heute noch 500-600 Zentner ausge⸗ 8 machte Kartoffeln im freien Felde umher. Außer den 10 Morgen nicht geerntete Zuckerrüben stellte ich noch 5 Morgen ausgemachte Rüben auf freiem Felde fest. Ferner liegt heute noch eine Wiese Grummet, das selbstverständlich perfault ist. Auch ist bis heute noch kein Weizen gesät. 8 Im Interesse der Volksernährung dürfte wohl die Frage er⸗ laubt sein, ob es ratsam ist, einem Pächter mehr Land zu lassen, als er bewirtschaften kann. Otto Werner. Von Nah und Fern. Fensterputzen auf ein Glasdach, durchbrach dieses 55 hoch abgelehnt hatten. Auch Frankfurt a. M., 30. Dez. Todesstur m 8 dahnbofsgebäude stürzte das Dienstmädchen Lulfe Bfteger 10 Meter hoch in die Tiefe, wo es tot liegen blieb. Brcuksurt a. M., 1. Jan. um die Dezembergehäl⸗ ter. Den kaufmännischen Angestellten hatte der Schlichtungsaus⸗ U Dezember eine Gehaltserhöhung von 80 Proz. über den Novembersätzen zugebilligt, die aber die Arbeitgeber als zu J 1 der Demobilmachungskommissar konnte keine Klärung der Angelegenheit herbeiführen. Jetzt stand — 5 aupt⸗ beim und fiel etwa somit gescheitert. Frankfurt a. M., 1. Januar. in einer Scheune an der daß der Mann einem Raubmord die Sache vor dem Regierungspräsidenten zur Verhandlung. Der Prästdent aber sprach auf Ersuchen der Arbeitgeber die Verbind⸗ lichkeitserklärung ebenfalls nicht aus. 2 Am nächsten Dienstag nimmt werkschaftsbund der Angestellten. eines unbekannten Mannes aufgefunden. Feststellungen ergaben jetzt, wurde der 1899 in Gießen geborene Gärtner Hans Appel er⸗ mittelt und verhaftet. Appel hat mit dem Getöteten wochenlang bei Dreschmaschinen zusammengearbeitet und stets mit ihm freundschaft⸗ Die Verhandlungen sind nun der Ge⸗ zu der Lage Stellung. Raubmord. Vor einigen Tagen Eckenheimer Landstraße die Leiche zum Opfer gefallen ist. Als Täter zugestanden. lich verkehrt. In der Nacht zum 17. Dezember hal Appel dann Kollegen, während dieser auf seinem Strohlgger in der Scheune schli mit einer Axt durch mehrere Schläge auf den Kopf getötet hat er sein Opfer ausgeraubt, die Sachen 5 5 f furt verkauft und in Dornholzhausen eine Stellung angenommen. Di chlagenen wurde erst durch Zufall augesunden kränklicher Mensch, war früher Fürsorgezögling. Er macht den druck eines 14jährigen Jungen und für 2000 Mark in Fra e Sthördliche Oekanntmachungen Bekanntmachung. Das Kreisamt Gießen hat auf Einspruch des . b 8 zum Reichs mietengesetz wie folgt 1.7.—30. 9. 1922 ab 1. 10. 1922 erung der Zinsen 14% 21 0/0 I. Stei 2 ebskosten 80% 124 0/0 3. Kosten für laufende In⸗ standsetzungsarbeiten. 270 00 830% 4. Schaffung von Mitteln für große Instand⸗ setzungsarbeiten.. 180 0/0 550 0% c. 54⁴ 70 1528 570 5 In obigen Sätzen sind gemäß§ 3 der Anordnungen * zur Ausführung des Reichsmietengesetzes vom 16. No⸗ . i vember 1922 untern anderm Schornsteinfegerge⸗ diubren und Wassergeld nicht enthalten.— Die „ Schornsteinsegergebühren werden entsprechend der Höhe ö der Mieter der 75 790 Wohnungen, das Wassergeld . wird nach der Kopfzahl und der Zahl der Wohnräume auf die Hausparteien umgelegt. a Gießen, den 29 Dezember 1922. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. N Bekanntmachung. Betr.: Hauskonten. 5„ Für Häuser mit mehr als 2 Mittwohnungen sind, sofern auch nur für eine Wohnung die„gesetzliche Miete gilt, Haus konten bei der Stadkkasse einzurichten. Die Eigentümer dieser Häuser werden aufgefordert, bis zum 15. Jauuar 1923 schriftlichen Antrag gif Errichtung der Haustouten bei der Stadt⸗ 6kasse unter Angabe des Zeitpunktes des Beginns der gesetzlichen Miete einzureschen und gleichz itig die vom Zeitpunkt des Jukrafttretens der gesetzlichen Miete gezahlten Zuschläge für große Instandsetzungsarbeiten bei der Stadtkasse auf das Hauskonto einzuzahlen. b Gießen, den 29. Dezembe! 1822. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Bekanntmachung. 8 Das seither gelegentlich der Strom⸗, Gas⸗ und Wassergelderhebung geübte Verfahren der Uebe weisung — der fälligen Beträge durch die Banken wird mit Rück⸗ sicht auf die entstehenden hohen Unkosten vom 1. Jan. 923 ab aufgehoben. Es bleibt den Verbrauchern erlassen, die genannten Gelder in bar oder durch 8 zshändigung eines Schecks an den Gelderheber zu eutrichten. Gießen, den 29. Dezember 1922. 5 Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Bekanntmachung. 5 Betr.: Einkommenstener vom Arbeitslohn. Die Sätze, um die sich der vom Arbeitslohn (Bar- und Natural-⸗ oder Sachbezüge) einzu⸗ behaltende Betrag von 10 v. H. des Arbeits- lohns ermäßigt, betragen vom 1. Januar 1928 ab bei jeder nach dem 31. Dezember 1922 er⸗ folgenden Zahlung von nach dem 31. Dezem⸗ ber 1922 fällig gewordenem Arbeitslohn. 1. für den Arbeitnehmer selbst monatlich 200 Mark(bisher 40 Mark), 2. für die zur Haushaltung des Arbeit⸗ nehmers zählende Ehefrau monatlich 200 Mark(bisher 40 Mark), 3. für jedes zur Haushaltung des Arbeit⸗ nehmers zählende minderjährige Kind ohne eigenes Arbeitseinkommen bezw. nicht über 17 Jahre alte Kind mit eigenem Arbeitseinkommen oder für jeden vom Finanzamt zur Berücksich⸗ igung zugelassenen mittellosen Ange⸗ örigen monatlich 1000 Mark(bisher 80 Mark), 4. zur Abgeltung der nach§ 13 zulässigen ö Abzüge(Werbungskosten⸗Pauschsatz) monatlich 1000 Mark(bisher 90 Mark). Diese Ermäßigungen in Höhe von 200 und 1000 Mark monatlich sind bei jeder nach dem 31. Dezember 1922 erfolgenden Zahlung von nach diesem Zeitpunkt fällig gewordenem Ar⸗ beitslohn zu berücksichtigen. Der nach Vornahme der Ermäßigungen einzubehaltende Betrag ist in allen Fällen auf volle Mark nach unten abzurunden. Der Arbeitgeber bleibt nach wie vor an Ai auf dem Steuerbuche für die Berücksich⸗ tigung vermerkte Zahl von Familienange⸗ 0 hörigen gebunden, er kann z. B. nicht, wenn auf dem Steuerbuch die Ermäßigung für ein minderjähriges Kind vorgetragen ist, für ein inzwischen hinzugekommenes weiteres Kind, für das eine Ermäßigung auf dem Steuer- Huch noch nicht vorgetragen ist, eine weitere Ermäßigung berücksichtigen. Beispiele: 1. Unverheirateter Arbeitnehmer mit 60 000 * Gießener Mieter⸗ und des Hausbesitzer⸗Bereins die 2. Verheirateter Arbeitnehmer ohne Kinder, dem vom Finanzamt eine Erhöhung des Werbungskostenpauschsatzes von 1080 Mk. auf 6000 Mark jährlich zugelassen wor⸗ den ist, mit einem Monatsarbeitslohn von 70000 Mark. Ab 1. Januar 1923 monatlich einzubehalten: 7000 Mark— (200 + 200 + 1000=) 1400 Mark S 5600 Mark. Verheirateter Arbeitnehmer mit zwei minderjährigen Kindern. Wochenlohn 15 005 Mark. Ab 1. Januar 1923 wöchent⸗ lich einzubehalten: 1500,50 Mark— (48 + 48 + 240 L 240 + 240 Y) 816 Mark= 684,50 Mark, abgerundet auf 684 Mark. Verheirateter Arbeitnehmer mit drei minderjährigen Kindern und zwei vom Finanzamt zur Berücksichtigung zuge⸗ lassenen mittellosen Angehörigen. Tages⸗ lohn 2000 Mark. Ab 1. Januar 1923 kein Steuerabzug mehr, da die Ermäßig⸗ ungen von(8 + 8 + 5 X 40 + 40) 256 Mark den an sich einzubehaltenden Betrag von 10 v. H. des Arbeitslohns (= 200 Mark) übersteigen. Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 30. Dezember 1922. Die Finanzämter. Aeuban eines Tierseuchen⸗Iufsiluts. Unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 werden nachstehende Arbeiten durch öffentlichen Wettbewerb vergeben: 1. Glaserarbeiten: 378 OQm. Blind⸗ rahmenfenster(Scheibengrößen nach den D. J. Normen); 2. Schrein erarbeiten: zus. rund 160 Stlick ein⸗ und zweifl. Türen, Glas⸗Ab⸗ schlüsse, 4 Holztreppen; 1114 3. Anschlägerarbeiten: zus. rd. 160 Stisck Türen und Glasabschlüsse. Die Arbeiten können zusammen und in ein⸗ zelnen Losen vergeben werden. Angebotsvordrucke können vom 2. n. Mts. ab, solange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Herstellungskosten von unserem Neubaubureau, Alte Veteri⸗ näranstalt, Frankfurter Str. 85, be⸗ zogen und die Zeichnungen und Bedingungen dort während der Dienststunden eingesehen wer⸗ den. Die Angebote sind verschlossen, mit ent⸗ prechender Aufschrift versehen, postfrei bis spä⸗ testens 11. Januar en. J., vor m. 11 Uhr, bei dem Neubaubureau einzureichen, wo stie in Gegenwart der erschienenen Bewerber er⸗ öffnet werden. Zuschlagsfrist: 3 Wochen. Gießen, den 30. Dezember 1922. Hess. Hochbauomt Gießen. Berth. Bekanntmachung. Betr.: Die Einziehung der Beiträge zur Invaliden⸗ und Hinterbliebenenversicherung für Hausgewerb⸗ treibende. Auf Grund des Art. IX Abs. 2 des Gesetzes über Versicherung der Hausgewerbetreibenden vom 30. April 1922(Reichsgesetzblatt Seite 465) wird über die Erhebung der Beiträge für die Hausge⸗ werbtreibenden folgendes bestimmt: 8 1.. Die Einziehung der Beiträge zur Invaliden⸗ und Hinterbliebenenversicherung für Hausgewerb⸗ treibende(8 162 Reichsversicherungsordnung), die Ausstellung und der Umtausch ihrer Quittungs⸗ karten und die Verwendung der Beitragsmarken erfolgt durch die Krankenkasse bei der sie gegen Krankheit versichert sind.(S 466 R. V. O.) 8 2. Die Arbeitgeber(als Arbeitgeber gilt, wer die Arbeit unmittelbar an den Hausgewerbe⸗ treibenden vergibt) bezw. Auftraggeber(als Austraggeber der Hausgewerbtreibenden gilt der, in dessen Auftrag und für dessen Rechnung er hausgewerblich arbeitet) sind verpflichtet, die von ihnen beschäftigten Hausgewerbtreibenden innerhalb 3 Tagen nach Beginn des Beschäfti⸗ zungsverhältnisses zur Krankenkasse anzumelden. und innerhalb 3 Tagem nach Beendigung des Ar⸗ heitsverhältnisses dort abzumelden. Arbeitet ein- Hausgewerbtreibender für mehrere] Arbeit⸗ oder Auftraggeber, so sind diese sämtlich zur Meldung verpflichtet. Die Meldung eines Ar⸗ beit⸗ oder Auftraggebers befreit die übrigen von der Meldepflicht. Ist die Anmeldung für die Krankenkasse bewirkt, so gilt diese auch für die Invalidenversicherung. Der Hausgewerbtreibende ist derKrankenkasse und der Landesversicherungsanstalt gegenüber zur Aus⸗ kunft über Personen seiner Arbeit⸗ bezw. Auftrag⸗ geber und die Höhe des Arbeitsentgelts verpflichtet. I. 8 8. Als Jahresarbeitsverdienst(8 1245 R. V. O.) gilt das Dreihundertfache des Grundlohnes bezw. Ortslohnes(§ 480 Abs. 2 R. V. O.) nach dem Bei⸗ —* und Leistungen der Krankenkasse berechnet we 8 4. Zur Zahl ing der Beuräge ist der Arbeit⸗ law Aufkrggeber verpflichtet. Er ist berechtigt, die Hälfte des Beitrags am Entgelt für die gelieferten 123 Arbeitserzeugnisse zu kürzen. Ist ein Hausgewerbtreibender für mehrere Ar⸗ beit⸗ bezw. Auftraggeber tätig, so ist jeder Einzelne . Mark Monatsarbeitslohn. Ab 1. Jan. 5 1923 sind von dem für den Monat . Januar 1923 und für die folgenden 25. Monate gezahlten Arbeitslohn monatlich 1770 einzubehalten: 6000 Mark(d. i. 10 v. H. * von 60 000 Mark)—(200 + 1000 S) . 1200 Mark= 4800 Mark. ihnen zur Zahlung des ganzen Beitrags ver⸗ pflichtet. Hat einer von ihnen die Beiträge für einen bestimmten Zeitraum bezahlt, so sind damit die übrigen von ihrer Zahlungspflicht befreit. 5 8 5. Die Beiträge zur Invalidenvpersicherung sind in den gleichen Fristen und Formen zu entrichten wie die Beiträge zur Krankenkasse. 8 6. Die Arbeit⸗ bezw. Auftraggeber haften für Zahlung der Beitrüge der Hausgewerbtreibenden als Selbstschuldner. 4 14„ Vorstehende Bestimmungen finden keine An⸗ wendung: a) auf Personen die das Geschäft regelmäßig für eigene Rechnung betreiben und mur gelegentlich von anderen Gewerbtreibenden für deren Rech⸗ nung beschäftigt werden; auf Personen, die in dem Betriebe des Haus⸗ gewerbes nur gelegentlich, oder zwar in regel⸗ mäßiger Wiederkehr, aber nur nebenher und in so geringem Umfange tätig sind, daß der hie raus erzielte Verdienst zum Lebensunterhalt nichi ausreicht und zu den Versicherungsbeiträgen nicht in entsprechendem Verhältnis steht. auf Personen, die in einem anderen, die Ver⸗ sicherungspflicht begründenden regelmäßigen Ar⸗ beits⸗ oder Dienstverhältnis zu bestimmten Ar⸗ beitgebern stehen und, ohne dieses Verhältnis zu unterbrechen, das Hausgewerbe nur nebenher, sei 915 regelmäßig, sei es nur gelegentlich, be⸗ treiben. 8. Für die von den Si dete del Beschäf⸗ tigten gelten die allgemein gesetzlichen Vorschriften. Darmstadt, den 20. November 1922. Der Vorstand der Landes versicherungsanstalt „eien.“ gez. Emmerling 0) 409 Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 27. Dezember 1922. Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Frey. Gaspreis. Infolge weiterer Verteuerung der Kohlen und Be⸗ triebsmaterialien, Erhöhung der Frachten, Fuhrlöhne usw. wird vom 1. Januar k. J ab der Gaspreis auf 165.— Mk. für den Kubikmeter erhöht. Gießen, den 29. Dezember 1922. Städtisches Gas⸗ und Wasserwerk Gießen Städt. Arbeitsamt Gießen Liebigstraße 16 Telepdon 206 Kostenlose Arbeitsvermittlung und Berufsberatung für beiderlei Geschlecht, u. a auch für Kriegerwalsen und Kriegs beschädigten kinder. Es können eingestellt werben a bei blesltgen Arbeiteeler s Lehrlinge: 1 Friseur, 1 Bäcker, 3. 1 Einrahmer, 2 Schmiede, 2 Gärtner, 1 5 1 Maler und Weißbinder, 1 Glaser, 1 er, e Buchbiuder. 1 1 b) bei aubwärtigen Arbeitgebern 5 landwirtschaftliche Knechte, 1 verheirateter Knecht und Hauer mit älteren Kindern, 1 Schneider, 1 und Installateur, 3 Dreher, 2 Elektromonteure. Es suchen Arbeit: 181725 Schriftsetzer, Buchdrucker 2 Schreiner, Kaufleute, Schreiber und Reisende, Packer, Hausburschen Ausläufer, Maschinenschlosser, Bauschlosser, Sch macher, 1 Krankenpfleger, 1 Sattler, 1 landw. Verwalter, Bäcker und Metzger, 2 Kellner, 1 Kraftfahrer, 1 5 binder, Mechaniker, 1 Heizer, 1 Wagner, 1 Koch mehrere Anstreicher, 3 Weißbinder, 1 Konditor, 1 Ma 7 1 U ingenieur, 1 Müller. An Lehrlinge: 1 Kaufmann, 2 Autoschlosser, 2 Schlosser, 1 Spengler, 1 Mechaniker, 3 Elektro mon⸗ teure, ein Schuhmacher mit Koft und Wohnung, 1 Schreiner desgl., 1 Schneider aN n Gelegenheitsarbeiten werden ebenfalls enigegen⸗ genommen. l 1 Weibliche Abteilung: Es können eingestellt en:. a) bei hiesigen Arbeitgebern: Mädchen für tagsüber, Dienstmädchen, Lauffrauen und mädchen für einzelne Tage, tüchtige Allein⸗ mädchen, 2 einfache Stützen, 1 Köchin, 3 Waschfrauen, 1 Verkäuferin, 1 Zimmermädchen. g b) bei auswärtigen Arbeitsebernz 3 landwirtschaftliche Dienstmädchen, Dienstmädchen. Hausmädchen, Zimmermädchen, Alleinmädchen, eine Köchin, 1 Stütze, 1 Gutshaus hälterin. Es suchen Arbeit: 2 Büglerinnen, Kontoristinnen, 2 Flickerinnen 3 Verkäuferinnen, 1 Haushälterin, einige Sa Nut. auch für Nachmittagsbeschäftigung, Mädchen für tag über, 4 Fabrikarbeiterinnen, 1 Waschfran. 1 Die Berufsberatung und Arbeits⸗ Vermittlung für Musiker findet Dienstag, Donnerstag und 8 von 1912 Uhr statt.— Partei-Literatur empfiehlt 5 des Landlreises Gießen. 5 2 Tel. 1549 Kostenlose Abschätzung Gold-Zentrale Nol N old. Zentrale Noll diess Mäusburg 15 Biete dem Publikum von Giessen und Umgegend die beste Gelegenheit ribanten, Pau, bald, 8 Zahngebisse, Double Uhren, Ketten, ftinge, Bestecke, Brennstifte, Münzen sowie andere Wertgegenstände preiswert zu verkaufen. Durch unsere Bezlehungen sind wir in der Lage, alle marktschrelende Angebote zu überbieten und einen wirklichen reellen Tagespreis zu zahlen. Achten Sie auf unsere Firma Tel. 15% 50 1— 0 1 7 1 5 Stebing Buchhandlg. Oberhess. VoIKZtg. Bekanntmachung.—— Vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsich sbehörden sind ab 1. Januar i 1923 die Lohnstusen, Grundlöhne und Beiträge wie folgt festgesetzt: 0 Nun 2 Stufe Lohngrenze Grundgehalt Wochenbeitra I. bis 100 Mk. 50 Mk. 24 Mk. N . 168 100 48 siusch. III. 360„ 300„ 144„ 2 1 2 IV. ee 600„ 288„ Schöne Drei⸗Zimmerw oh V. 5 1080 900„. nene WN i eee, eee 600„ a da ice e A e eee eee 768„ Schrift. Angehote une Vit über 1760„ 1800„ 864„ Nr. 1113 an die Geschäfts Gießen, den 29. Dezember 1922. 111 1 Oberz. Vollssie Allgeme ne Ortskrankeufasse Landkrankenkasse ö Mausburg 5- Gisssen- Mäusburg 15 1 —— 1 * 1 1 1 * 1 . de Laudesmnsschcß zur Btitrage⸗Erpöhung ö . * und Regierungakrise. die Redakttonen der Parteisekre⸗ Ge⸗ der 1— n r . 1 n Parteipresse un e —— 0 W 1. Dezember 1922 im Offenbacher n 8 i n 11 N 8 1 für 110 1 0 agen Stellung zu nehmen: zur finan⸗ * den 12 n und zur hessischen Regierungskrise. Zum ersten Punkt der Tagesordnung gab Landessekretär in e der Partef, die Vaandesvorstand Widmann see Über die finanzielle La durch die Geldentwertung und die Gemeinde-, Kreis⸗ und Pro⸗ vinzialtagswahlen eine sehr prekäre geworden ist. Das Er⸗ ebnts der Sammlungen für die Wahlen war bis jetzt ein sehr Di sind bereits über 500 000 Mark eingegangen. Leider sind noch 110 Ortsvereine mit den Sammellisten vollständig im N 8 die Sammellisten un⸗ meisten hessischen für die Stimmzettel eine einen Kreis hak sich kein Kreis und keine Provinz veranlaßt gesehen, die gefaßten Be⸗ schlüsse auch zur Es zeige sich hier das⸗ jelbe bureaukratische Erfordernissen der gegenwärtigen Zeit gegenüber, konstatieren sei. Da sich wür⸗ den. liefen sehr A ein. ferenz, die d Erhöhung der Beiträge auf eine gesunde Grundlage Diese hätten schon im laufenden Quartal viel höher festgesetzt werden müssen, 1 e Be⸗ girksvorstand getroffenen Hilfsmaßnahmen von 25 entsprechend befolgt Krisis eingehend mit der Beitragsfrage finanzielle sich recht we wurden gegen die Höhe dieser Beitrags⸗ ütze schwere Bedenken, besonders von den Delegierten aus länd⸗ er isen dem Ausdruck gebracht und mit Rücksicht auf einen cher eintretenden Mitgliederverlust ein entsprechend niedriger Beitrag sestgesetzt werden miisse. nd 30 Mk. rden. In der Diskusston Anträge lagen vor auf 25 Mk. Wochenbeitrag für männliche und 10 Mk. für weib⸗ m liche Mitglieder. Den vorgebrachten Bedenken mußte entgegen- gehalten werden, daß, wenn die sozlaldemokratische Partei alktionsfähig bleiben wolle, ihr die erforderlichen Mittel gegeben werden müssen, um ihre Lebensfähigkeit zu erhalten. Eine wesentliche Vereinfachung des Verwaltungsapparates würde für die Schlagkraft der Partei sehr nachteilig 5 Deshalb sollen, einem auf dem Landes⸗Parteitag in Vilbel angenommenen An⸗ trag Osthofen entsprechend die Beiträge so hoch festgesetzt werden, daß die Sekretarfate erhalten werden können. Von diesen Er⸗ ägungen ausgehend, wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, n wöchentlichen Betrag ab 1. Jamiar 1923 auf 40 Mart für männliche und 15 Mark füt weibliche Mitglieder e Wirtschaftlich schlecht gestellte Mitglieder haben, wie seit⸗ r die Mglichkeit, ein ihrem Einkommen entsprechend geringen Bei⸗ zu zahlen. Die von dem Landes vorstand in der Presse für die ichen Mitgliedschaften mit geringerem Einkommen veröffentlich⸗ r 80 wurden gutgeheißen. den 2. Punkt der Tagesordnung: i„die hessische Megierungskrise- te Genosse Staatspräsident Ulrich. Seine Ausführungen Landtagsabgeordnete ergänzt. Die Konserenz n die von Herrn Finanzminister Henrich fülr seinen Austritt aus der Regierung vorgebrachten Gründe nicht anerkennen und weist seine. gegen die sozialdemokratische Partei gerichteten Anschuldigungen mit aller Entschiedenheit als jeder sachlichen Grundlage entbehrend ent⸗ schieden zurück. Die dem Landtag vorliegenden Drucksachen beweisen, 25 die von Herrn Finanzministr Henrich kritisserte Stellung von Anträgen aus agitatorischen Rücksichten auf die anderen Koalitions⸗ parteien, vor allem auch auf die demokratische Partei zutrifft. Auch die Haltung ihrer Abgeordneten un besonderen in landwirtschaftlichen CCC C0CC0000T0T0TCC0T0TTTTTTT 5 I e— wußtsein hoher Verantwortung getragenen Beschluß, dem Genossen Staats fraktion in der Lösung der Negierungskrise freie Hand zu lassen. 11I. Regierunskrise und Sozialdemokratie. Henrich durch die Führer der Koalitionsfraktionen hätte die Fragen waren sehr häufig nur von agftatorsschen Rllcksichten diktlert. ü Die sozialdemokratlsche Landtagsfraktion hat sich in ihren Entschei⸗ dungen seither lediglich Lande gegenüber leiten lassen und wird das auch in der Zukunft tun. Ein Urteil anderer Personen und Parteien über ihre Haltung ist für sie unmaßgeblich. Auch die Abgeordneten im Finanzausschuß anders abgestimmt hätten, als im Plenum, trifft nicht zu. Presse und in seinem an dargelegten Gründe für seine werden deshalb als nicht zu von dem Gefithl ihrer Verantwortung dem daß die sozlaldemokratischen Behauptung, Die vom Finanzminister Henrich in der den Staatspräsidenten gerschteten Schreiben Austritt aus der hessischen Reglerung effend zurückgewiesen. Das Resultat der sehr eingehenden und sachlichen, von dem Be⸗ Dislussion gipfelte in dem räsidenten Ulrich und der Landtags⸗ Die Regierungskrise in Hessen. Mit der Vertrauenserklärung für Finanzminister Ministerkrise erledigt sein können. Wir haben in den zwei vorausgegangenen Artikeln die Motive aufzuzeichnen ver⸗ sucht warum sich die Teilkrise zu einer völligen Regierungs- krise entwickelt hat.„Man merkt die Absicht und wird ver— stimmt.“ Ob die beiden anderen Koalitionsparteien auch diese Lebensweisheit in Rechnung gesetzt haben? Wir glauben nicht. Denn vor allem und immer wieder müssen wir betonen, daß die allgemeine deut sche Sorge am Rhein dem Lande Hessen in diesen Tagen eine Re- gierungskrise bei allen Verantwortungsbewußten hätte vom Halse halten müssen. Indessen: tu l'as voulu George Dandin! Du hast es gewollt, Zentrum! (eee eee NN eee Ansere werten Inserenten machen wir darauf aufmerksam, daß die jeweiligen An⸗ zeigenpreise regelmäßig am Kopfe der Oberhessischen Volkszeitung angezeigt sind/ Besondere Benachrichtigung bei Preisänderung erfolgt nicht bethessischen V ne n 38 8 50 l Recht schon darauf hingewiesen worden, im Landtag Selbst Zentrum und Sozialdemokraten verfügen noch über eine Mehrheit. Mögen die Demokraten nicht in der Regierung bleiben, so müßten sie doch diese Regierung unterstützen, wenn anders sie nicht die Politik der Rechten machen wollten. Und nach Vorgängen im Reich hätten sie gewiß bald wieder den Eintritt in die Koalition finden können. Statt dessen versuchen sie nun gemeinsam mit dem Zentrum die Sozialdemokratie zur großen Koalition zu zwingen. Wie soll sich in solcher Situation unsere Land⸗ tagsfraktion stellen? Die Frage der großen Koalition bedeutet eine Re⸗ gierungsgemeinschaft mit der Deutschen Volks partei. Daß das in Hessen für die Sozialdemokratie keine einfache Sache ist, liegt in der älteren und jüngeren Vergangenheit der Deutschen Volkspartei begründet; so sehr, daß sich der scharfste zugespitzte Gegensatz sogar in Per- sonen repräsentieren konnte. Aber Gefüblsmäßiges ist in der Politik ein schlechter Berater. Genau so wie im Wirt⸗ schaftsleben. Hier sitzen schon lange die Vertreter jener politischen Gruppe als Arbeitgeber mit den Vertretern der Arbeitnehmerschaft am Verhandlungstisch. Warum? Weil es anders nicht geht und weil es so am besten für beide Teile B N 5—— Es ist hier mit daß die Mehrheitsverhältnisse eine Aenderung der Koalition nicht nötig machen. teilte um so unfreundlicher über sie, je ärgerlicher man darüber war, daß so lange nichts Offizielles und Sicheres über ihre Geschichte ins Publikum komme. Ihre Neider— und welche ausgezeichnete Sängerin, wenn sie dazu schön und 18 Jahr alt ist, hat deren nicht genug?— ihre Neider gönnten ihr alles und machten hämische Bemerkungen; die Gemäßigten sagten: So ist es mit solchem Volke; einer Deutschen ware dies auch nicht passiert. Ihre Freunde be⸗ klagten sie und fürchteten für ihren Ruf beinahe noch mehr als für ihre Gesundheit. Das arme Mädchen! dachte Lange, und beschloß, um so eifriger ihr zu dienen. Vom Kapellmeister wußte man wenig, weder Schlechtes noch Gutes. Er war vor etwa Dreivierteljahren nach B. gekommen, hatte sich im Hotel de Portugal ein Dachstübchen gemietet und lebte sehr eingezogen und mäßig. Er schien sich von Gesangstunden und mufikalischen Kompositionen zu nähren. Alle wollten übrigens etwas Ueberspanntes, Hoch⸗ fahrendes an ihm bemerkt haben; die, welche ihn näher kennen gelernt hatten, fanden ihn sehr interessant, und schon mancher Musikfreund soll sich ein Kuvert an der Abend- tafel im Hotel de Portugal bestellt haben, nur um seine herrliche Unterhaltung über die Musik zu genießen. Aber auch diese kamen darin überein, daß es mit Boloni nicht ganz richtig sei, denn er vernachlässige, verachte sogar den weiblichen Gesang, während' er mit Entzücken von Männer- stimmen, besonders von Männerchören spreche. Er hatte übrigens keine näheren Bekannten, keinen Freund; von seinem Verhältnis zur Sängerin Bianetti schien niemand etwas zu wissen. 5 Den Kommerzienrat Bolnau sand er noch immer un⸗ wohl und im Bette; er schien sehr niedergeschlagen und sprach mit unsicherer, heiserer Stimme allerlei Unsinn über Dinge, die sonst gänzlich außer seinem Gesichtskreise lagen. Er hatte eine Sammlung berühmter Rechtsfälle um sich her, in welcher er eifrig studierte; die Frau Kommerzienrätin behauptete, er habe die ganze Nacht darin gelesen und hier und da schrecklich gewinselt und gejammert. Seine Lektüre 185 besonders die unschuldig Hingerichteten, und er 5 e gegen den Medizinalrat, es liege eigentlich für den Menschenfreund ein großer Trost in der Langsamkeit der deutschen Justiz; denn es lasse sich erwarten, daß, wenn ein leichter an den Tage komme, als wenn man heute gefangen und morgen gehangen werde. g Die Sängerin Bianetti, für welche der Doktor endlich ein Stündchen erübrigt hatte, war düster und niederge⸗ schlagen, als sei keine Hoffnung mehr für sie auf Erden. Ihr Auge war trübe, sie mußte viel geweint haben, die Wunde war über alle Erwartung gut; aber mit ihrem zu⸗ nehmenden körperlichen Wohlbefinden schien die Ruhe und Gesundheit ihrer Seele zu schwinden.„Ich habe lange darüber nachgedacht,“ sagte sie,„und fand, daß Sie, lieber Doktor, doch auf höchst sonderbare Wetse in mein Schicksal verwebt werden. Ich kannte Sie vorher nicht; ich gestehe, ich wußte kaum, daß ein Medizinalrat Lange in B. existiere. Und jetzt, da ich mit einem Schlage so unglücklich geworden bin, sendet mir Gott einen so teilnehmen, väterlichen Freund zu.“ 0 „Mademoiselle Bianetti,“ erwiderte Lange,„der Arzt hat an manchem Bett mehr zu tun als nur den Puls an der Linken zu fühlen, Wunden zu verbinden und Mixturen zu verschreiben. Glauben Sie mir, wenn man so allein bei einem Kranken sitzt, wenn man den inneren Puls der Seele unruhig pochen hört, wenn man Wunden verbinden möchte, die niemand sieht, da wird auf wunderbare Weise der Arzt zum Freunde, und der geheimnisvolle Zusammenhang zwischen Körper und Seele scheint auch in diesem Verhält- nisse gufallend zu wirken.“„ „So ist es,“ sprach Giuseppa, indem sie zutraulich seine Hand faßte;„so ist es, und auch meine Seele hat einen Arzt gefunden. Sie werden vielleicht viel für mich tun müssen. Es möchte sein, daß Sie sogar vor den Gerichten in meinem Namen handeln müssen. Wenn Sie einem armen Mädchen, das sonst gar keine Stütze hat, dieses große Opfer bringen wollen, so will ich mich Ihnen entdecken.“ „Ich will es tun,“ sprach der freundliche ihre Hand drückte. „Aber bedenken Sie es wohl, die Welt hat meinen Ruf angegriffen, sie klagt mich an, sie richtet, sie verdammt mich. Wenn nun die Menschen auch auf Sie höhnisch deuten, daß Sie der verrufenen Sängerin, der schlechten Italfenerin, ich! meiner sich angenommenen haben, werden Sie etws er; tragen können?“ „Ich will es!“ rief der Doktor mit Ernst und Heftigkeit. Alte, indem er ist. Ganz gewiß würde dus politisch eine slarke Be⸗ lastung für uns bedeuten. Aber, wenn es anders nicht mehr geht? Dann heraus aus der Regierung!— sagen Schnell- urteilsfertige. Und bedenken nicht, was dabei die Partei an derzeitiger Machtposition aufgeben würde. Bedenken auch nicht, daß ein Austritt der Sozialdemokratie aus der Regierung Hessens eine Verschärfung und Zuspitzung der Gegensätze im Lande herbeiführen würde, die sich zwangs⸗ läufig in gefährlichen Erxplosionen entladen könnten, was nimmermehr für Volk und Staat von Nutzen sein würde. Eine Partei, wie die unserige, die die Pflicht zur Mitarbeit am Auf- und Ausbau des Vollsstaates als obersten Grund- satz vertritt, kann dieser Pflicht nicht entsagen, solange die letzte Möglichkeit zur Mitarbeit vorhanden ist. Einen Staat, der unser, das heißt des Volkes Staat sein und wer⸗ den soll, dürfen wir nicht aufgeben, solange uns das Volk in solcher Stärle das Vertrauen gewährt. solange uns nicht Zumutungen gestellt werden, die sich mit unserer Ehre und den Interessen des werktätigen Volkes nicht in Einklang bringen lassen, Nur dann wenn uns der Einfluß auf die Führung der Staatsgeschäfte verwehrt ist, auf den die Ar⸗ beiterschaft, Kopf⸗ und Handarbeiter, kraft ihrer tragenden Stellung in der Staatswirtschaft begründeten Anspruch haben, dürfen wir Sozialdemokraten uns in Gegensatz zum heutigen Volksstaat stellen. Dazu tritt die Erwägung, daß es sich in den Länderregierungen vornehmlich um Ange- legenheiten der Verwaltung handelt und so die ganz großen Gesichtspunkte, wie sie in der Reichspolitik ausschlaggebend sind, zurückzutreten haben. Also der Auszug aus der Re- gierung wäre die schlechteste Antwort auf die Frage einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Volkspartei in der Re⸗ gierung. Ziehen wir doch die Lehren aus der zurückliegen 0 Zeit des neuen Volksstaates. Was ist denn bisher stets Folge davon gewesen, daß wir uns dem Gedanken ei andersgearteten Regierungskoalition gegenüber so sehr sperrt haben? Wir waren und blieben meht oder weniger die Gebundenen der beiden anderen Koalitionsparteien; ein- mal der einen, dann wieder der anderen dieser Gruppe. Warum ging letzten Endes das Mimsterium des Innern an das Zentrum über? Weil wir uns selbst die Möglichkeiter⸗ der Regierungsbildung durch Parteibeschlüsse verbaut hatten. Man brauchte einen solchen Beschluß an sich niche für einen Fehler in damaliger Zeit zu halten; aber seine Bekanntgabe war ein solcher zweifellos. Dadurch erst kam das Zentrum(mit stiller Teilhaberschaft der Demokraten) dazu, uns seine Forderung zu präsentieren. Und genau ⸗ so wird es diesmal wieder kommen, wenn wir uns selbst die Möglichkeiten beschränken. 5 Als solche Möglichkeiten ergeben sich: 1. Abhaltung der⸗ Deutschen Volkspartei von der Regierung durch die Wieder 8. kehr der alten Koalition; 2. Ausschaltung der Demokrate⸗ 3 aus der Regierungskoalition; 3. Ausscholtung des Zentruer aus der Regierungskoalition durch Verbindung mit Dems 1 kraten und Deutsche Volks vartei. 1 Im allgemeinen sollte unsere Erweiterung der Regierung, also Vermehrung der Minister⸗ zahl, den anderen Fralkionen die Verantwortung über⸗ lassen und bei der jetzigen Zahl 4 stehen bleiben, wobei aller dings durch eine nicht allzuschwierige Umorganisation eine völlige Selbständigmachung des Bildungsminftntums⸗ ins Auge zu fassen wäre. Weiter sollten wir gegebenenfalls im Austausch gegen ein anderes Ministeriiu de Rückgabe des Innenministeriums fordern als Sicher, Schun, den Schutz der Republik für eine dem Frieden Bonar Ans dis, Lösung der Frage der Schutzvolizei 3 führung der Selbstverwaltungsreforn der französische der Fideikommisse und Standes vorrat Konferenz zu. Kernpunkte des Programms der künden Frankreichs den, mag sie nun alte Koalition ilungen überein. volksparteilich heißen. Unsere Stellu f Fraktionsstärker im Landtag ist eine Vorschtane— liche Regierung hätte mit Einschluf 0 0 Mandate; ohne diese aber nur 37. richten haben die der Demokraten mit einer Rechtsko emen günstigen anderes als die vollstandige Auflösunng. daran, da Deutsche Volkspartei und Sozialdemokisein„undisku · mord aber halten wir vorerst die Dei geneigt. Eine Koalition aus Sozialdemft. und Deutschvolksparte lern würde über 0 fügen; damit wäre einmal den iT trums ein wirkfamer Dämpfer aufgesetzt. icht ausgeführt Dinge auch betrachten mag, die Partei men Schriftstück tagsfraktion für die Verhandlungen Tbnee damit das Ausmaß von Vertrauen gewähsen ließ.. darf, wenn sie die Sachlage meistern und- c Staat nützen soll. f 1 Landtagsfraktion füt jede . N — Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverksündigungsblatt des Kreises Giefen Nr. 128 vom 29. Dezember 1922 enthält: Ausitbung des Husbeschlags.— Fest⸗ setzung des Wertes der Sachbezüge.— Aufnahme don Blinden in die Vlindenanstalt Friedberg.— Vergütung der Bürgermelster und die Besoldung der Beamten in den Landgemeinden.— Pösse ehe⸗ mals polnischer Staatsangehöriger.— Einsendung der Hand⸗ und Tagebuchane züge.— Herausgabe einer Heimatzeitschrist.— Statl⸗ stik der Streiks und Aussperrungen.— Verbot der Abgabe von Feuerwerkskörpern.— Deckung der Geländeerwerbskesten für den Bahnbau Grünberg Londorf.— Scheidekatarrh in Rodheim.— Beschränkung des Kleinßandelsverkaufs.— Dienst nachrichten.— Schweinerotlauf in Gießen.— Feldbereinigung Holzheim. Ober. Bessingen, Steinheim und Lumda. a Die Aufnahme von Blinden in die Vlindeanstalt Friedderg. Das Pflegegeld für die Zöglinge der Vlindenanstalt zu Friedberg ist erhöht worden: af für Zöglinge die die hessische Staatsaugs⸗ hörigkeit besitzen und für die die Kosten von den Anged von einem hessischen Armenverband getragen werden, vom 1922 ab von 15000 Mark auf 30 000 Mark jährlich; dy sü Zöglinge vom 1. Dezember 1922 ab von 18 000 Mark ay Mk. ährisch. a— Scheidekatarrh in Kodherm. Nachdem der Scheidekar loschen ist, werden die Sperrmaßregeln biermst au fgebobend Dienstnachrichten des Kreisamtes. In der Gemeinde Kl heim(Kreis Friedberg) ist de Maul- und Klanenfenche exloh Schweinerotlauf in Gießen. Die unterm 2. August TS. Weg Nr. 16 verbängte Sperre w über das Gehöft Leihgsterner ird Prozeß zehn und mehrere Jahre daute, die Unschuld doch „Erzählen Sie!“(Forlsetzung folgt.) hiermit aufgehoben. Haus ersten Ranges Telephon 104— Bahnhofstrasse 32 Carl Frensdorf, Uiesfen PPP 1 5 4 Nr. 1 Neustadt Bahnhof- strasse 2 Billige Preise! 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