9 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. zeitung kpeniton: Gießen Bahnhofstraße 23 Jernsprecher 2008 Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gi Abonnementspreis mit den Beilagen Das Blat der aan nd aftliche Veilags N monallich 5300.— W einschl. Bringerlobn. e Post bezog. 3300.— Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120— Mk I 0 i 0 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druckt: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. 1 An 1 beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren aum sokal 60.—. 200.— Mk. Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen Mk., auswärts 80.— Mk., die Reklamemillimeterzeile der Rabatt gewährt— Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 0 Nr. 122 g ö 0 10 1 Gießen, Freitag, den 1. Juni 1923 18. Jahrgang U 18 g 18 s Rettung durch Zwang. A Handeln nicht Verhandeln. N. Als die freien Gewerkschaften im Jahre 1920 nach dem Scheitern des Kapp⸗-Putsches an die damalige Regierung hestimmte politische Forderungen stellten und auch bei an⸗ en Gelegenheiten ähnlich vorgingen, wurden sie von der 0 dechtspresse fortgesetzt als„Nebenregierung“ beschimpft. In „ebg Wirklichkeit war der Sinn aller Aktionen der freigewerk⸗ chaftlich organisierten Arbeiterschaft nicht Selbstzweck, son⸗ dern der, neues Unheil zu vermeiden, den Bestand der 0 epublik zu sichern, der Allgemeinheit zu dienen. Noch nie, unter welcher Regierung es auch sei, haben die Gewerk. sschaften ihre. Pflicht gegenüber dem Vaterland verletzt. Stets un anden sie ihren Mann, wenn die Not des Volkes es erfor⸗ erte; noch jederzeit waren sie bereit, im Rahmen der Kraft per arbeitenden Bevölkerung Deutschlands für Opfer einzu⸗ reten. Niemals aber hat sich die deutsche Wirtschaft von leichen Grundsätzen leiten lassen. Sie weiß wohl, daß die Begenwart mit ihren innen- und außenpolitischen Gefahren (Opfer erfordert, aber anstatt diese Opfer freiwillig und Iacgern unter äußerster Kraftanstrengung zu geben, knüpfen e an jede Million Mark, die sie dem Staat in seiner größ⸗ Wen Not zur Verfügung stellen wollen, Bedingungen, deren Annahme nicht nur zu der Behauptung einer industriellen „ Nebenregierung“ berechtigte, sondern die staatliche Macht restlos den deutschen Wirtschostsgruppen ausliefern und — obendrein einen angenehmen Verdienst sichern würde. taligt Kücheute vernimmt man kein Wort von einer„Nebenregierung arett der Industrie“, keinen Ton von dem mangelnden Pflicht⸗ Ih f efühl dieser Herrschaften. Sie erhalten im Gegenteil für a0 5 Pflichtverletzung das Lob der bürgerlichen Arbeitsge- Braun ba lieinschaft und die Anerkennung der Reichsregierung. N Es ist erfreulich, daß trotz des Lobes der bürgerlichen steichstagsfraktionen und der Regierung ein Teil der bürger⸗ Presse sich zur wahren Sachlage bekennt und zugibt, die 200 Millionen Goldmark, die die Industrie dem Reich jetzt freiwillig anbietet, in keinem Verhältnis zu den direkten Gewinnen steht, die ihr durch die Geldentwertung gefallen sind. Was hier von der Industrie gesagt wird, rifft auch auf die Landwirtschaft zu, die vor dem Kriege vollkommen verschuldet war, inzwischen aber durch die fort⸗ ülgesetzte Geldentwertung in die Lage gekommen ist. ihre Hypotheken zu ganz billigem Gelde abzustoßen. Von bürger⸗ (licher Seite wird der Gewinn der Landwirtschaft durch die wverkang unter der Voraussetzung, daß sie vor dem Kriege zu 60 Prozent hypothekarisch belastet war, auf ins⸗ vortelbüt! gesamt 18 Milliarden Goldmark beziffert. Trotzdem aber tal denken auch, die Agrarier, ebensowenig wie die Industrie, Nr fen daran, von diesem Gewinn dem Reich ohne Bedingungen auch nur einen kleinen Teil zu überlassen. Aus diesem Ver⸗ L gut Al belten ergibt sich die Stellung der Reichsregierung bei der a5 05 Ausarbeitung der neuen Note. Daß gezahlt werden muß 1 1 Labund Garantien zu leisten sind, erkennt die deutsche Wirtschaft ler en. Wie und auf welche Art das zu geschehen hot, müssen — Loeichsregierung und Parlament feststellen, ohne daß sie sich ek— auch nur im geringsten auf irgend eine Bedingung einlassen, die von Seiten der Wirtschaft gestellt werden. Wo sollte es OSSele l pinführen, wenn jeder deutsche Staatsbürger, der vom Reiche 88e in Anbetracht seiner Not zu einer sinanziellen Leistung ver⸗ liche la,„ pflichtet wird, seine Bedingungen stellt? Vor lauter Be⸗ 8 0 dingungen würden wir schließlich weder aus noch ein wissen, Iober““ das Reich könnte darüber zugrunde gehen. Wenn die Nähns“ deutsche Wirlschaft nicht anders will wenn sie nicht einsieht. daß die Erhaltung der Volksgemeinschaft Opfer des Besitzes 7. At erfordert, dann muß ihr die patriotische Pflicht durch gesetz⸗ sbteru liche Zwangsꝛnaßnahmen klargemacht werden. Je schneller Ahab das geschieht, desto mehr Unheil kann verhindert werden. ha Schon tritt die belgische Regierung mit einem neuen Reparationsplan vor die Oeffentlichkeit, der, wenn auch in einer Methode undurchführbar, doch die Möglichkeit zu einer Ententemächte 17 4 wesentlichen Annäherung innerhalb der n(J bietet. Während der Gesamtertrag des ena,. mt vom Januar 1923, im Gegenwartswert umgerechnet, 37.5 40. el Milliarden Goldmark ergab, ist der belgische Plan auf einen ell. 0 Gegenwartswert von 40 Milliarden Goldmark beziffert. Die lar( belgische Regierung verzichtet aljo auf ihren bisherigen . Standpunkt, der dem französischen fast gleichkam und dar⸗ 5 Aust auf hinauslief, neue Reparationsperhandlungen nue auf l gen der Basis des Londoner Zahlungsplanes zu führen. In ge⸗ al. 6 wissem Sinne ist die französische Regierung nunmehr isoliert. Sie dürfte sich deshalb zu einem Kompromiß zwischen der 1 15. Auffassung entschließen müssen, kann, wenn die Reichs⸗ 10 englisch⸗belgischen und ihrer Au . der dann zu einem Ultimatum führen 5 die 9 regierung sich mit ihrem Angebot nicht beeilt. Gänzlich un⸗ diskutabel ist jedoch die belgische Methode zur Erzielung Augenblick im Interesse der Reichseinheit und des Volkes notwendig Mehr Entschlossenheit! Die Stellung der sozialdemokratischen Partei. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat sich am Mittwoch in einer mehrstündigen Sitzung mit der gegen⸗ wärtigen politischen Lage befaßt und die Schritte besprochen, die im sind. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit dem sogenannten„Angebot“ der Industrie an die Reichsregierung und lehnte es auf das Entschiedenste ab, die selbstverständliche Erfüllung der staats⸗ bürgerlichen Pflichten von irgendwelchen Voraussetzungen oder Be⸗ dingungen abhängig machen zu lassen. Sowohl über die Not⸗ wendigkeiten des Augenblicks, als auch über die Bewertung des An⸗ gebots der deutschen Industrie stimmen Reichstagsfraktion und Ge⸗ werlschaftsbund vollkommen überein. Schon am Donnerstag dürften unsere Gewerkschaften durch eine schriftlich formulierte Stellungnahme diese Uebereinstimmung zum Ausdruck bringen. Sie denken nicht daran, einer Kaste zuliebe den Achtstundentag antasten zu lassen oder in einem Augenblick Zugeständnisse zu machen, die auf größere Ver⸗ dienstabsichten hinauslaufen, wo das ganze Volk Opfer bringen muß, und sie sind andererseits der Meinung, daß die Methode der In⸗ dustrie, sich arm zu stellen und das staatliche Vermögen vor dem 15 50 115 Auslande zu überschätzen, einer entschiedenen Klarstellung edarf. 0 Erfreulich ist die Entschiedenheit, mit der unser Fraktionsvorstand die Bedingungen der Industrie ablehnt. Wir dürfen versichern, daß er seine Vertreter beauftragt hat, mit der gleichen Entschiedenheit die Auffassung der Partei gegenüber der Regierung zu vertreten und daß die Persönlichkeiten des Fraktionsvorstandes, die die Verhand⸗ lungen mit Herrn Cuno über den Inhalt der neuen deutschen Note führen werden, bisher nichts an Entschlossenheit fehlen ließen und weiter fehlen lassen werden. Für die Haltung der Sozialdemokrati⸗ schen Partei sind in erster Linie die innen⸗ und außenpolitischen Ver⸗ hältnisse maßgebend. Die Zustände im Ruhrgebiet wir⸗ kensichlangsam zum Chaos aus. Kein Opfer erscheint uns deshalb zu groß, um dieses Chaos zu verhindern und gleichzeitig das Ruhrgebiet von der fremden Besatzung so schnell als möglich wie⸗ der frei zu machen. Leider besteht dieser Wille, durch Opfer zur Freiheit zu gelangen, nicht in allen Schichten der Bevölke⸗ rung, und auch die Regierung versagt es sich, mit der notwendigen Eile und Tatkraft die Zeit verkürzen zu helfen, die deutsche Arbeiter im Ruhrgebiet noch unter Bajonetten verbringen sollen Eine Rück⸗ frage jagt die andere, eine Verhandlung folgt der anderen. So ge ht 55 10 05 Zeit verloren, die zu Besserem ausgenützt werden önnte. Unter diesen Umständen ist zu viel Entschlossenheit besser als zu wenig. Das gilt hauptsächlich in bezug auf die Behandlung des An⸗ gebots der Industrie und auf die Garantieleistungen der Landwirt⸗ schaft. Genau wie der industrielle Reichsverband, knüpfen auch die Agrarier an die notwendigen Opfer Bedingungen innen⸗ und außen⸗ politischer Art und betonen mit besonderem Nachdruck. daß sie nur Oyfer bringen, wenn ihre Bedingungen Anerkennung finden und er⸗ füllt werden. Die Behauptung, daß die Land wirtschaft bereit sei, ebenfalls 200 Millionen Goldmark zur Erledigung der Renarations⸗ lasten jährlich zur Verfügung zu stellen, wird bestritten. Die Land⸗ wirtschaft scheint noch nicht einmal bereit, diese Summe aufzubringen, vielmehr erwartet sie, daß ihr in Bezug auf die Verteilung der Lasten unter Industrie, Handel und Banken ein Vorzug zuteil wird, daß sie von allen den geringsten Anteil zu zahlen hat. So suchen die finanzkräftigen Kreise sich gegenseitig die Lasten aufzubür⸗ den, und es dürfte uns nicht wundern, wenn sich in den nächsten Tagen in dieser Hinsicht ein öffentlicher Streit entwickelt. Dafür haben unsere Sachwertbesitzer kein Verständnis daß die Zeit drängt und eine Note abgeschickt werden muß. die einwandfrei fiber diese Garantieleistungen der deutschen Wirtschaft Aufklörung schafft. Hier kann nur entschlossenes Vorgehen, ge setzlicher Zwar helfen. Zwar denkt Herr Cuno am Tage lieber dreimal an einen Rücktritt, den er bei jeder Gelegenheit an⸗ droht, als einmal an die notwendige Tatkraft zum Entschluß. Er handelt frei in dem Bewußtsein, daß niemand Neigung zeiat, seine Erbschaft anzutreten. Dennoch glauben wir, daß durch Entschlossen⸗ heit der Mehrheit des Parlaments— hierzu braucht man die Deutsch⸗ nationalen nicht—, ouch dem gegenwärtigen Reichskanzler klarge⸗ macht werden kann, daß ein konkretes deutsches Angebot schnell ab⸗ geschickt werden muß. Soweit wir unterrichtet sind, st die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft mit der Sozialdemokratie einer Meinung dar⸗ über, daß es möalich ist, in dem neuen Angebot einen Gegenwarts⸗ wert von 30 Milliarden Goldmark vorzuschlogen, die durch Jahres⸗ leistungen, deren Höhe noch festzusetzen ist, abbezahlt werden können. Nie war die Sozialdemokratie der Auffassung, daß die Regierung über die Höhe ihres letzten Angebots nicht hinausgehen kann wenn sie auch Verständnis dafür hat, daß es dem„ehrbaren Kaufmann“ Große Besprechungen in Berlin. nicht ganz leicht fällt. Immerhin aber steht uns über die Ehre des Kaufmanns Cuno das Wohl der Volksgemeinschaft. ir müssen endlich zu Verhandlungen kommen, die möglich sein werden, wenn sich Regierung und Parlament dazu entschließen, in dem neuen deut⸗ schen Angebot eine Annäherung an den letzten englischen Reparations⸗ plan zu suchen. Bieten wir 30 Milliarden Gegenwartswert an und werden Garantien geleistet, die der Kraft der deutschen Sachwert⸗ besitzer entsprechen, dann dürste zum mindesten die Möglichkeit zu einem Kontakt bestehen. Zur Erreichung dieses Zieles gehört aber zunächst vor allem Kraft zum Entschluß 1 den inneren Feinden der Republik, den Staatsbürgern, die lieber das Reich zu⸗ grunde gehen lassen als daß sie Opfer bringen. Reichsregierung und Auswärtiger Ausschuß. Der Berliner Lokalanzeiger berichtet: Wie verlautet, handelte es sich bei den Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses des Reichsrats, die vertraulichen Charakter trugen, um die weitere Vorberatung der deutschen Er⸗ gänzungsnote. An der Sitzung nahmen die Ministerpräsi⸗ denten der Lander teil, die sich im wesentlichen den Auf⸗ fassungen der Mehrheitsparteien angeschlossen haben. Ob⸗ wohl sämtliche bei dem Ergänzungsangebot in Betracht kommenden Fragen mit den Parteiführern bereits eingehend erörtert find, werden parlamentarische Beratungen voraus- sichtlich erneut nötig werden, denn mehrere Parteien haben den Wunsch, die Frage der Garantien und der deutschen Leistungsfähigkeit noch einmal durchzusprechen. Man denkt sogar an einen besonderen parlamentarischen Ausschuß zur Prüfung der deutschen Ergänzungsvorschläge, um so dem deutschen Schritt Rückhalt und gemeinsames Vorgehen von Regierung und Parlament zu geben. Wie weiter mitgeteilt wird, hat der Reichsverkehrsminister dem Hauptbeamtenrat der deutschen Industrie Stellung zu nehmen und seine An⸗ sicht schriftlich niederzulegen. damit Minister Gröner die Stellungnahme der Spitzenvertretung der deutschen Reichs⸗ bahnbeamten dem Kabinett übermitteln kann. Die Stellung der Eisenbahnbeamten. Der Hauptvorsland der Gewerkschaft deutscher Reichsbahn⸗ beamten erklärt zu den Plänen über die Verwaltung unserer Eisen⸗ bahnen in einer Entschließung mit Nachdruck, daß unter allen Um⸗ ständen die Reichsbahnen im Besitz und Betrieb des Reiches bleiben müssen. Die deutsche Eisenbahnbeamtenschaft, die an ihrem auf Her öffentlichrechtlichen Grundlage beruhenden Berufsbeamtentum un⸗ erschütterlich festhält, würde es nicht ertragen, irgendwie geartete Gewalten, seien es internationale Syndikate oder sonstige mit der Sonveränjtät des Deutschen Reiches unvereinbare Instanzen. unterstellt zu werden. 15 Auch die christlichen Gewerkschaften. Auch die nicht freigewerkschaftlichen Organisationen wenden sich gegen eine Verwirllichung der industriellen Forderungen, wie sie in dem Angebot aufgestellt wurden. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft deutscher Relchseisenbahnbeamter verlangt neuerdings mit Nachdruck, daß die Eisenbahnen unter allen Umständen im Be⸗ sitz und Betrieb des Reiches bleiben müßten. In einer allerdings sehr zurückhaltenden Zuschrift der leitenden Kreissn des deutschen Gewerkschaftsbundes heißt es u. a.: „Die Form des Briefes der Industrie an den Reichskanzler scheint uns nicht gerade geschickt zu sein. Insbesondere heben wir hervor, daß bei aller Anerkennung der Pflichten der Arbeitnehmer, auch ihrerseits zur Ermöglichung von Tributzahlungen beizutragen. sozialpolitisch und wirtschuftspolitisch die Auffassung der Industrie in der vorgeschlagenen Form in diesem Ausmaß für die Arbeiter nicht tragbar ist.“ 8 ö 8 Herr Cuno! Auswärtigen Ausschusses und der künf⸗ Zu der Sitzung des U Cuno wird uns aus Berlin noch tele⸗ tigen Haltung des Herrn phonisch gemeldet: Herr Cuno, der heute über den Inhalt des neuen deutschen An⸗ gebots so und morgen wieder anders denkt, hat sich bisher, ohne daß uns das unangenehm wäre, nicht dazu entschlossen, seine Konsequenzen zu ziehen. nettsrat mit der Autwort an die steht auch von dieser Sitzung wieder Rücktritt des Herrn Cuno bringt. Ententemächte beschäftigen und es zu befürchten, daß sie den Die Sitzung des Aus⸗ dazu imstande wären. Auf Grund welcher Berechnung die belgische Regierung zu der Auffassung kommt, daß die deut⸗ schen Eisenbahnen einen wesentlichen Teil der Reparations⸗ lasten aufzubringen vermögen, ist uns nicht klar. Wir wollen hoffen, daß es bald möglich ist, die Defizitwirtschaft der deutschen Eisenbahnen zu beheben. Daß das aber nicht zu den Ueberschüssen führen kann, die die belgische Regie⸗ rung errechnet, sollten schon die Verhältnisse in Frankreich zeigen, wo trotz einer einigermaßen stabilen Währung die Eisenbahnen immer noch einen Zuschuß erfordern. Zu be⸗ rücksichtigen ist, daß uns durch den Versafller Vertrag wich⸗ tige Linien und damit Einnahmequellen(Elsaß⸗Lothringen) genommen wurden, während auf der anderen Seite Linien befahren werden müssen(3. B. nach Ostpreußen), die nie die Reparationseinkünfte. Schon in sich hat der belgische an einen Widerspruch. Er fordert die Deckung des Etats, will uns aber gleichzeitig sämtlicher Quellen berauben, die s Belaftung der deutschen Industrie, wie sie von der belgischen Regierung gefordert wird. Die von Belgien vorgeschlagene Beteiligung an den deutschen Industrieunternehmungen lautet auf eine Erfassung der Sachwerte hinaus, wie sie seit langem von der Sozialdemokratie als Rettung aus dieser Situation gefordert wird. Jedenfalls spricht die Entwicklung der Verhältnisse im Ruhrgebiet und die Neuorientierung Belgiens in der Re⸗ parationspolitik für die Notwendigkeit einer schnellen Aus- arbeitung des neuen deutschen Angebots. Wir können uns den Luxus nicht erlauben, die Passipität der Reichsregierung täglich mit neuen Milliarden zu bezahlen, und ebensowenig ist ein neues Ultimatum der Gesamtentente erträglich. Es muß deshalb gehandelt und nicht verhandelt werden. Vor allem aber darf die Leitung des Staatswesens nicht an den Selbstkosten aufbringen werden. Anders ist es mit der Reichsverband der Industrie verhandelt werden. im Reichsverkehrsministerium nahegelegt, zu dem Angebot Heute, Donnerstag, wird sich ein Kabi⸗ wärtigen Ausschusses des Reichsrates scheint für den Reschskanzler in Summe, die art hat. Was Frankreich erwartet. Der Pariser Temps gibt der deutschen Regierung in seiner gestrigen Ausgabe verschiedene Erklärungen über den Inhalt des neuen Angebots, wenn es in Frankreich Zu⸗ stimmung finden soll. Zunächst spricht er davon, daß Frank⸗ reich und Belgien daran arbeiten ein Weltreich der Ge⸗ rechtigkeit-zu schaffen, in dem die Schulden bezahlt werden, die Unabhängigkeit eines jeden Volkes gesichert und der Friede geschützt werden soll. Zu diesem Zwecke sei Voraus⸗ setzung für Verhandlungen die Einstellung des passiven Widerstandes und die Anerkennung des Reiches, daß die Räumung der Ruhr nur nach Maßgabe der deutschen Zahlungen ersolgen kann. Zweitens wird der deutschen Regierung der Rat er⸗ teilt, keine feste Gesamtsumme in ihrem Angebot zu nennen. Das wird darauf zuriickgeführt, daß die An⸗ sprüche der englischen Regierung noch nicht bekannt seien und deshalb die Gefahr bestehe, daß ein ungenügender Totalbetrag genannt wird. Drittens wünscht der Temps, daß Deutschland die Forderung nach Festsetzung der deut⸗ schen Zahlungsfähigkeit durch ein Sachverständigenkomitee nicht wiederholt. f Die neuen Kohleupreiserhöhungen. 5 Die Kohlenpreisverhandlungen sind, wie die Telunjon erfährt, für sämtliche Reviere mit Ausnahme des mitteldeutschen Braunkohlen⸗ bergbaues abgeschlossen. Die Preise sind im allgemeinen in demselben Umfange erhöht worden wie die Löhne. Die Erhöhungen der Netto⸗ preise je Tonme betragen für Ruhrfettförderkohle 76 210 Mk., Ober⸗ schlesien 46 500 Mark, Niederschlesien 53 574 Mark, Sachsen 65 860 Mark, Ibbenbüren 53 574 Mark, übriges Niedersachsen 48 782 Mk., Aachen⸗Eschweiler 65 388 Mk. Nordstern 74 208 Mk., Rohbraunkohlen 9830 Mk., Briketts 34 520 Mk. In diesen Erhöhungen ist die Er⸗ 0 höhung der Abgabe für den Bergmannswohnungsbau bei Steinkohlen um 1500 auf 2100 Mark, bei Braunkohlen⸗Briketts von 660 auf 1200 Mark enthalten. Der Bruttopreis für westfälische Fettförder⸗ kohle beträgt etwa 221000 Mark gegenüber 457 000 Mark flütr gleich⸗ wertige englische Kohle in Hamburg. Politische Uebersicht. Regierungskrise in Thüringen? Aus Weimar wird uns geschrieben: Seit einigen Tagen sind zwischen der VSD. und der KPD. Verhandlungen geführt worden, um für den Frei⸗ staat Thüringen ein von beiden Parteien anerkanntes Pro⸗ gramm für eine gemeinsame Regierungspolitik aufzustellen. 1 Diese Verhandlungen sind jetzt infolge der Haltung der KPD. gescheitert, sodaß die seit längerem schleichende Krise zu einer offenen Regierungskrise geworden ist. Die Partei⸗ leitung der VSPDD. hatte als Grundlage für die Verhand⸗ lungen ein Programm ausgearbeitet, das Vorschläge ent⸗ hielt für Maßnahmen zum Schutze der Republik und der Arbeiterbewegung, zur wirksamen Bekämpfung des Wuchers, für eine Amnestierung der Opfer der Klassenjustiz und vor allem zur Errichtung einer Arbeiter⸗ und Ange⸗ stelltenkammer als Interessenvertretung für die Arbeit⸗ nehmerschaft des Landes Thüringen. All diese Vorschläge fanden vor den Augen der Kommumisten, die allerorts nach (der Arbeiterregierung schreien die sie in Thüringen haben und mit ausgestalten können, keine Gnade. Denn sie wollen auch hier die Dinge weitertreiben“. Doher erklärte ihre Verhondlungskommission,„daß die Vorschläge der VSD. — Streikabbruch im Ruhrgebiet. Dortmund, 30. Mai.(Eig. Drahtber.) Langsam nimmt die Besserung der Lage im Ruhrgebiet an Um⸗ fang zu. Im Landkreise Dortmund wird bereits seit Mittwoch auf der Mehrzahl der Zechen wieder gearbeitet, in Hörde und dessen Landkreis ist die Arbeit ebenfalls wieder aufgenommen. Auch in den Landkreisen Hattingen und Gelsenkirchen ist der Streik mit Ausnahme von kleinen Teilstreils beigelegt. In Witten sind die Streikenden am Mittwoch morgen vollzählig mit Ausnahme eines Betriebes wieder zur Arbeit angetreten. Verschlechert hat sich die Lage nur im Bezirk Hamm, wo die Belegschaften der Zechen Herne 3, Königsborn 2, 3 und 4, de Wendel und Hellwig, ebenso wie in Wattenscheid wider Er⸗ warten nicht zur Arbeit angetreten sind. Die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit hat ihre wesentliche Ursache in der 50% igen Erhöhung der Bergarbeiterlöhne. Schon daraus ergibt sich, daß die Auffstände weniger infolge der kommu⸗ nistischen Hetze als durch die allgemeine wirtschaftliche Not entstanden sind. Daß nach der 50prozentigen Lohner⸗ höhung die Aussichten für eine Weiterführung des Streiks äußerst schlecht sind, sehen jetzt auch die Kommunisten und Unionisten ein. In Bochum fordern z. B. auch die Unionisten zur Beilegung des Streiks und zur Wiederaufnahme der Arbeit durch Plakate auf. Das gleiche geschah an einer ganzen Reihe anderer Orte. Nur vereinzelt wird versucht, die Streikenden weiterhin von der Arbeit abzuhalten. Hierbei spielen in der Hauptsache agitatorische Gründe mit. Die Kommunisten versuchten die Unjonisten in der Agitation zu über⸗ bieten und andererseits stellt die Union alles an, um die kommuni⸗ stische Führung herabzusetzen oder ihr dort, wo der bewaffnete Kampf blutig und erfolglos verlief, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Beiden Richtungen fehlt sowohl in Westfalen wie im Rheinland die einheitliche Führung. Jede Ortsgruppe macht, was ihr beliebt und was sie nach eigenem Gutdünken für notwendig hält. Erst durch die Wirkung ihrer Strategie werden sie langsam klug. In Essen wurde z. B. von einem kommunistischen Kontrollausschuß durch Ge⸗ walt vorübergehend eine erhebliche Preissenkung vorgenommen. Der⸗ selbe Kontrollausschuß mußte jedoch nach 48 Stunden die gewalt⸗ sam gesenkten Preise ganz erheblich wieder erhöhen, nachdem er zu der Einsicht gekommen war, daß seine Methode unzweckmäßig war. In Gelfenkirchen wurde der Verkauf von Waren zum Einkaufspreis mit dem Erfolg durchgeführt, daß sich von auswärts Leute einstellten und billig einkauften, die im Besitz von Geld waren, während die wirklich notleidende Bevölkerung von der gewaltsamen Preisherab⸗ setzung nichts prositierte, da sie durch die sinnlosen Streiks ohne Barmittel war. Die direkte Beteiligung einzelner maßgebender Ruhrkommunisten an der Anarchie der letzten Tage ist nicht abzustreiten. Für ihr Verhalten aber die gesamte kommun istische Partei verantwortlich zu machen, wäre umrecht. Es gibt auch im Ruhrgobiet viele Kommu⸗ nisten, die die Hetze ihrer direktionslosen Parteigenossen entschieden verurteilen und von dem, was einzelne ihrer Glaubensvetter getan haben, weit abrücken. Besonders rege war die kommunistische zelnen Zeitungen, der gewaltsame Sturm auf die Feuerwe 1 ö Leitung des Bezirks Bochum an dem Aufruhr betelligt. Voce Genossen stellen fest, daß neben der Streikleitung i sem Bezirk auch eine unionistisch⸗kommunistische Kampfleitn standen hat. Ihr sind in der Hauptsache die Angriffe auf Ordnungsmannschaften, das Vertreiben Hunderter von Arbeitern ihren Arbeitsstätten usw. zuzuschreiben. Aber auch andere Elet waren beteiligt! In Bockum wurde z. B. außer einer ganzen Re von Verbrechernaturen ein 20jähriger Arbeiter festgenommen sich zu einer kommunistischen Hundertschaft zählte, gleichzeitig al im Vefitz eines Mitgliedsbuches einer katholischen Arbeiterverein war. 5 ö Die jetzt in die Wege geleiteten gerichtlichen Verhandlungen die Führer des Aufruhrs werden über den Ursprung der Be an der Ruhr und über die Mittel die zu diesem Zwecke aufge wurden, sicherlich noch nähere Aufklärung schafsen. Daß die Fre ihre Hand im Spiele haben, ist kaum noch zu bezweifeln. Gibt selbst die französische Presse dafür ganz bestimmte Anhaltspunt Aber auch andere Anzeichen sprechen dafür. Am Dienstag abend fan in Hörde eine Streikversammlung statt, in der die Wiederan der Arbeit beschlossen wurde. Ein führendes Mitglied der 8 nisten, Sciech, führte in dieser Versammlung aus, daß vor 14 8 in Dortmund im Reinoldushof in einer kommunistischen Funktit dem versammlung ein Redner namens Schleiber aus Berlin erklärt daß er mit den Franzosen über ganz bestimmte Fragen ver handelt habe. Nach seinen weiteren Angaben hat ein franzö⸗ sischer General an die K. P. D. das Ansinnen gestellt, in Ruhrgebiet die Räterepublik auszurufen. Die kommu nistischen Unterhändler sollen sich hiermit unter der Vorauss. einverstanden erklärt haben, daß die Franzosen Maschinen, gewehre und Munition zue Verfügung stellen. An dieser Forderung sollen dann später die Verhandlungen mit den Franzosen gescheitert sein. Seiech wurde in der Versammlung drei Mal ge⸗ fragt, ob das, was er sage, richtig sei. Er antwortete jedesmal:„J. das stimmt!“ J 0 Sollen die blutigen Ereignisfe für die Zukunft verhindert wer⸗ Mit den, dann muß vor allem dafür gesorgt werden daß die Arbester wenigstens das Notdürftigste zum Lebensunterhalt erhalten. Es if schon eine Zumutung, die ihresgleichen sucht, wenn auf der eine Seite der Dollar fortgesetzt steigt und mit ihm die Lebensmittelpres in die Höhe gehen, ohne daß aber auch nur das geringste getan wird um für die Arbeiterschaft das tägliche Brot durch Lohnerhöhungen sicherzustellen. Auch die jetzt erfolgte Erhöhung für die Bergarbeit schaft kann mit Ricksicht auf den rapiden Sturz der Mark nur vorläufig betrachtet werden. Darüber herrscht im Ruhrgebiet i halb der Arbeiterschaft nur eine Auffassung. Es muß deshalb s. und ausreichend— entweder flir eine Verbilligung der Leben gesorgt werden— oder aber eine Steigerung der Löhne ei die zu der allgemeinen Preissteigerung im Verhältnis steht. nicht nur keine Grundlage für eine Arbeiterregierung Thüringens bilden, sondern daß sie auch keine genügende Grundlage zu einer ferneren Unterstützung einer sozial⸗ demokratischen Regierung darstellen.“ Außerdem sei es für die KPD. unmöglich, auf der von der VSD. vorge⸗ schlagenen Grundlage die gegenwärtige Regierung weiter zu unterstützen,„da die elementarsten Forderungen der proletarischen Klasse abgelehnt werden“. * Hitlers Schrittmacher. (Von unserem Münchener Korrespondenten.) Die inneren Schwierigkeiten der bayerischen Regierung liegen in ihrem Verhältnis zu e Verbänden und zu den Kampfverbänden, die heute zwar in gewissen Gegensätzen zueinander stehen, in sogenannten Ernstfällen sich aber zweifellos aufs beste er⸗ gänzen würden. Ueber diese Verbände ist bekanntlich die Regierung Lerchenfeld gestürzt, und trotz der Rechtsschwenkung der Regierung Knilling entspricht auch sie noch keineswegs den Wünschen dieser Verbände. Da der Minister des Innern, Schweyer, die Staats⸗ autorität gegen diese Rechtsultras nach Möglichkeit aufrechtzuerhalten hat, ist es natürlich seine Person, gegen die sich die Abneigung der vaterländischen Aktivisten in erster Linie wendet. Es ist darum nur des Krieges schon einen ziemlich dickleibigen politischen Persom eine Frage der weiteren Kräfteentwicklung und damit eine 0 der Zeit, wann die Regierung Knilling oder zum mindesten Mitglied Schweyer— und das ist das wahrscheinlichere— einem „geeigneteren“ Nachfolger Platz machen muß. Von diesem Nachfolg wind heute schon geredet. Es ist dies der einzige Abgeordnete des bayerischen Landtages, der schon vor Irhresfrist bei Versomml g unter freiem Himmel den demagogischen Sprüchen eines öffentlich Betfall zollte, wenn er es andererseits nicht versäumte, im„parlamentarischen Sumpf“ recht kräftig mitzuschwimmen, ihm seine Fraktion die Flossen freigab. N g Dieser Herr hat seit seinen unvergeßlichen Malzschiebungs⸗ anderen Funktionen im Münchener Generalkommando III wö N 5 Bann 4 iibeiter⸗ Erst jüngst kam ein neues Blatt hinzu, und zwar aus einer Schri in der der literarische Hoflakei der Wittelsbacher, der Herr Achleitner, mehreren nach revolutionären bayerischen Royalisten tische Kränze gewunden hat. Zu diesen Herrschaften gehört vo auch der„schneidige Bezirksamtmann von Dachau“ seligen denkens, Herr Dr. Roth, von dem in der erwähnten Schrift u. erzählt wird, wie er dem fliehenden König Ludwig III bis an di österreichische Grenze folgte und beim Hinüberschaffen der königliche Habseligkeiten, den wenigen Kleidern und dem biffel Wäsche, be lich war. Vor allem aber dann, wie er im nahen Kufstein im Egger das Hauptquartier aufschlug und dasselbe auf ein tö Weibergerede hin in einer stitrmischen Novembernacht in se i hier er bersamme Der Deserteur. Roman bon Robert Buchanan. Ein Schrei Marcelles unterbrach den Redestrom des falten. Sie sprang auf, denn mitten in dem Gemach stand Rohan— ein gebrochener Greis! Der plötzliche Schreck schien die Macht gehabt zu haben, ihn in seine frühere Ge⸗ stalt zu verwandeln und ihm wieder den Ausdruck eines ge⸗ hetzten, halbverhungerten Tieres zu verleihen. Auf dem abgehärmten Gesicht spiegelten sich seine Seelenqualen deut⸗ lich ab. Mit wilden, hungrigen Blicken starrte er von einem der Anwesenden zum anderen, ohne ein Wort zu sprechen. „Rohan!“ schrie der Alte, nach Atem ringend.„Gildas, schließe die Türe!“ Das geschah sofort. Zur Vorsicht schob der Held von Dresden auch noch den Riegel vor. Im Nu standen die bei⸗ den Frauen neben Rohan, die Witwe schluchzend, Marcelle totenblaß, aber trockenen Auges. Derval erhob sich schwer— fällig und näherte sich taumelnd seinem Neffen:„Fürchte nichts, mein Junge; sie sind wohl hinter Dir her, aber ich werde die Sache schon in Ordnung bringen. Du hast Dich widerspenstig benommen, aber sie werden durch die Finger sehen, wenn Du jetzt wie ein Mann handelst. Wir haben reine Minute zu verlieren. Kreuze den großen Sumpf und Du wirst vor ihnen St. Gurlott erreichen. Geh' geradeaus in die Rosengasse und melde Dich beim Hauptmann Figuier, sag' ihm, daß ich Dich schicke——— Großer Gott, ist der Junge verrückt?“ schrie der alte Mann auf. Die Frage schien ganz berechtigt, denn Rohan starrte, ohne ein Wort von dem zu hören, was er ihm sagte, in die Luft und lachte vor sich hin. Vor Angst zitternd, klammerte sich Marcelle an seinen Arm und sprach auf ihn ein:„Rohan! Verstehst Du denn nicht? Sie sind wieder hinter Dir her, und wenn Du Dich nicht freiwillig stellst, wirst Du erschossen.“ 5 „»Und wenn ich mich stelle?“ fragte er ruhig, aber mit heiserer Stimme. „Dann wird man Dir alles verzeihen,“ nahm der Korporal wieder das Wort.„Man wird Dir eine Flinte und einen Tornister geben, Du wirst Dich der großen Armee anschliehen, Dich mit Ruhm bedecken und, wenn der Krieg 109 vorbei ist, als tapferer Mann zu uns zurückkehren. Meine kleine Marcelle wird Dich erwarten und Dir als Gattin in Dein Haus folgen.“ Der alte Mann hatte sich ganz warm gesprochen, obgleich ihn die Haltung und der geistesabwesende Blick Rohans verwirrte. „Und wenn ich mich nicht freiwillig stelle, was geschieht dann?“ fragte Rohan, keine Auge von Marcelle wendend. „Dann wird man Dich wie einen tollen Hund erschießen; aber Du wirst mit Gottes Hilfe nicht so unvernünftig sein, Deinen letzten Rettungsanker nicht zu ergreifen,“ bemerkte Onkel Ewen besorgt. „Gibt es keinen anderen Ausweg?“ „Nein! Du vergeudest nur die kostbare Zeit, mein Junge!“ N „Toch, es gibt einen,“ erklarte Rohan mit derselben heiseren Stimme und demselben geistesabwesenden Blick. Als aller Augen sich fragend auf ihn richteten, fuhr er fort: „Wenn der Kaiser aus der Welt geschafft würde!“ Der Alte sank entsetzt in seinen Stuhl. „Gott behüte ihn davor! Schon der Gedanke ist Verrat!“ Ohne die Worte des Onkels zu beachten, die Augen noch immer fest auf Marcelle gerichtet, flüsterte Rohan, als ob er nur mit ihr spräche:„Wenn man ihn allein, im Schlaf, von der Dunkelheit der Nacht geschützt überraschen könnte, das wäre eine gute Tat! Es wäre ein Leben statt Hundert⸗ tausender und die Welt hätte ihren Frieden!“ „Rohan!“ schrie Marcelle entsetzt auf und wich scheu vor ihm zurück, denn in seinen Augen lauerte der Mord; sein Antlitz war verzerrt, er umklammerte mit seinen Fingern ein unsichtbares Messer. „Bei den Gebeinen des heiligen Triffine, er spricht vom Kaiser!“ murmelte Gildas. „Hinweg von seiner Seite, er lastert und ist gefährlich!“ schrie der Korporal Marcelle zu. „Das ist richtig,“ entgegnete Rohan, sein totenbleiches Antlitz dem Korporal zuwendend,„aber Du kannst ruhig sein, Onkel, ihr werde ich nichts tun— niemanden der hier Anwesenden! Gute Nacht, Onkel Ewen: lebe wohl, Tante Derval und auch ihr, Marcelle und Gildas! Ich gehe!“ „Bleib, Rohan!“ schrie Marcelle, seinen Arm umklam⸗ mernd.„Wohin gehst Du?“ un„Eintre damalige und späte men habe an das 2 n Auf eit Er schüttelte sie ab und verließ, ohne zu antworten, do Gemach. Der Korporal stöhnte verzweifelt auf, Gildas einen langgezogenen Pfiff zwischen seinen Zähnen ertönen, die Witwe schluchzte und Marcelle sank die Hand aufs Herz gedrückt, in den nächsten Stuhl. Rohan war wie ein Gei aus ihrem Gesichtskreis verschwunden. Als die Abgesand Bonapartes gegen Abend ihre Haussuchungen fortsetzten. konnten sie keine Spur von ihm finden. Sechsunddreißigstes Kapitel. Der Anfang vom Ende. f 9 Die große Armee des Kaisers marschiert der Grenze zu 0 am nic wo sie erscheint, werden die üppigen Saatfelder niederge⸗ um treten, der Vogelsang verstummt, die schweren Räder der Kanonen graben tiefe Furchen in die Erde. Endlose Sol⸗ datenreihen ziehen durch stille Dörfer, die Luft widerhallt von dem Gemurmel und Getöse, welches jedem Krieg vor⸗ angeht und jeden begleitet. Gehorsam bewegt sich die formierte Menschenkette fort und in ihrer Mitte schreite still und unsichtbar wie der Tod auf seinem weißen§ der unheilvolle bewegende Geist des Ganzen. Im Nachtral der großen Armee folgen die menschlichen Schakale Krähen, jene Elenden, die auf den verlassenen Schla dern ihr verrufenes Handwerk treiben. Unter jenen, die hinter den marschierenden Trup g einherlungern, sieht man einen Menschen, der, nach seinem Aeußern zu urteilen, aus der Klasse der Elendesten Elenden stammen muß. Ein hageres, verkommenes, kre und verzweifelt aussehendes Geschöpf, das weder ein noch Verwandte zu haben scheint und, wie die Krähe d Jäger, der Armee von Ort zu Ort folgt bemüht, eine Ben zu erhaschen, die jene übersehen oder weggeworfen hat. Da Saar hängt ihm wirr über die Schultern herab, der ö Bart ist ungekämmt und der Körper in Lappen i Nacht um Nacht schläft er im Freien oder in Scheunen, von wo ihn oft wilde Dorfhunde vertreiben. Zuweilen sp er französisch, in der Regel aber brummt er einen Di vor sich hin, den nur wenige Leute verstehen. Wenn sich jemanden nähert, so geschieht dies nur, um stets die e Frage zu stellen:„Wo ist der Kaiser? Wird er diese E passtieren?“ (Fortsetzung folgt.) 4 m 3. Juni feiert unser Gießener Arbeiter⸗ a acht“ das Fest seines 50jährigen Bestehens. e ertungssingen verbunden, an dem sich die dem Bezirk ange⸗ Vereine des Rhein⸗Maingau⸗Arbeitersänger⸗Bundes be⸗ u und das im Stadttheater abgehalten wird. Es wird sich e große Zahl Arbeitersänger in Gießen zusammenfinden fein halbes Jahrhundert ihres Bestehens blickt die Gießener ht zurück. Eine lange Zeit für einen Gesangvevein. Denn de auf dem Geblete des Gesangvereinswesens ist der Wechsel l aus stark, außerdem hatte die„Eintracht“ mit weit größeren Sh vierigkeiten zu kämpfen als irgend ein anderer Verein. Hohe mer wurden gestellt. Wenn der Verein trotzdem auf sein hriges Bestehen mit Befriedigung zurückblicken kann, wenn er rme und Kämpfe überdauert hat, so ist das ein Beweis r, daß ein guter Stamm und Kern vorhanden gewesen sein A. Man kann mit Recht behaupten, daß kein Verein in ganz 0 rhessen sich in seiner Vergangenheit der Beachtung und„Für⸗ “durch die Behörde hat erfreuen dürfen, wie eben unsere Mit der Geschichte dieses Gesangvereins ist zugleich ein eschichte der Arbeiter- und sozialistischen Parteibewegung ließen und Umgebung verbunden. Verfolgungen und Unter⸗ kungen, die die Partei unter der Herrschaft des alten Staates zukosten gehabt hat, sind auch dem Verein nicht erspart ge⸗ Aen. Wenn wir deshalb anläßlich der fünfzigjährigen Jubel⸗ ehr auf die Geschichte des Vereins näher eingehen, so geschieht es J dei Grunde, um der jüngeren Generation zum Bewußtsein bringen, was Hingabe, Liebe-und Ueberzeugungstreue für eine 30e zu leisten vermögen. Mögen auch manche der alten Kämpen ichen ins Grab gesunken sein, so muß uns ihre Hingabe, ihr deln und Streben zum Ansporn dienen, uns in dem Willen Hirken, zukünftig eunsere Kraft für die Sache der Arbeiterschaft rhöhtem Maße einzusetzen. i „Denn es ist ja das Große, das Schöne auf der Welt, daß das Banner steht, wenn der Mann auch fällt.“ Das Banner steht.— Der Gesangverein Eintracht wurde im re 1873 am 22. Oktober gegründet und ist aus dem Sängerchor Arbeiter⸗Bildungsvereins hervorgegangen. Die gesangliche ung des Vereins wurde dem Herrn Philipp Bauer, dem faligen Turmiwächter überlragen, der den Verein bis zum re 1887 leitete. Von welcher Hingabe für die Sache und dem hein der Dirigent Bauer beseelt war, beweist der Umstand, daß Aden Verein in den ersten 3 Jahren vollständig unbezahlt leitete. A erste Vorsitzende des Vereins war unser alter verdienter Karl Heig. Das Vereinslokal befand sich bei dem Gastwirt Jensen u Kanzleiberg, in dem Lokal, wo später die Witwe Noll mit ihren ( hlöschen Töchtern eine starkbesuchte Milttärstammkneibe me Ie und heute sich das Geschäft des Glasermeisters Schmidt be⸗ Anfangs der achtziger Jahre war die Eintracht der Sammel⸗ AIhkt der Parteibewegung. Eine Episode aus jener Verfolgungs⸗ ih sei hier erwähnt: Im Vereinslokale bei Jensen am Kanzlei⸗ big versammelten sich eines Muen„Eintracht“, um wichtige Parteiangelegenheiten zu beraten. damalige diensteifrige und spürsame Schutzmann Bommers⸗ In und spätere Straßenmeister mußte von der Besprechung Wind emmen haben, denn er kam und forderte den Wirt auf, ihn in br an das Wirtslokal angrenzenden Schlafzimmer horchen zu 0 en. Auf ein Zeichen von Jensen, daß die Luft nicht rein sei, zog eier nach dem andern der Parteigenossen ab, es ging in die Bis⸗ Nepraße in das Lokal des Schreiners Werner(sogenannte guthabche), der damals ein Flaschenbiergeschäft betrieb, wo die . atung dann fortgesetzt wurde. Wie lange Bommersheim bei drsen im Schlafzimmer„Mäuschen“ gespielt und gehorcht hat, ß man nicht mehr. Als der Wirt Jeusen im Jahre 1889 das E 1 zum Rebstock in der Westanlage erwarb, siedelte der Verein 1 nach dort über. Das innige Verhältnis, das bisher zwischen Ant und Verein bestanden hatte. wurde jedoch bald gestort. Im prüche an seine Mitglieder, an deren Zeit, Geduld und Aus⸗ Abends die Genossen unter dem 0 ODD οο Genossen nicht gleichwertig erschbenen, angeblich auch mehr ver⸗ zehrten, weshalb der Wirt der Partei das Lokal aufsagte. Der Gesangverein erklärte sich mit der Partei solidarisch und zog eben⸗ falls mit aus und zwar diesmal zu Thoma„Zum Bahyerischen Löwen“ an der Bahnhofstraße. Als Orbig im Jahre 1895 die Wirt⸗ schaft zum Ritter in der Rittergasse übernahm, ging der Verein mit in das Lokal Orbig, wo er bis zur Errichtung des Gewerk⸗ schaftshauses verblieb, um dann im Jahre 1907 in das eigene Arbeiterheim überzuste deln. Eine geschichtliche Exinnerung mit dem heutigen Vereinslokal des Vereins soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Es ist schon bemerkt worden, daß der Verein in seiner Vergangenheit die Seele der Arbeiterbewegung bildete. Die Leitung des Vereins hat es sich dann auch immer angelegen sein lassen, neben der Pflege des Ge⸗ sanges, die gesamte Bewegung vorwärts zu treiben, den Verein und seinen Einfluß im öffentlichen Leben zu stärken und die Bildungsbestrebungen zu fördern. Zu letzterem Zweck erwarb der Verein im Jahre 1885 unter seinem damaligen Vorstitzenden Hermann Muhl, der Schreiner bei Reiter war, eine eigene Theater⸗ bühne. In Lonys Bierkeller(dem heutigen Gewerkschaftshaus) wurden dann alle 14 Tage Theater⸗Vorführungen gegeben, die sich immer eines starken Besuches zu erfreuen hatten und somit auch zur Stärkung der Veveinskasse beitrugen. Daß eine trans⸗ porttable Theaterbühne in der damaligen Zeit ein sehr gesuchtes Objekt war, geht daraus hervor, daß die Bühne von den Soldaten bei Kaisers⸗ und Großherzogs⸗Geburtstag von der Eintracht ent⸗ liehen wurde, obwohl man den Soldaten den Verkehr in den Lokalen der Eintracht verbot und besonders während des Sozia⸗ listengesetzes strenge Strafen bei Uebertretung verhängte. Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Eintracht bildet die Zeit, während der das Sozialistengesetz in Deutschland wütete und alle freiheitlichen Bestrebungen und Regungen der Arbeiter⸗ schaft niederknüppelte. Der Verein hatte natürlich darunter zu leiden, die Gesangsstunden wurden aus Scheu vor Unannehmlich⸗ keiten mitunter recht schlecht besucht, sodaß bei den Gesangsproben öfters gutbegabte Sänger in den verschiedenen Stimmn aushelfen mußten. Man wußte sich jedoch immer zu helfen; der Verein ver⸗ fügte im Jahre 1886—1887 über eine Anzahl gut geschulter Kräfte. Es wurde ein Quartett gebildet, das aus den Mitgliedern Orbig, Muhl, Veidt und Schulz bestand, letztever wanderte im Jahre 1888 nach Magdeburg aus. Verschiedene Verfolgungen mußte der Ver⸗ ein während des Sozialistengesetzes über sich ergehen lassen. An⸗ läßlich einer Haussuchung nach verbotenen Schriften wurden unsere Genossen August Bock, Petersen und Miiglied Fanuy mit einer 14tägigen Freiheitsstrafe bedacht. Fanny siedelte dann nach Düsseldorf über. Um die Bildungsbestrebungen der Arbeiterschaft zu fördern, unterhielt die Partei eine Bibliothek, die sich jedoch in Verwahrung des Vereins befand. Eines Tages im Jahre 1888 erschtenen dann auch wieder die Wächter des Gesetzes in der Person des langen Schutzmannes Henn und des Polizetwachtmeisters, um nach verbotenen Schriften zu fahnden. Der Bücherschrank sollte einer Repision unterzogen werden. Um jedoch die Bücher und Schriften vor Beschlagnahme zu sichern, nahm Orbig den Schrank in Privatbesitz, gab ihm einen Platz in seiner Schreinerwerkstätte. Doch auch hier war der gefährliche Schrank und sein Inhalt vor den Argusaugen der Polizei und Behörde nicht sicher. Die Poli⸗ zisten fanden aber das Versteck und wollten den Inhalt beschlag⸗ nahmen. Muhl, Ferdinand Bauer und Orbig verweigerten aber die Oeffnung wie auch den Transport des Schrankes, sodaß der lange Schutzmann und sein Wachtmeister ihn unter erheblicher An⸗ strengung auf einen Karren luden und nach dem Kreisamt trans⸗ portierten. In dem verdächtigen Schrank befand sich jedoch weiter nichts, wie die Werke von Goethe und Schller, während der ge⸗ suchte Züricher Sozialdemokrat an einem Versteck der Wand⸗ täfelung wohlgeborgen war. Im Jahre 1891 fand die Fahnenweihe unter zahlreicher Be⸗ teiligung hiesiger und auswärtiger Gäste und Genoffen in Steins Garten statt. Die Fahne wurde von Frauen und Jungfrauen ge⸗ stiftet, wobei sich besonders die Frau des damaligen Turmwächters. rbeiter-Gesangverein„Eintracht“ Gießen. Zum Jubiläum seines 50 jährigen Peslehens. Keßler um die Aufbringung der Mittel zur Beschaffung der Fahne verdient gemacht hatte. Ueberhaupt scheint der Verein bei den „höchsten“ Bewohnern der Stadt Gießen in jenen Jahren in hohem Ansehen und großer Verehrung gestanden zu haben. Die Fahne kostete damals 300 Mark.— Das 25jährige Jubiläum wurde im Jahre 1898 im engen Rahmen auf der Pulvermühle gefeiert. Im selben Jahre trat der Verein dem Arbeiter⸗Sängerbund en Leitung des Dirigenten August Bauer, eines Enkels des ersten Dirigenten, bei. Weiter beteiligte sich der Verein 1899 ö am Fahnen⸗ weihfest des Parteivereins in Mlihlheim a. M. Ein unumter⸗ brochener Regen, der hier niederging, machte jedoch das Fest fast unmöglich, sodaß die Sänger in den einzelnen Lokalen zurückge⸗ halten wurden, wo sich jedoch trotz des trüben Himmels, bald eine recht feucht⸗fröhliche Stimmung entwickelte.— Im Jahre 1910 besuchte der Verein das Gausängerfest in Darmstadt. Im Jahre 1903, als einziger Verein des hiesigen Bezirks, das Gauwertungs⸗ singen in Dieburg, sowie 1906 das Gau⸗Singen in Frankfurt, wo nur Massenchöre bezirksweise zum Vortrag gebracht wurden. Aus dem hiesigen Bezirk beteiligten sich an dem gemeinsamen Chor die Brudervereine Wieseck, Heuchelheim, Krofdorf, Altenbuseck und Trohe. 5 Nach dem Kriege faßte der Arbeiter⸗Sängerbund auch hiesigen Bezirkt mmer mehr Boden. Seit 1919 konnten alljährlich innerhalb des Bezirks Wertungs⸗Singen veranstaltet werden, am denen sich der Verein mit stets wachsendem Erfolg beteiligte. Alle die Veranstaltungen und denkwürdigen Erinnerungen, an dene die„Eintracht“ beteiligt war, aufzuzählen, würde natürlich zu weit führen. Wiederholt sei nur, daß der Verein Eintracht mit der Arbeiter⸗ und Parteibewegung von Gießen und seiner weitesten Umgebung unzertrennlich verbunden ist. Kein Gewerkschafts⸗ oder Parteifest, keine Maifeier oder größere Demonstrationen, wo nicht die rote Fahne der Eintracht wehte und der Verein nicht sein ge⸗ sangliches Können in den Dienst der Sache stellte, zur Ver⸗ schönerung der Veranstaltung beitrug. Erwähnt sei noch, daß von den Gründern des Vereins, unser alter verdienter Partei⸗Veteran, Karl Orbig, der sowohl der erste Vorsitzende, sowie längere Jahr auch Vereinswirt war, als einziger noch unter uns weilt. Die gesangliche Leitung wurde seit der Gründung 1570 folgende Dirigenten ausgeübt: Philipp Bauer von 18731887 Ferdinand Neustiel von 18874898: August Bauer von 1898 1912; Konrad Nikolai von 19121921. Von 1921 ab steht e Verein unter der Leitung seines jetzigen, Dirigenten Herrn H Mayer⸗Wieseck, durch dessen Umsicht und Eiser es dem Verei möglich war, im vergangenen Jahre in der hiesigen Aula das erst öffentliche Konzert zu geben. Die geschüftliche Leitung des Verei lag seit der Gründung in Händen folgender Vorsitzenden: Kar Orbig, Hermann Muhl, August Bock, Adam Volg, Heinrich Fouri Jakob Hillgärtner, Bernhord Wissel, Fritz Ortwein und jetzige Vorsitzender ist Konrad Schomber. g Nachdem wir so einen Rückblick bis zur Gründung in die Ge⸗ schichte der Eintracht getan haben, wenden wir unseren Blick 15 Zukunft entgegen. Wir wollen nicht von der Schwere der reden, von den wixtschaftlichen Nöten. Diese„Melodien“ klinge unst äglich in den Ohren. Unser Streben geht vorwärts und ge⸗ hört der Zukunft. Aus kleinen Anfängen ist im Laufe der Jahre, aus dem anfangs verhöhnten Verein ein achtungsgebietender Chor l geworden. An der Gründung und Förderung der Arbeiter- Sängerbewegung hatte der Verein stets altiv Anteil und seiner tätigen Mithilfe ist es zu verdanken, daß in vielen Bezirsorten Arbeitergesangvereine gegründet wurden. Darum gilt unser Gruß und Glückwu usch dem Ge⸗ sangv⸗rein„Eintracht“ am seinem goldeuzn Jubeltage und bringen wir ihm unsere Wertschätzung zum Ausdruck. ö 5 Zum Schlusse geben wir noch der Hoffnung Raum, daß unsere „Eintracht“ auch fernerhin bestrebt sein möge, das freie Lied z fördern und zu pflegen und möge es ihr in Zukunft vergönz sein, sich die Sympathie der Arbesterschaft zu erhalten. g H. Häuser. oc verkehrten eine Anzahl Eisenbahner, denen die Arbeiter und e eee Arbeiter- Gesangverein Eintracht, Giessen, gegr. 873 28 5 2 e 2 Alle Freun Sonntag, den 3. Juni, nachmittags 4 Uur im Philosophen wald Feier des 50 jährigen Stiftungsiestes Bestehend in Festrede, Ueberreichung der von den Frauen und Jungfrauen gestifteten Fahnenschleife, Gesangsvorträgen und Tan de und Gönner des vereins sind hierdurch freundlichst eingeladen. Der Vorstand. 312 A* 1621 1 l Ne eee e — 5 n nn N e eee Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 12 Gießen, Freitag, den 1. Juni 1923. Gießen und Umgebung. Wenn der Dollar steigt der nun glückkich auf 60 000 Mk. und darüber geklettert ist, folgen die Preise aller Waren im eiligsten Tempo nach. Von vielen Seiten wird geklagt, daß die Geschäftsleute die Preise in den Schaufenstern nicht schnell genug ändern können, was häufig von Tag zu Tag und dann unter dem Vorwand der Neudekorierung des Schaufensters geschieht; ein Vorgang, der bei fallendem Dollarkurs nicht zu beobachten war. Der Magistrat der Stadt Leipzig erließ kürzlich folgende Bekanntmachung an die Geschäftsleute: Die Anpassung der Preise an den Dollarkurs verläßt den Boden der ordnungsmäßigen Kalkulation und ist gesetz⸗ lich unzulässig. Wenn diese Geschäftsleute trotz der wiederholt ansgesprochenen Warnungen der Preis- prüfungsstelle von diesem Verfahren nicht Abstand nehmen wollen, so werden sie der verschärften Kontrolle durch die Polizei und durch die Verbraucherschaft unterzogen werden. Die Preisprüfungsstelle wird alle Fälle, in denen auch nur der geringste Verdacht dafür besteht, daß der Boden der gesetzlichen Kalkulation verlassen worden ist, der Be⸗ strafung zuführen. Auf der anderen Seite muß aber auch das Publikum immer wieder davor gewarnt werden, daß es über den Bedarf hinaus einkauft und durch übermäßige Nachfrage den Warenbestand in den Ge⸗ schäften verringert und verteuert. So notwendig eine verschärfte Kontrolle ist, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß neben den Maßnahmen gegen Kleinhändler, die sich strafbar machen, vor allem ein Einschreiten gegen die wuchernden Groß händler und Produzenten notwendig ist. Die inländischen Getreidepreise zum Beispiel werden Tag für Tag nach dem Dollarkurs bemessen. Warum geht man dagegen nicht vor? Die Viehpreise wer⸗ den ebenfalls dauernd in die Höhe getrieben. Die erforder— lichen Maßnahmen gegen diesen Wucher bleiben aber aus. Es ist unbedingt notwendig, daß gegen übermäßige Preistreiberei mit Entschiedenheit vorgegangen werde. Die Geschäftsleute aller Art sollten bei den heutigen traurigen Zeiten die nötige Einsicht bekunden und sich mit einem Verdienst begnügen, der ihre Existenz ermöglicht. Der Brotpreis steigt auf mehr als das Doppelte, andere Lebens- bedürfnisse bleiben nicht zurück— wo sollen schließlich die arbeitende Bevölkerung, die Sozial⸗ und Kleinrentner die Mittel aufbringen? Dabei sind viele nur noch einige Tage in der Woche beschäftigt. Werden die Preise ins Ungemessene getrieben, so kann es zu unliebsamen Vorfällen kommen! — Skandalöses Wetter. Neben steigenden Preisen und traurigster Wirtschaftslage auch seit Wochen ein wahres Hundewetter! Es ist, als wenn die Menschheit alles nur mögliche Ungemach durchkosten müßte. Nach der Bauern⸗ regel soll zwar der Mai kühl und naß sein, aber diesmal ist das des Guten wirklich zu viel. Teilweise leiden die jungen Gemüsepflanzen in den Grabgärten empfindlich darunter. Durch den anhaltenden Regen sind schon die Flüsse gestiegen, die Wieseck ist nahe daran, aus ihrem Ufer zu treten. — Höhere Wohnungsmieten. Nach einer Bekanntmachung im heutigen Blatte hat das Kreisamt auf Einspruch der Hausbesitzer die Hundertsätze auf die Wohnungsmieten neu festgesetzt, so daß die Gesamtsätze 15 540 Proz. betragen. Diese Sätze treten vom 1. Juni ab in Kraft. — Erhöhung der Elektrizitätspreise und der Straßenbahn⸗ Fahrpreise. Nach Bekanntmachungen des Elektrizitätswerkes i! heutigen Blatte beträgt jetzt der Preis für die Kilowattstunde Lichtstrom 1400 Mk. Das ist mehr als ein Drittel wie im vorher⸗ gegangenen Monat. Zwar müssen die städtischen Werke sehen, daß sie sich selber erhalten, aber wie soll es bei der ungeheuren Steige⸗ rung des notwendigen Lebensbedarfs den Lohnempfängern mög⸗ lich sein, das Geld aufzubringen?— Der Fahrpreis der Straßen⸗ bahn ist auf 250 Mk. bis zu 9 Teilstrecken und 350 Mk. für über 9 Teilstrecken erhöht worden. Wir verweisen auf die Bekannt⸗ machungen. — Konzert der Gießener Studentenhilfe. Wir möchten nicht verfehlen, unsere Leser auf das Konzert der Gießener Studenten⸗ hilfe am kummenden Samstag, den 2. Juni, abends 7,30 Uhr (pünktlich) in der Neuen Aula aufmerksam zu machen. Nicht nur, daß es gilt, die schwer mit der wirtschaftlichen Lage kämpfende Wirtschaftsorganisation unserer Universität zu unterstützen, viel⸗ mehr bietet die Person der Mitwirkenden und das sorgsältig zu⸗ sammengestellte Programm Gewähr für einen besonders genuß⸗ reichen Abend. Frau Dr. Handloser, welche in Gießen durch ihre musikalischen Leistungen sich einen Namen gemacht, wird Lieder von Schubert, Strauß. Beethoven, Brahms und Pfitzner, sowie D' Albert und Meyerbeer zum Vortrage bringen. Die Begleitung hat Herr cand. phil. Karl Roller übernommen.— Herr Eberhard Delp aus Darmstadt. dessen künstlerische Gaben in den Kreisen der Gießener Konzertfreunde mit Recht hohe Anerkennung gefunden haben, wird die Sonate Op. 66 von Arnold Mendelssohn, sowie Variationen über ein Thema von Paganini Op. 35 von Brahms zum Vortrage bringen. Im übrigen verweisen wir auf die An⸗ zeige in unserem Blatte. — Aus dem oberen Wettertal wird uns über den Stand der Feldfrüchte und des Futters geschrieben: Der nach der Frühjahrs⸗ Trockenperiode niedergegangene reichliche Regen hat ein gutes Wachstum bei den Getreidearten hervorgerufen.„Für das Schossen des Roggens war der Regen noch im letzten Momenke gekommen. Die Kleeäcker stehen üppig, die Wiesen, die durch den nillden, feuchten Winter schon gut angesetzt hatten, quellen geradezu Futter. Der Raps(Dintersamen), von dem man erst dachte, er hätte durch den späten Frost Schäden gelitten, steht lückenlos in den fettesten grünen Schoten. Wenn das Erntewetter gut wird, gibt es dieses Jahr eine Rekordernte in Raps. Vielleicht wird dann, wenn der Dollar so weiter steigt, das Oel etwas billiger. So gut der Regen für das Pflanzenwachstum und das Entzweigehen der schlecht ausgefrorenen Stürzschollen war, so nachteilig war er, vereint mit der kalten Wit⸗ terung des Monatsanfangs, für die gesteckten Kartoffeln, sowie Mais und Bohnen. Die Kartoffeln gehen fehlerhaft auf, viele sind in der Erde hart geworden und treiben nicht aus. Mais und Bohnen sin durch das lange Liegen in der Erde modrig geworden und müssen! umgepflügt werden. Wo Mais und Bohnen aufgegangen sind, sehen“d die jungen Pflanzen gelb aus und können weder leben noch sterben. Jetzt werden die ersten Dickwurz gesetzt. Sie sind dieses Jahr recht selten, denn nur die sehr früh gesäten Pflanzen haben die richtige Größe erreicht. Die in der Hauptsaatzeit ausgestellten Dickwurz⸗ äcker sind meist von Ungeziefer gefressen worden und werden zum größten Teil jetzt umgepflügt. Vorige Woche hat es die ersten Bienenschwärme gegeben. Sie sind dieses Jahr nicht stark, aber es scheint ein richtiges Schwarmjahr geben zu wollen. Der Imker sagt: Viele Schwärme, wenig Honig— viel Honig, wenig Schwärme und wird auch wohl recht haben. n. — Wert der Sach⸗ und Naturalbezüge. In einer Bekannt⸗ machung des Landesfinanzamtz im heutigen Blatte sind die Sätze sestgelegt, die vom 1. Juni ab für Sachbezüge beim Steuerabzug vom Lohn in Anrechnung kommen. Auf die Bekanntmachung sei an dieser Stelle besonders hingewiesen mit dem Bemerken, daß für die land⸗ und forstwirtschaftlichen Deputate besondere Sätze in Anwendung kommen, die bei den Finanzämtern zu erfahren sind. t. Trohe. Unsere Schulkinder sammeln zur Zeit eifrig die Blüten der Taubnessel, von deren Erlös sie shren diesjährigen Ausflug bestreiten wollen. Unser Lehrer Herr Dr. Kraushaar plant, wie jedes Jahr, auch diesmal wieder eine größere Tour mit den Kindern ins Gebirge zu unternehmen und diesmal gilts die Rhön zu durchstreifen. Wir wünschen den Kindern viel Glück zu ihrer Sammeltätigkeit, damit sie die Geldmappe ihrer Eltern nicht allzusehr im Anspruch zu nehmen brauchen. — Nödgen. Sonntag, den 3. Juni findet hier bei Gastwirt Wilhelm Wagner ein Sängertag sämtlicher Veraine des Herrn Konrad Nicolai⸗Großen⸗Buseck statt. Sangesfreunde sind herzlichst eingeladen. Westerwald und Unterlahn. — Die Franzosen an der Lahn. Der Betrieb auf der Lahnbahn macht den Franzosen besonders große Schwierigkeiten. Die von ihnen gefahrenen Züge kommen nur mit stundenlangen Verspätungen an ihrem Ziele an. Am 23 Mai, abends ist ein Leerzug von Diez nach Koblenz fahrend im Laurenburger Tunnel liegen geblieben und mußte nach Nassau geoͤrückt werden. Der entlassene Eisenbahnsekre⸗ tär Pritsch, der in Bad Ems sich den Franzosen zur Verffigung stellte, bearbeitet das Personal der Bahnhöfe der Lahnstrecke und fordert es auf, den Eisenbahndienst wieder zu übernehmen. Er behauptet den Bediensteten gegenüber, in' Wiesbaden und anderen Orten habe das Personal den Dienst zum größten Teil wieder aufgenommen, die Arbeitsaufnahme geschehe weniger im Interesse der Franzosen als im Inte resse der Eisenbahner und der rheinischen Bevölkerung. Die Behauptungen des Pritsch sind blanker Schwindel. — Arbeitslosigkeit herrscht im Lahntale in bedenklichem Ausmaße und sie nimmt immer mehr zu. Fast ein Sechstel der organisierten Arbeiterschaft ist erwerbslos oder nur mit Notstandsarbeiten und Kurzarbeit beschäftigt. Da ist es um so mehr zu begrüßen, wenn neue Arbeitsgelegenheit erschlossen wird. Die Kalkindustrie scheint trotz der Verkehrshemmnisse und der fast vollständigen Lahmlegung des Baugewerbes noch genügend Aussichten auf Profit zu zeigen. So wurde jetzt bei Weinbach ein neuer Kalksteinbruch in Angriff ge⸗ nommen. Die Steine werden vorläufig in rohem Zustande verladen. Auch die Firma Krupp hot eine neue Eisensteingruppe in der Nähe von Ernsthausen in Angriff genommen. Marburg⸗ Kirchhain. Marburg. In der hiesigen Allg. Ortskrankenkasse belaufen sich nach dem Geschäftsbericht die Einnahmen im abgelau⸗ fenen Geschäftsjahr auf 14957 945,29 Mk. und die Ausgaben auf 15 052 217,97 Mark. Als Kassenbestand verbleiben 95 430,34 Mk. Das Vermögen der Kaffe hat sich um 1 789 412,89 Mk. vermehrt. Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug 6209 gegenüber 5947 im Jahre 1921. 5273 waren hiervon versicherungspflichtig und 936 freiwillig versichert. Die Anzahl der Arbeitgeber betrug 1520. An Beiträgen gingen 13 913 042,34 Mk. ein, was auf den Kopf des Mitgliedes 2240,78 Mk. beträgt. Die Ausgaben verteilen sich auf Arztkosten 4 820 643,67 Mk., Zahnärzte 818 146,50 Mk., andere Heilpersonen 197,10 Mk., Arznei und sonstige Heilmittel 304 095,59 Mk., Kranken⸗ hauspflege 573 704,20 Mk., Krankengeld 2 028 861,85 Mk., Persönliche Verwaltungskosten 1472 084,20 Mk. Die Ausgaben für die Familien⸗ hilfe(Mehrleistung), für die ein Beitrag nicht erhoben wird, beträgt 486 157 Mk. Von den reinen Ausgaben entfallen auf den Kopf des Mitgliedes für ärztliche Behandlung 739,94 Ml.= 30,5 Prozent der reinen Ausgabe. Aerztliche Behandlung für Familienangehörige 36.62 Mk.= 15 Prozent, zabnärztliche Behandlung 131,77 Mk. 5,4 Prozent. Die Krankheitsfälle(verbunden mit Erwerbsunfähig⸗ keit) belaufen sich auf 3054; davon entfallen auf die männlichen Mit⸗ glieder 1816, auf die weiblichen 1238. Die Krankheitstage betrugen 51 937, von denen auf die männlichen 27 535, und auf die weiblichen Mitglieder 24 402 entfallen. Der durchschnittliche mit Erwerbsun⸗ fähigkeit verbundene Krankenbestand am 1. eines jeden Monats be⸗ trug 253= 4 Prozent der Gesamtmitgliederzahl. Für die Kasse waren im Berichtsjahr 35 Kassenärzte tätig. Kleine Nachrichten. Frankfurt a. M., 30. Mai. Millionendiebstähle bei der Stadt. Der Nachtwächter Peter Schließmann hat im Laufe der letzten Wochen in den ihm zur Betreuung anvertrauten Räumen der städtischen Materialverwaltung Stoffballen im Werte von 10 Mil⸗ lionen Mark gestohlen. Dem Manne wurde das Handwerk dadurch sehr erleichtert, daß er von seinem Kontrolleur den Schlüssel zur Kontrolluhr ausgehändigt erhielt, wodurch es ihm möglich war, über⸗ haupt nicht aufzupassen, sondern die Kontrolluhr schon bei Beginn des Dienstes zu stechen. Frankfurt a. M., 30. Maj. Frankfurter Getreide⸗ börse. Bei weiter scharf ansteigenden Preisen wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen(Wetterauer) 205—210 000 Mk., Roggen 190— 195000 Mk., Gerste 160—170 000 Mk., Hafer inl. 140160 000 Mk., Weizenmehl südd. 360—400 000 Mk., Roggenmehl 225-240 000 Mk., Kleie 85-90 000 Mark. Landfriedensbruch⸗Prozeß in Berlin. Der große Landfriedens⸗ bruchprozeß wegen der kommunistischen Ausschreitun⸗ gen vor dem Zirkus Busch im Oktober vorigen Jahres anläß⸗ lich der Kundgebung des Bundes für Freiheit und Ordnung wird nunmehr am 29. und 30. Juni vor dem Schwurgericht des Land⸗ gerichts J zur Verhandlung gelangen. Die Anklage richtet sich gegen den Stadtverordneten Dr. Rosenberg, den Redakteur der„Roten Fahne“ Steinicke den Kassierer der Kommunistischen Partei Jegelka und 13 Arbeiter, sämtliche Mitglieder der Kommunistischen Partei. Anklage gegen den Freiherrn v. Kähne. Gegen den Schloßherrn auf Petzow, v. Kähne, ist jetzt Anklage wegen vorsätzlicher Tötung erhoben worden. Die vorsätzliche Tötung soll an dem 16jährigen Obstzüchter Laase zus Geltow begangen sein, dessen Leiche vor einiger Zeit in einem Walde verscharrt aufgefunden worden ist, der zum Besitztum Kähnes gehört. Die Verhandlung gegen Kähne soll in der am 11. Juni beim Landgericht Potsdam beginnenden Schwurgerichtsperiode stattfinden. Beraubung einer Leiche. In Berlin wurde, wie dortige Blätter berichten, auf dem latholischen Michaelkirchhof die Leiche der 21jährigen Tochter eines Fabrikanten abgestellt. Die Tote war mit einem weißen Spitzenkleid im Werte von 300 000 Mark bekleidet. Als am Tage vor der Beerdigung die Mutter die Tochter noch ein⸗ mal sehen wollte, entdeckte man beim Oeffnen des Sarges, daß die Leiche sämtlicher Sachen beraubt war. und Vokalkomponist in der Musikwelt und in den Kreisen der Aufblühen des Handelsverkehrs auf der Donau. Die Bedeutung der Donauschiffahrt, deren deutscher Mitte! Regensburg ist, und das Aufblühen des Hamdelsverkehrs 60 Südosten geht am besten hervor aus dem Ausbau einer Hand flotte, der der„Bayerische Llond“ in Regensburg durchge t Eben ist der letzte Schleppdampfer des jetzigen Baup vom ersten Bürgermeister der Stadt München, dem Schmidt, im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Namen„München“ getauft und vom Stapel gelassen wo Freiwilliger Tod einer ganzen Familie. In Wies hat eim 59jähriger städtischer Brunnenarbeiter Schu st selbst, seine bei ihm wohnende Tochter und deren 11jäh oigen aus Verzweiflung wegen Krankheit und Nahrungssorgen Leuchlgas vergiftet. Ueber den deutschnationalen Redakteur Reis, der f einiger Zeit wegen Gattenmordes vor dem Schw in Marienburg zu verantworten hatte, aber freigesprochen meldet die Voss. Ztg. daß er in französische Dienste get als Redakteur eines framzösischen Blattes im besetzten G. e Das freisprechende Urteil wurde damals fast allgemein als 8 hrt 4055 urteil bezeichnet. Lokale Parteinachrichten. Unterbezirk Nidda. 2 Sommtag, den 3. Juni. Unterbezirkskonferenz in Nidda, n müttags 2 Uhr, bei Gastwirt Rudolf Rings haufen.— ordnung: 1. Organisationsfragen des Unterbezirks. Stocck⸗Nidda. 2. Frauen⸗ u. Jugendfragen. Ref.: Gen. Lehren Vilbel. 3. Verschiedenes.— Die Ortsvereine Nidda, Unte ten und Kohden, sowie die Parteifreunde von Michelnau, Salzhausen, Geiß⸗Nidda Borsdorf, Fauerbach, Schwelkartz Ober⸗Widbersheim und Wallernhausen sind hierzu e Zu Punkt 2 der Tagesordnuma ist der Besuch der Frauen wlünscht. Mit Parteigruß 5 Storck, Unterbez 8 Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegun Der grundsätzliche Achtstundentag.* Der Reichsverband der deutschen Industrie, an dessen Spitze Stinnes, Thyssen, Klöckner, Vögler, v. Stemens, v. Borsig stehen, hat sich bekanntlich in Interesse der Reparationsleistu der Entsetzung des Ruhrreviers und damit der Wiedergesundung deutschen Wirtschaft zu großen Opfern aufgeschwungen. Die dustrie will dem Reiche einen Teil ihrer Sachwerte verpfänden mit es die nötigen Anleihen aufnehmen kann. Allein diese„O deren Größe man noch nicht einmal recht sehen kann, werden wisse Gegenleistungen des Staates gebunden die in dem Schr der Industriekönige aufgeführt find. Es soll jene Aktivität Zahlungsbilanz wiedergewonnen werden, die zu einer Stabilit der Währung führt. Dem stehen zumächst die Demobilmachung schriften im Wege, die aufgehoben werden müssen, damit der Arbeiter endlich wieder vogelfrei wird. Er darf dafür wieder in den glorreichen Tagen vor dem Kriege den vierten oder fl Teil seines Arbeitsverdienstes für Wohnungsmiete zahlen. 1 muß seine Arbeitskraft voll einsetzen für quantitative und qu 5 der ion für das Ausland. Zwar soll der Acht stundentag grundsätzlich stehen bleiben. Das Unternehmertum will nur Tariffr um durch Aussperrungen— bei denen es auch nach Einführm Erwerbslosenversicherung keine Unterstützung gibt— die 2 träge mit etwas längerer Arbeitszeit, von 10 und 11 E nach der„Notlage“ der Industrie, des Handels und Ge dem Plebs schon fertig werden; durch Hunger wird er mütrbe. Die Gewerkschaften müssen zu dieser Opferbereitschg Industrie ungesäumt Stellung nehmen und ein deutliches A mitreden, solange es noch Zeit ist. a 5 Arbeiter, bleibt dem besetzten Gebiet fern! l Unsere Klassengenossen im besetzten Gebiet haben schun unter den Unbilden der fremden Eindringlinge zu le Hart kämpft das arbeitende Volk im Ruhrgebiet. sollten aber doch keine Arbeiter aus dem unbesetzten G kommen und ihnen in den Rücken fallen! Das mag u immer beabsichtigt sein. Es geschieht aber, nament wenn man glaubt, jetzt im Ruhrgebiet Arbeit finden können. Es ist sogar schon vorgekommen, daß Zugereist an der Sache des deutschen Volkes zu Verrätern g worden sind, indem sie sich den Franzosen zur Verfügung nz stellten. 3 Arbeiter im unbesetzten Gebiet! Haltet Unaufgeklär davon ab, diesem schändlichen Beispiel zu folgen! Auch mi Uebelwollenden, die in voller Kenntnis der Sachlage dorthf gehen, ist ein ernsthaftes Wort zu reden. Sorgt für de haltung des Zuzuges! 4 1 byzantin sahnslos mi. Ahne abtret alen„letzte Ake das ter unter a beizubringer gel 1 Aus den amtlichen Bekanntmachungen. Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 40 vom 29. Ma Mehl⸗ und Brotyr entha sorge.— Miete für die Dienstwohnungen der Lehrer.— ö meiner hessischer Jugendseiertag.— Wahl zum Provinzialtag. Bücher und Schriften. 5 Ein neuer Volkschor. Prof. Paul Büttner, der als Sympho 1 beitersänger gleich geachtete und geschätzte Meister, bee eben im Chorverlag von J. Günther, Dresden, einen höchst beachten? werten Männerchor:„An Bebels Grab“ nach einer Dichtung von 0 5 Steiger. Das Werk ist bei vornehmer Harmonisierung, wegen seine mächtig packenden Steigerungen von außerordentlicher Wirkung. Die wenig komplizierte Führung der Stimmen licht auch kleineren Chören eine erfolgreiche Aufführung. Der 6 1 eine ungemein wertvolle Bereicherung der ziteratur. Versammlungskalender. Klein⸗Linden. Soz. Wahlperein. Samstag, 2. abends 8¼ Uhr, wichtige Mitgliederversammlung im Ver lokal. Alles erscheinen. 1 Daubringen. Wahlverein. Samstag, 2. Juni, ab 8% Uhr. Mitgliederversammlung bei Joh. Emil Schäfer, scheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich, Gießen. Freie Turnerschaft. Samstag, den 2. abends 8% Uhr: Monatsversammlung im Gewerkschaftsha nerzimmer. Das Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht. ieee Dollarstand Donnerstag Mittag 12 Uhr: 67 e Karabiner und Munition wurden pt, Matratzen in den Speisesgal gebracht und die Fenster daß der obere Stadtplatz mit Gewehrfeuer bestrichen wer⸗ J 1 stand zum Schnellfeuer bereit. derweilen der N e König hinter den Armierten Mauern schlief und sich und breit keiner er Rosenheimer Eutlausungsgardisten zeigte FDiese königstreue Betätigung wäre uns an sich gleich, wenn der sche Herr Or. Noth nicht bald danach das Bedürfnis gefühlt Jätle November⸗Verbrecher— wie er sie heute nennt— anzubetteln lt sie ihm als Staatsbeamten das Ueberspringen der bülrokratischen knleiter ermöglichen. Dabei entwickelte sich die Anpassung des setrenen Mannes an die Republik in sprunghafter Weise. War 0 5 der Wunsch nach einem leitenden Posten bei der Staats⸗ Wefhenstephan, so steigerte sich diefer schließlich zu dem direk⸗ rlangen nach dem Stuhl eines Regierungspräsidenten im Bayern. Der damalige Minister des Innern, Gen. Endres (scdoch die allzu ohe Selbstefnschäzung der Fähigkeiten des leksamtmannes nicht, sodaß Herr Dr. Roth es dann vorzog, von gen„Errungenschaften“ zu profitieren, die der Kapp⸗Pulsch in rn im Gefolge hatte! Sollte die bayerische„Eigenart“ wirklich eit gehen, diesem ehrgeizigen Herrn zum zwekten Mal ein Minister⸗ eule auszuhändigen und zwar diesmal das noch bedeutsamere 1 5 e 1 e e einen Zweifel dar⸗ . 6 inisterpräsident i lf r aus Braunau im Salzburgischen bel e * Das Recht auf Wiedereinstellung. Der Reichstag hat in feiner letzten Si am 16 9 ssen, die Regierung zu erfuchen, bis 8 e, dem 00 955 5 dat des Reichstages, die Vorlage für ein Notgesetz ente eiten, durch das den infolge der Ruhraktion arbeitslos ge⸗ Ghenen Angestellten und Arbeitern grundsätzlich das Recht auf ereinstellung gesichert wird. Inzwischen ist dem Reichsarbeits⸗ um vom Afabund ein ausgearbeiteter Gesetzentwurf zur Be⸗ g unterbreitet worden, dem wir folgende Grundgedanken die entlassenen Arbeiter und Angestellten sollen den Anspru, 1 in dem Betrieb oder Bureau wieder eingestellt zu 1 7 te vor dem 11. Januar 1923 beschäftigt waren. Die wirtschaft⸗ U 0 N N 9 9 n, als es den Bestimmungen der Demobilmachungsverord⸗ N. 12. Februar 1920(S 110) entspricht mit 76 Nase e daß itgeber, die eine Befreiung von der Wiedereinstellungspflicht be⸗ uchen eine Entscheidung beim Schlichtungsausschuß beantragen en. Den Wiedereingestellten soll für drei Monate die Unkünd⸗ 6 it gewährleistet werden, und sie sollen auf ihre alten Rechte sowie bie tarifvertraglich geregelte Entlohnung wieder Anspruch haben. Für weitere Kündigungen im besetzten Gebiet sieht der Entwurf a Afabundes einen verstärkten Kündigungsschutz im Sinne der 6 98 des Betriebs rätegesetzes vor, d. h. sis sollen die Zustim⸗ ig der Betriebsvertretung zur Voraussetzung haben. Der Afabund het bereits vor Wochen und wiederholt die Av⸗ ö ig zu einem solchen Notgesetz gegeben, und man darf wohl er⸗ en, daß nach der einmütigen Willenskundgebung des Reichstages Annehr— die Vorarbeiten für das Gesetz mit aller Beschleunigung 0 ö 8 Abdankung. Zum Tode des letzten Großherzogs von Sachsen⸗Weimar. Die byzantintsche Geschichtsschreibung läßt ihre Helden fast g Fahmslos mit einer mehr oder minder heroischen Geste von der bühne abtreten. Ob es sich dabei um einen„Helden“tod, die Fühmten„letzten Worte“ Sterbender oder eine rührsame Ab⸗ Aüungsszene handelte, immer zeigt sich das Bestreben, den Auß ber Laufbahn eines gekrönten Hauptes möglichst effektvoll Aßustellen. Es lag im System der Erziehung zur Untertänigkeit, Volke das Gefühl für die Erhabenheit und Größe seiner Be⸗ Ascher unter allen Umständen, nicht zuletzt auf Kosten der Wahr⸗ ö bringen und zu erhalten. Diese Methode eines raffiniert gelten und bis zur letzten Konsequenz jahrhundertelang . geführten Geschichtsunterrichts erweist sich bei der Erziehung Jepublikanischem Denken und Fühlen heute noch als ein großes Ibernis, das durch den Hang des deutschen Volkes für Ro⸗ tik und heroische Legenden nicht Abdankung der deutschen Fürsten im November 1918 vollzog 1 in absolut nüchterner, undramatischer Weise, ohne jede heroische 75 Ne oder Tat, daß jedem Urteilsfähigen die Absurdheit des Ge⸗ sallens einer natürlichen Ausnahmestellung eines Monarchen klar den mußte. Trotzdem wird heute noch jede Gelegenheit benutzt, t die Tatsache des ruhmlosen Zufammenbruches deutscher keit, den alten deutschen Untertanengeist neu zu den republikanischen Gedanken zu jetet das Verhalten reaktionäre des Ablebens des ehemaligen Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach. Ihn erscheinen zu lassen, fällt selbst dem 0 Der Pepnge el n u ingestellt un 5 Le; die ihm zwar Mitleids⸗ Ber⸗ ea pen Bericht: fn 2 kritischen Tage erschien eine Abordnung des Ar⸗ Soldatenrates unter Führung des späteren Staats⸗ m Großherzog und forderte ihn klipp und dann einen längeren ch der materialistischen sse und seiner Um⸗ rotz seines guten 2 N eren Se mir zu.“—„Bitte“, fagte der Gro ssen.—„Da kann ich 3 in ganz Deutschland sind. Damit Sies nur 1 3 5 Ga A n Weg. Vorträge terzeichnete seine Abdankung. ee en die Absicht des Artikelschreibers und Lacht über die Trostlosigkeit monarchistischer Stimmungs⸗ „die aus dem Aufsätzchen spricht. Hier der Fürst, der über 0 bedeutsamsten, Stunde alistische Geschichtstheorie in der 6105 alan anmatftalssch es L feriert, dort der ange 1 laden Abgeordnete, dessen Argument. der 0 nee auf den Tisch ist. Gibt e 1 5 . auf welch trügerischen 2 public ge⸗ e ist es notwendig, den, wirklachen Ser halt der Abdankung des Großherzogs festzuhalten 5 1 aid der Tatsachen jeder Legendenbildung, die 5 1 7 e sublikanischer Bestrebungen gern ausgewertet wird. Arbeiter und die in Demonstration. Die⸗ l n. u 8. November 1918 vereinbarten die on li Soldaten eine gemeinsame u eee a Nachmittag dem Großherzog in. 1510 es Sia en ferkel 270 dehee 5i 1 5 i u flüchten. Wilhel 0 g sd fiese die Hier mit den gröbsten Vorwürfen, daß Fer di der Verhaͤltnisse nicht unterrichtet unwesentlich verstärkt wird. Der Großherzog ließ zunächst seine Be. , f ann ihnen ähigkeit der einzelnen Betriebe soll insoweit Berücksich⸗⸗ verlaugte 5 an der auch Mitglieder des inzw Auftreten sonst kennzeichnee, war verschwunden. der, wie die übrigen, in setner ganzen menschlichen Schwäche da⸗ stand, als der Sturm der Volkserhebung ihm den Flitter des Leben so unrühmlich war wie ihr Ende, durch Geschichtsfälschungen daß die Rohstoffindustrie bei der Dollaranleihe nicht in er⸗ ann kurz nach 2 Uhr die Besprechung statt, deren Verlauf die lm Ernst erschien in selograuer Uniform und bot das Bild eines dem Standpun eelisch vollkommen gebrochenen Menschen. Keine Spur von Würde in der Welt einen gü oder Entschlossenheit lag in seinem Wesen, die K die sein] leines machen. Auch er wisse, daß Deutschland in dieser Sache im ö a on Gewissens⸗ Necht sei, aber wir hätten es mit einer Welt zu tun, die dieses bissen geplagt, kam er sofort nach einfgen Bemerkungen über die uoralische Plus nicht anerkenne. Forderung der Abdankung auf den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Soldatenmißhandlung zu sprechen. Damit war nach „Ich weiß nicht,“ sagte er zu dem Abgeordneten,„ob Sie auf schöpft. mein fürstliches Ehrenwort etwas geben. Aber es ist zucht wahr, en abe sie der Goldschatzanleihe ihre Unterstützun versagt. e An⸗ icht, daß die chemische Industrie die Anleihe 94 für diesen Zweck eine en des Staatsministertums,] den der lebensnotwendigen Probuktion, Landwirtschaft und In⸗ an 0 ischen gebildeten Arbeiter⸗ und J dustrie. Die Regierung Cuno⸗Becker habe den Verf 8e. ö Soldatenrates teilnehmen wiirden. In dieser Situation über- dieser Entwicklung Einhalt zu tun. Ihre Markstabilisterung set se⸗ raschte den Abgeordneten Baudert, der gerade von einer doch von der deutschen Wirtschaft durchkreuzt worden. ei Sitzung heimkehrte, eine telephontsche Einladung in das Schloß. Er 0 leistete ihr Folge und wurde von dem Hofmarschall empfangen, der ihn frug, ob er bexreit sei, eine Unterredung mit dem Groß⸗ zeichnen können, sek nicht streng zahlenmäßig zu nehmen, herzog zu führen. Zeuge dieser Unterredung sollte Rechts- werde überall geäußert. Seine Absicht sei gewesen, den Wirtschafts⸗ anwalt Jöck sein. Der Abgeordnete Baudert hatte nichts da⸗ kreisen das nationale Gewissen zu 1 7(Zuruf des Abg. Schild⸗ gehen einzuwenden. Im Empfangszimmer des Großherzogs fand bach: Das ist verloreye Mühe!). Die Konzernbildung 1 0 che tte 10 fach über⸗ sie . 5 d als liberaler Wirtschaftspolitiker. Er habe lehiglich sch ge⸗ menschlich— allzumenschlichen Eigenschaften einer auf das Piede⸗ sagt, wenn man durch Hingabe eines Viertels drei Pier el seines al der Untertanenverehrung erhobenen Person offenbarte. Wil⸗ Vermögens retten könne, so solle man es tun. Und er he auf lt, wenn man jetzt kein Angebot machen könne, das tigen Eindruck mache, so solle man lieber ga⸗ einigen unwesentlichen Ausführungen des Abg. Ebner(Kom.) u. a. die sast zweitägige Generaldebatte er⸗ Das Kapitel wird genehmigt. Der Antrag Brauer, be⸗ daß ich Soldaten geschlagen habe.“ treffend Aushebung der Bewirtschaftung pon Butter und Käse, „Wenn Sie das sagen, so muß ich es glauben“, erwiderte ihm wird gegen die Stim; Baudert,„fest jedoch steht, daß Sie kleine Kinder mit der Reit⸗ Glaser und Gen., betr. peissche so“mißhandelten, daß sie blutige Striemen davontrugen!“ kredite, wird einstimmig angenommen, ebenso der Antrag des men der Rechten abgelehnt. Der Antrag Veschleunfgung der Auszahlung der Rüben⸗ „Ja mein Temperament“, stöhnte der Großherzog und fan! Bauernbundes, betr. Nichterhöhung der Bahntarise für Dünger⸗ vollends zusammen. und Lebensmittel. Damit ist das Kapitel erledigt. Eine peinliche Pause entstand, bis sich der Fürst wieder zu einer Frage aufraffte. Lesung genehmigt. „Nun verlangen die Soldaten meine Abdankung?— Das sind ja garnicht meine Landeskinder!“ „Die Abdankung verlangen nicht nur die Soldaten, auch andere Kreise“, entgegnete Baudert,„und übrigens haben Sie ja sonst keinen Unterschied gemacht, wenn sie die gaer als Ihr bostele Kerze 80e ntger- Fre dee uw, fort. Seren Die Kap. 76—86 Die Erstreckung des Finanzgesetzes wird auch in zweiter werden ohne Debatte Ueber die Nachmittagssitzung geht uns folgender Bericht zu: Stürmische Szenen im Landtag. 1 etzte nachmittags seine Beratungen bei Kap. 86, Regiment besuchten!“ 5 „Aber warum soll ich denn abdanken?“ fuhr der„historisch⸗ die Abgg. Storck(Soz. Frau Roth(Kom.) und Abg. Kindt materialistisch“ geschulte Großherzog fort,, be doch meinem Dent) und legten die een beschbigenprobkem bar. Leb hafter gebattete scch die Ausfprate „Beruhigen Sie sich nur“, fiel ihm der Abgeordnete mit beim nächsten Kapitel Er ö g e dene ee leichter Ironie in die Rede, 5 Gute wird man anerkennen. Sie werden nicht allein dem Thron entsagen, sondern alle dent⸗ Kau!(Soz.) und schen Fürsten werden zurücktreten müssen.“ meine Familie in Sicherheit gebracht Uebernehmen Sie jetzt stürmischen Szenen. während es dem mur die Garantie, daß ich unbehelligt gelassen werde.“ 5 Mühe möglich war, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Auffassung ihrer Parteien zum Kriegs Wenn Sie so bald als möglich Weimar verlassen— ja!“ Himwesse des Abg. Ebner auf bevorstehende„Tazen“ nstigten gen Inzwischen wurde gemeldet, daß der Staatsminister Dr. 2 5 Inmiern. Rothe vor der Tür warte. Der Großherzog machte eine ah⸗ wehrende Handbewegung, die bedeuten konnte: der mag draußen Minister bleiben. Na 8 für sozialdemokra „Lassen Ste ihn ruhig eintreten“ bemerkte Baudert,„er kann[ schen Antrog, ausgesprochen hatten, wurde derselbe ang en o 55 . ruhig die Verhandlung mit anhören.“ men umd das Kapftel genehmigt. Hierauf wurden Der Staatsminister erschien und der Abgeordnete fuhr fort ausstehenden Kapitel „Ich muß auf der Forderung sofortiger Abreise beharren, weil Ste wohl selbst wissen, daß Sie bei dem allergrößten Teil die des Arbetts⸗ und Wirtschaftsminister duns ohne Debatte angenommei, 0 Fortsetzung Montag, den 11. Juni, nachmittags 2 Uhr be⸗ der weimarischen Bevölkerung nicht beliebt sind, ja, 5 bitter es ginnend, mit dem Etat für das Justigministerium. ge klingen mag, als der gehaßteste Fürst Deutschlands n.“ Der Fürst und sein Staatsminister zuckten bei dieser Offen⸗ heit zusammen. „Ich habe doch für mein Land sopiel Gutes getan und noch tun wollen,“ erwiderte der Erstere kläglich 4 Rechtsanwalt Jö cc erbot sich hierauf den Großherzog in hen Haus aufzunehmen und dafür Sorge zu tragen, daß ihm„kein Haar gekrümmt werde“. Dem widersprach der Abgeordnete Baudert ganz energisch. Er verlangte, daß der Großherzog bis zu seiner umgehend zu erfolgenden Abreise mit seiner Familie im Schloß bleibe. Er schlug ihm als nächsten Aufenthalt Schloß Allstedt oder als absolut sicheres Asyl die Schweiz vor. Der e frug ganz verwundert:„Ja, darf ich denn ins 5 Baudert bedeutete ihm, daß dem nichts im Wege läge, wenn die Bahnverbindung in Ordnung sei. Rechtsanwalt Jöck versuchte noch einmal mit überflüssigem Pathos auf den Abgeordneten einzuwirken, indem er ihn auf Jen schwere Verantwortung hinwies, wenn der letzte Sproß er Wettiner auf dem weimar ischen Fürstenthron in einer blutigen Tragödie enden würde. „Das wird von dem Fürsten selbst abhängen“, war die kühle Antwort, womit die Besprechung beendet wurde. Die weitere Entwicklung der Angelegenheit war reine Form⸗ sache. Am Abend des 9. November würde der Abgeordnete Baudert aus einer Sitzung des Arbeiter⸗ und Soldatenrates im Gasthof zum an in Weimar in ein besonderes Zimmer gerufen, wo ihm Staatsminister Dr. Rothe die Abdankungsurkunde überreichte. Rechtsanwalt Jöck, dessen wenig rühmliche Rolle während der Kapp⸗ Putsch⸗Tage in Weimar noch in gebührender Exinnerung ist, hatte vergebens versucht, den Großherzog zu veranlassen die Worte„für alle Zeit“ in dem Thronverzicht zu streichen. Im Morgengrauen des 12. November reiste der Großherzog unter einer von ihm erbetenen Bedeckung nach Schloß Allstedt. Sang⸗ und klanglos endete damit die Regie rungslaufbahn eines deutschen Autokraten, Gottesgnadentums vom Leibe riß. Nur Narren können den Ver⸗ such unternehmen, diesen Gespenstern der Vergangenheit, deren nachträglich einen Glorienschein zu verschaffen. Man wird sich ihrer höchstens wie eines bösen Traumes erinnern. Hessischer Landtag. stadt, 30. Mai. Die allgemeine Aussprache zu dem Etat des Ministeriums flür Arbeit und Wirtschaft wurde heute zu Ende geführt. 5 In längeren Ausführungen beschäftigte sich Ministerialdirektor Uebel mit den vorgetragenen Wünschen der Fraktionen. Einen befonders breiten Raum nahmen seine Ausführungen zu dem Verhältnis der Landwirtschaftskammer ein, von dem er wünschte, daß es wie seither ein freundschaftliches sein möge. Die Fragen der Milchversorgung, des Butterpreises, sowie der landwirtschaft⸗ lichen Schulen zog er in den Kreis seiner Betrachtungen. Eine Aufhebung der Verordnung über den Verkehr mit Butter und Käse sei zurzeit nach Ansicht der Regierung nicht angängig und den entsprechenden Antrag bitte er abzulehnen. Die Landwirtschafts⸗ kammer müsse selbstverständlich neu gewählt werden, sobald es nur irgend möglich sei, die notwendigen Unterlagen für die Wahl zu beschaffen. Die Bedenken gegen die Landwirtschaftsämter könne er nicht gelten lassen. Redner umschreibt die Aufgaben und die Grenzen der Wirksamkeit der Landwirtschaftskammer, die durch die Aemter natürlich in keiner Weise behindert werden dilrfte. Abg. Del p(Soz.) hält es nicht für zweckmäßig, einzelne Vor⸗ stellungen von Beamten oder Beamtengruppen jetzt mit, zu behan⸗ deln. Der Finanzausschuß habe dementsprechend beschlossen und er bitte darum, den Antrag Hofmann usw. zurückzuziehen, bezw. abzu⸗ lehnen. Desgleichen einen Antrag Jost(Bd.), betr. 45 Millionen Zuschuß zur Verbesserung der Hutweiden im Vogelsberg. Da müßte erst der Finanzausschuß sprechen. Eine bedeutsame Höhe erreichte die Debatte bei der Er⸗ widerung des Abg. Dr. Büchner auf die Einwendungen des Abg. Kindt und Dingeldey gegen dessen gestrige Rede. Er wies die ihm gemachten Unterstellungen. zuriick und blieb im übrigen dabei, wünschtem Maße ihre Schuldigkeit getan habe. Er habe nicht gesagt, daß die Verarmung nur von der Konzentration des Ver⸗ mögens in den Händen der großen Industrie herrühre, aber was frist. Heberzeugung, daß gehende Vorbereitung lich ist und überließ ummittelbar zu ver beiden Bezirke. Gießener Betriebe d. den Stundenlohn der klärungsfrist. besttern 66 000 Mk. Der Deutsche Verbandstag, den er jähriges Jubiläum feiern kann, veröffentlicht jetzt nungsabschluß für das Jahr 1922. Aufschwung, den der ist in andauerndem A dem über 38 000, im industrie. Hierüber der fu gendlichen aber bis zum Schluß Die Gewimmung des legen sein. geringen Mitteln zu e die Zuspitzun 1 ö 0 e „November te die sozialdemokratische Jan on das ae 19 0 un Kenntnis, daß der Rück⸗ oßherzogs unter 1* Annen» yrdert würde, und der verlorene Kriog uns übrig gelassen haba, das sei in den Hän⸗ Uebung in den Bezirken Gießen und Arbeitsrecht, Gewerlshastliges, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschun der Provinz Oberhessen in Sieten Sitzung vom 29. Mai. Der Metallarbefterband und der Arbeitgeberver⸗ band für Lahngau und Oberhessen stritten wegen eines Abkommens über Urlaubsvegelung und Ueber stundenbezahlung im der ober⸗ hessischen Metallindustrie. Der Schlichtungsausschuß kaun. 2 der weitere — wegen der Verschiedenheit der „ der Angelegenheit durch die Streitteile noch keine einheitliche Regelung für die beiden Bezirke zusammen mög⸗ es daher den Streitteflen, zumächst weiter handen über gesonderte Regelungen für die Das Eisenwerk Hirzenhain beantragte gegen seinen Arbeiterrgt die Einslührung der Akkordregelung, die der Schlich⸗ tungsausschuß durch den Schiedsspruch vom 28. 3. 1923 für 7 55 er Metallindustrie getroffen hat. Wie die Verhandlung ergab hatten die Streitteile noch nicht miteinander verhandelt. Ihr hisherineg Abkommen enthält keine Bestimmumg über seine Kündigung. Dennoch war der Schlichtungsausschuß der Ansicht, daß es zunächst gekündigt werden müßfe mit der Frist, die für die Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter des Be⸗ triebes gilt. Er lehnte es zintächst ab, einen Schiedsspruch zu fällen. f Den Alsfelder Schuhmacherbetrieben gab er auf Gebilfen vom 14.91. Mai auf 1200 M. zu erhöhen. Diese Lohnhöhe entspricht dem Antrag des Zentral⸗ verbandes der Schluhmacher. Die Strei tteile erhielten Er⸗ Die Spivituosenbetriebe S. Ehrmanm Söhne und Emil Reis Nachf. in Friedberg sollen vom 14.—31. Mai ihren gelernten Ar⸗ Wochenlohn zahlen und die übrigen Söhne in demselben Verhältnis erhöhen. Auch hier entspricht die Lohm⸗ höhe dem Antrag des Arbeiterverbandes. Dessen Vertreter er⸗ baumte den Schiedsspruch an. Die Berriebe erhiel den Erklärungs⸗ Ein Jahr Gewerkschafts arbeit. Holzarbeiterverband, der auf dem Mitte Juni in Kassel abhält, feim dreißig⸗ einen Rech⸗ Der stürmische Verband. wie alle Gewerkschaften unmittel⸗ bar nach der Revolution, zu verzeichnen hatte, ist einer e 0 aber stetigen Entwicklung gewichen. Die, Mitglfederzah lufstieg begriffen und hat im Jahre 1922 das vierte Hunderttausend überschritten. Von 388 463 Ende 1921 ist sie auf 434843 em Schluß des Jahres 1922 angewachsen. Dabei übt die jeweilige Wirtschaftslage einen unverkennbaren Einfluß auf die Mitgshhederentwicklung aus. Im zweiten Viertelf wur dritten nahezu 39 000 neue Mitg. genommen; das Nachlassen des Geschäfts ganges im vierten die Zahl der Aufnahmen auf nicht gang 25 000 herab. Bemerkenswert ist die starke Zunahme der weib⸗ lichen Mitgliedel. Ende 1913 waren es erst 7470 oder 3,9 v. H. der Gesamtzahl. Ende 1922 zählte der Verband 50 195 weibliche Mitglieder: diese bildeten 11,6 v. H. der Gesamtzahl. Die wachsende Bedeutung des weiblichen Elements ist wohl im erster Linne auf die gesteigrte Werbetätigkeit zurückzuführen. Deren Erfolg wude aber begünstigt durch eine starke Zunahme weiblicher Arbeftskräste in den verschiedenen Zweigen der Holz⸗ dürfte die nächste Gewerbezählunng beachtens⸗ werte Aufschlüsse beingen. Noch stärker ist die Zunahme der Mitglieder, dio Ende 1913 erst 1148 betrug, des Jahres 1922 auf 30 612 angewachsen ist. Nachwuchses läßt der Vorband sich sehr ange⸗ Die Juhresrechnung des Verbandes schließt bei 664,4 Mil⸗ lionen Mark Einnahmen und 315,9 Mill sonen Mark Ausgaben mit einem Ueberschuß von 348,5 Millionen Mark ab. Unter den Aus⸗ gaben stehen an erster Stelle die Kosten der Streiks umd Aus- sperrungen mit 71 Millionen Mark. Dabei ist jedoch der Anteil bieser Ausgaben an den Gesamtausgaben des Verbandes, ver⸗ glichen mit früheren Jahren, verhältußsmäseg klein. Der im ganzen genommen recht aute Geschäftsgang im Jahre 1922 ge⸗ stattete es dem Verbande, ansehnliche Erfolge mit verhältwismäßig erzielen. 1 0 — Der Oberbürgermeister. N Deutscher Arbeiter- Sängerbund(Nhein-Maingau, 25 Bezirt Sonntag, den 3. Juni, vormittags pünktlich 8 Uhr ertungs-Singe Gruppe III: Gesangverein„Bruderkette“, Holzheim 75„Harmonle“, Atzbach 35„Eintracht“, Krofdorf 5„Heiterkeit“, Gleiberg 9„Sängerlust“, Daubringen 15„Sängerbund“, Nauborn „Lahngruss“, Naunheim Arb. Gesangverein„Konkcordia“, Rüdingshausen 83 im Stadt- Theater zu Giessen. Es singen der Reihe nach wie folgt: Gesangverein„Liederkranz“, Allertshausen 5„Eintracht“, Kinzenbach 9„Eintracht“, dr. Buseck Gruppe II: Arbeiter-Sängervereinigung Londorf Arb.- Gesangverein„Germania“, Alten-Buseck „Liedertafel“, Launsbach Gesang verein e Watzenborn- Steinbg. 15„Preiheit“, Klein-Altenstädten „Eintracht“, Neiskirchen Gesangverein„Eintracht“, Marburg Arbeiter-Gesangverein Lauterbach Arb.-Gesangverein„Germania“, Waldgirmes Volkschor Dillenburg Gesangverein„Liederdlute“, Garbenteich Gruppe I: Arbeiter-Gesangverein„Eintracht“, Oiessen Arbeiter-Gesangverein Heuchelheim Volkschor Wetzlar Arb.-Oesangverein„Hoffnung“, Treis a. Lda. anschiiessend: 50-lährige Jubiläums-Feier des Arheiter- Gesangvereins„Eintracht“ Giessen im Philosophenwald. Gesangverein„Vorwärts“, Lollar: Arbeiter-Gesangverein„Sängerkranz“, Wiese Arbeiter-Oesangverein Staufenberg Gesangverein„Vorwärts“, Rodheim a. d. Ardeiter- Gesangverein„Eintracht“, Wissmar Frauenchor„Eintracht“, Giessen Gemischter Chor„Eintracht“, Alsfeld Gemischter Chor„Eintracht“, e 2 Der Bezirksvorstand. third Bekanntmachungen Bekanntmachung. Das Hessische Kreisamt Gießen hat auf Einspruch des Gießener Hausbesitzer⸗Vereins die Hundertsätze zum Reichsmietengesetz wie folgt festgesetzt: 1. Steigerung der Zinsen 140% 2. Betriebskosten. 400% 3. Lanfende Instandsetzungsarbeiten 9000/0 4. Große Instandsetzungsarbeiten 60000/ Zusammen 15540% Diese Sätze trelen am 1. Juni 1923 in Kraft. In den Betrisbskosten sind nur die Kosten der Hausverwaltung enthalten; die übrigen Kosten ins⸗ besondere(Wassergeld, Schornsteinfegergebühren, Grund⸗ steuern, Brandversicherungsbeiträge, Kanalgebühren, Haftpflichtversicherung) find auf die Mieter umzulegen. Den Zahlungspflichtigen sind die Auforder⸗ ungszettel und der Verteilungsplau vorzulegen. Gießen, den 30. Mai 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Seib. Bekanntmachung. Im Amtsverkündigungsblatt Nr. 39 vom 25. Mai 1928 ist eine Bekanntmachung betr. Erhöhung der Ge⸗ bühren für Reinigung der Schornsteine veröffentlicht, auf die hiermit hingewie sen wird. 5 Gießen, den 25. Mai 1923. J. B.: Krenzien. Bekanntmachung. Durch Schiedsspruch wurden der Stallpreis für Vollmilch und die Milchverarbeitungsgebühren mit Wirkung vom 1. Juni 1923 wesentlich erhöht. Unter Hinzurechnung der gestiegenen sonstigen Unkosten be⸗ rechnet sich der Milchpreis ab 1. Juni 1923 für das im Milchgebiet der Stadt Gießen 1 1105 Liter auf— Zur Deckung der befonderen Unkosten die durch den Bezug von Milch aus auswärtigen Molkereien entstehen, wird von jedem an Verbraucher ab⸗ gegebenes Liler Milch ein Zuschlag erhoben von 1 (Dieser Zuschlag ist von dem Milch⸗ verkäufer an das städtische Lebens⸗ mittelamt abzuführen). Der Kleinverkaufspreis verrechnet sich mithin auf. Mk. 1200.— für das Liter und tritt gemäß Beschluß der städt. Lebensmitteldeputation vom 30. Mai 1923 mit Wirlung vom 1. Juni 1923 in Kraft. Gießen, den 31. Mai 1923. 1 Der Oberbürgermelster. J. V.: Dr. Seib. Bekanntmachung. Infolge der Steigerung der Preise für Kohlen, Löhne usw. sind die Strompreise wie folgt erhöht worden: für Kleinbeleuchtung Mk. 1999— für die kh „Kleinkrast 1050.—„„ Die Zählermieten sind ebenfalls ab 1. Mai 5 Js. um 100% erhöht worden. Die Strompreise werden monatlich berechnet und „ 95.— i veröffentlicht und kommen für den verflossenen Monat sab 1. Juni d. Js. zur Erhebung. Gießen, den 30. Mai 1923. Direktion der Elektrizitätswerke und 9 Straßenbahn der Stadt Gießen. Stolte. Bekanntmachung. Die Fahrpreise der Straßenbahn werden mit Wirkung ab 1. Juni d. Is. wie folgt festgesetzt: für eine Fahrt 5 zu 9 Teilstrecken Mk. 250— „ über 9 Teilstrecken 300.— das Monatsabonnement beträgt 11250.— ür Kinder, Schüler und Schülerinnen bis zum vollendeten 14. Lebens⸗ jahre„ 5625.— Fahrscheinhestchen gelangen nicht mehr zur Veraus⸗ gabung. Die im Verkehr befindlichen Fahrscheinhel ichen unten noch benutzt werden. Gießen, den 30. Mai 1923. 1 Direktion der Elektrizitätswerke und 5 Straßenbahn der Stadt Gießen. 5 Stolte. Giessen dauerhafte gute Schuhwaren 0 f aller Art. N ever Bahnhofstrasse 30 (neben Schade& Füllgrabe) Beste und billigste Bezugsquelle für Sein ache, Die e ee für den Ausschluß von der öffentlrchen Brotversokgung sind auf Grund der Reichs⸗ verordnung vom 9. 5. 1923 geändert. Die betr. Ver⸗ ordnung ist in den Aushängekästen angeschlagen. Gießen, den 30. Mai 1923. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Sei b. Zbellanntmachung. Der Herr Reichsmintster der Finanzen hat durch Erlaß vom 17. Mai 1923— III G 6030— den Wert der Natural⸗ und sonstigen Sachbezüge für die Zwecke des Steuerabzugs vom Arbeitslohn mit Wirkung vom 1. Juni 1923 ab wie folgt sest⸗ gesetzt: leinschließlich Wohnung, Volle freie Station Heizung und Beleuchtung): J für weibliche Hausangestellte, Lehrmädchen und sonstige gering bezahlte weibliche Arbeitskräfte(z. B. Mägde): . monatlich 60 000 Mk. b) für männliche Hausangestellte, Knechte, männliche und weibliche Gewerbegehilfen und für Personen, die der Angestelltenver⸗ sicherung unterliegen, sowie für die in der Großschiffahrt d. h. auf Fracht⸗ und Passa⸗ gierschiffen über 100 Brutto⸗ ⸗Register⸗ Tonnen beschäftigten Personen, soweit sie nicht unter d) bezeichnet sind: monatlich 80 000 Mk. für Angestellte höherer Ordnung, soweit sie nicht unter d) bezeichnet sind(3. B. Aerzte, Apotheker, Hauslehrer, Hausdamen, Ge⸗ schäftsführer, Werkmeister, Gutsinspektoren) onatlich 100 000 Mk. d) für die in der Großschiffahrt beschäftigten Lehrlinge, 55 Kapitäne, nautischen und technischen Schiffs⸗ offtziere und sonstigen im Offiziersrang stehenden Glieder der Besatzung: monatlich 120 000 Mk. Von den angegebenen Sätzen entfallen auf freie Wohnung einschließlich Heizung und Be⸗ leuchtung ohne Naturalbezüge ein Sechstel auf das erste und zweite Frühstück ein Sechstel auf das Mittagessen auf das Abendessen Wird nur freie Wohnung ohne Beleuchtung und ohne Naturalbezüge ist der Wert der freien Wohnung nach üblichen Mittelpreisen anzusetzen. Der Wert der den Berabauangestellten und Bergarbeitern gewährten Hausbrandkohle wird auf 75 v. H. des Großhandelspreises festgesetzt. Für die Deputate in der Land⸗ und Forstwirt⸗ schaft sind die Werte besonders festgesetzt. Diese sind bei dem zuständigen Finanzamt zu erfahren. Die Wertsätze gelten nur für den Steuerabzug vom Arbeitslohn. Die Steuerausschüsse sind bei der Festsetzung des steuerbaren Einkommens im Veranlagungsverfahren an sie nicht gebunden. Die bisherigen Festsetzungen des Wertes der Natural- und sonstigen Sachbezüge treten mit Wirkung vom 1. Juni 1923 außer Kraft. Darmstadt, den 25. Mai 1923. Landesfinanzamt drei Sechstel ein Sechstel. Heizung und gewährt, so den orts⸗ Abteilung für Besitz⸗ und Verkehrssteuern. nne Nachts Kindern gebe man Dr. Buflebs wohlschmecknd. Kindertee. Zu haben bei E. Karn, To legt im eignen ntrressg eines Jeden, ietzt noch die günstige Gelegenheit auszunutzen, um wirk- f lich noch vorteilhaft und billig la Offenbacher bederwaren loh verkaufe noch, solange Vorrat reicht, unter den heutigen Einkaufspreisen Grosse Auswahl in Brieftaschen, Geldschein- taschen, Aktenmappen, Damentaschen, Beiuchs- talchen, Koffer in Vulkanfibre und Leder mit und ohne Einrichtung, Kabinenkoffer, Schrankkofier und Reilenecellaires. ö lenbacher beierparenbertrieb ur 8 Eirchenplat 8, I. Stock. kein n * 1 11 1 N einzukaufen nur im 255. Zentral⸗Drogerie. 2661 „Servus“ ene 5/ch ein Ne 20 je Schuh- erhalt dss le dei. chem. Verte lubazyns l& Cx. A-G. Berlin- Lichtenberg. ee W. Mildner Niederlage der Offenbacher Lederwarenlabrik Chr. Mildner& Co., en gros G. m. b. 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