N Freie Hessische Zeitung. Alles durch das Volk. Jeder Arbeit ihr Lohn. Nr. 2. Gießen, Dienstag den 21. März 188. Der Fürstenkongreß in Dresden. Von dem Könige von Preußen ist im Vereine mit der östr. Regierung eine Einladung an die deutschen Bundes⸗ genossen ergangen zu einer gemeinsamen Berathung über „diejenigen Maasregeln, welche unter den gegenwärtigen schwierigen und gefahrvollen Verhältnissen das Wohl des deutschen Vaterlandes erheischt.“ Der also zusammenberufene Kongreß wird ein Kongreß deutscher Fürsten sein. Kann das deutsche Volk erwarten, ja kann es nur hoffen, daß die Beschlüsse dieses Kongresses der Festigung der deutschen Nationalität in Verbindung mit der Frei— heit— und nur dahin ist der gewaltige Ruf der Zeit ergangen— günstig sein werde? N Wir sagen Nein— wir sagen es mit tiefer Betrüb— niß, aber wir sagen Nein und abermals Nein! Blicken wir zuerst im Allgemeinen auf die Kongresse der Fürsten oder ihrer Minister, welche bestimmt waren die Geschicke des deutschen Volks im Ganzen, die Verhält— nisse der einzelnen deutschen Staaten unter sich zu ord— nen, so sehen wir leider in allen Beschlüssen solcher Kongresse, vom Kongresse zu Wien im Jahr 1815 an bis zu den ebendaselbst gehaltenen geheimen Ministerialkon— ferenzen vom Jahr 1834 und weiter, keinen der Freiheit, dem Wohle, der Macht des deutschen Volks günstigen Geist sich offenbaren, im Gegentheil Maasregeln aus allen hervorgehen, die jeder Entwickelung des deutschen Volkes zur gesetzlichen Freiheit und zum Nationalbewußtsein ent— gegen waren. Wir schlagen die Macht nicht gering an, welche die fortschreitende Zeit, welche zunächst die Nöthigung des Augenblicks auch auf diejenigen ausübt, welche in jedem Rechte des Volks nur eine Beeinträchtigung ihrer Vor⸗ rechte, ein Verbrechen gegen ihre von Gott verliehene Oberherrlichkeit zu sehen sich gewöhnt haben. Aber wir können keine solche Aenderung der Gesinnung und Ueberzeu⸗ gung bei ihnen voraussetzen, daß sie auch den Rechten des deutschen Volks, den verbrieften sowohl, als denen, welche Gott ihm gegeben, gerechte Rechnung, und zwar aufrichtig und ohne Hinterhalt, werden tragen wollen. Wir haben um so mehr Mißtrauen in einen im volksthümlichen Sinne glücklichen Erfolg des beabsichtigten Fürstenkongresses, wenn auch dessen Berathungen„zu einer Regeneration des deutschen Bundes führen sollen, durch welche das deutsche Volk in ihm wahrhaft vereinigt, durch freie Institutionen gekräftigt werden soll ꝛc.“ Wir gründen dies Mißtrauen hauptsächlich darauf, daß die beiden deut— schen Mächte, welche diesen Kongreß veranlassen, Preußen und Oestreich, noch immer, mit Verwirklichung des Art. 13 der deutschen Bundesakte, jetzt, nach 33 Jahren, mit der Gewährung der Rechte, noch immer im Rückstand sind, deren das deutsche Volk zu seiner lebendigen— nicht zu einer enggegliederten und geschnürten— Entwickelung im Innern, und Kräftigung nach Außen bedarf. Warum zögert Preußen, warum zögert Oestreich, wenn sie es aufrichtig und ehrlich meinen mit einer Wiedergeburt Deutschlands zur Freiheit und Nationalität, mit der Ge⸗ währung solcher Institutionen, wie sie die Volksstämme im Süden und Westen Deutschlands besitzen und weiter aus— zubilden begriffen sind, wie auch ihre Völker seit Jahren wiederholt und in neuester Zeit lauter und dringender sie begehren? Warum unterdrückt Preußen jeden freieren Ausdruck des Volkswillens mit der Gewalt der Bajonette? Warum sendet Oestreich Streitkräfte ins westliche Deutschland; warum Besatzung nach Ulm, einer noch unfertigen keines⸗ wegs zu vertheidigenden Bundesfestung? Solche Kundgebungen sind wahrhaftig nicht geeignet das Vertrauen des Volks, des so oft und so bitter ge⸗ täuschten Volks, für diese Berathungen der deutschen Bundesfürsten zu erwecken, die, von Oestreich und Preußen veranlaßt, von ihnen ohne Zweifel geleitet werden. Noch Eines. So lange die enge Verbindung dieser beiden Großmächte des deutschen Bundes mit Rußland, dem barbarischen, jeder Freiheit feindlich entgegentretenden Rußland, dauert, so lange die Bevormundung dieser deut⸗ schen Staaten— wir sprechen dies harte Wort mit eben so tiefem Schmerze als mit festbegründeter Ueberzeugung aus— durch Rußland, durch das in Deutschland allgemein verhaßte Rußland nicht aufhört, so lange kann das deutsche Volk zu Vereinbarungen kein Vertrauen haben, welche von Oestreich und Preußen zum Wohle Deutschlands in Aussicht gestellt sind. Erst mache sich Oestreich, mache sich Preußen von dem unwürdigen Einflusse Rußlands frei, welcher auf ihm lastet, und es lähmt; erst gewähre Oestreich, gewähre Preußen seinen Völkern als Geringstes das Maas der Freiheit, dessen sich die übrigen deutschen Bundesstaaten fast durch⸗ weg erfreuen. Dann wird das deutsche Volk Vertrauen zu Maasregeln fassen können, die beide zu dessen Wohl vorzuschlagen die Absicht haben. Unseren konstitutionellen deutschen Staaten aber müssen wir rathen auf ihrer Hut zu sein. Ja wir vertrauen deren Fürsten daß sie diesen Kongreß nicht besuchen werden. Denn jeder Beschluß desselben, der nicht dem deutschen Vaterland volle Gewähr giebt für seine Freiheit im Innern und nationale Entwickelung zur Macht gegen Außen, stürzt dasselbe, wir sind es überzeugt, in furchtbare Spaltung und unheilbare Zerrüttung;— ja er führt zum Unter⸗ gange des Allen theuern Vaterlandes. Dr. Bansa. Wir sind etwas abweichender Ansicht von unserem verehrten Mitarbeiter, jedoch nur in Beziehung auf die Theilnahme der süddeutschen Fürsten. Wenn wir für die Völker das freie Versammlungsrecht verlangen, so wollen wir dies Recht auch den Fürsten nicht wehren; aber wir dürfen auch hoffen, daß gleiche Rechte gleiche Pflichten nach sich ziehen. Deßhalb ersuchen wir unseren verehrten Erbgroßherzog-Mitregenten, der sein Glück darin findet, an der Spitze eines freien Volkes zu stehen und dessen festem Willen wir vertrauen, dem Congresse beizuwohnen; aber vor allen Dingen, und als Bedingung seiner Theilnahme, auf Oeffentlichkeit der Sitzungen desselben anzutragen. Oeffentlichkeit ist jeder berathenden und gesetzgebenden Be— hörde fortan ein nothwendiges Element; in der Oeffentlich⸗ keit liegt auch die wesentlichste Bürgschaft gegen die heim⸗ lich schleichende Reaction. Der Congreß der Fürsten soll über die zur Sicherung nach Außen und zur Förderung des Volkswohles nach Innen nothwendigen Maßregeln be— rathen— aber damit das Volk diese Berathungen und Beschlüsse würdigen könne, müssen sie vollständig zu seiner Kenntniß gelangen, muß es wissen, was Jeder seiner Fürsten in jetziger Zeit denkt und wie er zu handeln gesonnen ist. Offenheit weckt Vertrauen— seid also offen! Berathet öffentlich, wie unsere Kammern, wie unser künf⸗ tiges deutsches Parlament, und bedenket, Ihr gekrönten Häupter Deutschlands, daß die geheimen Conferenzen und Berathungen es waren, die das Mißtrauen in Aller Herzen gesät haben. Aus der Wetterau. Die standesherrlichen Bauern des Kreises Hungen haben nun auch nach gepflo⸗ gener Berathung dem Fürsten von Braunfels ihre For— derungen durch eine Deputation ans Herz gelegt, und zu— gleich die Punkte bestimmt, deren Abhülfe oder Förderung sie von unsrer Regierung erwarten. Sie haben diese letz— tern in einem Schreiben an Gagern niedergelegt, der früher ihr Deputirter war; indem sie ihre Freude aussprechen daß der Mann des Volks Minister geworden, geloben sie in Eintracht mit ihm auf der Bahn der Ordnung und Freiheit muthig voranzuschreiten. Ihr Verlangen aber ist: Selbständigkeit der Gemeinden, Beschränkung der Ge—⸗ walt der Kreisräthe, Besorgung der theueren Geschäfte des Kreisboten durch den Ortsvorstand, Abschaffung der Decanatsrechner und Ueberweisung des Kirchenfonds an die Gemeinden, Aufhebung des Brenngesetzes, ein neues Forst⸗ und Feldstrafgesetz, gleichmäßige Besteuerung des Einkommens, und demzufolge Ermäßigung oder Aufhebung andrer Abgaben, wie des Stempels. Andre Orte senden Deputationen nach Darmstadt oder Petitionen an die Kam— mer; wenn auch hie und da bei der politischen Unerfahren— heit, in welcher man das Volk seither gehalten hatte, im ersten Eifer der Mißverstand sich zu einzelnen Exeessen verleiten ließ, bald hoffen wir wird überall ein gesetzlich freies öffentliches Leben gedeihen. In Berlin haben Cürassiere und Husaren, in Ham⸗ burg die Reiterei der Bürgergarde auf harmloses, unbe— wehrtes Volk eingehauen. Die Wuth des stehenden Heeres in der preußischen Hauptstadt soll nicht größer gewesen sein, als die des Bürgermilitärs in der Handelsstadt. Wir kennen das Recept, um eine solche Wuth künstlich hervorzubringen und theilen es mit. Man lasse die Caval⸗ lerie drei Stunden lang im Casernenhofe aufsitzen, die In— fanterie vier Stunden lang Gewehr bei Fuß stehen und gebe dann das Zeichen zum Angriff;— die Truppen werden mit gränzenloser Wuth über ihre eigenen Brüder herfallen und dieselben morden. Das Reeept ist probat;— es wurde früher schon in Paris und diesmal in Berlin und Hamburg angewandt;— wie man sieht, mit dem glücklichsten Erfolge. In Nassau macht das Volk von seiner frischerrunge⸗ nen Freiheit guten Gebrauch. Allsonntäglich finden in den Städten Versammlungen der Bürger und Bauern statt, auf welchen über die Angelegenheiten des Vaterlands be— rathen wird, damit das Gutachten des Volks über das neue Wahlgesetz, über die Gemeindeordnung, über Volks⸗ wehr und Kirchenverfassung den Ständen vorgelegt werde. Diese von unten aufsteigende demokratische Organisation wird den Bau des neuen Staates dauernd begründen. In Braunfels hat der Fürst den Bauern aus dem Preußischen, die in Masse vor sein Schloß gezogen waren, Zehnten und andere Gefälle nicht abgelöst, sondern ganz erlassen; die hessischen Wetterauer, die durch eine kleine Deputation Zehntablösung für den achtzehnfachen Betrag und Betheiligung des Fürsten an den Gemeindelasten er— baten, hat er nicht einmal vorgelassen, sondern sie an die Commission ihres Ministers verwiesen. Mögen sie fest und nachdrücklich beharren, und zu einem glücklichen Ziele kommen, damit nicht das Volk die gefährliche Lehre über die Vorzüge des Gewaltwegs vor dem Rechtswegs lerne, die hier ein Standesherr gegeben hat! Der Commandant von Marienschloß soll seine Sol— daten nicht auf die Verfassung vereidigt, sondern in einer Anrede gesagt haben, er hoffe, daß die Soldaten die Liebe und Treue, welche sie dem Großherzoge gewidmet, um so mehr auf den Erbgroßherzog übertragen würden, als eine Rotte Verworfener die bestehenden Gesetze umgestoßen habe. Wir ersuchen um Widerlegung dieses Gerüchtes, da wir nicht glauben können, daß ein hessischer Offizier die Verei— digung auf die Verfassung umgehen oder die Männer, welche jetzt unserm Fürsten zur Seite stehen, als eine Rotte Ver⸗ worfener bezeichnen werde. Gießen hat auch eine kleine Polizeirevolution gehabt. Nach einer Versammlung im Leib'schen Hause wurde be— schlossen, eine Deputation mit dem Bürgermeister an der Spitze zu dem Kreisrathe zu schicken und die Entfernung des Polizeirathes Zulehner, sowie zweier Polizeidiener, Schirmer und Schweizer, zu verlangen. Letztere sind von dem Kreisrathe sogleich entlassen, über Ersteren nach Darmstadt berichtet worden. Politische Uebersicht. Das bedeutungsvollste Ereigniß, welches die letzten Tage gebracht haben, ist die Revolution in Wien. Die Regierung, die man noch vor zwei Tagen als den Angel— punkt der Reaction in Deutschland ansehen mußte; die das lombardische Königreich mit Truppen übersäte, weil sie der Treue ihrer deutschen Unterthanen versichert zu sein glaubte; die Truppen verrätherischer Weise nach Ulm schicken wollte, um der Bewegung in Süddeutschland einen Damm entgegen zu setzen; die in Prag das Ständehaus mit Truppen umgeben und geladene Kanonen dagegen auf— fahren ließ, um von der Unterzeichnung der liberalen Adresse der böhmischen Stände abzuhalten; die Metter⸗ nich'sche Regierung, um sie mit einem Worte zu nennen, ist gestürzt, der Fürst der Reaction hat Wien verlassen müssen! Die zahllosen Truppen, welche man in Wien zusammengezogen hatte, die auch in blindem Gehorsam gegen den Erzherzog Albrecht feuerten(man sagt wenig⸗ stens, daß dieser Sprosse des Kaiserhauses den Befehl zum Morden gab), diese Truppen konnten nicht den Sturm eines Volkes zügeln, das unter jahrelangem, schmählichem Drucke geseufzt hat. Die Zahl der Todten und Verwun— deten kann begreiflicher Weise Niemand genau angeben. Wird die Bewegung sich bei den nichtssagenden Con⸗ cessionen aufhalten lassen, welche der Kaiser gewährt hat? Wir hoffen nicht! Metternich ist entlassen, Errichtung einer Bürgergarde, Bewaffnung der Studierenden gewährt; man spricht auch von Gewährung der Preßfreiheit, von Bildung eines neuen Cabinetes durch die Grafen Kolow— rat und Montecuculi. Wem könnte dies genügen? Oestreich muß in die Reihen der übrigen Nationen ein— treten, es muß alle Concessionen in vollem Maße sich erringen, welche das übrige Süddeutschland besitzt, der Kaiser muß in die Reihe der constitutionellen Fürsten ein⸗ treten. Die Wiener haben jetzt aus Erfahrung gelernt, auf welche Weise man in der jetzigen Zeit Forderungen stellt, um sie gewährt zu sehen; mögen sie das begonnene Werk auch zu Ende führen; möge Ungarn und Böhmen ihnen beistehen, sich mit ihnen vereinigen! In Berlin hat mau an drei verschiedenen Abenden nacheinander, am 13., 14. und 15., auf das unbewehrte Volk einhauen lassen; jedesmal gab es Verwundete, man kennt bis jetzt sicher nur einen Todesfall; am 15. wurde auch auf das Volk gefeuert. Auf die nichtigste Veranlas— sung hin wurde von dem rohesten Uebermuthe Blut ver— gossen. Barrikaden in Berlin! kein Mensch hat daran gedacht, sie sind nur eine halboffizielle Lüge um die Un⸗ thaten zu beschönigen, mit welchen die preußische Regierung sich blutig befleckt hat. Der König von Preußen hat bis jetzt weiter Nichts zugesagt, als periodische Wiederkehr des vereinigten Landtags und Zusammenberufung desselben im nächsten Monat;— wegen der Preßfreiheit hat er eine ausweichende Antwort gegeben. Dabei hat er eine vor— treffliche Rede gehalten, worin er sagt, daß er nur ein freies Volk als freier Fürst beherrschen wolle und während er wehrloses Volk, das nirgends Widerstand leistet, nieder- säbeln und niederreiten läßt, schreibt die offizielle Preußische Zeitung, Preußen habe längst den Weg der Reform betre⸗ ten, werde auf ihm consequent fortschreiten und nur im Verein mit dem nun auch der Reform angeschlossenen Oestreich, sowie mit den übrigen Bundesgenossen mit um so glücklicherem Erfolge für die Umgestaltung Deutschlands zu einem kräftigen, von dem nationalen Bewußtsein getra⸗ genen Staate wirken können. O der Heuchelei! Der König von Hannover hat eine Proklamation an seine Hannoveraner erlassen, die in einem schauerlichen Style verkündet, daß er stets(auch durch Aufhebung der Verfassung 2) für das Wohl seiner Unterthanen Alles Mög⸗ liche gethan habe, auch jetzt gerne seinen letzten Tropfen Blut dem Wohle seines Volkes opfern werde, daß er aber durchaus gar nichts gewähren werde, zumal da die Re⸗ formbestrebungen in dem Lande nur durch Fremde einge⸗ flößt seien, die Unordnungen und Verwirrungen anzuregen bemüht wären. Die von Göttingen geschickten Deputirten hat der König nicht angenommen; die Studenten haben Göttingen verlassen, die Professoren sollen ihre Entlassung fordern wollen.(Ist uns höchst unwahrscheinlich— um solcher Dinge willen, wie Preßfreiheit, Associationsrecht ꝛc. sollten die Göttinger Professoren ihre Entlassung fordern?) Dem Marsche der östreichschen Truppen nach Ulm ist Einhalt gethan worden. Der Fürsten- und Ministercongreß, der nach Dresden bestimmt war, soll jetzt mit dem Bundestage nach Potsdam eingeladen werden. Man wird ihn nach Petersburg oder nach Sibirien verlegen müssen, wenn man der Reform⸗ bewegung aus dem Wege gehen will. Baden hat alle politischen Verbrecher aus den Zucht⸗ häusern entlassen. So viel wir wissen, sitzt Niemand mehr in Hessen; aber viele unserer Mitbürger sind ihrer politi⸗ schen Rechte beraubt, da sie nur von der Instanz absolvirt wurden und müssen noch jetzt an den Kosten des langwie⸗ rigen Prozesses bezahlen. Wir erwarten mit Zuversicht von unserem geliebten Fürsten und seiner Regierung, daß in den nächsten Tagen Alle durch politische Vergehungen Be einträchtigten in den vollen Genuß ihres Staatsbürger— rechtes wieder eingesetzt und die sämmtlichen, noch nicht bezahlten Untersuchungskosten niedergeschlagen werden. Gießen, 19. März. Ein Deputirter von Seemen, (zur Grafschaft Stolberg-Gedern gehörig) reist so eben durch. Derselbe hatte den Auftrag, von dem Hrn. Grafen, der in Roßla am Harze wohnt, die Nachlassung einiger geringfügiger Abgaben, wie namentlich des s. g. Gaisengeldes verlangt. Der Graf hat Alles verweigert und als der Deputirte ihm bemerkte, dann könne man für Nichts stehen, antwortete der Graf: Er wolle es darauf ankommen lassen. Neueste Nachrichten. Rußland hat von Dänemark dessen Flotte verlangt und will ihm dafür die Incorporation von Schleswig-Hol⸗ stein und Gebietsvergrößerung in Deutschland versprechen. Norddeutsche, seid auf der Hut vor Dänen und Russen! In Schwerin sind am 13. Fenster eingeworfen, der Generalmarsch geschlagen, eine Bürgergarde organisirt und dadurch die Ruhe hergestellt worden. In Magdeburg ähnliche Vorfälle am 15., wobei aber nach Berliner Vorgängen auch eingehauen wurde. Jordan und Hildebrandt, suspendirte Professoren in Marburg, sind wieder eingesetzt. Man lädt zu einer Lehrerversammlung auf Mittwoch den 22. März, 10 Uhr Morgens in Darmstadt und zwar im Darmstädter Hofe ein. Besucht die Versammlung recht zahlreich, ihr Lehrer! In Wien ist wirklich Preßfreiheit verfügt und Einlei⸗ tung zur Ertheilung einer Constitution getroffen. Das ist noch lange nicht genug. In Berlin ist am 16. zum vierten Male auf wehr— loses Volk gehauen und geschossen worden;— zum vierten Male ist Blut geflossen. Wann werden diese schändlichen Metzeleien enden? Rußland rüstet offen gegen den Strom der Anarchie, wie es die Reformbewegungen nennt. 8 Aufforderung. Wir haben in der ersten Nummer unsres Blattes den Wunsch ausgesprochen daß ein- oder zweimal wöchentlich eine Versammlung zu gemeinsamer Besprechung und Be— rathung unsrer öffentlichen Angelegenheiten statthaben möge; die Sache hat Anklang gefunden und wir laden unsere Mitbürger ein, Dienstags den 21. dieses Monats Abends um 8 Uhr im Saale des Prinzen Karl diese Vereinigung zu beginnen und das Weitere selbst zu verabreden. Gießen, 18. März. In den Generalrath der Bürger— garde wurden gewählt: Dr. Soldan mit 760 Stimmen, Hofgerichtsrath Völcker mit 701 St., Kaufmann E. Pistor mit 394 St., Hofgerichtsrath Kraft mit 382 St., Professor Credner mit 377 St., R. Fendt, stud. jur. mit 374 St., Wirth E. L. Ferber mit 370 St. und Rendant Bieler mit 341 St. Es gereicht dem Unterzeichneten zu inniger Befrie- digung, dem Publikum mittheilen zu können, daß die in der Nacht vom 13. auf den 14. März Statt gehabten Ruhe⸗ störungen nur einigen Muthwilligen, nicht aber der Wacht— habenden Mannschaft der Bürgergarde zur Last gelegt werden können. Den 17. März. C. Vogt. Ich warne vor einem Individuum, welches sich in der Wetterau und dem Vogelsberge herumtreiben und meinen Namen zu Aufreizungen mißbrauchen soll. Ich habe Niemanden mit Aufträgen irgend welcher Art weder in die genannten Gegenden, noch sonst wohin geschickt und er— suche deßhalb inständigst, sich vor dem Betruge solcher Leute zu hüten. C. Vogt. Verantw. Redaction M. Carriere u. C. Vogt. Von diesem Blatt erscheinen von heute an wöchentlich drei Nummern(Dienstags, Donnerstags und Samstags); der Preis für das Vierteljahr ist 1 fl., wozu für Auswärtige noch der Postaufschlag kommt. Auswärtige abonniren bei den zunächst gelegenen Postämtern, die Bewohner unserer Stadt und Umgegend bei der Unterzeichneten. Inserate aller Art werden in der unterzeichneten Buch⸗ handlung und in der Buchdruckerei von W. Keller angenommen und mit 3 kr. für die gespaltene Petitzeile berechnet. Um die Ausgabe des Blattes nicht aufzuschieben, mußte ein Theil der Exemplare von Nr. 1 in kleinerem Format ausgegeben werden; für die Folge wird die„Freie Hessische Zeitung“ in Format und Ausstattung wie die heutige Nummer erscheinen, und den Abonnenten Nummer 1. in gleicher Ausstattung nachgeliefert werden. J. Nicker'sche Buchhandlung. Verlag der J. Ricker'schen Buchhandlung.— Druck von W. Keller.