—— 2. Vehr' (Angekuͤndigt unter dem Titel: Organ der demokratischen Vereine Oberhessens und des Lahnwehrbundes. ich! „Der Neue Juͤngste Tag“.) Erscheint täglich, Morgens, Montags ausgenommen. Preis 1 fl. 30 kr. vierteljährlich. Bringerlohn 12 kr., welche zu Ende des Quartals bezahlt Die einzelue Nummer 2 kr. Jnserate 2 kr die gespaltene Pet stzeite. Auswartige können nur bei ben zunachst gelegenen Postamtern abonniren, werden. bei denen sich das Abonnement um den üblichen Postaufschlag erhöht. Briefe und Gelder franko. . I. Gießen, Mittwoch den 3. Januar 1849. Ankündigung. In Folge einer Verständigung zwischen den Herren Carl Schild und Aug. Becker u. Comp. er⸗ scheint mit dem Neujahr 1849 weder der„Jungste Tag“, noch der neuangekundigte„Neue jüngste Tag“,— sondern es erscheint unter dem Titel„Wehr Dieh!!“ Organ der demokratischen Vereine Oberhes⸗ sens und des Lahnwehrbundes—(angekündigt unter dem Titel:„Der neue jüngste Tag“)— unter der Redaktion Aug. Beckers und unter der Letrung der Herren Ant. Gastauer und Jak. Wahl— eine neue Zei⸗ tung, welche unter verändertem Namen die Richtung des jüngsten Tags unermüdlich weiter verfolgen und in dem Geist desselben geschrieben wird. Der jungste Tag will also nur seinen Namen und sein äußeres Kleid ver⸗ ändern.— Herr Jak. Wahl, welcher die Geschäftsfüͤhrung und die Expedition des„Wehr' Dich“ übernehmen wird, ist beauftragt, von den Einwohnern dieser Stadt die Abonnementsgelder zu erheben, und allfällige Be⸗ schwerden wegen unregelmäßiger Expedition u. dergl. entgegenzunehmen. sich deshalb zunächst an die benachbarten Postämter zu wenden. bitten wir, sich bereits auf den von Herrn Schild angekundigten„Juüngsten Tag“ nicht dagegen reklamiren sollten, den„Wehr' Dich“ zusenden. Die auswärtigen Herren Abonnenten Denjenigen Abonnenten, welche abonnirt haben, werden wir, falls sie Auch werden wir den Offerten, welche Hr. Schilo dem Publikum in Bezug auf die Aufnahme von Auszügen aus den Civilstandsregistern u. dgl. gemacht hat, in dieser neuen Zeitung nachzukommen suchen. oder des„Neuen jüngsten Tags“ eingehen sollten, gen zu lassen. Politische Neujahruachtsrede. Landsleute, Freunde, Parteigenossen! So sind wir denn wieder versammelt, um nach einer mehr oder weniger löb⸗ lichen alten deutschen Sitte hinüberzutaumeln aus einem alten in ein neues Jahr— halb Hoffnung, halb Verzweiflung im Herzen! Viele, wenigstens Einige von Denen, die hierherge⸗ kommen sind, haben, ich fühle es, zu diesen lirmenden Festge⸗ lagen und zum huͤpfenden Tanz ein schweres Herz mitgebracht, so schwer, daß es sie niederziehen möchte auf den kalten Boden, um dort zu durchweinen diese verhängnißvolle Nacht, welche hinüberführt aus dem alten Jahr bitterer Taͤuschung in das neue Jahr der schweren Sorgen und der bangen Erwartungen, — in das Jahr 1849, das, wir fühlen es Alle, schwanger geht mit verhangnißvollen, entscheidenden Ereignissen. Es gab eine schoͤne, alte Prophezeihuug auf das Jahr 1848, eine Prophezeihung, welche sagte, dieses Jahr der sog. segensreichen Geburt Jesu Christi werde das Grab sein der Tyrannei, werde den jüngsten Tag bringen der rohen Gewalt des Menschen über den Meunschen, werde der Anfang sein jenes Reichs der Gerechtigkeit und der Wahrheit, dessen Er⸗ scheinen auf Erden unsere Väter seit Jahrhunderten vergeblich (weil unbewußt) in täglichen Gebeten vom Himmel erfleht Briefe und Gelder, bitten wir die Herren Postbeamten, welche unter der Adresse des„Jungsten Tags“ an Heren Wahl gelan⸗ A. Becker, verantwortlicher Redakteur; A. Gastauer, J. Wahl, Geranten des„Wehr' Dich!“ 0 hatten.— Ach! das Jahr 1848 ist ins Grab gesunken, die Ungerechtigkeit aber und die Lüge— noch sind sie obenz noch sizen die Gewaltherrschaft und das Vorrecht auf den Thronen, die betrogene Menschheit ins Angesicht höhnend;— noch scheint das Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit ferne von uns— von uns Deutschen zumal! Bemitleidet und verachtet von den freien Völkern, gehaßt und verflucht von den unterdrückten, verkauft und verrathen von den eigenen Landsleuten, enttäuscht und entmuthigt, verwirrt und rathlos: so ist das deutsche Volk in dem Winter eines Jahres angelangt, dessen Frühling es mit so stolzen Hoffnungen und— wir dür— fen es wohl sagen— mit manch' glorreicher Waffenthat be⸗ gonnen hatte. Siegreich im Vortreffen, hatte es in verderbli⸗ cher Vertrauensseligkeit den um Menschen-Gnade flehenden Herren von Gottes Gnaden einen unüberlegten Pardon und Waffenstillstand bewilligt und eine Nationas versammlung ge⸗ wählt, um das mit den Waffen begonnene Werk der Wieder⸗ herstellung Deutschlands auf dem Wege der souveränen Gesetz⸗ gebung zu Ende zu fuhren. Der Gedanke war gut, aber die Ausführung war schle cht. Die Nationalrersammlung war allmächtig im Anfang ihres Zusammentretens; sie konnte Alles— und that Nichts; sie konnte Deutschland zu Ein em freien Staat vereinigen; die Fürsten selber hatten ihr nicht — nur das Recht dazu zugeftanden, sondern auch die Mittel dazu geradezu in die Hand gelegt,— indem sie sich überall zur Einführung der Volksbewaffnung und Verminderung der ste— henden Heere bereit erklärten. Setzen sich diese r Menschen dahin und berathen in ihrem blödfinnigen Vertrauen 5 Monate lang über die Grundrechte,— über diese Grundrechte, in de⸗ ren Besitz wir uns längst befanden und von welchen wir täg— lich in Volksversammlungen, Vereinen, ceusurfreien Zeitungen, Adressen, Petitionen u. s. w. Gebrauch machten. Doch genug davon! Ihr wißt das Alles: auch kennt ihr den ehrlichen Leithammel, der unsere guten verirrten Schafe in die Wüste gefübrt hat, aus der sie Niemand erretten will. Denn ach, der Hirte, nach dem sie blöcken, er ist kein guter Hirte, er fürchtet sich selber und ruft verzweiflungsvoll: Es geht nicht! Es geht nicht! Es geht nicht!—— So hätte also die Prophezeihung auf 1848 gelogen! Nicht doch, ihr Kleingläubigen, sie ist in Erfüllung gegangen! Das Reich der Gerechtigkeit und Wahrheit ist wirklich erschienen in den Köpfen und Herzen des Volks. Das Volk— es hat vom Baum der Erkenntniß gegessen und gelernt, die Wei— sen von den Thoren zu unterscheiden und die politischen Män⸗ ner von den politischen Schwaͤtzern; die Treue, die falsche, hündische Treue an den angestammten Herrn und die ange— stammte Kette ist fort und hin für immer. Das Vertrauen, das einfältige, kindische Vertrauen auf die Verheißungen be— drängter Vorrechtler und verächtlicher Diplomaten ist todt, mausetodt; der Gedanke der deutschen Einheit ist in den Geist der ganzen Nation übergegangen— und es it eine de— mokratische Partei da, die, wäre sie auch nur halb so stark an Zahl, Eifer und Entschlossenheit, als sie scheint, nimmer und nimmer vernichtet werden kann.— das deutsche Volk ist noch nicht Mann geworden,— aber es ist auch kein Kind mehr; es fehlt ihm noch an Charakter, nicht aber an Ein⸗ sicht; sein Wille ist noch nicht sehr stark, aber er ist gut, In der That, Freunde, nur die Kurzsichtigen und Ungeduldigen können den ungeheuern Umschwung verkennen, der in dem Geist der Narion vorgegangen ist, nur die Kleingläubigen und Un⸗ wissenden können wähnen, daß diese neue Geistesrichtung je unterdrückt und vernichtet werden könne. Pah, Freunde! selbst der Geist, der in den Einzelnen lebt, kann nicht vernichtet wer⸗ den. Den Einzelnen kann man einsperren, köpfen, bestechen— der Geist aber, der in ihm lebte, wenn er ein guter und wah— rer Geist war, wird dann alsbald in einem andern Menschen seine Wohnstätte aufschlagen. Hat sich aber erst einmal der Geist der Freiheit und Nationalität eines ganzen Volkes be⸗ mächtigt: so kann er nicht mehr verdrängt werden; denn ein ganzes Volk kann man weder einsperren, noch hängen, noch be⸗ stechen— ein Volk stirbt nicht! Darum, Freunde, schauet getrost und mit Zuversicht in das neue Jaht 18491! Und laßt euch nicht von der Unge⸗ duld ergreifen. Woher doch in aller Welt ist dieser Sa⸗ tan der Ungeduld plötzlich in so viele dieser Deutschen gefahren, die sich sonst so geduldig Alles, Alles gefallen ließen! Wissen sie nicht, daß die wahre, selbstbewußte Geduld eine herrliche, männliche Tugend ist, ohne welche nichts Großes erreicht wer⸗ den kaynn. Geduldig, Freunde,— geduldig, thätig und entschlossen sei unser Wahlspruch. Sagt mir nicht, der rechte Augenblick sei verpaßt, weil man nicht zugeschlagen, als Hecker die Standarte der Empörung erhob. Was auch unsere jungen Freunde sagen mögen, wie sehr auch das Volk 2 jetzt fuͤr Hecker begeistert sein mag: Hecker konnte uns damals nicht helfen! Damals freilich waren die Fürsten schwach, aber die Demokraten waren es auch; das Vextrauen des Volks zu den Fürsten war zu jener Zeit noch nicht erschüttert; ein Sieg der Demokrateu würde daher nicht von Dauer gewesen sein. Das Volk selbst würde sich für Fürsten, welche gewiß wieder Alles versprochen haben würden, erhoben haben, um die De— mokraten niederzuschlagen. Die Art und Weise aber, wie die Vorrechtler ihren Sieg benutzt haben, hat dem Volk die Augen geöffnet und darum steht die Sache Deutschlands heute besser q ls 18. Doch um wieder auf den bewußten Hammel und auf den Hirten zurückzukommen: so wisset ihr Alle, wen ich darunter gemeint habe. Unter dem Ersteren verstehen wir e inen Mann, der fruher einige Proben von einer gewissen Unabhängigkeit, des Charakters gegeben, niemals aber irgend etwas gethan, geredet oder geschrieben hat, was uns den Beweis lieferte, daß er ein Herz habe für die wirklichen Leiden des Volks, daß er den Geist und die Kraft habe, unser so tief ins Unglück ge⸗ rathenes Land aufzurichten und wiederherzustellen. Dieser Mann hat einmal den Staatsrath Knapp einen Parteimann genannt — und ist deshalb pensionirt worden. Er hat die Pension ausgeschlagen und später Händel mit Herrn Georgi bekommen u. s. w. Das Alles— und seine dumpfdonnernden Reden mit den langen Pausen, seine feierlich zuternde Stimme, seine starken Augenbrauen u. s. w., hatten den Mann schon früher bei einem verehrlichen deuischen Publikum sehr beliebt gemacht — und ihm die Bewunderung der guten Schafe der Pauls⸗ kirche zugezogen, die in ihm wirklich einen großen Staats- mann und den Erretter Deutschlands erblickten. Das gute Volk! Sie wollten schwimmen ohne sich naß zu machen; sie glaubten die Einheit und Freiheit Deutschlands mit bloßem Gackern fertig zu bringen; sie hielten sich für Politiker, weil sie selbst manchmal gegackert, sich im Uebrigen aber nie ernst⸗ lich mit der gefährlichen Frage beschäftigt hatten, wie ein Volk frei, mächtig und groß gemacht werden könne. Kurz, Gagern, der wiklich ein edler Ritter, aber ein schlechter Musikant ist, wurde der Leithammel und hat seine Schafe— zum großen Gaudium und unter Anleitung der falschen Fünse von Diplo⸗ maten— in die Irre geführt, so daß sie jetzt nicht mehr wis— sen, wo aus noch ein. Und nun schreien sie alle nach dem König von Preußen, der sie erretten soll von den Füchsen und Wölfen, die sie umschwärmen. Der König von Preußen— wahrhaftig er wäre ein gan⸗ zer Mann, wenn er nicht ein halbes Weib wäre; er wäre ein Stück von einem Ritter, wenn er nicht ein ganzer Pietist und nebenbei ein Gemisch von einem russischen Autokraten und ei⸗ nem deutschen Professor wäre. Dieser Mann ist in den letzten Jahren arg gescholten worden in Deutschland und ich selbst weiß, daß kein Verlaß auf ihn ist. Und doch ist der Geist dieses Mannes nicht sowohl schlecht, als vielmehr unge sund und verunstaltet durch Pfoffen und Pfaffenwahn. Als er im März die Berliner bombardiren ließ, glaubte er in seinem gött⸗ lichen Recht zu handeln; als er das Haupt entblößen mußte vor den Erschossenen, glaubte er, der Herr wolle ihn demüthi⸗ gen, um ihn später wieder zu erhöhen— und wenn er sich jetzt weigert, deutscher Kaiser zu werden, so thut er es, 8 er fürchtet die Gesalbten des Herrn in ihrem vermeintlichen Rechte zu kränken.. Dieser Mann nun— sei er wie er wolle— ist ein maͤch⸗ — tiger Herr. Er ist der Köuig eines großen aber zerrissenen Staates, der gern noch größer werden möchte; er ist der Chef einer Armee von 600,000 tapfern Männern. die, wie es scheint, nur ihm allein zu gehorchen geneigt find. Der König von Preußen— Ihr wißt es alle, daß ihn Gagern und seine Freunde zum deutschen Kaiser machen wol⸗ len,— auf daß er die Einheit Deutschlands begründe; auch wißt Ihr, daß sich die demokratischen Gegner Gagerns, mit sammt den Katholiken diesem Ansinnen widersetzen und sich mit Planen herumtragen, durch deren Verwirklichung die Zer— rissenheit Deutschlands auf's neue sanctionirt werden würde. Denn soll die Kaiserwürde wechseln zwischen Baiern, Oester— reich und Preußen: so wäre damit die Berechtigung dieser Staaten auf ihre fernere Existenz aus gesprochen und die Con⸗ stitutionellen hätten Recht, weun sie den parlamentarischen Geg⸗ nern Gagerus vorwerfen, daß dieselben der deutschen Einheit entgegenarbeiten. Was sollen nun wir, die Demokraten, thun unter diesen Umstaͤnden? Freunde, Parteigenossen! Die Zeit drängt! In 14 Ta⸗ gen schon kann die Welt ein anderes Aus ehen haben! Wir müssen einen Entschluß fassen, wir müssen uns wenigstens vor— bereiten, einen solchen zu fassen in dieser Frage— und wir dürfen uns dabei,— wenn wir klug und patriotisch sein wol— len— weder von unseren persönlichen Abneigungen noch von unseren vorgefaßten Meinungen leiten lassen. Ihr wißt es alle, Freunde, daß ich kein sonderlicher Freund weder vom König von Preußen noch vom Herrn von Gagern und den Herrn Constitutionellen bin. Und dennach dennoch schlage ich Euch auf die Gefahr hin, Vielen von Euch vor den Kopf zu stoßen, biermit öffentlich vor, dahin zu wirken, daß unsere Partei im Vereine mit den Constitutionellen die Candidatur des Königs von Preußen un⸗ terstütze— aber, wohlgemerkt, unter der Bedingung, daß der König und die Constitutionellen folgendes Programm auf— stellen: 1) Hochverräther und Galgenkandidat sei Jeder, welcher der deutschen Nation einen erbli⸗ chen Kaiser aufbürden hilft. Die deutsche Nation hat ihre Soguveränität nicht in die Hand genommen, um sie zu verschenken oder verschenken zu lassen. 2) Landes verräther und Galgenkandidat sei Jeder, welcher die Einheit Deutschlands ohne Oesterre ich dekretirt. Eine solche Einheit wäre die blutigste und nieder trächtigste Zerstücklungg und Ber aubung, welche zu voll⸗ ziehen Niemand, selbst die deutsche Nation nicht, das Recht hat. 3) Deutschland muß nach den Stämmen in Provinzen oder Länder getheilt werden, und jedem Stamm das Recht zu⸗ erkannt werden, sich seine Gouverneure oder Landfürsten frei auf bestimmte Zeit zu wählen,— damit diejenigen Staͤmme, welche ihre Landesfürsten in Rang und Würde belassen wollen, dies thun, diejenigen aber, welche derselben satt find, sich an⸗ dere wählen können. Stellen die Constitutionellen dieses Programm auf, dann können wir den König auf's Schild erheben und in die Schlacht tragen, die dereinst— vielleicht im Bund mit Ungarn und Italien— zu Ehren der deutschen Einheit geschlagen werden muß, dann können wir ihn auf's Schild heben und in den Koth werfen, wenn er je wieder riefe: Es geht nicht! Dann — könuen wir Manches vergessen und in das neue Jahr hinein- rufen: Pereat der König von Prenßen! Vivat Friedrich Wilhelm von Hobenzollern, Kaiser der Deutschen in spe, Gründer der deutschen Einheit! Vielleicht, daß denn später ein Mann aus einem deutschen Kerker hervorgeht, vielleicht, daß wir dann später dem Sohn eines Bauern begegnen, dem Gott einen gesünderen und stärkeren Geist gegeben hat, der Kaiser der freien Maͤnner Germaniens zu sein.— e Tages neuigkeiten. Inland. Darmstadt. Während Baiern, Hannover und Oesterreich noch nicht einmal die Grundrechte promulgiren wollen, während Preußen die deutsche Centralgewalt mit schönen Worten abspeist, und in der Verfassungsfrage, der schleswig⸗holsteinischen ꝛe. ꝛc. dem Parlament den Gehorsam aufkündigt, vollzieht Hessen alle Beschlüsse des Parla ments, die ihm zuträglich scheinen. Fünf Sechstheile von Deutschland führen die Parlamentsbeschlüsse nicht aus, diese§ be⸗ schließen aber, was der Rest thun soll und der kleine Rest thut es. Das ist die Jaupische deutsche Einheit. Hessen wird das Opfer, indem es Beschlüsse vollzieht, die von Leuten gefaßt werdeu, die in ihrer eigenen Heimath für ihre Beschlüsse keine Anerkennung ftinden. So eiwas Colossales ist in der Geschichte noch nie dagewesen, und wir sind einigermaßen neugierig, wie Herr Jaup, wenn er nach sei⸗ ner Entfernung durch die nächste Kammer, als Lehrer des Staats⸗ rechtes auftreten sollte, dieses seltsame Verhältniß staatsrechtlich be⸗ gründen will. Hessen, Baden, Würtemberg und Nassau, vollziehen allein den Parlamentsbeschluß, wodurch das Heer um 2 Procent vermehrt wird. Nie, selbst in den Zeiten des blutigsten franzoͤsischen Krieges ist eine solche Conseription erhört worden, die Ausgaben für diese Truppenmassen sind nicht aufzubringen, und wenn man sie beisam⸗ men hat, bleibt kein Mittel, als sie gegen Großh. Hessische Schatz⸗ scheine einzuquartieren, wie man es mit den Reichstruppen gemacht⸗ Die eine Hälfte der Unterthanen wird Soldat, die andere muß ste füttern. Es lebe der 6. März und die deuische Einheit.— Das Geld für die Einquartierung ist immer noch nicht bezahlt, Armuth und Nahrungslosigkeit nehmen zu, das Land steht am Rande des Abgrundes, der Staat wird einen Staatsbanquerott kaum ver⸗ meiden können, aber die Truppen verdoppelt man. (Neue Zeit.) Wiesbaden, 29. Dez. Mit dem ersten Januar tritt unsere Landesbank ins Leben. An ihrer Spitze steht ein Director mit zwei Räthen und drei von der Deputirtenkammer gewählten sach⸗ verständigen Beiräthen. Der Staat übernimmt die Garantie und zieht dafür auch den vollständigen Gewinn der Bank. Dieselbe giebt Darlehen gegen Hypotheken und andere Versicherungen, sie treibt Incasso und Girogeschäfte und ist zu Depositengeschäften be⸗ fugt. Ihr Betriebsfonds besteht zunächst aus größeren Anlehen, welche die verfassungsmäßige Genehmigung erhalten haben. Sie ist zugleich Generaldepositencasse; über 50 fl., wenigstens auf 6 Monate stehend, verzinst sie mit 3 pCt. Sie ist endlich auch Sparkasse mit 43 pCt. Zinsen für Darlehen von 5 bis 100 fl. für die weniger bemitielnden Landesbewohner mit dreiwöchentlicher Aufkündigungszeit. Sie ist allein berechtigt, Banknoten bis zu 1 Million auszugeben. Die bisherigen Landeskredit⸗Cassenscheine wer⸗ den bis auf weitere Bestimmung als Banknoten beibehalten. Halb⸗ jährig hat sie eine Darstellung ihres Geschäftsbetriebes öffentlich bekannt zu machen.(M. 3.) * — Nürnberg, 25. Dez. Unser„Freier Staatsbürger“ bemerkt: Die Augsb. Allg. Z. kann den Todten, den das deutsche Volk be⸗ dauert, dessen Mörder es verflucht, nimmer ruhen lassen. Immer zerrt sie seinen Schatten aus dem Grab hervor, und sucht den Lieb— ling der Nation auf eine ebenso niedrige als schwachsinnige Weise herabzusetzen. So hat sie neuereings die Entdeckung gemacht, Blum sei zwar nicht feige, aber auch nicht als Held gestorben. Denn— man höre!— ein Offizier, der ihn zum Tode geführt, habe aus⸗ gesagt, Blum habe unterwegs dreimal gefragt, ob denn das der Weg zur Brigittenau sei? woraus der Offizier geschlossen, daß er nicht an seine Hinrichtung geglaubt. Auf die bejahende Antwort sei seine Haltung„merklich ungewisser“ geworden. Als der Wagen auf die Wiese einbog, habe Blum mit thränenden Augen einige halblaute Worte der Crinnerung an Frau und Kinder gesprochen. Blum habe nach Verlesung des Urtheils nicht zu reden verlangt und„der Offizier sprach subjektis die Meinung aus, daß Blum in diesem Augenblick nicht hinlängliche Fassung zu einer Anrede gehabt.“ Aus all' dem subjektiven Gefasel schließt die A. a. Z., Blum sei nicht feige, aber auch nicht als Held gestorben. Derjenige, wel cher im Angesicht des Todes sich an Weib und Kind crinnert, stirbt also nicht als Held? Was versteht denn die A. a. Z. unter dem „Heldenthum?“ Hätte Blum mit blastirter Gleichgiltigkeit oder Leichtfertigkeit den Tod empfangen ollen? Dann wäre er vielleicht als Theaterheld, aber nicht als Held gestorben. Gerade der, sollten wir meinen, stirbt als Mann oder Held, welcher in den letzten Augenblicken den rein und ächt⸗menschlichen Gefühlen ihr Recht nicht versagt, ohne sich von ihnen besiegen zu lassen. Aber wir vergessen, daß es eben Blum ist, welcher so starb, und daß die A. a. Z. einen Mann der Linken nicht als Mann und Helden sterben lassen darf. Er muß verkleinert werden, koste es was es wolle. Wäre er einer der ihrigen gewesen, dann wäre des Rüymens und Preisens kein Ende. Wir er nnern nur an den Tod List's, der zu den Auserkornen der A. a. 3.— wir wünschen, sie hätte keinen schlechtern— gehoͤrte. Was war das ein Trauern, ein Feiern und Rühmen! Und als die durch seinen Tod neu an— geregte Frage über seinen Antheil an der Schaffung der deutschen Zolleinheit von einigen Seiten faktische Berichtigungen hervorrief, wie warf sich da Herr Kolb pathetisch in die Brust und deklemirte gegen Hrn. Emil Hofmann, der die Grabesruhe des großen Tod⸗ 4 ten störe! Blum aber, der Mann des Volks, der Mann der Lin⸗ ken, er darf im Grabe geschmäht werden, wie er im Leben geschmäht n Wien, 25. Dez. Herr v. Schmerling fordert zu milden Bei⸗ trägen für das leidende Wien auf. Dieser Herr v. Schmerling, der als Reichsminister in Frankfurt kaltblütig zusah wie unsere deutsch⸗ gesinnte Stadt von einer wüthenden Soldateska geplündert, durch Brand verwüstet wurde, der all' diese Gräuel abläugnete und nur von wiederhergestellter Ordnung sprach, sagt jetzt höchstselbst, daß Wien grenzenlos unglücklich geworden sei, daß Tausende von Fami⸗ lien verarmt seien. Dieser Aussage jenes höhnenden, hartherzi⸗ gen, alles Menschengefühl verleugnenden Bedienten der blinden Fürstengewalt werden jetzt doch wohl die Reaktionäre und die mit ihnen gleichgesinnten Freunden der constitutionellen Monarchie auf breitester demokratischer Grundlage Glauben scheukeu. Als die Freiheit noch in Wien eiwas galt, als kein Eigenthum verletzt wur⸗ de, da sah man nur Pöbelherrschaft, Anarchie, jitzt wo nur die blinde Gewalt das Schwert schwingt uud die heiligsten Menschen— rechte mit Füßen getreten werden, da steht der Volksfeind nur Ord⸗ Wo ist da die Pöbelherrschaft und die Anarchie zu sin⸗ Die Wahl wird nicht schwer fallen. wurde! nung. den? Gießen, 2. Jan. Am letzten 24. Dez. waren hier Abgeord⸗ nete der Bürgergarden von Wetzlar, Butzbach und Gießen versam⸗ melt, um die Statuten zu einem„Lahnweh rbund“ zu berathen. Wir werden diese Statuten, welche der Nationalversammluug zur Bestätigung vorgelegt werden sollen, morgen mittheilen und bemer⸗ ken hier nur, daß unsere Zeitung„Wehr Dich!“ zum Organ dieser Verbindung erkoren worden ist,. Bezirksrath. Gießen, 2. Jan. Die heutige 31e Vormittagssitzung des Bezirksraths wurde mit Verbandlungen über Bittgesuche um die Aufnahme in's Gemeindebürgerrecht ausgefüllt. Nach lan⸗ gen hartnäckigen Debatten darüber, ob das Weberhandwerk ein seinen Mann ernährendes Gewerbe sei, wurde der Leinwe⸗ ber Killer mit seinem Gesuch um Aufnahme ins Gemeinde⸗ recht von Großenbuseck abgewiesen.— Der Schuhmacher Wal⸗ tper, welcher sich in Gießen etabliren will, wurde einstweilen dahin beschieden, seine Nachweisungen in Bezug auf sein Vermögen zu vervollständigen Wir kommen Morgen auf diese Verhand- lungen zurück.— i —̃— Privat⸗Bekauntmachungen. Nenjahrwunsch. Von allen Wünschen in der Welt ö Nur einer mir anjetzt gefällt, Nur: Knüppel aus dem Sack! And gäbe Gott mir Wunschesmacht, Ich dächte nur bei Tag und Nacht, Nur: Knüppel aus dem Sack! O Märchen, würdest du doch wahr Nur einen einz'gen Tag im Jahr, O Knüppel aus dem Sack! Ich gäbe drum, ich weiß nicht was, Ich schlüge drein ohn' Unterlaß: Frisch: Knüppel aus dem Sack Auf's Lumpenpack! Auf's Hundepack! Hoffmann v. Fallersleben. Gebrüder Born in Erfurt Bestellungen auf Gemüse⸗, Feld⸗ und Blumen säme⸗ reien, aufnehme. Die Herren Gebr. Born sind in diesen Artikeln durch reelle und bil⸗ lige Bedienung rühmlichst bekannt. Kataloge sind bei mir gratis zu haben. G. Schmidtborn in Gießen. Dann braucht' ich weder Gut noch Gold, Ich machte mir die Welt schon hold Mit: Knüppel aus dem Sack! Ich wär' ein Sieger, wär' ein Held, Der erst' und beste Mann der Welt Mit: Knüppel aus dem Sack! Malaga Ich schaffte Freiheit, Recht und Ruh'„ ätleira Und frohes Leben noch dazu Beim: Knüppel aus dem Sack! Und wollt' ich selbst recht lustig sein, So ließ' ich tanzen Groß und Klein Beim: Knüppel aus dem Sack! 1) Lager der Herrn Francisco Be- nedlika Triarti c in Cadix von . o Muscat d' Esp.„ 1 15 kr. 95 79 in Giessen bei G. id t born.. 5 5 5 ä 8 Feiertage bittet man, solche alsbald da⸗ 2) Ich mache hiermit Oekonomen, Gärtner und Blumenfreunde darauf aufmerksam, daß 3) Bremer und Hamburger Cigarren zu allen Preißen, Rollenvarinas, alte abgelagert Waare, Blättervarinas per Pfd. 36 kr. bei G. Schmidtborn. * 99 2 960) Den Mitnehmer der blauen Kappe aus dem Leib'schen Wirthslokale am 2. pr. Flasche 135 hin wieder abzugeben, gegenfalls solcher zur Rückgabe in diesem Blatte aufgefor⸗ dert werden wird. ich für die Herren Verantwortlicher Redaktör Ang. Becker. Druck von Larl Schild. — —