Erscheint fünfmal wöchentlich, wenn es nöthig ist mit Beilagen (Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, mit Aus- nahme der hohen Festtage). Zweiter Jahrgang. Preis vierteljährlich mit Post aufschlag im Thurn⸗ und Taxis'schen Postbezirk 1 fl. 20 kr., in Gießen mit Bringerlohn 1 fl. 20 kr.— Einzelne Numern 2 kr. Anzeigen kosten die Drittelzeile 2 kr. Für Abonnenten bis 25 Zeilen die Hälfte. Hessischer Zuschauer. Nr. 16. Die österreichischen Vorschläge der Zoll⸗ einigung. 5 I.* Die preußischen Pläne, sich die Herrschaft über Deutschland zu erringen, wurden bekanntlich zuerst in der Gründung des Zollvereins ihrer Ausführung näher gebracht. Metternich ließ diese Zolleinigung zu, offen⸗ bar deßhalb, weil er dieselbe in ihren Folgen nicht gehörig durchschaute, und weil er selber nicht Lust hatte, etwas Aehnliches auszuführen. Im Jahr 1848 und 49 sah Oesterreich das Gefährliche dieser Zoll⸗ einigung ein, als Preußen versuchte, die durch dieselbe vorbereitete Herrschaft anzutreten. Wir alle wissen, wie und durch welche Mittel Oesterreich diese Pläne vereitelt und Preußen in seine alte Stellung zurückge⸗ drängt hat. Nicht dämit zufrieden, gedeukt Fürst Schwarzenberg den Fehler Metternichs wieder gut zu machen, und Preußen zu zwingen, auch den ersten Schritt zur Herrschaft über Deutschland wieder zurück— zuthun, d. h. den Zollverein aufzulösen. Um diesen Punkt dreht sich gegenwärtig die gesammte Thätigkeit der deutschen Diplomaten. Preußen hat, wie nicht anders zu erwarten war, schon eingewilligt, und es steht den österreichischen Plänen kaum ein Hinderniß bevor. Die demokratische Presse hat alle Veranlassung, die Sachlage genau ins Auge zu fassen, und ihr Ur⸗ theil über dieselbe abzugeben, denn es handelt sich hier ebenso um die politische Herrschaft als um das ma⸗ terielle Wohl. N Oesterreichs Plan, wie wir gestehen müssen, nicht ohne Größe, geht dahin, ein mitteleuropäisches Reich zu gründen, das von der türkischen Grenze bis zur französischen, und von der Nordsee bis über die Alpen reicht. Die politische Form dieses Reiches soll der deutsche Bund sein, in welchen Oesterreich deßhalb mit seinen sämmtlichen Ländern eintreten will, und den es als Präfidialmacht beherrscht. Dieses ganze ungeheure Reich soll consequenter Weise ein einziges Handelsgebiet bilden, das auf das Prinzip der Schutz⸗ zölle basirt werden soll. Die Folge dieser Schöpfungen wird die Ausdehnung der Herrschaft der Kroaten, Panduren, Sereschaner, der öͤsterreichischen Preß- und Schulgesetze, und vor allem des österreichischen Papier⸗ geldes auf Deutschland sein. Herrliche, beglückende Aussichten! Um wie viel leichter wird es dann z. B. einem Schuldner, seine Schulden zu bezahlen; denn es ist bekanntlich in Oesterreich durch ein Gesetz ge— stattet, jede Schuld, die in irgend einer Münzsorte gemacht wurde, und deren Rückzahlung in einer be⸗ Gießen, Donnerstag den 23. Januar 1851. stimmten Münzsorte in dem Schuldcontract ausbedun⸗ gen war, in Papier, welches um 30 PCt. niedriger steht, zurückzuzahlen. Jeder macht für seines Gleichen die günstigsten Gesetze: ein banqueroutter Staat also natürlich für Banqueroutte. Wir glauben kaum, daß dieses drohende Unheil noch von uns abzuwenden ist, denn die Staatsmänner der Reaction sehen in der Verwirklichung dieser Pläne das einzige Heil— für sich und ihre Herren, und auf das Volk, auf die Ge⸗ sammtheit kommt es bekanntlich jetzt nicht mehr an, diese fragt man nicht einmal. Preußen wird indessen diesem projectirten Handelsverein nicht beitreten, son⸗ dern mit dem jetzigen Steuerverein, nämlich mit Han⸗ nover und den Nordseestaaten einen neuen Zollverein auf Grund des Freihandels errichten— wenn es Oesterreich zuläßt. Die Anhäufung der österreichischen Truppen im Nordwesten von Deutschland, von der die Zeitungen jetzt zu berichten haben, deutet vielleicht darauf hin, daß Oesterreich jene Staaten zum Beitritt zu seinem Handelsverein zwingen will. Diese Ver⸗ muthung findet darin einen Anhalt, daß man öster⸗ reichischer Seits die Dresdener Conferenz auch für berechtigt zur definitiven Festsetzung der Zollfragen ausgibt. Und allerdings wäre Preußen, dessen Pa⸗ piergeld in Oesterreich dem Silber gleichsteht, und die andern Nordseestaaten, z. B. Hamburg und Bremen, gar keine übeln Acquisitionen, hauptsächlich auch für Unterbringung des Papiergeldes. Ein Verzweifelter ist zu Vielem fähig, und Oesterreichs Geldverhältnisse find verzweifelt, wie selbst der Lloyd täglich auseinan⸗ dersetzt; warum sollte nicht Oesterreich durch Truppen⸗ aufstellungen seinen Handelsvorschlägen Eingang zu verschaffen suchen? Wir sind keine großen Bewunderer des Zollvereins, der an einer jämmerlichen Halbheit leidet, aber diesen österreichischen Beglückungsaussichten gegenüber müssen wir doch entschieden dem preußischen Zollverein das Wort reden, das bald freilich nur ein Nachruf an dessen Grabe sein kann. Falls es Preußen gestattet wird, sich von dem österreichischen Handels⸗ verein auszuschließen, wird dasselbe entschiedener als bisher, sich dem Freihandel zuwenden, nicht eben aus Liebe zur Freiheit und zu vernünftigen staatsökonomi⸗ schen Theorien. Die preußischen Junker wollen viel⸗ mehr wohlfeileren Wein, Zucker und Kaffee, und— wollen das Aufkommen der Industrie verhindern. Man kennt den Haß des Junkerthums gegen die Industrie, diese mächtige Schöpfung der Neuzeit, weil jene mit Recht wittern, daß diese Industrie, so unvollkommen sie auch noch sein mag, einem neuen Prinzip entsprun⸗ gen ist, und daß mit dem Wohlstand auch die Bildung und die Freiheit in gleichem Maße zunehmen werden. 5 . 65 5 . — e r —— 1 8 eee 5 10 Oesterreich will, und das muß man ihm lassen, neben der Erreichung anderer Zwecke, mit seinen Schutzzöllen doch auch die Industrie emporbringen; Preußen will mit seiner Handelsfreiheit, neben andern Zweckeu, die Industrie herabdrücken. Beide werden ihre Zwecke verfehlen: Oesterreich wird die In dustrie nicht emporbringen und Preußen dieselbe nicht niederdrücken, wie wir im fol⸗ genden Artikel nachweisen wollen. Tagesneuigkeiten. Gießen, 22. Januar. Laut Bekanntmachung des Präsidenten des Cassationshofes beginnen die Assisen der Provinz Oberhessen am 10. Februar und ist Herr H.⸗G.⸗Rath Schäfer zum Präsidenten und H.⸗G.⸗Nath Krug zum Stellvertreter bestimmt worden. Bei der gestern stattgefundenen Ziehung der Ge⸗ schworenen sind nachfolgende Namen aus der Urne hervorgegangen: J. Hauptgeschworne. 1. v. Schenk zur Schmitte in Lehrbach; 2. Weith, Heinrich II., Brandweinbrenner von Niederwöllstadt; 3. Geiß, Konrad, Landwirth v. Stammheim; 4. Schlitt, Johannes II., Landwirth von Leusel; 5. Neidhard, Alexander, Revierförster von Wallau, dermalen in Biedenkopf; 6. Wehrheim, Johannes III., Landwirth von Rodheim; 7. Wege, Johannes I., Landwirth von Herzhausen bei Biedenkopf; 8. Uhl, Adam III., Land⸗ wirth in Unterschmitten; 9. Ulrich, Georg, Landwirth in Langenbergheim; 10. Bär, Heinrich, Brand⸗ weinbrenner von Aulendiebach; 11. Kaspar, Heinrich, Oeconom von Zell; 12. Schneider, Johannes II., Land⸗ wirth von Unterwiddersheim; 13. Seibold, Johannes, Landwirth von Niedereschbach; 14. Roth, Heinrich, Oeconom von Kefeuroth; 15. Zulauf, Heinrich I., Bürgermeister von Eudorf; 16. Lehrbach, Graf, in Lehrbach; 17. Stiehl, Georg, Ackermann von Alten⸗ lotheim; 18. Walther, Philipp II., Landwirth in Langd; 19. Knoche, Karl Friedrich, Landwirth von Marien⸗ hagen; 20. Burk, Johannes, Bürgermeister von Sin⸗ kerhausen; 21. Reichard, Konrad, Landwirth von Ra⸗ bertshausen; 22. Beyer, Heinrich, Fabrikant von Freienseen; 23. Sonnemann, Georg, Kreisbaumeister in Biedenkopf; 24. Roth, Emil, Buchhändler in Gießen; 25. Jung, Heinrich, Landwirth von Wölfersheim; 26. Völzing, Christian J., Landwirth von Fulda; 27. Köster, Karl, Steuercommissär von Vöhl; 28. Dieffenbach Dr. Ernst, Professor in Gießen; 29. Zinser, Karl, Physi⸗ katswundarzt in Gladenbach; 30. Schwalb, Daniel II., Ackermann in Großenbuseck. II. Ergänzungsgeschworne. 1. Wallenfels, Christian, Bäcker; 2. Heichelheim, Salomon, Kaufmann; 3. Asmus, Balthasar, Wein⸗ händler; 4. Nebel Pr., Geheimerath und Professor; 5. Stürz, Groß. Hofgerichts⸗Secretär; 6. Hirsch, Moritz, Ellenwaareuhändler; 7. Kempf, Friedrich, Post⸗ halter; 8. Noll, Johann Balthasar, Kaufmann; 9. Engelbach, Konrad, Hofgerichts⸗Registrator, sämmtlich von Gießen. f 7 Gießen, 22. Jan. Nach einer brieflichen Mit⸗ theilung, welche an einen hiesigen Studirenden von Mainz aus angelangt ist, befindet sich unser Freund Kupferberg seit einigen Tagen auf freiem Fuße und hält sich bei seinen Angehörigen in Mainz auf. Derselbe soll unter der Bedingung, daß er Deutschland verlassen, seiner Haft in Bruchsal entledigt sein.(Be⸗ 8 stätigt sich obige Nachricht, dann würde es uns sehr freuen, wenn wir sobald als möglich unserem treuen Freund Glück wünschen könnten. D. Red.) Darmstadt, 19. Jau. Ministerpräsident v. Dal⸗ wigk wird nach der O. P. A. Z. höchstens 3 Wochen hier bleiben und daun nach Dresden zurückkehren. Der⸗ selbe Korrespondent(der von Hrn. Breidenbach desa⸗ vouirte Halbmond!) meint, die demokratische Partei habe sich wohl definitiv um zwei Mitglieder verstärkt (Volhard und Zöppritz), die sich, wie es schiene, haupt⸗ sächlich deßwegen zu den Gothaern gehalten haben, um Letztere möglichst zur Demokratie überzulenken.— Daß es unter den Gothaern zwei Männer geben konnte, welche zu ehrenhaft waren, um das gesinnungslose Treiben ihrer früheren Partei länger mitansehen zu können, geht wahrscheinlich nicht in den Kopf des Halbmond⸗Correspondenten, der, wie Hr. Dr. Breiden⸗ bach versichert, nicht Dr. Breidenbach ist!(M. A.) S Jarmstadt, 21. Jan. Gestern war der große Tag der Rechnungsablage vor den vereinigten Kammern, aber verlangen Sie keinen Rapport von mir über diese verrechneten Millionen, deren bloße Aufzählung nicht weniger als zwei volle Stunden währte, so daß wir alle, nach Vollendung derselben zu uns sagen mußten: „Es wird mir von all' dem so wüst und dumm, Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.“ Nur so viel kann ich Ihnen einstweilen vertrauen, daß unsere musterhafte Regierung in all ihren Unter⸗ nehmungen die brillantesten Ersparnisse hat eintreten lassen— dergestalt, daß selbst die Main⸗Neckar⸗Eisen⸗ bahn, über deren kostspieligen Bau man sich früher so sehr scandalisirte, über alle Maßen wohlfeil, jeden falls wohlfeiler, als die badische Bahn, dle freilich sehr bedeutende Terrainschwierigkeiten zu überwinden hatte, ausgefallen ist. Wäre nur das ewig verdammte Jahr 1848 nicht gewesen! O dann würden wir jetzt schwim⸗ men im Schmalz des Wohlstandes und der Glückselig⸗ keit und nicht nur keine Staatsschulden mehr haben, sondern sogar Staatskapitalisten geworden sein! Aber so wie die Sachen, Fluch dem verdammten Jahr 1848, jetzt stehen, müssen die Steuern erhöht werden, um die verschiedenen Defizite zu decken, wie dies der Herr Finanzminister gestern der 2. Kammer, nachdem die gemeinschaftliche Sitzung zu Ende war, mit lächeln⸗ der Miene verkündtgt hat.— In der heutigen Sitzung wurde der 2. Kammer, nach Verlesung der Protokolle, verkündet, daß die hohe J. Kammer, Sr. Erlaucht den Grafen Otto von Solms⸗ Laubach zu ihrem Präsidenten ernannt habe; die übri⸗ gen Mitglieder des Bureaux sind Bürgerliche, was von einer so hochgefärbten adelreichen Kammer viel heißen will. Dann wurde die famose Petition von Purgold, die Verjüngung des deutschen Rechts- wesens durch Vermittlung der Centralgewalt, selig, betreffend, welche nun schon dreimal die Linie passirt hat, abermals verlesen.— Hofmann aus Fried⸗ berg, der Schweigsame genannt, scheint mit dem Schweigsystem definitiv gebrochen zu haben. Er hat nicht nur bei Gelegenheit seiner Wahl zum zweiten Vicepräsidenten eine Rede gehalten, wie wir aus dem heute verlesenen Protokoll vernahmen, sondern er hat auch heute das Ministerium, mit welchem er indessen immer stimmt, wegen seines angeblichen Planes, die katholische Fakultät von Gießen nach Mainz zu verlegen, gar ritterlich interpellirt. Was wird Herr Hofmann thun, wenn das Ministerium keine genügende 1079 Auskunft gibt? O, er wird mit Sack und Pack zu ihm überlaufen! Denn die Harmonie, welche gegen⸗ wärtig in so himmlischen Accorden zwischen Gotha und Dresden erklingt, darf nicht gestört werden!— Nach der Interpellation Hoffmann's wird ein An⸗ trag Lehne's„die Versammlu ng, welche durch eine Ordonnanz, also dem§ 110 der Verfassung zuwider, berufen worden sei, verfassungsmäßige Rechte auszu⸗ üben, wozu sie nicht das geringste Recht habe, möge sich für incompetent erklären,“ verlesen und in die Abtheilungen verwiesen. Ich finde mich vielleicht bald in den Stand gesetzt, Ihnen diesen sehr gemäßigt ge⸗ haltenen, aber auch für einen Gothaer sehr deut⸗ lichen Autrag mitzutheilen. Wahl der Ausschüsse. Der Finanzausschuß besteht aus den Herren: Müller⸗Melchiors, Draut, Kraft von Dieburg, Kraft von Gießen, Volhard, Zöppritz, George; der Legitimationsausschuß aus den Herren: Wittmann, Klipstein, Stark, Matty, Reh, Brumhard und Frank aus Darmstadt; der Petitionsausschuß aus den Herren: Lehne, Eich, Ploch, Hillebrand, Kempf.(Dieser Aus⸗ schuß hat, wer sollte es für möglich halten, Hrn. Eich zu seinem Präsidenten ernannt. Zuletzt kam die Frage aufs Tapet, ob man auf die Thronrede des Hrn. v. Dalwigk eine Adresse er⸗ lassen solle. Hr. v. Rabenau:„Das Land erwartet keine Redensarten von uns, sondern Thaten; ich bin gegen eine Adresse.“(Im Gegentheil Hr. v. Rabenau: das Land erwartet Redensarten von Euch und keine Thaten!) Hr. Zöppritz trägt darauf an, die Adreß⸗ frage an einen Ausschuß zu verweisen, er ist für den Erlaß einer Adresse, da nur sie allein der Kammer Gelegenheit geben werde, sich über die Politik der Re⸗ gierung auszusprechen. Reh will die Adreßfrage auf morgen verschoben haben; Kraft von Gießen ist gegen eine Adresse, da die hohe erste Kammer wohl im Ein⸗ verständniß mit der Regierung, auch keine solche erlas⸗ sen habe und da er wünsche, daß die zweite Kammer immer Hand in Hand mit der Regierung und der hohen ersten Kammer gehen möge.(Wie nur der Mann auf einmal so zahm geworden ist?! Hat er dann ganz die Gut⸗ und Blut⸗Reden vergessen, die er in Kassel gegen Alle, welche die Reichsverfassung anzutasten sich unterfangen würden, geschleudert hat?) Der Antrag Rabenau's wird mit großer Mehr⸗ heit angenommen. Die Linke stimmte mit der Rechten. Morgen Vortrag des Kriegsministeriums. Geld, Geld und abermals Geld!— 7 Rassel. Regulativ für die Verpflegung der s. g. Vundes-Executions⸗Truppen. Die Stärke der Por⸗ tionen für Tag und Mann ist in folgender Weise festgesetzt: 1) Zum Frühstück: eine nahrhafte Suppe. 2) Zum Mittagsessen: eine nahrhafte Suppe, Ge⸗ müse, ½ Pfund Fleisch, dann einen Schop⸗ pen Bier. 3) Zum Abendessen: Suppe, ½ Pfund Fleisch und einen Schoppen Bier; statt des letzteren, je nach dem Verhältnisse der Orts, ½ Schop⸗ pen Wein oder ½ Kännchen Branntwein. Die tägliche Brodportion beträgt 1½ Pfund oder für jede der drei Mahlzeiten ½ Pfund. Hierzu kommt, daß viele auch noch die Löhnung entrichten müssen. Was wird der Bürger der Ruhe und Ordnung dazu sagen, der Freischaaren in dem Quartier hatte. Wiesbaden, 20. Jan.(Fr. Z.) ein Jubelfest weniger an der Zeit, als am 18. in Preußen auf allerhöchsten Befehl gefeiert wurde. Die 150jährige Feier des Krönungsfestes brachte demselben Ministerpräsidenten, dem Preußen es zu danken hat, daß seit dem 16. die Oesterreicher jen⸗ Wohl nie war dasjenige, was seits der Elbe stehen, den rothen Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub, Krone und Scepter.—„Dem Verdienste seine Krone!“ singt der Dichter. Die Ge⸗ rüchte leichtfertiger Blätter von der Sistirung des k. k. Truppenmarsches dürften sich nicht bestätigen, schreibt die„N. Sächf. Ztg.“ zur Unterstützung der Berichte, daß dem nach Holstein rückenden Corps noch ein zwei⸗ tes von 40,000 Mann folgen werde, um bis Ende Februars an der unteren Elbe zu stehen. Rußland ver⸗ langt in Dresden Vernichtung alles dessen,„was seit drei Jahren dem Boden der Revolution entsprossen;“ um dies radikal auszuführen, bedarf es der Sicherheit wegen einer österreichischen Armee von 80,000 Mann in Nordwestdeutschland. Die Preußen müssen den Oesterreichern die Schiffbrücken zu ihren Uebergängen über die Elbe zimmern: so feiert Oesterreich das preußi⸗ sche Jubelfest! Nürnberg, 18. Jan.(Fr. Kr) In einer kürzlich eingereichten Denkschrift des bayerischen Episkopats an den König heißt es:„Gab es je eine Zeit, welche der Kirche gebieterisch die Pflicht auflegte, durch Ver⸗ eine und Klöster nach allen Richtungen hin zu wirken, so ist es die unsrige, in welcher durch das Vehikel der Association so viel zur Zerstörung gearbeitet wird; daß die Kirche durch christliche Association das Ihrige thue, ist im wohlverstandenen(20 Interesse des Staates gleich sehr gelegen, und sie wird letzterem gewiß hin⸗ reichende Garantie bieten, daß politisch gefährliche Ten⸗ denzen in ihren Genossenschaften nicht aufkommen und von ihr selbst am entschiedensten und wirksamsten zu⸗ rückgewiesen werden.“— Wir werden also allerdings für die Folge Associations- und Vereinsrecht haben, aber für die Pfaffen und Mönche und ihre noblen Zwecke! Leipzig, 15. Januar. Aus St. Petersburg und Warschau sind Buchhändlerbriefe eingetroffen, welche das Eintreffen einer mehr als chinesischen Sperre mel⸗ den. Die russische Regierung hat ihre Maßregeln ge⸗ gen den Eingang ausländischer Bücher so verstärkt, daß die Buchhandlungen Rußlands und Polens sich außer Stand sehen, künftig noch Novitäten aufzuneh⸗ men. Die Bücherballen gehen jetzt vom Zollhause dire t auf die Censur, wo sie Stück vor Stück durchgesehen werden. Auf wiederholten Empfang mißliebiger Schrif⸗ ten stehen Schließung des Geschäfts, unerschwingliche Geldstrafen u. s. w. bei den Buchhändlern, die sich daher jede Zusendung verbitten. Rußland scheint in Zukunft seinen Novitätenbedarf aus China beziehen zu wollen, wenn die dortigen Schriften nicht etwa auch noch zu revolutionär sind. Und die Volksaufklärung wie in Rußland ist das Ideal unserer leitenden deutschen Staatsmänner!(Fr. Z.) 5 4* Berlin, 19. Jan. Wir können uns nicht ver⸗ sagen, einige Einzelheiten von dem gestrigen Jubel⸗ Bankett zu erwähnen. Se. Majestät hielt wieder eine große Rede, in welcher er vom wankenden Thron, von dem schrecklichen Jahre 1848 und von anderem mehr sprach. Zuletzt forderte er die Gäste auf, drei tüchtige Züge zu thun, einen auf die Vergangenheit, einen auf die Gegenwart, einen auf die Zukunft,„über die er 3 1080 nur sage, daß ihr Gott sein Gedeihen geben solle.“— Darauf forderte er den Gesandten von England, von Rußland und von Oesterreich(), dessen Monarchen seine drei besten Freunde seien, auf, mit ihm zu trin⸗ ken; zuletzt winkte Se. Majestät sogar dem kleinen Manteuffel, und stieß mit ihm in seligster Laune an. Prosit! Rendsburg, 17. Jan. Einen traurigen Anblick boten heute die Gassen Rendsburgs dar. Der Menschen erblickte man genug, der heiteren und frohen gar keine, und nur die helle Musik, welche durch die Straßen er⸗ klang, tönte wie gewöhnlich in heiterer Weise. Die ersten Bataillone(das 10., 12. und 13.) und zwei Batterien der noch bestehenden, aber auf dem Rück⸗ zuge begriffenen schleswig⸗holsteinischen Armee zogen durch die Stadt gegen Süden, ihren neuen Bestim⸗ mungs⸗ und Auflösungsorten entgegen. Es war ein eigenthümlicher Anblick, diese Massen zu sehen; kein Laut war unter ihnen zu hören, kein Mund rührte sich, und nur das klagende Auge, das schmerzliche Zucken des Mundes verkündeten Leben. Im schleswig⸗ holsteinischen Freiheitskampfe sah ich manchen Rückzug unserer Armee, den von Bau, Fridericia und Idstedt, kein Rückzug aber war so ergreifend, wie dieser. Nicht eine geschlagene, sondern eine kampfgerüstete, Nicht eine entmuthigte, sondern eine nach dem Kampf sich sehnende, nicht eine dem überlegenen Feinde weichende, sondern eine der feindlichen Armee gleiche zieht sich auf Freundes Befehl zurück, ohne zu wissen, was sie errungen und erstritten mit all dem Blute, welches sie auf den Schlachtfeldern ließ, mit all der Ehre, die sie hier und dorten erkämpft haben soll. Es ist das Schwerste, welches dem Soldaten geboten wird, sich der Schneide der Diplomatie zu beugen, ohne auch nur das geringste Resultat seines Strebens zu ersehen, im Gegentheil sich sagen zu müssen, daß so vieles verloren gegangen. f(B.⸗H.) Kiel, 17. Jan. Heute rückte das 7. Linienba⸗ taillon hier ein, Trauerflor an den Fahnen. Das Bataillon marschirt morgen weiter nach Plön. Kiel, 17. Jan. Ueber die heutige letzte Sitzung der Landesversammlung theilen wir Nachstehendes mit: Dr. Fock beantragte, den Beschluß der Versammlung, daß die unterm 10. Dechr. v. J. beschlossene Außer⸗ kraftsetzung verschiedener Artikel des Staatsgrundgesetzes statt am 10. März, mit dem Eintritt einer neuen Re⸗ Airde aufhören möge. Wiewohl dagegen angeführt wurde, daß mit der Einstellung der Feindseligkeiten jene Außerkraftsetzung schon von selbst eingetreten sei, so trat die Versammlung doch dem gestellten Antrage bei. Als schließliches Geschäft wurde sodann die Schlußberathung und fernere Abstimmung über das Finanz⸗Budget vorgenommen und beendet. Die vom Finanzdepartement in Vorschlag gebrachten Aus⸗ gaben wurden, mit geringfügigen Ausnahmen, sämmt⸗ lich bewilligt, und zuletzt wurde noch der für das Jahr 1851 in Antrag gebrachten Einkommensteuer die Zustimmung der Versammlung gegeben. Nach Been⸗ digung dieser Abstimmung verlas der Departementschef des Junern das Patent, in Gemäßheit dessen die Ver⸗ sammlung vertagt wurde. D. Lafaurie begehrte darauf noch das Wort. Der Präsident bemerkte, daß er, da die Verhandlungen geschlossen seien, keinem Ab⸗ geordneten mehr das Wort geben könne, und D. La⸗ faurie begnügte sich mit dem lauten Ausrufe, daß er gegen die Vertagung protestire. Der Präsident schloß die Sitzung mit einigen kurzen Worten, und schweigend und in dumpfer Stimmung schied die Versammlung. Paris, 18. Jan. Alle Berichte stimmen darin überein, daß Hr. Thiers ganz ausgezeichnet gegen das Ministerium gesprochen hat. Er rief der Versamm⸗ lung: zu wenn Sie jetzt nicht gegen das Ministerium stimmen, so haben Sie das Kaiserreich. General Ca⸗ vaignac warnte vor Wiederherstellung des Königthums. Sollte dies aber geschehen, so werde dies für ihn und seine Freunde nur das Vorspiel einer neuen Revolution sein(große Bewegung). Es gebe nut zwei Parteien, eine repulikanische und eine monarchische; man möge nun seine Wahl treffen. Herr Barroche konnte nur matt diesen Angriffen erwidern. Zuerst wird nun über das Saint⸗Beuve'sche Amendement abgestimmt, welches lautet:„Die Versammlung erklärt, daß sie kein Vertrauen zu dem Ministerium hat, und geht zur Tagesordnung über“. Dieser Antrag wird mit 417 Stimmen gegen 278 angenommen. Ungeheure Aufregung folgte der Bekanntmachung dieses Resultates. Die Ungewißheit der Lage ist groß, Nie⸗ mand weiß wie es enden wird.(Wir lassen nun den Juhalt einer telegr. Dep. des Frkf. Journ. vom nächsten Tage hier folgen.) — Den 19. Louis Napoleon hat die Demission des Ministeriums, welches in Folge des gestrigen Votums der Nationalversammlung zurücktreten wollte, nicht angenommen. Das Ministerium bleibt. Die Minorität, welche in der gestrigen Sitzung der Na⸗ tionalbersammlung für das Ministerium gestimmt, wird morgen eine Versammlung halten, um über das Verfahren, welches nunmehr zu beobachten sei, zu be⸗ rathen. Die Herren Odilon Barrot und Mols ent⸗ hielten sich der Theilnahme au der gestrigen Abstim⸗ mung. Die Herren Broglie, Faucher, Lamartine stimmten gegen das Sainte⸗Beuve'sche Amendement. Es ist das Gerücht im Umlauf, die Majorität, welche sich gestern gegen das Ministerium erklärt hat, werde dem General Lamoricière das Commando über die Truppen übertragen, welchen der Schutz der National⸗ versammlung anvertraut würde. Turin, 11. Jan. Der König versammelte gestern seine Minister um sich und berieth mit ihnen, wie es heißt, das Verhalten bei einigen, die Flüchtlinge be⸗ treffenden Noten, welche in diesen Tagen eingelaufen sein follen. Die Verwickelungen mehren sich, manche Verbindungen mit dem Auslande trüben sich, Intri⸗ guen über Intriguen häufen sich, und das constitutio⸗ nelle Leben zieht sich in die Winterquartiere zurück. Ein ganzer Sack voll Rückschrittsversuche aus Paris, Rom, Florenz und Neapel wird täglich hier er⸗ wartet.(Fr. Z.) f London, 17. Jau. Die katholische Frage ist der Erisapfel, der das jetzige Kabinet zu sprengen droht. Es wird heute mit Bestimmtheit versichert, daß sich drei Minister, die sich mit ihren Collegen darüber nicht vereinigen können, noch vor Fröffnung des Parlaments austreten würden. Verantwortlicher Redacteur: C. Sartorius. Druck von M. Merck in Gießen. „ 11