Erscheint fünfmal wöchentlich, wenn es nöthig ist mit Beilagen (Sountag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, mit Aus- nahme der hohen Festtage). Hessischer Erster Jahrgang. Preis viertelsährlich mit Post⸗ aufschlag im Thurn⸗ und Taxis'schen Postbezirk 1 fl. 20 kr., in Gießen mit Bringerlohn 1 fl. 20 kr.— Einzelne Numern 2 kr. Anzeigen kosten die Drittelzeile 2 kr. Für Abonnenten bis 25 Zeilen die Hälfte. Zuschauer. Nr. 234. * Gießen, 28. Nov. Soeben geht uns die Nach⸗ richt zu, daß der wackere Pfarrer Kredel zu Wilsbach mit andern Freunden des Volks, die das Unglück hatten, Beamte zu sein, gleiches Schicksal theilt. Er soll nämlich von seiner Stelle mit 100 fl. Sustentations⸗ gehalt entlassen sein. Kredel gehörte bekanntlich zu den Steuerverweigerern des letzten aufgelösten Land⸗ tages. 1 Gießen, 28. Nov. Zur Vervollständigung un⸗ serer gestrigen Mittheilung über Hrn. C. Schild und Dr. Bork können wir unsern Lesern mittheilen, daß beide gestern Abend spät noch verhaftet worden sind. Alsfeld, 27. Nov. Am heutigen Tage ging nach⸗ stehende Addresse an Seine Königliche Hoheit den Groß⸗ herzog, von 250 Alsfelder Bürgern unterzeichnet, ab. Alsfeld, am 25. Nov. 1850. Allerdurchlauchtigster Großherzog! Alergnädigster Fürst und Herr! Oeffentliche Blätter melden, daß die großh. hess. Truppen nach den Befehlen des Bundestages sich mit solchen Armeekorps vereinigen sollen, welche dem preußischen Heere feindlich gegenüber stehen. Diese Nachricht hat unter den Bewohnern der Provinz Ober⸗ hessen die tiefste Betrübniß und eine allgemeine Be⸗ stürzung hervorgerufen, weil sie für unmöglich hielten, daß das Großherzogthum jemals wieder zum Bundes⸗ tag zurückkehren werde.— Ew. Königliche Hoheit erließen bei Höchstihrer Thronbesteigung das Edict vom 6. März 1848. Die darin enthaltenen Verheißungen wurden von dem Volke freudig begrüßt und jene Proclamation drang bis in die kleinste Hütte des einsamsten Gebirgsdorfes. Dieses Edict ist der neue Rechtsboden geworden, auf den gegründet, die Entwickelung des hessischen Staates fortan erfolgen soll. Das Volk hat erwartet, daß jene fürstlichen Zusagen vollständig erfüllt werden würden und diese Zuversicht hielt bisher einen jeden Ausbruch. der Aufregung darnieder. Das Edict vom 6. März erklärt vor dem hessischen und dem deutschen Volke, die Bundesverfassung habe die gerechten Erwartungen und Ansprüche Deutschlands nicht erfüllt und dies Wort wurde zum Blitzstrahl, der die Macht des Bun⸗ destages in ihren Grundfesten erschütterte. Kann nun aber Hessen vor dem Richterstuhl der Geschichte, vor Mit⸗ und Nachwelt es verantworten, daß seine Söhne streiten und bluten sollen für die Wiederherstellung eines Instituts, das von dem gerechten Zorne der Völker und ihrer Fürsten im Jahre 1848 zertrümmert Gießen, Freitag den 29. November 1850. worden ist? Ew. Königliche Hoheit haben, in Ueber⸗ einstimmung mit dem ganzen Volke, wiederholt es aus⸗ gesprochen, daß Hessen dem preußischen Staate befreundet sein und bleiben müsse. Und es liegen keine Gründe vor, warum die Söhne unsres hessischen Vaterlandes gegen ihre bisherigen Kampf⸗ und Waffengenossen das Schwert ziehen müßten. Wir denken auch an die Folgen, die unsere Pro⸗ vinz treffen würden, wenn preußische Heere dieselbe als Feindesland betrachten müßten. Die Bewohner unserer Provinz vermögen nur durch anhaltenden Fleiß und die größte Sparsamkeit sich ihre Existenz zu sichern. Von allen Seiten ist Oberhessen von preußischen Trup⸗ pen umgeben, und wenige Tage würden hinreichen, auch die entlegensten Theile desselben zu besetzen. Wir haben seit vielen Jahren die durchziehenden preußischen Krieger als Gäste und Freunde bereitwillig aufgenom⸗ men, und mit zuvorkommender Liebe um so mehr be⸗ handelt, als ihr musterhaftes Benehmen ihnen die allgemeinste Achtung sichern mußte. Sollten aber diese Truppen als Feinde zu uns kommen, dann würde der ohnedies so sehr verkümmerte Wohlstand Oberhessens gänzlich untergehen und ein großer Theil seiner Bewohner der Verzweiflung preis⸗ gegeben werden. Wir richten daher an Ew. Königliche Hoheit die unterthänigste Bitte: „Allerhöchstdieselben möchten nicht zugeben, daß die „hessischen Krieger für die Wiederherstellung des „Bunbestags kämpfen und namentlich nicht gestatten, „daß die Söhne des hessischen Vaterlandes gegen „ihre preußischen Waffenbrüder das Schwert ziehen.“ Alsfeld, am 15. November 1850. (W. a. d. S.) Co Schlitz, 26. Nov. Bei der gestern und heute dahier stattgefundenen Wahl der Wahlmänner hat die Volkspartei entschieden gesiegt und wurden gewählt in der dritten Abtheilung die fünf von derselben aufge⸗ stellten Candidaten, in der zweiten vier der unsrigen gegen einen der Gegner, während in der ersten drei der von uns Bestimmten und zwei ebenso volksthüm⸗ lich gesinnte Bürger der Stadt aus der Urne hervor⸗ gingen.— Ehestens Näheres über die Wahlen des Landes, auf welches die unmittelbare Berührung mit dem unter der Last der einquartierten Bundestruppen seufzenden Bruderstamme jedenfalls einen ungünstigen Einflluß üben wird. n Homberg a. d. Ohm, 26. Nov. Auch bei uns wendet die Regierung Alles an, um bei den be⸗ N 934 vorstehenden Wahlen zu siegen. Heute ist hier große Bürgermeister⸗Versammlung bei dem Wahleommissär, Landrichter Klingelhöfer; er will sie instruiren, nebenbei aber, was die Hauptsache ist, für den ministeriellen Operationsplan gewinnen. Bei den Leuten aber wird dies der Mehrzahl nach fehlschlagen. * Darmstadt, 26. Nov. So eben wurden die Bürger Groh, Ortner und Raab aus Offenbach, angeklagt des Aufruhrs und der Widersetzung, von den eben eröffneten Assisen freigesprochen.— Die Genann⸗ ten sollten nämlich bei der im Juni 1848 ausgebroche⸗ nen Militär⸗Emeute betheiligt gewesen sein, indem sie die aufrührerischen Soldaten, die ihre wegen Dienst⸗ vergehen eingekerkerten Kameraden befreien wollten, in diesem Beginnen unterstützten und sogar den zur Ruhe ermahnenden Offizieren mit den Waffen in der Hand entgegentraten. Von den damals betheiligten Soldaten wurden bekanntlich 10 vom Kriegsgerichte zum Tode verurtheilt, die Strafe aber nicht vollzogen, sondern in Zuchthaus verwandelt, weil die Nationalversammlung die Todesstrafe abgeschafft hatte. „s Aus dem Odenwalde wird uns gemeldet, daß man gegen die Colporteure des jüngst erschienenen„Liedes vom Blum“ polizeilich einschreite. So ist jüngst in Beerfelden einem Manne, der dieses Lied verkaufte, von einem Gensdarmen im Vereine mit dem Bürger⸗ meister, der Vorrath, der sich bei ihm vorfand, genommen worden, um ihn an die Regierungscommission in Erbach einzusenden; dieses geschieht trotzdem, daß nach der Bestimmung des neuen Preßgesetzes der Drucker und dessen Wohnort genannt sind und gegen keine preßpo⸗ lizeiliche Bestimmung gefehlt ist. Der„Lucifer“ sagt hierüber:— Man fragt sich:— nun man fragt sich gar nichts; man schreibt eben November 1850. Mainz, 26. Nov. Der Artikel 17 des Gesetzes vom 31. Juli 1848, über die Organisation der Ver⸗ waltungsbehörden resp. des Bezirksrathes, sagt:„Der Bezirksrath tritt auf Einladung der Regierungscom⸗ mission jährlich einmal in der dritten Woche des Monats November im Hauptorte des Bezirkes zusam⸗ men.“ Die dritte Woche des Monates November ist bereits verstrichen und es ist bis jetzt der Mainzer Bezirksrath nicht zusammenberufen, ja im Regierungs⸗ bezirke Worms haben sogar die Wahlen für den Be⸗ zirksrath noch nicht einmal Statt gefunden. Wie steht dies mit dem Willen des Gesetzes im Einklang? Frankfurt. Wenn die Großen sich raufen, müssen die Kleinen die Haare lassen. Dieses alte Sprüchwort verwirklichten in unseren friedlichen Mauern die Ver⸗ treter der herrlichen Kriegsheere, mit denen wir nun schon so lange beehrt werden. Preußen und Bayern schlagen nämlich schon seit drei Tagen in edlem Na⸗ tionalhaß allabendlich nach Herzens lust auf einander. Bedeutende Verwundungen sind vorgefallen und nur den angestrengtesten Bemühungen der Officiere gelang es, die streitenden Nationen auseinander zu bringen und Ruhe in den schreckerfüllten Gassen herzustellen. Auch hierin spricht sich unsere trübe Lage deutlich aus. Frankfurt, 26. Nov. Der Herzog von Nassau hat seine Zustimmng zur Aufstellung preußischer Trup⸗ pen im Lande gegeben, obgleich der österreichische Ge⸗ sandte, Herr v. Menshengen, sogar Drohungen an⸗ wandte, um es zu hindern. Komisch klingt nur das Lob der„Köln. Ztg.“, welches sie demselben für die Weigerung von der Union abzufallen, ertheilt, da selbst Preußen offiziell die Unionsverfassung aufgegeben hat. (Mainz. Tgblt.) Kassel, 25. Nov.(M. T.) Ich kann Ihnen die festverbürgte Nachricht geben, daß zu Wilhelmsbad große Angst, Verwirrung und Verlegenheit herrscht. Der Kurfürst hat nicht im Entferntesten die gegenwärtige Verwickelung und Entwickelung der geschehenen Schritte geahnt. Zwischen dem Kurfürsten und Herrn Hassen⸗ pflug ist eine Spannung vorhanden; nur ist in diesem Augenblicke Hassenpflug nicht zu entbehren. Der Geld⸗ mangel ist außerordentlich; die Steuern können in den Haupttheilen des Landes nicht erhoben werden; die Executionsarmee verlangt aber Geld, nichts als Geld, während der Kurfürst bisher stets geglaubt hatte, 8 bis 12,000 Mann würden ihre Execution in wenigen Tagen vollziehen können. 4. Rassel; 26. Nov. Bekanntlich hat Hr. Hassen⸗ pflug schon längst ein Auge auf unsern 25—30 Mill. betragenden Haus⸗ und Staatsschatz geworfen. Ein neulicher Versuch, den Schatz nach Hanau abzuführen, scheiterte an dem Widerstande der Direction, welche erklärte, die Uebersiedlung könne ohne Mitwirkung des durch die Gesetze vom 27. Febr. 1831 angeordneten geheimen Stände⸗Ausschusses nicht vorgenommen wer⸗ den. Ein solcher Ausschuß sei aber nicht vorhanden, indem die Regierung aus den von Seiten der aufge⸗ lösten Ständeversammlung vorgeschlageuen fünf Mit⸗ gliedern die erforderlichen drei Persouen noch nicht gewählt habe. Nun hat Hassenpflug jene drei Schatz⸗ wächter ausgewählt. Es sind: der Oberpostmeister Nebelthau, Staatsrath Wippermann und Ober-⸗Gerichts⸗ Anwalt Schwarzenberg. So wird nun wahrscheinlich doch der Widerstand des Direktors aufhören und die Gothaner werden den Schatz nach Hanau bringen. )( Marburg, 27. Novbr. Gestern wurden wir durch den Einmarsch eines Bataillons des 30. Infan⸗ terieregiments überrascht; man erwartet für morgen noch einige andere Bataillone, welche in der Umgegend aufgestellt und die Verbindung der hier aufgestellten Bataillone mit dem bei Wetzlar concentrirten Armee⸗ corps unterhalten sollen. Fulda, 25. Nov.(Fr. J.) Einer Aufforderung des sog. Territorialcommissärs Staatsrath Scheffer zu⸗ folge, welche sich in unserm Bezirksblatte findet, sollen sich alle Diejenigen, welche preußische Truppen ver⸗ pflegt haben oder an ihren Feldern durch preußische Truppen Schaden erlitten haben, mit ihren Forderun⸗ gen melden, da diese Forderungen demnächst gegen Preußen geltend gemacht werden sollen.— Die ver⸗ botene„N. Hess. Ztg.“ und die„Hornisse“ sind überall von den Lesetischen verschwunden; nur der Fürst Taxis und der Bundescommissär v. Rechberg beziehen sie re⸗ gelmäßig durch die Post.— Die unglückliche Lage der Einwohner des Bezirks Fulda hat den höchsten Grad erreicht; die armen Leute müssen ihre Habe in das Pfandhaus tragen, um die Einquartierung verköstigen zu können; große Oekonomen der Umgegend berechnen ihren Verlust seit 2 Wochen auf 121600 fl. Die 935 Bauern erklären, ihre Besitzungen ohne alles Weitere verlassen zu müssen und viele Andere sind entschlossen, solchen namenlosen Qualen durch Auswandern nach Amerika zu entgehen. So groß aber auch das Ent⸗ setzen ist, so wenig bringt es die beabsichtigte Wirkung hervor und Niemand läßt sich einreden, daß die Be⸗ hörden und Landstände die Schuld an diesen Zuständen tragen.— Hanau, 26. Nov. Es ward heute amtlich ver⸗ kündet, daß der Kurfürst aus den von der Ständever⸗ sammlung vorgeschlagenen 5 Mitgliedern derselben den Obergerichtsanwalt Schwarzenberg, den Oberpostmeister Nebelthau und den Staatsrath Wippermann zu Mit⸗ gliedern des landständischen Ausschusses bei der Ver⸗ waltung des Hausschatzes und Staatsschatzes bestimmt habe.— Obergerichtspräsident v. Warnsdorf zu Fulda ist in den Ruhestand versetzt und Obergerichtsrath Abée zum Direktor des Obergerichts zu Fulda ernannt. — Den Obergerichtsräthen v. Bischoffshausen, v. Carls⸗ hausen, Hünersdorf und v. Maibom zu Hanau, sowie den Obergerichtsräthen Deiners, Pfeiffer und Platner zu Fulda hat der Kurfürst den erbetenen Abschied be⸗ willigt. f Aus Baden, 22. Nov. Der bekannte bei dem Aufstande in Baden vom Jahre 1849 betheiligte Adal⸗ bert v. Bornstedt, welcher sich noch in der badischen Irrenanstalt Illenau befindet, ist aus seiner früheren aufgeregten Gemüthsstimmung gegenwärtig in völlige Schwäche und Lähmung und in eine Geistesverwirrt⸗ heit verfallen, die unheilbar scheint. Es ist daher dem Vernehmen nach dessen Uebernahme in eine Irrenan⸗ stalt seines Geburtslandes Preußen Seitens der ba⸗ dischen Regierung beantragt worden. Rastatt, 24. Nov. Gestern in der Frühe ist das Füsilier⸗Bataillon des 24. Regiments von hier abmar⸗ schirt, und hat damit den Anfang des Rückmarsches der preußischen Truppen aus hiesiger Festung gemacht. Heute Nachmittag sind sodann die Artillerie und die Pioniercompagnie gefolgt. Speier, 22. Nov. Der Redacteur der Speierer Zeitung, G. F. Kolb, hat sich heute im Bezirksgefäng⸗ nisse zu Frankenthal eingefunden, um die in Folge des vielbesprochenen Preßprozesses über ihn verhängte ein⸗ monatliche Gefängnißstrafe zu erstehen. Für die Dauer der desfallsigen Verhinderung wird Fr. Stiner die Redactionsgeschäfte besorgen. Aus Thüringen, 24. Nov. Im Rudolstädtischen ist bereits die Furcht vor den näherrückenden Bundes⸗ truppen so groß, daß die Landleute anfangen, ihre ganzen Habseligkeiten zu vergraben, und überhaupt alle Anstalten zur Flucht treffen Dresden, 22. Nov. Viel Aufsehen macht die gestern früh erfolgte Verhaftung des hiesigen Baumei⸗ sters Strasser, für den die öffentliche Stimme sich bei Gelegenheit des Teutscher'schen Straßenexcesses so leb⸗ haft ausgesprochen hatte. Die Verhaftung ist auf Requisition des Stolpener Justizamts erfolgt, weil angeblich die Verdachtsgründe gegen Strasser vorliegen sollen, daß er bei Gelegenheit seines Aufenthaltes in Stolpen am 16. Novbr. eine beabsichtigte Flucht des zum Tode verurtheilten Bürgermeisters Meier habe begünstigen wollen. Berlin. Nach einer Correspondenz der„O.⸗P.⸗ A.⸗Z.“ verlangt Oesterreich nun auch die Räumung der Etappenstraßen in Kurhessen; will aber Preußen garantiren, daß es diese wieder erhalte. Schöne Ga⸗ rantien! Preußen wird aber nachgeben; oder sollte es sich nun wirklich aufraffen? Bei der bekannten feigen Politik unseres Ministeriums erwarten wir dieses nicht. Nach einem allgemein verbreiteten Gerücht soll der österreichische Gesandte v. Prokesch seine Pässe für den Fall, daß die preußische Regierung nicht dem Willen Oesterreichs(Rußlands) nachkomme, gefordert haben. Berlin, 24. Nov. In Betreff der Flucht Kinkel's soll sich nunmehr herausgestellt haben, daß dieselbe unter Beihülfe zweier Gefängnißbeamten bewerkstelligt und keineswegs durch ein Fenster geschehen ist. Kinkel wurde von jenen beiden Personen über den Hof ge⸗ führt und verließ durch den gewohnten Eingang das Zuchthaus; er blieb einen Tag in Spandau, ging in der Nacht nach Potsdam, wo er sich gleichfalls einen Tag aufhielt. Von dort aus reiste er über hannöverisch Münden nach Bremen und schiffte sich nach London ein. Bremen. Auch in Bremen ist ein Comite zu⸗ sammengetreten, welches zur Unterstützung der ihrer Verfassungstreue wegen entlassenen kurhessischen Of⸗ ficiere auffordert. 6 * Wien. Nach Briefen, die hier angekommen sind, scheint es nicht, als ob das Gerücht von der Vergiftung des Sultans Abdul⸗Meschid sich bestätige. Sollte es aber doch gegründet sein, so dürften die Folgen, die daraus für das türkische Reich entspringen, wohl nicht zu berechnen sein. Wenn man neben den Wirren in Europa bedenkt, daß Bosnien, eine mächtige Provinz dieses morschen Reiches, im Aufstand begriffen, eine andere, Bulgarien in höchst bedenklicher Stimmung sich befindet, und Aegypten fast unabhängig ist, so wird man vielleicht in unseren Tagen den schon lange pro⸗ phezeiten Fall der hohen Pforte erleben. Wien, 22. Nov. Sicheren Nachrichten zufolge ist in Siebenbürgen unter den Romanen im Banate und selbst unter den Serben große Gährung zu be⸗ merken, die um so bedenklicher scheint, als das meiste Militär von dort weggezogen worden ist, um nach den westlichen Grenzen zu marschiren. Dabei zeigt es sich auch, wie wenig dem Waffenablieferungsgebote Folge geleistet worden ist. Es kommen jetzt überall, an allen Orten und Enden Bewaffnete zum Vorschein, und in den nördlichen gebirgigen Gegenden treiben sich bei 3000 Honveds herum, welche bei dem Landvolke überall Gastfreundschaft finden und denen in den unwegsamen Gebirgen nicht beizukommen ist. ö Paris, 24. Nov. Wir können mit Bestimmtheit verbürgen, daß Kinkel nicht in Paris gewesen ist. Das Mißverständniß, worauf die frühere Angabe von seiner Ankunft sich begründet, hat folgende Ursache: Das Schiff, auf welchem Kinkel mit einigen Freunden sich befand, legte bei Jersey an. Einer seiner Freunde begab sich von da nach Paris.— Ein Banket wurde veranstaltet. Kinkel ist jetzt auf dem Wege nach New⸗ 1 D 7———————½———-——————— 6——— 2 8 936 Vork; die Nachricht, als habe er sich nach London ge⸗ wendet, ist mithin auch falsch. 5 a Zur Benachrichtigung. Die demokratischen Wähler der dritten Ab⸗ theilung, welche am 29. November wählen werden, werden hiermit nochmals darauf aufmerksam ge⸗ macht, daß sie nur die in der dritten Ab⸗ theilung benannten Bürger als Wahlmänner zu wählen haben. 1 Anzeigen. 306) Aus unserer an Recht und Verfassung festhaltenden Einwohnerschaft wird ohne Zweifel bald ein Comite zur Unterstützung der wegen ihrer Verfassungstreue verabschiedeten kurhessischen Offiziere und entlassenen Civilbeamten sich bilden.— Bis dahin erkläre ich mich bereit, Beiträge in Empfang zu nehmen. Ich werde wöchentlich ein Verzeichniß der eingegangenen Beiträge veröffentlichen. Gießen, 17. November 1850. Georg Noll. 307 5 mern, Küche, Keller, verschließbarem Bodenraum und 1 einer Mägdekammer, Gießen, 27. November 1850. Georg Noll, vor dem Wallthor. Das bisher von Herrn Professor Dr. . Wippermann bewohnte Logis in meinem Hause ist 1 gegen Ende December auf's Neue zu vermiethen und gleich beziehbar.— Dasselbe besteht aus 4 Zim⸗ Tageslüge! 1 5 208) Der Weg nach der Anatomie wird gangbar gemacht! Theater in Gießen. Freitag, den 29. November. (Zum Erstenmale.) Der kiedacteur auf der Acht, oder Schon wieder ein Mißverständniß. Lustspiel in 3 Abtheilungen von Gustav Schönstein. Aufang präcis 7 Uhr. Ende halb 10 Uhr. Geyser, Director. 1 209 I. Abtheilung. 1 1) Balthaser Asmus, Wein⸗ 1 händler, 2) Chr. Wilh. Busch, Wirth. 3) Louis Bücking, Tabaks⸗ fabrikant. 4) Karl Ebel, Oekonom. 5) Ludwig Theodor Felsing, Kaufmann. 6) Ludwig Herbert, Wirth. 7) Wilhelm Heyer, Bierbrauer. ö 8) Heinr. Hochstätter, Tapezier. 9 9) Aron Homberger, Fabrikant. 0 10) Philipp Leib, Wirth. 11) Joh. Balth. Noll, Kaufm. 46 12) Gg. Chr. Spruck, Kaufm. 1 13) Christ. Wallenfels I., Bäcker. 14) Heinrich Witte, Apotheker. II. Abtheilung. 1) Fried. Berg, Schuhmacher. 2) Heinr. Ferber, Bürgermeister 3) Balth. Fillmann, Oekonom. 4) Reinhard Frank, Advocat. 5) Wolfgang Heinrich, Silber⸗ arbeiter. 6) Karl Hofmann, Kaufmann. 7) Ludwig Kämmerer, Bäcker. 8) Jerem. Kunz, Nagelschmied. 9) Gg. Heinr. Lony, Oekonom. 10) Adolf Möhl, Metzger. 11) Philipp Möhl, Metzger. 12) Daniel Plank, Rothgerber. 13) Wilhelm Schmall, Kaufm. 14) Philipp Walther, Schmied. 15) Georg Christ. Wallenfels II., Kaufmann. 1 Zur Landtagswahl. Eine große Anzahl hiesi ger Einwohner schlägt ihren Mitbürgern folgende Wahlmänner für die nächste Landtagswahl vor: III. Abtheilung. 1) Karl Becker, Rothgerber, 2) Jakob Thomas, Schmied. 3) Louis Großmann, Büchsen⸗ macher. 4) Phil. Hirschfeld, Schlosser. 5) Kaspar Huhn, Schuhmacher. 6) Daniel Keil, Rothgerber. 7) Konrad Balthaser Lang, Pumpenmacher. 8) Karl Nagel J., Schuhmacher. 9) Wilh. Nehmeyer, Schneider. 10) Christian Noll, Bäcker. 11) Louis Petri, Weisbinder. 12) Ludwig Schäfer, Schuh⸗ macher. 13) Daniel Schmitt, Schneider. 14) Wilhelm Wolf, Advocat. Verantwortlicher Redacteur: C. Sartorius. Druck von M. Merck in Gießen.