Erscheint fünfmal wöchentlich, wenn es nöthig ist mit Beilagen (Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, mit Aus⸗ nahme der hohen Festtage). Hessischer —— Nr. 142. Zur Finanzfrage. 1 Wir haben kürzlich in Nr. 129— 131 unseres Blattes das Budjet unseres Staates einer kurzen Prüfung unterworfen, und die officiellen Angaben in der Hand, durch Zahlen gezeigt, daß unsere s. g. con⸗ stitutionelle Monarchie, wie sie bisher war, ein ziem⸗ lich kostspieliges Stück Möbel ist, und daß es dringend nothwendig ist, daß einmal ächt volksthümliche, nur von dem Interesse des Landes beseelte Ständekammern, die Finanzverhältnisse unseres Staates in die Hände nehmen, und im Geiste der Neuzeit umändern. Es freut uns hierbei bemerken zu können, daß selbst bis in die regierenden Regionen hinein, unsere gegebene Darlegung sehr überzeugend eingewirkt zu haben scheint, da die Darmstädter Zeitung vor einigen Tagen in einein ihrer Leitartikel das Gefkändniß ablegen mußte, daß unsere Zustände„unerquicklich seien, daß dure tüchtige Gesetze, durch„Vereinfachung des kostspieli⸗ gen Kriegswesens“ und„manches Andere“ ge⸗ holfen werden könne. Diese schmeichelhafte Aufmunte⸗ rung, welche unsere Ansichten in so hohen, und sonst nicht leicht zu überzeugenden Kreisen gefunden, muntert uns auf, nachdem wir die Civilliste und das Kriegs⸗ wesen besprochen haben, nun zu einem dritten Punkte, zu den Civil- und Militärpensionen überzugehen. Dieselben waren, wie wir in Nr. 129 sahen, vor dem März 1848 bis zu der enormen Höhe von 420,000 fl. jährlich angewachsen, welche entsetzliche Summe sich seit den letzten zwei Jahren noch um 55,000 fl. vermehrte, so daß jetzt unser kleines Länd⸗ chen von circa 850,000 Einwohnern, jährlich 475,000 fl., Erster Jahrgang. — ͤ—— H— Gießen, Mittwoch den ist daher g Preis vierteljährlich mit Post⸗ aufschlag im Thurn⸗ und Taxis'schen Postbezirk 1 fl. 20 kr., in Gießen mit Bringerlohn 1 A e Einzelne Numern 22k. Anzeigen kosten die Drittelzeile 2 kr. Für ce e 25 Zeilen die Hälft uschau⸗ er. ————— 1830. e 24. Juli also circa 6 ½ pCt. der Staatseinkünfte für Ernährung der Pensionäre erschwingen muß, während für das Schul⸗ und Kirchenwesen in Allem nur 310,222 fl. verwendet werden, und die Unterhaltung des Heeres 0 mah er Einkünfte verschlingt. Es nachzusehen, ob diese so unbedingt noth⸗ e Antwort muß 7 5 d schauderhafte Menge wendig ausgegeben wer entschieden verneinend Denn einmal brauche fast mit jedem Tage sich Ein großer Theil desselben ist Verhältnissen, durchaus entbeh wegfallen können, wenn man on dem beliebten starr bureaukratischen und Federfuchserregiment abstehen, da n in den verschiedenen Verwaltungs- und fachen und mehr die Selbstregier führen wollte. So besteht, um anzuführen, in vielen Kantonen Bezirksgericht aus Männern, verf durch die Wahl ihrer Mitbürge berufen sind. Alle 14 Tag nachdem streitige Rechtsfälle e dieselben in dem Hauptort sammen, wofür zeigen verein⸗ Volkes ein⸗ u diesem Posten drei Wochen, je gelaufen sind, treten des Bezirkes zum Bezirks⸗ während der Gerichtstage Nechtsstreitigkeiten werden Diäten beko f Die durch diese Gerichte schnell und äußerst billig und von Männern abgehandelt, die das allgemeine Vertrauen n. ihrer Mitbürger besitzen, und zugleich so viel Lebens⸗ erfahrung und Volkskenntniß haben, daß fast immer zur Zufriedenheit beider Parteien der Spruch gefällt wird. Wir haben hierüber mit vielen Schweizern gesprochen, aber keinen gehört, der sich nach unseren bureaukratischen Gerichtsformen gesehnt hätte, wo die Gießener Universitätsverhältnisse. Schon mehrmals hat es die„Darmstädter“ und neuerdings wieder die„Deutsche Zeitung“ versucht, in Artikeln, die nur gar zu sehr ihre Verfasser verrathen, auf die Studenten der hiesigen Universität zu schmähen, und den unter ihnen herrschenden Geist im übelen Lichte darzustellen. Wir sind durchaus nicht Willens diesen Vorwurf von der Mehrzahl der hiesigen Studenten abzu⸗ wenden, halten es aber für eine unentschuldbare Oberflächlichkeit und Parteilichkeit so einseitig immer auf den Studenten zu schelten, während doch, wenn von dem jammervollen Geiste auf hiesiger Hochschule die Rede ist, Jeder, der ihre Verhältnisse kennt, diesen Vorwurf auf einen großen Theil der Professoren mitbeziehen muß. Der Verfasser jener Artikel gehört aber wahr⸗ scheinlich selbst zu jenen Widersachern der Studienfreiheit, die jetzt mit Recht leere Auditorien haben und sich zurücksehnen nach der, wenigstens für die Geldbeutel der Professoren, goldenen Zeit der Zwangscollegien und des Studienzwangs. Daher können wir von ihnen nicht verlangen, daß sie neben den Studenten auch den Theil der Professoren, der es wirklich verdient, dem gebührenden Tadel unterwerfen, und überhaupt die Wurzel des Uebels suchen, wie wir es beabsichtigen. Gehen wir zurück auf die vormärzlichen Zeiten, so finden wir die Universität in einem Zustande, wie man ihn haben mußte, um willenlose, feige Regierungsbedienten, geist⸗ und herz⸗ lose Bureaukraten, zu erziehen. Die Universität unter dem Scepter des berüchtigten Linde war eine vollkommene Verdum⸗ mungsanstalt. Ein, aller Wissenschaftlichkeit und allem freien geistigen Leben hohnsprechender Studienplan, eine vorgeschriebene Studienzeit, dabei ein wahrhaft terroristischer Collegienzwang de. mußte jede freie Geistesrichtung unterdrücken, und den Studen ten, wenn er sich nicht durch Opposition gegen dieses Knechtungs system bei den mit Linde harmonirenden Professoren mißliebig machen wollte, eben zu dem machen, was die Mehrzahl der Studenten war, zu Leuten, die mechanisch ihre dictirten Lectio⸗ nen machten und in Saufereien und nichtssagenden Corpsge schichten die Erholung suchten, die man ihnen auf ganz andere Weise hätten bieten müssen. Da kam die Märzrevolution, wo 18 1 . 1 1 5 14 14 — 14 1 1 — 566 unbedeutendste Sache oft Jahr und Tag hängen bleibt, und wenn endlich der Proceß beendet ist, beide Theile den Bettelstab ergreifen können. Schiedsgerichte, welche in der letzten Zeit an verschiedenen Orten unsrer Provinz erstrebt wurden, würden, wenn man auch unsere jetzige kostspielige Gerichtsorganisation bei⸗ behalten wollte, doch vortheilhaft einwirken, haben sich aber bis jetzt nicht sehr der Unterstützung unserer Herrn Bure aukraten zu erfreuen gehabt. Einen an⸗ derern, sehr naheliegenden Beweis für die Uebersetzung vieler Beamtenstellen bieten uns die verehrlichen Hof⸗ gerichtscollegien. In Gießen sind in demselben zwölf Räthe und zwei Direktoren angestellt. Bis Ende 1848 betrug der durchschnittliche Gehalt eines Rathes 1500 und der eines Direktors 2000 fl.,„unser Jaup“ be⸗ willigte aber, wie wir hören, eine Gehaltszulage von 200 fl. für die Räthe, und von 600 fl. für den einen Direktor, so daß jetzt die Räthe ungefähr 1700 und die Direktoren 2400 fl.(Direktor v. Helmold 2650 fl.) Gehalt beziehen. Dies macht eine jähr he Besoldungs⸗ ausgabe von 25,200 f„daß fü diese starke Besoldung auch sehr stark der Fall, sonde ine Art S N 5 5 Ur rn Hofgerichtsräthen e. Dies ist aber nicht chtsstelle scheint mehr als el zu werden. Außer zwei 1(Georgi und Kraft) sollen, wird, die übrigen Räthe kaum unden des Tages beschäftigt adurch bestätigt werden dürfte, Herren einen großen Theil des Gerichtes und in ihrer Wohnung So hat z. B. der Eine durch treifereien in Flur und Wald sich Feldschützen“ erworben, der andere ger, der dritte ist immer im„Gar⸗ n dürfte hervorgehen, daß eine ollegs um die Hälfte, und eine rung von 12—13,000 fl. sehr r für den Dienst bewerkstelligt (Schluß folgt.) Gießen, 22. Juli Nach dem„Fr. J.“ soll die Main⸗Weser⸗Bahnstrecke von Marburg nach Lollar bei Gießen, am 24. d. M. dem öffentlichen Verkehr de⸗ finitiv eröffnet werden. n — Starkenburg, 22. Juli. Nach einer Cor⸗ respondenz der„Darmst. Ztg.“, hatten die Constitutio⸗ nellen gestern eine Versammlung in Auerbach, um ihre Candidaten für die Bezirke Heppenheim, Zwingenberg und Bensheim aufzustellen. Advokat Reh, der Unver⸗ meidliche, war auch dabei. Für Bensheim wollte man den Häuptling der Gut⸗ und Blutmenschen, Heinrich v. Gagern, aufstellen, stand aber wieder davon ab, weil man fürchtete, der imposante Mann werde bei der Wahl keine seiner imposanten Persönlichkeit ent⸗ sprechende imposante Majorität davontragen. Man setzte also den Obereinnehmer Küchler aus Bensheim auf die Liste.„Zum Wahlbezirk Heppenheim überge⸗ gangen(so), erklärte der Steuereinnehmer S chneider, daß die Constitutionellen des Bezirks Heinrich v. Ga⸗ gern für die zweite Kammer in Aussicht hätten.“ An⸗ genommen! Herr Schneider scheint von Hrn. v. Gagern keine Herabsetzung der Steuern resp. der Prozente zu fürchten. Für Gernsheim wurde ein Kaufmann, Zöppritz, für Zwingenberg Landrichter Pistor in Darmstadt in Aussicht genommen. Werden diese Herren, wenn ein Antrag auf Aufhebung des allgemeinen Stimmrechts, nach welchem sie gewählt werden sollen, gestellt wird, gegen oder für einen solchen Antrag stimmen? n Aus der Residenz, 17. Juli.[Alters- schwäche.] Alles strebt bei uns wieder in den ge⸗ lobten vormärzlichen Zustand zurückzukehren. So soll eine, dem Großherzog sehr nahe stehende Person, welche vor dem März bekanntlich von überwiegendem Einfluß war, sich geäußert haben:„Sie wolle die Zügel wieder in die Hand nehmen.“ Gleichzeitig damit ist in„wohl⸗ unterrichteten Kreisen“ die Meinung verbreitet, daß die jetzige provisorische Besetzung des Ministercollegiums, bald einer definitiven Ernennung„ganz entschie— dener“ Männer weichen werde.— Sogar in den kleinlichsten Förmlichkeiten sucht man die guten alten Gewohnheiten wieder auf. So wird, von unserer ge⸗ fallenen Größe, dem Exminister, und jetziger wirklicher Geheimerathsexcellenz und Vicepräsidenten des Ober⸗ consistoriums, Herrn Jaup, erzählt, daß er in kurzen Hosen mit Borden, weißen seidenen Strümpfen, Schnal⸗ lenschuhen und Chapeau⸗bas, kurz in vollständigem Ge⸗ heimerathswichs seine Abschiedsvisiten abgestattet habe, während er sich früher, selbst bei Conferenzen mit Serenissimo, nur eines simplen schwarzen Frack's be⸗ diente.— X Homberg a. d. O., 16. Juli. Als Se. kgl. Hoheit neulich hier durchreistte, rief ihm ein Bursche ein:„Vivat Hecker!“ in den Wagen. Natürlich wurde sogleich eine hochnothpeinliche Untersuchung auf Majestätsbeleidigung in Aussicht genommen und die nöthige Einwilligungsanfrage an das Ministerium resp. sogar viele jener Herren Professoren, welche ehemals zu ihrer und der ganzen Universität unauslöschlichen Schmach die berüchtigte Vertrauensadresse an Linde gegen Credner unterschrieben hatten, einen liberalen Anstrich bekamen, und sogar mit der Bürgergarde exereirteu. Allein mit Schrecken mußte man sehen, wie der von Linde ausgestreute Saamen bei den Studenten die herrlichsten Früchte trug. Fast unberührt, von dem Alles mit sich fortreißendem Geiste der Zeit, setzten sie ihr altes Leben fort, der gröste Theil blieb Zanz indifferent, ein anderer Theil, aus Furcht die Erblichkeit der väterlichen hohen Staatsämter möge verloren gehen, schloß sich der tollsten Reaction an. Als solche von jeder Weltbegeben⸗ heit unberührte Mumien aus der vormärzlichen Zeit stehen die Studenten noch da. Immer noch befangen in den geisttödten⸗ den Spielereien, rutschen sie nach 7—8 fast nutzlos ver⸗ geudeten Semestern mit Ach und Noth durch's Examen in's traurige Candidaten⸗ oder Accessistenstellleben hinüber. Denn was die Leute hier am meisten beschäftigt hat, ist Biertrinken, in den Auditorien gähnen, oder ohne Sinn und Verstand und Wort für Wort die ausgekramte Weisheit langweiliger Docen⸗ ten nachschreiben. Und für diese Schlampamperei werden all⸗ jährlich viele Hunderttausende ausgegeben.. Fragen wir nun aber nach dem Grund dieser traurigen Er⸗ scheinung, die, wie man denken sollte, mit Verschwinden des Studienzwanges, mit Verschwinden der Bevormundung durch Pedellen und Pedellen ähnliche Professoren, hätte aufhören müs⸗ sen, so können wir die Schuld gewiß nicht auf die Studenten allein schieben, sondern müssen dieses Uebel ganz wo anders suchen. Sehen wir ganz ab vom Mangel aller außerhalb der Universität stehenden Bildungsmittel, vom Mangel an Theater und Concerten, Gesellschaften; sehen wir ferner ab von jener hier herrschenden ekelhaften Kleinstädterei, welche immer sehr nachtheilich wirkt, vom steifen gezwungenen Ton, der den Stu⸗ denten, wenn er nicht im unbequemen Frack erscheint, aus den Familien verbannt und auf die Wirthshäuser verweist, so sind es vor allen Dingen die Vorbereitungsschulen für die Univer⸗ sität, die Gymnasien, welche uns mit allen ihren Mängeln und Uebelständen in die Augen fallen. Derselbe Einfluß, der den Großherzog gestellt. Wir hören zu unserem Ver⸗ guügen, daß dem pflichteifrigen Landgericht von Homberg hierauf die Weisung zugekommen ist, diese Geschichte auf sich beruhen zu lassen. 5 Aus dem Großherzogthum Hessen, 19. Juli. [Reorganisation der Verwaltungsbehörden.] Personen, welche gut unterrichtet sein können, behaupten, daß die Reorganisation der höheren Verwaltungsbe⸗ hörden noch keineswegs geschlossen sei, sondern daß der Neactivirung der Ministerialräthe Bechtold und Brei⸗ denbach in kurzem das Ausscheiden der Ministerial⸗ räthe Maurer, Emmerling und Wernher folgen werde. Es würden damit ganz eigentlich die Freunde Gagerns aus dem Ministerio scheiden, und vielleicht wenigstens die Richtung klar angedeutet sein, in welcher man nicht weiter vorgehen wolle.(M. T.) Frankfurt, 22. Juli. Hier verbreitet sich so eben das Gerücht, der(demokratische) Bürgermeister Rühl von Hanau, weiland Mitglied der Nationalver⸗ sammlung, sei in Arolsen in Folge eines Sturzes vom Pferde gestorben. 5 Bas Karlsruhe, 20. Juli. Ihre königlichen Hoheiten von Hessen⸗Darmstadt und Hessen⸗Cassel scheinen neuer⸗ dings wieder stark in Politik zu machen. Nachdem Ersterer vor einigen Tagen wieder einmal hier gewesen, traf auch der Letztere gestern hier ein, und reiste daun, nachdem er den Abend„im Kreise der. großh. Familie“ zugebracht, heute nach Baden-Baden. Die„Deutsche Ztg.“ macht hierzu die malitiöse Bemerkung:„Also in der Nähe und zur Hand.“ München, 20. Juli. Die bayrische Kammer hat sich heute in ihrer letzten Sitzung für Schleswig⸗ Holstein von ihren Sitzen erhoben,„um das Gewicht der Volkserhebung in die Wagschaale der Ehrenent⸗ scheidung Deutschlands zu legen.“ Wieder einmal ein Aufstand, also! Schon seit länger als 6 Jahren ma⸗ növeriren die deutschen Kammern in dieser Weise mit dem Allerwerthesten zu Gunsten Schleswig⸗Holsteins, und wenn es damit zu thun wäre, wäre nicht nur der meerumschlungene Bruderstamm längst vom Dänenjoch befreit, sondern die Freiheit und Einheit wäre läugst fir und fertig. Diese Aufstände von den Sitzen werden nachgerade sehr unappetittlich. Verlin, 20. Juli. Wem der Ekel vor der deutschen Wirthschaft noch nicht bis zum Hals gestiegen ist, kann sie jetzt noch satt kriegen zum——. Preußen hat den Frieden mit Dänemark gemacht und ratificirt. Diese Schlechtigkeit benutzen nun drei andere saubere „Mächte der Erbärmlichkeit“(Oesterreich, Bayern und Würtemberg) zur Ausführung anderer Schlechtigkeiten. die sonst gute Sache der Herzogth scheint eintreten zu wollen. A vor dem März 1848 die Universitäten verdummte, hatte sich natürlich und zunächst auch in ihnen geltend gemacht, und diese„Pflanzstätten des Wahren, Guten und Schönen“ zu An⸗ stalten degradirt, wo die jungen Leute in jeder Beziehung sitt⸗ lich ruinirt wurden und dabei gar nichts lernten. Bei theilweise total unfähigen Lehrern, einem ganz miserablen zopfmäßigen Lehrplan, bei gänzlichem Mangel an aller geistigen Anregung, konnten von diesen Anstalten keine gebildeten Leute kommen, und zudem mußte der schnelle Wechsel soldatischer Disciplin mit der geademischen Zuchtlosigkeit, die man aus guten Gründen nicht nur nicht verhinderte sondern zu vergrößern suchte, vor⸗ treffliche Früchte tragen. Auch die Gymnasien sind trotz dem Sturze des alten System's dieselben geblieben, haben sich sogar noch verschlechtert, und es soll uns wundern, ob man demuächst nicht invalid gewordene Corporäle zu Directoren und Lehrern anstellen wird. Gar nicht gebildeter, sondern im Gegentheil noch uncultivirter, sind diejenigen, welche von Realschulen und selbst von der gepriesenen polptechnischen Schule zu Darmstadt kommen. (Fortsetz. folgt.) 567 Sie erklären sich nicht für berechtigt, den Frieden zir ratificiren, weil dieses Recht nur dem deutschen Bun⸗ desplenum zustehe, welches demnach sofort einberufen werden müsse. Hannover gibt Preußen eine Antwort, aus der kein Mensch klug werden kann. Sachsen will vermitteln, es will das Plenum nur für diesen einen Fall berufen. Unter dieser Zeit werden die armen Schleswig⸗Holsteiner der Perfidie ihrer Feinde und den Intriqen des Auslandes preisgegeben. Den Verkauf eines„Bruderstammes“ in dieser Weise auszubenten! O, es ist zum toll werden. Stettin, 17. Juli. Nach gestern hier eingetrof⸗ fenen Dampfschiffnachrichten aus Petersburg, ist eine zweite Abtheilung der russischen Ostseeflotte, mit 10,000 Mann Landungstruppen an Bord, im Absegeln begriffen. Nachrichten aus Schleswig⸗Holstein. Was wir längst geahnt, was uns bewog, vor dem unbedingten und frühzeitigen Enthusiasmus für ümer, zu warnen, 355 ahrscheinlichkeit on Jahre lang ssoren, Doktri⸗ von Anfang nach wird Schleswig Holstein, das zum Spielzeug von Diplomaten, Pre närs und Zungendreschern diente, seiner Erhebung an bis jetzt, von Nich und Heuchelei umgarnt war, auch jetzt, im letzten und entscheidenden Momente, aber diesmal nicht von der fremden, sondern von seiner eigenen Diplomatie schmählich verrathen werden. Anstatt rasches, entschie⸗ denes Handeln, nichts als Zögern, Nachgeben und halbe Maßregeln, wodurch nur Gut und Blut unnütz vergeudet wird, ohne daß das Geringste bezweckt wird. Einen deutlichen Beweis hierfür liefert der(schon er⸗ wähnte) zweite Armeebericht General Willisen's, in dem, mit einer in den Annalen der Militärgeschichte fast unerhörten Naivität gesagt wird:„dürften nur militärische Rücksichten über das entscheiden, was zu⸗ nächst zu thun ist, so wäre nichts vortheilhafter, als die Bewegung schnell bis Bau fortzusetzen, und so dem Feinde seinen wahrscheinlichen stra⸗ tegischen Aufmarsch zu stören. Es scheint aber angemessen(2111) diesen großen militäri⸗ schen Vortheil zu opfern, und die Aufrichtigkeit der Gesinnung, welche eine friedliche Lösung stets ge⸗ wollt und noch will, auf das Uuwiderleglichste darzu⸗ legen.“ Während die Dänen an allen günstigen Punkten Position fassen, die holstein'schen Schiffe capern, und eine russische Flotte mit 10,000 Mann Lan⸗ dungstruppen zur Unterstützung der Dänen herbei eilt,„opfert“ der deutsche(7 General, diesen großen militärischen. Vortheil“, um einem Feinde, der auf das Klarste und Deutlichste gezeigt hat, daß er nur die Entscheidung durch das Schwert wolle,„die Aufrichtigkeit der Gesinnung, die friedliche Lösung stets gewollt, auf das Unwiderleglichste darzulegen.“ Ob entsetzliche Dummheit oder schmähliger Ver⸗ rath hier im Spiele ist, wird die Folge lehren. Für Letzteres spricht eine Stelle der ministeriellen„Deutsch. Reform“ in Berlin, welche ohne Scheu sagt: Willisen habe mit den Operationen eingehalten, weil—„die Statthalterschaft des Enthusiasmus, der Demokraten sich nicht zu erwehren weiß.“ Freilich Enthusiasmus, Begeisterung, wahre Hingebung für eine Sache können diese Gothaer Diplomaten nicht brauchen zu dem schmälichen Werke, das sie mit dem edlen Volke der Herzogthümer vorhaben.— ils Verrath. 55——— 0 0 9 3 2 . 568 Doch hoffen wir, daß die entschiedene Partei, neuerer Zeit sehr eingeduselten Schnapswirthschaft welche allem Anschein nach die Mehrzahl, und beson⸗ wieder mächtig aufgeholfen wird. Da der über den ders im Heere bildet, das gesponnene Netz des Ver⸗ quakenden Singvogel abgezogene graue Wachtmeister rathes durchbrechen werde. Am Ende ware es für den erwarteten reichlichen Absatz nicht findet, hat Herr dieselbe am Besten, wenn sie ihre Professoren ver⸗ von Wilsbach zu einer neuen Brandweinwürze seine jagte, und sich mit der dänischen Kriegspartei, die Zuflucht genommen: eine Gesellschaft, welche neulich entschieden demokratisch ist, verbände. Im Bunde das bekannte Herz⸗ und Magenstärkende Getränk in mit deuselben könnten sie Rußland und die ganze seinem rosenfarbenen Gasthofe wohlbehaglich schlürfte, europäische Diplomatenbande verlachen, und im Para- fand dasselbe mit einer dicken Spinne angesetzt. Das demarsche das ihnen zujauchzende Deutschland durch⸗ ist denn doch eine saubere Wirthschaft, sagte einer der ziehen. erquickten Gäste; das lasse ich gelten, meinte ein An⸗ Madrid. Man spricht hier allgemein davon, das derer, wenn man die Wirthschaft des Herrn von Wils⸗ Kind der Königin sei umgebracht worden. Die Königin bach nur mit der ersten Silbe des Wortes sauber sollte bekanntlich keine Kinder bekommen, um die Thron⸗ bezeichnet. Ja wahrhaftig! das ist eine s aubere folge den Kindern Montpensiers zu e 700 Deß⸗ Wirthschaft.— halb wurde sie von L. Philipp an den Strohmann 5 a 775 Franzisko Vallepele Nun aber ward Isabelle dennoch Volksversammlung. guter Hoffnung, und es wurde eine Deputation an den Die auf Sonntag den 21. Juli nach Utpha Jordan geschickt, um dort das heilige Taufw asser ausgeschriebene Volksversammlung konnte nicht abge⸗ für den erwarteten Kleinen von Gottes Gnaden zu halten werden, weil die Anzeige davon nicht 24 Stun⸗ holen. Louis Phil ar wüthend. Da soll ihm die den vorher, wie dies das Gesetz vorschreibt, bei der tter Christine, geschrieben haben: Es betreffenden Regierungscommission gemacht worden war. Interessen im Spiel, als daß das Es wurde daher heute an Ort und Stelle beschlossen, u lange leben könnte! die für heute beabsichtigte Volksversammlung Sonntag den 28. Fü d J. sandt.)[Neue Erfindung und saubere abzuhalten, was hiermit zur Kenntniß der Wähler sind hier zu Kind der Ke (Einges Wirthschaft.] Seine freiheitliche Gnaden der Herr von gebracht wird. und zu Wilsbach sind so glücklich gewesen, eine neue Ütpha, 21. Juli. Erfindung zu machen, wodurch ohne Zweifel seiner in Die Veranstalter der Volksversammlung. 12% Tapeten in großer Auswahl in allen Farben und den neuesten Mustern sind zu 10 kr. pr. Stück vorräthig in der Tapetenfabrik von UNION. Concessionirte Deutsch⸗Englis ch⸗Amerikanische Gesellschaft Gießen. H. Hochstätter. zur Beförderung von 1 5 243) Zwei nußbaumene Kinderbettladen, Auswanderern nach Amerika 2 große Spiegel, 1 Sopha, ein lakirter zwei über thüriger Kleiderschrank und 1 große Hunds hütte sind zu verkaufen, bei 5 Rotterdam und Liverpool. e 3——.. 5 Gießen. 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