zu ng zt. ag d en er io⸗ im en te⸗ en arf il, il. fen sen cht ter ks⸗ ind den Hessische Volkszeitung. 1 29. Freitag, 30. Juni 1848. T ã g i ch schei iest i ierteljähri i ie einze Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljßährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Num 2 kx 0 r 4 1 N ee für 15 kr.. abgegeben. Eiurückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmenalle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Die Arbeiter frage. (Fortsetzung.) 4 Ich räume ein, solange wir nicht wissen, ob Krieg, ob Frieden sein wird, ist unfere nächste Sorge, ge— rüstet zu stehen gegen die Russen, denen wir nicht zu trauen haben, und die vor unserer Thüre sind. Sind wir dann gerüstet, so müssen wir über Ent⸗ waffnung unterhandeln, und über künftige Sicher⸗ heit. Dabei müssen wir im Verein mit andern frei⸗ sinnigen Staaten sorgen, daß für Polen geschehe, was gerecht und angemessen ist, nicht mehr und nicht weniger. So lange wir ein großes Heer auf den Beinen haben, drückt die Arbeiterfrage we⸗ niger, denn viele kräftige Arbeiterarme stehen dann im Nationalsold. Wird nun aber der Frieden er⸗ halten, und zeigen wir die Mäßigung, von unserer Freiheit weisen Gebrauch zu machen; fo kehrt das Zutrauen zurück; die Stockung, soweit sie blos Folge des verschwundenen Zutrauens ist, löst sich auf. Diese Mäßigung beweist sich dadurch für die Welt, daß wir das Fürstenthum nicht beseitigen und durch Republik ersetzen, sondern daß wir das Fürstenthum, auf volksherrliche Grundlage gestellt, annehmen. Darin liegt der Beweis, daß wir nicht Alles übereinanderstür⸗ zen, sondern mit Mäßigung und Vernunft vorwärts schreiten wollen. Ist nun so das Zutrauen wieder erweckt und die aus seinem Verschwinden hervorgegangene Stockung gebannt; so müssen wir für einen Theil der Hände, welche durch die statt findende Entwaffnung wieder frei werden, andere Beschäftigung suchen. Denn wenn schon seither noch Alle nebeneinander Nah— rung fanden, so war sie doch für Viele eine viel zu kärgliche. Auch kann bei hergestelltem Zutrauen gleichwohl das alte Aufwandmachen(der alte Luxus) nicht wiederkehren. Er kann nicht; und wir wollen ihn nicht wieder. Dazu noch werden auch der Men⸗ schen immer mehr.(Die Bevölkerung stieg in den letzten 25 Jahren um mehr als ein Viertel). Der Absatz muß daher künftig in vielen Dingen geringer sein; als er vor den Februar- und März⸗ tagen war. Der Absatz ist aber(obschon neulich in der Volksversammlung Hr. Ricker allein an ihn und seine Wichtigkeit dachte) gerade der Haupt- knoten. Natürlicher und nachhaltiger Absatz läßt sich nicht herbeirepublikanisiren. Die mehreren vor⸗ geschlagenen Mittel zu sofortiger Abhülfe der Arbei— ternoth sind alle gut, sie reichen aber alle nicht aus. 1) Die Theilung der Arbeit macht, daß mehr und bessere Arbeit geliefert werden kann. Da— durch verdrängen wir Fremde von unserm Markt, denen wir sonst von unsern Rohstoffen an Zahlung geben müssen. Das kommt den einheimischen Ar- beitern zu gut. 2) Creditanstalten machen, daß der Gewinn, den sonst die großen Unternehmer zogen, oder die Wucherer, mehr in der Hand der Arbeiter bleibt; Sie können nehmlich die Geschäfte auf eigene Rech⸗ nung treiben: sie müssen auch nicht ihre Waare, so⸗ bald sie fertig ist, losschlagen, sondern sind im Stand, zu warten, bis Liebhaber kommen. 3) Die Vereinigung der Meister zu a n⸗ gemessenen Preisen macht, daß sie sich nicht ohne Noth selbst zu Grunde richten. 4) Abstellen der Mindersteigerungen(des Vergebens der Arbeiten an den Mindestfordernden) ist Abstellen der besonderen Veranlassung zum Kundenabjagen. 5) Gehöriges Erlernenmüssen des Beru— fes nützt, um fremden Mitbewerb vom Markte ab⸗ zuhalten, indem ebenso gute Waare geliefert wird, als von den Fremden, und indem man ebenso ge⸗ wandt und ebenso mit Benützung aller Vortheile arbeiten kann, wie sie. 6) Wenn Jemand nur einen einzigen Be⸗ ruf betreibt, so wird er vollkommener darin,— vorausgesetzt, daß er selbst arbeitet. 7) Was den Handel betrifft, so ist ebenfalls richtig, daß er die Handwerker nicht zu Grunde richten darf, z. B. daß nicht erlaubt sein darf, ei— nen Markt mit Waare zu überführen, die aus be⸗ sondern Gründen unter dem Preis gegeben werden kann, z. B. weil sie verfallen ist(confiscirt wurde), oder weil sie aus Bankerotten herkommt, oder weil sie in Verderb gerathen ist e.— Ebenso soll den Handelsleuten selbst nicht durch solche Ver⸗ käufe geschadet werden dürfen, auch nicht geschadet werden dürfen dadurch, daß Jeder ein Geschäft an⸗ fangen kann, in welchem er mit fremden Mit⸗ verschleudert, das Geld verzehrt, und wenn sich Dieß nicht mehr weiter treiben läßt Bankerott macht. Aber was ist mit diesen Mitteln allen? Können sie helfen, wenn mehr Handwerker da sind, als Bedarf ist, wenn mehr Handels⸗ leute da find, als Kunden? Da hilft alles Genannte nicht mehr, sie fressen doch einander auf, oder es giebt sonst Etwas. Da muß doch anders geholfen werden. Gerade auf dem Punkt sind wir aber. Wir haben jetzt schon übergenug Hände, und in etwa 20 Jahren sollen wir noch ein Viertel mehr haben! Wo will Das hinaus? Freilich verbraucht der neue Viertel auch wieder Gewerbserzeugnisse; aber sie müssen doch auch Fleisch und Brod haben, und Die, welche Vieh und Getraide verkaufen, wachsen nicht an, weil die Aecker nicht wachsen. Sie wollen also keine mehreren Gewerbserzeugnisse kaufen, als sie jetzt auch schon brauchen. Daher sage ich denn: Alle jene guten Mittel an⸗ gewendet! aber nicht dabei allein stehen geblieben! Suchen wir vor Allem dazu noch: 1) Möglichst nachhaltige und natürliche Absatz⸗ wege für unsere Gewerbserzeugnisse außerwärts,— suche man diese Absatzwege auch für die kleinen Meister nutzenbringend zu machen, und nicht, daß sie bloß für die großen und für die Aufkäufer und Zwischenhändler zu gebrauchen sind. 2) Suchen wir die Rohstoffe, die wir nicht selbst haben, für Gewerbserzeugnisse einzuhandeln. 3) Suchen wir unsern überseeischen Handel mit eigenen Schiffen und eigenen Matrosen zu treiben. Diese Mittel sind auch noch Etwas; sie sind aber auch nicht Alles, sie reichen auch noch nicht ganz und für ewig aus, einmal, weil sich das Volk mehrt, und dann, weil jedes Volk, das vorwärts schreitet, im Allgemeinen keine fremden Gewerbser— zeugnisse mehr einhandeln, keine fremden Hände mehr brauchen darf.— Auch wirken sie nicht so—⸗ gleich von heut auf morgen.—(Forts. f.) Die standesherrlichen Verhältnisse, insbesondere diejenigen der Standes herrschaft Solms-Laubach. Schon häufig ist in öffentlichen Blättern die Stel⸗ lung der Bewohner der standesherrlichen Bezirke ge—⸗ gen diejenigen der übrigen Staatsangehörigen als nachtheilig geschildert worden, und da dieß ohne Er⸗ wiederung geblieben ist, so glaubt man es auch, und nimmt solches namentlich an denjenigen Orten allge⸗ mein an, wo man die standesherrlichen Verhältnisse weniger kennt. Es kann daher nur geeignet erschei— nen und zur Beruhigung dienen, die verschiedenen teln arbeitet, und wenn es nicht geht, die Waare 114 Verhältnisse in den Standes herrschaften näher zu be⸗ leuchten, indem erst hiernach ein richtiges Urtheil über eine nachtheiligere Stellung der Angehörigen einer Standesherrschaft gefällt werden kann. In dieser Ab⸗ sicht will man daher die Verhältnisse der hiesigen Standesherrschaft darstellen. Von Monopolien bestehen nur: die alleinige Wirth⸗ schaftsberechtigung in den Orten Wetterfeld und Wohn⸗ bach, so wie das alleinige Verkaufsrecht von Bier und Brandwein in den Orten Utphe, Traisorloff und Inheiden. Ersteres, welches dadurch, daß es die allzuvielen Wirthschaften verhinderte, sich wohl nur als nützlich erkennen läßt, ist um eine unbedeutende Summe verpachtet, und letzteres, von dessen Auf⸗ rechthaltung man übrigens häufig abstrahirte, be— schränkte nicht, indem gute Geträuke und zwar nicht um höhere, als die laufenden Preise verkauft wurden. Eigentliche Grundlasten bestehen keine meyr, nachdem sämmtliche Grund renten abgelößt worden sind. Von solchen haben außer den gewöhnlichen Zehnten auch nur unbedeutende Zinsgefälle bestanden, und drückende Abgaben, welche in den benachbarten althessischen Ge⸗ markungen vorkommen, z. B. in den Gemarkungen Ulrichstein die Schniithämmel⸗Abgabe und der Herrn⸗ Weinkauf, welche letztere Abgabe in 8 Procent vom Kaufschilling ben Verkauf von Immobilien be⸗ steht, sind in der Standesherrschaft Laubach niemals vorgekommen. Weiderechte haben nur in sehr unbedeu⸗ tendem Umfange bestanden, auf welche aber der Standesherr ohne Vergütung verzichtet hat. Erbleihen bestehen nur in einem kleinen Theil der Gemarkung Ruppertsburg, sowie in den Gemarkun⸗ gen Utphe, Traishorloff und Inheiden, aber auch hier nicht in dem Umfange, wie solche in den althes— sischen Gemarkungen gewöhnlich vorkommen. Dem Recht auf Waldbäume, welche auf Privat⸗ eigenthum wachsen, welches Recht in einer Gemar⸗ kung bestand, wie solches auch früher in den Domä⸗ niallanden häufig bestanden hat, aber hier hinsichtlich des berechtigten Großh. Forstfiscus durch die Verord⸗ nung vom 8. Januar 1812 aufgehoben worden ist, hat der hiesige Standesherr ohne Vergütung entsagt. An dem bekannten Prozeß der Standesherrn gegen die Anwendbarkeit des Ablösungegesetzes auf standes⸗ herrliche Grundrenten hatte zwar auch der hiesige Standesherr Antheil desselben, allein doch während die Ablösung um das 20 fache geschehen lassen, und nachtem in diesem Prozeß entschieden worden war, daß der Großh. Fiscus die das 18 fache übersteigende Ablösungssumme nicht zu ersetzen habe, hat er das 2 ofache übernommen, so daß die Grundrenten-Pflich⸗ tigen der Standesherrschaft jetzt nicht mehr als das 81fache als Tilgungsrente ferner abzugeben haben, also hierin den übrigen Pflichtigen gleichstehen. (Schluß folgt.) 115 Es ist mir ein Exemplar eines„Offenen Briefs“ an die lieben Landsleute, d. d. Oberhessen, am Tage Sommers-Anfang“(kürzer gesagt 21. Juni)— und heute eine Erwiederung des Vorstan⸗ des des republikanischen Vereins, d. d. Gießen den 26. Juni, mit Ueberschrift„An Städter und Land leute in Hessen“ zugeschickt worden. Wenn gleich ich offen und unverholen bekenne, daß ich mit dem Hauptinhalt des ersteren, soweit nämlich sich über Republik und constitutionelle Monarchie, und gegen das ungehörige jetzige Treiben gewisser Menschen ausgesprochen wird, vollkommen einver⸗ standen bin, so kann ich mich dennoch keineswegs mit manchem Specielleren des offenen Schrei⸗ bens, und das zwar um so weniger einverstanden erklären, als ich bedauerlich die Namcus-Unterschri⸗ ten dieser Freunde des Volkes, der Wahrheit und des Rechts vermisse. Nicht entfernt, in Zwei el ziehend, daß diese Freunde des Volkes, der Wahrheit und des Rachls solches in Wahrheit seien, glaube ich doch, sie wur⸗ e 8 den der guten Sache genützt haben, wenn sie sich bei Weglafsung aller Andeutungen auf Persönlichkeiten, noch“ weit derber gegen ein gesetzloses, zügelloses und terrorrsti⸗ sches Treiben einer gewissen Klasse,(welches ge— wis auch keinem ehrlichen Republikaner Freude macht), ausgesprochen hätten. Fest bin ich überzeugt, daß, wenn die Herrn Freunde des Volkes, der Wahrheit und des Rechts nur so keck gewesen wären, ihre An— sprache an ihre lieben Landsleute mit ihrer werthen Namensunterschrift zu versehen, es kaum mog- lich gewesen wäre, eine so hohnische, alles Maas überschreitende Beantwortung zu provociren, welche ihre Kraftstütze nur allein in der Anonymität ihrer Gegner suchen kann, und wodurch selbst man⸗ cher Unbetheiligte in Verlegenheit kommen konnte. So dumm ist übrigens auch unter den Aller- dummsten unserer Bürger und Bauern keiner, daß er auch nur einem Theil des in der Anrede an Städter und Landleute in Hessen Gesagten Glauben schenke, und nicht, die beiden Acteustucke miteinander vergleichend, das Wahre vom Unwahren unterscheiden sollte. Welcher Bauer läßt sich glau⸗ ben machen, daß wir viermal soviel Steuern, als jetzt die französischen Republikaner, zahlen müßten? Welchen Bauer kann man weis machen, daß von den vielen Extrasteuern, Erbschaftssteuern u. s. w. die Schulden Louis Philipps bezahlt würden? Die Leute lesen ja die Zeitung, und lesen darin, daß Milliarden neue Schulden gemacht werden müssen, und sie werden aus der Zten Beilage des Frankfur— ter Journals vom Heutigen ersehen, daß die rebelli⸗ schen, durch den unsinnigen Plan einer National— Arbeitsanstalt verwöhnten Arbeiter resp. Faulenzer, nachdem das Blut in Paris in Strömen geflossen ist, und noch fließt, tausende von Bürgern im Kampe gefallen, gemeuchelt und gespießt worden sind, nicht weniger als 400,000,000— sage Vier⸗ hundert Millionen jährlich vom Staat— also von den Steuern bezahlt haben wollen. Ich enthalte mich alles Weiteren und überlasse es der gesunden Beurtheilung der Bürger und Bauern, ob sie den leider ungenannten und mir unbe— kannten Freunden des Volks, der Wahr⸗ heit und des Rechts, trotz ihrer Anonymi⸗ tät, oder dem Vorstand, des in unserm constitut'o⸗ nell-monarchischen Staate sich öffentlich gebildet ha— benden vepublikanischen Vereins Glauben scheuken wollen. Ludwig Welcker. In seiner außerordentlichen Sitzung vom 29. Juni hat der„vaterländische Verein eine Commission er⸗ nannt, die sich sosort mit dem Bürgerverein und dem Gemeinderath in Verbindung setzen soll, um gemeinsam mit diesen eine Antwortszuschrift zu ent⸗ werfen und unterzeichnen zu lassen, durch welche die Ausprache unseres Großherzogs an die Hessen⸗Darm⸗ städter bei seinem Regierungsantritt angemessen er⸗ wiedert werde.— Habe das keinen Erfolg, so solle die Commissson allein eine solche Adresse entwerfen, und dieselbe solle durch Mitglieder des Vereins zur Unterschrift in Giaßen von Haus zu Haus getragen werden.— Die Commission soll sich auch mit dem Bürgerverein und Gemeinderath in Benehmen setzen, um, wenn die Wahl des Reichsverwesers für Deutsch⸗ land erfreulich ausfalle, Abends die Stadt zu er⸗ leuchten und Böllerschüsse loszubrennen. Gestern fand hier eine Versammlung derjenigen Einwohner Gießens Statt, welche sich sür Durch⸗ führung der unbedingten Volksherrschaft erklären. An der Versammlung betheiligten sich namentlch Mitglieder des Märzvereins und des republikani⸗ schen Vereins. Es wurde der Grundsatz der Volks⸗ souvcränetät an die Spitze gestellt, zu dessen Ver⸗ theidigung Zusammenhalten noth thun könne; dahin gehe der Vereinszweck. Von republikanischer Seite wurde dieß ungenügend gefunden, es solle die de— mokratische Republik an die Spitze gestellt werden. Dieß fand aber Widerspruch dahin, daß das Volk zur Reife für dieselbe zu erziehen sei. Nach der Na⸗ menscinzeichnung der Beitretenden erklärte der Prä— sident auf gegebene Veranlassung: allerdings habe der Verein den Zweck nicht nur für den Grundsatz der Volkssonveränctät zu wirken, sondern auch für baldige Einführung der Republik.(Daß die Repu⸗ blik sofort mit der rothen Fahne auf der Straße ausgerufen werden solle, ist darunter nicht verstan⸗ den.)— Da in Gießen bereits ein republikanischer Verein besteht, so darf man wohl schließen, der neue Verein habe eigentlich zum Zweck, den Märzverein und den republikanischen Verein thatsächlich zu ver⸗ schmelzen, und habe hierzu den Anlaß benützt, welchen der Aufruf zu allenthalben zu errichtenden und mit einander in Verbindung zu setzenden demokratischen Vereinen geboten hat. Tagesneuigkeiten. Aus Westpreußen, 21. Juni. Ein furchtba⸗ res Gewitter, von einem Orkane getragen, tobte längs den Ufern der Weichsel von Danzig bis Brom— berg herabziehend, durch unsere Provinz, also auf einer Länge von 40 Stunden Wegs. Die ältesten Leute können sich eines ähnlichen Unwetters nicht er⸗ innern. Meilenweit liegen die Saaten vom Hagel⸗ schlage niedergeschmettert. Bäume und Alleen wurden entwurzelt, Gebäude auf dem Lande wie in der Stadt eingestürzt, Postwagen umgeworfen ꝛc. Der Unglücks⸗ fälle sind viele. In Marienburg schlug der Blitz wiederholentlich in's Schloß ein, jedoch ohne zu zün⸗ den; dasselbe geschah in Marienwerder in der schö⸗ nen Domkirche; Bromberg dagegen hat seinen schön— sten Schmuck verloren: die beiden prächtigen Thürme der Jesuitenkirche wurden bis auf das Mauerwerk vom Sturm eingestürzt. Den größten Schaden hat der Landmann erlitten. Berlin. Die Provinzen lassen mehr und mehr vernehmen, daß sie über das verfassungsmäßige Kö⸗ nigthum nicht hinausgehen wollen. Straßburg. Eine telegraphische Rachricht von Paris vom 27. Juni Abends sagt: Die Ruhe ist in Paris wieder hergestellt; die Natioualgarden strö— men von allen Punkten Frankreichs herbei. Eine telegraphische Nachricht vom 28. 9 Uhr Morgens befiehlt Einstellung der Bewegung der Nationalgar⸗ den nach Paris, wo ihre Gegenwart unnütz wäre. Paris. Die genaueren Nachrichten über die Schlacht in der Stadt und den Vorstädten sind, wie zu denken, schauderhaft. Es sind Verstümmelungen von Lebenden und von Leichen vorgekommen, Nie⸗ dermetzelungen von Besiegten, Brandstiftung und Plünderung.(Für die Einzelnheiten hat die V. Z. nicht Raum.)— Alle politischen Mauernanschläge, die nicht von der Regierung ausgehen, sind verbo⸗ ten. Es ist verboten, ohne Erlaubniß der Munici⸗ palbehörde Drucksachen auf der Straße auszurufen oder zu verkaufen. Die Drucker sind mitverantwort⸗ lich für das, was sie drucken. Viele gefangene Aufständische erklärten auf den Vorhalt, warum ste 116 sich nicht besser uber die wahre Thätigkeit der Na⸗ tionalversammlung unterrichtet hätten, daß sie nur Journale um 1 Sous oder unentgeltlich vertheilte lesen könnten, und diese hätten ihnen Anderes versichert. Neapel. Bis zum 18. war die Hauptstadt noch ruhig; in den Landschaften wachsender Aufstand. Berlin. Die neuen Minister sind: v. Auers⸗ wald, Ministerpräsident, zugleich interimistisch für die auswärtigen Angelegenheiten; Cultus: Rod— bertus; Justiz: Märcker; Finanzen: Hanse⸗ mann; Handel, Arbeit und Gewerbe: Milde; Ackerbau: Gierke; Inneres: Kühlwetter, je— doch auf ausdrücklichen Wunsch nur interimistisch: v. Schreckenstein bleibt Kriegsminister. Der bis⸗ herige Polizeidirektor zu Köln, Abgeordneter zur deutschen Nationalversammlung, Müller, ist Un⸗ terstaatssekretär im Justizministerium geworden.— Das neue Ministerium hat bereits das Programm, welches dasselbe seiner Thätigkeit zu Grunde zu le— gen gedenkt, der Berliner Nationalversammlung vor— gelegt. Wessen Geistes dasselbe ist, geht aus den Schlußworten hervor. Diese lauten: Also in der Gesetzgebung, in der Verwaltung, in unserem Thun und Handeln— nicht in abstrakten Erklärungen, die verschiedenartiger Deutung ausgesetzt sind— fassen wir die denkwürdigen Ereignisse des Monats März und unsere Anerkennung der damals stattgehabten Revolution auf, einer Re⸗ volution, deren ruhmvoller und eigen⸗ thümlicher Charakter darin besteht, daß sie— ohne Umsturz aller staatlichen Ver- hältnisse— die constitutionelle Freiheit begründet und das Recht zur Geltung ge— bracht hat. Auf rechtlicher Grundlage steht diese Versammlung, steht die Krone; diese Grundlage halten wir fest. Nom. Das Ministerium hat abgedankt, weil Pius IX. das Ministerium des Auswärtigen mit einem Cardinal besetzen will. Königsberg. In Petersburg sollen Unruhen in blutiger Weise unterdrückt worden sein. Paris. Die Zahl der Todten und Verwundeten ist leider enorm; man spricht von 12 bis 15000; die Garde mobile ist fast aufgerieben.(Andere Nach⸗ richten sagen 10 bis 11000.) Frankfurt. So eben verkündet der Donner der Kanonen, das Geläute aller Glocken und das Schwenken der Fahnen vom Dom die eben vollen⸗ dete Wahl des Erzherzogs Johann von Oesterreich zum Reichs verweser mit der Mehrheit von 436 Stimmen. Präsident v. Gagern erhielt 52, v. Itzstein 32, Erzherzog Stephan 1 Stimme. 25 Mitglieder der Versamm⸗ lung enthielten sich der Abstimmung. Verantwortlicher Redaeteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.