Nee oo * N Mr Hessische Volkszeitung. M 25. Montag, 26. Zuni 1848. Täglich erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 2) kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer als besonderes Abonnement für 15 kr. vierreljährig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. 2 Der constitutionell monarchische Verein in Darmstadt. Im vierten Quartier Darmstadts hat sich ein „constitutionell-monarchischer“ Verein gebildet. Der Zusammentritt des Vereins scheint hauptsächlich eine Gegenwirkung gegen anmaßend auftretende republi— kanische Bestrebungen. Denn es wird in den Sta⸗ tuten gesagt, daß man„mit Eutschiedenheit“ auftre- ten wolle; auch soll„das Militär“ zu dem Verein zugelassen werden. Wir freuen uns, wenn der auftauchenden Herr— schaft des Schreckens entgegengetreten wird. Doch wäre sie jetzt auch wohl von selbst erloschen. Denn der Entscheid unserer Nationalversammlung über die einstweilige Centralgewalt muß uns Vertrauen und Frieden zurückführen. Der republikanischen Partei ist der Hebel aus der Hand genommen.(Gestehen wir ihr aber zu, sie kann durch ihre Rührigkeit mitgewirkt haben, daß Dahlmanns Vorschlag über die Centralgewalt durchgefallen ist). Unsere neue Centralgewalt wird ohne Zweifel sofort Maßregeln treffen, welche uns hinsichtlich der Russen außer Gefahr bringen, welche dem Krieg in Schleswig und in der Lombardei ein rasches Ende machen, und das Vertrauen zurückführen. Was aber den consti⸗ tutionell-monarchischen Verein in Darmstadt betrifft, so scheint uns darüber Folgendes zu bemerken: Es fehlt in den Statuten der Ausspruch, daß das Für⸗ stenthum auf dem reinen Volkswillen beruhen solle, die Anerkennung der Volksherrlichkeit und ihrer Fol- gen. Vielleicht würde es dem Verein eine Anzahl Anhänger entzogen haben, wenn man die Volksherr—⸗ lichkeit an die Spitze gestellt hätte, ohne daß ihm andere dafür wieder zugeführt worden wären.(Vicle Leute verstehen nehmlich diese Dinge nicht einmal, selbst wenn sie ihnen erklärt werden). Aber der Verein giebt sich durch Fallenlassen der Volksherr⸗ lichkeit eine Blöße, die ihm die Republikaner zer— fleischen werden, und diese Fleischhiebe werden ihn mehr und mehr entkräften; wenn nicht rasch, doch allmählig. Diese schwache Seite finden wir in Fol⸗ gendem: man sagt nehmlich: Weil unser ürst Liebe und Vertrauen des Volkes verdient, hat er auch Rechte; und zwar diejenigen Rechte, welche ihm die bis jetzt noch bestehende Ver⸗ fassungs urkunde verbürgt hat. Wir setzen entgegen: Wenn man Liebe und Vertrauen verdient, so hat der gegenüberstehende Theil eine Sitten⸗ pflicht, sie zu leisten; irgend eine rechtliche Forderung hut man dadurch an ihn nicht. Seid froh, Constitutionelle, daß Euch Jemand Eure Bloße zeigt, ehe der Feind in sie einhaut. Ihr könnt den Republikanern nur entgegentreten, wenn Ihr das Fürstenthum auf volksherrlicher Grundlage wollt; dann habt ihr Freistaat so gut wie sie; ihr habt ebenso-feste Grundlage wie sie, ihr habt dieselbe Grundlage wie sie. Dazu noch habt ihr für gegenwärtige Beibehaltung des Für— steuthums die Gründe der Zweckmäßigkeit, so zu sa— geu der praktischen Nothwendigkeit,— für unser Hessen⸗ Durmstadt dann insonderheit noch den Grund, daß unser Fürst nicht nur das Vertrauen des Volkes besitzt, sondern es auch verdient. Mei solchen Gründen habe ich bisher gefochten und meine rechtliche Grundlage ist, wenigstens mir ins Gesicht, weder von Altconstitutionellen, noch von Republikanern mit Gründen bekämpft wor⸗ den. Meine praktischen Gründe für das Für⸗ stenthum stehen ebenfalls noch unbekämpft.— Deckt rasch Eure Blößen selbst, ihr Constitutio⸗ nellen! Sucht Eure Grundlage in der Vernunft, in dem dieser entspringenden ewigen Recht, das keine Gewalt vernichten kann! Das bloß äußere Recht ist vernichtet, sobald es Gewalt gebrochen hat. Noch Eins. Die republikanischen Werber werden desto mehr Anhänger bai den Wehrmännern finden, je mehr man eucrerseits den altconstitutionellen Geist in das Heer zu bringen sucht. Sucht doch nicht einen leeren Schein zu retten, der Niemanden blendet,— der Eure Absichten ver⸗ dächligt,— über den unsere Nationalversammlung hinwegschreiten wird uud muß. F. F. Die franzosischen Ent chädigungsgelder. Der„Jüngste Tag“ erwähnt die bedeutenden Ent⸗ schädigungs gelder, welche Frankreich nach dem Be⸗ freiungs krige an Deutschland bezahlen mußte. Sie seien in jedem Land unter die Gemeinden zu ver⸗ tyeilen gewesen, diese hätten aber nie etwas davon empfangen. Als das Volk noch den Maulkorb trug, wurde schon heimlich hierüber gemunkelt. Jetzt ge⸗ nügt aber nicht, diese Sache tadelnd erwähnt zu ha⸗ ben; ist die Beschuldigung unwahr, so ist die hei⸗ ligste Pflicht der Staatsdiener, die dar⸗ über Auskunft geben können und die Be⸗ lege in Händen haben, dieß allsogleich öf— fentlich zu thun. Ist an der Sache Wahres, so ist, nachdem wir eine neue Verfassung haben wer— den, Untersuchung darüber einzuleiten; nicht etwa, um zu strafen, sondern vor Allem, um zur Hand zu schaffen, was den Gemeinden entzogen wurde, sei es aus Händen Derer, die es unterschlagen ha⸗ ben, oder Derer, denen es geschenksweise gegeben wurde. Denn ein Geschenk aus Veruntreutem ist nach dem ewigen Recht der Natur ohne Kraft; wer es annimmt, wer es behalten will, nachdem er weiß, woher es gekommen, ist Gewinnannehmer aus dem Verbrechen, macht sich mitschuldig. Kein einge⸗ führtes Recht kann diesem ewigen Recht die Kraft nehmen, so wenig, wie ein Gesetz über Sklaverei ihr Kraft geben kann.— Es wird wohl Niemanden ein⸗ fallen, hier einen Riegel in den Weg zu schieben, welcher heißt: Unverantwortlichkeit des Fürsten. Sie kann zwar den Fürsten straffrei machen, aber unter⸗ schlagenes Gut ihm und Denen, die es von ihm er⸗ hielten, zu belassen, wäre————. Dieß zu vertheidigen, wäre überdieß noch der schlechteste Dienst, den man den Fürsten leisten könnte. Anderswo ist ebenfalls die Frage nach den Ent⸗ schaͤdigungsgeldern angeregt; wir lesen von Stuttgart aus:„Was beim Volte die Meinung großer könig⸗ licher Reichthümer hervorbrachte, ist der Umstand, daß der würtembergische Antheil an den französischen Con⸗ tributionsgeldern von 1818 beim Ableben des Königs Friedrich anerkanntermaßen im alten Schlosse noch baar vorhanden war, und die Stände trotz mehrfäl⸗ liger Interpellationen(zuletzt im Jahr 1833) nie⸗ mals das Ministerium zu einem Nachweis über die gesetzlich zum Besten des Landes bestimmte Verwen⸗ dung dieser Gelder vermögen konnten, daher stets der Glaube herrschte, sie seien in die königliche Privat⸗ kasse geflossen. Diese Sache ist auch bis zur Stunde noch nicht aufgehellt, und dürfte zu neuen Interpella⸗ tionen beim bevorstehenden Landtage führen.“ F. F. Wie die Menschen sind. Der Präsident des Revolutions ⸗Comite's in Amerika schreibt einen Brief herüber nach Europa, den wir im„Jüngsten Tag“ lesen. Darin heißt es: „Ist unserer glorreichen Republik durch die Welt⸗ geschichte die heilige Mission der Freiheit für die Welt übertragen, dann gewiß zunächst uns deutsch⸗ amerikanischen Bürgern die Befreiung unseres al⸗ Vaterlandes.“ f 98 Mitbürger! In der„glorreichen“ Republik, welche die„heilige Aufgabe der Weltbefreiung“ hat, sind die südlichen Staaten Sklavenstaaten, wo der von Gott zur Freiheit bestimmte Mensch eine Waare ist wie ein Pferd, eine Kuh eder ein Schwein. Die„glorreiche“ Republik ist socialer Einrichtun⸗ gen baar; sie ist eine Formrepublik(eine politische Republik) und nichts weiter. In einem Welttheile, wo überall noch weites Land anzubauen ist, wo ar⸗ beitende Hände Gold sind, da geht eine Formrepu⸗ blik an. Nicht weil die Nordamerikaner Republik haben, sind sie groß, sondern weil sie noch Land ge— nug haben. Welche Prellerei herrscht, wo die Aus— wanderer ankommen! Wie werden viele von ihnen auf dem Boden der glorreichen Republik betrogen wegen ein paar Thalern, die Dieser oder Jener an ihnen verdienen möchte! Solches ist kaum zu erzäh—⸗ len. Sorge Herr Präsident Windmüller, der jenen Brief unterzeichnet hat, bevor er die heilige Mission der Weltbefreiung antritt, daß es vor der eigenen,(d. h. nordamerikanischen) Thüre sauber wird. F. F. Wo ist die größte Freiheit? Natürlich in der Republik, werdet Ihr sagen; ich behaupte aber das Gegentheil, und will es Euch an einem Beispiel erläutern. Wie Ihr wißt, leben wir eben in der Monarchie; nichtsdestoweniger giebt es aber viele Republikaner. Sie ziehen sogar öffent⸗ lich mit Fahnen herum, schreien öffentlich:„es lebe die Republik“, und schreiben Adressen nach Frank— furt, worin sie sich als Republikaner bekennen. Das geschieht in einer Monarchie, und Niemand wehrt es ihnen. Was thäte nun die Republik, wenn das Umgekehrte stattfände? Würde sie auch ruhig zusehen, und den Leuten ihren freien Wil⸗ len lassen? Ich glaube nicht, und habe auch ein Beispiel hierfür. Als in Paris einige Anhänger des Prinzen Louis Napoleon diesen hoch leben ließ, wurden sie auseinandergetrieben und ver⸗ haftet. Ja, man verhaftet sogar Diejenigen, von denen man weiß, daß sie Anhänger jenes Prinzen sind. Und was hat der Prinz bis jetzt Böses ge⸗ than?— Nichts, als gesagt, er wäre ein Repu⸗ blikaner, wie Jeder, und deßwegen stößt man seine Anhänger ins Gefängniß! So hält die Repu⸗ blik die Freiheit. Wollte es nun die Monarchie in Deutschland ebenso machen, dann müßten wir alle unsere Gefängnisse voll stopfen. Man thut's aber nicht, weil man Freiheit der Meinung zugesagt hat. Wo ist also mehr Freiheit? 255 Der„Jüngste Tag“ erklärt, daß die Adresse der Republikaner einige Unterschristen von Knaben er⸗ — e TN K= * N rr 7 S XM * 8 * 99 halten hat, und daß das betr. Blatt daher einstwei⸗ len zur Beseitigung dieser Unterschriften zurückge⸗ halten worden ist. Wir zollen diesem Anerkennung.— Die republikanische Adresse sagt, daß die Unterschrif⸗ ten unter der vom vaterländischen Verein ausgegan⸗ genen Adresse„mit größter Mühe zusammengerafft“ worden seien. Mühe macht es immer, eine große Zahl Unterschriften zur Hand zu bringen, das wer⸗ den die Republikaner nun auch wissen. F. F. Der„Jüngste Tag“ zeigt an, daß auf eine Rede; von einem Manne der Rechten in Frankfurt„dauern⸗ des Pfeifen“ erfolgt sei. Der stenographische Bericht sagt:„anhaltendes Bravo; auf einer Seite der Gallerie hört man Pfeifen“,— was der Präsident scharf verwiesen hat). Wir dürfen uns damit nicht so dick machen, wenn ein Redner der Rechten aus⸗ gepfiffen wird. Redner von allen Abtheilungen der Linken sind auch schon von der Gallerie übel aufge— nommen worden. Haben sie darum Unrecht ge— habt, weil sie nicht besser aufgenommen wurden? Die Rechte kann ihr-ergebene Leute auf die Gallerie bringen, und den Linken auch pfeifen lassen. Gunst und Ungunst darf den Redner nicht leiten. Vor zweitausend Jahren hieß es heute: Hostanna! mor⸗ gen: Kreuziget! In unsern Tagen ruft man dafür heute: Er lebe hoch: und morgen: nieder mit ihm. In Alsfeld hatten die Schuhmacher die rothe Fahne auf ihr Wirthshaus gesteckt. Dr. Schlosser sagte: bringt mir Feuerhacken! und er riß damit die Fahne herunter. Die Freunde der rothen Fahne un⸗ terlagen.— Ein Schreckensmann(Klingelhöfer) trug einen Dolch, um den Leuten, denen sein starkes Aeußere schon bange machte, noch mehr Furcht in den Leib zu jagen. Dr. Schlosser erklärte, er wolle ihm den Dolch nehmen; er sagte dem Klingelhöfer in einer Gefellschaft, er trage einen Dolch, und als er Dieß unter Schelten läugnete, warf ihn Schlos⸗ ser zu Boden, und nahm ihm mit Hülfe anderer Bürger den Dolch ab.— Machts so mit jedem Bramarbas, und sie werden verschwinden, wie Maischnee. Allenthalben sehen wir Staatsverbesserer auflreten, die im eignen Hause noch nicht gekehrt haben, die nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit im Staat rufen, und in ihrer Familie weder Gerechtigkeit noch Mensch⸗ lichkeit üben; die in Champagner aufgehen zu lassen bereit sind, was sie ihren Angehörigen entziehen. Sind das Republikaner? Haben diese die Tugenden, die uns Bürgschaft geben, daß eine demokratische Repu⸗ blik bei uns Blüthen treiben könne? O nein! Eine Pflanze, mit fauler Wurzel in den Boden gesteckt, treibt keine gesunden Blüthen. Hätte doch dieses nicht auf so viele Schreier Anwendung, wie gerne wollte der Schreiber mit ihnen schreien! Tagesneuigkeiten. Botzen. Hier fanden Streitigkeiten zwischen welsch⸗ tyrolischen Arbeitern und deutsch-tyrolischen Schützen statt. Es gab 7 Todte. Berlin. Ein von der preuß. N.⸗V niederge⸗ setzter Ausschuß unter Vorsitz des Geheimen-Raths Waldeck macht einen neuen Verfassungsentwurf. Schweden. Nach der„Gothenburger Zeitung“ wird das ganze in Schonen zusammengezogene schwe⸗ dische Truppencorps nach Dänemark übergeschifft wer⸗ den. Zugleich meldet dieses Blatt, nach zwar Bestä⸗ tigung verdienenden Berichten des dänischeu Dampf⸗ schiffes„Waldemar“, von einer im Kieler Meerbusen mit 20 bis 30,000 Mann Landungstruppen ange⸗ kommenen russischen Flotte. Pesth. 16000 Köpfe aus türkisch Serbien sollen sich in Folge russischer Aufreizung zu einem Einfall in Ungarn rüsten. Die Ungarn ihrerseits machen riesenhafte Anstalten, um das ungarische Reich zu er⸗ alten. 5 Verlin. Der Grund der Erklärung, warum das Ministerium Camphausen zurücktrete, sei: Geheimer Verkehr des Hofes oder der Hofpartei mit Rußland hinter dem Rücken des Ministeriums, und namentlich die Absendung des Generals Pfuel mit großen gehei⸗ men Vollmachten an den Hof von Petersburg, von denen Camphausen keine Einsicht erhalten. Camp⸗ hausen dagegen soll sich geäußert haben: Was das Gerücht über die Russen betreffe, so könne er be⸗ stimmt erklären, daß sie weder als Freund noch als Feind irgend eine Absicht hätten, die Gränze zu überschreiten, und alle ent⸗ gegengesetzten Gerüchte auf Erfindung be⸗ ruhen.“ Darmstadt, 22. Juni. Die Regierung hat die Kriegs-Reserve der Infanterie Regimenter in Urlaub entlassen.— Unsere zweite Kammer hat am verflossenen Montage sich in der viel berührten Frage der Auflösung derselben dahin ausgesprochen, daß diese erst nach Erledigung der dem Lande so nothwendigen wichtigen Gesetze stattfinden möge. Heute fand nun Berichterstattung des dritten Ausschusses über einen nahe damit verwandten Gegenstand, den eigen⸗ mächtigen Austritt der vier rheinhessischen Abgeordne⸗ ten, der Herren Zitz, Mohr, Behlen und Grode statt. Der Ausschuß rügt diesen als ihren Eid und die Ver⸗ fassung verletzend, verlangt, daß die Kammer ihre Mißbilligung darüber ausspreche, und die Austreten⸗ den auffordere, ihren Pflichten wieder nachzukommen, ten sein würden.— Die Kammer hat heute die Pro⸗ rogation des Finanzgesetzes auf das zweite Semester 1843 mit Stimmengleichheit(16 gegen 16) bewilligt, in welchem Falle nämlich die Proposition der Staats⸗ regierung als angenommen angesehen wird. Wien, 49. Juni Aus Agram wird vom 17. gemeldet, daß sich Alles zu einem verzweifelten Wi⸗ derstande rüstet, im Fall der Kaiser seinen Befehl, den Banus abzusetzen, nicht zurücknehme. In die⸗ sem Falle würden die Gränztruppen in Masse nach Hause zurückkehren. Die den Banus begleitenden Deputirten werden sich zu diesem Zweck von Inns⸗ bruck aus zu der italienischen Armee begeben. München. Der Minister Thon-Dittmer sollte mit einer Katzenmusik beehrt werden. Es scheint, daß er nicht auf der Höhe der Zeit steht. Ulm. Die Soldaten heißen künftig Sie statt Er.(Warum nicht Ihr 2) Triest. In Caorle, das am 13. abermals von einer aus einem Dampfschiff, 1 Brigg, 8 Kanonenz⸗ schaluppen, und anderen Fahrzeugen bestehenden Flo⸗ tille angegriffen wurde, hat der Kanonier Karoly, der sich schon bei früheren Gelegenheiten ausgezeichnet hatte, durch einen gutgezielten Schuß die venetianische Kanonierschaluppe Furiosa, welche von hier aus durch⸗ gegangen war, in die Luft gesprengt. Frankfurt. Montags den 26. erfolgt die Ab⸗ stimmung in der Centralgewaltsfrage. v. Gagern sprach dafür, die Centralgewalt an einen Einzigen zu übertragen, welchen die N.⸗V. ernennen, und der aus den höchsten Kreisen der Gesellschaft genommen werden solle.(Erzherzog Johann, sagt man). Die Parteien sollen sich dahin verständigt haben. Prag, 20. Juni. Die Stadt ist ruhig. Berlin. Hansemann kann kein Ministerium zu Stand bringen. v. Auerswald(Bruder des Mini⸗ sters) soll damit beauftragt sein. Gelingt Dieß nicht, so soll man an v. Vinke denken. Bei der Bevölke⸗ rung herrscht die Ansicht, es sei an Reaction nicht zu denken.— Kriege, Bayrhoffer und Schlöf— fel sind eingetroffen, um den Hauptgeschäftssitz für die demokratischen Vereine zu gründen. Hildburghausen. Der Herzog hat den Stän⸗ den in Gotha aufgegeben, das Wahlgesetz zu bera⸗ then, und die Feststellung des Staatsgrundgesetzes einer freisinniger zusammengesetzten Kammer zu über⸗ lassen. 1 Der Fürst von Ebersdorf⸗Lobenstein hat eine Sturmpetition empfangen müssen. Paris. In Martinique haben die freigegebenen Sklaven geplündert und gemordet.— In Paris wurde eine Zusammenrottung von etwa 100,000 Personen auseinandergetrieben. 100 widrigenfalls 1 re Bezirke in der Kammer unvertre⸗ 9/ 05 Sicilien. England hat die steilianische Regie⸗ rung anerkannt; man will einen König wählen. Flensburg. Man erwartet einen Kampf bei Bau. Gießen. Ein Artikel im Frankf. Journal von Gießen datirt, legt dem hiesigen Arbeiterverein allein den am dritten Pfingsttage stattgehabten republikanischen Umzug auf die Schultern, und schmückt den Au tikel mit der Angabe, daß sich auch„Anhänger des consti⸗ tutionellen Vereins auf breitester demokratischer Unter⸗ lage“ dabei betheiligt hätten.(Wir benutzen Dieß, um die Leute aufmerksam zu machen, wie Dinge, aus der Ferne betrachtet, anders aussehen, als in der Nähe.) St. Petersburg. Es werden zwei siegreiche Gefechte vom Kaukasus her berichtet.— Die Städte Orel, Tula, Jaroslaw u. Andere sollen durch Brand⸗ stiftungen fast ganz eingeäschert sein. Graubünden⸗ Veltlin hat sich für den Anschluß an Sardinien entschieden. Ungarn. Carlowitz ist ein Aschenhaufen; die Serbier sind mit großem Verlust zurückgeschlagen (800 Raitzen sollen umgekommen sein). Altona. Der Herzog von Augustenburg will für sich und seine Nachkommen den Thronrechten entsagen. Wien. Man hat 50 Aufpiegler der Arbeiter gefangen genommen; die Ruhestörer sollen meist Böhmen von der czechischen Partei sein.— Man dringt auf unmittelbare Wahlen. Pesth, 18. Juni. Die Bukovezer Landwehr, welche zum Peterwardeiner Bezirk gehört, hat sich, nachdem sie aus den Festungsmagazinen Gewehre erhalten, zu den Aufständischen geschlagen.— Der Sohn des Bischofs von Belgrad, Joannowitsch, ist hier als serbischer Emissär verhaftet worden.— Prag. Nach den geringsten Angaben hat das Militär 300, das Volk 150 Todte. Berlin. Die Zahl der wegen der Zeughaus⸗ stürmung Verhafteten beträgt gegen 30. Es fehlen noch 180 Zündnadelgewehre und 600 andere.— Es sollen die Arbeiten an der großen Ostbahn wie⸗ der aufgenommen, und Arbeiter von hieraus dahin geschafft werden. Zürich. Schweizerische, polnische und andere Freischaaren wurden in Mailand schlecht aufgenom- men; man steckte sie unter sardinische Truppen, in⸗ dem man ihre republikanische Gesinnung fürchtete. (Vielleicht auch der bessern Mannszucht wegen). Die Mitglieder des vaterländischen democratisch⸗ constitutionellen Vereins dahier werden ersucht, heute den 26. Juni, Abends 8 Uhr, sich recht zahlreich im Vereins⸗Lokal des Gasthauses zum Prinzen Carl, einzufinden. Gießen den 26. Juni 1848. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl I. in Gießen.