„ er un nö. Hessische Volkszeitung. 2 21. Sonntag, 25. Juni 1818. T a g li ch erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer als besonderes Abonnement für 15 kr. vierteljährig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. ——————— KAussprechen der für Vechtssicherung entschlosse⸗ nen Bürger und Bedeutung hiervon. Ist es zu läugnen, daß viele Bürger hier in Angst sind und sich nicht mehr offen auszusprechen wagen? Ist es zu läugnen, daß beunruhigende Aeußerungen gehört werden?) Ist es darum zu läugnen, weil eben Die, welche solche Aeußerun— gen hören, nicht dafür zu zeugen wagen?*) Ver⸗ schwindet darum die Besorgviß, weil die Sprecher der republikanischen Partei versichern, sie wollten kei⸗ nen Meinungszwang dulden? Kann man zweifeln, daß viele, sehr viele Einwohner unserer Stadt keine Republikaner sind? Warum spricht keiner mehr öffent⸗ lich für Beibehaltung des Fürstenthums? Ist der so⸗ eben ausgegebene Aufruf zu einer Zuschrift an unsern *) Dieser Tage begegnete ich drei jungen Leuten, deren einer im Vorbeigehen sagte:„Der kriegt auch sein Fett!“ Ich kann drei Leute, die ich nicht kenne, nicht anzeigen; ich kann Drei nicht festhalten; ich kann nicht: Bürger zu Hülfe! rufen, für eine Aeu⸗ ßerung, welche ein solcher Feiger so feig sein wird, zu leugnen, wie er feig war, sie zu machen.— Gebt ihm aber„sein Fett“! er wird sich's nicht ruhig geben lassen! Gebt ihm sein Fett dafür, daß er tiefer ge— dacht hat, als die Mehrheit der Monarchisten,— daß er freisinniger und offener ist nicht bloß als diese, son— dern als das Heer der Republikaner und soeialistischen Republikaner zusammen,— daß er diesen die Wahr⸗ heit in's Gesicht zu werfen wagt, mit Gründen, gegen welche deren Redner nicht mit einem„Gutenmorgen“ ausweichen müssen! Gebt ihm dafür, daß er den Haß nicht weniger Monarchisten trägt, weil er das Fürstenthum auf der einzigen Grundlage will, auf der es vernünftig ist, und in unserer Zeit Halt haben kann. Gebt ihm dafür, daß er solches Für⸗ stenthum will, weil es Bürgerkrieg von uns abwenden kann,— weil es das Vertrauen zurückführen muß,— weil unsere junge Freiheit sich unter ihm eutwickeln muß,— weil Ueberstürzung und was auf sie abzielt, dadurch einen sichern Damm gegen sich hat,— gebt ihm dafür! Er wird sich wehren, bis er erliegt!— ) Hat etwa Niemand in der Stadt Drohbriefe ohne Un- terschrift erhalten, um Geld von ihm zu erpressen?— Am zweiten Pfingsttag hörte ich selbst an einem öffentlichen Ort sagen:„Das soll einmal einen drit— ten Feiertag geben, wie Gießen noch nie einen gese— hen hat.“———„Eine rothe Fahne und darauf Dr. Sundheim.“ Dazu die Art, wie es gesagt wurde! Glaubt Ihr nicht, daß das Aengstliche ängstigt? Großherzog nicht Vielen aus dem Herzen geschrie— ben, während er doch ohne Namen erscheint? Sind nicht Manche gemahnt worden, sich während der republikanischen Kundgebung beim Turnfest zu verkriechen, weil es ihnen dabei übel ergehen solle? (Ich meinestheils bin gewarnt worden, werde mich aber nicht verkriechen, ich müßte mich sogar grob täuschen, wenn ich Gewaltthätigkeiten zu fürchten hätte). Ist es bei solchen Zuständen nicht Pflicht aller Bürger, die für Rechtssicherheit einzustehen entschlossen sind,— seien sie fürstlich oder republikanisch gesinnt,— allesammt Dieß zu erklären,— laut zu erklären: es solle Niemand wagen, einem Menschen ein Haar wegen seiner Meinung zu krümmen, sie würden es schwer ahnden? Ist Dieß ihre Pflicht, nun denn, Vorstand der Bürgerschaft und Vorstand der Bürgerwehr, laßt es von den Bürgern und der Bürgerwehr öffentlich aussprechen! Ihr beruhiget manches Herz, das ängst⸗ lich zittert, und selbst sein Zittern nicht gestehen darf. Fragt nicht, woher diese Ansprache an Euch kommt, fragt, ist sie begründet! Und findet Ihr: Ja! so thut Eure Pflicht, und zürnet nicht, daß man Euch öffentlich daran gemahnt hat. Solches, wird man sagen, liegt ja schon ausge— sprochen in dem Zweck der Burgerwehr, in dem na⸗ türlichen Grund, daß Jeder für sich selbst Rechtsst⸗ cherheit wollen muß Ja, das ist wahr. Aber hat es bisher die Furcht gehoben? Zittern nicht Viele? Wenn Das ist, Mitbürger! so thut mehr noth,— eine öffent iche Kundgebung gegen andere Kundge— bungen! Also schreitet dazu; es kostet kein Geld und kein Blut. 5 8. Volksversammlung im Busch'schen Garten zu Gießen Freitags den 23. Juni. Präsident: H. Ferber. Schriftführer: G. Noll. I. Dr. Weber verliest eine Zuschrift an die deutsche N.⸗ V., die in einfachen Worten erklärt, die Unter⸗ zeichner unterstützten die in Frankfurt durch die Linke vertretene Ansicht. Er bemerkt zu leich, die Zuschrift trage schon zahlreiche Unterschriften, zunächst von den Wahlmännern, die für Vogt gestimmt haben, und auch von vielen Andern, und werde nunmehr zur beliebigen Unterzeichnung im Vorsaal aufgelegt 9. II. F. Homberger sprach über die Gründe des Ver⸗ falls und die Mittel zu Hebung des Handwerkerstan⸗ des. Zu Hebung des Standes empfahl er Theilung der Arbeit, indem dadurch von Wenigeren weit mehr geleistet werde, und Creditanstalten, damit der tüchti⸗ ge Handwerker ein eignes Geschäft anfangen könne, ohne dabei zu gedrückt zu sein. Er trug auf Nie⸗ dersetzung eines Ausschusses an, der diese Sache nä⸗ her untersuchen solle. Schwarz machte aufmerksam, daß das Herunter⸗ kommen des Handwerkerstandes einen Hauptgrund darin habe, daß die Arbeiter selbst, um einander die Kundschaft abzujagen, die Preise unter das Angemes⸗ sene herabdrückten, und die Meister dann in knappe⸗ ster Bezahlung ihrer Gesellen dieses wieder einzuho⸗ len suchten. Der entgegengesetzte Weg werde zu He⸗ bung des Standes viel wieder beitragen Der Präsident bemerkte, daß Dieß schon durch die von Homberger empfohlene Association der Ar⸗ beiter gehoben werde.(Es schien dem Berichterstat⸗ ter, Hr. Homberger habe nur von einer Verbindung Einzelner zu Theilung der Arbeit gesprochen, wo⸗ bei die einzelnen Gesellschaften allerdings noch einan⸗ der die Preise verderben können.) 8 Müller. Das Uebel werde irrig in dem Ein⸗ greifen von Arbeitern auf dem Land in die Nahrungs⸗ zweige der Stadtbewohner gesucht. Die Meister müß⸗ ten sich zum Preisemachen verständigen, dann könnten sie sellst bestehen, und zugleich die Gesellen besser bezahlen. A. Becker. Der Arbeiter müsse Eigenthum er⸗ werben können. Bisher hätten ihn die Millionärs durch ihre großartigen Mittel unterdrücken können. Wir seien in unsern Gegenden noch nicht bis auf den äußersten Punkt gedrückt, wie das an andern Orten der Fall sei; daher werde die Arbeiterfrage anders⸗ wo gelöst werden. Auch müsse die ganze Gesellschaft in dieser großen Sache zusammenwirken(für Einzel⸗ bemühungen sei die Sache viel zu ungeheuer). Als Grundlage, auf welche zu bauen sei, spricht er aus: die Grundstücke müssen bemeingut werden.(Er glaubt, Kriege habe zuerst diesen Gedanken gefunden und in Amerika ausgesprochen.) Die Franzosen haben die Arbeitersache bereits im Großen angegriffen durch ihre Nationalwerkstätten. L. Blanc habe diese auf den Grundsatz gebaut: Jedem nach Bedürfniß. Dadurch habe er gefehlt; der richtige Satz sei: Je— *) Die Adresse scheint eine Gegenkundgebung in durchaus freisinniger Richtung gegen die republikanische Adresse, die von Gießen ausging. Die Wähler des Hrn. Vogt sollen sich auch in einem Brief an ihn ausgesprochen haben, er möge die Grundsätze ihres Wahlerlasses fer⸗ nerhin unverändert festhalten. 94 dem nach seiner Arbeit. Wesentlich sei auch die gehörige Ausbildung des Menschen; er könne dann weit mehr leisten. Der Lösung der Arbeiterfrage müsse die Lösung der politischen vorangehen; wir müßten zuerst die demokratische Republik haben, diese allein werde die Arbeiterfrage lösen.— Diese letztere be— treffend sage er: Dem Verdienst seine Krone! Aller— dings thue auch die Vergesellschaftung(Association) Vieles; man könne sie daher versuchen; es erleichtere einstweilen. Aber man solle darüber nicht die Poli⸗ tik vergessen(Herstellung der demokratischen Repu⸗ blik). Der Satz: Jedem das Seine! müsse herr⸗ schen. Bisher habe er den Gesetzen vorangestanden, sei aber Lüge gewesen.— Zur Zeit fresse das Capi⸗ tal, das der Handwerker verzinsen müsse, die Erzeug⸗ nisse seines Fleißes. Gründliche Hebung der ganzen Sache haben wir nur von der Republik zu erwarten. Homberger führt in einigen Worten die Sätze aus: Arbeitet selbst; nützt das Beispiel von Frankreich; in Modesachen muß freier Mitbewerb (Concurrenz) offen sein. Keller. Die Arbeiterfrage sei zu wenig von Prak⸗ tikern, zu viel von Büchergelehrten beurtheilt wor⸗ den. Darauf hin die gemachten großartigen Versuche, darin auch der Grund ihres Mißglückens. Das Ver⸗ suchemachen richte zu Grund. Ueber in⸗Angriff⸗neh⸗ men der Arbeitersache dürfen nicht erst Jahre hin. gehen, sonst werde es zum Plündern kommen. Schädlichen Einfluß habe das Papiergeld gehabt: es habe das Geld vertheuert(der Berichterstatter kann sich hier verhört haben). Auch das Vergeben der Arbeiten an den Mindestfordernden sei ein großes Uebel. Diese Ursachen des Sinkens des Handwer⸗ kerstandes ließen sich alle sogleich heben. A. Becker. Er sei in Einigem mißverstanden wor⸗ den. Er sei nicht gegen den freien Mitbewerb(Con⸗ currenz), wie Hr. Homberger glaube. Er wolle aber gerecht sein. Er wolle ferner keine Monopolien des Staats, weil die Staatscasse nicht zum Vortheil der Masse angewendet werde. Er kommt auf die See⸗ handlung in Preußen. Sie liefere(wenn er nicht irre) dem Staat jährlich 5 Millionen Thaler Ertrag; dieser aber sei nichts, als der gerechte Verdienst der Arbeiter, der ihnen entzogen werde. Der Uebergang zu einem neuen Zustand koste Schmerzen; dieß gelte auch von einer Veränderung des Arbeiterzustandes. Wir sollten dabei von den Franzosen lernen. Na⸗ mentlich hätten dieselben„auf's Stück“ arbeiten lassen sollen. Es sei keineswegs, daß die Nationalwerk⸗ stätten jetzt aufgegeben werden würden oder sollten.— Der Redner sagt, daß die Franzosen schon dreimal ihr Blut für das Wohl der Menschheit geopfert, daß sie jetzt auch bankerott für die Menschheit würden. Er spricht noch davon, daß die Capitalisten das Geld vergrüben;— daß man die Arbeitersache nicht über 9 Bord werfen solle:— daß er nicht bloß aus Bü⸗ chern die Arbeitersache kenne, sondern aus Beobach— tung und Erfahrung.. 5 Cramer.(Der Redner scheint bei einem Theil der Versammlung in Ungnade.„Laut! Laut!“ wurde gerufen, um die hinreichend laute Rede zu stören. Der Präsident stellte die Ruhe durch einen nachdrück⸗ lichen, eingreifenden Verweis her.) Der Redner be⸗ gann damit, daß die provisorische Behörde in Frank⸗ reich nicht soviel auf sich habe nehmen dürfen, als sie in der Arbeitersache gethan habe; sie habe dieß der Nationalversammlung selbst vorbehalten sollen. Bis dahin habe die provisorische Behörde einst wei— lige Abhülfe schaffen sollen.(Währenddem erhob sich eine Unruhe, die allen Eindruck der Rede läh⸗ men mußte; sie ging unverkennbar von einer dem Redner ungünstigen Partei aus;— was hat sie da⸗ durch gewonnen?) Der Präfident bemerkte dem Redner, daß er vom Gegenstand der Verhandlung abweiche. Dieser wendete sich hierauf zu den Min⸗ dersteigerungen(Versteigerungen an den Wenigstfor⸗ dernden).(Rufen nach Schluß.) Wenn man dem Grundsatz folge, die Arbeit Dem zu geben, der z. B., weil es der Regierung gefalle, sage: Ja, Hecker ist ein Meuchler,——(Lärm. Der Redner verzichtete auf Fortsetzung seines Vortrags.) Ricker verspricht sich von den Mitteln, die A. Becker vorgeschlagen, nicht gleichen Erfolg, wie die⸗ ser. Die Arbeitersache sei auch nicht so abhängig von republikanischer Staatsform. Was er gegen Beckers Sätze zu bemerken habe, sei, daß man die Frage nach dem Absatz der Gewerbserzeugnisse vergesse; daß man vergesse, daß der Staat, wenn der Absatz fehle, auch mit Schaden verkaufen müsse, und da⸗ durch vollständig sich und alle selbstständigen Hand⸗ werker zu Grund richte. Man übersehe ferner: daß Meister mit Familie leben müßten, die National- werkstätten bezahlten nur so, wie es für die Un ver⸗ beiratheten genüge. Der erste Satz für Abhülfe sei: das Capital soll nicht mehr so viel, wie bisher, wuchern. Dann sei das Gewerbswesen zu ordnen; weder Zunftwesen, noch volle Gewerbsfreiheit sei der rechte Weg. Es sei darauf zu halten, daß Jeder seinen Beruf recht erlerne, und daß er nicht meh⸗ rere Berüfe zugleich betreibe. Das Versuchmachen sei eine theure Sache, und solle nicht vom Staat ausgehen. Er stimmt bei, daß man sich coalisire (verbinde), und daß durch Theilung der Arbeit Mehrerzeugung und Vollkommenheit der Arbeit zu beben sei.— Von einer Gleichaushteilung der Grund⸗ stücke könne nicht die Rede sein; sie würde außerdem keine 24 Stunden Gleichheit erhalten. Landgeben an Den, welcher sich zum Bauen desselben melde, sei bei uns nicht möglich, es komme zu Weniges auf den Kopf.- — 0 (Die sernern Redner wurden vom Präsidenten zur Kürze ermahnt, wegen vorgerückter Zeit). Schneider spricht einige Worte über die Mei⸗ ster, die der Berichterstatter überhört hat. Er sagt, daß die zu Offenbach für die Arbeitersache versammelt Gewesenen diese wichtige Sache gründlich behandelt haben, daß auch unser Land genügend da vertreten gewesen, und daß die Maßregeln auch von daher und von obenherab nicht ausbleiben würden. Man dürfen icht vergessen, auch den Handel so zu beschrän⸗ ken, daß er nicht sich und die Gewerbe zu Grunde richte. Unwissenheit und Concurrenz seien besonders die Gründe, welche den Handwerkern geschadet. Fab⸗ rikanten hätten darum die Handwerker, und die gro⸗ ßen Landwirthe hätten die Bauern herabgebracht. In letzterer Hinsicht schlägt er vor, das Grundeigen⸗ thum in mehrere Hände zu bringen. Schließlich be⸗ merkt er, daß die Fabriken auch in sittlicher Hinsicht Verderben verbreiten. Leistner bemerkt, da Schluß begehrt werde, so wolle er mehr nicht sagen, als daß vor Allem die politische Frage zu erledigen sei, und dringt auf die demokratische Republik ꝛc. N A. Becker verwahrt sich dagegen, daß er wieder Arme und Reiche schaffen wolle, nur mehr⸗ und minder⸗Wohlhabende wolle er. Ferner müsse Jedem sopiel als möglich freie Berufswahl zustehen. Homberger. Es müsse bald geholfen werdenz er wiederholt seinen Antrag auf eine Commission. Der Präsident bemerkt; in Offenbach sei eigent⸗ lich die Aufgabe einer solchen Commission schon erle⸗ digt worden. Hierauf läßt er über die Frage ab⸗ stimmen, ob man eine Commission niedersetzen wolle. Das Ergebniß war: Nein. II. J. Reiber erstattet Bericht, daß der Stadt⸗ vorstand der Zuschrift der Volksversammlung, die vor 8 Tagen beisammen war, entsprochen habe. Der Stadtvorstand werde zurücktreten, wenn die Bürger ihm ihr Mißtrauen erklärten; das sei nicht Sache der Volksversammlung, wie diese auch da⸗ mals schon selbst anerkannt habe. Man er⸗ klärte sich hierdurch befriedigt. IV. Auf die Mittheilung, daß unser Landtag dem⸗ nächst auseinander gehen werde, wurde die begonnene Verhandlung über die Maßregeln zur Erwirkung der Kammerauflosung abgebrochen. F. F. Tagesneuigkeiten. Triest. Die italienische Flotte läßt allen Han⸗ delsschiffen freien Weg. Posen. Man glaubt, die deutschen Bezirke soll⸗ ten nicht mehr abgetrennt, sondern das Großherzog⸗ thum Posen neu eingerichtet werden. Frankreich. Die im Umlauf befindlichen Gold⸗ münzen sollen aus der Casse des Hrn. v. Demidoff durch die Hand von Louis Napoleon geflossen sein. Nun ist es fertig mit diesem Der Spott zerreißt ihn jetzt.—(Es wäre ein feiner Streich, wenn diese Münzen in Paris geschlagen worden wären, um ihn zu verdächtigen) Paris. Victor Hugo sprach gegen die National⸗ werkstätten, und sagte schließlich:„lassen wir nicht sagen, die Monarchie habe eine Menge träger Leute gehabt, die Republik habe eine Unzahl von Faullen⸗ zern, und Paris seine Lazzaronis, die beim Ausbruch einer Emeute Prätorianer im Dienste der Dictatur sein würden.“(Große Bewegung.) Bremen. Das erste an der Weser erbaute Ka⸗ nonenboot ist von Stappel gelaufen. Berlin. Es sind der preuß. N.⸗V. Gesetzesent⸗ würfe über Schwurgericht, Civilehe, Aufhebung der agnatischen Rechte(begreift auch die Fideicomisse) und Ablösung der lehnsherrlichen Rechte vorgelegt worden. Flensburg. 13 Bataillone Dänen verschanzen sich zwischen Hadersleben und Christiansfeld. Lübeck. Rußland soll Dänemark zur Annahme der von England vorgeschlagenen Friedensbedingun⸗ gen ermahnen. Breslau. Nach brieflichen Nachrichten sollen in wenig Tagen 60000 Russen in Posen einrücken. Königsberg. Der Uebertritt der Russen auf preußischen Boden wird bei Czenstochau erwartet. Krakau. Die Petersburger Garden haben Marsch⸗ befehl erhalten. Berlin. Das Ministerium Kamphausen tritt ab. Hansemann bildet das neue. Ungarische Gränze. Carlowitz in Serbien ist von den Oesterreichern beschossen worden. Es brannte an 11 Orten. Die Serbier rücken in Masse vor. Berlin. Der Entwurf zur Antwort auf die Thronrede vermeidet zwar die Ausdrücke Revolu⸗ tion und Volkssouveränetät, aber setzt den Volkswillen an den Platz, der früher gewaltsam unterdrückt gewesen sei. Er zieht alle aus dem an die Spitze gestellten Volkswillen hervorgehenden Fol⸗ gen, auch in Hinsicht auf die Finanzen und die äu⸗ ßere Politik. Trient. Mit rührender Theilnahme hat man hier die 1080 bei Curtatone nach tapferem Widerstand gefangen genommenen Italiener mit Nahrung, Klei⸗ dung und Geld versorgt. Brieg. Auch Schlesien dürfte von den Russen angegriffen werden.— Der Kaiser soll alle gefange⸗ nen Polen freigegeben haben; die in Sibirien befind⸗ lichen würden auf Staatskosten in ihre Heimath ge⸗ bracht. i g Ulm. Eine blutige Schlägerei zwischen Solda⸗ ten und Arbeitern hat hier stattgefunden. 96 Breslau. Es ist eine Ehe zwischen einer Jüdin und einem Christen civilrechtlich geschlossen, und in der Armenhauskirche eingesegnet worden. Mittelrhein. Man soll dringend Reformen in der katholischen Kirche verlangen. Wiesbaden. Die constitutionelle Partei erhebt sich gegen die republikanische, der sie seither das Feld allein überlassen hatte. Hannover. Die Stimmung der Kammer ist, daß wenn die Stände sich nicht rasch vereinbarten, ein Verfassungsrath berufen werden müsse. Lörrach. Man hat durch List mehrere Freischär⸗ ler aus der Gefangenschaft befreit. Nom, 12. Juni. Gegen 3000 Mann neapo⸗ litanischer Truppen, die noch unentschlossen wa⸗ ren, ob sie heimkehren oder über den Po gehen woll— ten, wurden von zwei Bataillonen Mailänder und Bolognesen mit acht Kanonen genöthigt, sich zu er⸗ klären, ob sie die Waffen niederlegen oder den Po passiren wollten. Sie wählten das letztere, worauf sie unter die beiden Bataillone vertheilt wurden. Kopenhagen, 17. Juni. Aus Helsingör mel⸗ det die dortige„Avis“, daß man am 16. die Freude gehabt habe, die ersten norwegischen Truppen zu se⸗ hen, indem drei Dampfschiffe mit 1000 Mann Jä⸗ gern dort— vorbeigekommen. Da nämlich die Of⸗ siziere in Helsingör keinen näheren Befehl über den Ort, wo sie landen sollten, fanden; so gingen die Dampfschiffe nach Malmö. Dieselben Dampfschiffe sollen noch 2000 Mann aus Christiania nachholen, da das ganze norwegische Hülfscorps auf 3000 M. bestimmt ist. Wien, 19. Juni. Militär und Nationalgarde ziehen den heranstürmenden Arbeitern entgegen.— Böhmen soll getrennte Verwaltung und einen Erz— herzog als Vicekönig erhalten. Hannover. Die Kammern haben sich beide zu Annahme der Conferenzbeschlüsse verstanden. Mailand. Der Versuch der Oesterreicher, die Höhen von Rivoli wieder zu nehmen, ist fehlgeschla⸗ gen, und von den siegreichen Piemontesen auch die Stellung von Ferrura an der Tyrolergränze genom⸗ men worden. Paris. Es wurden vor dem Stadthause meh⸗ rere Personen verhaftet, welche riefen: Es lebe Na⸗ poleon! Stuttgart. Nach dem hiesigen Tagblatt will sich die Regierung unbedingt den Beschlüssen der Na⸗ tionalversammlung unterziehen. Frankfurt, 24.(2½½ Uhr.— Corrsp.) v. Gagern verläßt die Tribüne; er hat für Ernennung der Centralgewalt durch die N. ⸗V. gesprochen. Dieß wird entscheiden. Wir werden heute noch die Cen⸗ tralgewalt erwählen. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.