Hessische Volkszeitung. N 23. Tamstag, 24. Juni 1848. Täglich erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer als besonderes Abonnement für 15 kr. vierteljährig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Die Adresse des vaterländ. Vereins an die deutsche Uationalversammlung. Der wesentliche Inhalt dieser Adresse, die in Gießen so viel Zorn erweckt hat, ist kürzlich der: 1) Durch zweimalige Wahl v. Gagern's zu ih⸗ rem Präsidenten genehmigte die deutsche N.⸗V. dessen Grundsätze. 2) Diese Grundsätze sind: Souveränetät des Vol⸗ kes; kein Ausschluß der Fürsten⸗Mitwirkung bei Her⸗ stellung der Reichsverfassung. 3) Dieß ist das constitutionell⸗monarchische Princip. 4) In diesem Geist sahen wir die Versammlung handeln. 5) Dieß erfüllt uns zu ihr mit Vertrauen. 6) Reform! Gegen Anarchie! Gegen Reaction! 7) Einheit! Gegen Sonderbestrebungen! 8) Behauptung der Volkssouveränetät gegen jede Gefährdung! 9) Wir sprechen unser Vertrauen zu der Ver⸗ sammlung aus; wir stehen zu ihr. 10) Die Adresse enthält endlich noch die Worte: „Wir erkennen in dem Festhalten am Gesetzlichen, in der Anerkennung des rechtlich-Bestehenden die Po⸗ litik der Reform, welche der Revolution wie der Reaction in gleicher Weise entgegentritt“. Zu 1. Der Schluß, die Nationalversammlung gebe zu, sie müsse soweit gehen, als v. Gagern,— kann falsch sein, ist aber durch sehr starke Wahr⸗ scheinlichkeitsgründe unterstützt. Zu 2. Souverainetät des Volkes,— ich denke. wer die anerkennt, wer diese„gegen jede Gefähr⸗ dung behaupten“ will,(s. 8.) steht auf einem ehren⸗ haften Boden.— Mitwirkung der Fürsten hierneben kann nur eine berathende sein. Warum diese nicht wollen? Sie kann als solche nicht fchaden; warum also sie nicht zulassen? Zu 3. Des auf Volkssouveränetät ge⸗ bauten constitutionell-monarchischen Prineips hat sich wahrlich Niemand zu schämen. Dazu ist es dasjenige, welches uns für sichern ruhigen Fortschritt eine Aussicht giebt, was wir nach der Geschichte bei republikanischer Staatsform für uns eben nicht er⸗ warten dürfen. Zu 4. Die Nationalversammlung wird vielfach getadelt, daß sie nicht kräftiger vorschreitet. Jene Adresse wurde am 7. Juni im vaterländischen Verein beschlossen; sie wurde schon am 5. Juni in der Ver⸗ einsversammlung vorgelegt,(s. Volkszeitung vom 8. Juni) wurde also in den ersten Tagen des Juni⸗ Monats verfaßt, als die Versammlung erst etwa 14 Tage beisammen war. Habe man daher jetzt über ihre Thätigkeit ein Urtheil wie man wolle,(es soll hier weder Für noch Gegen gesprochen sein), da⸗ mals konnte man noch nicht so bestimmt über ihre Thä⸗ tigkeit aburtheilen. Von Denen, die sie jetzt darum tadeln, haben sie damals wohl sehr Wenige schon getadelt. b Zu 5. Warum soll ein Verfassungsrath für Deutschland kein Vertrauen erwecken, der einen Mann wie Gagern fast einstimmig an seine Spitze stellt, der die Volkssouveränetät als obersten Verfassungsgrundsatz bekannt hat? Fast einzig aus der Präsidentenwahl konnte man damals die Nationalversammlung beurtheilen. Als aber Vogts Wähler ihr Vertrauen zu derselben aus⸗ sprachen und in ihrem Wahlerlaß sagten:„Einzig und allein die constituirende Nationalversammlung hat die Verfassung Deutschlands als Bundesstaat zu bestimmen;“— damals hoffte man, bloß erst sie werde v. Gagern zu ihrem Präsidenten erwählen. Zu 6. Die Volkszeitung hat in Nr. 14 entwickelt, warum unser Fortschreiten als Fortschreiten auf dem Wege der Reform und nicht der Revolu⸗ tion anzusehen ist. Zu 7. Ist schwerlich anstößig gefunden worden. Zu 8. Gleiche Bemerkung. Zu 9. Ist gerechtfertigt, wenn das Vorherge⸗ hende gerechtfertigt ist. Zu 10. Dieser Satz, für sich allein betrachtet, ist einer Auslegung fähig, der ich nicht beitrete. Im Zusammenhang betrachtet, d. h. neben Anerkennung der Volkssouveränetät stehend, bekommt er aber ent⸗ schieden einen Sinn anderer Art. Er heißt dann nur,„das Gesetzliche und rechtlich-Bestehende solle geachtet werden, bis es gesetzlich abgeändert werde“,— was bei der Volkssouveränetät vom Volk, also von der rechten Behörde abhängt.— Damit ich nun Dieß sagen könne, ohne daß man mir antworten dürfe:„Das sagst du hintennach, um dich herauszuziehen“,— habe ich die fragliche Adresse nicht unterschrieben. Sonst hätte ich sie damals, als sie beschlossen wurde, auch unterschrieben. Durch diese Erklärung ist sie nun so gut, wie von mir un⸗ terschrieben, obgleich ich sie nicht unterschrieben habe. Die Adresse ist so fern von Unfreisinnigkeit, daß es, wie ich glaube, vereinbar gewesen wäre, sie und die jüngst von Hrn. H. Ferber vorgeschlagene Adresse, d. h. ohne den Zusatz von Götz, zugleich zu unterschreiben. Doch will ich Dieß nicht mit Be⸗ stimmtheit behaupten; ich habe jene Adresse nicht ge⸗ lesen, sondern nur gehört. N F. F. Warum ein ehrlicher Socialist die Ueberstür⸗ zung nicht für ein bloßes Gespenst hält. 1) Edgar Bauer ließ im Jahr 1845 in 3000 Abzügen ein Werk drucken, in welchem er nament⸗ lich sagt: g. f „Diebstahl und Mord sind die Folgen des Pri⸗ vatbesitzes, weil dieser Besitz selbst eine Art Diebstahl ist.“ Ferner: „Die Anarchie ist aller guten Dinge An⸗ fang“. Hört Dieß, Alle, die Ihr Etwas besitzt! 2) Stockt Handel und Gewerbe, stockt aller Ver⸗ dienst durch verschwundenes Zutrauen, durch Ver⸗ scheuchung aller Sicherheit; so ist der Besitzlose der Verzweiflung preis gegeben. Durch die Noth getrie⸗ ben, wird er rasend. Sich selbst, die Urheber des Unglücks, klagt er noch nicht an; er folgt blind dem Trieb der Selbsterhaltung, wenn er gestachelt wird, daß Dieß natürliches Recht sei. Hat man noch nie⸗ mals Haufen von Tausenden wüthender Menschen gesehen, die plünderten und mordeten! Schlage man die Blätter der Geschichte auf. 3) Will, wer das Feuer geschürt hat, den Brand löschen, und sprechen: hier ist der Markstein! so sto⸗ ßen ihn seine eigenen Leute ins Feuer. Die Köpfe der Girondisten sind vom Schaffot gerollt wie Nüsse, Danton's, Robespierres Kopf ist unter dem Richt⸗ beil gefallen! Das bedenket, Ihr, die Ihr stürmt, und auch Ihr, die Ihr zurückst rebt, denn auch ihr Letzte⸗ ren gießet Oel in die Flammen! F. F. Die Aula und die Wiener Studenten. Hier strömen von allen Seiten, von Stadt und Land, Klagen über Mißhandlungen hartherziger Hausbesitzer gegen die armen Wohnparteien, der Arbeit⸗ gebenden gegen ihre Arbeiter, zusammen; hier brin⸗ gen Gemeinden Beschwerden gegen ihre habsüchtigen und unchristlichen Pfarrer, hier Landleute gegen ihre Grurdherrn und Beamten an.— Augenblicklich or⸗ ganz dem richtigen Tacte gemäß. 90 ganisiren sich bei solchen Gelegenheiten Schiedsge⸗ richte, und sprechen Recht, und schaffen Recht, und rathen doch wenigstens, wo sie nicht selbst einzugrei⸗ fen im Stande; der Zudrang der Klageführenden ist ein unausgesetzter. Die Aula ist die förmliche und ausgesprochene Opposition gegen die Regierung. Zur Berichtigung und zur Notiz. Man hat den vaterländischen Verein mit Unrecht darüber angegriffen, daß die stenographischen Be⸗ richte der N. V. die irrige Angabe enthalten, die 803 Unterzeichner der Vertrauensadresse seien sämmt⸗ lich Bürger und Einwohner der Stadt Gießen. Das Mißverständniß, worauf diese Angabe beruht, fällt nicht den Absendern zur Last, welche den Wohnort der Unterschriebenen beifügten. Dagegen enthält die Gegenadresse, welche in diesen Tagen an öffentlichen Orten auflag, am Schluß die Unwahrheit, die 803 Unterzeichner seien zum größten Theil Nichtbewohner von Gießen. Das Wahre ist, daß beiläufig die Hälfte der Stadt Gießen angehört, die übrigen nebst weiteren 400 Unterschriften, die noch nach Absendung der Adresse eintrafen, der Umgegend,— von der Ge⸗ sammtzahl 1200 der bei weitem größeste Theil un⸗ serm Wahlbezirk mit Ausschluß des Hinterlandes. Man hat durch anonyme und höhnische Aufforde⸗ rung mittelst der Schelle zur Verantwortung vor die Volksversammlung geladen und Vorwürfe darüber erhoben, daß der Vorstand des vaterländischen Ver⸗ eins nicht Folge geleistet habe. Damit hat man sich aber sehr verhauen. Ohne Zweifel würde der Vor⸗ stand, wenn in gehöriger Weise wäre bei ihm an⸗ gefragt worden, bereitwillig Aufschluß gegeben haben. Eine solche Ladung aber unbeachtet zu lassen, war e Ebenso wenig möge man darauf rechnen, daß die Volksversamm⸗ lung als Forum der Verantwortung Anerkennung finde, so lange sie nicht Redefreiheit auch für die Meinungen, die nicht einer gewissen Richtung ge⸗ mäß sind, gestattet; der dort herrschend gewordene Terrorismus ist ärger, wie die metternich'sche Censur, und beweist die Unfähigkeit zur Freiheit auf Seiten Derer, welche nicht abweichenden und entgegenge⸗ setzten Ansichten gleiche Freiheit sich zu äußern ge⸗ statten wollen. Gießen. Wie wir hören, haben hier einige Per⸗ sonen einen Arbeiterverein gegründet, welcher nach— sehen läßt, was irgendwo an Arbeit zu machen ist, und dann die Leute anweist, Männer vom hiesigen Arbeiterverein kommen, um die Arbeit durch sie ma⸗ chen zu lassen; man solle Arbeiter aus der Stadt, und zwar vom Verein, und nicht Arbeiter vom Land nehmen. Dieses Verfahren wird schwer getadelt werden; aber etwas Anderes ist sicherlich weit mehr noch zu tadeln. Die Behörden nehmlich, wenn ste nicht absichtlich schlafen, müssen von solchen Dingen Kunde haben. Ihre heilige Pflicht ist, daß sie zu rechter Zeit sorgen, daß die Arbeiter nicht zu solchen (doch nicht zum Zweck führenden) Nothmitteln grei⸗ fen müssen;— andrerseits aber, daß sie die Leute nicht auf solche Weise ängstigen und schrecken dürfen.. Die Mitglieder jenes Arbeitervereines scheinen nicht gleicher Ansicht mit einem feurigen Redner in einer neulichen Volksversammlung. Derselbe will nehm⸗ lich alle nach Amerika Ausgewanderten wieder zu— rückrufen. Der Gießener Arbeiterverein kann diese Ausgewanderten hier nicht brauchen; denn er will nicht einmal die Tagköhner auf den Dörfern um Gießen zu Arbeiten in der Stadt zugelassen wissen. (Das sind„seine Kartoffeln“.) Wir werden eine unzufriedene Zeit bekommen. Ein Holzhauer(für Hrn. H. bemerke ich hierzu: ich kann dessen Namen, wenn's sein muß, erfahren) glaubt Folgendes vor der Thüre: Der Taglohn wird nächstens auf 1 fl. 30 kr. gesetzt; dafur werden Hofgericht, Landgericht u. s. w. herabgesetzt, und die Reichen ganz abgeschafft. Die Taglöhne von 1 fl. 30 kr. geben alsdann die Gießener Bürger.— Soweit ist die Sache recht gut; wo aber die Gies— sener Bürger die Thaler hernehmen werden, scheint ein schwieriges Räthsel. Ich glaube, sie werden ihr Holz selbst machen müssen, weil sie sogar den bisherigen Taglohn nicht mehr werden bestreiten kön⸗ nen. Ich glaube das um so mehr, als ich höre, Hr. Aug. Becker habe an der Volksversammlung zu Butzbach unter Andrem den Bauern gesagt: Wäl⸗ der und Felder gehören Euch, und Ihr braucht, wenn Ihr danach verfahrt, die Butter nicht mehr den Städ—⸗ tern zu bringen, Ihr könnt sie selbst essen. Es will uns bedünken, wenn die Städter nicht Goldmacher werden können, so müssen sie bei solchem Verhalt Holzmacher werden, und da ist ihnen recht Glück zu wünschen, daß Taglöhne von 1 fl. 30 kr. in Aus⸗ sicht sind.— Was übrigens das Butterverkaufen nach der Stadt betrifft, so fragen wir noch: warum schicken uns denn die Bürger der glorreichen Repu⸗ blik Nordamerika Butter und Fleisch nach Europa und weißes Mehl dazu? Der Satz:„Selbstessen macht fett“, werden sie doch auch kennen. Auch ein Satz heißt: Hat alles Ding seinen Grund. F. F. Wochenübersicht. Frankreich seufzt unter dem Druck seiner Handwerker- Bevölkerung. Selbst wenn diese ihre Forderungen nicht steigert, so kann doch das Land nicht mehr lange darunter aushalten. Dann muß 91 es suchen, sie in einen Krieg gegen äußere Mächte zu führen, oder es muß den Bürgerkrieg wagen. An's Auswandern denkt, wie es scheint, Niemand. Oberitalien soll Waffenstillstand haben. Die Oesterreicher halten noch an der festen Linie zwischen der Lombardei und dem Venetianischen, während der Schlußpunkt dieser Linie gefallen ist, und die Pie⸗ montesen schon festen Fuß jenseits gefaßt haben. Währenddem haben die Oesterreicher die Städte im Venetianischen genommen. Der Pabst soll erkrankt sein. Die neapolitanischen Truppen marschiren aus Oberitalien nach Neapel zurück. Im Neapoli⸗ tanischen scheint das Volk der Landschaften mit sici⸗ lianischer Hülfe gegen den König aufzustehen. In den österreichischen Staaten werden alle Bande lockerer. Der Czechenaufstand in Prag hatte blutige Folgen. Die Stadt hat schrecklich ge⸗ litten. Die Truppen haben gesiegt. a In Berlin scheint die gemäßigte Partei Sieger. Die Plünderer des Zeughauses werden zur Haft gebracht. Die Russen häufen sich auf besorgliche Weise an den Gränzen; ihre Flotten sind mit Truppen an Bord in der See. In Schleswig-Holstein erwartet man näch⸗ stens ein bedeutendes Zusammentreffen. Die deutsche National⸗Versammlung be⸗ handelt die wichtige Frage über eine einstweilige Centralgewalt für Deutschland.— An vielen Or⸗ ten in Deutschland arbeitet man mit allen Hebeln für Republik. Verzagtheit, Ungewohntheit in poli⸗ tischem Treiben, Verdutztheit, lähmt die Gemäßigten. Während Europa im Fieber ist, scheint in Mexico der Frieden zu erblühen. In den Republiken Haiti und Pucatan, und dem Oregongebiet ist Ge⸗ metzel der niederen Ragen gegen die Höherstehenden. Tagesneuigkeiten. Wesel, 18. Juni. Gestern wurden hier durch Bürgerwehrmänner von Emmerich fünf Personen ein⸗ gebracht und auf hiesige Citadelle festgesetzt, die dort die Republik ausgerufen hatten. Berlin. v. Patov, Minister für Handel und öffentliche Arbeit, nimmt seine Entlassung. Graf Bü⸗ low(Schwiegersohn von Bülow⸗Cummerow) soll ihm folgen.— Das Programm des linken Centrums in der preuß. N.⸗V., welches bereits vielfach veröffent⸗ licht ist, wird den neuen Standpunkt bezeichnen, auf dem sich die Minister und die Versammlung entge⸗ genkommen werden, es ist der einer zwischen Krone und Volk getheilten Souveränetät, der Monarchie auf demokratischer Basis(2), ohne Aner⸗ kennung irgend welcher Privilegien in einer Kammer oder im Staat Auch einem anderen Moment dürfte nun in der Verfassung Rechnung getragen werden, d. i. wie Nees v. Eisenbeck es bezeichnete, der socia⸗ len Idee. Man wird das Staatsgebäude von Un⸗ ten aufbauen und auf der Basis des freiesten Ge⸗ meindewesens errichten.— Die Untersuchungen über die Ercesse beim Zeughause werden von den verschie⸗ densten Seiten geführt, vom Staatsanwalt, von der militärischen Behörde und der Bürgerwache selbst.— Die Gerüchte, daß fremdes Geld bei den neuesten Vorgängen im Spiel gewesen, behalten Bestand und knüpfen sich an die entdeckte Correspondenz der Für⸗ stin Czartoryska, nach der man in einem dieser Tage dem bestimmten Eintreffen von 1500 bis 2000 Fünf⸗ frankenstücken entgegensieht.— Morgen wird hier ein Handwerkerkongreß eröffnet, der sich an den hier bestehenden Handwerkerverein anknüpft. Letzterer, der sich politisch neutral und außer den Parteien hält, wird bei der Neugestaltung der socialen Verhä tnisse erst seine volle Bedeutung gewinnen, und überragt an moralischer Kraft und Ansehen alle Clubs, sowie an Thatkraft, Frische und Besonnenheit. Er scheint es abzuwarten. Italien. Venedig dürfte schwerlich so leicht in die Hände der Oesterreicher fallen; denn im Jahr 1814 hielt es 6 Monate die Blokade von Englän— dern und Oesterreichern von See- und Landseite her aus. München. Ein fürchterliches Hagelwetter hat am 19. auf der Ostseite die Fensterscheiben zertrüm⸗ mert. Die Schlossen fielen 10 Minuten lang in der Größe von Taubeneiern. Paris. Der Polizeipräfect hat Maßnahmen ge⸗ gen die Prostitution getroffen, welche in Paris seit einger Zeit eine furchtbare Ausdehnung gewonnen. — Nach Privatbriefen aus Madrid soll das Ge⸗ rücht von der Schwangerschaft der Königin Isabella ungegründet sein. Bern, 20. Juni. Daß Hr. Ochsenbein im näch⸗ sten, auf den 26. einberufenen Gr. Rath abermals seine Entlassung als Regierungsrath einreichen wird, scheint außer Zweifel zu stehen. Hannover, 19. Juni. Es ist erwiesen, daß die Dänen ihre Bomben nicht nur mit Nägeln, Haaken ꝛc. füllen, sondern auch, daß sie mit den Bleikugeln Eisenblechstücke in Verbindung bringen, um die Wunden gefährlicher zu machen. Brüssel. Obschon man in Rom widerspricht, so ist doch gewiß, daß der Pabst die Politik seiner „ihm aufgedrungenen“ weltlichen Minister verwirft. Königsberg, 16. Juni. Der constitutio⸗ nelle Club erklärt, daß er mit dem Antrage des Abgeordneten Behrends: die Nationalversammlung wolle,„in Anerkennung der Revolution“ zu Protokoll 92 erklären,„daß die Helden des 18. u. 19. März sich um das Vaterland wohlverdient gemacht haben“, vollstän⸗ dig einverstan den ist, und deßhalb mit tiefem Schmerz auf das Resultat der hierauf bezüglichen Abstimmung sieht. Durch sie ist die glorreiche Revolution vom 18. u. 19. März verläugnet und die Souveränetät des Volks in Zweifel gezogen. Während der Club in der unbedingten Annahme der Berend'schen Motion eine Garantie für die friedliche Entwickelung unse⸗ rer politischen Verhältnisse erblickte, hat die Natio⸗ nalversammlung das Vertrauen in sie erschüttert und somit Ruhe und Frieben im Staate in Frage gestellt. Prag. Die Ruhe ist hergestellt. Als die Trup⸗ pen in Folge Uebereinkunft am 11. Juni Nachmit⸗ tags in die Stadt einrückten, wurde ein Offizier nie⸗ dergeschossen. Darauf begann Feuern und neue Be⸗ schießung der Stadt, an mehreren Orten brannte die- elbe. Da brach der Muth der Czechen. Die Stu⸗ denten warfen die Waffen weg und verließen Prag. Die Waffen wurden von den Bürgern ausgeliefert und Geisel gestellt. Berlin. Die Ministerkrise ist noch nicht vor⸗ über. Es scheint, das Ministerium fühlt, was es Deutschland in Hinsicht auf Rußlands schuldig ist.— Die Garde-Corps-Reserven sind einberufen. Die Spener'sche Zeitung widerspricht den russischen Trup⸗ penbewegungen. Sehr bestimmt für dieselben spre⸗ chen aber Berichte aus Breslau, Königsberg, Kra⸗ kau. In die Donaufürstenthümer sollen 60,000 Russen eingerückt sein. Paris. Es sollen bedauerliche Nachrichten aus Lyon und dem Süden angelangt sein. Frankfurt. Am Donnerstag verständigte man sich dahin, daß nur noch 18 Redner über die Cen⸗ tralgewaltsfrage sprechen sollen. Innsbruck. Rivoli befindet sich wieder in öster⸗ reichischen Händen. Mailand. Am 15. hat man sich auf der Höhe von Stellio 7 Stunden lang geschlagen. Der Er— folg sei unbedeutend.. Elsaß. Frankreich rüstet außerordentlich. Berlin, 19. Juni. Eine Note aus Frankreich dringt auf Freigebung ganz Posens, die deutschen Distriete einbegriffen. Nach einer Note aus Ruß⸗ land wird die Freigebung Posens und die Besetzung Jütlands als Kriegserklärung betrachtet. Altona. Von Jütland aus wurden dem däni⸗ schen Kriegsministerium durch freiwillige Gaben 216000 Rthlr. zur Disposition gestellt— Nach Privatnachrichten aus Schweden sind die Einwohner für die dänische Sache begeistert. Das 3000 Mann starke Norwegische Hülfscorps, sowie das norwegische und schwedische Geschwader sammelt sich bei Malmö. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J, in Gießen.