er n. dt⸗ ert in. le⸗ e⸗ lo⸗ aß essische Volkszeitung. * 21. a Donnerstag, 22. Juni 1848. 8 Täglich „ 3 f 1 5 1 5 A f ö 8 erscheist dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer als besonderes Abonnement für 15 kr. vierteljährig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Aus der Wetterau, Noch immer kommen hier und da Unordnungen vor z ja an manchen Orten steigern sich dieselben. Die Ursache hiervon, liegt oft in der Persönlichkeit der Ortsvorstände Ha leider macht derselben ihre amt⸗ liche Stellung bisher mißbraucht haben. In'solchen Gemeinden hat jetzt deren Vorstand gar kein Ver⸗ trauen, und folglich auch keine Kraft mehr, und da hat denn die Zügellosigkeit Weniger, unterstützt durch die Laßheit der Besseren, freien Spielraum. Ebenso geht es da, wo der Bürgermeister zwar brad, aber den gegenwärtigen Zeiten, welche Kraft und Entschiedenheit verlangen, nicht gewachsen ist, und noch vielmehr in solchen Gemeinden, wo schlechte Bürgermeister sich an die Spitze des Aufruhrs stel⸗ len, um dadurch wieder beliebt in der Gemeinde zu werden, die sonst vielleicht ein strenges Gericht über ihre frühere Amtsführung halten würden. Es ist daher dringend nothwendig, daß überall sch le u⸗ nigst die Bürgermeisterwahlen vorgenommen werden, damit Männer des Vertrauens an die Spitze der Gemeinden kommen, da nur dem Einfluß sol⸗ cher Männer eine Wiederherstellung der gestörten Ordnung möglich seyn wird. Denn Ordnung ist vor Allem nothwendig. Ohne Ordnung gibt es keine Freiheit, sondern nur Zügello⸗ sigkeit. Ohne Ordnung stirbt die Frei⸗ heit, und der wahrhaft freisinnige Bür⸗ ger wird der Sclave Zügelloser, gewalt— herrscherischer Horden. Antwort auf den ersten Artikel in Nr. 19. dieses Blattes. 1) Die Natur hat uns freilich zum Zusammen⸗ leben bestimmt; aber nicht zum Zusammenleben wie die Spinnen, deren jede inmitten ihres besondern Netzes lauert. Wir sollen vielmehr gemeinsam den Menschheitszweck anstreben. Hierzu sol⸗ len wir uns soweit vereinigen, wie es zweck⸗ mäßig ist. Die unfreiwillige Beschränkung unserer Freiheit geht daher weiter, als für bloße Mög⸗ lichkeit des Zusammenlebens erfordert wird. Sie geht dahin, daß von Jedem die angemessene Mit⸗ 2 2 0 wirkung zum Menschheitszweck verlangt werden darf „und soll. 2) Freilich dürfen und sollen wir, wie unser Geg⸗ ner sagt, auch mit einander handeln. Aber nach dem Menschheitszweck soll Keiner den Andern übervor⸗ t he ile n; der Menschheitszweck verwirft Solches. Er erlaubt Niemanden zu erzwingen, was er in Uebervortheikung des Andern für sich er⸗ handelt hat; er befiehlt Niemanden Solches gutwillig oder gezwungen zu leisten. Also: Verträge sind nur bindend, soweit keine eigent⸗ liche Uebervortheilung des Einen durch den Andern darin liegtz nicht aber weiter. 3) Ja, und zugegeben, Heiligachtung des Rechts ist eine hohe Pflicht(ob die höchste der äußern Pflichten, darauf kommt hier Nichts an). Aber Uebervortheilungen werden na chen atürlichen Gesetzen nie rechts gültig, werden nie recht: ebensowenig Verletzungen unaufhebbarer natürlicher Rechtsbestimmungen. Haben eingeführte(positive) Rechte an solchen Sätzen geändert, so kann uns die Vernunft befeh⸗ len, sie unter Umständen, und solange diese dauern, zu achten, aber auch nur unter Umstän⸗ den, und solange diese dauern.(Der Volkszeitungs⸗ schreiber beruft sich im Weitern hierüber auf sein Na⸗ turrecht 8. 70; sein Gegner möge darum nicht zürnen.) Wir kommen zu den Folgerungen unseres Gegners. 4) Wir geben zu, Hessens Fürsten mögen ihre Ge⸗ biete, nach den jeweilen geltenden Rechten, in durchaus rechtlicher Weife erlangt haben; hier thut das nichts zur Sache. Sie konnten nach den Ge⸗ setzen nicht nur Land und Leibeigne erwerben, sie konn⸗ ten auch Ober gewalt über Personen erwer⸗ ben.— Leibeigene gibt es nicht mehr. Die Frage über den Landerwerb gehört nicht hierher. Oberge⸗ walt über Personen widerspricht dem uns ange⸗ bornen Recht der Freiheit; es kann sie Nie⸗ mand rechtsgültig über Andere besitzen; das ewige Recht erlaubt nicht, daß ein menschliches Gesetz es hier bindend beseitige. Ich glaube, wir sind reif, Dieß zu verkünden und durchzusetzen. Der deutsche Verfassungsrath wird es(d. h. die Volkssouveräne⸗ tät) im Reichsgrundgesetz aussprechen, sonst macht er ein nichtiges Machwerk. * 5) Räumten die Fürsten den Völkern einen Theil dieses ewigen Rechts ein, und gaben sie ihnen Ver⸗ fassungen, so gaben sie ihnen einen Theil dessen her⸗ aus, was sie ihnen nach dem ewigen Recht nie rechts⸗ gültig nehmen konnten. Die Völker waren darum nicht schuldig, ihnen nun den übrigen Theil zu las— sen. Nicht einmal für sich selbst konnten die einzelnen Bürger das un veräußerliche Recht der Freiheit bindend vergeben,— geschweige denn für ihre Kinder und Enkel, oder sonst Wen. Nur bevormundungsweise können die Einen wider Willen der Andern über sie herrschen. Dann müssen sie aber, wie die Letzteren mündiger werden, allmäh⸗ lig auch die Entvormundung eintreten lassen. 6) Unser Fürstenhaus zählt sicherlich nicht zu den schlechteren. Wissen wir, was es gethan haben würde, wenn es selbst nicht unter Vogtschaft stärkerer Für⸗ sten gestanden hätte? Nein, wir wissen es nicht; aber wir haben Gründe zu glauben, es wäre weiter ge⸗ gangen, als es gegangen ist,— wenn es selbst frei gewesen wäre. 7) Treue ist wohl eine Tugend; aber blinde Treue dem Treulosen, Dem, der uns knechtet, ist Hunde⸗ sinn. Die Hessen sind treu und dankbar ihren Für⸗ sten für Gutes, was sie gethan haben; sie sollen aber treu sein wie freie Menschen, nicht wie der Hund ist. Soweit sie mündig dazu sind, haben sie den Besitz ihrer unveräußerlichen Rechte zu fordern. Nicht der böse Wille unseres Fürsten hat sie uns vorenthal⸗ ten,— die ihm gebietenden größern Mächte, die ihm rathenden höchsten Beamten. Hessen⸗Darmstadt that mit die ersten Schritte auf der wahren Rechts⸗ bahn. Freilich gedrängt dazu; aber ohne Versuch, mit dem Blut des Volks das Volk zu bekämpfen. 8) Gehen unsere Fürsten treu mit dem Volke, halten sie treu dessen ewigen Rechte; so werden sie ein treues Volk haben, wie Keiner es treuer. Die Hessen sind kernhaft. Gleicher Vomheil und aufrichtiger Wille von bei⸗ den Seiten, bindet die Treue;— nicht das Blut, nicht der Stammbaum. Brüder zerfleischen sich über entgegenstehende Ansprüche, und fremdes Blut ver⸗ bindet sich treu zum Schutz gleicher Rechte. 9) Ja, Verträge sind heilig,— söweit sie ge⸗ recht sind(s. oben.). Sonst macht tausend Jahr Unrecht, keinen Augenblick Recht. 10) Berathend die Fürsten zu hören, zu seiner Zeit und am Ort, gebührt nicht nur ihnen,— ge⸗ bührt jedem einzelnen Bürger. Darum sind sie auch zu hören. 11) Welche„constitutionelle Monarchie“ der va⸗ terländische Verein will, das spricht sein Wahlpro⸗ gramm aus. Er will die auf„demokratische“ Grund⸗ lage gebaute. Im Nähern davon in einem andern Aufsatz. 82 12) Ja, Preußen erhob sich und war stark mit seinem König. Aber damals war auch offen der Vor⸗ theil von König und Volk der gleiche. Püeußens Fürsten hielten ihrem Volk dann zurück, was andre Fürsten gewährten, wofür das Volk reif war; Fürst und Volk hatten von da an verschiedene Streben, und das Volk, das treu mit dem König ge anden, stand nun gegen den König. F. Fischer. Dieß meine Antwort. * Ich werde lebhaft getadelt, daß ich die„Haltung“ ders Volksvzrsammlung, die vorgestern im Busch'schen Garten dahier statt fand, eine„anständige“ genannt habe z ein Versamizlung, in welcher man das en ten der Glocken wegen des Tods unseres Fürsten schmähe, sei keine anständige.— Die Haltung einer Volksversammlung, antworte ich, hat Nichts gemein mit Dem, was gesprochen wird. Ich habe, was über das Läuten gesagt wurde, nicht erwähnt, weil es nicht zur Sache gehörte. Jeder wird es nach seinen Gefühlen beurtheilen. Die große Mehrzahl des ganzen Volkes würde in ihrem Gefühl beleidigt sein, wenn es unterbliebe. Selbst wer anders fühlt,— und deren Zahl ist sicher in Hessen nicht groß,— wird, wenn er be— sonnen ist, dieses Gefühl achten, und tadeln, wenn es verletzt wird. F. F. Auszug aus den Verhandlungen der deut⸗ schen Nat.⸗Versammlung. „Kapp: Wir leben nicht in so fest begründeten constitut. Zuständen wie England; wir stehen auf einem vulkanischen Boden.(Gelächter rechts.) Lachen Sie nur; die unterirdischen vulka⸗ nischen Mächte werden anders sprechen; beschwören Sie sie nicht herauf durch Hohngelächter! Ich nehme dieses Hohnlachen als Ehrenbezeugung. Wenn wir emen festen Zustand wollen, dürfen wir keinen Au⸗ genblick Ruhe gönnen jener Regierung, die hinter den Regierungen steht.“(Ist es möglich, daß man in der N.⸗V. dazu lacht, daß wir auf einem vulkani⸗ schen Boden stehen!— Diese Lacher könnten freilich einmal etwas beschließen, was eine„Schande“ für die N.⸗V. und für Deutschland wäre. Möchten sie nie die Mehrheit erlangen, sonst werden wir hart da⸗ für zu büßen haben.) Wir erfahren aus dem„Jüngsten Tag“, daß die Adresse an die N-V. die vom vaterl. Verein zu Gießen ausging„erbärmlich“ sei. Leider werden uns die Gründe, warum, nicht mitgetheilt. Wir hätten sie gar zu gerne erfahren. Jetzt sind wir auf bloße Muthmaßungen angewiesen; sie führen uns dahin: es ärgert den„Jüngsten Tag“, daß die Adresse Anklang gefunden hat. Rasch waren über tausend r//// /!/ 83 Unterschriften da, seither gelangen stets noch andere Doppel mit zahlreichen Unterschriften an den Aus⸗ schuß zurück.— Bei solcher Lage der Dinge hätte der„Jüngste Tag“ den Aerger nicht zeigen sollen; es ist da viel klüger, gar Nichts zu sagen, dann vergißt sich die Sache viel eher. Sonst aber heißt es: Es hat ihn getroffen, sonst schrie er nicht! Gewiß wird wohl hier und da eine Unterschrift beigetrieben worden sein, wie es nicht sollte; denn so geht es allenthalben. Da kann keine Partei ein⸗ stehen, daß Jeder, der sich dazu hält, die rechten Gränzen nicht übertrete. Wir werden lesen, was uns der„Jüngste Tag“ davon erzählen wird. Aber gewiß werden wir nichts Dickeres treffen, als das Verfahren der Gießener Wähler des Hrn. Professor Vogt. In ihrem Wahlerlaß erklärten sie nehmlich dem Wahlkreis: Vogt vertritt erbliche Monarchie für Hessen;— an den Gießener Volksversammlungen hörten sie verkünden: Vogt ist Republikaner von Haus aus, und mit uns für Republik; Dieß hörten sie an, und thaten nicht Einspruch.— Neben diesem Monstre⸗Mittel, wird wohl die Waage nicht auf⸗ schnappen, wenn sich herausstellt, daß hier und da ein unverständiger Eifriger einem unverständigen Manne eine Unterschrift zu einer Adresse abgelockt oder abgedrungen hat(wenn's wirklich geschehen sein sollte)! F. F. „Frankfurt, 20. Juni. Kohlparzer beantragte in der Nationalversammlung Folgendes: Die Na⸗ tionalversammlung beschließt, daß jeder Angriff auf Triest oder irgend einen deutschen Hafen als Kriegs⸗ erklärung gegen Deutschland zu betrachten sei. Ein⸗ stimmig durch Aeclamation angenommen.“— Die Befehlshaber der italienischen Flotte vor Triest stůz⸗ zen die Hafensperre darauf, daß Triest nicht bloß als Handelshafen, sondern als Kriegshafen wirke. Es diene zur Aufnahme der österreichischen Kriegs schiffe, zur Unterstützung der Blokade von Venedig, zur Beförderung von Truppen und zu ihrer Ver⸗ sorgung mit Lebens⸗ und Kriegsbedarf jc.— Es sind einmal zwei Soldaten spazieren gegangen, und da ist ihnen ein Mann begegnet, den hat der eine an sich gebunden und mit sich gezogen. Da will dieser Mann endlich nicht mehr mitgehen und zerrt und schlägt sich mit dem Soldaten. Sagt da der andere Soldat zu dem Manne: Du Männchen, schlag mir meinen Kameraden nicht dahin, wo er Uniform trägt; schlag ihn auf die bloßen Finger oder auf die Backen, aber nicht auf die Uniform, sonst bin ich mitgeschlagen, und da komm ich auch auf dich!— Das paßt auf den Fragfall. Sorge doch unsere Nationalversammlung für den Norden und Osten, statt jenseits der Alpen unge⸗ rechtfertigte Händel anzufangen, die Frankreich nicht dulden darf.—„Einstimmig durch Acclamation an⸗ genommen.“ O, Männer in Frankfurt, denkt vor Allem, gerecht zu sein! Seid ihr gerecht gegen Feind und Freund, so besorgt nicht, daß man Euch undeutsch schelte. Denkt, daß ihr wollt, daß sla vische Länder Euch vertrauen sollen! Darum seid vor Allem gerecht gegen fremde Nationen. Ge⸗ recht ist nie undeutsch. F. F. Tagesneuigkeiten. Prag, 16. Juni. Ein Erlaß der kaiserl. Com⸗ missarien Graf Mensdorf und Czelassig, daß Fürst Windisch⸗Grätz abgedankt habe, und daß in Zukunft in der Stadt die Wachen vom Militär und der Bürgerwehr gemeinschaftlich bezogen werden sollten, „von dem prov. Bürgermeister Wanka böhmisch und deutsch publicirt“, beruhigte heute Alles. Jetzt, um 8 Uhr früh, ist noch Alles ruhig. Das Auffallendste ist, daß man keine Spur einer Leitung, eines An⸗ führers wahrnimmt. Die Gesammtheit der Studen⸗ ten, im Einverständniß mit einigen Swornost, scheint commandirt zu haben. Ueber die Zahl der Gefalle⸗ nen hört man die verschiedensten Gerüchte; das Wahrscheinlichste ist, daß gegen 70 vom Militär, etwa die Hälfte von der andern Seite gefallen sind. Der Slaven⸗-Congreß ist auseinandergejagt, seine Mitglieder sind unsichtbar geworden. Das Haupt der Ultraczechen, der Anführer der Swornost, Gastwirth Faster, ist schon am 12. Juni Abends aus der Stadt geeilt, um die Czechen aufzubieten; er soll mit einigen tausend Mann von Deutschbrod aus auf dem Wege hierher sein. Die Prager Bür⸗ ger schienen sich auf diese Gäste nicht zu freuen. Die Offiziere der Nationalgarde bestanden zum gro⸗ ßen Theil aus Adeligen; diese, ihren Commandan⸗ ten, Fürsten Lobkowitz, an der Spitze, sind unsicht⸗ bar geworden, sowie eine große Anzahl der wohl⸗ habenden Gardisten. Wenigstens die Hälfte der Bewaffneten besteht aus Proletariern. Von der Trennung Böhmens von Oesterreich,„durch beson⸗ dere Verwaltung“ wie die Ungarn, hört man hier kaum reden, persönliche Erbitterung gegen Fürst Windisch-Grätz, den hohen Adel überhaupt, scheint die Ursache des Kampfes zu sein. Der Chef des provisorischen böhmischen Ministeriums, Graf Thun, soll gegen die am 12. Juni gefangenen Studenten, etwa 80, ausgetauscht worden seyn. aber weder von ihm, noch von der provisorischen Regierung etwas.(D. A. 3.) Posen. Man trägt sich mit dem Gerücht: die preuß. Regierung wolle sich durch einen neuen Maßregelwechsel die Gunst der Polen wiedererwerben. Kein einigermaßen mit den Verhältnissen Bekannter kann dies glauben. Das Verfahren des Ministe⸗ riums war einfach das, daß es anfänglich den Man hört — Polen mit Ungerechtigkeit gegen die Deutschen zu viel einräumte(Periode Willisen); und dann auch die deutsche Bevölkerung in ihren Rechten vollstän⸗ dig anerkannte, sie in Schutz nahm und organi⸗ sirte(Pfuel'sche Periode). Wenn nun ein Umschlag der Politik in der grundlos befürchteten Weise er⸗ folgen sollte, so stände ein neuer Bürgerkrieg bevor, denn der nunmehr unter den Waffen stehende Deutsche wird schwerlich von seinem guten Recht lassen. i Berlin. Für Ersetzung der drei Minister be⸗ zeichnet man: v. Usedom(Auswärtiges), v. Auers⸗ wald(Cultus), Grabow oder Pinder(Inne⸗ res).—— Aus dem Zeughaus wurden auch 1100 Zündnadelgewehre entwendet, deren Einrichtung bis⸗ her noch preußisches Geheimniß war. Paris. Unsere Socialisten hoffen von dem Ein⸗ tritt Considerants in die Assemblee die Errichtung eines Muster⸗ oder Probe-Phalanster auf Staats⸗ kosten in der Nähe von Paris, nachdem sie über das bei Oran in Afrika errichtete prosperirende Be—⸗ richte erhalten haben.—— Es ist allgemeine An— sicht, daß die Nationalwerkstätten bald aufgelöst werden müßten. Wieder wird ein Credit von 3 Millionen Franken dafür verlangt. Carl Düpin sagt, die Nationalwerkstätten kosteten jährlich zwei Mil⸗ liarden(also bei Tausen Millionen Gulden). Dieses Geld sollen die Handwerksleute herbeischaf— fen helfen, deren Gewerbe gerade durch die Natio⸗ nalwerkstätten zu Grunde gerichtet werden.(Seht, so geht's, wenn im Galopp socialistisch vorwärtsge⸗ schritten werden soll;— so sind gerade die eifrig⸗ sten Socialisten die gefährlichsten Feinde des Socia⸗ lismus. Solch' heillose Folgen, die nicht in der Sache selbst, sondern in übler und übereilter An— wendung der Grundsätze liegen, schaden dem So⸗ cialismuͤs in einem Maße, wovon Büchermenschen, Knaben, und Schwärmer die Menschen und Leben nach sich selbst beurtheilen, keinen Begriff haben können.) Die dienstpflichtige Maunnschaft von 1847 wird nicht einberufen.— Alle Forts um Paris sind von der beweglichen Nationalgarde und Linie besetzt. Italien. Alle Nachrichten aus Calabrien und Sicilien melden, daß man sich gewaltig rüste, um ein geordnetes Heer zu bilden und gegen Neapel zu ziehen. Ueber 200 Sicilianer seien über die Meerenge von Messina übergesetzt, hätten ein Ca⸗ stell erstürmt und sich mit den Calabresen vereinigt, um die königlichen Truppen im Lager bei Reggio anzugreifen. 4 Altenburg. Am 17. soll die Volkspartei auf den Rath der Juristen beschlossen haben, von Ei⸗ gengewalt abzustehen, und den Herzog in Frankfurt zu verklagen. Am 18. Morgens soll es aber doch 84 losgegangen sein wegen beabsichtigter Verhaftung der Führer der republikanischen Partei. Paris. Die Staatspapiere fallen.— Der Handel mit Lurusgegenständen stockt gänzlich.— Lamartine soll immer noch daran denken, sich aus dem Vollzie⸗ hungsrath zurückzuziehen. Mexico. Der Friedensvertrag ist noch nicht ge⸗ nehmigt; aber der zu Queretaro vereinigte mexicani⸗ sche Congreß soll sich damit beschäftigen. Aucatan(Mittelamerika). Die Indianer metzeln die Weißen nieder. Haiti. Die Mulatten werden von den Schwar⸗ zen niedergemetzelt. Die Mulatten hatten dem Prä⸗ sidenten der Republik Haiti eine Beschwerde über⸗ reicht. Als Antwort ließ er 80 von ihnen erschießen. (Darauf begann der Aufstand) Oregon. Krieg mit den Indianern Man hat die Hülfe der Hudsonsbay⸗Compagnie in Anspruch genommen. Neu⸗York. Die Demokraten werden für die näch⸗ ste Präsidentenwahl den General Caß unterstützen. Gallizien. Die Herzogthümer Anschwitz und Za⸗ tor, zwischen Krakau, preuß. und österreich. Schlesien und Gallizien, haben die Wahlen in den deutschen Verfassungsrath abgelehnt; sie gehörten der Geschichte und ihrer Nationalität nach durchaus zu Polen. Wien. Die englische Vermittelung in Italien soll angenommen sein. Grundlage: Freigebung der Lom⸗ bardei und eines Theils des Venetianischen, gegen Uebernahme eines Theils der österreichischen Staats⸗ schulden.— Der Kaiser soll in Innsbruck ernstlich erkrankt sein.— Auf die Nachricht, daß in Italien ein 6wöchentlicher Waffenstillstand geschlossen sei, stie⸗ gen die Papiere 6—7 pCt.— Treviso ist von Welden besetzt.— Padua hat sich ohne Schwertstreich an die Oesterreicher ergeben.— Die Lage der öster⸗ reichischen Truppen soll gleichwohl eine sehr üble sein. Venedig. Die Regierung von Venedig hat die Hülfe der franz. Republik ansgerufen. Berlin, 17. Juni. Graf v. Schreckenstein ist provisorisch zum Kriegsminister ernannt worden.— Bewaffnete Arbeiter versuchten, jedoch vergeblich, das Artillerie-Laboratorium zu überfallen. Drei große russische Lager ziehen sich dicht an der Gränze Posens(bei Kalisch) zusammen. Frankfurt. Der Bundestag hat die Regierun⸗ gen von Baiern, Sachsen und Preußen angegangen, Truppen bereit zu halten, für den Fall, daß sie zum Schutz Böhmens aufgerufen würden.— Die Rechte will in der Centralgewaltsfrage den Kampf wagen, und die Ernennung dieser Gewalt den Für⸗ sten in die Hand spielen.(Zum Heil Deutschlands bedürfen wir eben einer alles Mißtrauen tötender Maßregeln, und das kann diese Maßregel eben nicht.) Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen. S