1 0 * N * F N * 2 Hessische Volkszeitung. N 19. Dienstag, 20. Juni 1848. T ä g i ch erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 29 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer als besonderes Abonnement für 15 kr. vierteljährig abgezeben. Ein rückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. An den verantwortlichen Herausgeber der Hessischen Volkszeitung. Herr, Volkszeitungsschreiber!(so nannten Sie sich ja neulich), weun Sie gleiche Gerechtigkeit in eige⸗ ner Sache handhaben wollen, wie in Sachen Derer, zu deren Partei Sie sich angeblich zählen, so geben Sie dem Nachstehenden Raum in Ihrem„Sprechsaal.“ Die Volkszeitung versteht etwas Auderes unter „eonstitutioneller Monarchie“ als alle Welt thut; d. h. nehmlich die Aufsätze des Herrn Redactors. In sehr„herausfordernder“ Sprache docirt er uns seine Weisheit; er schließt auch gewiß, er habe uns Alle überzeugt, weil ihm Niemand in seinem Blatt (oder Blättchen) antwortet. Aber vergesse er nicht: Qui tacet non consentit! Es will nicht Jeder den Gassenredner machen. Der Einsender selbst fühlte bis dahin auch keinen Beruf dazu. Aber es sind auch Ungelehrte und Leichtgläubige, die wer⸗ den bei dem Stelzengang des Herrn Doctors viel leicht irre; für die ist es am Ort, hier Etwas zu sagen. 1) Unser Rechtsboden gegenüber dem des Hrn. Fischer. Wie uns Gott zum Zusammenleben bestimmt hat, hat er uns auch bestimmt, uns gegenseitig in unserer Freiheit zu beschränken. Aber wir haben den Trieb nach Freiheit, den dürfen wir nicht verkennen. Also geht die unfreiwillige Be— schränkung nur soweit, als die strenge Nothwen— digkeit es fordert. Das ist das nichtvertragswelse Naturrecht. f Nun kommt das zweite, das vertrags mäßige. Wir dürfen miteinander handeln; wir sollen es. Darum sollen wir auch halten, was wir aushan⸗ deln, d. h. die Verträge, die wir machen, sollen wir halten. Nun kommt das Dritte. Ohne Achtung des Rechts auf Erden wäre kein Frieden, keine Sicherheit, weder des Lebens, noch der Güter. Heiligachtung des Rechts ist daher erste und höchste äußere Pflicht. Will das die Volkszeitung läugnen? Will sie, so diene ste uns hiergegen mit Gründen, wir wolle ihr Logik de⸗ monstriren. 2) Folgen. Haben wir unsere Fürsten auf dem Wege der Unterdrückung erhalten? Wer sagt das von unserm Hessen?— Der bestehende Zustaͤnd ist da, ist aner⸗ kannt. Wer ihn bestreiten will, hat zu beweisen. Lese Hr. F. F. die Geschichte unseres Hessens(viel⸗ leicht besitzt er aus Pietät ein Eremplar der Hessi⸗ schen Geschichte von seinem verstorbenen Oheim, da kann er die gerechten Erwerbsgründe unseres Für⸗ stenhauses lesen.) Mögen nicht alle Hessischen Für⸗ sten große Männer gewesen sein; aber es zählen Männer darunter, auf die Hessen stolz ist, das in angestammter Treue sein Fürstenhaus und das gute Recht nicht verlassen will, so lange es von ihnen nicht verlassen wird. Tugend allein macht den achtbaren Bürger. Treue ist eine Tugendz also Treue dem angestamm⸗ ten Fürstenhaus ist eine ehrende Bür gerpflicht, denn sie ist Tugend. Das Fürstenhaus Hessen hatte die Obergewalt über Hessen, ehe wir entartetes Geschlecht geboren wurden. Freiwillig hat sich unser Großherzog Ludwig J. eines Theils dieser Obergewalt begeben, indem er einer der Ersten war, der seinem Volke eine Verfassung gegeben, nachdem es, vereint mit seinem Fürsten, die Bande der übermüthigen Neu⸗ franken gebrochen, welche Verrätherei uns in's Land führte. Freiwillig setzte sich unser Fürst mit dem Volk in Vertrag. Von seiner ererbten Ober— gewalt trat er ihm freiwillig ab. Freiwillig, das dürfen wir hoffen, werden Hessens Fürsten uns Alles einräumen, was zu besitzen wir reif find; man ist bereits darin vorgeschritten. Uns aber steht es an, an dem Vertrag fest zu hal⸗ ten, den wir als ein Geschenk unserer Für⸗ sten empfingen. Verträge sind heilig! Berathend mit dem Fürsten zu verhandeln, ehrenhaft fest zu halten an Dem, was er uns eingeräumt hat, woraufhin wir wieder versprochen, seine Rechte zu achten;— ehrenhaft an diesen Grundsätzen zu halten, Das ist wahre„eonstitutionelle Monarchie“,— das ist, was der vaterländische Verein zu seinem wahren Panier gemacht haben will.— Soviel für Diesmal. Ein Andermal werden wir mehr sagen, wenn an⸗ ders die Volkszeitung Sprechern in anderem Sinn, als ihr Redaktor, ihrer Ankündigung gemäß, das Wort will gestatten. Einstweilen noch die Frage: Wann war Preußen größer und stärker, als da es sich erhob, und mit Gott für König und Va⸗ terland gegen Deutschlands Unterdrücker in den Kampf ging? 8 Der Volkszeitungsschreiber freut sich, Gelegenheit zu haben, die Gründe einer von der seinigen ab⸗ weichenden Meinung veröffentlichen zu können. Hof⸗ fentlich haben seine Gegner noch weitere Gründe im Rückhalt. Er glaubt nehmlich, es wird ihm gelin⸗ gen, die vorstehenden in einem demnächstigen Auf⸗ satz zu widerlegen. Er bittet, daß alsdann die Re⸗ plik nicht dahinten bleibe. — Was zu thun, wenn die Russen einbrechen? Also die Republik sollen uns die Russen brin⸗ gen? Giebt es denn kein anderes Mittel für ein großes Volk, seine Größe und Freiheitsfähigkeit zu beweisen, als seine Fürsten fortzujagen? Einigkeit ist's, die uns noth thut, dann sind wir Manns genug gegen die Barbarenhorden. Der Geist der Freiheit ist's, der hundertfach überlegen macht gegen die Maschinen des Despotismus. Verräther ist, wer dem Feinde des Vaterlandes die Hand reicht; aber auch der ist Verräther, der Zwietracht säet und för⸗ dert, wann Einheit allein uns rettet. Vertrauen wir dem tüchtigen Sinn unseres Volkes, daß, so⸗ bald der erste Russe den Fuß auf deutschen Boden setzt, wir alle wie ein Mann zusammenstehen, hoch und niedrig, reich und arm, Fürst und Volk, den Erbfeind aller Freiheit und Cultur abzuwehren, und inzwischen unsern einheimischen Zwist bei Seite lassen. Läßt sich nicht erwarten, daß unsre souve⸗ ränen Vertreter zu Frankfurt, mit oder ohne die neue Centralgewalt, die sie aus ihrer Mitte zu schaf— fen im Begriff sind, dann ungesäumt alle wehrhaften Männer des gesammten Volkes aufrufen werde, das bedrohte Vaterland zu retten? Ist dann für einen Deutschen, der diesen Namen verdient, noch einen Augenblick zu zweifeln, was zu thun? Fühlen wir selbst in unserer Brust das Rechte, welcher Grund, den Reichen zu mißtrauen, daß ste Verräther sein würden, den Barbaren die Hand zu reichen. Und wenn sich denn, wie zu erwarten steht, das Volk einmüthig erhebt, dem Rufe zu folgen, läßt es sich denken, daß dann ein Fürst, eine Einzelstaatsregie⸗ rung, eine Faction, es versuchen würde, dem Vater⸗ landsfeind sich in die Arme zu werfen? Und sollte irgendwer so verblendet sein, dann hätte er sich selbst gerichte; denn— wir wiederholen es— keine Gewalt geht über den einmüthigen Wil⸗ len keines tapferen Volkes, das an Recht und Gesetz festhält. Drum wollen wir einmü⸗ . 4 thig sein und an Recht und Gesetz festhalten, an dem neuen Gesetz, dem neuen Recht, auf dem wir nunmehr fußen als auf festem Grund. Noch wol⸗ len wir vertrauen, daß die Zwieträchtigen, die gern ihren Einzelwillen über den unserer gesetzlichen Ver— treter setzen möchten, und Mißtrauen gegen sie zu predigen so bemüht sind, dann im Angesichte des Abgrundes, an dessem Rand das gemeinsame Va⸗ terland schweben würde, sich besinnen und der all⸗ gemeinen Erhebung sich anschließen werden. Und thäten sie das nicht, das Volk würde in richtigem Instinct, in gerechtigem Zorn auch die Faction be⸗ wältigen, die es hemmen wollte, das Eine, was noth thut, zu ergreifen. Darum weg mit unzeitiger Verdächtigung! Fassen wir lieber den großen Ent⸗ schluß, der einzig eines großen Volkes würdig ist, die Freiheit durch Einmüthigkeit zu bewähren, und für alle Fälle mit unsern gesetzlichen Vertreten zu stehen! Dann, im Bewußtsein unsrer Eintracht, unsres Rechtes und unsrer Kraft werden wir jeder Gefahr gewachsen sein.. „ Der vorstehende Aufsatz ist durch einige Zeilen unserer Nr. 17 hervorgerufen. Dort ist aber, was vorstehender Aufsatz außer Acht läßt, vorausgesetzt, daß unsere Großen und Reichen den Rus⸗ sen die Hand reichen.(Dahin gehört auch, wenn sie den bloßen Schein, Dieß zu thun, auf sich laden, denn vollständige Beweise lassen sich in solchen Dingen nicht abwarten; zu Vorbeugungsmitteln ge— nügt schon Verdacht.) f Ja! wenn wir Deutsche einmüthig zusammenste⸗ hen,— von Führern geleitet, die für unsere Sache nicht lau sind,— das Bewußtsein im Rücken, daß während wir Rußland vor uns bekämpfen, hinter uns sein Geist nicht umherspuckt;— ja! dann wer⸗ den wir auch mit unsern Fürsten Rußland besiegen, wie wir Napoleons Heere besigt haben unter den Fürsten. Aber—— Napoleon war die Zuchtruthe unserer Fürsten; was hingegen die Russen betrifft, so kann es sein, daß einzelne Fürsten sie als etwas ganz Anderes betrachten. So glauben wenigstens Viele. Würde Rußland wagen, so an die Gränzen zu rücken, wenn ihm die Fürsten erklärt hätten: Weg von den Gränzen; Rußland soll in Deutschland keine Ordnung schaffen; eher räumen wir selber unsere Throne, als daß russische Hand sie halte! Hätten die Fürsten also gesprochen, Rußland hätte kaum die Gränzen bezogen. Aber wir haben diesen Geist aus den Fürsten noch nicht vernommen. Die Festung Thorn an der Weichsel wird schleunigst gerüstet, das ist Alles, was wir bis jetzt noch erfahren. Warum bluten Deutsche in Italien? Warum giebt man Italien nicht frei in den Bund mit seinen Brü— dern.„Für Lothringen, für Brabant und Flandern eingetauscht!“ sagt man!.. sagt man vielleicht auch da, wo den Volksrechten ihre Heiligung zugesprochen werden soll!l Aber: wer durrft Italien an Oesterreich verhandeln?— Man ruft jetzt: Frechheit der Italiener, die eine Bundeshafenstadt(Triest) sperren! Wenn die Oester— reicher, die in Italien fallen, nicht als Bundestrup⸗ pen fallen, so ist auch Triest nicht als Bundesha⸗ fenstadt, sondern als österreichischer Hafen gesperrt. Gebe Oesterreich Italien frei, wenn man Ver— trauen von den Völkern verlangt.(Sind gerechte Geldsachen zu regeln, so regle man sie, und halte bis dahin die Festungen als Pfänder.)— Wir müssen den Fuß an dem adriatischen Meer behalten! sagt man. Gut; halte man Triest; Lom⸗ bardei und Venedig sind dazu nichts nütze. Halte man Triest, wenn und dann auch weil uns die Natur darauf angewiesen hat. Es ist auch illy⸗ rischer, nicht italienischer Boden, seine Größe ist Oesterreichs Schöpfung; es wird ihm gerne ver— bleiben.— Auch ist noch Fiume da. Sende man, wenn man Vertrauen verlangt, ein mächtiges Heer nach Schleswig-Holstein, und ver⸗ breite es über Jütland. Lasse man Jütland bezah— len, was Dänemark uns zur See schadet; dann knirscht der Deutsche nicht mehr, daß er der Spott seiner Nachbarn ist; dann wird Vertrauen zu seinen Fürsten wachsen und blühen. Wir könnten noch weiter spinnen, wo es liegt, daß das Volksvertrauen zu den Fürsten so schwach ist. Aber wir müssen heut kurz sein. Fi F. Aufforderung zu gleicher Elle. Vogt machte in der N.⸗V. den Antrag: Die Na⸗ tionalversammlung möge beschließen: bis die Rege⸗ lung der diplomatischen Beziehungen Deutschlands im In- und Auslande durch die Nationalversamm⸗ lung erfolgt sein wird, macht dieselbe sämmtliche Regierungen der Einzelstaaten Deutschlands für die Schritte und Handlungen ihrer Gesandten verant⸗ wortlich und verlangt, daß die Gesandten einzig und allein mit den verantwortlichen Ministern der Ein- zelstaaten diplomatischen Verkehr pflegen. Zu Begründung seines(und Zimmermann's) An⸗ trags bemerkle er alsdann: „Die Sache sey dringend, weil neben den ehrli⸗ chen Ministern in Deutschland noch eine Camaqrilla bestehe. Wenn man zugebe, daß die Gesandten mit der Camarilla und den Hofschranzen unterhan⸗ deln, statt mit den verantwortlichen Ministern, dann lasse sich das Resultat voraussehen.“ Graf Wartensleben fragte: ob Vogt Beweise habe, daß in Innsbruck Etwas ohne Zuziehung des 75 5 constitutionellen Ministeriums in Wien und Berlin geschehe? Vogt führt gegen Wartersleben, der Beweise gefordert, die Zeitungs nachricht an, daß der preußische Gesandte, Graf Schulenburg, den Kö— nig von Neapel wegen seines Sieges über das Volk beglückwünscht habe. Vogt berief sich also hier auf eine Zeitungs- nachricht, Zeitungsnachrichten sind aber bekannter⸗ maßen(leider und auch glücklicherweise) nicht alle wahr. Aus einer so wenig sichern einzelnen Thatsache zog er aber einen weitergehenden, allge— meineren Schluß.— Vergleichen wir nun: Ich führte neulich eine Thatsache an, die ich mit eignen Ohren gehört habe,— die also keine Zeitungsente sein kann, die ein Theil einer offenkundigen(notorischen) allgemei⸗ nen Thatsache ist, nehmlich der allgemeinen That⸗ sache; daß es aller Orten Einzelne Liebt, die eine Republik des Theilens und Plünderns möchten. Dieß wurde von Herrn Registrator Herzberger ün⸗ fam genannt.(Er schob mir dabei noch mehr un— ter, als ich gesagt hatte, ich denke aus Uebereilung; indeß hat er Dieß bisher nicht erklärt.) Will nun Herr Herzberger für Alle gleiche Elle halten, so muß er Herrn Vogt mindestens ein„schauderhaft infam“ hinbrummen. F. F. Butzbach. Die gestern(Sonntag den 18.) hier abgehaltene Volksversammlung war von etwa 5000 bis 6000 Menschen besucht. Die Stadt war festlich geschmückt; die deutsche Fahne flatterte von allen Häusern, theilweise mit dem deutschen Reichsadler; die hessische Fahne sahen wir nur an zwei Orten. Die Häuser waren mit Blumen und Laubgewinden geziert. Gesprochen wurde eigentlich nur im repu⸗ blikanischen Sinn. Der Beifall wurde den Rednern mehr nur von einzelnen Gruppen gespendet, als von der großen Versammlung. Die Dorfgemeinden wa⸗ ren mit der Trommel voran aufgezogen. Die Gam⸗ bacher hatten ihre Jugend(die Knaben) mit hölzer⸗ nen Spießen bewehrt, sie zog militärisch auf. Die Turner bildeten ebenfalls einen geordneten Zug. Es sprachen Götz und Hillebrand(Sohn) aus Gießen für Hecker's Einberufung zur N.-V. Prof. Vogt: gegen Uebergabe der ausführenden Gewalt Deutschlands an drei(unverantwortliche liche) Fürsten, u. gegen eine un verantwortliche Behörde überhaupt. A. Becker aus Gießen: für Steuerverweigerung, als Zwangsmittel, die Volkszwecke zu erreichen, (nicht zu verstehen, als ob man in der Republik steuerfrei sei));— ferner für sofortige Bürgerwehr, für solange die Zeit eine außerordentliche sei,(Land- wehrplage auf ewig wolle man ja nicht);— ferner wegen der übermäßigen Ländereien der Reichen, die in die Hände Derer gehörten, die sie selbst bearbei⸗ ten wollten.(Der Markstein! der Markstein!) Pfr. Steinberger zu Grünberg sprach über Volksbewaffnung, wobei er den Beutel der Reichen in Anspruch nimmt.(Nun den seinen auch!) Vogt tadelte die Stockpreußen, Stockbaiern ꝛc. in der N.⸗V., die man theilweise die Siebenschlä⸗ fer nenne, und die nur zum Stimmen im unvolks⸗ thümlichen Sinn wach seien. Vikar Knotz zu Butzbach sprach allgemein ge⸗ halten, doch in republikanischem Sinn.(Warum bleibt er denn noch geistlicher Herr?) Ebenfalls sich allgemein haltend sprach Rector Allgeier zu Butzbach. Man sah auch mancherlei Kopfschütteln.— Wir werden wohl nächsten Sonntag hier in Gießen die Fortsetzung dieser Versammlung haben. Tagesneuigkeiten. Darmstadt. Der Landtag wird nicht aufgelöst werden, sondern soll die Berathung der nothwendi— gen neuen Gesetze fortsetzen. Wiesbaden. Bei Verlesung eines Gesetzesent⸗ wurfs in der Kammer stellte ein Abgeordneter den Antrag, das„von Gottes Gnaden“ hinter dem Namen des Herzogs wegzulassen. Nur drei Stimmen waren dagegen. Der Antrag des Regierungscommissairs, hiervon abzustehen, wurde durch ein vielstimmiges Nein beseitigt. Die Lehrerversammlung, die hier gehalten wurde, will Befreiung der Lehrer von Vormundschaft der Geistlichen; Abschaffung der lateinischen Titel der Lehrer; keine Treunung der Schulen nach dem Religionsbekenntniß. Verona. Die österreich. Berichte gestehen, daß die Einnahme von Vicenza große Opfer gekostet hat; 5000 Mann päbstlicher Truppen zogen ohne Waf⸗ fen mit klingendem Spiele ab). Man rückt jetzt gegen Padua(in der Mitte zwischen Vicenza und Venedig, und ebenfalls an der Straße zwischen Mai⸗ land und Venedig).— Laut Mailändischer Nachrich⸗ ten werden die Piemontesen nächstens das feste Ve⸗ rona angreifen. Pesth. Die Serbier sind wieder im Aufstand, und 800 Mann in Ungarn eingefallen. Berlin. Es sollen zwei Bataillone Landwehr hierher gerufen werden. Innsbruck. Ein päbstlicher Gesandter reist mit einem besondern Auftrag nach Frankfurt. München. Wir hatten am 15. Abends Cra⸗ wall wegen des Bierpreises. 76 Hannover. Am 13. Juni war hier eine Hand⸗ werkerversammlung, worin der Handwerkerstand des ganzen Königreichs zahlreich vertreten war. Es wurde eine Zuschrift au den deutschen Verfassungs⸗ rath beschlossen. Man will namentlich keine soge⸗ nannte Freiheit der Gewerbe, sondern Zunftform, ferner Schutz der Städte im Besitz der handwerks⸗ mäßigen Gewerbe.(Letzteres wird schwerlich in gu⸗ ten Hafen gelangen.)— In der Niedergrafschaft Lingen soll man begehren, daß Kirchen, Pfarr⸗ häuser und Kirchenvermögen dortiger protestautischer Kirchen den Katholiken überwiesen werden. Heidelberg zählt eben nur 564 Hochschüler. Frankfurt. Die Eisenbahn von Sachsenhausen nach Offenbach ist dem regelmäßigen Betrieb über— geben. Weimar. Die Wollenpreise stellen sich ein Drit— tel niedriger als im vorigen Jahr. Rendsburg. Die Dänen holen ihre Truppen von der Insel Alsen weg, um sie unfern der füt— ländischen Gränze unsern Truppen gegenüber zu stellen. Leipzig. Fürst Windische-Gräz hat mit dem Militär Prag verlassen, und sich mit demselben auf den Bergen aufgestellt, um von da aus die Altstadt zu beschießen. Es sind große Gräueltha⸗ ten verübt worden. Einem Papierhändler wurde das Haus verwüstet, und er an das Holz seines Hauses angenagelt, weil er als Nationalgardist zwei Studenten erschossen. Prag ist fürchterlich verwüstet. Altenburg. Es haben Ruhestörungen statt ge⸗ funden. Das Schloß wird von der Bürgerwehr bewacht. Schleswig ⸗Holstein. Dänen gegenüberstehenden 40000 Mann berechnet. Paris. Louis Napeleon Bonaparte hat seinen Sitz in der Nationalversammlung aufgegeben, um nicht Grund von Unruhen zu sein. Perpignan. Wir hatten ernste Unruhen die auf Plünderung abzielten. Pesth. In der Caserne, in welcher 1 Regiment Italiener und auch ungarische Garde lag, war eine ernste Meuterei. Mehrere Mann sind getödtet. Die Italiener sind entwaffnet, und nach der Festung Co— morn gebracht worden. Italien. Die Oesterreicher haben Treviso(8 Stunden nördlich von Venedig) eingeschlossen. Berlin. Die Nachricht soll angelangt sein, daß in Hamburg eine nordamerikanische Flotte von 34 Segel in Sicht sei, um die von den Dänen ge⸗ nommenen Schiffe zu befreien. Die Minister v. Schwerin, v. Arnim und v. Ca⸗ nitz haben ihre Entlassung begehrt. Die sämmtlichen den Truppen werden auf Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl l, in Gießen.