1 Hessische Volkszeitung. 5 17. Sonntag, 18. Juni 1848. ä⸗ i Täglich 90 1 e IE nn!!! Selle Ge n ar 1 nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungsexpeditionen an. h⸗— 9—— 71(Correspondenz.) Nachdem die, wenigstens in die Verdächtigung, die Verunglimpfung der Versamm⸗ it⸗ der großen Mehrzahl ihrer Mitglieder, aus dem Wil⸗ lung selbst, die Denuntiation der anders denkenden 15 len des Volkes und seiner innersten Ueberzeugung Mutglieder vor dem Volke als Verräther an seiner 1 hervorgegangene Nationalversammlung in Frankfurt heiligen Sache, um so die moralische Kraft der Ver⸗ mit jedem Tag mehr und mehr den Beweis liefert, sammlung selbst zu schwächen.— Was hiermit bezielt bst daß sie den großen, mitunter unermeßlichen Schwie⸗ wird, muß Jedem klar sein, der das ganze bishe⸗ 15 rigkeiten, welche der Sturz der Ereignisse ihr entge- rige Gepaben jener Männer mit nur irgend vorur⸗ es genstemmt, völlig gewachsen ist, und allen gerechten, theilsfreien Blicken verfolgte; noch deutlicher aber wird nur die wahre Freiheit und Größe des Vaterlandes es werden, wenn man die Mittel etwas näher be⸗ . bezielenden Erwartungen entsprechen wird; kann es trachtet, die man hierzu nicht scheuet, wozu sogar natürlich nicht befremden, daß eine Anzahl von Män⸗ das eifrigste Bestreben, den Provinzialhaß in Deutsch⸗ 5 nern, zum Theil selbst Mitglieder der Versammlung, land, namentlich gegen Preußen, wieder anzufachen ich deren ganzes Streben nach allen seinen Aeußerungen gehören, und wobei man zugleich die Absicht zu ha⸗ e⸗ bisher mehr die Befriedigung eines frevelhaften Ehr ben scheint, den Keim jeder Einigkeit zu zerstören, rd geizes, als die Begründung des wahren Vaterlands⸗ die bestehende Uneinigkeit zu fördern, um dann im Jer wohles bezweckte, nun in ihren Hoffnungen und Tlüben einen guten Fischfang zu halten.— Zu je⸗ 5 Plänen getäuscht, Alles aufbietet, um diesen Gang ner Betrachtung findet sich eine gute Gelegenheit in ti⸗ der Versammlung zu behindern, oder, wo dieses nicht einer Correspondenz(des Hr. Vogt?) in der von 4 möglich ist, die moralische Kraft und die hierdurch Vogt mitredigirten„Freien Hess. Zeitung“, in der ** 5 allein bedingte Wirksamkeit der Versammlung zu nur Eines der Klugheit des Correspondenten einiger⸗ 22 schwächen.— Das erste Experiment, die Versamm⸗ maßen zu gut kommt, daß er nicht nämlich abermals, wie pf. lung von dem betretenen Pfade durch Hereinziehen früher, oft die amerikanische Verfassung, die nordame⸗ 11 von Zwischenfällen, Aufregen der Leidenschaften ab⸗ rikanische Constituante falsch eitirt.— Wahrlich, man lm zulenken und sie, indem man ihr Dinge unterbreitet, weiß nicht, worüber man in diesem Machwerk am r die vor der Hand den einzelnen Regierungen vorbe⸗ Meisten erstaunen soll, ob über die Trivialität der ö halten bleiben müssen, nach und nach zum Vielre⸗ Redensarten„oder über ihre Perfidie,— ob über 35 gieren zu verleiten, wodurch sie wieder sensim sen- das künstliche und feine Entstellen der Thatsachen, 8 simque zur provisorischen Regierung selbst geworden oder die Effronterie, mit der solches geschieht,— ob 110 wäre, scheiterte, wir wissen es, an dem klaren Er⸗ über die maßlose Verunglimpfung von Männern, wie 75 kennen ihrer Befugnisse seitens der Versammlung Eisenmann, die ihr Leben lang kein Opfer im Dienste 15 selbst; diese war zu sehr überzeugt, daß, obgleich der Freiheit und des Volkswohles gescheut, oder über 25 ihre eigentliche Aufgabe die Berathung und Feststel⸗ die Unbescheidenheit, mit der jene Verunglimpfung gt. lung des Reichsgrundgesetzes, sie deßhalb doch durch durch solche Männer ausgestreut wird, denen es em die Ereignisse selbst ebenso sehr befugt und verpflich⸗ Yvielleicht nicht zu niedrig war, bei dem vorigen Sy⸗ für tet sei, auch andere, für ganz Deutschland we⸗ stem um eine Professur wahrhaft zu betteln, oder r sentliche Dinge ihrer Entscheidung zu unterbreiten, als ihre politische Ueberzeugung völlig darum zu verläug⸗ as es ihrer Wirksamkeit fremd, ihre Würde und ihren nen;— ob über den politischen Unverstand, die 1a Endzweck beeinträchtigend sein müsse, sich in Einzel⸗ Nationalversammlung in ihrer moralischen Kraft, heiten zu mischen und den Polizeistab zu schwingen. von der allein Heil zu erwarten, schwächen zu wol⸗ ch⸗— Dies Experiment war völlig gescheitert: man len, oder über die Motive, welche allzudeutlich die⸗ zen konnte aus dem Zetergeschrei jener Männer sich über⸗ sem Verfahren zu Grunde liegen;— ob über den gen zeugen, daß sie hier keine Hoffnung hatten. Sie totalen Mangel an wirklichem Freimuth, dessen er⸗ den mußten zu einem andern Muͤtel ihre Zuflucht neh⸗ stes Zeichen ist, daß er auch die andere Ueberzeugung ach men.— War das erstere ein Kunstgriff, so ist das ehrt, oder über den offen zur Schau getragenen 50 nunmehr versuchte ein Kniff im wahrsten Sinne Terrorismus, mit dem man sich nicht scheut, jede ke⸗ des Wortes, denn es bezweckt nichts Anderes, als andere Meinung und Ueberzeugung mit Füßen zu 7 66 1 Nachrichten lesen, und lesen treten und der den besten Vorgeschmack davon liefert, wie diese Herren, sollten sie je zu Einfluß kommen, das Volk nach dieser ihrer allein selig machenden? Ueberzeugung? tractiren würden;— ob über die Art und Weise, mit der man das Volk zu bethören sucht, oder über den Unverstand, daß man dem Volk so wenig Verstand zutraut, um zu hoffen, es auch uur auf einen irgend nennenswerthen Zeitraum die⸗ ser Art leiten und reiten zu können— ob über die Kühnheit der Unterstellung selbst, als seien diese von so Wenigen vertretene Ansichten die des ganzen Vol⸗ kes, oder über die Selbstüberschätzung, mit der jene Unterstellung der unendlichen Mehrzahl des Volkes gegenüber gemacht wird— Doch genug hiervon; es wird genügen, dieses ganze Getreibe nur einmal nach seinem wahren Wesen bezeichnet zu haben, um dem Volk die Augen zu öffnen.— Möge es nur sich vorsehen, das„lange gerittene und geknebelte Volk“, wie einst Hr. Vogt sich ausdrückte, das bis⸗ her so willig dem Gewaltzügel seiner Machthaber folgte, daß nicht die Herrn Agitatoren es an einen Kappzaum nehmen, wozu sie bereits die besten Be⸗ strebungen zeigen, und mit der viel feineren Halfter der Schmeichelei, der Vorspiegelung und leerer Ver⸗ sprechung in seinen Sack, des Haschens nach seiner Gunst, der Verdrehung, Unwahrheit und Lüge, der elendesten Dankverdienerei, es viel cempletter zurei⸗ ten, weit feiner, aber desto erfolgreicher nach ihrem Willen lenken, als es den früheren Reitern jemals möglich war.— Mögest du ja dich vorsehen, du früher und abermals gerittenes Volk, daß du nicht, statt früher mit Zornesgischt, nun mit Bürgerblut in die Zügel schäumen mußt, um dich zu befreien von der Faust, welche dich in unsägliches Elend ge⸗ führt hat. Neidhardt. Wer mich nicht begreift. Ich höre zuweilen noch, man begreife mich nicht. Nur Die können mich nicht begreifen, die nur Eine Art von Fürstenthum denken können, nehmlich das⸗ jenige Fürstenthum, das eine Art Eigenthumsrecht ist, das s. g. Fürstenthum von Gottes Gnaden;— die ferner nicht begreifen können, daß die vor uns Lebenden die angebornen Rechte Unserer und der noch Kommenden nicht vergeben konnten. Die kön⸗ nen natürlich das volksthümliche Fürstenthum nicht begreifen. Auf der andern Seite können mich die nicht be⸗ greifen, welche das Anwendbare nicht vor Augen haben, sondern Das, was gemahlt am Schön⸗ sten aussieht. Das ist, allerdings die Republik. Ist sie aber heute anwendbar? Sie rufen Ja; weil sie die Menschen überhaupt, und die Menschen in Deutschland nicht kennen; weil sie nur einseitige Beider Art Die Cur schlägt meist Aber es ist eine Pflicht, sie gleich⸗ und ein rechter Mann thut seine Pflicht, wenn er auch spottwenig damit ausrichtet. wollen. Leute sind schwer zu heilen gar nicht an. wohl zu versuchen, Den Leuten zu zeigen: die Republik sei grundsätz⸗ lich die richtigste Staatsform, ist so leicht, wie zu beweisen, daß Zwei mal Zwei Vier sei. Und doch sagt Euch jeder Landwirth, jeder Geschäftsmann, daß es nicht immer Vier ist, daß im Leben Fünfe oft grad ist. N F. F. Der juristische Scharssinn hat mich, wie er glaubt, in der Schlinge; er hat mich in einem Widerspruch ertappt. In welchen? Ich wolle erbliches Fürsten⸗ thum, das aufhöre, sobald es der Volkswille aus⸗ spreche. Ja, das will ich; eine vom Volkswillen abhängige Erblichkeit, die also aufhört, wenn sie der Volkswille ferner nicht mehr bestehen lassen will. Das ist keine unbedingte Erblichkeit, sondern eine bedingte. Das ist auch das Einzige, was mit der Selbstherrlichkeit des Volkes, der Volks⸗ souveränität, verträglich ist. Ich kenne auch unsere Logik; und darum frage ich Euch, Unverbesserliche! reünt Ihr mir einmal die unbedingte Erblichkeit des Fürstenthums mit der Votkssouveränetät, aber reimt sie mir richtig! Dann zieh' ich vor Euch den Hut ab. Nur wenn ihr das Volk für ewig unmün dig erklärt, läßt sich eine ewig erbliche Vormundschaft desselben nothdürftig begründen. In Frankfurt ist die Volkssouveränetät anerkannt; hier bei uns macht sich ein Haufe von 100 Köpfen als Souverain geltend. Geht doch heraus und zer⸗ stäubt ihnz und dann sagt mir: thatsächliche Selbst⸗ herrlichkeit des deutschen Volks besteht für heute noch nicht. Dann will ich über den Rechtspunkt mit Euch fechten. Habe ich Euch nicht schon in der Volkszei⸗ tung meinen Boden entwickelt? Warum antwortet Ihr nicht? Ihre Spalten sind allen Meinungen of—⸗ fen. Schweigen in Dem, was man recht glaubt, ist heutzutag Sünde; darum redet, wenn Ihr recht zu haben vermeint. 24. Wird das Volk als Ganzes ewig unmün⸗ dig bleiben. Ihr, die Ihr ja sagt, Ihr haltet Euch doch für mündig? Fragt Euch einmal, was Ihr wäret, wenn Ihr ohne Erziehung geblieben, oder wenn man Euch nur verdummend erzogen hätte! Kaum viel mehr, als die Leute des Volks, die ihr für ewig unmün⸗ dig erklärt.— Nun fragt Euch weiter: wenn man Euch nur verständig unterrichtet, nicht mit einfältigen Aufgaben, mit unnützen Dingen geplagt hätte, wie viel Zeit wäre dann bloß nöthig gewesen, Euch SFF r ür in r, an en bie ich richtige Ansichten über Staat und Menschenleben beizubringen?— Glaubt sicherlich, der Mensch kann mit wenigen Kosten vernünftig gebildet werden; Gott hat nicht gewollt, daß die Mehrzahl der Menschen ewig des Lichts der Vernunft baar sei. F. F. Volksversammlung, Freitags den 16. Juni, im Busch'schen Garten zu Gießen. Vorsitzer: Prof. Zamminer. Schriftführer: G. Noll. Verhandlungen: 1. Ueber Redefreiheit und Ordnung in Volksversammlungen sprach in ernster, die Eigenliebe der Versammlung nicht schonender Weise Dr. Cramer; nach ihm noch Andere. 2. Dr. Fi⸗ scher, dessen politisches Wirken in der Schweiz in voriger Volksversammlung verdächtigt worden, be⸗ gehrte Entscheidung über seinen damaligen Antrag auf Bestellung eines Ehrengerichts zu Untersuchung dieser Sache. Trete man nicht ein, so sei er als gerechtfertigt anzusehen; denn eine bestrittene That⸗ sache, die man nicht untersuchen wolle, dürfe man nicht für wahr annehmen. Es wurde auf sei⸗ nen Antrag nicht eingetreten. 3. Hr. Homberger stellte den Antrag auf Verstärkung des Gießener Stadt⸗ raths durch einen Ausschuß von 30 Bürgern; Dr. Vogel empfahl 45. Beschlossen wurde: die Com⸗ misston, die schon früher den Gemeinderath angegan⸗ gen, die Polizei an die Hand zu nehmen, solle ihn angehen, wegen dieser Sache das Angemessene ein⸗ zuleiten. 4. Prof. Vir beantragte eine Commission, die sich mit allen Gemeinden des Landes in Ver⸗ bindung setzen solle, um vereint mit denselben bei dem Regenten auf Aufhebung des gegenwärtigen Landtags zu dringen. Wurde angenommen und die Commisston ernannt. 5. Dr. Koch hielt einen war⸗ men Vortrag für deutsche Auswanderung in zweck⸗ mäßiger Gestalt. Er wurde dahin bekämpft, daß Deutschland im Augenblick seine Kraft auf Herstel⸗ lung seines neuen Zustandes zu verwenden habe, und daß es noch Mittel besitze, seine Bevölkerung, und noch weit mehr, wohl zu ernähren. Ein eigent⸗ licher Beschluß wurde nicht gefaßt. 6. Registrator Herzberger beantragte Maßregeln für Herbeischaffung von Waffen für die Bürgerschaft. Damit wurde ein Antrag von Heyer, Sohn, in Verbindung ge— bracht, der sich auf gleichen Gegenstand bezog. Be—⸗ schluß: die wohldenkenden vermögenden Bürger sol⸗ len um Geldbeiträge angegangen werden; da man nur so gegen Reaction und gegen Anarchie stehen könne.(Mehrere hiesige Bürger haben sich schon zu nahmhaften Beiträgen bereit erklärt.) Fernerer Beschluß: die gegen 600 fl. betragenden Spenden für die Bürgerfahne, mit Einwilligung der Geber und Geberinnen, nachdem eine weniger kostbare Fahne angeschafft sein wird, für Waffenanschaffung zu ver⸗ 67 * wenden. Dazu wurde beantragt, die Waffen in Gießen verfertigen zu lassen, was mit ungetheiltem Beifall aufgenommen wurde. Die vorbemeldte Com⸗ mission wurde sogleich ernannt. 7. Schließlich wurde eine eben angelangte Flugschrift verlesen, die die Ge⸗ fahren zeigt, welche die neue Freiheit bedrohen, und in begeisterter Sprache die deutsche Nationalversamm⸗ lung aus ihrer bisherigen Haltung in eine den An⸗ forderungen der Zeit entsprechende emporheben will. Sie ist sehr geeignet, die Unentschlossenen auf Seite der Linken zu ziehen, deren Losung— Republik, weil oder wenn Anderes uns nicht mehr retten kann. 5 Die Haltung der letzten hiesigen Volksversamm⸗ lung war im Ganzen eine ruhige, wenn schon theil⸗ weise sehr begeisterte. Der Präsident beherrschte jederzeit noch die Versammlung. Die einzige bemer⸗ kenswerthe Störung beruhte auf der Laune(Hu⸗ mor) eines Mannes von Bildung, welcher vom Vor⸗ sitzer und mit Mehrheitsbeschluß verhindert worden war; eine Rede zu beendigen, die vom Gegenstand der Behandlung abwich.(Eine starke Minderheit begehrte die Rede zu hören.)— Zu bemerken ist, daß Redner von Bildung den Communismus für eine besondere Staats form ansehen. Dieß ist durch⸗ aus nicht der Fall. Ein communistischer Staat kann ebensowohl monarchische, als republikanische Staats- form haben.— Weiter hält man hier Communis⸗ mus und Socialismus für gleichbedeutend, wäh⸗ rend sie anderswo streng unterschieden werden und zu unterscheiden sind. Der Communismus erkennt nicht an, daß die Erzeugnisse menschlichen Fleis⸗ ses vollständiges und alleiniges Eigenthum der Er⸗ zeuger sein sollen.— Es würde von einem Redner für Infamie erklärt, daß die Volkszeitung sage:„Ich „sage Euch aber, Mitbürger! ich habe in Gießen „schon einzelne Stimmen gehört, die nach die⸗ „ser Republik schrieen.“(Rehmlich der Republik des krassen Communismus, des Theilens und Plünderns.) — Es weiß Niemand viel besser, als der verantw. Herausgeber der Volkszeitung, daß auch unter Lum⸗ pen edle Herzen schlagen. Aber er hat Jahre lang im Durchschnitt wöchentlich drei(im Ganzen etwa 900) Criminalprozeduren gelesen; er weiß daher auch, welche Verworfenheit auf der Welt ist. Er hat nicht für möglich gehalten, daß Jemand, der sich zur re⸗ publikanischen Partei zählt, für Alle, die sich dahin zählen, einstehen und dafür kämpfen wolle, daß sich kein räutiges Schaaf dabei eingeschlichen habe. Dinge, welche mit tausendjährigen Erfahrungsregeln über⸗ einstimmen, brauchen nicht besonders bewiesen zu werden. So der Satz: Es giebt Menschen, die un⸗ ter Umständen zum Plündern geneigt sind.— Man hört öfters Aeußerungen, über die man nicht glaubt, grade rechtlichen Beweis aufnehmen zu sollen. Man kann es oft nicht.— Wenn man nun aufträte und sagte: Verfasser der Flugschrift, deren Worte die letzte Versammlung in Gießen im Innersten erschüt⸗ terte, beweise uns die volksverrätherischen Absichten, die Du den Großen unterlegst, wo hast Du solches gehört? Gieb den Ort an! Du bist sonst infam! Was würde der uns wohl erwiedern?!— Eine un⸗ erlaubte Verdächtigung ist in der Versammlung ge⸗ fallen, die der Rüge bedarf. Sie betrifft die Herrn Schwarz und Loschon. Man fragte:„ob sie es in Heyer's Garten gesagt hätten, daß es Republi⸗ kaner des Theilens und Plünderns gebe.“ Sie haben keinen Fuß in Heyer's Garten gesetzt. Sie selber denken an kein Theilen und Plündern. Schwarz ist kein Communist in dem Sinne, wie ihn die Wis⸗ senschaft versteht, sondern ein sehr gemäßigter So⸗ cialist.— Wem das Volkswohl am Herzen liegt, kann sich mit Leuten jeden Berufs und jeder Bil⸗ dungsstufe in guter Absicht unterhalten, und kann aus diesen Unterhaltungen manchen Nutzen ziehen, den er aus Büchern nicht zieht. Noch ein Wort über Republik. Brechen die Russen bei uns ein, reichen ihnen unsere Großen und Reichen die Hand,— dann kann uns nichts ret⸗ ten, als Republik, und Unterdrückung jeder andern Meinung bis nach dem Kampf. (Wir müssen uns ihr in die Arme werfen, sobald ein genugsamer Grund da ist, solches zu glauben.) Republik allein wird das Fieber entzünden, in wel⸗ chem das Volk seine äußersten Kräfte anspannt, fast übernatürliche Kräfte entwickelt. Ob nach verlaufe⸗ nem Fieber diese Staatsform dann bleibt, ist Ge⸗ heimniß der Zukunft. Es kann sein, es kann feh⸗ len. Aber wenn Rußland nicht angreift, wenn die Großen und Reichen die Zeit nicht verkennen, dann glaube ich das Heil der nächsten Zukunft in volks⸗ thümlichem Fürstenthum zu finden. Dieß ist im We⸗ sentlichen auch die Meinung der Linken(im Ge⸗ gensatz der äußersten Linken) in Frankfurt. F. F. nVVVVSVFCCCTCCCCTCCCC(CCTTTTTTTTTT Am 1 6. Juni des Nachmittags gegen 3 Uhr verstarb nach einem Unwohlsein von wenigen Stunden Se. Königl. Hoheit Ludwig II., Großherzog von Hessen, geboren 1777, regie⸗ render Großherzog seit 1830. Tagesneuigkeiten. Paris. Man widersteht den Emeuten.— Die Bonaparte schen Umtriebe finden keinen Anklang. 68 „Straßburg. Die Zulassung von Louis Napo⸗ leon Bonaparte in die franz N.⸗V. ist am 13. d. M. beschlossen worden, und sop it jede gerichtliche Ver⸗ folgung desselben aufgehoben. Ledru-Rollin war ge⸗ gen die Zulassung.— Die Papiere sind gestiegen.— Bei Paris, Cyon und im Alpenlager sind große Trup⸗ penmassen zusammengezogen.— Die Deutschen, welche aus Baden nach Frankreich geflüchtet sind, sollen mit bitterer Noth zu kämpfen haben. Neapel. Im Palast sucht man rückwärts zu steuern. Es wird daher zu neuen verzweifelten Kämpfen kommen. Die Provinzen sind keineswegs ruhig. Krone und Minister halten endlose Bera⸗ thungen ohne Ergebnisse. Oesterreich. Die Allg. Oesterr. Zeitung mahnt Deutschland zum unverweilten kräftigen Einschreiten in Böhmen. In Prag selbst würden Bundestrup⸗ pen mit offenen Armen empfangen werden. Posen. Bei Kalisch, hart an unserer Gränze, wird ein großes russisches Lager für 100,000 Mann Die Truppen rücken aus Litthauen und Volhynien in Eilmärschen heran. Weimar, 13. Juni. Oberhalb von Berka an der Ilm war eine Thüringen'sche Volksversamm⸗ lung von 6000 Köpfen; Zweck derselben: engere Verbrüderung der Thüringer(vereinigtes Thüringen). Auch die Bewohner des Kurlandes Hessen werden zum Beitritt aufgefordert.(Wir Hessen dürfen nicht getrennt werden. Die drei Hessen, Nassau und Waldeck, find ein natürliches Ganze, das nur ganz oder gar nicht mit Thüringen zusammen gehört.) Wien. Der Kaiser hat den ersten Reichstag für einen constituirenden(für einen Verfassungsrath) erklärt, und will ihn in Person in Wien eröffnen. Die Wahlordnung soll demgemäß geändert werden. Leipzig. Laut Nachrichten aus Prag hat das Militair und die deutsche Sache gestiegt. Das Land⸗ volk zeigt wenig Antheil. Das czechische Militair hat sich gegen die Czechen geschlagen. Die Mit⸗ glieder der Slavenversammlung sind über die Gränze gebracht. Berlin, 15. Juni. Kampf der Arbeiter gegen die Bürger um das Zeughaus. Das Zeughaus ge⸗ plündert durch das Volk. Republikanische Kundge⸗ bungen. Friede zwischen den Parteien; Einrücken von Militär. Man schreibt den ganzen Vorfall dem demokratischen Verein zu. Verona, 11. Juni. Treviso soll capitulirt ha⸗ ben. Ein Theil der Armee Radetzky's ist hierher zurückgekehrt, das Gros hat sich aber nach Vicenza begeben, und diese Stadt im Zusammenwirken mit Welden's Corps gestern nach äußerst hartnäckigem Widerstande genommen. Die A. A. Z. bezweifelt die Richtigkeit dieser Nachricht. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.