des die ar⸗ gte ind det ste⸗ ehr en e8⸗ des ide rt⸗ er⸗ die er⸗ itt für ik. en rte ke⸗ e⸗ zer er n.* Hessische Volkszeitung. 16. Samstag, 17. Juni 1848. T ã g li ch erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer l besonderes Abonnement für 15 kr. Wierer hre abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Von gelben Bohnen. Bohnensuppe des Morgens war ehemals die ge⸗ wöhnliche Nahrung, und ist, wie der Doctor sagt, auch gesünder als Kaffee.— Da kommt nun ein Mann zu den Leuten, der hat auch gefunden, Boh⸗ nensuppe sei bei Weitem gefünder und besser; man müsse sie künftig wieder essen. Er will nun die Leute auch dazu bringen, und fängt es so an: Er verkauft ihnen wohlfeilen Kaffee; aber nur oben in seinen Säcken ist Kaffee; gleich drunter sind bloß gelbe Bohnen. Er denkt, wenn die Leute die Bohnen einmal gekauft haben, so werden sie solche auch essen. So denke ich nicht; ich fürchte vielmehr, wenn die Leute an die Bohnen kommen, so fahren sie auf den Verkäufer los, nehmen ihn beim Kragen und schlagen auf ihn los,— die Bohen aber essen sie nicht. Ich fange daher mit ihnen den andern Weg an; ich sage: Leute! in den Säcken sind meist nur gelbe Bohnen. Kauft sie nicht für Kaffee, wenn ihr durchaus keine Bohnen essen wollt! Ihr thätet aber wohl, sie zu wollen; denn über kurz oder lang kommt ein Arzt, der heißt Nothwendigkeit, und der zwingt Euch dazu. Der Bohnenverkäufer hat aber gehört, wie ich das den Ersten sagte. Er läuft daher geschwind zu den Andern, bei denen ich noch nicht war, und sagt ihnen:„Hört mir nur den nicht; der will, daß ihr es nie in Eurem Leben gut habt; der will bloß das Alte.“ Da giebts denn sehr Viele, die ihm glauben, und gegen andere Belehrungen taub sind.— Da gucken mich jetzt Viele an und wissen nicht ein Wort von dem Kaffee und von den Bohnen. Nun denn, es war das auch nur ein Gleichniß. Ich nehmlich sag' zu den Leuten: Man will jetzt die Welt in allen Theilen verbessern. Es muß auch geschehen; es kann nicht mehr so fortgehen. Da heißt es aber in Allem von Grund aus geändert. Aendern! Aendern! schreit jetzt Einjeder, so lange er nicht sieht, daß es auch ihm in den Sack greift. Sobald er aber Das einmal sehen wird, da wird er sich wehren mit Händen und Füßen. Ja, Leute, geändert muß werden, weil die Uebervölkerung zu⸗ nimmt, wie eine Lawine. Das alte Häuschen thut's nicht mehr; begreift Das, und legt die Hand an, zu einem wohlüberlegten, nicht zögernden und nicht übereilten Aendern, auf dem und dem Weg. So spreche ich den Leuten, weil ich glaube, ich weiß, wie sies haben. Wenn's ihren eigenen Vor⸗ theil betrifft, so haben es Neunundneunzig von Hun⸗ dert, wie der franzosenfreundliche Bauer mit seinen Kartoffeln. Der Bauer war nehmlich ein Franzo⸗ senfreund, wie kein Anderer. Da kommt eines Ta⸗ ges sein Junge gelaufen und sagt:„Vater! Vater! da kommen jetzt die Franzosen“. Da antwortet ihm der Vater:„Junge, das ist mir recht lieb.“ Kommt der Junge wieder gelaufen und sagt:„Vater! die Franzosen machen sich an die Kartoffeln“. Sagt der Vater:„Ei nun, die Franzosen haben auch Magen, zum Leben gehört auch Essen.“ Kommt jetzt der Junge wieder gelaufen und sagt:„Vater, jetzt sind die Franzosen auch an unsern Kartoffeln!“„Ei die soll ja ein Schock Donnerwetter!“ sagt jetzt der Vater, und will die Franzosen erschlagen.— Ich meine nun, so macht's fast Einjeder, wenn's mit den Verbesserungen über seinen Beutel hergeht; daher möchte ich die Sache nicht grad so im Sturm thun; sondern so, wie es die Leute begriffen ha⸗ ben, und nach dem Begreifen noch möchten. Heißt das nun: beim Alten bleiben? Ich kann es nicht glauben. Volksversammlungen. Allwöchentlich haben wir in Gießen eine Volks⸗ versammlung. Was hat sie denn für einen Zweck, und wird ihm entsprochen?— Man braucht große Volksversammlungen, um den Ausdruck der Meinung einer größeren Gegend zu erforschen. Redner Für und Gegen treten auf, nicht um die Leute erst zu belehren und zu überzeugen, sondern um zu erfahren, wie sich der Beifall bei Für oder bei Gegen zu erkennen giebt. Belehrung soll durch Zeitungsartikel vorangegangen sein. Wer in einem Land lebt, wo öfters schon Volksversamm⸗ lungen waren, der läßt sich durch eine schöne Rede nicht blenden; traut er sich selbst kein Urtheil zu, so wählt er sich einen Mann seines Vertrauens; mit diesem stimme er. Die Mehrzahl der Leute folgt selten der besten Rede von Anfang bis Ende mit Aufmerksamkeit. Gleichwohl wendet man auch in großen Volksver⸗ sammlungen alle Mittel der Kunst an, um einen günstigen Erfolg für sich zu erhaschen. Man über⸗ schaut vor Allem seine Kräfte. Man erliest unter den Rednern den Exöffner, die Unterstützer und Kämpfer im Handgemeng, und den Schlußredner.— Zum Eröffner bestellt man einen Mann mit der Gabe guten Vortrags; seine Rede ist eine ganz vorbereitete; er braucht nicht Stegreifsredner zu sein. Folgen auf ihn alsdann Gegner, so läßt man gegen jeden sogleich einen Ste greifsredner los, welcher gewandt und ohne lange zu denken, die schwachen Punkte aufgreift und schlägt,— mit Spässen, mit hinkenden Gleichnissen, mit Verdre⸗ hungen und Entstellungen das Wohlbegründeste ver⸗ dächtig und lächerlich machen kann. Dazwischen, oder wenn Stegreifsredner fehlen, müssen Reden 8⸗ artenmacher, Schönredner auftreten, die mit Wohlklang und voller Stimme Dinge sagen, die in die Ohren klingen, die Hauptsache aber bei Seite lassen, und die dann mit Unterstützung des Antrags, um den es zu thun ist, endigen: Wenn die Geg⸗ ner erschöpft sind, wenn die Leute genug haben, dann muß der Schlußredner hervor, der den Antrag mit den kräftigsten Zügen aus den voran⸗ gegangenen Reden unterstützt,— Gegengründe, die widerlegbar sind, in ein paar scharfen Worten wi⸗ derlegt,— von dem Nichtwiderlegbaren schweigt, oder— je nachdem er zum Einen oder andern Gabe hat,— es lächerlich macht, oder das Ge— fühl der Menge geschickt dagegen aufregt. Hierneben vertheilt man seine Anhänger. Ein Trupp vor die Bühne; Gruppen nach allen wichti⸗ gen Punkten; für sie alle mehrere Führerz diese am Besten kräftige Stimmen mit Volkswitz. Diese Truppen äußern sich auf gegebene Zeichen ihrer Führer, und müssen einander stets im Ausdruck von Beifall oder Mißfallen unterstützen. Ist die Gegen⸗ partei nicht vorbereitet, so wird sie dadurch häufig unterliegen, selbst wenn sie bei weitem stärker ist. Ihre Anhänger werden verwirrt und entmuthigt, und schämen sich, anders zu stimmen, als die Par⸗ tei, die sich am Lautesten äußert. Manchmal kom⸗ men aber die Unterstützer auch übel an. Dieß, wenn die Versammlung von vielen Bauern besucht wird. Die Bauern halten den zusammen. Drängt sich ein Unberufener unter sie, und äußert er sich da anders, als ihren Füh⸗ rern gefällt, so widerlegen sie ihn zuweilen mit den Fäusten. Doch ist Solches selten. Die allwöchentlichen Gießener Volksversammlun⸗ gen können weniger den Zweck haben, den Aus⸗ druck einer ganzen Gegend zu erforschen. Sie sind nach Zeit und Ort nur auf die Stadtbewohner be— rechnet, sind erweiterte Clubversammlungen. Sie hatten zunächst wohl den Zweck der Belehrung und sich meist nach Gemein⸗ 62 1 Aufklärung, aber Unduldsamkeit hat die Oberhand darin gewonnen, in wachsendem Fortschreiten. Es will Niemand mehr den Prediger in der Wüste machen; daher sind so zu sagen nur Redner einer einzigen(und der einzigen) Farbe übrig geblieben. Sie sind Versammlungen für Steigerung der Auf⸗ regung im Volk, und— für einen Theil der Be⸗ sucher— Sache der bloßen Unterhaltung. Diese häufigen Versammlungen haben das Nach⸗ theilige, daß man für das Besuchen von Volksver⸗ sammlungen lau wird, und daß sie einmal, wenn es gilt, als abgenütztes Mittel, den rechten Erfolg nicht mehr haben. Man darf übrigens nicht zu streng tadeln, wenn Die, so des Gehens noch ungewohnt sind, im An⸗ fang Fehltritte machen. F. F. Die Steckborner. Clubs wie an In Steckborn sind die politischen andern Orten in Blüthe. Die Steckborner sind aber ein ungeduldiges, sonst harmloses Völkchen. Sie haben viele gute Sprecher; aber es sind auch welche darunter, die sprechen zu Viel. Da fiel neu⸗ lich der Antrag: bei einem langweiligen Sprecher solle man rufen dürfen:„Herr Präsident, lassen Sie mich wieder hereinrufen, wenn der am Ende ist!“ Es gab ein Gelächter, und dann auch einen Streit über Redefreiheit. Zuletzt ward man einig, wer bei einem Redner nicht zuhören wolle, könne vor die Thür gehen, und es solle dann an der Thür gerufen werden, wenn ein neuer Sprecher das Wort erhalte. Bei der nächsten Versammlung rief man beim zweiten Redner:„Herr Präsident, der ist es!“ und hinaus stürzte die ganze Versamm⸗ lung, die damit zu Ende war. Seitdem seyen die Reden meist kürzer.(Wär' es doch allenthalben so!) Reactionsriecher. Man sucht für mehrere Städte Deutschlands Reac⸗ tionsriecher. Sie bedürfen die meisten Eigen⸗ schaften der früheren Demagogenriecher, da sie eigentlich nur umgekehrte Demagogeniecher sein sollen. Sie dürfen nur durch die Brille der Reac⸗ tionsfurcht sehen. Auf den Seiten hat diese eine Vorrichtung zu Bedeckung aller beruhigenden Anzei⸗ gen. Sie müssen von gleicher Herrschsucht beseelt sein, wie die frühere Polizei. Von Andersdenken⸗ den dürfen sie durchaus nichts halten; diese müssen ihnen vielmehr unerträglich sein, und das eigent⸗ liche Wild, das sie hetzen. Unduldsamkeit ist für sie fast unerläßliches Erforderniß. Sie müssen erfor⸗ derlichen Falls geschickt sein, um einen nächtlichen Unfug zu leiten. Nur Filzstiefeln brauchen sie im ic⸗ ne ei⸗ elt en⸗ sen nt⸗ sie or⸗ hen im Augenblick nicht zu tragen; denn, im Gegentheil, sie sollen vor der Hand wenigstens mit aller Keck⸗ heit einhergehen. F. F. Bürgerwachen⸗ Angelegenheit. Gießen. Die Republikanisch⸗Gesinnten haben einen Versuch gemacht, die hiesige Bürgergarde zu beseitigen und neue Fähnchen(Compagnien) von sich aus zu bilden. Andere sagen, der Grund dieses Versuchs sei darin zu suchen, daß ein dabei Bethei⸗ ligter habe Bürgerwachen⸗Oberst werden wollen. Das aber ist nicht zu bestreiten, daß Lauigkeit bei der Bürgergarde herrschte, und daß von ihrer Seite kräftiger gegen beunruhigende Kundgebungen einge⸗ schritten werden müßte. Welch' Geschrei, wenn das deutsche Abzeichen in Holland verhöhnt wird! Hier ist es Leuten von der Mütze gerissen worden, ohne daß es nur laut wird.(Es soll so wenig Aufsicht sein, daß von den für die Wachmannschaft auf dem Rathhause bereit stehenden Gewehre Bajonette, Schlös⸗ ser und selbst ganze Gewehre verschwinden). Die Bür⸗ gerwache hat sich auf obengemeldeten Versuch etwas ermannt. Sie wird sich verstärken und zweckmäßiger eintheilen.— Tadel verdient es, daß man die Bür⸗ ger zusammenruft, und sie eine ganze Stunde auf dem Platze warten läßt, ohne etwas vorzunehmen. Das ist für stehende Truppen, die man von der Gasse wegbringen will. Um die Bürger zu fragen: sollen die Einschreibungslisten heute geschlossen sein, oder, wie früher beschlossen, noch bis zum nächsten Mittwoch offen bleiben? ferner, um zu sagen: die Fähnlein werden künftig in zwei Abtheilungen nach dem Alter geschieden; und dann: halten wir jetzt Verlesen, und wer sich noch aufschreibeu lassen will, melde sich dabei,— dafür bedurfte es keiner Ver— sammlung von zwei Stunden. Für die Hausfrauen. Ein Stück Roggenbrod(Kornbrod) in Würfel geschnitten, und diese mit den Caffeebohnen zusam⸗ men geröstet(gebrannt), vermehrt nicht bloß den Caffee, sondern verbessert auch den Geschmack des⸗ selben, indem das Brod das Aroma des Caffee's, das sonst entweichen würde, an sich zieht.— Es war dieß lange das wohlfeile Geheimmittel einer Caffeewirthin in Schwaben, deren Caffee allenthal⸗ ben für den besten gehalten wurde. Wochenübersicht. Vo der pyrenäischen Halbinsel(Spanien und Portugal) nichts Erhebliches. Frankreich: Einschreiten gegen die fast täglichen Zusammenrottungen; Socialisten und Communisten sind rührig; man arbeitet für Louis Napoleon, um 63 ihn zum Präsidenten(Dictator, Kaiser?) der Repu⸗ blik zu machen. Der Vollziehungsausschuß wird bei der N.⸗V. anfragen, ob er ihr Vertrauen noch habe Geheime Polizei und tüchtige Gelder dafür fordert auch die Republik.— Lamartine und Ledru⸗Rollin sind Socialisten. Marie und Garnier⸗Pagéès nicht; Arago schwankt. Schweiz. Der Klosterlärm in Luzern ist aus; das Nein(Veto) ist gegen die Klosteraufhebung nicht vollzählig geworden.— An der neuen Bun⸗ desverfassung nimmt man keineswegs so lebhaften Antheil, als an Cantonalsachen, wo es zunächst die Person und den Beutel betrifft. In Neapel will der Hof rückwärts. Man glaubt an einen neuen blutigen Ausbruch. Ueber Oberitalien geben die Oesterreicher Sie— gesberichte, die man nicht glauben kann. Thatsache scheint, daß sie zu schwach sind. Das allmählige Verlieren der Mincio⸗Linie scheint im Voraus dahin erklärt werden zu sollen, als wolle man die Kräfte gegen Venedig wenden.—— Die Lombarden sind für Anschluß an Sardinien, nicht für Republik. Es verlautet, die Russen wollten in den roma⸗ nischen Donauländern ein griechisch⸗katholisches Reich aufrichten(das bald ihre Beute wäre). Ebenso verlautet, sie beabsichtigten Etwas in Hinsicht auf Polen zu thun.(In solchen Dingen wird viel ver⸗ muthet; indessen ist gewiß, die Russen rüsten und stellen gute Offiziere an(v. Saß), die seither in Ungnade waren. b Oesterreich. Die Slaven haben einen slavi⸗ schen Staatenbund in Absicht.— Ihre Prager Ver⸗ sammlung scheint bis jetzt gar unwichtig.— Der Wie⸗ ner Hof ist voll Schwäche und Unschlüssigkeit.— Es fehlt Oesterreich an einem kräftigen Mann. Preußen. Der Prinz von Preußen ist in der preuß. N.⸗V. kalt aufgenommen worden. Möchte man dieß nicht über die ruhigen Pfingsttage vergessen! In Thüringen hat sich eine Volksversammlung für Vereinigung der nächstverwandten kleinen Staa⸗ ten ausgesprochen. Die Republikaner in Deuschland haben erkannt, daß ihr Augenblick noch nicht gekommen ist. Doch werden sie darum nicht unthätig sein.— Beim deutschen Verfassungsrath waren Feiertage. Seither hat er 6 Millionen Thaler für eine deutsche Flotte zu verwenden beschlossen. 8 In Schleswig⸗Holstein haben die Dänen wie⸗ der räumen müssen. Im Sundwitteschen haben sie verloren, ebenso bei unwichtigeren Zusammentreffen. Die Thann'sche Freischaar hat einen kühnen glück⸗ lichen Zug unter sie gemacht.(Hätte man diesen Krieg, wie die Schweizer den Sonderbundskrieg, mit einer großen Truppenmacht eröffnet; so wäre er längst aus, und kostete auch nicht mehr, als so.) Die Schweden scheinen mehr Rüstungeu zu ma⸗ chen, als den Dänen eigentlich helfen zu wollen. England strengt sich an, die Chartistenbewegung niederzuhalten. Aus fremden Welttheilen nichts Neues. Ju unserm Ländchen hatten wir in Offen⸗ bach, Vilbel und Friedberg blutige Raufereien, und in Gießen eine republikanische Kundgebung, die wie ein Spaß aussah(so wie der Spaß mit der Fackel in der Scheuer herumzufahren). Tagesneuigkeiten. Mailand, 11. Juni. In aller Eile melden wir Ihnen die Einnahme der Höhen von Rivoli durch das vereinte italienische Heer. Wie schon be⸗ kannt, war dieser wichtige Punkt von den Oestrei— chern stark besetzt, und Radetzky zweifelte, laut sei⸗ nen letzten Kriegsberichten, daß er eingenommen werden könnte. Nach kurzem Kampfe aber wurden die Oestreicher aus ihren Verschanzungen herausge— trieben und zur Flucht gezwungen. Die Einnahme und Besetzung von Rivoli ist für die Italiener um so wichtiger, als sie dadurch den Oesterreichern den Rückzug von dieser Seite aus Tyrol abgeschnitten haben. In einer um so größeren Gefahr befinden sich aber die venetianischen Provinzen, und man hofft daher, daß Carl Albert Alles aufbieten werde, um so schnell wie möglich ihnen Hülfe zu senden. Radetzky, in Begleitung der Erzherzöge Sigismund und Ernst sammt seinem ganzen Generalstab, befin⸗ det sich an der Spitze von 15,000 Mann noch im⸗ mer zwischen Legnago, Mantua und Montagnana, und es könnte ihm sehr leicht begegnen, daß er von Verona abgeschnitten würde.— In Mailand ist Alles ruhig und man lebt hier in freudiger Er⸗ wartung der Dinge, die da kommen werden. 10 Flensburg. Wir haben ein hannövrisches Ba— taillon als Verstärkung erhalten.— Die v. Tann'sche Freischaar hatte einen kühnen Zug zu Ueberrumpe— lung von Hadersleben entworfen. 350 Mann auf 80 Wagen betheiligten sich an dem Unternehmen. Sie wurden von den Dänen erwartet, kamen ihnen zaber doch in den Rücken. Die Dänen waren be— deutend stärker, und hatten dazu Reiterei und zwei Kanonen. Eine davon mit 4 Munitionswagen er⸗ oberten die Deutschen. Diese haben 2 Todte und 20 Verwundete. Der Verlust der Dänen soll das Dreifache betragen. Ferner wurden 30 Mann Dä⸗ nen und 25 Pferde gefangen. Der Rückzug ging mitten durch die Feinde. Das Gefecht war 1½ Meile von Hadersleben(bei Hoptrup).— Apen⸗ rade und Hadersleben sind jetzt von den Dänen geräumt. 64 1 Apenrade. Es sind hier Preußen und die v. Tann'sche Freischaar(700 Mann) eingerückt. Stockholm. Die Rüstungen zu Gunsten Dä⸗ nemarks werden fortgesetzt. München. Eisenmann gab das Volksblatt her⸗ aus, um das Volk heranzubilden und der Volsknech⸗ tung entgegen zu arbeiten. 15 Jahre verbrachte er dafur im Kerker. Jetzt wird ihm dafür eine Ent— schädigung— nicht aus dem Vermögen Derer, die ihn in Fesseln schlugen und die den Staat plünder⸗ ten, sondern— aus dem Staatsvermögen. Stuttgart. Alles ist ruhig verlaufen. Selbst die Hinrichtung zu Cannstadt ist geschehen, nachdem in der Nacht am Platz des zerstörten ein neues Schaffot aufgerichtet worden. Karlsruhe. Auch hier sind der krassesten Dro⸗ hungen ungeachtet, die Pfingsten ruhig verlaufen. Friedberg. Am Pfingstmontag fielen Unord— nungen vor, und fanden Verwundungen statt. Nach einem Bericht im Frankfurter Journal waren be— trunkene Soldaten die Veranlasser, und es wird sehr getadelt, daß ein Fourier, der einen Bürger schwer verwundete, am andern Tag wieder auf freiem Fuß war. Prag. Am zweiten Pfingsttag brach hier bluti⸗ ger Kampf zwischen Deutschen und Czechen aus. Barrikaden wurden errichtet, eine fürchterliche Ka— nonade begann. Die Nacht unterbrach den Kampf. Früh um 5 des andern Morgens sollte er wieder losgehen. Die Nachrichten sind ausgeblieben. Am Abend des zweiten Pfingsttages waren Alarmfeuer auf allen höhern Bergen. i ö Dänemark. Auf Fünen sollen 6000 Schweden gelandet sein. Nach andern Nachrichten sind es nur 4500 Mann. Italien. Es scheint, die Piemontesen haben die Verbindung zwischen Tyrol und Verona abge— schnitten.—— 600 Mann Oesterreicher, die gegen Vicenza vorrücken sollten, sind zurückgetrieben wor⸗ den.—— Rivoli ist von den Piemontesen besetzt. Paris. Der Gesetzentwurf, nach welchem dem Vollziehungsausschuß monatlich 100,000 Franken für besondere Ausgaben verwilligt werden sollten, war zur Probe gemacht worden, ob diese Behörde das Vertrauen der N.-V. noch besitze. Er wurde an⸗ genommen mit 569 gegen 102 Stimmen. Polen. Die Allg. Oderzeitung will die Nach⸗ richt von Warschau haben, es sey gewiß, daß gegen den 16. Juni die Russen in drei Armeecorps gegen Westen vorrücken würden; das Centrum, unter den Befehlen des Kaisers, würde in der Richtung nach Wien marschiren, der rechte Flügel unter Orlow gegen Berlin vorrücken und der linke unter Paske⸗ wisch Krakau und die schlesische Grenze besetzen. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J, in Gießen.