Hessische Volkszeitung. N IA. Donnerstag, 15. Juni 1848. T ä gli ch erscheint dieses Blatt und kostet hier viertelfährig 1 Gulden, monatlich 29 kr. die einzelne Nummer 2 kr.“ Auch wird die Samstagsnummer als besonderes Abonnement für 15 kr. vierteljährig abgegeben. nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Deutsche Reinsprache. Warum deutsche Reinsprache in der Ueber⸗ schrift? Darum, weil wir— abgesehen von den Mundarten— zweierlei deutsche Mundarten haben: eine reine und eine beschmutzte. Und leider ist die reine die seltenere, während wir der anderen, nämlich derjenigen, deren Reinheit und Bau durch Fremdwörter besudelt und verunstaltet ist, so oft be— gegnen, daß es den deutschen Augen und Herzen ein Greuel ist. Da hat sich denn in Heidelberg ein Verein aufgethan, an dessen Spitze Männer wie Brugger und Paulus stehen, der will sich unserer mißhandelten Muttersprache annehmen und er for⸗ dert Jung und Alt auf, ihn in seinem Werke zu unterstützen. Und nicht Viel verlangt er von seinen Mitgliedern: sie sollen nur ihren Beitritt schriftlich (in freien Briefen) anzeigen und sich verbindlich machen, nach Kräften die gute Sache zu befördern und deßhalb möglichst in Schrift und Sprache nur deutsche Worte gebrauchen. Und wer wollte da nicht Mitglied werden, wo man mit so Wenigem, so Vieles erringen helfen kann; wer wollte nicht auch Theil nehmen an der Pflicht und an dem Ruhme, unsere herrliche Sprache wieder zu rechter Ehre gebracht und dem ganzen Volke verständlich gemacht zu haben? Gewiß, da bleibt kein ächter Deutscher zurück!— Auch ich trat dem Vereine bei und da will ich denn heute schon eine Pflicht erfül⸗ len, indem ich durch diese Zeilen für die Vereins⸗ sache wirke. Wem der Weg nach Heidelberg zu weit sein sollte, der kann auch an mich schreiben: in solcher Sache mache ich recht gern den Briefträger. Ich will nun noch einige Mittel angeben, durch welche die Absichten des Vereins wirksamst gefördert werden könnten: 1) Es sollte kein Gesetz von der Reichsversamm⸗ lung oder in irgend einem deutschen Lande ausge⸗ hen, das auch nur ein nichtdeutsches Wort enthielte. Darin möchte Jeder, der ein Gesetz machen hilft, eine Ehre suchen. Oder schreiben etwa die Fran⸗ zosen und andere Völker deutsche Worte in ihre Gesetze? 2) Keine Regierung, keine Behörde sollte in ih⸗ ren Erlassen ein Fremdwort dulden. Unsere Sprache Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf bedarf des fremden Flitters nicht und dem Deutschen kann man nicht zumuthen, alle Sprachen der Welt zu lernen, damit er nur seinen Amtmann verstehen könne oder seine deutsche Regierung? 3) Wer da für Deutsche ein Buch oder eine Zei⸗ tung schreiben will, der soll zeigen, daß er deutsch schreiben kann. Von dem wollen wir weder eine Sprache hören, wie sie der Zierling in französischer Nachäfferei redet, noch der Hochschullehrer, dessen drittes Wort ein fremdes ist, weil er meint, das sehe gelehrt aus. Auch sollte man meinen, die Zeitungsschreiber zumal schämten sich, ihrer Mutter⸗ sprache in den„periodischen“ Blättern und„Feuil⸗ lentons“ die sie als undeutsche„Redacteurs“ redi⸗ iren. 5 4) Eine durchaus deutsche Regierung sollte für Behörden und Beamten keine undeutschen Benennun⸗ gen zulassen. Da wimmelt es von Generalen, Ma⸗ joren, Präsidenten, Directoren, Superintendenten, Doctoren, Assessoren, Registratoren, Accessisten u. s. w., während man gerade so wohlfeil auch Feld⸗ hauptleute, Oberhauptmänner, Vorsitzer und Oberste, Oberpfarrer, Beiräthe, Schriftwarte, Beisitzre u. s. w. haben könnte. Es würde gewiß einen sehr guten Eindruck machen, wenn unsere Regierung so auf einmal eine durchgängige Verdeutschung der Stellenbenennungen vornähme. Es ist dieß nichts Unwesentliches: an der Form hängt auch mehr oder weniger der Geist. 5) Wer in einer deutschen Volksversammlung oder auf der Kanzel auftritt, der rede nur deutsch. Es fällt dieß wohl Manchem schwer; aber man übe sich nur und es wird bald gehen.— Und so wünsche ich denn der Sache unserer Muttersprache, als deren schlichtester Anwalt den herrlichsten Sieg. Hungen im Juni 1848. K. L. Hunsinger. Der Volkszeitungsschreiber ist seit Jahren schon für das Reinigen unserer Sprache von Fremdwör⸗ tern. Er hatte mehrfache Veranlassung, hierauf zu kommen, namentlich auch weil seine Rechtsschriften von Richtern gelesen werden mußten, die keine la— teinischen Schulen besucht hatten. Ein„Reindeutsch“ zu schreiben ist aber, ehe man Uebung darin erlangt 54 7 hat, schwierig. Will man auch reindeutsch sprechen, so bleibt man vor erlangter Uebung fast in jedem Satz stecken. Dazu ist man den an Fremdwörtern Gewöhnten mit Reindeutsch lange nicht so deutlich, als mit dem hergebrachten Mischmasch. Es thut übrigens noth, daß wir unsere Sprache reinigen. Latein und Griechisch werden nicht mehr lange ei— nen großen Theil der Schulzeit verschlingen. Es ist buchstäblich wahr, daß sonst die Jugendzeit Vieler damit„einfältig verwüstet wurde“, wie einmal Dingler in seinem polytechnischen Journal gesagt hat; welcher Schrift er indeß selbst einen deutschen Namen hätte suchen sollen;— etwa„Tagblatt der Werkkunde⸗, oder„Gewerbsblatt“. Stehen wir auf dem Boden der Reform oder der Nevolntion? f (Diese Frage entsteht uns bei Durchlesung der am 7. Juni vom vaterl. Verein beschlossenen Zu⸗ schrift an den deutschen Verfassungsrath.) Wir ha⸗ gen stürmisch, nach damaligen Gesetzen aufrüh⸗ rerisch von den Fürsten begehrt, und sie haben verwilligt. Wir haben an mehreren Orten befeh⸗ lend gefordert; aber gerade indem wir gefor⸗ dert haben, haben wir die alte Form nicht selbst umgestürzt; dieß wäre gewesen, wenn wir nicht Verwilligungen und Anordnen durch die Fürsten be⸗ gehrt, sondern selbst geboten und angeordnet hätten, was wir für uns wollten. Die Umänderung des Alten, die Umkehrung der Grundsätze(von Gottes⸗ Gnaden in Volkssouverainetät) haben wir nicht in der Form gemacht, daß sie von uns ausging, son⸗ dern von den Fürsten, als von Denen, die es nach damaligen Grundsätzen allein thun und lassen konn⸗ ten. Dieß ist die Form abgedrungener gründ⸗ licher Umbildung(Reform), nicht die Form der Umwälzung, der Selbstbeseitigung des Bestehen— den durch Die, welchen nach bisherigen Gesetzen das Recht dazu eben nicht zustand(Revolution).— Im Wesen war unsere Umbildung von einer Um⸗ wälzung indeß nicht verschieden. F. F. Warum Fürstenthum in deu einzelnen deut- schen Staaten, und nicht einen dentschen Kaiser an der Spitze? Man wird mich in Widerspruch mit meinen eige— nen Grundsätzen finden, weil ich keinen deutschen Kaiser will. Hier meine Antwort: 1) Fürsten haben wir, einen Kaiser sollen wir kaufen.(Ich bin auch nicht dafür, alle un⸗ sere Fürsten beizubehalten, sondern dafür, die Fürstenthümchen zu Fürstenthümern zu ver⸗ einigen.) 2) Der Kaiser ist ein 14— 20 Millionenhebel für die Unzufriedenheit beim Volk; denn so viel, sagt man ihm, kostet ein Kaiser. 3) Kein Kaiser ist eine Verwilligung an die reinen Republikaner. Was man ihnen ver⸗ willigen kann, muß man verwilligen. Man kann es, weil, was centralisirt wird, nicht so tief in die socialen Verhältnisse eingreift. 4) Kein Kaiser ist eine Mißtrauensdämpfung. 5) Es ist eine Vorbereitung zur Republik. 6) Man sagt gegen mich, es ist ein Thurm ohne Spitze. Durch die hohe Spitze hängen, sag' ich, die Glocken nicht höher. F. F. Der Verfassungs⸗Entwurf für Anhalt ⸗Dessau. Für das Herzogtbum Anhalt-Dessau ist ein Verfassungs-Entwurf erschienen, der unstreitig am meisten unter den deutschen Verfassungen auf den neueren volksthümlichen Grundsätzen beruht. Die Preßfreiheit wird unbedingt gewährt und durch kein Preßgesetz beschränkt; das Recht der Hausdurch⸗ suchung wird der Polizei unbedingt entzogen; der Ständeversammlung wird die Entscheidung über Be⸗ schwerden wegen gesetzwidrigen Verfahrens der Ver— waltungsbehörden, nach vergeblichem Anruf der Oberbehörden, gegeben; alle privilegirten Gerichts⸗ stände werden aufgehoben; freies Auswanderungs— recht; allgemeine Militärpflicht; absolute Religions- freiheit; unbedingte Emancipation der Juden; Aufhebung aller Steuerfreiheiten und gleiche Be⸗ steuerung; Unabhängigkeit und Unabsetzbarkeit der Richter; Oeffentlichkeit und Mündlichkeit mit Schwur⸗ gerichten; vollständige Trennung der Justiz von der Verwaltung; Entscheidung der obersten Justizbehörde bei Competenz⸗Conflicten zwischen Justiz und Admi⸗ nistration; Aufhebung der Strafe der Vermögens⸗ confiscation und der körperlichen Züchtigung; Verbot jeder Erschwerung der Haft außer bei einem Ver⸗ such der Flucht zur Verhinderung derselben; Trenn⸗ nung der Kirche vom Staat, und der Schule von der Kirche: freie Selbstverwaltung der Gemeinden; Abschaffung der bei den Anstellungen der Staats⸗ diener bisher üblichen Kündigungsclausel; Errichtung besonderer aus dem Volke selbst gewählter Commis— sionen für Handel, Gewerbe, Arbeit und Ackerver⸗ hältnisse; Ablösbarkeit aller Reallasten; Abschätzung der Wildschäden durch die Communalbehörden unter Zuziehung von Sachverständigen: allgemeine Wahl⸗ fähigkeit und Wählbarkeit ohne allen Census; all⸗ gemeine Volksvertretung ohne Rücksicht auf Stände; eine Kammer; in Folge eines Mißtrauensvotums der Volksvertreter muß das Ministerium abtreten, oder es wird durch Auflösung der Kammer an das Nass 55 Volk appellirt; giebt die neue Kammer wiederum ein Mißtrauensvotum ab, so muß das Ministerium unbedingt abtreten; die Kammer hat das Recht der Zustimmung zu Gesetzen, der Gesetzbeantragung, der Steuerbewilligung, der Steuerverweigerung, der Controle, der Beschwerde, der Anklage, der Einwil—⸗ ligung bei Besetzung der obersten Richter-Stellen; Vereidigung des Militärs auf die Verfassung ꝛc.; die Bestimmung, ob absolutes oder suspensives Veto des Regenten, ist bis dahin ausgesetzt, daß die Nationalversammlung in Frankfurt sich über die nothwendigen Grundlagen der Einzelverfassungen wird entschieden haben. Es leuchtet aus dieser kur⸗ zen Zusammenstellung hervor, daß diese Verfassung wohl als die bis jetzt freieste in Deutschland be— zeichnet werden muß. Wir wünschen, daß das Volk in Anhalt⸗Dessau, sich der ihm verliehenen Rechte und Freiheiten zu seinem wahren Besten bedienen möge, und daß namentlich seine Vertreter die ihnen in die Hand gegebene Gewalt mit der nöthigen Umsicht und Vorsicht handhaben.— Es ist nicht wahrscheinlich, daß diese Verfassung lange leben wird; die Anhalt dürften nehmlich für zu klein erachtet werden, um für sich allein dem Staatszweck zu entsprechen; sie dürften mit anderen Staaten vereinigt werden.— Wäre aber der preußische Verfassungsentwurf mit dem Anhalt'schen gleichlautend, so würde weniger Alp auf der Brust Deutschlands ruhen. Warum sich gegen das Un— vermeidliche sträuben? Was nicht gerettet werden darf, können die Fürsten auf lange nicht mehr retten. Tagesneuigkeiten. Mainz. Die am ersten Pfingsttag zu Hochheim gehaltene Versammlung verlief sich ruhig, so ent⸗ schieden sie auch ihre Gesinnung aussprach. Man sprach sich gegen den Geist der Mehrheit in der Nationalversammlung aus.(Zitz, Bamberger, Lu⸗ dolph.) Zimmermann aus Stuttgart, Mitglied des deutschen Verfassungsraths, mahnte von Unüber⸗ legtem ab. Fröbel wollte Auflösung des Bundes- tags und einen vom Volk zu wählenden Vollziehungs⸗ ausschuß. Zitz will daß ihn die N.⸗V wähle. Im Uebrigen hatte Zitz beantragt: Annahme des Bünd⸗ nisses mit Frankreich; Aufstellung von Truppen im Osten statt im Westen; Entsetzung der Beamten, die das Vertrauen des Volks nicht genießen. Die Anträge wurden angenommen.— Daß nur diese und nicht stärkere Anträge gestellt wurden, zeigt, daß die republikanische Partei offenes Heraustreten noch nicht an der Zeit glaubte. ö Wien, 8. Juni. Graf Stadion soll beauftragt seyn, ein neues Ministerium zu bilden. Dieß erregt Mißbehagen. Man will v. Pillersdorf einstweilen behalten. Darmstadt. Das Verfahren des Frankfurter Montagskränzchen in Sachen der Bayrhoffer'schen Demokraten-Vereine findet hier lebhaften Beifall; man will hier das Praktische, nicht das Ideale. London. Die Regierung will einen beschlossenen großen Umzug der Chartisten mit allen Mitteln hindern. Italien. Das Heer Carl Alberts wird auf 60,000 Mann berechnet.— Oesterreichischen Briefen zufolg wird die Eroberung des Venetianischen mit Erfolg fortgesetzt; Radezky greift Vicenza an. Hamburg. Eine Kundgebung gegen die Thor— sperre hat zu ernsten Unordnungen geführt. Frankfurt. Die Rechte hat in der deutschen N.⸗V. die Mehrheit; sie besteht aus den Pietisten und Ultramontanen, den hohen Beamten aus Oester— reich und Preußen, den Adlichen und Reichen. Sollte die Rechte die Errungenschaften des Volks in Frage stellen, so ist es wohl unvermeidlich, daß es bei uns zur republikanischen Staatsform kommt. Berlin. Die Aufregung der Stadt hat einen hohen Grad erreicht. Köln. Man ist in großer Besorgniß wegen der Arbeiter. Arbeitervereine und Clubs stehen mit de— nen anderer Orte in Verbindung, und nähren die Aufregung auf jede Weise. In Leipzig und Dresden geschehen Erklärun⸗ gen gegen Republik. Mailand(5. Juni.) Die Oesterreicher, die von Mantua zum Angriff ausgerückt waren, haben sich nach einer Bekanntmachung der provisorischen Regie⸗ rung zu Mailand, mit Verlust sehr eilig zurückzie⸗ hen müssen. Mailand(6. Juni.) Der Augenblick zur An⸗ rufung französischer Hülfe scheint nicht mehr fern, da Haufen deutscher Freiwilliger gegen uns ziehen. Paris. Bei den Wahlen erliegen die antisocia⸗ listischen Republikaner gegen die socialistischen De⸗ mokraten.— Zu einem Volksfest zu 25 Cts.(7 kr.) das Couvert sind schon über 200000 Personen un⸗ terschriben.— Am 9. Juni mußten wieder Zu⸗ sammenrottungen zerstreut werden; ebenso am 10. vor dem Hause von Thiers. Prag. Die in Prag versammelten slavischen Abgeordneten verstehen einander so wenig, daß sie sich in ihren Versammlungen der deutschen Sprache bedienen müssen.— Die Wahlen für Frankfurt ge⸗ hen an mehreren Orten vor sich. Triest. Die Oesterreicher sollen mehrere wich⸗ tige Punkte in der Nähe von Venedig besetzt haben. Hamburg. Bei Hadersleben fand ein kleines Gefecht statt, bei welchem die Dänen 30 Mann und 1 Kanone verloren.— Der Verlust der Deut⸗ Sundwitte wird zu 350 schen im Treffen von Mann angegeben; die des Feindes ist nicht bekannt. Flensburg. Die Dänen haben ihre Schanzen bei Sonderburg verlassen und sich wieder eingeschifft. Mailand. Von 46000 stimmfähigen Bürgern haben sich 32612 für unmittelbaren Anschluß an Sardinien erklärt. Die Republikaner haben sich des Stimmens enthalten. 8 i Mecklenburg⸗Schwerin. Es fanden Arbeiter⸗ erzesse statt, die durch Militärmacht unterdrückt werden mußten Völlig niedergebrannt ist nur das Schloß Torgelou, dessen Besitzer bei dieser Gelegenheit einen Schaden von eirca 150,000 Gulden erlitten hat, gebrandschatzt wurden aber mehrere Gutsbesitzer oft mit Summen von 1000 Gulden. Auf einigen Gütern, wo die Gutsherrschaft sich durch humanes Betragen gegen die Gutsinsassen auszeichnete, bewaffneten sich diese insgesammt zur Vertheidigung derselben und nahmen eine so feste Stellung ein, daß der Haufe der Empörer mit leeren Händen und ohne Schaden gethan zu haben, wieder abziehen mußte. Siebenbürgen. Die Sachsen in Siebenbürgen (etwa 800,000 Köpfe) wollen nicht mit Ungarn vereint sein, sondern mit Oesterreich.— Drei Abge⸗ sandte derselben sind in Leipzig angekommen. Sie werden sich nach Frankfurt begeben. Posen. Von deutscher Seite schreibt man aus Posen: Unsre Zustände beginnen sich hier rasch zu befestigen. Die Ruhe ist vollkommen hergestellt und die auftauchenden falschen Gerüchte beunruhigen nicht mehr. Der immer sehr mild gehaltene Belagerungs⸗ zustaud der Stadt ist neuerdings noch erträglicher geworden. Paris. Der Gesetzentwurf gegen die Zusam⸗ menrottungen wurde mit einer Mehrheit von ½ der Stimmen angenommen.— Bereits wurden mehrere aufrührische Zusammenrottungen zersprengt. Strasburg, 8. Juni. Die neuesten Berichte aus Paris sind nichts weniger als beruhigend. Es sind in der Hauptstadt über 60,000 Mann Linien⸗ truppen zusammengezogen. Da das Gouvernement, welches sie berief, durchgehends aus guten Repu⸗ blikanern besteht, so kann keine Absicht gegen die Bestrebungen des Fortschritts in Mitte liegen. Wozu also die Vorsicht?— Vaterland sei in Gefahr, Aufstellung eines Dictators; die Nationalversamm⸗ lung zähle 400 geheime Ropalisten. Aber wer soll dieser schweren Rolle gewachsen seyn?„Ledru Rol⸗ lin“ murmelt es zwischen den Zähnen. Sicher ist es, daß, seitdem Lamartine auf die Präsidentschaft für seine Person verzichtet hat, derselbe seinen an⸗ fänglichen politischen Gegner und nunmehrigen in⸗ timen Freund mit politischer Lebendigkeit voranzustel⸗ und es thue Noth, die Man hört in den Clubs, das len sucht. Im Falle des Gelingens dieses Plans dürften entscheidendende Begebenheiten unausbleiblich sein. Ledru hält sich ernst und schweigsam wie Ei⸗ ner, der nicht gerufen sein will, aber auf dem Platz erscheint, wenn er demohngeachtet gerufen wird. Jassy, 29. Mai. Mit banger Besorgniß für die nächste Zukunft unsers Gesammtvaterlandes be—⸗ richte ich hiermit die Ursache, daß nicht nur ein star⸗ kes russisches Armeecorps zwischen Itusch und Falßi, jedoch in Bessarabien, und ein zweites bei Kamie⸗ niec Podolski concentrirt sei, sondern daß bereits eine Brücke über den Pruth bei Stephanesti nächst Botuschan geschlagen, nächst Husch, aber auf der mol⸗ dauischen Seite; daß Mehl, Hafer, Gerste in großen Quantitäten für die russischen Truppen, und im Auf⸗ trage der Russen durch Juden angekauft werden, auch von einem Gutspachter gegen tausend Joch Wie⸗ sen gekauft worden sind. Höchst wahrscheinlich be⸗ absichtigen dieselben bei Otjez gegen Kronstadt, dann durch die Bukowina bei Bistritz in Siebenbürgen ein⸗ zudringen.— Bei ihrem ersten Manifeste, durch Vereinigung der ganzen walachischen Nation, Da⸗ clen, unter einem orthodoxen, natürlich russischen, Kö⸗ nige und freier Verfassung herzustellen, vereinigen sich ganz gewiß alle Wallachen! Die vor etwa 15 Jahren der Walachei und Moldau ertheilte freisin⸗ nige Verfassung und nationale Verwaltung war nur ein Mittel zu diesem eventuellen Zwecke. Neustadt a. d. H. Das Fest, welches am 2 Pfingsttag hier statt fand, bei welchem gegen 10000 Menschen vereint waren, und gegen 50 Mitglieder des deutschen Verfaßungsraths von der Linken und äußersten Linken, verlief ohne republikanische Kund⸗ gebungen. s Innsbruck. haben. Stuttgart, 13. Juni. Straßen, bis gegen Morgen: Es lebe die Republik!“ Cannstadt. Hier waren Unordnungen aus An⸗ laß einer Hinrichtung. Paris. Man trifft Vorkehrungen zu Vermei⸗ dung von Unruhen in den franz. Colonien, die bei Freigebung der Sklaven vorkommen möchten.— Prinz Louis Napoleon ist an drei Orten in die National-Versammlung gewählt worden. Schleswig⸗Holstein. Die Dänen in Alsen sollen 16 Bataillons von 800—1000 Mann stark ein. f f Im temescher Comitat in Ungarn wurde das Cölibat kurzweg aufgehoben. Die Sache schien für die Geistlichkeit dringend zu sein, und der Weg von Temesch bis Rom etwas zu weit und bei den jetzi⸗ gen Wirren Italiens nicht ohne Gefahr. 5 Radezky soll Vicenza genommen Man schrie auf den „Es lebe Hecker! Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J, in Gießen.