acht nen nz⸗ in nen. Ta⸗ An⸗ we⸗ irk⸗ be⸗ Be⸗ eine hr; en⸗ rs⸗ zu zul⸗ as wid Art en⸗ aul⸗ und der ödac⸗ echt ine da⸗ ge⸗ ger rs⸗ ge⸗ hm enkt enst rs⸗ hne es icht erd isch han ich. asse 24 ge⸗ zie⸗ eur lei⸗ nd⸗ den Hessische Volkszeitung. 2 138. Mittwoch, 14. Juni 1848. T a g i ch erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer alg 1 Abonnement für 15 kr. vierteljahrig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditibnen an. Was ich am 9. Juni im Jusch'schen Garten über „eingeschränktes Kürstenthum“ sprach*). Mitbürger! Sie begehrten vor 8 Tagen, daß ich hier angeben solle, aus welchen Gründen ich das „eingeschränkte Fürstenthum“ beibehalten wolle. Ich bin bereit, diese Gründe zu sagen, wenn Sie mich noch hören wollen. Ich ersuche den Hrn. Präsi⸗ denten, die Versammlung zu befragen, ob ich reden soll.(Nachdem Dieß bejaht worden:) Ich verdeutsche„constitutionelle Monarchie“ durch „eingeschränktes Fürstenthu“,— Fürstenthum, das eine Verfassung hat.— Die Verfassung kann einen mehrfachen Ursprung haben; ich will für uns nur die Verfassung, welche sich das Volk selbst gegeben t; für soweit glaube ich es reif.— Eine solche erfassung ist vom Volk aufhebbar, wann es will; es kann sich des Fürsten entledigen, wenn er ihm nicht mehr ansteht.— Ein solches Fürstenthum ist ein Freistaat mit einer Präsidentenschaft, die so⸗ lange erblich ist, als es dem Volk gefüllt. Ein solches Fürstenthum hat für die Jetztzeit, wie ich glaube, folgende Wortheile: 1) Der Präsident, im Gegensatz des Fürsten, muß „für die Mehrheit möglich sein“, sonst wird er nicht ) Die hier mitgetheilte Rede ist nicht ganz wortgetreu, denn ste wurde nicht abgelesen. Sie ist aber doch ge⸗ treuer, als die Nachricht des„Jüngsten Tags“ daß ste sich selbst widerlege. Bayrhoffer und die auf ihn folg⸗ ten, verurtheilten sie, widerlegten sie aber nicht. Denn als Widerlegung läßt sich! nicht ansehen:„Was er gesagt hat, ist Thorheit“; oder:„Gutenmorgen Herr Fischer“! oder:„Er ist ja schon verurtheilt und todt“ ꝛc. „Was er sagt ist der glänzendste Beweis für uns; es fällt in sich selbst zusammen“.— Thatsache ist, daß August Becker nöthig gefunden hat, zu sagen, die Beifallszeichen beim Schluß der Rede Fischer's galten nicht der Rede, sondern der Erlösung von ihr.(Ich sagte schon früher, August Becker verstehe seine Sache. Bayrhoffer reicht ihm nicht an die Waden. Aber er hat den Namen: Professor. Das weiß Becker; er weiß, daß das den Leuten, die fern stehen, Staub in die Au⸗ gen treibt,— daß der bloße„August Becker“ ohne Titel dem an Titel gewöhnten Deutschen keinen Ein⸗ druck macht. Becker sagt zwar dem Volk, es sei staats⸗ mündig; sein Verfahren beweist aber, daß er es besser weiß. Becker weiß, daß er eine andere Figur ist, als Bayrhoffer. Auch Ludolph ist ein anderer Bursche, als die ausgehängte Fahne„Bayrhoffer“. gewählt. Darum erwählt man oft einen Achssel⸗ träger.(Fällt weg beim Fürsten). 2) Die Mitte giebt bei den Wahlen gewöhn⸗ lich den Ausschlag; weder Linke noch Rechte koͤn⸗ nen stets ohne sie siegen. Daher muß oft ein ent⸗ schiedener Mann, bevor er erwählt wird, Verspre⸗ chungen und Verwilligungen machen, die ihn dann lähmen.(Der Fürst ist nicht in diesem Fall). 3) Kommt ein Mittelmäßiger zur Präsidentschaft, so weiß er, daß in wenigen Jahren seine Herrlich⸗ keit aus ist. Er ist daher leichter geneigt, seine Stellung in dieser Zeit auszubeuten, und bestechlich zu sein, als der Fürst, der denken muß, so zu ver⸗ fahren, daß er und seine Verwandten den Platz nicht verlieren.(Bestechung macht sich nicht bloß gradezu, sondern auch mittelbar z. B. der Präsident oder seine Verwandte werden unter andern Namen Lieferanten des Staats; sie liefern dann schlecht und man sieht ihnen durch die Finger.) 4) Ist der Präsident ein Ehrgeiziger, so kann ihn Dieß zu Großthaten auf Kosten des Landes reizen, zu Dingen, die noch nicht reif sind, und die er auf seinem Namen haben möchte. Durch seine glänzenden Eigenschaften kann er sie zur Unzeit durch⸗ zusetzen. Der Fürst ist nicht so beeilt. Er hat auch nicht Grund zu eitel zu seinz denn er weiß, er dankt sein Amt nicht sich selbst, sondern dem, daß es der Wille des Volkes an sein Haus geknüpft hat, so lange dessen Sprossen nicht Unwürdige sein würden. 5) Vertrauen thut eben Noth, daß Handel und Gewerbe nicht mehr noch gedrückt werden. Die Stockung ist nicht gering. Aber das Vertrauen wird eher zurückkehren, wenn wir das(auf andere Grund⸗ lagen gestellte) Fürstenthum noch beibehalten;— das ist nicht zu läugnen. Man fürchtet die Repu⸗ blik; die Einen wegen Beispielen aus der Geschichte, die Andern fühlen, daß Alles uns zum Vernunft⸗ staat hindrängt, während wir dazu noch nicht reif sind; sie fürchten die Ueberstürzung und ihre Fol⸗ gen mit gutem Grund. Der Vernunftstaat bringt nach meiner eigenen Ueberzeugung folgende Sätze mit sich: a) Kein Privatgrun deigenthum mehr; p) keine Meister und Gesellen; die nothwendigen Berüfe hat der Staat ausüben zit lassen; o) kein Zinsenwesen mehr, kein edles Metallgeld; d) Vernunftreligion an Platz des Christenthums; e) andere Ehegrund⸗ sätze,— die Frau wird nicht mehr vom Mann er⸗ nährt; f) Kindererziehung auf Staatskosten.— Dieß sind die Hauptpunkte, die der Vernunftstaat erheischt; ohne sie ist Republik die Schaale ohne Kern.— Sind wir aber zu Soviel reif? Wenn Sie es bejahen, so sagen Sie auch: Warum wehrte Herr Vogt sich jüngsthin so ernsthaft, als er des Materialismus beschuldigt wurde; Herr Vogt wehrt sich nicht gegen Mückenstiche!(Warum wehrte auch Hr. A. Becker sich so ernsthaft, als ich den Bauern sagte: Aecker heraus! Ueber eine Lauserei wird sich Becker auch nicht bemühen). 6) Die großen Schwierigkeiten der nächsten Zu⸗ kunft, die in der Uebervölkerung, in der künstlichen Aufsteigerung aller unserer Verhältnisse(in höchster Spannung des Bogens) ihren Grund haben;— möchte ich nicht auf die Schultern der jungen Re⸗ publik legen, weil man sie sonst als deren Wirkung bezeichnet, als einen Grund, als eine Waffe gegen sie braucht. Was am Neuen schlecht ist, das sieht man, dagegen schreit man; was am Alten gut war, daran denkt man, das hält man dagegen; das Schlechte des Alten vergißt man im Verdruß über das Neue. So ist der Mensch.— Jeder sieht nur was er verliert, nicht auch was er gewinnt; Je⸗ der will nur haben, aber Nichts hergeben. Darum werden wir viele reactionäre Bürger bekommen, und — dabei die Russen im Rücken! Frage ich mich nach den Nachtheilen, die man dem Fürstenthum, wie ich es beschrieb, beimißt, so sind es die Kosten, und die Unterstützung, die es der Reaction(dem Rückschritt) darbietet.— Mit⸗ bürger, wir können das Fürsteneinkommen, wenn wir wollen, so niedrig stellen, wie das Einkommen eines Prästdenten. Mitbürger, nicht ein Fürst macht die Reaction, sondern die reactionären Bürger. Auch ein Präsident kann reactionär und Stützpunkt der Reaction sein. schon erlegen. Ein Redner in der vorigen Volksversammlung nannte es eine Schmach, einem Fürsten zu die⸗ nen. Ja! einem Fürsten von Gottes Gnaden! Es ist eine Schmach für ein Volk, das so unmündig ist, einen solchen tragen zu müssen. Der Fürst von Gottes Gnaden ist nicht der Fürst, den ich Euch ge⸗ zeichnet habe.— Der Redner brauchte dabei einen Kunstgriff. Er nannte constitutionelle Fürsten von Gottes Inaden, fügte daran das vor Kurzem noch „absolute“ Preußen, und nannte dann das„absolute“ Rußland. Da paßte alsdann, was er sagte von Sohlenküssen, Esel, Pflanze, Stein, Erde. Auf das von mir gezeichnete Fürstenthum paßt es nicht.— Aber man kann es verunstalten. Der Maler macht 50 Auch Republiken sind der Reaction mit zwei Strichen ein lächlendes Antlitz zur grin⸗ senden Fratze. Republik ist die beste Staatsform— für ein Gruen Volk. Dem Wickelkind giebt Niemand raten. Ich habe meine Gründe der Volksversammlung nicht vorgetragen um zu überzeugen, sondern weil sie von mir gefordert wurden. Zu ihrer Widerle— gung sind Jedem die Spalten der Volkzeitung offen. — Wer auf meinen 5ten Grund nur die Antwort hat: Thorheit! oder: Gutenmorgen! hat in die Welt noch nicht gerochen, und stellt sich selbst ein gänz⸗ liches Armuthszeugniß aus.— August Becker be⸗ wies mir mit Amerikas Beispiel, daß ein freies Volk sich selbst regieren könne. Gebt mir Amerikas unbebaute Strecken, und ich regiere Euch mit noch weniger, als den nordamerikanischen Mitteln. Wa⸗ rum ist aber Mexico keine Republik mehr? August Becker, die Meinung, die auf Seit ge⸗ worfen, von oben herunter behandelt wird, ist doch nicht immer ganz unrichtig und kann obenhin kom⸗ men, ehe es die Leute denken. Das hast Du an Dir selbst erfahren? Ist's nicht so? F. F. Wie kann die Reichsverfassung Deutschlands schnell und zufriedenstellend geordnet werden? Die große Aufgabe ist: Einigkeit und Kräftigung Deutschlands in seinen gemeinsamen Interessen der Freiheit und Politik nach Außen, wie im Innern, ohne Gefährdung der Interessen der einzelnen Staa⸗ ten, insofern sie berechtigt sind, d. h. nicht dem Wohle des Ganzen entgegenstehen. 5 Diese große Aufgabe dürfte sich auf folgende Weise alle Verhältnisse befriedigend lösen lassen. Man lasse aus der zweiten Kammer der Einzel⸗ staaten(oder aus der einen Kammer; wo nur eine ist) Ausschüsse, jährlich oder stehend, in Frankfurt zusammentreten als deutsches Volksparlament, gleich- sam das Unterhaus, für alle gemeinsamen Interes— sen, die eigentliche Vertretung des ganzen deutschen Volkes. Die einzelnen Fürsten(oder ihre Reprä⸗ sentanten) mögen das Oberhaus bilden, das als conservatives Element die zur Erhaltung des Fort⸗ schritts nothwendige Bewegung, die in natürlicher Entwickelung vom Volke ausgeht, mäßige. Die Executivgewalt aber lege man in die Hände Eines constitutionellen und unverantwortlichen erblichen Bun⸗ desoberhauptes, mit einem dem Volksparlament ver⸗ antwortlichen Bundesministerium„als Executivgewalt. Alle drei Gewalten in gemeinfamer Wirksamkeit bil⸗ den die deutsche Reichsversammlung. Zu dem Bundesoberhaupte aber nehme man die rin⸗ ein and ing veil rle⸗ en. ort zelt nz⸗ be⸗ ies as och Ja⸗ ge⸗ och m⸗ em ide el⸗ ine urt 'es⸗ jen rä⸗ als rt⸗ her Die un⸗ er⸗ alt. bil⸗ die Macht, die faktisch schon die größte deutsche Macht ist, und deren Staatspolitik eine durchaus deutsche sein muß,— Preußen. Oestreich ist unmöglich, nach seiner Zusammensetzung, und müßte nothwen⸗ dig seine Politik nach Sonderinteressen regeln. Auf die Persönlichkeit kömmt theils nach dem constitutio⸗ nellen Prinzip wenig an, theils wechseln die Per⸗ sonen, oft schnell, aber die Völker(und Staatenver—⸗ hältnisse) bleiben. Das so gewählte Bundesober⸗ haupt bleibt natürlich zugleich der Regent seines be⸗ sonderen Landes, und muß nur unbedingt bei der Reichstagsversammlung in pleno erscheinen. Sonst bleibt nur ein Wechsel des Oberhauptes nach be⸗ stimmter Folge, etwa nach einer Theilung Deutsch⸗ lands in vier Kreise, übrig. 5 Eine solche Reichsverfassung hätte unbedingt fol⸗ gende Vortheile: 1. Es wird die nöthige Einigkeit gewonnen für alle gemeinsamen Interessen, nach Außen, wie im Innern. 2. Es bleiben die Rechte der einzelnen Regierun⸗ gen und Völkerstämme unbeeinträchtigt in ihren be⸗ sonderen Interessen.. f 3. Sie ist eben darum am leichtesten ausführbar, wie sich von selbst versteht. 4. Sie ist die wohlfeilste Reichstagseinrichtung. Jetzt mag es auf eine Reihe von Jahren nöthig sein, daß die Reichsversammlung in pleuo beräth, 55 wenn die organischen Gesetze für das Ganze, wie die Einzelstaaten erlassen sind, wird in ruhigen Zei⸗ ten vielleicht auch für einzelne Zeiträume nur ein zeitweiliges Zusammentreten der ganzen Reichsver⸗ sammlung noͤthig sein, sonst aber die Wirksamkeit des verantwortlichen Bundesministeriums und eines Ausschusses genügen. Dann brauchen in der Kam⸗ mer nur die Ersatzmänner einberufen zu werden, und der ganze Organismus der Regierung Deutsch— lands bleibt ungestört. f 5. Durch eine solche Reichsverfassung wird ein Organismus der Regierung des einigen Deutsch⸗ lands geschaffen, der ohne Sprung und ohne Bruch mit der Vergangenheit eine wahre Reform und keine Revolution ist, und zwar 6. der lebenskräftigste Organismus, der nur denkbar ist. Denn hinter den einzelnen Abge⸗ ordneten stehen dann in organischem naturgemäßem Zusammenhange die Kammern, hinter diesen die Völker: so wird jedes Interesse nicht nur in orga⸗ nischem Zusammenhange vertreten, sondern auch le⸗ benskräftig unterstützt. Und zwar 7. in allein organischem Zusammenhange, deßhalb ohne Colliston, vielmehr in'! innigster Harmonie der Gewalten. Reglert überall eigentlich die 2. Kam⸗ mer in constitutionellen Staaten, so löß't sich von selbst die schwierigste Frage, die Stellung der Na⸗ 51 tionalversammlung zu den Einzel⸗Regierungen und— Ländern. Ist die Versammlung in Frankfurt nur der Ausdruck der einzelnen Kammern, so ist die Ueber⸗ einstimmung von selbst gegeben zwischen der Reichs⸗ versammlung und den einzelnen Regierungen und Völkern, durch die wirksamste Repräsentation, die des Volkes in der 2. Kammer, und somit die Ueberein⸗ stimmung und Einheit der Beschlüsse des Parla⸗ ments in Frankfurt mit den einzelnen Kammern, Re⸗ gierungen und Völkern immer gesichert. Eben so bleiben die Rechte der einzelnen Regie⸗ rungen und Völkerstämme ungestört in allem, was sich nicht auf die Verhältnisse und das Wohl von ganz Deutschland bezieht. Für die allgemei⸗ nen Interessen aber müssen die einzel⸗ nen Fürsten, Regierungen und Völker die Souveränetät auf dem Altar des Va⸗ terlandes niederlegen, und eben dadurc wird Deuschland aus einem Staatenbun⸗ de ein Bundesstaat. Die Schweiz und Nord⸗ amerika zeigen, daß auch in einem Bundesstaate den Einzelstaaten noch eine hinreichende Autonomie übrig bleibt. Man hätte vielleicht besser gethan, gleich An⸗ fangs Ausschüsse von den einzelnen Ständekam⸗ mern zusammentreten zu lassen. Es ware so der anscheinende Sprung von dem historischen Rechts⸗ boden zu einer neuen Schöpfung(welche man von gewisser Seite ja geflissentlich und gern Revolution nennt) vermieden worden. Aber jene Entwickelung war nach den Verhältnissen nun einmal nicht mög⸗ lich, zum Theil schon deßhalb, weil ja gar nicht überall eine constitutionelle Vertretung des Volkes bestand. Dagegen kann nun die Nationalversamm⸗ lung diesen organischen Zusammenhang zwischen den einzelnen Gewalten, den Einzel⸗Regierungen(und den durch sie vertretenen Völkerstämmen) und der Na⸗ tionalvertretung in Frankfurt herstellen. So würden sich alle Gewalten organisch um das Centrum der Einheit bewegen, gleichsam in concen⸗ trischen Kreisen. Der äußerste Kreis sind die Völ⸗ kerstämme selbst, der nähere die Volkskammern, noch näher die Ausschüsse, die eigentliche Vertretung der Nation in der Reichsver ammlung, der Volkskammer für Deutschland, der nächste Kreis die Fürsten selbst oder ihre Repräsentanten, das Centrum das Bun⸗ desoberhaupt. 5 Den Einwand wird wohl Niemand im Ernste machen, daß die Männer des Vertrauens für die 2. Kammer nicht' zugleich fähig wären zur Vertre⸗ tung der ganzen Nation für die gemeinsamen Jute⸗ ressen auf dem Reichstage. Andererseits wird durch die angegebene Gestaltung vermieden, daß außer den schon bestehenden Regierungsgewalten noch neue ge⸗ schaffen werden. Stehen die Gewalten auf dem Reichstage, die Vertreter des Volkes, die Repräsen⸗ tanten der Fürsten und das Bundesoberhaupt nicht in organischer Verbindung mit den schon bestehenden, so erhält jedes Land statt 2 oder 3 Regierungsge⸗ walten nun 6, und zwar wird durch ein anderes Oberhaupt als aus den regierenden Fürsten, die Zahl dieser noch vermehrt, man mag das Oberhaupt nennen, wie man will. Daher die Einwürfe gegen die Wahl Eines Oberhauptes, die sich vielleicht nur in obiger Weise genügend beseitigen lassen. Nur eine Reform, d. h. eine Fortbildung der be⸗ stehenden Rechte nach den Erfordernissen der Einig⸗ keit für die allgemeinen Interessen, ist Wille der deutschen Völker in der besonnenen, weit überwie⸗ genden Mehrheit. Wir wollen insgesammt uns als Deutsche fühlen, aber wir wollen nur die Einigkeit und Einheit, nicht die Einförmigkeit. Namentlich aber wollen wir keine Hauptstadt wie Paris, mit allen ihren unvermeidlichen Nachtheilen, materiell, geistig und politisch, für ganz Deutschland. Ge⸗ rade die bestehende Unterscheidung und Regie— rung der einzelnen Stämme, sichert, wie sie der Eigenthümlichkeit der Stämme Rechnung trägt, und in der Geschichte und Natur der Verhältnisse wur⸗ zelt, auch den einzelnen Stämmen die Vortheile der besonderen Verwaltung für die geistigen, politi⸗ schen und materiellen Interessen. Und nur die oben angegebene organische Fortentwicklung der bestehen⸗ den Verhältnisse schließt den historischen Rechtsboden ein, und eben damit, wie die Veranlassung zu Re⸗ volution und Anarchie, so auch den Vorwand der Reaction aus. Das aber ist die beste Empfehlung, daß diese Einrichtung der Reichsverfassung am schnellsten herzustellen, jedenfalls also ausführbar und dem großen Zwecke dienlich, damit zugleich der kürzeste Weg zur Förderung der gemeinsamen Interessen, wie zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in den einzelnen Ländern ist. Tagesneuigkeiten. Gießen 13. Juni. Die vom hiesigen vaterlän⸗ dischen Verein ausgegangene Adresse an die consti⸗ tuirende Nationalversammlung fand hier und in der Umgegend den lebhaftesten Beifall. Die Zahl der Unterschriften beläuft sich bereits auf mehr als tau⸗ send. Wie man hört, wird sie morgen abgeschickt werden. Gießen, 13. Juni. Eine Volksversammlung von 200— 300 Köpfen beschloß heute eine Abord⸗ nung an Dr. Sundheim, um von ihm 1) Zurücknahme der Beleidigung zu fordern, die er in seiner, in Nro. 11 der V. 3. erwähnten Ant⸗ wort der Gießener Bürgerschaft gemacht habez 52 2) um ihn uochmals zu Verzicht auf seinen Ruhe⸗ gehalt als Stadtsyndikus aufzufordern. Die Abord⸗ nung solle von der ganzen Versammlung begleitet werden. Dieß wurde sogleich ins Werk gesetzt. Dr. Sundheim hat entsprochen. Die Versammlung ging befriedigt auseinander. Gleichzeitig bewegte sich eine Schaar Landleute von Nauenheim nach dem Büreau des Kreisraths. Sie begehrten namentlich Beseitigung ihres Bürger- meisters, und des Waldschützen. Der Bescheid, den sie erhielten, war: der Bürgermeister habe bereits seine Entlassung nachgesucht, und sie werde zweifels⸗ ohne ertheilt werden. Allen übrigen Bescherden werde vollständig abgeholfen werden.(Der Waldschütz soll zwar sehr fleißig in seinem Dienst sein, und namentlich öfters preußische Holzfrevler eingebracht haben, er soll aber auch sehr streng gegen die Gemeindeange— hörigen sein, er ist nicht aus Nauenheim gebürtig, soll früher öfters als Wildschütze in Gefangenschaft gewesen sein, und sein Privatleben soll manchem Tadel unterliegen.) Gießen. Heute um Mittag zogen gegen hun⸗ dert Personen mit einem rothen Fähnchen, mit Trommel und Musik, unter einzelnem Rufen für die Republik vom Seltersberg in die Stadt zurück. Offenbach. In der Nacht vom 11. auf den 12. fanden Unruhen wegen Befreiung mehrerer in Haft sitzender Soldaten statt. Etwa 10 Personen wurden verwundet; einige lebensgefährlich. Von Darmstadt und Langen ist sofort Militär eingerückt. Frankfurt, 10. Juni. Nachdem Prof. Bayr⸗ hoffer in Marburg und sein social demokratischer Verein so viel von sich reden machen, ist es wohl interessant, zu erfahren, in wie weit die Einwohner Marburg's sich dabei betheiligten. So lange B. den Demokratsmus nur im Auge hatte, gehörten diesem Vereine auch Leute an, deren Namen hier und auch zum Theil außerhalb von Gewicht sind. Nachdem B. aber sich auf den Socialismus geworfen, sind diese ausgetreten und es verbleiben noch im Verein: Bayr⸗ hoffer, Ludolph, 8 Meister und circa 50 Arbeiter. Preußen. Während in Frankfurt die Volks⸗ souveränetät unbestritten ist, stellt sich das preußische Ministerium in der preuß. N. V. entgegen. Es scheint auf unverhofften Widerstand gestoßen zu sein, so daß es den Ausweg einer Vertagung der Sache ergriffen hat.(Gebe Gott, daß ihm die Augen aufgehen; wenn wir einem recht harten Strafgericht anheim⸗ gegeben werden sollen, ehe wir ruhig in den Garten der Freiheit wohnen, so müssen die Obenstehenden grade mit solcher Blindheit geschlagen werden.) Darmstadt: Protest mit 500 Unterschriften ge⸗ gen Verhalten des Reichstags in der Mainzer Sache. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.