Ab⸗ azu als ahr da Sie, eit nd⸗ chte Sie en n lt ie 3 Hessische Volkszeitung. E 12. Dienstag, 13. Juni 1848. T ä g i ch erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer 9 Abonnement für 15 kr. wi abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Aechtfertigung gegen den Credner'schen Schimpf⸗ und Leästerartikel in der Volkszeitung, 5. pag. 18. (Schluß.) Der Kraftausdruck,„schamloser Verläum⸗ der,“ der übrigens in neuerer Zeit häufig gebraucht wird von Leuten, welche lieber hinter Schimpfworte sich verstecken, als mit männlicher Würde genügend sich zu vertheidigen suchen, könnte wohl Anwendung finden, wenn ich in der That behauptet hätte, was Hr. C. mit seiner so glänzenden Sophistik aus mei⸗ nem an sich so unschuldigen Artikel, vielleicht in sei⸗ nem Schuldbewußtsein, gefolgert hat; so aber muß dieser Ausdruck dahin zurückkehren, von wo er aus⸗ gegangen ist. Nachdem Hr C. durch Verdrehungen und Wendungen meiner Worte sich zuerst als Mär⸗ tyrer dargestellt und durch falstaffische Witzworte eine weitere Glorie um sich zu verbreiten gesucht hat, nimmt er wieder zu seinen gewöhnlichen Hülfsmit⸗ teln, der Denunciation und Verdächtigung, seine Zu⸗ flucht, indem er mich bei Hrn. Vogt, als dessen heimlichen Feind und Widersacher darzustellen suchte; er denuncirte mich, ich habe mich in maaßlosen Schimpfworten über Hrn. Vogt vor 5 bis 6 Monaten ausgelassen. Auch hier hat der Ritter St. Georg statt eines Lindwurms wiederum nur un⸗ schuldige Windmüßlenflügel erblickt. Was ich in der angedeuteten Sache mit und gegen Hrn. Vogt gehabt, das liegt in den Universitätsakten begraben und ge⸗ hört eben nicht hierher; Todte soll man ruhen lassen, sonst müßte ich auch die Akten von dem Prof. Meyer, Fritzsche selig und Andern wieder herauf eitiren. Endlich, liebe Mitbürger! kömmt der Haupthieb, welche der belobte Kämpe gegen mich zu führen ver⸗ meint, nämlich die Verdächtigung meines persönlichen Charakters; nachdem er mich auf seine Weise, selbst unter Maurern, bereits bloß gestellt zu haben ver⸗ meint, will er es auch bei Euch nochmals versuchen; er bedenkt aber nicht, daß Ihr schon längst entschie⸗ den, daß Ihr von einem Manne, wie Credner, keine Verdächtigung auch nur im Entferntesten als giltig annehmen könnt, so geübt er auch in Denun⸗ ctationen der Art sich schon gezeigt haben mag, und ich kann mich deßbalb hier kurz fassen. Der Auf⸗ tritt in der Volksversammlung am 1. April, und was Hr. Prof. Baur darnach gethan, ist Jedermann be⸗ kannt, deßgleichen auch, auf welche Art Hr. Prof. Baur dafür belohnt worden ist; wir haben freilich noch nicht gewußt, daß das, was Hr. C., der Vor⸗ sitzer des vaterländ. ꝛc. Vereins, seinem Freunde Hrn. Baur und Anderen Uebels zufügt, unbeschadet der zwischen ihnen bestehenden Freundschaft geschehen kann. Der beleidigende Freund sieckt sich hier hinter den beleidigenden Vorsitzer des Vereins; eben so kann der Decan, oder der Primarius der Facultät sich auch hinter diese seine Stellung verstecken, wenn er seine Kollegen denuncirt oder auf irgend eine Weise kränkt oder verdächtigt!— Mitbürger! Ihr seyd nun⸗ mehr durch Hrn. Credner in Eurem Irrthum über ihn belehrt; aber erklärt es nur nicht, denn Hr. C. würde Euch charakterlos nennen, wie er mich ge⸗ nannt hat, weil ich mich über seinen eignen Charak⸗ ter, durch sein Thun und Treiben in neuester Zeit eines Besseren unterrichtet erklärt habe. Wenn mir durch die von mir ausgesprochene bessere Ueberzeugung über Hrn. C. eine Charakterlosigkeit vorgeworfen werden kann, weil ich diese früher nicht hatte, sie erst in neue⸗ ster Zeit gewonnen habe, dann muß ich mich diesem harten Urtheil freilich unterwerfen. Zweimal habe ich meine Meinung über Hrn. C. geändert; zuerst hielt ich ihn für einen durchaus tüchtigen Charakter; meine Ansicht änderte sich, als ich erfahren, daß er noch mit Niemanden dahier einige Zeit umgegangen sei, mit welchem er nicht auch in Unfrieden und Zän⸗ kerei gekommen; eine gewisse Furcht hielt mich, wie viele Andere, von ihm fern; doch fühlte ich später aufrichtiges Mitleiden für den Mann und schrieb seine üble Stimmung etwaiger Kränklichkeit und häuslichen Schwierigkeiten zu; ja ich gewann eine gewisse Ach⸗ tung und Zuneigung zu ihm, als ich ihn so ritterlich gegen Linde kämpfen sah; ich näherte mich ihm freund⸗ lich, als sich seine Kollegen mehr noch von ihm zurück⸗ zogen. Es schien Hr. C. diese Aufmerksamkeit von meiner Seite wohl zu thun, denn überall, wo er mir begegnete, drückte er mir freundlich die Hand; auch nahm ich von ihm das Versprechen an, daß er sich für mich um eine Vocation verwenden wolle. Nun freilich habe ich von Hrn. C. selbst erfahren, daß meine ihm geäußerte Zuneigung ihm sehr lästig gewesen, daß ich mich in seiner Freundlichkeit, in sei⸗ 2 N 46 nem Händedrucke getäuscht habe; ich muß dieß alles zugeben, ich muß zugeben, daß Hr. C. das Heucheln so gut versteht, als wenn er seinen Unterricht darin bei den Schülern Loyolas(Jesuiten) genommen habe, und ich gratulire ihm zu einer solchen errungenen jesuitischen Meisterschaft. Zum letztenmal hat sich meine Ansicht nun von Hrn. C. geändert und auch für im⸗ mer festgestellt, als ich in neuester Zeit Hrn. C. ge⸗ nauer beobachtete, als ich sein Thun und Treiben der Neuzeit mit allem demjenigen zusammenhielt, was früher mir schon aufgefallen war, und siehe, es fiel mir von den Augen wie Schuppen, und es drängte mich zur allgemeinen Aufklärung der Erscheinungen unsrer neuesten Verhältnisse ein kleines Schärflein bei⸗ zutragen. Wenn von einer Maske die Rede sein soll, so trägt sie Hr. C.; daß ich sie ihm ein wenig ge⸗ lüftet, nennt er Verläumdung, Unwahrheit und Ge⸗ hässigkeit, und sucht meine Aufklärung als Lüge dar⸗ zustellen. Was ich von Hrn. C. behauptet habe, ist Wahrheit, ist von ihm selbst und seinem Advokaten anerkannt worden, was ich als Gerüchte angeführt, waren Gerüchte, und konnten weder Hrn. C. noch irgend Jemanden direkt beleidigen. Alle die mir und meinem Aufsatze gemachte Vorwürfe muß ich deßhalb entschieden zurückweisen, und ich überlasse das Urtheil zwischen mir und Credner getrost dem größeren und rechtdenkenden Publikum. Sollte Hr. Eredner noch wenlerhin, wie ein gereizter Pfaffe, mit Schimpfen, Toben und Verdächtigungen über mich herfallen wol⸗ len, so werde ich ihm, zur Wahrung der Ehre der Universttät und aus Achtung vor der hiesigen theo⸗ logischen Fakultät insbesondere, nicht antworten, werde es nur als eine leere Klopffechterei, als eine weitere Don⸗Quixotiate ansehen. a Gießen den 7. Juni 1848. Dr. Vix. Vorschlag. Ein Abgeordneter der N.- V. zu Frankfurt machte den Antrag,„daß jedes Mitglied allmonatlich einen Tag seine Diäten der deutschen Flotte zuwenden möge“, welcher Antrag allgemein Anklang fand. Das macht also c. 300 fl. den Monat, 36,000 das Jahr.— Die alten Spartaner machten's in einem ähnlichen Falle so. Sie beschlossen in einer Volksversammlung, einen Fasttag zu halten und das, was ste auf solche Weise sich am Munde ab⸗ zogen, einer hülfsbedürftigen verbündeten Stadt zu⸗ zuwenden.— Sollte man das nicht dem Eckensper⸗ ger stecken, daß er eine Versammlung beriefe? Der würde gewiß die Bürgerschaft Gießens zu einem gleich noblen Beschluß bringen! f schiedener Fortschritt.“ Tagesneuigkeiten. Neuestes. In Grünberg soll gestern die Republik ausgerufen worden sein. Hamburg. Der Marinecongreß wegen der deut— schen Flotte hat seine Sitzungen eröffnet.— Am 3. Juni wurde hierselbst das Handwerkerparlament er⸗ öffnet.— Als Grundriß der neuen Gewerbeord⸗ nung ist gestern Abend in der ersten Versammlung, nachdem die Anträge der Deputirten verlesen waren, vom Präsidenten folgendes den Committenten mit- getheilt worden: I. Eine Gewerbekammer, gebildet a) durch Abgeordnete aus den Innungen und Gil— den; b) durch Abgeordnete aus dem Gesellenstande; o) durch Hinzuziehung Sachverständiger. II. Ein Gewerberath, gebildet a) durch Wahl der Gewerbe— kammer; b) durch Abgeordnete oder Commissarien des Staats. III. Ein Gewerbegericht, gebildet a) durch Mitglieder des Gewerberaths; 5) durch rich⸗ terliche Personen; c) durch Geschworene, die die Gewerbekammer auswählt. Die Sonderinteressen mancher Zünfte müssen aufgehen in den Bestrebun⸗ gen des Gemeinwohls, die mittelalterlichen Formen, welche noch den Zünften großentheils ankleben, müs⸗ sen wegfallen. Die Anträge der Deputirten waren vom Geiste unserer Zeit durchweht: sie verlangen keine Gewerhefreiheit, welche keine Fähigkeiten zu Tage fördert und die Gewerbe in einem unfreien Zustande erhält, sondern eine auf zweckmäßigen Grundlagen errichtete Gewerbeordnung. Man kann überhaupt noch keine Resultate ziehen und erst aus dem weiteren Verlaufe der Verhandlungen die Maß⸗ nahmen fixiren.— Norwegen. Der Storthing hat Unterstützung Dänemarks beschlossen, doch hat es den Sinn, daß nur die Nichtverminderung der dänischen Erblän⸗ der(nicht Schleswig-Holstein) erhalten werden solle. Pesth. 6000 Szeklertruppen eilen mit den Un⸗ garn gegen die Illyrier und Serbier. Berlin. Gebrüder Rothschild in Paris haben der hiesigen Bank angezeigt, daß sie wieder Wech⸗ sel auf sie abgeben können.— Das Ministerium hat die Mehrzahl in der preuß. Nationalversamm⸗ lung. Das Ministerium huldigt aber den Grund- sätzen, welche auf der deutschen Nationalversamm-⸗ lung durch die Rechte vertreten werden. Frankfurt. Es hat sich im steinernen Hause ein„Verein für gleichgesinnte Mitglieder der deut schen Nationalversammlung“ gebildet. An der Spitze sind: der frühere Präsident der bayerischen Stände⸗ kammer von Rotenhan, aus München; Profes—⸗ sor E. M. Arndt, aus Bonn; Landgerichtsrath Bloemer, aus Aachen; Professor Kerer, aus Innsbruck. Die Losung ist:„Ordnung und ent⸗ Beibehaltung der constitu⸗ — ee. sie ist. Der Gesammtgewalt übertragen, was die einzelnen Staaten als solche nicht zu leisten vermö— gen. Die Gestalt der Centralgewalt bleibt offene Frage; sich mit den Fürsten über Annahme des Ver⸗ fassungswerks zu vereinbaren; kann es nicht gesche— hen, so ist die Verfassung gleichwohl für alle bin⸗ dend zu erklären. Das Frankfurter Journal nennt die Abgeordneten⸗ versammlung der Demokraten⸗Vereine, die in Frank⸗ furt zusammentreten soll, den Bayrhoffer'schon Con⸗ greß. Das Montagskränzchen hatte beschlossen, ihn nicht zu beschicken. Nachdem sich die meisten Mit⸗ glieder entfernt hatten, faßten die Zurückgebliebenen einen entgegengesetzten Beschluß. Eine hierauf beru— fene Hauptversammlung hob diesen letztern Beschluß einmüthig wieder auf. In Sizilien ist man geneigt, der unterdrückten Parthei in Neapel zu Hülfe zu ziehen.— In Cala⸗ brien haben sich auch Sicherheitsvereine gebildet; nach Regierungsnachrichten haben sie sich aber wieder auf⸗ gelöst. a Wien. Die Absicht der Umtriebe der Czechi⸗ schen Parthei erhellt sich dahin: Man will möglichst demokratische Ausbildung der Monarchie und Ver⸗ binndung der einzelnen unabhängigen Stämme nach Art der Schweizer-Cantone.— Die Universität will in Frankfurt Aufklärungen über die Reaction geben lassen. Bielefeld: Protest des demokratischen Vereins gegen den preußischen Verfassungsentwurf. Ostfriesland protestirt gegen den hannöverischen Angriff gegen Obergewalt der deutschen Reichsver⸗ sammlung über alle Regierungen, und gegen die Befugniß der gegenwärtigen Stände eine Verfassung zu machen. Für die künftige Verfassung, die erst nach der Reichsverfassung zu machen sei, wird Einkammergrundsatz verlangt. Darmstadt. Görz von Mainz beantragt ein einstweiliges Wahlgesetz; Auflösung der Kammer; Zusammenrufung eines Verfassungsraths auf den Grundsatz der Volksherrlichkeit. Andere beantragen Verminderung und Beurlaubung des Militairs. Heldmann beantragt bedeutende Verminderung der Ruhegehalte, augenblickliche Entlassung des stehenden Heeres. Ein Angriff gegen das Landesgestüt wurde widerlegt Hillebrand zeigte an, daß der fur, Erbauung einer neuen Anatomie in Gießen bewilligte Betrag überschritten worden. Verwilligung von 5 fl. Tag⸗ geld an unsern Abgeordneten in Frankfurt, nebst Kosten der einfachen Hin und Herreise. London. Die„Times“ bestätigt, daß es in Irland den Führern selbst nur mit Mühe gelungen sei, einen Aufstand, den sie für voreilig hielten, zu— rückzuhalten. 25. f 47 tionellen Monarchie in den einzelnen Staaten, wo Paris. Der Minister des Innern(2) begehrt Frs. 500000 geheimer Fonds für Ueberwachung der Feinde der Republik.(Geheime Polizei in der Re— publik).— Der Kreisminister ruft 80000 Mann von der Aushebung von 1847 in Dienst. Petersburg. Der Kaiser will so lange theil⸗ nahmslos(neutral) bleiben, als Sicherheit und Un— verletztheit des russischen Reichs es erlaube. Wien. Am 3. d. wurden die Werbanstalten für ein freiwilliges Reservebataillon auseinandergetrie⸗ ben.— Es herrscht Unzufriedenheit, daß Italien wie⸗ dererorbert werden soll. Den brodlosen Arbeitern ist fast durchgehends Arbeit verschafft worden. Die pro⸗ visorische Regierung in Prag scheint einlenken zu wol⸗ len, sie hat eine gemäßigte und versöhnliche Antwort nach Wien zu senden beschlossen.— Für den österreich⸗ schen Reichstag sind mittelbare(indirekte) Wahlen angeordnet worden. Prag. Der Slavencongreß findet wenig Anklang. Der Adel wird dabei in der Mehrheit sein. Jassy. Von einem hier gebürtigen russischen Offi⸗ zier, welcher vor drei Wochen vom Kaukasus ange⸗ kommen, dann von mehreren Juden, welche mit Hülfe starker Bestechung der Grenzkosaken aus Rußland sich herübergeschlichen, habe ich erfahren, daß Rußland noch weit kolossalere Kriegsrüstungen, als unter Alex⸗ ander gegen Napoleon betreibt.— Die russische Grenze gegen die Moldau längs dem Pruth, ist mit Truppen ungemein stark besetzt; an mehreren Punk⸗ ten sind Truppenmassen aufgestellt, besonders zwi schen Ifusch und Faltsi, jedoch jenseits des Pruth ist ein bedeutendes Armeecorps concentirt, und zwar kaum 5 bis 6 Tagesmärsche von dem siebenbürgi⸗ schen Ostozer Passe, mithin kaum 12 bis 14 Tage⸗ märsche von Herrmannstadt.— Außerdem ist eine Truppencolonne, besonders bedeutende Cavallerie— massen, in der Richtung von Jekaterinoslaw und Kiew, im Anzuge.— In Rußland zeigt sich auch nicht die geringste Spur von Unzufriedenheit, im Gegentheil wurde das rohe, unwissende Volk für seinen Czar durch alle Mittel fantastrt.— Bald nach Ankunft des Generals Duhamel in Jassy hat der hiesige Fürst zu seinem mehr als 30 jährigen Leib⸗ arzt, seinem treuen Hausfreunde, sich geäußert: „jetzt sei der Augenblick gekommen, wo Rußland groß— sehr groß seyn, die orthodore griechische Religion herrschend, Oesterreich aber als eu— ropäische Macht verschwinden werde.“ Berlin, 8. Juni. Der Prinz von Preußen traf heute Mittag von Potsdam mit einem Adju⸗ tanten hier ein und begab sich in die Nationalver⸗ sammlung. Einige Mitglieder erhoben sich, andere riefen:„sitzen bleiben!“ Der Priäsident ertheilte dem„Deputirten von Wirsitz“(Prinz von Preußen) das Wort zu einer persönlichen Bemerkung. Der Prinz: Durch die auf mich gefallene Wahl bin ich berechtigt, in Ihrer Mitte zu erscheinen. Schon gestern wäre ich hierher gekommen, aber es war dieß ein Tag unauslöscher Trauer(nehmlich es war der Todestag seines Vaters) und ich habe ihn im Kreise meiner Familie zugebracht. Heute bin ich hierher geeilt, und ich spreche zunächst öffentlich mei⸗ nen Dank aus für das Vertrauen, das mich hier⸗ her gerufen. Ich heiße Sie herzlich willkommen aus allen Klassen und aus allen Provinzen. Alles wartet auf uns, die wir das Werk zu vereinbaren haben, welches das künftige Verhältniß des König⸗ thums zum Volke feststellen wird. Es ist dieß ein hoher, heiliger Beruf. Die constitutionelle Monarchie ist die vom Könige vorgezeich⸗ nete Regierungsform. Dieser werde ich von nun an alle meine Kräfte widmen, alle sind bisher stets dem Wohle des Vaterlandes geweiht gewesen. So stehe ich wieder in Ihrer Mitte. Möge das Ziel glücklich erreicht, möge dieselbe Gesinnung von Allen getheilt werden, dann wird unser Werk gelin⸗ gen. Möge in dieser Beziehung mein Erscheinen ein günstiges sein. Meine übrigen Geschäfte wer⸗ den mir nicht gestatten, Ihren Sitzungen regelmäßig beizuwohnen, und ich bitte daher um Einberufung meines Stellvertreters. Uns Alle leite der Preußen alter Wahlspruch: Mit Gott für König und Vater⸗ land!(Bravo von einem Theil der Rechten, Zischen von der Linken.) Der Prinz von Preußen verweilte nur ctwa 10 Minuten in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung. Außerhalb ertönte Hurrah beim Fortgehen, wie beim Kommen des Prinzen, doch auch hier wurde bedeutend gezischt. Der Prinz fuhr ohne weiteren Aufenthalt zum Brandenburger Thor hinaus. Der Eindruck des Auftretens des Prinzen war peinlich. Er schien wohl doch einen lebhafteren Empfang erwartet zu haben. Das Be— nehmen des Prinzen war frei und unbefangen; seine Worte, fest und kräftig gesprochen, aber kalt und ohne Beifall gewinnen zu können.(Nicht nur die Linke, sondern das ganze Centrum war gegen die Auszeichnung des Prinzen.)— Als derselbe nach Beendigung seiner Rede den Saal verlassen hatte, schritt er durch eine Reihe von Menschen, welche sich auf dem Flure aufhielten. Einige riefen dem Prinzen ein Hurrah, Andere zischten und pfiffen. Da stürzte plötzlich auf einen der letzteren ein jun— ger Mann, welchen man, obgleich er Civilkleidung trug, dennoch sogleich als einen Militär erkannte, zu, schlug ihm ins Gesicht und rannte sofort zur Thüre hinaus auf die Straße. Alles stürzte dem Davoneilenden nach. Man ergriff ihn, nachdem sich der Haufe inzwischen bedeutend vergrößert hatte, im Lustgarten, von wo er, durch Einige gegen Mißhand⸗ 48 lungen geschützt, nach der Schloßwache gebracht wurde. Man hat uns den Verhafteten als einen Sec.⸗Lieut. v. Schlabrendorf(von Kaiser Franz⸗ Regiment) bezeichnet. Antwort an D. Eckersberger. 1) Eckersberger läugnet, daß er mich ersucht habe, ihn in die Persammlung des vaterländischen Vereins mitzunehmen. Er läugnet aber nicht, daß er damals schon seit einigen Ta⸗ gen in angetrunkener Verfassung lebte. Er stellte jenes An⸗ suchen an mich nicht vor Zeugen. Er weiß Dieß entwe⸗ der noch, und läugnet es darauf hin, oder er hat es wirk⸗ lich vergessen. Den angetrunkenen Zustand hätte ich ihm be⸗ weisen können, wenn er ihn geläugnet hätte.(Häufige Be⸗ trunkenheit macht übrigens einem verheuratheten Mann keine Ehre). e 2) Daß ich mich um eine Anstellung bewerbe, ist wahr; aber in dieser Zeit, wo Alles überfetzt ist, ist es nicht ehren⸗ rührig, ohne Anstellung zu sein. Hat sich nicht auch Eckers⸗ berger kürzlich gemeldet, um Bau- und Feuergeschworner zu werden? 3) Ich weiß von keiner Anstellung, die ich als Maul⸗ wurfsfänger gehabt hätte. Beweise es Eckersberger. Das ist wahr, daß ich angegangen wurde, den betrunkenen David Eckersberger aus einer Art Loch im Stall oder einer Art Keller hervorzuholen, wo er in viehischem Zustand zusammen⸗ kauert auf der Asche saß. Eckersberger ist aber kein Maul⸗ wurf. Ein Maulwurf hätte mir bei diesem Geschäft nicht so viel zu schaffen gemacht, daß mir dabei fast ein Arm zu Grund gegangen wäre,(lich spüre es noch heute). 4) Beweise Eckersberger, daß ich als„Kalfacter“ an der Eisenbahn diente. Beweise er, daß ich Jemanden„verkalfae⸗ tert“ habe, und Wen!(Was ich an der Eisenbahn um Recht und Gerechtigkeit willen gethan habe, kann ich vertreten). 5) Beweise er mir, daß ich als Krankenwärter meine Pflicht vernachlässigt habe! Eckersberger macht sich nichts da⸗ raus, Verläumdungen zu sagen, weil die Verleumdeten es ge⸗ wöhnlich für zu gering achten, darum auch nur einen Finger krumm zu machen. Sie denken: man kennt ja den Eckers⸗ berger, was der sagt, darüber kann man sich hinwegsetzen. 6) Eine Kaputze habe ich dem Bauaufseher Schmitt ge⸗ macht, aber wie Eckersberger selbst sagt, ich habe sie ihm nicht geschenkt; auch nicht gesagt, wenn ich sie geschenkt hätte, so hätte ich von Bauauffeher Schmitt, Geld für Dienst bekommen, den ich nicht geleistet habe. Beweise dieß, Eckers⸗ berger. 05 Ich vermiethe mich auf den Taglohn, aber ich entlehne nicht, wie Eckersberger, einem guten Freund, ohne daß er es merkt, die Pfeife aus dem Sack. Ich verbessere auch nicht meinen Lohn durch Gußplatten ꝛc., die ich vom Feuerheerd mitgehen heiße. Ich glaube auch nicht, daß das republikanisch ist; wenn schon sich einer Republikaner heißt, der das gethan hat. Adolph Heimreich. Warnungen. Vor einigen Wochen ist mir eine Pfeife in der Brandgasse entwendet worden. Der redliche Dieb wird gebeten, sie in 24 Stunden an den Uuterzeichneten abzuliefern, sonst wird er ge— richtlich einschreiten lassen W. Schwalb, Dachdecker. Die Entwendungen in den Häusern vermehren sich. Wie⸗ derum wurden am 8. d. aus der Behausung des Decateur Ludwig Hosch aus einer Stube im zweiten Stockwerk Klei— dungsstücke entwendet, wie man glaubt durch einen Hand⸗ werksburschen. Man warnt die Leute, die Schlüssel aun den Thüren zu lassen oder sie neben dieselben zu hängen. Verantwortlicher Redacteur: Pr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl l. in Gießen.