n Hessische Vol kszeitung. 2 11. Montag, 12. Juni 1848. T a g li ch hei iest i ierteljähri i r., die ei Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne. 12 Auch wit 2 9 r 1 Abonnement für 15 kr. urig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Rechtfertigung gegen den Eredner'schen Schimpf⸗ und Leästerartikel in der Volkszeitung 5. pag. 18.) Vorwort. Die Redaction der Volkszeitung theilt uns Hessen⸗ Darmstädtern zunächst mit, daß Hr. Professor Dr. Credner für uns sovie! gethan; hat es aber unbe⸗ rührt gelassen, ob dieses Soviel Gutes oder Schlim⸗ mes gewesen ist, und es wäre darüber vielleicht noch mancher Zweifel zu lösen, indem die Verdienste Cred⸗ ners mancherlei Art seyn sollen.— Antwort auf den Credner'schen 1ten Ar⸗ tikel, die fixe Verläumdung betr. Daß H. C. Meister in der Wortspielfabrikation ist, hat uns sein rühmlicher Streit mit Linde satt⸗ sam dargethan, sowie wir aus seinem hiesigen Wir⸗ ken genugsam erfahren, daß er auch mit Denunci⸗ ren und Verdächtigen sehr wohl umzugehen weiß. Wortspiele mit eines Andern Namen und Verdäch⸗ tigungen Anderer Charakter, worin Hr. C. bekannt⸗ lich eine Meisterschaft errungen und welches vielfach gedruckt und geschrieben zu lesen, ist eines geistlichen Professors unwürdig, zeigt auf einen gemeinen, einen grundschlechten Charakter hin. Jeder Unbefangene, welcher meinen Artikel in Nr. 16 der Sprechh. gelesen, und Hrn. C. früher sowohl, wie insbesondere auch in der neuesten Zeit beobach⸗ tet hat, wird klar mit sich seyn, daß der Ritter St. Georg, oder der Lindwurmtödter, wo⸗ für Hr. C. gerne gelten möchte, dießmal nur die Rolle eines andern bekannten Ritters übernommen und nicht einmal gegen Lindwürmchen, sondern wie der Ritter Don Quixote, gegen Windmühlen⸗ *) Hr. Credner steht an der Spitze des vaterl. Vereins in Gießen. Personen verwachseu mit den Sachen. An⸗ hänger und Gegner dieses Vereins müssen daher Theil⸗ nahme für Das empfinden, was Hrn. Credner betrifft. Das ist ein Grund für Aufnahme obigen Artikels. Der andere ist: Hrn. Credners Erwiederung gegen Hr. Vir enthält auch Gegenangriffe. Gab die Volkszel⸗ tung dem Gegenangriff Raum, so muß sie auch der Gegenvertheidigung nebst neuen Angriffen Raum ge⸗ ben,— so lange nicht die Sache in's Endlose führt. D. R. flügel gekämpft hat, welche er in seinem Wahne in meinem Artikel erblickt haben wollte. H. C. hat sich aber in der Rolle des Ritters so gut gefallen, die Huldigung ob seiner bewiesenen Bravour gegen den Lindwurm hat ihm so wohl gethan, er ist über⸗ haupt von Eitelkeit und Verdächtigungssucht so sehr angeschwollen, daß er in seinem Eifer die Rolle vom Ritter St. Georg mit der des Ritters von der trau⸗ rigen Gestalt vertauscht hat. Zu seinen früheren Siegen glaubt H. C. nunmehr noch einen neuen zufügen zu können, indem er in seiner ritterlichen Kampfeswuth mir eine Maske abzureißen sich vermißt, der ich doch keine Maske vorgesteckt, indem die Re⸗ daction der Sprechh. von mir beauftragt war, Je⸗ dermann meinen Namen zu nennen, der darnach fragen würde; mithin war auch dieß Bemühen ein Lanzenstoß in die blaue Luft hinein. H. C. nennt meine Worte der Aufklärung eine Mixtur und ein ungenießbares Gebräu und beurkundet damit nur, daß ihm dieselben nicht geschmeckt; ich habe im Pub⸗ licum ganz anders darüber urtheilen hören und zwar, als es noch unbekannt war, daß ich diese Aufklärung gegeben, und ich versichere, daß ich stolz auf dieses Urtheil sein könnte, wenn mir meine Be⸗ scheidenheit nicht verbieten würde, auf meine Rech⸗ nung zu setzen, was nur der Ausdruck der allgemei⸗ nen Volksmeinung gewesen ist, und welcher ich nur Worte geliehen habe. Hr. Credner will sogar die Beobachtung gemacht haben, es sey mir deßhalb der Kamm gesch wollen, weil er in der Sprechh. Nr. 44 auch einmal ein volks freundlicher, li⸗ beraler Mann genannt worden sey, und ich ihn deßhalb, in ächt wühlerischer Weise, als das Gegentheil darzustellen gesucht habe. Blos allzeit⸗ fertigen Kampfhähnen schwillt der Kamm, wenn sie gereizt werden, und es ist diese Erscheinung deßhalb nicht an mir, sondern nur anderswo zu suchen; auch habe ich keineswegs wühlen, sondern allein nur die seitherigen Wühlereien in Gießen zur Aufklä⸗ rung bringen wollen, zumal ich die Ueberzeugung hegte, daß der Friedensmann in Nr. 14 der Sprechh. auf falscher Spur sich befunden. In den von mir angeführten Beweissätzen über die wahrscheinlichen Ursachen der angeblichen großen Aufregung in Gießen, wird der Name des H. C. nur einmal ge⸗ nannt und zwar bei einem Factum, welches er selbst 42 zugestanden und wo ich vielleicht nur das Datum, an welchem es sich ereignete, verwechselt habe. Hr. Credner ist aber das Verdächtigen und Denunciren An⸗ derer von jeher so gewohnt, daß er alle diese Andeutungen auf sich beziehend zu erblicken sich veranlaßt steht; denn wie kann ein Unbefangener etwas auf sich beziehen, woran ein Anderer vielleicht gar nicht ge— dacht? Heißt man dieses sich nicht selbst verdächtigen? Die von mir angeführten Beweissätze nennen Hrn. C. nur ein einzigesmal und sind meist nur als Ge⸗ rüchte dargestellt; will Hr. C. sie alle auf sich be⸗ ziehen, nun so ist dieses seine Sache! Der Aufruf vom 23.(oder 28. März, ein kleiner Irrthum in Datum ändert die Sache nicht)*), von mehreren Bürgern zu einer Volksversammlung, ist in der Volksversammlung am 1. April von Hrn. C. selbst an⸗ erkannt worden, und es war diese Anerkennung die Ursache des Sturms gegen ihn, indem man glaubte, Credner habe auch die vorhergehende geheime Ver⸗ sammlung veranlaßt; ob aber diese geheimniß⸗ und verhängnißvolle Versammlung, zur Bildung einer Schützencompagnie, von Hrn. C., oder aus dem Fettstübchen, oder von sonst wo ausgegangen war, habe ich nicht behauptet, wußte ich nicht, dieß ist mir heute noch als Gerücht bekannt. Hr. C. hat sich selbst zwar den Zweifel schon gelößt, indem er in meinem Artikel die Behauptung mit dürren Wor⸗ ten sieht:„Credners Aufruf zur Bildung eines Sonderbundes und einer Schützen⸗ compagnie.“ Wie Hr. C. das Schimpfen und Denunciren versteht, so versteht er auch die Meister⸗ schaft der Wortverdrehung und Namenbeschmutzung; Wortverdrehung ist es aber auch, wenn man ein⸗ zelne Sätze aus dem Zusammenhange reißt, und ih⸗ nen dann eine beliebige Deutung giebt. Hr Credner denkt und sieht deßhalb nur Denunciationen, gleich wie der Ritter von La Mancha sich Riesen schuf, wo keine waren, und deßhalb die Windmühlen dafür an⸗ sah. Um eine Verläumdung zu finden, zeigt Hr. C. noch einen ungeheuren Fall an, indem ich 6 Wochen der Aufregungen in Gießen angegeben und es doch einige Tage mehr sind. Diese ungeheure Lüge fällt *) Hr. C. behauptet, er sei vom 19. bis 24. März in Darmstadt gewesen und habe sich daselbst mit kirch⸗ lichen Dingen beschäftigt; vielleicht hat er aber zu gleicher Zeit seiner alten Gewohnheit nach auch wieder Kollegen denuneirt? und vielleicht ist es auch damals gewesen, als er den Hrn. Kanzler Birnbaum so drin⸗ gend ersucht hat, allen seinen Einfluß anzuwenden, daß keiner der Professoren in den vaterland. ꝛc. Verein trete? Welche Zwecke konnte C. durch ein solches Ge⸗ such verfolgen? vielleicht um selbst Hahn im Korbe zu bleiben, vielleicht auch um die Nichtbeitretenden um so leichter als Republikaner und Wühler denunciren zu können? und, seinen früheren Gewohnheiten nach, läßt sich das Eine und das Andere wohl erwarten. aber nicht mir, sondern dem vaterländ. constitutionell⸗ demokratischen Friedensmann Nr. 14. der Sprech⸗ halle zur Last. Wenn Hr. C. ein Beispiel einer Lüge sehen will, dann vergleiche er einmal seine Asterisken oder Sternchen S. 144 in den unteren sechs Zeilen, dort wird er eine solche finden. Er wird dort finden, daß er gesagt, Fritzsche selig habe eine Vorlesung gar nicht und die andere nur schwach besucht, zu Stande gebracht, während Fritzsche doch die eine vor 15 und die andere vor einigen und 20 gehalten haben soll. Sie werden wissen, daß Fr. sich nicht mehr gegen Ihre Lüge vertheidigen konnte, da er bereits gestorben war. Was den weiter verdächtigten Irr⸗ thum, in Rücksicht der Zeit der Bildung des Bür⸗ gerklubs und des vaterländ. ꝛc. Vereins, so wie die Wahl des Vorstandes betrifft, so habe ich gesagt: „kaum waren die Offiziere der Bürger⸗ „garde, kaum war der Vorstand des Bür— „gerklubs gewählt, als man auch schon „hier und da eine Mißstimmung an gewis— „sen Leuten bemerken konnte ꝛc. Hr. C. hat auch diesen Satz, scheints absichtlich, entstellt, er hat ihn groß drucken lassen und legt somit großes Ge⸗ wicht darauf: vielleicht, daß er sich von der Wahr⸗ heit getroffen fühlte? und er hat den Satz deßhalb in seinem Sinne verfälscht wieder gegeben? Es ist aber ganz gleichgültig, ob der Vorstand des Bürger⸗ klubs erst am 7. oder 9. April definitiv gewählt wor⸗ den, denn er war doch früher schon provisorisch gewählt, so wie auch die Wahl der Offiziere schon erfolgt war, und Hr. C. war weder da noch dort gewählt worden, die Wahlen hatten schon gezeigt, daß man ihn nicht wollte; kaum daß er noch zu der Charge eines Rottenführers und später in den Ge⸗ neralrath kam. Wenn nun Hr. C. das von mir Gesagte auf sich bezogen hat, so kann dieß wieder nur als schlagender Beweis dienen, daß es ihn auch getroffen.(Schluß folgt). Bericht über die Volksversammlung, gehalten Freitag den 9. Juni im Busch'schen Garten zu Gießen. Präsident: Hr. Homberger. Schriftführer: Hr. Dr. Cramer. Zuerst wurde Bericht erstattet über die Vollzie⸗ hung der Beschlüsse der Versammlung vom 2. Juni, nehmlich: die Erlassung zweier Adressen, und die durch eine Abordnung an Dr. Sundheim gelangte Auffor⸗ derung, auf die Besoldung zu verzichten, die er als gewesener Stadtsyndikus noch bezieht. Es wurde eine schriftliche Antwort des Dr. Sundheim verlesen, wo⸗ durch er sich zu dem Verlangten bereit erklärt, wenn die Abgeordneten Jeder für sich ein gleich großes Opfer aus ihren Taschen bringen * D ‚ο M M n * e 9 e e Err 43 wollten und das entsprechende Capital deß⸗ halb in sichere Hand legten. Beschluß der Versammlung: den Gemeindrath anzugehen, daß die Besoldung ferner nicht mehr ausgezahlt werde. Dr. Fischer sprach über eingeschränktes Fürsten⸗ thum mit wahrer volksthümlicher Grundlage. Ge⸗ gen ihn sprachen besonders Prof. Bayrhoffer und Hochschüler Ludolph aus Marburg. Letzterer forderte zugleich zu Gründung eines, seine Zweige überall⸗ hin verbreitenden demokratischen Vereins auf, um Anhänger für die Republik zu gewinnen, die Aengst⸗ lichen zum Hervortreten zu veranlassen, und um durch Abserdung von Abgeordneten nach Frankfurt, und durch Petitionen mit Hunderttausenden von Unterschriften die Linke in dem deutschen Verfassungsrath zu unterstützen. Hierauf beantragte Hochschüler Schlich Gegenmaß⸗ regeln gegen die in Gießen vorbereitete Bittschrift um Nichtversetzung des Kreisraths Prinz. Beschluß der Versammlung: Das Ministerium angehen, daß die Adresse für Prinz nicht beachtet werde. F. F. Die Haltung der Volksversammlung vom 9. die⸗ ses war eine unruhige. Die erste Veranlassung dazu war, daß sich ein Anwesender der Ordnung nicht fügen wollte, und hinausgebracht wurde. Die zweite Veranlassung war die Antwort des Dr. Sundheim. Einem Redner schien die Stimmung der Versammlung so gereizt, daß er abmahnte, das Haus des Dr. Sundheim zu verwüsten. Ein Zwi⸗ schenspiel entstand über eine Bemerkung von Dr. Fischer, deren Sinn war: Es könne allerdings eine Möglichkeit sein, unter der neuen Ordnung der Dinge gegen Dr. Sund⸗ heim im Rechte zu siegen. Es sei nehmlich in der früheren Zeit die Bürgerschaft Gießens in ih⸗ ren Angelegenheiten(thatsächlich wenigstens) nicht souverain gewesen,— sie sei unterdrückt gewesen. Jetzt, wo sie ihre Rechte wieder errungen habe, könne sie sagen: wir erkennen von dem Geschehe⸗ nen nur Das an, was innerlich recht ist,— was bloß äußerlich recht ist, innerlich aber un⸗ recht, weisen wir von uns; wir haben es nicht ge⸗ wollt; Gewalt und List hat uns am Einspruch ver⸗ hindert, es ist ungültig, weil es uns in Unter⸗ drückung unseres Willens aufgehalst worden ist“). Auf diese Bemerkung rief Ludwig Becker aus Gießen: Er muß widerlegt werden(offenbar in der Beglaubniß, Fischer könne nicht anders, als zu Gunsten Sundheims gesprochen haben)! Er verur⸗ theilte hierauf ohne Anführung anderer That⸗ sachen, als Fischer habe in der Schweiz ein Re⸗ gierungsblatt herausgegeben, dessen Ehrenhaftigkeit. ) Dieser Satz leidet Anwendung auf noch manch' Anderes. Ich bitte die Leute vom Fach, ihn zu prü⸗ fen. F. F. Mehrere, worunter namentlich Ricker, August Becker und Hillebrand gewesen sein werden, wollten keine Persönlichkeiten dulden. Fischer wünschte: Becker solle sprechen(bei einem Mann, der in die Oeffentlichkeit tritt, soll seine frü⸗ here Handlungsweise in öffentlichen Dingen allerdings entschleiert werden dürfen). Er begehrte sodann Nie⸗ dersetzung eines Ehrengerichts von der Versammlung, um in dieser Ehrensache einen Ausspruch zu thun.— Fischer trug hierauf seine Gründe vor, warum er dafür sei,„annoch das eingeschränkte Fürstenthum auf volksthümlicher Grundlage beizubehalten.“ Die Versammlung, obschon sie ihn 8 Tage vorher dazu aufgefordert hatte, obschon sie mit Mehrheit seinen Vortrag hören zu wollen erkannt hatte, war nicht ganz ruhig. Bei jedem Satz mußte der Redner ein⸗ halten, bis wieder einige Stille eintrat. Der Vor⸗ sitzer, Ricker, August Becker, Dr. Cramer, Hillebrand und Andere bemühten sich, die Versammlung zu ru⸗ higer Haltung zu bestimmen.— Die Verhandlung wegen Kreisrath Prinz war äus⸗ serst stürmisch; Viele sprachen gleichzeitig vom Platz. Es wurden Redner verhöhnt, die Volksmänner sind(Schneidermeister Schneider). August Becker, welcher wegen seiner stärkeren Stimme den Präsiden⸗ ten abgelöst hatte, und Die, welche ihm in Handha⸗ bung der Ordnung beistanden, konnten sich nur noth⸗ dürftig Geltung verschaffen.—(Der Bürgerverein dürfte in der Nothwendigkeit sein, wenn er ferner Volksversammlungen halten will, Rotten aus seiner Mitte zu bilden, welche, auf alle Punkte der Ver⸗ sammlung vertheilt, die erforderliche Zucht handha⸗ ben, Widerspenstige umringen, und sie aus der Ver⸗ sammlung entfernten.) Franz Fischer. Die Volksversammlung vom 9. d. hat, wenn an⸗ ders der Berichterstatter nicht gröblichst irrt, abge⸗ stimmt: ob es wahr sei, daß Kreisrath Prinz den Tod eines Fellingshäuser Schulmädchens verschuldet habe. Dieß ist ein Weg, Thatsachen festzustellen, durch den unsere Volksversammlungen sich an den Pranger stellen. F. F. Herr Ludwig Becker erklärte am 9 in der Volks⸗ versammlung: er sei in der Schweiz erst ehrlich geworden. Diese Worte sind nicht so zu verstehen, als sei er früher ein Schelm gewesen, sondern er wollte nach dem Zusammenhang ausdrücken, er habe in der Schweiz gelernt, offen und frei die Wahrheit zu sagen.— Wenn Hr. L. Becker zu Denen gehört, die auch dann noch Etwas lernen mögen, wenn sie die Kinderschuhe schon ausgetreten haben; so lerne er auch jetzt noch, daß man Unrecht thut, über einen Mann öffentlich zu urtheilen, ohne sich genauer aus den öffentlich gewordenen Quellen über ihn zu unterrichten. Daß die Zeitungen in Baselland nicht das Buch der Wahrheit sind, kann Hrn. L. Becker'n nicht fremd sein.—(Will Hr. L. Becker hierauf erwiedern, so sind ihm die Spal⸗ ten dieses Blattes offen). Franz Fischer. N üng on. Eine öffentliche Rüge mag es verdienen, daß in letzterer Zeit in mehreren auf einander folgenden Nächten an der Mauer, welche Hr. Kaufmann Mül⸗ ler um sein Haus machen läßt, einige neuerrichtete Pfähle und Ecksteine muthwillig heruntergerissen wur⸗ den. Soll dem Hrn. Müller damit bedeutet werden, daß man in jetziger Zeit nicht bauen zu lassen habe? Wahrlich das ware sehr im Interesse unserer vielen Arbeitslosen gesprochen! Die Mauer, die Herr Müller eben bauen läßt, ist gewiß nicht unbedingt nöthig, davon kann sich Jeder überzeugen, und wer ängstlich auf sein Geld sieht, der läßt heutzutage keine solche Mauer bauen; Hr. Müller kann also nur die Ab⸗ sicht gehabt haben, einigen Brodlosen Arbeit zu ver⸗ schaffen. Wenn ihr's aber so macht, so wird jeder bald die Lust verlieren, in der Art etwas für die Hülfsbedürftigen zu thun. Ihr glaubt vielleicht, Eine Schwalbe mache keinen Sommer, und es mache nichts aus, ob die eine Mauer gebaut werde oder nicht?— Ich sage aber, wenn Jeder, der die Mittel hat, solche Mauern bauen ließe und für Beschäftigung sorgte, so würden viele Unzufriedene, die jetzt keine Arbeit haben, solche finden und befriedigt werden„und die Stimmung hier würde eine viel ruhigere; denn das ist gewiß, daß die größten Schreier heutzutage, we⸗ nigstens zum großen Theil, solche sind, die nichts zu verlieren, wohl möglicher Weise aber etwas zu gewin⸗ neu haben. W. Birnbaum. Die von R. Blum und Andern herausgegebene „Reichstags zeitung“ enthält einen Artikel über Hof⸗ rath Welker. Der„Jüngste Tag“ hat ihn nach⸗ gedruckt.—— Ich stehe nicht auf Welkers Rechts⸗ boden; ich habe seine Schriften nicht gelesen, weil ich Folgerungen und Anwendungen nicht lesen wollte, deren Grundlage ich verwerfe. Aber das läßt sich nicht läugnen: Welker hat vorwärts gestrebt, als Dieß noch Verbrecher war; er hat zu leuchten ge⸗ trachtet, als noch Finsterniß war; er hatte darum Zurücksetzung in Voraussicht, und ste hat ihn getrof⸗ fen! Deßhalb halte ich dafür, wir sollen fein Ver⸗ dienst ehren,— wir sollen seine Sätze, wenn wir sie nicht anerkennen, widerlegen,— wir sollen ihn aber nicht in den Dreck treten. Ein Mann im höhern Alter ist meist mit seinen Ansichten so verwachsen, daß er sie nicht mehr aufgiebt;— er ist darum nicht ein schlechter Mann. 44 August Becker, Sie, die Sie Welker'n durch Ab⸗ druck jenes Artikels und durch Ihre Vorrede dazu herabziehen helfen, haben Sie bedacht, daß Sie als Socialist nicht folgerecht sind, d. h. wenn wahr ist, daß Sie die Ansichten nicht haben, die ich Ih⸗ nen jüngst zulegte? Haben Sie bedacht, daß Sie da stehen bleiben, wo kein Markstein ist? Wollen Sie, was Sie heute sagen: in einigen Jahren bei Seit' werfen, und sagen, ich habe mit falschen Grund⸗ sätzen gefochten? Oder wollen Sie, daß folgerechte Soeialisten Sie in den Dreck treten helfen, wie Sie selbst jetzt Welkern hineintreten? f Franz Fischer. i Tagesneuigkeiten. Luzern. Schweizerrekruten für Neapel haben am Po wieder umkehren müssen. Neapel. Am Namenstag des Königs officielle Straßenbeleuchtung; Stimmung düster. Calabrien: Provisorische Regierung; die Trup⸗ pen entwaffnet; die Staatsgelder mit Beschlag belegt. Paris. Allabendliche Zusammenrottungen. Beth⸗ mont ist Justizminister. Die Socialisten haben bei den Nachwahlen in Masse gestimmt und scheinen die Mehrzahl für sich zu haben.— Posten, welche die Bürgerwehr bis dahin inne hatte, werden jetzt mit Linie oder Nationalgarde besetzt. 5 Madrid. Es ist die Rede von Schilderhebung der Carlisten. Schleswig⸗Holstein. Am 5. und 6. haben bedeutende Treffen statt gefunden zwischen Sonder⸗ burg und Gravenstein, zu Ungunsten der Dänen. Alsen soll von den Deutschen genommen sein. Der Kanonendonner bei Sonderburg machte 3 Meilen davon unaufhörlich die Fenster klirren, und die Erde dröhnen. Die Bundestruppen nahmen 8 Kanonen und entwaffneten 2 Kanonenbote. Der Verlust an Mannschaft soll beiderseits bedeutend sein. Die Dä⸗ nen sollen 10000 Mann stark gewesen sein. Freiburg(im Breisgau). Es sind wieder wür⸗ tembergische Truppen bei uns eingerückt. Frankfurt. Die schleßwig⸗holsteinische Sache ist für deutsche Volksangelegenheit erklärt. Vorbehalt der Genehmigung des Friedensvertrags durch die N.⸗V wurde abgelehnt. Waldshut. Hecker ist hier und zu Thiengen als Abgeordneter nach Frankfurt gewählt worden. Zu Villingen hatte er gleiche Stimmen mit Metz. Das Loos entschied für Letztern. Zu Neustadt a d. H. ist am Pfingstmontag Volksversammlung, wozu viele Mitglieder der Linken von Frankfurt erwartet werden. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.