N : ie 2 e st ei⸗ n⸗ 8 n⸗ ich on ie ar⸗ Hessische Volkszeitung. 0 2. 10. Jamstag, 10. Juni 1848. T ã g i erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer⸗ als besonderes Abonnement für 15 kr. viertelfährig abgegeben. Einrückungsgebühr für Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungsexpeditibnen an. —— Erklärung. Man hat gefragt: warum die Samstagsnummern der Volkszeitung besonders abonnirt werden können. Hier die Antwort. 1) Sie enthalten Wochenüber⸗ sichten der Staatsneuigkeiten; und schließen sich da⸗ her aneinander an. 2) Auch ihr übriger Inhalt ist für Die berechnet, die nur Einmal in der Woche eine Zeitung lesen wollen. An die Gewerbsleute. Wie wirds denn für die Gewerbsleute im Ver⸗ nunftstaat aussehen? Nehmlich für die Meister,— für Die, welche ein eigen Geschäft haben. Ey nun, wir wollen sehen. Die Bauern wollen nicht den Anfang mit dem Vernunftstaat machen;— sehen wir, ob es die Meister wollen! Was kosten wohl die Ladenzinse in Gießen? Sie werden getheuert haben seit zwanzig Jahren; ich kanns also nicht sagen. Ich bezahl sie auch nicht. Halt, Halt! ich geb' auch mein Theil daran; sie werden auf die Waaren geschlagen, da zahl ich sie mittelbar oder als„invirekte Auflage.“ Das muß mir beim Henker anders werden! f Der Buchhändler hat 33 Prozent; wäre nur Eine Buchhandlung in Gießen, die könnte bei 10 Prozent reich werden. Das käme mir auch zu Gut! Was nehmen die Specereihändler auf dem Kaffee und Zucker? Sie sagen: Das hängt vom Einkauf ab! Wenn ihrer aber weniger wären, so könnten die Ladendiener den ganzen Tag Tüten machen,— sie füllen und abwiegen, und ein artiges Fräulein, (eine lustige Tochter sagt der Schweizer) könnte fort⸗ während verkaufen. Sie hätten allesammt nicht lange Weile, und die Waare könnte um ein Sechstel min⸗ destens wohlfeiler verkauft werden. Das ist beim Henker auch wahr(obs schon beim Henker jetzt nicht 5 Viel heißt, weil wir keinen Galgen mehr ha⸗ en.) Wie viel Metzger verderben denn hier in Gießen? Ich glaube wahrhaftig gar keine. Da sind noch die Möhl und die Weidig, die Lampus und die Lony, ich glaube auch noch der Malkomestus, und die Andern all' sind noch da, die der Rauch im seeligen Advokat Lotz seiner Recursschrift, als Ge— 2 lehrte hat auftreten lassen. Wie wärs nun, wenn wir sparten, was denen Metzgern in den Sack fällt? Das machte mit allem Uebrigen zusammen doch Et⸗ was aus; man macht das Ding auf Actien im Großen im Vernunftstaat.(Bei der Metzgerei im Großen muß wohl Etwas herauskommen, der Rothschild hat sie ja in Wien übernehmen wollen, als die Metzger nicht mehr schlachten wollten; und er wollte noch ordentlich wohlfeiler sein, als ste.)- Da seh' ich die Bäcker auf den Stockzähnen la⸗ chen, wie es über die Metzger hergeht, und, mei⸗ nen sie, ich werde sie vergessen haben! Der Kempf und der Wallenfels, der Kämmerer und der Noll —— ober heißen sie nicht mehr so? Soll ich ihnen einmal die Rechnung im Großen machen? ich war Mitglied der Verwalung des Brodvereins in Bern, und weiß etwas davon.(Beiläufig ge⸗ sagt, hier in Gießen dürfte das Brod des Actien⸗ vereins oft besser gearbeitet und gebacken sein. Für den Caro und den Tiras mags immer gut sein, aber für Menschen mit schlechten Magen taugt es nicht immer). Wir wollen nichts weiter von den Bäckern sagen, es ist eine„heikelige⸗ Sache, wenn man sie auf den Hals kriegt. Ich muß an die Schreiner denken, ich hab' neu⸗ lich einen wiedergesehen, mit dem ich als Bub als im Kampf gelegen habe, und mit dem ichs jetzt nicht mehr aufnähm! Darüber fielen mir eben die Schreiner grad ein. Ey nun denn: Schreinerm ei⸗ ster, braucht man im Vernunftstaat auch nicht; da arbeitet Jeder die Möbeln fürs Magazin, nicht für den Meister. Die Bauarbeit wird nicht an eine Mindersteigerung gebracht,(wobei sie der Wenigst⸗ fordernde erhält, und so liefert, daß er doch dabei bestehen kann); sondern ein jeder, der ausgelernt hat, erhält Arbeit und giebt keinen Meisterbatzen ab.— So geht es denn auch bei Schneidern und Schu⸗ stern, bei Schmieden und Schlossern, bei allen Ge⸗ werben ohne Ausnahme. Oh! Oh! sagt Ihr, da gehoren Finanzen dazu, daß Einer so Etwas im Großen einrichtet; wir ha⸗ ben unsern Fond, wir Meister; macht nur Euern Vernunftstaat ohne Geld; wir wollen ihn jetzt nicht mehr zuerst anfangen, die Andern können voran gehen. Wir glauben nicht, daß Euer Vernunftstaat fertig wird! Ich will Euch einmal sagen, wie mans zu machen gedenkt. Man enteignet Euch; versteht Ihr, man nimmt Euer Werkzeug und Euren Vor⸗ rath(gelt, jetzt lachen Die, wo ihn noch schuldig sind!)— und giebt Euch zinsbare Gntscheine da⸗ für, die sich nach und nach tilgen. So! So! Ja da werden wir auch noch Was dazu zu sagen ha⸗ ben, wir Meister. Fragt sich! fragt sich liebe Meister! wir werden es sehen, wenn die Gesellen und Lehrjungen darüber noch eine Zeitlang„berich— tet“ worden sind, und Ihr selbst mitgeschrien habt, wie Ihr nur saht, daß es auf An⸗ dere losging, nicht aber auch auf Euch! Nun ja, sagt ihr, nun was werden wir denn da sehen? sags einmal! Ey nun: Sturmpetitionen wer⸗ det ihr zuletzt sehen, und Knüttel dahinter. Und zwar, liebe Meister, an Euch kommts vielleicht noch eher, als an die Bauern. n Ja! wenn nur Aussicht wäre, daß es auch gut ginge!— Aber wie wirds gehen, wenn das Ding auf Einmal und sogleich gemacht werden muß, und nicht ganz allmählig? Ich meines⸗ theils glaube, da werden Viele so gut wie gar nichts arbeiten, und doch bezahlt sein wollen, sie werden sich in keine Ordnung fügen, die Braven werden drunter leiden und„die neue Ordnung der Dinge“ wird eher Alles sein, als eine Ordnung mit der man zufrieden sein kann. Denen, welche bis dahin geführt haben, und nun: Halt! und: Ordnung! rufen, wird man„unter die Nase lachen“; und allenfalls„den Pelz waschen“. August Becker! Ich für meinen Theil glaube, Sie meinen es ehrlich, aber Sie säen Sturm. Man sagt:„Wer Wind säet, wird Sturm erndten.“ Wer Sturm säet, der wird aber Umsturz und Zer⸗ störung erndten und kein Haus zum glücklichen Wohnen. Franz Fischer. BVanern! Unser„Jüngster Tag“ sagt Euch, ich lüge, und es heiße nach seiner Lehre nicht„die Aecker her⸗ aus!“ Sehen wir, ob das wahr ist. In seiner Nr. 78(S. 313, erste Spalte) sagt der„Jüngste Tag“ Folgendes: ö „Wir haben ferner gesagt, daß der Mensch nach „dem Vernunftrecht auf die Erde „nur ein Besitzrecht, kein eigentli⸗ „ches Eigenthumsrecht habe, eben weil Her die Erde nicht geschaffen.“. Ferner: 8 —— daß der Staat Jedem, —— „ der 77 Landbauer werden wolle, für den dazu nöthigen Boden sorgen müsse.“ Geht jetzt einmal zu Eurem Advokaten und sagt: Herr Advokat, wir möchten gern dem Becker Recht 38 geben; aber wir möchten doch, daß unsere Kinder unsere Aecker von uns erbten. Wir möchten auch nicht, daß wir den Taglöhnern und den Handwer⸗ kern von unsern Ackern abgeben müßten. Brauchen wir ihnen alsdann nichts davon zu geben, wenn sie sagen:„Staat, wir wollen Landbauer werden, sorg' uns für den dazu nöthigen Boden“? Wenn er Euch dann sagt:„Ei ja freilich müßt Ihr dann geben, wenn der Staat sonst kein Land mehr zum Vergeben hat“! Dann überlegt einmal, ob Ihr hergeben wollt. Bauern! wenn Ihr dann Ja sagt; so seid Ihr edler, als alle Edelleute auf der Welt, und ich hab' mich in Euch ganz versehen. Ich selbst sage dann zu August Becker: August Becker, ich hab' geglaubt, die Bauern wären alle so, wie die, welche ich gekannt habe, ich sehe aber, daß ich neben die Scheibe geschossen habe. Gieb mir eine Ohrfeige dafür, und veracht' mich drum nicht;— die Hes⸗ senbauern sind die ersten in der ganzen Welt. Wenn Euch aber der Advokat sagt: Ihr könnt dem Becker Recht geben, und doch vererbt jeder von Euch seine Aecker auf seine Kinder, und Keiner muß den Taglöhnern und Handwerkern etwas her— ausgeben;— dann sagt: ob er Euch den Prozeß auf seine Gefahr hin fuͤhren würde, wenn man's nicht so gelten lassen wolle. Ich glaube nicht, daß er Ja sagt; sonst könnte ich auch nicht mehr glau⸗ ben, daß eine Katz' kein Vogel sei. Schließlich wiederhole ich Euch: der August Becker hat in der Hauptsache ganz und gar Recht; aber weil ich Euch Bauern kenne, so sage ich: er will über Hals und Kopf vorwärts, und so kommt's grad nicht dazu; die Welt ist für soviel noch nicht reif, und Rom ist nicht an Einem Tag gebaut worden. Franz Fischer. Herr August Becker gibt mir auf die Finger, daß ich sage: Weitling und Becker(und ich dazu) hätten im Wesentlichen gleiche Ansicht über Grund⸗ eigenthum. Ich glaub's aber doch! Wer Weitlings Schriften, den„Jüngsten Tag“ und mein Naturrecht zusammenhält, muß mehr als ein Luchs sein, wenn er da viel Unterschied findet. Nur da sind wir weit aus einander: sie meinen, alle Menschen müßten von heut auf morgen mit dem Kopf denken lernen; und ich meine: wer bis zu zwanzig oder dreißig Jahren mit dem Beutel hat denken lernen, hat gefundrn, das sei auch eine Logik, bei der man nicht grade Schiffbruch leide, und darum wird er sie nicht so leicht aufgeben. Fischer. Man tadelt, daß ich, der Ueberstürzung wehren wollend, selbst die socialistischen Dinge zur Sprache bringe, von denen man hier, Gott sei Dank! noch wenig wisse. Meine Antwort ist: 1) Der„Jüngste Tag“ spricht schon ordentlich viel davon, und wird der uch er⸗ hen sie rg' ich en, en llt. hr ich ige ab' che die ige es⸗ int der ier er⸗ eß 18 aß u; ker er ill t's ut noch mehr davon sprechen. 2) Wenn unsere Reichs verfassung gemacht ist, wird man schon die Schleußen aufziehen, und die Fluth der Schriften stürmischer Socialisten wird über uns hereinbrechen, ehe wir den Jahrstag des Censur-Begräbnisses gefeiert ha—⸗ ben. 3) Ein Geschwür wird nicht besser, wenn man's zudeckt. 4) Der Socialismus stirbt nicht, wenn ihn die Reichen„ignoriren“(nichts von ihm hören wollen);— der Vogel Strauß ist nicht ge⸗ gerettet, wenn er den Kopf in den Busch versteckt. 5) In den Gesellenvereinen, in den Wirthshäusern der Taglöhner, werden die socialistischen Schriften ausgegeben werden; nicht in den Soirés, nicht in den Hötels der Reichen. Die Kruste wird lange schön bleiben, und fest aussehen, während ste die Ratten hohl fressen.— Was ich sage, sagen noch Andere, die Bescheid wissen. Lest einmal nachstehen⸗ den Auszug aus einem Artikel der Ober-Post⸗Amts⸗ Zeit., Beil. zu Nr. 165.:„Köln. Die communi⸗ ystisch⸗socialistischen Prinzipien werden hier übrigens „den Arbeitern in einer Weise beigebracht, welche, „wir befürchten, früher als man glaubt, schlimme „Früchte tragen wird. Geht das so fort, so wach—⸗ „sen die Arbeiter ihrem Leiter, dem jetzt viele in „blinder Ergebenheit folgen, über den Kopf. Dr. „Gottschalk soll jetzt fortwährend zu ruhigem Ver⸗ „halten aumahnen, indem der Zeitpunkt zum Han⸗ „deln noch nicht gekommen sei, wo sie die Herren „würden. Welche Ideen mogen sich die Leute von „der Zukunft machen? Und welche Dr. Gottschalk „ selbst, wenn er es redlich und aufrichtig meint?“ Es sprechen also noch Andere so wie ich, wie Ihr seht, und— das Sprichwort sagt:„Man spricht von naut, es kömmt von aut.“ F. F. Man sagt mir: das Wort„Socialismus“ ver⸗ steht ja das Volk gar nicht. Es heißt: Vergesell⸗ schaftung in Allem, wo uns die Natur im Fall größer werdender Bevölkerung dazu angewiesen hat; — also etwa Vergesellschaftungslehre, Vergesellschaf⸗ tungssatz. F. F. August:„Seht ihr Kinder, das ist die Wet⸗ terau! Da liegen die Güter der Reichen, die„in wohlfeilen Pacht genommen“ werden müssen. Seht Ihr, dort bis an den Markstein. geht der Begriff von reich, soweit nehmt jetzt„in wohlfeilen Pacht“! V))ßFFFFßFCCCCCTCCCTCCCCC( TTT De 5— — 5 12 5 Wetterau l— 0 39 (Vorgezeichnetes Feld stellt die Wetterau vor. Der Markstein ist auch hineingezeichnet; aber es sieht ihn nicht Jeder. Er ist nehmlich Begriffssache letwas Ideales). Es gehört dazu ein besonde⸗ deres, philosophisches Auge. Dieß zur Nachricht für Solche, die ihn nicht sehen, und nicht wissen warum nicht?. Ein wohlstehender Bauer:„Hannes! hold Du uns Dreschflegel; dem August seine Kinner könnte den Markstän aach net so ganz genau sehe, ond könnte aach an meine Aecker komme, ond sie„„in wohlfeile Pacht nehme““ wolle“! (Vom gefährlichen Franz Fischer, vor dem der „Jüngste Tag“ die Bauern gewarnt hat.) Wochenübersicht. Portugal. Nichts Neues. Spanien. Die Minister halten sich am Platz; aber Geldnoth. Frankreich wird wohl Einkammersystem und einen Präsidenten auf 4 Jahr erhalten. Zu Limo⸗ ges Arbeiterunruhen. Im Oberelsaß zunehmendes Vertrauen. Die Meinungen in der Kammer nach der einen und der andern Seite sind fast im Gleich⸗ gewicht.— Der Judeneid ist aufgehoben. Schweiz. In Luzern macht die Klosteraufhebung Unzufriedene. Die Zurückberufung der Schweizer aus Neapel will nicht recht ziehen.(Es ist ein Fi⸗ nanzpunkt darin!) Oberitalien. Die östreichische Sache scheint zu⸗ rückgeschritten zu sein. Von Vicenza abgezogen,— das wichtige Peschiera verloren;— bei Goito eine Schlappe erhalten. Dagegen liest man östreichische Siegesberichte, welche gleichwohl nichts Rechtes enk⸗ halten.— Der Pabst hat einen Friedensboten an den Kaiser von Oestreich gesandt. Nom. Erneutes Gerücht, der Pabst wolle die weltliche Macht abtreten. Neapel. Der König will nach seinem Sieg bei der Constitution bleiben, die er am 10. Februar ge⸗ geben hat. Es spuckt aber im Land. Von Sici⸗ lien nichts Neues. ö 9 Von Griechenland und von der Türkei nichts eues. Donauländer. In Slavonien Gegenerhe⸗ bung gegen die unfreisinnigen Bestrebungen.. Wien. Der Kaiser ist noch in Innsbruck. Man sagt, er werde die Regierung dem Erzherzog Johann abtreten.— Viele Familien verlassen Wien. Das Ministerium nimmt festere Haltung gegen die Cze⸗ chen in Böhmen.— Abgeordnete der slavischen Völ⸗ kern in Oestreich halten in Prag eine Versammlung. — Schleßwig⸗Holstein. Die Dänen wollten sich möglichst gutes Spiel bei den Fiedensunterhandlun⸗ * gen machen. Als die Deutschen räumten, was einst⸗ weilen geräumt werden sollte, griffen sie daher an. (Die Dänen sind in Norddeutschland als falsch be⸗ rüchtigt.) Sie sind wieder zurückgedrängt, und man darf hoffen, daß——— die Sache als auf Miß⸗ verständniß beruhend, erklärt wird. a England. Die Fabriken sind schlecht beschäf⸗ tigt. Bedeutende Ausfuhr von Baarschaft. Rußland soll bereits 300,000 Mann zusam⸗ mengezogen haben.(An den Festungen in Posen wird preußischer Seits sehr thätig gearbeitet.) Darmstadt. Zimmermann ist Finanzminister, Hallwachs prov. Minister des Aeußern und des Großh. Hauses; Eigenbrodt prov. Minister des Innern. Der Gesetzesentwurf für die neue Ge— richtsverfassung ist vorgelegt. Die deutsche Nationalversammlung erle⸗ digte in den letzten 8 Tagen Sachen von geringe⸗ rer Bedeutung, und traf in wichtigern vorläufige Maßregeln. Tagesneuigkeiten. Paris. Cremieuxr hat seine Entlassung gefor⸗ dert. Man glaubt, noch andere Minister würden dasselbe thun. a Rheinhessen. Am 7. Juni fand zu Wörrstadt eine Versammlung von Abgeordneten sämmtlicher de⸗ mokratischen Vereine Rheinhessens statt Gwei aus⸗ genommen). Es wurden zwei Adressen angenommen, deren erste begehrt: Auflösung unserer beiden Kam⸗ mern; die erste soll nicht wieder hergestellt werden; die andere soll aus unmittelbaren Wahlen hervorgehen. Friedberg(in der Wetterau). Gegen einige Soldaten, welche dem hiesigen demokratischen Ver⸗ ein beigetreten waren, ist Untersuchung und Unter⸗ suchungshaft verfügt worden. Wien. Am 3. d. wurden die Werbanstalten für ein freiwilliges Reservebataillon auseinanderge⸗ trieben.— Es herrscht Unzufriedenheit, daß Italien wiedererobert werden soll.— Den brodlosen Arbei⸗ tern ist fast durchgehends Arbeit verschafft worden.— In der Umgegend von Wien drängt sich Militair zusammen.— Die provisorische Regierung in Prag scheint einlenken zu wollen; sie hat eine gemäßigte und versönliche Antwort nach Wien zu senden be⸗ schlossen.— Für den östreichischen Reichstag sind mittelbare(indirekte) Wahlen angeordnet worden. Prag. Der Slavenkongreß findet wenig An⸗ klag. Der Adel wird dabei in der Mehrheit sein. München. Der Kaiser von Oestreich soll eine Art Rundreise beschlossen haben. Inzwischen soll Erzherzog Stephan kaiserlicher Stellvertreter in Wien sein. Algier. Der Stamm der Flitta's hat sich em⸗ 40 Zu Constantine ist eine Verschwörung entdeckt worden, deren Seele Achmet Bei sein soll. pört. Es haben ernste Gefechte stattgefunden. Oestreichische Berichte lassen die Piemontesen in vollem Rückzug sein. Hannover, 5. Juni. Der Prinz von Preußen ist auf seiner Rückkehr nach Berlin hierselbst eingetroffen. Luzern. Das Nein(veto) gegen das Kloster⸗ aufhebungsdekret ist nicht durchgedrungen, weil Die, welche sich des Stimmens enthalten, angesehen wer—⸗ den, als stimmten sie Für. Lyon. Es haben Gewaltthätigkeiten bei den Mu⸗ nicipalwahlen stattgefunden. Frankfurt. Die Frage des Vorsitzenden, ob wegen angeblicher Bedrohung der Sicherheit der Nationalversammlung und der dagegen zu ergreifen⸗ den Maßregeln zur Tagesordnung übergangen wer⸗ den solle, wurde fast einstimmig und mit vielen Beifallszeichen bejaht. Schleswig⸗Holstein. Apenrade ist von den Deutschen genommen worden. Verlin. Der Prinz von dam angekommen. Italien. Man erwartet eine Hauptschlacht in der Nähe von Mantua. München. Mißhandlung eines Münchner Stu⸗ denten, der über eine Predigt lachte, scheint Anlaß zu Unruhen zu geben. In Dresden: Auflauf über einen Neugroschen. Preußen. Die Opposition in der preuß. Nat.⸗ Vers. ist schwach. Berichtigung. Der in der vorigen Nr. gegebene Bericht über die Sitzung des vaterland. Vereins vom 5. d. M. enthält verschiedene we—⸗ sentliche Unrichtigkeiten, von welchen die auf eine an die National⸗Versammlung zu erlassende Adresse sich beziehen⸗ den hierdurch beseitigt werden. Der erwähnte Bericht sagt aus, es sei vor Vorlesen der Adresse Protest erhoben und die Sache als überflüssig, verspä⸗ tet, ja schädlich hingestellt worden. In diesem Sinne habe sich ausgesprochen Welcker, Weber und Eckstein.— Da aber weder ich, noch mein Sohn, uns gegen eine Adresse aus⸗ gesprochen, die wir nicht gehört, wir Beide nach Vor⸗ lesung derselben aus ganzem Herzen sie zu unterschreiben gesonnen waren, so können wir zu keiner Zeit Gegner dersel⸗ ben gewesen sein. Die Wahrheit ist Dies: Vor Mittheilung der Adresse erinnerte ich im Allgemeinen daran, man möge mit zu erlassenden Adressen moͤglichst sparsam sein, und die mit Adressen bereits überhäufte N. ⸗ V. in dieser Bezie⸗ hung schonen. Dieser Ansicht stimmte mein Sohn bei, bat jedoch, vor Allem die vorliegende Adresse zu hören. Die Adr. wurde verlesen— sie fand allgemeinen Beifall. Gießen den 8. Juni 1848. Ludwig Welcker. Preußen ist in Pots⸗ Wegen des Pfingstfestes erscheint morgen, den 12. Juni, keine Volkszeitung. Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl l. in Gießen.