Hessische Volkszeitung. Sonnabend, N 8. 1818. 3. Juni Täglich Nummer 2 kr. Auch wird die Samstagsnummer erscheint dieses Blatt und kostet hier vierteljährig 1 Gulden, monatlich 20 kr., die einzelne. 1 0 1 r fü j Anzeigen ist 2 kr. die Zeile. Bestellungen darauf als besonderes Abonnement für 15 kr. viertel ährig abgegeben. Einrückungsgebühr für nehmen alle löbl. Postämter und Zeitungserpeditionen an. Wegen der Aecker. Wer ist zu Stadt und Land, der nicht den„Jüngsten Tag“ kennt?— Wir meinen nicht den jüngsten Tag der Offenbarung Johannis, der auch das Jüngste Gericht heißt, und zu welchem wir aus den Grä⸗ bern auferstehen werden, sondern den Gießener„Jüng⸗ sten Tag“, der wenigstens unterhaltender zu lesen ist, als die Marienlieder von Guido Görres, obschon sie schön sein mögen.(Alle Marien und Mariechen da⸗ bei in Ehren, und alle Annemariechen auch!) Gewiß Ihr kennt den„Jüngsten Tag“, von dem ich rede, und er hat Euch zuverlässig auch gefallen; denn er zeigt Jedem grade die Seite der neuen Weltordnung, die ihm besonders gefallen muß. Man soll aber keine Kuh kaufen, von der man nur den Schwanz gesehen hat, das gebt Ihr Alle zu.— Ich will Euch daher von der neuen Weltordnung noch mehr zeigen, als Das, was für Euch der Schwanz ist. Wollt Ihr sie dann heute noch, so soll es mir lieb seyn; ich wünsche, daß Ihr sie kauft. Aber ich glaube, Ihr wollt sie dann für Kinder und Enkel aufschieben, und dann ist's auch gut. Ich weiß dann, daß es Mord und Todtschlag gegeben hätte, wenn Euch die Sache aufgeschmuselt worden wäre, ehe Ihr sie recht kanntet. Also zur Sache. Und zwar heute einmal Et vas 5 für den Bauer. Meine lieben Bauern, die Ihr den Vernunftstaat wollt, rückt einmal Eure Aecker her⸗ aus, sie müssen Gemeingut werden; im Vernunft⸗ staat hat Niemand Eigenthum an Grund und Bo⸗ den. Was Ihr verdient habt, soll Euer bleiben; für Bau und Besserung sollt Ihr Ersatz haben; aber die Aecker gebt Ihr heraus, die hat die Natur Allen zusammen gegeben, damit ste sich allesammt darauf ernähren, die werden Gemeingut.— So! So! Wollt Ihr denn nicht daran? Ich hab' es ge⸗ dacht. Ihr meint nur, das wolle auch der„Jüngste Tag“ nicht, er sage kein Wort davon! Fragt ihn einmal. Oder lest das Buch seines Freundes, des „genialen Schneiders Weitling,“ da könnt Ihr noch mehr als nur Das lesen. Dem„Jüngsten Tag“ ist das Ding keine Neuigkeit, wenn schon er es Euch nicht sagt. Er weiß, daß er Euch damit bock⸗ beinig machen wird, trotz anderer schöner Aussichten; er kennt Euch, er weiß: der Spatz in der Hand ist ———— Euch lieber als die Taub' auf dem Dach, und in Sachen des Beutels seid ihr Philosophen(Welt⸗ weise) eines besonderen Schlages. Euch wenig⸗ stens predigt er also diese Sache nicht. Da giebt es aber andere Leute, die werden für das Aecker-heraus offeneres Ohr haben, als Ihr; ich meine Die, wo gar Nichts haben, die begreifen bald, daß die Erde nach Gottes Wille Gemeingut sey. Ja, vor 25 Jahren, so in der Zeit, wo das Malter Korn 3 Gulden galt, und überall mehr zu verdienen war, als beim Landbau, da war das Ding noch mehr Einerlei. So ist es aber nicht mehr; wir haben jetzt ein Viertel Menschen mehr im Land, als damals, und das Korn gilt 6 fl. 40 kr. In andern 25 Jahren können die Menschen noch um ein Viertel mehr geworden seyn, die Aecker werden bis dahin aber wohl nicht gewachsen seyn, bei Gießen sind sie noch so groß, wie zur Franzosenzeit.(Bloß hat es beim Thomasloch den Heuchelheimern ein schön Stück von einer Wiese weggerissen; das war aber Anno 1815 schon im Zug.) Dann werden also Fünf vor dem Bauer stehen, wovon Jeder ein Malter Korn braucht, während der Bauer nur vier zu vergeben hat. Wie wird Einen da auf dem Kopf beißen! Da wird hinter den Ohren gekratzt werden! Da werden die Aecker was gelten,— und die Frucht auch! Da wird's aber auch erst Leute geben, die begreifen wollen, daß ste Gemeingut seyen, und daß man sie Euch nehmen müsse! Was meint Ihr jetzt, Bauern, wenn ich alle Tage so ein halb Stündchen mit den Taglöhnern rede, mit den Handwerksgesellen und Lehrjungen, mit den Dienstboken, mit ehrlichen Leuten, die sich nicht durchbringen können, und mit Lumpenkerlen, die sich nicht mühsam durchbringen wollen! wenn ich ihnen alle Tage dasselbe Lied singe, immer in einer andern Weise(Melodei), soll ihnen das nicht zuletzt im Kopf bleiben? Mein' ich denn Ja. Wenn Ihr's nicht glaubt, so erfahrt Ihr's noch einst,— denn der„Jüngste Tag“ wird diesen Vers schon aufstecken, wenn es ihm Zeit scheint, und durch die vier Posaunen blasen, die ihr in seinem Schild seht, d. h. durch Posaunen, die in alle Weltgegenden ru⸗ fen und in allen Winkeln gehört werden. Schwört nur zum„Jüngsten Tag“, lobt mir den Mann, sagt: er weiß, wo Barthel den Most holt.“ Ja, aber wenn er daran kommt, ihn in Eurem Keller zu holen, so kommt mir auch nicht klagen. Oder meint Ihr, im Vogelsberg, im Hinterland habe man keinen Most im Keller? Nun Ihr habt Kar⸗ toffeln drin und Wurzelwerk, und Frucht auf dem Boden und Vieh im Stall ꝛc.— das braucht man eigentlich noch mehr, als bloß Most. Der Bauer hat noch allemal zuletzt die Zeche bezahlen müssen. Und so wird es ihm auch gehen, wenn zu geschwind die Welt verbessert wird.— Das sollte eigentlich in jedem Kalender stehen, damit es sich recht tief unter die Pelzkappen einprägte. Franz Fischer. Rund sch ea u. Portugal und Spanien sind ruhig. Es scheint, die Königin von Portugal hält mehr von dem, was sie nach der letzten Empörung versprechen mußte, als Anfangs schien.— In Madrid ist erst letzthin ein Aufstand mit Gewalt unterdrückt worden. Por⸗ tugiesen und Spanier sehen uns jetzt zu. Was bei uns geschieht, wird Rückwirkung auf ste haben. Frankreich hat böses Werg am Rocken. Ar⸗ beiterbevölkerung in den großen Städten, die von Tag zu Tag höhere Forderungen stellt! Absatz der Arbeit, das ist die Nuß, die zu knacken ist, und die von Tag zu Tag härter wird. Die französischen Fabrikate sind meist Lurussachen. Das Aufwand⸗ machen muß aber zurückgehen, das thuts nicht an⸗ ders. Frankreich kann sich nur durch Einrichtung der großartigsten Answanderung nach Algier helfen. Wollen die Fabrikarbeiter nicht, so führe man die Bauernsöhne dahin, anstatt sie Garnisonen aushal⸗ ten zu lassen; aus den Fabrikarbeitern mache man dann Soldaten, gute oder schlechte. Die alten Sün⸗ den strafen sich, wenn es heißt: Pariser geht nach Algier. Nach der Julirevolution führte man ein paar Tausend dahin, und versprach ihnen Arbeit in der Stadt und auf dem Feld. Um die Stadt war es nicht sicher; in der Stadt war nicht viel zu thun. Es ging diesen Leuten übel; das machte der Regie⸗ rung nicht viel; aus Paris war man sie los. Als ste mürb wurden, machte man eine Legion Soldaten daraus, und als sie soldatisch gezogen waren, ein Regiment. Die Spitäler und die Zwangsarbeits⸗ anstalten hatten so viele gefressen, daß aus der Le⸗ gion nur ein Regiment gemacht werden konnte. Man hat oft von ihnen in Zeitungen gelesen; sie hießen als Legion die Pariser, als Regiment die 67er.— Solche Vorgänge machen, daß die Arbeiter jetzt lie⸗ ber in Paris bleiben wollen. Man hat in der Na⸗ tionalversammlung einen Antrag gegen die Natio⸗ nalwerkstätten gestellt, indem das Unpraktische der Sache und der Nachtheil für die Industrie nicht 10 mehr zu bestreiten sey. Der Antrag ist erheblich erklärt.— Lamartine, Minister des Auswärtigen in Frankreich, will Polen wieder aufrichten durch die Hand Deutschlands und der übrigen Großmächte. Er will keine französische Armee dahin senden. In der Schweiz hat das Bundeshaupt abdan⸗ ken wollen. Ochsenbein, der Freischaarenführer, wollte seine Entlassung haben, wenn seine Politik nicht durchgehe, nehmlich wenn man Freischaaren nach Italien ziehen lasse. Man hat ihm die Entlassung. nicht ertheilt;— das Kind hat die Mutter ver⸗ läugnet.— Mit der Einheit wollen die Schweizer kleine Schritte machen; Volkskammer, und daneben Kammer von den Cantonen, als solchen, beschickt.— Die Schweizer haben schon einmal Einheitsrepublik gehabt, von 1798 bis 1803. Das Ding ging gar nicht gut. Doch— für Jemand ging es gut, nehm⸗ lich für die Franzosen, die fanden Geld im Staats⸗ schatz zu Bern, daß sie damit den Feldzug nach Egypten ausrüsten konnten. Und dabei haben sie wohl in der Schweiz gelebt,— soweit sie nicht todt⸗ geschossen wurden—, man lebt gut in der Schweiz. In Oberitalien ist noch kein Theil dem an⸗ dern Meister. Gäben es doch die Oestreicher auf. Zuletzt verlieren sie es doch. Wenn nicht, was wird es jährlich kosten, es zu behaupten? Die Italiener werden die Franzosen zu Hülfe rufen. Lamartine wird alsdann fallen; denn seine Politik ist gut, wenn die Sache gut kommt; im anderen Fall hat er Unrecht, und man sagte ihm dagegen: Hel⸗ fen wir unsern natürlichen Brüdern, damit sie nicht erdrückt werden; sonst haben wir auch keine Hülfe, wenns an uns geht.— Die vereinte Flotte der Italiener ist vor Triest erschienen; sie wird diesen wichtigen Hafen sperren. In Neapel war eine blutige Schlacht. Das Volk begehrte einen Verfassungsrath, der am Platz des königlichen Statuts vom 12. Februar eine Ver⸗ fassung gebe. Der König mit den stehenden Trup⸗ pen, wobei drei Regimenter schweizerischer Söldner, hat es besiegtz die Lazzaronis(die Lumpenkerls) schlos⸗ sen sich ihnen zum Plündern an.— Die Einen wer⸗ den sagen: der Schandkerl hat sein Volk kartätscht; die Andern; er ist in seinem Recht gewesen, er hat seine Rechte geschützt. Die Volkszeitung sagt: Er wird es auszufressen haben. In der Schweiz wird ein Schrei der Entrüstung darüber seyn, man wird die Militaircapitulationen aufheben(die Regimenter können nach der Lombardei gehen); ohne Schweizer wird der König sich nicht halten können!“ Aus Sieilien hört man wenig. Es kann dieß kein übles Zeichen seyn. Sonst hört man gewöhn⸗ lich, nachdem ein Volk die Freiheit errungen hat: jetzt zerfleischen sich die Parteien at sum gin In Griechenland ist nicht gar gut König seyn; SS(. . lich gen irch hte. an⸗ lte icht ach ing. er⸗ zer ben lik gar m⸗ ts⸗ ach sie dt⸗ in⸗ uf. ird ler ne ut, all el⸗ cht fe, er en nicht bloß jetzt, sondern seit Jahren schon. Wenn die Griechen nicht wohlfeilere Seefrachten machten, als die Engländer, so hätten ste mehr Ruhe. Und wenn die Russen nicht auch Griechenland möchten! Der Großtürk und der Pabst waren Letztlich daran, die dicksten Freunde zu werden. Man wollte dem russischen Einfluß auf die christliche Bevölke⸗ rung den römischen Einfluß entgegensetzen. Obs jetzt einschläft? Die Jesuiten könnten in die Türkei gehen, sie haben Urlaub.(Sie gehen aber nicht gern fort, wo sie gut wohnen. Nach der Ueber⸗ gabe von Freiburg, im Sonderbundskrieg, fand sich im dortigen Jesuitenpensionat ein Verzeichniß ihrer Sitze in Frankreich und des Personenbestands, das nach der öffentlichen Zurückziehung der Jesuiten aus Frankreich errichtet worden war.) In den Donauländern ist Krieg: Croaten ge⸗ gen Ungarn. In Wien war man mit der neuen Verfassung nicht zufrieden. Sturmpetionen, Nachgeben. Da macht sich der Kaiser mit seiner Haushaltung auf die Reise nach Tyrol; es habe es schon lange versprochen ge⸗ habt. Jetzt große Bestürzung in Wien. So ein Hof setzt Geld in Umlauf. Wenn nur zuletzt die Wiener nicht merken, es könne auch ohne Hof ge⸗ hen. Sie scheinen sich schon Etwas zu besinnen. Wenn ich der Kaiser wäre, so eilte ich mich, wieder heim zu kommen. In Böhmen giebts Czechen und Deutsche. Die Böhmen waren seit Jahrhunderten mit Deutschland vereint. Jetzt wollen sie nicht mehr, jetzt ist Deutschen⸗ haß. Jetzt, wo Deutschland die neue Freiheit be⸗ grüßt! Die Böhmen müssen stark Grund zum Kla⸗ gen gehabt haben, daß sie in diesem Augenblick 7 trauen. Gebrannte Hand scheut's Feuer, sagt man. Die Böhmen haben“ sich im 15ten Jahrhun⸗ dert erhoben, eine kirchliche Reformation gemacht, und Schlachten geliefert, daß das Reich vor ihnen gezittert hat. Zwietracht war ihr Untergang. Man hat sie wieder katholisch gemacht. Sie sind übrigens Dickschädel,— und gute Musikanten. 13 Baiern scheint ruhig. Man wird behutsam mit dem Malzaufschlag(Biersteuer) sein. Das ist dort Haupt⸗ bedingniß der Ruhe, und ihr Bier ist gut. Baiern hat, wie man es sonst nannte ultramontan(überka⸗ tholisch) nach Frankfurt, gewählt; so auch noch an⸗ dere katholische Gegenden. Man sagt die Ultramon⸗ tanen werden Republik wünschen, um im Trüben fischen zu konnen. Sie werden wohl auch einmal ausgefischt haben,— der Trierer Rock hat großen Theil an dem, was uns 1848 gebracht hat. Jetzt ist's von solcher Sache wieder still, man spricht so wenig mehr davon, wie von den Heren, die zu ih⸗ rer. Zeit sehr häufig waren,— fast nicht auszurot⸗ 11 ten.— So rotten sich aber Ideen aus, zu denen sonst Stein und Bein geschworen ward.— Leipzig hat schlechte Messe gehabt. Preußen hat den polnischen Aufstand gedämpft. Wir sind ein wenig fern von der Sache; es ist schwer darüber urtheilen.— Die Abgeordnetenversamm⸗ lung in Berlin wird preußische Nationalversammlung eißen. 5 In Mainz haben die Preußen mit den Bür⸗ gern mehr als bloße Händel gehabt. Wird man die Preußen in Mainz lassen? Sie haben jetzt selbst wegbegehrt. Haben sie Recht oder Unrecht ge⸗ habt; so haben sie doch in jedem Fall der preußi⸗ schen Sache schlecht gedient; was sie den Mainzern thaten, wird am Rhein, soweit er preußisch ist, wir⸗ ken.— Preußen hat eine Verfassung geschaffen. Hätte sie der König 1848 seinem Volk zum Neu⸗ jahrsgeschenk gemacht, da wäxre sie besser angekom⸗ men. Jetzt wird der Dank nicht gar groß sein.— Der demokratische Klupp in Berlin hat dagegen protestirt. Der Kampf in Schleswig ⸗Holstein scheint aus. Der Frieden wird unterhandelt. Belgien muß sich gut bei seiner Constitution befinden; es könnte Republik haben, wann es wollte. Will sie aber nicht. Holland hätte wohl gern gesehen, es wäre beim Alten geblieben, und auch die Eisenbahn von Köln nach Antwerpen wäre nicht. Zu Nymwegen hat man die deutsche Kokarde insultirt. Hätte nur Holland seine Schulden bezahlt! England hat ein paar Crawalle unterdrücken müssen. Die Russen brauchts vor der Hand nicht in Ostindien zu fürchten, die richten alle Augen nach unsern Gränzen. f Aus Rußland hört man selten was Neues. Daß es sich„auf alle Fälle“ rüstet ist begreiflich, wenn wir auch Nichts davon hören. Die Tscher⸗ kessen werden einen ruhigen Sommer haben. Volks⸗ versammlungen sind in Rußland nicht erlaubt. Kein Mensch spricht mehr vom mexikanischen Krieg; es scheint, die Sache soll ganz unbemerkt ausgemacht werden. Was noch weiter liegt, als Meriko, ist für die Zeitungen ganz aus der Welt gerückt. 5 Hessendarmstadt. An die Stelle der 24 Kreis⸗ räthe treten 10 Regierungscommissionen; in Ober⸗ hessen 5, in Starkenburg 4, in Rheinhessen 1. (Gießen, Alsfeld, Friedberg, Nidda, Biedenkopf,— Darmstadt, Heppenheim, Dieburg, Erbach;— Mainz). Den Regierungscommissionen werden un⸗ besoldete Bezirksräthe beigegeben, die aus dem Volk gewählt werden.(Darüber später einmal). Was seither beim deutschen Verfassungs⸗ rath in Frankfurt geschehen ist. Am 48. Mai wurde der deutsche Verfassungs⸗ rath in Frankfurt eröffnet. Heinrich von Gagern wurde vorläufig Präsident, Soiron Vicepräsident. Am 31. Mai wurden Beide bleibend erwählt. V. Gagern sprach sich gleich anfangs für den Grund⸗ satz der Volksoberherrlichkeit aus. Er deutete an, daß er für den Fall bleibender Erwählung seine Ministerstelle niederlegen werde. Die ersten Ge⸗ schäfte der Versammlung waren natürlich Formsachen. Sie eilt sich damit; auf Jaups Antrag wurde die Geschäftsordnung in Bausch und Bogen angenom- men. Der wichtigste Beschluß geht dahin, daß die Verfassungen einzelner deutscher Staaten, soweit sie mit der zu erlassenden allgemeinen Verfassung im Widerspruch stehen, ungültig sind,— bis dahin sind sie aber wirksam. 124 0 14% tam Nach Mainz hat die Versammlung eine Com⸗ mission geschickt. Die Sache selbst hat sie nach ge⸗ schehener Berichterstattung den annoch zuständigen Behörden überlassen.— Zur Beruhigung Böhmens wird sie in Bälde den Antrag Mareck's behandeln, daß allen Nichtdeutschen im Bund ihre. Nationalität garantirt werde.— Dieß ist seither auch beschlossen worden. i. Anträge sind viele gestellt worden. Viele Ge⸗ genstände derselben müssen ohnehin bei den Grund⸗ sätzen der Verfassung für ganz Deutschland zur Sprache kommen.(Es wird sich Mancher mit dem Antragstellen Namen machen wollen). Mehrere ge— then auf Sicherung der Versammlung gegen Gewalt. Die Einen fürchten Einmischung von Fürstengewalt, die Andern eine Sturmpetition von Republikanern. Zwei Anträge zielen dahin, daß die National⸗Ver⸗ sammlung neben dem Verfassungsmachen auch das Heft in die Hand nehmen.— Von andern Anträgen nennen wir: Garantie der Staatsschulden in allen deutschen Staaten;— politische Amnestie;— innere Colonisirung; Verbot von Spielbanken und Lotterien;— Aufhebung von Fideicommissen und Majoraten(geht an vielen Orten a an);— Vehältniß zu Rußland;— Bund mit Un⸗ garn und den Donauländern;— Fortsetzung der östereichischen Westbahn über Regensburg und Nürn⸗ berg;— Maßregeln gegen Entwerthung des Ei⸗ genthums;— Wahrung unserer Handelsinteressen in Amerika gegen England.— Die Luxemburger wollen Instrüktion einholen, weil nach dem Lurem⸗ burger Verfassungsentwurf die Frankfurter Beschlüsse der Genehmigung des Königs⸗ Großherzogs unter⸗ stellt werden müssen, die Versammlung aber Etwas dem Widerstreitendes beschlossen hat. 1 uch die Bauern lichen Antrag auf nächste Sitzung ei 5 2 Tagesneuigkeiten. Wien. Ein ungrisches Blatt meldet, nus von Croatien habe sich unterworfen. Wien. Es hat sich ein permanenter S i⸗ cherheits-Aus schuß, aus Bürgern, Na⸗ tionalgarde und Studenten bestehend, mit dietatorischer Gewalt und über dem Mini⸗ sterium stehend, gebildet, der seine Siz⸗ zungen im Stadthause hält,. 3 Wien. 5 pCt. Met. 59 ½¼. Paris: 5 PCt. R. 69 ¾. In Eisenbahnactien bessere Stimmung. (Mehr Vertrauen, als in Wien.) Triest. Die italienische Flotte will den; Han⸗ del und Verkehr nicht stören. Das neapolitanische Geschwader ist nach Neapel zurückgekehrt. Schleswig⸗Holstein. Das„Rendsburger Ta⸗ geblatt“ schreibt Folgendes: Im Sundewittschen ist ein bedeutenderes Gefecht vorgefallen. Die Mitthei⸗ lungen darüber widersprechen sich; nach der einen sollen die Dänen mit Verlust zurückgezogen seyn, nach der andern 50 Gefangene gemacht und 6 Ka⸗ nonen erbeutet haben. Nach andern Nachrichten ha⸗ ben sich die Deutschen zurückgezogen. 5 Paris. Hier angekommene Privatbriefe melden, General Antonini sey mit 1200 Mann aus Vene⸗ dig gegen die Oestreicher gezogen und habe ein mör⸗ derisches Treffen gegen dieselben bestanden. Eine Kugel hätte ihm einen Arm abgeschossen, doch hoffe man ihn zu retten. Auch soll es sich bestätigen, daß zu Mantua eine Collision zwischen Oestreichern und Ungarn stattgefunden habe.. Aus dem Elfaß. Seit einiger Zeit schenkt der Ba⸗ man den Sparkassen wieder Zutrauen. Genf gibt einen schrift⸗ in, dahin gehend, es möchten die mit Neapel in Milltärcapitulat n stehenden Kantone eingeladen werden, ihre Trup⸗ Schweiz. Tagsatzung. pen von dort zurückzuziehen, damit dieselben nicht ferner gegen die Sache der Volksfreiheit verwendet werden möchten.(Basl. Z.) f f 42585 Ne form. Kürzlich ward durch tobende. Volksmassen die nächtliche Ruhe des Bürgermeisters von Stolpe ge⸗ stört. Derselbe trat im Schlafrock unter die Tu⸗ multuanten und fragte: denn? Man schrie ihm entgegen: wie wille dat ok, wat de andre ner, da söllt ji ok alle hebben. Na, Kinner, wat wille ji Burgemeester, wille.— Wat wille denn de andre?— Ja, dat weten wie ok nich, und dat möten wie hebben.— Gott, Kin⸗ — Na, denn gode So trennte man sich dem man diese Concession erhalten Nacht, Herr Burgemeester.— in Frieden, nach hatte.. Perantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer. Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.