Hessische Volkszeitung. D A1. S amstag, 2. September 18418. Dieses Blatt erscheint fernerhin jeden Samstag. Für Gießen kostet es pierteljährig 20 Kreuzer; für die Abnehmer des Gießener Anzeige⸗ blatis auf dem r ber kostet es bei allen Postämtern und Zeitungsexpeditionen 24 Kreuzer. ande gibt es der Herausgeber als eine unentgeltliche Beilage mit. Für andere außerhalb Gießen Wohnende Die Vereinigung von Böhmen, Deutsch⸗Posen, Welsch⸗Tyrol und Istrien mit dem deutschen Reich. Ueber Dänisch⸗Schleßwig. Ueber 3 HOiesterreichisch⸗Italien. 5 5 Die Czechen in Böhmen wollten Trennung vom deutschen Reich. Die Welsch⸗Tyler ebenfalls. Die Posener wollten den deutschen Theil von Posen an das Reich nicht abgeben, dieser selbst aber verlangte dahin. Istrien wollte selbst mit dem Reich vereinigt sein. Die dänischen Bezirke in Schleßwig verlangten stets bei Dänemark zu bleiben. Das österreichische Italien wollte von Osterreich los sein.— In den bei⸗ den letztern Fällen hat die Nationalversammlung ihre Ansicht noch nicht erklärt; in den vier erstern hat ste Vereinigung mit dem deutschen Reich ausgespro⸗ chen. Ist nun in diesen vier Fällen überall recht und folgerichtig entschieden worden? und woran ist inn den beiden noch unentschiedenen Fällen zu hal⸗ ten? Diese Fragen wollen wir hier mit einigen Worten beleuchten. Der Beurtheilung der einzelnen Fälle schicken wir die allgemeinen Grundsätze, nach welchen sie zu beurtheilen sein dürften, voraus. J) Gleiche Zwecke und Vortheile binden die Völ⸗ ker natürlicher und fester, als gleiche Nationalität (gleiche Abstammung und Sprache). Das Band wird um so seser, wenn ste dabei aufrichtig und gerecht gegen einander sind,— wenn kein Theil Hor dem andern Bevorzugungen hat oder sucht.(Sind doch auch gar oft Freunde einander fester verbun⸗ den, als Brüder oder Vetter!). Ein schlagendes Beispiel, daß gleiche Interessen fester binden, als leiche Abstammung, liefert die Schweiz, welche deut⸗ che, französische, italienische und rhätische Nationa⸗ tät zusammenbindet, ohne daß diese ihren verschie⸗ denen Stammverwandten vereint zu werden begehrten. (Wäre nicht in Böhmen, in Polen, das deutsche Blut von den Regierungen bevorzugt worden, so würden dort die Trennungsgelüste von Deutschland so wenig Anklang gefunden haben, als sie ihn jetzt im Elsaß finden würden) 2) Weder der Wille der Bevölkerung, noch die enügende Anzahl derselben, um einen besonderen taat zu bilden, noch der bewohnte Boden, noch die Nationalität entscheiden einzeln für sich, welchem Staat eine Bevölkerung angehören solle,— sondern allen diesen Dingen mit einander ist die natürliche und den Verhältnissen angemessene Rücksicht zu tragen. 3) Im Allgemeinen macht der Volkswille den Staat; denn die Bevölkerung ist Träger der staatlichen Selbstherrlichkeit. Soweit daher nicht be⸗ sondere Gründe entgegenstehen, entscheidet der Wille der Bevölkerung, zu welchem Staat sie ge⸗ hören solle. ) Der Volkswille kann daher auch Verhältnisse gutheißen und gerecht machen, die ihm seiner Zeit ungerecht aufgezwungen worden sind. f 5) Jeder Theil eines Volkes, der aus thatsüch⸗ lichen Gründen ein besonderes Ganze bildet, kann verlangen, daß ihm sein besonderer Wille gelassen werde, soweit nicht besondere Gründe in den Weg treten. a 6) Der Wille der Bevölkerung muß zurückstehen, wenn sie durch die bewohnte Oertlichkeit angewie⸗ sen ist, mit bestimmten Nachbarn einen gemeinsamen Staat zu bilden, z. B. wenn sie von dem Staats⸗ gebiet der Letzteren umschlossen ist, oder wenn sie deren Schutz oder Ausgangsthore bewohnt, oder wenn sie mit Andern eine Oertlichkeit bewohnt, welche die Natur durch die Begränzungsverhältnisse ꝛc. zu einem einzigen Staatsgebiet bestimmt hat. 7) Der Wille der Bevölkerung muß auch zurückste⸗ hen, wenn ste getrennt dastehen will, während sie für einen selbstständigen Staat zu schwach ist; ferner 8) wenn sie sich, ohne besondere Vortheile davon zu haben, von ihren natürlichen Brüdern trennen möchte, und diese dadurch die erforderliche Kraft zu fernerer Selbstständigkeit verlören. 9) In der gleichen Nationalität liegt allerdings eine Anweisung zur Vereinigung. Unbedingten Ab⸗ schluß der Nationalitäten will aber die Natur nicht. Eigner Wille der Betheiligten und Oertlichkeitsver⸗ hältnisse beschränken daher den Grundsatz, daß die Staaten nach Nationalitäten zu bilden seien, sowie dieß hieroben schon angedeutet worden ist. 10) Gehören zu einem Staat Landestheile, worin ein fremdes Volk wohnt, das losgegeben zu werden verlangt, und dem entsprochen werden muß,— ha⸗ ben sich aber während der Vereinigung Personen des Hauptvolkes dort angestedelt, so muß das Haupt⸗ volk begehren, daß diesen Anstedlern diejenigen Rechte sicher seien, welche jeder Bürger in einem Staat anzusprechen hat, namentlich daß den Anstedlern 178 völlige Gleichheit mit Denen werde, unter welchen stie wohnen, und Sicherheit, daß kein National⸗ oder Religionshaß sie drücke. Ist darüber keine genug⸗ same Sicherheit zu erlangen, weil das loszugebende Volk noch zu wenig staatsmündig ist; so ist es so⸗ lang zu bevormunden, bis es weiter fortgeschritten ist.— Dieß ist um so strenger zu handhaben, je⸗ mehr die Ansiedler sich in dem loszugebenden Lan⸗ destheile in der Aussicht ansiedelten, daß die Ver⸗ einigung eine fortwährende sein werde.: Dieß sind die Grundsätze, nach welchen die oben⸗ gemeldeten Fälle, wie wir glauben, zu entschei⸗ den sind. i n 6 Nach diesen Grundsätzen war es gerechtfertigt, Böhmen bei Deutschland zu halten. Böhmen ist für einen selbstständigen Staat zu schwach. Den übrigen slavischen Völkern sind die Czechen so fremd, als wir Deutsche ohngefähr den Dänen. Dazu ist Böhmen von Ländern, die zum deutschen Reich ge⸗ hören, ganz umschlossen. Gleiche Zwecke und Vor⸗ theile, gleiche Handelswege ꝛc. weisen auch Böhmen an Deutschland, und wenn fernerhin das czechische Blut gegen das deutsche nicht zurückgesetzt wird, so wird auch das czechische Trennungsgelüste aufhören. Wie die Sachen jetzt stehen, könnte Böhmen auch nicht ganz freigegeben werden, sondern es müßte zu Beschützung der dort angesiedelten Deutschen unter deutscher Vormundschaft gehalten werden. 2 8 Deutsch-Posen, derjenige Theil von Posen, wo das Deutschthum überwiegt, bildet aus diesem Grund einen Landestheil, der besondere Betrach⸗ tung für sich in Anspruch nehmen kann. Sein Wille muß daher entscheiden, wohin er gehören soll, wenn nicht andere Gründe im Weg sind. Die Oerllichkeit erlaubt sowohl, daß er zu Deutschland, als daß er zu Polen gehöre. Zur Selbstständigkeit Polens, wenn dieß selbstständig wiederhergestellt wer⸗ den sollte, ist es nicht erforderlich, daß es bei Po- len bleibe. Es ist daher gerechtfertigt, daß man Deutsch⸗Posen auf sein Begehr in den deutschen Bundesstaat aufgenommen hat.— Ebenso rechtfer⸗ tigt es sich, aus dem unter 10 hiervor Gesagten, daß Polnisch⸗Posen unter deutscher Vormundschaft gehalten wird, bis die dort angestedelten Deutschen von dem polnischen National- und Religionshaß nichts mehr zu fürchten haben werden. 5 Welsch⸗Tyrol würde der Nationalität nach zu Italien gehören, wohin es auch verlangt hat. Sei⸗ ner Lage nach bildet es eine Reihe hintereinander⸗ stehender Thore, die von Italien ins deutsche Tyrol führen(es nimmt einen Theil des Etschthals ein). Da noch dahinterliegende Thore zu Deutsch⸗Tyrol gehören, und dessen Zugang schützen; so kann es als Vertheidigungsthor vom deutschen Tyrol nicht angesprochen werden. Im Gegentheil, in dieser Be⸗ 85 ziehung könnte es grade von Italien angesprochen werden, welches verlangen könnte, nicht gegen Ein⸗ fälle aus dem Bergland Throl offen zu sein. Der einzige Grund, den wir für seine Zurückhaltung beim deutschen Reich auffinden können, ist, daß Italien dieses Thor nicht fordert, und daß die Vereinigung dieses Gebiets mit dem übrigen Tyrol auf einem Grund beruht, auf welchen die Bewohner entweder bei Tyrol bleiben, oder das Land verlassen müssen. (Wie die Sachen jetzt in Italien stehen, darf man annehmen, daß die Welsch⸗Tyroler froh sind, daß ih⸗ rem Trennungsbegehren nicht entsprochen worden ist.) Istrien bildet unser mittägliches Seegebiet; Triest unser Seethor, Pola unsern künftigen füdlichen Kriegs⸗ hafen. Wir hätten daher Vereinigung dieses Gebiets mit dem deutschen Reich aus höhern Staatsgründen fordern können, wenn es nicht selbst die Aufnahme begehrt hätte. J Dänisch⸗Schleßwig ist in der Lage wie Deutsch⸗ Posen. Die Gründe, die uns berechtigten, Deutsch⸗-Po⸗ sen gegen den Widerspruch von Polnisch⸗Posen ins Reich aufzunehmen, verbinden uns, Dänisch⸗Schleß⸗ wig abzugeben, wenn es verlangt, bei Dänemark zu bleiben. b Osterreichisch-Italien kann nach unsern obi⸗ gen Grundsätzen seine Losgebung von Oesterreich ver- langen. Die Italiener sind an Zahl eine so große Nation, daß sie verlangen können, für sich zu be⸗ stehen. Auch ihre örtliche Lage ist hierfür günstig. Sie weist namentlich Lombardei und Venetianisches an Italien, nicht an Deutschland oder Oesterreich. Venedigs Hafen bedürfen wir nicht. Triest ist un⸗ ser Seethor und Istrien bietet uns auch Häfen genug. Unser Gebiet ist gegen Süden genugsam geschützt ohne den Besitz von Oberitalien. Daß Oester⸗ reichisch⸗Italien Trennung wollte, hat es durch seine Rebellion bewährt; nicht anders⸗gesinnte Italiener, sondern Deutsche, Ungarn, Crogten ꝛc. haben es wieder unterworfen. Man begeht ein Unrecht, wenn man es gegen seinen Willen bei Oesterreich hält. (Die Schuldenverhältnisse sind natürlich vorher zu regeln, aber auf gerechte Weise.) 1 Auch die Frage wegen Aus witz und Zator— zwei kleine Fürstenthümer zwischen Schlesien und Gallizien—, welche nicht zum deutschen Reich ge⸗ g hören wollen, ist nach den angegebenen Grun dsätzen zu behandeln. g 1 Einen Gegengrund auf einen Grund. 00 Wenn die Nationalversammlung ein Jahr über die Grundrechte berathen sollte(wie Hr. Vogt ge⸗ sagt haben soll, worin ihn aber der Erfolg wider⸗ legen dürfte); so würde unser verfassungsgebender Landtag für das Großherzogthum Hessen wohl gleich⸗ he- est 8⸗ . ts en ne h⸗ b⸗ 8 ß⸗ zu i⸗ f be 1 g. es n⸗ en 1 ne 775 f 7 in 1 2•5 n e im 4 en ng m er 23 . viel Zeit zu diesen Dingen brauchen. Denn auch hier würde es an Rednern Für und Gegen nicht fehlen. Man würde in diesen Dingen keine Ober⸗ flächlichkeiten begehen wollen, die hintennach durch die Erörterung der Nationalversammlung blamirt wür⸗ den. An Zwischenverhandlungen über Fragstellungen an die Minister ꝛc. würde es auch nicht fehlen. Un⸗ ser verfassungsgebender Landtag säße also auch ein Jahr lang über den Grundrechten,— machte ein Jahr lang Arbeiten, die uns die Nationalversamm⸗ lung erspart, wenn wir ihr nicht vorgreifen wollen. Nicht nur ein Jahr lang Arbeiten wurde uns aber erspart, sondern auch die Kosten, die der verfassungs⸗ gebende Landtag während dieser Zeit dem Land ma⸗ chen würde. Diese betragen bei einer Versammlung von 90 Mitgliedern nebst dem Hülfspersonal im Jahr beiläufig 365mal 500 fl., oder im Ganzen 185000 fl. Wir meinen, das sei auch Etwas! Etwas für den„Jüngsten Tag.“ 1) Wer ist es, der sich blamirt, ist es Dr. Lanz, der das Volk über die Ständevertagung aufklärt, oder ist es der„Jüngste Tag“, der ihn darüber an⸗ fällt, ohne ihm auch nur Ein Wort widerlegen zu können? i i 5 2) Herr Lanz soll verleumden und denünciren, indem er von einer wühlerischen Partei ꝛc. ꝛc. spricht. Wer hat denn das von ganz Deutschland zurückge⸗ stoßene Bayrhoffer'sche Plakat gegen die National⸗ versammlung in Gießen angeschlagen? Wer hat denn im Busch'schen Garten den Minister Jaup der Hülfs⸗ leistung zu Unterschlagungen beschuldigt? Wer krach⸗ tet also die Nationalversammlung und das Ministe⸗ rium Jaup zu stürzen? Sind Nationalpersammlung und Ministerium Jaup auch„faul und verrottet“? 3) Hr. Lanz soll denunciren, indem er eine Par⸗ tei im Allgemeinen kennzeichnet! und damit fällt ihn der„Jüngste Tag“ an, der selbst fast in jeder Nummer namhaft gemachte Personen in ihren öffentlichen und Privatverhandlun⸗ gen wahr und unwahr aufmatschiren läßt! Oh du— erzpfiffiger„Jüngster Tag“!“. 4) Ist es nicht ein Denunciren an eine gewisse Volksjustiz, wenn der„Jüngste Tag“ seinem eigent⸗ lichen Publikum Jemanden als den Erzfeind bezeichnet? 5) Der„Jüngste Tag“ fragt nach den Züͤgellosig⸗ keiten und Aufreizungen ꝛc., die ihm zur Last lägen! Was ist— um einen Fall für viele zu nennen— der Artikel:„Hr. F. F. noch einmal!“ von A bis Z etwa anders, als Zügellosigkeit und Aufreizung gegen eine Person aus politischen Gründen? ) Erinnert sich der„Jüngste Tag“ immer noch, daß das Erbleichen seines Sterns seit dem Flug⸗ blatt„An die lieben Landsleute“ so bedeutend ward? 479 Das zeugt von Gedächtniß,— aber Hr. Lanz ist sogar der Verbreitung jenles Flügblattes gänzlich fremd! 6), Ah! Ah! Winkelpiessen verbreiten„Vogts na⸗ turphilosophische Weltansichten.“ Winkelpressen sind es also, welche die Reden der Abgeordne⸗ ten der N.⸗V. über Deutschland verbrei⸗ ten! Oh du alle Pressen zu Winkelpressen machen⸗ der„Jüngster Tag, n 8) Gibt es naturphilosophische Weltansichten in Vogt, die er in der Nationalversammlung vorträgt, ohne daß sie die Welt hören soll? Was zum Henker, wofür redet er denn in Frankfurt wenn er da nicht für alle Welt sprichkk t: 9) Haben wir nicht gesagt: Im Vernunftstaat fällt das Christenthum, das Privatgrundeigenthum, das heutige Familienwesen ꝛc. ꝛc. 2c. hinweg, und un⸗ sere Republikaner, die sofort den Vernunftstaat wol⸗ len, läugnen Dieß ab, weil sie wissen, daß sie sonst mit dem Vernunftstaat abfahren,— viele von ihnen auch, weil sie über den Vernunftstaat noch ganz im Dunkeln tappen!? Nun ist Vogt in Frankfurt mit dem Capitel Christenthum herausgerückt, während er es hier hinter dem Berg hielt. Hinter dem gleichen Berg ist noch mehreres Andere, wofür wir so we⸗ nig reif sind, als für sofortige Aufnahme der„natur⸗ philosophischen Weltansichten“ Vogt's. Grade wegen dieser Nichtreife und aus keinen andern Gründen sind verständige Ehrenmänner soeben gegen Republik! 10) Was beweist der„Jüngste Tag“, indem er thüt, als habe Ht. Lanz die Einfältigkeit begangen, 65 „Ohne Tugend kann kein Staat bestehen; Treue ist eine Tugend n folglich dütfen wir uns in unserer Treue „y und in unserem Vertrauen nicht erschüt⸗ %% Er beweist, daß Hr. Lanz in seinem Brochürchen nichts Einfältiges gesagt hat, denn sonst würde er ihn dort packen! Er beweist ferner, daß er über Hrn. Lanz grimmig ist, und daß nicht jeder Grim⸗ mige ein Löwe ist. N 11) Verdanken wir dem„Jüngsten Tag“ die Preß⸗ freiheit, oder verdanken wir der Preßfreiheit den „Jüngsten Tag“?(Für die Preßfreiheit wurde von den Leuten gekämpft, welche die Presse 2 la Jüng⸗ ster Tag jetzt todtschlagen möchte. Hr, L., der in Belgien die freie Presse beobachtet hatte, und der selbst die Feder zu führen weiß, konnte die Preß⸗ freiheit nur mit Freude begrüßen.) a 5 12) Hat Hr. L. je Bauern beredet, an Volks⸗ versammlungen„Herunter“ zu rufen? Hat er Krea⸗ turen und Helfershelfer mit Geld geworben? Ver⸗ dächtigt ihn irgend Etwas, daß er Solches billige?— Wahrhaftig, wenn der„Jüngste Tag“ dem Hrn. Lanz auf glaubhafte Weise so Etwas aufhesten könnte, so würde er ihn nicht sparen!— Ist er auch kein Leue, so packt er doch an, wo er kann; und wo er auch nicht kann.— Schenkte ihm nur das Publikum noch mehr Glauben! g Erste und lebte Erklärung an den„Jüngsten Tag“. Mit Befriedigung habe ich den in Nr. 153 genannten Schmähblattes gegen mich gerichteten Artikel, gelesen, weil ich daraus entnahm, daß der von mir nicht einmal genannte Gegner sich dergestalt getroffen fühlt, daß er Zeter schreit. Das ist die Macht der ee grip durch * 1 allen Heuchelschein der Volksbeglücker dringend, das wüste Treiben im rechte Lichte dargestellt hat. Der Gegner schimpft, das ist ein Zeichen, wie der Ge⸗ meinheit, so der Schwäche. Die Sache steht auf schlechtem Boden, die keine besseren Argumente hat. Mich aber kann ein so gemeiner Gegner we⸗ der kränken, noch blamiren, noch viel weniger dazu reizen, mich auf gleichen Boden mit ihm zu stellen. Ich überlasse solche Art zu balgen den Gassenbuben und denen, die sich mit diesen auf gleiche Linie stel⸗ len. In der That, wie ein Lob von dieser Seite bei Leuten von Vernunft und gesundem Sinn nur als Schmach gelten kann, so nehme ich die Läste⸗ rungen von Seiten des Organs der Besudelung nur mit derselben Befriedigung auf, wie den Beifall eines Ehrenmannes. Ich werde ermuntert durch den Er⸗ folg, fortfahren, die verderblichen Grundsätze und das heillose Treiben der anarchischen Faction mit allen ehrenhaften Mitteln, die mir zu Gebote ste⸗ hen, zu bekämpfen, und durch Beleuchtung mit der Fackel der Wahrheit die Nebelbilder täuschender Vor⸗ spiegelungen zu verscheuchen. 1 Gießen, 1. Septbr. 1848. Karl Lanz. N Wochenschau. 5 Deutsche Reichsangelegenheiten. Die deulsche Nationalversammlung hat vollkom⸗ mene Glaubens⸗ und Gewissensfreiheit ausgespro⸗ chen; Niemand ist verpflichtet, seine religiösen Ueber⸗ zeugungen zu offenbaren ꝛc. Die Staatsbürger⸗ pflichten dürfen auf den Namen der Religion hin nicht verletzt werden.— Gagern ist wiederum zum Präsidenten, v. Soiron zum Vieepräsidenten der N. ⸗ V. erwählt worden. Der Reichskriegsminister hat in der N.⸗V. die Auskunft ertheilt, daß der Sache nach dem Hul⸗ digungsbegehren in allen deutschen Staaten nunmehr genugsam entsprochen seit. Krawalle werden seltener. Ein bedeutender 180 Katzenmusik⸗Krawall war in Cassel wegen Ver⸗ haftung zweier Gardisten, die mit Bürgern die Kopf⸗ bedeckung gewechselt hatten. In Aschaffenburg gab es beim Forstfrevelgericht zwei Todte. Im Harz war ein Bergarbeiter⸗Krawall. In Mainz wurden vom Militär Zerstörungen in einem Bilder⸗ laden angerichtet. In Wien waren ernste Arbei⸗ terunruhen(siehe Oesterreich). In Gießen war ein Studentenkrawall, wobei ein Student.— der gemachten Meldung nach durch einen Schuß von Seite der Studenten selbst— getödtet wurde. In Oesterreich geht es, seit der Kaiser nach Wien zurückgekommen ist, nicht besser. Die Presse greift das constitutionelle Kaiserthum an. Sie greift auch das Ministerium an.(Die radikale Presse sucht alle Ministerien abzunützen; sie will ein Ministerium der socialistischen Republik.) Wien hatte einen Kampf gegen seine Arbeiter, worin 18 Arbeiter getödtet und 152 schwer verwundet wurden, darunter mehrere Wei⸗ ber. Der Anlaß war eine Lohnherabsetzung; doch sind die Arbeiter auch stark aufgewiegelt worden. Man hat mit dem Schießen nicht gezögert; doch scheint es, daß bei Zögerung nichts gewonnen wor⸗ den wäre. Der Ausbruch wäre später nur um so stärker gewesen. Der Sicherheitsausschuß ist aufge⸗ löst und das Ministerium hat die vollziehende Ge⸗ walt ganz an sich genommen. Zwischen Deuschland und Dänemark ist so⸗ eben wirklich Waffenstillstand abgeschlossen worden. ö Im österreichischen Italien, in der Land⸗ schaft Brescia und Como, streifen noch gegen 4000 Freischärler herum, und führen Guerillakrieg.— Der Zustand in Venedig sei traurig.— Das Mi⸗ nisterium zu Turin erklärt den vom König abge⸗ schlossenen Waffenstillstand mit Oesterreich für null nichtig. 7 8 Die Ungarn sind bei einem Sturm auf St. Tho⸗ mas zurückgeschlagen worden. Ihre Sache steht schlecht. Die beiderseitigen Truppen begehen arge Rohheiten. Frankreich entsendet viele Truppen nach der italienischen Gränze.— Ledru⸗Rollin hat anerkannt, daß er die republikanischen Einfälle in Baden, Bel⸗ gien und Savoyen habe betreiben lassen, und daß ste aus dem Staatsschatz unterstützk worden seien.— Gegen Louis Blanc und Caussidiere ist Untersuchung wegen der Maiereignisse erkannt worden. Sie sind hierauf geflüchtet.— Es werden in der Republik Frankreich fortwährend Zeitungen mit Beschlag be⸗ legt, oder am Erscheinen verhindert. Die Staats⸗ anwälte haben Weisung zu scharfer Ueberwachung der Presse.— 20,000 Arbeiter verlangen Ueber⸗ siedlung nach Algier.— Man verlangt jetzt Ent⸗ schädigung für die Sclavenhalter in den Kolonien (90 Millionen Franken!) 92 a Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Pischer. Druck von G. D. Brühl J. in Gießen.